8. Februar 2017

Spitzenreiter!

Nicht wenige hatten gehörigen Bammel vor dem Spiel gegen Fortuna Düsseldorf. Nicht, weil die zuletzt fünf Mal in Folge sieglosen Rheinländer Angst und Schrecken verbreiten würden, sondern, weil die Konkurrenz dem VfB die Tabellenführung auf dem Silbertablett serviert hat und der VfB selbst dazu neigt, solche Angebote dankend abzulehnen.

Ich selbst wollte mir das nicht einreden, es musste einfach klappen, mit dem Sprung an die Tabellenspitze. Die Vergangenheit zählt nicht mehr, außerdem stand auf der Gegenseite ja auch „nur“ Düsseldorf und nicht Leverkusen oder Schalke. Vor dem Spiel bei den Würzburger Kickers wäre die Chance als Herbstmeister zu überwintern zwar auch gegeben gewesen, doch, auch dies war eine andere Situation. Ein von Verletzungen gebeutelter Kader, mit dem Nackenschlag der Heimniederlage gegen Hannover 96 im Gepäck und dem Urlaub vor Augen hatte giftigen Unterfranken nichts entgegen zu setzen.

Randnotiz dazu: ich hatte nach dem Spiel geschrieben, es sei unklug gewesen, die Spieler direkt im Anschluss an das Spiel in den Urlaub zu schicken, und nicht noch eine Trainingswoche mit Option auf Verkürzung bei entsprechender Leistung anzusetzen. In Lagos habe ich mit Jochen Röttgermann darüber sprechen können, woraufhin er doch tatsächlich bestätigte, dass sie intern auch darüber diskutiert hätten, dass dies wohl ein Fehler gewesen war!

Ein weiterer Aspekt, nicht in der Vergangenheit zu kramen und darauf zu hoffen, dass das Team aus solch verpassten Chancen gelernt hat, ist, dass der VfB im Trainingslager in Lagos hervorragend gearbeitet und den Grundstein für eine erfolgreiche Rückrunde gelegt hat. In St. Pauli lag spielerisch zwar noch einiges Argen, aber, wenigstens hat man die Mentalität gezeigt, die es in der 2. Liga braucht und man hat den Kampf angenommen. Zudem konnte man sich zum Transferschluss hin noch einmal verstärken und sendete damit unmissverständliche Signale an den Rest der Liga und auch an die Mannschaft, dass in dieser Saison einzig und allein der Aufstieg zählt.

Dass beim VfB von den Neuzugängen gegen die Fortuna einzig Brekalo im Kader stehen würde, war zu erwarten. Als Offensivspieler ist er leichter in das Mannschaftsgefüge zu integrieren wie Innenverteidiger Onguéné, der erst noch das Spielsystem kennenlernen muss oder Ofosi, der am Samstag noch das Spiel um Platz drei beim Afrika-Cup in Gabun absolvierte und erst noch vorgestellt werden muss.

Für die Startformation war Brekalo noch kein Thema, in diese rückten im Gegensatz zum St. Pauli-Spiel Anto Grgić und Carlos Mané anstelle von Zimmer und Zimmermann. Brekalo kam eine halbe Stunde vor Schluss, als das Spiel so gut wie entschieden war und gab ein durchwachsenes Debüt ab. Seine Schnelligkeit stach zwar sofort ins Auge, sonst aber wirkte er sehr eigensinnig und bisweilen leichtsinnig, was in einem Dribbling an der eigenen Strafraumgrenze mündete. Für einen jungen Spieler, der mit wenig Spielpraxis ankam und starke Konkurrenz beim Zweitligisten vorfand, durchaus verständlich, dass er auf sich aufmerksam machen möchte. Doch, Eigen- und Leichtsinn ist sicher nicht das, was Wolf von ihm sehen möchte, so dass er Brekalo dieses noch austreiben wird.

Und doch verdeutlicht auch diese Verpflichtung, dass man dem von Wolf favorisierten Hochgeschwindigkeitsfußball immer näher kommen möchte und auch näher kommt. Es ist schon jetzt eine Augenweide, wenn Julian Green, Takuma Asano und Carlos Mané Tempo aufnehmen und die gegnerischen Abwehrreihen förmlich überrennen. So ist es auch kein Zufall, dass der VfB DER Frühstarter der Liga ist und das Spiel einmal mehr nach zwanzig Minuten (so gut wie) für sich entschied. Beide Tore fielen zwar nach Flanken aus dem Halbfeld und doch waren die Highlights des Spiels die wahnsinnig schnell vorgetragenen Konterangriffe, die den Rheinländern den letzten Mut raubten, etwas weiter aufzurücken. Vor allem Asano bestach mit seiner beeindruckenden Schnelligkeit, leider fehlte ihm die letzte Konzentration beim Abschluss, er hatte drei Hochkaräter auf dem Fuß.

Auch Anto Grgić wusste auf der Sechs zu gefallen und fiel durch seine Eleganz und Spielübersicht positiv auf. Dabei erinnerte er mich an den jungen Murat Yakin, den ich seinerzeit gerne spielen sah. Frappierend in diesem Spiel aber auch, dass nicht alle im Team diesen Tempofußball mitgehen können. Dabei tat sich besonders Kapitän Gentner hervor, der in der einen oder anderen Situation nicht richtig antizipierte und nicht gedankenschnell genug war, um auf die Ideen seiner Mitspieler einzugehen.

Bei ihm fallen diese Defizite mehr ins Gewicht als bei Defensivspielern, da er kraft seiner Position ins Offensivspiel eingebunden sein müsste. Sollten Schindelmeiser und Wolf die Erneuerung unseres VfB weiterhin in einem solchen Tempo vorantreiben, könnte auch seine Wachablösung schneller Realität werden, als man heute noch denkt.

Dank des Blitzstarts mit den Toren von Terodde (Kopfball, abermals nach Flanke von Insúa, 12. Saisontreffer) und Green (Direktabnahme nach Grgić-Flanke bei seinem Heimdebüt) grüßt der VfB nun von der Tabellenspitze. Einzig die Chancenverwertung war zu bemängeln, mit ein bisschen mehr Galligkeit vor dem gegnerischen Tor wäre ein Kantersieg locker drin gewesen. Die Düsseldorfer kamen während des gesamten Spiels gerade einmal zu einer nennenswerten Torchance und wirkten meist heillos überfordert.

Der VfB ließ einmal mehr die Gelegenheit liegen, etwas fürs Torverhältnis zu tun und sich auch diesbezüglich vom Rest der Liga abzuheben. Zwar ist man geneigt zu sagen, dass es auch nicht so schlecht ist, sich die Tore für Sandhausen aufgehoben zu haben, doch, da wartet ein gänzlich anderes Spiel auf den VfB gegen eine äußerst unangenehm zu bespielende Mannschaft.

Sandhausen nimmt derzeit Tabellenplatz sechs ein, hat respektable 30 Punkte auf dem Konto und ein Torverhältnis von +11 (der VfB, +12). Zudem ist Sandhausen seit vier Ligaspielen ohne Gegentor, das letzte musste man Anfang Dezember beim Auswärtssieg in Nürnberg (1:3) hinnehmen. Diese Zahlen und auch das Hinspiel, als man nach vermeintlich sicherer 0:2-Führung hinten hinaus noch gehörig ins Wackeln geriet und den Sieg nur mit Glück über die Zeit schaukelte, verdeutlichen, dass es fatal wäre, die Nordbadener zu unterschätzen im Sinne von „es ist ja nur Sandhausen“.

