18. September 2018

Zu wenig!

Nach dem (O-Ton Reschke) schwierigen Auftaktprogramm mit Niederlagen im DFB-Pokal bei Hansa Rostock (dümpelt im Mittelfeld der 3. Liga) sowie in der Liga bei Angstgegner Mainz 05 und gegen die Münchner Bayern, sollte die Saison für den VfB mit Verspätung am 3. Spieltag beginnen.

Mit gleichlautenden Durchhalteparolen wurden wir in die Länderspielpause entlassen, ähnlich ist die Herangehensweise jetzt, nach dem Unentschieden in Freiburg und vor dem Heimspiel gegen Aufsteiger Fortuna Düsseldorf.

Korkut nennt es, gegen Düsseldorf den nächsten Schritt machen, während ich mich indes frage, welchen Schritt man denn im Breisgau getan hat. Eine katastrophale erste Halbzeit, in der es lediglich der Freiburger Abschlussschwäche zu verdanken war, dass wir nicht zur Pause hoffnungslos zurück lagen? War das ein Schritt zur Besserung? War es ein Schritt nach vorn, sich von eben diesen abschlussschwachen Freiburgern trotzdem drei Tore einschenken zu lassen?

Ich unterstelle einfach mal, dass es im weiteren Saisonverlauf nicht mehr sehr viele Teams geben wird, gegen die die Freiburger drei Tore schießen werden. War es ein Schritt nach vorn, es mit derselben destruktiven Ausrichtung wie gegen die Bayern zu versuchen? Nachdem gegen die Bayern schon mit Bekanntgabe der Aufstellung die weiße Fahne geschwenkt wurde, war die Hoffnung gegeben, dass Korkut gegen den ebenfalls noch punktlosen Abstiegskandidaten Freiburg vom Angsthasenfußball abrücken und mutiger agieren lassen würde.

Doch, nichts da, in Gonzalez und Gomez standen abermals ganze zwei Offensivkräfte zum Anpfiff auf dem Feld. Unser Spiel sollten doch tatsächlich über außen Castro und Gentner sowie zentral Aogo ankurbeln. Alles eher defensiv denkende Routiniers, jenseits der Dreißig und nicht (mehr) die Allerschnellsten.

Etwas, mit Verlaub gesagt, verarscht kommt man sich dann vor, wenn Korkut nach dem Spiel feststellt, dem VfB-Spiel habe die Schnelligkeit gefehlt. Schicke ich einen Traktor ins Formel 1-Rennen muss ich davon ausgehen, nicht hinterher zu kommen und vor allem, dass die Musik vorne ohne mich spielt.

Fast folgerichtig dauerte es gerade einmal 47 Sekunden, bis man dem Rückstand hinterherlaufen musste. Nach schlampigem Ballverlust von Gonzalez und weil Gentner den falschen Laufweg wählte und damit Gonzalez erst richtig in die Bredouille brachte (bevor sich jemand beschwert, weil ich unseren Capitano kritisiere – das hat Didi Hamann bei Sky so analysiert) ging es zu schnell für die Jungs vom Neckar.

An diesem Rückstand hatte der VfB lang zu knabbern und vermochte offensiv keinerlei Akzente zu setzen. Wie auch, wenn man hauptsächlich Spieler auf dem Feld hat, die den gepflegten Rückpass bevorzugen, anstatt das Spiel schnell zu machen und Überraschungsmomente zu schaffen. Korkut hatte sich vercoacht und riesiges Glück, dass die Freiburger aus der Stuttgarter Schwäche kein weiteres Kapital schlagen konnten. Dass der Ausgleich kurz vor dem Pausenpfiff der allererste Torschuss in der ersten Halbzeit war, spricht Bände.

Der Fußball in der Rückrunde war ebenso unansehnlich, aber, doch wenigstens erfolgreich. Damals galten für Korkut mildernde Umstände, musste er doch mit dem Spielermaterial auskommen, welches ihm gegeben war und musste er der über weite Strecken der Vorrunde (vor allem auswärts) verunsicherten Mannschaft Halt geben und sie ohne besondere Erwartungshaltung „einfach nur“ stabilisieren.

Mit Beginn der Vorbereitung aber haben sich die Vorzeichen geändert. Korkut durfte, so unterstelle ich es einfach mal, beim einen oder anderen Transfer mitreden, hätte Abgänge von Spielern, mit denen er nichts anfangen kann, forcieren können und hatte vor allem den Kader, manch einer spricht vom stärksten seit 2007, so früh beisammen, wie kaum einer seiner Vorgänger.

Da nach knapp zwei Monaten Vorbereitungszeit die Spiele aussehen, als würden die Jungs zum ersten Mal miteinander kicken und der Trainer mit unserem durchaus vorhandenen Potential nichts anzufangen weiß, bestätigt das den Ruf, der Korkut bei seiner Präsentation vorauseilte, nämlich dass er kein Trainer sei, der ein Team (weiter-)entwickeln könne.

In Freiburg retteten ihm Insúa mit einem Sonntagsschuss sowie Doppeltorschütze Mario Gomez den Allerwertesten. Die ersten VfB-Tore in dieser Saison überhaupt, die wohl gegen eine weniger naiv verteidigende Mannschaft so nicht fallen.

Dass man sich dann selbst nach zweimaliger Führung noch die Butter vom Brot nehmen ließ, ist völlig unverständlich. Freiburg erweckte nicht gerade den Eindruck, noch ein Tor machen zu können. Es war auch beileibe nicht so, dass man sich eines Sturmlaufs zu erwehren gehabt hätte und dennoch wechselte Korkut eine Viertelstunde vor Schluss defensiv und brachte Badstuber für Gentner.

Dadurch gab Korkut himself den Freiburgern das Signal für deren Schlussoffensive, anstatt mit einem schnellen Mann wie Donis auf die Entscheidung zu drängen.

Die Quittung in Form des Ausgleichs ließ nicht lange auf sich warten und war aufgrund des Spielverlaufs verdient. In einem von Fehlern auf beiden Seiten gespickten Spiel machte beim VfB dieses Mal Ron-Robert Zieler eine ganz unglückliche Figur. An guten Tagen lässt er wohl keinen der drei Schüsse rein! Zwei Tore in die kurze Ecke und ein Freistoßtor, bei dem die Mauer nicht gut genug gestellt war. Einen ähnlich schwarzen Tag erwischte Zieler zu Beginn der letzten Rückrunde in Mainz. Dieser hatte ihn nicht umgeworfen, wurde er danach doch der fast unüberwindbare Rückhalt, so dass ich guter Hoffnung bin, dass er auch dieses Mal darüber hinweg kommen wird.

Mario Gomez echauffierte sich über den Freistoßpfiff, was ich nicht ganz nachvollziehen kann. Andreas Beck lag auf dem Boden und wollte den Freistoß für sich bekommen. Diesem Wunsch verlieh er Nachdruck, indem er den Ball in die Hand nahm, ohne, dass der Schiedsrichter gepfiffen hatte. Eigentlich lernt man das in der E-Jugend, dass das Spiel erst unterbrochen ist, wenn der Schiedsrichter gepfiffen hat… Zwar ärgerlich in diesem Fall, doch, lamentieren hilft nicht weiter. Aus solchen Aussagen spricht die Unzufriedenheit über die Gesamtsituation, liest man zwischen den Zeilen.

Ein Remis ist in unserer Lage zum Sterben zu viel, zum Leben zu wenig. Natürlich ist es noch früh in der Saison, natürlich werden wir die Punkte für den Klassenerhalt noch früh genug eingefahren und doch weigere ich mich, in diese Allgemeinphrasendrescherei einzustimmen.

Punkte, die wir jetzt verschenk(t)en sind unwiederbringlich weg, ebenso wie das Pokal-Aus nicht mehr zu korrigieren ist. Sollte uns, dann (vermutlich wieder mit einem anderen Übungsleiter an der Seitenlinie) ein ähnlich formidabler Zwischen- oder Schlussspurt gelingen wie zum Ende der letzten Rückrunde, nach der uns gerade noch vier Punkte von einem Championsleague-Platz trennten, sind es gerade jene Punkte, denen wir nachtrauern werden.

Beklagt man sich seitens der Vereinsführung und der Spieler jetzt bereits über die Erwartungshaltung und erklärt Gegner wie Freiburg und Düsseldorf zu welchen auf Augenhöhe, gibt man Korkut und dem Team schon jetzt ein wunderbares Alibi, sich weiterhin nicht gerade überanstrengen zu müssen. Platz 15 dürfte auch mit halber Kraft zu erreichen sein.

In solchen Momenten und nach solchen Vorstellungen wünschte ich mir MV zurück, der rechtzeitig Alarm geschlagen und es nicht einfach so weiterlaufen lassen hätte.

Das zweite Jahr in der Bundesliga ist das schwerste, sagt man. Allerdings, für Vereine wie Hannover und den VfB, oder auch Köln und den HSV, sollten sie direkt wieder aufsteigen, gelten andere Maßstäbe als für Düsseldorf und Nürnberg.

Langjährige Bundesligisten sollten den Zweitligaaufenthalt zur Konsolidierung nutzen, sich von Altlasten befreien und mit neuer Stärke zurückkommen. Die Voraussetzungen beim VfB sind gegeben. Der Kader wurde hoffnungsvoll verstärkt, das Umfeld ist euphorisch, jetzt muss „nur“ noch der Trainer mitsamt seines Teams liefern.

Ich sehe den VfB schon jetzt am Scheideweg. Die Gefahr ist vorhanden, nicht nur die Anhängerschaft sondern auch einige Spieler zu vergraulen. Hatte man im Sommer seit langem mal wieder den Eindruck, der VfB sei wieder wer auf dem Transfermarkt und könne hoch gehandelte Talente zum VfB locken, weil man ihnen eine Perspektive aufzeigt, hier das optimale Umfeld für den nächsten Schritt vorzufinden, scheint sich das schon wieder ins Gegenteil umzuschlagen, worüber der eine oder andere sicherlich „not amused“ sein dürfte.

Spaß macht es den Jungs, wenn sie eingesetzt werden und herzerfrischenden Fußball spielen dürfen und nicht, wenn stets der Ältere den Vorzug erhält und ein Fußball gespielt wird, der nicht gerade vergnügungssteuerpflichtig ist.

Neuzugänge wie Maffeo und Borna Sosa brauchen Spielpraxis, um sich zu integrieren und ihrem Tatendrang freien Lauf zu lassen. Sind sie (zu) lange außen vor, werden sie resignieren, vor allem, wenn sie zur Kenntnis nehmen, dass sie sich zwar hinter Älteren, nicht unbedingt aber Besseren anstellen müssen.

Spieler wie Akolo, Thommy und Anastasios Donis müssen sich vor den Kopf gestoßen fühlen, wenn man im Sommer noch beteuert, man setze auf ihre Dienste und man im Ernstfall nicht den Mut aufbringt, sie Älteren vorzuziehen. Donis gegen die Bayern als einzige (fitte) Offensivkraft zu verheizen und der Meute, die ihn vehement forderte, damit verdeutlichen zu wollen, dass er doch nicht der Heilsbringer ist, ist Verarsche pur.

Dass der VfB im Juni völlig unnötig Tayfun Korkut’s Vertrag verlängerte, könnte uns bald teuer zu stehen kommen. Ich kann es mir nicht vorstellen, dass Korkuts Angsthasenfußball auf Dauer akzeptiert werden wird. Zudem scheint mir der Trainer gerade den Weg des geringsten Widerstands zu gehen, indem er sich mit den „Alten“ besser nicht anlegen möchte. Ob sie es ihm danken oder wann sie den Daumen gegen den Trainer senken, wir werden sehen!

Die von Vereinsseite stets angeprangerte überzogene Erwartungshaltung des VfB-Umfeldes kann ich nicht bestätigen. Kaum einer erwartet das Erreichen der Championsleague oder der Europaleague. Wenn das europäische Geschäft Folge einer geilen Serie sein sollte, nimmt man es zwar gerne mit, das hängt dann aber maßgeblich von der Konstanz oder Inkonstanz der Konkurrenz ab.

Was man jedoch erwarten können muss, ist, dass das vorhandene Potential ausgeschöpft wird und man bestrebt ist, ansehnlichen Fußball darzubieten. Wer ständig Hashtags nach dem Motto #wirsinddiegeilsten raus haut und mittels #jazumerfolg die Profiabteilung ausgliedert, darf sich nicht wundern, wenn die Erwartungshaltung steigt, und man sich mehr verspricht, als einen Punkt nach drei Spielen.

