14. Oktober 2010

Wir sind nur ein Klepperlesverein!

Der Tagesaktualität geschuldet machte ich mich gestern doch auf zum ersten Training unter dem von der VfB-Führung beförderten Heilsbringer Jens Keller. Ich hatte schon Hoffnung, dass ein kleiner Fan-Aufstand stattfinden würde und die Oberen ihr Fett abbekommen. Leider war dem nicht so. In den Foren wurde also doch mal wieder nur heiße Luft abgelassen, der keine Taten folgten. Vielleicht war auch die Kürze der Zeit ein Problem, das es vor allem den zahlreichen auswertigen Anhängern unmöglich machte, ihren Unmut zu zeigen.

Auch, nachdem ich mich seit gestern ein wenig abreagiert habe, bin ich fassungslos über die Geschehnisse rund um meinen VfB.

Wenn ich einen ausgewiesenen Fachmann und Erfolgstrainer verpflichte und eine gewisse Kontinuität in den Laden reinbringen möchte, dann bereite ich als Vorstand ihm das Feld und lasse zu, dass er sich Vertrauenspersonen an seine Seite stellt. Sei es ein Co-Trainer, der ihm loyal und zuverlässig zuarbeitet und sei es ein Manager, mit dem er auf einer Wellenlänge funkt. All das hat die Vereinsführung von Anfang nicht zugelassen. Sie bestimmte Jens Keller, ein bis dato in der Fußballlehrerszene unbeschriebenes Blatt, zum Assistenten, ob Gross wollte oder nicht. Sie machte Bobic zum Manager, der von seinem Naturell und seinen Ansichten schon nicht zu Gross passte, wie es sich herausstellte. Auch ich plädierte für Bobic als Sympathieträger, kannte aber natürlich die Internas nicht.

Zu guter Letzt ließ man Gross noch im Regen stehen, als er den ganzen Sommer über warnte, dass man den personellen Aderlass nicht adäquat kompensiert hat.

So hatte Gross an allen Fronten zu kämpfen und es verwundert nicht, dass ihm da die Lösungsansätze fehlten. Er kann sich nicht hinstellen und sagen, “der Fisch stinkt vom Kopf”. Ihm wäre es als vereinsschädigendes Verhalten ausgelegt und mit einer fristlosen Kündigung ohne Abfindungsansprüche geahndet worden. Also mache ich das für ihn!

Möchte der VfB langfristigen und nachhaltigen Erfolg anstreben, muss dringend in der Vereinsführung umgedacht werden. Einen Grüß-Gott-Onkel wie Erwin Staudt benötigen wir überhaupt nicht an der Spitze, wenn offensichtlich nur Aufsichtsratschef  Dieter Hundt die Strippen zieht. Den könnte man also ohne irgendeinen sichtbaren Nachteil wegrationalisieren oder durch einen in sportlichen Belangen kompetenten Fachmann ersetzen. Über Dieter Hundt und seine Art mit den Angestellten im Verein umzugehen, möchte ich mich an dieser Stelle überhaupt nicht äußern. Nur so viel: ich hoffe auf massive Fanproteste in den nächsten Wochen und darauf, dass auch er irgendwann von selbst den Hut nimmt, bevor er vom Hof gejagt wird.

Das Grundproblem beim VfB ist einfach, dass jeder “starke Mann” früher oder später an den antiquierten Vorstellungen und Handlungsweisen unseres Vorstands scheitert. War es Rüssmann, oder Magath, Sammer und jetzt Gross. Alle scheiterten bzw. verzweifelten, weil die Führung noch immer wie bei einem Klepperlesverein aufgestellt ist. Ohne Fachverstand, ohne Bezug zu den Erfordernissen im Fußballgeschäft im 21. Jahrhundert. Diese Herren lassen sich von Fachmännern nichts raten bzw. sagen und deshalb wird der VfB wohl auf immer und ewig ein Klepperlesverein bleiben.

Gross hat man vom Hof gejagt, jetzt kommt Keller mit Kramny, seinem alten Spezi. Keller ist bei mir von Anfang untendurch, weil er auf der gestrigen Pressekonferenz gegen Gross nachgetreten hat. Er hätte Fehler im Training gesehen, Gross wäre aber nicht darauf eingegangen…. Typ Besserwisser und sicher nicht der loyale Co-Trainer, den sich ein Gross gewünscht hat. So und sicher noch deutlicher hat er es bestimmt auch dem Fredi erzählt, um an wenig an Gross’ Stuhl zu sägen und seiner Beförderung näher zu kommen. Babbel hats ja auch vom Co-Trainer-Dasein zum Chef-Trainer geschafft. Schlechter Stil sage ich nur. Wie auch von Bobic, der bei Gross keine Lösungsansätze gesehen hat, meine Meinung dazu siehe oben.

