13. Oktober 2010

Geht’s noch, VfB???

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , , , – Franky @ 11:43

Als ich die Nachricht von der Entlassung von Gross vor gut einer Stunde mitbekommen habe, wäre ich fast von meinem Bürostuhl gefallen. Haben die Oberen unseres Lieblingsvereins noch alle Tassen im Schrank?

Derer eigenen Unfähigkeit geschuldet, muss das nächste Bauernopfer dran glauben. Fehler werden Menschen verziehen, vorausgesetzt, sie wiederholen sich nicht ständig. Was aber die Vereinsführung hier gemacht hat, ist ein Schmierentheater ohne gleichen.

Christian Gross hat den VfB zur mit Abstand besten Rückrundenmannschaft geformt, die bei annähernd guter Vorrunde das Zeug zum Meister gehabt hätte. Dann reißt man aus diesem Korsett Leistungsträger heraus, holt keinen adäquaten Ersatz trotz inständigem und verzweifelten Mahnens des Trainers. Man schafft es abermals nicht, zum Trainingsauftakt den Kader zusammen zu haben, sondern bedient sich des Trugschlusses, gegen Ende der Transferperiode würden die Preise fallen. Dass dies nicht der Fall ist “überrascht” die Herren jedes Jahr aufs Neue. Stattdessen bekommt man Spieler von der Resterampe, die noch nirgends untergekommen und nicht schnell genug auf dem Baum sind. Als dann plötzlich Petric auf dem Markt war, meinte man, den HSV mit für einen solchen Spieler lächerlichen 3,5 Millionen über den Tisch ziehen zu können. Mit dem Spieler war man bereits einig, Christian Gross hätte seinen Wunschspieler bekommen, mit dem er bereits in Basel gut zusammen gearbeitet hatte, und wir hätten einen Spieler bekommen, der in einer Mannschaft den Unterschied ausmachen kann. Nein, diesen Gefallen wollte der Vorstand seinem Trainer nicht tun, stattdessen holte man einen alternden Weltmeister, der auf seine alten Tage noch fürstlich entlohnt wird. Auch er von der Resterampe, denn bei Juventus sollte er diese Saison keine Rolle mehr spielen.

Damit wurde die Chance vertan, frühzeitig noch die Kurve zu bekommen und als Kapitän das Ruder noch einmal herumzureißen. So wurde Christian Gross ins offene Messer laufen lassen, denn in den ersten Pflichtspielen Ende Juli und im August (Molde, Babelsberg, Mainz, Bratislava, Dortmund, Freiburg) hatte es sich gezeigt, dass die Qualität nicht ausreicht. Diese Serie setzte sich erwartungsgemäß fort und am Ende muss wieder einmal der Trainer ins Gras beißen. Bravo, Ihr Herren vom Vorstand.

Dass das Gehaltsniveau von 60 Millionen auf 45 Millionen heruntergefahren wurde, ist ja aller Ehren wert. Dass dies aber bereits alleine durch die eingesparten Gehälter von Hleb, Lehmann und Khedira geschehen sein müsste, darüber erzählt uns niemand etwas.

Als Fan muss man wohl oder übel akezptieren, dass in unserem Vorstand zwar keine sportliche, dafür aber geballte wirtschaftliche Kompetenz zu finden ist. Was die Herren aber dann geritten hat, überhaupt erst ein solches Gehaltsniveau, das fast die Hälfte der Gesamtausgaben verschlungen hat, zuzulassen, sollten sie auch erklären. Es ist ja nicht so, dass man uns in den letzten Jahren einen Diego, Van der Vaart oder Robben vorgestellt hatte, bei uns verdien(t)en diese Gehälter Bankdrücker oder Dauer-Reha-Patienten wir Boulahrouz und Bastürk. Diese Herren leb(t)en in einem Schlaraffenland und sahen bzw. sehen überhaupt keine Notwendigkeit sich nach Alternativen umzuschauen, auch wenn sie noch so selten spiel(t)en. Ich möchte das nicht an diesen beiden Namen festmachen, sie sind nur zwei von vielen Beispielen aus den letzten Jahren. Seit der Meisterschaft 2007 ist hier fast nur Missmanagement zu beklagen, wofür die Herren hoffentlich bei der nächsten Mitgliederversammlung die Quittung erhalten. Würde man einen starken Trainer akzeptieren und ihm und seiner Philosophie folgen, könnte man solche Legionäre auch mal sanktionieren, so dass sie eben kein Schlaraffenland mehr vorfinden.

