22. November 2009

Armutszeugnis: auch gegen das Schlußlicht kein Sieg

Endlich wieder Bundesliga nach der Trauer um Robert Enke und der Abwesenheit der Nationalspieler. Ich muß zugeben: vor dem Spiel konnte ich nicht einschätzen, in welcher Verfassung das Team zurück kommt. Eine gefühlte Ewigkeit lag das Spiel in Gladbach schon wieder zurück. Verfällt der VfB in den gleichen Trott wie vor der Pause oder kommt er gestärkt heraus und startet endlich die dringend notwendige Aufholjagd. Zeigt man der Hertha von Beginn an, wer Herr im Haus ist oder hat man Angst vor der eigenen Courage und beißt sich am Funkel-Riegel die Zähne aus? Und so zogen wir auch los, ohne das übliche Kribbeln an einem Spieltag. So emotionslos, wie sich die Mannschaft ihrem Schicksal ergibt. Ich hatte gestern schon ein dummes Gefühl und glaubte nicht daran, daß die Wende ausgerechnet gegen Hertha kommen sollte. Zu oft schon diente der VfB solch schwachen Mannschaften als Aufbaugegner. Meine Vorfreude beschränkte sich daher darauf, unseren kompletten Stammtisch beim SSC nach 3 Wochen wieder zu treffen. Erst um kurz nach 15 Uhr entschlossen wir uns, den Weg Richtung Stadion anzutreten. Dort angekommen lief auch schon You’ll never walk alone, begleitet von einer weiß-roten Schalparade.

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Das Spiel begann wie alle Spiele an diesem Wochenende mit einer Schweigeminute für Robert Enke.

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Und nun hinein ins Spiel. Mit Verkünden der Mannschaftsaufstellung kam die Ernüchterung wieder. Mit dieser Mannschaft müssen wir weiter leben, mindestens bis zur Winterpause.

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Marica bekam seine x-te Chance, auch Hitzlsperger und Hleb durften wieder von Beginn an ran. Niedermeier erhielt wieder den Vorzug vor Boula, Rudy vor Elson und Cacau stand erstmals seit seiner Verletzung wieder in der Startformation. Wie in letzter Zeit schon häufig gesehen, begann der VfB nicht schlecht, hatte auch die ein oder andere Torchance, ohne jedoch richtig zwingend werden zu können. Wie schon in der gesamten Saison schaffte es der VfB aber auch gegen Hertha BSC nicht, den Ball im Tor auf Seite der Untertürkheimer Kurve unterzubringen. Nach 20-25 Minuten hatte der VfB sein Pulver dann wieder verschossen und die Hertha kam mit den stümperhaften Angriffsversuchen immer besser zurecht. Auch das zieht sich wie ein roter Faden durch die Saison, daß der VfB das Tempo nicht ein gesamtes Spiel über hochhalten kann. Wie zur Zeit in jedem Spiel schickte der Trainerstab nach etwa 25 Minuten die Auswechselspieler zum Warmmachen raus. Ob dies eine Drohgebärde gegen die auf dem Platzstehenden sein soll oder zur modernen Trainingslehre gehört, die Markus Babbel in Köln genießt, weiß ich nicht. Sollte ersteres gemeint sein, lachen sich die Spieler auf dem Platz darüber wahrscheinlich tot, denn erwischt hat es in dieser Phase noch keinen, und das obwohl das Spiel vom VfB deswegen auch nicht besser geworden ist. Nach guten 10 Minuten Warmlaufen, dürfen die Herren dann auch schon wieder auf der Bank Platz nehmen. Zur Halbzeit hatte dann noch das von vielen schon vorher prognostizierte 0:0 Bestand.

Die 2. Halbzeit begann dann mit einem Paukenschlag: der erst in der Pause eingewechselte Ramos erzielte quasi mit der ersten Torchance der Berliner das 0:1.

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Dieser neuerliche Rückschlag löste im Stadion fast so etwas wie eine Schockstarre aus. Es war eine merkwürdige Atmosphäre geprägt von Hoffnungslosigkeit zu spüren. Auch die Akteure auf dem Rasen scheinte die drohende Niederlage zu lähmen. Besser wurde es erst wieder als in der 65. Minute Hitzlsperger und Marica das Feld verließen und durch Elson und Pogrebnjak ersetzt wurden.

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Augenscheinlich in den letzten Wochen ist, daß das VfB-Spiel nach Hitzlspergers Auswechslung besser wird. Es wird direkter und mehr nach vorne gespielt und dadurch mehr Druck entfacht. In der derzeitigen Verfassung unseres Kapitäns wäre es für alle besser, ihn draußen zu lassen und ihm ein Sondertraining zu verordnen, mit dem er an seine alte Stärke wieder herangeführt werden kann. Daß es an der Zeit ist, diese Personalie zu überdenken, zeigte auch das Pfeifkonzert bei seiner Auswechslung.