Meiner Meinung nach hätte es der Mannschaft an den Kragen gehen sollen. Disziplinlosigkeiten gehören bestraft und sanktioniert, aber dafür muss eben der Vorstand zum Trainer stehen. Wenn sich jetzt Tasci und Boulahrouz öffentlich über Gross beklagen, frage ich mich, was erlaube… ? Die Mannschaft war es doch, die plötzlich keine Leistungsbereitschaft mehr an den Tag gelegt hat und durch Unkonzentriertheiten und Faulheit auf dem Platz uns erst in die schwierige Situation gebracht hat. Hier hätte man ansetzen und den ein oder anderen auf die Tribüne setzen sollen. Diese Probleme hat Gross sicher erkannt. Aber wenn der Vorstand und der Manager ihn nicht unterstützen, was soll er machen? Und richtig gefährlich wird es, wenn sich Spieler (vielleicht auch der Co-Trainer?) beim Vorstand und beim Manager noch ausweinen dürfen und dort Gehör finden. Dann hat ein Trainer meist schon verloren.

Momentan ist es mir noch ziemlich gleichgültig, was auf Schalke abgeht. Verschießt uns der Huntelaar, wie ich es befürchte? Dann bestätigt es mich in der Einschätzung, dass wir in diesem Jahr einfach eine Klasse schlechter sind, als in der letzten Saison. Rennen die Burschen aber um ihr Leben und reißen dort etwas, zeugt das vom Charakter dieser Truppe und wäre ein Beweis, dass sie sehenden Auges den Trainer abgeschossen haben.

Beides würde mich nicht freuen, ich bin nur enttäuscht über diese Leute und hoffe auf einen baldigen grundlegenden Personalwechsel auf allen Ebenen. Dennoch, ich bin dabei, Bilder und ein Bericht vom Schalke-Spiel folgen.

So long, viele Grüße

Franky

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13. September 2010

Fehlstart zu Saisonbeginn: Alarmstufe eins beim VfB

Es sind 85 Minuten vorbei, als Joachim Löw einen Zwischenspurt einlegt und sich zügig auf den Heimweg macht. So muss er keine ragen zum VfB beantworten. Das ist gut für ihn, denn wenn der Bundestrainer bis zur 90. Minute geblieben wäre und dann die Wahrheit gesagt hätte, hätte er sich in Stuttgart keine Freunde gemacht. Schließlich konnte jeder im Stadion sehen, dass die Mannschaft in der Krise steckt. Nach dem 1:2 beim SC Freiburg und der dritten Niederlage im dritten Saisonspiel ist der Fehlstart perfekt.

Durch seinen Abgang versäumt Löw eine Szene nach dem Schlusspfiff, die womöglich bezeichnend für die Stimmungslage ist. Wie üblich will sich Timo Gebhart bei den mitgereisten Anhängern für die Unterstützung bedanken. Im Mittelkreis wartet er auf seine Kollegen, die teilweise jedoch schon in der Kabine verschwunden sind. Gebhart winkt aufgeregt. Zumindest einige folgen ihm dann doch noch und marschieren in Richtung Kurve – um auf halber Strecke wieder umzudrehen. Ein Affront gegen die Fans soll das wohl nicht sein. Eher spiegelt sich darin das Innenleben der Mannschaft wider. Es herrscht der Eindruck, dass jeder in erster Linie an sich selber denkt. So spielen sie übrigens auch.

Der Teamgeist fehlt

Diese Entwicklung hat nun sogar Erwin Staudt auf den Plan gerufen. Am Sonntag redete er dem Team eindringlich ins Gewissen. Der Präsident forderte die Profis auf, sich wieder auf ihren Job zu konzentrieren. Das Fazit der Bestandsaufnahme lautete, dass es so nicht weitergehen kann. Staudt betonte, dass er mehr erwartet. Das zeigt: die Verantwortlichen beim VfB sind schon sehr nervös. Es herrscht Alarmstufe eins.

Wenn der Appell an die Spieler nicht fruchtet, wird sich Staudt an den Trainer wenden. So sind die Mechanismen, das weiß Christian Gross. Er ist der Erste, der sich am Samstag in die Katakomben zurückzieht – und danach ziemlich ratlos wirkt. Wie schon zuletzt sagt er erneut, dass die Niederlage unnötig gewesen sei. Oder dass die Gegentore nach Fehlern gefallen seien. Oder dass sich die Mannschaft das selbst eingebrockt habe. Oder dass es nun hart werde. “Wir müssen da bald rauskommen.” Wie das gelingen soll, sagt Gross nicht.

