1. März 2017

Siegesserie ausgebaut!

Nach dem am Ende schmeichelhaften Sieg beim 1. FC Heidenheim hieß es letzten Sonntag die Serie zu Hause gegen den 1. FC Kaiserslautern auszubauen.

Die Pfälzer kamen mit dem neuen Trainer Norbert Meier ebenfalls gut aus der Winterpause und reisten daher mit neuem Selbstbewusstsein an. Das Aufeinandertreffen der „Serientäter“ und die von Teilen der Fanlager gelebte Fanfreundschaft mobilisierte die Massen. Gut 52.000 Zuschauer, darunter etwa 6.000 Pfälzer ließen Bundesligaflair durchs Neckarstadion ziehen und verliehen dem Spiel bei frühlingshaften Temperaturen einen hervorragenden äußeren Rahmen.

Beim VfB stand Neuzugang Ofori erstmals im Kader. In der Startformation ersetzte der Siegtorschütze von Heidenheim, Josip Brekalo, zunächst Julian Green, während der Ex-Lauterer Jean Zimmer anstelle des verletzten Kevin Großkreutz hinten rechts verteidigte. Für meine Begriffe machte Zimmer, der beim VfB einen schweren Stand und viel Konkurrenz hat, ein ordentliches Spiel, vor allem offensiv jedoch noch mit Luft nach oben. Bei ihm bin ich guter Hoffnung, dass er sein Potential bei uns bisher bei weitem noch nicht ausgeschöpft hat und zu einer Verstärkung werden könnte, wenn er mehr Spielpraxis bekommt. Viele stempeln ihn zwar bereits als Fehleinkauf ab, für mich verfrüht!

Das Spiel war eine zähe Angelegenheit, weil die Lauterer dicht gestaffelt standen und der VfB in der ersten Hälfte keinerlei Lösungen fand, den Pfälzer Abwehrriegel zu durchbrechen. Der VfB spielte durchaus engagiert. Als Zuschauer musste man sich eigentlich nie Sorgen machen, dass in diesem Spiel etwas anbrennen könnte, weil der VfB eindeutig Herr im eigenen Haus war, nur Torchancen blieben in der ersten Hälfte absolute Mangelware.

Dabei plätscherte die Partie eigentlich nicht einmal vor sich hin, weil das Bemühen erkennbar war, sich den Gegner langsam zurechtstellen zu wollen. Das Spiel gegen die beste Abwehr der 2. Liga war nun mal kein Selbstläufer, der VfB musste einiges investieren.

Unter Hannes Wolf scheinen die trostlosen Begegnungen, die man in den Vorjahren, vor allem zu Hause, oft hat über sich ergehen lassen, der Vergangenheit anzugehören. Wolf, unsere guten Individualisten und die Möglichkeit von der Bank Qualität nachlegen zu können, geben mir derzeit die Zuversicht, dass stets etwas passieren kann.

Wie schon in Heidenheim kamen die Brustringträger hungrig aus der Halbzeitpause und hatten durch Baumgartl und Gentner gleich die ersten Torannäherungen zu verzeichnen. Auch an den Frühstarts, die der VfB regelmäßig in beiden Halbzeiten hinlegt, lässt sich ablesen, dass die Jungs in der Kabine gut eingestellt wurden und die ihnen mit auf den Weg gegebenen Vorgaben noch frisch im Gedächtnis haften.

Der VfB erspielte sich nun ein Übergewicht, kam dem erlösenden Treffer peu à peu näher und erzwang die Führung schließlich auch. Simon Terodde bewies dabei einmal mehr seinen Torriecher, als er eine Insúa-Flanke zur Führung verlängerte. Dieses Tor war bereits sein 15. in dieser Saison, womit er die alleinige Führung in der Torjägerliste übernahm. Dass er dieses bereits mit gebrochenem Nasenbein erzielte, bekam man auf der Tribüne nicht mit, unterstreicht aber die Nehmerqualitäten, die in „Torodde“ schlummern.

Kurze Zeit später hatte er dann seine Schuldigkeit getan und wurde gegen Daniel Ginczek ausgewechselt. Wohl dem, der so nachlegen kann wie der VfB. Ginczek hatte das 2:0 noch auf dem Fuß, vergab aber letztlich kläglich. Dennoch ist es nur eine Frage der Zeit, bis bei ihm der Knoten platzt und er wieder ganz der Alte ist. Immerhin sicherte er sich kurz vor Spielende noch einen Scorerpunkt, indem er den ebenfalls eingewechselten Özcan glänzend in Szene setzte und dieser schließlich mit seinem 2. Saisontreffer für die Entscheidung sorgte.

Somit stand unterm Strich ein abgeklärt errungener Sieg gegen stark verteidigende Lauterer und die Erkenntnis, dass der VfB auch eine eher zähe Partie grundsolide und konzentriert für sich entscheiden kann. Mir fällt derzeit sehr wenig ein, was gegen den Aufsteiger VfB sprechen sollte. Fünf Punkte Vorsprung auf Hannover 96, das zu Hause gegen Arminia Bielefeld nicht über ein Unentschieden hinauskam und sechs Punkte Vorsprung auf den Dritten Union Berlin sprechen schon jetzt eine deutliche Sprache.

