5. Oktober 2015

Zorniger gegen den Rest der Welt

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , – Franky @ 20:39

Das Spiel an der Autobahnraststätte war noch keine fünf Minuten aus. Jeder, der mit Herzblut dabei ist, steht noch unter dem Eindruck des späten Ausgleichs und der von Timo Werner kläglich vergebenen Siegchance, so dass man das Geschehene erst einmal sacken lassen muss. Als Fan hat man in diesem Moment nur einen Gedanken: Bier her!
Alexander Zorniger, dem viele vorwerfen, unflätige Stammtischparolen einer gewählten Ausdrucksweise vorzuziehen, würde in diesem Moment wohl gerne mit uns tauschen, ein Bierchen trinken und sich dabei auskotzen, wie wir es eben auch tun.
Stattdessen steht auf der Agenda eines Bundesligaspiels nicht etwa „Herunterfahren“ sondern ein Interview-Marathon. Sky, Sport1, SWR, die Kollegen der schreibenden Zunft. Jeder möchte, so schnell wie möglich, so authentisch wie möglich, möglichst auch so skandalös wie möglich einen O-Ton erhaschen, bei dem Zorniger, am besten noch auf hochdeutsch, zum x-ten Mal erklären soll, weshalb Spieler XY aus drei Metern das Tor nicht trifft oder der letzte Mann im eigenen Strafraum ein Luftloch schlägt.
Dass Zorniger noch kein Medienprofi ist, weiß man. Dass es den Reportern ein ums andere Mal gelingt Alex Zorniger aufs Glatteis zu führen, ist bedauerlich aber auch schon wieder sympathisch. Er lebt den Fußball und sagt, was er denkt, was auf Dauer sicherlich gesünder ist, als die Wahrheiten, die man in diesem „Saubermanngeschäft“ eigentlich nicht aussprechen sollte, in sich hineinzufressen und ständig von seinem virtuellen Spickzettel abzulesen, was man sagen darf und was nicht.
Da wir auch noch sportliche Sorgen haben, ist es zwar ärgerlich, wenn ganz Fußball-Deutschland (Dirk Schuster, Strunz uvam.) meint, über den Führungsstil von Alexander Zorniger urteilen zu müssen und dadurch Nebenkriegsschauplätze eröffnet werden, auf der anderen Seite ist es die ehrliche und direkte Art Zornigers seinem Unmut Luft zu machen.
Dass sich aber nun erneut Fredi Bobic in seiner Eigenschaft als Sport1-„Experte“ die Frechheit erlaubt, Zornigers Tauglichkeit für das Haifischbecken Bundesliga in Frage zu stellen, ist an Dummheit kaum zu überbieten. Was – erlaube – Bobic??? Steht er eigentlich noch auf der Gehaltsliste vom VfB? Falls ja, spätestens jetzt wäre es an der Zeit, ihn wegen Verunglimpfung seines Arbeitgebers fristlos zu kündigen.
Eigentlich ist es der Einzelhandelskaufmann aus dem Hallschlag gar nicht wert, sich über solche Aussagen aufzuregen und vor allem zu wundern, hat er doch die aalglatten Vertreter auf der Trainerbank bevorzugt, die morgens den Diener machen und vor allem ihren Mund halten. Stevens wurde vom Aufsichtsrat durchgedrückt, wäre es nach Bobic gegangen, wäre seine Kumpanei mit der Verpflichtung von Balakow in die nächste Runde gegangen. Nicht auszudenken, in welchen Niederungen wir uns bewegen würden, hätte man ihn damals nicht gebremst. Dutt und Zorniger sind derzeit verzweifelt dabei, den Scherbenhaufen aufzuräumen, den Bobic zu verantworten hat und jetzt stellt sich diese Person (fast hätte ich „blinde Bratwurst“ geschrieben“) hin und meint, er müsse dem VfB Ratschläge geben.
In Sinsheim zog sich Timo Werner Zornigers Unmut zu, indem er ihm Unkonzentriertheit vorwarf, wegen der er die klare Siegchance kläglich vergab. „Werner konnte das Tor nicht machen, weil er gedanklich noch mit Küsschen, Küsschen beschäftigt war“. Der Trainer steht unter Druck, der Trainer ist auf 180, dem Trainer geht vor allem die Situation nicht am Arsch vorbei sondern er leidet mit. Da ist eben in dem Moment der Ärger über die vergebene Chance größer als die Freude über Timos Ausgleichstreffer.
Es ist selbstredend nicht die feine englische Art Zornigers, seine Spieler öffentlich an den Pranger zu stellen, allerdings, bei Timo Werner hat ja schon die „Kindermädchen“-Geschichte offensichtlich gefruchtet. Nach seiner Ausbootung gegen Hertha BSC rutschte Werner flugs wieder ins Team und weiß seither sogar auch wieder, wo das Tor steht.
Zorniger hat den Spieler gekitzelt, gereizt, und Werner hat verstanden. Wir wissen alle nicht, ob Zorniger schon, bevor er mit seiner Schelte an die Öffentlichkeit geht, gebetsmühlenartig intern auf den Spieler eingeredet und nichts gefruchtet hat.
Dann ist es meiner Meinung nach schon auch ein probates Mittel, dem Spieler Beine zu machen, indem man zu unpopuläreren Maßnahmen greift.
Bei uns in Stuttgart ist doch nur deshalb der Aufschrei ob solcher „O-Töne“ so laut, weil wir es gewöhnt sind, Bobic und Labbadia lassen grüßen, die Spieler in Watte zu packen und über jede öffentliche Kritik erhaben sein zu lassen.
Dann wundert man sich aber wieder, dass keine Führungsspieler heranwachsen und sich jeder weg duckt, wenn es ungemütlich wird. Die Spieler müssen im Stadion vor 60.000 „Trainern“ ihren Mann stehen, dem Druck gewachsen sein, also, wo ist das Problem, wenn der Trainer kundtut, was er von seinen Jungs erwartet und sie mal nicht ganz so zimperlich anpackt.
Nichtbeachtung seitens des Trainers wäre doch viel schlimmer, so lang er seine Energie dafür aufwendet, den Spieler zu kritisieren und ihn nicht links liegen lässt, so lang hat er auch vor, den Spieler voranzubringen und besser zu machen. Bei Timo steht der nächste Schritt an, im letzten Jahr ist er in seiner Entwicklung stagniert, jetzt, und ich sage das im Brustton der Überzeugung Dank Zorniger, zeigt seine Formkurve wieder nach oben.
