20. Mai 2017

So gut wie durch!

Eine Ruhmestat war es nicht gerade, was der VfB da in Hannover abgeliefert hat, aber, diese knappe Niederlage sollte wider vorherigem Erwarten für den Aufstieg reichen, weil Arminia Bielefeld den bis dahin so konstanten Kontrahenten Eintracht Braunschweig mit 6:0 aus der Schüco-Arena schoss. Bereits jetzt legendär dazu, die Rede von Bielefelds Co-Trainer Carsten Rump, die er vor dem Spiel in der Kabine hielt und in der er an die Ehre seiner Mannschaft und die Verpflichtung den Fans und ihrer Familien gegenüber appellierte. Insbesondere der Part, indem er darauf verwies, dass seine Ansprache gefilmt werde, und sie an die Spielerfrauen weiter versendet werde, verlieh den Arminen offensichtlich Flügel.

Der mögliche, vielleicht sogar gemeinsame Aufstieg, in und mit Hannover beeinflusste unsere Reiseplanungen für dieses Spiel schon Ende Februar/ Anfang März diesen Jahres. Nachdem ein Bekannter den Vorschlag ins Spiel brachte, man könne doch in der Düsseldorfer Altstadt schon vorfeiern und von dort aus Sonntags nach Hannover fahren, hatte ich den genialen Einfall, dass man dann auch gleich aus Malle einfliegen könnte. Gesagt, getan!

Dass man das vor einem Spiel im Norden schon mal machen kann, haben zwei Gesichter unseres Niedergangs, nämlich Dutt und Kramny, im Vorjahr ja bereits vorgemacht. Der sportliche Ertrag danach war zwar bescheiden, immerhin aber ließen sie sich in den paar Tagen die Sonne auf den Bauch scheinen und konnten derart abschalten, dass sie hinterher den Schalter nicht mehr fanden.

Für die Nichtabstiegsbemühungen vom VfB war das Trainingslager am Ballermann daher eher kontraproduktiv, was jedoch nicht zwangsläufig für uns Fans gelten muss.

Im Gegensatz zur Absteigertruppe von damals nahmen wir unser Trainingslager bierernst. Zwischen Aue und Hannover konnten wir so unsere Gedanken sortieren, absolvierten intensive Einheiten im Bierkönig und führten anregende Gespräche, immer mit dem großen gemeinsamen Ziel des direkten Wiederaufstiegs vor Augen. Wir schworen uns auf die beiden letzten Herausforderungen in der 2. Liga ein und rüsteten uns für harte Tour nach Hannover, inklusive Rückfahrt mit dem Bus, sowie für die Fahrt auf dem Stuttgarter Partyfloß vor dem letzten Saisonheimspiel gegen die Würzburger Kickers.

So schlugen wir also Mittwochabend unser Trainingslager auf Mallorca auf und flogen leicht übernächtigt am Sonntag früh, Abflug 8.15 Uhr, direkt weiter in die Leinestadt.

Dort angekommen hatte unser auf Malle überraschend zu uns gestoßener Tonga-Tonga-Mann einen Bekannten organisiert, der uns VIP-Shuttle-like mit einem Mercedes Vito mit Ledersitzen und genügend Raum für uns vier und unser Gepäck, vom Flughafen abholte.

Auf dem Wagen prangte auf beiden Seiten das 96er-Wappen, doch drinnen lief uns zu Ehren „VfB, ein Leben lang“. Die Logistik also perfekt, fuhren wir in die Stadt, bekamen gar noch eine Stadtrundfahrt inklusive Erklärungen zu einigen Gebäuden geboten, genossen die Aussicht auf das Stadion vom Maschsee aus und fanden unser Ziel schließlich im Waterloo-Biergarten unweit des Stadions. Nach gut und reichlich Speis und Trank begaben wir uns dann auf den Weg zu den Fanbussen, um unser Gepäck loszuwerden.

Das war schon einmal die erste nette Begegnung mit einem Hannover-Fan, weitere sollten folgen. Unsere Plätze hatten wir auf der Osttribüne, von der aus man gut in beide Fankurven fotografieren kann. Da Hannover 96 für dieses Spiel der beiden Top-Aufstiegsfavoriten am vorletzten Spieltag keine Probleme hatte, das Stadion „nur“ mit 96-Fans voll zu bekommen, wurden Karten lediglich in norddeutsche Postleitzahlengebiete verkauft und es den VfB-Fans somit erschwert, an Karten in anderen Bereichen zu kommen.

Da ich einen Bekannten habe, der bei Hannover 96 beschäftigt ist, klappte es bei uns mit Tickets schon über den Mitgliederverkauf des Gastgebers.

Daher saßen wir also, wie in jedem Jahr, auf der Osttribüne, dieses Mal nicht so mittig wie sonst, inmitten von Hannover 96 Fans. Verstreut sah man zwar VfBler um uns herum, jedoch bei weitem nicht so viele, wie da gewesen wären, hätte man sich aus Stuttgart aus unbegrenzt mit Karten eindecken können.

Hannover gehört seit dem Umbau des Stadions zu meinen Lieblingsspielen. In den 80er-Jahren, also lange Zeit vor Billigfliegern, ICE, Socialmedia und Onlinepreisvergleichen, war Hannover DAS „Graue-Maus-Spiel“ schlechthin, wo ich eigentlich nur mal zugegen war, wenn es einen gerade ohnehin in den Norden verschlagen hatte. Ich kann mich an ein tristes 0:2 im Februar 1989 erinnern, 15.000 Zuschauer im alten zugigen Niedersachsenstadion, geschätzt kaum mehr als 100 Unentwegte im Gästeblock. Damals war Hannover noch so etwas wie die Höchststrafe für einen Fan.

Doch, das ist lange her, seitdem hat sich Hannover herausgeputzt. Das zur WM 2006 umgebaute Stadion ist zu einem Stimmungstempel geworden, wenn denn alle auch mitmachen und an einem Strang ziehen. Die kühlen Norddeutschen können ganz schön aus sich herausgehen, wie man in jenen Zeiten gesehen und gehört hat, als Hannover international vertreten war.

Als die Ultras im Clinch mit Klub-Mäzen Martin Kind lagen und demonstrativ Spiele der Profis mieden und nur die Amateure unterstützten, war die Atmosphäre eher gespenstisch. Das hat sich wieder gebessert, wenngleich die „Kind muss weg“-Rufe wohl nie verstummen werden, solang der Hörgeräte-Fabrikant durch sämtliche Hintertürchen versucht, die 50+1-Regel zu kippen und zu untergraben. Am Sonntag sollte dieser schwelende Konflikt, ebenso wie der Schatten, den unsere außerordentliche Mitgliederversammlung am 01.06. vorauswirft, kein Thema sein und alles dem Ziel des direkten Wiederaufstiegs untergeordnet werden.

Wir freundeten uns sogleich mit unseren direkten Nebensitzern an und stellten schnell fest, dass aktive Fußballfans doch auf einer Wellenlänge funken, auch wenn sie verschiedene Farben tragen. Einer der drei 96er war früher Mitglied der inzwischen aufgelösten Hannoveraner Ultras-Gruppierung Brigade Nord 99. Schnell stellten wir fest, dass wir einen gemeinsamen, mich betreffend durch Mail-Kontakt, Bekannten haben, dem ich vor einigen Jahren zwei Mal Bilder für den Ultras-Jahreskalender zur Verfügung stellte. So klein ist die Welt.

Die Chemie stimmte also, das Bier floss in Strömen, musste nur noch das (für beide Seiten!?) passende Ergebnis her. Von der Atmosphäre im Stadion war ich auch am Sonntag wieder begeistert, und das beide Fankurven betreffend. Einmal mehr ein Spiel, dessen äußerer Rahmen bundesligareif war, weshalb ich auch beiden Vereinen den Aufstieg gönne.

Nach dem jahrelangen Herumdümpeln in der Abstiegszone der Bundesliga gab es nicht wenige Fanszenen, die uns schon lange den Abstieg an den Hals wünschten. Deren Wunsch wurde dann ziemlich genau einem Jahr (endlich) erhört, doch, dieselben höre ich jetzt rufen, dass sie uns wieder herbeisehnen, weil ein adäquates Gegenüber im Gästeblock und dessen Auftritte für so manchen in der Kurve eben doch mehr wiegen, als die bloßen Darbietungen auf dem Platz. Fast schon neidisch blickte da so manche Kurve der Bundesliga hinab in die 2. Liga, die der VfB bereicherte wie kaum ein Absteiger zuvor. Wir füllten die Stadien, ob daheim oder auswärts, während man bei Bundesligaübertragungen leere Ränge wie schon Jahre nicht mehr ausmachen konnte.

Ähnlich wird es wohl auch mit dem Wunsch nach dem Abstieg des HSV ablaufen. Was man an ihm hat, merkt man erst, wenn er tatsächlich einmal nicht mehr da ist. Mir persönlich würde es schon genügen, wenn sie diese unsägliche Uhr endlich abmontieren würden, das Auswärtsspiel im Volkspark möchte ich auf keinen Fall missen.

Der VfB trat in Hannover mit derselben Aufstellung an wie schon in der Vorwoche beim 3:0 gegen Erzgebirge Aue, also auch mit Florian Klein in der Startelf. Von Beginn an war vom Elan der vorigen Wochen, in denen man immerhin fünf Siege in Folge einfuhr, wenig zu sehen. Die Bemühungen um Spielkontrolle wurden von den 96ern energisch gestört, was zu vielen Ballverlusten und ersten Chancen für Hannover führte. Die Mittelfeld-Zentrale der Niedersachsen um Anton und Bakalorz zog den VfB-Bemühungen um ein kontrolliertes Spiel nach vorne schnell den Zahn, während Terodde bei Salif Sané in (für uns nicht so) guten Händen und kaum ins Spiel eingebunden war. Die Passwege waren zugestellt, so dass auch Maxim nicht so zur Geltung kam wie in den letzten Wochen. Der VfB kam in der ersten Hälfte lediglich zu einem (!) Torabschluss durch Brekalo und fing sich zu allem Überfluss kurz vor der Pause auch noch den Rückstand ein.

Felix Klaus, der auch schon im Hinspiel für den endgültigen Knockout gesorgt hatte, lief unbehelligt übers halbe Spielfeld, ehe ihm Timo Baumgartl mehr Geleitschutz gab, als dass er ihn angriff. Dieser kam dann mühelos zum Abschluss und ließ auch Mitch Langerak bei seinem Schuss an den Innenpfosten keine Abwehrchance.

Überschwänglicher Jubel machte sich bei den 96ern breit, zumal zu diesem Zeitpunkt Bielefeld bereits mit 2:0 gegen Eintracht Braunschweig führte und man damit den Lokalrivalen nicht nur überholte sondern auch distanzieren konnte. Den Druck hatten nämlich mal wieder die Anderen, nämlich Hannover 96, die dieses Spiel unbedingt gewinnen mussten, während dem Brustring bereits ein Unentschieden genügt hätte. Dies ließ sich auch durchaus am Engagement auf dem Platz erkennen. Während die Hannoveraner um ihr Leben rannten, ging der VfB im Wissen, im nächsten Spiel noch einen zweiten Matchball in der Hinterhand zu haben, (zu) relaxed an die Sache heran.

