26. August 2013

Rien ne vas plus, Bruno

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , – Franky @ 20:14

Bilder von der Niederlage in Augsburg sind jetzt online. Nach einer desolaten Vorstellung beim Abstiegskandidaten hatten die Vereinsoberen ein Einsehen und erlösten Labbadia von dem Bösen (Stuttgarter Umfeld). Meiner Ansicht nach viel zu spät, krebste der VfB doch spätestens seit dem fast so miserablen Start in der Vorsaison von Krise zu Krise, von Debakel zu Debakel, von Blamage zu Blamage.

In diesem Zeitraum gelang ein sehr gutes Spiel, nämlich das 5:1 in Bukarest, also so etwas wie ein lichter Moment. Fast alle anderen Spiele waren mehr schlecht als recht. In der Europa League stolperte man durch die Gruppenphase, die man trotz Heimniederlage gegen den internationalen Top-Club Molde FK aufgrund der Schützenhilfe von Steaua Bukarest überstand. Da wir in der Vorsaison offensichtlich das Losglück gepachtet hatten erwischten wir mit dem KRC Genk für das Sechzehntelfinale die denkbar lösbarste Aufgabe, die wir trotz Heim-Remis meisterten. Hannover scheiterte am Öl-Oligarchen-Club Machatschkala, Leverkusen an Benfica Lissabon, Mönchengladbach an Lazio Rom, gegen die wir eine Runde später ebenfalls die Segel streichen mussten, und schon waren wir das deutsche Team, das in der Europa League am weitesten kam. Meiner Meinung nach kein Grund, sich etwas darauf einzubilden.

Im DFB-Pokal zogen wir nach Pflichtsiegen in Babelsberg gegen Falkensee-Finkenkrug, sowie Heimspielen gegen St. Pauli, den 1. FC Köln, VfL Bochum und den SC Freiburg ins Pokalfinale in Berlin ein. Das DFB-Pokalfinale ist immer ein Highlight und dabei sein ja bekanntlich alles. Danke dafür. Richtig etwas darauf einbilden hätten wir uns nur etwas können, wenn wir den Pott in den Berliner Nachthimmel stemmen hätten können. Gegen die übermächtigen Bayern kam der VfB nach dem 0:3 zwar zurück und verkürzte noch auf 2:3, mehr war aber nicht drin. Auch das ist kein Grund in Euphorie auszubrechen, jüngst kamen wir auch in Mainz und Augsburg zurück und haben trotzdem null Punkte auf dem Konto! Dennoch reichte diese Finalniederlage, um auch in dieser Saison an der Europa League teilzunehmen, allerdings nur deshalb, weil die Bayern in der Champions League spielen. Sportlich qualifiziert haben wir uns nicht!

Die Bundesligasaison war sowieso ohne Worte, Platz zwölf, fußballerische Magerkost, lediglich fünf Heimsiege, dazu Blamagen gegen die Bayern, Hoffenheim, Hannover, Freiburg, Düsseldorf, Bremen, Augsburg. Es schien gerade so, das Team ließe kein Fettnäpfchen aus und der Trainer habe keine Mittel diesem Treiben und der Unordnung auf dem Platz entgegen zu wirken.

Trotz dieser Stagnation, trotz Brunos öffentlichem Bekenntnis mit dem Stuttgarter Umfeld nicht warm zu werden, setzte sich Fredi Bobic plötzlich in den Kopf, den Vertrag mit Labbadia bis Ende Januar 2013 verlängert haben zu wollen. Ich hatte es schon damals in der Sache für falsch gehalten und den Druck, den er aufbaute, für völlig unnötig empfunden. Wie wir heute wissen, ein riesen Fehler! Wenn ich nach zwei Jahren beim Team keine Fortschritte erkenne, keinen Spieler benennen kann, der unter diesem „Trainer“ besser geworden ist, wenn ein Trainer öffentlich bekennt, dass wir unter diesen Voraussetzungen nicht mehr erwarten dürften, dann belohne ich ihn doch nicht mit einer Vertragsverlängerung, sondern lasse den Vertrag zum 30.06. auslaufen. Dann hätte die Möglichkeit bestanden, schon im Januar an einem Anforderungsprofil des neuen Mannes zu arbeiten und diesen zum 01.07. auch notfalls aus einem Vertrag heraus zu kaufen.