Etwas anders gelagert ist der Fall Georg Niedermeier, der zwar am Samstag auf der Bank saß, nach wie vor aber keine Rolle mehr spielt. Sollte Zorniger es letzte Woche tatsächlich so gesagt haben „komme mir aber jetzt keiner mit Georg Niedermeier“, ist diese Aussage respektlos in Anbetracht Schorschs Verdienste um den VfB. Dass er nicht mehr die allererste Geige spielt, ist sportlich nachzuvollziehen. Menschlich aber, die erneute Wahl in den Mannschaftsrat belegt das, steht der Schorsch in der teaminternen Hierarchie weit oben. Hier muss Zorniger aufpassen, dass er die Mannschaft nicht gegen sich aufbringt, dann wäre er irgendwann nicht mehr zu halten, hat es dieses Team doch immer wieder mal geschafft, einen unliebsamen Übungsleiter loszuwerden.
Zorniger ist ein Trainer, der den VfB lebt und der beim VfB seinen Traumjob vorgefunden hat. Aus seinem Umfeld ist zu erfahren, mit welcher Verbissenheit er die Probleme anpackt und wie sehr dieser Negativlauf an ihm nagt. Er ist der erste, der sich selbst hinterfragt und am liebsten alles anders machen würde, wenn es denn garantiert Punkte einbringen würde.
Hätte jemand einen Grund, wegen fehlenden Glückes hinzuschmeißen, wäre es wohl Zorniger. Er wird jedoch, hoffentlich, einen Teufel tun und den VfB ähnlich schäbig im Stich lassen, wie es vor Jahresfrist Armin Veh getan hat.
Alex Zorniger ist ein Typ wie Du und ich, volksnah und möglicherweise auch ein Stück weit zu ehrlich für dieses verlogene Bundesligageschäft. Man sollte bei ihm nicht alles, was er von sich gibt, auf die Goldwaage legen, sondern sich daran erfreuen, dass man einen echten Typen als Trainer hat, der sein Herz auf der Zunge trägt und nicht einen Weichspüler, der einen Woche für Woche mit den gleichen sinnfreien Phrasen abspeist. Natürlich hat Zorniger medial noch Luft nach oben und sollte auch einmal ein Fettnäpfchen auslassen, verbiegen lassen darf er sich aber nicht. Dann wäre er sofort unglaubwürdig, was ihm dann wohl auch noch negativ ausgelegt werden würde.
Im Moment kann er wohl machen, was er will, seine Gegner finden immer ein Haar in der Suppe. Sei es Kritik an seinen Spielern oder der Kaderzusammenstellung, wofür er sich allerdings auch schon bei der Mannschaft entschuldigt hat, sei es seine „Unerfahrenheit“ oder seine Red Bull Vergangenheit. Trifft ein Spieler aus zwei Metern das Tor nicht, spielt ein anderer einen schlampigen Pass, der zum Konter führt oder spielt der Torwart Harakiri, an allem ist Zorniger schuld.
Ich frage mich, was der VfB-Fan will. Soll es ewig so weitergehen wie in den letzten Jahren, alle paar Monate ein neuer Trainer, weiterhin ein Sammelsurium von Wunschspielern verschiedener Trainer, die nächste Abfindungszahlung an der Backe und nach drei Monaten, wenn weiterhin die Ergebnisse fehlen sollten, der Nächste bitte? Ich habe keine Lust mehr darauf, sich ständig im Kreis zu drehen und hoffe sehr, dass wir mit der Konstellation Dutt/ Zorniger die Kurve kriegen und Ruhe und Kontinuität in den Laden hineinbekommen. Für mich hat die Lösung mit Zorniger inzwischen einen gewissen Charme, er spricht unsere Sprache, kommt authentisch rüber, ist auf seine Art ein Verrückter und steht für mitreißenderen Fußball, als den, den wir in den letzten Jahren vorgesetzt bekamen.
Ich heiße auch nicht alles und jedes Interview gut, das Zorniger gibt und denke mir das eine oder andere Mal, hätte er doch dieses oder jenes Thema besser umschifft. Wie im realen Leben aber auch nehme ich die Menschen wie sie sind und hinterfrage oder kritisiere nicht jeden Wesenszug. Ich versuche damit klar zu kommen, ohne die Menschen ändern zu wollen und so nehme ich Alex Zorniger wie er ist. All das wäre ja auch überhaupt kein Thema, wenn die Ergebnisse stimmen würden.
Ich sage bei weitem nicht, dass Zorniger für uns das Nonplusultra darstellt und dass er alternativlos ist. Was mich viel mehr beschäftigt ist aber, welche Alternative wir denn hätten und vor allem, wer dann garantieren würde, dass alles besser wird!
Natürlich würde auch ich Jürgen Klopp mit Kusshand nehmen, bin aber Realist. Auch wenn er schon verkündete, ggf. auch einen „kleineren“ Verein zu übernehmen und Aufbauarbeit zu leisten, dann sicherlich nicht während einer Saison, wo er so gut wie keinen Einfluss auf die Planungen nehmen kann, abgesehen davon, dass er sich auch nicht mit einem Bruchteil des Gehalts abspeisen lassen würde, das er in Dortmund jeden Monat überwiesen bekam. Absolut unrealistisch. Ich wünsche mir schon fast, dass er in Liverpool unterschreibt, einfach deshalb, damit auch der letzte VfB-Fan einsieht, dass Kloppo reines Wunschdenken war.
Genauso wie wohl auch Lucien Favre, den ich nicht so einschätze, als dass er nach vier intensiven Jahren in Mönchengladbach ein paar Wochen später schon wieder die Vereinsfarben wechseln würde. Er, introvertiert wie er ist, muss das Geschehene sacken lassen und seinen Akku wieder aufladen.
Danach bleiben die üblichen Verdächtigungen, auf die ich nicht näher eingehen möchte. Jedenfalls verspricht keiner derer auf der Liste der arbeitslosen Fußballtrainer, dass er Zornigers Job besser machen würde. So ist übrigens auch die Mourinho-Aussage zu interpretieren, die Zorniger auch schon nachgetragen wird und die manch einer so verstanden haben möchte, Zorniger stelle sich auf eine Stufe mit Mourinho. Die Aussage sollte nur das widerspiegeln, was wir schon einige Male im Stadion erlebt haben, nämlich, dass der VfB einen klasse Fußball spielt, der Trainer also seinen Job gemacht und die Mannschaft richtig eingestellt hat, und uns dann stets individuelle Fehler um den Lob der Arbeit brachten. Auch ein Mourinho kann letzten Endes die Tore nicht selbst schießen.
