9. Februar 2016

VfB weiter auf der Überholspur

Seit ich meinen Blog mit Leben erfülle und meine Sicht der Dinge darstelle, ist eine regelmäßige Konstante, dass sich der Blog fast von selbst schreibt, weil sich die Abläufe beim VfB einfach ständig wiederholen. Waren es in den letzten Jahren fast ausschließlich negative Dinge, wie ständig wiederkehrende Abwehrschnitzer und die gebetsmühlenartigen Erklärungsversuche danach, so könnte ich nach dem Auswärtssieg bei der Eintracht auch wieder „nur“ den Blog der Vorwoche nach dem Spiel gegen den HSV herauskramen und die Zeit auf Spätsommer/ Herbst 2015 zurückdrehen.

Auch dieses Spiel wäre wohl eines jener gewesen, in denen der VfB zwar die bessere Mannschaft war, sich aber durch eigene Dumm- bzw. Ungeschicklichkeiten um den verdienten Lohn gebracht hätte.
Hätten die ersten Chancen der Eintracht zum Rückstand geführt, hätte Sippel nach Großkreutz‘ Schubser gegen Meier und/ oder bei Gentners Handspiel auf den Elfmeterpunkt gezeigt, hätte Alex Meier ins anstatt aufs Tor geköpft, wäre Großkreutz‘ Sense gegen Zambrano mit rot und nicht nur mit gelb geahndet worden und hätte die Eintracht die Überzahl nach Didavis Platzverweis konsequent ausgenutzt anstatt sich kurze Zeit später einen Elfmeter und die Hinausstellung von Zambrano einzuhandeln. Hätte, hätte, Fahrradkette! Das Spiel lief zu unseren Gunsten, weil einfach, auch wie bereits in der Vorwoche beschrieben, mit Kramny das Glück zurückgekehrt ist.

Es ist natürlich hypothetisch, darüber zu philosophieren, wie der VfB auf den einen oder anderen Rückschlag reagiert hätte. Ich hatte weder vor noch während des Spiels irgendwelche Bedenken, dass wir dort nicht als Sieger vom Platz gehen würden. Der VfB präsentiert sich seit Wochen schon selbstsicher und wirkt weitaus gefestigter als noch zu Zeiten Zornigers. Als Indiz dafür kann man heranziehen, wie die Mannschaft mit dem Rückstand in Köln umgegangen ist und dass sie sich auch vom Hamburger Ausgleich nicht vom eigenen Weg hat abbringen lassen. Daher hätte ich es ihr auch in Frankfurt, zumindest nach einem Rückstand, zugetraut, unbeeindruckt weiter zu spielen, und die drei Punkte mitzunehmen.

Frankfurt ist schon immer eines der geileren Auswärtsspiele gewesen. Waren es Anfang der 1990er-Jahre stets Spitzenspiele, in denen wir uns zu Zeiten der Yeboahs und Beins so manche derbe Klatsche abholten, sind es mittlerweile meistens Alles-Oder-Nichts-Spiele im Tabellenkeller zweier Mannschaften, die offensiv deutlich besser besetzt sind als defensiv, so dass auch mal ein 4:5 „passieren“ kann wie in der Vorsaison. Zumeist hat dabei der VfB das bessere Ende für sich, ausgenommen das 2:1 für die Eintracht mit Thomas Schneider als Trainer, wo man einen 1:0-Führung, damals traditionell, in den Schlussminuten noch verspielte.

So bewerte ich auch nach dem vierten Sieg in Folge die Serie noch nicht über. Einzig der Sieg gegen Wolfsburg war ein deutliches Ausrufezeichen und kam unerwartet, auch wenn sich dieser schon wieder relativiert, wenn man sieht, wie die Wolfsburger im Mittelfeld der Tabelle herumdümpeln und mit dem VfL der Vorsaison außer dem VW-Emblem auf der Brust nichts mehr gemein haben. Danach folgten drei Siege gegen Vereine, die uns traditionell liegen, zumindest in dieser Konstellation, nämlich Köln und Frankfurt auswärts sowie der HSV zu Hause.
Ans Eingemachte geht es daher eher am Samstag gegen Hertha BSC Berlin, ein Team gegen das wir historisch eine Negativbilanz vorweisen, die uns weniger liegen und die in dieser Saison besonders schwer zu bespielen sind und nicht von ungefähr den dritten Platz inne haben.

Da wird dann auch der inzwischen wieder zu einer festen Größe mutierte Georg Niedermeier beweisen müssen, dass er von Kramny zurecht aus der Versenkung gekramt wurde, wenn es gegen den alten Teamkollegen Vedad Ibisevic geht. Da ist ein Duell mit Haken und Ösen zu erwarten, auf das man sich schon jetzt freuen darf.

Zunächst aber gilt es Frankfurt aufzuarbeiten. Der Block der Frankfurter Ultras musste nach dem DFB-Urteil wegen der Vorkommnisse beim Darmstadt-Spiel leer bleiben. Ich persönlich finde diese Kollektivstrafen zum kotzen, weil es sich die Obrigkeit damit vor allem sehr einfach macht, in dem sie nicht wie in unserem Rechtssystem eigentlich üblich, die Täter ermittelt, sondern alle über einen Kamm schert und „unschuldige“ Dauerkarteninhaber mit abgeurteilt werden.

Dass dabei auch noch jenes verloren geht, was den Fußball so besonders ausmacht, nämlich die Stimmung auf den Rängen, ist ein weiterer Aspekt, der zu hinterfragen ist. Gerade in Frankfurt, einem der stimmungsvollsten Stadien in Deutschland, ging mir das am Samstag brutal ab. Da solche Kollektivbestrafungen inzwischen Schule machen und man den Sport mehr und mehr zum Klatschpappen-Familienevent verändern zu wollen scheint, müssen die Fanszenen zusammen stehen und mit aller Kraft verhindern, dass uns unser liebstes Kind in seiner ursprünglichen Form genommen wird. Es ist ja jetzt schon grenzwertig, was uns abverlangt wird, seien es die hohen Eintrittspreise, alkoholfreies Bier in den Stadien, rauchfreie Arenen und eine synthetisch hergestellte Stadionwurst eines Caterers vom anderen Ende der Republik.

Wenn jetzt noch versucht wird, englische Verhältnisse einzuführen, wo es keine Stehplätze mehr gibt und wo man auf den Sitzplätzen nicht einmal mehr während des Spiels aufstehen darf, wenn vorsorglich einfach mal alle Auswärtsfans ausgesperrt werden, damit die Ordnungskräfte einen ruhigen Nachmittag verleben können, werden sie eines Tages ihr blaues Wunder erleben. Denn, auch der Event-Fan geht wegen der Atmosphäre ins Stadion und nicht lediglich, um seine Familie zu bespaßen und 22 Millionären zuzusehen, wie sie einem Ball hinterher jagen.

Dass diese Strafmaßnahme auch noch total ins Leere ging und die Frankfurter Ultras dann eben schräg über dem Gästeblock ihre neue vorübergehende Heimat fanden, spottet jeder Beschreibung. Für viele VfBler im Block war das eine sehr befremdliche Situation, wusste man ja nicht, ob die Frankfurter auf Krawall gebürstet waren oder einfach „nur“ ihr Team supporten und das Spiel anschauen wollten. Die paar Ordnungskräfte im Pufferblock hätten eine Frankfurter Invasion mutmaßlich jedenfalls nicht aufhalten können. Die VfB-Fans zeigten sich indes mit den Hessen solidarisch und hoben Banner „gegen Kollektivstrafen“ hoch.

Knapp 4.000 Stuttgarter machten sich auf den Weg ins Waldstadion und supporteten das ganze Spiel über sensationell gut. Wir saßen Haupttribüne Seite und hörten die Unseren lauter als die paar hundert Frankfurter im Oberrang.

Der VfB hat scheinbar seine Formation gefunden und trat auch in Frankfurt mit der gleichen Aufstellung an wie schon in den vorigen beiden siegreichen Spielen, also mit dem Innenverteidiger-Duo Schwaab-Niedermeier und mit Martin Harnik auf der Bank, der erstmals nach seiner Verletzung wieder einsatzbereit gewesen wäre.

Der VfB verschlief die Anfangsphase und hätte bereits in der 1. (!) Minute zurückliegen können, als Huszti Tytoń zu einer ersten Parade zwang. Nach dieser ersten Schrecksekunde aber versuchte sich der VfB mit eigenen Ballstafetten Sicherheit zu erlangen. Vor allem der agile Kostic war es immer wieder, der auf der linken Seite seine Schnelligkeit ausspielte, was jedoch defensiv dazu führte, dass Insúa oft auf sich allein gestellt war und die Frankfurter dadurch über ihre rechte Seite gefährlich werden konnten. So auch in der 27. Minute, als eine Flanke den Kopf von Meier traf, und dieser kläglich vergab, wenngleich er von Großkreutz leicht geschubst wurde.

Das sollte sich rächen! Im direkten Gegenzug spielte der seit Wochen sensationell gut aufspielende Lukas Rupp seinen Kapitän Christian Gentner frei, welcher vor dem Tor nicht lange fackelte und zum 0:1 einschob. Bereits das zweite Tor nach Köln, das Rupp Gentner schulbuchmäßig auflegte.

Das war der Türöffner für einen furiosen Auswärtsauftritt, auch wenn es, wie eingangs erwähnt, in der 38. Minute Elfmeter für die Hausherren hätte geben müssen. Kurz vor dem Seitenwechsel aber erhöhte der VfB gar auf 0:2. Kostic schlug eine Ecke auf Georg Niedermeier, der überlegt mit dem Kopf in die Mitte ablegte und dabei Hradecky im Frankfurter Tor aus dem Spiel nahm und Didavi in der Mitte artistisch abstauben konnte. Auch das ist eine unter Kramny neue und lang nicht mehr gesehene Qualität, dass wir plötzlich aus Eckbällen Kapital schlagen.

Die Eintracht kam durch den 0:2-Halbzeitstand noch etwas offensiver aus den Katakomben und erzielte in der 52. Minute den Anschlusstreffer, als Meier einen Tytoń-Abpraller abstaubte.
In dieser Drangphase klärte der stark verbesserte Gentner einen Meier-Schuss auf der Linie, so dass die Führung zu diesem Zeitpunkt am seidenen Faden hing.

Doch, wie schon in den letzten Spielen hatte der VfB die passende Antwort parat und schlug zum richtigen Zeitpunkt zurück, indem Niedermeier mit einem wuchtigen Kopfball nach Gentner-Flanke zum 1:3 traf.

Vom Schorsch war es, vor allem offensiv, der bisher beste Auftritt nach seiner Reaktivierung mit einem Tor und einer Vorlage. Defensiv dagegen hat er noch viel Luft nach oben, da aber inzwischen im Kollektiv viel besser verteidigt wird wie noch vor dem Jahreswechsel, fallen die Schwächen der Einzelnen nicht mehr ganz so gravierend ins Gewicht.

