13. Februar 2018

Brustring-Burnout

Diese Begrifflichkeit stammt nicht von mir, sondern von einem sehr geschätzten Freund und Allesfahrer-Kollegen, der keinen Bock mehr hat und es ernsthaft erwägt, sich künftig anderen Dingen zu widmen, als ständig dem Brustring hinterher zu fahren.

Vergleiche zu schlimmen Krankheiten sollte man im Sport zwar nicht unbedingt ziehen und doch passen sie manchmal ganz gut. Schon die Jahre vor dem Abstieg verglich ich mit dem Dahinsiechen eines todkranken Patienten an lebenserhaltenden Maschinen und empfand es als pure Erlösung, als durch den Abstieg endlich der Stecker gezogen wurde. Der Burn-out per Wort-Definition bedeutet, „die innere Flamme erloschen, ausgebrannt“, was sich schon irgendwie auch auf meine Gefühlswelt in Bezug auf den VfB übertragen lässt.

Selten saß ich derart emotionslos im Stadion wie am Sonntag, selten kam nach einem dreckigen Arbeitssieg so wenig Freude auf, wie nach dem für die Tabelle so wichtigen Dreier gegen die Elf vom Niederrhein.

Dass es vielen meiner Freunde und Bekannten ähnlich geht und das Davor und Danach wichtiger ist als das Spiel, unterstreicht, dass ich mit meinen Empfindungen nicht alleine da stehe. Kaum einer hat mehr richtig Lust, nach dem Vorglühen den Fußmarsch von Bad Cannstatt zum Neckarstadion anzutreten, manch einer bleibt an den auf dem Weg liegenden Gastronomiebetrieben hängen und schaut sich den Kick lieber im Warmen und vorm Fernseher an.

Ganz so weit ist es bei mir noch nicht gekommen, wenngleich ich zugeben muss, dass es mehr die Lust am Knipsen ist, die mich stets pünktlich erscheinen lässt, als die Anwesenheit der Millionäre in kurzen Hosen.

Die Kurve, der (für mein Empfinden noch zu stille) Protest, die Choreographien, die Fahnen, die Gesänge, all das macht für mich das Stadionfeeling aus. Vorbei sind die Zeiten, als noch ein Team auf dem Rasen stand, das sich in jedem Spiel für den Brustring zerrissen hat, das den Funken vom Rasen auf die Ränge überspringen ließ und selbst die Haupt- und Gegentribünen-„Bruddler“ zu Gesängen und rhythmischem Klatschen animierte. Die Spiele sind selten vergnügenssteuerpflichtig, ein, zwei ernstzunehmende Torabschlüsse im gesamten Spiel sind keine Seltenheit. War es schon immer Usus beim Fußball, den Protagonisten auf dem Rasen durch Pfiffe seinen Unmut zu zeigen, durch Raunen technische Unzulänglichkeiten zu kommentieren und gute Leistungen mit Beifall zu belohnen, ist die Spezies Fußballprofi der Gegenwart zunehmend verweichlicht und kritikresistent.

Ein Daniel Ginczek kritisierte nach dem glanzlosen Sieg gegen schwache Gladbacher die Zuschauer, weil sie Andi Becks tölpelhafte Einlagen nicht noch mit Beifall bedachten, Kapitän Gentner hält seine Schäfchen nach desaströsen Auftritten wie in Mainz davon ab, sich der Kurve zu stellen. Eigentlich reden wir doch von Männersport und nicht von Memmensport!

Die Spieler, die in ihrer eigenen Schein- und Glitzerwelt leben, sehen sich hier noch als Opfer, ungeachtet dessen, welche Opfer die Leute in der Kurve Woche für Woche bringen. Ein wenig mehr Fan-Nähe oder Besuche beim normalen Arbeitnehmer täte dem einen oder anderen ganzen ganz gut.

Dass sich der Fußball mehr und mehr von seiner Basis entfernt, ist nicht nur den Begleiterscheinungen wie ausgeprägter Medienpräsenz und engem Terminplan geschuldet. Die Spieler werden in Watte gepackt und über ein vertretbares Maß hinaus abgeschottet. Öffentliche Trainings gab es unter Hannes Wolf fast keine mehr und wenn, höchstens unter der Woche vormittags, dass ja keiner auf die Idee kommt, vorbei zu kommen. Im Trainingslager in La Manga ging es so weit, dass selbst die 30-40 Leutchen neben dem Trainingsplatz als lästig und störend empfunden wurden. Wenn man das so alles mitbekommt, ist es für mich überhaupt nicht mehr verwunderlich, dass es auch keiner mehr hinbekommt, vor 60.000 Zuschauern den Ball aus elf Metern im Netz zu versenken.

Das bedingt nämlich in erster Linie Nervenstärke, das Fokussieren auf seine eigenen Stärken und das Ausblenden störender Nebengeräusche. Wer da schon im kleinen Rahmen ein Alibi geliefert bekommt, dann gute Nacht beim Ernstfall!

Früher, durchaus auch schon zu Zeiten, in denen der eine oder andere Fan meinte, die Spieler über ein normales Maß hinaus vereinnahmen zu müssen, gehörte das für die Profis dazu.

Nach erfolgreichen Spielen konnte man auf Heimfahrten von Auswärtsspielen auf den Rasthöfen der Republik schon mal den Mannschaftsbus treffen und mit den Spielern ein Bierchen trinken. Es gab noch den Wasen-Tag, an dem sich die Spieler auf dem Volksfest unters Volk mischten, die OFC-Weihnachtsfeier war ein Highlight und nicht zuletzt der Herbstball in der Liederhalle, bei dem man in feiner Garderobe mit Spielern und Spielerfrauen das Tanzbein schwingen oder sich an der Bar austauschen konnte. Mit ein bisschen Willen zur Volksnähe wären solche Events auch heute noch machbar und würden zum gegenseitigen Verständnis beitragen.

Dann würden die Spieler vielleicht sogar kapieren, dass Emotionen, positive wie negative, zum Fußball dazu gehören und dass sie froh sein können, dass die Leute überhaupt noch Emotionen zeigen. Wenn die Leute pfeifen, sind sie bei der Sache und es ist ihnen nicht egal, was auf dem Rasen passiert. Ich habe nicht gepfiffen, was aber durchaus daran liegen könnte, dass die Luft bei mir einfach raus ist.
Ihren guten Anteil an der Abschottung des Trosses vor dem Fußvolk dürften die Laptop-Trainer haben, die jedwede Ausreißer aus ihrem auf dem Reißbrett entworfenen Plan, als kontraproduktiv ansehen. Schließlich beginnt für sie die Vorbereitung aufs nächste Spiel mit dem Abpfiff des vorigen.

Die Mannschaft braucht sich über mangelnde Unterstützung überhaupt nicht zu beklagen. Für meinen Geschmack kommt sie noch viel zu gut weg, nachdem sie erneut einen Trainer im Regen stehen gelassen hat und nach dem Trainerwechsel wieder fein raus. Ginge es nach mir, gäbe es einen Stimmungsboykott bis Saisonende, weil ich persönlich nicht bereit bin, so schnell wieder zur Tagesordnung überzugehen.
Der Verein (bzw. die AG) machte seit der Ausgliederung so ziemlich alles falsch, was man falsch machen konnte. Die Gesichter der „Make VfB great again“-Veranstaltungen, Jan Schindelmeiser und Hannes Wolf, die für DEN neuen VfB standen, hat man entsorgt und gegen den in die Jahre gekommenen und erstmals im Rampenlicht stehenden Reschke und die personifizierte Erfolgslosigkeit auf dem Trainer-Karussell, Tayfun Korkut, ausgetauscht hat.

Statt jungen, dynamischen, hoffnungsvollen und entwicklungsfähigen Talenten, denen man Fehler verziehen hat, setzt Reschke auf Alt-Stars, die dem Spiel und erst recht dem Gehaltsgefüge nicht guttun und zudem keinerlei Wiederverkaufswert haben. Es ist kein Plan erkennbar. Wir drehen uns im Kreis und dürften im Sommer erneut vor einem Umbruch stehen. Geduld ist eine Tugend, die beim VfB nicht gefragt ist. Anstatt ein Pflänzchen wachsen zu lassen und auch Täler zusammen zu durchschreiten, wurden Hoffnungsträger entlassen und durch schnell realisierbare Notlösungen ersetzt. Planvolles Handeln sieht anders aus!

Mit dem Beerdigen des Traums eines neuen VfB kam meine Gleichgültigkeit und innere Leere, was den VfB betrifft. Derzeit ist es mir sogar völlig egal, ob der VfB die Klasse hält oder absteigt.
Mein Ärger richtet sich auch nicht gegen Tayfun Korkut, der für die Entwicklungen nichts kann. Jeder andere Trainer hätte es bei mir nach Hannes Wolf genauso schwer gehabt, weil der VfB durch das Abrücken des im Zuge der Ausgliederungs-Werbetour propagierten Stuttgarter Weges nicht nur einmal falsch abgebogen ist, sondern sich auf einem nicht hinnehmbaren Irrweg befindet.

Ein patriarchischer Präsident wie Wolfgang Dietrich, der schwaches Personal um sich schart, um in Angelegenheiten rein reden zu können, von denen er nichts versteht, lässt kaum eine Gelegenheit aus, die Tradition des Vereins hervorzuheben und Zusammenhalt zu beschwören.

Dabei ist es doch er selbst, der über Leichen geht, die Fangemeinde gespalten hat und die Unzufriedenheit der Mitglieder nicht ernst nimmt.

Sein Sportdirektor Michael Reschke wäre nach unzähligen Verfehlungen, getätigter und nicht getätigter Transfers, im Grunde nicht mehr zu halten, aber dann müsste sich Herr Dietrich ja einen Fehler eingestehen.

Geradezu grotesk, sein Versuch mittels offenen Briefes die Mitglieder zum Zusammenhalt zu beschwören. Wie oft haben wir diese Leier in den letzten Jahren gehört, was hat sich seither zum Positiven verändert? Nichts, um genau zu sein. Das ist ein weiterer erbärmlicher Versuch, endlich Ruhe in den Laden zu kriegen, um genauso weitermachen zu können. Normalerweise dürfte keine Ruhe einkehren, bis sie vom Hof gejagt sind.

Stattdessen sonnt sich der Sonnenkönig gerne im Kreise von Helden früherer Tage, am Sonntag denen von 2007. Leider lief mir auf der Haupttribüne keiner über den Weg, ein Foto mit Pavel Pardo oder auch mit Marco Streller hätte ich gerne gemacht. Letzterer macht übrigens einen hervorragenden Job als Sportdirektor des FC Basel, der hätte gerne schon mal hier bleiben dürfen.

