18. September 2018

Zu wenig!

Nach dem (O-Ton Reschke) schwierigen Auftaktprogramm mit Niederlagen im DFB-Pokal bei Hansa Rostock (dümpelt im Mittelfeld der 3. Liga) sowie in der Liga bei Angstgegner Mainz 05 und gegen die Münchner Bayern, sollte die Saison für den VfB mit Verspätung am 3. Spieltag beginnen.

Mit gleichlautenden Durchhalteparolen wurden wir in die Länderspielpause entlassen, ähnlich ist die Herangehensweise jetzt, nach dem Unentschieden in Freiburg und vor dem Heimspiel gegen Aufsteiger Fortuna Düsseldorf.

Korkut nennt es, gegen Düsseldorf den nächsten Schritt machen, während ich mich indes frage, welchen Schritt man denn im Breisgau getan hat. Eine katastrophale erste Halbzeit, in der es lediglich der Freiburger Abschlussschwäche zu verdanken war, dass wir nicht zur Pause hoffnungslos zurück lagen? War das ein Schritt zur Besserung? War es ein Schritt nach vorn, sich von eben diesen abschlussschwachen Freiburgern trotzdem drei Tore einschenken zu lassen?

Ich unterstelle einfach mal, dass es im weiteren Saisonverlauf nicht mehr sehr viele Teams geben wird, gegen die die Freiburger drei Tore schießen werden. War es ein Schritt nach vorn, es mit derselben destruktiven Ausrichtung wie gegen die Bayern zu versuchen? Nachdem gegen die Bayern schon mit Bekanntgabe der Aufstellung die weiße Fahne geschwenkt wurde, war die Hoffnung gegeben, dass Korkut gegen den ebenfalls noch punktlosen Abstiegskandidaten Freiburg vom Angsthasenfußball abrücken und mutiger agieren lassen würde.

Doch, nichts da, in Gonzalez und Gomez standen abermals ganze zwei Offensivkräfte zum Anpfiff auf dem Feld. Unser Spiel sollten doch tatsächlich über außen Castro und Gentner sowie zentral Aogo ankurbeln. Alles eher defensiv denkende Routiniers, jenseits der Dreißig und nicht (mehr) die Allerschnellsten.

Etwas, mit Verlaub gesagt, verarscht kommt man sich dann vor, wenn Korkut nach dem Spiel feststellt, dem VfB-Spiel habe die Schnelligkeit gefehlt. Schicke ich einen Traktor ins Formel 1-Rennen muss ich davon ausgehen, nicht hinterher zu kommen und vor allem, dass die Musik vorne ohne mich spielt.

Fast folgerichtig dauerte es gerade einmal 47 Sekunden, bis man dem Rückstand hinterherlaufen musste. Nach schlampigem Ballverlust von Gonzalez und weil Gentner den falschen Laufweg wählte und damit Gonzalez erst richtig in die Bredouille brachte (bevor sich jemand beschwert, weil ich unseren Capitano kritisiere – das hat Didi Hamann bei Sky so analysiert) ging es zu schnell für die Jungs vom Neckar.

An diesem Rückstand hatte der VfB lang zu knabbern und vermochte offensiv keinerlei Akzente zu setzen. Wie auch, wenn man hauptsächlich Spieler auf dem Feld hat, die den gepflegten Rückpass bevorzugen, anstatt das Spiel schnell zu machen und Überraschungsmomente zu schaffen. Korkut hatte sich vercoacht und riesiges Glück, dass die Freiburger aus der Stuttgarter Schwäche kein weiteres Kapital schlagen konnten. Dass der Ausgleich kurz vor dem Pausenpfiff der allererste Torschuss in der ersten Halbzeit war, spricht Bände.

Der Fußball in der Rückrunde war ebenso unansehnlich, aber, doch wenigstens erfolgreich. Damals galten für Korkut mildernde Umstände, musste er doch mit dem Spielermaterial auskommen, welches ihm gegeben war und musste er der über weite Strecken der Vorrunde (vor allem auswärts) verunsicherten Mannschaft Halt geben und sie ohne besondere Erwartungshaltung „einfach nur“ stabilisieren.

Mit Beginn der Vorbereitung aber haben sich die Vorzeichen geändert. Korkut durfte, so unterstelle ich es einfach mal, beim einen oder anderen Transfer mitreden, hätte Abgänge von Spielern, mit denen er nichts anfangen kann, forcieren können und hatte vor allem den Kader, manch einer spricht vom stärksten seit 2007, so früh beisammen, wie kaum einer seiner Vorgänger.

Da nach knapp zwei Monaten Vorbereitungszeit die Spiele aussehen, als würden die Jungs zum ersten Mal miteinander kicken und der Trainer mit unserem durchaus vorhandenen Potential nichts anzufangen weiß, bestätigt das den Ruf, der Korkut bei seiner Präsentation vorauseilte, nämlich dass er kein Trainer sei, der ein Team (weiter-)entwickeln könne.

In Freiburg retteten ihm Insúa mit einem Sonntagsschuss sowie Doppeltorschütze Mario Gomez den Allerwertesten. Die ersten VfB-Tore in dieser Saison überhaupt, die wohl gegen eine weniger naiv verteidigende Mannschaft so nicht fallen.

Dass man sich dann selbst nach zweimaliger Führung noch die Butter vom Brot nehmen ließ, ist völlig unverständlich. Freiburg erweckte nicht gerade den Eindruck, noch ein Tor machen zu können. Es war auch beileibe nicht so, dass man sich eines Sturmlaufs zu erwehren gehabt hätte und dennoch wechselte Korkut eine Viertelstunde vor Schluss defensiv und brachte Badstuber für Gentner.

Dadurch gab Korkut himself den Freiburgern das Signal für deren Schlussoffensive, anstatt mit einem schnellen Mann wie Donis auf die Entscheidung zu drängen.

Die Quittung in Form des Ausgleichs ließ nicht lange auf sich warten und war aufgrund des Spielverlaufs verdient. In einem von Fehlern auf beiden Seiten gespickten Spiel machte beim VfB dieses Mal Ron-Robert Zieler eine ganz unglückliche Figur. An guten Tagen lässt er wohl keinen der drei Schüsse rein! Zwei Tore in die kurze Ecke und ein Freistoßtor, bei dem die Mauer nicht gut genug gestellt war. Einen ähnlich schwarzen Tag erwischte Zieler zu Beginn der letzten Rückrunde in Mainz. Dieser hatte ihn nicht umgeworfen, wurde er danach doch der fast unüberwindbare Rückhalt, so dass ich guter Hoffnung bin, dass er auch dieses Mal darüber hinweg kommen wird.

Mario Gomez echauffierte sich über den Freistoßpfiff, was ich nicht ganz nachvollziehen kann. Andreas Beck lag auf dem Boden und wollte den Freistoß für sich bekommen. Diesem Wunsch verlieh er Nachdruck, indem er den Ball in die Hand nahm, ohne, dass der Schiedsrichter gepfiffen hatte. Eigentlich lernt man das in der E-Jugend, dass das Spiel erst unterbrochen ist, wenn der Schiedsrichter gepfiffen hat… Zwar ärgerlich in diesem Fall, doch, lamentieren hilft nicht weiter. Aus solchen Aussagen spricht die Unzufriedenheit über die Gesamtsituation, liest man zwischen den Zeilen.

Ein Remis ist in unserer Lage zum Sterben zu viel, zum Leben zu wenig. Natürlich ist es noch früh in der Saison, natürlich werden wir die Punkte für den Klassenerhalt noch früh genug eingefahren und doch weigere ich mich, in diese Allgemeinphrasendrescherei einzustimmen.

Punkte, die wir jetzt verschenk(t)en sind unwiederbringlich weg, ebenso wie das Pokal-Aus nicht mehr zu korrigieren ist. Sollte uns, dann (vermutlich wieder mit einem anderen Übungsleiter an der Seitenlinie) ein ähnlich formidabler Zwischen- oder Schlussspurt gelingen wie zum Ende der letzten Rückrunde, nach der uns gerade noch vier Punkte von einem Championsleague-Platz trennten, sind es gerade jene Punkte, denen wir nachtrauern werden.

Beklagt man sich seitens der Vereinsführung und der Spieler jetzt bereits über die Erwartungshaltung und erklärt Gegner wie Freiburg und Düsseldorf zu welchen auf Augenhöhe, gibt man Korkut und dem Team schon jetzt ein wunderbares Alibi, sich weiterhin nicht gerade überanstrengen zu müssen. Platz 15 dürfte auch mit halber Kraft zu erreichen sein.

In solchen Momenten und nach solchen Vorstellungen wünschte ich mir MV zurück, der rechtzeitig Alarm geschlagen und es nicht einfach so weiterlaufen lassen hätte.

Das zweite Jahr in der Bundesliga ist das schwerste, sagt man. Allerdings, für Vereine wie Hannover und den VfB, oder auch Köln und den HSV, sollten sie direkt wieder aufsteigen, gelten andere Maßstäbe als für Düsseldorf und Nürnberg.

Langjährige Bundesligisten sollten den Zweitligaaufenthalt zur Konsolidierung nutzen, sich von Altlasten befreien und mit neuer Stärke zurückkommen. Die Voraussetzungen beim VfB sind gegeben. Der Kader wurde hoffnungsvoll verstärkt, das Umfeld ist euphorisch, jetzt muss „nur“ noch der Trainer mitsamt seines Teams liefern.

Ich sehe den VfB schon jetzt am Scheideweg. Die Gefahr ist vorhanden, nicht nur die Anhängerschaft sondern auch einige Spieler zu vergraulen. Hatte man im Sommer seit langem mal wieder den Eindruck, der VfB sei wieder wer auf dem Transfermarkt und könne hoch gehandelte Talente zum VfB locken, weil man ihnen eine Perspektive aufzeigt, hier das optimale Umfeld für den nächsten Schritt vorzufinden, scheint sich das schon wieder ins Gegenteil umzuschlagen, worüber der eine oder andere sicherlich „not amused“ sein dürfte.

Spaß macht es den Jungs, wenn sie eingesetzt werden und herzerfrischenden Fußball spielen dürfen und nicht, wenn stets der Ältere den Vorzug erhält und ein Fußball gespielt wird, der nicht gerade vergnügungssteuerpflichtig ist.

Neuzugänge wie Maffeo und Borna Sosa brauchen Spielpraxis, um sich zu integrieren und ihrem Tatendrang freien Lauf zu lassen. Sind sie (zu) lange außen vor, werden sie resignieren, vor allem, wenn sie zur Kenntnis nehmen, dass sie sich zwar hinter Älteren, nicht unbedingt aber Besseren anstellen müssen.

