15. März 2010

Wie’s nach dem VfB weitergeht: Fünf Spieler – fünf Geschichten

Es sollte ein Neuanfang in einer anderen Umgebung und bei einem anderen Verein werden. Fünf Spieler haben den VfB in der Winterpause verlassen, weil sie mit ihren sportlichen Aussichten in Stuttgart unzufrieden waren. Was ist aus ihnen seitdem geworden?

Thomas Hitzlsperger (27):

Er ist vom Regen in die Traufe gekommen. Beim VfB war er zuletzt nur Reservist – und das ist er jetzt auch bei Lazio Rom. Dadurch sinken seine Chancen auf eine WM-Teilnahme immer weiter, denn der Bundestrainer Joachim Löw verlangt Spielpraxis. Diese Forderung war letztlich auch ausschlaggebend für den Wechsel nach Rom, der weniger aus Überzeugung denn aus Sachzwängen heraus erfolgte. Viel lieber wäre Hitzlsperger ohnehin wohl zum FC Everthon, zu Atletico Madrid oder zum FC Sevilla gegangen, die im Januar aber nur vorgefühlt und dann kein Angebot unterbreitet hatten – im Gegensatz zu Lazio, dessen Fans teilweise als gewaltbereit und faschistisch gelten. Mit solchen Auswüchsen hat Hitzlsperger auch schon Bekanntschaft gemacht. Kürzlich stürmten aufgebrachte Anhänger mit Rauchbomben das Trainingsgelände und konnten erst von der Polizei gestoppt werden. Lazio steckt als 17. der Tabelle tief im Abstiegskampf. Schlechter sind nur Livorno, Bergamo und Siena, aber Hitzlsperger darf kaum eingreifen. Gleich nach seinem Debüt beim 0:1 am 7. Februar gegen Catania wurde er mit bissigen Kommentaren des Trainers Davide Ballardino bedacht, der wenig später durch Edoardo Reja ersetzt wurde. Hitzlsperger sieht kein Land. Nur zweimal kam er bisher zum Zug. Ansonsten sitzt er auf der Bank, wie am Sonntag bei der 1:2-Niederlage in Genua.

Elson (28):

Der Mittelfeldspieler hat sich bei Hannover 96 zu einer wertvollen Stammkraft entwickelt. Bei seinem fünften Einsatz erzielte er am Samstag beim 2:1-Erfolg in Freiburg seinen ersten Treffer – das wichtige 1:0. “Damit hat er sich für seinen Fleiß belohnt”, sagt der 96-Manager Jörg Schmadtke, “wir sind sehr zufrieden mit ihm.” Elson selbst hat schon erklärt, dass er seine Zukunft über diese Saison hinaus in Hannover sieht – selbst wenn die Mannschaft im Mai absteigen sollte. Sein Vertrag in Stuttgart läuft jedoch noch bis Juni 2011, so dass eine Ablösesumme von etwa einer Million Euro fällig wäre. “Wir haben das Signal von Elson vernommen”, sagt Schmadtke, “aber weder wir noch der VfB stehen da im Augenblick unter Druck.” Dennoch hält es der Manager für gut möglich, dass es am Rande der Partie zwischen den beiden Clubs am 20. März in Stuttgart zu Verhandlungen kommt.

Yildiray Bastürk (31):

Für ihn hat sich bisher nichts geändert. Wie schon zuvor beim VfB spielt er auch bei den Blackburn Rovers keine Rolle. Null Einsätze stehen auf seinem Konto. Es reichte noch nicht einmal zu einem Platz im Kader des Tabellenzwölften der Premier League. Dabei hat Bastürk wenig Zeit, um sich zu empfehlen. Sein Vertrag läuft nur bis Juni. “Er ist körperlich noch nicht in der Lage, auf diesem hohen Niveau mitzuhalten”, sagt der Trainer Sam Allardyce. Die Rovers reagierten auf die Defizite und verordneten Bastürk sogar ein speziell auf ihn abgestimmtes Trainingsprogramm. Dadurch soll er die erforderliche Fitness erlangen. Bevor das nicht der Fall ist, werde sich an seinem Status nichts ändern, sagt Allardyce, der aber noch Geduld aufbringt und nach wie vor von den Fähigkeiten des Mittelfeldregisseurs überzeugt ist. Inzwischen spielte Bastürk dreimal für die zweite Mannschaft der Rovers. “Das ist kein Problem”, sagt sein Berater Reza Fazeli, “die Leute in Blackburn sind alle sehr nett zu ihm.”

Jan Simak (31):

Er sagt: “Meine Entscheidung war richtig. Für mich ist es wichtig, dass ich spiele. Insofern läuft hier alles wie geplant.” Bereits fünfmal ist er in der Rückrunde für den FSV Mainz aufgelaufen, auch beim 1:0-Sieg am Sonntag in Hoffenheim stand er in der Anfangsformation. Wenn er sich Ende Januar keine Adduktorenverhärtung zugezogen hätte, wäre die Bilanz vermutlich noch besser. Gegen Mönchengladbach und Hertha BSC musste Simak pausieren. Die Perspektiven stimmen, da sein Vertrag bis 2011 datiert ist – mit einer jetzt schon so gut wie sicheren Option für eine weitere Runde. In Mainz gefällt ihm vor allem die familiäre Atmosphäre, die er in Stuttgart etwas vermisst hat. So hat er auch schon ein Haus gefunden, das er noch in diesem Monat mit seiner Familie beziehen wird.

Ludovic Magnin (30):

Fußballerisch lief es für ihn zunächst ähnlich bescheiden wie in der Hinrunde beim VfB – bis zum Sonntag. Da gelang dem FC Zürich, der zurzeit nur Rang acht belegt, ein 1:0 gegen Luzern – und der Wegbereiter hieß Magnin. Mit einem Dribbling bereitete er das entscheidende Tor von Djuric vor. Für den Verteidiger war es der erste Erfolg nach zwei Unentschieden und einer Niederlage. Deshalb drohte dem FC-Trainer Bernard Challandes schon die Entlassung – was in Magnin ein paar Erinnerungen hervorgerufen haben dürfte. Siehe Stuttgart im Spätherbst, siehe Markus Babbel. Aber eigentlich fühlt er sich gut. “Ich genieße es, wieder zu Hause in der Schweiz zu sein”, sagt Magnin, der froh ist, “dass es hier etwas ruhiger und menschlicher zugeht als in der Bundesliga.” Zwei Ziele hat er in den nächsten Monaten vor allem: die WM – “und außerdem hoffe ich, dass ich meinen jungen Mitspielern in Zürich helfen kann”.

STZ 9.3.10

Aus VfB-Sicht also alles richtig gemacht, die Gehaltsliste entlastet, den Kader ausgedünnt und sportlich nicht geschwächt. Auch dies rechne ich in erster Linie Christian Gross an. Unter seinen Vorgängern war dies nicht möglich, nicht zuletzt, weil sie keine so klare Linie vorgaben, wie es der Schweizer jetzt tut.

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