26. September 2015

Aus-, Aus-, Auswärtssieg!

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , – Franky @ 07:58

Der Saisonstart hat uns Allesfahrern einiges abverlangt. Wegen Kiel, Hamburg, Berlin sowie Hannover unter der Woche legten wir bereits knapp 5.200 Kilometer auf Schiene und Straße zurück, verbrachten etwa 60 Stunden in Zug und Bus und „opferten“ für Hannover auch noch zwei Urlaubstage. Unser Aufwand und der bisherige Ertrag an Punkten stehen hier in keinem Verhältnis, manchmal hätte man hier eine Tapferkeitsmedaille verdient.
Dem holprigen Auftakt in Kiel (wobei ich damit zufrieden war, da es „nur“ ums Weiterkommen ging) folgten zwei völlig unnötige Pleiten in Hamburg und in Berlin sowie der verdiente Erfolg am Mittwoch in Hannover, der allerdings auch lange noch am seidenen Faden hing.
Irgendwann, Anfang Juli, als die ersten Spiele terminiert waren, kamen wir auf die glorreiche Idee die Züge nach Hannover so zu buchen, dass wir bereits gegen 10 Uhr vormittags in der niedersächsischen Landeshauptstadt aufschlugen. Die Sparpreise der Bahn lassen grüßen, der frühe Vogel spart Geld. Nach einem Begrüßungsbierchen noch im Bahnhofsbereich waren wir sehr motiviert ein wenig Sightseeing zu betreiben und Hannover etwas besser kennenzulernen.
Dazu kam es dann „leider“ nicht, da es uns
a) in einer kleinen Kneipe sehr gut gefiel,
b) der eine oder andere Regentropfen zu spüren war und
c) ein Pastor in der Kneipe auch seine Bierchen genoss und wir im festen Glauben waren, ein wenig kirchlicher Beistand für das anstehende Spiel könne nicht schaden. Alles für den Verein eben. ;-) .
So verließen wir dieses nette Örtchen erst gegen 16 Uhr und begaben uns langsam aber sicher in Richtung Stadion. So früh war ich selten einmal vor Ort. Die Polizisten formierten sich zum „Zorniger-Gedächtnis-Kreis“ und stimmten sich auf das bevorstehende Aufeinandertreffen ein, am einzigen Bierstand vor dem Gästeeingang lief das Bier noch nicht (aber bald), so dass wir dort Position bezogen, wo nach und nach unsere Fanbetreuung, die ersten bekannten Gesichter und wenig später auch der Mannschaftsbus eintrafen.
Es war langsam alles angerichtet für das Mittwoch-Abend-Spiel. Ob die DFL in irgendeinem verqueren Datensatz hinterlegt hat, dass der VfB in englischen Wochen grundsätzlich auswärts anzutreten hat, weiß man nicht. Naheliegend wäre es schon, in Anbetracht der Tatsache, dass es in der letzten Saison drei englische Wochen, in denen wir in Dortmund, in Hamburg und in Köln antraten und es in dieser deren zwei gibt, in denen es uns nach Hannover und nach Mönchengladbach verschlägt. Es gibt Angenehmeres, als „für normale Bundesligaspiele“ ständig Urlaub nehmen und die Nächte nach den Spielen im Bus auf der Autobahn verbringen zu müssen. Zu dieser Thematik und im werben um fangerechte Ansetzungen und Anstoßzeiten gab es ein nettes Transparent der 96-Fans, die damit ihr Mitgefühl für die angereisten Stuttgarter zum Ausdruck brachten.
Ein weiteres Ärgernis ist das ewige Galama, ob man eine Bridge-Kamera mit ins Stadion hineinbekommt oder nicht. In der Stadionordnung des Niedersachsenstadions ist nur die Rede davon, dass „professionelle“ Kameras verboten sind, in unseren Faninfos dagegen, wurde aufgeführt, es wären lediglich Kompaktkameras zugelassen. Dadurch ist alles Auslegungssache und letzten Endes ist man auf den Goodwill des 1-Euro-Jobbers am Eingang angewiesen und man steht im schlechtesten Fall ohne Kamera da. Um auf Nummer sicher zu gehen und auch, weil ich auf unserer Tour keine Lust hatte, zwei Kameras „mitzuschleppen“ habe ich mich für „die Kleine“ entschieden, was ein bisschen schade war, ob des guten und vergleichsweise teuren Platzes, den ich mir gegönnt hatte. Gerade bei Flutlichtspielen stößt sie an ihre Grenzen und liefert weitgehend unbefriedigende Ergebnisse, vor allem bei Zoom-Aufnahmen.