Nach den 38.200 Zuschauern, die den Heimsieg gegen Düsseldorf sehen wollten und konnten, hoffe ich auf eine ungleich größere Kulisse am Sonntag. Diese Anstoßzeit mag dem Familienmenschen auch nicht ganz gelegen kommen, ist aber noch um einiges machbarer als der Montag-Abend-Termin, wo gerade die vielen auswärtigen VfBler teils zwei Tage Urlaub benötigen würden, um ins Neckarstadion zu können. So hoffe ich auf weit über 50.000 Zuschauer, die Tabellenführung sollte zusätzlich locken, und darauf, dass unsere Frühstarter den Sandhäusern, ehe sie sich auf den äußeren Rahmen so richtig eingestellt haben, ein, zwei Kisten einschenken und die Weichen frühzeitig auf Sieg gestellt werden.

Noch ist es viel zu früh, den Rückrundenstart und die Tabellenführung überzubewerten und eine Tendenz für den weiteren Saisonverlauf abzuleiten. Ebenso ist es zu früh, Gewinner und Verlierer im Kader auszumachen, vor allem bzgl. denjenigen, die in den bisherigen zwei Rückrundenspielen noch überhaupt nicht zum Einsatz kamen, wie bspw. Berkay Özcan und Alexandru Maxim. Die Kunst von Hannes Wolf muss es sein, gerade nach der Verpflichtung der Winterneuzugänge, seinen gesamten Kader bei Laune zu halten und allen einzuimpfen, dass sie wichtig und Teil des Teams sind und das Pendel bei entsprechenden Trainingsleistungen jederzeit auch wieder zu ihren Gunsten ausschlagen kann. Mit den Spielern, mit denen man definitiv nicht mehr plant, hat man Tacheles geredet, die Chance aller anderer wird kommen, spätestens, wenn man mit Verletzungen oder Sperren zu tun hat.

Der VfB hatte lange keinen so ausgeglichenen Kader und keinen so erbarmungslosen Konkurrenzkampf mehr, wie derzeit. Dass hier immer auch wieder welche durchs Raster fallen und zwischenzeitlich außen vor sind, ist normal. Umso größer ist der Ansporn derer, die derzeit die Nase vorn haben, diese vorn zu behalten und durch Leistung zu überzeugen und im Team zu bleiben, so wie am Montag gegen Düsseldorf demonstriert. Ich habe in der jüngeren Vergangenheit selten einen derart dominanten VfB gesehen, der von Position eins bis elf besser besetzt war als der Gegner. Selbst vermeintliche Startelf-Wackelkandidaten wie Marcin Kamiński bestachen durch sauberes Passspiel, Konzentration und Achtsamkeit, so dass sich wohl auch Onguéné zunächst einmal hinten anstellen muss.

Der erste Sieg gegen Fortuna Düsseldorf seit 25 Jahren, bei allerdings auch nur drei Jahren gemeinsamer Ligazugehörigkeit während dieser Zeit, geriet nie ernsthaft in Gefahr. Dass man in der zweiten Hälfte, nach drei vergebenen Großchancen in den ersten fünf Minuten, einen Gang zurückschaltete und nicht mehr ganz den Zugriff auf die Partie hatte, wie noch in Halbzeit eins, hat den Protagonisten selbst nicht gefallen, so dass wir Fans uns mit überbordender Kritik zurückhalten sollten. Wir tun gut daran, den handelnden Personen, die derzeit sehr viel richtig machen, zu vertrauen. Man sollte bei all unserer augenscheinlicher Qualität nicht erwarten, dass wir jeden Gegner haushoch aus dem Stadion schießen und uns in erster Linie darüber freuen, wenn die drei Punkte unter Dach und Fach gebracht worden sind.
Ich halte es mit Hannes Wolf und sehe uns am Anfang eines langen Weges. Daher bin ich zufrieden damit, peu à peu Fortschritte zu sehen, vor allem dann, wenn sie sich auch noch in den Ergebnissen niederschlagen und wir Tabellenführer sind.

Schon jetzt kommen wir Wolfs Ideal, Hochgeschwindigkeitsfußball spielen zu lassen, immer näher. Die Mannschaftsteile arbeiten besser zusammen als in der Vorrunde, auch die Offensivkünstler waren sich gegen Düsseldorf nicht zu schade, in der eigenen Hälfte Bälle zu erobern.

Derzeit sehe ich sehr viel, was mich positiv stimmt. Daher bin ich sehr zuversichtlich, dass wir im Mai nicht „nur“ den Aufstieg feiern werden, sondern auch das Fundament einer Mannschaft steht, die uns auch in der Bundesliga mehr Freude machen wird, als wir sie in den letzten Jahren des Herumdümpelns hatten.

Bis dahin fließt jedoch noch viel Wasser den Neckar hinunter, nächstes Etappenziel, Heimsieg gegen Sandhausen, Sonntag, 13.30 Uhr. Alle ins Neckarstadion, die Kulisse wird (außer der spielerischen Klasse) unser großes Plus sein!

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17. August 2016

Träumen ist erlaubt!

Zwei Spiele, drei Punkte, zwei Tore! So die Bilanz nach den ersten beiden Zweitligapartien des VfB seit 39 Jahren. Die Ausbeute, durchwachsen, die Auftritte, ernüchternd, teils beschämend. Dass der angestrebte Wiederaufstieg kein Selbstläufer werden würde und auch die 2. Liga den einen oder anderen Stolperstein zu bieten hat, war von vornherein klar. Dass aber auch noch Mitte August mit einer Rumpfmannschaft gespielt wird, der Kader für einzelne Positionen überhaupt nichts her gibt und sich noch immer zu viele Absteiger, die keinen Abnehmer finden, in der Truppe tummeln, hätte ich so nicht erwartet.

Gut, es sind noch zwei Wochen Zeit den Kader verbessern und die Saison ist noch lang. Daher ist also noch nicht der Zeitpunkt gekommen, in Panik zu verfallen.

Und doch ist nach den ersten beiden Spielen Ernüchterung eingekehrt, weil der VfB dort weiter macht, wo er in der Bundesliga aufgehört hat. Es hat geradezu den Anschein, der VfB habe seine Spielweise von der Bundes- in die 2. Liga hinüber „gerettet“, was jedoch kein Grund zur Freude, sondern eher einer zum Durchdrehen ist.

Gegen St. Pauli noch, so schlecht vor allem die erste Halbzeit war, konnte man am Ende konstatieren, dass es mehr als drei Punkte auch in diesem Spiel nicht zu gewinnen gab, der Trainer am Ende alles richtig gemacht hatte und, dass der VfB sich ja sicherlich steigern und noch richtig in der 2. Liga ankommen würde. Zudem machte Mut, dass man in der Bundesliga nach einem derartigen Auftritt wohl gegen jeden Gegner eine Klatsche kassiert hätte, er in der 2. Liga jedoch zu einem Sieg reichte.

Der Druck auf die Mannschaft war natürlich enorm, nicht nur wegen des äußeren Rahmens, rannten doch unglaubliche 60.000 Zuschauer dem VfB zum Ligaauftakt die Bude ein. Jedem im Verein ist es klar, dass nur der sofortige Wiederaufstieg zählt, jedem ist auch klar, dass die enorme Unterstützung schnell abflauen dürfte, wenn sich nicht umgehend erste Erfolge einstellen sollten und der VfB nicht permanent oben mitspielt. Die stark ersatzgeschwächte und mit einigen Youngstern gespickte Truppe hatte große Schwierigkeiten ins Spiel zu finden und sich auf die bissigen und disziplinierten St. Paulianer einzustellen.
Luhukay wartete bei seiner Aufstellung mit einer großen Überraschung auf. Trotz (oder vielleicht gerade wegen?) der Personalmisere setzte er den neuen alten Hoffnungsträger auf der „10“ auf die Ersatzbank und ließ stattdessen Berkay Özcan von Beginn an auflaufen. Nachdem ich kurz geschluckt hatte, war meine Reaktion, „wenn das mal nicht ein Schachzug ist“! Wer, wenn nicht Maxim, hätte denn sonst die Fähigkeit gehabt, ein Spiel im Bedarfsfall zu drehen? Kliment, Tashchy, Özcan? Ich meine, keiner, außer eben Alexandru Maxim, der seine besten Spiele im VfB-Dress ohnehin in der Joker-Rolle hingelegt hat. Bitter zwar für einen, nach dessen Selbstverständnis er Stammspieler sein müsste, aber, im Mannschaftssport sollte ein jeder die Rolle akzeptieren, in der er für die Mannschaft am wertvollsten ist.

