16. Mai 2018

Phänomenal – Europapokal!

Noch ist es nicht ganz so weit, erst müssen die Bayern nächsten Samstag den DFB-Pokal gewinnen, doch, dass sich die Bayern binnen Wochenfrist ein zweites Mal in die Suppe spucken lassen, das kann ich mir beim besten Unwillen nicht vorstellen. Der Meister wird alles daran setzen, seinen großen Trainer Jupp Heynckes mit dem Double in den Ruhestand zu verabschieden, so dass wir, da bin ich mir sicher, nach dem Finale die Korken knallen lassen können.

Hatte ich vor vier Wochen noch harsch die Einstellung, die zurückgekehrte Bequemlichkeit und Selbstzufriedenheit moniert, darf ich mich nach vier Siegen zum Saisonabschluss sehr gerne revidieren. DAS hätte ich der Truppe und Tayfun Korkut wahrlich nicht zugetraut. Ein jeder, der es mit dem VfB hält, war sich sicher, dass wir bis drei Spieltage vor Schluss die 40 Punkte für den Klassenerhalt auf der Habenseite haben müssen, weil in Leverkusen, gegen Hoffenheim und in München wenig bis nichts zu ernten sein würde.

Doch dann gewinnt man geschwind mal gegen Bayer und Hoffenheim bei circa 4 zu 50 Torschüssen und legt eine fast unheimlich erscheinende Effizienz an den Tag. Diese Siege gegen zwei Championsleague-Anwärter allein waren schon sensationell.

Vor allem der erste Sieg in Leverkusen seit 2002, wenngleich er glücklich war, kam für mich richtig unerwartet, so dass ich seither in Sachen VfB auf Wolke sieben schwebe. Ein Spiegelbild der Rückrunde war dann der nicht minder unerwartete Auftritt gegen Hoffenheim. Wieder war es ein Spiel, das man eigentlich nicht gewinnen kann.

Hoffenheim schoss vier Mal so oft aufs Tor wie der VfB und zeigte die deutlich reifere Spielanlage. Der VfB aber setzte erneut eine kämpferisch überragende Vorstellung dagegen und warf sich mit allem, was er hatte, in die Hoffenheimer Schüsse. Selbst als man die letzten 25 Minuten in Unterzahl bestritt, gab man nicht klein bei. Im Gegenteil, Mario Gomez nutzte unsere einzige Torchance im zweiten Durchgang zum vorentscheidenden 2:0 und zog den Hoffenheimern dadurch endgültig den Zahn.

Tayfun Korkut, der Gustav Gans der Bundesliga, hat das Glück, das man braucht, auf den Wasen zurückgebracht. Seine Bilanz jedoch darauf zu reduzieren, würde ihm nicht gerecht werden. Er hat an den richtigen Stellschrauben angesetzt, überfordert die Spieler nicht und lässt sie das spielen, was sie können.

Bestes Beispiel, der Kapitän Christian Gentner, der jahrelang eher Hemmschuh in der Schaltzentrale war, denn der handlungsschnelle, zweikampfstarke Stratege, den es in der Mittelzentrale braucht.

11Freunde hat Gentes Rolle treffend analysiert, in dem die Onlineausgabe des Sportmagazins feststellte „Vor allem kann Korkut nicht hoch genug angerechnet werden, dass er Christian Gentner nicht wie seine Vorgänger im zentralen Mittelfeld aufstellt, sondern auf dem rechten Flügel. Hier kommen Gentners Kampfgeist und seine Dynamik zum Tragen, seine fehlenden Spielgestalter-Fähigkeiten fallen wiederum nicht so stark ins Gewicht. So hat Korkut Leistungen aus Gentner herausgekitzelt, die man vor der Rückrunde kaum für möglich gehalten hat.“

Einige weitere Spieler, wie zum Beispiel Dennis Aogo oder auch Daniel Ginczek machten unter Korkut zuletzt einen Leistungssprung, so dass der positive Trend mehr auf akribische Analysen der Spiele und der Fähigkeiten der Spieler zurückzuführen ist, als auf pures Glück. Dieses kam dazu und man hat es sich wahrsten Sinne des Wortes erarbeitet.

Bis zum auch rechnerisch sicheren Klassenerhalt, wurde Korkut zum Vorwurf gemacht, immer an denselben Aufstellungen festzuhalten und deshalb zu leicht ausrechenbar zu sein. Die Ergebnisse gaben ihm Recht, das Zauberwort hieß „Stabilität“. Für den Klassenerhalt schien jedes Mittel recht, Vertrauen zu den Alternativen auf Bank und Tribüne schien nicht vorhanden zu sein.

In Zeiten des sportlichen Aufschwungs fehlen den Kritikern über die Art und Weise natürlich die Argumente, trotzdem war mir Wolfs Devise, keiner dürfe sich zu keinem Zeitpunkt ausruhen und müsse sich in jedem Training neu anbieten und zeigen, sympathischer. Doch, Sympathie gewinnt keine Spiele, letztlich zählen die Ergebnisse, und diese sprechen eine deutliche Sprache – für Korkut, gegen Wolf.

Letztlich kommt es im Fußball eben doch auf die Leistungen auf dem Platz und nicht im Training an, solang die Reservisten bei Laune bleiben und nicht resignieren. Korkuts Herangehensweise mit dem Setzen auf Stabilität und Eingespieltheit fruchtete besser als die von Wolf, der seine Trainingsweltmeister mit Einsätzen belohnte, die Mannschaft dadurch aber zu oft durcheinander wirbelte.

Nach den Heim-Unentschieden gegen den HSV und Hannover 96 sowie der deutlichen und einzigen Niederlage unter Korkut in Dortmund, brodelte es dann aber doch im Umfeld. Auch fast alle Blogger, mich eingeschlossen, monierten, dass Spieler wie Anastasios Donis auf der Bank versauerten, während immer die gleichen Akteure, vor allem im Offensivbereich, ihren Stiefel herunterspielen durften.

Just im Spiel darauf gegen Werder Bremen sprang Tayfun Korkut über seinen Schatten und verhalf Donis erstmals seit seinem Debüt in Wolfsburg wieder zu einem Einsatz. Donis kam von der Bank und sorgte mit dafür, dass man nicht erneut, wie noch gegen Hannover 96 vor Wochenfrist, um den Ausgleich bettelte, sondern weiter nach vorne Akzente setzte. Die Folge, Joker Donis legte in der Nachspielzeit mustergültig für Joker Özcan auf, und sicherte damit nicht nur den Heimsieg sondern auch den vorzeitigen Klassenerhalt.

Manchmal hat man tatsächlich den Eindruck, der eine oder andere VfBler, ob Trainer oder Spieler, verfolge die Stimme(n) der Fans im Netz und ziehe an der einen oder anderen Stelle auch seine Rückschlüsse. Dies wäre aus meiner Sicht nicht einmal verwerflich und als Schwäche auszulegen, sondern zeugt von Interesse und dem Blick über den eigenen Tellerrand. Sven Ulreich war so ein Kandidat, der schaute immer verstohlen weg, wenn er mich sah, gehörte ich bekanntermaßen nicht zu seinen allergrößten Fans.

