15. April 2018

Fucking VfB-Gen

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , – Franky @ 16:12

Spätestens seit der Wolf-Entlassung haben wir unseren alten VfB wieder. Hatte man unter Schindelmeiser und Wolf noch das Gefühl, die beiden würden den Verein auf links drehen und hatte man bei den meisten (Personal-)Entscheidungen den Eindruck, diese erfolgten zukunftsweisend und einem Plan folgend, kam mit Korkut ein Trainer, dessen beste Referenzen gewesen zu sein schienen, dass er in Cannstatt wohnt und sofort verfügbar war.

Zugegeben, der Start unter Korkut verlief verheißungsvoll. Binnen kürzester Zeit mutierten wir von einem Abstiegskandidaten gar zu einem Europaleague-Aspiranten. Mit einem gewissen Ehrgeiz und mehr Galligkeit wäre Platz sieben durchaus im Bereich des Möglichen gewesen.

Doch, Stichwort „alter VfB“, die Selbstzufriedenheit machte sich schneller wieder breit, als man gucken konnte. Einige Herren hielten es nach einem beachtlichen Zwischenspurt für angebracht, die Füße hochzulegen und, nachdem der Klassenerhalt so gut wie erreicht war, die Saison für beendet zu erklären. Dieses Minimalistendenken wird dem Verein wohl erst gänzlich ausgetrieben sein, wenn auch der Letzte der Ära Gentner seine Schuhe an den Nagel gehängt hat oder wenigstens seine ach so glorreiche Karriere in einer Operetten-Liga ausklingen lässt.

Dass ein Trainer stoisch an immer den gleichen 12, 13 Leuten festhält, die es ihm auf dem Rasen schon lange nicht mehr danken und andere wiederum trainieren können wie sie wollen und doch keine Chance erhalten, solang die Platzhalter einsatzbereit sind, ist für mich im Mannschaftssport Gift und jetzt schon wieder der Anfang von seinem Ende.

Bis die Stunde der Edelreservisten schlägt, werden die Guten den Verein frustriert verlassen haben und die Anderen den Trainer, der sie so lang links liegengelassen hat, im Regen stehen lassen, wenn er denn mal aufgrund von Personalmangels auf sie angewiesen sein sollte.

Auch da wünsche ich mir einen wie Hannes Wolf zurück, bei dem kein Automatismus auftrat, der Spieler nach herausragenden Trainingswochen mit Einsätzen belohnte und nach Länderspielpausen genau hinsah, wer in welcher Verfassung zurückkehrte und ob andere nicht doch frischer sind. Dass Wolf zuletzt glücklos war, sei dahingestellt. Er schaffte es aber, die Spannung hochzuhalten und jedem im Kader das Gefühl zu vermitteln, ein wichtiger Bestandteil des großen Ganzen zu sein und dass alle stets bereit sein mussten, könnte ihre Stunde doch jederzeit schlagen.

Gerade jetzt, wo einige im Kader wieder denken, einen Schritt weniger machen und sich nicht mehr neunzig Minuten lang konzentrieren zu müssen, müsste der Trainer dazwischen grätschen und genau hinsehen, wer in einer Saisonphase, in der es vermeintlich um nichts mehr geht, bereit ist, sich zu quälen. Ich schreibe, „vermeintlich um nichts mehr geht“, weil es natürlich noch um sehr viel geht. Jeder Tabellenplatz besser ist bei der Verteilung der Fernsehgelder Millionen wert, aber das scheint in die Hohlköpfe so manchen Spielers nicht hineinzugehen oder es ist ihnen egal, so lang ihr Gehalt auch weiter pünktlich auf dem Konto ist.

Ich bin übrigens keiner derer, die eine Europaleague-Qualifikation als zu früh angesehen hätten und den Spielern damit schon im Voraus ein Alibi für eine schlechte nächste Saison gegeben hätten. Europa kann nie zu früh kommen! Uns Fans würden internationale Touren eine schöne Abwechslung vom tristen Ligaalltag bescheren, dem Verein wären eine bessere Wahrnehmung über die Landesgrenzen und damit bessere Vermarktungschancen gewiss. Unter diesem Gesichtspunkt handeln diejenigen, die diese Saison seit geraumer Zeit einfach nur noch austrudeln lassen, höchst vereinsschädigend.

Korkut scheint das alles egal zu sein, schwadroniert er auch gestern wieder von der Ziellinie, die er bei vierzig Punkten sieht, und welche erst noch überschritten werden müsse. Nicht genug damit, dass wir es mit einem Haufen von Minimalisten auf dem Rasen zu tun haben, auch der Trainer ist mit dem Erreichen des Minimalerfolges zufrieden, so dass wir uns schon jetzt auf die restlichen vier Spiele freuen dürfen, in denen das Ziel vorgegeben zu sein scheint, noch ein Pünktchen zu ergattern, um endlich die in Stein gemeißelten vierzig Punkte unser Eigen nennen zu können.

Korkut setzt nach wie vor auf „Altbewährtes“ und traut sich nicht, das vermeintlich so erfolgreiche Ensemble, das die Gegner regelmäßig an die Wand gespielt hat, zu ändern. Die Verfassung seiner Lieblinge ist da völlig egal, Hauptsache das ach so stabile Gerüst wird nicht gesprengt. Dabei bleibt ihm leider verborgen, dass der Korkut-Code geknackt und sein Glück aufgebraucht ist. Es gibt wohl derzeit kein Team in der Liga, das leichter auszurechnen ist als der VfB. Ein guter Trainer erkennt das und überrascht sein Gegenüber dann auch mal mit taktischen oder personellen Kniffen, nicht so Korkut, der lieber auf Holz klopft und hofft, dass das Glück weiterhin hold sein möge.

Nicht nur die Startaufstellungen gleichen sich bis auf Nuancen immer, auch bei den Auswechslungen hat man den Eindruck, diese stünden bereits vorher fest und seien nicht dem Spielverlauf oder der Müdigkeit des einen oder anderen Protagonisten geschuldet. Diesbezüglich fühle ich mich in schlimmste Labbadia-Zeiten zurückversetzt.

Wieso nimmt er auch gegen Hannover Thommy, den Torschützen und einzigen wirklichen Kreativspieler raus und bringt den deutlich formschwächeren und langsameren Özcan? Und wenn ich Thommy schon auswechseln muss, weshalb nicht gegen Donis, der durch seine Schnelligkeit bei den sich bietenden Konterchancen Gold hätte wert sein können? Was hat Donis verbrochen, dass er seit dem Wolfsburg-Spiel überhaupt keinen Einsatz mehr zu verzeichnen hatte?

Weshalb muss immer Thommy weichen und nicht beispielsweise Ginczek, der ab Minute fünfzig regelmäßig platt wirkt? Traut sich da einer an vermeintlich größere Namen nicht heran? Ist es Dankbarkeit derer gegenüber, die Wolf abgeschossen, sich dann unter Korkut zunächst zusammengerissen und ihm zu einem Traumstart verholfen haben? Ist es Zufall, dass der VfB mittlerweile Woche für Woche die älteste Startelf seit zwölf Jahren aufbietet? Wo ist der Jugendstil geblieben, wo die Nachhaltigkeit, wo der Plan für die Zukunft? Wie vor dem Abstieg auch, graut es mich gewaltig vor der nächsten Saison, weil (noch) nichts darauf hindeutet, dass sich das Gesicht (und damit auch die Mentalität) der Mannschaft entscheidend verändern wird.

Zunächst wurden beim gestrigen Spiel Konterchancen, bei denen Insúa als unser vorderster Spieler fungierte, leichtfertig verschenkt um, je näher es auf das Spielende zuging, immer weniger am Spiel teilzunehmen, Bälle nur noch blind nach vorne zu schlagen und somit um den Ausgleich zu betteln.

Dieser fiel dann auch folgerichtig in der Nachspielzeit und war schon allein deshalb verdient, weil der VfB sich den Sieg durch zu viel Passivität nicht verdient hatte. Der eine oder andere wird vielleicht jetzt noch wegen dem späten Ausgleich rumheulen und den Fußballgott verfluchen, für mich bekam der VfB genau das, was er sich durch seine mitunter destruktive Spielweise selbst zuzuschreiben hatte.

Ob sich der VfB einen Gefallen damit getan hat, den jungen und erfrischenden VfB unter Hannes Wolf gegen den biederen unter Korkut einzutauschen, wird man sehen. Fallen Blätter, fallen Trainer, derzeit kann ich es mir nicht vorstellen, dass Korkut zum Jahreswechsel noch VfB-Trainer ist.

Ich möchte jetzt nicht den Stab über den Trainer brechen. Nach Wolf, der das Team so böse intellektuell überfordert hatte, hätte wohl jeder kommen und kurzfristigen Erfolg gehabt. Bestimmte Spieler sind das Problem, nicht der Trainer. Diese haben die Macht und wenn vermeintliche Führungsspieler den Daumen für einen Übungsleiter senken, muss dieser eben gehen, so ist das Geschäft. Trennt man sich von diesen Spielern nicht über kurz oder lang, befinden wir uns wieder in genau der Endlosschleife, in der wir schon vor Hannes Wolf gefangen waren.

Noch kann ich nichts darüber sagen, für welchen Fußball Tayfun Korkut steht und wie er sich sein Team der Zukunft vorstellt. Übernimmt man mitten in der Saison und hat weder eine Vorbereitung noch eine Transferphase, ist ein Trainer zum Verwalten der Missstände verdammt und kann wenig beeinflussen. Daher wird es im Sommer interessant sein zu beobachten, ob er gewillt ist, die wirklichen Probleme konsequent und ohne Sorge um sein Standing im Team zu beheben oder ob es ihm, wie einem Politiker, in erster Linie darum geht, die „wichtigen“ Leute hinter sich zu scharen, um an seinem Sessel zu kleben. Der Hausmacht, die einige Leute haben und die es ihnen erlaubt Trainer um Trainer zu verschleißen, muss ein Ende gesetzt werden. Korkut oder sein Nachfolger benötigen dafür im Verein die Unterstützung und den Rückhalt, welche Schindelmeiser und Wolf nicht gegeben war. Dürfen sich weiter Spieler „oben“ ausweinen und Trainer weg mobben, wenn sie ihren Status als gefährdet ansehen, wird sich beim VfB nie etwas ändern.

Es gilt, dieses unsägliche VfB-Gen loszuwerden, welches immer dann im Weg steht, wenn die Möglichkeit bestünde, den nächsten Schritt zu gehen. Diese Selbstzufriedenheit kotzt mich an.

Manch einer beweihräuchert sich wohl noch immer selbst, weil man in der Vorwoche beim 0:3 in Dortmund eine halbe Stunde gut mitgespielt hat. Doch, wie sah das gut mitspielen denn aus? War es nicht etwa so, dass man sich gegen einen maximal verunsicherten Gegner an Ballbesitz ergötzte, ohne das gegnerische Tor auch nur einmal ernsthaft in Gefahr zu bringen? Ohne dass der gegnerische Torwart auch nur einmal eingreifen musste? Ist es schon das, nach dem wir streben, dass wir den Ball in den eigenen Reihen halten, den eigenen Torwart mehr ins Spiel einbeziehen als unsere Stürmer und damit zufrieden sind, dass in dieser Zeit Dortmund auch nichts gemacht hat?

Fußball ist Ergebnissport, unterm Strich stand ein 0:3, mit dem man noch gut bedient war, wenn der erste (echte) Torschuss erst gegen Ende der Partie zu verzeichnen war, als man schon aussichtslos zurück lag.

Holger Badstuber prangerte die Missstände hinterher an und bekam in den einschlägigen Foren und Facebook-Seiten ordentlich Prügel dafür. Was erlaubt sich schon einer, der (ehrlich) kommuniziert, dass er wieder Championsleague spielen möchte und der VfB daher nur eine Durchgangsstation für ihn sein könnte? Einer, bei dem die eigene Leistung an diesem Tage auch zu wünschen übrig ließ?
So der Tenor im Netz. Dass Badstuber in einem Formtief steckt und, wie Zieler, maßgeblich mitverantwortlich für das gestrige Gegentor waren, geschenkt. Beider Wert in dieser Saison ist nicht hoch genug einzuschätzen, etliche Zu-Null-Spiele sprechen Bände. Daher empfinde ich es als ungerecht, auf die beiden, oder, um zum Thema zurückzukehren, Holger Badstuber einzudreschen. Selbst, sollte es bei einem einjährigen Intermezzo beim VfB bleiben, handelte es sich um eine Win-Win-Situation und beide Seiten hätten stark voneinander profitiert.

Ich hätte gerne ein Team mit elf Typen vom Schlage eines Holger Badstuber. Während viele ihn wegen seiner Bayern-Zeit und dem implementierten Bayern-Gen verfluchen, ist er für mich, zumindest wegen Letzterem, so wertvoll. Das fucking VfB-Gen habe ich oben beschrieben, das Bayern-Gen ist das krasse Gegenteil davon und äußert sich darin, dass Badstuber einer ist, der nicht verlieren kann und den Niederlagen extrem nerven.