Im Fußball gibt es immer wieder Gegner, die einem „ums Verrecken“ nicht liegen. In dieser Saison war Hannover ein solcher. Schon im Hinspiel war ein eklatanter Leistungseinbruch gegen die Niedersachsen zu beklagen und auch am Sonntag beim Rückspiel war nichts zu sehen von dem, was den VfB in den Wochen zuvor stark gemacht hat. Wenn an der Floskel, dass man nur so gut spielen kann, wie es der Gegner zulässt, etwas dran sein sollte, dann trifft dies auf die beiden Begegnungen gegen 96 komplett zu. Hannover ließ den VfB nicht zur Geltung kommen und offenbarte im Umschaltspiel, dass der VfB im Defensivverhalten von einer Bundesligatauglichkeit weit entfernt ist.

Die Körpersprache bei Hannover sah anders aus als die vom VfB. Martin Harnik, über den man sagen kann, was man will, merkte man es, wie auch schon im Hinspiel, an, dass er gewillt war, es seinem langjährigen Arbeitgeber und auch seinen Fans, die ihn zum Schluss mit Schimpf und Schande davon gejagt hatten, zu zeigen. Er legte jenes Engagement an den Tag, welches man sich von seinem Freund und unserem Kapitän Christian Gentner gewünscht hätte. Wie immer, wenn es beim VfB nicht läuft, tauchte dieser nämlich gänzlich unter und ergab sich, wie die gesamte Mannschaft, seinem Schicksal.

Unter Breitenreiter sind die 96er noch stabiler geworden und lassen wenige Torchancen des Gegners zu. Da reicht es dann eben nicht mit halber Kraft ins Spiel zu gehen und abwartend zu agieren. Das Team wirkte, als hätte es schon beim Anpfiff die Hosen voll gehabt, was neuerdings charmanter so formuliert wird, der VfB habe übergroßen Respekt vor dem Gegner gehabt.

Hannover kaufte dem VfB den Schneid ab, weil es gieriger, williger, bissiger, ja, auch motivierter wirkte und sich vor allem vor keinem Zweikampf scheute. Mit zunehmender Spieldauer, als das Braunschweiger Debakel Konturen annahm, kam hinzu, dass es der Stuttgarter Bequemlichkeit ganz entgegen kam, dass ein 0:1 gar kein ganz so schlechtes Ergebnis mehr war. Wozu sich also noch extrem schinden, wenn man auch mit dieser knappen Niederlage so gut wie durch ist?

War es einfach nur intelligent, die Hannoveraner nicht mehr als nötig zu reizen und sich mit ihnen auf den knappen Sieg quasi zu einigen, oder war es die noch immer latent vorhandene Bequemlichkeit, gerade mal so viel zu tun, wie unbedingt erforderlich ist? Wäre man mehr Risiko gegangen und hätte sich auskontern lassen, wäre dem Team von Hannes Wolf mit Sicherheit Dummheit unterstellt worden.

Ich sehe beides gegeben! Für die Verantwortlichen zählt sicherlich in erster Linie die Tabelle, die uns vor dem letzten Spiel in einer ausgezeichneten Ausgangsposition ausweist. Und doch gilt es, dem Verein die Mentalität auszutreiben, immer nur das Notwendigste zu tun, anstatt nach dem maximal Möglichen zu streben. Mit ein wenig mehr Willen, sich dem Gegner zu stellen und sich gegen ihn zu stemmen, wäre durchaus die Chance da gewesen, den Sack auch schon letzte Woche zuzumachen.

Ich anerkenne die Leistung der Hannoveraner zwar und sehe es auch so, dass es keine Schande war, gegen sie zu verlieren. Die Art und Weise aber, wie die Mannschaft in diesem ersten Endspiel aufgetreten ist, ärgert mich trotzdem immer noch sehr.

Wenn man die Chance hat Großes zu erreichen, wenn trotz erschwerter Kartenvergabe zwischen 8.000 und 9.000 Fans die weite Reise auf sich nehmen, dann hätte ich schon ein Mehr an Konzentration, Engagement und Siegeswillen erwartet. Es war über weite Strecken eine lethargische Vorstellung, so dass es am Sieg der 96er überhaupt nichts zu deuteln gab, im Gegenteil, hätte nicht Mitch Langerak einen so guten Tag gehabt, hätte die Niederlage noch deutlich höher ausfallen können.

Am Ende jubelten die Hannoveraner, als hätten sie die Meisterschaft gewonnen, während es auf VfB-Seite doch eher verhalten zuging und der Frust über die Leistung der Mannschaft überwog.

Vielleicht weil wir inmitten der Jubelarien saßen und unseren neuen Bekannten den Sieg auch durchaus gönnten, verließ ich das Stadion mit einer anderen Gefühlslage als wohl die meisten, die im VfB-Bereich standen. Auch ich hatte da zunächst in erster Linie die Tabelle im Blick und hier hat der VfB, trotz der Niederlage, sein Saisonziel zu 99,9% erreicht. Es müsste schon mit dem Teufel zugehen, ließen wir uns jetzt noch die Butter vom Brot nehmen. Faktisch sind wir so gut wie durch, die Freude darüber überwog zunächst einmal.

Jan Schindelmeiser und Hannes Wolf ordneten den Auftritt selbst schon richtig ein und werden dafür sorgen, dass im Team, das am Sonntag gegen Würzburg am Start ist, kein Einziger mit dem Bewusstsein den Rasen betritt, schon durch zu sein und nicht mehr alles geben zu müssen.

Das Hinspiel gegen die Würzburger Kickers, das gleichzeitig auch der letzte Sieg der Unterfranken war, sollte Warnung genug sein, dass man mit halber Kraft gegen keinen Gegner dieser Liga bestehen kann. Der VfB muss Revanche nehmen und Würzburg schlagen, damit wir erst gar nicht mit Rechenspielen beginnen müssen. Hannover 96 hat die deutlich schwerere Aufgabe beim SV Sandhausen zu bewältigen und muss dort in den gesperrten Prib und Harnik auf zwei Leistungsträger verzichten. Wie schwer diese Aufgabe wird, dürfte davon abhängen, ob Sandhausen, das seit dem vorigen Spieltag gerettet ist und für das es also um nichts mehr geht, bereit ist, an die Schmerzgrenze zu gehen und sich ordentlich von seinem Anhang in die Sommerpause zu verabschieden.

Dass man sich gegen Ende der Saison, wenn einige Vereine nur noch um die goldene Ananas spielen, am besten nur auf sich selbst verlässt, weil kuriose Ergebnisse an der Tagesordnung sind, wurde uns schon einige Male schmerzhaft vor Augen geführt. Die Mutter aller Wettbewerbsverzerrungen erlebten wir 2004, als am vorletzten Spieltag der schon feststehende Meister SV Werder Bremen im Vollsuff gegen Bayer Leverkusen, mit denen wir noch um den Einzug in die Champions League rangen, zu Hause 2:6 unterlag.

So ist es auch sehr ungewiss, was man vom KSC in Braunschweig erwarten darf. Die Braunschweiger werden sich in der Pflicht sehen, Wiedergutmachung für das 0:6 zu betreiben und versuchen, durch frühe Tore die Kontrahenten unter Druck zu setzen. Was man vom Gegner und hoffentlich nicht Sparringspartner Karlsruher SC dort halten kann, wird man sehen. Reißt sich der seit langem feststehende Absteiger noch einmal zusammen und nimmt am Spiel teil oder sehen die Badener dieses Spiel als willkommene Gelegenheit, dem Erzrivalen eins auszuwischen und gehen 0:10 unter?

Da alle Spieler um neue Verträge und für neue Vereine vorspielen wollen, glaube ich nicht, dass sie sich bewusst abschießen lassen. Dennoch, der VfB wäre am Sonntag gut beraten, die Sache selbst zu regeln und sich die Radkappe, die es in der 2. Liga für den Meister gibt, aus eigener Kraft zu sichern. Dann fühlt sich auch sicher der Aufstieg, den man vor Wochenfrist noch nicht zu feiern bereit war, besser an und man geht mit einem guten Gefühl in die Sommerpause.

Jetzt, wo die Konstellation ist, wie sie ist, hat natürlich der Tickethandel zu überhöhten Preisen Hochkonjunktur. Anfang April fand der Mitgliedervorverkauf beim VfB statt. Jeder, der einigermaßen in der Fanszene vernetzt ist und jemanden kennt, der jemanden kennt, der Mitglied ist, hatte damals die Chance, Tickets zu regulären Preisen zu ergattern.

Den meisten, die jetzt angekrochen kommen, unterstelle ich, dass es sich zu 90% um „Feierbiester“ handelt, die auf einmal dabei sein wollen, wenn die große Party ansteht und die den VfB in den letzten Jahren links liegen gelassen haben. Mit solchen habe ich keinerlei Mitleid und kann nur sagen, geht auf den Wasen und habt Spaß.

Wenn aber einige dieser Leute jetzt auf die Idee kommen, sich in den als „GÄSTEBLOCK“ deklarierten Bereich der Würzburger einzunisten und im Block eines gerade abgestiegenen Vereins ihre Aufstiegsparty feiern möchten, fehlt mir jegliches Verständnis.

Diese Leute legen eine egoistische Denkweise an den Tag und lassen jeglichen Respekt vor dem Gegner vermissen. Wenn man das Treiben in den Ticketbörsen verfolgt, ist mit solchen „Fans“ zu Hunderten zu rechnen. Ich hoffe sehr, dass schon am Einlass knallhart, notfalls mit Ausweiskontrollen, kontrolliert und ausgesiebt wird und diejenigen, die es in den Block hinein schaffen, Bekanntschaft mit „härteren“ Würzburger Jungs machen. Anders haben es diese Trottel nicht verdient.

Vor einem Platzsturm indes, im Falle des Titelgewinns, bittet der VfB abzusehen. Die Zeiten haben sich geändert. Mit 1992 ist die Situation zum einen nicht zu vergleichen, weil der Sturm schon vor dem offiziellen Schlusspfiff erfolgte und weil der Sicherheitswahn damals bei weitem noch nicht so ausgeprägt war. In die heutige Zeit projiziert hieße das wohl Spielwiederholung und eine Strafe, die sich gewaschen hat. Das muss nicht sein, zumal diejenigen, die jetzt dazu aufrufen, der Bitte vom Verein nicht nachzukommen, wohl in erster Linie die Intension haben, selbstdarstellerisch Selfies auf dem Platz zu schießen.
Mir ist es schon deshalb nicht nach einem Platzsturm, weil wir nicht Deutscher Meister werden, sondern „nur“ aufsteigen werden. Der Aufstieg war Pflicht und ist so etwas von selbstverständlich, wenn man sich nur die Budgets der Liga anschaut und sieht, mit welch ungleichen Mitteln dort ums Überleben gekämpft wird.