Die Geschichte des Spiels ist bekannt. Wir lagen zur Pause zurück, Maxim kam, sah, und wir siegten! Andere Vereine betreffend wird bei einer solchen Geschichte gerne das Händchen des Trainers gelobt. Nicht so bei uns, ein Shitstorm sondergleichen zog über die sozialen Netzwerke hinweg, gar die Grundsatzfrage Maxim oder Luhukay wurde gestellt. Maxims Berater Herbert Briem suchte die Stuttgarter Käseblätter auf und diese druckten die „Story“ bereitwillig ab. Anstatt sich als Partner des VfB zu sehen und sachdienlich und informativ zu berichten, wird hier ein Fass aufgemacht und bewusst Unruhe geschürt.

Ein Mayer-Vorfelder noch hätte den Chefredakteur im Ministerium antanzen lassen und dem Journalisten auch schon mal Hausverbot erteilt, heute aber, richtig, haben wir ja nicht mal einen Präsidenten, geschweige denn eine Abteilung Attacke, die sich gegen eine solche Berichterstattung zur Wehr setzen würde.

Ob etwas dran ist, dass Luhukay Maxim bereits eine Woche vor dem Spiel eröffnet hat, dass er nicht spielen werde, sei dahingestellt. Ich kann es mir wirklich nicht vorstellen und vermute, dass es sich nur um die halbe Wahrheit handelt. Möglicherweise hat ihm Jos gesagt „wenn Du so weiter machst, wirst Du gegen St. Pauli nicht von Beginn an spielen“ und es hat sich um Übersetzungsprobleme gehandelt oder man hat einfach einen Halbsatz weggelassen.

Maxim wird in der 2. Liga ein Stahlbad erwarten, nicht wenige, die nah dran sind und täglich mit ihm zu tun haben, haben große Bedenken, ob er es schafft, dieses durchzustehen. Im Training macht er einen sehr wehleidigen Eindruck und verliert schnell die Lust, wenn es richtig zur Sache geht. Ändert er sich diesbezüglich nicht, wird er vor allem bei den Auswärtsspielen einen sehr schweren Stand haben. Dort warten sie schon auf einen wie ihn, den sie durch übertriebene Härte versuchen aus dem Spiel nehmen, womit sie ihr Publikum zum Johlen bringen und die Stimmung automatisch aufgeheizt wird. Den VfB wird in nahezu jedem Auswärtsspiel eine Pokalatmosphäre erwarten, der man sich erst einmal stellen muss.

Wenn Maxim, der es bei sechs Trainern noch nicht zum unumstrittenen Stammspieler gebracht hat, wegen dieser Geschichte tatsächlich ans weglaufen denkt, ist es äußerst fraglich, ob gerade er der Spieler wäre, der uns zurück in die Bundesliga führt.

Nicht dass hier Missverständnisse entstehen. Ich sehe Maxim gern spielen und mag ihn und mitunter seine genialen Momente wie einst in Paderborn, als er, richtig, als Einwechselspieler, Daniel Ginczek den Ball so perfekt in den Lauf spielte, dass wir erst mit einem Jahr Verspätung abgestiegen sind.

So war zunächst einmal am Ende alles gut. Maxim der Matchwinner und der VfB erstmals seit 2011 wieder mit einem Auftaktsieg. Dass noch viel Sand im Getriebe war, geschenkt! Der VfB muss sich ohnehin bis zur Schließung des Transferfensters durch die Liga mogeln und danach richtig durchstarten.

Dass der VfB nach dem Montagspiel direkt das Freitagabend-Spiel serviert bekam und damit die denkbar kürzeste Regenerationspause aller Zweitligisten hatte, ebenfalls geschenkt und für mich kein Alibi für den Auftritt in Düsseldorf.

Düsseldorf gehörte in den 80er- und 90er-Jahren zu meinen Lieblingsauswärtsspielen. Der Altstadt wegen und auch weil wir dort schon den einen oder anderen Kantersieg eingefahren hatten und die Erinnerungen an das Rheinstadion daher angenehm sind. Beim letzten Gastspiel der Fortuna jedoch verloren wir 2012/2013 beim späteren Absteiger sang- und klanglos mit 3:1.

Ähnlich ging auch der Auftritt am Freitag in die Hose. Nach der unsäglichen Maxim-Diskussion unter der Woche konnte Luhukay nur verlieren. Stellt er ihn von Beginn an auf, ist er eingeknickt, stellt er ihn nicht auf, wäre ihm wohl Sturheit unterstellt werden. So durfte Maxim also mal wieder von Beginn an ran und setzte dabei weitaus weniger Glanzlichter, als gegen St. Pauli als Reservist, wo er auf eine müde werdende Abwehrformation traf. Maxim blieb das komplette Spiel über relativ wirkungslos, was jedoch nicht an ihm allein lag, sondern auch an der fehlenden Qualität seiner Mitspieler. Er musste sich die Bälle teilweise am eigenen Strafraum selbst holen, weil ein Mittelfeld quasi nicht vorhanden war.

Dies nicht nur deshalb, weil Hosogai bereits in der Anfangsphase mit Muskelfaserriss ausgewechselt werden musste. Für ihn kam Matthias Zimmermann, der einen schweren Stand hatte und später, als Sama ausgewechselt wurde, in die Innenverteidigung rückte.

Zimmermann ist von Haus aus rechter Verteidiger, ob man einem unerfahrenen Spieler einen Gefallen tut, ihn auf einer nicht gewohnten und doch so wichtigen Position einzusetzen, sei dahingestellt. Diese Maßnahme war der dünnen Personaldecke geschuldet. Hosogai ist neben dem derzeit verletzten Mart Ristl unser einziger etatmäßiger Sechser. Anto Grgic, ein weiterer Mann für die Zentrale, plagt sich mit Rückenbeschwerden herum und fällt, wie Ristl und jetzt Hosogai, fürs erste aus.

Matthias Zimmermann indes konnte einem doppelt leidtun. Zum einen musste sich Zimmermann in der Zentrale einfinden, zum anderen hieß sein Nebenmann Christian Gentner.

Nachdem Gentner gegen St. Pauli eines seiner besseren Spiele abgeliefert hatte und zudem das Siegtor erzielte, hätte man ihn in Düsseldorf bedenkenlos auf die Bank setzen können. Getreu dem Motto „auch ein blindes Huhn findet mal ein Korn“ haut Gentner gefühlt in einem von zehn Spielen einen raus und in den anderen muss man ihn mitschleppen.

Für mich ist und bleibt Gentner das große VfB-Problem der letzten Jahre. Ein Kapitän, der weder mit (konstanter) Leistung vorangeht, noch die Fähigkeit besitzt, die Mannschaft auf dem Platz zusammenzuhalten oder ein Spiel in andere Bahnen zu lenken, ist für mich fehl am Platze. Von meinem Platz auf der Esprit-Tribüne in Reihe 1 hatte ich beste Sicht darauf, wie Gentner allein des Dirigierens Willens dirigierte, seine Mitspieler ihn jedoch offensichtlich nicht verstanden.