Spieler wie Akolo, Thommy und Anastasios Donis müssen sich vor den Kopf gestoßen fühlen, wenn man im Sommer noch beteuert, man setze auf ihre Dienste und man im Ernstfall nicht den Mut aufbringt, sie Älteren vorzuziehen. Donis gegen die Bayern als einzige (fitte) Offensivkraft zu verheizen und der Meute, die ihn vehement forderte, damit verdeutlichen zu wollen, dass er doch nicht der Heilsbringer ist, ist Verarsche pur.

Dass der VfB im Juni völlig unnötig Tayfun Korkut’s Vertrag verlängerte, könnte uns bald teuer zu stehen kommen. Ich kann es mir nicht vorstellen, dass Korkuts Angsthasenfußball auf Dauer akzeptiert werden wird. Zudem scheint mir der Trainer gerade den Weg des geringsten Widerstands zu gehen, indem er sich mit den „Alten“ besser nicht anlegen möchte. Ob sie es ihm danken oder wann sie den Daumen gegen den Trainer senken, wir werden sehen!

Die von Vereinsseite stets angeprangerte überzogene Erwartungshaltung des VfB-Umfeldes kann ich nicht bestätigen. Kaum einer erwartet das Erreichen der Championsleague oder der Europaleague. Wenn das europäische Geschäft Folge einer geilen Serie sein sollte, nimmt man es zwar gerne mit, das hängt dann aber maßgeblich von der Konstanz oder Inkonstanz der Konkurrenz ab.

Was man jedoch erwarten können muss, ist, dass das vorhandene Potential ausgeschöpft wird und man bestrebt ist, ansehnlichen Fußball darzubieten. Wer ständig Hashtags nach dem Motto #wirsinddiegeilsten raus haut und mittels #jazumerfolg die Profiabteilung ausgliedert, darf sich nicht wundern, wenn die Erwartungshaltung steigt, und man sich mehr verspricht, als einen Punkt nach drei Spielen.

Wie dick das Band zwischen Korkut und Reschke, der ihn trotz großer Widerstände geholt halt, ist, wird sich zeigen, sollte gegen Fortuna Düsseldorf nicht gewonnen werden. Ich erwarte ein äußerst unangenehmes Spiel, wie fast immer, wenn es gegen Mannschaften geht, die Friedhelm Funkel betreut. Düsseldorf, als Abstiegskandidat Nummer eins gehandelt, ist achtbar in die Saison gestartet und hat bereits drei Punkte mehr auf dem Konto als der VfB. Ausgemusterte VfB-Profis wie Marcin Kaminski, Jean Zimmer und „Zimbo“ Zimmermann drücken den Rheinländern den Stempel auf, so dass man ihnen diesen Lauf fast schon gönnt.

Dies jedoch nicht am Freitag, da muss dem VfB der Befreiungsschlag gelingen, um den Saisonstart nicht völlig in den Sand zu setzen und einen ungemütlichen Herbst zu verleben. Bleiben die Ergebnisse weiterhin aus, sollte Reschke Korkut Ratschläge in Sachen Taktik geben, hat ja schließlich bei Hannes Wolf schon bestens funktioniert!

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26. April 2015

Rote Laterne zurückerobert!