Noch kurz die Arena-Card geholt und aufgeladen, Bier und Bratwurst geschnappt, ging es auch schon hinein ins weite Rund. Letzte Saison war es merklich ruhig geworden, in der Nordkurve des Niedersachsenstadions, nachdem sich einige Ultra-Gruppierungen mit Clubchef Martin Kind überworfen hatten. Diese supporteten im Fast-Abstiegsjahr lediglich die Amateure, so dass eine gespenstische Atmosphäre herrschte und dies sicherlich mitverantwortlich für den tabellarischen Absturz war. Die Ultras konnten Kind zur neuen Saison einige Zugeständnisse abringen, wie bspw. die Errichtung weiterer Stehplätze oder auch die Gründung eines Fanbeirates, so dass sie sich in dieser Saison wieder der vollen Unterstützung sicher sein können.
Früher, in den 1980er- und 1990er-Jahren war das Auswärtsspiel in Hannover allenfalls ein notwendiges Übel. Oft war der Gästeblock mit gerade einmal zwischen 50 und 100 VfBlern „gefüllt“, es zog der nordische Wind durch das Stadion und durch die Laufbahn war man genauso weit weg vom Geschehen wie im alten Neckarstadion. Die Stimmung glich der einer Beerdigung, die Anreise war schier endlos.
Heutzutage ist man mit dem ICE in vier Stunden da und das umgebaute Stadion ist für mich zu einem richtigen Schmuckkästchen geworden. Zudem ging das als unterkühlt geltende Publikum vor allem in den Europapokal-Jahren so richtig aus sich heraus, so dass ich schon öfter mal eine überragende Stimmung dort erlebt habe, die natürlich damit einherging, dass der VfB dort in den letzten Jahren einige Spiele verloren hatte. Unser letzter Sieg in Hannover gelang in der Meistersaison vor rund neun Jahren. Da mir der Gästeblock im Oberrang nicht besonders zusagt und der besseren Perspektive zum Fotografieren wegen besorge ich mir für Hannover mein Ticket meist bei `96 direkt. So saß ich dieses Mal knapp versetzt hinter unserer Trainerbank in Reihe 1, quasi in Rufweite und mit direktem Blickkontakt zu Meuschi und Günne.
Nach fünf Spielen ohne Punktgewinn stand der VfB mächtig unter Druck. So sehr die Spielweise des „neuen VfB“ gelobt wurde, so wenig es die bisherigen VfB-Gegner verstanden, wie sie die Spiele gegen uns überhaupt gewonnen hatten, so wenig gibt es eben auch einen Schönheitspreis zu gewinnen. Was zählt sind die Punkte und die ließen bisher auf sich warten So war es immens wichtig, in Hannover die ersten Punkte einzufahren, um wenigstens ein bisschen Ruhe zu haben und die aufkeimende Trainerdiskussion verstummen zu lassen.
Der VfB trat fast mit der gleichen Aufstellung an wie beim mitreißenden Auftritt gegen Schalke 04. Lediglich der zuletzt angeschlagene Daniel Didavi ersetzte Alexandru Maxim. Didavis Knie hält bislang, toi, toi, toi. In seiner gesamten Zeit bei den VfB-Profis war er wohl noch nie so lang am Stück einsatzbereit wie momentan. Somit hat der VfB ein echtes Luxusproblem, weil dem Vernehmen nach immer nur einer der beiden Künstler spielen kann, wenngleich ich auch gerne nochmal beide zusammen auf dem Platz sehen würde. Auf der anderen Seite scheint sich aber auch so langsam eine Formation zu finden, die guten Fußball spielt und defensiv weniger zulässt als noch zu Beginn der Saison. Hieß also auch, dass erneut Timo Werner den Vorzug vor Martin Harnik erhielt. Werner kommt das neue System mit zwei Spitzen entgegen, um es vorweg zu nehmen, war er „mein“ Man of the Match in Hannover.