Er spielte No-Look-Bälle ins Nichts, in der Hoffnung, irgendwer würde seine „Ideen“ teilen. Bei Rückstand spielt der Kapitän Querpässe an der Mittellinie und verlangsamt damit das Spiel oder überträgt die Verantwortung der Spieleröffnung auf die jungen Leute wie Sama oder Zimmermann. Unbegreiflich für mich, wie man mit einer solch schlafmützigen Spielweise jahrelang unumstrittener Stammspieler und Kapitän im bezahlten Fußball sein kann und auch enttäuschend, dass Luhukay ihn in seinem Kapitänsamt bestätigte und seine Stammplatzgarantie Fortbestand zu haben scheint.

Die Besetzung der Viererabwehrkette gibt weiterhin große Rätsel auf. Insúa, der sich nun dazu bekannt hat, sicher zu bleiben, scheint die einzige feste Größe zu sein. Nach meinen Aufschlüssen aus den Testspielen und vom Trainingslager heißt Luhukays Wunsch-Duo in der Innenverteidigung Baumgartl/ Sama, welches durch die Verletzung Baumgartls derzeit gesprengt ist.

Für ihn durfte jetzt zum zweiten Mal hintereinander Toni Sunjic ran, der nicht einmal Zweitligaformat hat. Er ist einer der vielen Fehler Dutts, der öffentlich die Scouting-Abteilung abgewatscht hatte, um dann einen wie Sunjic auszugraben.

Auch Florian Klein, mit grobem Schnitzer gegen St. Pauli, erbringt momentan den Beweis, dass seine „Künste“ wohl der österreichischen Nationalmannschaft genügen, in Deutschland aber selbst die 2. Liga eine Nummer zu groß ist. Mangels Alternativen hat er ein halbherziges Bekenntnis zum VfB abgegeben, aber „man weiß ja nie, was im Fußball passiert“. Wer zum wiederholten Mal die Fans kritisiert und jetzt, wo die Liga begonnen hat, noch immer nach allen Seiten offen ist, sollte vom Verein auch einmal die Pistole auf die Brust gesetzt bekommen und vor die Alternative Weggang oder Tribüne gestellt werden! Spätestens wenn Kevin Großkreutz wieder einsatzbereit ist, dürfte er ohnehin kaum mehr zum Einsatz kommen. Übrigens, wer nach allen Seiten offen ist, ist nicht ganz dicht!

Borys Tashchy auf links außen war eine Fehlbesetzung, wie Jean Zimmer auf rechts, so dass Sturmhoffnung Terodde völlig in der Luft hing und keine Bindung zum Spiel hatte. Hoffnung macht Tobias Werner, der nach seiner Einwechslung ordentlich Dampf machte und auch mal eine ordentliche Flanke hinbekommt.

Auch wenn gerade einmal zwei Spiele gespielt sind und der Transfermarkt noch gute zwei Wochen geöffnet ist, könnte man langsam aber sicher unruhig werden.

Es ist ja auch nicht so, dass es um ein, zwei Positionen geht, die es neu zu besetzen gilt, sondern um die halbe Mannschaft. Was sich in den ersten beiden Spielen personell auf dem Platz tummelte, ist für mich bei weitem noch nicht aufstiegsreif. Da springen zwar einige junge Hoffnungsträger herum, in einer nicht funktionierenden Mannschaft werden sie jedoch verheizt oder machen spielentscheidende Fehler, wie Stephen Sama bei seinem unglücklichen Einsteigen, das zum Elfmeter führte. Dass wir in der Nachspielzeit ebenfalls einen hätten bekommen müssen führe ich nicht als Grund für die Niederlage an, niemand weiß, ob Maxim den Elfer verwandelt hätte.

Die Gründe für die Niederlage liegen eher einmal mehr in der Passivität der kompletten Mannschaft, in den durch das schlampige Passspiel resultierenden zahllosen Ballverlusten und in den mangelhaften technischen Fähigkeiten vieler unserer Spieler, weshalb angedachte Ballstafetten umgehend im Keim erstickt werden.

Dadurch entwickelt man keinerlei Kreativität und Überraschungsmomente nach vorn, so dass Düsseldorf ein Chancenplus zu verzeichnen hatte und keineswegs unverdient gewonnen hat. Mit einem solchen Auftreten werden wir auch im Pokal in Homburg Probleme bekommen. Die Saarländer tun uns sicherlich nicht den Gefallen, das Spiel zu machen und uns Räume für unser Konterspiel zu eröffnen.

Der VfB hat, was die Personalplanung angeht, fast zwei Monate zwischen dem Abstieg und der Verpflichtung Schindelmeisers verloren. Viele blicken schon neidisch an die Leine zu Hannover 96, die es scheinbar mühelos geschafft haben, eine schlagkräftige Mannschaft an den Start zu bringen. Dieser Vergleich hinkt jedoch für mich, weil man zu einem Zeitpunkt, als der Abstieg schon so gut wie besiegelt war, mit Stendel bereits den Trainer installierte, der das Team auch in der 2. Liga betreuen sollte und auch, weil Präsident und Mäzen Martin Kind seine Privatschatulle für das Ziel Wiederaufstieg einmal mehr weit geöffnet hat.

Ein Martin Harnik, dem am Wochenende gleich ein Tor für seinen neuen Arbeitgeber gelang, wäre mit Sicherheit nicht in die 2. Liga gegangen, wenn ihm ein Bundesligist ein ähnlich lukratives Angebot unterbreitet hätte, genauso wenig wie andere Wunschspieler geblieben wären, würde Kind nicht weiterhin Erstligagehälter bezahlen.

Eigentlich wäre es jetzt schon wieder an der Zeit, nervös auf den Fingernägeln zu kauen und sämtliche Wiederaufstiegshoffnungen in die Tonne zu kloppen. Aber, hey, es sind erst zwei Spiele gespielt, es folgen weitere 32, in denen sich noch eine Mannschaft finden kann, die dominant durch die Liga spaziert.

In der Führungsriege vom VfB wird doch sicherlich keiner so blauäugig sein und, wie schon beim nahenden Abstieg in der Vorsaison, die Dinge einfach ihren Lauf nehmen lassen und nicht rechtzeitig entscheidend eingreifen. Daher habe ich es mir selbst geschworen, nicht in Panik zu verfallen und entspannt zu bleiben. Zu unseren Chancen dürft ihr mich gerne am 1.9. fragen, wenn der Transfermarkt geschlossen ist und wir mit dem, was wir haben, wenigstens bis zum Winter leben müssen.

Hier ruhen meine Hoffnungen auf Jan Schindelmeiser, der nach dem Hoffenheimer Aufstieg, wenngleich auch mit finanziell ganz anderen Möglichkeiten, kurz vor Transferschluss noch Demba Ba, Chinedu Obasi und Luiz Gustavo aus dem Ärmel schüttelte.

Schindelmeiser ist ein kluger Mann, der wenig redet, dafür umso mehr schafft. Schindelmeiser weiß auch ganz genau, dass er aufsteigen MUSS. Alles andere ist nicht vermittelbar, wird nicht sofort wiederaufgestiegen wäre der VfB ab der nächsten Saison ein ganz normaler Zweitligist und müsste es sich wohl oder übel im Unterhaus gemütlich machen.

Lässt Schindelmeiser es darauf ankommen? Nein, sicher nicht, er ist doch nicht doof! Bitter für die Stuttgarter Käseblätter, dass Maulwurf H. M. aus Stuttgart-Rot beim VfB Geschichte ist und nichts mehr durchsickert. Bitter zwar für die Medien, aber auch ein Hoffnungsschimmer für mich als Fan.

Ich träume noch immer von einer Mannschaft, die die Liga rockt und davon, dass der VfB im nächsten Jahr in die Bundesliga zurückkehrt.