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , , , – Franky @ 19:10

Aufgrund eines Kurzurlaubs langte es mir nach Augsburg nur zu einer Kurzanalyse auf Facebook, so dass ich meine Gedanken dazu mit der Analyse des Freiburg-Spiels vermische. Gerade nach dem Freiburg-Spiel wiegt es doppelt schwer, dass es in Augsburg eine absolut unnötige und vermeidbare Niederlage setzte. Dass die Augsburger derzeit nicht viel wert sind, lässt sich an deren Niederlagen in Paderborn und Hamburg ablesen. Selbst gegen einen solchen Gegner gelingt es uns nicht, den Gegner klein zu halten und ein Spiel zu dominieren. Gefälligen Phasen folgen stets solche, wo man sich das Spiel des Gegners aufdrängen lässt und nach und nach den Faden verliert. Dann setzt es noch technische Unzulänglichkeiten, individuelle Aussetzer und fertig ist die Niederlage.
Den ersten Aufreger vor dem Augsburg-Spiel gab es schon bei der Schiedsrichteransetzung. Mir liegt es fern diese völlig unnötige Niederlage an Schiri Kinhöfer festzumachen. Dennoch, absolut unsensibel vom DFB, den gleichen Pfeifenmann für dieses Spiel einzuteilen, der uns im Hinspiel so verpfiffen hatte und bei einem mit seiner selbstherrlichen Art und seinem pfauenartigen Gehabe schon beim Anblick Aggressionen schürt. Im Hinspiel flog Schwaab nach noch nicht einmal einer halben Stunde vom Platz. Der VfB kämpfte in der Folgezeit wacker und geriet durch den unberechtigt gegebenen Elfer auf die Verliererstraße, was schließlich Armin Veh dazu veranlasste das Handtuch zu werfen, so dass Kinhöfer (Kicker-Note 5,5/ nützte uns allerdings natürlich nichts, zur Belohnung durfte die Pfeife ja im Rückspiel auch gleich wieder ran.) durchaus mitverantwortlich zeichnet für die ganze Scheiße, die wir seither über uns haben ergehen lassen müssen. Die Bayern hätten wohl bei ähnlicher Konstellation diesen Schiri für das nächste Spiel kategorisch abgelehnt und beim DFB auch noch Gehör dafür gefunden, beim VfB aber nimmt man es so hin und kann es sich auch nicht vorstellen, wer überhaupt hier hin stehen und den dicken Maxe markieren könnte.
Ich kann mich noch genau erinnern, wie es mir erst einmal den Boden unter den Füßen weggezogen hatte, als ich die Nachricht von Vehs Rücktritt (?) erhielt. Und, seien wir ehrlich, seither wurde es doch eher schlimmer. Unter Veh machte ich durchaus einen Aufwärtstrend hin zu erlebnisreichen Fußballfesten aus, was wie sich wie Balsam auf der Seele anfühlte, nach den grottenschlechten Darbietungen in den letzten Jahren. Tatsächlich fehlte ihm das Glück, aber, auch er biss sich eben an diesem (nicht bundesligatauglichen) Kader die Zähne aus, auch er verzweifelte wegen sich ständig wiederholender Anfängerfehlern von Berufsfußballern. Ich hatte damals aber nicht den Eindruck, dass er schon mit seinem Latein am Ende gewesen wäre und vermute noch immer andere Gründe, die zu seinem Rücktritt (oder doch seiner Entlassung?) führten. Leider wird uns auch zu diesem Thema im verlogenen Bundesligabusiness wohl keiner jemals die Wahrheit sagen.
Zunächst einmal verstand ich wieder einmal Huub Stevens nicht, dass er anstelle des gesperrten Martin Harnik Daniel Schwaab aufbot und somit der zuletzt gegen Bremen starken Offensive den Schwung nahm. Nicht nur, dass ein Klein im rechten Mittelfeld weit weniger Akzente setzen kann als Harnik, ist Schwaab für mich auch eines der vielen Probleme dieser “Mannschaft”, große Klappe, nix dahinter, im Zweifel halt mal das Publikum für seine eigenen Unzulänglichkeiten verantwortlich machen. Hlousek, ohne Worte, solide im Rahmen seiner begrenzten Möglichkeiten. Und eben wieder Ulle, der uns diese Saison noch kein Spiel gewonnen hat. Beim 0:1 köpfte er den Ball nicht ins Aus und brauchte zu allem Überfluss noch eine gefühlte Ewigkeit, in seinen Kasten zurückzukehren, beim 1:2 hält ein guter Torwart den Ball auch mal fest, anstatt ihn abzuklatschen und wenn, dann ins Tor-Aus.
Natürlich könnte man bei den beiden Gegentoren mit Ulle gnädig sein und die Rolle Rüdigers hinterfragen, der für mich unverständlich, gleich auf Anhieb den soliden Timo Baumgartl verdrängt hat, aber, wenn ein Keeper in nahezu jedem Spiel patzt, dann reicht es einfach nicht. Konnte man zu jener Zeit, in der Lehmann zwischen den Pfosten stand, bei gegnerischen Standards in den Strafraum relaxt ein Bier holen gehen, verursachen diese, seit Ulle im Kasten steht, Herzrasen, weil er auf der Linie klebt, anstatt sich auch mal mannhaft ins Getümmel zu werfen. Hier muss man einfach das Gesamtpaket sehen und das ist bei Ulle ungenügend. Es reicht einfach nicht, ein VfB-Herz zu haben und der süße Sonnyboy zu sein, einen guten Torhüter brauchen wir und zwar so schnell wie möglich!
Mit etwas Recherche käme ich in dieser Saison gut und gerne auf 20 Gegentore, bei denen man über die Rolle Ulles sprechen könnte oder sogar muss. Mal klebt er auf der Linie, dann steht er wieder zu weit vor dem Kasten, zögert beim Herauslaufen und verliert die Hundertstel, die ihm am Ende fehlen. Außer René Deck und Raphael Schäfer fällt mir kein VfB-Torhüter der letzten Jahrzehnte ein, der schwächer als gewesen wäre als derzeit Ulle. Ihm fehlt fast alles, was einen guten Torhüter ausmacht. Sein Selbstvertrauen, das er in den eineinhalb Folgejahren nach seiner Ausbootung gegen Benfica Lissabon 2011 durchaus ausstrahlte, ist ihm gänzlich abhanden gekommen. Er wirkt wie ein Zappelphilipp, der dadurch seine Vorderleute eher verunsichert als dass er ihnen Sicherheit vermitteln würde. Bestechen andere Keeper im Eins gegen Eins durch Selbstsicherheit und verschaffen sich Respekt vor dem auf sie zulaufenden Stürmer, macht Ulle eher brav die Türe auf.
Gestern war dann zu beobachten, dass ein Adam Hlousek wohl lieber einen Elfmeterpfiff in Kauf nimmt, anstatt darauf zu vertrauen, die Hände wegzulassen, weil ja noch Ulle da ist. Beim Elfmeter selbst zelebriert manch ein Keeper ein wahres Theater, schnappt dem Schützen den Ball weg, hampelt auf der Linie herum oder sonst was, was den Schützen nervös machen und ihm suggerieren soll, dass „ich“ den Ball sowieso halte. Ulle dagegen steht regungslos in der Tormitte und lässt das Unheil einfach so über sich ergehen, null Ausstrahlung, nichts.
Unter der Woche sprach (endlich) auch die Stuttgarter Presse unser Torwartproblem offen an und wies darauf hin, dass Vlachodimos mit nunmehr 21 Jahren mit den Hufen scharrt und auf seine Chance lauert. Natürlich ist all das nicht förderlich, im Abstiegskampf auf ein am Boden liegendes Nervenbündel einzudreschen. Auf der anderen Seite aber hat man lange genug auf „Friede, Freude, Eierkuchen“ gemacht, waren die Ulle-Jünger lauter zu hören als seine Kritiker, so dass ein dauerhafter Torwartwechsel nie ein Thema war. Aus dem Abgang von Leno sollte man seine Lehren gezogen haben und den gleichen Fehler mit Vlachodimos nicht noch einmal machen. Schon damals hatte man den besseren Keeper ziehen lassen, um einen Sven Ulreich zu stärken und erst gar keine Konkurrenzsituation aufkommen zu lassen.
Ulle muss im Grunde dem Herrgott ewig danken, dass er seit nunmehr fünf Jahren im VfB-Strafraum herumirren darf. Schon als junger Keeper, als er zwischenzeitlich Raphael Schäfer auf die Bank verwies, überzeugte er nicht, so dass Veh auch damals zurückrudern musste. Dann holte man Jens Lehmann unter anderem mit dem Auftrag Lehrmeister für Ulle zu sein und versprach Ulle den Posten nach Lehmanns Karriereende. Eine Versprechung wohl ohne Bedingungen, bspw. der, den Leistungsstand Ulles zu gegebener Zeit zu überprüfen und dann zu entscheiden. Zu diesem Versprechen stand man (zu) viele Jahre. Ab 2011, als Bobic Sportdirektor wurde und als fast erste Amtshandlung meinen Lieblingstrainer der letzten Jahre, Christian Gross, der auch bereits mehr oder weniger lautstark einen anderen Torhüter forderte, entließ, „lebte“ Ulle dann von der Seilschaft seines Berater Schwab mit Fredi Bobic und der Leistungsgedanke wurde einmal mehr ad absurdum geführt.
Ich hoffe sehr, egal wie die Saison ausgehen wird, auf einen Wechsel auf dieser so wichtigen Position. Vlachodimos hat sich diese Chance verdient und wächst womöglich mit den Aufgaben. Was ich bei den Amateuren von ihm gesehen habe, hat mir gut gefallen. Er hat ein besseres Stellungsspiel, eine bessere Intuition, eine bessere Spieleröffnung und wirkt spielintelligenter als Ulle. Körperlich könnte er noch ein wenig zulegen für meinen Geschmack, was aber mit individuellen Trainingsplänen durchaus machbar erscheint.
Die gestrigen verlorenen Punkte lassen sich freilich nicht an Ulle festmachen. Wer sich eine 2:0-Halbzeitführung gegen einen Gegner, der offensichtlich überhaupt nicht auf dem Platz stand, so leichtfertig aus der Hand nehmen lässt, muss eine lange Ursachenforschung betreiben.
Das VfB-Spiel ist schon seit einigen Spielen ansehnlicher und vor allem besser geworden. Vor allem das Wissen, mit Daniel Ginczek wieder einen Zentrumsstürmer zu haben, der die aufgelegten Dinger auch rein macht, verleiht den Jungs (auf den Flügeln) Flügel. Die Spielanlage sieht inzwischen vielversprechend und nicht als die eines Abstiegskandidaten aus. Umso ärgerlicher, dass Huub mit Angsthasenfußball bspw. die Auswärtsspiele in Köln und Hoffenheim verschenkt hat, wo wir es doch alle wussten, dass das mit acht defensiv orientierten Spielern nicht gut gehen kann.
In der Halbzeit hätte man sich nicht vorstellen können, dass das Spiel noch kippen könnte, außer wohl Huub Stevens. Der meinte nämlich gegen eine Wand gesprochen zu haben, ohne deutlicher zu werden, wer seine Vorgaben denn nicht erfüllt hat. Augenscheinlich kam der VfB in der zweiten Halbzeit nicht mit dem Doppelwechsel der Freiburger und der daraus resultierenden Systemumstellung zurecht. Freiburg wurde auf einmal spielbestimmend, eröffnete dem VfB dadurch aber auch Räume für Konter, wovon Martin Harnik einen zum 3:0 hätte nutzen müssen. Als Mann der ersten Hälfte mit Torvorlage und Tor gegen seinen Lieblingsgegner Freiburg lief Harnik in der 54. Minute allein auf Bürki zu und hätte alles klar machen müssen, stattdessen verstolperte er die Kugel. Vier Zeigerumdrehungen später kam es dann zur oben erwähnten Szene, als Hlousek ungeschickt Schmid auflaufen lief und den Elfmeter provozierte. Freiburgs Winterneuzugang Petersen verwandelte mühelos. Da hatten wir es wieder, das uns so vertraute Zitterspiel. Gift natürlich für das Nervenkostüm einiger Memmen im Brustring-Trikot, aber natürlich harter Bundesligaalltag, dem es sich entgegen zu stemmen gilt. Ein Angriff nach dem anderen rollte nun auf das VfB-Tor zu, weil wir nur noch reagierten als selbst zu agieren und das Spiel wieder versuchen würden an uns zu reißen. Immer mal wieder gab es sanfte Konteransätze, mehr nicht. Just, als man selbst einmal wieder in der Nähe des Freiburger Tores war, gerade einmal acht Minuten nach dem Elfmeter, unterband Hlousek mit einem taktischen Foul den möglichen Konter der Freiburger und sah folgerichtig gelb-rot. Hlousek, dumm und dümmer. Ungeschickt und grobschlächtig oft sein Spiel, einfach dumm dieser Einsatz, wenn ich schon gelbverwarnt bin. Nach zuletzt Harnik und nun Serey Dié ist Hlousek nun also auf Schalke gesperrt. Eigentlich wäre sein Ausfall jetzt nicht die ganz große Schwächung, wenn eben nicht zu befürchten wäre, dass in Gelsenkirchen Gotoku Sakai an seiner Stelle mutmaßlich sein Unwesen treibt. Ob es Konstantin Rausch von den Amateuren direkt in die Startelf der Profis schafft, wage ich zu bezweifeln, auch wenn ich ihn gerner sähe als Sakai. Als Reaktion auf den Platzverweis brachte Stevens „meinen Freund“ Schwaab anstelle von Maxim, was ich auch nicht so recht nachvollziehen konnte. Dieser Wechsel signalisierte den Freiburgern doch auch nur, dass vom VfB offensiv fast nichts mehr zu erwarten sein würde und sich dieser demütig hinten reinzustellen gedenkt.
Zu zehnt war es dann eine Frage der Zeit, bis es wieder klingeln würde im Kasten. Der VfB hatte längst, auch zu elft schon, den Faden verloren und konnte den Schalter an diesem Tag offensichtlich und zu unserem Leidwesen nicht mehr umlegen. Es wurde nur noch versucht sich hinten zu verbarrikadieren anstatt für Entlastung zu sorgen. Das Tor fiel dann in der 85., wenn auch der Ball etwas glücklich zu Petersen gelangte. Auch danach war der VfB nur noch darauf bedacht, das Remis wenigstens noch zu halten, obwohl uns dieser Punkt nicht wirklich weiter hilft.
Beim Stande von 2:1 Didavi nach gerade auskurierter schwerster Verletzung zu bringen, konnte ich auch nicht nachvollziehen. Er kam für Kostic, der mit seiner Dynamik noch eher für Gefahrensituationen hätte sorgen können, als Dida, dem (noch) eher langsamen Typ ohne Spielpraxis. So sehr ich mich darüber gefreut habe, ihn überhaupt wieder auf dem Platz zu sehen, so wenig konnte ich den Zeitpunkt verstehen, zumal nach Kostic’ Auswechslung kaum mehr einer da war, der einen Standard hätte rausholen können, bei dem Didavis größte Stärken zum Tragen gekommen wären.
Auch hätte Stevens meiner Meinung nach Hlousek nach dessen verschuldetem Elfmeter herausnehmen müssen, da er durch seine rustikale und ungelenke Spielweise immer gelbgefährdet ist.
Und überhaupt muss man sich fragen, weshalb Stevens, wenn offensichtlich jemand in der Halbzeit nicht richtig zugehört hat, diesen Kandidaten nicht nach wenigen Minuten vom Feld genommen hat. Eine solche erzieherische Maßnahme hätte vielleicht auch noch einmal einen Schub gegeben und die Mannschaft zur Dominanz der ersten Halbzeit zurückkehren lassen, lange bevor das Kind mit dem Elfmeter in den Brunnen gefallen war.
Kapitän Christian Gentner sprach in die Mikrofone, er wisse nicht, „was er damit meint. Dass Freiburg zurückkommt, war klar”. Dieses Statement hinterlässt bei mir nur Fragezeichen. Vielleicht war es ja dann gerade der Kapitän, der nicht zugehört hatte. Auch Gentner gestern für mich wieder ein Spiegelbild seines Wirkens beim VfB. In der ersten Halbzeit, als es gelaufen ist, nett anzuschauen, in der zweiten gnadenlos mit untergegangen und weder mit fußballerischem Können noch mit seiner Körpersprache fähig die Wende zu verhindern. Wenn man Stevens gestern und heute genau zugehört hat, spricht aus ihm eine gewisse Ratlosigkeit, aber auch die Fassungslosigkeit welche Fehler eine Bundesligatruppe Woche für Woche auf den Platz zaubert. Es sieht fast so aus, als wäre er der Verzweiflung ganz nah. Meine Einlassungen bzgl. seiner erfolgten und nicht erfolgten Auswechslungen möchte ich nicht als genereller Kritik an ihm verstanden wissen, er ist für mich noch immer die ärmste Sau im Verein und muss das auslöffeln, was ihm unzählige Dilettanten in den letzten Jahren eingebrockt haben.
Der Klassenverbleib käme immer mehr einem Wunder gleich. Seit heute Nachmittag haben wir sie wieder, die rote Laterne, und das vier Spieltage vor Saisonende. Es gilt in diesen Spielen also noch mindestens zwei Clubs hinter uns zu lassen, was wir noch immer aus eigener Kraft schaffen können, wenn wir denn alle Spiele gewinnen würden. Je nachdem wie wenig die anderen punkten, könnten unter Umständen auch zwei Siege zum Klassenerhalt reichen. Nur, siegen, was ist das? Zwei davon haben wir in den letzten beiden Spielen fahrlässig her geschenkt, auch gegen Bremen ließ man ihn sich fast noch nehmen. In 30 Saisonspielen schafften wir gerade einmal 6 Siege, das heißt in jedem fünften Spiel einen. Bleiben wir also dieser Statistik treu, können wir wohl einpacken. Es muss also eine Steigerung her und seit gestern weiß man auch, dass man bei seiner Rechnung nicht unbedingt (nur) auf die Heimspiele bauen darf. Es muss von nun an im Grunde immer und überall gepunktet werden, am besten also auch nächsten Samstag in der Turnhalle auf Schalke. Schalke seit sechs Spielen ohne Sieg, der Hunter zudem seit 1187 Minuten ohne Treffer. Da kommt der VfB sicherlich recht, ein guter Aufbaugegner waren wir schon immer. Eher düstere Aussichten also und nicht viel, was noch Hoffnung macht. Die Konkurrenz bekleckert sich zwar auch nicht mit Ruhm oder legt furchteinflößende Serien hin, aber, der VfB stellt sich eben noch dümmer an und gewinnt seine eigenen Spiele nicht, so dass die rote Laterne die einzig richtige Konsequenz ist.