Mir ist ein ehrgeiziger Spieler wie Badstuber tausend Mal lieber als der selbstgefällige Rest, der schon damit zufrieden ist, im Westfalenstadion nicht ganze neunzig Minuten an die Wand gespielt worden zu sein, sondern „nur“ sechzig.

Außer der Generalkritik, dass man leichtfertig die Chance zu punkten liegengelassen habe, wird Badstuber auf kicker.de wie folgt zitiert: “Wir müssen den nächsten Schritt machen, auch fußballerisch. Nur lange Bälle zu spielen, ist nicht das, was Sinn macht, und was unsere Entwicklung sein sollte. Irgendwann müssen wir mehr spielen. Aber das ist ein Prozess und kommt mit Erfolgen und positiven Ergebnissen.” Für mich klingt das nicht so, als ob Badstuber mit dem VfB abgeschlossen habe und eine Ausweitung seines Engagements ausgeschlossen sei. Eher im Gegenteil, wenn er kurz vor Saisonende eine weitere Entwicklung erwartet, kann er ja fast nur die kommende Saison meinen. Mit solchen Erwartungen setzt Badstuber zweifellos Reschke und die Vereinsführung unter Druck. Diese muss jetzt Farbe bekennen, auf welche Seite sie sich schlägt. Setzt man auf ehrgeizige Spieler mit Klasse oder auf jene vermeintlichen hundertprozentigen VfBler, weichgespült und mit dem fucking VfB-Gen behaftet.

Einem Spieler wie Badstuber, das unterstelle ich einfach mal, geht es bei einer Vertragsverlängerung mit dem VfB nicht ausschließlich um Geld. Sollte ein wirklich großer und ambitionierter Verein bei ihm anklopfen, ist es klar, dass der VfB schlechte Karten hätte. Aufgrund seiner Verletzungshistorie und seines Alters aber werden solche Vereine nicht Schlange stehen. Daher dürfte es Badstuber um die Perspektive seines künftigen oder weiteren Arbeitgebers gehen. Reschke und Dietrich werden Badstuber glaubhaft aufzeigen müssen, wie sie sich den VfB der kommenden Saison vorstellen und welche Rolle Badstuber zugedacht ist. Klingt das alles dann nicht nach einem ausgeklügelten und realistischen Plan sondern eher nach einem „weiter so“, dürften die Zeichen sicher auf Abschied stehen, wer will es ihm dann aber auch verdenken?

Auf die letzten vier Saisonspiele habe ich schon jetzt keine große Lust mehr. Wie immer freue ich auf das Drumherum und die vielen Weggefährten bzw. Leidensgenossen, nicht aber auf die trostlosen Veranstaltungen auf dem Rasen. Die Saison plätschert ihrem Ende entgegen, in einer schwachen Liga reichen größtenteils schwache Darbietungen zum sicheren Klassenerhalt, was nicht für den deutschen (Liga-)Fußball spricht.

Zum Schluss noch die Erklärung, weshalb ich mich auf meinem Blog zuletzt sehr rar mache. Es hat nichts damit zu tun, dass mir zum VfB nichts mehr einfallen würde, sondern schlicht und ergreifend, dass ich seit August aufgrund von Krankheit Einzelkämpfer im Geschäft bin und abends nur noch selten einen Kopf zum schreiben habe. Auf Facebook unter https://www.facebook.com/frankysstadionpics/ gebe ich öfter ein Statement ab als im Blog, liken und reinschauen lohnt sich also.

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13. Februar 2018

Brustring-Burnout

Diese Begrifflichkeit stammt nicht von mir, sondern von einem sehr geschätzten Freund und Allesfahrer-Kollegen, der keinen Bock mehr hat und es ernsthaft erwägt, sich künftig anderen Dingen zu widmen, als ständig dem Brustring hinterher zu fahren.

Vergleiche zu schlimmen Krankheiten sollte man im Sport zwar nicht unbedingt ziehen und doch passen sie manchmal ganz gut. Schon die Jahre vor dem Abstieg verglich ich mit dem Dahinsiechen eines todkranken Patienten an lebenserhaltenden Maschinen und empfand es als pure Erlösung, als durch den Abstieg endlich der Stecker gezogen wurde. Der Burn-out per Wort-Definition bedeutet, „die innere Flamme erloschen, ausgebrannt“, was sich schon irgendwie auch auf meine Gefühlswelt in Bezug auf den VfB übertragen lässt.

Selten saß ich derart emotionslos im Stadion wie am Sonntag, selten kam nach einem dreckigen Arbeitssieg so wenig Freude auf, wie nach dem für die Tabelle so wichtigen Dreier gegen die Elf vom Niederrhein.

Dass es vielen meiner Freunde und Bekannten ähnlich geht und das Davor und Danach wichtiger ist als das Spiel, unterstreicht, dass ich mit meinen Empfindungen nicht alleine da stehe. Kaum einer hat mehr richtig Lust, nach dem Vorglühen den Fußmarsch von Bad Cannstatt zum Neckarstadion anzutreten, manch einer bleibt an den auf dem Weg liegenden Gastronomiebetrieben hängen und schaut sich den Kick lieber im Warmen und vorm Fernseher an.

Ganz so weit ist es bei mir noch nicht gekommen, wenngleich ich zugeben muss, dass es mehr die Lust am Knipsen ist, die mich stets pünktlich erscheinen lässt, als die Anwesenheit der Millionäre in kurzen Hosen.

Die Kurve, der (für mein Empfinden noch zu stille) Protest, die Choreographien, die Fahnen, die Gesänge, all das macht für mich das Stadionfeeling aus. Vorbei sind die Zeiten, als noch ein Team auf dem Rasen stand, das sich in jedem Spiel für den Brustring zerrissen hat, das den Funken vom Rasen auf die Ränge überspringen ließ und selbst die Haupt- und Gegentribünen-„Bruddler“ zu Gesängen und rhythmischem Klatschen animierte. Die Spiele sind selten vergnügenssteuerpflichtig, ein, zwei ernstzunehmende Torabschlüsse im gesamten Spiel sind keine Seltenheit. War es schon immer Usus beim Fußball, den Protagonisten auf dem Rasen durch Pfiffe seinen Unmut zu zeigen, durch Raunen technische Unzulänglichkeiten zu kommentieren und gute Leistungen mit Beifall zu belohnen, ist die Spezies Fußballprofi der Gegenwart zunehmend verweichlicht und kritikresistent.

Ein Daniel Ginczek kritisierte nach dem glanzlosen Sieg gegen schwache Gladbacher die Zuschauer, weil sie Andi Becks tölpelhafte Einlagen nicht noch mit Beifall bedachten, Kapitän Gentner hält seine Schäfchen nach desaströsen Auftritten wie in Mainz davon ab, sich der Kurve zu stellen. Eigentlich reden wir doch von Männersport und nicht von Memmensport!

Die Spieler, die in ihrer eigenen Schein- und Glitzerwelt leben, sehen sich hier noch als Opfer, ungeachtet dessen, welche Opfer die Leute in der Kurve Woche für Woche bringen. Ein wenig mehr Fan-Nähe oder Besuche beim normalen Arbeitnehmer täte dem einen oder anderen ganzen ganz gut.

Dass sich der Fußball mehr und mehr von seiner Basis entfernt, ist nicht nur den Begleiterscheinungen wie ausgeprägter Medienpräsenz und engem Terminplan geschuldet. Die Spieler werden in Watte gepackt und über ein vertretbares Maß hinaus abgeschottet. Öffentliche Trainings gab es unter Hannes Wolf fast keine mehr und wenn, höchstens unter der Woche vormittags, dass ja keiner auf die Idee kommt, vorbei zu kommen. Im Trainingslager in La Manga ging es so weit, dass selbst die 30-40 Leutchen neben dem Trainingsplatz als lästig und störend empfunden wurden. Wenn man das so alles mitbekommt, ist es für mich überhaupt nicht mehr verwunderlich, dass es auch keiner mehr hinbekommt, vor 60.000 Zuschauern den Ball aus elf Metern im Netz zu versenken.

Das bedingt nämlich in erster Linie Nervenstärke, das Fokussieren auf seine eigenen Stärken und das Ausblenden störender Nebengeräusche. Wer da schon im kleinen Rahmen ein Alibi geliefert bekommt, dann gute Nacht beim Ernstfall!

Früher, durchaus auch schon zu Zeiten, in denen der eine oder andere Fan meinte, die Spieler über ein normales Maß hinaus vereinnahmen zu müssen, gehörte das für die Profis dazu.

Nach erfolgreichen Spielen konnte man auf Heimfahrten von Auswärtsspielen auf den Rasthöfen der Republik schon mal den Mannschaftsbus treffen und mit den Spielern ein Bierchen trinken. Es gab noch den Wasen-Tag, an dem sich die Spieler auf dem Volksfest unters Volk mischten, die OFC-Weihnachtsfeier war ein Highlight und nicht zuletzt der Herbstball in der Liederhalle, bei dem man in feiner Garderobe mit Spielern und Spielerfrauen das Tanzbein schwingen oder sich an der Bar austauschen konnte. Mit ein bisschen Willen zur Volksnähe wären solche Events auch heute noch machbar und würden zum gegenseitigen Verständnis beitragen.

Dann würden die Spieler vielleicht sogar kapieren, dass Emotionen, positive wie negative, zum Fußball dazu gehören und dass sie froh sein können, dass die Leute überhaupt noch Emotionen zeigen. Wenn die Leute pfeifen, sind sie bei der Sache und es ist ihnen nicht egal, was auf dem Rasen passiert. Ich habe nicht gepfiffen, was aber durchaus daran liegen könnte, dass die Luft bei mir einfach raus ist.
Ihren guten Anteil an der Abschottung des Trosses vor dem Fußvolk dürften die Laptop-Trainer haben, die jedwede Ausreißer aus ihrem auf dem Reißbrett entworfenen Plan, als kontraproduktiv ansehen. Schließlich beginnt für sie die Vorbereitung aufs nächste Spiel mit dem Abpfiff des vorigen.

Die Mannschaft braucht sich über mangelnde Unterstützung überhaupt nicht zu beklagen. Für meinen Geschmack kommt sie noch viel zu gut weg, nachdem sie erneut einen Trainer im Regen stehen gelassen hat und nach dem Trainerwechsel wieder fein raus. Ginge es nach mir, gäbe es einen Stimmungsboykott bis Saisonende, weil ich persönlich nicht bereit bin, so schnell wieder zur Tagesordnung überzugehen.
Der Verein (bzw. die AG) machte seit der Ausgliederung so ziemlich alles falsch, was man falsch machen konnte. Die Gesichter der „Make VfB great again“-Veranstaltungen, Jan Schindelmeiser und Hannes Wolf, die für DEN neuen VfB standen, hat man entsorgt und gegen den in die Jahre gekommenen und erstmals im Rampenlicht stehenden Reschke und die personifizierte Erfolgslosigkeit auf dem Trainer-Karussell, Tayfun Korkut, ausgetauscht hat.

Statt jungen, dynamischen, hoffnungsvollen und entwicklungsfähigen Talenten, denen man Fehler verziehen hat, setzt Reschke auf Alt-Stars, die dem Spiel und erst recht dem Gehaltsgefüge nicht guttun und zudem keinerlei Wiederverkaufswert haben. Es ist kein Plan erkennbar. Wir drehen uns im Kreis und dürften im Sommer erneut vor einem Umbruch stehen. Geduld ist eine Tugend, die beim VfB nicht gefragt ist. Anstatt ein Pflänzchen wachsen zu lassen und auch Täler zusammen zu durchschreiten, wurden Hoffnungsträger entlassen und durch schnell realisierbare Notlösungen ersetzt. Planvolles Handeln sieht anders aus!

Mit dem Beerdigen des Traums eines neuen VfB kam meine Gleichgültigkeit und innere Leere, was den VfB betrifft. Derzeit ist es mir sogar völlig egal, ob der VfB die Klasse hält oder absteigt.
Mein Ärger richtet sich auch nicht gegen Tayfun Korkut, der für die Entwicklungen nichts kann. Jeder andere Trainer hätte es bei mir nach Hannes Wolf genauso schwer gehabt, weil der VfB durch das Abrücken des im Zuge der Ausgliederungs-Werbetour propagierten Stuttgarter Weges nicht nur einmal falsch abgebogen ist, sondern sich auf einem nicht hinnehmbaren Irrweg befindet.

Ein patriarchischer Präsident wie Wolfgang Dietrich, der schwaches Personal um sich schart, um in Angelegenheiten rein reden zu können, von denen er nichts versteht, lässt kaum eine Gelegenheit aus, die Tradition des Vereins hervorzuheben und Zusammenhalt zu beschwören.

Dabei ist es doch er selbst, der über Leichen geht, die Fangemeinde gespalten hat und die Unzufriedenheit der Mitglieder nicht ernst nimmt.

Sein Sportdirektor Michael Reschke wäre nach unzähligen Verfehlungen, getätigter und nicht getätigter Transfers, im Grunde nicht mehr zu halten, aber dann müsste sich Herr Dietrich ja einen Fehler eingestehen.