Dass man jedes Spiel dennoch seriös angehen musste und gegen fast jeden Gegner auch verlieren hätte können oder verloren hat, steht außer Frage. Da möchte ich die 2. Liga nicht kleiner reden, als sie ist, zumal die Umstellung auf die Liga für langjährige Bundesligarecken nicht ganz so einfach war.

Doch, man durfte, ja man musste sogar nach Jahren des Niedergangs und des Missmanagements vom Verein erwarten können, dass eine Mannschaft an den Start gebracht wird, die das Zeug zum direkten Wiederaufstieg hat. Alles andere wäre schlicht nicht vermittelbar gewesen.

Ich habe drei Meisterschaften gefeiert, einen Pokalsieg, zwei weitere Finals in Berlin erlebt und durfte zwei europäischen Endspielen beiwohnen. Diese Erfolge waren alle weniger selbstverständlich als dieser Aufstieg. Daher drehe ich nach Schlusspfiff gewiss auch nicht durch und bin von einem Platzsturm genauso weit entfernt wie der VfB derzeit von seiner sechsten Deutschen Meisterschaft.
Richtig feiern werde ich zum Ende der nächsten Saison, wenn der VfB es tatsächlich geschafft haben sollte, die letzten Bundesligajahre vergessen zu machen.

Wenn wir eine Mannschaft sehen, die körperlich und geistig fit genug ist, den Anforderungen der Bundesliga gerecht zu werden.

Eine Mannschaft, die nicht als Kanonenfutter zu den „Großen“ reist, sondern auch dort zu punkten imstande ist, wenn man, um in Wolfs Worten zu sprechen, „das Momentum“ auf seiner Seite hat.

Ich feiere dann, wenn wir nicht mehr um die 30-Punkte-Marke herum krebsen und uns daran ergötzen, dass es drei noch schlechtere Teams in der Liga gibt, sondern wenn der VfB aus seinen Möglichkeiten das Maximum herausholt und in jedem Spiel zumindest alles gegeben hat.

Wird die Mannschaft weiter punktuell und intelligent verstärkt und bewahrt die Spielstärke, die in Phasen in dieser Saison immer wieder aufblitzte, traue ich es dem Team zu, eine gute Rolle in der Bundesliga zu spielen und am Ende Platz 7-10 anpeilen zu können. Ich habe die große Hoffnung, dass wir gestärkt aus dem Abstieg hervorgehen und in ein paar Jahren davon sprechen, der Abstieg sei das Beste gewesen, was dem VfB hat passieren können.

Natürlich nehme ich die Feierlichkeiten am Sonntag auch gerne mit und werde ausnahmsweise auch ein Bierchen mehr darauf trinken. Los geht es bereits um 9 Uhr mit dem Treffen zur Fahrt auf dem Partyfloß. Dann freue ich mich auf das Spiel und die (hoffentlich) anschließende Feier im Stadion.

Den Cannstatter Wasen einschließlich womöglich wieder den Fanta 4 und der Präsentation der Mannschaft wird man als Stadiongänger zwar wohl vergessen können, weil auf dem Gelände lediglich 60.000 Menschen zugelassen sein sollen.

Bedauerlich zwar für uns und nicht zu ändern und doch wirft es wieder die Fragen auf, was der Stadt Stuttgart die Menschen wert sind, wenn sie just für den Tag des wahrscheinlichen Aufstiegs in der Innenstadt eine Radsternfahrt genehmigt.

Zum Public Viewing wird mit 30.000 bis 40.000 Besuchern gerechnet, plus jene 60.000 im Stadion, plus sicherlich vielen, vielen, die das Spiel in Sportsbars oder zu Hause anschauen und nach Spielende auch noch zum feiern gen Wasen strömen werden, um diese hautnah in sich aufsaugen zu können.

Am Ende könnte man hier locker mit 150.000 Leuten konfrontiert sein, mit denen der Stadt ihre Organisation um die Ohren fliegen dürfte.
Wie schon bei abgesagten Public Viewings zu Welt- und Europameisterschaften in den letzten Jahren wird dabei von einem Minimum an Interessierten ausgegangen und sich davor gescheut, in Vorleistung zu gehen und alleine durch eine perfekte Organisation Leute zu mobilisieren. Anschauen werde ich es mir trotzdem mal und lasse mich auch gerne positiv überraschen. Bislang aber ließ die Organisation, wenn Stadt und VfB etwas gemeinsam ausrichteten, stets zu wünschen übrig. Viel zu wenig Platz, viel zu wenig Bierstände, viel zu wenig Toiletten und ein Gedränge sondergleichen. 2007 hat mich das noch aufgeregt, als kein Durchkommen war, morgen, zur Feier der 2. Liga-Meister, nehme ich es, wie es kommt, notfalls werden eben die umliegenden Gastronomiebetriebe unterstützt.

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21. März 2017

Rückschlag in Fürth!

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , – Franky @ 09:03

Dreierkette, Viererkette, Lichterkette! Hätte Carlos Mané in der 4. Spielminute bei seiner Hundertprozentigen kaltschnäuziger agiert und die frühe Führung für den VfB hergestellt, würde in den Tagen danach wohl kaum die Systemfrage und ob sich Hannes Wolf vercoacht hat, gestellt werden.

Hätte man auf einem Bundesligateppich gespielt und nicht auf dem Dorfacker von Fürth, hätte Mané, der mit Ball schneller als die meisten 2. Liga-Spieler ohne ist, den Torhüter umkurvt und leicht und locker eingeschoben. Hätte, hätte, Fahrradkette.

So nutzte der VfB diese Chance, im Übrigen die einzige in der gesamten ersten Halbzeit, nicht und machte den großen Fehler, sich früh von den Fürthern den Schneid abkaufen zu lassen.
Wie bereits gegen Bochum fehlte es an der richtigen Einstellung und der Bereitschaft, sich mit Macht gegen das Ungemach zu stemmen.

Das ist 2. Liga-Fußball, das sollte das Team langsam wissen. Wenn man agiert, wie über weite Strecken in Fürth, stellt sich für mich mehr die Grips- als die Systemfrage. Man kann als vermeintlich besseres Team natürlich versuchen, die Aufgabe spielerisch zu lösen, aber, das bedingt eine gewisse Ballfertigkeit, Sicherheit im Umgang mit dem Spielgerät und einen besser bespielbaren Rasen. Wenn ein Fußballprofi auf dem glitschigen Rasen nicht schon beim Warmmachen erkennt, dass mit Filigranität heute kein Blumentopf zu gewinnen sein würde, dann fehlt es ihm offenbar im Kopf.

Nachdem ich den Auftritt gegen den VfL Bochum noch verteidigt und die Ursachen dafür im Kampfspiel in Unterzahl in Braunschweig gesehen habe, muss ich nach dem blutleeren in Fürth hart mit der Mannschaft ins Gericht gehen.

Jan Schindelmeiser und Hannes Wolf stehen für mich über Allem und sind ein Versprechen in die Zukunft. Dass Wolf nach seinen Wechselspielen von einigen bereits wieder in Frage gestellt wird, empfinde ich als eine Frechheit und hoffe nur, dass diejenigen in der absoluten Unterzahl bleiben und nicht der möglicherweise beste und vielversprechendste Trainer, den der VfB je hatte, wie so viele vor ihm, vom Hof gejagt wird, ehe sein Werk vollendet ist.

Was ihm zum Vorwurf gemacht wird, nämlich, dass er sich nicht stur auf ein System und eine Stammformation festlegt, gefällt mir gerade außerordentlich. Dadurch hält er sowohl die Spannung im Kader hoch, weil jeder jederzeit mit seiner Chance rechnen kann und der VfB ist für die Gegner schwerer ausrechenbar. Spieler, die wegen Sperren oder Verletzungen in die Mannschaft kamen und sich ordentlich präsentiert haben, sind nicht, wie es in all den Jahren zuvor war, automatisch wieder draußen, sondern haben eine echte Chance sich festzuspielen. Anderen wie einem Daniel Ginczek, dessen Tor gegen Bochum ein weiterer Meilenstein auf dem Weg zurück zu alter Stärke gewesen sein könnte, werden belohnt und bekommen beim nächsten Mal von Beginn an die Chance sich zu präsentieren (wie ja auch Berkay Özcan nach seinem Tor gegen Kaiserslautern).

Daher passt Wolf hie und da sein System den Spielern an, die sich den Startelfeinsatz verdient haben. So durften sowohl Pavard, der jüngst Marcin Kamiński gegen Bochum ordentlich vertreten hatte, wie auch Daniel Ginczek von Beginn an ran.

Den Ansatz, eine Dreierabwehrkette spielen zu lassen, die bei gegnerischen Angriffen ohnehin zu einer Fünferkette werden soll(te), halte ich für gut. Wird dieses System gut umgesetzt, rücken die Außenverteidiger bei eigenem Ballbesitz weiter vor, unterstützen dadurch das Mittelfeld und helfen mit, Überzahlsituationen zu schaffen. Dass dieses Vorhaben derart in die Hose ging, lag weniger am Plan des Trainers, sondern vielmehr daran, dass im VfB-Spiel überhaupt kein Mittelfeld vorhanden war. An der taktischen Ausrichtung kann man genauso wenig festmachen, dass ein Marcin Kamiński ins Leere stochert und der Flachschuss von Berisha aus 30 Metern auf dem nassen Boden derart an Fahrt aufnimmt, so dass er (wohl) unhaltbar für Mitch Langerak in sein linkes Tornetz einschlägt.

Systemgeschuldet ist es genauso wenig, wenn man meint, gegen eine durchschnittliche Zweitligamannschaft, spielerisch glänzen und den Fuß zurückziehen zu können, anstatt in den Pressschlag zu gehen und dem Gegner zu zeigen, dass man die Bedingungen anzunehmen bereit ist. Daniel Ginczek hatte auf ungewohnter Position Linksaußen hinter der Spitze Terodde einen schweren Stand und fand zu keiner Zeit ins Spiel. Dennoch war er es, der mit der sprichwörtlichen Wut im Bauch, die Wolf von allen einforderte, einen Gegenspieler an der Seitenlinie weggrätschte und dafür die gelbe Karte sah.

Diese Aktion erinnerte mich an ein VfB-Spiel im September 1996 bei den Münchner Löwen. Der Tabellenzweite VfB lag beim TSV 1860 mit 1:0 in Rückstand, als Fredi Bobic die Blutgrätsche auspackte und einen Gegenspieler von hinten mit Anlauf abräumte. Nach dem Spiel gestand Bobic ein, er habe ein Zeichen setzen wollen. Dieses hatte offenbar gefruchtet, der VfB gewann mit 2:5 und erklomm an jenem Spieltag die Tabellenspitze der Fußball-Bundesliga.

Der Unterschied zu damals? Während im Olympiastadion außer Bobic noch Typen wie Wohlfahrt, Verlaat, Soldo, Poschner und Elber auf dem Feld standen, die alle Ehrgefühl und Führungsqualitäten in sich vereinten, sucht man solche Tugenden in der Elf vom Samstag vergeblich. Christian Gentner sollte das kraft seines Amtes und aufgrund seiner Erfahrung eigentlich sein, doch, weit gefehlt.