So ging man also mit einem Trainer, der unter dem Strich eines der katastrophalsten Jahre der VfB-Bundesligageschichte zu verantworten hatte, in die noch junge Saison. Zwar wurde das Team vor allem in der Breite verstärkt, Labbadia verstand es aber erneut nicht, ein Team daraus zu formen. In der Vorbereitung wurde die Start-Elf jedes Mal aufs Neue wild ausgewürfelt und zusätzlich noch während der Spiele komplett durchgewechselt. Es wurde nicht im Ansatz versucht, eine Stamm-Elf einzuspielen. Die Spielweise war ein Spiegelbild derer in der Vorsaison, Kreativmomente Mangelware und in der Abwehr anfällig, unter dem Strich viel zu einfach auszurechnen. Dass dann noch unsere Stamm-Innenverteidigung gleichzeitig ausfällt, ist natürlich bitter. Wenn aber das Kollektiv ohnehin nicht funktioniert, Führungsspieler nicht vorhanden sind oder mit eigenen Formschwächen zu kämpfen haben, ein dänischer Nationalspieler der bewiesen hat, ein Spiel ordnen zu können, plötzlich völlig außen vor ist, dann fällt es natürlich schwer Ausfälle zu kompensieren und jungen Spielern, die reingeworfen werden, zu helfen. Hier ist dann jeder auf sich alleine gestellt, es rächen sich Versäumnisse aus der Vergangenheit.

Ich bin Labbadia für den Klassenerhalt 2010/11 dankbar, für mehr aber auch nicht. Die darauf folgende Saison mit Platz sechs war ordentlich, auch wenn die Auftritte zumeist nicht vergnügungssteuerpflichtig waren, das Endergebnis stimmte wenigstens. Ich denke, das Stuttgarter Umfeld ist gar nicht so schlimm. Man erwartet nicht immer einen Champions League Platz und anerkennt auch, wenn der Gegner einfach besser ist und vom VfB alles gegeben wurde. Wenn die Trikots schmutzig und die Spieler ausgepowert sind, wenn sie selbst nichts vorzuwerfen haben, akzeptiert der kritische Schwabe eine Niederlage und auch eine Niederlagenserie. Wenn aber Fußballnachmittage mit dem VfB zur Qual verkommen, wenn Fußball nur noch gearbeitet und nicht mehr gespielt wird, wenn aufgrund taktischer Zwänge die kreativen Momente zu kurz kommen, wenn sich die Verbissenheit des Trainers auf die Spieler überträgt, wenn die Köpfe unten sind, wenn unerklärliche technische Defizite und Konzentrationsmängel öfter zu beobachten sind wie gelungene Spielzüge, wenn Standards zu hunderten im Nichts landen, wenn Flanken reihenweise auf Kniehöhe in den Strafraum segeln, wenn man sich fragt, was und ob überhaupt trainiert wird, dann bruddelt der Schwabe nun mal und das auch zu Recht.

Daher kann ich die ganzen Lobes- und Dankeshymnen auf Labbadia überhaupt nicht nachvollziehen und bin froh, dass wir fürs erste einmal erlöst sind.

Leider ist die Bundesliga ja ein verlogenes Geschäft, in dem jeder von jedem gut lebt und ja nicht mit der Wahrheit um die Ecke rücken möchte. Sonst könnte man auch noch etwas weiter hinterfragen, ob Labbadias Liaison mit Frau Trochowski ein einmaliger Ausrutscher war, oder die Gerüchte doch stimmen, dass er sich auch im Schwabenland an Spielerfrauen herangemacht hat. Und, wie das Verhältnis von Sözer zur Mannschaft wirklich war. Dies wären natürlich auch noch Punkte, die eine Mannschaft bocken lassen könnten. Es wird ja stets behauptet, das gäbe es nicht, dass eine Mannschaft gegen den Trainer spielt, für mich sah es in den letzten Monaten so aus, dass die Mannschaft das Trainerteam zum Abschuss freigegeben hat. Leider wurden von Bobic diese Alarmsignale erst jetzt erhört!

Soviel mein Blick zurück. Jetzt liegt es an jedem einzelnen Spieler Eier zu zeigen und den VfB dorthin zurück zu führen, wo er hingehört, nämlich zumindest einmal in die obere Tabellenhälfte.