Geradezu grotesk, sein Versuch mittels offenen Briefes die Mitglieder zum Zusammenhalt zu beschwören. Wie oft haben wir diese Leier in den letzten Jahren gehört, was hat sich seither zum Positiven verändert? Nichts, um genau zu sein. Das ist ein weiterer erbärmlicher Versuch, endlich Ruhe in den Laden zu kriegen, um genauso weitermachen zu können. Normalerweise dürfte keine Ruhe einkehren, bis sie vom Hof gejagt sind.

Stattdessen sonnt sich der Sonnenkönig gerne im Kreise von Helden früherer Tage, am Sonntag denen von 2007. Leider lief mir auf der Haupttribüne keiner über den Weg, ein Foto mit Pavel Pardo oder auch mit Marco Streller hätte ich gerne gemacht. Letzterer macht übrigens einen hervorragenden Job als Sportdirektor des FC Basel, der hätte gerne schon mal hier bleiben dürfen.

Ebenfalls dabei, natürlich, Timo Hildebrand. Für mich kommt es äußerst peinlich rüber, wie er sich beim VfB einzuschleimen versucht. Wirbt letztes Jahr für die Ausgliederung, wird aber erst kürzlich, natürlich medienwirksam, VfB-Mitglied.

Lächerlicher und unglaubwürdiger geht es kaum, aber, auch hier wird wieder deutlich, Dietrich ist es vollkommen egal, wen er vor den Karren spannt, Hauptsache derjenige nützt ihm kurzfristig.
Hildebrand biedert sich also beim VfB an, jetzt, nach Karriereende, wollen sie halt alle irgendwie unterkommen. Bei mir ist er allerdings noch immer unten durch. Natürlich ist seine Parade in Bochum auf dem Weg zum Titel unvergessen, natürlich stand er lange Zeit, wie andere auch, für die Jungen Wilden und natürlich hält er noch immer den Rekord an Minuten ohne Gegentor.

Dass er Jahr für Jahr ein Wechseltheater sondergleichen vollzog und man am Ende wirklich froh sein konnte, als sein Wechsel nach Valencia endlich feststand, scheinen die meisten, die ihm heute noch huldigen, vergessen zu haben.

Soll er doch in Hoffenheim anheuern. Beim Trainingslager 2009 in Leogang, als sowohl der VfB als auch Hoffenheim dort ihre Zelte aufschlugen, war es ihm vor seinen Mannschaftskollegen sichtlich peinlich, von uns VfBlern begrüßt zu werden, so dass er verschämt wegschaute, während andere, wie Tobi Weis und Andi Beck, von unserer Freundlichkeit angetan waren und für einen Smalltalk stehen blieben.
Doch, zurück zur Aktualität! Korkut legte einen Start nach Maß hin, wie aussagekräftig dieser nach Spielen gegen schwache Wolfsburger und Gladbacher ist, wird sich zeigen.

Außer, dass Korkut gegen Gladbach mit einer Doppelspitze und damit offensiver als Hannes Wolf agieren ließ und es Thommy in die erste Elf geschafft zu haben scheint, hat sich personell wenig verändert. Man ist geneigt zu sagen, der Mannschaft wurde durch den Trainerwechsel das Alibi genommen, weshalb die Einstellung und die Bereitschaft des Füreinander Kämpfens besser geworden sind. Spielerisch liegt nach wie vor fast alles im Argen, gerade einmal zwei Torchancen in 90 Minuten sprechen Bände.

In der fünften Minute ging der VfB durch den einzigen sehenswerten Angriff und nach einer Stafette über Gentner, Gomez bis hin zu Ginczek in Führung. In der Folgezeit hatte Gladbach zwar fast 70% Ballbesitz, brachte die Zehnerkette des VfB aber selten in Verlegenheit. Wenn man am Ende gewinnt, hat man zwar letztlich alles richtig gemacht, ob es das aber wert ist, die Zuschauer noch mehr zu vergraulen, steht auf einem anderen Blatt. Schon am Sonntag waren deutliche Lücken in der doch eigentlich ausverkauften Cannstatter Kurve zu sehen, was den Schluss zulässt, dass sich viele schon abwenden.

Wer diese Stammgäste dann auch noch mit Scheinargumenten kritisiert, wie, „es war doch klar, dass wir als Aufsteiger gegen den Abstieg kämpfen“, hat den Schuss nicht gehört.

Keiner erwartet, dass der VfB sofort wieder oben angreift, jedem ist bewusst, dass das Saisonziel einzig und allein der Klassenerhalt ist. Die Unzufriedenheit liegt darin, dass der VfB sämtliche Pläne des vergangenen Sommers ad acta gelegt hat und wieder ein (austauschbarer) Bundesligist wie jeder andere geworden ist.

Was ist unsere Identität, für was steht der VfB noch, abgesehen von den guten alten Zeiten? Wird alles dafür getan, jungen Hoffnungsträgern wie Santiago Ascacibar und Benjamin Pavard ein Umfeld und ein Team zu bieten, in dem sie sich wohl fühlen und mit dem sie daran glauben, ihre persönlichen Ziele zu erreichen?

Oder werden sie nicht eher durch das permanente Chaos im Club vergrault, so dass sie das Weite suchen und was uns am Ende erhalten bleibt, sind jene Spieler, die beim VfB ihr Gnadenbrot bekommen?
In Augsburg hängen die Trauben traditionell für den VfB hoch, positiv schon im Vorfeld, egal wie es ausgeht, der Trainer dürfte auch am Montag noch der Gleiche sein.

Was mich angeht, werde ich ähnlich emotionslos hinfahren, wie ich schon die Fahrt nach Wolfsburg angegangen bin. Ich freue mich auf die (leider viel zu kurze) Busfahrt und die Leidensgenossen vom Fanclub und hoffe auf eine gute Perspektive im Stadion, die auf der Haupttribüne in Reihe 1 gegeben sein sollte.

Da es bei den bayerischen Schwaben im Gästebereich traditionell „bleifrei“ gibt, ist es sicher von Vorteil im neutralen Bereich zu verweilen und sich den Auftritt der Brustringträger versuchen schön zu trinken. Das alles ist für mich schon mehr als die halbe Miete für einen gelungenen Fußballnachmittag, ganz egal welches Ergebnis am Ende auf der Anzeigetafel steht. Das ist mir nämlich mittlerweile ziemlich gleichgültig geworden.

Eine positive Nachricht ereilte uns dann unter der Woche doch noch. Die Amateure werden auch in der nächsten Saison fortbestehen. Zwar unter dem Mantel einer U21, aber, immerhin. In der Regionalliga, und hoffentlich eines Tages auch wieder in der 3. Liga, findet man ihn noch, den ehrlichen Fußball in heruntergekommenen Stadien und vor leidenschaftlichen Fankurven.

Geht die Entwicklung im Milliardengeschäft so weiter, lenkt die DFL nach den bundesweiten Protesten nicht ernsthaft ein und wird man vom Verein weiterhin nur für dumm verkauft, wäre es eine Option, nur noch zu den Amas zu gehen und den Profifußball, mit all seinen unangenehmen Begleiterscheinungen, irgendwann links liegen zu lassen.

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28. Januar 2018

Ich hab die Schnauze voll!

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , , , – Franky @ 21:42

Ich muss es zugeben, große Teile dieses Berichts habe ich nach Mainz geschrieben, war dann aber unsicher, ob ich mit der Forderung, dass nach gerade einmal zwei Rückrundenspielen, von denen eines auch noch gewonnen wurde, Köpfe rollen müssen, nicht unnötig zur allgemeinen Unruhe beitragen und zusätzliches Öl ins Feuer gießen würde. Also, wollte ich das Schalke-Spiel noch abwarten, nachdem die Woche über ja viel geredet und Besserung gelobt wurde.

Was das Labern gebracht hat und dass das Spiel gegen Schalke eine nahtlose Fortsetzung des Mainz-Desasters wurde, wissen wir mittlerweile. Meine Forderung nach dem Rollen von Köpfen zielte darauf ab, dass Reschke und Wolf zusammen nicht funktionieren und demzufolge einer von beiden gehen muss, am liebsten der Herr Sportdirektor.

Hannes Wolf hat sicher in letzter Zeit Fehler gemacht und wirkte zunehmend ratlos. Er war jedoch die Geisel der Entwicklung der letzten Monate und Opfer dessen, dass man ihm einen Sportdirektor vorgesetzt hat, mit dem die Chemie nicht stimmte.

War es mit Schindelmeiser eine fruchtbare Zusammenarbeit und war es Schindelmeiser stets bewusst, dass er einen im Profi-Geschäft noch unerfahrenen Trainer auf den Wasen geholt hat, wusste Schindelmeiser Wolf zu stützen, zu unterstützen und ihm Hilfestellung zu geben, wann immer er den Eindruck hatte, Wolf benötige Halt.

Reschke hingegen offenbarte sich als Elefant im Porzellanladen und konterkarierte Wolfs Vorstellungen vom Fußball bis hin, was letzte Woche offenkundig wurde, dass er dem scheinbar Unerfahrenen in Taktik und Aufstellung hinein zu reden versuchte.

Dass ein solches Verhalten das Selbstbewusstsein eines jungen Trainers nicht stärkt, ihn also verunsichert, ist so klar wie, dass man Reschke höchstens im hintersten Kämmerlein des Vereinsgeländes unterbringen und um jeden Preis verhindern muss, dass dieser vor ein Mikrofon tritt.

Schon nach Schindelmeisers Rauswurf äußerte ich Bedenken, dass Wolf den Bettel hinschmeißen könnte, wenn man vom eingeschlagenen Weg abkommt und die Zusammenarbeit mit Reschke nicht passt.
Das scheint nun der Fall gewesen zu sein, auch wenn die offizielle Sprachregelung anders lautet. Stark, Hannes Wolf, dieses Kasperletheater kann man sich auf Dauer nicht antun.

Die Frage, die sich daran knüpft, ist jedoch, wer tut sich das überhaupt an? Spätestens heute fühlt man sich ins Jahr 2016 zurück gebeamt, als man schon mal dem Abstieg entgegen taumelte, der Sportdirektor den Kader für stark genug erklärte, während der Präsident von der Champions League träumte.

Mit Schindelmeiser und Wolf hatte ich die große Hoffnung, dass das Chaos der letzten gut zehn Jahre ein Ende gefunden hat. Es gab eine Philosophie, es gab eine Strategie, nahezu jeden Schritt konnte man nachvollziehen, da er zum ausgegebenen Plan passte. Zudem herrschte eine angenehme Ruhe im Verein und Transfers wurden so lang unter der Decke gehalten, bis die Tinte trocken war.

Die Saisonvorbereitung fing so verheißungsvoll an. Mit Rückenwind durch den Aufstieg und die Ausgliederung, die Schindelmeiser und Wolf mit ihrer frischen und ihrer um die Verantwortung um den VfB bewussten Art erst möglich gemacht hatten, wurde Neuzugang um Neuzugang präsentiert. Die meisten Transfers, auch wenn im einen oder anderen Fall überraschend, machten beim näheren Betrachten Sinn und waren nachvollziehbar.

Dass Reschke inzwischen Schindelmeisers Einkäufe peu à peu weiter veräußert, wertet diese für mich nicht ab. Es wird lediglich die ehemals vielversprechende Philosophie ad absurdum geführt. Lautete sie einst, eine Mannschaft mit Entwicklungspotential aufzubauen, steht Reschke offensichtlich auf eine Altherrenmannschaft, die er für geeigneter hält, dem Druck im Abstiegskampf Herr zu werden.

Dachte man im Sommer, Gentners Tage als der Unantastbare seien gezählt oder dass er zumindest hart um seinen Stammplatz wird kämpfen müssen, kam Reschke, kaum im Amt, daher, und erklärte ihn für unverzichtbar. Schon mit diesen Äußerungen zu Beginn seiner Amtszeit untergrub er die Vorstellungen des Trainers.

Die leider nur knapp elf Monate andauernde Ära Schindelmeiser/ Wolf, bewerte ich losgelöst von dem, was seither geschah. Da Schindelmeiser zu jenem Zeitpunkt noch nicht fertig war mit der Kaderzusammenstellung, hatte ich vollstes Vertrauen, dass er die größten Schwachstellen im Team bis Ende August noch behoben hätte, und mit einer konkurrenzfähigen Truppe und nicht blauäugig das Unternehmen Klassenerhalt angehen würde.

Dass den Verein diesbezüglich Panik ereilte, relativ kurz vor Saisonstart aber doch knapp vier Wochen vor Ende des Transferfensters, ist mit ein wenig Wohlwollen betrachtet ja gerade noch nachvollziehbar.
Dass man nun aber, drei Tage vor dem Schließen des Wintertransferfensters und wohl nur, weil der Sportdirektor jetzt Reschke und nicht mehr Schindelmeiser heißt, die Ruhe weg hat, den Kader noch zu verstärken, verstehe, wer will. Seit Maxims Abgang klafft eine Lücke zwischen defensivem Mittelfeld und Angriff, so dass oberste Priorität sein muss, einen Mann für den tödlichen Pass zu holen. Für mich wäre es extrem fahrlässig, nichts mehr zu tun, so dass ich mich wundere, dass sich der Aufsichtsrat, der Schindelmeisers Entlassung so einstimmig mitgetragen hat, noch nicht zu Wort gemeldet hat. Oder reden wir doch nur von Marionetten des Vorsitzenden, die nur dann ihre Hand heben, wenn Papa Wolfgang darum ersucht?