Aller Anfang ist schwer, so auch der Beginn von Zornigers Bundesligatrainer-Karriere.
Gerade in der letzten Woche, als wir wieder einmal den (12.) Jahrestag des legendären 2:1 gegen die Startruppe von Manchester United feiern durften, kamen Erinnerungen an bessere Zeiten wieder hoch. Es war phantastisch, wie unter anderem Andi Hinkel, Kevin Kuranyi, Alex Hleb, Timo Wenzel und Timo Hildebrand die Fußballwelt im Sturm eroberten und als Junge Wilde Vol. 1 in die Geschichte eingingen. Felix Magath war seinerzeit Trainer dieser Rasselbande und ließ sich für diesen Jugendstil feiern. Kein Gedanke mehr daran, dass Magath die Jungen notgedrungen von der Leine lassen musste, weil kein Geld für Neuverpflichtungen da war und Jahre davor ein gewisser Ralf Rangnick hervorragende Vorarbeit geleistet hatte.
Die Jungen Wilden waren Produkt des Nachwuchskonzeptes, welches Rangnick während seiner Zeit als VfB-Trainer auf den Weg gebracht hatte. Rangnick war, ähnlich wie Zorniger jetzt, als Fußball-Professor und Fußball-Verbissener verschrien, der es sich mit seinen vermeintlichen Stars, allen voran Krassimir Balakow, schnell verscherzte. Wie Zorniger heute wurde dieser neunmalkluge Ralf Rangnick von Beginn an vom Umfeld kritisch beäugt und quasi bei „erstbester“ Gelegenheit wieder entsorgt. Auch er kam, etwas grün hinter den Ohren, daher, als habe er die Weisheit mit Löffeln gefressen und eckte ein ums andere Mal an. Wie man heute zu schätzen weiß, lag Rangnick mit vielem, das er damals anpackte und noch anpacken wollte, richtig, weshalb ich es auch Zorniger zutraue, zusammen mit Dutt den VfB zu erneuern und mittel- und langfristig zu verbessern, zumal Zorniger durch die Rangnick-Schule ging und Rangnick ihn sicher nicht geholt hätte, wenn er nicht seinem Ideal des Trainers entsprochen hätte oder dem zumindest nahe gekommen wäre.
Damals wie heute muss das Fundament im Nachwuchsbereich gelegt werden, damals wie heute wird sich der Erfolg nicht von heute auf morgen einstellen, damals wie heute erfordert es einfach Geduld und auch Vertrauen in die handelnden Personen ohne ständig jeden Handgriff und jedes Statement zu hinterfragen.
Da es seit Hansi Müllers Demission aus dem Aufsichtsrat keinen Maulwurf mehr zu geben scheint, Robin Dutt seine Transfers im stillen Kämmerlein und inkognito tätigt, drohten den Schreiberlingen schon die Geschichten auszugehen. Wie gut, dass es jetzt den Zorniger gibt, der es sich erlaubt, öffentlich den Finger in die Wunde zu legen und Spieler zu kritisieren.
Vor allem die Stuttgarter Blätter, die eigentlich das ureigene Interesse eines Stuttgarter Bundesligisten haben sollten, lassen keine Gelegenheit aus, Unruhe und Unzufriedenheit in die Mannschaft hineinzuschreiben. Dabei ist dann jedes Mittel Recht, Spieler und Trainer werden gegeneinander ausgespielt, die Berater dürfen ihren Senf noch dazu geben und wenn diesbezüglich alles ausgelutscht ist, werden halt Transfergerüchte in die Welt gesetzt. Alles wohl nur mit dem einen Ziel, Unruhe und Unzufriedenheit zu schüren. Ich erspare mir mittlerweile einen Großteil dieser Artikel, da sie dem so verpönten Boulevard-Journalismus inzwischen sehr nahe kommen.
Für die latente Unzufriedenheit und das lauter werdende Murren vieler Fans habe ich durchaus Verständnis, weil wir eben jüngst wieder einmal die rote Laterne übernommen haben. Auf der anderen Seite muss man aber halt auch berücksichtigen, was in den letzten Jahren so alles (schief) gelaufen ist. Inzwischen sehen wir, vor allem in den Heimspielen, attraktiven Fußball wie schon lange nicht mehr. Mit dieser Spielweise muss man sich, abgesehen von den Bayern, gegen keinen Gegner verstecken und kann sich in jedem Spiel eine Chance ausrechnen. Wann gab es das zuletzt, dass man samstags durchaus optimistisch ins Stadion gepilgert ist und sich auf die Spiele richtig gefreut hat?
Leider haben wir noch immer die Krankheit, dass vorne klarste Chancen en masse versiebt werden und hinten fast jede Chance des Gegners zum Gegentor führt.
Gerade im Defensivverbund scheint es gerade so zu sein, dass einer mit seiner Unsicherheit den anderen ansteckt. Konnte man vor vier Wochen noch hoffen, Timo Baumgartl würde an der Seite von Toni Sunjic zu alter Sicherheit zurückfinden, hat man nun den Eindruck, Sunjic wäre nach wenigen Wochen schon auf das Niveau seiner Kollegen heruntergezogen worden. War Insúa in den letzten Wochen noch ein Ruhepol, ließ sich dieser in Sinsheim auf das derzeitige Niveau von Flo Klein herab.
Und, dahinter irrt mit Tytoń ein Keeper im Strafraum umher, der den Beweis seiner Bundesligatauglichkeit bisher mehr als schuldig blieb. Dass Teile der Fans ihn in Sinsheim nach seinem Fehler zum 2:1 ausgepfiffen haben fand ich allerdings nicht gerade förderlich. Mildernde Umstände kann man Tytoń zu Gute halten, da das Abwehrverhalten der Mannschaft insgesamt schwach ist. Dennoch erscheint er mir inzwischen zu sehr verunsichert und trifft dadurch zu oft falsche Entscheidungen.