Wie so oft, wenn es schwierig wird, tauchte Gentner auch am Samstag komplett unter. Wenn DER vermeintliche Führungsspieler es gerade mal auf ca. 65 Ballkontakte bringt und mit diesen noch fast zwanzig (!) Fehlpässe fabriziert, kann es nur heißen: setzen, sechs!

In einer katastrophalen ersten Halbzeit ließ sich der VfB von aggressiven Fürthern den Schneid abkaufen und ergab sich in sein Schicksal. Ein Mittelfeld suchte man, wie angesprochen, vergeblich. Erst als nach dem Seitenwechsel Anto Grgić für den verletzten Zimmer ins Spiel kam, war so etwas wie eine Schaltzentrale erkennbar und die Angriffe wurden strukturierter.

Hannes Wolf arbeitete in seiner ersten Vorbereitung im portugiesischen Lagos akribisch daran, dem Team seine Handschrift zu verpassen, ihm verschiedene Systeme beizubringen und feilte am Teamgeist. Alles schien gut, die ersten fünf Rückrundenspiele wurden gewonnen, nicht nur wir Fans, auch die Spieler liefen mit einem Dauergrinsen durch die Gegend, so dass lange nur die Frage war, wann wir denn aufsteigen und nicht ob, schließlich hatte man sich ja einen komfortablen Vorsprung in der Tabelle erspielt.

Zwei Remis und eine Niederlage später ist diese Euphorie wie weggeblasen. Zweifel machen sich breit, viele sehen das Team nicht mehr imstande, den Schalter nochmal umzulegen. Wenn man die Hilflosigkeit der Mannschaft in Fürth sah, fühlte man sich an die schlechtesten Auftritte der Hinrunde erinnert. Ob in Düsseldorf, in Dresden, in Würzburg oder jetzt in Fürth, kassiert die Mannschaft auswärts das 0:1, war’s das und man könnte eigentlich heimgehen oder am Bierstand auf den Schlusspfiff warten.

Wo sind der Teamgeist und die Bereitschaft, sich gegenseitig zu helfen, geblieben? Es kann doch nicht daran liegen, dass der ausgewiesene Mentalitätsspieler Kevin Großkreutz nicht mehr da ist!? Auch wenn er im Team nicht sonderlich beliebt gewesen sein soll, war er doch einer, der Aufmerksamkeit auf sich zog und damit Druck von den Anderen nahm. Dieser Druck entlädt sich nun wieder fast vollständig auf Christian Gentner, zumindest so lang Simon Terodde aufgrund seiner Maske der vollständige Durchblick fehlt. Er wirkte zuletzt mit Maske gehemmt und wird hoffentlich nach der Länderspielpause wieder der alte sein.

Gentner macht in Interviews derweil nebulöse Andeutungen „In den letzten Wochen haben sich einige Dinge eingeschlichen, die nicht gut sind“, anstatt die „Dinge“ beim Namen zu nennen. Des Weiteren meinte er nach dem Spiel “Das Vereinsziel muss über allem stehen. Jeder muss auch im Privatleben diesem Ziel alles unterordnen.”

Es scheint also durchaus so zu sein, dass großer Redebedarf herrscht und Tendenzen zu Tage treten, die auf mangelnden Teamgeist und mangelnde Professionalität hindeuten. Dies wäre natürlich Gift und gäbe Anlass zu großer Sorge.

Viele der großen Skeptiker im VfB-Umfeld ziehen nun Parallelen zur Vorsaison, als man nach ebenfalls fünf Siegen zu Beginn der Rückrunde gnadenlos abstürzte. Durchaus möglich, dass einige der Bähmullen in der Mannschaft, die im Vorjahr schon dabei waren, angesichts dieser Erinnerungen schon weiche Knie bekommen und doch sollte uns Hoffnung machen, dass die nächsten Gegner „nur“ Dynamo Dresden, 1860 München und Karlsruher SC heißen und nicht Leverkusen, Dortmund und Bayern. Zum Anderen dilettieren auch nicht mehr Kramny und Dutt vor sich hin und sprechen die Mannschaft von jeglichem Druck frei, mit Wolf und Schindelmeiser weht inzwischen ein ganz anderer Wind.

Jan Schindelmeiser legte den Finger unmittelbar nach dem Fürth-Desaster in die Wunde, indem er anmahnte, “Wir müssen das, was die zweite Liga ausmacht, wieder stärker in den Vordergrund stellen. Sich durchzusetzen, Zweikämpfe zu gewinnen, den Gegner körperlich zu dominieren und dann Fußball zu spielen – nicht umgedreht. Das funktioniert in der zweiten Liga nicht.” Auch Hannes Wolf schlug in dieselbe Kerbe und wird die Mannschaft noch mehr in die Pflicht nehmen. Ein solches Negativerlebnis vor einer Länderspielpause ist immer schlecht, weil die eigentliche Aufarbeitung dieses erbärmlichen Auftritts erst mit einer Verzögerung von zehn Tagen erfolgen kann.

Es wird spannend sein, zu beobachten, wie Hannes Wolf im nächsten Spiel auf die Niederlage reagiert. Ob man dem Team, das nun nichts mehr als Stabilität benötigt, einen Gefallen tut, ständig mit einer anderen Aufstellung anzutreten, sei dahingestellt. Möglicherweise wähnt Wolf sein Team schon weiter, als es tatsächlich ist. Wer weiß, wofür solche Rückschläge noch gut gewesen sind, sollte am Ende tatsächlich der Aufstieg stehen. Dann hat man die Gewissheit, dass personell noch einiges im Argen liegt und auch die letzten Altlasten „entsorgt“ werden müssen, möchte man im Oberhaus eine bessere Rolle als in den letzten Jahren spielen.

Wenn diese Niederlage kurzfristig ihr Gutes hat, dann auf jeden Fall, dass die wenigsten Protagonisten vom Samstag, Ansprüche auf einen Stammplatz zu stellen brauchen. Da fallen mir derzeit allenfalls Langerak, Baumgartl, Terodde (hoffentlich gegen Dresden wieder ohne Maske) und mit Abstrichen noch, mangels ernsthafter Alternative, Emiliano Insúa ein.

Die Gelegenheit war noch nie günstiger, unsere neuen Hoffnungsträger Ofori und Onguéné hineinzuwerfen, sofern sie gesund und nicht allzu gestresst von ihren Länderspielreisen zurückkehren. Kamiński, der bis zu seinem Platzverweis in Braunschweig eine solide Rückrunde spielte, war nicht nur beim Gegentor nicht Herr der Lage, auch ein viel zu kurz geratener Rückpass hätte den frühzeitigen Knockout bedeuten können. In einigen Situationen des Polen glaubte man ein Déjà-vu zu haben und Toni Šunjić im Kamiński-Kostüm auf dem Platz zu sehen.

Gerade Ebenezer Ofori würde ich gerne einmal neben Anto Grgić und anstelle von Christian Gentner sehen, wer weiß ob nicht gerade durch eine solche vorübergehende Wachablösung neue Helden geboren und die Anderen noch mehr in die Pflicht genommen werden, anstatt sich stets hinter Gentner zu verstecken.

Seit gestern ist der VfB in der Verfolgerrolle, nachdem der 1. FC Union Berlin durch den späten Sieg gegen den 1. FC Nürnberg den Platz an der Sonne eingenommen hat. Noch kein Grund in Panik zu verfallen, wenngleich eine gewisse Wachsamkeit da sein sollte.

Noch liegt der VfB im Soll, schließlich steigt auch der Zweite direkt auf, aber, allzu viele Ausrutscher sollte sich der VfB freilich nicht mehr erlauben.

Sich auf die Gegebenheiten in der zweiten Liga einzustellen, bedeutet auch, sich damit abzufinden, dass die Schiedsrichter nur noch zweitklassig sind. Simon Terodde wurde ein klares Tor aberkannt, während der Fürther Dursun nicht mit gelb-rot vom Platz geschickt wurde. Es war nicht das erste Mal in den letzten Spielen, dass der VfB benachteiligt wurde, während bspw. Eintracht Braunschweig zuletzt von Schiedsrichterentscheidungen profitierte und daher auf dem Relegationsplatz platziert ist.

Nach der Pause kommt die Woche der Wahrheit. Zunächst geht es im ausverkauften Neckarstadion gegen die lautstarken Dresdner. Mit einem Sieg könnte sich Dynamo gar noch Hoffnungen zumindest auf die Relegation machen, so dass dies sicher keine einfache Aufgabe werden wird. Zwei Akteure in Reihen der Dynamos werden dabei besonders motiviert sein. Zum einen Winterneuzugang Philip Heise, dessen Qualitäten beim VfB meiner Meinung nach verkannt wurden, zum anderen Erich Berko, der schon für unsere Amateure am Ball war. Der VfB muss ein anderes Gesicht zeigen als zuletzt und sollte motiviert genug sein, die Schmach aus dem Hinspiel vergessen zu machen.

Danach wartet mittwochs der TSV 1860 München, für den es ein Vorteil sein könnte, dass er Freitag-Mittwoch spielt, während wir durch das Sonntagspiel zwei Tage weniger Zeit zur Regeneration haben. Und, zum hoffentlich krönenden Abschluss der englischen Woche kommt der KSC zum Derby nach Stuttgart, wieder vor ausverkauftem Haus mit der Gelegenheit, unsere Position im Aufstiegsrennen zu festigen und die Ostfranzosen dem Abgrund ein Stück näher zu bringen.

Es bleibt also spannend, mir ist vor den nächsten Wochen nicht bange, mein Vertrauen gründet sich auf die Arbeit von Hannes Wolf, der schon so viel richtig gut gemacht hat und dem ich auch jetzt Lösungen zutrauen, aus dieser Minikrise nach der Länderspielpause gestärkt heraus zu kommen.

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20. Februar 2017

That’s, why we love football

Superlative dieser Art klingen noch in meinen Ohren von einem englischen Fußball-Kommentar, der das 4:4 in Dortmund vor knapp fünf Jahren in Worte zu fassen versuchte, diese Worte fallen mir nun zu diesem unfassbaren Spiel in der Heidenheimer Voith-Arena am Freitagabend wieder ein.
Es stand zwar weder ein Bundesligaspiel an, noch beim deutschen Meister und acht Tore fielen auch nicht. Auch mit über 80.000 Zuschauern konnte der Gastgeber 1. FC Heidenheim beim besten Willen nicht aufwarten, wenngleich er immerhin, damals wie heute, „ausverkauft“ vermeldete und locker das Doppelte bis Dreifache an Tickets hätte absetzen können.