Ebenfalls dabei, natürlich, Timo Hildebrand. Für mich kommt es äußerst peinlich rüber, wie er sich beim VfB einzuschleimen versucht. Wirbt letztes Jahr für die Ausgliederung, wird aber erst kürzlich, natürlich medienwirksam, VfB-Mitglied.

Lächerlicher und unglaubwürdiger geht es kaum, aber, auch hier wird wieder deutlich, Dietrich ist es vollkommen egal, wen er vor den Karren spannt, Hauptsache derjenige nützt ihm kurzfristig.
Hildebrand biedert sich also beim VfB an, jetzt, nach Karriereende, wollen sie halt alle irgendwie unterkommen. Bei mir ist er allerdings noch immer unten durch. Natürlich ist seine Parade in Bochum auf dem Weg zum Titel unvergessen, natürlich stand er lange Zeit, wie andere auch, für die Jungen Wilden und natürlich hält er noch immer den Rekord an Minuten ohne Gegentor.

Dass er Jahr für Jahr ein Wechseltheater sondergleichen vollzog und man am Ende wirklich froh sein konnte, als sein Wechsel nach Valencia endlich feststand, scheinen die meisten, die ihm heute noch huldigen, vergessen zu haben.

Soll er doch in Hoffenheim anheuern. Beim Trainingslager 2009 in Leogang, als sowohl der VfB als auch Hoffenheim dort ihre Zelte aufschlugen, war es ihm vor seinen Mannschaftskollegen sichtlich peinlich, von uns VfBlern begrüßt zu werden, so dass er verschämt wegschaute, während andere, wie Tobi Weis und Andi Beck, von unserer Freundlichkeit angetan waren und für einen Smalltalk stehen blieben.
Doch, zurück zur Aktualität! Korkut legte einen Start nach Maß hin, wie aussagekräftig dieser nach Spielen gegen schwache Wolfsburger und Gladbacher ist, wird sich zeigen.

Außer, dass Korkut gegen Gladbach mit einer Doppelspitze und damit offensiver als Hannes Wolf agieren ließ und es Thommy in die erste Elf geschafft zu haben scheint, hat sich personell wenig verändert. Man ist geneigt zu sagen, der Mannschaft wurde durch den Trainerwechsel das Alibi genommen, weshalb die Einstellung und die Bereitschaft des Füreinander Kämpfens besser geworden sind. Spielerisch liegt nach wie vor fast alles im Argen, gerade einmal zwei Torchancen in 90 Minuten sprechen Bände.

In der fünften Minute ging der VfB durch den einzigen sehenswerten Angriff und nach einer Stafette über Gentner, Gomez bis hin zu Ginczek in Führung. In der Folgezeit hatte Gladbach zwar fast 70% Ballbesitz, brachte die Zehnerkette des VfB aber selten in Verlegenheit. Wenn man am Ende gewinnt, hat man zwar letztlich alles richtig gemacht, ob es das aber wert ist, die Zuschauer noch mehr zu vergraulen, steht auf einem anderen Blatt. Schon am Sonntag waren deutliche Lücken in der doch eigentlich ausverkauften Cannstatter Kurve zu sehen, was den Schluss zulässt, dass sich viele schon abwenden.

Wer diese Stammgäste dann auch noch mit Scheinargumenten kritisiert, wie, „es war doch klar, dass wir als Aufsteiger gegen den Abstieg kämpfen“, hat den Schuss nicht gehört.

Keiner erwartet, dass der VfB sofort wieder oben angreift, jedem ist bewusst, dass das Saisonziel einzig und allein der Klassenerhalt ist. Die Unzufriedenheit liegt darin, dass der VfB sämtliche Pläne des vergangenen Sommers ad acta gelegt hat und wieder ein (austauschbarer) Bundesligist wie jeder andere geworden ist.

Was ist unsere Identität, für was steht der VfB noch, abgesehen von den guten alten Zeiten? Wird alles dafür getan, jungen Hoffnungsträgern wie Santiago Ascacibar und Benjamin Pavard ein Umfeld und ein Team zu bieten, in dem sie sich wohl fühlen und mit dem sie daran glauben, ihre persönlichen Ziele zu erreichen?

Oder werden sie nicht eher durch das permanente Chaos im Club vergrault, so dass sie das Weite suchen und was uns am Ende erhalten bleibt, sind jene Spieler, die beim VfB ihr Gnadenbrot bekommen?
In Augsburg hängen die Trauben traditionell für den VfB hoch, positiv schon im Vorfeld, egal wie es ausgeht, der Trainer dürfte auch am Montag noch der Gleiche sein.

Was mich angeht, werde ich ähnlich emotionslos hinfahren, wie ich schon die Fahrt nach Wolfsburg angegangen bin. Ich freue mich auf die (leider viel zu kurze) Busfahrt und die Leidensgenossen vom Fanclub und hoffe auf eine gute Perspektive im Stadion, die auf der Haupttribüne in Reihe 1 gegeben sein sollte.

Da es bei den bayerischen Schwaben im Gästebereich traditionell „bleifrei“ gibt, ist es sicher von Vorteil im neutralen Bereich zu verweilen und sich den Auftritt der Brustringträger versuchen schön zu trinken. Das alles ist für mich schon mehr als die halbe Miete für einen gelungenen Fußballnachmittag, ganz egal welches Ergebnis am Ende auf der Anzeigetafel steht. Das ist mir nämlich mittlerweile ziemlich gleichgültig geworden.

Eine positive Nachricht ereilte uns dann unter der Woche doch noch. Die Amateure werden auch in der nächsten Saison fortbestehen. Zwar unter dem Mantel einer U21, aber, immerhin. In der Regionalliga, und hoffentlich eines Tages auch wieder in der 3. Liga, findet man ihn noch, den ehrlichen Fußball in heruntergekommenen Stadien und vor leidenschaftlichen Fankurven.

Geht die Entwicklung im Milliardengeschäft so weiter, lenkt die DFL nach den bundesweiten Protesten nicht ernsthaft ein und wird man vom Verein weiterhin nur für dumm verkauft, wäre es eine Option, nur noch zu den Amas zu gehen und den Profifußball, mit all seinen unangenehmen Begleiterscheinungen, irgendwann links liegen zu lassen.

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28. April 2017

Erstligareif

Wahnsinn, was für ein Spiel, was für eine Atmosphäre am Montag! Alle Gazetten titeln „erstligareif“ und das war es in jeder Hinsicht. Der Aufstieg ist nun greifbar. Wenn er denn Realität wird, werde ich sowohl ein weinendes als auch ein lachendes Auge haben. Weinend, weil wir die geilste 2. Liga nach „nur“ einem Jahr wieder verlassen (müssen). Tolle Stadien, geile Fanszenen, Traditionsvereine, wohin das Auge blickt, Abwechslung zum oft eintönigen Bundesligaalltag.

Das lachende Auge deshalb, weil die Voraussetzungen gut sind, mit dieser Mannschaft und punktuellen Verstärkungen eine gute Rolle im Oberhaus zu spielen. Gestern war ein Teamspirit zu spüren, wie man ihn schon lang nimmer beim VfB gesehen hat. Einer für alle, alle für einen, dazu die Symbiose mit dem Publikum. Es wächst was zusammen. Sollte der Aufstieg nicht gelingen, stünde der nächste Neuanfang mit ungewissem Ausgang bevor. Daher gilt es jetzt, nicht nachzulassen und das Ding durchzuziehen.

Hannes Wolf begann zunächst mit Josip Brekalo anstelle von Berkay Özcan. Gentner rückte dafür nach hinten auf die Doppel-Sechs und Maxim auf seine Lieblingsposition hinter den Spitzen.

Von Beginn an entwickelte der VfB im Spitzenspiel Erster gegen Dritter viel Zug nach vorne und zeigte sich eminent spielfreudig. Vor allem der wiedererstarkte Alexandru Maxim tat sich dabei zunächst hervor und stellte unter Beweis, dass er den in den letzten Spielen zurückeroberten Stammplatz in dieser Saison nicht mehr herzugeben gewillt ist. Selbst nach hinten arbeitete er fleißig mit, so dass man sich schon fragen darf, warum nicht immer so?

Die Zeichen standen ja längst auf Trennung im Sommer, da Maxim beim VfB seit Jahren stagniert und sich letztlich bei keinem einzigen der vielen Trainer durchsetzen konnte. Immer wieder vorgeworfen wurde ihm dabei Trainingsfaulheit, Bequemlichkeit, kein Integrationswillen (Sprachbarriere), eine sehr ausgeprägte Laissez-Faire-Mentalität und zudem mangelnde Professionalität.

Daher bin ich auch sehr vorsichtig mit Prognosen, was die Zukunft von Maxim angeht. Spielt er immer so auf wie zuletzt, wäre er auf jeden Fall eine Bereicherung und es wäre fast schon fahrlässig ihn (derzeit) unter Wert ziehen zu lassen.

Oder gibt Maxim gerade deswegen so Gas, um Umfeld und Verantwortliche um den Finger zu wickeln und weiter hier seinen Dienst verrichten zu können, um in der nächsten Saison wieder in den alten Schlendrian zu verfallen? Gerade vorm Hintergrund, dass Carlos Mané mindestens sechs Monate lang ausfallen wird, könnte Maxim, zumindest in der Vorrunde, auch in der nächsten Saison noch wichtig werden.

Maxim war es dann auch, der nach einer knappen halben Stunde die hochverdiente Führung durch einen direkt verwandelten Freistoß erzielte. Unterschlagen darf man freilich nicht, dass der 1. FC Union Berlin im vorausgegangenen Spielzug eine hundertprozentige Chance zur Führung durch Polter vergab und der Treffer auf die Kappe von Keeper Mesenhöler ging, da der Ball im Torwarteck einschlug.

Dennoch sind Freistoß-Tore beim VfB seit dem Karriereende von Krassimir Balakow zur absoluten Rarität geworden, so dass man bis 2010 zurückdenken muss, als Kuzmanovic mal einen direkt verwandelte. In unserem bislang letzten Bundesligaspiel in Wolfsburg traf zwar auch Didavi per Freistoß, dieses Tor stellte jedoch nur noch Ergebniskosmetik dar und änderte am Abstieg nichts mehr. Da er zudem in seinem letzten Spiel bei seinem neuen Arbeitgeber allenfalls Eigenwerbung betrieb, verdränge ich diesen Treffer lieber.