Thomas Schneider halte ich für eine gute Wahl als Nachfolger. Ihm eilt ein exzellenter Ruf voraus, er kennt den Verein und auch den Nachwuchsbereich, er identifiziert sich mit der Aufgabe hier und gilt als ein großes Trainer-Talent. Wie er mit gestandenen Bundesliga-Profis umgehen kann, ob er eher ein Kumpel-Typ ist oder einer, der auch knallhart seine Vorstellungen umsetzen kann, wird sich erweisen. In erster Linie sind es die Spieler, die jetzt beweisen müssen, dass sie besser sind, als das was sie in letzter Zeit gezeigt hatten. Schneider wird hoffentlich schon in den letzten Wochen, als sich abzeichnete, dass es in diese Richtung gehen könnte, genau hingeschaut haben, wie seine erste Elf aussehen könnte und wer womöglich dem Teamspirit nicht zuträglich ist. Bis zum 02.09. noch läuft die Sommerwechselperiode, ein paar Tage Zeit wäre also noch, den einen oder anderen weg zu transferieren oder auch noch jemanden zu holen.

Seit heute sehe ich wieder weitaus optimistischer in die VfB-Zukunft als das gestern noch der Fall war. Zuletzt fragte ich mich, gegen wen der VfB überhaupt noch gewinnen könnte, jetzt bin optimistisch, dass wir gegen Rijeka weiter kommen können, wenn die Akteure auf dem Rasen ihre Fesseln ablegen können und einfach wieder Fußball spielen.

Die Situation erinnert mich irgendwie an Christian Gross‘ erstes Spiel, als man zuvor ein halbes Jahr kein Tor auf Seite der abgerissenen Untertürkheimer Kurve schoss und dann in seinem ersten Spiel gegen Urziceni innerhalb von acht Minuten drei Mal einnetzte. Ein solcher Knalleffekt wäre für das dann folgende Spiel gegen Hoffenheim sicherlich förderlich und würde dem Team wieder Selbstvertrauen einimpfen, um am Sonntag auch den ersten Sieg in der Liga einzufahren.

Daher ist das heute meiner Meinung nach ein guter Tag für den VfB Stuttgart, der Hoffnung auf wieder bessere Zeiten macht.

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29. Juli 2012

Trainingslager in Donaueschingen

Vom 23. bis 27.7.12 hielt ich mich in Donaueschingen auf und besuchte alle Trainingseinheiten während dieser Zeit unseres VfB. Bilder davon gibt es in den Bildergalerien auf www.Frankys-Stadionpics.de Fünf Tage in Donaueschingen sind mehr als ausreichend, nicht zuletzt, da wir vor zwei Jahren bereits mit dem VfB dort waren und die “Stadt” langsam in- und auswendig kennen. Zudem ist der Aufenthalt nicht gerade fanfreundlich. Am Trainingsplatz gibt es weder ein Vereinsheim, noch einen Getränkeverkauf, noch Toiletten, und das bei Temperaturen von teilweise 35°. Die Infrastruktur und das Ambiente waren in Leogang und Längenfeld um Klassen besser. Fragt man mich heute, werde ich sicher nicht noch ein drittes Mal nach Donaueschingen gehen.

Meine Eindrücke von der Mannschaft sind im Grunde positiv. Wer jetzt aufschreit, weil der VfB nicht den oft zitierten Kracher verpflichtet hat, ist wahrscheinlich der selbe, der sich über wahnsinnige Personalkosten aufregt und dass der Nachwuchs nicht zum Zuge kommt. Der VfB ist Junioren-Rekordmeister und hat die beste Reserve in ganz Deutschland. Aus diesem Faustpfand muss endlich wieder Kapital geschlagen werden. Ich habe großes Vertrauen in die Arbeit von Fredi Bobic. Seine Transfers saßen allesamt, Camoranesi in der Anfangszeit mal ausgenommen. Die Strukturreformen greifen langsam und der VfB bewegt sich unaufgeregt auf dem Transfermarkt und macht mehr durch Taten als durch Worte auf sich aufmerksam. Die Jungs, die von der zweiten Mannschaft aufgerückt sind, machen einen technisch versierten Eindruck und werden es in dieser Saison wissen wollen. Durch die vielen namhaften Abgänge (übrigens KEIN Stammspieler) werden sie zwangsläufig zu mehr Einsatzzeiten kommen und sich zeigen können. Alle Positionen sind doppelt besetzt. Einzig, ein Ausfall Ibisevics dürfte schwer zu kompensieren sein und müsste wohl mit einer Systemänderung einhergehen. Ein wenig Bauchschmerzen bereitet mir auch die Olympia-Teilnahme Sakais. Sonst bin ich sehr optimistisch, dass der Stuttgarter Weg nicht so schlecht ist, wie er oft dargestellt wird!