Vielleicht hat auch ihm die Körpersprache in der zweiten Halbzeit zu denken gegeben, als die Spieler mutlos über den Platz gelaufen sind. Da war kein Aufbäumen, kein Wille, kein Zusammenhalt. Der VfB schien auseinanderzufallen und wirkte, als sei er mit den Kräften am Ende – als Folge einer komplizierten Saisonvorbereitung? Jedenfalls gibt es Spieler, die nicht gerade begeistert über die vielen Trainingscamps im Sommer waren. Außerdem wird in der Mannschaft auch über den Sinn der intensiven Belastungseinheiten am Tag vor einigen Europa-League-Spielen diskutiert.

Vorbereitungsphase war schwierig

Allerdings war es auch nicht einfach für Gross, der zum einen dafür sorgen musste, dass der VfB international im Rennen bleibt – und andererseits auch fit in die Bundesliga geht. Zudem konnte der Trainer lange nicht mit dem kompletten Kader arbeiten, wegen der WM und weil viele Neuzugänge erst spät verpflichtet wurden. Dazu passt, dass die im August geholten Johan Audel und Philipp Degen sofort ausgefallen sind und bis auf weiteres fehlen. So kommt ein Problem zum anderen.

Offensichtlich ist beispielsweise auch, dass die Mannschaft keinen Anführer hat – eine Rolle, die Sami Khedira und Jens Lehmann in der Rückrunde zumindest teilweise ausfüllten. Beide sind nicht mehr hier. Der Aushilfskapitän Cacau versucht in die Bresche zu springen, aber dabei verzettelt er sich. Er meint, überall auf dem Spielfeld präsent sein und vieles auf eigene Faust unternehmen zu müssen. Damit wird Cacau für die eigenen Kollegen jedoch noch unberechenbarer als für den Gegner.

Im Mittelfeld harmonieren Christian Gentner und Zdravko Kuzmanovic nicht. Den für diese Position bestens geeigneten Christian Träsch lässt Gross nur als Verteidiger ran. Auch die Entscheidung des Trainers, zu Saisonbeginn trotz schwacher Leistungen auf Georg Niedermeier und Khalid Boulahrouz zu bauen und Serdar Tasci draußen zu lassen, beschäftigt die Mannschaft weiter.

Insofern steht der VfB vor einer wichtigen Woche mit den Spielen am Donnerstag in der Europa League gegen Bern und am Samstag in der Liga gegen Gladbach. Der negative Lauf muss schnell gestoppt werden. Sonst dürfte es nicht lange dauern, bis Erwin Staudt seinen nächsten Auftritt hat.

Freiburg:

Baumann – Mujdza, Barth, Butscher, Bastians – Schuster – Abdessadki, Makiadi, Jäger (49. Nicu) – Cissé (83. Toprak), Reisinger (57. Yano).

Stuttgart:

Ulreich – Träsch, Niedermeier, Tasci, Molinaro – Kuzmanovic, Gentner – Camoranesi (61. Gebhart), Didavi (76. Boka) – Pogrebnjak (76. Harnik), Cacau.

Schiedsrichter:

Sippel (München).

Tore:

0:1 Pogrebnjak (27.), 1:1 Cissé (58.), 2:1 Schuster (71.).

(STZ 13.9.2010)

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29. Juli 2010

Das Wochenende in Donaueschingen

Gerade am Wochenende, wo wir einen großen Ansturm an Trainingskiebitzen erwartet hatten, machte sich der VfB zur Enttäuschung vieler sehr rar. Am Samstag unternahm das Team eine Radtour, nachmittags stand die obligatorische sportärztliche Untersuchung auf dem Programm. Es stand also überhaupt kein öffentliches Training auf dem Programm.

Uns kam dies nicht einmal ungelegen, hatten wir doch bereits vor längerer Zeit eine Besichtigung mit anschließendem Essen und Umtrunk bei der Fürstenberg-Brauererei gebucht. Die Führung lohnte sich und anschließend wurde man für die Geduld bei abermals großer Hitze mit einem kühlen Fürstenberg belohnt.