Ich träume davon, dass Schindelmeiser die letzten Altlasten auch noch entfernt und uns einige hungrige Neuzugänge präsentiert. Am Geld darf es nicht scheitern, es geht um die Zukunft vom VfB.

Vielleicht war der VfB ja so schlau und hat sich bereits vor Olympia die Dienste seines verlorenen Sohnes, Serge Gnabry, gesichert. Auf den ersten Blick sicherlich unrealistisch, schaut man sich die Situation vor Olympia aber einmal an, als Gnabry zu Arsenals Reserveteam abgeschoben war, wäre eine Rückkehr in die alte Heimat, wenigstens per Leihe, nicht einmal ganz so abwegig gewesen.

Ich träume davon, dass dieser Wechsel längst fix ist und man sich, damit der Junge den Kopf frei behält und sich auf Olympia konzentrieren kann, darauf verständigt hat, den Wechsel erst nach dem deutschen Ausscheiden bzw. nach dem gewonnenen Finale offiziell zu verkünden.

Auch der Wechsel von Pål André Helland von Rosenborg Trondheim zum VfB könnte bereits perfekt sein. Davor soll Helland seinen Club gegen Austria Wien noch in die Europa League Gruppenphase schießen.
Was, wenn Schindelmeiser uns auf einen Schlag diese Flügelzange präsentiert? Da Schindelmeiser schon länger im Fußball beheimatet ist und selbst auch schon gespielt hat, wird ihm nicht entgangen sein, dass man auf einigen Positionen nicht ständig improvisieren kann. Die Verteidiger Heise und Zimmer sind ebenso keine offensiven Außenbahnspieler, wie Borys Tashchy.

Schindelmeiser sieht sicherlich auch Handlungsbedarf im defensiv zentralen Mittelfeld, wo nach den Abgängen von Serey Dié und Lukas Rupp nicht nur Qualität verloren ging, sondern auch ein riesen Loch klafft.

Er wird vernommen haben, dass Ginczek wohl erst in der Rückrunde fest eingeplant werden kann und Simon Terodde zwar ein herausragender Platzhalter für ihn ist, ihm jedoch unter keinen Umständen etwas passieren darf.

Auch hier sehe ich, wie Schindelmeiser sicherlich auch, Handlungsbedarf. Tashchy und Kliment sind jetzt nicht DIE Torgaranten, die einen Ausfall Teroddes auch nur annähernd kompensieren könnten.
So fußen meine Hoffnungen auf dem Duo Schindelmeiser/ Luhukay, das ja auch bereits öffentlich Alarm geschlagen hat. Luhukay ist ein aufstiegserfahrener Trainer, der genau weiß, welche Mosaiksteinchen er noch für sein Team braucht, um das Aufstiegsziel am Leben zu erhalten.

Ich möchte es mir nicht ausmalen, dass nach den Herren Wahler, Dutt und Kramny, die den Schiffbruch zu verantworten haben, die Herren Heim, Röttgermann und Schindelmeiser als diejenigen in die VfB-Annalen eingehen möchten, die den Untergang des Tankers VfB zu verantworten haben.

Da glaube ich doch lieber weiterhin an das Gute im VfB und seiner Verantwortlichen, träumen ist ja schließlich erlaubt.

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28. April 2013

Aufbauhilfe Augsburg

Gestern war wieder einer dieser Tage bei dem ich ein deutliches Kribbeln verspürte. Das Hannover-Spiel, Sonntag 17.30 Uhr, hatte ich leider sausen lassen müssen, da es mit dem Job nicht vereinbar war. So war das letzte Auswärtsspiel schon wieder eine gefühlte Ewigkeit her. Es stand so etwas wie ein (schwäbisches) Derby an, wenn auch ein ganz junges. Gegen den FCA hatte der VfB noch nie verloren, weder in der Bundesliga noch in den 70er-Jahren in der 2. Liga Süd. Zugegebenermaßen lief man sich aber auch noch nicht allzu oft auf Augenhöhe über den Weg. Beim VfB gibt die Entwicklung der letzten Wochen durchaus Anlass zur Hoffnung auf bessere Zeiten. Seit dem Frankfurt-Spiel, als Arthur Boka erstmals als Sechser den in dieser Saison schwach agierenden William Kvist ersetzte, als Alexandru Maxim, damals Reservist, sich als Standardspezialist in die Stammelf spielte, ist spürbar eine Weiterentwicklung festzustellen. Seitdem ist so etwas wie Spielkultur zu erkennen und die Ergebnisse stimmen auch. Der Ausfall von Kapitän Serdar Tasci konnte durch Antonio Rüdiger gut kompensiert werden. Georg Niedermeier schwang sich zum Turm in der Schlacht auf, natürlich mittlerweile durch den Abgang von Maza wieder gestärkt und unumstrittene Stammkraft und Abwehrchef. Diese Entwicklung gab mir Anlass zur Hoffnung, dass sich das Team zum Saisonende hin weiter steigern kann, und womöglich noch Chancen auf die Qualifikation für die Europa League über die Liga schaffen kann. Dies könnte keine oder eine verkürzte Qualifikationsphase zur Europa League nach sich ziehen, als wenn wir als unterlegener Pokalfinalist teilnehmen würden.

Los ging es gestern gegen 10.30 Uhr mit dem RWS-Bus. Wir erreichten das Stadion schon sehr frühzeitig gegen 13 Uhr. Da es in Augsburg am Stadion, wie eigentlich rund um alle neuen „Arenen“, so gut wie nichts gibt, wo es sich aufzuhalten lohnen würde, entschloss ich mich noch in die Stadt zu fahren und Kumpels zu treffen, die zudem noch meine Eintrittskarte bei sich hatten. Ich machte mich also auf zur Tram-Station, wo allerdings gähnende Leere herrschte und es eine gefühlte Ewigkeit dauerte, bis die erste Bahn ankam. Als diese an mir vorbei fuhr, sah es aus, als ob die Leute teilweise „quer liegen“ würden, andere waren an die Scheiben gepresst, total überfüllt, ob dies den Sicherheitsauflagen entspricht, wage ich mal zu bezweifeln. Zunächst sah ich diese Überfüllung als Folge davon an, dass ewig keine Bahn gen Stadion fuhr und sicherlich an allen Haltestellen das Gedränge groß gewesen wäre. Als dann aber die Polizei auffuhr und sich zur Eskorte formierte, war mir schnell klar, dass hier das Commando Cannstatt und andere Insassen des Sonderzugs eintrafen. Ein Bekannter sprang mir schnell entgegen, der aufgrund der heißen Temperaturen in der Bahn glitschig wie ein Aal war.

Skandalöse Umstände wenn hier Fußballfans wie Vieh behandelt werden und diese bis zum geht nicht mehr in eine Straßenbahn gepresst werden. Dass der eine oder andere, aufgrund von Platzangst, von Erstickungsängsten, Hitzewallungen oder Geruchsbelästigungen mit Reaktionen wie Sachbeschädigungen oder Beleidigungen reagiert, kann ich nachvollziehen. Ich war auch schon mal, in Nürnberg, zur falschen Zeit am falschen Ort und wurde ebenfalls, wo ich nur auf eine Bahn wartete, aufgrund meiner VfB-Utensilien gegen meinen Willen in eine Bahn gepresst, woraufhin auch meine gute Laune verflogen war. Die ganzen Umstände, rund um eine Auswärtsfahrt, werden immer menschenunwürdiger, es scheint fast, als würde man seine Menschenrechte beim Verlassen der eigenen Stadt zurücklassen. Sei es, dass man gezwungen wird, in dieser einen Bahn mitzufahren, ob man möchte oder nicht, sei es auch dass Strafen ohne Verfahren und Ermittlungen verhängt werden, sei es, dass man sich von auswärtigen Ordnungsdiensten und –hütern alles gefallen lassen muss, weil sie doch „am längeren Hebel“ sitzen und man sich nach Widersetzungen gegen noch so irrsinnige Anweisungen des Ground verwiesen werden könnte und ein Verfahren, das ein Stadionverbot nach sich ziehen könnte, am Hals hätte. Also, gilt es Ruhe zu bewahren und alles in sich hinein zu fressen. Hier bin ich ehrlich gesagt froh schon ein gesetzteres Alter erreicht zu haben und ruhiger zu sein, als vor 20 Jahren. Damals war der Rebell in mir noch weitaus ausgeprägter als heute, wo ich es, wenn auch sehr zähneknirschend, einsehe, dass man bestimmte Dinge einfach nicht zum positiven ändern kann, so schwachsinnig sie sind, welch Schikane sie auch darstellen.