Marica blieb wie so gut wie immer blass. Mir fehlt der Glaube, daß er hier noch sein und unser aller Glück findet. Ihm sollte eine Luftveränderung in der Winterpause dringend ans Herz gelegt werden. Er wirkt blockiert und unkonzentriert. Dann lieber Schieber oder Pavel spielen lassen (beide brachten neuen Schwung nach ihren Einwechslungen) und von der Zweiten einen jungen motivierten Spieler auf die Bank setzen.

Ein Gewinn war Cacau gestern. Auch wenn ihm manchmal wenig gelingt und er übermotiviert erscheint. Er ist ein Vorbild an Einsatz und eben einer, dem die Situation nicht egal ist, wie es bei einigen anderen zu sein scheint. Von seiner Einstellung könnten sich einige eine Scheibe abschneiden. Daß er noch ein paar Spiele braucht nach seiner Verletzung ist klar, trotzdem war er gestern einer der auffälligsten Akteure.

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Abermals enttäuscht war ich von Aleks Hleb. Zwar hatte er einige gute Szenen in Hälfte eins, trotzdem ist das viel zu wenig was er bringt und das eben nur phasenweise. In der 2. Halbzeit taucht er dann total unter.

Wir sind nunmal keine Sozialstation, um einen Profi für viel Geld aufzupäppeln, der uns im Sommer sowieso wieder verläßt. Mich würde wirklich interessieren, was er im Sommer getan hat. Und selbst, wenn er da auf der faulen Haut gelegen hätte. Jetzt, Ende November, sollte auch solch ein Fall fitgemacht worden sein, wofür haben wir denn einen solch großen Trainerstab. Hier liegt die Vermutung nahe, daß er ein unprofessionelles Verhalten an den Tag legt und nicht alles für seine Fitness tut. In dieser konditionellen Verfassung wäre er vermutlich auch in der 2. Liga kein großer Gewinn. Auch er wurde bei seiner Auswechslung mit Pfiffen bedacht, die ihm nur ein müdes Grinsen abrangen. Erinnert sei an dieser Stelle an sein Zitat “die Pfiffe der Fans sind mir scheißegal”. Apropos Pfiffe: In der Phase zwischen dem 0:1 und dem 1:1 hörte man erstmals deutlich Sprechchöre aus dem Oberrang “Babbel raus”.

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In der 82. Minute wurde dann die Schlussoffensive vom VfB doch noch belohnt, Kuzmanovic nutzte den Abpraller eines Träsch-Schusses, den Julian Schieber zu ihm durchstecken konnte, zum verdienten 1:1.

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Kuzmanovic war abermals ein Vorbild an Einsatz und mausert sich in letzter Zeit fast zu unserem torgefährlichsten Mann. Schade, daß er kurz nach seinem Tor, wegen einem eher harmlosen Foul, das er wegen eines Bockes vom ansonsten guten Boka begehen mußte, die Ampelkarte sah und im so schweren Auswärtsspiel in Leverkusen daher fehlen wird.

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Auch zu zehnt hätte mit etwas mehr Glück der Siegtreffer noch gelingen können. Aber man muß auch der Realität ins Auge sehen. Wir sind derzeit eben nur auf Augenhöhe mit dem Tabellenschlußlicht der Liga. Inzwischen sind wir auf dem Relegationsplatz angekommen, das gute daran: viel tiefer können wir nicht mehr sinken. Wann der Verein einmal handelt, steht in den Sternen. Mir ist es derzeit zu ruhig von seiten der Vereinsführung. Das Schicksal des Vereins wird scheinbar kritiklos den Freunden Heldt und Babbel  überlassen, ohne daß seit Wochen irgendwelche Anzeichen der Besserung eintreten würden. Vermutlich scheut man sich vor dem großen Schnitt, denn, eine Entlassung von Babbel müßte eigentlich mit der Trennung von Heldt einhergehen.

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Am Dienstag bereits steht der Gang nach Glasgow an. Daß ausgerechnet dort die Wende eintritt, kann ich mir nicht vorstellen. Wie man bei den Rangers spielen kann, hat nicht zuletzt Urziceni bei seinem Sieg im Ibrox-Park gezeigt. Leider neigt der VfB auswärts dazu, einem eigentlich schwächeren Gegner (wie zuletzt in Gladbach), durch eigene Passivität die Initiative zu überlassen und dadurch stark zu machen. Und das ist vor allem auf der Insel saugefährlich, wo die Mannschaft dann auch extrem vom Publikum angetrieben wird. Hoffen wir, daß das Trainerteam das ähnlich sieht und nicht wieder mit nur einer Spitze antritt.

Für uns geht es morgen bereits los. Wir fliegen nach Edinburgh, schauen uns die Stadt an und übernachten dort und werden am Spieltag dann nach Glasgow “umziehen”. 2.100 VfB-Fans werden vor Ort sein, wir geben alles, die Mannschaft hoffentlich auch.

Mehr Bilder vom Spiel gegen Hertha BSC sind online unter www.Frankys-Stadionpics.de. Ich wünsche Euch was, melde mich wieder, wenn wir aus Schottland zurück sind.

Bis dahin, alles Gute und Grüße

Franky

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