Dennoch sollte sich der VfB alle Zeit der Welt lassen und den weiteren Verlauf der Runde abwarten, ehe man über Vertragsverlängerungen mit Spielern wie Niedermeier, Schwaab oder auch Harnik nachdenkt, die nach wie vor und trotz des Zwischenhochs namentlich mit für die schlechten letzten Jahre stehen.

Das Spiel war auch nach dem 1:3 nicht gegessen, weil sich Didavi kurz nach dem Tor die gelb-rote Karte einhandelte und Meier nur aufs anstatt ins Tor traf.

Eingetütet war der Sieg dann aber zehn Minuten später. Kravets, inzwischen für Timo Werner im Spiel, stürmte in den Strafraum und wurde von Zambrano umgestoßen, was Elfmeter und Gelb-Rot für Zambrano nach sich zog. Kostic verwandelte seinen ersten Bundesliga-Elfer eiskalt und stellte auf 1:4, was die endgültige Entscheidung war, knapp eine Viertelstunde vor dem Schlusspfiff.

Wieder also Kravets, der Siegtorschütze vom HSV-Spiel, der kurz nach dem Elfmeter mit artistischem Einsatz noch die Latte traf, wieder war es Kravets, der in relativ kurzer Zeit nachhaltig auf sich aufmerksam machen konnte und bei dem man sich jetzt schon fast wünscht, ihn auch mal in der Startformation zu sehen. Er macht bereits jetzt großen Druck auf Timo Werner, dessen Chancenverwertung auch in Frankfurt wieder eine Katastrophe war.

Das 2:4 durch Huszti in der Schlussminute hatte nur noch statistischen Wert. Der vierte Sieg in Folge war eingefahren, der Anschluss ans Mittelfeld hergestellt. Seit 2010 unter Christian Gross gewann der VfB nicht mehr seine ersten drei Rückrundenspiele, seit Dezember 2013 war der VfB, abgesehen vom ersten Spieltag der Saison 2014/2015, nicht mehr besser platziert als auf jenem zwölften Platz, den wir nun inne haben. Innerhalb weniger Wochen schaffte es der VfB zehn Punkte Vorsprung auf die direkten Abstiegsplätze und fünf Punkte auf den Relegationsplatz zu legen, alle Achtung!

Auch wenn noch kein Team mit 24 Punkten die Klasse gehalten hat, fällt es schwer in Anbetracht der nun aufkeimenden Euphorie weiterhin einzig und allein den Nichtabstieg im Blick zu haben.

Ich mühe mich diesbezüglich nach Kräften und freue mich gerade nur, dass wir alles in der eigenen Hand haben und unsere zum Klassenverbleib noch notwendigen Punkte in einigen Sechs-Punkte-Spielen gegen die direkten Konkurrenten holen können und auch holen werden. Vor allem die schon bald anstehenden Heimspiele gegen Hannover 96 und den Dorfverein von der Autobahnraststätte habe ich dabei Blick, die gewonnen werden müssen, um die Schlusslichter auf Distanz zu halten und selbst der 40-Punkte-Marke ganz nah zu kommen.

Was derzeit beim Dorfverein abgeht, ist kaum zu fassen. Die Qualität der Mannschaft ist auf dem Papier vorhanden und dennoch kacken sie Woche für Woche ab. Es wäre zu schön, wenn in dieser Saison das wahr werden würde, was der BVB vor einigen Jahren fahrlässig herschenkte, nämlich der Abstieg dieses Retortenclubs. Mich erinnert Stevens‘ Mission gerade die 90er-Jahre, als wir Guido Buchwald absandten, um den KSC in die 2. Liga zu führen, was er auch eindrucksvoll schaffte. Huub Stevens feilt an einem ähnlichen Denkmal, zumindest noch, fraglich ist, wie lang man ihn noch lässt.

Was den VfB angeht, schiele ich nicht auf die Europapokalplätze sondern einzig und allein auf die magische 40-Punkte-Marke. Sollte die erreicht sein, dann können wir noch immer schauen, wie viel Saison noch übrig ist und welcher Tabellenplatz noch in Reichweite liegt. Es ist momentan schon ein erhebendes Gefühl ruhig schlafen und sich entspannt jegliches Bundesligaspiel anschauen zu können, ohne ständig in Was-Wäre-Wenn-Szenarien denken zu müssen, damit bin ich voll und ganz zufrieden.

Wie fragil oder wie stabil das Gebilde noch oder mittlerweile ist, darüber Aufschluss geben werden womöglich schon die nächsten zehn Tage mit den Spielen gegen den BVB, gegen Hertha BSC und bei Schalke 04. Ringen wir auch diesen deutlich besser platzierten Teams wenigstens einen großen Kampf ab oder sind sie weiterhin eine Nummer zu groß?

Sehr positiv stimmt mich derzeit, dass es Kramny innerhalb kürzester Zeit geschafft zu haben scheint, aus einem zerstrittenen Haufen ein eingeschworenes Team zu formen.

Großartig, welche Bilder wir mittlerweile auf Instagram, Facebook & Co. zu sehen bekommen. Bilder von Mannschaftsabenden, Bilder mit Federico Barba in der Mitte und dem Titel „Integration“, Siegerbilder nach den Spielen aus der Kabine, und in Frankfurt, sogar der leider langzeitverletzte Federico Barba mittendrin.

Könnten solche Bilder noch gestellt sein, war ich am Samstag von einem selbst aufgenommenen Bild begeistert und fast zu Tränen gerührt. Nämlich, als Alexandru Maxim in der 85. Minute für Filip Kostic eingewechselt wurde und wie ein Honigkuchenpferd strahlte. Kein Groll darüber, „nur“ Ersatz gewesen zu sein, sondern offensichtlich die Freude darüber Mitglied eines tollen Teams zu sein. Diese Szene hat mich schwer beeindruckt und macht mir Hoffnung, dass hier etwas am wachsen ist und uns nicht nur gute Stimmung vorgegaukelt wird. Da Didavi am Samstag gegen die Berliner Hertha gesperrt ist, gönne ich Maxim diesen Einsatz von Herzen und hoffe, dass er ähnlich effektiv auftritt wie Daniel Didavi.

Vorher aber steht noch das Pokalspiel gegen den BVB auf dem Programm. Als uns die Los-Fee diesen Kracher vor die Nase setzte, rechnete ich mit nichts anderem als dem blamablen Ausscheiden aus dem Pokal und einem Millionenpublikum vor den Fernsehern, das sich von der Unfähigkeit der VfB-Akteure ein Bild machen könnte.

Nun aber, nach den jüngsten Erfolgen und vor allem dem Wie, wie sie errungen wurden, rechnet man sich urplötzlich etwas aus. Auf dem Papier ist natürlich der BVB, der laut Watzke in jeder anderen Liga Europas Tabellenführer wäre, haushoher Favorit. Aber, in einem Spiel ist vieles möglich. Der BVB dürfte angesichts der zuletzt gezeigten Auftritte gewarnt sein und vor allem vor unserer Offensive großen Respekt haben. Kramny kündigte einige Änderungen in der Startelf an, ich hoffe, dass sich diese nicht negativ auf die Ordnung und die Kompaktheit auswirken werden.

Der VfB rechnet mit 50.000 Zuschauern und kann froh und dankbar darüber sein, dass sich der Saisonverlauf in den letzten Spielen zum Positiven gewandelt hat.

Die ausgerufenen Eintrittspreise waren von Anfang ein großes Thema. Zum Zeitpunkt der Bekanntgabe musste man ohnehin mit dem Schlimmsten rechnen, hat sich der VfB in den letzten Jahren ja zu Hause kaum mit Ruhm bekleckert. Uninspirierte Auftritte und Heimniederlagen en masse, da ist es schon frech z. B. für meinen Dauerkartenplatz, der im Schnitt etwa 25,50 € kostet für dieses Spiel 61,50 € zu verlangen. Natürlich sind Rabattaktionen für Dauerkarteninhaber und Mitglieder verboten oder müssten, wenn sie denn gewährt werden würden, auch an den Dortmunder Anhang weitergegeben werden. Aber, für ein Spiel unter der Woche, am Faschingsdienstag, mit Live-Übertragung im Free-TV und als Abstiegskandidat in der Bundesliga Preise der Top-Spiel-Kategorie auszurufen ist für mich eine Frechheit. Der „normale“ VfB-Fan geht ja ohnehin nur wegen dem VfB ins Stadion und schert sich dabei einen Dreck, wer der Gegner ist.

Die Initiative „Kein Zwanni – Fußball muss bezahlbar sein“ hatte bereits angekündigt, dass die Dortmunder Anhängerschaft die ersten zwanzig Minuten geschlossen im Innenraum verfolgen würde, auch auf VfB-Fanseite stieß diese Preispolitik auf großes Unverständnis.

Neue Nahrung erhielt diese Diskussion gestern, als der BVB öffentlich erklärte, schriftlich beim VfB wegen der Preise Beschwerde eingereicht zu haben, obwohl Präsident Wahler stets weismachen wollte, die Preise wären gemeinsam mit dem BVB festgelegt worden. Eine glatte Lüge also, sollte dies den Tatsachen entsprechen!

Nach dem Vorpreschen der Dortmunder gab der VfB eine Erklärung heraus, die den Vorwurf der Lüge nicht entkräftet hat. Man begründete lediglich die Preispolitik, u. a. indem man erklärte, auf die Preiszuschläge, die der BVB noch aufschlägt, keinen Einfluss zu haben.

Im Kern aber ist es mehr ein Herausreden als eine stichhaltige Erklärung. Wenn der VfB erklärt „Die Preise für das Spiel wurden dem BVB vor dem Start des Vorverkaufs mitgeteilt, erst mehrere Tage nach dem Beginn des Vorverkaufs erfolgte eine Reaktion durch den BVB.“ stellt sich mir trotzdem die Frage nach dem ganz genauen Zeitablauf und welche Fristen in der Kommunikation bei Bundesligavereinen üblich sind. Erfährt man keine Reaktion, kann man ja auch durchaus einmal den Telefonhörer schwingen und nachfragen, ob die Information denn angekommen ist und wie sie aufgenommen wurde.
Dass der BVB erst gestern mit dieser längst fälligen Erklärung herauskam ist natürlich auch zu hinterfragen. Möglicherweise haben sie sich ja doch auch mit dem Geldsegen angefreundet. Durch den angekündigten 20-minütigen Stimmungsboykott bekam die Angelegenheit jedoch weitere Brisanz, so dass sich der BVB nun doch noch genötigt sah, diese Dinge klarzustellen.

Für mich bleibt auf jeden Fall ein Gschmäckle hängen und die immer wieder kehrende Frage vor der Abstimmung zur Ausgliederung, welches Vertrauen man dieser Vereinsführung noch entgegenbringen kann.
Jetzt, nachdem es wohl offenkundig ist, dass wir vom VfB an der Nase herum geführt wurden, fände ich es gut, wenn sich die VfB-Fans mit „Kein Zwanni – Fußball muss bezahlbar sein“ solidarisieren und im Innenraum gegen die Vereinsführung protestieren würden.