Der zweite VfB-Treffer resultierte dann aus einem Bilderbuch-Konter, an dem drei weitere ganz starke Akteure dieses Montagabend-Topspiels beteiligt waren. Zunächst einmal trieb Ebenezer Ofori die Kugel durch das Mittelfeld, hatte die Übersicht und passte Brekalo in den Lauf, dieser schnörkellos und mit Übersicht weiter auf Simon Terodde, welcher direkt zum 2:0 einschob.

Was dieser Ofori mit seinen erst 21 Jahren und als Neuankömmling bereits leistet, ist nicht hoch genug zu bewerten. Der Junge hat eine Übersicht und eine Ballbehandlung zum Zunge schnalzen, ist zudem schnell, geschickt im Zweikampf und hat ein ausgeprägtes Raum- und Spielverständnis. Wenn er bald auch noch Luft für 90 Minuten hat und seine Form anhält, haben wir einen Sechser, wie wir ihn jahrelang vermisst haben.

Ferner zeigte Josip Brekalo eine ganz starke Vorstellung, auch wenn er unglücklich im Abschluss war und das eine oder andere Mal noch immer zu eigensinnig ist. Dass er lieber an einem weiteren Tor des Monats arbeitet, anstatt einfach und zielgerichtet zu spielen, ist wohl seiner Jugend geschuldet. Darüber kann man hinwegsehen, wenn das Spiel trotzdem gewonnen wird. Positiv ist es doch erst einmal, überhaupt in aussichtsreiche Positionen zu kommen, das Tor kann er gerne dann machen, wenn wir es dringender benötigen, so wie einst in Heidenheim oder auch kommenden Samstag in Nürnberg.

Der letzte in der Kette des 2:0 war Simon Terodde. Er ist nicht der Typ Mittelstürmer, der im Zentrum wartet, bis ihm die Kugel auf den Kopf oder den Fuß fällt, sondern arbeitet mit und antizipiert herausragend. Wie er darüber hinaus rackert, ballführende Spieler des Gegners anläuft und zu Fehlern zwingt, ist immens wichtig für die Mannschaft.

Durch diesen Treffer schraubte er seine Marke auf 20 hoch und ist der erste 2. Liga Spieler überhaupt, dem es zwei Saisons in Folge gelang, 20 Tore und mehr, und das noch für zwei unterschiedliche Vereine, zu erzielen. Da dieses Tor zum richtigen Zeitpunkt fiel und die Führung in diesem so wichtigen Spiel auf 2:0 schraubte, verhehlte Terodde auch gegen seinen Ex-Verein seine Freude nicht und deutete sein Markenzeichen nach Toren, die Ahoi-Geste, wenigstens an.

Nach dem 2:0 hatte der VfB die Angelegenheit gut im Griff, bis durch eine Unachtsamkeit in der 57. Minute aus dem Nichts der Anschlusstreffer durch Sebastian Polter fiel. Der VfB zeigte sich jedoch nur kurz erschrocken und nahm das Zepter schnell wieder in die Hand.

Ginczek kam in der 63. Minute für den oft unglücklich wirkenden Asano und erzielte nur fünf Minuten später die Entscheidung. In Bielefeld noch legte Ginni Simon Terodde den Siegtreffer auf, gegen Union war es nun umgekehrt. Ginnis aggressivem Pressing und seiner Balleroberung war es zu verdanken, dass der Ball zu Terodde gelangte, dieser zurück auf Ginczek, der eiskalt gegen die Laufrichtung des Torwarts das vielumjubelte 3:1 machte. An der Art, wie sich das komplette Team für Ginni mitfreute, ließ sich erkennen, wie sehr man es ihm gönnt, dass er wieder ganz der Alte wird.

Daniel Ginczek hat es nicht leicht in dieser Rückrunde. Er selbst sieht sich offensichtlich schon weiter und scharrt mit den Hufen, während er von Hannes Wolf langsamer herangeführt wird und sich dieser zudem glücklich schätzen kann, einen solchen Joker in der Hinterhand zu haben. Bei wohl jedem Ligakonkurrenten würde der Spieler in der Stammelf stehen. Da Simon Terodde aber über jeden Zweifel erhaben ist und das Experiment mit beiden zusammen in der Startelf in Fürth gründlich daneben ging, wird sich Ginni bis zum Rest der Saison mit der Joker-Rolle zufrieden geben müssen, ehe im Sommer die Karten neu gemischt werden.

Mit dem 3:1 war das Ding durch, danach war Jubel, Trubel, Heiterkeit im Neckarstadion angesagt. Die La-Ola-Welle schwappte durchs Stadion, „Oh, wie ist das schön“-Gesänge und „Wenn Du mich fragst, wer Meister wird“ wurden intoniert. In den letzten zehn Minuten stand das ganze Stadion und huldigte der Mannschaft für diese reife Vorstellung.

Die rund 3.000 Unioner, die an diesem Werktag die weite Reise auf sich genommen hatten, trugen die sich anbahnende Niederlage mit Fassung und sangen minutenlang und bis weit nach Spielende „Always look on the bright side of life“. Die Köpenicker sind nicht zum Aufsteigen verdammt und erfreuen sich an ihrer guten Saison, weshalb diese Niederlage auch kein Beinbruch für sie war. Zudem sind sie nach der Niederlage noch nicht aus dem Aufstiegsrennen und haben im allerletzten Montagabend-Topspiel der Saison in Braunschweig die Möglichkeit, einen Bigpoint zu landen.

Wenngleich ich Union und auch Hannover 96 es gönne, mit uns aufzusteigen, müssen zunächst einmal wir selbst unsere Hausaufgaben machen. Gegen Union kam die Leistungssteigerung zur rechten Zeit, so dass ich seit Montag sehr optimistisch, fast schon überzeugt davon bin, dass wir in der nächsten Saison wieder aus der Bundesliga grüßen werden.

Noch immer bin ich perplex, wie cool die Mannschaft die wichtige Hürde genommen hat und wie wenig sie sich von den äußeren Einflüssen beeindrucken ließ. Man darf nicht vergessen, dass wir eine sehr junge Mannschaft haben, die mit dem Druck des „Gewinnen Müssens“ vor ausverkauftem Haus und mit einer Live-Übertragung im Free-TV erst einmal fertig werden muss. Da war die Nervosität unter uns Fans vermutlich größer, als die der Protagonisten.

In Nürnberg erwartet den VfB ein schwer ausrechenbarer Gegner, der zuletzt vier Punkte aus zwei Spielen holte und sich in den letzten Spielen defensiv stabilisiert hat. Mit 39 Punkten hat der 1. FC Nürnberg den Nichtabstieg fast geschafft, aber eben nur fast. Die Clubberer werden alles daran setzen, den Haken darunter ausgerechnet im fast ausverkauften Max-Morlock-Stadion im Süd-Schlager gegen den Top-Favoriten VfB zu setzen, und uns gleichzeitig gehörig in die Aufstiegs-Suppe zu spucken.

Vermutlich weit über 15.000 Schwaben begleiten den VfB ins Frankenland, dies dürfte Motivation für beide Seiten bedeuten. Spiele gegen den Glubb boten in der Vergangenheit alle Facetten, die man sich im Fußball nur vorstellen kann. Am liebsten erinnere ich mich ans Meisterjahr 1983/1984 als wir den Club im Hinspiel im Neckarstadion nach einem 0:0 zur Halbzeit mit 7:0 aus dem Stadion schossen und im Rückspiel beim 0:6 einen Meilenstein auf dem Weg zur Meisterschaft setzten. Damals wie heute gab es eine Völkerwanderung an den Valznerweiher, wenn auch nicht ganz in diesem Ausmaß, so zumindest meine Erinnerung.

Dann war da das Meisterjahr 2007, in dem wir einschließlich Pokalfinale alle drei Spiele gegen den Club teils derbe verloren haben und schließlich zuletzt im März 2014 das „Abstiegsendspiel“ unter der Woche, das der VfB sang- und klanglos 2:0 verlor, was gleichbedeutend mit einem der unzähligen gefühlten Abstiege in den letzten Jahren war.

Raphael Schäfer ist für mich seit dem Pokalfinale und erstrecht seit seinem VfB-Jahr noch immer ein absolutes Feindbild, erlebt beim Club indes aber seinen mindestens schon vierten Frühling. So wurmt es mich bis heute, dass es dem VfB seit seiner Rückkehr zum Club nicht ein einziges Mal gelungen ist, ihm die Bude so richtig voll zu hauen. Der Samstag wäre, zumal Schäfer zum Saisonende seine Karriere beendet, ein guter Zeitpunkt genau das zu tun!

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12. März 2017

Ein 1:1 der anderen Art

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , , – Franky @ 15:24

Es ist schon faszinierend, wie sich binnen vier Tagen ein und dasselbe Ergebnis so grundverschieden anfühlen kann. Hat man bei heimstarken Braunschweigern in Unterzahl bravourös einen Punkt erkämpft und einen direkten Kontrahenten auf Distanz gehalten, kam man gegen eine graue Maus der Liga zu Hause nicht über eine Punkteteilung hinaus.

Immerhin kamen die Bochumer als Tabellenzwölfter und derzeit tabellarisch jenseits von Gut und Böse stehendes Team zum Tabellenführer, was sollte da also schon schief gehen? Als wir vor dem Spiel zusammensaßen und dem Spiel entgegenfieberten, fiel dennoch schon die Befürchtung, dass es ein schwieriges Spiel werden könnte, an dessen Ende man sich möglicherweise mit einem Punkt zufrieden geben müsse. Warum? Einfach weil die Bochumer taktisch hervorragend agieren und ein sehr unangenehmes Pressing spielen und es fraglich sei, was der VfB dem, das Montagspiel noch in den Knochen, entgegen setzen werde können.

Der Taktikblogger Jonas Bischofsberger formulierte dies hinterher bei STN online so: „Am Freitagabend erwartete den VfB die taktisch wohl komplizierteste Herausforderung der Saison gegen den VfL Bochum. Gertjan Verbeeks VfL Bochum hebt sich mit mutigem Offensivfußball, extremer Mannorientierung und hohem Pressing deutlich von den anderen Mannschaften der Liga ab“. So entwickelte sich ein Spiel, indem sich der VfB der Manndeckung der Bochumer kaum entziehen konnte, zumal in den ersten dreißig Minuten Bewegung im Stuttgarter Spiel fehlte. Wenn mal ansatzweise Kombinationsfußball versucht wurde, wurden diese Bemühungen jäh durch taktische Fouls der Bochumer gestoppt. Der Schiedsrichter „Meister Proper“ Benedikt Kempkes, erst in seinem sechsten Zweitligaspiel, war äußerst gnädig bei der Vergabe persönlicher Strafen, bei härterem Durchgreifen hätten die Bochumer mit dieser Gangart das Spiel nie und nimmer zu elft beendet.