Auch wenn ich die Misere nicht an ihm festmache, könnte man ernsthaft darüber nachdenken gegen Ingolstadt Vlachodimos ins kalte Wasser zu schmeißen. Des Rückhalts der Fans könnte er sich schon mal sicher sein. Mit seinen 21 Jahren kann es eigentlich nur heißen, „Jetzt oder nie“. Ewig wird man ihn nicht als Nummer 3 bei Laune halten können und dann auch nie festgestellt haben, ob womöglich doch ein Leno in ihm steckt, wie viele weismachen möchten. Mich hat er bislang noch nicht so überzeugt, weil zu schmal und sehr riskant in seinem Spiel, aber, schlimmer kann’s fast nimmer werden.
Auch beim Rest der Startelf gab es Samstag so gut wie keinen Lichtblick. Harnik rückte ins Team und nicht nur das, er gab auch noch den Ersatzkapitän. Das mag so manchen verwundert haben, war er doch zuletzt außen vor und durfte lediglich wieder ran, weil Daniel Ginczek verletzt ausfiel. Harnik muss das 0:1 machen, dann läuft das Spiel wohl schon früh in unsere Richtung.
Maxim für Kostic, mit Didavi zusammen funktioniert (leider) nicht, es scheint, als würden in dieser Konstellation beide ihrer Stärken beraubt. Lukas Rupp als Vertreter von Christian Gentner konnte ebenfalls keine Eigenwerbung betreiben. Sollte Gentner weiter ausfallen, würde ich gerne einmal Carlos Gruezo an der Seite von Serey Dié sehen.
Fehler im Spielaufbau und viele einfache Unzulänglichkeiten auf beiden Seiten, so dass es nicht verwunderlich ist, dass beide Teams jeweils erst ein Spiel für sich entscheiden konnten. Das Spiel war, entsprechend der Tabellenkonstellation „Not gegen Elend“. Umso ärgerlicher, dass es der VfB nicht schaffte, die Gunst der Stunde zu nutzen und diesen schwachen Gegner aus dem Stadion zu schießen.
Wie wenn der VfB derzeit nicht schon genug Probleme hätte, schlägt nun auch noch das Verletzungspech erbarmungslos zu. Der langfristige Ausfall Langeraks hat uns bereits ins Mark getroffen und mutmaßlich den einen oder anderen Punkt gekostet. Robbie Kruse kämpft seit er hier ist, mit muskulären Problemen. Bei beiden kann man die medizinische Abteilung einmal kritisch hinterfragen, die für die Verpflichtungen grünes Licht gegeben hat. Gerade bzgl. Langerak kursiert das Gerücht, in Dortmund wundere dessen langer Ausfall Niemanden.
Kostic zog sich gegen Gladbach einen Muskelfaserriss zu, Kapitän Genter laboriert an Achillessehnenproblemen und fiel aus. Serey Dié plagte sich unter der Woche mit einer Magen-Darm-Geschichte herum, meldete sich aber einsatzbereit und ging auch in dieser Schlacht als Vorbild voran.
Das alles sind jedoch Kinkerlitzchen im Vergleich zu dem, welche Diagnose Daniel Ginczek ereilte: Bandscheibenvorfall im Halswirbelbereich, Ausfall möglichweise bis zur Winterpause. Ihm kann man nur einen guten Heilungsverlauf wünschen und dass die konservativen Behandlungsmethoden anschlagen. Ohne größere medizinische Kenntnisse kommt in mir die Befürchtung hoch, dass, sollte Ginni unters Messer müssen, eine noch viel längere Pause bis hin zum Karriereende im Raum stehen könnte.
Dass die Mannschaft unter dem Eindruck dieser Hiobsbotschaft in Sinsheim ihr bislang schlechtestes Spiel hinlegte, ist fast schon nachvollziehbar. Paradox dabei ist, dass der VfB seine vier Punkte in den schlechten Spielen holte und nach guten Leistungen stets leer ausging.
Erst durch den Dreifachwechsel ging ein Ruck durchs Team und vor allem Kliment und Ferati taten sich positiv hervor. Kliment traf per Kopf unmittelbar nach seiner Einwechslung, Ferati schlug in der Nachspielzeit eine Flanke butterweich auf den Kopf von Timo Werner und hatte somit maßgeblichen Anteil am Punktgewinn.
Es gibt sie also, die Hoffnungsschimmer. Arianit Ferati zum Beispiel, der nach misslungenem Flankenversuch von Harnik an den Ball kam und es besser machte. Diese Situation könnte fast Sinnbild einer Wachablösung sein, wenn sich Harnik nicht schon sehr bald steigert und zu alter Leistungsstärke zurück findet.
Zufrieden konnte man mit der Darbietung vom Samstag nicht sein, zu fahrig das Spiel. Da das Team es aber auch schon besser auf den Platz brachte und gegen Ingolstadt voraussichtlich Filip Kostic zurückkehren wird, kann man das Positive mitnehmen. Die Mannschaft ist nach zweimaligem Rückstand zurückgekommen und stand am Ende als moralischer Sieger da, auch wenn ich bis heute nicht so sicher bin, ob ich den Punkt als Punktgewinn oder als Punktverlust einordnen soll.
So oder so, diesen Punkt gilt es nach der Bundesligapause zu vergolden, indem gegen Ingolstadt der erste Heimsieg eingefahren wird.
Vorher aber steht zunächst einmal die Mitgliederversammlung an. Eine gute Möglichkeit für die Vereinsführung, ob sie will oder nicht, sich endlich mal wieder aus der Deckung zu wagen und darzulegen, welche Fortschritte sie erkennen und wie groß das Vertrauen in Alex Zorniger noch ist. Wenn ich mich durch die VfB-Foren klicke und Stimmungen persönlich einfange dürften die Zorniger-Befürworter und –Gegner etwa pari liegen und bei weitem nicht jeder den großen Rundumschlag herbeisehnen. Es dürfte hitzig werden!
Ich dagegen bin nach diesen mageren Wochen erst einmal reif für die Insel – für die grüne Insel, Irland is calling, Länderspieltime!

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15. September 2015

Fußball ist ein einfaches Spiel

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , , , – Franky @ 19:04

Auch nach dem vierten Spieltag der Fußball-Bundesliga steht unser VfB noch ohne Punkte da. Die große Euphorie, die noch vor Saisonbeginn herrschte, schlug innerhalb von gerade einmal vier Wochen bei vielen VfB-Fans in Endzeitstimmung um. Ich empfinde es als angenehm und wohltuend, dass wenigstens die Verantwortlichen Ruhe bewahren und (noch) nicht in blinden Aktionismus verfallen und alles über den Haufen werfen, was ein paar Wochen vorher noch vielversprechend klang und als alternativlos bezeichnet wurde.