Hier noch ein Buchtipp in eigener Sache, seit Freitag, dem 24.04. ist das Werk versandkostenfrei bestellbar: http://www.eysoldt-verlag.de/epages/64781030.sf/de_DE/?ObjectPath=/Shops/64781030/Products/978-3-938153-00-0

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2. Dezember 2014

Von Pech-Armin und Huub im Glück

Auch noch gut acht Tage nach dem Rücktritt von Armin Veh, kann ich das Geschehene nicht so recht einordnen. Ist Veh tatsächlich freiwillig zurückgetreten oder hat man ihm den Rücktritt doch nahegelegt, um den Schein nach außen zu wahren, damit niemand sein Gesicht verliert?
Überall wo Veh bisher Dienst tat, kokettierte er über kurz oder lang mit seinem Abschied, wenn nicht alles so lief, wie er es sich vorstellte und wie seine (zu hohen?) Ansprüche an sich selbst sind. In dieser Hinsicht ist er ein typischer Wassermann, freiheitsliebend, motiviert, wenn er sich selbst verwirklichen kann, aber eben auch frustriert, wenn er nicht so kann, wie er gerne möchte und wenn es nicht so läuft, wie er es sich wünscht. Dann neigt er aus diesem System auszubrechen und sich seine Freiheit wieder herzustellen. Ein wenig mehr Gelassenheit täte da Not, kann er doch als Trainer auch nicht alles selbst beeinflussen. Was kann ein Trainer beispielsweise dafür, wenn ein Sven Ulreich in Bochum den Ball völlig unmotiviert in die Mitte zum von drei Gegenspielern umringten Romeu passt und somit die nächste Zittersaison maßgeblich einleitet, wenn man sich gegen Wolfsburg durch einfache Ballverluste in der eigenen Hälfte öfter dilettantisch auskontern lässt, in Bremen bei zwei Standards pennt oder gegen Augsburg von den Schiedsrichtern benachteiligt wird. Was kann Armin Veh dafür, dass der fällige Torwartwechsel zum Eigentor wird, weil Thorsten Kirschbaum sich noch schlechter präsentiert als Sven Ulreich in den letzten zweieinhalb Jahren.
Dass das Umkrempeln des VfB nicht von heute auf morgen geht, dürfte allen klar gewesen sein. Daher war das Umfeld bisher auch wohltuend ruhig, obwohl man auf dem 18. Platz angekommen war. Das Vertrauen in den Meistertrainer von 2007 war also durchaus vorhanden.
Den Rücktritt mit mangelndem Glück zu begründen, halte ich für Quatsch. Allerdings werfe ich Veh auch nicht Fahnenflucht vor oder dass der Kapitän das sinkende Schiff verlassen hat.
Die (wahren) Gründe muss man in der Person Vehs suchen. Veh war schon immer einer, der durch Charme, Charisma und Lockerheit faszinierte und Zuhörer in seinen Bann ziehen konnte. Dies kehrte er jedoch nur nach außen, innen sieht es wohl anders. Die Situation vom VfB und dass er keine Mittel hatte (kurzfristig) dem Trend entgegenzuwirken nagte sichtlich an ihm und ließ ihn schließlich resignieren. Schon nach der Meisterschaft und vor allem gegen Ende seiner ersten Amtszeit war zu beobachten, dass es Veh nicht schaffte, sich auf schwierige Situationen ein- und in gewisser Weise auch umzustellen. Er macht sein Ding und hat keinen Plan B in der Tasche, dann läuft er lieber davon. Seinerzeit hatte Veh Horst Heldt als Freund und Manager an seiner Seite hatte und auch einen Erwin Staudt als Präsident, der sich um das Betriebsklima und die Sorgen und Nöte seiner Angestellten scherte.
Jetzt, in seiner zweiten Amtszeit, hatte Veh jedoch weder Heldt noch Leute wie Hübner und Bruchhagen um sich, die ihn in schweren Zeiten an die Seite nahmen und auf andere Gedanken brachten oder auch mal einfingen. Ich denke, Veh ist ein Mensch, der das hin und wieder mal braucht, der harmoniebedürftig ist und dem interner Zuspruch durchaus wichtig ist. Bernd Wahler möchte ich nicht unterstellen, dass ihm ein gutes Betriebsklima nicht auch am Herzen liegen würde, er ist jedoch mehr als Krisenmanager denn als Seelenmasseur gefragt in diesen Tagen. Und, Jochen Schneider ist zu unerfahren, um die Zeichen der Zeit der rechtzeitig erkannt zu haben.
Am Sonntag hatte Veh noch einen Auftritt bei Sky 90, den ich mit Spannung erwartete. Die offizielle Sprachregelung blieb bestehen, nämlich die, dass allein das fehlende Glück, welches Veh auf sich projiziert, den Ausschlag für den Rücktritt gegeben habe. Vielleicht erfahren wir in fünf Jahren einmal mehr, was diese Mission tatsächlich zum scheitern brachte. Ansonsten erläuterte Veh noch einmal, dass sich der Verein verändern muss, dass man über einige der Protagonisten der letzten Misserfolgs-Jahre nachdenken müsse, ob sie den Verein noch weiterbringen. Ein Jahr im Tabellenkeller könne Zufall sein, der Trend nach unten, den der VfB seit Jahren aufweist, jedoch nicht mehr. Was mich aufhorchen ließ, war die Aussage, dass 2007 mit 70 Mitarbeitern 130 Millionen Umsatz erwirtschaftet wurden und es heuer mit 160 Mitarbeitern gerade einmal 100 Millionen Umsatz sind. Gesundes Wachstum sieht anders aus.
Und, Veh erklärte noch einmal, dass er nach drei Jahren Eintracht Frankfurt eigentlich Trainerpause machen und bei Sky als Experte anheuern wollte, bis eben der VfB kam. Diesen Verein liebt er noch immer, schien aber doch mehr in der Vergangenheit zu schwelgen als die Gegenwart zu realisieren. Unser VfB ist leider mit dem von 2007 nicht mehr zu vergleichen, wir haben uns seither dramatisch zum Nachteil entwickelt. Dessen war sich Veh wohl nicht bewusst, als er auf dem Wasen unterschrieb. Er schätzte den Kader stärker ein als er tatsächlich ist, was ich ihm nicht einmal vorwerfe. Alle unseren Spieler zeigen ja hier und da starke Spiele und was sie wirklich drauf haben. Dass aber gute Einzelspieler noch keine Mannschaft ausmachen, dass man nicht nur das fußballerische Können sondern auch den Charakter der Spieler betrachten muss, bevor man sich ein Urteil bildet, dürfte Veh jetzt erkannt haben. Das sehen wirklich nur die, die tagtäglich mit der Truppe arbeiten und auch noch eher wir Fans, die sich ständig mit dem VfB beschäftigen.
Veh rate ich, als Nostalgiker der er ist, sein Vorhaben aus der HSV-Zeit wahr zu machen und auf den Job des Sportdirektors umzusatteln. Dort ist er weniger dem tagtäglichen Druck der Öffentlichkeit ausgesetzt, wird nicht jeder Schritt und Tritt beobachtet, ist er nicht von der Gunst seiner Spieler abhängig und kann vor allem gestalten anstatt sich mit dem zu begnügen, was ihm der Verein vorsetzt.
Wenn Veh diese Erkenntnis für sich nicht erlangen sollte, kann man im Grunde jeden Verein nur davon warnen, Armin Veh als Trainer zu holen. Nach Rostock und Reutlingen tat er es beim VfB bereits zum dritten Mal, „seinen“ Verein mitten in der Saison zu ver- und ein großes Vakuum zu hinterlassen. Seine anderen Vereine verließ Veh meist freiwillig zum Vertragsende, weil er frei sein möchte und nicht gefangen im Haifischbecken Bundesliga oder im Korsett eines Vereins.
Ein Club, der nach Kontinuität strebt, wird daher in naher Zukunft sicherlich nicht bei Veh anrufen, um ihn zu verpflichten. Meiner Meinung schadet dieser neuerliche Rücktritt seinem Ruf als Trainer. Abschließend wünsche ich Armin Veh, dass er sich die Sinnfrage stellt und sich genau überlegt, was er in Zukunft noch machen möchte und wie er sich sein nächstes Engagement vorstellt. Ich mag Veh nach wie vor, als Meistertrainer ist er sowieso für die VfB-Fangemeinde unsterblich, behalte ihn aber auch als freundlichen Menschen in Erinnerung, der immer ein offenes Ohr hatte. Klingt fast wie ein Nachruf, soll aber keiner sein. Ab jetzt oder besser gesagt seit letztem Freitag ist wieder „Huubschraubereinsatz“ auf dem Wasen.
Huub Stevens ist wieder da, ein knappes halbes Jahr nach dem Spiel im Schlienz-Stadion, als der VfB zum Saisonabschluss gegen eine Fanauswahl antrat und Stevens feierlich und mit viel Tam-Tam verabschiedet wurde. Ich hatte mir damals gewünscht, man würde zusammen weiter machen, fand dann aber Veh noch die charmanteste und mit die beste aller möglichen Nachfolge-Lösungen und bin auch jetzt froh, dass sich Stevens zum zweiten Mal bereit erklärt hat, dem VfB aus der Patsche zu helfen.
Huub Stevens ist das Gegenstück zu Armin Veh. Versuchte es Veh mehr mit Lockerheit, unserem „Kindergarten“ beizukommen, ist Stevens für seinen harten Stil und als Disziplinfanatiker bekannt. Wer ausschert und nicht mitzieht, hat bei ihm verloren. Wer mehr mit Schönspielerei als durch Kampf auffällt, für den ist kein Platz in der Stammelf. Stevens bringt Erfahrung und Eigenschaften mit, die dieser Mannschaft gut tut, wie man bereits in der Rückrunde der letzten Saison feststellen konnte. Hat uns tatsächlich zuletzt das Quäntchen Glück gefehlt, Stevens wird sich dieses sprichwörtlich versuchen zu erarbeiten, da er nicht an Zufälle glaubt. Eigentlich stellen wir jetzt zurück auf Mai 2014, eine Tatsache, die der VfB und Huub Stevens sich hätten ersparen können, wenn man sich bereits damals auf eine Weiterbeschäftigung verständigt hätte. Auch wenn es nicht zielführend ist, in den Sünden der Vergangenheit zu wühlen, mich würde es doch sehr interessieren, wie und warum es letztendlich zur Trennung kam. War es Huub Stevens, der nach seinem Saloniki-Engagement und dem Abstiegskampf mit uns eine Pause brauchte, in Ordnung und akzeptiert. Lieber sich selbst eine Pause verordnen, anstatt wider der inneren Stimme auf Teufel komm raus Raubbau am eigenen Körper zu betreiben und sich das erst einzugestehen, wenn man mitten im nächsten Engagement steckt.