Das Fassungsvermögen des Stadions beträgt jedoch „nur“ 15.000, so dass sich jene wirklich glücklich schätzen konnten, die ein Ticket für dieses Spiel ergattern konnten. Dieses Spiel elektrisierte bereits im Vorfeld die Massen auf der Ostalb wie kaum eines zuvor. Da viele Heidenheim-Fans mit dem VfB sympathisieren oder zumindest, als Heidenheim noch unterklassig als Heidenheimer SB unterwegs war, mit dem VfB sympathisierten, wollte sich keiner dieses (hoffentlich) einmalige Aufeinandertreffen auf Augenhöhe entgehen lassen.

Auch für die VfBler war das Kontingent von 1.500 Tickets viel zu gering ausgefallen. Bei entsprechender Verfügbarkeit von Karten hätten die VfBler die ostälblerische Provinz wohl ähnlich überflutet wie seinerzeit schon die von Sandhausen und Kaiserslautern.

Auch Karten auf neutralem Terrain zu bekommen, war fast ein Ding der Unmöglichkeit. Es soll sogar VfBler gegeben haben, die 1. FCH-Mitglied wurden oder bei Heidenheim eine Rückrunden-Dauerkarte erstanden, nur um bei diesem Spiel dabei sein zu können. Im Nachhinein, in Anbetracht des tollen Spiels und Schwarzmarktpreisen von rund 150 Euro für ein Ticket nicht die schlechteste Entscheidung!

Der 1. FCH ist in der Region „in“, spielt als Tabellenfünfter eine bemerkenswert starke Runde und setzte sein Saisonhighlight bereits am 4. Spieltag mit dem Husarenstreich im Neckarstadion. Die Lust auf eine neuerliche Sensation und die Aussicht dabei zu sein, wenn der David 1. FCH dem Goliath VfB auch zu Hause ein Bein stellt, taten ein Übriges, dass die Voith-Arena in Windeseile ausverkauft war.

Wir, gute Kontakte eben, hätten zwar als Allesfahrer Karten im Gästeblock bekommen, zogen es jedoch vor, die Seite und damit in die Höhle des Löwen zu wechseln, in der Hoffnung vor allem vom Gästeblock bessere Bilder machen zu können. Dies gelang aufgrund der Wetter- und Lichtverhältnisse nur bedingt.

Auf der Homepage des FCH war am Vortag zu lesen, dass unser Block zum Heimfanbereich gehören würde und Gästefans keinen Zutritt hätten. Normalerweise heißt der Vermerk „kein Zutritt in Gästefankleidung“, dieses Mal also gleich Gästefans!? Schon die ganze Saison treibe ich mich ja in anderen Bereichen in den Stadien herum, so dass neutrale Kleidung ohnehin selbstverständlich gewesen wäre. In gutem Glauben, dass nichts so heiß gegessen wird, wie es gekocht wurde, verwarf ich die Idee, einen Crashkurs in ostälblerisch zu besuchen wieder und hoffte, dass neutrale Kleidung und ordentliches Benehmen auch schon genügen würden.

Dem war dann auch so, keine Probleme beim Einlass und drinnen ein absolut entspanntes Miteinander. So erwartete ich das eigentlich auch und war im Vorfeld schon darüber verwundert, teils von einem Risikospiel und strikter Fantrennung zu lesen. Ich erwartete nicht, dass es dort irgendwelchen Ärger geben könnte und habe auch keine Auseinandersetzungen und Scharmützel mitbekommen.

Wieso auch? Für den VfB ist dieses Jahr gemeinsamer Ligazugehörigkeit (hoffentlich) nur ein Intermezzo und für die Heidenheimer DAS Spiel des Jahres. Ob es jetzt ein Nachbarschaftsduell oder ein Derby ist, darüber schieden sich im Vorfeld mal wieder die Geister. Bei diesem Aufeinandertreffen kommt mir das Wort „Derby“ leichter über die Lippen als gegen irgendwelche neureiche Emporkömmlinge, zum einen, weil es sich um einen württembergischen Nachbarn handelt und zum anderen, weil ich durchaus Respekt für das empfinde, was in den letzten Jahren auf der Ostalb gewachsen ist.

In Zeiten, in denen der VfB die Trainer häufiger wechselte als so mancher die Unterhose, hätte ich Trainer Frank Schmidt (Mitglied der Mannschaft vom TSV Vestenbergsgreuth, das den FC Bayern 1994 aus dem DFB-Pokal schmiss) und seinen Kapitän Marc Schnatterer (1998-2000 Jugendspieler beim VfB) mit Kusshand genommen, weil beide eine unbändige Leidenschaft verkörpern und für das Heidenheimer Fußballwunder DIE Eckpfeiler sind. Mittlerweile hat sich dieses Thema natürlich erledigt, weil wir mit Hannes Wolf bestens aufgestellt sind und Schnatterer mit seinen 31 Jahren allmählich ein Auslaufmodell wird.

Seit ich das letzte Mal in der Voith-Arena war (Vorbereitungsspiel im Juli 2013, noch unter Labbadia) hat sich das Stadion schwer gemausert und ist zu einem richtigen Schmuckkästchen geworden. Woher ich meinen Optimismus vor dem Spiel nahm, weiß ich nicht. Jedenfalls dachte ich in keiner Sekunde an einen Punktverlust und war felsenfest davon überzeugt, dass wir die Schmach vom Hinspiel auf jeden Fall ausmerzen werden könnten.
Die Atmosphäre war schon vor dem Spiel hervorragend und bot einen würdigen Rahmen für ein denkwürdiges Fußballspiel. Zum Einlauf der Gladiatoren bot der Heidenheimer Anhang eine schöne Württemberg-Choreographie, ergänzt durch das Wunschdenken „ein neues Zeitalter wird kommen“ und einem Feuerwerk außerhalb des Stadions.

Während Trainer Frank Schmidt sein Team gegenüber dem Auswärtssieg bei den Würzburger Kickers umstellen musste, setzte Hannes Wolf getreu dem Motto „never change a winning team“ auf die zuletzt erfolgreiche Anfangself.

Die erste Torannäherung hatte Heidenheim durch den Liga-Topscorer Marc Schnatterer (jetzt, 8 Tore, 8 Assists), danach aber übernahm der VfB das Kommando und dominierte über weite Strecken die erste Hälfte.

Heidenheim gegen den VfB war auch das Duell der beiden 31-jährigen Kapitäne, deren Wege sich seit der E-Jugend immer wieder kreuzten und bei dem es Christian Gentner war, der den ersten Glanzpunkt setzte.

Nach der allerersten Ecke für den VfB verpasste es Heidenheim zwei Mal den Ball aus der Gefahrenzone zu befördern, so dass Gentner in seinem zweiten Versuch zur vielumjubelten Führung traf. Es war sein sechster Saisontreffer, womit ihm bereits jetzt so viele gelangen, wie noch nie zuvor innerhalb einer Saison in seiner Karriere.

Dieser Treffer zeigte bei den Heidenheimern, deren Matchplan aufs Konterspiel ausgelegt war, Wirkung, so dass der VfB Ball und Gegner laufen lassen konnte. Nach gut einer halben Stunde hatte Carlos Mané nach Insúa-Hereingabe die Hundertprozentige zum 0:2 auf dem Fuß, verfehlte jedoch zu unser aller Entsetzen das leere Tor.

Durch eine Einzelleistung von Schnatterer kamen die Heidenheimer unverhofft zum Ausgleich, als sich kein VfBler zuständig fühlte und man ihn ohne Gegenwehr gewähren ließ. Der unermüdliche Schnatterer nahm diese Einladung dankend an und traf mit einem fulminanten, jedoch wohl nicht unhaltbaren, 25-Meter-Schuss zum Ausgleich. Nichts hatte zuvor darauf hingedeutet, dass uns die Heidenheimer vor der Pause noch gefährlich werden könnten, ehe sich Schnatterer ein Herz fasste. Mit diesem Remis ging es kurz danach in die Halbzeitpause.

Der Ausgleich gab den Ostälblern sichtlich Auftrieb. Heidenheim wurde nach dem Seitenwechsel aktiver und bekam Oberwasser, während der VfB zunächst nicht so recht in die Puschen kam.

Hannes Wolf reagierte darauf und brachte erst Brekalo für Asano und kurze Zeit später Ginczek für Green. Danach wendete sich das Blatt wieder und es entstand ein offener Schlagabtausch.

Bei solchen äußeren Bedingungen, es regnete ja in Strömen, waren Distanzschüsse ein probates Mittel. Das erkannte der VfB und scheiterte damit durch Gentner und Grgic am glänzend aufgelegten Ex-VfB-Keeper Kevin Müller, der immerhin schon neun Mal in dieser Saison ohne Gegentor blieb.
Auch Terodde, der über weite Strecken mehr als unermüdlicher Kämpfer denn als Torjäger in Erscheinung trat, bot sich noch eine gute Kopfballchance, die Müller und Schnatterer mit vereinten Kräften auf der Linie vereitelten.

Das Spiel legte nun ein atemberaubendes Tempo vor und wogte hin und her. Schnatterer verfehlte den Kasten auf der anderen Seite denkbar knapp, während beim Gegenzug die große Stunde von Josip Brekalo zu schlagen begann.

Das kroatische Wunderkind, gerade einmal 18 Lenze auf dem Buckel und vor kurzem noch von Inter Mailand, Arsenal London und Benfica Lissabon umworben, dribbelte zunächst vom Strafraum weg, um dann doch all seine Kraft in einen mächtigen Schuss zu legen.

Kein Bierdeckel hätte mehr zwischen Ball und Torwinkel gepasst, so genau zielte Brekalo. Trainer Wolf bekannte nach dem Spiel verschmitzt, es sei gut, dass Brekalo noch nicht so des Deutschen mächtig sei und offensichtlich nicht verstanden habe, dass er ihm mit auf den Weg gegeben habe, nicht immer gleich abzuziehen, sondern die Situationen zu Ende zu spielen. Ein Tor wie ein Kunstwerk, auch Tage danach gerate ich ins Schwärmen
Nicht wenige meinten nach dem Spiel, so träfe ein Spieler einen Ball alle zehn Jahre mal, dann wollen wir doch hoffen, dass Brekalo mit diesem Traumtor sein Pulver noch nicht verschossen hat und er vor allem die Bodenhaftung bewahrt.

In einem dramatischen Spiel war damit aber längst noch nicht Schluss. Hitzige Atmosphäre, enges Stadion, Derbyfieber, Flutlicht, Fritz-Walter-Wetter, demzufolge ein glitschiges immer tiefer werdendes Geläuf und zwei Mannschaften, die sich gnadenlos bekämpften. Ich kann mich nicht erinnern, jemals ein packenderes Zweitligaspiel gesehen zu haben, in dem von der feinen Klinge bis zum rustikalen Handwerk keine Facette zu kurz kam.

Die beiden Kapitäne waren, nicht nur wegen ihrer Tore, mit die auffälligsten Spieler auf dem Platz. Schnatterer trieb nach dem erneuten Rückstand seine Farben vehement an und versuchte das Publikum noch mehr zu pushen, während Gentner seinem Pendant in Sachen Mentalität an diesem Tag in nichts nachstehen wollte.