Eines meiner Credos über die Bundesliga der Gegenwart lautet, spielt man nicht gegen den Abstieg, spielt man um Europa. Dies bewahrheitete sich in dieser Saison einmal mehr. Kaum war der Klassenerhalt unter Dach und Fach, gewinnt sensationell in Leverkusen und schon war sie da, die Diskussion darüber, ob der VfB reif für Europa sei oder eine Qualifikation für den internationalen Wettbewerb nicht zu früh käme. Ich kann mit dieser Diskussion und einer Denke, es wäre besser gewesen, die letzten Spiele in den Sand zu setzen, überhaupt nichts anfangen. Schon der zahlenden Kundschaft, ähm Anhängerschaft, gegenüber wäre es eine Frechheit, nicht das Letzte aus sich herauszuholen. Zudem stehen auf dem Platz Leistungssportler, die aus der Natur der Sache heraus lieber gewinnen als verlieren (sollten).

Somit verbietet sich die Frage, ob Europa zu früh kommt, von selbst. Der VfB war, und ist es immer noch, nicht nur von den eigenen sondern auch den Ergebnissen der Konkurrenz abhängig und wenn am Ende dann ein Platz steht, der zur Teilnahme am internationalen Wettbewerb berechtigt, kommt diese nicht zu früh sondern zurecht.

Fünf Jahre nach der sensationellen Tour nach Rijeka im 9er-Busle lechze ich förmlich nach weiteren internationalen Erlebnissen und neuen Grounds, was eine schöne Abwechslung zum mitunter tristen und sich ständig wiederholendem Einheitsbrei Bundesliga ist. Unter den Allesfahrern sind wir uns einig, da habe ich bislang keinen einzigen getroffen, der nicht auf Europa gehofft hätte, wenngleich eine Qualifikation selbstredend keiner erwartet hat.

Die Mannschaft, wenn sie denn einigermaßen zusammengehalten werden kann, dürfte den Ansprüchen der Europa League sicher genügen. Beim Umfeld hingegen habe ich so meine Zweifel. Dieses muss seine internationale Tauglichkeit erst noch unter Beweis stellen. Für mich gibt der VfB ein erbärmliches Bild ab, wenn bei Spielen gegen weniger klangvolle Namen die Untertürkheimer Kurve komplett gesperrt ist und sich im Rest des weiten Runds kaum mehr als 10.000 Zuschauer verlieren. Jeder hat seine Gründe, dass er mal nicht kann. Sei es die weite Anfahrt unter der Woche, seien die zwei oder eine der beiden Anstoßzeiten beruflich nicht machbar, doch, seien wir mal ehrlich, käme der FC Barcelona anstatt der aserbaidschanische Meister zur selben Zeit, das Stadion wäre voll! Da wäre es wirklich wünschenswert, dass diese „Fans“ künftig wegen dem VfB und nicht wegen des Gegners ins Neckarstadion kämen und somit auch unattraktivere Spiele zu Fußballfesten machen.

Der VfB ist mit dem Dauerkartenverkauf für mich zu früh hervor geprescht und hat leider nicht das so rühmliche Saisonende abgewartet. Dann nämlich hätte man die Europaleague-Spiele, etwa bis zum Ende der Gruppenphase, gegen Aufpreis in die Dauerkarten integrieren und ähnlich des „Follow-my-team-Systems“ bei Welt- und Europameisterschaften bei nicht erfolgter Qualifikation Beträge zurückerstatten können. Im schlimmsten Fall hätte man einen Verwaltungsaufwand, der sich im EDV-Zeitalter jedoch in Grenzen hielte, im besten bei jedem Spiel, zumindest auf dem Papier, mindestens 30.000 Zuschauer.

Nach dem Heimsieg gegen Hoffenheim war der Europacupzug dennoch für mich abgefahren, weil die Konkurrenz am 33. Spieltag nicht mitspielte. Am letzten Spieltag musste nicht „nur“ Frankfurt auf Schalke verlieren, sondern auch der VfB in München gewinnen, um wider Erwarten doch noch in die Europaleague einzuziehen. Dass dieses Unterfangen schier unmöglich sein würde, untermauert die Statistik, hat der VfB in 49 Bundesliga-Begegnungen bei den Bayern doch gerade einmal fünf Siege eingefahren.

Ich kenne viele, selbst unter Allesfahrern, die sich das Spiel in München nicht mehr antun. Diese Auswärtstour erfordert ein hohes Maß an Selbstbeherrschung und Nehmerqualität.

Entlang der A8 zwischen Stuttgart und München befindet sich wohl kein Rast- oder Parkplatz, auf dem es rund um den einstigen Südgipfel nicht schon ordentlich gescheppert hätte. Die Bayern-Karawane beginnt ja nicht erst weit hinter Ulm, selbst aus hiesigen Regionen rücken Fanbusse an, so dass Begegnungen schon zwangsläufig stattfinden. Man muss sich ein dickes Fell angeeignet haben, um die Provokationen und das Miasanmia-Gehabe versuchen zu ignorieren, erstrecht, wenn die vermeintlichen Bayern auch noch schwäbisch schwätzen.

Im Stadion geht es dann weiter mit den Scharmützeln, man wird als „Gast“ ins oberste Stockwerk verfrachtet und bekommt Lightbier vorgesetzt. Vergnügungssteuerpflichtig sind Besuche im Schlauchboot also eher nicht und, wie wenn das alles nicht schon schlimm genug wäre, setzt es meistens auch noch eine Packung. Daher habe ich vollstes Verständnis für jene, die zuhause geblieben sind oder sich lieber die Amas in Hoffenheim angesehen haben.

Auch ich war lange mit mir am Ringen, ob ich mir dieses Spiel und die Meisterfeier der Bazis wirklich noch antun soll. Erfahrungsgemäß lassen sich die Bayern die Party ja nicht vermiesen und haben uns schon bei ähnlicher Konstellation, selbst mit B- und C-Mannschaften, keine Chance gelassen.

Als der Worst Case, in München abzusteigen, nicht mehr eintreten konnte, ließ ich mich überreden, wenigstens mitzufahren und eine nette Saisonabschlussfahrt zu veranstalten. Zu dem Zeitpunkt wusste ich noch nicht einmal, ob ins Stadion rein gehen oder nur auf dem Busparkplatz oldschool Radio hören würde, die Fahrt mit Freunden stand eindeutig im Vordergrund.

Nach der Serie zuletzt wandelte sich dann aber die Stimmungslage und Erwartungshaltung. Schließlich reisten wir als zweitbeste Rückrundenmannschaft und somit mit breiter Brust an.

Hatten wir unmittelbar nach dem Amtsantritt von Korkut in einigen Spielen augenscheinlich jenes Glück, das Hannes Wolf fehlte, konnte es nach dieser Vielzahl von Spielen kaum mehr Zufall sein, dass so gut wie keiner in der Lage war, den Korkut-Code zu knacken. Wäre uns durch die Sperren von Ascacibar und Aogo nicht die zuletzt so stabile und gut auf sich abgestimmte Doppel-Sechs komplett abhanden gegangen, hätte ich uns gar gute Chancen gegeben, auch aus München etwas mitnehmen zu können.

Zu allem Überfluss fiel dann kurzfristig auch noch Mario Gomez aus, der am Vorabend des Spiels Vater geworden war. Herzlichen Glückwunsch an dieser Stelle! Weil Korkut bislang seine Formationen so wenig wechselte bzw. auch wechseln musste und daher viele Spieler ohne Spielpraxis dabei waren, hätte ich direkt vor dem Spiel keinen Pfifferling mehr auf den VfB gewettet.

Daher hielten wir uns noch Ewigkeiten am Bus auf und waren nicht erpicht darauf, schnell in die Arena zu gelangen. So kam es, dass ich als Stadionfotograf den Einlauf der Teams und das Intro in den Fankurven zunächst verpasste. Dennoch kam ich gerade noch rechtzeitig, um den Treffer zum 0:1 durch Daniel Ginczek sehen und bejubeln zu können. Da ich vor hatte, sollte das Spiel seinen befürchteten Verlauf nehmen, das Stadion genauso schnell wieder zu verlassen, wie ich es betreten hatte, ersparte ich mir den beschwerlichen Gang in den Oberrang und verweilte die komplette Spieldauer hinweg hinter den Rollstuhlfahrerplätzen auf der Gegengerade.