Dem VfB fehlte spürbar die Frische und er musste nach der gelb-roten Karte von Kamiński in Braunschweig zudem die zuletzt eingespielte Viererkette sprengen. Ehe man sich auf das harte Bochumer Spiel richtig einstellen konnte und sich versah, lag man auch schon mit 0:1 in Rückstand.

Aus einer Kontersituation heraus, in der Emiliano Insúa nicht schnell genug zurück eilte, offenbarten sich auch just Abstimmungsprobleme zwischen Timo Baumgartl und Benjamin Pavard. Letzterer orientierte sich in die Mitte und stand Timo Baumgartl auf den Füßen anstatt sich links zu Losilla hin zu bewegen. Dieser stand dadurch mutterseelenallein stand und konnte problemlos zur Führung einschieben. Auf eine Reaktion der Mannen von Hannes Wolf wartete man als VfB-Fan vergeblich, im Gegenteil, Mlapa und Wurtz verpassten es, die Bochumer Führung höher zu schrauben, so dass wir nach einer halben Stunde mit dem 0:1 noch sehr gut bedient waren.

Erst als Hannes Wolf in der 31. Minute reagierte und Matthias Zimmermann für den dieses Mal schwach agierenden Anto Grgić brachte, wurde das VfB-Spiel griffiger und zielstrebiger. Grgić schmeckte die Manndeckung der Bochumer überhaupt nicht, so dass seine Auswechslung nachvollziehbar war. Bis zum Pausenpfiff hatte der VfB dann auch die große Ausgleichschance durch Takuma Asano, der das Gehäuse mit einem Schuss aus der zweiten Reihe nur knapp verfehlte.

Zur zweiten Hälfte riss der VfB das Spiel zwar mehr und mehr an sich, musste bei Bochumer Kontern aber weiterhin hellwach und auf der Hut sein. Klare Torchancen der Brustringträger blieben Mangelware. Auch nach den Einwechslungen von Ginczek und Maxim änderte sich zunächst wenig an der Ideenlosigkeit, es fiel den Jungs vom VfB nach wie vor schwer gegen den kompakten VfL klare Chancen herauszuspielen.

Just jenen Moment, in dem die Bochumer wegen einer Behandlungspause des ehemaligen VfBlers Tim Hoogland nur zu zehnt auf dem Feld standen, nutzte der VfB mit einem schnell hervor getragenen Angriff zum Ausgleich. Carlos Mané wurde von Terodde steil geschickt, drang bis zur Grundlinie vor und passte scharf in die Mitte, wo Daniel Ginczek stand und nur noch den Fuß hinhalten musste. Tonnenschwere Steine hörte man im weiten Rund plumpsen. Die Hoffnung, doch noch den Heimsieg einzufahren, war zurückgekehrt. Da die Bochumer bereits drei Mal ausgewechselt hatten, schleppte sich Hoogland bis zum Schluss durch, was der VfB jedoch zu keinem weiteren Treffer nutzen konnte.

Für Daniel Ginczek war es nach seiner schier endlosen Verletzungspause sein erstes Pflichtspieltor seit dem 26.09.2015, damals beim 1:3 gegen Borussia Mönchengladbach am 7. Spieltag der Vorsaison. Wohl jeder im Stadion gönnte ihm diesen Moment und hofft darauf, dass bei ihm nun endgültig der Knoten geplatzt ist. Er macht eine schwierige Phase durch, weil er sich schon weiter sieht als es Hannes Wolf tut und dieser wohl kaum zum System mit zwei Spitzen wechseln wird. Simon Terodde herauszunehmen verbietet sich aufgrund seiner Leistungen von selbst, zudem arbeitet Terodde noch mehr fürs Team als es Daniel Ginczek tut. Dieser wollte im Anschluss dann auch zu viel und verzettelte sich lieber in einer Einzelaktion als den besser postierten Mitspieler zu sehen. Diesen Egoismus, der sicherlich auch in seiner Ungeduld begründet liegt, wird ihm Hannes Wolf hoffentlich für die nächsten Spiele austreiben.

Insgesamt zeigte der VfB zu wenig von dem, was ihn in den Wochen zuvor stark gemacht hat. Terodde schien mit seiner Gesichtsmaske im wahrsten Sinne des Wortes der Durchblick zu fehlen, ein Mittelfeld war kaum vorhanden und die Müdigkeit und die daraus resultierende Schwierigkeit, aufopferungsvoll verteidigende Bochumer in größere Gefahr zu bringen, ließen sich einfach nicht verleugnen.

Von Alexandru Maxim, der zuletzt überhaupt nicht mehr im Kader stand und erst zu seiner zweiten Einwechslung im Kalenderjahr 2017 kam, war ich gelinde gesagt enttäuscht. Ob es die Vorgabe vom Trainergespann war, auf links außen festzukleben, weiß man natürlich nicht. Dennoch hätte ich von ihm, der der mit Abstand frischeste Spieler hätte sein müssen, mehr erwartet, nämlich, dass er sich die Bälle weiter hinten abholt, wenn sie schon nicht von selbst zu ihm kommen. Mit dieser „Leistung“ konnte er keine Eigenwerbung für weitere Einsätze in den nächsten Spielen betreiben.
Auch wenn ich mich normalerweise zurück halte, was das Klagen über die Belastung von Profifußballern angeht und Gründe von schlechten Spielen selten darin suche, grenzte diese Ansetzung Freitags nach einem Montagsspiel schon fast an Wettbewerbsverzerrung.

Während Bochum zwischen dem Freitagspiel zu Hause gegen Fortuna Düsseldorf und dem Spiel den Freitag darauf beim VfB eine ganze Woche Zeit zur Regeneration und Vorbereitung zur Verfügung hatte, blieben dem VfB gerade einmal vier Tage Zeit, inklusive der Rückreise aus Braunschweig.
Der VfB hatte dabei nicht nur eine der weitesten Reisen, die die Liga zu bieten hat, zu bewältigen, sondern auch ein schwieriges Spiel bei einem Spitzenteam, bei nasskaltem Wetter, auf tiefem Geläuf, welches als Rasen zu bezeichnen noch geschmeichelt wäre, und wo man zudem aufgrund der zu harten gelb-roten Karte für Marcin Kaminski fast fünfzig Minuten in Unterzahl alles reinwerfen musste, was die geschundenen Körper hergaben.

Dass Trainer Hannes Wolf auf der Prä-Spieltags-Pressekonferenz das Montagspiel als mögliches Alibi für eine schlechte Leistung gegen Bochum nicht gelten lassen wollte, ehrt ihn zwar, es ist aber nicht von der Hand zu weisen, dass diese Tatsache für das Spiel gegen die Pressingmaschinen des VfL Bochum bei der Analyse durchaus herangezogen werden kann und einen Nachteil bedeutete. Einem defensiv stark arbeitenden und kompakt stehenden Kollektiv wie dem der Bochumer ist am ehesten, wie beim Ausgleich kurz aufgeflammt, beizukommen, wenn schnell gespielt wird. Dieses schnelle Offensivspiel, das der VfB in dieser Saison immer wieder phasenweise herausragend gezeigt hat, bedingt geistige und körperliche Frische, die am Freitag einfach nicht da waren.

Da der VfB in dieser Saison bereits zum zweiten Mal nach einem Montagspiel freitags ran musste und zum zweiten Mal seine „normale“ Leistung dabei nicht abrufen konnte (im August 0:1 in Düsseldorf), interessierte es mich, wie es um die anderen Vereine, die nach einem Montagspiel freitags schon wieder ran mussten, bisher bestellt war. Und siehe da, elf Spiele, ein Sieg, drei Remis, jedoch sieben Niederlagen stehen zu Buche für die so belasteten Mannschaften. Dabei stechen außer unseren Punktverlusten, die ohnehin stets ungewöhnlich anmuten, das 1:4 von Hannover 96 in Fürth und ein 0:3 vom 1. FC Union Berlin in Heidenheim heraus.

So bringt es den VfB zwar nicht weiter, über solche Ansetzungen, die es auch in Zukunft geben wird, zu lamentieren, aber, man muss Niederlagen, die ihre Ursache möglicherweise mit in einer solchen Terminierung haben, auch nicht überbewerten. Ein Vergleich mit dem Europapokalmodus, der gerne herangezogen wird, verbietet sich sowieso, weil die meisten Zweitligakader nicht breit genug aufgestellt sind, um ausreichend rotieren zu können.

In Anbetracht dieser Widrigkeiten fühlt sich ein Punkt gegen Bochum zu Hause zwar immer noch nicht viel besser an, wird aber pragmatisch an- und mitgenommen. Es handelte sich auf jeden Fall um ein gerechtes Ergebnis, das sich die Bochumer redlich verdient haben. Der Bochumer Trainer Gertjan Verbeek bleibt damit gegen den VfB ungeschlagen, ob als Trainer vom VfL Bochum, dem 1. FC Nürnberg oder auch 2004 in der Europa League mit dem SC Heerenveen.

In der Fangemeinde gehen die Meinungen auseinander, ob man sich daran erfreuen sollte, dass wir in der Rückrunde noch ungeschlagen sind (5 Siege, 2 Unentschieden) oder ob schon sämtliche Alarmglocken schrillen sollten, weil wir zuletzt zwei Mal in Folge nicht gewonnen haben.
Ich bin zwar auch ein gebranntes Kind, der Absturz letzte Saison nach kurzem Zwischenhoch ist schließlich noch sehr präsent, und doch lehne ich Vergleiche mit der Vorsaison kategorisch ab.

Zum einen spielen wir inzwischen eine Liga tiefer, die Gegner sind entsprechend schwächer. Zum anderen wurschteln auf dem Wasen nicht mehr Kramny und Dutt vor sich hin, die mit freien Tagen um sich werfen und das Team am Ballermann auf die entscheidenden Wochen einstimmen, sondern es ist Seriosität eingekehrt. Jan Schindelmeiser und Hannes Wolf werden wachsam bleiben und nicht nachlassen, die Konzentration hochzuhalten.

Für mich ist auch nach diesen zwei sieglosen Spielen noch nicht allzu viel passiert, auch wenn die Konkurrenz etwas näher gerückt ist. Daher ist es mir weiterhin nicht bange und ich bin zu 100% überzeugt, dass wir am Ende relativ ungefährdet aufsteigen werden.