Selten habe ich Gentner so entschlossen und kampfesbereit erlebt wie am Freitag in Heidenheim. Ihm kommt sicherlich inzwischen zu Gute, dass sich in der Schaltzentrale nicht mehr alles auf ihn fokussiert, sondern sich Anto Grgic mehr und mehr als Ballverteiler in den Vordergrund spielt und für die gegnerischen Trainer DER Mann ist, den es aus dem Spiel zu nehmen gilt.

Nach der Führung verpassten es Terodde und Grgic dann den Sack zuzumachen, was sich beinahe noch rächen sollte. In den letzten zehn Minuten zog Heidenheim mit dem Mute der Verzweiflung ein Offensiv-Spektakel auf, das seinesgleichen suchte. Bei sieben (!) fast unmittelbar aufeinander folgenden Eckbällen musste der VfB Schreckmomente fast im Sekundentakt überstehen und tat das mit unermüdlichem Kampfgeist und vor allem auch einer gehörigen Portion Glück. Brekalo klärte auf der Linie, Langerak lenkte einen Ball mit einem unglaublichen Reflex noch an die Latte. Während Heidenheim aus allen Rohren schoss, warfen sich die VfBler dazwischen und verteidigten das eigene Tor mit einer Leidenschaft, die man beim VfB lange nicht gesehen hat.

Nach dem Schlusspfiff erkannte man förmlich ein Funkeln in den Augen einiger Spieler, die sichtlich erleichtert und auch stolz waren, dieses schwierige Spiel siegreich über die Runden gebracht zu haben. Wenn ein alter Hase, wie es Simon Terodde ist, hinterher bekennt, er sei stolz Teil dieses Teams zu sein, sagt das, wie ich meine, viel über den neuen Teamgeist aus, der Einzug in die Mercedesstraße gehalten hat und auch darüber, dass die Jungs mit Spaß bei der Sache sind.

Der VfB verfügt mittlerweile über einen ausgeglichen 26-Mann-Kader und ist damit auch in der Breite für die 2. Liga herausragend gut besetzt. Die Kunst des Trainerteams besteht darin, alle Mann bei Laune zu halten und was die Kader-Nominierungen angeht, gerecht zu sein. Dies scheinen sie im Moment so gut hinzubekommen, wie man es beim VfB lange nicht mehr erlebt hat. Man hört überhaupt kein Wehklagen von Spielern, die derzeit nicht die erste Geige spielen oder es überhaupt nicht in den 18-Mann-Kader fürs Spiel schaffen, wie Alexandru Maxim und Hajime Hosogai beispielsweise.

Der mediale Aufschrei und der in den Foren war schon enorm, weil es Maxim fürs Heidenheim-Spiel nicht einmal mehr in den Kader geschafft hat. Ich kann den Maxim-Hype ohnehin nicht nachvollziehen, da er sich noch unter keinem Trainer durchgesetzt hat und weder die Kondition noch den Kampfgeist besitzt, um in einem umkämpften Spiel wie am Freitag, in dem 90 Minuten lang der Rasen umgepflügt wird, seinen Mann zu stehen. Seine Zeit beim VfB dürfte sich unweigerlich dem Ende zuneigen, da man mittlerweile nicht einmal mehr auf seine genialen Momente und seine Standards angewiesen ist. Auch diese beansprucht Anto Grgic derzeit für sich, von unseren hoch veranlagten und technisch beschlagenen Offensivspielern einmal abgesehen.

Auch Tage danach bin ich noch berauscht und von einer gewissen Euphorie getragen nach diesem wahnsinnigen Spiel. Dies bedeutet jedoch nicht, dass ich den restlichen Saisonverlauf als Selbstläufer an- und uns schon aufgestiegen sehe.

Beileibe nicht. Der VfB hat, bis auf Düsseldorf, alle seine Rückrundensiege mit Mühe und Not, jedoch auch nicht unverdient, erkämpft. Das verdeutlicht, dass trotz aller individuellen Klasse jeder Sieg aufs Neue hart erarbeitet werden muss und man die Füße wirklich erst im Mai hochlegen kann.

Dass man in Heidenheim derart ins Schwimmen geriet, muss dem Team zu denken geben und dennoch bringt den VfB jeder Sieg weiter, dieser ganz besonders.
Jeder Beteiligte hat gesehen, wie Teamgeist Berge versetzen kann und dass es sich lohnt, auch die letzten Körner aus sich herauszuholen. Ein heimstarkes Heidenheim, das mit brachialer Wucht anrannte, gelang es letztlich in die Schranken zu weisen, was Selbstvertrauen geben sollte. Dieses Glück, das man am Ende hatte, hat sich der VfB erarbeitet, vor nicht allzu langer Zeit wäre ein solches Spiel mit Sicherheit verloren gegangen.
Die Momentaufnahme mit sechs Punkten Vorsprung auf den Relegationsplatz sieht formidabel aus. Nächsten Sonntag kommen unsere Freunde vom 1. FC Kaiserslautern, die sich unter Norbert Meier aus der Abstiegszone befreien konnten und derzeit einen Lauf haben. Auch das Kaiserslautern aus dem Hinspiel ist mit dem der Gegenwart nicht mehr zu vergleichen, ich befürchte erneut eine ganz harte Nuss, die es da zu knacken gilt.

Der Lauterer Aufschwung, die Ansetzung am Sonntagnachmittag, die Entfernung von gerade einmal 180 Kilometern und die Fanfreundschaft mit dem VfB dürfte die Lauterer Massen mobilisieren, so dass ich mit weit über 5.000 Pfälzern im Neckarstadion rechne.

Bei Hannes Wolf als Trainer bin ich mir sicher, dass auch diese Aufgabe mit der gleichen Seriosität und Konzentration angegangen wird wie jedes andere Spiel auch, und er es nicht zulassen wird, dass das Team auch nur einen Prozentpunkt nachlässt.

Was vier Siege zum Rückrundenbeginn angeht und was sie wert sein können, diesbezüglich sind wir VfBler ja gebrannte Kinder. In der letzten Saison startete der VfB genauso furios ins neue Jahr, um im Mai sang- und klanglos abzusteigen.

Da vom Vorjahrespersonal nicht mehr viel übrig ist und der Teamgeist mittlerweile richtig gut zu sein scheint, schätze ich die Gefahr eines neuerlichen Einbruchs als sehr gering ein. Schindelmeiser und Wolf mit ihrer unaufgeregten fokussierten Art, sind nah am Team und werden gefährlichen Tendenzen sofort entgegenwirken. Seit langem hat man mal wieder den Eindruck, dass der Verein von Profis, und das auf allen Ebenen, geführt wird und man sich von kurzfristigen Erfolgen nicht blenden und ablenken lässt.

Geht die Teamfindung und Erlangung noch größerer Stabilität weiter mit sportlichen Erfolgen einher, geben wir die Tabellenführung nicht mehr aus der Hand. Der VfB wird sich von Spiel zu Spiel weiterentwickeln und stetig verbessern und hat mit den Winterneuzugängen Jérôme Onguéné und Ebenezer Ofori sogar noch zwei Asse im Ärmel, die den Konkurrenzkampf und damit den Leistungsdruck weiter erhöhen. Wann Onguéné’s Zeit kommt wird man sehen, da im Moment keine Notwendigkeit besteht, an Baumgartl und/ oder Kaminski zu rütteln, aber, Oforis Stunde könnte schon bald schlagen und von ihm erhoffe ich mir einen weiteren Qualitätsschub.

Derzeit sieht wirklich alles rund um den VfB sehr vielversprechend aus. Wie es wirklich um den Charakter der Mannschaft bestellt ist, werden wir aber erst so richtig erfahren, wenn wir gesehen haben, wie sie mit Niederlagen und Rückschlägen umgeht und wie sie darauf dann reagiert. Auf diese Erfahrung kann ich jedoch liebend gern verzichten und baue gegen den FCK auf den fünften Sieg im fünften Rückrundenspiel.

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14. Februar 2017

Die individuelle Klasse setzte sich durch

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , , – Franky @ 12:27

Es war ein glücklicher und auch etwas schmeichelhafter Sieg für den VfB gegen ein äußerst unbequem zu bespielendes Sandhausen. Nicht umsonst sammelten die Mannen von Trainer Kenan Kocak bereits 30 Punkte in dieser Saison, nicht von ungefähr grüßten sie vor dem Spiel von Platz sechs aus.

Erstmals überhaupt während des Wirkens von Hannes Wolf veränderte der Trainer seine Startformation gegenüber dem vorherigen Spiel (2:0 gegen Fortuna Düsseldorf) auf keiner Position.
Im Grunde gab es dafür auch keine Veranlassung, legte die Mannschaft gegen die Fortunen doch, zumindest in der ersten Halbzeit, eine klasse Partie hin. Benjamin Pavard, der Reservist, der noch am nächsten an der ersten Elf dran zu sein schien, verletzte sich unter der Woche, für Daniel Ginczek käme ein Startelf-Einsatz noch zu früh.

Sandhausens oberste Maxime lautete zunächst, den VfB seiner Stärken zu berauben, ihn also nicht ins Spiel kommen zu lassen. Äußerst geschickt und diszipliniert verteidigten und verschoben die Nordbadener, doppelten unsere schnellen Carlos Mané und Takuma Asano und nahmen Ballverteiler und Spielmacher Anto Grgic so gut es eben ging aus dem Spiel. Geschickt entzog sich Grgic jedoch immer wieder dieser Bewachung und kurbelte doch auch den einen oder anderen vielversprechenden Angriff an. DER Gewinner der Vorbereitung ist inzwischen eine absolute Bereicherung im VfB-Spiel und hat derzeit die Nase klar vor Zimmermann und Hosogai.

Mit dem VfB und dem SV Sandhausen trafen zwei Teams aufeinander, die bislang im Kalenderjahr 2017 noch kein Gegentor zu beklagen hatten, so dass es nicht verwunderlich war, dass Torchancen zunächst Mangelware blieben.

Einzig Julian Green mit Schussversuchen aus der Distanz sorgte zunächst für einen Hauch von Torgefahr. Quasi mit dem Pausenpfiff ging der VfB doch noch in Führung, als Mané in den Strafraum hineinstieß und nur durch ein Foul gestoppt werden konnte. Simon Terodde verwandelte den fälligen Strafstoß eiskalt in die rechte Torecke. Die Pausenführung war aufgrund der größeren Spielanteile nicht unverdient.

Zu Beginn der zweiten Halbzeit wurde Sandhausen aktiver und rückte weiter vor, während der VfB sein Heil in Kontern suchte. Dadurch boten sich Räume für den VfB, die Mané und Green kurz nach der Pause besser hätten nutzen können. Nach einer guten Stunde brachte Kocak Wandervogel Sukuta-Pasu, der aus der Jugend von Bayer Leverkusen stammt, schon etliche nationale und internationale Stationen auf dem Buckel hat und aktuell beim SV Sandhausen gestrandet ist. Dieser war auch gleich, mit seinem ersten Ballkontakt, zur Stelle, als sich auf der linken Stuttgarter Abwehrseite drei VfBler ausspielen ließen und die Flanke von Pledl nicht verhindern konnten, sich Baumgartl und Großkreutz nicht einig waren, Langerak auf der Linie kleben blieb und Sukuta-Pasu in der Mitte unbedrängt einschieben konnte.