Den Tramfahrer konnte ich überreden, mit der Bahn in die Stadt zurück fahren zu dürfen, obwohl es eigentlich eine Leerfahrt hätte werden sollen und die Tram offensichtlich abgestellt und einer Grundreinigung unterzogen werden sollte. Aufgrund dieser Verzögerungen, war es leider schon 14.30 Uhr als ich im Brauhaus 1516 ankam, wo meine Kumpels bereits warteten. Viel Zeit war also nicht mehr, zumal sich der Weg vom Stadion in die Innenstadt als zeitaufwändiger als gedacht erwies. Kurz nach 15 Uhr entschlossen wir uns dann, eines derer Taxis zu nehmen, die scharenweise am Bahnhof auf Kundschaft warteten. Ich hatte die Hoffnung noch nicht gänzlich aufgegeben, rechtzeitig zum Intro auf den Rängen meinen Platz eingenommen zu haben. Der Taxifahrer machte uns allerdings wenig Hoffnung auf ein schnelles Ankommen, er fuhr diese Tour zum vierten Mal an diesem Tag und war spürbar genervt, von den Staus, die er schon hinter sich hatte. Also motivierten wir ihn, sein Bestes zu geben und auf die Tube zu drücken. Unser Kutscher, ein Kroate, tat sein Bestes, uns auf dem schnellsten Weg zum Stadion zu bringen. Wir hatten großes Glück, kein Stau weit und breit, wir wurden direkt vors Stadion gefahren, gerade einmal 20 Meter neben unserem Eingang. Die Einlasskontrolle war zu meiner großen Freude sehr relaxt, nicht einmal meine Kamera wollten sie sehen, was heutzutage leider nicht mehr selbstverständlich ist. Pünktlich zur Zelebration der Augsburger Mannschaftsaufstellung nahmen wir unsere Plätze ein. Beim Verlassen des Brauhauses hätte ich mir dies nie und nimmer vorstellen können.

Nachdem der VfB wieder einigermaßen in der Spur zu sein schien, gab Trainer Labbadia dem Kader (und sicherlich sich selbst auch!) drei Tage frei, um nach der englischen Woche mit dem Einzug ins Pokalfinale, die Köpfe frei zu bekommen und regenerieren zu können.

Gut, hinterher ist man immer schlauer, nach dem gestrigen Spiel kann man zu der Ansicht gelangen, dass die Jungs innerlich schon auf Urlaub getrimmt waren und vor allem das Spiel in Augsburg als unwichtig erachteten. Der VfB begann mit derselben Aufstellung wie beim letzten Spiel gegen Freiburg, dieselbe Einstellung jedoch fehlte von Beginn an. Dem FCA merkte man gleich an, dass sie um jeden Zentimeter fighten würden und sich mit Vehemenz gegen den drohen Abstieg stemmen würden. Der VfB dagegen begann wieder einmal viel zu abwartend und überließ dem Gegner die Initiative, was bei uns einfach selten erfolgversprechend ist. So ließen die ersten guten Chancen der Gastgeber nicht lange auf sich warten und die Brust wurde noch breiter. Breit genug war sie eigentlich sowieso schon, weil eine hervorragende Rückrunde hingelegt wird und zwei Wochen davor Eintracht Frankfurt aus dem Stadion gefegt wurde. Dies war dem VfB jedoch nicht Warnung genug, zu behäbig wurde zu Werke gegangen. Nach dem Spiel sind die Augsburger schon die viertbeste Rückrundenmannschaft, und weisen nach jämmerlichen neun Punkten in der Vorrunde, eine Bilanz auf, die aller Ehren wert ist.

Der Auftritt des VfB dagegen erinnerte eher an einen lustigen Betriebsausflug. Sie ließen sich den Schneid abkaufen und machten nicht den Eindruck, als würden sie es schaffen, die Spannung (bis zum Pokalfinale) hochzuhalten. Dies wäre eine Charakterfrage gewesen, offensichtlich ist dieser Charakter bei unserer Truppe jedoch nicht vorhanden, was wir allerdings schon vorher wussten, wenn man sich diese Saison re vu passieren lässt. Daher können wir wirklich froh sein, wenn die Saison zu Ende ist und wir nicht noch ernsthaft unten rein rutschen. Es kann uns ja theoretisch noch der Relegationsplatz drohen, auch wenn nicht unbedingt davon auszugehen ist, dass Augsburg bei den Bayern gewinnt. Von der notwendigen Grundspannung für den Ligabetrieb war gestern wenig zu spüren. Klar hatte der VfB die eine oder andere Chance und hätte kurz nach der Pause durch Martin Harnik in Führung gehen müssen. Klar hat Schiedsrichter Gräfe wieder einmal ein Spiel zerpfiffen. Wenn man aber ehrlich ist, war das Spiel nur deshalb bis weit in die zweite Hälfte offen, weil die Augsburger einmal mehr ein Problem mit der Chancenverwertung hatten. Bei einem Torschussverhältnis von 22:7 für einen Abstiegskandidaten kann man nicht wirklich von einer unglücklichen Niederlage reden.

In Augsburg waren einfach zu viele Spieler überfordert, dem Kampfgeist der Augsburger etwas entgegen zu setzen und luden sie schließlich durch haarsträubende Fehler zum Tore schießen ein. Angefangen bei Ulle, der (mindestens) am ersten Gegentor schuld war, Rüdiger, dieses Mal schwach,  leitete das zweite ein, Okazaki, nach seiner Einwechslung nicht bundesligatauglich, schließlich verlor den Ball zum endgültigen Knockout.  Harnik schon seit Monaten nur noch ein Schatten seiner selbst. Natürlich hat er die Messlatte letzte Saison hoch gelegt, so dass man von ihm mehr erwartet, als er in den letzten Monaten auf den Platz bringt. Er selbst sieht sich wohl schon in England und kokettiert immer wieder mit einem Wechsel auf die Insel. Gemessen am gestrigen Spiel ließe sich noch der eine oder andere ebenfalls aufführen.

Labbadia höchstpersönlich gab Mitte der zweiten Halbzeit dann noch das komplett falsche Signal, in der er die beiden einzigen Aktivposten Traore und Maxim auswechselte und sein Team damit unnötig schwächte.