Die Zuschauer werden die Mannschaft weiter von Sieg zu Sieg tragen und Erstligaflair ins Neckarstadion hinein tragen. 45.300 Zuschauer auch zu dieser frühen Anstoßzeit am Freitagabend unterstreichen den Rückhalt, den die Truppe heute und schon die ganze Saison über genießt.

Erfreulich empfand ich es, dass die Personalie Kevin Großkreutz überhaupt keine Rolle mehr spielte, zumindest habe ich kein einziges Banner in diese Richtung gesehen. Das Thema ist abgehakt und lediglich ein paar Wichtigtuer, für die einzelne Spieler über dem Verein stehen, geben noch nicht auf, von einer Rückholaktion zu träumen.

Die nächsten beiden Heimspiele gegen Dynamo Dresden und die Abordnung aus Ostfrankreich werden auf jeden Fall ausverkauft sein, danach steht zu Hause dann noch das Gipfeltreffen mit dem 1. FC Union Berlin an, das schon wegen der Tabellensituation hochfrequentiert sein dürfte, ehe Erzgebirge Aue im Neckarstadion antritt.

Bis dahin fließt zwar noch viel Wasser den Neckar hinunter und doch träume ich auch da von einem ausverkauften Haus, nämlich dann, wenn das Timing so passen würde, pünktlich zu diesem Spiel den Aufstieg perfekt machen zu können. Das allerletzte Saisonspiel gegen die Würzburger Kickers ist ohnehin ein Selbstläufer, so dass der VfB die Saison mit einem Zuschauerschnitt von über 50.000 abschließen könnte. Kein Mensch hätte nach dem Abstieg mit einem solch immensen Zuspruch, trotz der oft unsäglich blöden Anstoßzeiten, gerechnet.

Meine Aufstiegshoffnungen sind nach den beiden sieglosen Spielen zuletzt jedenfalls nicht gedämpfter als davor. Dass kein Spiel in der 2. Liga ein Selbstläufer ist, wissen wir seit es los ging, dass der Weg zum Aufstieg steinig und schwer werden würde, war auch bekannt. Dies reflektiert doch schon allein, dass kein Mensch erwarten kann, dass wir jedes Spiel gewinnen und mit Siebenmeilenstiefeln durch die Liga eilen. Punkteteilungen, ja, vielleicht sogar auch mal wieder eine Niederlage, gehören dazu und werden das Team nicht umwerfen. Jetzt hat man fast eine Woche lang Zeit, die Wunden von Braunschweig und Bochum zu lecken und in Fürth mit neuer Kraft anzugreifen. Ich bin dabei, bleibe optimistisch und freue mich darauf.

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30. Januar 2017

Auswärtssieg am Millerntor!

Genau 42 Tage lagen zwischen der Schmach von Würzburg und dem Gastspiel zum Rückrundenauftakt am Hamburger Millerntor. 42 Tage Zeit, aus einer instabilen Truppe eine Mannschaft zu formen, die dem Druck aufsteigen zu müssen, auch standhält.

Auf den ersten Blick ist relativ wenig passiert. In Šunjić, Sama und Heise verließen drei Defensivspieler den Verein, während mit Julian Green lediglich ein (offensiver) Neuzugang vermeldet wurde. Dessen Verpflichtung allerdings unterstreicht, dass der VfB seine Verpflichtungen neuerdings mit Weitsicht tätigt und dann zuschlägt, wenn sich die Möglichkeit ergibt, auf einer Position, für die nicht unbedingt sofortiger Handlungsbedarf bestand.

Viel dringlicher wäre es, die vor allem nach den genannten Abgängen unterrepräsentierte Defensive zu stärken und diese Planstellen neu zu besetzen. Für die Innenverteidigung stehen gerade noch Timo Baumgartl, Marcin Kaminski und Benjamin Pavard zur Verfügung, auf der linken Außenverteidiger-Position hat Emiliano Insúa nach Heises Abgang überhaupt keinen Konkurrenten mehr, der ihm Druck machen könnte.

Eine Ausdünnung des Kaders sollte jedoch nicht nur negativ gesehen werden, hat doch ein jeder Trainer so seine eigenen Vorstellungen, was die Kadergröße angeht. Hannes Wolf ist einer, der sich als Fußballlehrer sieht und lieber „Inhalte“ in einer kleineren und aufnahmefähigeren Gruppe vermittelt, zudem hebt es die Stimmung in der Truppe an, wenn unzufriedene Recken abgegeben werden, die ohnehin ständig mit einem Wechsel kokettierten (Heise), Unsicherheitsfaktoren und in der VfB-Gemeinde nicht wohlgelitten waren (Šunjić) oder einfach den Ansprüchen (noch) nicht genügen (Sama).

Die Verletzungen von Tobias Werner, bei dem fast schon das Rückrundenaus zu befürchten ist, und in den ich nach dem Trainingslager große Hoffnungen setzte und der gestrigen von Matthias „Zimbo“ Zimmermann kamen freilich noch zur rechten Zeit, um sämtliche Alarmglocken schrillen zu lassen und in den letzten zwei Tagen der Transferperiode noch einmal aktiv zu werden. Man möchte sich nicht ausmalen, welches Chaos bei der derzeitigen Personaldecke auf einmal herrschen würde, sollte Timo Baumgartl, der auch gestern wieder ein überragendes Spiel machte, über einen längeren Zeitraum ausfallen.

Zimmermann fehlt zwar laut vfb.de „nur“ zwei bis drei Wochen, kennt man jedoch die Treffsicherheit unserer medizinischen Abteilung was Ausfall-Prognosen angeht, darf diese Zeitangabe getrost „mal zwei“ genommen werden, so dass uns Zimbo wohl erst im März wieder zur Verfügung stehen dürfte. Zimmermann wurde zwar durch Grgić, wie ich fand sehr ordentlich, ersetzt und Hajime Hosogai gibt es auch noch, dennoch würde ich mir im defensiven Mittelfeld noch einen kompromisslosen Abräumer Marke Drecksau wünschen, der dem Gegner schon durch seine bloße Anwesenheit Furcht einflößt.

Wie aus den Gesprächen mit Verantwortlichen und nah am Team befindlichen Leuten in Lagos herauszuhören war, steckt der VfB etwas im Dilemma, was Spielerverpflichtungen angeht. Man hat sich auf die Fahnen geschrieben, nur Jungs an den Neckar zu lotsen, die sich zum Verein bekennen und notfalls auch in einem zweiten Jahr in der 2. Liga zur Verfügung stehen würden, und, sie sollen nicht nur Lückenbüßer und Platzhalter sein, sondern dem Stamm Druck machen und Alternativen für die erste Elf darstellen.

Ich kann mit dieser neuen Denke zwar gut leben und hätte trotzdem Bauchschmerzen, würde man auf dem Transfermarkt nicht mehr zuschlagen. Da mit abgehalfterten und teuren Reservisten, wie wir sie mit Felipe und Haggui zum Beispiel schon zur Genüge hatten, eher nicht zu rechnen ist, hoffe ich insgeheim noch auf eine Transfersensation.

Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Ermin Bičakčić in Hoffenheim mit seiner Reservistenrolle zufrieden ist. Hier könnte Jan Schindelmeiser seine Kontakte nach Hoffenheim spielen lassen und Ermin zumindest leihweise zurück auf den Wasen holen. Bičakčić würde das Anforderungsprofil erfüllen, wäre er doch zum einen ein starker Nebenmann für Timo Baumgartl und vereint zum anderen Tugenden wie fußballerische Klasse, Kämpferherz und der noch immer vorhandenen Verbundenheit mit dem VfB.

In dieser Saison stand er lediglich an den ersten fünf Spieltagen in der Startelf und kam seit dem elften Spieltag überhaupt nicht mehr zum Einsatz. Dass er im Groll gegangen wäre, ist mir nicht bekannt. Er wollte spielen und der VfB legte ihm mit einer vergleichsweise geringen Ablöseforderung beim Wechsel nach Braunschweig keine Steine in den Weg, so dass der Wechsel aus meiner Sicht sauber vonstattenging.

Außer der (bisher) relativ ruhig verlaufenen Transferperiode war das Hauptthema natürlich die allererste Vorbereitung von Hannes Wolf und dabei vorwiegend das Trainingslager in Lagos. Meine Eindrücke habe ich an gleicher Stelle bereits geschildert, beeindruckend mit welcher Akribie Wolf arbeitet, auf dem Trainingsplatz Kommandos gibt und korrigierend eingreift. Nebenbei, auch dem kleiner gewordenen Kader geschuldet, scheint man in Sachen Teamgeist vorangekommen und die Stimmung bestens zu sein.

Die Wahrheit liegt aber bekanntlich auf dem Platz und so durfte die Mannschaft am gestrigen Sonntag in St. Pauli zeigen, welche Früchte das Trainingslager getragen hat.

Nach einer sehr kurzen Nacht begann der Tag mit dem vom Hamburger VfB-Fanclub Roter Brustring Hamburg (RBHH) veranstalteten Warm-Up-Frühschoppen in der Sportsbar „Relaunch“, in Sichtweite des Stadions gelegen, den wir uns natürlich entgehen ließen. Rund 150 VfBler, darunter die Fanbetreuung, stimmten sich bei Kaffee, Bier und Gesprächen auf den Rückrundenauftakt ein.

Den anschließenden, von der Polizei begleiteten, Marsch zum Gästeblock machten wir dann allerdings nicht mit, zum einen waren es noch zwei Stunden bis Spielbeginn, zum anderen wollten wir mit St. Paulianer Freunden vor dem Spiel noch dem Clubheim St. Pauli einen Besuch abstatten, abgesehen davon, dass wir ja ohnehin einen näher gelegenen Eingang zu nehmen hatten.

Für mich als St. Pauli-Sympathisant war es, zusammen mit der Reise an die Alte Försterei zu Union Berlin, DAS Highlight der Saison. In den letzten Jahren schaffte ich es in jeder Saison, trotz der Allesfahrerei mit dem VfB, wenigstens ein Heimspiel des FC St. Pauli zu besuchen und stehe dort gerne auch mal mit meinen Freunden beim „magischen FC auf der Süd, der Heimtribüne, wobei am Millerntor auch die Gegengerade und der Stehplatzbereich auf der Nordtribüne zum Heimbereich gerechnet werden können.