Nach dem Essen und Trinken im Fürstenberg Bräustüble gingen einige ins nahegelegene Freibad, ich entschloss mich, mit Geli und Konrad in ein Cafe zu gehen und einen Skat zu dreschen. Nachdem Konrad uns verlassen musste, um die Heimfahrt mit dem Zug anzutreten, zogen wir weiter Richtung Hirschen, wo sich bald weitere Skatspieler fanden, um die Zeit bis zum Spiel um Platz 3, Deutschland gegen Uruguay, zu überbrücken. Bald war uns klar, dass über einen gepflegten Skat nichts ging, schon gar nicht das Spiel um die Goldene Ananas bei der WM. Zu tief saß noch die Enttäuschung über die Niederlage gegen Spanien. So blieben wir im Biergarten sitzen, waren aber aufgrund der nicht überhörbaren Reaktionen der Fußballgucker stets auf der Höhe des Geschehens. Erst ein aufziehendes Gewitter zwang uns, die Runde zu unterbrechen, und so sahen wir uns noch die 2. Hälfte des Spiels an. Schnell stellten wir fest, dass wir die erste Hälfte eines munteren und daher sehenswerten Spieles verpassten, das dank Sami Khediras Kopfballtor zu einem versöhnlichen Abschluss einer für die deutsche Mannschaft tollen WM führte. Kleinere Tumulte gab es im Hirschen selbst, als sich ein Besucher durch kurz aufkommende Schlachtgesänge unsererseits gestört fühlte. Dafür hatten wir natürlich null Verständnis, ging es doch um das emotionsgeladene Fußballspiel und nicht etwa um Springreiten, das in Donaueschingen Tradition hat.

Auch für Sonntag morgen war keine Trainingseinheit angesetzt, stattdessen wechselten einige Profis das Metier und dienten als Fotomodelle für die neue VfB-Kollektion. Für uns, die die ganze Woche Trainingslager eingeplant hatten, war es weniger schlimm, dass am Wochenende fast überhaupt nichts stattgefunden hat. Für viele aber, die keinen Urlaub hatten und über das Wochenende Eindrücke vom Trainingslager sammeln wollten und die 140 Kilometer von Stuttgart absolvierten, war es natürlich enttäuschend.

Sonntag abend dann schließlich stand wieder eine Einheit auf dem Programm. Mit dabei auch erstmals Kuzmanovic, der seinen Urlaub um eine knappe Woche verkürzte, um mit dem VfB wieder voll angreifen und seinen WM-Frust vergessen zu können. Vorbildliche Berufsauffassung nennt man so etwas. Auch Jochen Schneider, der durch den unrühmlichen Abgang von Horst Heldt wieder mehr in den Fokus gerückt ist, war erstmals auf dem Trainingsplatz zu sehen und stellte sich gleich einmal zu unserer Fahne in Position.

Nach einem kurzen Aufwärmprogramm stand ein Trainingsspielchen auf dem Plan, in dem es durchaus hitzig zur Sache ging.

Ja, wo laufen sie denn???

Bei immer noch großer Hitze hatten wir Zuschauer wie immer jede Menge Spaß. Schließlich musste sich nur die Mannschaft schinden und nicht wir. :-)

Kuzmanoiv trainierte zunächst noch individuell, um seinen Trainingsrückstand schnell aufzuholen.

Nach getaner Arbeit merkte man den Jungs die Strapazen an. Viele stöhnen vom härtesten Trainingslager, das sie je mitgemacht haben. Ich kann es nur mit Leogang vor Jahresfrist vergleichen und stellte auch fest, dass bedeutend mehr Zug drin war, als im letzten Jahr. Hoffentlich zahlt es sich aus und hoffentlich ist die Mannschaft auf den Punkt fit. Es gilt in der kommenden Saison, endlich einmal wieder einen besseren Start hinzulegen, nicht dass wir im November die nächste Trainerdiskussion führen müssen.

Dann erblickten wir schließlich noch Erwin Staudt, der sich den Abstecher ins nahegelegene Donaueschingen auch nicht nehmen ließ. Ihm, und auch Jochen Schneider und dem neuen Sportdirektor Fredi Bobic, wünsche ich, dass die neuen Außenbahnspieler, die sich der Trainer wünscht, bald verpflichtet werden können. Es ist doch jedes Jahr das gleiche: der Trainingsbetrieb läuft bereits auf Hochtouren und wir haben noch immer nicht die komplette Mannschaft beisammen. Gerade in dieser Phase, wenn es darum geht, sich einzuspielen und auch menschlich näher zusammen zu rücken, gerade da wäre es wichtig, die Neuen zu integrieren.