Nachdem die Bayern relativ früh, wenn auch glücklich, zum Ausgleich kamen, schien das Spiel in die erwartete Richtung zu gehen. Kurz am Sieg schnuppern und dann den A… versohlt bekommen, das kenne ich von unzähligen Begegnungen in München zur Genüge. Die Bayern hatten in der Folgezeit einige gute Chancen, die sie aufgrund eigenen Unvermögens oder wegen eines hervorragend aufgelegten Ron-Robert Zieler nicht nutzten. Normalerweise rächt sich das ja im Fußball, jedoch nicht unbedingt beim in der Liga dominanten FC Bayern.

Zieler ist auch so ein Garant unserer starken Defensivleistungen im Verlaufe dieser Saison. Zwölf Zu-Null-Spiele sprechen Bände. Seit Jens Lehmann haben wir endlich wieder einen Keeper im Kasten, der uns auch Siege festhält. Mittlerweile sollte es niemanden mehr geben, der noch Mitch Langerak hinterher trauert. Dieser spielt mittlerweile in Japan beim hierzulande völlig unbekannten Club Nagoya Grampus, nachdem er in der Vorrunde in Levante keinen einzigen Liga-Einsatz hatte!

Ein weiterer wichtiger Baustein unserer stabilen Defensive ist Holger Badstuber. An dessen Seite reiften Pavard zu einem fast schon Weltklasse-Mann und Timo Baumgartl mindestens zu einem überdurchschnittlichen Bundesliga-Verteidiger. Ich hoffe sehr, dass man sich mit ihm auf eine Ausweitung seines Engagements verständigt. Eine eventuelle Europaleague-Teilnahme könnte die Chancen dafür erhöhen.

Badstuber war, wie auch Daniel Ginczek, nahezu die gesamte Rückrunde über fit, was die Frage aufwirft, ob Korkut so viel dosierter trainieren lässt als Hannes Wolf oder ob Korkut auch diesbezüglich einfach nur Glück hatte. Normal ist das alles nämlich nicht!

Auch wenn unsere starke und zusammengewachsene Defensivabteilung einmal mehr relativ wenige Hochkaräter zugelassen hat, drückte ein anderer Akteur dem Spiel seinen Stempel auf: Anastasios Donis! Was der Grieche in München ablieferte, dafür gehen mir die Superlative aus. Mit welchem Antritt er die beiden ersten VfB-Tore initiierte, wie er erst Rafinha, dann Süle stehen ließ, Weltklasse. Donis schoss ein Tor selbst und bereitete zwei weitere vor, besser geht es kaum. Ginczek, Donis, Akolo, Ginczek hießen am Ende die Torschützen eines denkwürdigen Spiels. Donis ist mit seiner Schnelligkeit eine Waffe, Korkut muss sich für die nächste Saison etwas einfallen lassen, ihn in die Stammelf einzubauen.

Korkuts Bilanz liest sich herausragend. Ich war auch nicht begeistert, als er als neuer Chefcoach vorgestellt wurde, jedoch nicht, dass ich etwas gegen ihn persönlich gehabt hätte, es war viel mehr die Enttäuschung darüber, dass Super-Spürnase Reschke mit einer derart unkreativen Lösung aufwartete und ich Korkut eher als Leisetreter eingeschätzt und es ihm nicht zugetraut habe, den damaligen Sauhaufen von Mannschaft auf Kurs zu bekommen.

Das ist das Schöne am Fußball, es geht um Momentaufnahmen und den jetzigen Moment dürfen wir genießen, ohne zur Abbitte verpflichtet zu sein, wie es Reschke schon früh in der Rückserie einforderte. Korkut hat den richtigen Ton beim Team getroffen und es geschafft, die Mannschaft zu einer Einheit zusammenzuschweißen.

Durch die ersten ordentlichen Ergebnisse konnte er in Ruhe arbeiten und das Team weiter bringen. Für ihn war es im Nachhinein sicher auch kein Nachteil, mit welchen Vorbehalten er hier bei seinem Amtsantritt konfrontiert war, dazu fällt mir der gute alte Sponti-Spruch „ist der Ruf erst ruiniert, lebt sich’s völlig ungeniert“ ein!

Durch die anfänglichen Erfolge wuchs das Selbstbewusstsein, der Zusammenhalt und beraubte die unzufriedenen Ergänzungsspieler ihrer Argumente. Hinzu kam, dass die Winterneuzugänge zu Volltreffern wurden. Wer hätte es schon Thommy, den ich nicht einmal kannte, zugetraut, unser Offensivspiel derart zu beleben, wer Mario Gomez dass er tatsächlich den so dringend benötigten Qualitätsschub im Vergleich zu Simon Terodde bringen würde. Exemplarisch dafür das zweite Tor gegen Hoffenheim, das eben nur ein Klassespieler so macht, vor allem dann, wenn es sich wirklich um die einzige sich bietende Torchance handelt. Diese Tore hat Terodde in der Vorrunde nicht gemacht, so dass dieser Tausch letztlich goldrichtig war.

Dass die Geschichten des Spiels in München vor allem Spieler schrieben, die auf der Miste von Schindelmeiser und Wolf gewachsen sind, freut mich schon ein wenig. Ob Mangala (92% gewonnene Zweikämpfe), Akolo, Donis oder auch Zieler, alle lieferten eine bärenstarke Vorstellung ab und sind der Beleg dafür, dass Schindelmeiser eben doch nicht nur Schrott eingekauft hat, was einige in Anbetracht der vielen verliehenen Spieler, die noch Schindelmeiser geholt hatte, behaupten.

Nach dieser phänomenalen Rückrunde und vor allem dem Spiel bei den Bayern muss ich meinen Hut vor Tayfun Korkut ziehen. Wurde ihm meist vorgeworfen, unflexibel zu sein und rein auf Stabilität zu setzen, bewies er gegen die Bayern Flexibilität und trat mit einem Matchplan an, der offensichtlich selbst Jupp Heynckes überrascht hat.

Zwar wurde Korkut zu seinem Glück gezwungen, doch er bewies großen Mut, Akolo als Mittelstürmer, Ginczek und Donis auf den Außenbahnen und dazu noch Thommy hinter dieser geballten Offensive zu bringen. Ob Donis’ Sololäufe zum Plan gehörten, ist nicht überliefert. Jedenfalls war es genau das richtige Rezept gegen eine hoch verteidigende Mannschaft mit schnellen Läufen hinter die Linien zu kommen.

Die Tore fielen zudem alle auch noch zum perfekten Zeitpunkt. Ein frühes Tor, um den Bayern zu zeigen, dass man nicht hergefahren ist, reine Staffage der Meisterfeierlichkeiten zu sein, ein Tor zum sprichwörtlich psychologisch günstigen Zeitpunkt vor der Pause, sowie die beiden Treffer kurz nach der Halbzeitpause, in der sich die Bayern sicherlich noch einiges vorgenommen hatten und diese Pläne schnell wieder begraben mussten.

So stand nach 55 Minuten ein unfassbares 1:4 auf der Anzeigetafel! Jedoch nicht für mich, ich konnte zwar den Gästeblock gut fotografieren, sah von meinem Platz aber die Anzeigetafel nicht.