Für gestern, wo ich als Gegner zu Gast am Millerntor war, entschied ich mich bewusst für Plätze auf der Haupttribüne, um nicht unnötig zu provozieren. Die Gegengerade wäre auch eine Option gewesen, die es erlaubt hätte, gute Bilder von beiden Fanlagern zu machen. Da dort jedoch auch eine hohe Anzahl hartgesottener St. Pauli-Fans seine Heimat hat und man als Fanfotograf den einen oder anderen schon allein wegen der ständigen Knipserei nervt, entschloss ich mich, Karten auf der Haupttribüne zu ordern.

Das Stadion und die Atmosphäre am Millerntor faszinieren mich schon seit den 1980er-Jahren, seit ich eben das erste Mal dort zu Gast war und man dort noch zentimetertief im Schlamm watete, um zum Gästeblock zu gelangen. Schon damals entwickelte ich ein Faible für den Verein und den Stadtteil sowieso. Der FC St. Pauli ist in St. Pauli allgegenwärtig und wird von allen Bevölkerungsschichten gelebt, ob Punk, Obdachloser, Hure oder Banker, wenn’s ins Stadion geht, sind alle nur noch braun-weiß.

Im Stadion gefällt mir der Support und dass alle Tribünen in den Support eingebunden werden. Die Selbstironie, ohne die ein St. Paulianer wohl nicht überlebensfähig wäre, und dass man den sportlichen Erfolg oder Misserfolg nicht so bierernst nimmt wie andernorts, amüsiert mich bisweilen. Groß finde ich immer wieder, dass man die eigene Mannschaft während eines Spiels selten auspfeift und Ex-Spieler, wie gestern Daniel Ginczek, mit Applaus empfangen werden, während sie bei uns meist aus dem Stadion gepfiffen werden.

Was die übertriebene politische Correctness angeht, die auch gestern wieder wegen einer als sexistisch interpretierten Einblendung einer Werbetafel („nix für Pussies) zum Ausdruck kam, kann ich oft nur den Kopf schütteln, wie übrigens einige meiner Freunde bei St. Pauli auch.

Meine Sympathie beschränkt sich hier auf das atmosphärische, die coolen Leute und das meist friedliche Ambiente. Gestern war das Millerntor freilich nicht so laut, wie ich es schon erlebt habe, was ja auch gut für uns war.

Allein schon, dass in St. Pauli für die gegnerischen Fans deren Vereinshymne (gut, wir haben keine, dann kommt eben „VfB, ein Leben lang“) aus den Lautsprechern dröhnt, gibt dem Gast das Gefühl, in St. Pauli willkommen zu sein.

Weshalb dann aus unserem Block dieses unsägliche „Scheiß St. Pauli“ oder nach dem Führungstreffer „Absteiger, Absteiger“ Rufe kommen mussten, kann ich nicht nachvollziehen.

Gerade als ein der Tradition verschriebener Fußball-Fan, muss man doch schon ein ureigenes Interesse daran haben, dass ein Farbtupfer, wie es der FC St. Pauli zweifellos ist, dem bezahlten Fußball erhalten bleibt. Für mich, wie schon bei Union „Scheiß Berliner“ völlig daneben und zum schämen! Dies empfanden übrigens nicht „nur“ die St. Paulianer ums uns herum so, sondern auch die vielen, vielen VfB-Fans, die ebenfalls Karten in unserem Bereich ergattert hatten. Dort war die Atmosphäre absolut friedlich und schlug selbst nicht um, als sich in den letzten Minuten einige bei „Steht auf, wenn ihr Schwaben seid“ erhoben haben.

Das Spiel selbst würde ich als schwere Geburt bezeichnen. Hannes Wolf überraschte doch sehr mit der einen oder anderen Personalie. Während Neuzugang Green und Zimmer von Beginn an ran durften, fand sich die geballte fußballerische Kompetenz mit Mané, Maxim und Ginczek auf der Bank wieder. Allein die Aufstellung unterstrich, welches Spiel Hannes Wolf erwartete, nämlich ein kampfbetontes auf schwer zu bespielendem Untergrund. Zudem war er sich des Luxus‘ bewusst, gegen müder werdende Braun-Weiße hochwertig nachlegen zu können.

Das Spiel war eines auf mäßigem Niveau, indem ein Außenstehender kaum hätte erraten können, wer das Schlusslicht und wer Aufstiegsaspirant ist. Safety first lautete die Devise beim VfB, weshalb die Bälle eher humorlos ins Aus geschlagen wurden, als dass man versucht hätte, zu zaubern. Das hat Wolf den Jungs vom Neckar dann wohl in der Vorbereitung eingetrichtert, dass sie bei weitem nicht so gut und unfehlbar sind, wie es der eine oder andere vielleicht von sich denkt bzw. gedacht hat. Ich hoffe, diese Art und Weise war nicht nur ein Strohfeuer, sondern ist auch die Devise im weiteren Rückrundenverlauf. Unsere Nerven werden es ihnen danken!

So blieben Torchancen hüben und drüben Mangelware, die beste noch vergab Asano, als er frei vor Keeper Heerwagen auftauchte, diesem, der den Winkel geschickt verkürzte, jedoch in die Arme schoss. Nach einer halben Stunde bereits musste Grgić den verletzten Zimmermann ersetzen, ein Einsatz allerdings, den sich dieser in der Vorbereitung verdient hat. Nach den Eindrücken von Lagos rechnete ich ohnehin mit dem Schweiz-Kroaten in der Anfangsformation.

Julian Green fehlte noch die Bindung zum Spiel, auch wenn er die einzige Torchance im ersten Durchgang von Asano vorbereitet hatte, so dass er zur Pause durch Carlos Mané ersetzt wurde. Mané plagten laut Trainer Hannes Wolf noch Achillessehnenbeschwerden, so dass ein Einsatz über 90 Minuten nicht in Frage kam.

Auch in der zweiten Hälfte war zunächst eher der FC St. Pauli am Drücker und spielte sich beängstigend oft bis zur Grundlinie durch, brachte jedoch den letzten Pass nicht zum Mann, weshalb Mitch Langerak kaum einmal ernsthaft eingreifen musste.

Und trotzdem entwickelt sich Langerak für mich mehr und mehr zum Sorgenkind, fehlt ihm doch (derzeit) die für einen Torwart nötige Souveränität. Auf der Linie zwar stark, steht er mittlerweile in puncto mangelhafter Strafraumbeherrschung einem Sven Ulreich kaum mehr in etwas nach, so dass ich eine Torwartdiskussion befürchte, sollte sich Mitch nicht stabilisieren. Leider ist Jens Grahl jetzt nicht unbedingt DER große Konkurrent für ihn, den es für eine Konkurrenzsituation eigentlich bräuchte.

Wie schon im Hinspiel ging St. Pauli auch im Rückspiel mit zunehmender Spieldauer förmlich die Luft aus. Da rächte sich der Vollgasfußball, den man als Heimmannschaft vor begeisterungsfähiger Kulisse versucht zu spielen, während der Gast das Ganze eher dosiert angehen kann.

Ob das ausschließlich an der schwindenden Kraft der Hausherren gelegen hat oder ob die intensive Vorbereitung Hannes Wolfs erste Früchte trägt, wird der weitere Verlauf der Rückrunde zeigen. Seit langem konnte der VfB gegen Ende hin noch zulegen.

Spätestens mit der Einwechslung von Daniel Ginczek in der 74. Minute blies der VfB zur Schlussoffensive, während die sportliche Leitung damit zugleich das Signal an die Mannschaft sendete, hier unbedingt noch gewinnen zu wollen. Der VfB schnürte St. Pauli daraufhin mehr und mehr ein und die Einwechslung Ginczeks machte sich bereits zehn Minuten später bezahlt, als es gerade diese zusätzliche Anspielstation in vorderster Front war, die das Kopfballduell gewann und den Ball zu Terodde beförderte, dieser den Ball mit etwas Glück zu Mané spitzelte, welcher von der Strafraumgrenze aus mit einem sehenswerten Rechtsschuss in den Winkel die St. Paulianer mitten ins Herz traf. Man hatte schon fast (zwangsläufig) mit der Punkteteilung vorliebgenommen, als doch noch der Lucky Punch gelang.

Bitter natürlich für St. Pauli, denen ich von Herzen den Klassenerhalt gönne und für die ich hoffe, dass die Mechanismen des Geschäfts weiterhin nicht greifen und Ewald Lienen ihr Trainer bleibt. Eigentlich, finde ich als Außenstehender, passt Lienen wie die Faust aufs Auge zu St. Pauli, so dass es schon ein Jammer wäre, müssten sie sich jetzt trennen, nachdem man in der Vorsaison zwischenzeitlich gar vom Aufstieg träumte. Die Aufholjagd der Kiezkicker darf gerne am nächsten Wochenende beginnen, dann nämlich gastiert der FC in Braunschweig.

Für den VfB war dieser Arbeitssieg ein Auftakt nach Maß in die hoffentlich letzte Halbserie in der 2. Liga. Nach den beiden Niederlagen zum Abschluss des Jahres 2016 konnte diese Minikrise zudem beendet und der Grundstein für den Angriff auf die Tabellenspitze gelegt werden.

Nun folgen zwei Heimspiele in Folge, gegen Fortuna Düsseldorf und den SV Sandhausen. Auch wenn die Fortuna gegen eben jenes Sandhausen am Freitag 0:3 vor eigenem Publikum verloren hat, kommen bei mir äußerst unangenehme Erinnerungen hoch, wenn ich an unsere letzten Spiele gegen Fortuna zurückdenke.

Die Funkel-Elf ist ein Gegner, der uns absolut nicht liegt und gegen den wir es, trotz meist drückender Überlegenheit, nicht schaffen, dreifach zu punkten. Unser letzter Heimsieg gegen Fortuna stammt aus der Meistersaison 1992, wobei wir zugegebenermaßen seitdem auch selten mit ihr die Klingen kreuzten. Dennoch sage ich, Obacht und halte ein 0:0 für realistischer als einen berauschenden Heimsieg.

Eine glanzlose Nullnummer oder gar eine Heimniederlage wären die Höchststrafe, ist man als Arbeitnehmer doch schon begeistert genug, im Winter bei eisigen Temperaturen an einem Montagabend ins Stadion zu „müssen“.

Eine Prognose über den weiteren Saisonverlauf kann ich jetzt beim besten Willen noch nicht abgeben. Diese hängt zu sehr davon ab, wie erfolgreich der VfB noch auf dem Transfermarkt ist und ob nicht nur Ergänzungen, sondern auch Verstärkungen an Land gezogen werden können, morgen, am „Deadline-Day“ sind wir schlauer!

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11. Mai 2016

Selbstaufgabe!