Wie dick das Band zwischen Korkut und Reschke, der ihn trotz großer Widerstände geholt halt, ist, wird sich zeigen, sollte gegen Fortuna Düsseldorf nicht gewonnen werden. Ich erwarte ein äußerst unangenehmes Spiel, wie fast immer, wenn es gegen Mannschaften geht, die Friedhelm Funkel betreut. Düsseldorf, als Abstiegskandidat Nummer eins gehandelt, ist achtbar in die Saison gestartet und hat bereits drei Punkte mehr auf dem Konto als der VfB. Ausgemusterte VfB-Profis wie Marcin Kaminski, Jean Zimmer und „Zimbo“ Zimmermann drücken den Rheinländern den Stempel auf, so dass man ihnen diesen Lauf fast schon gönnt.

Dies jedoch nicht am Freitag, da muss dem VfB der Befreiungsschlag gelingen, um den Saisonstart nicht völlig in den Sand zu setzen und einen ungemütlichen Herbst zu verleben. Bleiben die Ergebnisse weiterhin aus, sollte Reschke Korkut Ratschläge in Sachen Taktik geben, hat ja schließlich bei Hannes Wolf schon bestens funktioniert!

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2. September 2018

Die Hosen voll!

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , – Franky @ 11:05

Nach den zwei Auftaktniederlagen in Rostock sowie in Mainz hatte sich der VfB unnötig unter Druck gesetzt, gegen die übermächtigen Bayern möglichst etwas Zählbares einfahren zu müssen.

Der Deadline-Day am Freitag verstrich, ohne dass Michael Reschke für weitere Verstärkung gesorgt hätte. Null Tore in den ersten beiden Spielen offenbarten, dass der Abgang von Daniel Ginczek eine Lücke hinterlassen hat, so dass ich mir es gewünscht hätte, dass noch eine Alternative fürs Sturmzentrum präsentiert wird, wenn Nicolás González noch nicht der ganz große Durchbruch zugetraut wird.

In den bisherigen Spielen wirkte Mario Gomez fahrig in seinen Aktionen, nicht wirklich fit und in gewisser Weise auch „satt“. Sein ganz großes Ziel, eine neuerliche WM-Teilnahme, hat er durch seine Leistungen in der Rückrunde erreicht.

Der Ansporn, sich dem Bundestrainer aufdrängen zu müssen, ist weg, da Gomez nach der WM seinen Rücktritt aus der Nationalmannschaft erklärte.

Ist die Frage, was treibt ihn jetzt noch an? Hat er noch den ganz großen Ehrgeiz, dem VfB unter allen Umständen weiterhelfen zu wollen oder lässt er seine Karriere gemütlich ausklingen?

Die Einstellung spreche ich ihm nicht ab, auch wenn er, wie alle anderen, in den ersten Spielen nur Mitläufer war, der mit seiner eigenen Leistung zu kämpfen hatte, anstatt in der Lage zu sein, eine Führungsrolle einzunehmen und die Richtung vorzugeben.

Auch gestern gegen die Bayern hing er völlig in der Luft, was jedoch in erster Linie der defensiven Ausrichtung des Teams geschuldet war. Dennoch verstolperte er die wenigen Bälle, die er bekam und es fehlte die Spritzigkeit die in die Jahre gekommene Bayern-Abwehr durch Anlaufen unter Druck zu setzen.

Tayfun Korkut indes ließ sich erneut durch die öffentliche Meinung zu Startelfänderungen hinreißen. Der in die Kritik geratene Holger Badstuber musste nach zwei spielentscheidenden Patzern in Rostock und in Mainz Platz für Timo Baumgartl machen, während A. Donis nach seiner völligen Ausbootung gegen Mainz in der Startelf stand. Ein Schlingerkurs des Trainers, der nicht unbedingt ausdrückt, dass der Kollege auf der Trainerbank einen Plan hätte.

Sollte er doch einen in der Tasche haben, war dieser gestern offensichtlich rein aufs Verhindern ausgerichtet und nicht aufs Gestalten.

Mit nominell neun (!) defensiv denkenden Akteuren wollte man wohl ein 0:0 ermauern oder die Niederlage im erträglichen Rahmen halten, was für meinen Geschmack zu wenig war, angesichts der knapp 60.000 Augenzeugen, die für diese einseitige Demütigung einen immensen Top-Zuschlag (sofern nicht Dauerkarteninhaber) zu berappen hatten.

Will man die Bayern ernsthaft in Bedrängnis bringen und versuchen mitzuspielen, bedarf es mehr Esprit, als nur die Bälle ins Nichts zu schlagen und sich daran zu erfreuen, wie die Sekunden verrinnen.

Dass die Bayern in einer anderen Liga spielen, steht außer Frage. Dass man in 90 Minuten aber weder eine gelbe Karte kassiert, noch einen Eckball herausholt, noch ein einziges Mal aufs Tor schießt, steht auf einem anderen Blatt. Die Bayern siegten im Schongang, ich habe vom VfB selten ein emotionsloseres Spiel gegen die Bayern gesehen.

Dass die Bayern einiges motivierter waren als der VfB, zeigte sich in der 21. Minute, als Donis an der Seitenlinie mit großem Einsatz Ribéry weg grätschte.

Die gesamte Bayern-Bank sprang auf und war entrüstet. Auf Seiten des VfB hingegen, keine Emotionen, keiner, der Donis applaudiert und das Publikum aufgeputscht hätte. Eine solche Aktion kann eine Initialzündung sein, dem Gegner den Schneid abzukaufen, doch, der VfB hatte offensichtlich an diesem Tag keinen Bock, mehr als ein angenehmer Sparringspartner zu sein.

Stimmte in der ersten halben Stunde wenigstens noch die Konzentration und der Einsatz, war auch das nach dem 0:1 wie weggeblasen. Man ergab sich in sein Schicksal und hatte von außen nie den Eindruck, dass irgendwer noch an die Wende geglaubt hätte.

Das 1:4 zum Saisonfinale in München war sicher kein Maßstab für dieses Spiel und doch war es ein Fingerzeig, wie den Bayern noch am ehesten beizukommen wäre. Mit schnellem Flügelspiel lassen sich die Bayern-Granden, die gewohnt hoch standen, noch am ehesten überlaufen und in gefährliche Situationen verwickeln, gestern blieben diese stümperhaften Versuche allesamt im Ansatz stecken, weil das Spiel insgesamt zu sehr auf Sicherheit ausgelegt war.

Bot sich mal ein Hauch einer Konterchance, fehlte es dem Stoßstürmer Gomez an Tempo, um in der Mitte ein potentieller Abnehmer zu sein.

Die erste Auswechslung des Spiels in der 57. Minute muss bereits vor dem Spiel festgestanden haben und nicht dem Spielverlauf oder gar der Leistung von Anastasios Donis geschuldet gewesen sein. Konsequenterweise hagelte es für diese Korkuts Eingebung ein gellendes Pfeifkonzert.

Er ackerte und rackerte und war der Einzige auf Seiten des VfB, dem man im Spiel offensiv noch etwas zugetraut hatte, dennoch wurde er durch Thommy ersetzt, womit auch deutlich wurde, dass Korkut keine Ambitionen hatte, das Spiel noch versuchen zu drehen. Dann nämlich hätte er sein Team sukzessiv offensiver ausrichten und das Risiko erhöhen müssen, wofür diese Wahrscheinlichkeit mit diesem positionsgetreuen Wechsel eher gering gehalten wurde.

Wenig später fiel dann das 0:2, womit der Käs gegessen war und man in Reihen des VfB den Schlusspfiff herbeisehnte. An Schmähgesängen aus dem Gästeblock mangelte es nicht, wenngleich aus diesem keine optischen Akzente kamen, weil die Ultras dem Vernehmen nach wegen Problemen beim Einlass das Spiel boykottierten.

Nach null Toren, null Punkten und Tabellenplatz 18 nach dem zweiten Spieltag steht der VfB nach der Länderspielpause in Freiburg gehörig unter Druck. Für manch einen beginnt die Saison ohnehin erst dort, ich hätte mir zumindest in Mainz ein engagierteres Auftreten gewünscht.

Da dieses ausgeblieben war, stand das Team gegen Bayern in der Pflicht und versagte auf ganzer Linie. Wird immer darüber lamentiert, dass der VfB gegen Bayern meist in der Schlussphase einer Saison, wenn die Bayern voll im Saft stehen, spielen muss und es doch so viel einfacher sei, am Anfang auf sie zu treffen, sah sich getäuscht.

Zwar stimmen die Abläufe bei ihnen noch nicht zu hundert Prozent, zwar benötigten sie gegen Hoffenheim noch die Mithilfe des Videoassistenten, wenn man es aber nicht einmal versucht, ihnen weh zu tun, haben sie natürlich leichtes Spiel.

Gerade nach den Diskussionen in der Woche um Ribérys Schwalbe gegen Hoffenheim, hätte ich es mir gewünscht, dass der VfB mal in eine Situation gekommen wäre, in der der VAR benötigt worden wäre und vielleicht etwas gutzumachen gehabt hätte.

Dies war nicht der Fall, kein einziger ernsthafter Torabschluss spricht Bände. Nicht nur die Bayern hätten gegen den VfB ohne Torwart antreten können, in den bisherigen drei Saisonspielen musste der gegnerische Torwart genau zweimal eingreifen (Aogos Freistoß ins Torwarteck (!) in Rostock; Gonzalez’ Schuss in Mainz). Alle anderen in der Statistik als Torschüsse ausgewiesenen Versuche gingen am Tor vorbei oder kullerten in die Arme des Keepers.

Ich hoffe, dass Korkut von diesem destruktiven Gewürge sehr bald absieht und die Jungs Fußball spielen lässt. Die taktischen Fesseln müssen, vor allem in der Kreativabteilung, abgelegt werden.

Wenn Badstuber aus Leistungsgründen aus der Startelf fliegt, muss auch die Rolle bzw. „Leistung“ der anderen älteren Spieler hinterfragt werden. Ob Insúa, Aogo, Castro, Gomez oder auch Kapitän Gentner.

Keiner der Genannten steht für schnelles, schnörkelloses Spiel, keiner vermochte es im bisherigen Saisonverlauf zu rechtfertigen, dass er den Vorzug vor jüngeren für die Zukunft des VfB stehenden Akteuren erhalten hat. Im Gegenteil, es scheint fast so zu sein, dass das Tempo im Spiel bewusst altersgerecht bestimmt ist, womit keinerlei Überraschungsmomente in der gegnerischen Hälfte aufkommen.

Nach einem Pokalspiel und zwei Ligaspielen ist es verfrüht, den Stab über den Trainer und das Team zu brechen. Auch eine Niederlage, wenn auch ein Klassenunterschied offenbart wurde, gegen die Bayern eignet sich nicht, jetzt schon in Panik zu verfallen.

Was mich eben fürchterlich aufregt, ist, dass gefühlt der Saisonstart verschlafen bzw. verschenkt wurde und die komplette Euphorie verflogen ist. Es waren ja nicht nur die Ergebnisse. Spielerisch lag bisher sehr viel im Argen und Torgefahr war nicht vorhanden, so dass man sich schon fragt, was das Team den Sommer über getan hat. Im Trainingslager war ich überrascht, dass kaum eine Einheit länger als 45 Minuten dauerte, was jedoch auch der Hitze geschuldet gewesen sein könnte. Zudem weiß man im Trainingslager auch nicht immer, was hinter den Kulissen noch gemacht wird.

Korkuts Glück könnte es jetzt sein, dass es in den nächsten Spielen zunächst nach Freiburg geht und dann Aufsteiger Fortuna Düsseldorf seine Visitenkarte im Neckarstadion abgibt. Beides sind Gegner, die man bezwingen kann, wenn nicht muss. Korkut muss die Länderspielpause nutzen und versuchen, grundlegende Dinge zu verändern. Dass Korkuts Fußball selten vergnügungssteuerpflichtig ist, wissen wir seit der Rückrunde, dort war er aber wenigstens erfolgreich. Die Frage, die sich aufdrängt, ist jetzt, kann Korkut auch anders und, war es doch nur pures Glück, was wir in der Rückrunde hatten. Dieses scheint jedenfalls nun aufgebraucht zu sein, so dass er sich nicht weiter auf Altbewährtes verlassen sollte, im Vertrauen, der Wind werde sich schon von selbst wieder drehen. Korkut steht nun extrem unter Druck und muss liefern. Der Kader dazu wurde ihm anvertraut.