Deshalb ging ich unmittelbar nach dem 1:4 völlig perplex auf die Ordnerin des Eingangs zum nächstgelegenen Block zu und fragte, ob ich kurz rein dürfe, um die Anzeigetafel zu fotografieren, was dann auch geklappt hat.

Ab dem Moment war ich dermaßen geflasht und bin es im Grunde immer noch. Zwar traute ich dem Braten noch immer nicht, doch, die Zeit verrann. In der Zwischenzeit kam ich mit einem Bayern-Fan relativ gut ins Gespräch, was dazu führte, dass die Zeit noch schneller rum ging und ich langsam begann, an die Sensation zu glauben.

Dieser Bayern-Fan outete sich als VfB-Sympathisant und war ziemlich interessiert daran, weshalb es mit Hannes Wolf schief ging und welche jungen Spieler sich in dieser Saison wie entwickelt hatten. Er gönnte uns dann zwar den Sieg, bedauerte aber diesen Heim-Abschluss für Jupp Heynckes. Ich versuchte ihm dann Mut zuzureden, indem ich ihm vor Augen führte, dass sich mit diesem 1:4 der Kreis für Jupp Heynckes endgültig geschlossen hat. War er im Oktober 1991 noch nach einem 1:4 gegen die Stuttgarter Kickers (!) nach seiner ersten Amtszeit bei den Bayern mit Schimpf und Schande entlassen worden, bekam er nun, fast 27 Jahre später, beim 1:4 gegen den großen Stadtrivalen der Kickers Blumen, Beifall und viel Herzschmerz zum Abschied! Wenn das mal nicht DIE perfekte Pointe seiner Geschichte war! ;-)

Dieser Bayern-Fan, dem es wegen der permanenten Sonneneinstrahlung auf der Gegentribüne zu warm geworden war, lieh mir dann sogar noch für die letzten Minuten seine Dauerkarte, so dass ich zwischenzeitlich fast Höhe Mittellinie gesessen bin und die Schlussminuten dieses denkwürdigen Spiels aus der Nähe miterleben durfte.

Fast vierzig Jahre lang fahre ich zu den meisten unserer Spiele nach München und durfte nun, nach 1994 und 2010, erst den dritten Sieg live miterleben. Diese Zahlen belegen das historische Ausmaß, dass es dem VfB im hundertsten Bundesliga-Aufeinandertreffen zum allerersten Mal gelang, vier Tore in einem Spiel gegen die Bayern zu erzielen, untermauern dies ebenfalls.

Die Bayern hatten sicherlich nicht ihren allerbesten Tag und waren auch nicht mehr mit voller Konzentration bei der Sache. Dennoch gibt es am grandiosen Auftreten des VfB nichts kleinzureden. Der VfB fand gegen die langsam in die Jahre kommende Bayern-Abwehr das richtige Mittel und war vor dem Tor einmal mehr gnadenlos effizient. Dieser Sieg geht so oder so in die Geschichtsbücher ein, für diesen Sieg brauchen wir uns nicht zu entschuldigen.

Danach war kein Halten mehr. Die Bayern-Feierlichkeiten interessierten mich nicht mehr die Bohne. Wie Rumpelstilzchen hüpfte ich aus der Arena und fiel unzähligen Freunden und Bekannten um den Hals. Diesen phänomenalen Tag wird wohl keiner, der dabei war, jemals vergessen.

Der VfB schließt die Saison als Aufsteiger also auf einem hervorragenden siebten Tabellenplatz ab und ihm fehlen am Ende sage und schreibe gerade einmal noch vier Punkte zur Championsleague-Teilnahme. Wo diese vier Punkte liegengeblieben sind, darüber möchte ich jetzt überhaupt nicht anfangen zu schwadronieren, sonst kommt womöglich Trauer darüber auf, dass wir „nur“ Siebter geworden sind. ;-)

Meine Respektbekundung an Tayfun Korkut und dafür, was er kurzfristig aus der Truppe herausgeholt hat, ist oben nachzulesen. Mit dem Abpfiff der Saison zählen diese Meriten allerdings nicht mehr viel. Einen Trainer zu beurteilen geht frühestens, wenn er eine Saisonvorbereitung absolviert und erste Transfers getätigt hat. Noch immer bin ich skeptisch, ob Korkut den Jahreswechsel als VfB-Trainer erleben wird.

Nicht weil ich nach dieser starken Rückrunde an Korkut selbst zweifeln würde, nein, deshalb, weil wir über den VfB und die Charaktere in der Mannschaft sprechen. Die große Kunst von Korkut muss es weiterhin sein, Stimmung und Spannung hochzuhalten und nebenbei Ergebnisse liefern, damit das (schwierige) Umfeld ruhig bleibt. Dass es über weite Strecken der Saison nicht an der Qualität sondern vor allem an der Mentalität fehlte und zuletzt auch der zweite Anzug gut saß, macht Hoffnung auf eine entspannte Sommerpause. Ich gehe optimistisch in diese und würde mich ehrlich freuen, wenn Korkut weiterhin ein solch gutes Händchen haben würde, wie bisher. Mit einer Vertragsverlängerung, die über 2019 hinaus schon anstehen soll, würde ich allerdings erst noch bis nach dem stürmischen Herbst abwarten.

Ähnliches Glück wie Korkut lässt sich in der Rückrunde auch Michael Reschke bescheinigen. Wäre ihm das Experiment Korkut missglückt, wäre er zum Abschuss freigegeben gewesen. Mit den Erfolgen kehrte auch bei ihm eine Souveränität ein, die ich ihm nach seinen „Elefant im Porzellanladen-Auftritten“ im ersten halben Jahr seines Wirkens wahrlich nicht zugetraut habe.

Dass er nun am Montag, gerade einmal zwei Tage nach dem (Saison)finale furioso, zur Pressekonferenz lud und dabei sage und schreibe 7 ½ Personalentscheidungen verkündete, überraschte dann doch gewaltig. Fünf Neuzugänge, die Vertragsverlängerungen Jens Grahls und Emiliano Insúas sowie das Bekenntnis von Mario Gomez zum VfB hatte Reschke zu verkünden.

Chapeau, so früh war beim VfB noch keiner dran und die Namen der Neuen lesen sich interessant, soll es sich doch vor allem bei Sosa und Maffeo um international umworbene Top-Talente und die Zukunft für unsere Außenverteidigerpositionen handeln. Dass die VfB-AG dafür ordentlich Euros locker gemacht hat, geschenkt, wenn sie ihren Vorschusslorbeeren nur annähernd gerecht werden.

Im weiteren Verlauf der Transferperiode wird Reschke sicher auch noch mit dem einen oder anderen gestandenen Spieler aufwarten, abhängig davon, wer den Verein noch verlassen wird. Bislang habe ich bei den Planungen der kommenden Saison ein gutes Gefühl und würde Reschke nach seinem ersten Jahr und dem ungenügenden Beginn schon mal ein „befriedigend“ ins Zeugnis schreiben.

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26. August 2012

Verpatzter Auftakt

Der VfB hat den Saisonauftakt 2012/2013 vermasselt. Eigentlich begann der Tag ja wieder super! Aufgrund des Europa League Playoff Rückspiels bei Dynamo Moskau bereits am kommenden Dienstag, konnte die Auftaktbegegnung gegen Wolfsburg nach zähem Ringen doch noch von Sonntag auf Samstag vorverlegt werden. Das allerdings zur ungewohnten Anstoßzeit um 20.45 Uhr, so spät hatte in 49 Jahren Bundesliga noch nie zuvor eine Begegnung begonnen. Schon traditionell fand vor dem ersten Heimspiel auch in diesem Jahr die Karawane Cannstatt statt, die wie immer ein farbenfrohes und lautstarkes Spektakel bot und der sich immer mehr Brustringträger anschließen.