Die Trainingslager in Grassau und Neustift machten mir große Hoffnung, dass ein selten erlebter Konkurrenzkampf anstehen könnte und sie ließen mich staunen, was für eine Schnelligkeit einige der Neuen einbrachten. Das ließ Hoffnung aufkeimen, dass die Platzhirsche endlich und Woche für Woche um ihren Platz kämpfen müssten und ordentlich Zug drin ist. Die Testspiele, vor allem, die Halbzeiten in denen die vermeintlich erste Formation (ohne Gente) am Start war, machten ebenfalls Hoffnung auf eine goldene Zukunft.

Da es bekannt ist, dass Hannes Wolf entwicklungsfähige Spielern gerne zum nächsten Schritt verhilft, hatte ich angesichts der vielen jungen Spieler im Kader keine Bauchschmerzen, dass der Jugendstil krachend scheitern könnte.

Nein, ich hatte einfach Vertrauen in Schindelmeiser und Wolf und spürte, wie verantwortungs- und einfühlsam sie für den VfB agierten. Mit der Aufstiegseuphorie im Nacken und dem Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten, wäre ein verheißungsvoller Saisonstart und das Reiten auf einer Euphorie- oder sogar Erfolgswelle denkbar gewesen. Diese Hoffnung wurde mit Schindelmeisers Entlassung von einem auf den anderen Tag zunichte gemacht.

Man warf Schindelmeiser vor, allzu sehr auf Jugend und zu wenig auf Erfahrung gesetzt zu haben und änderte von oben herab diese Philosophie. Mit Reschke kam ein antiquierter Alt-Scout, der seinen Transfers zufolge letztmals den Markt ausgiebig sondierte, als Aogo und Beck bei den Junioren kickten und Timo Baumgartl noch zur Grundschule ging.

Die Stimmung war top, die Euphorie grenzenlos, was sich nicht zuletzt in der „Make VfB great again“-Veranstaltung namens außerordentliche Mitgliederversammlung am 01.06. zeigte. Dem Verein war es binnen eines Jahres gelungen, Vertrauen zurück zu gewinnen, wenngleich die Ausgliederungsdebatte einen Keil in die Fanszene geschlagen hatte.

Was Befürworter und Gegner der Ausgliederung jedoch weitestgehend einte, war das große Vertrauen in die Arbeit von Jan Schindelmeiser und Hannes Wolf.

Dann wurde Schindelmeiser aus Gründen geschasst, die einem Außenstehenden auch ein halbes Jahr später noch ein Rätsel sind. Als Hauptgrund der Demission steht die Aussage Dietrichs, man sei in den Gremien übereinkommen, dass die gemeinsam gesteckten Ziele mit Schindelmeiser nicht zu erreichen gewesen seien und er Alleingänge tätige, die den redseligen Personen in den Gremien (und der Presse) offensichtlich nicht gefallen haben.

Dies gab dann wohl den Ausschlag, den rheinischen Dampfplauderer Reschke an Land zu ziehen, dessen Zunge schneller als sein Gehirn zu sein scheint. Dieser schwätzt mehr als Schindelmeiser und sucht die Fettnäpfchen förmlich, den Herren in Vorstand und Aufsichtsrat scheint das egal zu sein, Hauptsache, er redet überhaupt. Da dieser gleich zu Beginn Kritiker seiner Transfers als „ahnungslose Vollidioten“ bezeichnete, scheue ich bei meinem Urteil über ihn eine etwas derbere Ausdrucksweise gleichfalls nicht.

Seit Reschke das Zepter übernahm, änderte sich die Philosophie, oder genauer, es ist keine mehr erkennbar. Nachdem auch der VfB leidvoll erfuhr, dass man für 41 Millionen Euro heutzutage in Betrachtung des Gesamtpakets von Ablöse, Gehalt, Beraterhonorar und einigem mehr höchstens noch einen einzigen brauchbaren Spieler bekommen kann und den nicht einmal von der Crème de la Crème, beschränkte man sich auf günstige Alt-Stars und extrem verletzungsanfällige Spieler und buttert das Mehr an Geld lieber in üppige Gehälter von Spielern, die im Sommer wieder weg sind und/ oder keinen Wiederverkaufswert mehr haben. Das hat sich der eine oder andere, der bei der Ausgliederung für „ja“ stimmte, sicherlich auch anders vorgestellt.

Die unter Schindelmeiser gelebte Philosophie wurde auf einen Schlag über den Haufen geworfen, der von Wolf favorisierte Hochgeschwindigkeitsfußball ebenso. Kurz vor Ende der Sommertransferperiode kam dann noch Santiago Ascacíbar hinzu, ein Volltreffer, der noch Jan Schindelmeiser zuzuschreiben ist.

Der Fußball, den uns der VfB in dieser Saison zumutet, hat mit Hochgeschwindigkeitsfußball soviel zu tun wie ein Dreirad mit einem Rennrad. Gerade einmal 13 Vorrunden-Tore sind Beleg einer verfehlten Einkaufspolitik. Anstatt jedoch die echten Problemzonen unseres Teams anzugehen, erklärte man Simon Terodde zum Sündenbock. Dieser sei zwar ein guter Zweitligastürmer, genüge den hohen Ansprüchen der Fußball-AG aber nicht.

Simon Terodde wechselte, angeblich auf eigenen Wunsch hin, zum 1. FC Köln. Heimweh wurde als Grund seines Wechselwunsches angegeben, die wahren Gründe dürften jedoch damit begründet sein, dass Terodde als einzige Spitze, wie jetzt ja auch Mario Gomez, meist auf verlorenem Posten stand und der dargebotene Fußball ja auch keinen Spaß machen kann.

Schon nach den ersten drei Spielen mit Gomez, stellt sich heraus, dass auch Super-Mario sich die Flanken nicht selbst schlagen kann und er ebenfalls einen Vorbereiter gut gebrauchen könnte. Das Problem wurde also nicht gelöst, sondern von Terodde auf Gomez verlagert. Wer derzeit der Glücklichere ist? Fragt mal in Köln nach!

Ob die jüngsten Verpflichtungen, Erik Thommy und Jacob Bruun Larsen, beide für die Außenbahn gedacht, unsere Probleme zu lösen vermögen, mag ich noch nicht beurteilen. Dass die beiden Spieler jedoch zusammen gerade einmal sieben (!) Bundesligaspiele auf dem Buckel haben, beide erst von einer Verletzung zurück kommen und in ihren abgebenden Vereinen nur Nebenrollen spielten, sich auf Anhieb durchsetzen und dem VfB einen Zugewinn an Qualität bringen, da habe ich erhebliche Zweifel.

Larsen durfte gestern von Beginn an ran und es bleibt zu hoffen, dass ihm dieser 45-minütige Einsatz samt stümperhaft verschuldetem Elfmeter keinen Knacks für die nächsten dreieinhalb Monate versetzt. Noch weiß man nicht, wer Trainer wird und ob dieser auf dieses 19-jährige Greenhorn ohne Erfahrung im Männerbereich setzen wird. Es ist denkbar, dass Jacob Bruun Larsen gestern sein erstes und letztes Spiel für den VfB gemacht hat.

Spieler ohne jegliche Spielpraxis sind in der Regel nicht mit üppigem Selbstbewusstsein ausgestattet, um auf Anhieb Druck im Kader auszuüben. Inwieweit diese jungen Kerle dem Druck des Existenzkampfes werden standhalten können, wird sich ebenfalls zeigen. Larsen jedenfalls zeigte gestern bereits Nerven!

Reschke spielt mit dem Feuer, sollte bis zum 31. Januar nichts Brauchbares mehr kommen. Es wird ja gerne das Argument des schwierigen Winter-Transfermarktes angeführt, um seine eigene Unfähigkeit zu kaschieren zu versuchen.

Ich lass das nicht gelten, weil die Probleme in unserem Spiel schon seit August offensichtlich sind, Reschke also genug Zeit hatte, sich kreative Möglichkeiten zu überlegen. Bekommt man in der Bundesliga keinen „Zehner“, es gibt ja auch noch Ligen, wie die skandinavischen zum Beispiel, die mit dem Kalenderjahr endeten.

Reschke blieb bislang alles schuldig, was man vom einstigen Perlentaucher erwarten können musste. Wo immer er auch taucht, die Gewässer sind trüb oder die Perlen sind abgefischt.

Was Wolfgang Dietrich überhaupt geritten hat, diesen Reschke zu holen, erschließt sich mir in keinster Weise. Bei Bayer Leverkusen und Bayern München hatte man erkannt, dass er ein guter Mann für die zweite Reihe sein mag, in vorderster Front aber an Peinlichkeit kaum zu überbieten ist. Nicht umsonst zogen ihm die Bayern letzten Sommer gar den Komiker Hasan Salihamidžić vor.

Wenn Dietrich derart von Reschke überzeugt gewesen und nicht ausschließlich auf die Lobhudeleien aus München reingefallen ist, wäre es für die ahnungslosen Vollidioten interessant zu wissen, ob Reschke ein Konzept vorgelegt hat und was dieses vorsah.

Bislang legt Reschke einen nicht durchschaubaren Schlingerkurs ohne roten Faden hin, so dass man immer noch nicht sagen kann, wofür dieser Reschke überhaupt steht (von Transfers, auf die die Putzfrau auch gekommen wäre, einmal abgesehen).

Für mich hat Dietrich Schindelmeiser weg gemobbt, weil Schindelmeisers Popularität größer war als seine eigene und er sich von Schindelmeiser nicht die Show stehlen lassen wollte. Dass sein Nachfolger einer wurde, dem man besser kein Mikrofon vor die Nase hält, kam Dietrich dabei womöglich noch entgegen. Dass derart eitle Machtspiele auf dem Rücken des Wohles des VfB ausgetragen wurden, wird einfach hingenommen. Reschke gerät, nicht nur wegen der Wolf-Entlassung, immer mehr in die Kritik. Die Bild-Zeitung, wenigstens in Sachen Sport durchaus ernst zu nehmen, bezichtigt ihn heute gar der mehrfachen Lüge und schreibt „Journalisten sparen sich inzwischen die Anrufe beim VfB-Vorstand. Weil sie wissen, dass sie nicht mit der Wahrheit rechnen können“.

Harter Tobak und eines VfB-Vorstandes eigentlich auch nicht würdig ist ebenso, dass Reschke nach nahezu jedem seiner Interviews eine Klarstellung hinterher schieben muss. Mein Gott, was ist aus meinem VfB nur geworden? In der Philosophie Rolle rückwärts um zwei Jahre, der VfB taumelt am Abgrund und wird sicher absteigen, wenn bis zum Ende der Transferperiode nicht noch ein mittelgroßes Wunder geschieht. Danke, Dietrich!

Falls es eines Beweises bedurfte, dass Reschke im Scoutingbereich nicht mehr auf der Höhe der Zeit ist, wurde letzte Woche Peter Knäbel (genau, DER Rucksack-Pete) als externer Berater ins Boot geholt.
Knäbel hat zwar hervorragende Referenzen und sich vor allem um den Schweizer Nachwuchsbereich sehr verdient gemacht, seine Erfolge auf diesem Gebiet liegen jedoch schon Jahre zurück. In welchem Umfang Knäbel für den VfB arbeiten wird, wurde nicht publik.

Letztes Wochenende in Mainz gab Reschke zum wiederholten Male ein peinliches Bild für den VfB Stuttgart ab. Zunächst war da die Sache mit Akolos fehlender Spielgenehmigung. Man hätte Reschke sicherlich nicht persönlich für diesen Fauxpas verantwortlich gemacht, wenn er denn vor den Mikrofonen nicht derart herum geeiert hätte und das schlechte Gewissen förmlich aus ihm heraus sprach.

Dem VfB, der uns weismachen wollte, durch die Ausgliederung in eine AG werde alles so viel professioneller, unterlief ein dämlicher Anfängerfehler. Jedermann vergewissert sich nach der Übermittlung wichtiger Dokumente, sofern man keine Empfangsbestätigung erhalten hat, ob das Dokument auch angekommen ist. Der VfB scheinbar nicht!

Ich glaube zwar nicht, dass ausgerechnet Akolo auf dem glitschigen Geläuf den Unterschied ausgemacht hätte, und doch war es suboptimal für Hannes Wolfs Spielvorbereitung, kurz vor dem Spiel die Aufstellung noch einmal über den Haufen werfen zu müssen.

Hannes Wolf, den die „Mannschaft“ in Mainz fürchterlich im Regen stehen lassen und seinen Besuch im Aktuellen Sportstudio spätabends zu einem Gang nach Canossa werden ließ, wurde dort mit eingespielten Aussagen Reschkes konfrontiert, der zum Besten gab „Wir müssen uns in der Woche noch mal zusammensetzen, um uns taktische und spielerische Alternativen zu überlegen.“

Spätestens ab da war klar, dass es zwischen Reschke und Wolf überhaupt nicht passte und Reschke dabei war, Wolf zu demontieren. Hannes Wolf reagierte zwar nach außen hin souverän, in ihm dürfte es aber schwer gebrodelt haben. So schwer, dass er mit der Aufgabe beim VfB abschloss? Ich denke ja. Die Aufstellung beim Schalke-Spiel könnte als Retourkutsche für Reschkes Personalpolitik und das Betteln um seinen Rauswurf interpretiert werden.