Wie schon in Berlin ging der VfB zunächst abwartender als bei den Heimspielen zu Werke, was uns offensichtlich nicht so liegt. Wir haben ein Team, das lieber agiert als reagiert und sich in der Vorwärtsbewegung deutlich wohler fühlt, als wenn man hinterher laufen und zunächst einmal auf das Heimteam reagieren muss. So setzte Hannover 96 die ersten Akzente und hätte schon in der 13. Minute in Führung gehen können, wenn das Schiedsrichtergespann Andreasen nicht fälschlicherweise zurückgepfiffen hätte. Eine Zeigerumdrehung später war es aber doch so weit. Wie schon in Berlin über die linke Abwehrseite kam der Ball nach innen zu Karaman, der Tytoń im Kasten keine Chance ließ. Auf der Tribüne konnte man es nicht fassen, geht denn die Sch… schon wieder los, murmelte man vor sich hin und sah das neuerliche Unheil seinen Lauf nehmen. Bei Hannoveranern, die ebenfalls sehr verunsichert waren und erst ein mageres Pünktchen in den ersten fünf Spielen ergatterten und deren Trainer Michael Frontzeck ähnlich unter Beschuss war wie unser Übungsleiter Alexander Zorniger.
Noch ehe man das 1:0 für Hannover so richtig verarbeiten konnte, rappelte es auf der anderen Seite. Timo Werner schickte unseren Kapitän auf die Reise, der sehenswert an Zieler vorbei zum Ausgleich einschlenzte. Ein schönes Tor, eine Befreiung, den frühen Rückstand umgehend korrigiert. Doch damit nicht genug, durch aggressives Forechecking in der Hannoveraner Hälfte zwang der VfB den Gegner zu einem Ballverlust, der Ball landete bei Ginczek, der etwas unter Ladehemmung leidet und Zieler anschoss, der Ball sprang aber zu Timo Werner, der ins leere Tor abstauben konnte.
Sein erstes Tor seit dem Dezember 2014, eine große Befreiung für ihn, der eine schwere Zeit beim VfB durchlebt und sich in einem Wechselbad der Gefühle befinden muss, nach seiner Nichtnominierung fürs Berlin-Spiel und zwei Startelfeinsätzen danach. Erst Peitsche, dann Zuckerbrot, erst von Zorniger gerüffelt, er sei nicht sein Kindermädchen, um ihn nun stark zu reden und ihm auch schon 24 Stunden vor dem Gladbach-Spiel eine Startgarantie zu geben. Timo Werner hat verstanden und ist auf dem Weg zu alter Stärke.
Nach drei Toren binnen vier Minuten verflachte die Partie etwas, so dass es bis kurz vor dem Pausenpfiff dauerte, ehe Hannover durch einen Pfostenschuss ein Lebenszeichen sendete und im Gegenzug Kostic aus spitzem Winkel knapp scheiterte.
In der zweiten Halbzeit versuchte Hannover im Rahmen seiner Möglichkeiten das Spiel zu drehen, kam aber kaum mehr zu erwähnenswerten Torabschlüssen. Der VfB war zwar etwas gefährlicher und insgesamt auch spielbestimmend, die letzte Genauigkeit, die Angriffe sauber zu Ende zu spielen und der konzentrierte Torabschluss fehlten aber. Mich erinnerte die Partie, je länger es 1:2 stand, an das Spiel in Hamburg. Fahrigkeit im Abschluss, eine dumme rote Karte und schon macht man einen eigentlich am Boden liegenden Gegner stark und verschenkt ein Spiel. Diese Bedenken begleiteten mich bis in die Nachspielzeit hinein, ehe Maxim nach gutem Einsatz von Daniel Ginczek für die Entscheidung sorgte. Auch Daniel Ginczek erhielt von Trainer Zorniger ein Sonderlob, in dem er äußerte, könne er sich einen Stürmer backen, käme Ginni dabei heraus. Dieses Lob hat sich der Junge mehr als verdient. Was er rackert und ackert, unermüdlich 90 Minuten lang die Gegner, oftmals aussichtslos, den Ball zu erobern, anläuft, für Unruhe sorgt und dazu noch große Torgefahr ausstrahlt, auch für mich überragend. Dass bei diesem steten Kampf am Limit mal die Konzentration beim Torabschluss fehlt, dafür muss man Verständnis aufbringen und ihm weiter den Rücken stärken, und nicht schon wieder, wie nach dem Schalke-Spiel gehört, eine Chancentod-Diskussion eröffnen. Wenn denn dann, wie beim 1:2, ein Timo Werner dasteht und abstauben kann, ist doch alles gut letztendlich.