Fußball ist ein einfaches Spiel, nicht nur außerhalb des Platzes, wo jeder, quer durch alle Bildungsschichten, eine Meinung zu dem was sich auf dem Rasen abspielt hat und Verbesserungswünsche oder gar –forderungen äußert.
Der Fußball ist aber eben auch unberechenbar. Was helfen Systeme, Theorien, Gesetze der Serie, der Marktwert der Spieler, die vermeintliche Qualität einer Mannschaft, der beste Trainer, wenn Berufs-Fußballer aus zwei Metern das Tor nicht treffen, sich Spieler ungeschickt verhalten und unnötige roten Karten kassieren und sich, wie zuletzt in Berlin, auf einfachste Weise im eigenen Strafraum düpieren lassen. Auch das ist einfach, wer solche Fehler macht, steht am Ende in der Regel mit leeren Händen da. Im Grunde fehlten in den ersten Spielen, den ersten beiden zumindest, Nuancen, um die Liga zu rocken, stattdessen lamentieren wir und hadern mit dem Schicksal und der eine oder andere ist schon jetzt dabei, die Nerven zu verlieren.
Der VfB setzte in Berlin zwar zunächst auf größere Kompaktheit, lud dadurch aber auch die Berliner ein, selbst die Spielregie zu übernehmen. Die Hertha ließ sich nicht zwei Mal bitten und näherte sich dem VfB-Tor Stück für Stück an. Dass dieses passive Spiel unserer Mannschaft nicht liegt, erkannte man schon sehr früh, auch wenn die Berliner nicht gerade furchteinflößend daherkamen. Völlig plump ließen sich Insúa und Kostic schon nach einer knappen Viertelstunde nach einem Einwurf (!) übertölpeln und zu einfach von Weiser ausspielen, der dadurch zum freistehenden Haraguchi passen konnte, dieser wiederum sich Hlouseks amateurhaften Zweikampfverhaltens und zu viel Platz, im Strafraum wohlgemerkt, erfreuen und unter Vlachodimos hindurch mühelos zum 1:0 vollenden konnte. Ein sehr ärgerliches Gegentor, weil es den Berlinern zu einfach gemacht wurde und weil im heutigen Fußball das erste Tor oftmals die Richtung vorgibt, in die das Spiel letztendlich läuft und dem Gegner vor allem suggeriert, dass an diesem Tag der Sieg zu holen ist. Der VfB präsentierte sich großzügig in Geber-Laune.
In der Folge stand der VfB dann wieder etwas höher, erlangte dadurch mehr Spielanteile, woraus letztendlich der Ausgleich resultierte, als Sunjic eine Didavi-Flanke per Kopf verwertete. Toni Sunjic also, der alles in allem ein ordentliches Debüt im Dress mit dem Brustring abgab und ein Hoffnungsschimmer für die Zukunft sein könnte. Schade, dass Timo Baumgartl, der von der U21 vorzeitig verletzt abreisen musste, auch für das Gastspiel an der Spree ausfiel. Mit zwei gelernten Innenverteidigern am Start, für die konsequente Zweikampfführung kein Fremdwort ist, wäre das 1:0 wohl nicht gefallen.
Bei Hlousek fragt man sich schon, was er in einer Bundesligamannschaft verloren hat. Er hatte gegen Man City zwar schon lichte Momente und gab ein ordentliches Debüt in der Innenverteidigung ab, im Verlauf der bisherigen Bundesligaspiele konnte er seine Bundesligatauglichkeit jedoch nicht nachweisen. Hlousek hat keine Technik, geht naiv in die Zweikämpfe und ist durch sein ungestümes Einsteigen stets für einen Freistoß- oder Elfmeterpfiff „gut“. Was fast noch bedenklicher ist, als die Tatsache, dass Hlousek der Stammelf angehört, ist, dass Niedermeier trotz Hlouseks schwacher Auftritte keine Chance bekommt. Da fragt man sich, was er denn verbrochen hat, dass er komplett außen vor ist, von seinem Lapsus auf Schalke in der letzten Saison einmal abgesehen. Auch Schwaab ist keine echte Alternative, für mich auf rechts übrigens auch nicht, und immer ein Kandidat, wenn es um mögliche weitere Abgänge geht.
In der Abwehr gründet sich meine Hoffnung auf Besserung auf das Duo Baumgartl/ Sunjic, das hoffentlich gegen Schalke 04 am nächsten Sonntag seinen Einstand gibt und darauf, dass die beiden sich schnell aufeinander einstellen und sich einspielen, dahinter ist es nach wie vor eng.
Dass ausgerechnet Sunjic Lustenberger vor dem 2:1 den Ball vor die Füße köpfte, schmälert den guten Eindruck nicht. Schlimmer war doch, dass dieser so frei zum Schuss kam, Pech dazu, dass er einen Sonntagsschuss auspackte, wie er ihm in seinem weiteren Fußballerleben wohl nicht mehr gelingen dürfte – sein erstes Tor seit sieben (!) Jahren. Für Vlachodimos, der den gesperrten Tytoń vertrat, gab es da nichts zu halten. Er feierte ein solides Startelf-Debüt ohne jedoch zu glänzen, so dass gegen Schalke wohl Tytoń ins Tor zurückkehren dürfte. Nach dem 2:1 in der dritten Minute der Nachspielzeit der ersten Halbzeit ging es zum Pausentee.
In der zweiten Hälfte fehlte dem VfB die Durchschlagskraft und das Miteinander. Die Hertha verwaltete das Ergebnis fast mühelos, außer einem Schuss von Maxim gab es kaum nennenswerte Torannäherungen mehr. Der VfB agierte insgesamt zu hektisch und kopflos und verlor sich in Einzelaktionen. Insgesamt ein biederer, fast emotionsloser, Auftritt, mir fehlte da die Geilheit den Sieg erzwingen zu wollen und den Negativtrend dadurch zu beenden.