Sollte es wider Erwarten in Freiburg wieder nichts zu ernten geben, dürfte Düsseldorf bereits ein erstes Endspiel für ihn werden. Ich hoffe in Freiburg auf eine mutigere Ausrichtung und einen VfB, der von Beginn an zeigt, dass er um jeden Preis gewinnen möchte. Igelt man sich auch dort zunächst ein und lässt Freiburg gewähren, wäre es meiner Ansicht nach fatal und der Anfang vom Ende.

Noch hat Korkut alle Fäden in der Hand und kann überdenken, auf wen der alten Hasen er sich wirklich noch verlassen kann und wo wer am besten aufgehoben ist. Tut er das nicht und zeigt er nicht endlich, dass er nicht nur Feuerwehrmann sondern auch ein Team entwickeln kann, bekommen wir eben mal wieder einen neuen Trainer. Man ist es ja inzwischen gewohnt!

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28. August 2018

Same procedure as every year

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , , , – Franky @ 21:48

Der VfB verlor zum Saisonauftakt zuerst in Rostock, dann in Mainz und setzte fast schon traditionell den Saisonstart in den Sand.

Das Reiten auf einer Euphoriewelle ist nicht die Sache des VfB. Die fabelhafte Rückrunde, auf dem Papier ordentliche Transfers, die Rückkehr Benjamin Pavards als Weltmeister und eine harmonisch anmutende Vorbereitung ließen den gemeinen VfB-Fan seit Monaten mit einem Dauergrinsen durch die Gegend spazieren und von deutlich besseren Zeiten träumen, als wir sie im letzten Jahrzehnt zu durchleiden hatten.

Reschke bedeutete bereits, der VfB werde „nichts groß“ mit dem Abstiegskampf zu tun haben, was im Umkehrschluss ja nur bedeuten kann, Europa wir kommen. Das klassische Mittelfeld gibt es in der Bundesliga nicht mehr, wer nicht gegen den Abstieg spielt, spielt um Europa.

Der VfB wäre aber nicht der VfB, wenn er einen positiven Trend fortsetzen und die (Korkut-/ Reschke-)Kritiker endgültig verstummen lassen würde.

Das letzte halbe Jahr war für die VfB-Anhänger fast schon surreal, es gab nichts, aber auch überhaupt nichts zu bruddeln. Es war zwar nicht alles Gold, was glänzte, doch, entscheidend ist auf dem Platz, die Ergebnisse stimmten, also hatte der Trainer alles richtig gemacht. Die Spiele waren nicht immer ansehnlich, auch die immer gleichen Aufstellungen stießen hier und da sauer auf, aber, Korkut brachte das Glück zurück, so dass es wirklich nichts zu meckern gab. Die unberücksichtigten Reservisten ordneten sich unter und hielten, zumindest nach außen, ihren Mund und selbst die Rehawelt-Dauerpatienten Ginczek und Badstuber warf nichts mehr um.

Das Vertrauen in Korkut wuchs also, so dass die Hoffnung groß war, den Rückenwind in die neue Saison hinüber retten zu können.

Wie schon mehrmals auf dieser Plattform geschrieben, beurteile ich einen Trainer erst abschließend, wenn er mindestens eine Vorbereitung eigenverantwortlich durchgeführt hat und auch bei Personalentscheidungen ein Wörtchen mitreden durfte.

In der Rückrunde konnte Korkut nur gewinnen. Sein Ruf war ramponiert, erwartet wurde von ihm lediglich der Klassenerhalt. Zudem spielte ihm in die Karten, dass die Wintertransfers Thommy und Gomez saßen und die älteren Spieler, die Hannes Wolf wohl auf dem Gewissen hatten, bereit waren, für „den Neuen“ durchs Feuer zu gehen. Nicht zuletzt dürfte Korkut bis zum Saisonende auch von Hannes Wolfs Grundlagenarbeit profitiert haben, wäre ein solcher Schlussspurt doch nicht möglich gewesen, wenn im konditionellen Bereich geschludert worden wäre.

Das Wie war im vergangenen Jahr völlig egal, nur die Ergebnisse und der Abstand zu den Abstiegsplätzen zählten. Das Zauberwort hieß Stabilität, weshalb sich Korkut vor allzu großen Wechseln in der Anfangsformation scheute und gut und gerne mit zwölf, dreizehn Spielern ausgekommen wäre.

Nun haben sich die Voraussetzungen drastisch geändert. Früh, wie selten ein Trainer, hatte Korkut das Team beisammen. Der Kader liest sich auf dem Papier hervorragend, manch einer spricht vom besten seit 2007. Dass es bei dieser Fülle an Akteuren, die ihrem Selbstverständnis nach alle Stammspieler sein wollen, ein Hauen und Stechen um die begehrten Plätze geben würde, war vorauszusehen.

Korkuts Aufgabe bestand und besteht darin, dem Team (s)eine Spielphilosophie und Variabilität einzuimpfen und die Jungs auf den Ernstfall vorzubereiten. Dass es bei einem Kader von zwanzig potentiellen Stammspielern an jedem Wochenende Härtefälle geben wird, ist klar. Der Trainer muss diese moderieren und darauf hinwirken, dass alle an einem Strang ziehen.

Von einem echten Teamgeist erkenne ich in den ersten Wochen noch nichts. Noch scheint es in der Truppe nicht zu stimmen, wenn bereits nach zwei Spielen gemeckert wird, weil man einmal draußen saß und wenn die Nerven, verfolgt man die sozialen Netzwerke, blank zu liegen scheinen. Bis nächsten Freitag wäre noch Zeit, etwaige Stinkstiefel auszusortieren und im Kader nachzujustieren (wie es Michael Reschke formulierte).

Dass es in den ersten beiden Spielen auf dem Rasen weder spielerisch noch menschlich zusammenpasste, sah man. Es war kein Aufbäumen, kein sich helfen erkennbar und auch Trainer Korkut schien keinen Plan B in der Tasche zu haben, wie die stets positionsgetreuen Wechsel verdeutlichen. Die lange Phase des Trainierens, sich Findens und sich Einspielens hat offensichtlich (noch) keine Früchte getragen. Diesen Saisonstart hatte man sich wahrlich anders vorgestellt.

Seit Wochen stand für mich fest, dass ein erfolgreicher Auftakt in Rostock Signalwirkung für die kommenden Spiele haben würde.

Dass es leichtere und dankbarere Lose gegeben hätte, als über 830 Kilometer weit zu einem ambitionierten Drittligisten reisen zu müssen, der schon vier Ligaspiele absolviert hatte und demnach im Gegensatz zum VfB wusste, wo er steht, war klar.

Dass es im Kessel brodelt, wenn Ost auf West trifft und, wie man weiß, Schwaben im Nordosten Deutschlands nicht sehr wohlgelitten sind, war selbst jedem Fan klar, der sich mit der Reise und etwaigen Sicherheitsüberlegungen auseinandergesetzt hatte.

Ob Tayfun Korkut dem Team diese zu erwartenden äußeren Umstände vermittelt hat, weiß ich nicht. Jedenfalls ließ das Team nach einer ersten Chance durch Mario Gomez in der 3. Minute alles vermissen, was nötig gewesen wäre, sich gegen das frühe Aus zu stemmen.

Mit Hacke, Spitze, eins, zwei drei und ständigem Lamentieren, wenn einem ein Rostocker „aus Versehen“ mal auf den Fuß getreten ist, nimmt man den Kampf jedenfalls nicht an. Das alarmierende an diesem Pokal-Aus war, dass der VfB nicht nur in puncto Einstellung unterlegen war, sondern auch kein Klassenunterschied zu erkennen war. Die Statistiker zählten 4:26 „Torschüsse“, bei denen der Torhüter der Gastgeber nicht einmal ernsthaft eingreifen musste. Man vermisste Genauigkeit und Durchschlagskraft!

Mich nervt es extrem, dass das Pokalausscheiden und ein schlechter Ligastart auch noch kleingeredet werden. Das Pokal-Aus ist unumstößlich und nicht mehr gutzumachen. Viele tun dies mit „ist ja nur Pokal“ ab, ich nicht. Für den Verein ist der DFB-Pokal ein äußerst lukrativer Wettbewerb und DIE Chance sich in sieben Spielen für den Europapokal zu qualifizieren. Für uns Fans bieten vor allem die ersten Runden, wenn es nicht gerade gegen einen Bundesligisten geht, schöne Fahrten zu neuen und interessanten Grounds im sonst recht monotonen Bundesligaalltag.

Nichtsdestotrotz hätte ich nächstes Jahr gegen ein näheres Ziel nichts einzuwenden. Die Losfee meinte es in den letzten Jahren nicht besonders gut mit uns, mussten wir doch auch schon nach Cottbus, Kiel, zwei Mal Babelsberg und Lüneburg reisen.

Dagegen waren Homburg und Bochum zwischendurch echte Kurzstrecken dagegen. Doch, die Auslosung ist kein Wunschkonzert, so dass sich vor Rostock nicht die Frage des Ob sondern nur des Wie stellte.
Eine reine Busfahrt, hin- und gleich wieder zurück, schied aus, schließlich ist man(n) keine zwanzig mehr. Nach dem Abwägen mehrerer Optionen stieß ich auf eine Ostseekreuzfahrt ab Warnemünde (keine 15 km vom Ostseestadion entfernt) mit Rückkehr am Spieltag um 8 Uhr, was mir perfekt erschien und sich auch als perfekt erwies.

Rostock scheint prädestiniert zu sein für Anreisen der außergewöhnlichen Art, weshalb ich eine kleine Anekdote von anno dazumal erzählen möchte:

Bereits 1996, als ich zum ersten Mal im Ostseestadion war, zu Zeiten des magischen Dreiecks also, waren wir mit geliehenen DB-Netzkarten 1. Klasse unterwegs und gefühlt das gesamte Wochenende in irgendwelchen Zügen.

Als sich auf der Hinfahrt auf dem letzten Teilstück zwischen Lübeck und Rostock ein Herr zu uns ins Abteil gesellte und eifrig mit „kicker“-Statistiken und ausgedruckten Excel-Tabellen hantierte, fragten wir ihn, ob er denn beruflich mit dem Spiel zu tun hätte, was er bejahte. Es war der NDR3-Hörfunkreporter der guten alten Samstagskonferenz!

Er bot uns an, uns mit zum Spiel zu nehmen, da ihn ein Kollege am Bahnhof erwartete und sie nur zu zweit seien, was wir dankend annehmen, waren wir doch unsicher, was uns, in voller VfB-Montur, dort zu erwarten hätte.

So wurden wir also standesgemäß am damaligen Marathontor des Ostseestadions abgesetzt und fragten unseren neuen Freund zum Abschied noch nach seinem Namen, um seinen weiteren Werdegang verfolgen zu können. Es war Kai Dittmann, mittlerweile deutschlandweit bekannt als Sky-Reporter.

Das Spiel endete übrigens 2:2 nach 2:0-Führung (Tore: Bobic, Balakov). Akpoborie erzielte den Anschlusstreffer, weil unser Ösi Franz Wohlfahrt daneben griff, O-Ton Wohlfahrt: „da hat ein Maulwurf rausgschaut“.

Doch, zurück zur Neuzeit: Der VfB hat also in Rostock die erste Titelchance verschenkt und kaum einen schien das fürchterlich aufzuregen. Da verstehe ich die Welt nicht mehr.

Auch die Niederlage in Mainz schmerzt, läuft man doch von Anfang an einem Rückstand hinterher und setzt sich damit unnötig unter Druck. Die einkalkulierte Niederlage gegen Bayern vorausgesetzt dürfte es bereits nach zwei Spieltagen unruhig am Neckar werden.

Der VfB hätte es sich einfacher machen können. Die Hürden in Rostock (am Wochenende zuhause 0:4 gegen Kickers Würzburg) und Mainz waren nicht gerade unüberwindbar. Im Gegenteil, mit dem Rückenwind der Vorsaison hätte man so richtig durchstarten können. Doch, das VfB-Gen scheint es in sich zu haben, dass dem Team erst das Wasser bis zum Halse stehen muss, ehe es Beine bekommt, meist dann, wenn ein anderer Übungsleiter an der Seitenlinie das Zepter schwingt. Noch sind wir nicht so weit, noch ist genügend Zeit, diesen gefährlichen Trend zu stoppen und in ruhigere Fahrwasser zu kommen, doch, Nachtigall, ick hör dir trapsen.