Die letzten Wochen gaben Hundt und Staudt ein erbärmliches Bild in der Öffentlichkeit ab. Hundt machte öffentlich Stimmung gegen Gross. Staudt ließ sich, wie auch im letzten Jahr, höchstens auf dem Wasen blicken und quittierte selbst das Pfeifkonzert gegen seine Person mit seinem bekannten süß-sauren Lächeln. In Sport im Dritten am Sonntag sollte er sich stellen, gab aber auch nur das Bild eines ratlosen Häufchen Elends ab. Dazu durfte sich noch unser neuer Hauptsponsor, Herr Garcia von GAZI, Christoph Daum als neuen Trainer wünschen.

Mir tut in diesem Schmierentheater Christian Gross unendlich Leid. Ich hatte zwar schon befürchtet, dass er vielleicht selbst irgendwann einmal hinschmeißt, wenn er ständig gegen Windmühlen anrennt. Er ist aber ein ausgewiesener Fachmann, der am wenigsten für die derzeitige Krise kann.

Ihn ließen wieder einmal die Herren Spieler im Stich, die jetzt unter einem neuen Mann sicher wieder 20% mehr laufen und sich taktisch geschickter bewegen. Dann werden sich die Herren vom Vorstand auf die Schenkel klopfen und sich wieder einmal beglückwünschen wie toll sie alle sind. Schämt Euch!

Ich habe die große Hoffnung, dass sich die Fans, die, wenn man sich in den einschlägigen Foren umschaut, genauso sauer sind, wie ich, es sich dieses Mal nicht klaglos gefallen lassen sondern (friedlich)  auf die Barrikaden gehen. Ein erster Protest heute um 16.30 Uhr am Vereinsgelände zeichnet sich bereits ab.

Nichts desto trotz werde ich am Samstag auf Schalke meinen VfB unterstützen. Ich liebe das Wappen, die Tradition, aber nicht immer das verantwortliche Personal.

In diesem Sinne, bleibt dem VfB treu, viele Grüße

Franky

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22. Mai 2010

Neuer Hauptsponsor: Der VfB sucht die Nähe zur Region

Erwin Staudt hätte es auch ganz kurz machen können und sagen: “Der Käse ist gegessen.” In diesem Fall der Weichkäse, denn auf die Herstellung solcher Produkte versteht sich Eduardo Garcia bestens. Er ist Inhaber und Vorstand der Garmo AG mit der Premiummarke Gazi – und dieses Unternehmen wird jetzt Hauptsponsor des VfB Stuttgart.

Der Käse ist also gegessen, oder um mit Staudt zu sprechen: “Damit beschließen wir ein Kapitel, das uns in den letzten Monaten sehr beschäftigt hat.”Diesem Satz des Präsidenten gingen viele Gespräche mit vielen Firmen voraus, die bei dem auch bei den Stuttgarter Kickers engagierten Garcia endeten. Der Vertrag läuft bis 2012 mit der Option für eine weitere Saison und bringt dem VfB bis zu sechs Millionen Euro pro Jahr, abhängig von den Erfolgen der Mannschaft. Der bisherige Hauptsponsor EnBW zahlte zwar 7,5 Millionen Euro, aber der Club hat sich dennoch verbessert, weil der Energiekonzern als Partner in der zweiten Reihe mit drei Millionen Euro erhalten bleibt.