Nicht unverdient zu diesem Zeitpunkt, war Sandhausen doch zu Beginn der zweiten Halbzeit die aktivere Mannschaft. Der SVS witterte nun Morgenluft und es entwickelte sich ein offener Schlagabtausch mit Chancen auf beiden Seiten. Während Zimmer allein vor Knaller scheiterte und Großkreutz nur die Latte traf hatte Sukuta-Pasu eine Viertelstunde nach dem Ausgleich die Hundertprozentige zu Sandhausens Führung auf dem Fuß.

Hannes Wolf wechselte offensiv und brachte nach Jean Zimmer noch Daniel Ginczek und Alexandru Maxim und sendete so als Signal an die Mannschaft, hier und heute unbedingt als Sieger vom Platz gehen zu wollen.

Angetrieben von den meisten der 44.560 Zuschauer wollte der VfB den Sieg jetzt erzwingen, was schließlich auch gelang. Nach Mané-Hereingabe war Simon Terodde per sehenswertem Seitfallzieher zur Stelle und markierte die so wichtige Führung. Sandhausen setzte noch einmal alles auf eine Karte und feuerte aus allen Rohren, während der VfB mit Mann und Maus verteidigte und den knappen Vorsprung schließlich mit Glück und Geschick über die Zeit brachte.

Am Ende konnte man konstatieren, dass es ein hartes Stück Arbeit war und man sich nicht hätte beklagen dürfen, wenn man am Ende nur mit einem oder gar keinem Punkt dagestanden hätte.

Da der VfB wahrlich kein schlechtes Spiel machte und Sandhausen, das muss man einfach mal anerkennen, richtig gut war, brauchen wir uns für diesen Sieg natürlich nicht zu schämen. Das sind genau jene Spiele, die die Mannschaft weiter bringen. Nach dem Auswärtssieg in St. Pauli hat der VfB bereits zum zweiten Mal den Sieg in der Schlussphase errungen, was dem Team Auftrieb geben und für die anstehenden Aufgaben Mut machen sollte. Die Schinderei aus dem Trainingslager hat sich offensichtlich gelohnt, so dass die Mannschaft weiter bis zum Schlusspfiff an sich glauben und alles versuchen wird, ist die Nuss auch noch so hart. Aus diesem Holz sind Aufsteiger geschnitzt! Wenn der FC Bayern der 2. Liga jetzt auch noch den Bayern-Dusel für sich beansprucht und zähere Spiele letztlich auch noch für sich entscheidet, ist das ein passabler Mutmacher für die kommenden Wochen und Monate.

Das WIE zählt heute sowieso schon nicht mehr. Viel mehr können wir mit Freude auf die Tabelle blicken und sehen, dass durch das Braunschweiger Remis in Nürnberg der Vorsprung auf den Relegationsplatz auf fünf Punkte angewachsen ist. Das ist schon mal ein Brett, jedoch auch kein Ruhekissen. Der VfB muss von nun an mehr denn je die Rolle des Gejagten annehmen und mit dieser Situation mental zurechtkommen.

Ob Christian Gentner, der sich in der Jäger-Rolle wohler fühlt als in der des Gejagten, deshalb auf dem Platz noch weniger zu sehen ist, als sonst ohnehin schon, sei dahingestellt. Wenn aber schon die Stuttgarter Medien, bei denen Gente sonst über jeden Zweifel erhaben ist, bewerten „Der Kapitän nimmt sich eine kleine Krise. Denn anders als in der Hinrunde ist Christian Gentner nicht mehr der alles überragende Antreiber im VfB-Mittelfeld. Durch seine Routine bleibt er aber unersetzlich.“, sollten bei ihm sämtliche Alarmglocken schrillen. Mr. Unersetzlich bekommt nämlich durch Anto Grgic und hoffentlich bald auch Ebenezer Ofori mächtig Druck, so dass die Chancen auf eine baldige Wachablösung gar nicht mehr so schlecht zu sein scheinen. Dem derzeitig praktizierten und weiter zu perfektionierenden Hochgeschwindigkeitsfußball ist Gente schon allein wegen seiner Übersetzung und seiner mangelnden Handlungsschnelligkeit nicht mehr gewachsen, daher entwickelt er sich mehr und mehr zu einem Hemmschuh, der das Spiel verlangsamt.

Der VfB steckt weiter in einem Entwicklungsprozess, in dem es gilt, die Handschrift Wolfs weiter zu verinnerlichen und das Team fit für die Bundesliga zu machen. Wenn diese Entwicklung einhergeht mit sportlichem Erfolg und dadurch etwas der Druck vom Kessel genommen wird, ist dies geradezu perfekt. Die 2. Liga ist derzeit für den VfB ideal und bietet Tests für den Ernstfall (Bundesliga) unter Wettkampfbedingungen.

Zurzeit ragen aus einer geschlossenen Mannschaft vor allem Simon Terodde, der Knipser, und Carlos Mané, der Künstler heraus. Es ist eine Augenweide ihn spielen zu sehen und seine Ballfertigkeit bestaunen zu dürfen. Wegen solcher Spieler strömen die Massen ins Stadion, daher hoffe ich, dass der VfB das Heft des Handels komplett in der Hand hat und an den Gerüchten, Sporting Lissabon fordere ihn bereits im Sommer zurück, nichts dran ist. Im Gegenteil, der VfB sollte alles Menschenmögliche tun, die Kaufoption zu ziehen und Mané langfristig an den VfB zu binden. Die kolportierte Summe von 15 Millionen Euro ist im heutigen Fußball nichts für einen Spieler seiner Klasse, der in ein paar Jahren das Doppelte oder Dreifache wert sein könnte.

Außer der individuellen Klasse einiger hatte dieses Mal auch das Publikum großen Anteil am Sieg. Ich habe die Atmosphäre bei unseren Heimspielen ja schon des Öfteren gescholten, gegen Sandhausen war sie überragend. Auch in schwierigen Phasen waren selbst bei uns auf der Haupttribüne kaum Pfiffe zu vernehmen, es schien so, niemand habe ernsthaft damit gerechnet, dass man Sandhausen mal so einfach aus dem Stadion schießen würde. Der Torschrei beim Siegtreffer hallt mir heute noch nach, so ohrenbetäubend war dieser. Pure Freude und Erleichterung nach dem Schlusspfiff, war sich doch jeder bewusst, welch schwere Geburt man soeben hinter sich gebracht hatte.

Über das schon obligatorische Lied „Wenn jemand fragt, wer Meister wird, dann sage ich zu Dir, das können nur die Schwaben sein, die Jungs vom VfB“ muss ich weiterhin schmunzeln, wenngleich ich es mit einem Augenzwinkern natürlich mitsinge. Ich kenne den Song noch aus den 70er- und 80er-Jahren, als es wirklich um die Deutsche Meisterschaft ging, so dass ich mich am Saisonende, selbst wenn wir als Erster abschließen würden, auch nicht als Meister sondern „nur“ als Aufsteiger fühlen würde. Die „Meisterschale“, die es auch in der 2. Liga neuerdings gibt ist doch nur ein weiterer Marketing-Gag der DFL.

Kommenden Freitag in Heidenheim hat der VfB die Chance, die Tabellenführung weiter zu festigen und sich gleichzeitig für die bittere Heimniederlage im Hinspiel zu revanchieren. Unter den Eindrücken der Tage danach erscheint diese freilich in einem anderen Licht, war es doch das „Abschiedsspiel“ für Jos Luhukay mit einer Mannschaft, die ihrem Trainer nicht mehr folgte. So hatte selbst dieser Tiefpunkt noch etwas Gutes und bescherte uns nach den zwei Erfolgen unter Interims-Coach Olaf Janßen Hannes Wolf als neuen Trainer.

Heidenheim gewann jüngst in Würzburg und heimste somit erstmals im neuen Jahr Punkte ein. Dieser Sieg dürfte den Ostälblern neues Selbstvertrauen eingeflößt haben, so dass auch die Partie in der Voith-Arena für die Brustringträger kein Selbstläufer werden wird. Ich habe großen Respekt für das, was in Heidenheim in den letzten Jahren aufgebaut wurde. Trainer Frank Schmidt und Kapitän Marc Schnatterer verkörpern dort Kontinuität und eine stetige Entwicklung nach oben, so dass in diesem Jahr zumindest der Relegationsplatz zur Bundesliga in Reichweite zu sein scheint.

Der VfB tut also gut daran, auch diese Aufgabe seriös anzugehen und den Kampf, den ihn auf der Ostalb erwarten dürfte, anzunehmen. Gerade die engen Spiele in St. Pauli und gegen den SV Sandhausen zeigen, dass der VfB, trotz der Optimalausbeute von neun Punkten in der Rückrunde, weit entfernt ist, einen Gegner in der 2. Liga einfach so an die Wand zu spielen.

Gelingt es, sich defensiv weiter zu festigen und konzentriert zu verteidigen, wird sich auch in Heidenheim im Verlauf der Spieldauer die individuelle Klasse des VfB durchsetzen. Einer überragenden Unterstützung kann sich der VfB sicher sein. Nicht wenige in der Region sympathisieren mit beiden Vereinen, so dass nicht nur das kleine Gästekontingent an die VfB-Fans ging, sondern sich auch sehr viele VfBler, wie auch wir, in den sonstigen Bereichen tummeln und das Auswärts- zum Heimspiel werden lassen.

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8. Februar 2017

Spitzenreiter!

Nicht wenige hatten gehörigen Bammel vor dem Spiel gegen Fortuna Düsseldorf. Nicht, weil die zuletzt fünf Mal in Folge sieglosen Rheinländer Angst und Schrecken verbreiten würden, sondern, weil die Konkurrenz dem VfB die Tabellenführung auf dem Silbertablett serviert hat und der VfB selbst dazu neigt, solche Angebote dankend abzulehnen.

Ich selbst wollte mir das nicht einreden, es musste einfach klappen, mit dem Sprung an die Tabellenspitze. Die Vergangenheit zählt nicht mehr, außerdem stand auf der Gegenseite ja auch „nur“ Düsseldorf und nicht Leverkusen oder Schalke. Vor dem Spiel bei den Würzburger Kickers wäre die Chance als Herbstmeister zu überwintern zwar auch gegeben gewesen, doch, auch dies war eine andere Situation. Ein von Verletzungen gebeutelter Kader, mit dem Nackenschlag der Heimniederlage gegen Hannover 96 im Gepäck und dem Urlaub vor Augen hatte giftigen Unterfranken nichts entgegen zu setzen.