Timo Werner sprintete nach seinem Treffer auf Zeugwart Michael Meusch zu, der ihm ein guter Freund und manchmal wohl auch Seelendoktor ist, Schwaben unter sich sozusagen, was ihm jedoch einen kleinen Rüffel von Trainer Zorniger einbrachte. Dieser erwartete von ihm, dass er sich bei seinen Mitspielern zu bedanken hätte, die seinen Treffer durch aggressives Pressing erst ermöglicht hatten. Diese Aussage von Zorniger und auch der Kreis, den die Spieler mehrmals im Training sowie vor und nach den Spielen auf dem Platz bilden, sich umklammern und in dem Zorniger stets ein paar Worte an die Mannschaft richtet, gehören zu den teambildenden Maßnahmen, auf die Zorniger großen Wert legt. Manche mögen das belächeln, ich finde es stark. Für Zorniger steht die Mannschaft und der Teamgeist über allem, was eine positive Erwähnung wert sein sollte, nach Jahren, in denen wir es vorwiegend mit Egoisten und Ich-AG’s auf dem Platz zu tun hatten. Man spürt, dass eine Einheit zusammenwächst, dass die Bereitschaft sich gegenseitig auf dem Platz zu helfen wieder da ist, was wir lange Zeit vermisst haben.
Dennoch ist mit Hannover und gegen die derzeit vermutlich schwächste Bundesligamannschaft nur ein erster Schritt getan. Viele weitere müssen folgen, um endlich mal wieder in gesicherte Tabellenregionen vorzustoßen und dem Team ein ruhiges Arbeiten zu gewährleisten.
Heute steht das nächste schwere Spiel bevor, gegen den Champions League Teilnehmer Borussia Mönchengladbach, der genauso katastrophal in die Saison startete wie der VfB. Auch den Gladbachern gelang am Mittwoch der Befreiungsschlag, indem sie mit Interimstrainer Andre Schubert nach 21 Minuten bereits mit 4:0 gegen den FC Augsburg führten. Auch hier kann man konstatieren, wehe, wenn sie losgelassen. Der VfB muss auf der Hut sein und eine ähnliche Gala wie gegen Schalke auf den Platz zaubern, seine Chancen dabei jedoch nutzen. Dann kann es was werden mit dem zweiten Sieg in Folge und dem ersten Heimsieg. Die Gladbacher stehen mit Sicherheit auch nicht umsonst dort wo sie stehen, das Gebilde dürfte weiter fragil sein, so dass sie Gefahr laufen, beim einen oder anderen Gegentor, in ihre Einzelteile zu zerfallen. So muss sie sich der VfB zurechtlegen, dann bin ich guter Dinge!
Ein Wort noch zum Rücktritt von Lucien Favre. Langsam mutet mir das Gebaren der Trainer an wie die Rache an den Vereinen, die, Trainer um Trainer entließen und vor allem sie zu den alleinigen Sündenböcken erklärten.
Hatte ich nach dem Rücktritt von Armin Veh zunächst das Gefühl, man würde dem VfB den Boden unter den Füßen wegziehen, müssen sich nun die Gladbacher ähnlich fühlen. Es ist immer schwierig für einen Verein, der ambitionierte Ziele hat, so kurzfristig eine gute und langfristig vielversprechende Lösung zu präsentieren. Da bewundere ich die Ruhe und die Seriosität, mit der Max Eberl an das Problem herangeht und wohl keinen Schnellschuss macht.
Ich halte solch Rücktritte, beim 1. FC Kaiserslautern ja auch, für charakterlich höchst verwerflich und hoffe, dass sie nicht zur Mode werden. Ich finde das sehr egoistisch gedacht von Lucien Favre, seinen Verein im Stich zu lassen und womöglich auch kleineren Vereinen Schaden zuzufügen, bei denen sich der betroffene Verein nach einer Alternative umsehen muss.
So könnte es die Stuttgarter Kickers, immerhin in der 3. Liga im Aufstiegsrennen, treffen, deren Trainer Horst Steffen eine Gladbacher Vergangenheit hat und vom Niederrhein stammt, und der offensichtlich einer der Kandidaten für die Favre-Nachfolge ist. Sehr kurz gedacht von Favre also, mir nichts, dir nichts das Handtuch zu werfen und mehrere Vereine dadurch vor große Probleme zu stellen.
Es ist zwar nicht unser Thema, aber, mich beschäftigen eben auch sonstige Entwicklungen im Fußball, der mehr und mehr dabei ist, sich selbst abzuschaffen oder zumindest von der Basis immer weiter zu entfernen, wenn Verträge die Tinte nicht mehr wert sind, mit der sie unterzeichnet wurden.
Heute aber liegt unser Augenmerk auf dem Spiel. Was ein Tag, erstes Wasenwochenende, schönes Wetter, ein fast ausverkauftes Haus und eine Truppe auf dem Platz, der es Spaß macht zuzuschauen. Bin schon ganz aufgeregt und schließe an dieser Stelle, fertig machen, Aufbruch 1893, der Wasen ruft!