Wenn aber der Abschied auf Zeit auf der Miste des VfB gewachsen sein sollte, ist diesem nicht mehr zu helfen. Das kann dann eigentlich nur damit zusammenhängen, dass der ehrenkäsige Fredi Bobic Huub Stevens nicht weiter beschäftigen wollte, weil die beiden wohl in diesem Leben keine Freunde mehr werden. Bei der Verpflichtung von Stevens setzten sich Aufsichtsratsvorsitzender Schmidt und Wahler gegen Bobic durch, der ja gerne Krassimir Balakov zurück an den Neckar gelotst und damit seinem nächsten Kumpan einen Posten zugeschachert hätte. Stevens verbannte Bobic gleich zu Beginn (zu Recht) auf die Tribüne, bereits zu Bobic‘ aktiver Zeit bei der Berliner Hertha rasselten die beiden ja aneinander. So scheint es einmal mehr, dass Bobic eigene, persönliche Interessen über die des Vereins stellte. Eine andere mögliche Variante, weshalb man Stevens nicht das Vertrauen für die jetzige Saison aussprach, wäre die, dass man bei Veh schon länger im Wort stand.
Nicht nur aufgrund der jetzigen Umstände wäre die beste Lösung gewesen, Huub Stevens im Amt zu behalten und stattdessen Fredi Bobic bereits im Mai zu entlassen, dann wäre uns womöglich einiges Ungemach erspart geblieben. Stevens hätte dann schon seine eigene (dem Vernehmen nach auf dem Papier sogar schon vorhandene) Saisonplanung umsetzen können. Er wusste ja bereits, auf welche Spieler er setzt, auf welchen Positionen wir für ihn zufriedenstellend besetzt sind und wo man hätte etwas tun müssen. Eines wäre so sichergestellt gewesen, so naiv wie mit Armin Veh und dessen Einschätzung der Mannschaft wären wir nicht in die Saison gegangen.
Mit Stevens auf der Bank hatte ich am Freitag gleich ein gutes Gefühl. Die Mannschaft kennt ihn weitestgehend, er die Mannschaft. So erschien es mir durchaus im Bereich des Möglichen, dass vier Tage im Kreis der Mannschaft ausreichen könnten, um die Sinne neu zu schärfen und die Mannschaft gut für das Freiburg-Spiel ein- und aufstellen zu können. Hat man bei einigen unserer Spieler öfter mal den Eindruck, dass sie nicht die Hellsten sind und die Situation verkennen, weil sie sich stärker einschätzen als sie, wie an der Tabelle abzulesen ist, tatsächlich sind, wird die Trainerkabine neu bezogen, erkennen auch diejenigen, dass es wieder einmal fünf vor zwölf ist und sie plötzlich kein Alibi mehr haben.
Den Freiburg-Trip, zum Heimspiel unserer Freunde von den Murgtalschwaben, dehnten wir ein wenig aus und planten ihn von vornherein mit einer Übernachtung, um den so sehnlichst gewünschten Auswärtssieg danach gebührend feiern zu können. Bereits gegen 12 Uhr stellten wir das Auto in Weisenbach im Murgtal ab, stärkten uns noch für den langen Tag und machten uns dann mit der Bahn auf den Weg nach Freiburg. Gegen 16 Uhr kamen wir am Hauptbahnhof an und besuchten zunächst den Weihnachtsmarkt auf dem Münsterplatz, wo wir mit Bekannten verabredet waren. Nach drei Gläsern Glühwein und sehr wohlgestimmt ging es weiter in den Schwarzwaldblick, in Sichtweite des Schwarzwaldstadions, wo wir jedes Mal hingehen, wenn der VfB seine Visitenkarte im Breisgau abgibt. Ein Wahnsinn, wie viele Bekannte man bei Auswärtsspielen immer trifft und welche Gaudi man zusammen immer hat. So vergaß man fast die Zeit, sie rannte sprichwörtlich weg. Gerade noch pünktlich zum Einlauf der Mannschaften erreichten wir unseren Platz auf der Gegentribüne. Besser geht es kaum zu sitzen, Reihe 5 mit super Sicht aufs Spielfeld und auch auf unseren Fanblock. Für mich zwar immer schade, wenn ich das Intro und bei Auswärtsspielen die gegnerische Schalparade respektive in Freiburg das Badener Lied verpasse, aber, wir hatten beim Vorglühen richtig Spaß, so dass ich das verschmerzen konnte, verpasste ich ja vom Spiel nichts.
So saßen wir also auf der Gegentribüne, auf der unser Platz stolze 57 Euro kostete, ich kann mich nicht erinnern, jemals für ein Bundesligaspiel mehr bezahlt zu haben. Mein Allzeitrekord liegt zwar bei 240 Euro für ein Ticket, aber, es handelte sich schließlich um das Halbfinale der WM 2006 Deutschland-Italien in Dortmund und es war der reguläre FIFA-Preis für diese Kategorie bei einem Halbfinale.
Als ich den Preis das erste Mal hörte (Karten mussten ja über unsere badischen Freunde besorgt werden, mit württembergischer Postleitzahl geht beim SCF überhaupt nichts) musste ich mir erst einmal bewusst werden, ob ich zur Championsleague in einen Fußballtempel oder zu einem Aufeinandertreffen zweier Abstiegskandidaten in die Freiburger Bruchbude gehen würde, aber, sei’s drum. Bevor ich etwa 40 Euro für einen Sitzplatz im Gästebereich berappe und, wie schon vorgekommen, hinter einer Plexiglasscheibe sitze und nur alkoholfreies Bier verabreicht bekomme, dann doch lieber zu diesem Preis hinein unters Freiburger Volk.
Zu Beginn war dem VfB die Verunsicherung, die die rote Laterne einfach mit sich bringt, anzumerken. Freiburg griff beherzt an und hatte mehrfach die Führung auf dem Fuß. Umso verwunderlicher, dass nach einer halben Stunde plötzlich der VfB durch die Sturmspitze Martin Harnik in Führung ging. Diese Führung stellte den Spielverlauf auf den Kopf. Gute zehn Minuten später aber, ich verrichtete gerade meine Notdurft, brandete großer Jubel auf, denn, Freiburg traf aus 25 Metern zum 1:1. Natürlich habe ich auch dieses Tor inzwischen gesehen und bin der Meinung, abgesehen davon, dass man den Schuss nicht einmal versucht hatte zu verhindern, dass Ulle den Ball normalerweise haben muss. Er wirkt zwar erleichtert, dass der böse Veh weg ist, ein besserer Torwart ist er dadurch leider noch lange nicht. Es gab im Spiel noch zwei, drei weitere Situationen, in denen er nicht gut aussah, so dass sich unser Torwartproblem fortsetzt.
Nach dem 1:1 hatten wir bei einem Lattenschuss noch Glück, so dass das 1:1 zur Pause für den VfB schmeichelhaft war. Zu Beginn der zweiten Halbzeit war der VfB in puncto Balleroberung präsenter und fand in Mitrovic sein Opfer. Ein Ballverlust des Serben an Sararer führte über Gentner und den wuchtigen Nachschuss von Carlos Gruezo zum 1:2. Dass Gruezo bei Stevens wieder schlagartig bessere Karten als unter Armin Veh haben würde, war mir ziemlich klar.
Wie der Holländer die Doppel-Sechs endgültig zu besetzen gedenkt, wird man vielleicht schon gegen Schalke sehen, wenn Oriel Romeu wieder einsatzberechtigt ist. Durch seine Sperre stellte sich die defensive Schaltzentrale mit Gruezo und Leitner fast von selbst auf. Gespannt darf man auch darauf sein, ob Leitner in Freiburg als Lückenbüßer herhalten musste oder ob er den zweiten Anlauf unter Stevens besser meistert als den ersten, wo er meist nur auf der Bank saß. Stevens steht eben mehr auf Malocher als auf Schönwetterfußballer. In Freiburg gefiel mir Leitner phasenweise richtig gut, war es doch auch, der Werner mit einem mustergültigen Pass auf die Reise schickte, und dieser wiederum Bürki zum 1:3 tunnelte. Nach Notbremse und folgerichtigem Platzverweis für Mitrovic war es dann Harnik, der seinen Doppelpack schnürte und zum 1:4 traf.
Das Glück war uns dieses Mal also hold, hätte der Schuss in der ersten Halbzeit durchaus auch nach hinten los gehen können. Veh befand bei Sky 90 sofort, mit ihm wäre auch dieses Spiel verloren gegangen, hypothetisch natürlich, und wenig zielführend. Ob wir gewonnen haben, weil Stevens das Glück mit an den Neckar brachte, Freiburg das Tor nicht traf, der VfB in Mitrovic einen Gönner fand oder wir einfach einmal vorne die Kisten machten, ist mir ziemlich schnuppe. Fußball ist erwiesenermaßen kein Glückspiel, es gibt zwar die eine oder andere Strähne, der man entgegenwirken kann, wenn man die regelmäßigen Trainingseinheiten dazu nutzt, an den vorhandenen Defiziten zu arbeiten und sich Woche für Woche zu verbessern. Dafür haben wir jetzt den richtigen Mann, Marke Fußballlehrer, an der Seitenlinie. Er würde sich persönlich beleidigt fühlen, gäbe es nichts zu verbessern, daher dürften die kommenden Monate das reinste Vergnügen für ihn als VfB-Trainer werden.
Dem VfB gelang es mit dem Auswärtssieg auf den Relegationsplatz 16 mit nunmehr zwölf Punkten zu klettern. Es war allemal ein Auftritt, der Mut macht für die nächsten schwierigen Aufgaben. Mit Siegen steigert sich automatisch auch wieder das Selbstvertrauen, das Vertrauen in ihren neuen alten Trainer ist ohnehin gegeben. Nun heißt es zuhause gegen den Lieblingsheimgegner Schalke 04 nachzulegen. In seiner ersten Amtszeit schaffte es Stevens, eine neue Heimstärke (unter anderem auch gegen seine alte Liebe Schalke) zu generieren, die jetzt wieder bitter nötig wäre, um die nötigen Punkte im Kampf um den Klassenerhalt zu erringen. Aus den vier verbleibenden Spielen bis zur Winterpause sollten möglichst noch zwei Siege herausspringen, dann, mit 18 Punkten, hätte man eine vernünftige Basis für die Aufholjagd in der Rückrunde gelegt.
Für uns ging es nach dem Spiel noch einmal in den Schwarzwaldblick, wo die Sky-Sendung „Mein Stadion“ mit Uli Potofski zu Gast war. Fast als die letzten Gäste und zu später Stunde begaben wir uns schließlich auf die Suche nach dem Auto unserer Rückfahrgelegenheit. Da mittlerweile keine Bahn mehr zu jenem Park & Ride Platz fuhr, irrten wir in etwa eine geschlagene Stunde herum, und fanden das Vehikel dann auch schließlich. Für diese verlorene Zeit wurden wir insofern entschädigt, dass wir, entgegen des Plans uns nach Bühl zur S-Bahn zu chauffieren, mit Tempo 220 im Audi AS bis vor die Haustür nach Weisenbach gefahren wurden, die wir gegen 3 Uhr morgens erreichten. Total kaputt zwar, aber, mit dem ungewohnten Gefühl eines Sieges, der auch heute noch unheimlich gut tut.