Der VfB schien für den Auftakt gut gerüstet. Dem lockeren Aufgalopp in Babelsberg gegen den SV Falkensee-Finkenkrug im DFB-Pokal folgte die Geduldsprobe im Hinspiel gegen Moskau, die der VfB letztendlich mit Bravour bestand.

Dass es gegen den VfL Wolfsburg ein schweres Spiel werden würde, war mir von vornherein klar. Der VfL kalkuliert diese Saison mit einem 90 Millionenetat und startet erneut einen Großangriff auf die Champions League Plätze. Dagegen kommt der VfB mit seinem 40 Millionenetat ziemlich bescheiden daher. Anders als in den Jahren zuvor wirken die Wolfsburger Einkäufe auch nicht planlos sondern sehr wohl bedacht. So fällt es auch nicht ins Gewicht, dass ein Helmes mit Kreuzbandriss ein halbes Jahr lang ausfällt, wenn man dafür einen Olic und einen Dost aufbieten kann. Auch die im letzten Jahr löchrige Innenverteidigung wurde mit Pogatetz, Naldo und dem zuletzt verliehenen Kjaer gut verstärkt. Hinter den Spitzen wirbelt der geläuterte Diego wie in besten Zeiten. In den letzten Jahren war es immer von Vorteil schon früh auf die Wölfe zu treffen, da diese naturgemäß einige Zeit brauchten, um sich einzuspielen, präsentierte Felix Magath doch während des geöffneten Transferfensters fast täglich neue Spieler. Nicht so in diesem Jahr, die Mannschaft wirkt homogen und eingespielt und ist wohl, so schwer es fällt dies auszusprechen, eine andere Hausnummer als der VfB.

Trotzdem war die Niederlage unnötig und sehr ärgerlich. Die Wolfsburger waren zwar fast die gesamte Spieldauer über reifer und zielstrebiger in ihren Aktionen als der VfB. Wenn man aber zwei Minuten vor Spielende beim Stand von 0:0 einen zumindest diskussionswürdigen Elfmeter zugesprochen bekommt, muss man dieses Geschenk einfach annehmen. Entgegen des ungeschriebenen Fußballgesetzes, dass der gefoulte Spieler den Elfer nicht selbst schießen sollte, trat Ibisevic an und vergab kläglich. Dass er dann noch den Nachschuss fast in Slapstickmanier in den Nachthimmel setzte, ist eigentlich unfassbar. Leider stand unser etatmäßiger Strafstoßschütze Kuzmanovic nicht auf dem Platz. Dennoch liegt es mir fern, den Stab über Ibisevic zu brechen, er ist und bleibt einer unserer wichtigsten Spieler und ein Stück weit auch Lebensversicherung. Bitter war eben, dass sich der VfB unmittelbar nach dem vergebenen Elfer auskontern ließ, Boka zu spät raus rückte, um die Flanke zu verhindern und Tasci und Maza Dost aus den Augen verloren und ungehindert einköpfen ließen.

Die Gründe für die Niederlage liegen woanders. Der VfB hat einfach keinen Diego in der Mittelfeldzentrale, der das Spiel schnell machen und Situationen antizipieren kann. Hajnal hat schon bessere Zeiten erlebt und Kvist ist eben ein Spieler, der den sicheren Rückpass bevorzugt und das Spiel gestern zu sehr verlangsamt hat. Gerade gegen einen gut gestaffelten Gegner wünscht man sich schnörkelloses, schnelles Spiel nach vorne, anstatt ihm jedes Mal zu gestatten, sich neu zu formieren. Auch die Standardsituationen, meist von Diego getreten, waren klar besser als die kläglichen Hereingaben, oft von Traore, die Benaglio fast ausnahmslos problemlos herunter pflücken konnte. So gehörte die erste Halbzeit den Gästen und der VfB war mit dem torlosen Remis zur Pause gut bedient. Mit der Hereinnahme von Torun und später auch Cacau wurde der VfB nach der Pause gefährlicher und zielstrebiger, doch richtig zwingend wurde es auch im zweiten Durchgang selten.

So gesehen war der Sieg der Wölfe nicht unverdient und aufgrund der finanziellen Möglichkeiten auch logisch.

Der VfB hat jetzt zunächst einmal den schweren Gang nach Moskau vor sich, wo es gilt, die Europa League perfekt zu machen. Ich bin mir sicher, dass dies auch gelingen wird, hilfreich wäre natürlich ein frühes Auswärtstor, um einen einigermaßen ruhigen Abend zu erleben.

Danach geht es am kommenden Sonntag zum Triple-Vize-Meister nach München. Da droht dann der komplette Fehlstart, da auch die Bayern entscheidend aufgerüstet haben und es auf jeden Fall vermeiden möchten, erneut der Musik hinterher zu laufen.

Selbst im Falle einer Niederlage dort, ist es auch dann noch nicht an der Zeit schwarz zu malen und alles in Frage zu stellen. Insgesamt ist der VfB nach wie vor, im Rahmen seiner Möglichkeiten, auf einem guten Weg. Man muss hier einfach den Realitäten ins Auge sehen, dass in der Liga die Schere zwischen arm und reich immer weiter auseinander klafft und es einfach, wie 2007, alles passen müsste, um in die Phalanx der finanzkräftigeren Vereine einzubrechen. Von den finanziellen Möglichkeiten her war der sechste Platz in der Vorsaison schon fast das Optimum, was zu erreichen war. Die Krösusse Bayern und Dortmund sind uns meilenweit enteilt, die Werksklubs Gazprom Schalke, SAP Hoffenheim, VW Wolfsburg und Bayer Leverkusen haben weitaus bessere finanzielle Möglichkeiten. Bor. M’Gladbach hat sich nach dem Reus-Verkauf gut verstärkt. Hier bleibt es abzuwarten, welchen Knacks das mögliche Champions League Aus mit sich bringt und ob der Neidfaktor im Kader irgendwann eine Rolle spielen wird oder ob es Favre und Eberl schaffen, das Team bei Laune zu halten. Es ist ja auch nicht gerade unproblematisch, wenn teure Leute kommen und plötzlich das Doppelte verdienen wie arrivierte Kräfte, namentlich z. B. Hanke, Herrmann oder Stranzl. Sollten diese nicht sofort einschlagen und dem Team auf Anhieb weiter helfen, entsteht ein nicht zu unterschätzendes Konfliktpotential. Wir beim VfB sind diesbezüglich ja „gebrannte Kinder“.

Jeden dieser genannten Vereine in der Tabelle hinter sich zu lassen wäre ein Erfolg. Bei diesem Bemühen hat der VfB meines Erachtens in Hannover 96 und Werder Bremen zwei Konkurrenten auf Augenhöhe, für alle anderen Teams wird es weitestgehend darum gehen, die Klasse zu erhalten.

