31. Dezember 2010

Abstiegskampf: Die VfB-Krise spitzt sich wieder zu

Category: Spielberichte — Tags: , , , , , – Franky @ 07:30

Nachdem alles Anrennen seiner Spieler in der Schlussphase der Partie gegen den 1. FC Köln nichts geholfen hatte, schlich Jens Keller in der Baustelle Mercedes-Benz-Arena mit enttäuschter Miene in die Kabine. Von 2000 bis 2002 hat der VfB-Trainer selbst in der Domstadt gespielt, seine Familie wohnt noch am Rhein. Aber auch Keller konnte die Stuttgarter Negativserie gegen den bisherigen Tabellenletzten nicht stoppen. Seit 1996 hat der VfB zu Hause gegen Köln nicht mehr gewonnen.

Am Sonntag hat es nicht mal zu einem Punkt gereicht. Durch das 0:1 hat sich die Krise des VfB wieder verschärft. Der Verein ist nun punktgleich mit den Kölnern Drittletzter, muss am Samstag beim HSV ran. Der aktuelle Platz 16 würde am Saisonende die Relegationsspiele um den Verbleib im Fußball-Oberhaus bedeuten. “Wir sind jetzt im Sumpf unten drin und müssen uns da wieder rauswühlen”, sagte der Manager Fredi Bobic: “Ich möchte der Mannschaft für dieses Spiel aber keinen Vorwurf machen.”

Köln übernahm schnell die Initiative

Im Vergleich zum 3:3 in Kaiserslautern, als der VfB eine 3:0-Führung fahrlässig verspielt hatte, stellte Jens Keller sein Team nur auf einer Position um: Für den an einem Darminfekt erkrankten U-21-Nationalspieler Patrick Funk rückte Stefano Celozzi als rechter Verteidiger in die Startelf.

Der ehemalige KSC-Profi stand auch gleich im Mittelpunkt des Geschehens, denn die Gäste aus Köln übernahmen schnell die Initiative. Die Elf des Trainers Frank Schaefer, der Ende Oktober den entlassenen Zvonimir Soldo beerbt hatte, spielte überraschend selbstbewusst. So diktierten die Gäste, angeführt vom motivierten Ex-Stuttgarter Martin Lanig, über weite Strecken das Spiel – und kamen mehrfach gefährlich vor das VfB-Tor. Dies ging vor allem deshalb einfach, weil die Kölner die größte Schwachstelle im Stuttgarter Spiel schnell ausgemacht hatten: Der Rückkehrer Celozzi war auf rechts gegen Lukas Podolski und Fabrice Ehret mehrfach überfordert.

Während Köln nach einer Podolski-Flanke durch Lanig dicht vor dem Torerfolg stand (34.), besaß der VfB im ersten Durchgang dennoch das Gros an klaren Chancen. Bereits nach elf Minuten hätten die Stuttgarter führen müssen: Nach einer tollen Kombination über die rechte Seite mit den Stationen Timo Gebhart und Ciprian Marica stand Cacau völlig frei vor dem FC-Torhüter Faryd Mondragon – doch der dienstälteste VfB-Profi scheiterte aus neun Metern an dem Kolumbianer. Aber auch der Sturmkollege Ciprian Marica machte es nicht besser, als er von der Strafraumkante aus links vorbeischoss (33.). Dann war für Cacau erneut bei Mondragon Endstation (36.).

VfB-Profis waren verunsichert

Trotz der drei dicken Möglichkeiten war den VfB-Profis die Verunsicherung deutlich anzumerken. Die Lauf- und Passwege stimmten nicht, einige Spieler sind zudem mit dem Abstiegskampf offensichtlich mental überfordert. “Ich bin sehr unzufrieden. Und zwar in erster Linie, weil wir unsere Chancen nicht genutzt haben”, sagte Jens Keller.

Auch ohne den ausgewechselten, weil Gelb-Rot gefährdeten Antreiber Martin Lanig blieb Köln weiter gefährlich. Zunächst musste der starke VfB-Torwart Sven Ulreich gegen Podolski im Eins-gegen-Eins in höchster Not retten (48.). Seine Vorderleute bekamen gegen die angeschlagenen Rheinländer, die in der Vorwoche zu Hause mit 0:4 gegen Gladbach untergegangen waren, das Spiel einfach nicht in den Griff. Zu schwach spielte Christian Gentner, zu ideenlos agierten die Angreifer Cacau und Marica. Trotzdem hätte der VfB 1:0 führen können, hätte der für Marica eingewechselte Pawel Pogrebnjak den Ball nicht an den Pfosten geschossen (79.).

Das einzige Tor fiel letztlich auf der Gegenseite, als der Schiedsrichter Christian Dingert, der seine erste Bundesligasaison absolviert, einen zweifelhaften Elfmeter gab. Lukas Podolski ließ Ulreich vom Elfmeterpunkt keine Chance (82.). “Wir hatten unsere Möglichkeiten, hätten das Spiel früh entscheiden können”, sagte der Abwehrmann Georg Niedermeier, “umso ärgerlicher ist es, dass wir keine Punkte eingefahren haben.”

VfB Stuttgart

Ulreich – Celozzi, Niedermeier, Delpierre, Molinaro – Träsch, Gentner (85. Camoranesi) – Gebhart, Boka (78. Harnik) – Cacau – Marica (72. Pogrebnjak).

1. FC Köln

Mondragon – Brecko, Geromel, Mohamad, Ehret – Petit (86. Schorch), Pezzoni – Jajalo (71. Matuschyk), Lanig (46. Clemens), Podolski – Novakovic.