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , , , , , , – Franky @ 08:11

Der VfB ist nach dem Spiel gegen Mainz 05 endgültig am Abgrund angekommen. Es bricht mein Fan-Herz, das seit 1974 für diesen Verein schlägt, wenn man machtlos mit anschauen muss, was aus dem einst so stolzen Verein für Bewegungsspiele von 1893 e. V. gemacht worden ist.

Nach dem desaströsen 1:3 gegen den Karnevalsverein aus Mainz, sind die Chancen auf den Relegationsplatz vor dem letzten Spieltag nur noch theoretischer Natur. Man braucht sich als einer, der es mit dem VfB hält, auch nicht einmal darüber zu ärgern, dass der BVB die Eintracht aus Frankfurt „gewinnen lassen hat“, Darmstadt 98 in Berlin gewinnt und Bremen in Köln ein torloses Remis erreicht.

Wer nach dem Erreichen der 33-Punkte-Marke die Saison für beendet erklärt und innerlich darauf baut, dass vor zwei Jahren ja schon 32 Punkte zum Klassenerhalt genügten und das irgendwie schon wieder hinhauen würde, braucht die Schuld für sein Versagen nicht bei den Anderen zu suchen. Wer wochenlang den Anderen den Druck zuschiebt, weil man ja eine ach so tolle Ausgangssituation hatte, zahlt zum Schluss die Zeche.

Selbst in den Momenten während und nach dem Spiel, als sich das Schicksal abzeichnete, worauf jahrelang hingearbeitet wurde, nämlich der Abstieg, konnte ich nicht mal mehr bittere Tränen weinen. Ich bin in dieser Situation eher sauer denn traurig.

Sauer auf die Totengräber der letzten Jahre, auf die Herren Staudt und Heldt, die im Championsleague-Wahn die Personalkosten exorbitant in die Höhe schraubten und sich offensichtlich auch am Stadionumbau übernommen hatten.

Auf die Herren Hundt, Mäuser, Bobic, Labbadia, die den Kader kaputt sparten und Stück für Stück schwächten, Vereinskoryphäen und junge Hoffnungsträger vergraulten und eine katastrophale Außendarstellung an den Tag legten.

Und aktuell gilt dem wohl noch immer von der Championsleague träumenden Präsidenten Bernd Wahler, dessen einzige Sorge derzeit noch immer die geplante Ausgliederung zu sein scheint und der Robin Dutt einfach machen lässt, anstatt hin und wieder auf den Tisch zu hauen, wenn es angebracht wäre.

Robin Dutt hingegen ist der Meister des Aussitzens. Letztes Jahr ging es gerade nochmal gut, dieses Jahr nicht mehr. Er lässt es seit Monaten einfach laufen und hofft von Spiel zu Spiel auf Besserung, wohingegen seit Wochen jeder Blinde sah, dass diese Mannschaft tot ist und ohne Impuls von außen auch nicht mehr zu retten war. Jürgen Kramny ist die ärmste Sau in der Kette, ihn hätte man einfach nur zu erlösen brauchen.

Bereits am 29.03., als sich die Tabellensituation noch weitaus komfortabler darstellte, sich der Negativtrend aber bereits abzeichnete, warnte ich vor den kommenden Wochen und traute es Robin Dutt damals sogar zu, dass er diesen Trend erkennen und handeln würde: http://www.frankys-stadionpics.de/blog/?p=4005. Leider hatte ich ihn überschätzt.

Dutt hat nicht erkannt, dass Kramny die Mannschaft nicht mehr erreicht und mit der Aufgabe heillos überfordert ist. Oder hat er es erkannt und wollte es sich nicht eingestehen, dass er wie schon bei der Verpflichtung und möglicherweise auch Entlassung von Alexander Zorniger daneben lag.

Kramny war die Billiglösung, es zu versuchen auch legitim, zumal ihm die ersten Wochen ja auch Recht gaben, aber, dieses Experiment auf Kosten des Abstiegs und bis zum bitteren Ende fortzuführen, ist grob fahrlässig und vereinsschädigend.

Noch nach Augsburg, nach Dortmund, selbst nach Bremen, mit der lösbaren Aufgabe gegen Mainz vor der Brust, hätte ein Trainerwechsel Sinn gemacht und mir noch einmal Hoffnung gegeben. Oft sind es ja eine neue Ansprache, die eine oder andere Stellschraube, ein bereits in Vergessenheit geratener Reservist, die Autorität, der Wegfall der Alibis und vieles mehr, das einen Trümmerhaufen von Mannschaft, zumindest vorübergehend, zu neuem Leben erwecken könnte.

Und? Was tat Dutt? NICHTS! Er ließ diese letzte Patrone einfach stecken. Dutt ließ es weiterlaufen, ließ eine hilflose Mannschaft vor sich hin stümpern und lobte Kramny, weil er doch 100 Prozent VfB wäre. Wenn das allein genügt…. Dutt hat mehr oder weniger tatenlos zugesehen, wie der große Tanker (so Bobic) auf Grund lief.

Doch damit nicht genug, die VfB-Welt ist am Boden zerstört, sauer, fassungslos, tieftraurig und fragt sich, ob sich dieser Kollateralschaden jemals reparieren lässt, da setzt Robin Dutt noch einen drauf. „Wir haben uns letztes Jahr für einen Weg entschieden, der auch den Worst Case eines Abstiegs vorgesehen hat. Wenn es nun so kommt, dann werden wir sehr gut vorbereitet sein“. Herr Dutt möchte doch nicht allen Ernstes behaupten, sein „Plan“ sei es gewesen, einen 39 Jahre am Stück Bundesliga spielenden Verein in die 2. Liga zu managen? Das lässt auf Kommunikationsprobleme im Vorstand schließen, denn, Herr Wahler wollte ja eigentlich in die Championsleague.

So aber sind wir aller Wahrscheinlichkeit nach in der kommenden Saison Bestandteil der attraktivsten 2. Liga aller Zeiten. Abgesehen vom spielerischen Niveau und dem sicher ein oder anderen trostlosen Heimspiel, darf man sich auf Leckerbissen in fast jedem Auswärtsspiel freuen. Sandhausen und Heidenheim sind dabei noch so ziemlich das unattraktivste, was diese Liga zu bieten hat, wegen ihrer Nähe jedoch auch schon wieder attraktiv.

Sollte es denn so kommen, gehe ich absolut positiv ran und hoffe darauf, mal wieder etwas öfter jubeln zu dürfen und dass das Neckarstadion wieder zu einer Festung wird.

Seien wir doch ehrlich, die immer weiter auseinandergehende finanzielle Schere in der Bundesliga, in der mehr und mehr mit ungleichen Waffen gekämpft wird, machen die Liga langsam aber sicher gähnend langweilig.

Zehn Heimniederlagen in dieser Saison verlangen auch dem Hartgesottensten alles ab, Spiele gegen die Spitzenteams, zu denen man die Punkte gleich per Post verschicken könnte, haben ihren Reiz verloren und jetzt kommt auch noch Leipzig hinzu, die von Anfang an oben mitspielen möchten und an Neuzugänge denken, die wir uns im Leben nicht leisten könnten.

Daher sehe ich es eher positiv, den Verein konsolidieren zu können, kleinere Brötchen zu backen, das Gehaltsniveau herabzusenken und sich der einen oder anderen personellen Altlast elegant entledigen zu können.

Der Samstag indes begann hervorragend. Früh morgens ging es schon los zur traditionellen Saisonabschlussfahrt auf dem Stuttgarter Partyfloß, wie immer toll organisiert vom OFC Leintal Power 05.
Bei Kaiserwetter hüpften und sangen wir uns mit 190 Gleichgesinnten in Stimmung und waren vorsichtig optimistisch, was das Spiel anging. Mainz war in den letzten Jahren zu ähnlichen Zeitpunkten und als es für sie ebenfalls um nicht mehr viel ging (die Europaleague konnten sie nur noch theoretisch verspielen), ein dankbarer Gegner.

Frühlingsfest, ausverkauftes Haus und eine trotzige Stimmung, hat doch fast jeder, der der Fanszene eng verbunden ist, vor dem Spiel noch einmal mobil gemacht und dazu aufgerufen, bei diesem Spiel alles rauszuhauen und die Mannschaft bedingungslos zu unterstützen.

Alle in weiß war das Motto, ein tolles Bild im weiten Rund und (zunächst) ein Lautstärkepegel, der in der Liga seinesgleichen sucht. Von der Fanseite her war alles angerichtet für einen tollen Fußballnachmittag.

Dumm nur, dass die „Mannschaft“ nicht mitspielte! Sie ist dem sich mehr und mehr zuspitzenden Abstiegs- und Existenzkampf von Spiel zu Spiel nervlich weniger gewachsen. Auch in diesem Punkt rächt es sich, dass es einfach so laufen gelassen wurde. Es ist kein Führungsspieler da, der die Jungs mitreißt, keiner der sie aufrichtet und ein Trainer, dessen ständige Wechsel von Planlosigkeit und wenig Vertrauen in sein Personal zeugen.

Kramny krempelte die Mannschaft im Gegensatz zum 2:6 letzten Montag in Bremen auf gleich sechs Positionen um. Außer einer komplett neuen Viererkette durfte auch Mitch Langerak endlich sein Bundesligadebüt im Trikot mit dem Brustring „feiern“.

Dass es Kramny nicht schaffte, auf Mallorca, die Sinne zu schärfen, einen Teamspirit zu entwickeln und vor allem eine Formation zu finden, die es in den restlichen drei Spielen richten soll und dem Druck auch gewachsen ist, zeugt von der Sinnlosigkeit dieser „Auszeit“.

Dieses Trainingslager war also für die Katz, so dass man meinen kann, dieses habe den Charakter einer Saisonabschlussfahrt gehabt und Spaß und Erholung wären im Vordergrund gestanden.

Schlimmer noch, der Spannungsabfall seit der Rückkehr mutet fatal an. Bremen war eine Frechheit, von der ersten Minute an und Mainz, na ja.

Zwei eigentliche Führungsspieler, Christian Gentner und Kevin Großkreutz, kehrten zwar zurück, waren aufgrund ihrer Verletzungen jedoch noch nicht bei 100 Prozent, so dass auch sie es nicht schafften, mit Leistung voran zu gehen und spielerisch Zeichen zu setzen.

Das Spiel begann zwar wie gemalt für den VfB, in der 6. Minute brachte Gentner unsere Farben in Führung. Es hätte der Brustlöser sein können, nein, müssen, spürte man doch bei der Mannschaft und auch bei den Fans die pure Erleichterung und eine zarte Hoffnung auf DIE Trendwende.