Die Initiative ist doch an und für sich eine gute und vertritt die Interessen eines jeden Fußball-Fans. Von der Spitze sind wir zwar weit entfernt, sollten wir aber eines Tages mal wieder im Konzert der Großen mitspielen, hätte wir mit denselben Problemen zu kämpfen, nämlich denen, dass für jedes Spiel, zu dem wir fahren, Top-Zuschläge aufgerufen werden.

Auch ich war drauf und dran, dieses Spiel zu boykottieren, bringe es aber dann doch nicht übers Herz, dass „mein“ VfB spielt und ich mir das Spiel im Fernseher anschaue. Gemütlicher wäre es sicherlich, vor allem in Anbetracht der Wetterprognosen und des zu erwartenden späten Heimkommens, aber, live ist eben doch live, so dass ich uns jetzt doch noch kurzfristig Stehplatzkarten organisiert habe.

Unter den erwarteten 50.000 Zuschauern werden etwa 10.000 BVB-Sympathisanten sein. Ich hoffe, es bleibt trotz der Vorkommnisse beim Bundesligaspiel im Westfalenstadion einigermaßen ruhig, die Atmosphäre, vor allem zwischen den Ultras-Lagern ist seitdem ja gehörig aufgeheizt.

Ich freue mich auf ein offenes Spiel auf durchaus hohem Niveau. Die Berliner Hertha hat am Samstag gezeigt, wie man der Borussia den Spaß am Spiel nehmen kann. Sie überließen dem BVB zwar den Ball, durch konsequentes bissiges Verteidigen raubten sie ihnen aber nach und nach die Lust am Spiel und hätten am Ende gar selbst noch siegen können.

Gut möglich, dass Mitch Langerak gegen seine Ex-Kollegen morgen sein Debüt im Profiteam vom VfB geben darf. Er dürfte dann, wie auch Kevin Großkreutz, ganz besonders motiviert sein, wenn es gegen den ehemaligen Herzensclub geht. Beiden wünsche ich eine große Leistung und dass sie, wie der Rest des Teams, nicht übermütig zu Werke gehen und sich schnell unnötige Karten einfangen.

Es ist ein guter Tag Geschichte zu schreiben und nach den einigermaßen „normalen“ Siegen ein wirkliches Ausrufezeichen zu setzen. Die Vorzeichen stehen gut, der VfB befindet sich in Hochform, ist mit dem nötigen Selbstvertrauen ausgestattet und gibt sich doch nach den Siegen wohltuend demütig, im Wissen darum, dass sich auch weitere Erfolge nur einstellen werden, wenn konsequent und konzentriert weiter gearbeitet und keinen Fingerbreit nachgelassen wird. Mit einer solchen Einstellung soll es schon Teams gegeben haben, die Berge versetzt haben, warum sollte es dem VfB mit uns Fans im Rücken nicht gelingen. Der Traum von Berlin lebt, lasst ihn auch nach dem heutigen Spiel noch weiterleben, packen wir es an, ihr für uns, wir für euch!