Sponsoren bringen 25 Millionen Euro

Insgesamt kassiert der VfB Stuttgart von seinen 20 Sponsoren rund 25 Millionen Euro, womit er zur Spitzengruppe in der Bundesliga gehört. In diesen wirtschaftlich schwierigen Zeiten ist das umso wichtiger – was auch das Beispiel 1. FC Kaiserslautern zeigt. Der Hauptsponsor des Aufsteigers erklärte gestern seinen Rückzug.

Das ist der Trend, doch solche Sorgen plagen den VfB nicht. Er unterscheidet sich von den meisten Konkurrenten – etwa dadurch, dass er auch die Verhandlungen mit Gazi in Eigenregie abgewickelt hat und ohnehin nach wie vor alle Rechte im eigenen Haus hält. Oder dadurch, dass er keine Provisionen an Agenturen ausschütten muss. Oder dadurch, dass er sich nicht an einen Vermarkter gebunden hat. Das gebe es nur noch ganz selten in der Bundesliga, sagt Staudt, “wir können die Einnahmen ausschließlich für unsere Zwecke nutzen.”

Da kommt Gazi gerade recht. “Das ist der erste Partner, zu dem wir zu Fuß hinlaufen können”, sagt Staudt. Möglich wird das, weil es nicht weit ist von der VfB-Geschäftsstelle in Bad Cannstatt bis zum Büro von Garcia in Stuttgart-Wangen. Was der Präsident so salopp formuliert, hat jedoch auch einen tieferen Hintergrund: die Ausrichtung des VfB. “Wir streben nicht nur die finanzielle Unterstützung an” sagt Staudt, “was wir brauchen, ist auch ein Beitrag zu unserer Vereinsphilosophie. Wir suchen die Nähe zur Region.” Und da passt ein Sponsor aus Stuttgart-Wangen eben besser als einer aus Tokio oder aus Schanghai.

Insofern ist die Kooperation mit Garcia ein Schritt auf dem Weg, dem sich der VfB verschrieben hat. Auf sportlicher Ebene bedeutet das, dass schwerpunktmäßig die eigenen Talente gefördert werden. Dabei lautet die Vorgabe jetzt, wieder mehr Spieler aus der A-Jugend des VfB zu Stammkräften bei den Profis zu machen. Die momentan Letzten, die das geschafft haben, sind Serdar Tasci und Sami Khedira – und das war vor mehr als drei Jahren. Christian Träsch rückte seitdem zwar auch auf, aber er wurde nicht in Stuttgart ausgebildet, sondern von 1860 München verpflichtet.

Nun bekommen Sven Ulreich, Sebastian Rudy, Patrick Funk und Daniel Didavi die Chance. Julian Schieber muss dagegen warten. Er wird ausgeliehen – wohl nach Nürnberg. Über diese Planspiele spricht Horst Heldt nach der Vorstellung von Gazi. Zuvor hat der Manager auch gehört, was der neue Sponsor erwartet: auf jeden Fall wieder die Qualifikation für das internationale Geschäft. “Wir wollen Europa erobern”, sagt Garcia – und meint damit sowohl sein Unternehmen als auch den VfB.

Daran wird die Mannschaft gemessen – und Heldt. Er muss das Konzept mit den jungen Leuten umsetzen und trotzdem Europa erobern, wie Garcia so schön sagt. Dabei weiß Heldt, dass die Wirtschaftssituation keine großen Sprünge auf dem Transfermarkt zulässt. Auch die Option für Cristian Molinaro hat er bei Juventus Turin noch nicht gezogen. Die Frist läuft jedoch erst am 31. Mai ab. Bis dahin wird der Manager versuchen, die Ablöse von vier Millionen Euro noch zu drücken. “Das alles ist eine Herausforderung für mich”, sagt Heldt – während Staudt und Garcia ihre Herausforderung schon bewältigt haben.

(STZ 20.5.10)

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