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18. Oktober 2010

Fehlentscheidung im Schalke-Spiel

Und der Linienrichter hebt die Fahne

Die Fernsehkameras müssen ausbleiben, als Florian Meyer und seine Assistenten, die Herren Glindemann und Frank, weit nach dem Schlusspfiff Asche auf ihr Haupt streuen. Jeder habe gesehen, dass man beim 2:2 des VfB auf Schalke eine folgenschwere Fehlentscheidung getroffen habe, erklärt das Schiedsrichtergespann im kleinen Kreis, es bleibe nichts anderes übrig, als sich zu entschuldigen. Fredi Bobic fällt es jedoch sichtbar schwer, sich damit zu begnügen. “Es bringt uns nichts mehr, wenn sich die Schiedsrichter ständig entschuldigen, das geht mir auf den Keks. Uns fehlen die Punkte”, faucht der Manager des VfB. Bereits zum dritten Mal in dieser Saison ist den Stuttgartern ein glasklares Tor aberkannt worden. In Nürnberg (1:2) zählte der Kopfballtreffer von Pavel Pogrebnjak nicht, gegen Eintracht Frankfurt (1:2) durfte Cacau nur kurz über den vermeintlichen Ausgleich in der Schlussminute jubeln – beide Male wegen eines angeblichen Foulspiels, das keines war.

Im Abseits soll nun Serdar Tasci vor dem Treffer von Cacau gestanden haben. Tat er aber nicht, was für den VfB erneut sehr bitter war, da es vor der Pause die 2:0-Führung bedeutet hätte. “Für so etwas brauche ich nicht einmal eine Zeitlupe, das habe ich in realer Geschwindigkeit erkannt, dass das nie und nimmer abseits war”, sagt Bobic. In allen drei Fällen waren es die Linienrichter, die verhängnisvollerweise ins Spiel eingriffen. Sönke Glindemann hieß auf Schalke der Mann, der an der Seitenlinie stand – und der auch in der zweiten Hälfte seine Fahne hob, als Christoph Metzelder im Luftkampf mit Tasci “wie vom Blitz getroffen” (Bobic) zu Boden ging. Elfmeter, so signalisierte er seinem Chef, “obwohl Metzelder klar im Abseits stand”, wie Bobic meint.

“Wir werden permanent benachteiligt”

Die Schlussfolgerung des VfB-Managers: “Der Linienrichter hat versucht, uns das Genick zu brechen.” Eine derartige Häufung solch spielentscheidender Fehler seitens der Schiedsrichter, die den VfB bis zu sechs Punkte gekostet haben, will Bobic in seiner Karriere noch nie erlebt haben. “Das ist ja Wahnsinn, so langsam habe ich den Eindruck, die Assistenten leiten das Spiel”, sagt er und will künftig nicht mehr tatenlos zuschauen. Er wolle zwar keinen ganz großen Aufschrei, “aber ich will den Finger immer wieder in die Wunde legen. Denn es ist nun einmal eine Tatsache, dass wir permanent benachteiligt werden.” Gezielte Nadelstiche in Richtung der Schiedsrichter will Bobic setzen, auf dass sie in Zukunft im Zweifel für den VfB entscheiden.

Und es dürfte ihn bestärken, dass sich auch der Schalker Trainer Felix Magath vor dem Spiel gegen seinen Exclub öffentlich vehement über die Schiedsrichter beschwert hatte – und sich prompt über eine aus seiner Sicht sehr wohlwollende Regelauslegung freuen durfte. Eine andere Idee von Fredi Bobic, grobe Schiedsrichterfehler künftig zu vermeiden, dürfte hingegen schwer umsetzbar sein: “Vielleicht stellen wir ja einen Antrag, künftig ohne Linienrichter zu spielen.”