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19. März 2015

VfB weiter im Sinkflug

Die tolle Krombacher-Fan Tour wurde lediglich durch das Spiel getrübt. Ansonsten muss man sagen, alles richtig gemacht. Am Freitag um 10 Uhr ging es bereits vor der Schleyer-Halle los, natürlich mit reichlich Krombacher-Bier an Bord. Der Veranstalter hatte seine Rechnung zunächst ohne die Mitfahrer gemacht, denn, nach gerade mal knapp zwei Stunden war das Bier aufgebraucht und das Bus-Klo dafür voll. Für Nachschub wurde jedoch schnell gesorgt, so dass einer lustigen Weiterfahrt nichts mehr im Wege stand. Gegen 16 Uhr bereits erreichten wir unser Domizil in Attendorn, im Sieger Land gelegen. Weshalb sie ausgerechnet VfB-Fans ins Sieger Land brachten, war uns nicht so ganz klar, vielleicht war es ja ein gutes Omen. Begrüßt wurden wir mit einer leckeren Gulaschsuppe und Krombacher Bier vom Fass, was ebenfalls in unserem All-Inclusive-Arrangement enthalten war. Von dort ging es dann wenig später weiter ins knapp 100 Kilometer entfernt gelegene Leverkusen, das wir zu einer guten Zeit erreichten. Es blieb genügend Zeit noch in die gegenüber der BayArena gelegene „Pille“ zu gehen, wo wir die RWSler und noch einige andere bekannte Gesichter trafen. Diese Location mit ihrem großen Biergarten, für mich immer ein Muss, wenn wir in Leverkusen sind, wobei mir Leverkusen sowieso immer gut gefällt. Werksclub hin oder her, dort ist doch noch mehr Tradition vorhanden als bspw. bei VW und SAP, mit den Fans dort hatte ich noch nie Probleme und auch in Bezug auf Einlass und Ordnungspersonal hebt sich Leverkusen für mich von vielen anderen Away-Stadien positiv ab. Zudem ist Leverkusen selten ausverkauft, so dass ich dort schon traditionell direkt meine Eintrittskarte bestelle und auf der Gegengerade sitze. Mein Eingang liegt, logistisch perfekt, kaum mehr als 50 Meter vom Eingang der Pille entfernt, so dass ich, wo die Stehplatzkarteninhaber schon lang weg waren, noch gemütlich ein Bierchen trinken konnte. Am Einlass hatte ich erwartungsgemäß auch mit meiner Bridge-Kamera keine Probleme, so dass es gleich hinein in dieses schmucke Stadion ging. Den Platz hatte ich mir bei der Bayer 04 Saalplanung perfekt ausgesucht, Reihe 1 und direkt am Gang. Vorne kann man sein Bier auf die Bande stellen, das man auch noch rasend schnell bekommt. Es gibt zwar im Stadion die Bayer-Card als Bezahlkarte, man hat aber auch die Möglichkeit, wenn der Geld Chip aufgeladen ist, mit EC-Karte zu bezahlen. Diese Bezahlart lasse ich mir gerne gefallen, da es sie in ein paar anderen Stadien auch schon in dieser Form gibt. Als „Bayer-Kunde“ konnte ich erstmals in einem Stadion das freie WLAN testen und konnte feststellen, wenn auch ein bisschen langsam, aber, es funktionierte.
Auch bis dahin, alles richtig gemacht. Dann allerdings kam das Spiel, welches sich zwar gut anließ, aber, wenn man keine Tore macht, rächt es sich meist hinten und wenn man die Gegentore dann noch herschenkt, setzt es eben auch bei einem Club wie Bayer 04, der mit den Köpfen schon beim Championsleague-Rückspiel bei Athletico Madrid war, eine 0:4-Klatsche, mit der man am Ende noch gut bedient war.
Es ist eigentlich unbegreiflich, wenn man sich die erste halbe Stunde vor Augen führt, in der der VfB sein Heil mutig in der Offensive suchte und Leverkusen keinen Zugriff auf das Spiel bekam. Bis eben zu jener 32. Minute, als erst Hilbert Timo Werner entwischte, von Sakai nicht an der Hereingabe gehindert wurde, Ulle den Ball, der halbhoch (!) durch den 5-Meter-Raum flog, nicht abfing, Klein zu allem Überfluss Schwaab anschoss und schließlich Gentner, Kostic und Dié am Ball vorbeiliefen, anstatt dass auch nur einer der Dreien die Kugel weg aus der Gefahrenzone befördert hätte. Wendell sagte danke und erzielte die Leverkusener Führung. Slapstick pur, eigentlich müsste man alle daran Beteiligten für den Comedy-Preis nominieren. Zum Lachen eigentlich, wenn es nicht so traurig wäre. Vorne ein zahnloser Tiger und hinten schießt man sich die Dinger selten rein, so ist es eigentlich nicht möglich, die Klasse zu halten.
Ich hatte erst einmal genug gesehen und ging Bier holen. Schwupps, kaum draußen, Jubel und die Tor-Hymne „Whatever you want“, die mir auch am Tag danach noch in den Ohren klingen sollte. Damit war das Ding gelaufen, ein Doppelschlag nach vielversprechender Anfangsphase, also, blieb ich erstmal in den Katakomben und steckte mir eine Zigarette an. Die BayArena ist ja, wie Hoffenheim auch, ein reines Nichtraucherstadion. Im Gästeblock mag dies keinen interessieren, in den anderen Bereichen des Stadions jedoch schon. Und, als Gast, der nicht die Intension hatte, negativ aufzufallen, hielt ich mich natürlich auch daran. Danach ging ich dann wieder auf meinen wirklich tollen Platz, wo ich die „Mannschaft“ kurze Zeit später auseinanderfallen sah.
Beim 3:0 spielte Bellarabi Gotoku Sakai Knoten in die Beine. Und überhaupt, was – erlaube – Sakai? An allen Gegentoren maßgeblich beteiligt, von Hilbert ein ums andere Mal wie ein Anfänger überlaufen, weshalb er nach unzähligen bundesligauntauglichen Auftritten immer wieder in der Startformation auftaucht, ist mir ein Rätsel. Natürlich rege ich mich auch über Hlousek auf, die beiden nehmen sich nicht viel. Hlousek wurde in dieser Woche seit längerer Zeit mal wieder in den Kreis der tschechischen Nationalmannschaft berufen, dieser Nationalmannschaft muss es wirklich schlecht gehen, mag man sich denken.
Dass Rausch, der bei den Amateuren vor sich hindümpelt so viel schlechter sein soll als diese beiden, kann ich mir nicht vorstellen. Bei dieser Misere auf der linken Seite trauert man selbst noch einem Arthur Boka nach. Er hatte zwar auch große Defizite im Defensivverhalten, war aber nach vorne wirkungsvoller und vor allem war ein Kämpfer, der mal dazwischengehauen hat, während Sakai ob der Fußballkunst seiner Gegenspieler, nur staunend und mit offenem Mund zuschaut.
Dies nur eine verbesserungswürdige Planstelle in der Anfangsformation von vielen. Die Torwartfrage stellt sich nach wie vor. Ich hoffe, dass der VfB im Sommer handelt und Vlachodimos das Vertrauen schenkt oder notfalls von extern jemanden holt. Dass Leno der eindeutig bessere Torwart ist, konnte man auch am Freitag wieder sehen. Er ist fußballerisch sowieso stärker, spielt aber auch besser mit, hat ein besseres Stellungsspiel und eine stärkere Ausstrahlung. Einer von sehr, sehr vielen Fehlern und Fehleinschätzungen der letzten Jahre, wobei bei dieser persönliche Seilschaften vor leistungsorientiertem Denken gingen.
Weshalb Timo Baumgartl nach seinem Fehler gegen den BVB plötzlich total außen vor ist und Schwaab das Vertrauen geschenkt wird, kann ich auch nicht nachvollziehen. Schwaab, der sich gerne mal mit den Fans, die die einzigen sind, die alles geben, anlegt und selbst Woche für Woche eine schwache Vorstellung an die nächste reiht, würde bei mir allenfalls noch ein Notnagel sein. Spätestens nach diesem Slapstick vom Freitag, an dem sämtliche Arrivierten einschließlich der Führungs-Ikone Gentner beteiligt waren, verbietet es sich eigentlich, dem Jungen Nervenstärke abzusprechen. Er war bei seinen Spielen immer einer der Wenigen, dem man Ballfertigkeit attestieren konnte und der den Kopf dabei noch oben hatte. Von Jugend und Amateuren ist er auch einen besser mitspielenden Torwart gewohnt, der besser antizipiert und schneller dem Ball entgegen kommt, wenn ein Rückpass zu kurz gerät, wie es Ulle gegen den BVB getan hatte.
Insgesamt bleibt festzustellen, dass im Grunde jeder Einzige in der Startformation austauschbar wäre, kein Einziger ist dabei, der das Prädikat Leistungsträger verdienen würde.
Hoffnungsträger sind stets diejenigen, die ausfielen und wieder einsatzbereit sind, bis sie eben dann auch wieder enttäuscht haben. So hoffe ich derzeit auf eine baldige Rückkehr von Antonio Rüdiger und Daniel Didavi, wobei ich bei Letzterem nicht wirklich dran glaube, dass er noch mal auf die Beine kommt.
Ein Impuls fürs Team wäre eine Rückkehr sicherlich, ging es doch auch in der letzten Saison erst aufwärts, als er (und Gruezo) in die Mannschaft kamen. Auch auf Martin Harnik dürfen wir gegen die Frankfurter Eintracht wieder hoffen. Vielleicht haben ihm diese zwei Spiele Sperre gut getan, dass er jetzt frischer im Kopf ist und sich wieder über die volle Distanz konzentrieren kann. In den letzten Spielen, in denen er zum Einsatz kam, fiel er in einer schwachen Mannschaft eher noch ab. Seine Torgefährlichkeit vergangener Jahre könnten wir derzeit jedenfalls gut gebrauchen.
Nicht nur bei Harnik, auch beim Rest des Teams, ist ein riesiges Kopfproblem auszumachen. Ich schrieb schon vor einiger Zeit, die Jungs bräuchten einen guten Psychologen, der ihnen die Angst vor der eigenen Courage austreibt. Wie sie derzeit auftreten, wird es ganz, ganz schwer werden mit dem Klassenerhalt. Natürlich sind wir nominell besser als Paderborn und Freiburg besetzt, natürlich sind die beiden noch in Schlaginstanz, natürlich würde ein einziger Sieg genügen, um (zunächst und bei gleichzeitiger Niederlage der anderen) an beiden vorbeizuziehen.
Aber, die beiden haben, im Gegensatz zu uns, ein Team im wahrsten Sinne des Wortes auf dem Platz, die füreinander durch dick und dünn gehen, was in der Endphase ein entscheidender Faktor werden könnte. Bei uns haben es viele noch immer nicht kapiert, dass es nur gemeinsam geht, dass sie sich helfen und auch mal den Fehler des Anderen bereit sein müssen auszubügeln. Freiburg hat jetzt zwei machbare Heimspiele vor der Brust, was bedeutet, wir müssen gegen die Frankfurter Eintracht unbedingt gewinnen, um nicht den Anschluss zu verlieren. Man kann sich einfach nicht darauf verlassen, dass dieses Schneckenrennen im Tabellenkeller endlos so weitergeht.
Wie es aussieht, wird Stevens auch gegen die Eintracht noch auf der Bank sitzen. Nach der ersten halben Stunde von Leverkusen sicherlich eine nachvollziehbare Entscheidung. Auf der anderen Seite könnte ein neuer Impuls in Form eines neuen Übungsleiters der Truppe noch einmal einen Schub verleihen, mir kommt das ganze derzeit sehr eingefahren vor, die Reaktion auf eine Niederlage ist stets die gleiche, nämlich „abhaken, hart weiter arbeiten und es im nächsten Spiel besser machen“. Nur, uns laufen die „nächsten Spiele“ weg, da waren’s nur noch neun.
Durch die völlig unnötige (so frühe und vermeintliche) Einstellung Zornigers als Trainer für die nächste Saison, hat sich der VfB dieser letzten Patrone beraubt und wird, wenn’s dumm läuft, sang- und klanglos runter gehen. Mir kommt es derzeit so vor, man nimmt den Abstieg mit Stevens jetzt bewusst in Kauf, denn, selbst wäre man von Stevens nicht mehr überzeugt, was sollen die Herren denn tun? Zum einen ist die Kasse sowieso klamm, fraglich, ob man sich die Abfindung überhaupt leisten könnte. Zum anderen, begänne Zorniger schon jetzt, mitten im Abstiegskampf, hätte man womöglich einen Trainer mit einem langfristigen Vertrag ausgestattet, der im Mai seine Koffer wieder packen müsste, denn, mit dem Abstieg wäre er auf dem Wasen höchstwahrscheinlich verbrannt.
Oder aber, man holt einen Übergangstrainer, der, sollte er erfolgreich sein und den Abstieg verhindern können, sich im Nu einen Heldenstatus hier erarbeiten würde, so dass Zorniger auch dann eine schwere Hypothek belasten dürfte. Da weiter kein Dementi zu dieser Personalie vom VfB kommt, gehe ich einfach mal davon aus, dass es Fakt ist, dass der Wechsel Zornigers zum VfB bereits in trockenen Tüchern ist. Stevens selbst wird nicht aufgeben, dazu ist er zu sehr Kämpfer, zudem ist er sicherlich auch nicht bereit, auf Geld zu verzichten. So dümpeln wir also weiterhin vor uns hin, ohne Hoffnung auf grundlegende Besserung.
Natürlich kommt mit Frankfurt jetzt ein Gegner, der prädestiniert dazu wäre, gegen ihn die Trendwende zu schaffen. Im Hinspiel haben wir ihnen fünf Dinger eingeschenkt, zudem bekamen sie selbst in Köln die Bude voll, die das Tore schießen auch nicht gerade erfunden haben.
Jedoch, wir haben in Frankfurt auch vier Tore kassiert, offensiv sind sie gefährlich und haben in Alex Meier den derzeitigen Top-Torjäger der Liga in ihren Reihen. Ein Tier vorne, das schwer auszurechnen und zu verteidigen ist, der seine Tore mit jedem Körperteil und von innerhalb und außerhalb des Strafraums erzielt. Da ich mir immer nicht so ganz im Klaren bin, in wie weit sich unsere Spieler mit ihren kommenden Gegenspielern beschäftigen, an Ulle schon einmal der Tipp, es tunlichst zu vermeiden so weit wie sonst vor seinem Kasten zu stehen. Er hat in dieser Saison schon einige Tore gefangen, die zu vermeiden gewesen wären, wenn sein Stellungsspiel besser wäre, Meier hat das Auge und das Gefühl im Fuß genau solche (Stellungs-) Fehler auszunützen.
Man wird der Eintracht aber auch nicht gerecht, wenn man alles auf Meier reduziert. Er muss ja auch von seinen Mitspielern in Szene gesetzt werden und auch das machen bspw. Aigner und Inui vorzüglich. Gerade ein Aigner, an dem Veh schon zu VfB-Zeiten interessiert war und den er schließlich zur Eintracht holte, wird sich auf unsere Sakais und Hlouseks jetzt schon freuen.
Unsere Ultras hatte nach dem 3:0 kurz nach der Pause die Schnauze voll, hängten ihre Fahnen ab, stellten das Supporten ein und verließen den Block. Eine verständliche Reaktion und längst überfällig. Ist ja fast schon bemitleidenswert unseren einst so stolzen VfB als Sparringspartner sehen zu müssen, der dem Gegner in allen Belangen unterlegen ist und wo man jederzeit Angst haben muss, dass dieser mühelos noch einen Gang aufschalten könnte. Auch für die Fanszene ist es derweil ein schmaler Grat, wie man sich verhalten soll. Alle sind stinksauer, in jedem Einzelnen, dem der Verein so am Herzen liegt, brodelt es gewaltig, so dass es eine Frage der Zeit ist, bis sich dieser Frust so richtig entlädt. Aber, die Fans sind auch pragmatisch. Man sieht natürlich auch, welche nervlichen Wracks da auf dem Platz stehen, draufhauen, bringt da wohl am allerwenigsten. Derzeit haben wir es mit einer ähnlichen Gefühlslage wie in der Vorsaison zu tun, auch damals siegte am Ende der Pragmatismus. Wenn man als Fanszene eine Erkenntnis von damals mitnehmen und aus etwaigen Fehlern lernen möchte, so vielleicht aus diesem, dass man ruhig blieb, als das Ziel, der Klassenerhalt, erreicht war. Hätte man damals vehement auf die (versprochene) Aufarbeitung der Saison gepocht und Konsequenzen gefordert, vielleicht hätte man damals schon Fredi Bobic aus dem Amt drängen können und uns wäre diese Saison erspart geblieben.
Nach dem Spiel ging es direkt zum Busparkplatz, unser Busfahrer Ahmet hatte schließlich mehrfach darauf hingewiesen, dass er Punkt 23 Uhr abfahren würde. Dort noch die Jungs und Mädels vom RWS und von Leintalpower getroffen und ein Bier zusammen getrunken, ging es dann weiter in Richtung Hotel. Vier Businsassen hatten Ahmets Durchsage wohl nicht ernst genommen, fehlten bei der Abfahrt und wurden für 200 Euro kostengünstig von einem Taxi zum Hotel chauffiert. ;-) Im Hotel gab es bedauerlicherweise nichts mehr zu essen, so dass wir uns abermals an die Flüssignahrung halten mussten und dies feuchtfröhlich bis in die Morgenstunden auch taten. Nach einem tollen Frühstück ging es dann am Samstagmorgen weiter zur Brauereibesichtigung und Verköstigung in die Krombacher Brauerei, von wo es dann gegen 14.45 Uhr wieder in die Heimat ging. Gegen 19.30 Uhr waren wir zurück an der Schleyer-Halle, von wo es nicht etwa heim zum Regenerieren ging sondern direkt ins Jugendhaus nach Neugereut, wo das CC97 seinen 18. Geburtstag und damit seine Volljährigkeit feierte. Auch dort wieder jede Menge Bekannte getroffen, es wurde trotz der Tabellensituation vom VfB ein schöner und lustiger Abend.
Die Sicherheitsthematik kocht nach den Vorkommnissen rund um unser Hertha-Spiel sowie den Geschehnissen um das Spiel KSC gegen Red Bull Leipzig wieder hoch.
Eigens dafür sah sich Sport im Dritten dazu genötigt, das Thema zu erörtern und talkte mit Christoph Ruf (freier Journalist und Kenner der Fanszene), Rüdiger Seidenspinner von der Polizeigewerkschaft und Ingo Wellenreuther (Präsident KSC). Dazu wurde ein Interview mit einem „Stuttgarter Hooligan“ eingespielt, wie es sich gehört und dass die Leute vor dem Fernseher schön Angst bekommen, von hinten, mit Kapuzenpulli und nachgesprochener Stimme. Dieser war für mich schon einmal völlig fehl am Platze, da es ja nicht um irgendwelche Hooligan-Kämpfe auf der grünen Wiese ging, sondern um Vorkommnisse in Cannstatt, von denen nicht erwiesen ist, wer daran beteiligt war, also ob Hooligans, Ultras, Normalos, ja, nicht einmal ob wir von welchen aus dem VfB-, dem KSC- oder dem Hertha-Lager sprechen.
Beim zweiten Themenkomplex handelte es sich um KSC-Kinder, die dem Mannschaftshotel von Red Bull einen Besuch abstatteten, der sich inzwischen auch als weitaus weniger dramatisch herausstellte, wie ursprünglich von Ralf Rangnick geschildert.
Diese Runde hätten sich die Macher vom SWR schenken können, weil nicht mit einer Silbe versucht wurde zu erörtern, wie sich solche Vorfälle vermeiden ließen, nämlich beispielsweise durch cleverere Terminierungen, besonnenere Beamten und auch einer Kennzeichnungspflicht der Beamten, um den schwarzen Schafen darunter endlich den Garaus zu machen. Einzig der freie Journalist in der Runde räumte ein, dass es unverhältnismäßige Einsätze von Beamten gibt, die auch durchaus solche „Gelegenheiten“ nutzten, um sich auszutoben. Mir liegt es dabei fern, irgendwelche Sachbeschädigungen oder Angriffe auf Personen, die sich rund ums Hertha-Spiel ereignet hatten, schönzureden. Wie jeder Verein haben auch wir „Fans“ in unseren Reihen, die im Schutz der Menge und der Dunkelheit Straftaten begehen, weil das Entdeckungsrisiko relativ klein ist. Ich selbst lehne Gewalt und Vandalismus ab und hoffe, dass man die wenigen Hirnverbrannten schnappt und zur Rechenschaft zieht, sind es doch unter anderem diejenigen, denen wir die vielen Restriktionen rund um ein Fußballspiel „zu verdanken“ haben. Gerade aber weil man weiß, dass es die gibt, dass sie nicht aussterben, im Gegenteil, sie auch nachgeboren werden, wäre es wünschenswert, dass auf der Gegenseite die schwarzen Schafe vom Dienst suspendiert werden und man Polizeieinsätze erlebt, die auf Deeskalation abzielen. Dazu gehören ausgeklügelte Polizeistrategien mit wirklichen Kennern des Fanverhaltens und nicht irgendwelche Hardliner, die meinen, dann geht man eben mit Schlagstock und Pfefferspray in die Menge rein. Gerade dann „erreicht“ man nämlich solch chaotische Zustände, wie sie in Stuttgart vorgefallen sind. Dann trifft es auch viele Unbeteiligte und auch als „normaler“ Fan solidarisiert man sich mit den eigenen Leuten eher als mit der prügelnden Staatsmacht.
Dass sich Präsident Wahler, um den man sich zuweilen schon Sorgen macht, wo er sich rumtreibt, zu diesem Thema aus der Deckung wagte, als noch überhaupt nicht geklärt war, welche Darstellungen über die Vorkommnisse überhaupt der Wahrheit entsprechen, passt derzeit ins Bild, das der VfB abgibt. Erst einmal werden die eigenen Fans an den Pranger gestellt, anstatt Ursache und Wirkung zu durchleuchten. Man würde sich wünschen, Wahler äußerte sich mit solch klaren Worten zur inzwischen wieder einmal beispiellosen sportlichen Talfahrt und er würde Lösungsansätze aufzeigen. So aber überlässt er dies vollkommen dem Novizen und immer etwas unbeholfen erscheinenden Robin Dutt, während der VfB das schlechteste Jahr seiner bald 122-jährigen Vereinsgeschichte hinlegt. Das sind dann immer die Momente, in denen ich in Nostalgie schwelge und mich nach Gerhard Mayer-Vorfelder zurücksehne. Er nahm sich als Präsident stets das Recht heraus, den Jungs die Leviten zu lesen und sie an ihre Verantwortung dem Verein, den Fans, der Stadt und dem Umfeld zu erinnern, ob es dem Trainer und Manager passte oder auch nicht. Als Fan wusste man damals immer, dass es einen gibt, der Emotionen vorlebt und dem ein Niedergang nicht egal ist. Derzeit hat man aber den Eindruck, man lässt jeden vor sich hin wursteln, ob Trainer oder Manager, und, wenn das nächste Spiel verloren wird, hofft man einfach auf das übernächste. Es ist diese Lethargie, die mich wahnsinnig werden lässt und wenig Hoffnung auf ein gutes Ende macht.