Seit dem sogenannten Deadline-Day, an dem einigen unserer Spieler noch einmal gehörig der Kopf verdreht wurde, wirkt unser magisches Offensiv-Dreieck auf mich gehemmt und frustriert. Hoffentlich besinnen sie sich in den nächsten Wochen wieder, wir benötigen sie dringend in Bestform und mit ihrer alten Spielfreude.
Die Zweifel, was eine positivere Entwicklung beim VfB angeht, werden im Umfeld mitunter größer, was in Anbetracht des verwaisten Punktekontos normal ist. Es scheint aber auch, dass in der Mannschaft das grenzenlose Vertrauen in die von Zorniger vorgegebene Marschroute nicht (mehr) komplett vorhanden ist. Die kleineren Korrekturen fürs Hertha-Spiel wurden nicht gerade goutiert, wie Florian Klein zugab, der meinte, man solle nicht über den Haufen werfen, was man sich in der Vorbereitung erarbeitet habe. Ist es mangelnde (geistige) Flexibilität des Teams oder doch schon ein Misstrauensvotum gegen den Trainer, wenn die Mannschaft offen zugibt, Vorgaben des Übungsleiters nicht erfüllen zu wollen oder auch nicht erfüllen zu können? Ist die Mannschaft also doch untrainierbar, wie man ihr schon seit Jahren nachsagt und das obwohl das Team mittlerweile eine Blutauffrischung erfahren hat? Ich hoffe es nicht, denn dann wären es ganz gefährliche Tendenzen und der Trainer müsste früher oder später als schwächstes Glied der Kette gehen oder es Armin Veh gleich tun und die Brocken hinschmeißen. Dem Trainerteam sollte es des Amtes wegen schon noch gestattet sein, die Richtung vorzugeben und die Spieler, als Angestellte des Vereins, müssen alles dafür tun, die Vorgaben umzusetzen und den Trainer damit nicht ins offene Messer rennen lassen. Hier stellt sich dann wirklich die Charakterfrage des Teams, welche auf der Tribüne im Berliner Olympiastadion auch schon diskutiert wurde.
Es wäre fatal, bereits jetzt schon wieder den Trainer in Frage zu stellen. Einige sehen bereits Huub Stevens wieder in den Startlöchern, andere träumen von Jürgen Klopp, ich für meinen Teil gebe dem Projekt mit Alex Zorniger noch Zeit. Abgesehen davon, dass es wirklich schwachsinnig wäre, einen neuen Trainer nach vier oder von mir aus auch sieben Spielen schon zu schassen, was käme denn dann? Zurück in die Steinzeit mit Huub Stevens und dem einzigen Ziel, die Klasse zu halten? Dann stünden wir im nächsten Mai wieder vor dem totalen Umbruch und würden unter Umständen „ausprobieren“, ob ein dann neuer Trainer die ersten vier Spiele erfolgreicher gestaltet oder man ihn wieder entlassen muss. Es wäre dann das dritte verlorene Jahr nacheinander, nachdem zuerst Labbadia, dann Bobic zu spät entlassen wurden und das Kind daher schon im Brunnen lag, bevor die Spielzeiten richtig angefangen haben.
Würde Stevens sich lieber weiter die Sonne auf Mallorca auf den Bauch scheinen lassen, was dann? Altmeister Christoph Daum? Bernd Schuster? Jos Luhukay? Felix Magath? Thomas Schaaf? Jens Keller? Mirco Slomka? Michael Oenning? Oder ein Anderer? Welcher Trainer würde denn schnelle Besserung und vor allem Punkte garantieren? Mir fällt keiner ein! Jürgen Klopp dagegen würde auch ich mit Kusshand nehmen, da dieser jedoch absolut unrealistisch ist, verbietet es sich auch, überhaupt darüber nachzudenken. Er wird, klug wie er ist, sein Sabbat-Jahr durchziehen und dann bei einem großen Club anheuern anstatt durch ein Himmelfahrtskommando beim VfB (und seinem schwierigen Umfeld) mitten in der Saison sein Image zu beschädigen. In Deutschland kämen für ihn allenfalls noch die Bayern oder die Nationalmannschaft in Frage, wobei ich hoffe, dass er sich aus Verbundenheit zu den BVB-Fans die Bayern nicht antun wird. Heute ist zu lesen, dass Liverpool-Fans eine Initiative „Klopp for the Kop“ gestartet haben und sich für Klopp als Trainer stark machen. Wenn man realistisch ist, wäre der Job an der Anfield Road und die Perspektive die Reds zurück an die Spitze der Premier League zu führen sicherlich eine reizvollere Geschichte für Jürgen Klopp, als mit dem VfB um Platz 15 zu spielen.
Natürlich sollte das Team langsam anfangen zu punkten, dass sich die Trainerfrage nicht irgendwann von selbst stellt. Endlos Zeit wird man auch Zorniger nicht einräumen können, Zeit ist in der Bundesliga ein knappes Gut und reicht zumeist nur von Spiel zu Spiel. Fußball ist nun mal in erster Linie Ergebnissport, es gibt weder eine B- noch eine Haltungsnote für besonders gute Leistungen. Ich habe meine Ruhe trotz der ausbleibenden Erfolgserlebnisse noch nicht verloren, weil ich die Saison als Ganzes sehe. Für den Klassenerhalt benötigen wir etwa 35 Punkte, bei 90 noch zu vergebenden sicherlich kein ganz unrealistisches Ziel. Alles, was darüber hinaus geht, nehmen wir gerne mit, ist in diesem Übergangsjahr und für die weitere Konsolidierung zwar wünschenswert aber nicht entscheidend.
Die Systemdiskussion an sich sehe ich positiv nach Jahren, in denen kein System erkennbar war und man daher auch nicht darüber debattieren musste. Der VfB befindet sich in allen Bereichen im Umbruch, die Aufarbeitung der letzten Jahre fand im Sommer statt, die Veränderungen sind nun in vollem Gange.
Vor ein paar Wochen wurde Dutt noch gefeiert, weil er es schaffte unsere in der letzten Saison phasenweise überragende Offensive gehalten und gleichzeitig die schwächelnde Defensive verändert zu haben. Es wurden „Altlasten“ aussortiert und Leute mit Entwicklungspotential dazu geholt.