Daher sind meine Erwartungen in die neue Saison nicht überbordend hoch. Ich bin da eher Realist und kann mich mit den Tatsachen abfinden und in gewisser Weise auch anfreunden. Der VfB hat seit dem Fastabstieg 2011 einen Schritt nach vorn gemacht. Die Kaderkosten wurden auf ein vernünftiges Maß herunter geschraubt, die (verschwenderische) Ära Heldt gehört endgültig der Vergangenheit an. Der VfB kehrt zurück zu den Wurzeln, setzt ein größeres Augenmerk auf den eigenen Nachwuchs, anstatt die zweite Reihe mit mittelmäßigen Großverdienern von außen aufzublähen. Auch wenn es viele nicht mehr hören können, stehen wir wohl wieder vor einer Übergangssaison, allerdings mit besseren Voraussetzungen als zuletzt, da das Team weitestgehend eingespielt ist und wenige Neuzugänge integriert werden müssen. Sakai wird hoffentlich bald zurückkehren und den als Ergänzungsspieler ausgeliehenen Hoogland ersetzen, ansonsten wird das Team der letzten Rückrunde das Gerüst bilden. Der in der Offensive flexibel einsetzbare Torun macht den Platzhaltern Druck und auch Cacau wirkt motiviert und drängt wieder ins Team.

Bange machen gilt also ebenso wenig wie zu hohe Erwartungen, die man mit diesen Möglichkeiten nicht oder nur bei optimalem Verlauf erfüllen kann.

Für den VfB geht es nun darum den totalen Fehlstart zu vermeiden und, wenn es in München nicht klappen sollte, das Spiel gegen Fortuna Düsseldorf zum eigentlichen Saisonbeginn auszurufen. Dazu muss man jetzt am Dienstag in Moskau die gute Ausgangsposition nutzen und die Europa League Teilnahme klar machen, was uns hoffentlich wieder schöne, unvergessliche Reisen mit dem VfB bescheren würde. Und, dann ist da ja auch noch der DFB-Pokal, bekanntlich der kürzeste Weg nach Europa, für den wir mit dem Heimspiel gegen den FC St. Pauli eine machbare Aufgabe zugelost bekamen. Vielleicht schaffen wir es in diesem Wettbewerb ja mal wieder, den Bayern, wenigstens bis zum Finale, aus dem Weg zu gehen.

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22. April 2012

Glücklicher Punkt in Köln

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , – Franky @ 20:07

Der VfB schaffte es leider nicht an die Form der letzten Wochen anzuknüpfen. Dazu tat die Mannschaft zu wenig, spielte lange zu verhalten, ließ sich nach und nach den Schneid abkaufen und baute den Gegner auf. Die Nervosität und Abstiegsangst war zu Beginn greifbar, sowohl bei der Mannschaft als auch bei den Fans. Ein so leises Rheinenergie-Stadion wie zu Beginn des Spiels hatte ich selten erlebt. Hier hätte die Mannschaft Kapital schlagen können, wenn sie beherzt und konzentriert begonnen hätte. Stattdessen fehlte zu Beginn jegliche spielerische Linie, einfachste Pässe landeten beim Gegner und zu allem Überfluss traten einige Spieler wohl auch noch mit dem falschen Schuhwerk an. Dadurch ließ es der VfB zu, dass die Kölner die Initiative ergriffen und das Spiel an sich rissen. Hinzu gesellten sich haarsträubende Ballverluste, die man seit Wochen nicht mehr gewohnt war und die die Kölner so förmlich zu Torchancen einluden. Dieser Auftritt wirkte so, als wären einige Spieler der Auffassung, durch die grandiose Aufholjagd in den letzten Wochen liefe alles schon von selbst. NEIN, mit einer solch laschen Einstellung reicht es nicht einmal gegen einen am Boden liegenden Gegner.

Die Kölner ihrerseits spielten im Rahmen ihrer Möglichkeiten, stellten die Räume zu und waren kampfstark. Mit zunehmender Spieldauer fanden die Kölner dann über den Kampf zum Spiel und setzten den VfB mehr und mehr unter Druck. Das Publikum kam auch immer mehr auf und honorierte, dass sich ihre Farben gegen das Schicksal stemmten. Ein Glück für die Brustringträger, dass die Abschlussschwäche der Kölner bestehen blieb. Dennoch gingen die Kölner durch Peszko, nach guter Vorarbeit von Podolski, Anfang der zweiten Halbzeit verdient in Führung. Labbadia reagierte daraufhin und schickte Cacau für Schieber auf den Rasen. Diese Einwechslung zeigte Wirkung. Kaum auf dem Feld, scheiterte Helmut noch knapp, kurze Zeit später jedoch schloss er eine schöne Kombination über Hajnal und Ibisevic mit einem Billardtor ab. Bezeichnend für den Spielverlauf, dass der Ball im Netz landete und nicht aus dem Kasten heraussprang. Danach hatte der VfB durchaus noch Möglichkeiten zum Sieg, der aber des Guten auch ein bisschen zu viel gewesen wäre.

Immerhin war, wie in den letzten Wochen, nach dem Rückstand eine Reaktion der Truppe zu erkennen und es sprang abermals Zählbares heraus, wenn auch keine drei Punkte. Wegen der Mehrzahl an Torchancen der Kölner ist der Punkt für den VfB eher schmeichelhaft. Im Rennen um den fünften Platz aufgrund des Leverkusener Sieges in Sinsheim hat der VfB Punkte eingebüßt. Sollten wir nächste Woche in München verlieren und Leverkusen sein Heimspiel gegen Hannover gewinnen, würden wir den so wertvollen fünften Platz leider wieder abgeben müssen. Zu einer Prognose, was in München nächste Woche drin ist, lasse ich mich erst nach dem Spiel der Münchner in Madrid ein. Der Ausgang dort könnte großen Einfluss auf die Ein- und/ oder Aufstellung der Bayern gegen uns haben. Klar ist, sollten wir in München einen Punkt holen und am letzten Spieltag Wolfsburg schlagen, dass uns der fünfte Platz nicht mehr zu nehmen wäre. Bilder und Bericht aus München folgen wie immer zeitnah.

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14. April 2012

Torfabrik im Dauereinsatz/ 4:1 gegen Werder Bremen

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , – Franky @ 00:23

Das dritte Spiel binnen sechs Tagen, der dritte Sieg binnen sechs Tagen, zum dritten Mal innerhalb einer Woche die Weisheit bestätigt “Wer 1:0 führt, der stets verliert”. Ob eine solche Hallowach-Pille jetzt jedes Mal sein muss, um in Schwung zu kommen? Ich könnte ehrlich gesagt darauf verzichten. Wenn die Mannschaft aber immer so zurück kommt wie zuletzt, lerne ich gerne damit leben.
Alles in allem war es ein sehr überzeugender Auftritt. Die Mannschaft zeigte von Beginn an, wer Herr im Hause ist und hatte den größeren Biss. Es wurde weitestgehend um jeden Ball gefightet und Bremen keine Luft zum verschnaufen gegeben. Diese präsentierten sich wie schon in den letzten Wochen in schlechter Form und ließen in der 2. Halbzeit das Schicksal über sich ergehen. Einzig der dann fehlenden Zielstrebigkeit in den Aktionen vom VfB hatte es Bremen zu verdanken, dass es kein noch größeres Debakel für sie gab. Das 0:1 fiel eher zufällig nach dem ersten und fast einzigen durchdachten Angriff der sonst harmlosen Werderaner. Zu Beginn war der VfB zwar bemüht, es fehlte aber noch die Genauigkeit. Aber, das Gegentor hat die Jungs wachgerüttelt und sie rissen sich einmal mehr am Riemen. Gut auch zu wissen, dass der VfB 2012 ohne Ibisevic-Treffer vier Tore erzielen kann. Martin Harnik steht inzwischen bei 17 Toren, einer Zahl, die einst schon reichte, Torschützenkönig der Bundesliga zu werden. Sein Pendant auf der anderen Seite, Julian Schieber fehlt noch ein wenig die Ruhe im Abschluss, trotzdem ist er ein ständiger Unruheherd. Sakai einmal mehr ohne Worte, sensationell welche Spielintelligenz dieser Junge schon besitzt. Bei diesem Spiel ist aber nun wirklich keiner herauszuheben, es war eine tolle Mannschaftsleistung, fast von der ersten bis zur letzten Minute.