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3. März 2014

Mit Vollgas Richtung 2. Liga!

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , , , – Franky @ 20:54

Gestern bin ich seit langem mal wieder mit einem gewissen Optimismus zu einem Spiel gefahren. Nicht weil ich plötzlich von unserer Truppe und der sportlichen Leitung überzeugt wäre, aber, das Spiel gegen Hertha war zumindest in kämpferischer Hinsicht ein Fortschritt und außerdem gaben die Hessen schon des Öfteren unseren Aufbaugegner. Das emotionale Europaleague-Aus der Eintracht, das schwere Donnerstag-Spiel in den Knochen, taten ein Übriges. Und, ein klein wenig Fußballsachverstand darf man den Verantwortlichen ja schon auch unterstellen, was die Hoffnung nährte, dass sie nicht ohne Grund, trotz dieser unvergleichlichen Negativserie, an Bobic und Schneider festhielten.
So war Frankfurt für mich ein Schlüsselspiel, das wir unter keinen Umständen verlieren durften. Personell konnte Schneider auf den wiedergenesenen Kapitän Gentner und den nach Gelb-/Rot-Sperre zurückgekehrten Moritz Leitner zurückgreifen. Zudem stand Cacau erstmals nach 1 ½ Jahren wieder in der Anfangself. Nach druckvollem Beginn der Eintracht fand der VfB nach zwanzig Minuten zunehmend zu mehr Sicherheit und versuchte das Mittelfeld durch schnelles Konterspiel zu überbrücken, was uns nach einer guten halben Stunde das 0:1 durch Martin Harnik einbrachte. Groß war natürlich der Jubel und die Erleichterung, dennoch traute man dem Braten nicht so recht, zumal ernsthafte Torabschlüsse beim VfB weiterhin eine Seltenheit sind. Zu oft kommt der letzte Pass nicht an oder wird ein entscheidender Zweikampf verloren. Die Fehlpassquote und Zweikampfbilanz sprachen auch in diesem Spiel wieder eindeutig für den Gegner.
In der zweiten Halbzeit ließ sich der VfB mehr und mehr hinten rein drängen, ohne groß in Gefahr zu geraten, weil man noch weitestgehend gut stand und war im Sturm fast nicht mehr vorhanden. Glück hatten wir, als Aytekin nach vermeintlichem Foul von Cacau schon auf Elfmeter entschied, sein Assistent an der Linie aber intervenierte und er diesen schließlich (mutig) zurücknahm. Nicht einmal solche Umstände, die uns in die Karten spielen und den Gegner demotivieren könnten, vermögen wir in dieser Zeit auszunutzen. Trotz allem muss Alexandru Maxim in der 78. Minute das 2:0 machen und der Fisch wäre geputzt gewesen. Boka hat sich mit einer klasse Willensleistung gegen Zambrano den Ball erkämpft und passte mustergültig auf den mitgelaufenen Rumänen, doch diesem versprang der Ball, so dass er aus drei Metern den Ball nicht etwa im leeren Tor unterbrachte sondern meterweit vorbei schoss. Haste Scheiße am Fuß, hast scheiße am Fuß könnte man sagen, ich sage, es sind diese (späten) unsäglichen Konzentrationsmängel, die uns vermutlich die Liga kosten werden. So kam es, wie ich es befürchtet hatte und wie es im Grunde kommen musste. Nach einem erneut katastrophalen Abschlag von Ulreich, der wie ein Bumerang zurück kommt, hebt Rüdiger das Abseits auf und sage und schreibe drei Frankfurter haben freie Bahn. Frankfurts Joker Rosenthal war es schließlich, der zum Ausgleich vollendete. Ein Tor, wie ich es in der Bundesliga noch überhaupt nicht gesehen habe, so ein dilettantisches Abwehrverhalten, auch das wird uns letztenendes das Genick brechen. In der 90. Minute schließlich ließ sich unser selbst ernannter Führungsspieler Georg Niedermeier mit einem Beinschuss im Strafraum düpieren, so dass Alex Meier leichtes Spiel hatte und den Frankfurter Siegtreffer markieren durfte.
Der VfB stellt mit mittlerweile 49 Gegentoren nach dem HSV die zweitschlechteste Abwehr, auch wenn diese den Namen eigentlich nicht verdient hätte. 2,13 Gegentore pro Spiel, so viele kannst Du vorne gar nicht schießen, schon gar nicht, wenn man es kaum schafft Überraschungsmomente zu schaffen und niemand den Mut hat auch mal aus der zweiten Reihe abzuziehen.
So war die achte Niederlage in Folge und die elfte aus den letzten zehn Spielen besiegelt. Mal wieder schlichen die Spieler wie begossene Pudel in die Kurve um sich regungslos die immer lauter werdenden Schimpftiraden der treuen Fans anzuhören. Einige, wie Traore, der schon die Tage zählt, bis er uns verlassen darf, drehten gleich wieder ab, andere ließen sich noch auf das eine oder andere Gespräch ein.
Schneider trottete, die Hände in den Taschen vergraben, hinterher und scheint mit seinem Latein am Ende zu sein.
Klar kann er die Dinger, wie die hundertprozentige von Maxim, nicht selbst versenken. Auch klar, dass er einem gestandenen Spieler wie Ulreich nicht noch erklären müssen sollte, wie man Abstöße schlägt und dass er zu seiner Zeit noch anders zu Werke gegangen ist, als es Niedermeier beim 2:1 tat.
Dennoch wirft das bisherige Wirken Schneiders Fragen auf. Weshalb darf Sakai Woche für Woche seine Bundesligauntauglichkeit unter Beweis stellen? Unbedrängte Fehlpässe, gepaart mit katastrophalem Stellungsspiel, in dieser Verfassung hat er auf dem Platz nichts zu suchen. Kein Zufall schließlich, dass der entscheidende Treffer über Sakais Seite fiel. Das weiß inzwischen jeder Gegner, wo wir besonders leicht zu knacken sind.
Weshalb verhindert ein Gentner die Einwechslung von Haggui? Wer hat das Sagen? Kann es nicht doch sein, wie man immer wieder hört, dass die Mannschaft Schneider nicht ernst nimmt?
Auch die Wechsel erfolgten zu spät. Erfahrene Trainer nutzen diese auch einmal als eine Art „Auszeit“, um dem Gegner den Schwung in einer Drangphase zu nehmen, nicht so Schneider. Er hat ein Gottvertrauen und hofft, es werde schon irgendwie gutgehen.
Ich kann nur immer wieder betonen, dass es mir um Schneider Leid täte, wenn er als schwächstes Glied der Kette seinen Spind räumen müsste. Sein Talent, ein guter Trainer zu werden, möchte ich ihm nicht absprechen, sicherlich sammelt er derzeit Erfahrungen fürs weitere „Trainer-Leben“, ob er jedoch in der Lage ist, den Bock umzustoßen, ich glaube es nicht. Das Grundübel ist die Mannschaft, in sich zerstritten, eine profihafte Einstellung (auf und außerhalb des Platzes) vermissen lassend, die es nicht schafft, wenigstens als Zweckgemeinschaft zu funktionieren und sich neunzig und nicht nur achtzig Minuten zu konzentrieren. (Mindestens) einer pennt immer, was zu der Flut von Gegentoren führt und die uns verzweifeln lässt.
Bobic, der diese nicht harmonierende Truppe zusammengestellt hat, wird als der Totengräber des VfB in die Geschichte eingehen. Anscheinend gibt es auf der Geschäftsstelle keine Streitkultur mehr, seit Bobic auf den meisten Posten „seine“ Leute installiert hat. So hat er sich den Status als Alleinherrscher erarbeitet bzw. an sich gerissen, und es scheint, dass ihm der Erhalt dieses Status‘ mehr wert ist als das Wohl des VfB. Spieler, die unbequeme Wahrheiten aussprachen wurden nach und nach aussortiert, zuletzt William Kvist, der in der jetzigen Situation eine Stütze sein könnte.
So kämen wir bei einem Trainerwechsel wohl eher vom Regen in die Traufe. Leute wie Stanislawski und Fink würden in Bobic‘ Beuteschema passen, sind es doch eher stille Vertreter der Zunft und würden den Job mit Kusshand übernehmen. Alte Weggenossen wie Balakow und Soldo, die als Duo im Gespräch sind, würden ihm ebenso ähnlich sehen, sind es doch Freunde vergangener Tage, denen man zu gern einen gut dotierten Posten verschaffen würde.
Im Gegensatz dazu würde sich ein Bobic sicherlich nicht den von mir favorisierten Gross (den er ja selbst entlassen hat) ins Haus holen, abgesehen davon, dass es sich Gross sicher auch nicht antun würde, noch einmal unter Bobic zu arbeiten. Wenn Gross, dann als starker Mann und anstelle von Bobic.
Auch Stevens oder Schaaf, die für ihre knorrige Art bekannt sind, wären Alphatiere, die sich von Bobic nicht sagen lassen würden, wie der Hase hier zu laufen hat. Aufgrund ihrer großen Erfahrung wäre es ihnen zwar zuzutrauen, den Karren wieder flott zu bekommen, jedoch, wie es scheint, ist Bobic sein Machterhalt wichtiger als der Klassenerhalt.
Morgen also sollen Aufsichtsrat und Vorstand entscheiden, ob es tatsächlich mit Schneider weiter gehen und er gegen Braunschweig die neunte Niederlage in Folge anpeilen darf. Ich hoffe, man sieht den Tatsachen ins Auge und erkennt dass die Zusammenarbeit Mannschaft – Trainer vermutlich irreparabel beschädigt ist. Dann muss gehandelt werden und zwar sofort.
Mir ist es auch klar, dass es ein schmaler Grat ist, auf dem gewandelt wird. Verlässt man den eingeschlagenen Weg mit einem jungen unerfahrenen Trainer, der das Konzept mit trägt, vermehrt auf den eigenen Nachwuchs zu setzen? Holt man einen Trainer-Fuchs wie z. B. Stevens, der sicherlich eher auf erfahrene Kräfte setzen würde, als auf unsere Grünschnäbel? Nimmt man den Abstieg bewusst in Kauf, weil keine andere Lösung den Erfolg garantieren würde? Oder setzt man noch einmal alle Hebel in Bewegung, um es wenigstens versucht zu haben? Je länger man wartet, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass das Unheil noch abgewendet werden kann. Langsam aber sicher laufen uns die Spiele davon. Diesbezüglich kann man es fast bedauerlich finden, dass der SC Freiburg und der Hamburger SV sich ebenfalls nicht mit Ruhm bekleckern und (noch) hinter uns stehen. Hätten die etwas konstanter gepunktet und uns auf den vorletzten Platz verdrängt, wäre sicherlich schon die Reißleine gezogen worden.
Will man weiterhin bedingungslos an Schneider festhalten, notfalls mit ihm in die zweite Liga gehen, dann sollen die Vereinsoberen doch gleich einmal ein schlüssiges Konzept vorlegen. Bislang hört man nur von Horrorszenarien, die einen den Untergang vom VfB befürchten lassen im Falle des Worst Case. Stand jetzt dürfte so gut wie kein Spieler feststehen, der bereit ist, auch im Unterhaus die Stiefel für den VfB zu schnüren, ganz abgesehen davon, ob wir sie überhaupt noch sehen wollten. Geschweige denn kann sich noch niemand vorstellen, mit welchem Budget man dieses Abenteuer angehen müsste, in welchen Bereichen es Einschnitte geben müsste, ob wir die Raten fürs Stadion und fürs Nachwuchszentrum noch stemmen könnten, und, und, und. Würde es uns einmal jemand erklären, dass auch im Falle des Abstiegs nicht aller Tage Abend wäre, vielleicht kann man sich die zweite Liga dann auch schon mal schön reden. Vielleicht wäre es wert abzusteigen, schon allein, um nächste Saison keinen einzigen Spieler von der derzeitigen Zweckgemeinschaft mehr sehen und ertragen zu müssen. Ganz ehrlich, in dieser Truppe habe ich keinen Lieblingsspieler mehr, das gab es in meiner Zeit als VfB-Fan eigentlich noch nie. An die Spieltermine müsste man sich gewöhnen und reichlich Urlaub opfern, dafür gäbe es aber mal wieder jede Menge neuer Stadien und neue Eindrücke. Wir würden einige Auswärts- zu Heimspielen machen, wobei dann zu hoffen wäre, dass bis dahin der Heimkomplex abgelegt werden konnte. Vielleicht gelänge es, wie nach dem Abstieg 1975, eine spielstarke Mannschaft mit jungen Spielern, überwiegend aus der Region, zusammenzustellen, der es wieder Spaß macht, zuzuschauen, mit der man sich ein Stück weit identifizieren kann, die vor hat, den VfB wieder dorthin zu bringen, wo er hingehört, nämlich in die Bundesliga. Bei den Fans würde sich die Spreu vom Weizen trennen und die Dauerkarte (vermutlich) günstiger werden. Ich als Fan würde den Kopf nicht in den Sand stecken und wäre auch im Unterhaus so oft es geht dabei.
Seit gestern habe ich mich fast schon mit dem Abstieg abgefunden und kann mir derzeit nicht einmal vorstellen, wie wir Braunschweig schlagen wollen. Die stellen sich zu elft hinten rein, der VfB findet keine Lösungen dieses Abwehrbollwerk zu knacken und ein oder zwei Abwehrfehler fabrizieren wir sowieso jedes Mal.
Entweder es geschieht etwas, das noch einmal eine Aufbruchsstimmung entfachen könnte oder wir gehen sang- und klanglos (r)unter. Die Hoffnungen mit der derzeitigen Konstellation habe ich gestern endgültig zu Grabe getragen.