Um klar zu stellen, für mich sind weder Wolf noch Schindelmeiser Heilige. Nur bin ich der Auffassung, dass es zwischen Sportdirektor und Trainer passen und eine gemeinsame Richtung erkennbar sein muss. Beides war gegeben, so dass Dietrich ohne Not und wegen verletzter Eitelkeit ein funktionierendes Konstrukt auseinander gerissen und durch eine absolute Fehlbesetzung ersetzt hat.

So kontraproduktiv es war, Luhukay zu verpflichten, als Schindelmeiser noch nicht da war, so dämlich war es, mit Reschke einen Mann zu holen, der nicht zu Wolf passt. Im normalen Leben nimmt man es sich vor, gleiche Fehler möglichst nicht mehrmals zu machen und aus ihnen zu lernen, beim VfB sind Fehler dazu da, sie immer und immer wieder aufs Neue zu machen.

Zu einer Analyse der Situation und ach so tiefgreifenden Gesprächen heute Nacht hätte gehört, die Arbeit des Sportdirektors zu hinterfragen und sie nach knapp sechs Monaten zu bewerten. Jörg Schmadtke wäre auf dem Markt, Matthias Sammer möglicherweise ebenso! Beide haben schon bewiesen, planvoll arbeiten zu können und man könnte sie auf jeden Fall auch auf die Öffentlichkeit loslassen.

Hannes Wolf ist von Kritik natürlich auch nicht freizusprechen. Seinen Stempel konnte er dem Team nicht aufdrücken, wenngleich die Frage offen bleibt, in welchem Umfang er Reschkes Einkäufe spielen lassen musste, ob er wollte oder nicht.

Seine Akribie konnte bisweilen in Verbohrtheit münden, indem ihn jede Kleinigkeit im Ablauf störte, die nicht auf seinem Reißbrett stand. Er verkomplizierte manches zu sehr, so dass die ja nicht immer hochintelligenten Fußballer bisweilen nicht mitgekommen sind. Da bin ich doch eher ein Verfechter von „das Runde muss ins Eckige“ und „Qualität kommt von Qual“.

Ob diese Verwissenschaftlichung des an und für sich einfachen Spiels bei den Spielern immer gut an kam, da bin ich mir nicht so sicher.

Gentner sagte es gestern ja eindeutig und unverhohlen, „was interessieren mich Statistiken“. Einen deutlicheren (verbalen) Affront gegen diesen gewissenhaften Übungsleiter hätte es kaum geben können, die „Unterstützung“ auf dem Platz tat ihr Übriges. Wieder einmal hat es ein Team um Gentner geschafft, den unliebsam gewordenen Trainer abzuschießen.

Anders sind die Kollektivversagen der letzten Wochen nicht zu erklären. Der wievielte Trainer war es eigentlich jetzt, seit Gentner 2010 das Kapitänsamt von Tasci übernommen hat? Lustig, dass ausgerechnet Markus Weinzierl der aussichtsreichste Nachfolgekandidat zu sein scheint, der, oh Wunder, den gleichen Berater hat wie Christian Gentner.

Ich bin dermaßen sauer heute und begrabe ein für allemal mein Hoffen auf Kontinuität beim VfB. Mit Wolf hatten wir ein erfrischendes Trainertalent, dem man unheimlich gerne zuhörte. Nie haben mich die Pressekonferenzen mehr gefesselt, als jene, in denen Hannes Wolf das Wort ergriff. Er war eines der wenigen Gesichter des VfB und verhalf dem VfB (trotz Reschke) zu einer positiven Außendarstellung.

Ich werde ihn vermissen und befürchte, dass wir ihm eines Tages nachweinen werden, wenn er es in den Olymp der deutschen Fußballlehrer geschafft hat. Ich bedanke mich bei Hannes Wolf für die geile Zeit, vor allem im Zweitligajahr und gekrönt mit dem Aufstieg, mit dem sein Name für immer verbunden sein wird. Danke, Hannes!

Eigentlich habe ich heute die Schnauze voll und würde ihnen am liebsten Dauerkarte und Mitgliedsausweis hin schmeißen. Was mich beim Klepperlesverein hält, sind nicht die Protagonisten, die sind Momentaufnahme und morgen hoffentlich schon wieder weg.

Nein, es sind die Leidensgenossen, mit denen man unterwegs ist und die man immer und überall trifft. Mit ihnen lässt sich Freud und Leid teilen, die Fanszene bildet meist eine Einheit, das alles ist stärker und nachhaltiger als Personen, die den Verein zugrunde richten und mit einer fetten Abfindung irgendwann das Weite suchen. Dietrich und Reschke werden hoffentlich nicht als die endgültigen Totengräber des VfB in die Annalen eingehen sondern schon vorher von ihren Aufgaben entbunden.

Das Einzige, was mich noch besänftigen könnte und Hoffnungen auf eine Trendwende zum Besseren schüren würde, wäre, wenn es gelänge, Thomas Tuchel an Land zu ziehen. Höchst unrealistisch zwar, bei Jemandem vorzufühlen, der bei den großen Bayern im Gespräch ist und Gerüchten zufolge horrende Gehaltsforderungen haben soll, doch, wer weiß.

Manchmal steht er sich selbst im Weg, daher bin ich mir nicht ganz sicher, ob sich die Bayern auf einen solchen Eigenbrötler einlassen würden.

Wenn nicht, wäre der Weg für den VfB möglicherweise doch frei, wobei auch dann zu befürchten würde, dass Tuchel Macht für sich beanspruchen würde, die die Herren nicht bereit wären, an ihn abzugeben. Es geht ja schließlich mehr um die persönlichen Befindlichkeiten als um den VfB.

Deshalb wird man sich diesen Traum abschminken können. Es dürfte ein bislang nicht als Lautsprecher in Erscheinung getretener Übungsleiter Marke Korkut oder Weinzierl werden.

Ich lass mich überraschen und bin im Moment ziemlich gleichgültig, außer bei Tuchel natürlich. Der Neue wird mächtig Überzeugungsarbeit leisten müssen, um mich auf seine Seite zu bekommen. Das heißt nicht, dass ich mich gegen den Neuen stellen werde, nein, ich möchte sehen, dass sich Dinge ändern. Ich möchte Veränderungen der Hierarchie erkennen, Spieler aufblühen sehen, die in der Versenkung verschwunden waren und anderen, die sichere Stammspieler waren, auf der Haupttribüne die Hand schütteln. Ich möchte sie schwitzen und nach erbärmlichen Vorstellungen wie zuletzt nachts um den Bärensee laufen sehen. Ich möchte erleben, dass jeder Einzelne dem kommunikativen Hannes Wolf nachtrauert.

Was ich nicht erleben möchte ist, dass ein neuer Trainer kommt und „seine Ansprache“ so viel besser ist als die von Wolf und die Versager von gestern plötzlich um ihr Leben rennen und in Wolfsburg punkten. Sollte das der Fall sein, werde ich sie garantiert auspfeifen.

Doch, es führt kein Weg dran vorbei. Am Samstag geht es so oder so, und wohl mit so wenig Lust wie selten, nach Wolfsburg. 2006 haben wir dort zum letzten Mal überhaupt einen Punkt geholt, es wäre also überraschend, ausgerechnet jetzt dort zu punkten.

Sollte sich an der Außendarstellung und damit an der Vereinsführung nicht gravierend etwas ändern, muss man ihnen ja fast schon den Abstieg wünschen, wenn sie anders nicht von ihren Posten zu entfernen sind. Ich habe Dietrich nicht gewählt und habe gegen die Ausgliederung gestimmt, so dass ich ein absolut reines Gewissen habe.

Ein Abstieg hat für mich seit der letzten Saison und den tollen Erlebnissen im Unterhaus komplett den Schrecken verloren.

Mir ist es bewusst, dass es nach einem erneuten Abstieg deutlich schwieriger werden würde, noch einmal direkt aufzusteigen, mir ist es auch bewusst, dass der Abstand nach oben noch größer werden würde, aber, wie schon bei der Ausgliederungsdebatte gesagt und wie man heute auch sieht: Der Abstand ist so groß geworden, dass wir ohnehin Lichtjahre weg sind.

Es wird also, selbst mit 100 Millionen Euro mehr auf dem Konto, sollte der Verein weiter verschachert werden, nahezu unmöglich sein, jemals den Anschluss zu schaffen und jemals wieder Champions League zu spielen.

Wie man bereits ein halbes Jahr nach der Ausgliederung feststellen muss, kriegt man es nicht gebacken, bessere Spieler einzukaufen, sondern zahlt den durchschnittlichen ein Mehr an Gehalt.
Das Geld, das durch die Ausgliederung mehr zur Verfügung steht, fließt eins zu eins in die Taschen der Spieler, so dass ich ein Problem damit habe, wenn solche, die jetzt schon überbezahlt sind, in absehbarer Zeit das Doppelte in den Allerwertesten geschoben bekommen.

Der Fußball heute ist nicht mehr der, der er mal war. Früher hatte man überall, wo man hingefahren ist, eine realistische Siegchance, während man heute bei vielen Spielen die Punkte mit der Post hinschicken könnte. Damit rückt das Sportliche unweigerlich in den Hintergrund. Von den meisten Spielen erwartet man sich ohnehin nichts, so kann man schon nicht enttäuscht werden.

In einer Saison, in der es bei zehn Auswärtsspielen gerade einmal zu einem Punkt reichte, kann das Sportliche auch gar nicht der Hauptgrund sein. Nein, die Stadien, die Atmosphäre und die vielen Gleichgesinnten, die man immer und überall trifft, die machen meinen VfB im Jahr 2018 aus. Und das, sollten wir absteigen, auch in der 2. Liga. Auch da kann man großen Spaß haben, sogar noch mehr als beim “Premium-Produkt” Bundesliga!

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20. Mai 2017

So gut wie durch!

Eine Ruhmestat war es nicht gerade, was der VfB da in Hannover abgeliefert hat, aber, diese knappe Niederlage sollte wider vorherigem Erwarten für den Aufstieg reichen, weil Arminia Bielefeld den bis dahin so konstanten Kontrahenten Eintracht Braunschweig mit 6:0 aus der Schüco-Arena schoss. Bereits jetzt legendär dazu, die Rede von Bielefelds Co-Trainer Carsten Rump, die er vor dem Spiel in der Kabine hielt und in der er an die Ehre seiner Mannschaft und die Verpflichtung den Fans und ihrer Familien gegenüber appellierte. Insbesondere der Part, indem er darauf verwies, dass seine Ansprache gefilmt werde, und sie an die Spielerfrauen weiter versendet werde, verlieh den Arminen offensichtlich Flügel.

Der mögliche, vielleicht sogar gemeinsame Aufstieg, in und mit Hannover beeinflusste unsere Reiseplanungen für dieses Spiel schon Ende Februar/ Anfang März diesen Jahres. Nachdem ein Bekannter den Vorschlag ins Spiel brachte, man könne doch in der Düsseldorfer Altstadt schon vorfeiern und von dort aus Sonntags nach Hannover fahren, hatte ich den genialen Einfall, dass man dann auch gleich aus Malle einfliegen könnte. Gesagt, getan!

Dass man das vor einem Spiel im Norden schon mal machen kann, haben zwei Gesichter unseres Niedergangs, nämlich Dutt und Kramny, im Vorjahr ja bereits vorgemacht. Der sportliche Ertrag danach war zwar bescheiden, immerhin aber ließen sie sich in den paar Tagen die Sonne auf den Bauch scheinen und konnten derart abschalten, dass sie hinterher den Schalter nicht mehr fanden.

Für die Nichtabstiegsbemühungen vom VfB war das Trainingslager am Ballermann daher eher kontraproduktiv, was jedoch nicht zwangsläufig für uns Fans gelten muss.

Im Gegensatz zur Absteigertruppe von damals nahmen wir unser Trainingslager bierernst. Zwischen Aue und Hannover konnten wir so unsere Gedanken sortieren, absolvierten intensive Einheiten im Bierkönig und führten anregende Gespräche, immer mit dem großen gemeinsamen Ziel des direkten Wiederaufstiegs vor Augen. Wir schworen uns auf die beiden letzten Herausforderungen in der 2. Liga ein und rüsteten uns für harte Tour nach Hannover, inklusive Rückfahrt mit dem Bus, sowie für die Fahrt auf dem Stuttgarter Partyfloß vor dem letzten Saisonheimspiel gegen die Würzburger Kickers.

So schlugen wir also Mittwochabend unser Trainingslager auf Mallorca auf und flogen leicht übernächtigt am Sonntag früh, Abflug 8.15 Uhr, direkt weiter in die Leinestadt.

Dort angekommen hatte unser auf Malle überraschend zu uns gestoßener Tonga-Tonga-Mann einen Bekannten organisiert, der uns VIP-Shuttle-like mit einem Mercedes Vito mit Ledersitzen und genügend Raum für uns vier und unser Gepäck, vom Flughafen abholte.