Tayfun Korkut ist jetzt gefordert, Konsequenzen aus dem zuletzt harmlosen und pomadigen Auftreten zu ziehen. Gonzalo Castro ist (noch) nicht der Strippenzieher, den man sich erhofft hatte, völlig unverständlich für mich, dass in Rostock Santiago Ascacíbar für ihn weichen musste.

Gentner, der wenig erfreut über seinen Platz auf der Bank in Rostock gewesen ist, nach seiner Einwechslung jedoch auch keine Impulse setzte, wirkte auch in Mainz nicht fit und hätte ausgewechselt gehört wie Mario Gomez. Stattdessen mussten die Jungen, Gonzalez und Thommy dran glauben, nach Leistung ging es bei diesen Auswechslungen sicher nicht.

Wählt Korkut etwa den Weg des geringsten Widerstands, indem er Diskussionen mit den alten Haudegen aus dem Weg geht und es sich lieber mit den Jungen verscherzt? Zählen alte Meriten mehr als die aktuelle Leistung?

Dass es erneut Holger Badstuber war, der den Mainzern in einem typischen 0:0-Spiel den Weg zum Sieg ebnete, ist Fakt. Und doch stimme ich nicht in das allgemeine Badstuber-Gebashe ein. Zum einen hat er einen riesigen Anteil daran, dass wir in der Vorsaison so wenige Gegentore wie schon lange nicht mehr kassiert haben, zum anderen kann man sich durchaus auch fragen, wo Emiliano Insúa herumturnte, als Badstuber ins Laufduell musste, so in Rostock, so auch in Mainz.

Was sich in den sozialen Netzwerken derzeit abspielt, wie Badstuber beleidigt wird, ist für mich unterste Schublade. Ich hatte es zuletzt immer wieder geschrieben, dass es zum einen völlig legitim von ihm war, sich andere Vereinsoptionen anzuhören, weil sein Vertrag mit dem VfB ja ausgelaufen war und zum anderen ein ehrgeiziger Spieler, der sich nicht in der Wohlfühloase einrichtet sondern weiter kommen und besser werden möchte, um einiges wertvoller ist, als Spieler, die einfach zufrieden damit sind, überhaupt hier zu sein.

Badstuber stemmt sich gegen Niederlagen und wird unausstehlich nach Niederlagen, genau so sollte eigentlich jeder Leistungssportler sein. Wenn aber die sogenannten Fans weiter auf ihm herumhacken und seine Championsleague-Ambitionen (die er mit der Unterschrift ohnehin ad acta gelegt hat, es sei denn, er würde die Championsleague mit dem VfB erreichen) ins Lächerliche ziehen, könnte es ihn nur noch mehr verunsichern und kontraproduktiv für uns alle sein. Ich hoffe, Korkut lässt sich durch diese Negativstimmung nicht beeinflussen, indem er ihn herausnimmt, sondern stärkt ihm den Rücken und sieht zu, dass die Abwehr so organisiert ist, dass der langsamere Innenverteidiger nicht ständig in aussichtslose Laufduelle gehen muss.

Summa summarum waren auch nicht die beiden von Badstuber mitverschuldeten Gegentore schuld an den Niederlagen, sondern dass es gegen zwei durchschnittliche Mannschaften nicht gelang, auch nur ein Tor zu schießen. Gute Torchancen in den beiden Spielen lassen sich an einer Hand abzählen. Insgesamt war das Spiel zu behäbig, zu statisch, mit zu vielen Tempoverhinderern auf dem Platz.

Natürlich kann man konstatieren, dass es für Schnappatmung zu früh ist, dass es erst das erste Saisonspiel war und noch weitere 33 vor uns liegen. Man kann das Versagen in Rostock und Mainz auch damit kleinreden, dass wir in Rostock noch nie und in Mainz noch nie im neuen Stadion gewonnen haben. Auch der Verweis auf die Vorsaison könnte beruhigen, als wir in der Vorrunde auswärts drei mickrige Pünktchen eingefahren und dafür die Kohlen zu Hause aus dem Feuer geholt haben.

Dass wir mit Mainz auf Augenhöhe waren, kann man positiv wie negativ einordnen. Positiv sicherlich, weil Mainz nicht zu den ersten Abstiegskandidaten zu zählen ist, negativ aber auch, weil es eben nur Mainz war und noch wesentlich dickere Brocken in der Liga auf uns warten.

Auf den Heimnimbus, der Garant dafür war, dass wir in der letzten Saison nie auf einem direkten Abstiegsplatz standen, sollte man sich am Samstag nicht verlassen, wenn der Gegner Bayern München heißt. Dass die Bayern die schlechte WM und die blamable Schlussphase der letzten Saison nicht auf sich sitzen lassen wollen, unterstrich bereits das klare 5:0 im Supercup gegen Pokalsieger Eintracht Frankfurt. Nicht minder werden die Lederhosenträger motiviert sein, den VfB zu demütigen, der ihnen mit jenem 1:4 so genüsslich in die Meisterfeier-Suppe gespuckt hatte.

Nach den beiden Auftaktpleiten muss aus VfB-Sicht ein Sieg her, egal wer der Gegner ist. Man hätte es einfacher haben können, hätte man es in Rostock nicht an Einstellung und Konzentration vermissen lassen und hätte man sich in Mainz nach ordentlicher Anfangsviertelstunde nicht auf das gefährliche Vabanque-Spiel eingelassen, dass am Ende ein einziger Lucky Punch entscheidend sein würde.

Das hatte sich mit zunehmender Spieldauer abgezeichnet. Dass es dann ausgerechnet Anthony Ujah war, dem der von den Mainzern vielumjubelte Siegtreffer gelang, war zu befürchten. Von seinen nunmehr 24 Bundesligatoren gelangen ihm ein Viertel (!), nämlich sechs, gegen den VfB, so dass nicht nur Mainz Stuttgarts Angstgegner ist, sondern auch noch ein echtes Schreckgespenst in seinen Reihen hatte.

Gespannt darf man sein, was sich bis zum Transferschluss noch tut beim VfB. Özcan und neuerdings auch Donis gelten als Abgangskandidaten, wobei ich vor allem Letzteres nicht nachvollziehen könnte. Heute hat Korkut dementiert, Donis noch abzugeben, schaun mer mal, was sein Wort am Ende des Tages wert sein wird.

Der griechische Internationale soll ein schwieriger Charakter, ein schlampiges Genie und kein wirklicher Teamplayer sein. Das alles sollte dem VfB bekannt gewesen sein, als er ihn für ca. drei Millionen Euro von Juventus Turin verpflichtete. Ich kann es mir nicht vorstellen, dass ihm die Akzeptanz seiner Mitspieler nicht gewiss wäre, würde er regelmäßig auftrumpfen wie gegen die Bayern, doch dafür braucht er Einsatzzeiten. Noch denkt Korkut zu defensiv und bringt ihn dem Vernehmen nach deshalb nicht, weil er nicht genug nach hinten arbeitet und keiner ist, der auf Höhe des eigenen Strafraums einen Gegenspieler weggrätscht. Da nimmt man dann lieber eine 0:1-Niederlage in Kauf, anstatt Offensivpower aufzubieten, um auch mal 2:4 gewinnen zu können.

In Mainz war Donis nicht einmal im Kader, was als Indiz seines möglichen Abgangs bewertet werden muss. Für mich ist Donis mit seiner Schnelligkeit eine Waffe, einer, der Wege geht, mit denen die Gegenspieler nicht unbedingt rechnen, also einer der für Überraschungsmomente sorgen kann, was er vor allem beim 4:1-Sieg in München eindrucksvoll unterstrich.

Würde man sich gerade vor dem so schweren Spiel gegen die Münchner Bayern dieser Waffe berauben und den womöglich einzigen Spieler, vor dem die Bayern wirklich Respekt haben, abgeben, wäre das für mich schwer nachvollziehbar.

Man darf gespannt sein, wie Korkut das schwierige Unterfangen gegen die Bayern anzugehen gedenkt. Erfahrung oder junges Blut, das ist hier die Frage. Mit zu vielen (älteren) Spielern, die das Tempo verschleppen und das Spiel verlangsamen, würde man den Bayern in die Karten spielen.

Schlagen kann man sie jedoch mit schnellem, passgenauem Spiel und wenn man hinter ihre Abwehrreihe kommt, siehe das famose 4:1 zum Abschluss der letzten Saison, siehe das Pokalfinale, siehe auch die WM, bei der die Bayern-Verteidiger immer schlecht ausgesehen haben, wenn es schnell ging.

Wird Korkut den nicht wirklich fit wirkenden Gentner noch einmal auf die Bank setzen und stattdessen einen schnellen Mann wie Donis bringen? Wird er gar den Sturm-Messias Mario Gomez draußen lassen, an dem das frühe WM-Scheitern noch zu nagen scheint? Mit Nicolas Gonzalez stünde eine gute Alternative bereit und es wäre Platz für Didavi in der Mannschaft.

Dass Korkut Didavi nach dessen wenig erquicklichem Auftritt in Rostock für Mainz gleich herausnahm, verwunderte mich stark. Von ihm kann man sich, selbst wenn er nicht im Hochbesitz seiner Kräfte ist, noch etwas Außergewöhnliches erwarten. Seinen Spielmacher gleich nach dem ersten schwachen Spiel herauszunehmen und ihn indirekt zum Sündenbock von Rostock zu machen, zeugt von wenig psychologischem Geschick. Gerade die Kreativspieler, die im Spiel ständig etwas probieren und nicht nur Rückpässe nach Schema F spielen, sind oft die Sensibelsten und benötigen das Vertrauen des Trainers, Fehler machen zu dürfen. Ein Felix Magath, einst selbst Spielmacher, hat es mit Krassimir Balakov einst vorgemacht, wie man einen in der Kritik stehenden Spielmacher aufbaut.

Ich hoffe, Korkut findet die richtigen Schrauben, an denen er bis zum Bayern-Spiel drehen muss. Der VfB muss sich in allen Belangen verbessern, von der Einstellung her, im Defensivverhalten und vor allem im Offensivspiel.

Mit der Verstärkung des Kaders sind die Ansprüche zweifellos gestiegen. Rein ergebnisorientierter Fußball, der nicht einmal von Erfolg gekrönt ist, dürfte dem Umfeld in der noch jungen Saison schwer zu vermitteln sein. Korkut ist gefordert, auch in puncto Attraktivität zuzulegen, die Spieler dazu hat er bekommen. Die Hoffnung auf schnelle Besserung ist bei mir fast schon wieder weg, eher befürchte ich ein von Durchhalteparolen getragenes Hangeln von Spiel zu Spiel, nach denen wir von den Herren Korkut, Gentner & Co. vorgetragen bekommen, welche Fortschritte doch schon wieder zu erkennen waren (natürlich nicht für den Laien!). Tritt dies ein, dürfte dem VfB einmal mehr ein heißer Herbst bevor stehen (der meteorologische beginnt ja bereits am Samstag), same procedure as every year eben.

Nun hoffe ich auf eine Überraschung gegen die Bayern und freue mich tatsächlich bereits jetzt auf die Länderspielpause danach. So schnell hatte ich noch nie fürs erste genug!

So konnte es nicht weitergehen, das war nicht mehr mein VfB. Also, einmal den Reset-Knopf gedrückt und alles auf Anfang. Same procedure as every year! Wie diese Episode weitergeht, sollte sich nicht Grundsätzliches im Team und in der Ausrichtung ändern, ist absehbar. Schlechte Ergebnisse, schlechte Stimmung im Team, unzufriedene Spieler und ein immer lauter rumorendes Umfeld und wir stünden vor dem gefühlt tausendsten Neuanfang. Korkut, dessen Vertrag unnötigerweise jüngst erst verlängert wurde, muss sich nun beweisen. Er muss zeigen, dass er nicht nur Feuerwehrmann sondern auch ein Team entwickeln kann.
Die Voraussetzungen nach dem Urlaub waren perfekt. Der Kader stand fast vollständig fest, bis auf unseren Weltmeister standen so gut wie alle Akteure rechtzeitig auf der Matte, um sich kennenzulernen, dem Team eine Spielphilosophie einzubläuen und die Jungs um die Stammplätze kämpfen zu lassen.