(STZ 18.10.2010)

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28. Juli 2010

Bobic ist neuer Sportdirektor

Der VfB sollte sich so langsam einmal die IHK-Plakette mit der Aufschrift “Hier wird ausgebildet” besorgen und sie an die Glastür des Vereinszentrums kleben. Der Stuttgarter Bundesligist eröffnet nämlich nicht nur jungen Fußballern beste Berufsaussichten, sondern seit geraumer Zeit auch Managern. Auf Horst Heldt, der beim VfB die Chance erhalten hatte, sich in dieser Position zu profilieren, folgt nun das unbeschriebene Managerblatt Fredi Bobic. Bisher hat Bobic lediglich in Bulgarien erste Erfahrungen als Sportchef gesammelt. Doch der Mut zum Risiko ist beim VfB-Präsidenten Erwin Staudt und dessen Vorstandskollegen Ulrich Ruf nicht so ausgeprägt, wie es diese Personalie auf den ersten Blick vermuten lässt.

Die Vereinsführung kann darauf bauen, dass ein noch unerfahrener Manager einfacher steuerbar ist als ein arrivierter Vertreter dieser Zunft. Der ehemalige VfB-Stürmer Bobic dürfte dem Club zunächst einmal dankbar dafür sein, die große Chance seines zweiten Berufslebens erhalten zu haben. Eine Konstellation, die zunächst Ruhe verspricht – das ist keine schlechte Basis.

Bobic, als Spieler bekannt für seine deutlichen Worte (“Schiedsrichter, du blinde Bratwurst”), wird sich künftig deutlich diplomatischer ausdrücken, loyal verhalten und hoffen, dass er irgendwann in den Vorstand aufrückt. Selbst diese weitere Beförderung hatte Horst Heldt als Zeichen der Wertschätzung aber nicht genügt. Er wanderte zum FC Schalke ab. Sollte auch Fredi Bobic einmal solch ein lukratives Angebot bekommen, dann hätte er eine sehr ordentliche Arbeit als Manager abgeliefert – und der VfB als Ausbildungsbetrieb.

(STZ 27.7.10)

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26. Juni 2010

Horst Heldt vor dem Absprung

Auf der gestrigen Pressekonferenz ließ Christian Gross die Bombe platzen: Horst Heldt verlässt den VfB mit sofortiger Wirkung in Richtung Schalke 04 zu seinem Ziehvater Felix Magath und würde sich noch am gestrigen Freitag von der Mannschaft verabschieden. Laut VfB-Pressemeldung habe sich am Vertragsverhältnis zwischen dem VfB Stuttgart und Horst Heldt jedoch noch nichts geändert. Nach einem Bericht der Bild-Zeitung reagierte der VfB-Präsident daraufhin auch etwas verschnupft aufgrund des Vorpreschens von Christian Gross. Über dessen Beweggründe kann ich nur mutmaßen, dass er möglicherweise Angst hat vor einem entstehenden Vakuum in einer Zeit, in der ein Manager eines Bundesligavereins eigentlich den Kader der anstehenden Saison zusammenzustellen hat. Wie meistens dürfte es hier nur noch ums Geld gehen, die Tatsache, dass Heldt den VfB verlässt, aber unwiderruflich feststehen. Herr Gross wird auch schon mitbekommen haben, dass schnelle Entscheidungen nicht die Sache des VfB-Vorstands sind. Daher sehe ich dies eher als eine Art des Wachrüttelns, um in dieser Phase der Kaderplanung keine wertvolle Zeit ungenutzt verstreichen zu lassen.

Herr Heldt fühlt sich also vom VfB unterbezahlt und nicht genügend wertgeschätzt. Den Vorwurf der mangelnden Wertschätzung hat er sich wohl von Cacau abgeschaut, der mit ähnlichen Worten seinen angekündigten Abschied begründete. Diese Argumentation konnte ich aber noch nachvollziehen, da ja Konkurrenten im Kader stehen, die bei geringerer Leistung mehr verdienten als Cacau, der jahrelang und meist konstant und loyal die Knochen für den VfB hingehalten hat. Heldt dagegen hat schon eine besondere Wertschätzung erfahren, als man den gelernten KFZ-Mechaniker vom Spieler direkt zum Manager berief, ohne jede kaufmännische Ausbildung. Er durfte sich weitestgehend austoben auf Kosten des VfB, da es an sportlicher Kompetenz in der VfB-Führung mangelt. Er hat in seiner Amtszeit mehr Flops als Kracher verpflichtet, viel zu lange an seinem Freund Markus Babbel festgehalten und über die Jahre einen Kader von mehr als 30 Spielern angehäuft. Erst seit Gross da ist, werden Spieler ohne Perspektive abgegeben und der Kader ausgedünnt. Er schaffte es nicht, einen adäquaten Nachfolger für Mario Gomez zu verpflichten und ließ sich wochenlang von Huntelaar an der Nase herumführen, um schließlich Pavel Pogrebnjak als Notlösung zu verpflichten, nachdem der Stürmermarkt eine Woche vor Saisonbeginn abgegrast war. Gerade bei Mario Gomez zeichnete es sich ein Jahr lang ab, dass er den Verein verlassen würde. Ein guter Manager hätte hier schon längst Plan B in der Tasche haben müssen, um umgehend auf den Weggang reagieren zu können. Dazu holte er Hleb zurück für ein horrendes Gehalt und in einem unfitten Zustand. Auch da hätte er genauer hinschauen müssen. Auch ich hatte gejubelt, als er zurück kam. Allerdings ging ich davon aus, dass er Gehaltseinbußen in Kauf nahm, um Spielpraxis zu erhalten. So verdiente er mehr als doppelt so viel wie der Großteil der anderen Spieler, was unweigerlich zu Neid innerhalb der Mannschaft führen musste, zumal er ja auch keine Gegenleistung dafür brachte.