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26. November 2013

Erneute Heimniederlage!

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , , , – Franky @ 20:26

Bilder von der Heimniederlage gegen Gladbach sind jetzt online. Auch wenn ich in Glasgow war, Bilder gibt’s trotzdem, da sich Anita erbarmt hat meinen Part zu übernehmen. :-)

Wir haben das Spiel in der Horseshoe-Bar in Glasgow angeschaut. Da sonst kein weltbewegender Live-Sport zu dieser Zeit auf dem Plan stand und der Schotte an sich freundlich ist, hat sich der Barkeeper auf Anfrage gleich bemüht, den Sender zu finden, der unseren geliebten VfB überträgt. Auf BT Sport2 ist er dann fündig geworden. Verblüfft war ich gleich, dass, wie von Sky gewohnt, eine dreiköpfige Expertenrunde das Geschehen diskutieren würde. Da dieser Kick außer uns niemand in der Bar interessiert hat, kann ich auch nicht sagen, was diese Experten von unserem Gekicke hielten.

Ich jedenfalls war erst einmal bedient und ernüchtert. So erbärmlich unser Spiel, so chancenlos, so überlegen der Gegner. Da musste ich erst einmal schwer (das Lager weg-) schlucken, um wieder zum gemütlichen Teil übergehen zu können. Freitagspiele könnten so schön sein, wenn man gewinnt und sich wegen der verlorenen Punkte der Konkurrenz einen grinsen kann. Wenn man aber sang- und klanglos verliert, wenn man sich nach dem Spiel (mal wieder) an keinen ernsthaften Schuss erinnern kann, den der gegnerische Torwart parieren musste und das gegen einen Gegner, der uns binnen drei Jahren aber sowas von den Rang abgelaufen hat. Wenn der VfB auf einen gut organisierten Gegner trifft, ist Ratlosigkeit angesagt, weil wir weder ein Aufbauspiel von hinten noch ballsichere Spieler haben, die ein Spiel beruhigen können und die Anderen durch ihre Nervosität nicht anstecken. So habe ich wenig Hoffnung, dass sich in der Vorrunde noch die große Wende einstellt. Mit Leistungen wie zuletzt ist sowohl in Schalke und Wolfsburg, als auch zu Hause gegen den FC Bäh (Ende Januar) mit dem Schlimmsten zu rechnen. Umso wichtiger wären dazwischen Heimsiege gegen Hannover und Mainz, um nicht in gefährlicheres Fahrwasser abzudriften. Ich hoffe, dass Thomas Schneider das Team in Südafrika zusammenschweißen und einspielen kann und wir in der Rückrunde endlich mal seine Handschrift zu sehen bekommen. Bislang erinnert fast alles noch an tristeste Bruno-Zeiten, was aber eher als Kritik an Präsidium und Management denn an Thomas Schneider zu interpretieren ist, weil sie es versäumt haben, dem schleichenden Abwärtstrend (trotz Pokalfinale) zum 30.06. ein Ende zu bereiten.

Gladbach wird mein erstes und einziges Spiel der Vorrunde sein, das ich verpasst habe. Sowohl in der Turnhalle als auch bei VW bin ich dabei und hoffe, dass die Leistungen und Ergebnisse besser ausfallen mögen als mein Gefühl für den Rest des Jahres!

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27. Januar 2012

Richtung weisend!