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9. März 2013

Graue Maus dank Mäuser!

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , , , – Franky @ 11:15

Letztes Wochenende, zum 80. unseres Ehrenpräsidenten Gerhard Mayer-Vorfelder wurde ich kurz sentimental. Was war das noch für ein Präsident? Einer, der uns gleich zu Beginn seiner Amtszeit den Wiederaufstieg beschert hat. Der VfB wurde damals bester Aufsteiger aller Zeiten und auf Anhieb Vierter mit den jungen Wilden 1 um Karl-Heinz Förster und Hansi Müller. Der VfB hielt sich über Jahre in der Spitzengruppe der Liga, obwohl man Abgänge von Leistungsträgern wie Hansi Müller oder Dieter Hoeneß zu verschmerzen hatte. Man schaffte es aber, diese zu kompensieren, weil MV gute Kontakte landein, landaus hatte, bspw. einen Asgeir Sigurvinsson an den Neckar lockte, dem bei den großen Bayern der Durchbruch verwehrt blieb. Zudem profitierte man vom damals noch starken, wenn auch immer im Hintergrund wahrgenommenen, zweiten Stuttgarter Profiverein, dem SV Stuttgarter Kickers, denen man in den 70ern Walter Kelsch, später dann Jürgen Klinsmann und Guido Buchwald und in den 90ern noch Fredi Bobic abluchsen konnte.  Der VfB fuhr Erfolge ein, feierte Finalteilnahmen und hielt sich konstant in den Top-Five, auch wenn es hier und da mal eine oder zwei Saisons zur Konsolidierung gab. MV gelang es immer wieder mal einen Weltstar wie Carlos Dunga zu uns zu locken und verpflichtete unser magisches Dreieck, Bobic kam von den Kickers. Giovane Elber wurde bei den Grasshoppers Zürich entdeckt und Krassimir Balakov wurde von Sporting Lissabon losgeeist. Klar sagte man ihm nach, den Verein nach Gutsherrenart zu führen, er hörte sich alle Meinungen an, die Entscheidungen fällte er jedoch Höchstselbst, nicht selten nach seinem Bauchgefühl. Er hinterließ Schulden in beträchtlicher Höhe, was den VfB Anfang der 2000er in Existenzängste trieb. Daher war sicherlich nicht alles Gold was glänzte und als Folge dessen wurden ja die Kontrollmechanismen im Verein verschärft, so dass so etwas ohne Durchwinken der Gremien heute nicht mehr möglich ist.

Warum ich trotzdem sentimental werde, wenn ich an die Zeit zurück denke und mit heute vergleiche? MV als Präsident hatte Charisma, hatte zudem in Ligaverband und FIFA hohen Einfluss, war stets präsent und immer darauf aus, ja keinen Manager größer zu werden zu lassen, als er selbst es war. Er hatte den höchsten Posten im Verein inne und das kehrte er nach außen. Bei ihm kam es nicht vor, dass der Verein von einer Blamage in die nächste geschlittert wäre und er untergetaucht wäre oder immer seinen Manager vorgeschickt hätte. Es mag sicher auch daran gelegen haben, dass MV für die Pressevertreter ein interessanter Interview-Partner war, dem nicht selten aus einer Laune heraus eine Exklusivnachricht entlockt werden konnte. MV war interessant und hatte immer etwas zu sagen. Dadurch war auch der VfB in aller Munde und eine Marke. Und, der VfB stand jahrzehntelang für attraktiven Offensivfußball!

Ein Mäuser jedoch, Präsident von Hundts Gnaden, duckt sich stets weg und hält sei Gosch, manchmal sicher auch besser so, tritt er doch gerne vom einen Fettnäpfchen ins Nächste.  Durch sein jähzorniges Naturell vergrault er langjährige Mitarbeiter und sieht tatenlos zu, wie einer nach dem anderen das sinkende Schiff verlässt und zur Konkurrenz wechselt. Er predigt gebetsmühlenartig den Stuttgarter Weg, von dem er wohl exklusiv überzeugt ist. Die Realität sieht anders aus. Unseren jungen Spielern werden stets „erfahrene“ Durchschnittskicker von Reservebänken anderer Vereine vor die Nase gesetzt, ein präsidiales Eingreifen und Einflussnahme in die sportliche Leitung scheint tabu zu sein. Die sportliche Leitung wird den Medien zum Fraß vorgeworfen, Mäuser selbst hält sich vornehm im Hintergrund und tut Nichts.