Schon traditionell schafft es Heldt nicht, den Kader bis zum Auftakttraining komplett zu haben und holt immer wieder kurz vor Transferperiodenende noch den ein oder anderen Ladenhüter. Auch dieses Vorgehen ist für mich verantwortlich dafür, dass wir in der Vorrunde nicht in die Gänge kommen und stets einen Stotterstart hinlegen.

Trotz einiger Fehler wurde er im vergangenen Jahr in den Vorstand berufen. Soviel zu mangelnder Wertschätzung. Aufgrund der Vereinssatzung, nach der ein Vorstand für 4 Jahre bestellt wird, wurde sein Vertrag, sicher verbunden mit einer Gehaltserhöhung, bis 2013 verlängert. Wenn er sich jetzt unterbezahlt fühlt, weshalb hat er den Vertrag dann unterschrieben? War er nicht bei Sinnen? Muss man ihm hier nachträglich die Zurechnungs- oder Geschäftsfähigkeit absprechen? Hat sich ein Vorstand nicht seinem Verein gegenüber loyal zu verhalten? Hat er nicht auch eine Verantwortung den Mitgliedern gegenüber? Muss ein Vorstand nicht so lange die Geschäfte weiterführen, bis die Vorgänge an einen Nachfolger übergeben wurden? Warum gibt es eigentlich nicht, wie in der Wirtschaft, ein Wettbewerbsverbot? So könnte er doch schon jetzt in der Sommerpause mehr für Schalke als für den VfB tätig gewesen sein. Kein Wunder, dass uns seit Saisonende keine wirkliche Verstärkung präsentiert wurde.

In der Bundesliga scheinen solche Tugenden nicht zu gelten. Ein Manager, der von Spielern Vertragstreue einfordert, macht sich selbst auf eine solche Art und Weise vom Acker. Es bleibt ihm zu wünschen, dass er von Spielern in seiner weiteren Karriere stets mit diesem Vorgehen konfrontiert wird.

Angeblich soll er beim VfB zuletzt 1,5 Millionen Euro pro Jahr verdient haben, bei Schalke sollen es 3 Millionen sein. Ein Verein wie Schalke 04, der weit mehr als 100 Millionen Euro Schulden haben soll, leistet sich also zum wohl bestbezahlten Trainer er Liga noch einen hochbezahlten Lakaien für diesen. Felix Magath hat im kicker erklärt, eine Ablösezahlung an den VfB würde nicht erfolgen, sie nähmen Heldt erst unter Vertrag, wenn er seinen Vertrag beim VfB aufgelöst hat. Das heißt mehr oder weniger, Heldt soll seinen Rausschmiss beim VfB provozieren und an dem arbeitet er emsig. Er erklärte ja, das Vertrauensverhältnis wäre zerstört, kündigte an, weder beim Trainingsauftakt der Roten noch beim Trainingslager in St. Moritz an Bord zu sein.  Stilloser kann die Trennung kaum herbeigeführt werden. Dass Magath wieder die Finger im Spiel hat, macht mich richtig wütend. Er weiß schließlich, wie man ohne Nachteile den VfB über den Tisch ziehen kann, und aus einem Vertrag ohne eigenen Schaden herauskommt. Er selbst hatte dem VfB bei seinem Weggang mit einer Babypause gedroht, würde man ihn nicht zu den Bayern ziehen lassen. Wenn es um den eigenen Geldbeutel geht, lassen die Herren jeden Anstand vermissen und es gelten keine guten Sitten mehr. Undank ist der Welt Lohn. Heldt sollte einmal darüber nachdenken, welche Chance der VfB ihm geboten hat für die Karriere nach der Karriere. Bei Schalke wird er weitaus weniger Macht besitzen als beim VfB und mehr oder weniger Erfüllungsgehilfe von Magath und das Bindeglied zu Tönnies sein. Einen Vorteil hat er dort natürlich gegenüber den Begebenheiten beim VfB. Er darf dort Geld ausgeben, was der Verein nicht hat und den Verein endgültig gegen die Wand fahren. Hier wünsche ich ihm ausdrücklich viel Erfolg.