Sollte es der VfB schaffen, diese Form und Leidenschaft bis Saisonende zu konservieren wird mindestens der fünfte Pllatz herausspringen, der nach der Horror-Saison im letzten Jahr und der langen Schwächephase von November bis Februar diese Saison schon sensationell wäre. Nach einem Sieg am Freitagabend lässt es sich jetzt wunderbar ins Wochenende gehen und zusehen, wie die Konkurrenz weiter an Boden verliert. Der fünfte Platz ist auf jeden ein erstrebenswertes Ziel, berechtigt er doch sofort zur Teilnahme an der Gruppenphase der Europaleague.

Den nächsten Schritt gilt es nun in Köln zu tun. Auch wenn die Kölner nach dem Trainerwechsel noch einmal alles versuchen werden, um den FC in der Liga zu halten, sollte sich der VfB durchsetzen, wenn er sein derzeitiges Leistungsvermögen abruft. Bilder und Bericht von dieser Tour folgen im Laufe des Sonntags.

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14. März 2010

2:2 verloren!

Da wir uns Ende des vergangenen Jahres mit den Lidl-Bahntickets eingedeckt hatten, war es natürlich eine willkommene Gelegenheit zum Samstag-15.30 Uhr-Spiel nach Bremen zu fahren. Die Zugverbindungen sind gut und man hat mit diesen Tickets keine Zugbindung, so dass man flexibel auf Verspätungen reagieren kann, was sich vor allem auf der Rückfahrt als gute Sache erweisen sollte. Um 7.27 Uhr ging es in Stuttgart planmäßig los. Zunächst nahmen wir den ICE Richtung Hamburg-Altona. Erst schafften wir uns mit den mitgebrachten Fleischküchle eine gute Grundlage und klopften einen Skat. Recht bald allerdings kam der Durst auf, so dass wir in den Bistro-Wagen weiter zogen und auf den Tag anstießen. Im Zug fuhren etliche VfB-Fans mit, so dass auch schon früh die ersten Lieder angestimmt wurden.

In Hannover dann stiegen wir um in den Intercity nach Bremen. Dieser hatte einge Minuten Verspätung, so dass genügend Zeit vorhanden war, ein paar Erinnerungsfotos zu schießen.

Schließlich kam er dann doch der Zug und wir nahmen die letzte Etappe unserer langen Anfahrt in Angriff: die etwa einstündige Fahrt in die Stadt der Stadtmusikanten. Auch dieser Zug war natürlich zu einem großen Teil in VfB-Hand.

In Bremen angekommen, wägten wir kurz ab, ob es sich noch lohnt, in die Innenstadt zu gehen oder ob wir schon Richtung Stadion ziehen sollen. Für letzteres entschieden wir uns dann. Carle und ich checkten erst einmal ab, wie wir fahren können, so dass wir zwar in Stadionnähe sind, aber dennoch noch etwas trinken und vielleicht auch essen gehen können.

Da ich kurz vor unserer Ausstiegshaltestelle ein Franziskaner-Schild erspähte, schauten wir uns diesen Laden mal aus der Nähe an. Die Wirtschaft war mehr eine Trinkhalle, lud aber weniger zum essen ein, so dass wir es beim Trinken beließen. Wir waren die einzigen Schwaben in der Kneipe, was aber für die Eingeborenen kein Problem war, wir wurden nett im grün-weißen Kreis aufgenommen und fanden auch gleich einen netten Menschen, der ein Gruppenbild von uns Vieren machte.

Wenig später gingen wir dann weiter zum Stadion, welches sich ja, wie unser heimisches Neckarstadion, im Umbau befindet. Aus diesem Grund bekam der VfB im Gästebereich auch nur Sitzplatzkarten, diese allerdings zum humanen Preis von Stehplätzen für 16 Euro.

Vor dem Stadion trafen wir auch gleich einige Bekannte, u. a. auch unseren Fanbeauftragten Peter Reichert. Noch eine kurze Stärkung mit Stadionwurst und Bier und schon ging es hinein ins Weserstadion. Das Wetter war ganz ok an diesem Samstag, zwar kalt mit leichtem Wind, aber sonnig und trocken. Wenn man bedenkt, dass ein, zwei Tage zuvor an gleicher Stelle noch ein heftiger Wintereinbruch mit 10 Zentimeter Neuschnee Einzug erhalten hat, konnte man da nicht meckern.

Im Stadion herrschte eine tolle Atmosphäre, erstmals natürlich als das Werder-Vereinslied “Lebenslang Grün-Weiß” ertönte. Aber auch die gut 1.500 Schwaben machten ordentlich Lärm und bewiesen einmal mehr, dass der Auswärtssupport zum besten gehört, was die Bundesliga zu bieten hat.

Das Wetter wie gesagt schön, der Platz leider nicht. Bremen hatte geplant, in der Woche zuvor den Rasen zu erneuern, die Rechnung aber ohne die Wettergötter gemacht. Diese ließen den Tausch des Geläufs nicht zu, so dass wir es hier mit einem Rübenacker zu tun bekamen, auf dem der lange und harte Winter sichtbare Wunden hinterlassen hat. Der VfB spielte mit der gleichen Aufstellung wie beim 2:1 gegen Frankfurt. Gross ist ja ein Verfechter von “Never change a winning team”. Dies ist ein Erfolgsrezept des schweizer Trainers. Er hat gleich zu Beginn seiner Tätigkeit beim VfB erkannt, wie verunsichert das Team unter Babbel war, ob der ständigen Wechsel und dass der Mannschaft vor allem eines wiedergeben muß: Stabilität. Diese hatte der VfB in den zurückliegenden Monaten in beeindruckender Manier wieder erlangt. Leider war unter der Woche das Länderspiel gegen Argentinien, so dass ein normaler Trainingsbetrieb nicht möglich war. Ursprünglich wollte ich auch zu dem Länderspiel fahren, verkaufte aber meine Karten kurzfristig mit reichlich Verlust, und das aus mehreren Gründen. Zum einen hatte ich 10 Tage vor dem Spiel noch immer meinen Urlaub nicht genehmigt bekommen, dann stehen ja weitere Ausflüge wie Schalke, Barcelona und auch Berlin an, so dass der Verzicht dennoch eine Geldersparnis einbrachte. Der Hauptgrund aber war, dass mich das Führungsteam der Nationalmannschaft mittlerweile gehörig nervt. Die geplatzten Vertragsverhandlungen, bei denen sicher  beide Parteien ihren Anteil haben. Dass Herr Löw sich in unsere Vereinspolitik eingemischt hatte, indem er Thomas Hitzlsperger zum Wechsel fast schon genötigt hat. Ich bin mir sicher, hätte er seine Klappe gehalten, und ihn ermutigt, beim VfB um seine Chance zu kämpfen, wäre Hitz noch hier und hätte sich das Kapitel Lazio Rom ersparen können.

Ebenfalls nervt mich, dass in der Nationalmannschaft nur noch derjenige Chancen hat, der kuscht oder sich irgendwann einmal Verdienste erworben hat und somit das Leistungsprinzip außer Kraft gesetzt wurde.