Schiedsrichter

Dingert (Lebecksmühle)

Zuschauer
39.500
Tor

0:1 Podolski (82./Foulelfmeter)

(STZ online 21.11.2010)

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21. November 2010

Quo vadis Kölle?

Der 1. FC Köln steht derzeit am Scheideweg

In diesen Tagen ein zutreffendes Bild der aktuellen Lage des 1. Fußball-Clubs Köln zu zeichnen, fällt äußerst schwer. Vieles scheint in Bewegung zu sein bei den Domstädtern. Sportlich ist festzuhalten, dass Köln nach zwölf Spieltagen auf Tabellenplatz 18 rangiert und die Mannschaft am vergangenen Spieltag ausgerechnet dem niederrheinischen Erzrivalen Mönchengladbach mit 0:4 vor heimischem Publikum unterlag. Die Kernfrage, weshalb das Kölner Team hinter seinen Möglichkeiten zurückbleibt, konnte bislang niemand beantworten. Dabei sah es vor Kurzem noch so aus, als habe der Trainerwechsel von Zvonimir Soldo zu Frank Schaefer den gewünschten Effekt gebracht. Denn in Schaefers Premierenspiel im DFBPokal wurde mit einem klaren 3:0-Sieg gegen den TSV 1860 München der Einzug ins Achtelfinale geschafft, wo nun der MSV Duisburg als nächster Gegner wartet. Im darauffolgenden Bundesligaspiel rangen die Kölner den favorisierten Hamburger SV mit 3:2 nieder. Nach dem Führungstreffer durch Milivoje Novakovic gingen die Hanseaten ihrerseits mit 2:1 in Führung. Noch in der ersten Spielhälfte glich der slowenische Nationalspieler aus und war sechs Minuten vor Spielende erneut zur Stelle, um den Siegtreffer zu markieren. Eine Initialzündung für die große Aufholjagd waren jedoch beide Erfolge nicht und so schwebt weiterhin das Abstiegsgespenst drohend über dem Geißbockheim. Noch kann die Wende geschafft werden, noch darf der 1. FC Köln auf bessere Tage hoffen und auf Akteure im FC-Trikot die das Potenzial abrufen, das sie wirklich besitzen. Spieler wie Geromel, Milivoje Novakovic oder Lukas Podolski stehen jetzt in der Pflicht. Einer, der in Stuttgart kein Unbekannter ist, hat sich in Köln einen Stammplatz erkämpft: Martin Lanig. Der Mittelfeldakteur hat seinen Platz sicher und ist eine verlässliche Größe im FC-Team. Doch auch für den 26-Jährigen gilt: „Quo vadis Kölle? – wohin gehst du, FC?“, dies fragen sich viele in der alten Römerstadt. Die Antwort hierauf wird die Mannschaft in den kommenden Wochen und Monaten nur auf dem Platz geben können.

Top Facts: Die heutige Paarung im Fokus

  • Der VfB gewann keines seiner letzten sieben Heimspiele gegen den 1. FC Köln (drei Unentschieden, vier Niederlagen) – gegen keinen anderen aktuellen Bundesligisten wartet der VfB so lange auf einen Heimsieg. Die letzten drei Heimspiele verlor der VfB gegen den FC sogar alle (0:2, 1:3, 2:3). Hoffnung macht allerdings die Tatsache, dass der VfB noch nie in der Bundesliga-Historie gegen eine Mannschaft vier Heimspiele in Folge verlor.
  • Unter Trainer Jens Keller gewann der VfB alle seine drei Heimspiele und das jeweils ohne Gegentor (1:0 gegen Getafe CF, 2:0 gegen den FC St. Pauli, 6:0 gegen Werder Bremen).
  • Seine einzige Niederlage als Bundesligatrainer musste Jens Keller gegen einen Ex-Verein hinnehmen – am 10. Spieltag beim 0:2 in Wolfsburg. Jetzt trifft er zum zweiten Mal auf einen ehemaligen Klub: Der 39-Jährige
    spielte von 2000 bis 2002 für den 1. FC Köln und bestritt 55 Bundesligaspiele für den FC.
  • Beim letzten Spiel gegen den VfB kassierte Köln zum einzigen Mal seit dem Wiederaufstieg im Jahr 2008 mehr als vier Gegentreffer in einem Spiel (1:5). Cacau gelang dabei der erste Hattrick eines VfB-Spielers
    seit 24 Jahren.
  • Auch zum letzten Gastspiel in Stuttgart reiste der 1. FC Köln als Tabellenletzter an: Am 6. Spieltag 2009/2010 feierte der FC nach Toren von Sebastian Freis und Wilfried Sanou einen 2:0-Erfolg und damit den ersten
    Saisonsieg.
  • Der 1. FC Köln holte in den bisherigen sechs Auswärtsspielen erst einen Punkt, den aber ausgerechnet beim amtierenden Meister FC Bayern München (0:0 am 4. Spieltag).
  • Ciprian Marica war in den letzten beiden Spielen an sechs der neun VfB-Tore direkt beteiligt. Beim 6:0 gegen Bremen war er an vier Treffern direkt beteiligt (ein Tor, drei Torvorlagen), beim 3:3 in Kaiserslautern bereitete er das 1:0 durch Arthur Boka vor und holte den Strafstoß heraus, den Christian Gentner zum 3:0 verwandelte.

Gesamtbilanz:

78 Spiele, 25 VfB-Siege, 21 Unentschieden und 32 Köln-Siege, bei einem Torverhältnis von 132:130 für den VfB.

Heimbilanz des VfB gegen Köln:

19 VfB-Siege, 9 Unentschieden und 11 Köln-Siege bei einem Torverhältnis von 73:47 für den VfB.

(Quelle: Stadion Aktuell 21.11.2010)

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