Der VfB kann aber auch froh sein, dass dieses Kapitel jetzt endet. Ein klares Bekenntnis von Heldt zum VfB fehlte mir schon immer. Magath versuchte ihn ja auch schon zum VfL Wolfsburg zu lotsen. Vor Jahresfrist baggerte schon einmal Schalke 04 an ihm, woraufhin er ja dann in Vorstand berufen wurde. Zuletzt kokettierte er noch mit einem Angebot vom HSV. Hier muss ich ganz klar sagen: “Reisende soll man nicht aufhalten”. An Stelle des VfB würde ich jedoch auf eine der Vertragslaufzeit angemessene Ablösesumme pochen. Die kolportierten 1,5 Millionen erscheinen mir eher noch als zu gering. Schließlich wird uns ein der Position nach wichtiger Mann herausgerissen und das in einer Zeit, in der mit vollem Eifer an der Zusammenstellung des neuen Kaders gearbeitet werden sollte. Hätte man hier während der Saison Nägel mit Köpfen gemacht, wäre es nicht so problematisch gewesen und der VfB hätte sich in Ruhe nach einem Nachfolger umschauen können. Jetzt aber drängt die Zeit. Daher erhoffe ich mir, dass der VfB auch ein wenig mit den Muskeln spielt und sich nicht alles gefallen lässt. Es scheint klar, dass der Abgang von Heldt unumgänglich ist, dennoch sollte der VfB hier als Hüter der guten Sitten auftreten und sich den Vertragsbruch fürstlich entlohnen lassen.

Bei der Frage nach dem Nachfolger habe ich einen Favoriten: Fredi Bobic. Er war zu seiner Zeit als Spieler sehr beliebt, kommt aus dem Hallschlag und identifiziert sich 100%ig mit dem VfB. Klar, auch er folgte dem Lockruf des Geldes und verließ den VfB in einer sportlich schwierigen Zeit in Richtung Dortmund. Da er weder dort noch bei seinen weiteren Stationen wie Bolton Wanderers, Hannover 96 und Hertha BSC richtig glücklich wurde, wird er den Schritt sicher bereuen. Der VfB liegt ihm nach wie vor am Herzen und er ist wieder sehr nah dran am Wasen. Er hat sich seine ersten Leviten durch diverse Praktika und zuletzt seiner Managertätigkeit in Burgas erworben. Ob er seinen Freund Krassimir Balakov dort jedoch im Stich lassen kann bzw. will kann ich nicht beurteilen. Der Verein hat angeblich signalisiert, ihm keine Steine in den Weg legen zu wollen.

Von den anderen möglichen Kandidaten wie Oliver Kreuzer, Guido Buchwald, Karl-Heinz Riedle und Andreas Müller hielte ich Letzteren für den Wahrscheinlichsten. Er hat den Manager-Job bei Schalke von der Pike auf gelernt und ging bei einem der Besten dieses Fachs, Rudi Assauer, in Lehre. Die langjährige Tätigkeit auf Schalke könnte aber auch das K.O.-Kriterium sein, ist doch derzeit bei uns auf Schalke keiner gut zu sprechen. Auf Schalke war ihm das Glück auch nicht hold. Er lag bei etlichen Transfers und der Verpflichtung von Fred Rutten als Trainer total daneben. Aufgrund seiner Vergangenheit hätte er beim VfB sicher von Anfang an einen schweren Stand und würde von Einigen nicht akzeptiert werden.