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10. Januar 2018

Schwäbisch Roulette

Was hatte man zum Ende der Vorrunde nicht den Eindruck, dass man sich nur irgendwie in die Winterpause retten und alle Hoffnung auf Besserung in die Transferphase im Januar und die Rückrunde legen müsse.

Zu sehr offenbarte die Vorrunde, dass bei der Kaderzusammenstellung letzten Sommer so einiges schief lief und es eher suboptimal ist, mitten in der Vorbereitung den Sportdirektor zu wechseln.
Setzten Schindelmeiser/ Wolf auf junge, dynamische Spieler, die unser Spiel ankurbeln sollten, Marke Mangala, Burnić und einige andere mehr, folgte mit Reschke die Zeitenwende, indem er Altstars an den Neckar lotste, die sich bereits im Spätherbst ihrer Karriere befinden.

Wurde Schindelmeiser zum Vorwurf gemacht, er habe Maxim verkauft, ohne positionsgetreuen Ersatz verpflichtet zu haben, machte Reschke in den drei Wochen seines Wirkens während der Sommertransferphase auf der vakanten Position des Zulieferers unserer Stürmer, richtig, NICHTS.

Unsere Offensive war insgesamt dünn besetzt, wenn man weiß, dass mit Carlos Mané ohnehin in der Vorrunde nicht zu rechnen war und Daniel Ginczeks Fitnesszustand seit jeher fragil ist. Wenn dann noch die wenigen anderen Offensivkräfte, wie Akolo und Donis, immer mal wieder mit Blessuren zu kämpfen haben und ausfallen, oder ihre Bundesligatauglichkeit über weite Strecken schuldig bleiben (Asano), ist der einzige Mann im Sturm, den wahrlich so gut wie nichts erschüttern konnte, die ärmste Sau im VfB-Spiel. Simon Teroddes Leiden haben ein Ende, er wurde nach Köln abgegeben und durch Mario Gomez ersetzt.

Auf dem Papier liest sich die Verpflichtung für den VfB toll. Einer DER Ausnahmetorjäger der letzten zehn Jahre stürmt wieder für den VfB. In der Vorsaison hat er den VfL Wolfsburg mit seinen 16 Toren fast im Alleingang in die Relegation und schließlich zum Klassenerhalt geschossen, doch, dort hatte er Zulieferer in seinen Reihen, unter anderem einen am Neckar Altbekannten, Daniel Didavi.

Der wahre Husarenstreich Michael Reschkes wäre es gewesen, Dida gleich mit zurück in die gute Stube zu holen. Doch, die Hoffnung wird nun allein auf Mario Gomez liegen müssen, denn Reschke hat verlauten lassen, der Kader sei seiner Auffassung nach stark genug, und dass höchstens noch auf Verletzungen in den ersten Rückrundenspielen reagiert werden würde.

Für mich spielt Reschke, wenn er denn mit dieser Aussage keine Nebelkerze gezündet hat, schwäbisch (oder besser, rheinisch) Roulette. Es kann gut gehen, genauso gut wie die Vorrunde hätte gut gehen können. Ist sie aber nicht, weil im Fußball immer mit Unwägbarkeiten gerechnet werden muss und man nicht unbedingt vom Optimalfall ausgehen kann.

Auf zwei Positionen drückt meiner Meinung nach besonders der Schuh. Das kreative Mittelfeld habe ich bereits angesprochen, doch, auch hinten rechts sollte man dringend nachbessern. Außer Michael Reschke, der Andi Beck über den grünen Klee lobt, sieht jeder, dass Beck DER Bremser in unserem Spiel ist und vor allem in dem in der Vorrunde vorwiegend praktizierten System mit einer Fünferkette, die schnelle Außenverteidiger bedingt, schlichtweg an seine Grenzen stößt.

Wie Reschke und Dietrich auf die Idee gekommen sind, Beck überhaupt zurück zu holen, wird wohl ihr Geheimnis bleiben. Als Schindelmeiser noch die Geschicke leitete, bekam so mancher Bauchschmerzen, weil das Team zu jung, unerfahren und möglicherweise für die Bundesliga zu grün gewesen sei. Dann, unter Reschke, kamen nacheinander Badstuber, Aogo, Beck und Gomez, wohingegen die drei Letztgenannten eben nicht nur Erfahrung mitbringen, sondern sich auf dem absteigenden Ast befinden, während Badstuber „nur“ extrem verletzungsanfällig ist.

Im Zuge der Ausgliederungspropaganda wurden Erwartungen geweckt, der VfB könne mit mehr Geld im Säckel seine Spieler halten und auf der anderen Seite Spieler für den VfB begeistern, von denen wir ohne Ausgliederung nicht zu träumen wagten.

Ob die Mitglieder, die der „Make VfB great again“-Propaganda gefolgt waren und für die Ausgliederung gestimmt haben, sich diesen Kurswechsel gewünscht haben, ist fraglich. Bislang kamen in der Ära Reschke ausschließlich Spieler (Ausnahme Ascacibar, den der VfB jedoch schon vorher auf dem Zettel hatte), die fürstliche Gehälter beziehen, jedoch keinen Wiederverkaufswert mehr haben.

Unter Spielern mit Erfahrung stelle ich mir welche im besten Fußballeralter vor, 27, höchstens 28 Jahre alt, um die herum es sich lohnt, eine Mannschaft aufzubauen. Aber doch nicht 32-jährige Auslaufmodelle, mit denen man gerade mal im Halbjahreszyklus planen kann, die Gehaltsressourcen binden und am Ende der Vertragslaufzeit ihre Karriere (ablösefrei) beenden.

Becks Rückkehr habe ich von Beginn an nicht nachvollziehen können. Verwunderlich, dass Wolfgang Dietrich beim Klang seines Namens zwar nostalgische Gefühle überkommen, Beck jedoch nie in einem Atemzug mit den Jungen Wilden genannt wird.

Beck konnte sich in seiner ersten Zeit beim VfB nicht durchsetzen und kam vor allem nicht an Ricardo Osorio vorbei. Dem Konkurrenzkampf entzog er sich und ging dort hin, wo es 2007 das meiste Geld zu „verdienen“ gab, nämlich zum ungeliebten Nachbarn ins Kraichgau.

Dort verbrachte er die Blütezeit seiner Karriere und, als er den Zenit weit überschritten hatte und in Hoffenheim sein Stammplatz in Gefahr war, „floh“ Beck in die Türkei. Dass es ihn nun zurück in die Heimat zog, dürfte in der politischen Lage am Bosporus begründet sein. Für mich zwar nachvollziehbar und doch hätte es nicht unbedingt der VfB sein müssen, der ihm das Gnadenbrot zum Karriereausklang verabreicht.

Mario Gomez ist der nächste in der Reihe derer, die „daheim“ die Karriere ausklingen lassen möchten. Sportlich wird uns Mario sicherlich mehr weiterhelfen, als es Andreas Beck bislang getan hat. Er will unbedingt zur WM im Sommer in Russland und wird sich bestmöglich versuchen einzubringen, um dieses hehre Ziel auch zu erreichen.

Bei Gomez muss man abwarten, ihn bewerte ich dann, wenn man weiß, was er geleistet hat (oder auch nicht). Ich kritisiere noch nicht einmal, dass man ihn zurückgeholt hat, sondern habe lediglich Bauchschmerzen damit, dass man einen 32-jährigen auf Anhieb zum Top-Verdiener macht, der trotz Einbußen im Vergleich zu Wolfsburg noch immer vier Millionen Euro jährlich einstreichen soll.

Des Weiteren kam Gomez für Terodde, Torjäger gegen Torjäger, während das eigentliche Problem, das der mangelnden Zulieferung, noch immer nicht gelöst wurde. Denn, selbst ein Super-Mario wird sich die Bälle nicht noch selbst auflegen können.

Sollte der Fußball der Rückrunde dem der Vorrunde ähneln, getreu dem Motto Safety-First, sehe ich die Gefahr, dass der geborene Torjäger Mario Gomez zunächst verzweifeln und schließlich resignieren wird. Steht er auf ähnlich verlorenem Posten wie es bei Simon Terodde und auch Daniel Ginczek bei seinen wenigen Einsätzen der Fall war, dürfte er seine Felle im Hinblick auf die WM davon schwimmen sehen, was seiner weiteren Motivation sicher nicht förderlich wäre.

Mit Rückholaktionen hatte der VfB selten ein glückliches Händchen. Ob bei Trainern wie Sundermann und Veh, bei denen vor Augen geführt wurde, dass sich die goldene Zeit nicht zurückdrehen lässt, wie auch bei Spielern.

Bei Aleks Hlebs Rückkehr war selbst ich euphorisch und erwarb noch während seines ersten Trainings das Trikot mit der Nummer 23, ein für alle mal das letzte, das ich mit einem Spielernamen beschmutzen, ähm, beflocken ließ. Er war das Paradebeispiel des satten Spielers! Wie nach und nach herauskam, bewog ihn nicht seine vorgeheuchelte Heimatliebe zur Rückkehr, sondern, dass er vom VfB auch weiter sein stattliches Barça-Gehalt überwiesen bekam. Nachdem seine Leistungen auch noch zu wünschen übrig ließen und er öfter in den Besenwirtschaften des Remstals als auf dem Trainingsplatz anzutreffen war, war ich nur noch sauer auf diesen verwöhnten Rotzlöffel.

In die Riege der für mich nicht nachvollziehbaren Rückholaktionen fiel übrigens auch die von Christian Gentner. Seinerzeit waren wir im defensiven Mittelfeld mit Kuzmanovic und Träsch ordentlich aufgestellt. Links oder zentral offensiv war Didavi vorgesehen, so dass es für Gentner zur damaligen Zeit eigentlich keinen Platz im Team gegeben hat. Doch, schon damals, wog das Wort eines einflussreichen Spielerberaters mehr als die sportliche Notwendigkeit, so dass man auch Gente gnädig wieder aufnahm.

Marc Ziegler war eine dankbare Nummer zwei hinter für Sven Ulreich, ohne jegliche Ambitionen, Ulle ernsthaft herauszufordern.

Beck durfte nun bereits ein halbes Jahr lang unter Beweis stellen, dass er sich nahtlos in diese Aufzählung einreiht, während wir bei Gomez erst noch abwarten müssen. Schießt er uns zum Klassenerhalt und knüpft an alte Zeiten an, hat sich der Aufwand gelohnt, wenn nicht, kann Dietrichs und Reschkes Retrokurs endgültig als gescheitert angesehen werden.

Mir fehlt bei Reschkes Wirken bislang die Nachhaltigkeit. Die Amateure möchte er unwiderruflich auslöschen, Talente werden abgegeben anstatt aufgebaut (die nächsten vermutlich, Grgic und Ofori) und im Gegenzug wird eine Altherrenmannschaft „aufgebaut“, die dem immer schneller werdenden Bundesligafußball früher oder später Tribut zollen wird.

Setzt Reschke diesen Kurs fort, dürfte es nur eine Frage der Zeit sein, bis Serdar Taşçı und Sami Khedira wieder anheuern. Geht Reschke weiterhin die Phantasie bei seinen Transferaktivitäten ab und setzt er weiter auf „Altbewährtes“, scheint selbst eine Verpflichtung von Bastian Schweinsteiger, den Reschke aus München bestens kennte, nicht ausgeschlossen. Dessen Vertrag in Chicago lief vor wenigen Tagen aus, er würde exakt in Reschkes Beuteschema passen. Nicht dass ich einen wie Schweinsteiger nicht gerne mal im VfB-Trikot sehen würde, doch, auch er würde das Gehaltsgefüge sprengen und den finanziellen Rahmen weiter eindämmen.

Meine Bedenken in Bezug auf die Ausgliederung und dem daraus resultierenden Groß-Mann-Denken bewahrheiten sich immer mehr. Diejenigen, die damals für „ja“ stimmten, vertrauten in erster Linie dem Kurs von Jan Schindelmeiser, die vorhandenen Mittel vernünftig einzusetzen und auf Nachhaltigkeit zu setzen.

Seit Reschke das Zepter schwingt, wird hingegen das Geld mit offenen Händen ausgegeben und das für Spieler, die beim Worst-Case-Szenario Abstieg dem VfB wohl kaum erhalten bleiben und auch nicht zu bezahlen sein dürften.