Randnotiz dazu: ich hatte nach dem Spiel geschrieben, es sei unklug gewesen, die Spieler direkt im Anschluss an das Spiel in den Urlaub zu schicken, und nicht noch eine Trainingswoche mit Option auf Verkürzung bei entsprechender Leistung anzusetzen. In Lagos habe ich mit Jochen Röttgermann darüber sprechen können, woraufhin er doch tatsächlich bestätigte, dass sie intern auch darüber diskutiert hätten, dass dies wohl ein Fehler gewesen war!

Ein weiterer Aspekt, nicht in der Vergangenheit zu kramen und darauf zu hoffen, dass das Team aus solch verpassten Chancen gelernt hat, ist, dass der VfB im Trainingslager in Lagos hervorragend gearbeitet und den Grundstein für eine erfolgreiche Rückrunde gelegt hat. In St. Pauli lag spielerisch zwar noch einiges Argen, aber, wenigstens hat man die Mentalität gezeigt, die es in der 2. Liga braucht und man hat den Kampf angenommen. Zudem konnte man sich zum Transferschluss hin noch einmal verstärken und sendete damit unmissverständliche Signale an den Rest der Liga und auch an die Mannschaft, dass in dieser Saison einzig und allein der Aufstieg zählt.

Dass beim VfB von den Neuzugängen gegen die Fortuna einzig Brekalo im Kader stehen würde, war zu erwarten. Als Offensivspieler ist er leichter in das Mannschaftsgefüge zu integrieren wie Innenverteidiger Onguéné, der erst noch das Spielsystem kennenlernen muss oder Ofosi, der am Samstag noch das Spiel um Platz drei beim Afrika-Cup in Gabun absolvierte und erst noch vorgestellt werden muss.

Für die Startformation war Brekalo noch kein Thema, in diese rückten im Gegensatz zum St. Pauli-Spiel Anto Grgić und Carlos Mané anstelle von Zimmer und Zimmermann. Brekalo kam eine halbe Stunde vor Schluss, als das Spiel so gut wie entschieden war und gab ein durchwachsenes Debüt ab. Seine Schnelligkeit stach zwar sofort ins Auge, sonst aber wirkte er sehr eigensinnig und bisweilen leichtsinnig, was in einem Dribbling an der eigenen Strafraumgrenze mündete. Für einen jungen Spieler, der mit wenig Spielpraxis ankam und starke Konkurrenz beim Zweitligisten vorfand, durchaus verständlich, dass er auf sich aufmerksam machen möchte. Doch, Eigen- und Leichtsinn ist sicher nicht das, was Wolf von ihm sehen möchte, so dass er Brekalo dieses noch austreiben wird.

Und doch verdeutlicht auch diese Verpflichtung, dass man dem von Wolf favorisierten Hochgeschwindigkeitsfußball immer näher kommen möchte und auch näher kommt. Es ist schon jetzt eine Augenweide, wenn Julian Green, Takuma Asano und Carlos Mané Tempo aufnehmen und die gegnerischen Abwehrreihen förmlich überrennen. So ist es auch kein Zufall, dass der VfB DER Frühstarter der Liga ist und das Spiel einmal mehr nach zwanzig Minuten (so gut wie) für sich entschied. Beide Tore fielen zwar nach Flanken aus dem Halbfeld und doch waren die Highlights des Spiels die wahnsinnig schnell vorgetragenen Konterangriffe, die den Rheinländern den letzten Mut raubten, etwas weiter aufzurücken. Vor allem Asano bestach mit seiner beeindruckenden Schnelligkeit, leider fehlte ihm die letzte Konzentration beim Abschluss, er hatte drei Hochkaräter auf dem Fuß.

Auch Anto Grgić wusste auf der Sechs zu gefallen und fiel durch seine Eleganz und Spielübersicht positiv auf. Dabei erinnerte er mich an den jungen Murat Yakin, den ich seinerzeit gerne spielen sah. Frappierend in diesem Spiel aber auch, dass nicht alle im Team diesen Tempofußball mitgehen können. Dabei tat sich besonders Kapitän Gentner hervor, der in der einen oder anderen Situation nicht richtig antizipierte und nicht gedankenschnell genug war, um auf die Ideen seiner Mitspieler einzugehen.

Bei ihm fallen diese Defizite mehr ins Gewicht als bei Defensivspielern, da er kraft seiner Position ins Offensivspiel eingebunden sein müsste. Sollten Schindelmeiser und Wolf die Erneuerung unseres VfB weiterhin in einem solchen Tempo vorantreiben, könnte auch seine Wachablösung schneller Realität werden, als man heute noch denkt.

Dank des Blitzstarts mit den Toren von Terodde (Kopfball, abermals nach Flanke von Insúa, 12. Saisontreffer) und Green (Direktabnahme nach Grgić-Flanke bei seinem Heimdebüt) grüßt der VfB nun von der Tabellenspitze. Einzig die Chancenverwertung war zu bemängeln, mit ein bisschen mehr Galligkeit vor dem gegnerischen Tor wäre ein Kantersieg locker drin gewesen. Die Düsseldorfer kamen während des gesamten Spiels gerade einmal zu einer nennenswerten Torchance und wirkten meist heillos überfordert.

Der VfB ließ einmal mehr die Gelegenheit liegen, etwas fürs Torverhältnis zu tun und sich auch diesbezüglich vom Rest der Liga abzuheben. Zwar ist man geneigt zu sagen, dass es auch nicht so schlecht ist, sich die Tore für Sandhausen aufgehoben zu haben, doch, da wartet ein gänzlich anderes Spiel auf den VfB gegen eine äußerst unangenehm zu bespielende Mannschaft.

Sandhausen nimmt derzeit Tabellenplatz sechs ein, hat respektable 30 Punkte auf dem Konto und ein Torverhältnis von +11 (der VfB, +12). Zudem ist Sandhausen seit vier Ligaspielen ohne Gegentor, das letzte musste man Anfang Dezember beim Auswärtssieg in Nürnberg (1:3) hinnehmen. Diese Zahlen und auch das Hinspiel, als man nach vermeintlich sicherer 0:2-Führung hinten hinaus noch gehörig ins Wackeln geriet und den Sieg nur mit Glück über die Zeit schaukelte, verdeutlichen, dass es fatal wäre, die Nordbadener zu unterschätzen im Sinne von „es ist ja nur Sandhausen“.

Nach den 38.200 Zuschauern, die den Heimsieg gegen Düsseldorf sehen wollten und konnten, hoffe ich auf eine ungleich größere Kulisse am Sonntag. Diese Anstoßzeit mag dem Familienmenschen auch nicht ganz gelegen kommen, ist aber noch um einiges machbarer als der Montag-Abend-Termin, wo gerade die vielen auswärtigen VfBler teils zwei Tage Urlaub benötigen würden, um ins Neckarstadion zu können. So hoffe ich auf weit über 50.000 Zuschauer, die Tabellenführung sollte zusätzlich locken, und darauf, dass unsere Frühstarter den Sandhäusern, ehe sie sich auf den äußeren Rahmen so richtig eingestellt haben, ein, zwei Kisten einschenken und die Weichen frühzeitig auf Sieg gestellt werden.

Noch ist es viel zu früh, den Rückrundenstart und die Tabellenführung überzubewerten und eine Tendenz für den weiteren Saisonverlauf abzuleiten. Ebenso ist es zu früh, Gewinner und Verlierer im Kader auszumachen, vor allem bzgl. denjenigen, die in den bisherigen zwei Rückrundenspielen noch überhaupt nicht zum Einsatz kamen, wie bspw. Berkay Özcan und Alexandru Maxim. Die Kunst von Hannes Wolf muss es sein, gerade nach der Verpflichtung der Winterneuzugänge, seinen gesamten Kader bei Laune zu halten und allen einzuimpfen, dass sie wichtig und Teil des Teams sind und das Pendel bei entsprechenden Trainingsleistungen jederzeit auch wieder zu ihren Gunsten ausschlagen kann. Mit den Spielern, mit denen man definitiv nicht mehr plant, hat man Tacheles geredet, die Chance aller anderer wird kommen, spätestens, wenn man mit Verletzungen oder Sperren zu tun hat.

Der VfB hatte lange keinen so ausgeglichenen Kader und keinen so erbarmungslosen Konkurrenzkampf mehr, wie derzeit. Dass hier immer auch wieder welche durchs Raster fallen und zwischenzeitlich außen vor sind, ist normal. Umso größer ist der Ansporn derer, die derzeit die Nase vorn haben, diese vorn zu behalten und durch Leistung zu überzeugen und im Team zu bleiben, so wie am Montag gegen Düsseldorf demonstriert. Ich habe in der jüngeren Vergangenheit selten einen derart dominanten VfB gesehen, der von Position eins bis elf besser besetzt war als der Gegner. Selbst vermeintliche Startelf-Wackelkandidaten wie Marcin Kamiński bestachen durch sauberes Passspiel, Konzentration und Achtsamkeit, so dass sich wohl auch Onguéné zunächst einmal hinten anstellen muss.

Der erste Sieg gegen Fortuna Düsseldorf seit 25 Jahren, bei allerdings auch nur drei Jahren gemeinsamer Ligazugehörigkeit während dieser Zeit, geriet nie ernsthaft in Gefahr. Dass man in der zweiten Hälfte, nach drei vergebenen Großchancen in den ersten fünf Minuten, einen Gang zurückschaltete und nicht mehr ganz den Zugriff auf die Partie hatte, wie noch in Halbzeit eins, hat den Protagonisten selbst nicht gefallen, so dass wir Fans uns mit überbordender Kritik zurückhalten sollten. Wir tun gut daran, den handelnden Personen, die derzeit sehr viel richtig machen, zu vertrauen. Man sollte bei all unserer augenscheinlicher Qualität nicht erwarten, dass wir jeden Gegner haushoch aus dem Stadion schießen und uns in erster Linie darüber freuen, wenn die drei Punkte unter Dach und Fach gebracht worden sind.
Ich halte es mit Hannes Wolf und sehe uns am Anfang eines langen Weges. Daher bin ich zufrieden damit, peu à peu Fortschritte zu sehen, vor allem dann, wenn sie sich auch noch in den Ergebnissen niederschlagen und wir Tabellenführer sind.

Schon jetzt kommen wir Wolfs Ideal, Hochgeschwindigkeitsfußball spielen zu lassen, immer näher. Die Mannschaftsteile arbeiten besser zusammen als in der Vorrunde, auch die Offensivkünstler waren sich gegen Düsseldorf nicht zu schade, in der eigenen Hälfte Bälle zu erobern.

Derzeit sehe ich sehr viel, was mich positiv stimmt. Daher bin ich sehr zuversichtlich, dass wir im Mai nicht „nur“ den Aufstieg feiern werden, sondern auch das Fundament einer Mannschaft steht, die uns auch in der Bundesliga mehr Freude machen wird, als wir sie in den letzten Jahren des Herumdümpelns hatten.

Bis dahin fließt jedoch noch viel Wasser den Neckar hinunter, nächstes Etappenziel, Heimsieg gegen Sandhausen, Sonntag, 13.30 Uhr. Alle ins Neckarstadion, die Kulisse wird (außer der spielerischen Klasse) unser großes Plus sein!

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