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11. November 2013

SIEG im Breisgau

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , , – Franky @ 21:22

Bilder vom Spiel in Freiburg sind jetzt online. Rückblickend war es ein super Sonntagsausflug, obwohl anfangs das Schlimmste zu befürchten war. Nicht nur sportlich, wo der VfB ja im Pokal schon bewiesen hat, dass er auch dazu imstande ist, in Freiburg zu verlieren und wir nach dem Debakel von Dortmund ohnehin nicht einordnen konnten, wo wir stehen. Eine Niederlage lag also im Bereich des Vorstellbaren. Als kurz vor High Noon noch der Pannenbus von Braunschweig am Treffpunkt in Esslingen-Berkheim vorfuhr, lag es allerdings auch im Bereich des Vorstellbaren, die mögliche Niederlage überhaupt nicht live erleben zu können. Trotz vorheriger Beteuerungen seitens des Busunternehmers, uns diesen Bus, dessen (von uns angezeigte) Mängel auf kein DIN A4-Papier passen, nicht mehr zumuten zu wollen, fuhr dieser also wieder vor, als wäre Braunschweig nur ein böser Traum gewesen. Lapidare Begründung: „der einzige Bus mit Winterreifen“. Ein Schelm, der Böses dabei denkt. ;-) . Mir kann jedenfalls keiner erzählen, dass ein auf Personenbeförderung spezialisiertes Unternehmen zu dieser Jahreszeit noch durchweg mit Sommerreifen unterwegs ist. Egal, uns blieb ja nichts anderes übrig, als dieses Vehikel erneut zu besteigen. Wie in letzter Zeit immer, wenn es nach Freiburg geht, fuhren wir nicht die viel frequentierte Strecke über die A8 und A5 nach Freiburg sondern über die A81 und dann über die B31 durchs Höllental. Dies mag bei Wochentag-Spielen eine gute Wahl sein, weshalb wir das auch an einem Sonntag und bei diesen Wetterprognosen machten, verstand ich nicht unbedingt. Wie prognostiziert schneite es im Schwarzwald unaufhörlich, so dass wir einige Zeit mehr krochen denn fuhren und uns die Fahrbahn durch einen Schneepflug bahnen ließen. Zeitweise machte ich mir ernsthafte Sorgen, ob es noch etwas werden würde mit einem Treffen mit Freunden im Biergarten am Stadion oder ob wir abermals auf den letzten Drücker ankommen würden.

Schlagartig aber hatten wir wieder freie Fahrt und der Schneefall ging auch wieder mehr und mehr in Regen über, je näher wir Freiburg kamen. So kamen wir doch noch knapp zwei Stunden vor Spielbeginn an, so dass genug Zeit für das eine oder andere Ganter-Bier und einen netten Plausch mit Freunden war. Wie in Dortmund der Biergarten am Stadion Rote Erde gehört es für mich in Freiburg zum Ritual in den neben dem Stadion gelegenen Biergarten zu gehen und mich auf das Spiel einzustimmen. Aufgrund des strömenden Regens im Breisgau wurden Zelte und Heizstrahler aufgestellt, so dass wir gemütlich überdacht und im Warmen sitzen konnten. Auch wenn die ach so große Rivalität immer groß aufgebauscht wird, dort sitzen Freund und „Feind“ friedlich nebeneinander und prosten sich zu. Es ist ja klar, dass es die eine oder andere Frotzelei gibt, richtig Ärger habe ich dort aber noch nie erlebt.

Ca. 20 Minuten vor Spielbeginn, früh wie selten in letzter Zeit, nahm ich meinen Platz auf der Osttribüne ein. Ich bestellte Karten der teuersten Gäste-Kategorie, weil der Stehblock eine wahre Zumutung ist und die „günstigeren“ Sitzplätze über dem Stehblock kaum billiger waren. Sollte Freiburg in der nächsten Saison noch erstklassig sein, werde ich noch einen Block weiter einrücken und vom Freiburger Kontingent eine Karte nehmen, sofern das über Freunde mit badischer Postleitzahl wirklich hinhaut. Vorteil dabei: eine noch bessere Sicht auf unseren Block und Vollbier. :-)

Bevor es losging und nachdem wir das Badener Lied nieder gepfiffen hatten, gab es eine schöne Choreo im VfB-Block, Thema Heimat & Liebe, mit weiß-roten Brustring- und gelb-schwarzen Rösslefahnen.

Vor dem Spiel hatte ich wirklich Bedenken, wie die 1:6-Klatsche von Dortmund nachwirken würde und dass wir uns, nach einer Niederlage, im Abstiegskampf wiederfinden könnten. Nach den Samstag-Ergebnissen wurde dieses Spiel richtungsweisend wie selten. Mit einem Sieg kann man den Anschluss an die Plätze 5 und 6 einigermaßen aufrecht erhalten, bei einem Remis träte man weiter auf der Stelle und bei einer Niederlage würde uns Freiburg unten mit rein ziehen, der Abstand betrüge dann nur noch zwei Punkte. Ob sich die Mannschaft der Wichtigkeit der Aufgabe bewusst sein würde, war mir nicht so klar. Zu oft versuchen wir es mit Schönspielerei und Hacke, Spitze, eins, zwei, drei. Dass dies bei tiefem und rutschigem Geläuf nicht das probateste Mittel ist, war mir klar. Würde die Mannschaft aber diese Umstände annehmen, würde sie sich dem Kampf der Freiburger entgegen stemmen und sprichwörtlich Gras fressen? Zu oft wurde ich in letzter Zeit enttäuscht, so dass mein Vertrauen ins Team nicht das Größte war.

Der SC Freiburg hat zwar das internationale Gastspiel in Estoril unter der Woche auf dem Spielplan gehabt, eine große Rolle in puncto Müdigkeit dürfte dieses kaum gespielt haben, tritt Streich in Europa ja in schöner Regelmäßigkeit mit einer besseren Reserve und Jugend-Truppe an. Der 5-Jahres-Wertung erweisen die Südbadener damit zwar einen Bärendienst, was sie nicht weiter zu jucken scheint, da sie in absehbarer Zeit wohl sowieso nicht mehr international mitspielen dürfen. Ich bin zwar jetzt kein Freiburg-Insider, denke aber als Außenstehender, dass es dieser Truppe auch nicht geschadet hätte, international mit der ersten und bestmöglichen Garde anzutreten, zumal ja ein großer personeller Umbruch im Sommer stattfand. So hätte sich eher ein Team einspielen können, als bei übertriebener Rotation, und die Chance auf ein Erfolgserlebnis und damit gesteigertes Selbstvertrauen wäre weitaus größer gewesen.

Der VfB trat im Vergleich zum Dortmund-Spiel mit Niedermeier für Sakai und Rausch für Boka an. Durchaus logische Wechsel, auch wenn der von Boka verletzungsbedingt erfolgte. Die ersten beiden Chancen im Spiel hatte Freiburg, ehe der VfB durch einen Doppelschlag durch Ibisevic und Timo Werner die Weichen früh auf Sieg stellten. Nach dem 1:0 fragten wir schon, ob das jetzt ein gutes Omen wäre, nach den verspielten frühen Führungen der letzten Wochen. Als dann allerdings gut eine Minute später schon das 2:0 folgte, war ich fürs erste beruhigt und sah das Spiel in die richtige Richtung laufen. Von nun an kontrollierte der VfB weitestgehend souverän das Spiel und ließ Ball und Gegner laufen. Je länger aber die Partie lief, desto mehr kehrte wieder der alte Schlendrian ein. Durch unkonzentrierte Abspiele, unnötige Ballverluste ließen wir einen am Boden liegenden Gegner plötzlich wieder ins Spiel zurück zu finden anstatt aufs Spiel den Deckel drauf zu machen.