Weitere Kandidaten, wenn man in diversen Foren mitliest:

Jens Lehmann: hat natürlich Ausstrahlung und Ahnung und Erfahrung im Fußball. Er selbst hat aber schon verlauten lassen, dass er in den nächsten Monaten erst einmal ausspannen und Dinge machen möchte, zu denen er während seiner Profi-Laufbahn nicht kam. Daher kann ich es mir nicht vorstellen, dass er schon bereit wäre.

Oliver Kahn: sicher mit enormer Reputation und guten Kontakten. Aufgrund seiner KSC- und Bayern-Vergangenheit im Schwabenland aber schwer vermittelbar. Zudem ebenfalls ohne Manager-Erfahrung.

Andreas Rettig: sicher ein Guter, auch wenn er in Freiburg, Köln und Augsburg die ganz großen Erfolge auch nicht vorweisen kann. Aber zumindest einer mit Manager-Erfahrung und gerade dabei mit Augsburg etwas Großes aufzubauen.

Dietmar Beiersdorfer: Leistete beim HSV gute Arbeit, biss sich aber am publicitygeilen Vorstandsvorsitzenden Hoffmann die Zähne aus. Derzeit bei Red Bull in Salzburg beschäftigt. Wäre keine schlechte, aber sicher sehr teure Lösung.

Daher würde es mich freuen, wenn Fredi Bobic zurück käme. Angeblich gab es schon ein erstes Treffen mit VfB-Verantwortlichen, bei dem er sein Konzept darlegte. Wenn das stimmt, wäre er nicht abgeneigt und es würde die Möglichkeit der Rückkehr bestehen. Ich denke, Fredi müsste sich nicht allzu lange einarbeiten und kennt das Umfeld auf dem Wasen. Er weiß, welche Problemfelder es gibt und wo er ansetzen müsste. Fredi ist ein Roter durch und durch und würde sich sicherlich mit der Aufgabe weitaus mehr identifizieren als es Horst Heldt getan hat. Ich könnte mir sogar vorstellen, dass dies der absolute Traumjob für ihn wäre. Dass Fredi nah dran ist am VfB und sich auskennt, beweist er regelmäßig in diversen Sportsendungen, bei denen er stets ein gefragter Talkgast ist. Er ist ein Typ mit Ecken und Kanten, der auch mal unbequem sein kann, sowohl nach innen als auch nach außen. Dessen muss sich unsere Vereinsführung natürlich bewusst sein. Wenn Heldt beklagt, er hätte keinen Gestaltungsfreiraum gehabt, ist sicher auch die Vereinsführung zu hinterfragen. Es muss ein Neuanfang her, in jeder Hinsicht. Was Heldt mit “mangelndem Gestaltungsfreiraum” meinte, kann man als Außenstehender natürlich nicht beurteilen. Da sich aber zuvor schon Rüssmann und Magath ähnlich beklagt hatten, sollten auch die Strukturen, die Dienstwege und Kompetenzen in der Vereinsführung auf den Prüfstand gestellt werden. Wobei man gerade bei den Herren Magath und Heldt nicht weiß, ob solche Aussagen nur den (unrühmlichen) Abgang beschleunigen sollten.

Der VfB wäre gut beraten, diesen Neuanfang als Chance zu begreifen und die Kompetenzen des neuen Managers zu überdenken und neu zu regeln, dass dieser den Handlungsspielraum bekommt, den er benötigt.

Dem neuen Manager, wer immer es auch sein mag, wünsche ich auf jeden Fall vorab viel Glück und ein gutes Händchen. Ich erhoffe mir, dass die Chemie zwischen ihm und Christian Gross stimmen mag und sie vertrauensvoll zusammen arbeiten werden. Eine vertrauensvolle Zusammenarbeit war angeblich zwischen Heldt und Gross nicht gegeben.

Horst Heldt wünsche ich auf Schalke Spieler, die das gleiche Verhalten an den Tag legen, wie er selbst, dass Heldt im Kohlenpott ähnlich viel Geld verbrennt wie beim VfB und somit Schalke noch weiter dem (finanziellen) Abgrund entgegen taumelt. Dann bin ich auf die Wertschätzung gespannt, die er vom Schalker Anhang erfährt. J Aber er ist ja Manager ohne Vereinsbindung und wird sicher weiter ziehen… Er weiß ja, wie es geht.

So, das musste jetzt mal raus. Ich melde mich wieder, dann wohl zur WM. Bis dahin, allen ein schönes Wochenende und viele Grüße

Franky

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