Selten bis noch nie war mein Empfinden so wie in dieser Woche, dass ich mich auf den Rückrundenstart in wenigen Tagen überhaupt nicht freue. Freuen tue ich mich allenfalls über die vielen Leidensgenossen, die man vor und nach dem Spiel trifft, nicht aber auf das Spiel.

Ich habe ziemlichen Bammel und wenig Hoffnung, dass wir gestärkt aus der kurzen Pause heraus kommen könnten. Die fünf Niederlagen aus dem Dezember liegen einfach noch zu schwer im Magen.
Mein einziger Hoffnungsschimmer auf einen guten Rückrundenstart ist, dass Wolf im Trainingslager vorwiegend auf ein 4-2-3-1 gesetzt hat und die Rückrunde möglicherweise etwas mutiger angehen wird. Hoffen wir, dass ihn bis Samstag der Mut nicht schon wieder verlässt.

Allein mit destruktiver Ausrichtung und dem Hoffen auf den lieben Gott oder neuerdings Mario Gomez, wird die Klasse nicht zu halten sein. Die ersten drei Rückrundenspiele sind für mich wegweisend. Gelingt in diesen kein Sieg, sehe ich schwarz, was den Klassenerhalt angeht. Dieser sollte angesichts des schweren Restprogramms tunlichst bis zum 30. Spieltag eingetütet sein, so dass es sich von selbst verbietet, sich jetzt noch einzuspielen oder langsam in die Rückrunde hinein zu finden. Der VfB muss auf Anhieb voll da sein und die Punkte jetzt holen.

Reschke hat allerdings die Ruhe weg, was ich in keinster Weise nachvollziehen kann. Bessert er von der Reste- oder doch Reschkerampe (?) erst nach, wenn Ende Januar das Kind schon im Brunnen liegt, sehe ich große Probleme, die Kurve dann noch zu kriegen.

Mich interessiert im Übrigen auch der überhitzte Transfermarkt und dass es schwierig sei, im Winter Spieler zu bekommen, die einen sofort weiter bringen, überhaupt nicht. Reschke hatte ein halbes Jahr lang Zeit an kreativen Möglichkeiten zu feilen, Handlungsbedarf besteht schließlich nicht erst seit Ende der Vorrunde. Er ist in der Pflicht zu liefern und das so bald wie möglich!

Mit fast unverändertem Kader der Vorrunde ist es ein sehr riskantes Vabanque-Spiel mit vielen Risiken. Reschke setzt zwar große Hoffnungen in die Rückkehr von Carlos Mané und Daniel Ginczek. Meine sind in Bezug auf diese beiden eher gedämpft. Es würde an ein Wunder grenzen, wäre Mané sofort wieder der Alte und wenn beide nahezu verletzungsfrei durch die Rückrunde kämen. Auch DER Fixpunkt in der Abwehr, Holger Badstuber, könnte von heute auf morgen komplett wegbrechen. Wir können ja schon fast drei Kreuze machen, dass er bislang immer nur relativ kurz ausgefallen war, was allerdings nicht immer so bleiben muss. Reschke setzt in diesen Tagen alles auf Rot, wenn er sich da mal nicht verzockt.

Der Preis des schwäbischen Roulettes könnte im schlimmsten Fall mit dem Abstieg bezahlt werden müssen und wäre dann um ein Vielfaches höher, als er es jetzt noch wäre, würde man die Truppe vernünftig verstärken. Ein neuerlicher Abstieg wäre deutlich verheerender als der letzte und würde in einen kompletten Neuanfang münden. Soweit darf es der Verein nicht kommen lassen, noch wäre Zeit, an den entscheidenden Schrauben zu drehen.

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26. Dezember 2017

Ein Blick zurück aufs Aufstiegs- und aufs Ausgliederungsjahr!

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , , , – Franky @ 17:19

Kurz vor dem Jahreswechsel ist es an der Zeit, Bilanz zu ziehen und das Fußballjahr Revue passieren zu lassen.

Für den VfB war es ein sehr bewegendes Jahr. Zunächst trug das Trainingslager in Lagos Früchte, als man nach zwei Niederlagen vor Weihnachten zum Rückrundenstart eine Siegesserie hinlegte und dadurch den Grundstein für den späteren Aufstieg legte.

Diese Serie bekam eine Delle und schlug einige Spiele lang ins Gegenteil um, nachdem dem VfB nach der nächtlichen Eskapade von Kevin Großkreutz am Rosenmontag nichts anderes übrig blieb, als sich vom Weltmeister zu trennen.

Sein Ausflug mit VfB-Jugendspielern im Schlepptau in den überschaubaren Stuttgarter Rotlichtbezirk schadete nicht nur dem Renommee des Vereins, sondern schwächte uns auch sportlich. Mit dem Derbysieg gegen den KSC freilich endete diese Schwächephase zur rechten Zeit und fortan ließ sich der VfB vom großen Ziel Aufstieg nicht mehr abbringen.

Mit dem Heimsieg gegen die Würzburger Kickers am 21. Mai war dieser dann schließlich perfekt. Die große Jubel-Party konnte beginnen. Zunächst auf dem Rasen, später mit den Fantastischen Vier auf dem Wasen. Persönlich war ich weder auf dem Rasen noch auf dem Wasen sondern feierte gemächlich in den bekannten Lokalitäten rund um den Cannstatter Bahnhof. Mir war das zu viel Tamtam, welches noch im Eintrag ins Goldene Buch der Stadt gipfelte, für das eigentlich Selbstverständliche.

Von den Möglichkeiten her, die der VfB im Gegensatz zu, mit Ausnahme Hannover 96, allen anderen Zweitligisten hatte, musste der Aufstieg ein Selbstläufer werden. Daher fiel es mir persönlich schwer, einer Mannschaft, in der sich noch einige Absteiger des Vorjahres befanden und einem Verein, der mich über lange Jahre so enttäuscht hatte, in dieser Stunde zu huldigen. Betriebsunfall korrigiert, mehr nicht.

Da das Zweitligajahr vom Anfang bis zum Schluss eine absolut geile Sache und willkommene Abwechslung zum tristen Bundesliga-Alltag war, kam gar fast so etwas wie Wehmut auf, wenngleich es mir natürlich auch klar war, dass ein zweites Jahr im Unterhaus nicht wirklich erstrebenswert gewesen wäre. Noch mehr Boden nach oben zu verlieren und nie mehr den Anschluss zu schaffen, die Wahrscheinlichkeit, dass dies eingetreten wäre, wäre sehr groß gewesen.

Der Verein machte es freilich geschickt, die bei vielen vorhandene Euphorie für sich zu nutzen und auf dieser Welle die Ausgliederung durchzudrücken.

Bei mir überwog, auch in der Stunde des Triumphs, die Wut darüber, dass mein VfB überhaupt in diese Situation gekommen war. Nach der Meisterschaft 2007 machte man so ziemlich alles falsch, was man falsch machen konnte. Sportdirektoren wurden erst ein KFZ-Mechaniker, dann ein Einzelhandelskaufmann und schließlich ein zweitklassiger Fußballlehrer, der das Werk seiner beiden Vorgänger dann vollendete. Diese (von den Präsidenten möchte ich gar nicht erst anfangen) wirtschafteten, „kontrolliert“ vom Aufsichtsrat, den Verein herunter und machten aus einem stolzen Champions League Teilnehmer einen Absteiger. Nicht nur, dass wir zurecht abgestiegen waren, vor allem wegen der fatalen Außendarstellung des Vereins und des Umfelds über etliche Jahre, in denen die Fanszene als Trainer- und Sportdirektoren-Killer wahrgenommen wurde, schien es so, dass dieser Abstieg dem VfB ligaweit wie sonst nur noch dem HSV gegönnt wurde.

Die zweite Liga bot also nicht nur die Chance, sich sportlich und finanziell zu konsolidieren, sondern auch jene, das Image aufzupolieren. Letzteres gelang eindrucksvoll! In der 2. Liga waren wir DER Garant für gut gefüllte Stadien, in der Bundesliga wurden wir deshalb schon nach kurzer Zeit wieder vermisst.

Nach dem Abstieg und nach Robin Dutt wurde in Person von Jan Schindelmeiser erstmals wieder ein Mann auf der Kommandobrücke präsentiert, der den Job des Sportdirektors von der Pike auf gelernt hat.

Schindelmeiser machte während seiner nur ein gutes Jahr dauernden Zeit beim VfB fast alles richtig. Einziges Manko war, was wiederum der damals noch vorhandenen Vereinsführung zuzuschreiben ist, dass Schindelmeiser, obwohl seit Jahren verfügbar, erst im Juli vorgestellt wurde und bis da hin einige Personalentscheidungen, einschließlich der Verpflichtung von Luhukay, schon gefallen waren.

Schindelmeiser schaffte es dennoch bis zum Transferschluss einen aufstiegsfähigen Kader an den Start zu bringen, wobei allerdings seine und die Auffassungen von Luhukay, wie der Aufstieg zu bewerkstelligen sein würde, auseinandergingen, weshalb der Holländer schließlich seinen Hut nehmen musste.

Schindelmeiser eierte nicht lang herum und zog schnell Konsequenzen aus den Dissonanzen, welche aus heutiger Sicht betrachtet, einer glücklichen Fügung des Schicksals gleich kamen. Auch in der Trainerfrage bewies Schindelmeiser Kreativität und griff nicht einfach auf einen zufällig auf der Liste der arbeitslosen Fußballlehrer befindlichen altbekannten Fußballlehrer zurück. Er schaffte es, Hannes vom BVB loszueisen, der drei Mal in Folge Deutscher Meister mit deren Jugendteams wurde, jedoch noch nie eine Profimannschaft trainiert hatte. Das zeugte davon, dass Schindelmeiser einen Plan hatte, wie er den VfB der Zukunft sah und bereit war, auch unkonventionelle Wege zu gehen, um seine Ziele zu erreichen.

Schindelmeisers Transfers waren von sehr viel Phantasie geprägt. Jung und hungrig sollten sie sein, notfalls geliehen und in jedem Fall die Qualität steigernd. Spieler mit Wertsteigerungspotential, die kurzfristig helfen, unsere Ziele zu erreichen, langfristig aller Voraussicht nach aber nicht zu halten sein werden. Die 2. Liga war dabei das ideale Experimentierfeld, um die Jungs zu entwickeln. Dort wurde nicht gleich jeder Fehler bestraft und Niederlagen waren lang nicht so schmerzhaft, weil wir als der große Aufstiegsfavorit in jedem Spiel in der Lage waren, den Bock umgehend wieder umzustoßen.

So war ich allein vom Aufstieg weit weniger geflasht als viele andere und bin weit entfernt, die Aufstiegsmannschaft in den Heldenstatus zu hieven. Meine Helden bleiben die Aufsteiger von 1977, die das Husarenstück in einer viel schwierigeren Zeit vollbracht hatten und, weil es meine erste Saison war, in der ich regelmäßig „runter“ ging und in die auch mein allererstes Auswärtsspiel (0:0 bei den Münchner Löwen) fiel.

Ich war freilich mit meiner reservierteren Einordnung des Aufstiegs eher in der Minderheit. Der Verein schaffte es, obwohl der Aufstieg ein absolutes Muss war, im Umfeld eine Euphorie zu entfachen und den Fans und Mitgliedern vorzugaukeln, dass die Voraussetzungen geschaffen seien, zukünftig wieder im Konzert der Großen mitzuspielen, wenn denn endlich die Ausgliederung durch ginge.

Unter dem Hashtag #jazumerfolg wurde jeder diskreditiert, der anderer Auffassung war und der die Ausgliederung zum damaligen Zeitpunkt kritisch hinterfragte bzw. unter den gegebenen Voraussetzungen (noch) nicht haben wollte.

Dass eine Ausgliederung irgendwann, schon allein aus steuerrechtlichen Gesichtspunkten, hat kommen müssen, war auch mir klar. Ich fand den Zeitpunkt falsch und habe keinerlei Vertrauen in diese Vereinsführung, die uns, wie sich immer häufiger zeigt, mit falschen Versprechungen hinters Licht geführt hat.

Ich warnte immer wieder, wer für ja stimme, kaufe die Katze im Sack, weil lediglich die 41,5 Millionen Euro vom Nachbarn mit dem Stern Fakt und alles andere Luftschlösser seien.