Auf dem Wagen prangte auf beiden Seiten das 96er-Wappen, doch drinnen lief uns zu Ehren „VfB, ein Leben lang“. Die Logistik also perfekt, fuhren wir in die Stadt, bekamen gar noch eine Stadtrundfahrt inklusive Erklärungen zu einigen Gebäuden geboten, genossen die Aussicht auf das Stadion vom Maschsee aus und fanden unser Ziel schließlich im Waterloo-Biergarten unweit des Stadions. Nach gut und reichlich Speis und Trank begaben wir uns dann auf den Weg zu den Fanbussen, um unser Gepäck loszuwerden.

Das war schon einmal die erste nette Begegnung mit einem Hannover-Fan, weitere sollten folgen. Unsere Plätze hatten wir auf der Osttribüne, von der aus man gut in beide Fankurven fotografieren kann. Da Hannover 96 für dieses Spiel der beiden Top-Aufstiegsfavoriten am vorletzten Spieltag keine Probleme hatte, das Stadion „nur“ mit 96-Fans voll zu bekommen, wurden Karten lediglich in norddeutsche Postleitzahlengebiete verkauft und es den VfB-Fans somit erschwert, an Karten in anderen Bereichen zu kommen.

Da ich einen Bekannten habe, der bei Hannover 96 beschäftigt ist, klappte es bei uns mit Tickets schon über den Mitgliederverkauf des Gastgebers.

Daher saßen wir also, wie in jedem Jahr, auf der Osttribüne, dieses Mal nicht so mittig wie sonst, inmitten von Hannover 96 Fans. Verstreut sah man zwar VfBler um uns herum, jedoch bei weitem nicht so viele, wie da gewesen wären, hätte man sich aus Stuttgart aus unbegrenzt mit Karten eindecken können.

Hannover gehört seit dem Umbau des Stadions zu meinen Lieblingsspielen. In den 80er-Jahren, also lange Zeit vor Billigfliegern, ICE, Socialmedia und Onlinepreisvergleichen, war Hannover DAS „Graue-Maus-Spiel“ schlechthin, wo ich eigentlich nur mal zugegen war, wenn es einen gerade ohnehin in den Norden verschlagen hatte. Ich kann mich an ein tristes 0:2 im Februar 1989 erinnern, 15.000 Zuschauer im alten zugigen Niedersachsenstadion, geschätzt kaum mehr als 100 Unentwegte im Gästeblock. Damals war Hannover noch so etwas wie die Höchststrafe für einen Fan.

Doch, das ist lange her, seitdem hat sich Hannover herausgeputzt. Das zur WM 2006 umgebaute Stadion ist zu einem Stimmungstempel geworden, wenn denn alle auch mitmachen und an einem Strang ziehen. Die kühlen Norddeutschen können ganz schön aus sich herausgehen, wie man in jenen Zeiten gesehen und gehört hat, als Hannover international vertreten war.

Als die Ultras im Clinch mit Klub-Mäzen Martin Kind lagen und demonstrativ Spiele der Profis mieden und nur die Amateure unterstützten, war die Atmosphäre eher gespenstisch. Das hat sich wieder gebessert, wenngleich die „Kind muss weg“-Rufe wohl nie verstummen werden, solang der Hörgeräte-Fabrikant durch sämtliche Hintertürchen versucht, die 50+1-Regel zu kippen und zu untergraben. Am Sonntag sollte dieser schwelende Konflikt, ebenso wie der Schatten, den unsere außerordentliche Mitgliederversammlung am 01.06. vorauswirft, kein Thema sein und alles dem Ziel des direkten Wiederaufstiegs untergeordnet werden.

Wir freundeten uns sogleich mit unseren direkten Nebensitzern an und stellten schnell fest, dass aktive Fußballfans doch auf einer Wellenlänge funken, auch wenn sie verschiedene Farben tragen. Einer der drei 96er war früher Mitglied der inzwischen aufgelösten Hannoveraner Ultras-Gruppierung Brigade Nord 99. Schnell stellten wir fest, dass wir einen gemeinsamen, mich betreffend durch Mail-Kontakt, Bekannten haben, dem ich vor einigen Jahren zwei Mal Bilder für den Ultras-Jahreskalender zur Verfügung stellte. So klein ist die Welt.

Die Chemie stimmte also, das Bier floss in Strömen, musste nur noch das (für beide Seiten!?) passende Ergebnis her. Von der Atmosphäre im Stadion war ich auch am Sonntag wieder begeistert, und das beide Fankurven betreffend. Einmal mehr ein Spiel, dessen äußerer Rahmen bundesligareif war, weshalb ich auch beiden Vereinen den Aufstieg gönne.

Nach dem jahrelangen Herumdümpeln in der Abstiegszone der Bundesliga gab es nicht wenige Fanszenen, die uns schon lange den Abstieg an den Hals wünschten. Deren Wunsch wurde dann ziemlich genau einem Jahr (endlich) erhört, doch, dieselben höre ich jetzt rufen, dass sie uns wieder herbeisehnen, weil ein adäquates Gegenüber im Gästeblock und dessen Auftritte für so manchen in der Kurve eben doch mehr wiegen, als die bloßen Darbietungen auf dem Platz. Fast schon neidisch blickte da so manche Kurve der Bundesliga hinab in die 2. Liga, die der VfB bereicherte wie kaum ein Absteiger zuvor. Wir füllten die Stadien, ob daheim oder auswärts, während man bei Bundesligaübertragungen leere Ränge wie schon Jahre nicht mehr ausmachen konnte.

Ähnlich wird es wohl auch mit dem Wunsch nach dem Abstieg des HSV ablaufen. Was man an ihm hat, merkt man erst, wenn er tatsächlich einmal nicht mehr da ist. Mir persönlich würde es schon genügen, wenn sie diese unsägliche Uhr endlich abmontieren würden, das Auswärtsspiel im Volkspark möchte ich auf keinen Fall missen.

Der VfB trat in Hannover mit derselben Aufstellung an wie schon in der Vorwoche beim 3:0 gegen Erzgebirge Aue, also auch mit Florian Klein in der Startelf. Von Beginn an war vom Elan der vorigen Wochen, in denen man immerhin fünf Siege in Folge einfuhr, wenig zu sehen. Die Bemühungen um Spielkontrolle wurden von den 96ern energisch gestört, was zu vielen Ballverlusten und ersten Chancen für Hannover führte. Die Mittelfeld-Zentrale der Niedersachsen um Anton und Bakalorz zog den VfB-Bemühungen um ein kontrolliertes Spiel nach vorne schnell den Zahn, während Terodde bei Salif Sané in (für uns nicht so) guten Händen und kaum ins Spiel eingebunden war. Die Passwege waren zugestellt, so dass auch Maxim nicht so zur Geltung kam wie in den letzten Wochen. Der VfB kam in der ersten Hälfte lediglich zu einem (!) Torabschluss durch Brekalo und fing sich zu allem Überfluss kurz vor der Pause auch noch den Rückstand ein.

Felix Klaus, der auch schon im Hinspiel für den endgültigen Knockout gesorgt hatte, lief unbehelligt übers halbe Spielfeld, ehe ihm Timo Baumgartl mehr Geleitschutz gab, als dass er ihn angriff. Dieser kam dann mühelos zum Abschluss und ließ auch Mitch Langerak bei seinem Schuss an den Innenpfosten keine Abwehrchance.

Überschwänglicher Jubel machte sich bei den 96ern breit, zumal zu diesem Zeitpunkt Bielefeld bereits mit 2:0 gegen Eintracht Braunschweig führte und man damit den Lokalrivalen nicht nur überholte sondern auch distanzieren konnte. Den Druck hatten nämlich mal wieder die Anderen, nämlich Hannover 96, die dieses Spiel unbedingt gewinnen mussten, während dem Brustring bereits ein Unentschieden genügt hätte. Dies ließ sich auch durchaus am Engagement auf dem Platz erkennen. Während die Hannoveraner um ihr Leben rannten, ging der VfB im Wissen, im nächsten Spiel noch einen zweiten Matchball in der Hinterhand zu haben, (zu) relaxed an die Sache heran.

Im Fußball gibt es immer wieder Gegner, die einem „ums Verrecken“ nicht liegen. In dieser Saison war Hannover ein solcher. Schon im Hinspiel war ein eklatanter Leistungseinbruch gegen die Niedersachsen zu beklagen und auch am Sonntag beim Rückspiel war nichts zu sehen von dem, was den VfB in den Wochen zuvor stark gemacht hat. Wenn an der Floskel, dass man nur so gut spielen kann, wie es der Gegner zulässt, etwas dran sein sollte, dann trifft dies auf die beiden Begegnungen gegen 96 komplett zu. Hannover ließ den VfB nicht zur Geltung kommen und offenbarte im Umschaltspiel, dass der VfB im Defensivverhalten von einer Bundesligatauglichkeit weit entfernt ist.

Die Körpersprache bei Hannover sah anders aus als die vom VfB. Martin Harnik, über den man sagen kann, was man will, merkte man es, wie auch schon im Hinspiel, an, dass er gewillt war, es seinem langjährigen Arbeitgeber und auch seinen Fans, die ihn zum Schluss mit Schimpf und Schande davon gejagt hatten, zu zeigen. Er legte jenes Engagement an den Tag, welches man sich von seinem Freund und unserem Kapitän Christian Gentner gewünscht hätte. Wie immer, wenn es beim VfB nicht läuft, tauchte dieser nämlich gänzlich unter und ergab sich, wie die gesamte Mannschaft, seinem Schicksal.

Unter Breitenreiter sind die 96er noch stabiler geworden und lassen wenige Torchancen des Gegners zu. Da reicht es dann eben nicht mit halber Kraft ins Spiel zu gehen und abwartend zu agieren. Das Team wirkte, als hätte es schon beim Anpfiff die Hosen voll gehabt, was neuerdings charmanter so formuliert wird, der VfB habe übergroßen Respekt vor dem Gegner gehabt.

Hannover kaufte dem VfB den Schneid ab, weil es gieriger, williger, bissiger, ja, auch motivierter wirkte und sich vor allem vor keinem Zweikampf scheute. Mit zunehmender Spieldauer, als das Braunschweiger Debakel Konturen annahm, kam hinzu, dass es der Stuttgarter Bequemlichkeit ganz entgegen kam, dass ein 0:1 gar kein ganz so schlechtes Ergebnis mehr war. Wozu sich also noch extrem schinden, wenn man auch mit dieser knappen Niederlage so gut wie durch ist?

War es einfach nur intelligent, die Hannoveraner nicht mehr als nötig zu reizen und sich mit ihnen auf den knappen Sieg quasi zu einigen, oder war es die noch immer latent vorhandene Bequemlichkeit, gerade mal so viel zu tun, wie unbedingt erforderlich ist? Wäre man mehr Risiko gegangen und hätte sich auskontern lassen, wäre dem Team von Hannes Wolf mit Sicherheit Dummheit unterstellt worden.

Ich sehe beides gegeben! Für die Verantwortlichen zählt sicherlich in erster Linie die Tabelle, die uns vor dem letzten Spiel in einer ausgezeichneten Ausgangsposition ausweist. Und doch gilt es, dem Verein die Mentalität auszutreiben, immer nur das Notwendigste zu tun, anstatt nach dem maximal Möglichen zu streben. Mit ein wenig mehr Willen, sich dem Gegner zu stellen und sich gegen ihn zu stemmen, wäre durchaus die Chance da gewesen, den Sack auch schon letzte Woche zuzumachen.

Ich anerkenne die Leistung der Hannoveraner zwar und sehe es auch so, dass es keine Schande war, gegen sie zu verlieren. Die Art und Weise aber, wie die Mannschaft in diesem ersten Endspiel aufgetreten ist, ärgert mich trotzdem immer noch sehr.

Wenn man die Chance hat Großes zu erreichen, wenn trotz erschwerter Kartenvergabe zwischen 8.000 und 9.000 Fans die weite Reise auf sich nehmen, dann hätte ich schon ein Mehr an Konzentration, Engagement und Siegeswillen erwartet. Es war über weite Strecken eine lethargische Vorstellung, so dass es am Sieg der 96er überhaupt nichts zu deuteln gab, im Gegenteil, hätte nicht Mitch Langerak einen so guten Tag gehabt, hätte die Niederlage noch deutlich höher ausfallen können.

Am Ende jubelten die Hannoveraner, als hätten sie die Meisterschaft gewonnen, während es auf VfB-Seite doch eher verhalten zuging und der Frust über die Leistung der Mannschaft überwog.

Vielleicht weil wir inmitten der Jubelarien saßen und unseren neuen Bekannten den Sieg auch durchaus gönnten, verließ ich das Stadion mit einer anderen Gefühlslage als wohl die meisten, die im VfB-Bereich standen. Auch ich hatte da zunächst in erster Linie die Tabelle im Blick und hier hat der VfB, trotz der Niederlage, sein Saisonziel zu 99,9% erreicht. Es müsste schon mit dem Teufel zugehen, ließen wir uns jetzt noch die Butter vom Brot nehmen. Faktisch sind wir so gut wie durch, die Freude darüber überwog zunächst einmal.

Jan Schindelmeiser und Hannes Wolf ordneten den Auftritt selbst schon richtig ein und werden dafür sorgen, dass im Team, das am Sonntag gegen Würzburg am Start ist, kein Einziger mit dem Bewusstsein den Rasen betritt, schon durch zu sein und nicht mehr alles geben zu müssen.