Abends dann stand, wie könnte es anders sein, im Hirschen das WM-Finale mit unserem Khalid Boulahrouz an, das die Spanier verdient, aber erst in der Verlängerung, gewannen und somit erstmals Weltmeister wurden. Ein würdiger Weltmeister, aber, wie weiter unten kommentiert, doch mit recht viel Dusel erst so weit gekommen.

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28. Juli 2010

Bobic ist neuer Sportdirektor

Der VfB sollte sich so langsam einmal die IHK-Plakette mit der Aufschrift “Hier wird ausgebildet” besorgen und sie an die Glastür des Vereinszentrums kleben. Der Stuttgarter Bundesligist eröffnet nämlich nicht nur jungen Fußballern beste Berufsaussichten, sondern seit geraumer Zeit auch Managern. Auf Horst Heldt, der beim VfB die Chance erhalten hatte, sich in dieser Position zu profilieren, folgt nun das unbeschriebene Managerblatt Fredi Bobic. Bisher hat Bobic lediglich in Bulgarien erste Erfahrungen als Sportchef gesammelt. Doch der Mut zum Risiko ist beim VfB-Präsidenten Erwin Staudt und dessen Vorstandskollegen Ulrich Ruf nicht so ausgeprägt, wie es diese Personalie auf den ersten Blick vermuten lässt.

Die Vereinsführung kann darauf bauen, dass ein noch unerfahrener Manager einfacher steuerbar ist als ein arrivierter Vertreter dieser Zunft. Der ehemalige VfB-Stürmer Bobic dürfte dem Club zunächst einmal dankbar dafür sein, die große Chance seines zweiten Berufslebens erhalten zu haben. Eine Konstellation, die zunächst Ruhe verspricht – das ist keine schlechte Basis.

Bobic, als Spieler bekannt für seine deutlichen Worte (“Schiedsrichter, du blinde Bratwurst”), wird sich künftig deutlich diplomatischer ausdrücken, loyal verhalten und hoffen, dass er irgendwann in den Vorstand aufrückt. Selbst diese weitere Beförderung hatte Horst Heldt als Zeichen der Wertschätzung aber nicht genügt. Er wanderte zum FC Schalke ab. Sollte auch Fredi Bobic einmal solch ein lukratives Angebot bekommen, dann hätte er eine sehr ordentliche Arbeit als Manager abgeliefert – und der VfB als Ausbildungsbetrieb.

(STZ 27.7.10)

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26. Juni 2010

Horst Heldt vor dem Absprung

Auf der gestrigen Pressekonferenz ließ Christian Gross die Bombe platzen: Horst Heldt verlässt den VfB mit sofortiger Wirkung in Richtung Schalke 04 zu seinem Ziehvater Felix Magath und würde sich noch am gestrigen Freitag von der Mannschaft verabschieden. Laut VfB-Pressemeldung habe sich am Vertragsverhältnis zwischen dem VfB Stuttgart und Horst Heldt jedoch noch nichts geändert. Nach einem Bericht der Bild-Zeitung reagierte der VfB-Präsident daraufhin auch etwas verschnupft aufgrund des Vorpreschens von Christian Gross. Über dessen Beweggründe kann ich nur mutmaßen, dass er möglicherweise Angst hat vor einem entstehenden Vakuum in einer Zeit, in der ein Manager eines Bundesligavereins eigentlich den Kader der anstehenden Saison zusammenzustellen hat. Wie meistens dürfte es hier nur noch ums Geld gehen, die Tatsache, dass Heldt den VfB verlässt, aber unwiderruflich feststehen. Herr Gross wird auch schon mitbekommen haben, dass schnelle Entscheidungen nicht die Sache des VfB-Vorstands sind. Daher sehe ich dies eher als eine Art des Wachrüttelns, um in dieser Phase der Kaderplanung keine wertvolle Zeit ungenutzt verstreichen zu lassen.