Man geilt sich vielmehr daran auf, dass der VfB neben den Bayern als einziger Verein noch in allen drei Wettbewerben vertreten ist, dass dieser Umstand einzig und allein einem unglaublichen Losglück zuzuschreiben ist, vergisst man gerne. Man nimmt die Misere einfach hin, ohne einmal Eier zu zeigen und auf den Tisch zu hauen. Dass die Bilanz auf dem Papier besser aussieht als sie wirklich ist, wird genauso totgeschwiegen, wie dass man eine Trainerdiskussion auch nur im Ansatz zulässt. Ich sehne mich ja ebenso nach Kontinuität, jedoch nicht auf Teufel komm raus. Weshalb man noch unbedingt im Januar den Vertrag mit Bruno Labbadia um zwei Jahre verlängern musste, wobei der Verein ja ursprünglich sogar an drei Jahre dachte, ist mir ein Rätsel. Ist das unser Anspruch mit blutleeren Auftritten im Mittelmaß herum zu dümpeln, immer auch mit einem Bein in der zweiten Liga? Kann es im Interesse des Vereins liegen, alles nur noch schönzureden und die Kritiker einfach zu ignorieren? Sind es nicht Alarmzeichen genug, dass zu einem Samstag-Nachmittag-Spiel gegen Werder Bremen, das eigentlich immer für Spektakel steht, nur noch 40.000 Zuschauer kommen? Die Zuschauerresonanz im Europa- und DFB-Pokal möchte ich gar nicht überbewerten. Bei diesen Anstoßzeiten ist es für viele zeitlich einfach nicht machbar, die exorbitant gestiegenen Eintrittspreise tun ihr übriges. An der Preisschraube ist der VfB ja offensichtlich nicht bereit zu drehen, in vfb-direkt wird ständig darauf hingewiesen, wie hochwertig der Wettbewerb sei und dass die Preise angemessen wären. Die Quittung dafür sind eben halbe Geisterspiele im weiten Rund des Neckarstadions. Apropos vfb-direkt, auch eine Idee von Herrn Mäuser. Dieses Medium könnte sich der VfB sparen, liest man doch höchstens in 1% der Fragen und Antworten überhaupt etwas neues, erfolgen die Antworten selbstherrlich und mit Textbausteinen, die man schon hundertmal gelesen hat. Was ich aus diesem Medium lediglich herauslesen kann: „immer sind die Anderen schuld“. Wenn Lady Ländle peinlich ist, sind es verkaufte Werbezeiten, auf die der VfB keinen Einfluss hat, ist die Qualität der Trikots schlecht oder sind sie zu teuer, wird Puma der schwarze Peter zugeschoben, schmeckt die Stadionwurst nicht oder ist sie zu kalt, wird man an den Caterer verwiesen, funktioniert der Tageskartenverkauf nicht oder muss man bis lang nach Spielbeginn in der Schlange stehen, ist man selber schuld, weil man die Karte nicht im Vorverkauf erworben hat. Auch die Kritik an der ohne Abstimmung mit den Fans vorgenommenen und auf Teufel komm raus durchgeführten Wahl zur Stadionhymne wird einfach ignoriert bzw. zurückgewiesen. Dies könnte ich noch ewig so weiter führen, als Fan fühle ich mich von dieser Plattform eher verarscht, als dass sie einen Mehrwert brächte. Aber, man liest halt doch mit und regt sich jedes Mal aufs Neue auf.

In Sachen Viagogo wird auf konkrete Fragen schon überhaupt nicht eingegangen, sondern lediglich auf die Stellungnahme von Mäuser verwiesen, die er zu Beginn der Partnerschaft tätigte. Es wird auch immer stets betont, dass man die ursprünglich geplante Fassung noch geändert hatte, als der Fanausschuss intervenierte. Dann heißt es so schön „in Absprache mit dem Fanausschuss“, obwohl dieser strikt gegen diese Form von Legalisierung des Schwarzmarkts war.

Der Dialog mit dem Fanausschuss stand kürzlich kurz vor dem Aus, weil sich der Verein nicht an Absprachen hielt und seine Vorhaben sowieso umsetzt, man hat dann eben darüber gesprochen. Einflussmöglichkeiten sehen anders aus. Noch unter Erwin Staudt fanden die Fans weitaus mehr Gehör als jetzt unter Mäuser, mit dem eine konstruktive Zusammenarbeit offensichtlich nicht möglich ist.

Zum Wohle des Vereins kann es eigentlich nur eines geben, Mäuser Raus! Eine Abwahl eines VfB-Präsidenten während der Amtszeit wäre, soviel ich weiß, ein Novum in der fast 120-jährigen Geschichte vom VfB. Möglicherweise ist die Chance dazu bei der nächsten Mitgliederversammlung so groß wie nie, wird es doch auch in der Wappenfrage zu einer Abstimmung kommen. Dieser Tagesordnungspunkt wird viele Leute aus der Kurve mobilisieren die Mitgliederversammlung zu besuchen, wo sonst überwiegend alte Schergen und der Freundeskreis anwesend sind, die den Vorstand brav entlasten und alles ab nicken, was im letzten Geschäftsjahr so schief gelaufen ist. Es muss eine Palastrevolution her, um den Verein wieder nach vorne zu bringen. Auch ein Dieter Hundt, mittlerweile weit jenseits der 70, sollte abdanken und jüngeren den Vortritt lassen.

Der Fisch stinkt gewaltig vom Kopf, trotzdem kann man auch die sportliche Leitung nicht unbehelligt lassen. Es ist klar, dafür hat auch jeder Verständnis, dass nach wie vor ein Sparkurs eingehalten werden muss und somit die Hände ein Stück weit gebunden sind. Trotzdem wird mir zu sehr schwarzgemalt. Wir sind immer noch der VfB, haben noch immer die stärkste zweite Mannschaft in Deutschland, haben ein tolles Stadion, ein begeisterungsfähiges Umfeld, ein riesiges Einzugsgebiet und sind in einer der stärksten Wirtschaftsregionen Europas beheimatet. Das sind Pfunde, mit denen wir nach wie vor wuchern können, darin stecken Potentiale, die geweckt werden wollen.

Wenn man aber einen Trainager Bobaddia hat, ich fasse die Herren hier der Einfachheit halber zusammen, da sie sowieso dieselbe Sprache sprechen, der stets nur am jammern ist und alles schon im Vorfeld madig macht, dann wecke ich natürlich auch kein Interesse und muss mich über leere Ränge im Stadion nicht wundern Mit Aussagen wie „die Europa League wird von den Fans in Stuttgart nicht angenommen“, im Vorfeld eines Spiels, gebe ich doch denen, die nicht kommen wollen, schon im Vorfeld ein Alibi. Ich kann mich an Plakataktionen von früher erinnern, Verein für Begeisterung, wo einfach Lust geweckt wurde und ein Stück weit auch an die Ehre eines Fans appelliert wurde, den Verein zu unterstützen. Es wird jeder noch so kleine Gegner groß geredet, Demut, Lernprozess, „wir sind noch nicht so weit“, „brutal harter Wettbewerb“, „steiniger Weg“, „hohe Erwartungshaltung“, etc. pp. Kurz, es wird permanent gejammert, unser VfB wird kleingeredet, es werden schon im Vorfeld Alibis gesucht und auch gefunden. Wenn Bobaddia so auch mit den Spielern redet, wundern mich die ängstlichen, blutleeren Auftritte überhaupt nicht. Es wundert mich dann auch nicht, dass keiner auf dem Platz steht, der die Anderen mitreißt, wenn man mal 0:1 hinten liegt und es mit einem „brutal schweren Gegner“ zu tun hat, der womöglich noch „in einer anderen Liga spielt“. Bobaddia wird nicht müde zu wiederholen, dass ein einziges unvorhergesehenes Ereignis genügt, um das fragile Gebilde einstürzen zu lassen, sprich dass sich die Mannschaft danach abschlachten lässt. Ich denke „mit unvorhergesehenem Ereignis“ meint Bobaddia auch die individuellen Fehler, die die Jungs in unschöner Regelmäßigkeit auf den Platz bringen. Wenn man hinten anfällig ist und vorne das Tor nicht trifft, hat man ein richtiges Problem, so vor allem in den letzten Spielen, wo auch unser Torjäger Vedad Ibisevic Ladehemmung hatte. Umso weniger ist für mich nachzuvollziehen, dass der Fußball von Bobaddia darauf ausgelegt zu sein scheint, sich nach eigener Führung ins Schneckenhaus zurückzuziehen und den Gegner, der in diesem Moment ja am Boden liegt, kommen zu lassen und stark zu machen, anstatt selbstbewusst nach vorne zu spielen und nachzulegen. Das, was Bobaddia derzeit spielen lässt, ist Angsthasenfußball unterster Schublade, der mittlerweile nicht nur nicht zum anschauen ist, sondern dazu noch keine Punkte einbringt. Der VfB ist die schlechteste Rückrundenmannschaft und steht mittlerweile auch in der Europa League vor dem Aus. Es sieht jeder ein, dass wir keinen Kader besitzen wie die Bayern oder der BVB. Dass aber, gerade angesichts der hohen Belastungen und Formschwäche einiger Spieler, nur immer die gleichen 12,13 Feldspieler zum Einsatz kommen und Auswechslungen erst erfolgen, wenn das eintrat, was lange Zeit absehbar war, dafür fehlt mir jegliches Verständnis.

In Sachen Aufstellung und Ein-/ Auswechslungen komme ich auf Bruno Labbadia zurück. Er vertraut offensichtlich nach wie vor dem Gros der Tribünenhocker nicht, geschweige denn unseren Jungs von der Zweiten, die schon Profiluft schnuppern durften. Und wenn endlich ein Martin Harnik, der meilenweit von der Form der Vorsaison entfernt ist, wie gegen Rom, durch Alexandru Maxim ersetzt wird, kommt auch noch Pech hinzu, da er durch eine rüde Attacke mit Nasenbeinbruch und Gehirnerschütterung ausgewechselt werden musste. Ein William Kvist ist momentan noch schwerer vermittelbar. Was er in der Rückrunde oder wie auch am Donnerstag gegen Lazio schon Gegentore verschuldete geht auf keine Kuhhaut. Dazu ist er, ganz Labbadias Liebling, ein Sicherheits- oder besser Rückpasskönig par excellance. Nicht selten kommt es beim VfB vor, dass, zehn Sekunden nach eigenem Eckball, der Ball zu Sven Ulreich zurück gespielt wird. Kvist macht das Spiel langsam und ist zudem völlig von der Rolle und offensichtlich ohne jegliches Selbstvertrauen, so dass er schon fast zwanghaft den Sicherheitsrückpass einer offensiven Aktion vorzieht. Wenn ein Trainerteam an sich selbst den Anspruch stellt, die Spieler von Tag zu Tag besser machen zu wollen, haben sie bei Kvist etwas falsch gemacht, er ist nur noch ein Schatten seiner Darbietungen aus der Vorsaison. Hatte man jahrelang ein Überangebot an talentierten und spielstarken Sechsern ist Kvist nun fast alternativlos, was meine Hoffnungen auf Besserung in der Spielweise doch dämpft. Den einzigen im Kader, den ich mir noch vorstellen könnte, ist Rani Khedira. Doch der ist jung und gleichzeitig unerfahren und wird so den Sprung in unser ach so funktionierendes Team sicherlich nicht allzu früh schaffen.