Letztendlich war es viel zu wenig, was uns die Jungs geboten haben. Uns und natürlich auch den anderen Kandidaten im Abstiegskampf. Dass Hoffenheim durch unsere Niederlage auf dem Abstiegsplatz verbleibt, ist eine positive Begleiterscheinung, die wohl jeder VfB-Fan goutieren wird. Vereinen wie Werder Bremen und Fortuna Düsseldorf haben wir jedoch einen Bärendienst erwiesen. Die sind jetzt wieder mittendrin statt nur dabei im Abstiegskampf. Ich bin grundsätzlich weder Freund eines Auslaufenlassens am Ende der Saison, wenn es um nichts mehr geht, genauso wenig wie der eines übertriebenen Rotationsprinzips, wie es Bayern und Dortmund momentan an den Tag legen. Deren Qualität ist allerdings groß genug, ihre Spiele trotzdem zu gewinnen, so dass von Wettbewerbsverzerrung keine Rede aufkommen muss. Wenn aber ein VfB so leidenschaftslos daherkommt, zudem nach einer dem Vernehmen nach nicht (ausreichend) vorhandenen Vorbereitung, kann ich den Unmut der anderen Abstiegskandidaten verstehen, haben wir doch Augsburg zum Rekordsieg ihrer Bundesligazugehörigkeit verholfen. Andererseits bräuchte sich gerade Werder Bremen nicht darüber zu beklagen, hatten sie doch 2004 als feststehender Meister ein 2:6 zu Hause gegen Leverkusen, das mit uns um die CL-Qualifikation buhlte, hingelegt, ein Ergebnis, das zwei Wochen zuvor natürlich nie und nimmer zustande gekommen wäre. Am letzten Spieltag dann überholte uns Leverkusen schließlich im direkten Duell, dem letzten mit Felix Magath auf unserer Trainerbank, bevor er zu den Bayern wechselte. Wenn man sich die finanzielle Diskrepanz zwischen Champions League und dem damaligen UEFA-Cup anschaut, hat uns diese Abschenken der Bremer richtig Geld gekostet.

Spätestens seit damals ärgert es mich sehr, wenn sich Mannschaften, für die es um nichts mehr geht, einfach hängen lassen.

Beim VfB muss diese Saison nach dem Finale in Berlin gnadenlos aufgearbeitet und tunlichst vermieden werden, dieser Saison Schönes abzugewinnen, weil wir ins Finale eingezogen und für die Europa League qualifiziert sind. Zu gut meinte es die Losfee in beiden Wettbewerben mit uns, um dass man das Erreichen des Pokalfinales im DFB-Pokal bzw. des Achtelfinals in der Europa League überbewerten sollte. Der Alltag in der Bundesliga war trist, die Leistungen oft erschreckend schwach, sowohl spielerisch als auch vom Engagement her, dazu wurden einige sang- und klanglose Niederlagen hingenommen, die richtig weh taten.

Trotzdem soll dies die Vorfreude auf das große Finale in Berlin nicht schmälern. Wenn ich denn aus der Ticketlotterie erfolgreich herausgehen werde, wird es nach 1986, 1997 und 2007 mein viertes Finale mit dem VfB werden. Die Aussichten auf „meinen“ zweiten Pokalsieg nach 1997 sind sicherlich überschaubar, doch muss auch dieses Spiel erst einmal gespielt werden. Um den in dieser Saison übermächtigen Bayern ernsthaft Paroli bieten zu können, muss auf jeden Fall ein Sahnetag her. Es muss der gleiche Biss an den Tag gelegt werden wie gegen den BVB vor ein paar Wochen, auch wenn es den großen Bayern weh tun sollte. Legt man eine Passivität an den Tag wie in beiden bisherigen Saisonduellen gegen die Bayern oder wie auch gestern, dann werden wir wohl einer historischen Schmach beiwohnen müssen. Bis dahin jedoch ist es noch ein weiter Weg. Einiges dürfte auch vom Abschneiden der Bayern in der Champions League abhängen. Nach einer Final-Niederlage in Wembley gegen den BVB könnten unsere Chancen sprunghaft ansteigen, weil dann bei dem einen oder anderen Bayern-Spieler die große Leere aufkommen dürfte.  Auch wird man bis dahin sehen, ob es der VfB schafft, die Spannung hochzuhalten. Der VfB hat nach dem letzten Spieltag zwei Wochen Zeit, sich auf Berlin vorzubereiten. Ich hoffe, sie nutzen diese Zeit, um zu trainieren, trainieren, trainieren. Freie Tage scheinen das falsche Signal ans Team zu sein!

Wenn man sich die Namen vor Augen führt, die beim VfB schon so gut wie fix sein sollen für die kommende Saison, macht es mir durchaus Hoffnung, dass die mageren Jahre vorbei sein könnten. Leute wie Schwaab, Rausch, Leitner und Lasogga haben zum Teil schon das Zeug dazu, die Qualität anzuheben und den Konkurrenzkampf auf einem höheren Niveau anzuheben. Spannend würde dann werden, wer uns im Gegenzug verlassen wird. Allerdings hege ich immer große Zweifel, wenn ich höre, an wem Interesse bestehen würde, jedoch noch kein Vertrag unterzeichnet ist. Dieser Status ruft bekanntlich andere Vereine auf den Plan, die ein paar Euro fuffzig mehr bieten können und die Spieler zum „umdenken“ bewegen könnten.

Wenigstens ist Sararer bereits fix. Aus dem Frankenland, von Leuten, die den Spieler besser kennen als ich, wurde mir bereits zu diesem Transfer gratuliert und in Aussicht gestellt, dass wir uns auf ihn freuen dürften.

Für mich war das Augsburg-Spiel das letzte Auswärtsspiel des VfB in dieser Saison, Schalke lasse ich aus, da wir sonntags am Millerntor beim Spiel FC St. Pauli (mit Paddy Funk) gegen das seit diesem Wochenende als Aufsteiger feststehenden Eintracht Braunschweig (Glückwunsch Ermin Bičakčić!) zu Gast sein werden. Ich war lange am überlegen, samstags noch Schalke mitzunehmen und von dort aus nach Hamburg zu fahren. Das wäre insgesamt jedoch ziemlich stressig geworden. Außerdem ist in Hamburg an besagtem Wochenende auch einiges, wie u. a. der Hafengeburtstag geboten und zählt auch die Turnhalle nicht unbedingt zu meinen Lieblingsstadien. Angesichts der Leistung von gestern hält sich meine Enttäuschung heute auch in Grenzen, mich so entschieden zu haben.

Auch danach warten noch einige Highlights, auf die ich mich freue, wie die inzwischen schon traditionelle Floßtour mit dem OFC Leintalpower 05 vor dem letzten Heimspiel, dem Champions League Finale in London, wofür ich in der Verlosung endlich einmal erfolgreich war und schließlich das DFB-Pokalfinale in Berlin.

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10. Februar 2013

Keine Punkte in Düsseldorf

Category: Frankys Blogs,Spielberichte — Tags: , , – Franky @ 10:54

Ein paar Pics aus Düsseldorf jetzt online. Scheiß Tag gestern, hab mich durchgeschleppt mit Magen-Darm-Virus und dann ein solches Gegurke. Mit Fußball hat das schon lange nichts mehr zu tun, was Labbadias Team auf den Platz bringt. Mit dieser Abwehr kann einem angst und bange werden. Jetzt fängt auch noch Ulle das wackeln an und kassiert in schöner Regelmäßigkeit haltbare Kisten.
Weshalb Lopes und nicht Röcker. Weshalb nicht Sakai links und Rüdiger rechts? Warum zum Teufel Hajnal und Torun in der Startformation? Wenn man sich die Spiele in dieser Saison vor Augen führt, klingt Labbadia bis 2015 fast wie eine Drohung. Diese Aufstellungen versteht kein Mensch! Labbadia bringt seine Lieblinge, gute Leistungen, siehe Rüdiger gegen Ribery, werden nicht anerkannt, wenn er die Woche darauf wieder auf der Bank Platz nehmen darf. So demoralisiert man die Jungs, wenn man sich beim Trainer nicht durch Leistung aufdrängen kann, sondern wohl anderweitig einschleimen muss. Ich erkenne nach wie vor kein System und sehe im Mittelfeld fast nur Standfußballer und Rückpasskönige. Mit einer solchen Spielweise wird es schwer, überhaupt einen Gegner zu überrumpeln. Am Samstag geht es gegen einen unserer Lieblingsgegner, Werder Bremen. Da muss die Wende her, sonst könnte es in der Tabelle auch wieder nach unten eng werden!