Unser kommender Gegner Eintracht Braunschweig, in der Vorrunde stets auf einem direkten Aufstiegsplatz platziert, fand nach zuletzt fünf Spielen ohne Sieg durch den Auswärtssieg in Sandhausen wieder in die Spur und darf im Aufstiegsrennen weiterhin nicht außer Acht gelassen werden. Rechtzeitig vor dem Gipfeltreffen mit dem VfB tankte das Team des langjährigen Trainers Thorsten Lieberknecht neues Selbstvertrauen und dürfte am kommenden Montag eine harte Nuss werden.

Braunschweig hat lediglich eine (kürzlich gegen den FC St. Pauli) Heimniederlage zu beklagen, aber bereits acht Heimsiege vorzuweisen. Im Hinspiel (unter Olaf Janßen) war es eine relativ klare Angelegenheit für den VfB, zu Hause aber, mit ihrem enthusiastischen Publikum im Rücken, dürfte es für den VfB ungleich schwerer werden.

Doch, der VfB ist seit dem Trainingslager in Lagos mit dem aus der Vorrunde überhaupt nicht mehr zu vergleichen. Fünf Siege in fünf Rückrundenspielen sprechen Bände. Das Team wirkt stabiler und hat vor allem in puncto Zusammenhalt und Teamgeist zugelegt. Spieler wie Anto Grgic, die in der Vorrunde noch überhaupt keine Rolle gespielt haben, sind nicht mehr wegzudenken und der Konkurrenzkampf ist größer denn je.
In Braunschweig erwartet den VfB eine echte Reifeprüfung, denn, Spitzenmannschaften waren noch nicht unter den Rückrundengegnern. Mit einem Auswärtssieg könnte ein wahrer Big Point gelandet werden, der nicht nur drei Punkte sondern auch Rückenwind für die nächsten Aufgaben einbringen sollte. Gut sind die Erinnerungen an das Bundesligaspiel 2013 im Stadion an der Hamburger Straße, das der VfB, mit Thomas Schneider auf der Bank, mit 0:4 für sich entschied.

Weniger gut dagegen sind die Erinnerungen an die damalige Busfahrt, als wir bereits auf der Hinfahrt Probleme mit dem Bus hatten und dieser vor dem Stadion notdürftig „behandelt“ wurde, um dann völlig den Geist aufzugeben und uns zu einem mehrstündigen Stopp auf dem Rasthof Kassel zu zwingen. Das Spiel fand sonntags, 17.30 Uhr, statt, zu Hause war ich gegen 6 Uhr morgens und durfte da schon fast wieder ins Geschäft aufbrechen. Daher ist es geradezu ein Segen, dass das nächste Spiel in Braunschweig am Montagabend ist und man den Dienstag sowieso gleich mit freinehmen musste. *Ironieaus*

Eine wahre Freude ist es derweil, Hannes Wolf zu beobachten. Pressekonferenzen mit ihm sind schon allein ein Erlebnis. Man nimmt ihm dabei sogar ab, dass er das Team, das zwei Tage später auf dem Platz beginnen soll, wirklich noch nicht komplett im Kopf hat.

Er achtet bei seinen Spielern auf jedes Detail und beobachtet die Jungs bis zum Abschlusstraining, am Vortag des Spiels, ehe er elf Spielern sein Vertrauen schenkt. Wolf wägt dabei genau ab, wen er aus der Stammelf herausnehmen kann und wer sich dessen Platz auch wirklich verdient hat. Ich kann mich nicht erinnern, jemals einen solch ergebnisoffenen und gerechten Konkurrenzkampf beim VfB erlebt zu haben.

Wenn sogar ein Thomas Tuchel Hannes Wolf adelt, indem er ihm bescheinigt, noch nie einen Trainer erlebt zu haben, der sich derart in die Gefühlswelt seiner Spieler hineinversetzen kann wie Hannes Wolf, drückt dies viel über die menschlichen Qualitäten aus und sollte uns Hoffnung geben, dass die Mannschaft Wolf auch weiterhin folgen wird.

Derzeit sehe ich uns auf den meisten Ebenen personell gut aufgestellt und die richtigen Leute am richtigen Platz wirken. Die Personalrochaden bei den Amateuren und den Junioren tragen erste Früchte, die Profis sind im Soll und Jan Schindelmeiser und Hannes Wolf ordnen die Situation nach wie vor sachlich ein und werden genau ein Auge darauf haben, ob jemand meint, nachlassen zu können.

Schindelmeiser habe ich oft genug für seine Transfers gelobt und dafür, dass diese Transfers unter Verschluss bleiben, bis sie in trockenen Tüchern sind. Zudem krempelt er den Verein im Hintergrund weiter um und versucht die Kollateralschäden, die Bobic und Dutt verursacht haben, Stück für Stück zu kitten und den Verein zukunftsfähig aufzustellen.