Die Taxierung des Unternehmenswertes auf 300 Millionen Euro als Zweitligist erschien mir viel zu hoch angesetzt, zumal laut Stefan Heim dieser mit Erwartungen in die Zukunft (also vielen Unbekannten) zustande kam. Dass ein Unternehmen wie Daimler Benz, das beim VfB fest verankert ist und den Aufsichtsrat beherrscht, diese Summe zur Verfügung stellt, sagt meines Erachtens nichts über den Wert des VfB aus, sondern war, wie so vieles, ein Köder, den man den Mitgliedern hingeworfen hat, damit diese auch ja „richtig“ abstimmen.

Für mich war die außerordentliche Mitgliederversammlung eine reine Farce. Verglich ich schon das Werben für die Ausgliederung mit Trumps Wahlkampf (make VfB great again), verkam der eigentlich ernste Abend zunächst zu einer Jubelshow um die „Aufstiegshelden“, um dann mit Verspätung zu beginnen und offensichtlich auf Zeit zu spielen, die Aussprache per Beschluss beenden zu lassen, bis hin zu fragwürdig funktionierenden Abstimmungsgeräten. Ich bekomme heute noch Schaum vor den Mund, wenn ich an diesen Abend zurück denke.

Hatte man im Erklärbär-Video für die Ausgliederung noch betont, man wolle Investoren aus der Region gewinnen, scheint nun, wo die Mitglieder abgestimmt haben, keine Rede mehr davon zu sein. Hatte man bei jeder Veranstaltung, bei der für die Ausgliederung geworben wurde, Jan Schindelmeiser und Hannes Wolf vor den Karren gespannt und mit diesen beiden um das Vertrauen der Mitglieder geworben, setzte man Schindelmeiser kurze Zeit später vor die Tür.

War es doch gerade er, der dafür stand, vernünftig zu wirtschaften, auf dem Spielermarkt keine verrückten Sachen zu machen und Spieler mit Wertsteigerungspotential zu holen, war es offensichtlich schon vor der außerordentlichen Mitgliederversammlung beschlossene Sache, Schindelmeiser durch Michael Reschke zu ersetzen.

Schindelmeiser wurde vorgeworfen, eigenbrötlerisch zu sein und Transfers im Alleingang zu tätigen. Um Schindelmeisers Rausschmiss nicht scheinbar aus heiterem Himmel tätigen zu müssen und die Öffentlichkeit darauf vorzubereiten, warf man den Stuttgarter Nachrichten einige Interna hin und lieferte die Steilvorlage, Schindelmeiser anzuzählen. Die Gefälligkeitsjournalisten des Haus- und Hofberichterstatters ließen sich nicht zwei Mal bitten und hauten einen Artikel mit schweren Vorwürfen gegen Schindelmeiser und einem Bericht über atmosphärische Störungen auf der Geschäftsstelle raus. Ob an den Vorwürfen ein Fünkchen Wahrheit dran war, sei dahin gestellt.

Ein ganz so schlechtes Standing kann Schindelmeiser bei seinen Kollegen ja nicht gehabt haben, wenn man hört, dass über 100 Kollegen zu seinem Ausstand gekommen waren. Dass der Presse nicht gepasst haben dürfte, dass Schindelmeiser vieles lieber für sich behielt, liegt auf der Hand. Seit er weg ist, scheint auch die Stuttgarter Journaille wieder bestens informiert zu sein…

Der Artikel erschien Mitte Juli und damit sicher rein zufällig kurz nach Ende der Einspruchsfrist gegen das Abstimmungsergebnis zur Ausgliederung. Als ich Wolfgang Dietrich am Rande des Trainingslagers in Neustift im Stubaital ansprach, ob man sich um die Zukunft von Jan Schindelmeiser beim VfB sorgen müsse, verneinte er und schob den Inhalt des Artikels auf unzufriedene Spielerberater. Vertrauensbildend war auch dieses Gespräch selbstredend nicht!

Dass die angeblichen atmosphärischen Störungen nicht plötzlich auftraten, sondern seit Anfang des Jahres geschwelt haben sollen, konnte man aus dem Artikel herauslesen. Da Michael Reschke schon im Juni bei den Bayern um die Freigabe für den VfB ersucht haben soll, erhärtet sich der Verdacht, dass der Rausschmiss von Schindelmeiser über längere Zeit geplant war und man lediglich noch abwartete, bis die Einspruchsfrist gegen die Ausgliederung abgelaufen war. Schließlich waren es ja weniger die Herren Heim, Röttgermann und Dietrich, denen die Mitglieder die Daimler-Millionen
anzuvertrauen bereit waren, als dass es Jan Schindelmeiser gewesen ist.

Da man Schindelmeiser, den Sportdirektor auf Zeit, weiter Transfers tätigen ließ und Reschke, der zu gegebener Zeit kommen sollte, offensichtlich eine ganz andere Philosophie in Sachen Neuverpflichtungen verfolgt, ließ man den VfB sehenden Auges ins Verderben rennen, um ja die Ausgliederung nicht im letzten Moment noch zu gefährden. Das Resultat: 17 Punkte, 13 Tore und gerade einmal zwei Pünktchen vor einem Abstiegsplatz.

Standen Hannes Wolf und Jan Schindelmeiser für kreative Transfers von nahezu unbekannten und entwicklungsfähigen Spielern mit einer ungeheuren Power im Tank, drehte sich die Philosophie mit dem Amtsantritt von Michael Reschke um 180°.

Hieß es vor Reschke noch, dass Neuzugänge jung, wild und entwicklungsfähig sein sollen und fühlte sich Wolf bei der Entwicklung dieser Jungs in seinem Element, hat Reschke bislang nur Spieler geholt, die ihren Zenit schon überschritten haben, im Gehaltsranking aber weit oben angesiedelt sein dürften.

Bei Holger Badstuber scheiden sich ja die Geister, ob diesen noch Jan Schindelmeiser wollte und der Streit an dieser Personalie schließlich eskalierte, oder ob Michael Reschke diesen als Antrittsgeschenk mitgebracht hat.

Schenkt man den Aussagen Dietrichs in Neustift in puncto „notwendige Erfahrung in der Innenverteidigung“ Glauben, äußerte er am Beispiel von Neven Subotic, dass man solch satte Spieler, die bereits alles erreicht hätten, nicht verpflichten wolle, weil er nicht glaube, dass sie noch den nötigen Ehrgeiz mitbrächten und zudem verletzungsanfällig seien.

Die Verpflichtung von Badstuber wäre auch hier eine totale Kehrtwende, so dass ich davon ausgehe, dass diesen Transfer noch Schindelmeiser eintütete, zumal die Bekanntgabe des Transfers fast zeitgleich mit der Bestätigung der Personalie Reschke einher ging.

Santiago Ascacíbar, der sympathische Giftzwerg im defensiven Mittelfeld, soll ebenfalls von Schindelmeiser aufgespürt worden sein, so dass sich Reschke diesen Wechsel wohl auch nicht zu 100% auf die Fahnen schreiben darf. Blieben noch Aogo, Beck und, seit ein paar Tagen, Mario Gomez.

Mit Verlaub, um auf diese Namen zu kommen, braucht man nicht die Super-Spürnase schlechthin im deutschen Fußball, wie Reschke ja oft bezeichnet wird. Aogo ist 30 Jahre alt, war arbeitslos und kam in den letzten beiden Jahren auf gerade einmal 30 Spiele für Schalke 04.

Andreas Beck, 32 Jahre alt und ehemals Junger Wilder dürfte wegen der politischen Lage froh gewesen sein, dass ihn der VfB von Beşiktaş Istanbul losgeeist hat. Mit 32 Jahren noch einmal beim Heimatverein einen gut dotierten Vertrag unterschreiben dürfen, wer hätte da schon „nein“ gesagt?

Der VfB scheint sich auf dem Nostalgie-Trip zu befinden. Ich finde es ja schön, wenn sich Präsident Dietrich um die Helden vergangener Tage kümmert, sie zu Spielen einlädt und versucht, deren Netzwerke zu nutzen. Eine Traditionself fürs Ligageschäft muss allerdings nicht sein.

Nach Beck kommt mit Mario Gomez ein weiterer Meister von 2007 zurück, bei Sami Khedira scheint es nur eine Frage der Zeit zu sein, bis er heim ins, ach lassen wir das, kehrt.

Ich sehe diese Entwicklung sehr skeptisch. Mit Rückholaktionen hatte der VfB selten ein glückliches Händchen und nostalgische Gefühle bergen bei Vertragsverhandlungen die Gefahr, den Blick auf die Realität zu verlieren. Die Zeit lässt sich nicht zurückdrehen, die Spieler sind zehn Jahre älter geworden und nicht mehr die gleichen, die sie waren, als sie einst in die weite Welt hinauszogen. Wäre die alte Liebe fünf Jahre früher neu aufgeflammt, o. k., so aber wirkt deren Rückkehr auf mich wie ein bequemes ausklingen lassen der Karriere und das auch noch für ein stattliches Gehalt. Bei Beck hat sich die Skepsis bislang bewahrheitet, über Gomez reden wir in einem halben Jahr nochmal.

Dass die Mannschaft nicht ausschließlich mit jungen Wilden die Bundesliga rocken kann, steht außer Frage. Und doch hatte ich nach den Trainingslagern in Grassau und Neustift ein sehr gutes Gefühl mit den Burnić’, Mangalas, Akolos und wie sie alle heißen. Wolf, der unter Jürgen Klopp und Thomas Tuchel hospitierte stand doch einst für laufintensiven Hochgeschwindigkeitsfußball, Schindelmeiser stellte ihm, soweit möglich, das Spielermaterial zur Verfügung und war damit noch nicht fertig, zum Zeitpunkt, als er entlassen wurde.

Was ihm angelastet wurde, war, dass er Alexandru Maxim für ein Nasenwasser an einen Mitkonkurrenten gegen den Abstieg verhökert und keinen adäquaten Ersatz für ihn geholt hatte.

Reschke hätte noch drei Wochen Zeit gehabt, dieses Versäumnis zu beheben, passiert ist jedoch nichts. Mir fehlt ein Zehner für den tödlichen Pass, einer, der die Stürmer mit Vorlagen füttern kann, auch wenn ein klassischer Spielmacher im System von Hannes Wolf nicht vorgesehen zu sein scheint.

So war in der Vorrunde Sicherheitsdenken Trumpf, was zwar zu einer akzeptablen Anzahl an Gegentoren, jedoch auch zu einer völlig unakzeptablen an eigenen Toren geführt hat. Über weite Strecken wurde, vor allem auswärts, Fußball zum Abgewöhnen geboten. Stets wurde hinten Beton angerührt und vorne sollte der liebe Gott helfen. Doch, mit lediglich drei offensiv und acht defensiv denkenden Spielern auf dem Platz ist nun mal kein Offensiv-Feuerwerk zu erwarten. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Hannes Wolf mit dem Fußball, den er spielen ließ, selbst so glücklich war und auch nicht, dass dieser den Spielern Spaß gemacht hat. Wenn man den eigentlichen Sinn des Spiels Tore zu erzielen hinten anstellt und erst beginnt, ernsthaft nach vorne zu spielen, wenn man zurück liegt, kann das auf Dauer nicht befriedigend sein. Umso erstaunlicher, dass bislang so wenig Misstöne aus der Kurve zu vernehmen waren und die Leute der AG weiterhin die Bude einrennen.

Vor allem unsere Offensivkräfte mussten dabei die Lust am Fußball verlieren. Erstes „Opfer“, Simon Terodde. Noch in der zweiten Liga wegen seiner 25 Tore gefeiert, wurde ihm zuletzt die Bundesligatauglichkeit abgesprochen. Für mich zu Unrecht, weil er wenige bis überhaupt keine brauchbaren Bälle serviert bekam und sich zudem die gegnerischen Abwehrreihen fast einzig und allein auf ihn konzentrieren konnten. Dass ihn das nicht zufrieden stellte und er die Flucht ergriff, dafür habe ich Verständnis.

Dass offiziell aber Heimweh vorgeheuchelt wird und der VfB ob seiner Verdienste im Aufstiegsjahr den einzigen fitten Stürmer ziehen lässt, dafür nicht. Einen Spieler, für den vor anderthalb Jahren noch fünf Millionen Euro auf den Tisch des Bochumer Hauses gelegt wurden, für kolportierte zwei Millionen Euro, dazu noch an einen Konkurrenten im Abstiegskampf, abzugeben, ist in meinen Augen unvernünftig und wirtschaftlich unklug.