Von den Rängen kam auf Freiburger Seite fast nichts mehr. Außer dem allseits bekannten „Stuttgarter Arschlöcher“ und plumpen Versuchen, den Schiedsrichter zum einen oder anderen Elfmeterpfiff zu bewegen war auf der anderen Seite nichts zu hören. Im VfB-Block dagegen Dauersupport pur. Apropos Elfmetersituationen: Haggui spielte klar den Ball, Leitner und Niedermeier sprang der Ball jeweils aus kurzer Distanz an die Hand. Es ist sicherlich nicht weg zu diskutieren, dass solche Elfer auch schon gegeben wurden, andererseits wäre es auch schade gewesen, wenn dem Spiel durch solche Zufallsprodukte noch eine (unverdiente) Wende gegeben worden wäre. Freiburg allerdings hätte sich auch nicht beklagen dürfen, wenn Felix Klaus nach einer knappen halben Stunde schon wegen rohen Spiels des Feldes verwiesen worden wäre. So gesehen, und nach dem zurückgenommenen Elfmeterpfiff von Dortmund mehr als ausgleichende Gerechtigkeit.

Im Laufe der zweiten Halbzeit dann machte sich Sven Ulreich, unsere Nummer Eins, vor der Freiburger Fankurve keine neuen Freunde, als er nach einer vermeintlichen Berührung eines Freiburgers theatralisch zu Boden sank. Was einen baumlangen Kerl dazu treibt, eine solch alberne Schauspieleinlage abzuliefern (und Ähnliches ein paar Minuten später noch zu wiederholen), verstehe ich nicht. Die Jungs hatten es gestern doch überhaupt nicht nötig, durch solch unlautere Mittel einen Platzverweis zu provozieren. Und selbst wenn, solche Schauspieleinlagen verurteile ich, bei eigenen Spielern wie bei Gegnern. Das soll ein Spieler mal in England machen, der ist für immer und ewig unten durch beim Publikum und wird verhöhnt von Nord nach Süd. Ein solch unfaires Gebaren ist mir auch bei Ibisevic seit längerem ein Dorn im Auge, ich hoffe, dass dieses „Verhalten“ auch ein Thema ist, das das Trainerteam mal anspricht.

Kurz durfte Freiburg dann noch an einer Aufholjagd schnuppern, als der kurz zuvor eingewechselte Hanke zum 1:2 traf. Doch, keine 5 Minuten später, erkämpfte sich unser Youngster Timo Werner an der Mittellinie den Ball, dribbelte durch zwei Freiburger hindurch und stand plötzlich frei vor Baumann. Obwohl sowohl Maxim als auch Ibisevic mitgelaufen waren und frei standen, machte Werner die Kiste eiskalt selbst. Wehe dem, er hätte diese Chance versemmelt, dann hätte er sich wohl von Ibisevic etwas anhören dürfen. So aber zeugte die Aktion von Selbstvertrauen und einer Sicherheit, die für einen 17-jährigen schon fast unheimlich ist. Mit dem 1:3 entschied er nicht nur die Partie sondern schwang sich auch zum jüngsten Bundesliga-Doppeltorschützen aller Zeiten auf. Dieser Junge macht einfach Spaß. Hoffentlich gelingt es, ihn langfristig zu binden und mit einer festgeschriebenen Ablöse zu versehen, die entweder niemand zu zahlen bereit ist oder uns auf einen Schlag finanziell in andere Sphären bringen kann. Gut zu wissen, dass sein Berater Karl-Heinz Förster dem VfB wohlgesonnen ist, und ihn hoffentlich nicht zu früh vom VfB weg transferieren möchte. Zunächst ist sowieso das Wichtigste, dass der Junge in seinem gewohnten Umfeld die Schule gut zu Ende bringt und weiterhin behutsam aufgebaut wird.

So steuerten wir also einem letztendlich ungefährdeten Auswärtssieg entgegen, wie eingangs erwähnt, immens wichtig. Dieser Sieg gegen einen äußerst verunsicherten Gegner ist ebenso schwer einzuordnen wie das Debakel bei einem in Galaform spielenden BVB. Die Wahrheit dürfte irgendwo dazwischen liegen. Der VfB hat nach wie vor Probleme auf den Außenverteidigerpositionen, wobei mir gestern Rausch und Schwaab deutlich besser gefallen haben als Boka und Sakai in Dortmund. Dazu ist für mich derzeit Kvist kaum noch vermittelbar, zu statisch und defensiv orientiert sein Spiel, ansonsten sehe ich uns gar nicht so schlecht aufgestellt. Wohin die Reise geht wird sich wohl schon gegen Gladbach nach der Länderspielpause zeigen. Der VfB muss dringend seine Heimschwäche ablegen, vielleicht kommen dafür die bislang auswärts weitestgehend erfolglosen Gladbacher gerade recht.

Gleich nach dem Spiel ging es dann mit dem Bus zurück in die Heimat. Dieses Mal Gott sei Dank ohne Panne, gegen 23.30 Uhr erreichten wir ES-Berkheim, in Anbetracht des Sonntag-Abend-Spiels noch eine akzeptable Zeit, auch wenn ich heute wieder arbeiten musste.

Beim nächsten Spiel gegen Gladbach werde ich leider nicht im Neckarstadion sein. Es wird damit das einzige Spiel, ob daheim oder auswärts, das ich in der Vorrunde verpassen werde. Mich zieht es mit ein paar Kumpels nach Glasgow und Edinburgh. Auslöser der Buchung war eigentlich das Motörhead-Konzert, welches inzwischen leider aufgrund einer Erkrankung des Frontman Lemmy abgesagt wurde. Leider sind die Terminierungen auf der Insel auch nicht immer fangerecht, schon gar nicht, wenn man gerne hoppen würde. In allen Ligen wurden sämtliche Spiele auf den Samstag terminiert, so dass wir uns lediglich die Partie Celtic-Aberdeen anschauen können. So werden wir eben wohl sonntags noch das Stadion und den Stadionpub der Hearts besuchen und einfach eine gute Zeit haben. Ihr, die gegen Gladbach im Stadion seid, schreit einfach für mich mit und bringet an Sieg hoim. :-)

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23. September 2013

Feierstimmung – Katerstimmung

So eng liegen manchmal Euphorie und Frust, Freude und Trauer, Sieg und (gefühlte) Niederlage beieinander. In einem Spiel, das eigentlich keinen Sieger verdient hatte, wird uns in buchstäblich letzter Sekunde, nach Foul von Rode an Traore, der Sieg in Form eines Elfmeters auf dem Silbertablett serviert. Wir, in Person von Vedad Ibisevic, hätten nur noch zugreifen müssen, stattdessen setzte Vedo die Kugel am Tor vorbei. Der Frankfurter Keeper Kevin Trapp lag schon in der linken Ecke, Vedad hätte den Ball „nur“ ins rechte Eck schieben müssen und der Siegestaumel, die Euphorie, wären sicherlich grenzenlos gewesen. So überwiegt zunächst einmal der Frust an diesem Tag, der wie gemacht schien, den Brustring siegen zu sehen.

Begonnen hatte das Spektakel mit einer beeindruckenden Choreographie unserer Ultras anlässlich des 120. Geburtstages vom VfB 1893 (Bilder online unter http://www.frankys-stadionpics.de/bilder/thumbnails.php?album=439). Dieser lag zwar bereits knapp zwei Wochen zurück, doch das Spiel gegen die Eintracht war das erste Heimspiel seitdem. Unsere Jungs traten bei dieser einmaligen Aktion im wunderschönen Traditionstrikot mit durchgängigem Brustring und ohne Werbung an, wofür der Verein eine Sondergenehmigung der DFL und natürlich auch des Hauptsponsors einholen musste. Der Rahmen stimmte also. Die Vorzeichen schienen für den VfB zu sprechen. Nach dem Trainerwechsel ging spürbar ein Ruck durch die Mannschaft, die Ergebnisse zuletzt stimmten wieder ein wenig versöhnlich.

Dem grandiosen 6:2-Sieg gegen Hoppenheim ließen die Schneider-Schützlinge einen glanzlosen, aber immens wichtigen 1:0-Auswärtssieg beim Aufsteiger und Angstgegner Hertha BSC Berlin folgen. Die Eintracht nach den 3:0-Siegen in der Europa League gegen Bordeaux und zuletzt in der Liga bei Werder Bremen zwar im Aufwind, ich hatte aber die große Hoffnung, dass die Eintracht die Doppelbelastung nicht gewohnt wäre und uns das in die Karten spielen könnte. Zudem wartete auf uns ein spielstarker Gegner, der sein Heil eher im Angriff suchen und nicht mauern würde, was uns seit je her mehr liegt.

Das Spiel begann dann leider anders, als ich es mir ausgemalt hatte. Die Frankfurter, unterstützt von etwa 5.000 Anhängern, begannen forsch und hatten die ersten Torchancen. Der VfB kam sehr schwer ins Spiel und meist einen Schritt zu spät. Folgerichtig erzielte Russ für die Frankfurter nach einer knappen Viertelstunde aus dem Gewühl heraus das 0:1. Fast postwendend danach schickte Sakai Harnik auf die Reise, der noch an Trapp scheiterte. Die daraus resultierende Ecke von Maxim verlängerte Gentner am kurzen Pfosten per Kopf, so dass unser Youngster Timo Werner am langen Pfosten nur noch einzunicken brauchte. Nachdem Werner schon als jüngster VfB-Bundesligaspieler in die Annalen einging, hält er nun auch den Rekord des jüngsten Torschützen der VfB-Bundesligageschichte.

Dieser Junge ist ein Rohdiamant, der das Zeug dazu hat, ein ganz Großer zu werden. Dafür muss er auf dem Boden bleiben und den Verlockungen widerstehen. Konzentriert weiter an sich arbeiten, die Schule ordentlich beenden und sich nicht in die „Obhut“ falscher Freunde und „Berater“ begeben. In Karl-Heinz Förster hat er einen Berater, der sicherlich seinen Teil dazu beitragen wird und der dem VfB auch wohlgesonnen ist. Letztendlich aber liegt es am Spieler selbst, ob er bereit ist, einen Schritt nach dem Anderen zu gehen und an seiner Familie mit dafür zu sorgen, dass er die Bodenhaftung bewahrt. Derzeit gibt es keine Anzeichen dafür, dass er abzuheben droht. Weiter so, Timo!