Doch, wenn eine stark verunsicherte Mannschaft dann plötzlich meint, das Ergebnis verwalten zu wollen und den Betrieb nach vorne nahezu einstellt, braucht man sich nicht zu wundern, wenn der Schuss nach hinten losgeht.

Da der VfB ohne Stürmer spielte und ein Didavi an vorderster Front einmal mehr darauf konzentriert war, sich nicht zu verletzen, als dass er noch einmal alles für den VfB gegeben hätte, konnten vorne keine Bälle festgemacht und dadurch auch keine Gefahr erzeugt werden. Einzig in der 36. Minute wurde es noch einmal gefährlich, als ein Mainzer den Ball von Rupp von der Linie kratzte.

Das hätte die Vorentscheidung sein können, aber, das notwendige Quäntchen Glück haben wir offensichtlich in den letzten Jahren aufgebraucht. Bezeichnend, dass im direkten Gegenzug der Ausgleich fiel, als der Rückkehrer Kevin Großkreutz eine Hereingabe zuließ und Malli sich in der Mitte Freiheiten erfreute, die wohl in der Bundesliga einmalig sind. Es war Gegentor Nummer 70, was einmal mehr offenbarte, wo der Schuh drückt und wo die Versäumnisse des Robin Dutt liegen. Man kann über Antonio Rüdiger sagen, was man möchte, aber, der stand in der Schlussphase der letzten Saison seinen Mann und steckt die Schwaabs, Šunjić‘, Niedermeiers, Barbas und Baumgartls locker in die Tasche.

Nach dem Ausgleich, der im Fußball von Grund auf noch keinen Beinbruch darstellt und reparabel gewesen wäre, brachen beim VfB abermals alle Dämme. Die Knie wurden wackelig, der Kopf spielte nicht mehr mit, die Mannschaft agierte kopflos und bettelte um weitere Gegentore.

Nach dem 1:2 und schließlich dem 1:3 und wohl auch nachdem die Ergebnisse auf den anderen Plätzen durchgesickert waren, hatte es etwas von Selbstaufgabe. Robin Dutts Kopfwäsche, die er nach dem Zerfall der Mannschaft in Bremen angekündigt hatte, verpuffte, sofern er sie denn durchgeführt hat. Denn, analog zu Bremen ergab man sich wehrlos in sein Schicksal, kein Aufbäumen, keine Gegenwehr, ohne unseren Besten, Mitch Langerak, können wir das Ding gut und gern auch 1:6 oder 1:7 verlieren.

Wenn nicht noch ein Wunder geschieht und wir in Wolfsburg gewinnen, sowie Frankfurt in Bremen, war diese 39. Bundesligasaison am Stück die vorerst letzte.

Noch unwahrscheinlicher als ein Frankfurter Sieg in Bremen, die Hessen haben mit zuletzt drei Siegen in Folge immerhin einen Lauf, erscheint, dass der VfB etwas Zählbares aus Wolfsburg mitnimmt. Nicht nur die Statistik spricht gegen den VfB, nein, in der derzeitigen Verfassung würde das Team wohl auch gegen den Stadtrivalen von den Golan-Höhen verlieren, so dass ein Erfolgserlebnis bei den Wölfen, die sich mit ihrem Publikum für eine verkorkste Saison versöhnen möchten, nahezu ausgeschlossen erscheint.

Dass beim VfB selbst keiner mehr ernsthaft an ein Wunder glaubt, zeigt sich darin, dass hinter den Kulissen wohl schon eifrig die Köpfe zusammengesteckt werden, mit welcher Führungsmannschaft und welchen Spielern man das Abenteuer 2. Liga denn angehen solle. Dabei liegt der Fokus scheinbar weniger darin, wie der Super-GAU vielleicht doch noch abgewendet werden könnte, nein, jeder meint sich positionieren zu müssen und schreit „hier“, wer die Wohlfühloase auch nach dem Abstieg nicht verlassen möchte.

Christian Gentner und Daniel Ginczek haben ihre Verträge bereits vorzeitig verlängert. Sicherlich ist es ein gutes Zeichen, wenn der Kapitän an Bord bleibt und damit auch signalisiert, dass selbst bei einem Abstieg nicht alles auseinanderbrechen würde. Jetzt hat der fast 31-jährige Gentner also noch drei Jahre Vertrag, was schwer nach Rentenvertrag riecht.

Interessant zu Gentner waren die Aussagen von Hansi Müller bei Sport im Dritten. Müller, der Einblicke in das Innenleben des Vereins hat und nicht mehr in Amt und Würden steht und deshalb auch kein Blatt mehr vor den Mund nehmen muss, kritisierte Gentner, dass er eben nicht DIE Führungspersönlichkeit ist, die man sich in schwierigen Situationen wünschen würde.

Für mich ist Gentner DAS Gesicht des sportlichen Niedergangs und ein Bremser in der Mannschaft. So lang er vermeintlich eine Stammplatzgarantie besitzt und, wie Kramny kürzlich sagte, selbst entscheide, ob er spiele, wird es schwierig bis unmöglich weg von der Wohlfühloase und hin zu einer Leistungsgesellschaft zu gelangen.

Als Identifikationsfigur darf er ja gerne bleiben, hätte ohnehin noch einen Kontrakt bis 2017 gehabt, aber, die Kapitänsbinde MUSS ihm der nächste Trainer aber abnehmen. Ich hoffe schwer, sein Wort im Verein hat nicht dieses Gewicht, dass er Dutt auch noch die Vertragsverlängerungen weiterer Gesichter des Niedergangs schmackhaft macht, dann nämlich dürfte es eher noch weiter nach unten gehen.
Sehr positiv hingegen sehe ich die Vertragsverlängerung von Daniel Ginczek, der sich darüber hinaus dem Vernehmen nach eine Ausstiegsklausel streichen ließ und damit ein klares Bekenntnis für den VfB abgibt. Typen wie ihn wünscht man sich noch einige mehr in der Mannschaft. Geerdet, bodenständig, Familienvater, sympathisch und eben kein Spinner. Hoffentlich legt er die Seuche endlich ab und kann im Spätherbst wieder beschwerdefrei für uns auf Torejagd gehen.

Auch in der obersten Vereinsebene kündigt sich ein Beben an, wie mehrere Blätter in Berufung auf Aufsichtsratskreise berichten. Demnach sollen Wahler und Dutt im Falle des Abstiegs vor der Ablösung stehen. Ich denke, uns stehen spannende Wochen bevor.

Dutt gibt sich indes kämpferisch, so ist zu hören, er verzichte für eine Weiterbeschäftigung auf die Hälfte seines Gehaltes und dass er gerne bleiben würde, da er in der Region zu Hause ist. Dutt hat sicherlich einige Projekte auf den Weg gebracht, deren Früchte wir später ernten werden, wenn sie denn fruchten, aber, er lag eben bei vielen Transfers total daneben und hat zuletzt, als es dringend nötig gewesen wäre, nicht eingegriffen.

Auch die Stimmung unter den Fans hatte am Samstag etwas von Selbstaufgabe. Obwohl es erst der 33. Spieltag war und die theoretische Chance noch gegeben ist, war’s das für viele. Den Platzsturm hätte es meiner Meinung nach zu diesem Zeitpunkt (noch) nicht gebraucht und lässt den Schluss zu, dass es wohl besser ist, auswärts endgültig abzusteigen.

In Wolfsburg werden sich viele kurz nach dem Spiel zu Zug und Bus begeben müssen und nicht noch auf die „Mannschaft“ warten können. Dieser Platzsturm war in meinen Augen dumm, wobei ich die Besonnenheit unserer Ultras-Gruppierungen loben muss, die offensichtlich ihre Leute zurückgehalten haben.

So waren auf dem Feld hauptsächlich sensationslüsterne Selfie-Knipser und wütende „Normalos“, die ein Ventil für ihren Frust suchten. Es kam vereinzelt zu Schubsereien, Schlimmeres ist zum Glück nicht vorgefallen. Es ist ja nicht so, dass ich nicht auch der Meinung wäre, dass es an der Zeit ist, der Mannschaft die Meinung zu geigen, aber, erstens brauchen wir sie noch für dieses letzte entscheidende Spiel und zweitens dürfte dem VfB eine empfindliche Strafe drohen, bin hin zu einem Teilausschluss von Zuschauern, sollte die DFL Ermittlungen aufnehmen.

Dieses Platzstürmchen jetzt jedoch mit den Vorkommnissen der Kölner beim Abstieg gegen die Bayern oder in Mönchengladbach und anderen weitaus dramatischeren Ereignissen in Zusammenhang zu bringen, ist in meinen Augen überzogen und lächerlich. Die Security hatte alles im Griff, die Polizei musste nicht eingreifen, also, halb so wild.

Die Rolle des Sicherheitsdienstes ist hier trotzdem zu hinterfragen. Wohl wurde mit einem Sturm gerechnet, weshalb die Tore zum Innenraum vorab schon geöffnet wurden und Leute, die aufs Spielfeld wollten, nicht daran gehindert wurden.

Selbst Rollstuhlfahrer habe ich vor dem Kabineneingang gesehen. Das alles mutete schon seltsam an, wenn ich mir die Leute, die auf dem Rasen standen so angeschaut habe, glaube ich nicht, dass es zu einer gewaltsamen Stürmung gekommen wäre, hätte man die Tore einfach geschlossen gehalten.

Nun hoffe ich einfach, dass die DFL aus dieser Mücke keinen Elefanten macht und der VfB keine Konsequenzen zu tragen hat. Und natürlich darauf, dass die Spieler nicht zu sehr eingeschüchtert wurden und in Wolfsburg schon von Beginn an mit wackeligen Knie auf dem Platz stehen.

Bei aller Selbstaufgabe, noch sind drei Punkte zu gewinnen, noch sind wir nicht sicher abgestiegen. Für Wolfsburg gilt es seitens der Mannschaft noch einmal alles zu mobilisieren. Vielleicht hilft es ja dabei, dass der eine oder andere jetzt schon weiß, dass man auch in der 2. Liga auf ihn setzen würde, und die Mannschaft daher gieriger auftritt als zuletzt. Wenn nicht, geht die Welt auch nicht unter, alles hat seine zwei Seiten, ich sehe auch dann positiv in die Zukunft.

Lasst uns jedenfalls dieses vermeintlich letzte Bundesliga-Spiel für einige Zeit genießen. Alle in Rot nach Wolfsburg. Freue mich auf den Partyzug und einen abartig langen Tag. Bin auf alles vorbereitet, in diesem Sinne, prost und ahoi!

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