Das Scouting-System wurde revolutioniert, Günther Schäfer, die gute Seele des Vereins, Vereinsikone und ein absolut positiver Typ als Team-Manager installiert und erstmals ein hauptamtlicher Sportpsychologe angestellt, der sich über mangelnde Arbeit zur Zeit nicht beklagen dürfte. Es wird zurückgekehrt zur Philosophie eines einheitlichen Spielsystems durch alle Altersklassen und Mannschaften im Verein hinweg, der eigene Nachwuchs steht stärker im Fokus als in den letzten Jahren.
Der Plan stimmt meiner Meinung nach, man muss sich bei derart tiefgreifenden Veränderungen nur im Klaren sein, dass es eine Zeit lang dauern wird, bis die Maßnahmen erste Früchte hervorbringen. Das Gesamtkonzept, zu dem eben auch der Trainer Zorniger gehört, jetzt schon wieder in Frage zu stellen, finde ich sehr verfrüht und auch nicht zielführend, da wir jede aufkeimende Unruhe gebrauchen können wie’s Bauchweh. Nach Jahren der Plan- und Systemlosigkeit muss sich der Verein für die Zukunft neu aufstellen und strategisch planen, und das immer im Rahmen der vorhandenen und noch immer begrenzten Möglichkeiten. Wir befinden uns mal wieder in einer Übergangssaison und am Anfang einer Entwicklung, so dass ich guter Hoffnung bin, dass wir uns im Saisonverlauf stetig steigern werden.
Zorniger wird von vielen eine überhebliche Art und Oberlehrer-Mentalität nachgesagt, die während seiner Zeit beim Brausehersteller und der Zusammenarbeit mit Ralf Rangnick abgefärbt haben müsse. Zudem wird ihm fast schon sein schwäbisch bzw. weil er Interviews nicht auf hochdeutsch gibt, negativ ausgelegt, und weil er von der Ostalb kommt, ist er ein „Bauer“. Für diejenigen, die ihn von vornherein abgelehnt und sich nicht mit der Lösung arrangiert haben, finden sich tausend Gründe, diesen unliebsamen Trainer wieder loswerden zu wollen, ich sehe es eher pragmatisch und wünsche mir Kontinuität und keine weiteren Abfindungszahlungen für unseren Verein.
Ich finde es richtig, dass Zorniger nach außen den starken Mann mimt, nicht einknickt und auch mal jemandem über den Mund fährt. Bedenklicher wäre es doch, wenn er sich wie das Fähnchen im Wind drehen würde nur um zu gefallen, dann würde er seine Glaubwürdigkeit und seine Authentizität erstrecht verlieren und „der Meute“ zum Fraß vorgeworfen werden. Intern wird er sehr wohl an einer erfolgreicheren Mannschaft tüfteln und ihr vor allem einen Plan an die Hand geben, der sie nicht überfordert.
Als Bundesliga-Novize ist der Umgang mit „Stars“ oder solchen, die sich dafür halten, Neuland für ihn. Er, der Arbeiter, erwartet von seinem Personal eine gesunde Portion Eigeninitiative und nicht, dass sich Spieler auf dem „Erreichten“ ausruhen und sich damit zufrieden geben, einfach nur zum Kader zu gehören. Er möchte die Spieler besser machen. So ist wohl sein Zitat in Bezug auf Timo Werner zu verstehen, er sei nicht sein Kindermädchen. Dafür wird Zorniger nun in der Öffentlichkeit und von Teilen der Fans zerrissen, was erlaube Zorniger, UNSEREM Timo so die Leviten zu lesen und ihn fürs Berlin-Spiel auszubooten. Diejenigen, die Zorniger dafür jetzt am liebsten steinigen würden, sind womöglich die gleichen, die Timo Werner nach seinen letzten Einsätzen das Können absprachen und Zweifel äußerten, ob er es jemals noch packen würde. Sollte Werner für den Rest der Vorrunde außen vor bleiben und ihn der Frust zerfressen, käme auch von mir ein Aufschrei, aber doch nicht nach einem einzigen Spiel, bei dem er nicht zum Kader gehörte. Ich hoffe , dass an den Gerüchten, Dutt habe Werner nach England verscherbeln wollen, nichts dran ist, da ich noch immer die Hoffnung habe, dass Werner den Durchbruch bei uns schafft und eine der Identifikationsfiguren der Zukunft werden könnte.
Für Timo Werner selbst wäre es das Falscheste, was er tun könnte, in Selbstmitleid zu zerfallen. Er sollte diese Nichtnominierung vielmehr als Denkzettel und als Ansporn betrachten, in dieser Woche so richtig Gas geben und Zorniger das Signal senden, dass er verstanden hat. Ich habe irgendwie den Eindruck, Zorniger kann gerade machen, was er will, es wird ihm alles negativ ausgelegt, weil eben die Ergebnisse nicht stimmen und es einige schon immer gewusst haben, dass es mit diesem Zweitligatrainer nicht hinhauen würde.
Mein Wunschkandidat war er auch nicht. Jetzt aber ist er da, ich habe mich mit seiner nach außen schwäbisch-verbissenen, auf dem Trainingsplatz aber auch sehr lockeren, Art angefreundet und wünsche mir endlich Kontinuität in meinem Herzensverein. Im Training gefällt er mir sogar sehr gut, weil er nicht wie Feldherr Veh mit verschränkten Armen da steht und seine Assistenten machen lässt, sondern die Spieler notfalls auch durch eigenes Handanlegen auf dem Platz verschiebt und sich immer mal einen anderen herauspickt, mit dem er im Zwiegespräch die Einheit und was er verbessern muss, bespricht. Deshalb wehre ich mich vehement gegen jede aufkommende Trainerdiskussion zu diesem frühen Zeitpunkt.
Jeder Trainer steht und fällt mit den Leistungen, die ihm seine Mannschaft anbietet. Es wird noch die eine oder andere Transferperiode ins Land ziehen, bis Dutt/ Zorniger „ihren“ Kader beisammen haben und daran dann auch zu 100% gemessen werden können. Wer aber behauptet, der VfB habe nichts oder zu wenig personell geändert und dass es daher ja kein Wunder sei, dass man wieder unten herumkrebse, liegt trotzdem falsch.
Auf der Torhüterposition wurde vor Saisonbeginn bereits gehandelt, einfach nur Pech, dass die designierte Nummer 1, Mitch Langerak, auf unbestimmte Zeit ausfallen wird. Sein Knie scheint stärker geschädigt zu sein, wie zunächst von den VfB-Ärzten diagnostiziert, für mich sehr bitter dieser Ausfall, da Tytoń bislang noch nicht zu überzeugen wusste.