Nach dem Trainingslager im türkischen Belek, wo das Team konzentriert arbeiten und sich auf die Rückrunde einstimmen konnte, hatte ich große Hoffnungen, dass der Mannschaft der Schlendrian vom Ende der Vorrunde ausgetrieben wurde. Der VfB begann die Saison, vor allem nach dem Abstiegskampf der Vorsaison, mehr als akzeptabel und blieb lange auf Tuchfühlung zu den internationalen Plätzen. Seit Mitte Oktober aber, seit dem Heimsieg gegen Hoffenheim, verfiel das Team wieder in alte Verhaltensmuster und der schleichende Leistungsabfall begann. Der Knackpunkt könnte mal wieder Mainz 05 gewesen sein, wo der VfB nach einer Führung unter gütiger Mithilfe eines Pfeifenmannes unterlag. Seitdem gelang lediglich noch ein mühevoller Arbeitssieg gegen das meiner Meinung nach schwächste Team der Liga, den FC Augsburg. Wurde gegen Köln noch der Sieg verschenkt, gegen die Bayern zu zehnt wenigstens gekämpft, machten mich die Auftritte in Bremen und in Wolfsburg fast sprachlos. Keine Konzentration, keine Kombinationen, keine Laufbereitschaft, keine Spielfreude, keine Handlungsschnelligkeit, kein Miteinander, keine taktische Disziplin, keine Passgenauigkeit, keine Überraschungsmomente, kein Esprit, keine Torgefahr, null Komma nix war zu sehen von all dem, weshalb wir zum Fußball gehen. 

Also, dachte ich mir, neues Jahr, neues Glück, würde die Mannschaft aufgeräumt aus der Pause kommen und bereits auf Schalke ein erstes Zeichen setzen. Mit dem RWS machten wir uns voller Vorfreude, aber dennoch mit einer gewissen Skepsis, auf in den Ruhrpott. Der VfB hatte lediglich einen Winterneuzugang präsentiert, den Japaner Sakai. Gekommen von einem japanischen Zweitligisten, angepriesen, der Außenverteidiger wäre links und rechts gleich stark einsetzbar. Ich hätte mir noch einen (bezahlbaren) kreativen Mittelfeldspieler gewünscht, da mich Hajnal bislang in dieser Saison enttäuscht hat. Er reiht sich ein in die Liste derer, die nach dem Unterzeichnen eines festen Vertrages, stark nachgelassen haben. So gab es in der Startelf in der Veltins-Arena nicht wirklich große Überraschungen. Was mich dennoch von Beginn an stutzig machte, war, dass mit Celozzi und Pogrebnjak zwei Spieler in der Startelf standen, die der VfB lieber heute als morgen los hätte. Dazu  wurde Kuzmanovic aufgeboten, der keinen Hehl daraus macht, dass er, auch lieber heute als morgen, wieder gerne in die Serie A wechseln würde. So stellte sich die Aufstellung wie ein Schaufenster dar. Dann hatte man mit Cacau noch einen Mann auf dem Platz, dem das entzogene Vertrauen der Mannschaft durch die Abwahl aus dem Mannschaftsrat sichtlich zu schaffen macht. Da wir weder beim Trainingslager waren, noch in Stuttgart die Gelegenheit hatten ein Training zu begleiten, vertrauten wir dem Trainerteam und hatten die Hoffnung, dass die elf, die da auf dem Platz standen, alle gut trainiert hätten und das bestmögliche Team darstellen würden. Heute weiß jeder, wie es auf Schalke gelaufen ist. Nach drei Minuten hätten wir im Grunde wieder heimfahren können, durch Unkonzentriertheit bei einer Standardsituation lagen wir bereits zu diesem frühen Zeitpunkt 0:1 zurück. Hätte der Schiri nicht zu Unrecht auf Abseits entschieden, hätte es nach acht Minuten 0:2 geheißen, wer weiß, wie wir dann unter die Räder gekommen wären. So stand es „nur“ 1:3 am Ende, mit dem der VfB gut bedient war. Sämtliche Attribute, die ich oben nannte, passten auch auf dieses Spiel. Ganz, ganz schwach. Schalke konnte sich nach der frühen Führung zurückziehen und auf Konter lauern. Dem VfB fiel dazu überhaupt nichts ein!!! Einziger Lichtblick in meinen Augen, Raphael Holzhauser, der in der 85. Minute zu seinem Bundesligadebut kam und mehr positive Ansätze zeigte als das komplette Mittelfeld in den 85 Minuten davor. 