Ich war lange von der Arbeit von Löw und seinem Team überzeugt, auch weil man die Nationalmannschaft wieder anschauen konnte im Gegensatz zu dem, was unter Völler oder Ribbeck dargeboten wurde. Jetzt allerdings haben sich die Herren ein Imperium aufgebaut, und watschen jeden ab, der dort einbrechen will bzw. Kritik äußert. Dies hat Züge einer Löw’schen Diktatur. Dass die Verhandlungen auf Eis gelegt sind und erst nach der WM weitergeführt werden sollen, halte ich für äußerst schädlich in Bezug auf eine ordentliche WM-Vorbereitung und sich für mich eher ein Indiz, dass schon feststeht, dass die Zusammenarbeit nicht fortgeführt wird.

Bei dem Test gegen Argentinien waren Tasci von Beginn an, sowie Cacau und Khedira als Einwechselspieler im Einsatz. Leider endete bei diesem undankbaren Einsatz Cacaus großartige Serie mit 7 Toren in 3 Spielen. Er brachte zwar frischen Wind, blieb aber erfolglos.

Jetzt aber hinein ins Spiel, welches sehr verhalten begann. Beide Teams tasteten sich erst einmal ab und beschnupperten sich. Gleich der erste konstruktive Angriff nach 15 Minuten brachte die Führung für den VfB, Hleb setzte sich auf links durch, paßte in die Mitte zu Pogrebnjak und der ließ Wiese keine Chance. Der Jubel im VfB-Block war natürlich riesig.

Danach kam Werder besser ins Spiel und hatte durch Naldo eine richtige gute Freistoßchance, die Lehmann klasse entschärfte.

Dann erzielte Tim Borowski ein Tor, das aber zurecht wegen abseits nicht anerkannt wurde. Pizarro fand aus 5 Metern in Lehmann seinen Meister. Der VfB geriet zwar unter Druck, was in Bremen ja nicht außergewöhnlich ist, schaffte es aber auch immer wieder klug zu kontern und Werders Defensive von einer in die andere Verlegenheit zu bringen. So muß Cacau das 0:2 erzielen, als er frei vor Wiese auftauchte. Danach erzielte Pizarro noch ein Abseitstor, das ebenfalls zu Recht keine Anerkennung fand. In der 42. Minute aber war es soweit. Nach einer schönen Kombination über Pogrebnjak, dem besten Spieler auf dem Platz, der auf Gebhart verlängerte, dessen butterweiche Flanke den Kopf von Khedira fand und dieser Tim Wiese keine Chance ließ. 0:2 in Bremen, wie geil ist das denn? Setzt der VfB seine Aufholjagd in Richtung der Europacup-Plätze weiter fort? Es war die Chance, den Abstand auf Bremen auf ein Pünktchen zu verkürzen.

Nach der Pause deutete zunächst auch wenig daraufhin, dass hier noch etwas schief gehen könnte. Der VfB hatte weitere Chancen durch Hleb und Cacau, die aber leider nicht entschlossen genug waren. Dazu kam auch der Platz, der manche Bälle übel verspringen ließ. Diesem fiel auch Lehmann zum Opfer, der in der 75. Minute einen an sich harmlosen Schuß vom eingewechselten Almeida zum Anschluß passieren lassen mußte. Urplötzlich war Werder im Spiel und kam nach einem von Celozzi an Marin verursachten Foulelfmeter durch Frings sogar noch zum Ausgleich. Danach wollte Bremen sogar noch mehr, doch der VfB ließ nichts mehr anbrennen. Vor dem Spiel wäre ich mit einem Unentschieden in Bremen zufrieden gewesen, nach diesem Spielverlauf allerdings nicht. Dies kam eher einer gefühlten Niederlage gleich, da bis eine Viertelstunde vor Schluß nichts auf eine Bremer Aufholjagd hindeutete. Dass die Bremer Offensive mit Özil, Marin, Pizarro und Almeida jederzeit in der Lage ist, eine Abwehr in Verlegenheit zu bringen, ist ja bekannt, dennoch hätte der VfB bei besserer Chancenverwertung den Sack zumachen müssen. So war es allenfalls noch ein Achtungserfolg und der ein vielversprechender Auftakt der schweren Auswärtsspiele in Bremen, Schalke, Barcelona und München.

Die Mannschaft wurde dennoch freundlich verabschiedet, auch unseren Spielern war die Enttäuschung deutlich ins Gesicht geschrieben. So blieb uns nichts anderes übrig, als zu versuchen, das Positive aus diesem Spiel mitzunehmen. Nämlich dass es unsere Mannschaft mittlerweile schafft, eine so spielstarke Truppe wie Werder, fast vollständig aus dem Spiel zu nehmen. Das klappt, weil die Mannschaft mittlerweile wieder durch eine immens hohe Laufbereitschaft glänzt und mehr und mehr wieder eine Handschrift zu erkennen ist. Die letzten Monate wecken in mir große Hoffnungen, dass die nächste Saison mal wieder von Beginn an mit dem VfB zu rechnen sein könnte. Jetzt noch einen internationalen Startplatz zu erreichen, halte ich für fast aussichtslos, da die anderen Mannschaften sich auch keine Blöße geben. Dafür haben wir einfach in der Vorrunde zu viel an Boden verloren. Wie schon mehrfach von mir betont: eine Saison ohne Dreifachbelastung kann auch die große Chance sein, wieder richtig vorne mitzumischen und darauf sollten wir uns freuen.

Das Remis war also weder Fisch noch Fleisch für uns und so traten wir unmittelbar nach Spielende doch etwas enttäuscht die Heimreise an. Die Rückfahrt zum Hauptbahnhof ging flotter als erwartet, so dass wir zunächst den Zug um 18.09 Uhr erreichten, mit dem wir doch tatsächlich noch zu einer Zeit ankommen würden, zu der in Stuttgart noch S-Bahnen verkehren. Doch, wie eingangs erwähnt, erwies sich das Lidl-Ticket ohne Zugbindung als Glücksfall. In Hannover erreichten wir zwar den Anschluß, den ICE nach München. Geplant war, in Würzburg umzusteigen und den Regionalexpress nach Stuttgart zu nehmen. Doch als der ICE Minute um Minute an Verspätung dazu packte, war es uns zu riskant, womöglich in Würzburg unseren Zug zu verpassen. Also stiegen wir in Kassel aus, weil wir wußten, dass hier mindestens noch ein Zug nach Stuttgart vorbei kommen würde. Vorher kam allerdings ein ICE Richtung Basel über Mannheim. Dort stiegen wir ein und erwägten kurz, über Karlsruh zu fahren, wo auch Anschluß zu einem Regionalexpress nach Stuttgart bestehen sollte. Als auch dieser ICE einige Minuten Verspätung hatten, verwarfen wir auch den Gedanken wieder, und nahmen die sichere Variante, stiegen in Mannheim aus und warteten auf den Zug, der 0.44 Uhr in Stuttgart einfuhr und mit dem wir eben aufs Taxi angewiesen waren. Aber: Hauptsache noch heimgekommen. Alles in allem war es ein schöner Tag mit einem aufregenden Spiel, aber natürlich anstrengend. Zug fahren ist ja schon nett, im Bistro vergeht die Zeit auch wie im Flug. Und, im Gegensatz zu früheren Jahren scheint die Bahn auch eine nicht zu unterschätzende Einnahmequelle entdeckt zu haben: Ging früher schon mal nach 2 Stunden das Bier aus oder war es lauwarm, scheinen die Bestände mittlerweile fast unerschöpflich zu sein und das noch gekühlt. Doch fast 1.300 km an einem Tag sind dennoch heftig, das nächste Mal werden wir wohl wieder an der Weser übernachten.

Die nächsten Berichte folgen von Schalke und von Barcelona.

Bis dahin, viele Grüße

Franky

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