Für Gefühlsduselei und die Heimwehnummer, wenn sie denn tatsächlich stimmen sollte, ist in der Bundesliga kein Platz. Die Spieler bekommen alle genug Schmerzensgeld, ein Blick auf den Gehaltszettel sollte genügen, das Heimweh wenigstens ein weiteres halbes Jahr auszublenden. .

Entsprechend groß war der Aufschrei unter den Fans, so dass sich die Vereinsführung dazu genötigt sah, noch vor Weihnachten den Transferhammer schlechthin zu verkünden. Mario Gomez kehrt zurück auf den Wasen und soll, vorbehaltlich der sportärztlichen Untersuchung, in der Rückrunde für den VfB auf Torejagd gehen. Da die genannte Untersuchung erst Anfang Januar erfolgen soll, der Wechsel also durchaus auch noch scheitern könnte (keine Sorge, diese Blöße würde sich der VfB wohl kaum geben…), wirkt auf mich die (frühzeitige) Bekanntgabe des Transfers wie eine vorweihnachtliche Beruhigungspille.

Auch was die Rückkehr von Mario Gomez angeht, hält sich meine Freude in Grenzen. Ich bin zwiegespalten, ob er uns denn mit seinen nunmehr 32 Lenzen noch entscheidend weiterhilft. Auch er wird Vorlagen brauchen, um uns zum Klassenerhalt zu schießen. Das eigentliche Problem wurde somit also nicht gelöst, sondern, es wurde ein Strafraumstürmer durch einen anderen ersetzt.

Dabei bin ich einer derjenigen, die Gomez den Wechsel zu den Bayern und seine Aussagen drum herum nie wirklich krumm genommen haben. Dass man im Profi-Business, auch wenn ein Wechsel noch so fix ist, zu diesem erst Stellung beziehen darf, wenn sich alle Seiten über den Zeitpunkt der Bekanntgabe geeinigt haben, ist klar. Gomez, damals noch ein junger Kerl, äußerte sich unbedacht, für mich noch lange kein Grund, ihm ewig böse zu sein. Gomez hatte sich wenigstens, im Gegensatz zu vielen anderen Spielern, die wir für vergleichsweise wenig Geld oder gar ablösefrei
verloren haben, auf einen Vertrag eingelassen, der dem VfB das Heft des Handelns überließ und uns schließlich eine Rekordablöse von 35 Millionen Euro bescherte.

Daher habe ich Gomez auch nie ausgepfiffen, als er gegen den VfB spielte. Die unsäglichen Pfiffe gegen Ex-Spieler, zuletzt ja auch gegen Bernd Leno und Sven Ulreich, finde ich allgemein beschämend, und, sie helfen ja auch nicht weiter. Eher das Gegenteil ist der Fall. Die Spieler treiben die Pfiffe zu Höchstleistungen an, Gomez hatte in unschöner Regelmäßigkeit gegen den VfB getroffen, während Leno und Ulreich ihren Kasten zuletzt sauber hielten.

Dass Gomez, wenn er denn fit bleibt, auch mit 32 Jahren noch zu den Top-Stürmern Deutschlands gehört, darüber brauchen wir nicht zu diskutieren. Schon allein die Tatsache, dass er sich noch ernsthafte Hoffnungen auf die WM 2018 machen darf, unterstreicht, welchen Hochkaräter sich der VfB geangelt hat. Mir geht es lediglich gegen den Strich, dass der VfB offensichtlich seine Philosophie in so kurzer Zeit auf links dreht und auf ein Gehaltsgefüge zusteuert, das mir gefährlich erscheint. Gomez dürfte, ähnlich wie Beck, auf Anhieb zu den Top-Verdienern gehören, und nicht allzu viele Abstriche gegenüber seinem letzten Gehalt in Wolfsburg machen müssen. Wenn er uns zum Klassenerhalt schießt und somit kurzfristig weiter hilft, ist das gut angelegtes Geld, sollten ihm immer aber, wie zuletzt des Öfteren, muskuläre Probleme zu schaffen machen und er nicht regelmäßig zur Verfügung stehen, hätten sich meine Bedenken bewahrheitet.

Hört man Reschke so reden, begründen sich seine Hoffnungen auf eine bessere Rückrunde vor allem in der Rückkehr von Mané, Donis, Ginczek und jetzt auch Gomez. Für mich ein Vabanquespiel, vor allem bei Mané und Ginczek. Ginczek dauerhaft einzuplanen verbietet sich aufgrund seiner Verletzungshistorie von selbst, bei Mané muss man abwarten, wie das Knie reagiert, ob er fit bleibt und wie lang er braucht, um zu alter Stärke zurückzufinden. Für mich wäre es schon optimistisch gedacht, darauf zu hoffen, dass von den Vieren pro Spiel wenigstens zwei zur Verfügung stehen.

Reschke muss in der kurzen Winterpause, am besten bis zum Trainingsauftakt, liefern und die Problemzonen im Kader beheben. „Sein“ Rechtsverteidiger Andreas Beck blieb in der Vorrunde alles schuldig, was ihn einst ausgezeichnet hat und auch Dennis Aogo, der hauptsächlich wegen der Verletzung von Insúa geholt wurde, erbrachte noch nicht den Beweis uns wirklich weiter helfen zu können.

Deshalb sehe ich den größten Handlungsbedarf auf den Außenverteidigerpositionen und im kreativen Mittelfeld. Will Hannes Wolf weiter mit einer Fünferkette spielen , brauchen wir schnelle und konditionsstarke Flügelflitzer auf beiden Seiten, die auch noch in hohem Tempo brauchbare Flanken schlagen können. Im Wintertransferfenster dürfte es schwierig sein, bezahlbare Spieler, die uns sofort weiterhelfen würden, zu bekommen. Das allerdings darf für Reschke keine Ausrede sein, liefert er nicht, sehe ich für die Rückrunde schwarz.

Ich bin von der Vorrunde sehr enttäuscht, nicht nur der Spielweise wegen, sondern auch von dem, was unterm Strich herauskam. 17 Punkte aus 17 Spielen sind die Bilanz eines Absteigers. Es nutzt dabei nichts, sich daran zu ergötzen, dass vier Teams noch schlechter platziert sind und es macht auch die Bilanz nicht besser. Eine Heimniederlage zum Rückrundenauftakt gegen Hertha BSC Berlin könnte bereits ausreichen, auf Platz 17 und damit einen direkten Abstiegsplatz zurückzufallen.

Natürlich hat dem VfB im einen oder anderen Spiel das Quäntchen Glück gefehlt, um den einen oder anderen Punkt mehr zu holen, auf der anderen Seite aber hingen auch alle Siege, ausgenommen der gegen Freiburg, am seidenen Faden, so dass der VfB unterm Strich zurecht da steht, wo er steht. Ich war schon immer ein Gegner vom Fußball, der aufs reine Zerstören ausgelegt ist, und nun spielt mein VfB, der jahrzehntelang als ein Verein für begeisternden Angriffsfußball angesehen war, eben diesen.

Mir ist bewusst, dass wir Aufsteiger sind, wo wir her kommen, erst einmal kleine Brötchen backen, Demut zeigen, etc. pp. müssen. Und doch ist dieses Gerede für mich nicht zielführend und darf schon gar nicht als Alibi für die bislang gezeigten Leistungen herhalten. Wir sind eben kein normaler Aufsteiger, vergleichbar mit Braunschweig, Fürth oder Darmstadt, sondern einer, dem gerade ein Jahr Bundesliga fehlt und der vom Budget her im Mittelfeld der Liga angesiedelt ist. Für die gegebenen Voraussetzungen war mir das Gezeigte insgesamt zu wenig.

Ein Rätsel ist für mich in diesen Tagen Hannes Wolf. Mich würde sehr interessieren, welchen Fußball er sich mit dem VfB in der Rückrunde vorstellt. Ist der bislang gezeigte Sicherheitsfußball nur der personellen Not geschuldet, oder fehlt ihm tatsächlich der Mut, etwas forscher an die Sache heranzugehen. Safety first als Devise ist zunächst ja nicht verwerflich, kritisch zu hinterfragen ist diese allerdings, wenn sie komplett zu Lasten der Offensive geht und diese so gut wie nicht vorhanden ist. Manchmal wünsche ich mir tatsächlich ein wenig Zorniger in Wolf. Gerade in den Spielen auswärts bei der direkten Konkurrenz hätte ich mir eine mutigere Herangehensweise gewünscht.

Tausend Mal probiert, tausend Mal ist nichts passiert, so lassen sich die Auswärtsauftritte in der laufenden Saison beschreiben. Da muss man doch irgendwann mal etwas ändern und nicht immer und immer wieder auf die gleichermaßen erfolglose wie unattraktive Ausrichtung setzen.

Nach wie vor halte ich sehr viel von Wolfs erfrischender Art, auf Dauer aber wäre dieser Fußball schwer zu ertragen. Nach dem Pokal-Aus in Mainz nahm Dietrich erstmals die sportliche Leitung ausdrücklich in die Pflicht, weil die Einstellung einiger nicht gestimmt habe. Ob die Luft für Wolf dünner wird und an den Gerüchten, Thomas Tuchel stünde bereits in den Startlöchern, ein Fünkchen Wahrheit dran ist, wird die Zukunft zeigen. Ich jedenfalls hoffe weiterhin auf Kontinuität auf dem Trainerposten!

Jedoch wirkt Wolf auf mich seit der Schindelmeiser-Entlassung nicht mehr ganz so locker und unbeschwert. Die Symbiose zwischen den beiden hatte offensichtlich gepasst, sein Verhältnis zu Reschke wirkt merklich abgekühlter.

Für mich ist Reschke nach wie vor ein Mann für die zweite Reihe, der er sowohl bei Bayer Leverkusen als auch bei den Bayern war. Es ist schon extrem zum fremdschämen, wenn er ein Mikrofon vor die Nase gehalten bekommt. Schindelmeiser wurde vorgeworfen, seine Transfers im stillen Kämmerlein ausgeklügelt zu haben, was einigen redseligen Gestalten in Vorstand und Aufsichtsrat und auch der Stuttgarter Presse nicht gefallen haben dürfte. Reschke hingegen, der rheinische Dampfplauderer, lässt Öffentlichkeit und Presse gleichermaßen an seinen Gedankengängen teilhaben, was uns beim Romero-Transferpoker auf die Verliererstraße gebracht haben dürfte. Wenn man nicht in trockenen Tüchern befindliche Transfers alle paar Tage öffentlich kommentiert und Wasserstandsmeldungen über Größenordnungen des Transfers gibt, braucht man sich nicht zu wundern, wenn größere Vereine auf den Plan treten und einem den Spieler vor der Nase wegschnappen. Schindelmeiser wird gewusst haben, weshalb er nur engste Mitarbeiter in seine Pläne eingeweiht hat, seit er weg ist, haben die Maulwürfe wieder Hochkonjunktur.

Reschke lässt auch bisher zu anderen Themen kaum ein Fettnäpfchen aus. Die Amateure, Heiligtum vieler VfB-Fans, sollen völlig von der Bildfläche verschwinden, Kritiker seiner Transfers betitelte er als Vollidioten und nach der Niederlage gegen Leverkusen wünschte er sich elf „Donisse“ auf dem Platz. Fragwürdig, wie solche Aussagen auf den Rest des Teams wirken, zumal es eher brotlose Kunst war, die Donis an diesem Abend auf den Platz brachte. Nach dem unnötigen Pokal-Aus in Mainz kündigte Reschke Einzelgespräche an, weil auch er mit der Einstellung einiger Akteure nicht einverstanden war. Mit reden allein ist es jedoch nicht getan, Reschke muss den Kader verstärken. Weniger schwätzen, mehr schaffen, auf gut schwäbisch.

Spannende Wochen stehen uns also bevor, in denen man hoffentlich nicht auf Zeit spielt und den 31. Januar und damit das Schließen des Transferfensters zu fest im Blick hat. Bis dahin sind bereits drei richtungsweisende Spiele in der Rückrunde Geschichte und der VfB könnte, wenn er denn so weiter macht wie zuletzt, schon entscheidendes Terrain verspielt haben.

Ich wünsche uns allen noch einige besinnliche Tage und ein erfolgreiches Jahr 2018. Wir lesen uns!

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