Rüdigers Verletzung machte uns bereits im Winter einen Strich durch die Verkaufs-Rechnung, im Sommer nun, nach wochenlangem Transferpoker dann erneut, so dass der VfB lange Zeit Ungewissheit hatte, welche finanziellen Mittel vorhanden sein würden, um die Defensive verstärken zu können. Erst kurz vor Transferschluss konnte in dieser Personalie Vollzug gemeldet und Sunjic als Nachfolger präsentiert werden. Nicht die feine englische Art Rüdigers, der dem VfB viel zu verdanken hat, ein solches Hickhack zu veranstalten und den VfB im Ungewissen zu lassen. Für mich ist das auch einer der Gründe, weshalb es gerade so hakt und weshalb wir uns überhaupt noch über Hlousek unterhalten.
Auf der Linksverteidigerposition wurde ebenfalls gehandelt und es wurden in Insúa und Heise gleich zwei Neue geholt, währenddessen man Sakai abgegeben und Hlousek zumindest als linken Verteidiger abgeschrieben hat.
Im Winter bereits holte man Serey Dié, der auf Anhieb einschlug und der wahre Leader auf dem Platz ist. Dazu gesellen sich noch Daniel Ginczek und Daniel Didavi, seit der späten Rückrunde ebenfalls gefühlte Neuzugänge, so dass de facto fast die halbe Mannschaft ausgetauscht wurde.
Auf allen genannten Positionen haben wir uns meiner Meinung nicht verschlechtert, wenn auch nicht auf allen verbessert. Trotzdem gibt es auch innerhalb des Teams weitere diskussionswürdige Baustellen. Neben Hlousek sah ich nämlich gegen die Berliner Hertha vor allem Martin Harnik und Christian Gentner äußerst schlecht. War der ganzen Mannschaft in der zweiten Halbzeit kein großes Aufbäumen zu attestieren, fielen diese beiden durch ihre Körpersprache und leichte Ballverluste sogar noch ab.
Ich fand es zwar richtig, Harnik, der mit zwei Toren und der EM-Qualifikation von der Nationalmannschaft mit neuem Selbstvertrauen zurückgekehrt war, erneut aufzubieten und auf Besserung zu hoffen. Leider reihte sich seine Leistung nahtlos ein in die schlechten Auftritte vor der Bundesligapause, so dass er folgerichtig als erster ausgewechselt und durch Robbie Kruse, der ein paar ordentliche Szenen hatte, ersetzt wurde. Harnik würde ich gegen Schalke endlich einmal eine Denkpause verordnen, auch wenn es gegen einen potentiellen Interessenten für ihn geht.
Gentner wiederum ist der Mann mit der inoffiziellen Stammplatzgarantie. Seit Jahren beißen sich Konkurrenten die Zähne aus und kommen nicht an ihm vorbei. Warum und weshalb erschließt sich mir nicht. Natürlich scheut sich der eine oder andere Trainer davor, seinen Kapitän auf die Bank zu setzen, Zorniger möglicherweise auch deshalb, weil schon Sven Ulreich der Abgang nahegelegt wurde und er nicht noch einen Dunkelroten demontieren wollte.
Jetzt aber, nach den ersten erfolglosen Pflichtspielen, darf durchaus über weitere Wechsel in der Anfangself nachgedacht werden. Für Zornigers überfallartigen Angriffsfußball fehlt Gentner nach meinem Empfinden die Handlungsschnelligkeit und das „nach vorne denken“. Er verschleppt das Tempo eher und spielt lieber zurück als schnell nach vorne, von wenigen Ausnahmen, wie bei seiner Torvorbereitung in Hamburg, einmal abgesehen. Läuft es beim VfB gut, spielt er ordentlich mit, läuft es schlecht, taucht Gentner unter. Gerade wenn es nicht läuft, wünscht man sich einen Kapitän, an dem sich die Mitspieler aufrichten können, der die Richtung vorgibt, das Spiel auch mal beruhigt. Bei Gentner aber hat man den Eindruck, dass er nur noch im Sinn hat, selbst gut auszusehen und den Ball versucht, schnellstmöglich wieder loszuwerden, und das auch durch schlampige Alibipässe, die Mitspieler in Bedrängnis bringen.
Im zentralen Mittelfeld würde ich gerne einmal Serey Dié und Lukas Rupp zusammen sehen. Ich möchte Gentner um Gottes Willen nicht verteufeln, sehe ihn derzeit aber nicht als Hilfe sondern fast schon als Belastung an. Wer weiß, vielleicht würde eine zeitweilige Herausnahme ja Fesseln beim Rest des Teams lösen, wenn der eine oder andere dadurch mehr in die Verantwortung genommen werden würde. Seit langem bemängele ich fehlenden Leistungsdruck beim VfB und dass eher nach Namen und Seilschaften als nach Leistung aufgestellt wird. Als Zorniger kam, hatte ich die große Hoffnung, dass diese Zeit der Vergangenheit angehört, hoffentlich enttäuscht er mich da nicht.
Gelegentliche Wechsel in der Startformation, vor allem nach schlechten Leistungen, fördern das Leistungsklima und belohnen diejenigen, die unter der Woche besonders Gas gegeben und sich aufgedrängt haben. So durfte in Berlin Arianit Ferati erstmals Bundesligaluft schnuppern, auch andere Youngster scharren bereits mit den Hufen und warten auf ihre Chance. Ferati legte ein erfrischendes Debüt hin und könnte schon in naher Zukunft Druck auf die Arrivierten im Mittelfeld machen.
Es gibt sie also durchaus, die Hoffnungsschimmer, den Silberstreif am Horizont! Auch nach vier Spieltagen und dem historisch schlechtesten Saisonstart vom VfB aller Zeiten besteht kein Grund, den Kopf in den Sand zu stecken. Natürlich werden die Aufgaben nicht leichter, auch haben wir gegen vier allenfalls durchschnittliche Teams keinen Punkt geholt, dennoch blitzt immer wieder auf, dass Potential und Klasse in der Truppe steckt und man an einem guten Tag auch (fast) jeden Gegner schlagen kann, sofern man Einladungen an den Gegner in der Rückwärtsbewegung minimiert und vorne eiskalt seine Chancen nutzt, denn – Fußball ist ein einfaches Spiel!

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