Nach der anstrengenden Rückfahrt fand ich dann die Zeit, ein paar Ausschnitte vom Spiel und die Stimmen zum selben mir zu Gemüte zu führen und traute dabei meinen Augen und Ohren nicht. Bruno Labbadia faselte davon, wir hätten das Spiel kontrolliert und mehr Ballbesitz gehabt und die Niederlage hätte nur an den Standards gelegen. Nein, entweder ich habe ein anderes Spiel gesehen oder Bruno labert Bullshit. Es wird Zeit, dass jemand die Jungs wachrüttelt, bevor wir wieder auf einem Aufstiegsplatz stehen. Nicht, dass ich falsch verstanden werde. Ich würde es mir wünschen, dass beim VfB Kontinuität einkehrt und Bruno Labbadia länger bei uns bleiben kann als viele seiner Vorgänger. Er hat mich sowohl durch seine Arbeit als auch durch seine Offenheit im Trainingslager beeindruckt und viele Pluspunkte bei mir sammeln können. Aber, nach diesen Auftritten zuletzt, müssen, wie es auch Sven Ulreich sagte, klare Worte gesprochen werden. Mit Leistungen wie zuletzt, auf dem Platz ohne Plan und ohne Spielkultur, spielt man über kurz oder lang das Stadion leer. Ich als Fan ertappe mich derzeit immer öfter, genau so ergebnisorientiert zu denken wie die Verantwortlichen und vergesse fast, dass ein Stadionbesuch auch Freude machen könnte. 

Wo wir beim nächsten Gegner wären: In der letzten Saison haben wir Mönchengladbach, zugegebenermaßen eine andere Borussia als heute, mit 7:0 zurück an den Niederrhein geschickt. In meiner Erinnerung sind auch noch ein 6:0 aus den 80ern und zwei 5:0 aus den 90ern gegen diesen Gegner fest verankert. Es sind eigentlich meist sehr launige Auftritte gegen einen Gegner, der sein Heil meist in der Offensive sucht und vor allem als auswärtsstark galt bzw. gilt. Die Borussia von heute kommt aber anders daher. Ein Gegner, der sich schwer locken lässt, taktisch unheimlich diszipliniert spielt und bei eigenem Ballbesitz blitzschnell ausschwärmt. Es ist wirklich sehr beachtlich, was Favre aus dem So-gut-wie-Absteiger vom Februar 2011 gemacht hat und was man mit taktischer Disziplin bewirken kann und wie Spieler (z. B. Hanke) noch dazu lernen können. Hier ist ganz klar die Handschrift des Trainers zu erkennen, die mir beim VfB momentan fehlt.  Und, wenn ich einen Marco Reus sehe, muss ich zugeben, dass mir bei dem Jungen das Herz aufgeht. Mit welcher Freude und in höchstem Tempo er auf die gegnerischen Abwehrreihen zuläuft und dennoch die Übersicht für den besser positionierten Nebenmann nicht verliert oder auch selbst abschließt. Einfach Klasse! Ich finde es auch gut, dass er nicht zu den Bayern geht sondern sich seinem Heimatclub anschließt. Und, in Gladbach scheint keiner wirklich sauer zu sein, hat er doch mit offenen Karten gespielt und spült jede Menge Euronen in die sonst so klamme Kasse. Es liegt an der Borussia, daraus etwas zu machen. Einen Bigpoint haben die Gladbacher letzten Freitag gegen die Bayern gesetzt und ihnen, wie schon im Hinspiel, den Zahn gezogen. Hinten wenig zugelassen, vorne gnadenlos effektiv! Dem VfB steht also eine schwere Aufgabe bevor. Ich glaube, wenn der VfB genau so pomadig auftritt wie in den letzten Spielen, gibt es nichts zu holen. Es wird auf jeden Fall Konzentration und Geduld gefragt sein. Diese Woche wurde in Ibisevic noch der herbei gesehnte Knipser verpflichtet. Ob er von Beginn an der Heilsbringer ist, wird sich erst noch erweisen müssen, ein schlechter Griff aber ist er meiner Meinung nach nicht. 

