27. April 2010

2:0 – VfB fegt Bochum vom Platz

Der VfB ist auf alles eingestellt gewesen, nur nicht auf eine Partie, die bereits nach 18 Minuten entschieden ist und in der der abstiegsbedrohte Gegner ein bemitleidenswertes Bild abgibt. Eine angenehme Überraschung für das Überraschungsteam der Rückrunde. Die Teilnahme an der Europa League ist nach dem 2:0-Sieg in Bochum und vor den ausstehenden letzen beiden Saisonspielen gegen Mainz und in Hoffenheim nun greifbar nahe. Selbst die Champions-League-Qualifikation scheint kein Tabuthema mehr zu sein: “Wir wollen Druck nach vorne ausüben”, sagt der Sportdirektor Horst Heldt.

Spiele gegen den VfL Bochum hatten für den VfB zuletzt schon zweimal weitreichende Folgen. Am vorletzten Spieltag der Saison 2006/2007 übernahmen die Stuttgarter durch einen 3:2-Auswärtssieg die Tabellenführung und wurden Meister. In der Hinrunde war das Team von Markus Babbel zuhause nicht über ein 1:1 gegen Bochum hinausgekommen, was wütende Stuttgarter Fanproteste und die Entlassung des Teamchefs nach sich zog. Seitdem steht Christian Gross der Mannschaft vor, der Anfang der achtziger Jahre ausgerechnet für die Bochumer zwei Jahre am Ball war. Was den Schweizer allerdings nicht daran hinderte “emotionslos”, wie er sagte, in diese Parte zu gehen.

Auch die VfB-Spieler agierten am Freitagabend sehr abgebrüht. Nach 18 Minuten und zwei Stuttgarter Chancen führte der VfB schon mit 2:0. Erst drückte Cacau den Ball nach der Vorarbeit von Ciprian Marica und Timo Gebhart über die Linie (14. Minute). Dann erhöhte Marica nach schönem Zuspiel von Cacau sehr entspannt. Mit dieser Vorlage und seinem vorangegangenen 12. Saisontor verbesserte Cacau vor den Vertragsgesprächen mit dem VfB, die in der nächsten Woche wieder aufgenommen werden, weiter seine Verhandlungsposition.

Aber auch die Defensive agierte gegen die nur anfangs um den Klassenverbleib kämpfenden und spielerisch limitierten Bochumer souverän. Für den am Knie verletzten Stefano Celozzi begann auf der rechten Abwehrseite Ricardo Osorio. Der Mexikaner, der Stuttgart am Ende der Saison wohl in Richtung FC Villarreal verlassen wird, bekam den Vorzug vor Khalid Boulahrouz, der das als deutliches Zeichen werten muss. Zumal er auch nach Osorios Verletzung in der zweiten Halbzeit abermals nicht zum Zug kam.

Auf der Stuttgarter Bank saß außerdem noch Alexander Hleb. Der Weißrusse dürfte den Ärger des Trainers durch eine etwas laxe Einstellung auf sich gezogen haben. So hatte Hleb beispielsweise zuletzt eine Trainingsübung sitzend verfolgt.

Das zeigt aber gleichzeitig auch: die Stärke der besten Rückrundenmannschaft, die nun schon den sechsten Sieg in Folge verbucht hat, ist die Ausgeglichenheit des Kaders. Fast jeder Spieler scheint ersetzbar zu sein. Ausnahmen bilden im Moment der Linksverteidiger Cristian Molinaro, Cacau, der mit 29 Jahren möglicherweise seine besten Jahre noch vor sich hat, und Christian Träsch im defensiven Mittelfeld, dessen Chancen auf eine WM-Teilnahme stetig steigen.

Gegen harmlose Bochumer verlegte sich der VfB in der zweiten Halbzeit auf Konter, die allerdings nicht mit letzter Entschlossenheit vorgetragen wurden. Konzentriert verrichtete dagegen weiterhin die VfB-Abwehr ihre Arbeit. Nicht eine einzige ernstzunehmende Torchance über die gesamten 90 Minuten wurde den Bochumern gestattet. Das war für den VfB-Torhüter Jens Lehmann eine ganz gute Einstimmung auf den bevorstehenden Ruhestand.

So schlug die Stimmung der zunächst geduldigen Bochumer Fans am Ende auch in fassungslose Enttäuschung um, so wie einst bei der Stuttgarter Anhängerschaft nach dem 1:1 im November-Hinspiel. Aber auch das dürfte Christian Gross wieder einmal ziemlich egal gewesen sein.

VfL Bochum:

Heerwagen – Pfertzel, Maltritz, Mavraj, Bönig – Maric, Yahia, Fuchs – Holtby (84. Freier) – Sestak (69. Dedic), Epallé (62. Azaouagh)

VfB Stuttgart:

Lehmann – Osorio (64. Kuzmanovic), Tasci, Delpierre, Molinaro – Träsch, Khedira – Gebhart, Hilbert – Marica (79. Schieber), Cacau

Schiedsrichter:

Gagelmann (Bremen)

Zuschauer: 25.431
Tore:

0:1 Cacau (14.), 0:2 Marica (18.)

Gelbe Karten:

Bönig (3), Maltritz (4), Pfertzel (4), Sestak (4)

(STZ 23.4.10)

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