Herr Heldt fühlt sich also vom VfB unterbezahlt und nicht genügend wertgeschätzt. Den Vorwurf der mangelnden Wertschätzung hat er sich wohl von Cacau abgeschaut, der mit ähnlichen Worten seinen angekündigten Abschied begründete. Diese Argumentation konnte ich aber noch nachvollziehen, da ja Konkurrenten im Kader stehen, die bei geringerer Leistung mehr verdienten als Cacau, der jahrelang und meist konstant und loyal die Knochen für den VfB hingehalten hat. Heldt dagegen hat schon eine besondere Wertschätzung erfahren, als man den gelernten KFZ-Mechaniker vom Spieler direkt zum Manager berief, ohne jede kaufmännische Ausbildung. Er durfte sich weitestgehend austoben auf Kosten des VfB, da es an sportlicher Kompetenz in der VfB-Führung mangelt. Er hat in seiner Amtszeit mehr Flops als Kracher verpflichtet, viel zu lange an seinem Freund Markus Babbel festgehalten und über die Jahre einen Kader von mehr als 30 Spielern angehäuft. Erst seit Gross da ist, werden Spieler ohne Perspektive abgegeben und der Kader ausgedünnt. Er schaffte es nicht, einen adäquaten Nachfolger für Mario Gomez zu verpflichten und ließ sich wochenlang von Huntelaar an der Nase herumführen, um schließlich Pavel Pogrebnjak als Notlösung zu verpflichten, nachdem der Stürmermarkt eine Woche vor Saisonbeginn abgegrast war. Gerade bei Mario Gomez zeichnete es sich ein Jahr lang ab, dass er den Verein verlassen würde. Ein guter Manager hätte hier schon längst Plan B in der Tasche haben müssen, um umgehend auf den Weggang reagieren zu können. Dazu holte er Hleb zurück für ein horrendes Gehalt und in einem unfitten Zustand. Auch da hätte er genauer hinschauen müssen. Auch ich hatte gejubelt, als er zurück kam. Allerdings ging ich davon aus, dass er Gehaltseinbußen in Kauf nahm, um Spielpraxis zu erhalten. So verdiente er mehr als doppelt so viel wie der Großteil der anderen Spieler, was unweigerlich zu Neid innerhalb der Mannschaft führen musste, zumal er ja auch keine Gegenleistung dafür brachte.

Schon traditionell schafft es Heldt nicht, den Kader bis zum Auftakttraining komplett zu haben und holt immer wieder kurz vor Transferperiodenende noch den ein oder anderen Ladenhüter. Auch dieses Vorgehen ist für mich verantwortlich dafür, dass wir in der Vorrunde nicht in die Gänge kommen und stets einen Stotterstart hinlegen.

Trotz einiger Fehler wurde er im vergangenen Jahr in den Vorstand berufen. Soviel zu mangelnder Wertschätzung. Aufgrund der Vereinssatzung, nach der ein Vorstand für 4 Jahre bestellt wird, wurde sein Vertrag, sicher verbunden mit einer Gehaltserhöhung, bis 2013 verlängert. Wenn er sich jetzt unterbezahlt fühlt, weshalb hat er den Vertrag dann unterschrieben? War er nicht bei Sinnen? Muss man ihm hier nachträglich die Zurechnungs- oder Geschäftsfähigkeit absprechen? Hat sich ein Vorstand nicht seinem Verein gegenüber loyal zu verhalten? Hat er nicht auch eine Verantwortung den Mitgliedern gegenüber? Muss ein Vorstand nicht so lange die Geschäfte weiterführen, bis die Vorgänge an einen Nachfolger übergeben wurden? Warum gibt es eigentlich nicht, wie in der Wirtschaft, ein Wettbewerbsverbot? So könnte er doch schon jetzt in der Sommerpause mehr für Schalke als für den VfB tätig gewesen sein. Kein Wunder, dass uns seit Saisonende keine wirkliche Verstärkung präsentiert wurde.

In der Bundesliga scheinen solche Tugenden nicht zu gelten. Ein Manager, der von Spielern Vertragstreue einfordert, macht sich selbst auf eine solche Art und Weise vom Acker. Es bleibt ihm zu wünschen, dass er von Spielern in seiner weiteren Karriere stets mit diesem Vorgehen konfrontiert wird.