Trotzdem bin ich nach wie vor der Meinung, dass uns auch ein Vorlagengeber gut zu Gesicht stehen würde. Für den Sommer ist ja Ibisevic‘ Kumpel Salihovic im Gespräch. Wenn das wahr ist und die Chance bestünde, ihn jetzt schon vom Dorfklub loszueisen, zugreifen bitte. Einen solchen Freistoßschützen hatten wir seit Balakov nicht mehr. Zudem ist er ein Spieler, der auch mal aus 30 Metern schießt, wenn man nicht direkt vors Tor kommt. Allerdings muss er, um für den VfB realistisch zu sein, große Abstriche in puncto Gehalt in Kauf nehmen. Ich kann mich noch gut erinnern, als Uli Hoeneß einmal ausplauderte, dass Salihovic in Hoffenheim mehr verdienen würde, als die Bayern ihm bezahlen wollten, was ja etwas heißen mag! Aber, die Zeiten haben sich auch in den letzten zwei, drei Jahren geändert. Immer mehr Vereine rücken ab von den immensen Gehaltszahlungen und kehren zur Vernunft zurück. Ausgenommen die Bayern, die über ein üppig ausgestattetes Festgeldkonto verfügen und die Wolfsburger, die sich an die „Erfolgsformel“ von 2009 zu erinnern scheinen, nämlich dass von 100 verpflichteten Spielern die Wahrscheinlichkeit hoch ist, dass elf davon unfallfrei geradeaus laufen können. Außer bei diesen beiden Vereinen ist auf dem Transfermarkt große Zurückhaltung zu spüren, wobei die Bayern ja „nur“ im Sommer auf großer Einkaufstour waren. Wenn in absehbarer Zeit endlich auch international das Financial Fairplay konsequent umgesetzt wird, wird sich das solide Wirtschaften der Bundesligavereine auszahlen und wir können womöglich den einen oder anderen (Welt-)Star mehr bewundern. 

Den derzeitigen Konsolidierungskurs vom VfB trage ich jedenfalls voll mit. Nach wie vor hat Fredi Bobic am Erbe von Horst Heldt zu knabbern, der zu Champions League Zeiten Durchschnittskicker mit Wahnsinnsverträgen ausstattete. Ich trage auch voll mit, wenn Spieler an zusätzlichen Einnahmen partizipieren, allerdings nur so lang, wie diese fließen und nicht noch zwei, drei Jahre danach. Diesen Sommer laufen viele dieser Verträge aus, die dem Verein fast die Luft zum atmen nehmen. Erst danach wird auch die Arbeit von Fredi Bobic besser beurteilt werden können und erst dann kann er uns davon überzeugen, dass der Stuttgarter Weg nicht zwangsläufig nur mit sparen, kleineren Brötchen backen und mit schleichendem Absturz zu tun hat. Dann wird sich auch zeigen, ob es Labbadia sich traut, den ein oder anderen jungen Spieler einzubauen oder zumindest als ersten Backup auf die Bank zu setzen. Die Bauers, Hemleins und Holzhausers sind doch mit Eifer dabei und motiviert, wenn sie denn mal die Chance bekommen. Auch einen Kevin Stöger, der in der Vorrunde leider von einer schweren Verletzung zurückgeworfen wurde, würde ich sehr gerne einmal auf der Hajnal-Position sehen. Hier wächst etwas heran, dem man auch einmal die Möglichkeit geben muss, zu gedeihen, bevor die Jungs die Geduld verlieren, wie Leno oder auch Ermin Bicakcic. Doch dies ist Zukunfsmusik! Erst einmal zählt das Hier und Jetzt und das heißt Mission Klassenerhalt Reloaded! 

Womit wir beim Titel dieses Beitrags wären. Richtung weisend! Quo Vadis VfB? Die Abstiegsränge sind durch die Niederlage auf Schalke wieder bedrohlich nahe gekommen. Eine Heimniederlage gegen Mönchengladbach und das große Zittern würde wieder von vorn beginnen. Danach geht es nach Leverkusen und im Pokal zu Hause gegen die Bayern bevor Angstgegner Hertha BSC ins Neckarstadion kommt. Bei diesem Programm kann es einem Angst und bange werden, so wie sich die Mannschaft in letzter Zeit präsentiert hat. Es ist aber für unser Team auch die Gelegenheit ein oder mehrere Ausrufezeichen zu setzen und die Abstiegsdiskussion im Keim zu ersticken. Angefangen werden sollte damit am besten schon am Sonntag, gegen einen unserer Lieblingsgegner Borussia Mönchengladbach. Die Gladbacher warten seit 1994 auf einen Auswärtssieg beim VfB und müssen sich hoffentlich noch weiter gedulden. Der VfB muss es einfach jetzt packen, in ruhigeres Fahrwasser zu gelangen, um den Umbruch im Team möglicherweise schon am Ende der Rückrunde einleiten zu können. Das Spiel gegen Gladbach wird uns die Tendenz aufzeigen und uns klar machen, ob der Auftritt auf Schalke ein negativer Ausrutscher oder ein Fingerzeig auf die uns bevorstehende Rückrunde war.

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