Das Hinspiel gegen die Würzburger Kickers, das gleichzeitig auch der letzte Sieg der Unterfranken war, sollte Warnung genug sein, dass man mit halber Kraft gegen keinen Gegner dieser Liga bestehen kann. Der VfB muss Revanche nehmen und Würzburg schlagen, damit wir erst gar nicht mit Rechenspielen beginnen müssen. Hannover 96 hat die deutlich schwerere Aufgabe beim SV Sandhausen zu bewältigen und muss dort in den gesperrten Prib und Harnik auf zwei Leistungsträger verzichten. Wie schwer diese Aufgabe wird, dürfte davon abhängen, ob Sandhausen, das seit dem vorigen Spieltag gerettet ist und für das es also um nichts mehr geht, bereit ist, an die Schmerzgrenze zu gehen und sich ordentlich von seinem Anhang in die Sommerpause zu verabschieden.

Dass man sich gegen Ende der Saison, wenn einige Vereine nur noch um die goldene Ananas spielen, am besten nur auf sich selbst verlässt, weil kuriose Ergebnisse an der Tagesordnung sind, wurde uns schon einige Male schmerzhaft vor Augen geführt. Die Mutter aller Wettbewerbsverzerrungen erlebten wir 2004, als am vorletzten Spieltag der schon feststehende Meister SV Werder Bremen im Vollsuff gegen Bayer Leverkusen, mit denen wir noch um den Einzug in die Champions League rangen, zu Hause 2:6 unterlag.

So ist es auch sehr ungewiss, was man vom KSC in Braunschweig erwarten darf. Die Braunschweiger werden sich in der Pflicht sehen, Wiedergutmachung für das 0:6 zu betreiben und versuchen, durch frühe Tore die Kontrahenten unter Druck zu setzen. Was man vom Gegner und hoffentlich nicht Sparringspartner Karlsruher SC dort halten kann, wird man sehen. Reißt sich der seit langem feststehende Absteiger noch einmal zusammen und nimmt am Spiel teil oder sehen die Badener dieses Spiel als willkommene Gelegenheit, dem Erzrivalen eins auszuwischen und gehen 0:10 unter?

Da alle Spieler um neue Verträge und für neue Vereine vorspielen wollen, glaube ich nicht, dass sie sich bewusst abschießen lassen. Dennoch, der VfB wäre am Sonntag gut beraten, die Sache selbst zu regeln und sich die Radkappe, die es in der 2. Liga für den Meister gibt, aus eigener Kraft zu sichern. Dann fühlt sich auch sicher der Aufstieg, den man vor Wochenfrist noch nicht zu feiern bereit war, besser an und man geht mit einem guten Gefühl in die Sommerpause.

Jetzt, wo die Konstellation ist, wie sie ist, hat natürlich der Tickethandel zu überhöhten Preisen Hochkonjunktur. Anfang April fand der Mitgliedervorverkauf beim VfB statt. Jeder, der einigermaßen in der Fanszene vernetzt ist und jemanden kennt, der jemanden kennt, der Mitglied ist, hatte damals die Chance, Tickets zu regulären Preisen zu ergattern.

Den meisten, die jetzt angekrochen kommen, unterstelle ich, dass es sich zu 90% um „Feierbiester“ handelt, die auf einmal dabei sein wollen, wenn die große Party ansteht und die den VfB in den letzten Jahren links liegen gelassen haben. Mit solchen habe ich keinerlei Mitleid und kann nur sagen, geht auf den Wasen und habt Spaß.

Wenn aber einige dieser Leute jetzt auf die Idee kommen, sich in den als „GÄSTEBLOCK“ deklarierten Bereich der Würzburger einzunisten und im Block eines gerade abgestiegenen Vereins ihre Aufstiegsparty feiern möchten, fehlt mir jegliches Verständnis.

Diese Leute legen eine egoistische Denkweise an den Tag und lassen jeglichen Respekt vor dem Gegner vermissen. Wenn man das Treiben in den Ticketbörsen verfolgt, ist mit solchen „Fans“ zu Hunderten zu rechnen. Ich hoffe sehr, dass schon am Einlass knallhart, notfalls mit Ausweiskontrollen, kontrolliert und ausgesiebt wird und diejenigen, die es in den Block hinein schaffen, Bekanntschaft mit „härteren“ Würzburger Jungs machen. Anders haben es diese Trottel nicht verdient.

Vor einem Platzsturm indes, im Falle des Titelgewinns, bittet der VfB abzusehen. Die Zeiten haben sich geändert. Mit 1992 ist die Situation zum einen nicht zu vergleichen, weil der Sturm schon vor dem offiziellen Schlusspfiff erfolgte und weil der Sicherheitswahn damals bei weitem noch nicht so ausgeprägt war. In die heutige Zeit projiziert hieße das wohl Spielwiederholung und eine Strafe, die sich gewaschen hat. Das muss nicht sein, zumal diejenigen, die jetzt dazu aufrufen, der Bitte vom Verein nicht nachzukommen, wohl in erster Linie die Intension haben, selbstdarstellerisch Selfies auf dem Platz zu schießen.
Mir ist es schon deshalb nicht nach einem Platzsturm, weil wir nicht Deutscher Meister werden, sondern „nur“ aufsteigen werden. Der Aufstieg war Pflicht und ist so etwas von selbstverständlich, wenn man sich nur die Budgets der Liga anschaut und sieht, mit welch ungleichen Mitteln dort ums Überleben gekämpft wird.

Dass man jedes Spiel dennoch seriös angehen musste und gegen fast jeden Gegner auch verlieren hätte können oder verloren hat, steht außer Frage. Da möchte ich die 2. Liga nicht kleiner reden, als sie ist, zumal die Umstellung auf die Liga für langjährige Bundesligarecken nicht ganz so einfach war.

Doch, man durfte, ja man musste sogar nach Jahren des Niedergangs und des Missmanagements vom Verein erwarten können, dass eine Mannschaft an den Start gebracht wird, die das Zeug zum direkten Wiederaufstieg hat. Alles andere wäre schlicht nicht vermittelbar gewesen.

Ich habe drei Meisterschaften gefeiert, einen Pokalsieg, zwei weitere Finals in Berlin erlebt und durfte zwei europäischen Endspielen beiwohnen. Diese Erfolge waren alle weniger selbstverständlich als dieser Aufstieg. Daher drehe ich nach Schlusspfiff gewiss auch nicht durch und bin von einem Platzsturm genauso weit entfernt wie der VfB derzeit von seiner sechsten Deutschen Meisterschaft.
Richtig feiern werde ich zum Ende der nächsten Saison, wenn der VfB es tatsächlich geschafft haben sollte, die letzten Bundesligajahre vergessen zu machen.

Wenn wir eine Mannschaft sehen, die körperlich und geistig fit genug ist, den Anforderungen der Bundesliga gerecht zu werden.

Eine Mannschaft, die nicht als Kanonenfutter zu den „Großen“ reist, sondern auch dort zu punkten imstande ist, wenn man, um in Wolfs Worten zu sprechen, „das Momentum“ auf seiner Seite hat.

Ich feiere dann, wenn wir nicht mehr um die 30-Punkte-Marke herum krebsen und uns daran ergötzen, dass es drei noch schlechtere Teams in der Liga gibt, sondern wenn der VfB aus seinen Möglichkeiten das Maximum herausholt und in jedem Spiel zumindest alles gegeben hat.

Wird die Mannschaft weiter punktuell und intelligent verstärkt und bewahrt die Spielstärke, die in Phasen in dieser Saison immer wieder aufblitzte, traue ich es dem Team zu, eine gute Rolle in der Bundesliga zu spielen und am Ende Platz 7-10 anpeilen zu können. Ich habe die große Hoffnung, dass wir gestärkt aus dem Abstieg hervorgehen und in ein paar Jahren davon sprechen, der Abstieg sei das Beste gewesen, was dem VfB hat passieren können.

Natürlich nehme ich die Feierlichkeiten am Sonntag auch gerne mit und werde ausnahmsweise auch ein Bierchen mehr darauf trinken. Los geht es bereits um 9 Uhr mit dem Treffen zur Fahrt auf dem Partyfloß. Dann freue ich mich auf das Spiel und die (hoffentlich) anschließende Feier im Stadion.

Den Cannstatter Wasen einschließlich womöglich wieder den Fanta 4 und der Präsentation der Mannschaft wird man als Stadiongänger zwar wohl vergessen können, weil auf dem Gelände lediglich 60.000 Menschen zugelassen sein sollen.

Bedauerlich zwar für uns und nicht zu ändern und doch wirft es wieder die Fragen auf, was der Stadt Stuttgart die Menschen wert sind, wenn sie just für den Tag des wahrscheinlichen Aufstiegs in der Innenstadt eine Radsternfahrt genehmigt.

Zum Public Viewing wird mit 30.000 bis 40.000 Besuchern gerechnet, plus jene 60.000 im Stadion, plus sicherlich vielen, vielen, die das Spiel in Sportsbars oder zu Hause anschauen und nach Spielende auch noch zum feiern gen Wasen strömen werden, um diese hautnah in sich aufsaugen zu können.

Am Ende könnte man hier locker mit 150.000 Leuten konfrontiert sein, mit denen der Stadt ihre Organisation um die Ohren fliegen dürfte.
Wie schon bei abgesagten Public Viewings zu Welt- und Europameisterschaften in den letzten Jahren wird dabei von einem Minimum an Interessierten ausgegangen und sich davor gescheut, in Vorleistung zu gehen und alleine durch eine perfekte Organisation Leute zu mobilisieren. Anschauen werde ich es mir trotzdem mal und lasse mich auch gerne positiv überraschen. Bislang aber ließ die Organisation, wenn Stadt und VfB etwas gemeinsam ausrichteten, stets zu wünschen übrig. Viel zu wenig Platz, viel zu wenig Bierstände, viel zu wenig Toiletten und ein Gedränge sondergleichen. 2007 hat mich das noch aufgeregt, als kein Durchkommen war, morgen, zur Feier der 2. Liga-Meister, nehme ich es, wie es kommt, notfalls werden eben die umliegenden Gastronomiebetriebe unterstützt.

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21. März 2017

Rückschlag in Fürth!

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , – Franky @ 09:03

Dreierkette, Viererkette, Lichterkette! Hätte Carlos Mané in der 4. Spielminute bei seiner Hundertprozentigen kaltschnäuziger agiert und die frühe Führung für den VfB hergestellt, würde in den Tagen danach wohl kaum die Systemfrage und ob sich Hannes Wolf vercoacht hat, gestellt werden.

Hätte man auf einem Bundesligateppich gespielt und nicht auf dem Dorfacker von Fürth, hätte Mané, der mit Ball schneller als die meisten 2. Liga-Spieler ohne ist, den Torhüter umkurvt und leicht und locker eingeschoben. Hätte, hätte, Fahrradkette.

So nutzte der VfB diese Chance, im Übrigen die einzige in der gesamten ersten Halbzeit, nicht und machte den großen Fehler, sich früh von den Fürthern den Schneid abkaufen zu lassen.
Wie bereits gegen Bochum fehlte es an der richtigen Einstellung und der Bereitschaft, sich mit Macht gegen das Ungemach zu stemmen.

Das ist 2. Liga-Fußball, das sollte das Team langsam wissen. Wenn man agiert, wie über weite Strecken in Fürth, stellt sich für mich mehr die Grips- als die Systemfrage. Man kann als vermeintlich besseres Team natürlich versuchen, die Aufgabe spielerisch zu lösen, aber, das bedingt eine gewisse Ballfertigkeit, Sicherheit im Umgang mit dem Spielgerät und einen besser bespielbaren Rasen. Wenn ein Fußballprofi auf dem glitschigen Rasen nicht schon beim Warmmachen erkennt, dass mit Filigranität heute kein Blumentopf zu gewinnen sein würde, dann fehlt es ihm offenbar im Kopf.

Nachdem ich den Auftritt gegen den VfL Bochum noch verteidigt und die Ursachen dafür im Kampfspiel in Unterzahl in Braunschweig gesehen habe, muss ich nach dem blutleeren in Fürth hart mit der Mannschaft ins Gericht gehen.

Jan Schindelmeiser und Hannes Wolf stehen für mich über Allem und sind ein Versprechen in die Zukunft. Dass Wolf nach seinen Wechselspielen von einigen bereits wieder in Frage gestellt wird, empfinde ich als eine Frechheit und hoffe nur, dass diejenigen in der absoluten Unterzahl bleiben und nicht der möglicherweise beste und vielversprechendste Trainer, den der VfB je hatte, wie so viele vor ihm, vom Hof gejagt wird, ehe sein Werk vollendet ist.