Angeblich soll er beim VfB zuletzt 1,5 Millionen Euro pro Jahr verdient haben, bei Schalke sollen es 3 Millionen sein. Ein Verein wie Schalke 04, der weit mehr als 100 Millionen Euro Schulden haben soll, leistet sich also zum wohl bestbezahlten Trainer er Liga noch einen hochbezahlten Lakaien für diesen. Felix Magath hat im kicker erklärt, eine Ablösezahlung an den VfB würde nicht erfolgen, sie nähmen Heldt erst unter Vertrag, wenn er seinen Vertrag beim VfB aufgelöst hat. Das heißt mehr oder weniger, Heldt soll seinen Rausschmiss beim VfB provozieren und an dem arbeitet er emsig. Er erklärte ja, das Vertrauensverhältnis wäre zerstört, kündigte an, weder beim Trainingsauftakt der Roten noch beim Trainingslager in St. Moritz an Bord zu sein.  Stilloser kann die Trennung kaum herbeigeführt werden. Dass Magath wieder die Finger im Spiel hat, macht mich richtig wütend. Er weiß schließlich, wie man ohne Nachteile den VfB über den Tisch ziehen kann, und aus einem Vertrag ohne eigenen Schaden herauskommt. Er selbst hatte dem VfB bei seinem Weggang mit einer Babypause gedroht, würde man ihn nicht zu den Bayern ziehen lassen. Wenn es um den eigenen Geldbeutel geht, lassen die Herren jeden Anstand vermissen und es gelten keine guten Sitten mehr. Undank ist der Welt Lohn. Heldt sollte einmal darüber nachdenken, welche Chance der VfB ihm geboten hat für die Karriere nach der Karriere. Bei Schalke wird er weitaus weniger Macht besitzen als beim VfB und mehr oder weniger Erfüllungsgehilfe von Magath und das Bindeglied zu Tönnies sein. Einen Vorteil hat er dort natürlich gegenüber den Begebenheiten beim VfB. Er darf dort Geld ausgeben, was der Verein nicht hat und den Verein endgültig gegen die Wand fahren. Hier wünsche ich ihm ausdrücklich viel Erfolg.

Der VfB kann aber auch froh sein, dass dieses Kapitel jetzt endet. Ein klares Bekenntnis von Heldt zum VfB fehlte mir schon immer. Magath versuchte ihn ja auch schon zum VfL Wolfsburg zu lotsen. Vor Jahresfrist baggerte schon einmal Schalke 04 an ihm, woraufhin er ja dann in Vorstand berufen wurde. Zuletzt kokettierte er noch mit einem Angebot vom HSV. Hier muss ich ganz klar sagen: “Reisende soll man nicht aufhalten”. An Stelle des VfB würde ich jedoch auf eine der Vertragslaufzeit angemessene Ablösesumme pochen. Die kolportierten 1,5 Millionen erscheinen mir eher noch als zu gering. Schließlich wird uns ein der Position nach wichtiger Mann herausgerissen und das in einer Zeit, in der mit vollem Eifer an der Zusammenstellung des neuen Kaders gearbeitet werden sollte. Hätte man hier während der Saison Nägel mit Köpfen gemacht, wäre es nicht so problematisch gewesen und der VfB hätte sich in Ruhe nach einem Nachfolger umschauen können. Jetzt aber drängt die Zeit. Daher erhoffe ich mir, dass der VfB auch ein wenig mit den Muskeln spielt und sich nicht alles gefallen lässt. Es scheint klar, dass der Abgang von Heldt unumgänglich ist, dennoch sollte der VfB hier als Hüter der guten Sitten auftreten und sich den Vertragsbruch fürstlich entlohnen lassen.

Bei der Frage nach dem Nachfolger habe ich einen Favoriten: Fredi Bobic. Er war zu seiner Zeit als Spieler sehr beliebt, kommt aus dem Hallschlag und identifiziert sich 100%ig mit dem VfB. Klar, auch er folgte dem Lockruf des Geldes und verließ den VfB in einer sportlich schwierigen Zeit in Richtung Dortmund. Da er weder dort noch bei seinen weiteren Stationen wie Bolton Wanderers, Hannover 96 und Hertha BSC richtig glücklich wurde, wird er den Schritt sicher bereuen. Der VfB liegt ihm nach wie vor am Herzen und er ist wieder sehr nah dran am Wasen. Er hat sich seine ersten Leviten durch diverse Praktika und zuletzt seiner Managertätigkeit in Burgas erworben. Ob er seinen Freund Krassimir Balakov dort jedoch im Stich lassen kann bzw. will kann ich nicht beurteilen. Der Verein hat angeblich signalisiert, ihm keine Steine in den Weg legen zu wollen.

Von den anderen möglichen Kandidaten wie Oliver Kreuzer, Guido Buchwald, Karl-Heinz Riedle und Andreas Müller hielte ich Letzteren für den Wahrscheinlichsten. Er hat den Manager-Job bei Schalke von der Pike auf gelernt und ging bei einem der Besten dieses Fachs, Rudi Assauer, in Lehre. Die langjährige Tätigkeit auf Schalke könnte aber auch das K.O.-Kriterium sein, ist doch derzeit bei uns auf Schalke keiner gut zu sprechen. Auf Schalke war ihm das Glück auch nicht hold. Er lag bei etlichen Transfers und der Verpflichtung von Fred Rutten als Trainer total daneben. Aufgrund seiner Vergangenheit hätte er beim VfB sicher von Anfang an einen schweren Stand und würde von Einigen nicht akzeptiert werden.