Nach 16 Minuten stand das Endergebnis also schon fest. Die Frankfurter hatten über weite Strecken die reifere Spielanlage, vom VfB kam vor allem über die Flügel zu wenig und es blieb vieles Stückwerk. Erst als in den letzten 15 Minuten die Kräfte bei den Hessen schwanden, kam der VfB stärker auf und erzielte u. a. ein Abseitstor. Auch hier machte Vedad Ibisevic keine glückliche Figur, weil er, ohnehin im passiven Abseits befindlich, eine aktive Bewegung in Richtung des Balles machte und dadurch der Treffer zwingend abzuerkennen war. Ibisevic hatte an diesem Spätnachmittag ohnehin nicht seinen besten Tag, trotzdem hätte er mit dem Abpfiff zum „Man of the Match“ werden können. Hypothetisch zu fragen, ob ein Mann, dem 90 Minuten lang wenig bis nichts gelang, unbedingt den Strafstoß schießen musste. Das aber regeln die Jungs auf dem Platz, was auch gut so ist – wer sich sicher fühlt, soll schießen. Er wäre sicherlich nach seinem Fehlschuss selbst am liebsten im Erdboden verschwunden, so verbietet es sich von selbst, auf Vedo herumzuhacken, der uns schon so viele Punkte gerettet hat. Herum lamentieren bringt sowieso nichts mehr, der VfB muss mit dem einen Punkt vorlieb nehmen und kann meiner Ansicht nach auch damit gut leben. Wenn man ehrlich ist, hatte die Eintracht ihrerseits ja genügend Chancen, den Siegtreffer zu erzielen, so dass sie eine Niederlage eigentlich auch nicht verdient hatten. Vor ein paar Wochen noch wäre dieses Spiel sicherlich verloren gegangen, jetzt haben wir wenigstens einen Punkt mehr auf der Habenseite und holen uns die verspielten Punkte eben am nächsten Sonntag in Braunschweig. Wichtig war, dass die Serie in der Bundesliga unter Thomas Schneider hielt, wir nun mit ihm sieben Punkte aus drei Spielen holten und damit so etwas wie die Mannschaft der Stunde sind, lässt man einmal die in einer anderen Liga spielenden Dortmunder, Bayern und Leverkusener außer Acht!

Vor Braunschweig steht allerdings noch das wichtige Zweitrundenduell im DFB-Vereinspokal beim SC Freiburg auf dem Programm. Man darf gespannt sein, mit welcher Aufstellung Schneider dem Ziel „Finale 2014“ entgegen steuern möchte. Gestern in „Sport im Dritten“ kündigte er an, etwas rotieren zu wollen. DIE Chance sich zu zeigen also für diejenigen, die seit Schneiders Amtsantritt etwas außen vor waren. Wie ich soeben, beim Verfassen dieser Zeilen, zur Kenntnis nehmen muss, fällt unsere Nummer Eins, Sven Ulreich definitiv verletzungsbedingt aus und wird durch Thorsten Kirschbaum vertreten. Unfreiwillig muss also auch auf der Torwartposition rotiert werden.

Freiburg ist nach der großen personellen Fluktuation in der Sommerpause noch auf der Suche nach sich selbst und kann scheinbar nicht mehr gewinnen. Dem 2:2 in der Europa League folgte gestern ein 1:1 gegen Hertha BSC. Ein kleiner Vorteil für uns dürfte darin liegen, dass die Südbadener mitten in den für sie ungewohnten englischen Wochen stecken und die Rotationsmöglichkeiten für Streich eher limitiert sind. Dennoch sehe ich uns vor einer ganz schwierigen Aufgabe. Für die Freiburger Fans wird es das Spiel des Jahres, sie sinnen unbedingt auf Revanche für die Halbfinalniederlage aus dem Vorjahr. Die Mannschaft spürt das natürlich und wird versuchen über sich hinauszuwachsen und den Bock umzustoßen. Ein Sieg im Pokal, der freilich keine Punkte bringt, würde Kräfte für die Liga freisetzen und ihnen neuen Mut machen können.

Als einer von wenigen VfBlern muss ich zugeben, dass mir die ehemals „Breisgau-Brasilianer“ genannten Freiburger nicht unsym“badisch“ sind. In ihrer ersten Aufstiegssaison 1993 drückte ich ihnen in Degerloch auf der Haupttribüne inmitten des Blauen Adels bei den Stuttgarter Kickers die Daumen und gönnte ihnen den Aufstieg. Mein Arbeitgeber hatte damals VIP-Dauerkarten bei den Kickers, die ich mir für dieses Spiel ausschließlich wegen des Gegners sicherte. Damals fand ich es erfrischend, eine neue Kraft aus Baden-Württemberg (Stichwort: kurze Wege) in der Liga zu haben und fand Volker Finke richtig gut. Ein innovativer Trainer einer neuen Generation, der sich von den alten Schergen positiv abgehoben hat. Schon damals war der SC Freiburg nicht gerade auf Rosen gebettet und darauf angewiesen einen besseren Job zu machen als das Establishment, dafür stand Finke in seiner Anfangszeit in Freiburg.

Dazu kam, dass mein Vater beruflich Kontakt mit dem damaligen Präsidenten Achim Stocker pflegte, so dass ich mir in den ersten Jahren der Freiburger Bundesligazugehörigkeit meine (Frei-) Karten direkt an seiner Haustür abholen durfte. Zu dieser Zeit, als das Freiburger Stadion gerade einmal 15.000 Zuschauer fasste und die Euphorie riesig war, war es selbst für den Präsidenten schwierig, an Karten heran zu kommen, vor allem, wenn ich mich kurzfristig anmeldete. So kam es auch schon einmal vor, dass ich zwei Dauerkarten zum abknipsen erhielt, die ich nach dem Spiel wieder zurück brachte. Aufgrund dieser Anekdoten und natürlich auch aus Dankbarkeit dem leider viel zu früh verstorbenen Stocker fällt es mir schwer, ein böses Wort über den Verein zu verlieren.

Auch heute noch verdient Bewunderung, was in Freiburg geleistet wird. Momentan leiden sie unter dem Fluch der guten Tat, nämlich dass sie viele Spieler hervorgebracht haben, die für andere besser situierte Vereine von Interesse und daher nicht in Freiburg zu halten waren. Sie befinden sich mitten im kompletten Neuaufbau und tun sich momentan noch schwer in der Liga mitzuhalten. Ich glaube aber trotzdem nicht, dass sie ein ernsthafter Abstiegskandidat sein werden. Christian Streich ist ein toller Typ und ein noch besserer Fußballlehrer, einer, der diese Bezeichnung wirklich verdient. Unter ihm wird eine Saison nie nur so dahin plätschern. Er hat die Fähigkeit Spieler und eine Mannschaft tatsächlich von Training zu Training weiter zu entwickeln und zu verbessern. Deshalb bin ich davon überzeugt, dass die Freiburger irgendwann in dieser Saison, spätestens zu Beginn der Rückrunde, die Kurve kriegen werden und die notwendigen Punkte für sicherere Gefilde in der Tabelle einfahren werden.

Meine Sympathie für den SCF und die Wertschätzung, die ich ihrer Arbeit entgegenbringe, bedeutet allerdings nicht, dass ich es für gutheiße, wie man dort vom Ordnungsdienst und der Polizei behandelt wird und dass der Gästeblock der fanunfreundlichste in der ganzen Liga ist.

Wenn man mit dem Bus am Stadion ankommt, wird man direkt vor den Gästekäfig gefahren und hat Probleme die Absperrungen in Richtung „Freiheit“ passieren zu dürfen, selbst wenn man seine Karte in einem anderen Bereich hat. In Freiburg gönne ich mir wegen der besseren Perspektive zum Fotografieren öfter mal einen Platz auf der Gegentribüne. Um auf der Gegentribüne im „neutralen“ Bereich Karten zu bekommen, benötigt es allerdings Kontakte nach Baden, mit einer württembergischen Postleitzahl ist eine Bestellung von Tickets direkt beim Sportclub leider nicht möglich. Dieses Tamtam um Fantrennung, das oftmals unverschämte und unangemessene Auftreten der Ordnungskräfte und der Staatsmacht stehen in keinem Verhältnis zu dem, was dort wirklich  geboten ist.

Wenn genügend Zeit ist, gehe ich sehr gerne in den Biergarten nebenan, war sogar auch schon in der Fankneipe auf der Freiburger Seite und bekam noch nie Probleme mit den Freiburger Fans.

Außer harmlosen Frotzeleien, die dazu gehören, habe ich in Freiburg noch keine schlechten Erfahrungen gemacht. Natürlich bin ich auch nicht der Typ der provoziert und weiß wie ich mich, vor allem in der Höhle des Löwen, als Gast zu verhalten habe.

Die Damen und Herren von der Obrigkeit scheren jedoch, wie überall, alle über einen Kamm, anstatt, wie es in einem Rechtsstaat selbstverständlich sein sollte, geschehene Vergehen zu verfolgen und zu ahnden und nicht präventiv alle Anwesenden in Sippenhaft zu nehmen! Im Deutschen Rechtssystem gibt es normalerweise keine Kollektivstrafen, im Fußball (schon deshalb wohl ein rechtsfreier Raum) dagegen schon.

Ich wage einmal die These, dass es, würde man die Fans „einfach machen lassen“ und die Polizei sich im Hintergrund halten würde, weitaus weniger Probleme gäbe, als es sie mit der gängigen Praxis gibt. Vor den Spielen werden meist lächerliche (weil grund- und sinnlose) Verbote verhängt und ein Benimm-Brief des am jeweiligen Spielort obersten Schutzmannes veröffentlicht, in welchem dann reglementiert ist, wie man sich als Fan zu verhalten hat und wo man sich aufhalten darf. Dass den noch so unsinnigen Anweisungen ohne Murren Folge zu leisten wäre und dass sie nett zu uns sein würden, wenn wir gehorsam und nett zu ihnen sind. Mit mündigen Bürgern, die nichts verbrochen haben, geht man (in einem Rechtsstaat) anders um.

Sportlich erwarte ich vom VfB, dass er konzentriert spielt und Freiburg nicht durch dumme Leichtsinnsfehler oder lasches Auftreten aufbauen möge. Unsere Jungs haben beim Pokalendspiel in Berlin Blut geleckt und werden sicherlich alles dafür tun, das Finale erneut zu erreichen, dieses Mal den Pokal selbst in die Höhe zu strecken und nicht nur Staffage bei der Siegerehrung zu sein. Auf dem Papier sind wir stärker besetzt als die Freiburger, kommen mit Selbstvertrauen ins Dreisamstadion, spielen gegen einen verunsicherten Gegner, was also sollte uns davon abhalten, in die dritte Runde einzuziehen. Habe ich weiter oben gemutmaßt, dass ein Spiel wie gegen die Eintracht unter Labbadia noch verloren gegangen wäre, so darf man an dieser Stelle auch die Hoffnung hegen, dass die Zeiten vorbei sind, in denen wir der ideale Aufbaugegner für die Krisenclubs der Liga waren. Nach Freiburg und nach Braunschweig sind wir in dieser Hinsicht schlauer!

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