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28. Januar 2013

Angst fressen Seele auf

Bilder von der einkalkulierten Niederlage jetzt online. Auch wenn ich nicht ernsthaft an einen Sieg geglaubt habe, ein wenig mehr hätte es meiner Meinung nach schon sein dürfen. Der VfB agierte einmal mehr gegen die Münchner wie das Kaninchen vor der Schlange. Klar, man kann sich daran aufgeilen, dass der VfB in den ersten 45 Minuten wenig bis nichts zugelassen hat und wir sogar die besseren Chancen hatten. Und, dass wir erst durch einen individuellen Patzer auf die Verliererstraße gerieten. Trotzdem fehlte mir der bedingungslose Wille, hier und gestern etwas reißen zu wollen. Ich hatte jederzeit den Eindruck, wie schon in den letzten Jahren, wenn es gegen Bayern ging, dass alleine der FC Bayern bestimmen würde, wie das Spiel abläuft. Haben sie Bock, uns abzuschießen, geht es eben 6:1 aus, wollen sie „nur“ und ohne großen Aufwand gegen uns gewinnen, spielen sie ihren Riemen wie im Februar im Pokal oder wie auch gestern herunter. Dazu bedarf es nicht einmal eigenem Zutun, irgendeiner der Brustringträger wird schon seinen Teil dazu beitragen und sich einen Scorerpunkt „verdienen“, wie gestern Molinaro, leider auf der falschen Seite.

Dem VfB fehlte der Glaube an sich selbst, daher war er sehr stark aufs reagieren bedacht denn einmal zu agieren und für Überraschungsmomente zu sorgen. Null Eckbälle und ganze zwei Chancen in 90 Minuten sprechen eine deutliche Sprache. Natürlich klafft die Schere in der Liga immer weiter auseinander, ich finde es trotzdem erschreckend, wie mittellos wir ein ums andere Mal gegen den Rekordmeister dahin siechen.

Seit gut 35 Jahren verfolge ich die Südschlager, meist live und im Stadion, und kann mich an viele legendäre Schlachten erinnern. Die Statistik ist vernichtend negativ, trotzdem gab es viele verlorene Spiele, in denen wir den Bayern auf Augenhöhe begegneten und letztendlich, obwohl wir besser waren, unglücklich verloren. Es gab viele Spiele, in denen wir mit wehenden Fahnen den kürzeren zogen, teils aus Übermut, teils aus Naivität. Man spürte den Siegeswillen und eine Verbissenheit, Derby-Charakter eben, der der heutigen Generation total abgeht. Heute erweckt es bei mir den Eindruck, dass man schon zufrieden ist, wenn sich die Niederlage in Grenzen hält. Dann reizt man den übermächtigen Gegner lieber nicht und tut ihm nicht sonderlich weh, bevor dieser Schaum vor dem Mund entwickelt und Ernst macht.

Eine gewisse Angsthasenmentalität verdeutlicht auch die Tatsache, dass wir lediglich mit einer Sturmspitze spielen und dann aber kein (Ersatz-) Stürmer mehr in den Kader berufen wurde. Abgesehen davon, dass Ibisevic so nichts passieren darf, konnte man so gar nicht von der Bank nachlegen und für etwas mehr Schwung sorgen. Ich begreife es nicht, dass Macheda noch nicht einmal im Kader war. Wenn ich einen Spieler für vier Monate ausleihe, zudem ohne Kaufoption, dann muss ich doch überzeugt davon sein, dass er uns sofort weiter helfen kann und ihn nicht ewig heranführen und integrieren. Ein Stürmer, der weiß, wo das Tor steht, wird sich auch so zurecht finden. Außerdem hätte nach der Absage des Ama-Spiels auch noch Benyamina zur Verfügung gestanden. So ruhten die Hoffnungen tief in der 2. Hälfte auf Brunos Liebling Torun, der noch nie zu überzeugen wusste, seit er hier ist.

Negativer Höhepunkt war dann schließlich noch der Platzverweis von Martin Harnik, der sich zu einem Frustfoul hinreißen ließ. Irgendwie schön zu sehen, dass es dem einen oder anderen auch an die Nieren geht, wenn man so machtlos ist. Trotzdem sehr ärgerlich, da er jetzt ausgerechnet in Düsseldorf fehlen wird, wo er in der Saison 2009/10 eine gute Zweitliga-Saison absolvierte und bestimmt top motiviert den Rasen betreten hätte.

So angefressen ich von der Hilflosigkeit unserer Akteure war, so bestürzt war ich dann noch von der Atmosphäre im Stadion. Es kann doch nicht angehen, dass, aufgrund der bislang gezeigten Leistungen nicht einmal unverständlich, dem VfB die Zuschauer davon laufen und stattdessen die Bazis fast ein Heimspiel haben. Um mich herum auf der Hauptribüne war gut ein Viertel mit nordösterreichischen Farben, was es mir gestern noch ein wenig unerträglicher machte. Es kann nicht angehen, dass bei „Steht auf, wenn ihr Bayern seid“ die halbe Untertürkheimer Kurve und Haupttribüne aufsteht und die VfBler es klaglos über sich ergehen lassen. Hier hätte ich mir auch etwas mehr Engagement auf den Tribünen gewünscht, aber, der VfB-Fan an sich ist ja inzwischen ziemlich gleichgültig geworden.

Das letzte Ärgernis, das ich noch anführen möchte, dass wir, wo wir doch nicht schon genügend Sonntagspiele haben und hatten, auch dieses Mal wieder Sonntags antreten mussten, obwohl keine Europaleague-Woche ansteht. So ging es nach zwei, drei Frust-Weizen schnell nach Hause, um heute früh wieder pünktlich auf der Matte stehen zu können.

Natürlich ist auch nach der dritten Liga-Niederlage in Folge noch nicht aller Tage Abend. Die zwei Niederlagen zum Rückrundenauftakt habe ich jedenfalls einkalkuliert gehabt und betone schon seit Wochen, dass die Rückrunde eigentlich erst in Düsseldorf richtig beginnt. Einfach wird es auch dort sicherlich nicht, zumal der VfB nach den Negativergebnissen zuletzt wohl kaum mit extrem breiter Brust auflaufen dürfte. Schaun wir mal, was der Gegner vor hat. Zuhause werden die Fortunen wohl kaum so defensiv eingestellt antreten als beim Gastspiel im Neckarstadion. Obwohl es auch den Düsseldorfern nicht entgangen sein dürfte, dass dem VfB am ehesten der Zahn zu ziehen ist, wenn man ihn einfach mal machen lässt… Vielleicht aber tut uns der Aufsteiger aber auch den Gefallen und haut sich die Dinger selbst rein, wie bei den beiden Niederlagen zum Rückrundenauftakt. Es dürfte auf jeden Fall spannend werden und für beide ein richtungweisendes Spiel werden. Düsseldorf könnte im Abstiegskampf ein Ausrufezeichen setzen, der VfB nach einem Auswärtssieg den Blick in der Tabelle wieder nach oben richten.

So frustriert ich noch bin, freue ich mich dennoch schon sehr auf unseren Auftritt in der Esprit-Arena. Auch wenn es nach dem Spiel gleich wieder mit dem Bus zurück in die Heimat geht, ist Düsseldorf doch immer eine Reise wert. Im Rheinstadion gewannen wir in den 80ern in schöner Regelmäßigkeit, unter anderem einmal 7:0, als ein junger VfBler namens Klinsmann fünf Mal für uns einnetzte.

Und, als Leverkusen vor einigen Jahren die Rückrunde dort absolvierte, war ich bereits einmal im neuen Stadion. Vielleicht ein gutes Omen, der VfB gewann nach überzeugender Vorstellung 2:4.

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