Wenn sich in einer Mannschaft die Unkonzentriertheiten und Slapstickeinlagen häufen, wenn die Laufbereitschaft zu wünschen übrig lässt, keiner dem anderen hilft, die Ordnung auf dem Platz nicht stimmt und der Gegner Spiel für Spiel zum Tore schießen eingeladen wird, stellt sich automatisch die Trainerfrage. Man fragt sich, erreicht der Trainer das Team noch? Spielt die Mannschaft gegen den Trainer? Ist es der Fußball, den der Trainer verlangt, wenn er offensichtlich nicht oder erst sehr spät korrigierend eingreift? Warum wechselt Labbadia nicht auch einmal schon nach 20 Minuten aus, wenn er von außen feststellt, dass ein Spieler bei der Mannschaftsbesprechung nicht zugehört hat und sein eigenes Ding macht? Da er diesbezüglich überhaupt keine Anstalten macht, unterstelle ich mal, dass das, was derzeit auf den Rasen gebracht wird, Fußball a` la Labbadia ist und dieser uns auch in der Zukunft drohen wird, wenn Labbadia am Ruder bleibt. Und dann braucht sich nun mal niemand zu beschweren, dass sich viele das nicht antun zu wollen und diese Zeit lieber der Familie widmen oder sich den weiten, beschwerlichen Anreiseweg ersparen. Und, nein, ich rede hier nicht von Erfolgsfans! Die meisten Fans akzeptieren ja die Tatsache, dass die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinander driftet, sie akzeptieren, dass man nicht mehr zu den Top-Vier gehört und wohl auch so schnell nicht Stammgast in der Champions League sein wird. Doch, die Leute, die ihr Geld in Stadion tragen, welches wiederum den Millionären auf dem Rasen zufließt, erwarten eine Gegenleistung in Form von Identifikation, Kampfgeist, Willenskraft. Diese Attribute vermisst man derzeit völlig, man hat eher den Eindruck, das Team ergebe sich in sein Schicksal und außer Phrasen a` la Bobaddia bekommt man nichts zu hören. All dies macht wenig Hoffnung auf Besserung. Auch die traditionell starke Rückrunde, die oftmals Probleme kaschiert hatte, scheint in dieser Saison auszubleiben. Somit taumeln wir weiter durch die Liga und können uns mittlerweile daran ergötzen, dass Augsburg gestern gegen Nürnberg keine Punkte geholt hat. Der VfB wird noch zwei bis drei Siege benötigen, um mit dem Abstieg nichts zu tun zu haben. Momentan kann ich mir jedoch nicht vorstellen, gegen wen diese gelingen sollen. Mit Leistungen wie zuletzt, gewinnt man in dieser „brutal ausgeglichenen Liga“ kein Spiel! Es muss jetzt ein Befreiungsschlag her wie er in der letzten Saison beim 5:0 gegen Hertha gelang, von mir aus auch wieder begünstigt durch eine frühe rote Karte.

Die größte Möglichkeit, außer dem Nichtabstieg, diese verkorkste Saison noch zu retten, wäre das Pokalfinale in Berlin. Das Losglück blieb uns hold und bescherte uns abermals ein Heimspiel. Allerdings, mittlerweile habe ich höchsten Respekt, wenn ich an die Breisgau-Brasilianer denke. Klasse, was Christian Streich dort innerhalb eines Jahres aus der Truppe gemacht hat und welche Begeisterung er vorlebt. Er ist wie Labbadia ein Typ Trainer, der vor Ehrfurcht erstarrt angesichts der großen Namen, mit denen er es in der Bundesliga zu tun hat. Im Gegensatz zu Labbadia aber wandelt er diese Ehrfurcht in positive Energie um und kitzelt aus seinen Jungs, die er zum Großteil von Kindestagen an kennt, die paar Prozent mehr heraus, die nötig sind und den Unterschied ausmachen. Während Labbadia griesgrämig nur die Last sieht, versprüht Streich Lust, es den großen zu zeigen. So wird das Halbfinale sicherlich kein Selbstläufer. Noch haben wir fünf Wochen Zeit um in eine bessere Phase zu kommen und Selbstvertrauen zu tanken. Was mich in diesem Zusammenhang aber schon wieder tierisch nervt, ist, dass von fast allen vom VfB angesichts der Chance auf den Finaleinzug hervorgehoben wird, dass wir dann ziemlich sicher auch in der nächsten Saison international dabei wären, und keiner auf die Idee kommt, den Pokal dann auch gewinnen zu wollen. Minimalistendenken eben!

Morgen geht es gegen den wiedererstarkten HSV der jüngst im Westfalenstadion zu Dortmund mit 4:1 gewonnen hat. Danach geht’s zum starken Aufsteiger nach Frankfurt, dann Dortmund zu Hause und Hannover auswärts. Angesichts dieser Aufgaben wird mir eigentlich angst und bange. Hier bin ich wieder beim Einstiegsthema und würde mir jemanden wünschen, der jetzt wachrüttelt und vom allgemeinen Kuschel- und Streichelkurs abrückt und die Protagonisten an den Ernst der Lage erinnert und nicht erst aufwacht und in Aktionismus verfällt, wenn es fast schon wieder zu spät ist.

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3. Juni 2010

Löw präsentiert den WM-Kader: Andreas Beck bleibt zuhause

Andreas Beck hat die WM-Niete gezogen – Joachim Löws 23 Auserwählte sollen ohne den Hoffenheimer Verteidiger bei der Generalprobe gegen Bosnien-Herzegowina das erhoffte Wintermärchen von Südafrika einläuten. Beim letzten Training der deutschen Fußball-Nationalmannschaft in Südtirol hatte der Pechvogel Beck am Dienstag auf dem Rasen der Sportzone Rungg noch einmal kräftig Gas gegeben, wenige Stunden später folgte dann die persönliche Enttäuschung: Die WM am Kap wird ohne den 23 Jahre alten Verteidiger über die Bühne gehen. “Uns ist die Entscheidung sehr schwergefallen, aber wir können nur 23 Spieler mitnehmen”, erklärte Löw gestern Abend und ergänzte: “Andreas Beck hat eine durchwachsene Saison gespielt.” Zwar kämpfte er sich im Trainingslager weiter heran, am Ende aber reichte es nicht. Schon beim 3:0 in Ungarn war Beck nicht mehr zum Einsatz gekommen. Der Vorbereitungsverlierer wandte sich noch mit einigen Worten an seine Kollegen und wurde von der Mannschaft mit Beifall bedacht: “Ich habe mich hier sehr wohlgefühlt.”

Zunächst hatte einiges dafür gesprochen, dass Löw nach dem Ausfall des Kapitäns Michael Ballack sowie der Defensivkräfte Christian Träsch und Heiko Westermann in Stefan Kießling einen Stürmer streicht. “In der Abwehr habe ich genügend Alternativen”, begründete Löw jedoch die Auswahl seiner 23 Spieler, die spätestens bis Mitternacht dem Weltverband Fifa gemeldet werden mussten. “Er ist tief enttäuscht”, berichtete Löw von der Reaktion des Hoffenheimer Verteidigers, der heute mit der Mannschaft von Bozen nach Frankfurt fliegen wird und dann in den Urlaub geht. “Er bekommt in Zukunft wieder eine Chance”, sagte der DFB-Chefcoach. “Für denjenigen ist es sehr enttäuschend, nachdem er drei Wochen hart gearbeitet hat. Aber die Welt geht trotzdem nicht unter. Das spornt auch wieder für die nächsten Aufgaben an”, sagte der Vizekapitän Bastian Schweinsteiger. Entspannt aber fokussiert Nach 21 Tagen Trainingslager, unzähligen Vorbereitungsstunden und drei bitteren Verletzungen will die deutsche Mannschaft um Bastian Schweinsteiger im letzten Test am Donnerstag (20.30 Uhr/ARD) gegen Bosnien-Herzegowina wieder eine schwarz-rot-goldene Welle lostreten. “Wir brauchen die Fans, die uns nach vorn peitschen. Nur mit ihnen können wir weit kommen”, sagte Schweinsteiger und kündigte in der Frankfurter Arena die erste mögliche WM-Elf an: “Ich denke schon, dass wir mit der Mannschaft auftreten werden, die gegen Australien spielen könnte.”

Kader ist zusammengerückt

Im jungen deutschen Team ist in den drei vergangenen Wochen eine fast trotzige Stimmung entstanden, die den dreimaligen Weltmeister trotz des Verletzungspechs von dem ersten Gruppenspiel am 13.Juni in Durban an zu einer Überraschung treiben soll. “Der Kader ist immer enger zusammengerückt”, sagte Löw, der auch nach dem bitteren Auswahlverfahren den Blick schnell nach vorne richtete. “Am Ende muss sich der Spieler auch vor Augen führen, dass es eine Ehre und Auszeichnung war, hier dabei gewesen zu sein”, erklärte Oliver Bierhoff nüchtern, bevor für den deutschen Tross heute von Bozen aus der kurze Flug nach Frankfurt und das Abschlusstraining für die WM-Generalprobe anstehen. Der Manager warnte davor, die gelöste Atmosphäre als Garant für eine erfolgreiche Endrunde zu sehen. “Die Stimmung ist gut, das muss jetzt aber auch mit Leistungen auf dem Platz umgesetzt werden”, forderte Bierhoff.

Der WM-Projektleiter Löw präsentierte sich in den Vorbereitungstagen trotz aller bleibenden Fragezeichen entspannt und zugleich sehr fokussiert. Über einen Fluch, der über seinem Team liegen könnte, denke er gar nicht nach. “Wir werden uns weiter nicht beirren lassen”, sagte der Bundestrainer. Seinen Plan hat er bisher ohne Kompromisse durchgezogen.

Der endgültige WM-Kader

Tor: Manuel Neuer (FC Schalke 04) , Tim Wiese (Werder Bremen), Jörg Butt (FC Bayern München).

Abwehr: Arne Friedrich (Hertha BSC), Dennis Aogo (Hamburger SV), Holger Badstuber (FC Bayern München), Jerome Boateng (Hamburger SV), Philipp Lahm (FC Bayern München), Per Mertesacker (Werder Bremen), Serdar Tasci (VfB Stuttgart).

Mittelfeld: Marcell Jansen (Hamburger SV), Sami Khedira (VfB Stuttgart), Toni Kroos (Bayer Leverkusen), Marko Marin (Werder Bremen), Mesut Özil (Werder Bremen), Bastian Schweinsteiger (FC Bayern München), Piotr Trochowski (Hamburger SV).

Sturm: Cacau (VfB Stuttgart), Mario Gomez (FC Bayern München), Stefan Kießling (Bayer Leverkusen), Miroslav Klose (FC Bayern München), Lukas Podolski (1. FC Köln), Thomas Müller (FC Bayern München).

(STZ 1.6.10)

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