Weitere Kandidaten, wenn man in diversen Foren mitliest:

Jens Lehmann: hat natürlich Ausstrahlung und Ahnung und Erfahrung im Fußball. Er selbst hat aber schon verlauten lassen, dass er in den nächsten Monaten erst einmal ausspannen und Dinge machen möchte, zu denen er während seiner Profi-Laufbahn nicht kam. Daher kann ich es mir nicht vorstellen, dass er schon bereit wäre.

Oliver Kahn: sicher mit enormer Reputation und guten Kontakten. Aufgrund seiner KSC- und Bayern-Vergangenheit im Schwabenland aber schwer vermittelbar. Zudem ebenfalls ohne Manager-Erfahrung.

Andreas Rettig: sicher ein Guter, auch wenn er in Freiburg, Köln und Augsburg die ganz großen Erfolge auch nicht vorweisen kann. Aber zumindest einer mit Manager-Erfahrung und gerade dabei mit Augsburg etwas Großes aufzubauen.

Dietmar Beiersdorfer: Leistete beim HSV gute Arbeit, biss sich aber am publicitygeilen Vorstandsvorsitzenden Hoffmann die Zähne aus. Derzeit bei Red Bull in Salzburg beschäftigt. Wäre keine schlechte, aber sicher sehr teure Lösung.

Daher würde es mich freuen, wenn Fredi Bobic zurück käme. Angeblich gab es schon ein erstes Treffen mit VfB-Verantwortlichen, bei dem er sein Konzept darlegte. Wenn das stimmt, wäre er nicht abgeneigt und es würde die Möglichkeit der Rückkehr bestehen. Ich denke, Fredi müsste sich nicht allzu lange einarbeiten und kennt das Umfeld auf dem Wasen. Er weiß, welche Problemfelder es gibt und wo er ansetzen müsste. Fredi ist ein Roter durch und durch und würde sich sicherlich mit der Aufgabe weitaus mehr identifizieren als es Horst Heldt getan hat. Ich könnte mir sogar vorstellen, dass dies der absolute Traumjob für ihn wäre. Dass Fredi nah dran ist am VfB und sich auskennt, beweist er regelmäßig in diversen Sportsendungen, bei denen er stets ein gefragter Talkgast ist. Er ist ein Typ mit Ecken und Kanten, der auch mal unbequem sein kann, sowohl nach innen als auch nach außen. Dessen muss sich unsere Vereinsführung natürlich bewusst sein. Wenn Heldt beklagt, er hätte keinen Gestaltungsfreiraum gehabt, ist sicher auch die Vereinsführung zu hinterfragen. Es muss ein Neuanfang her, in jeder Hinsicht. Was Heldt mit “mangelndem Gestaltungsfreiraum” meinte, kann man als Außenstehender natürlich nicht beurteilen. Da sich aber zuvor schon Rüssmann und Magath ähnlich beklagt hatten, sollten auch die Strukturen, die Dienstwege und Kompetenzen in der Vereinsführung auf den Prüfstand gestellt werden. Wobei man gerade bei den Herren Magath und Heldt nicht weiß, ob solche Aussagen nur den (unrühmlichen) Abgang beschleunigen sollten.

Der VfB wäre gut beraten, diesen Neuanfang als Chance zu begreifen und die Kompetenzen des neuen Managers zu überdenken und neu zu regeln, dass dieser den Handlungsspielraum bekommt, den er benötigt.

Dem neuen Manager, wer immer es auch sein mag, wünsche ich auf jeden Fall vorab viel Glück und ein gutes Händchen. Ich erhoffe mir, dass die Chemie zwischen ihm und Christian Gross stimmen mag und sie vertrauensvoll zusammen arbeiten werden. Eine vertrauensvolle Zusammenarbeit war angeblich zwischen Heldt und Gross nicht gegeben.

Horst Heldt wünsche ich auf Schalke Spieler, die das gleiche Verhalten an den Tag legen, wie er selbst, dass Heldt im Kohlenpott ähnlich viel Geld verbrennt wie beim VfB und somit Schalke noch weiter dem (finanziellen) Abgrund entgegen taumelt. Dann bin ich auf die Wertschätzung gespannt, die er vom Schalker Anhang erfährt. J Aber er ist ja Manager ohne Vereinsbindung und wird sicher weiter ziehen… Er weiß ja, wie es geht.

So, das musste jetzt mal raus. Ich melde mich wieder, dann wohl zur WM. Bis dahin, allen ein schönes Wochenende und viele Grüße

Franky

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