Was ihm zum Vorwurf gemacht wird, nämlich, dass er sich nicht stur auf ein System und eine Stammformation festlegt, gefällt mir gerade außerordentlich. Dadurch hält er sowohl die Spannung im Kader hoch, weil jeder jederzeit mit seiner Chance rechnen kann und der VfB ist für die Gegner schwerer ausrechenbar. Spieler, die wegen Sperren oder Verletzungen in die Mannschaft kamen und sich ordentlich präsentiert haben, sind nicht, wie es in all den Jahren zuvor war, automatisch wieder draußen, sondern haben eine echte Chance sich festzuspielen. Anderen wie einem Daniel Ginczek, dessen Tor gegen Bochum ein weiterer Meilenstein auf dem Weg zurück zu alter Stärke gewesen sein könnte, werden belohnt und bekommen beim nächsten Mal von Beginn an die Chance sich zu präsentieren (wie ja auch Berkay Özcan nach seinem Tor gegen Kaiserslautern).

Daher passt Wolf hie und da sein System den Spielern an, die sich den Startelfeinsatz verdient haben. So durften sowohl Pavard, der jüngst Marcin Kamiński gegen Bochum ordentlich vertreten hatte, wie auch Daniel Ginczek von Beginn an ran.

Den Ansatz, eine Dreierabwehrkette spielen zu lassen, die bei gegnerischen Angriffen ohnehin zu einer Fünferkette werden soll(te), halte ich für gut. Wird dieses System gut umgesetzt, rücken die Außenverteidiger bei eigenem Ballbesitz weiter vor, unterstützen dadurch das Mittelfeld und helfen mit, Überzahlsituationen zu schaffen. Dass dieses Vorhaben derart in die Hose ging, lag weniger am Plan des Trainers, sondern vielmehr daran, dass im VfB-Spiel überhaupt kein Mittelfeld vorhanden war. An der taktischen Ausrichtung kann man genauso wenig festmachen, dass ein Marcin Kamiński ins Leere stochert und der Flachschuss von Berisha aus 30 Metern auf dem nassen Boden derart an Fahrt aufnimmt, so dass er (wohl) unhaltbar für Mitch Langerak in sein linkes Tornetz einschlägt.

Systemgeschuldet ist es genauso wenig, wenn man meint, gegen eine durchschnittliche Zweitligamannschaft, spielerisch glänzen und den Fuß zurückziehen zu können, anstatt in den Pressschlag zu gehen und dem Gegner zu zeigen, dass man die Bedingungen anzunehmen bereit ist. Daniel Ginczek hatte auf ungewohnter Position Linksaußen hinter der Spitze Terodde einen schweren Stand und fand zu keiner Zeit ins Spiel. Dennoch war er es, der mit der sprichwörtlichen Wut im Bauch, die Wolf von allen einforderte, einen Gegenspieler an der Seitenlinie weggrätschte und dafür die gelbe Karte sah.

Diese Aktion erinnerte mich an ein VfB-Spiel im September 1996 bei den Münchner Löwen. Der Tabellenzweite VfB lag beim TSV 1860 mit 1:0 in Rückstand, als Fredi Bobic die Blutgrätsche auspackte und einen Gegenspieler von hinten mit Anlauf abräumte. Nach dem Spiel gestand Bobic ein, er habe ein Zeichen setzen wollen. Dieses hatte offenbar gefruchtet, der VfB gewann mit 2:5 und erklomm an jenem Spieltag die Tabellenspitze der Fußball-Bundesliga.

Der Unterschied zu damals? Während im Olympiastadion außer Bobic noch Typen wie Wohlfahrt, Verlaat, Soldo, Poschner und Elber auf dem Feld standen, die alle Ehrgefühl und Führungsqualitäten in sich vereinten, sucht man solche Tugenden in der Elf vom Samstag vergeblich. Christian Gentner sollte das kraft seines Amtes und aufgrund seiner Erfahrung eigentlich sein, doch, weit gefehlt.

Wie so oft, wenn es schwierig wird, tauchte Gentner auch am Samstag komplett unter. Wenn DER vermeintliche Führungsspieler es gerade mal auf ca. 65 Ballkontakte bringt und mit diesen noch fast zwanzig (!) Fehlpässe fabriziert, kann es nur heißen: setzen, sechs!

In einer katastrophalen ersten Halbzeit ließ sich der VfB von aggressiven Fürthern den Schneid abkaufen und ergab sich in sein Schicksal. Ein Mittelfeld suchte man, wie angesprochen, vergeblich. Erst als nach dem Seitenwechsel Anto Grgić für den verletzten Zimmer ins Spiel kam, war so etwas wie eine Schaltzentrale erkennbar und die Angriffe wurden strukturierter.

Hannes Wolf arbeitete in seiner ersten Vorbereitung im portugiesischen Lagos akribisch daran, dem Team seine Handschrift zu verpassen, ihm verschiedene Systeme beizubringen und feilte am Teamgeist. Alles schien gut, die ersten fünf Rückrundenspiele wurden gewonnen, nicht nur wir Fans, auch die Spieler liefen mit einem Dauergrinsen durch die Gegend, so dass lange nur die Frage war, wann wir denn aufsteigen und nicht ob, schließlich hatte man sich ja einen komfortablen Vorsprung in der Tabelle erspielt.

Zwei Remis und eine Niederlage später ist diese Euphorie wie weggeblasen. Zweifel machen sich breit, viele sehen das Team nicht mehr imstande, den Schalter nochmal umzulegen. Wenn man die Hilflosigkeit der Mannschaft in Fürth sah, fühlte man sich an die schlechtesten Auftritte der Hinrunde erinnert. Ob in Düsseldorf, in Dresden, in Würzburg oder jetzt in Fürth, kassiert die Mannschaft auswärts das 0:1, war’s das und man könnte eigentlich heimgehen oder am Bierstand auf den Schlusspfiff warten.

Wo sind der Teamgeist und die Bereitschaft, sich gegenseitig zu helfen, geblieben? Es kann doch nicht daran liegen, dass der ausgewiesene Mentalitätsspieler Kevin Großkreutz nicht mehr da ist!? Auch wenn er im Team nicht sonderlich beliebt gewesen sein soll, war er doch einer, der Aufmerksamkeit auf sich zog und damit Druck von den Anderen nahm. Dieser Druck entlädt sich nun wieder fast vollständig auf Christian Gentner, zumindest so lang Simon Terodde aufgrund seiner Maske der vollständige Durchblick fehlt. Er wirkte zuletzt mit Maske gehemmt und wird hoffentlich nach der Länderspielpause wieder der alte sein.

Gentner macht in Interviews derweil nebulöse Andeutungen „In den letzten Wochen haben sich einige Dinge eingeschlichen, die nicht gut sind“, anstatt die „Dinge“ beim Namen zu nennen. Des Weiteren meinte er nach dem Spiel “Das Vereinsziel muss über allem stehen. Jeder muss auch im Privatleben diesem Ziel alles unterordnen.”

Es scheint also durchaus so zu sein, dass großer Redebedarf herrscht und Tendenzen zu Tage treten, die auf mangelnden Teamgeist und mangelnde Professionalität hindeuten. Dies wäre natürlich Gift und gäbe Anlass zu großer Sorge.

Viele der großen Skeptiker im VfB-Umfeld ziehen nun Parallelen zur Vorsaison, als man nach ebenfalls fünf Siegen zu Beginn der Rückrunde gnadenlos abstürzte. Durchaus möglich, dass einige der Bähmullen in der Mannschaft, die im Vorjahr schon dabei waren, angesichts dieser Erinnerungen schon weiche Knie bekommen und doch sollte uns Hoffnung machen, dass die nächsten Gegner „nur“ Dynamo Dresden, 1860 München und Karlsruher SC heißen und nicht Leverkusen, Dortmund und Bayern. Zum Anderen dilettieren auch nicht mehr Kramny und Dutt vor sich hin und sprechen die Mannschaft von jeglichem Druck frei, mit Wolf und Schindelmeiser weht inzwischen ein ganz anderer Wind.

Jan Schindelmeiser legte den Finger unmittelbar nach dem Fürth-Desaster in die Wunde, indem er anmahnte, “Wir müssen das, was die zweite Liga ausmacht, wieder stärker in den Vordergrund stellen. Sich durchzusetzen, Zweikämpfe zu gewinnen, den Gegner körperlich zu dominieren und dann Fußball zu spielen – nicht umgedreht. Das funktioniert in der zweiten Liga nicht.” Auch Hannes Wolf schlug in dieselbe Kerbe und wird die Mannschaft noch mehr in die Pflicht nehmen. Ein solches Negativerlebnis vor einer Länderspielpause ist immer schlecht, weil die eigentliche Aufarbeitung dieses erbärmlichen Auftritts erst mit einer Verzögerung von zehn Tagen erfolgen kann.

Es wird spannend sein, zu beobachten, wie Hannes Wolf im nächsten Spiel auf die Niederlage reagiert. Ob man dem Team, das nun nichts mehr als Stabilität benötigt, einen Gefallen tut, ständig mit einer anderen Aufstellung anzutreten, sei dahingestellt. Möglicherweise wähnt Wolf sein Team schon weiter, als es tatsächlich ist. Wer weiß, wofür solche Rückschläge noch gut gewesen sind, sollte am Ende tatsächlich der Aufstieg stehen. Dann hat man die Gewissheit, dass personell noch einiges im Argen liegt und auch die letzten Altlasten „entsorgt“ werden müssen, möchte man im Oberhaus eine bessere Rolle als in den letzten Jahren spielen.

Wenn diese Niederlage kurzfristig ihr Gutes hat, dann auf jeden Fall, dass die wenigsten Protagonisten vom Samstag, Ansprüche auf einen Stammplatz zu stellen brauchen. Da fallen mir derzeit allenfalls Langerak, Baumgartl, Terodde (hoffentlich gegen Dresden wieder ohne Maske) und mit Abstrichen noch, mangels ernsthafter Alternative, Emiliano Insúa ein.

Die Gelegenheit war noch nie günstiger, unsere neuen Hoffnungsträger Ofori und Onguéné hineinzuwerfen, sofern sie gesund und nicht allzu gestresst von ihren Länderspielreisen zurückkehren. Kamiński, der bis zu seinem Platzverweis in Braunschweig eine solide Rückrunde spielte, war nicht nur beim Gegentor nicht Herr der Lage, auch ein viel zu kurz geratener Rückpass hätte den frühzeitigen Knockout bedeuten können. In einigen Situationen des Polen glaubte man ein Déjà-vu zu haben und Toni Šunjić im Kamiński-Kostüm auf dem Platz zu sehen.

Gerade Ebenezer Ofori würde ich gerne einmal neben Anto Grgić und anstelle von Christian Gentner sehen, wer weiß ob nicht gerade durch eine solche vorübergehende Wachablösung neue Helden geboren und die Anderen noch mehr in die Pflicht genommen werden, anstatt sich stets hinter Gentner zu verstecken.

Seit gestern ist der VfB in der Verfolgerrolle, nachdem der 1. FC Union Berlin durch den späten Sieg gegen den 1. FC Nürnberg den Platz an der Sonne eingenommen hat. Noch kein Grund in Panik zu verfallen, wenngleich eine gewisse Wachsamkeit da sein sollte.

Noch liegt der VfB im Soll, schließlich steigt auch der Zweite direkt auf, aber, allzu viele Ausrutscher sollte sich der VfB freilich nicht mehr erlauben.

Sich auf die Gegebenheiten in der zweiten Liga einzustellen, bedeutet auch, sich damit abzufinden, dass die Schiedsrichter nur noch zweitklassig sind. Simon Terodde wurde ein klares Tor aberkannt, während der Fürther Dursun nicht mit gelb-rot vom Platz geschickt wurde. Es war nicht das erste Mal in den letzten Spielen, dass der VfB benachteiligt wurde, während bspw. Eintracht Braunschweig zuletzt von Schiedsrichterentscheidungen profitierte und daher auf dem Relegationsplatz platziert ist.

Nach der Pause kommt die Woche der Wahrheit. Zunächst geht es im ausverkauften Neckarstadion gegen die lautstarken Dresdner. Mit einem Sieg könnte sich Dynamo gar noch Hoffnungen zumindest auf die Relegation machen, so dass dies sicher keine einfache Aufgabe werden wird. Zwei Akteure in Reihen der Dynamos werden dabei besonders motiviert sein. Zum einen Winterneuzugang Philip Heise, dessen Qualitäten beim VfB meiner Meinung nach verkannt wurden, zum anderen Erich Berko, der schon für unsere Amateure am Ball war. Der VfB muss ein anderes Gesicht zeigen als zuletzt und sollte motiviert genug sein, die Schmach aus dem Hinspiel vergessen zu machen.

Danach wartet mittwochs der TSV 1860 München, für den es ein Vorteil sein könnte, dass er Freitag-Mittwoch spielt, während wir durch das Sonntagspiel zwei Tage weniger Zeit zur Regeneration haben. Und, zum hoffentlich krönenden Abschluss der englischen Woche kommt der KSC zum Derby nach Stuttgart, wieder vor ausverkauftem Haus mit der Gelegenheit, unsere Position im Aufstiegsrennen zu festigen und die Ostfranzosen dem Abgrund ein Stück näher zu bringen.

Es bleibt also spannend, mir ist vor den nächsten Wochen nicht bange, mein Vertrauen gründet sich auf die Arbeit von Hannes Wolf, der schon so viel richtig gut gemacht hat und dem ich auch jetzt Lösungen zutrauen, aus dieser Minikrise nach der Länderspielpause gestärkt heraus zu kommen.

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