Auch Wolfgang Dietrich macht auf mich bisher, wider meine eigenen Befürchtungen, einen sehr guten Eindruck.

Jüngst, am Rande des Spiels unserer Amateure gegen Nöttingen, hatte ich die Gelegenheit mit ihm zu sprechen und umriss dabei Themen wie seinen Social-Media-Auftritt, sein Treffen mit Ottmar Hitzfeld und den Aufstiegshelden von 1977, das Einbinden Altgedienter in den Verein (wurden laut seiner Aussage jahrelang sträflich vernachlässigt), wie der Wechsel von Brekalo zustande kam und einiges mehr.

Insgesamt war das ein sehr offenes Gespräch, in dem er einen ehrlichen Eindruck erweckte und man ihm anmerken konnte, mit welcher Freude und welchem Engagement er bei der Sache ist.

Viele VfB-Fans und -Mitglieder lehnen ihnen von vornherein ab, weil er als absoluter Befürworter der Ausgliederung der Profiabteilung gilt. Meiner Meinung nach sollte man aber seine Präsidentschaft und die mögliche Ausgliederung getrennt betrachten. Dietrich hat immer betont, dass dieses Thema in diesem Jahr entschieden und vom Tisch sein muss. Dabei wird er, wie seine Vorstandskollegen auch, für die Ausgliederung werben, das Ergebnis der Abstimmung dann aber akzeptieren und dieses Thema bis auf Weiteres von der Tagesordnung nehmen.

Schon bei der Gesprächsrunde mit ihm in Lagos hat er beklagt, wie das Thema den Verein jahrelang lähmte und durch die Blume zugegeben, dass die dadurch gebundenen Kapazitäten an anderer Stelle gefehlt haben und dort Stillstand herrschte. Deshalb habe ich Verständnis dafür, dass der VfB eine schnelle Entscheidung anstrebt, so oder so!

Friede, Freude, Eierkuchen rund um den VfB also, sollte man meinen. Als Blogger fehlen da einem schon fast die Themen, wenn man, wie das ganze Jahr schon, nur noch mit dem Dauergrinsen unterwegs ist. Selbst die Edel-Tribünenhocker Maxim und Klein sind kein Thema mehr, ja, es wäre so schön ruhig, wäre da nicht Kevin Großkreutz.

Dieser war in der Nacht zum Dienstag gegen 2.15 Uhr in der Stuttgarter Innenstadt in eine Schlägerei verwickelt und wurde ins Krankenhaus eingeliefert, das er am heutigen Mittwoch wieder verlassen konnte.

Als von SWR Sport gestern um die Mittagszeit auf Facebook die Meldung „Kevin Großkreutz musste gestern Abend nach einer körperlichen Auseinandersetzung ins Krankenhaus. Genaueres ist noch unklar.“ gepostet wurde, war meine erste Reaktion, die ich dort auch auf der Seite hinterließ, „Drecks Medien“.

Gerade jener Sender, der sich bei Sport im Dritten in seiner Rubrik „Klartext“ zum Moralwächter des Sports aufschwingt, gibt eine solche Meldung ohne jegliches Hintergrundwissen heraus, und legt dabei offensichtlich mehr Wert auf Exklusivität, als dass man sich auf die journalistische Sorgfaltspflicht besinnen und weiter recherchieren würde.

Kevin Großkreutz ist nun mal kein x-beliebiger Profi sondern polarisiert wie kaum ein anderer. Nachdem Onlineredaktion für Onlineredaktion in Geiermanier nachzog und diese Meldung, natürlich noch immer ohne weitere Fakten, im Netz seine Kreise zog, ließ der Shitstorm nicht lange auf sich warten.

Einer Redaktion, wie der des SWR, hätte es gut zu Gesicht gestanden, Fingerspitzengefühl an den Tag zu legen, Großkreutz (und seine Familie) zunächst einmal zu schützen. Von einem öffentlich-rechtlichen Sender erwarte ich hier einfach, auch mehr als sieben Jahre nach dem Suizid von Robert Enke, einen verantwortungsvolleren Umgang mit Informationen, die ihnen auf mysteriösem Wege (wohl aus dem Krankenhaus) zugespielt wurden.

Es scheint gerade so, als dass es den Stuttgarter Medien und dem SWR rund um die Mercedesstraße zu ruhig ist und sie Unruhe schüren wollen, um dies schleunigst zu ändern.

Auch wenn es noch so gut läuft, überall wird das Haar in der Suppe gesucht und medial breit ausgetreten. Dagegen sollten sich Medienvertreter, denen die Türen im VfB-Clubzentrum meist weit offen stehen und denen der VfB wirklich am Herzen liegt, als Partner des Vereins sehen und sich bei derart brisantem Sachverhalt mit dem Verein abstimmen. Tut man das nicht, liegt die Vermutung nah, dass man dem VfB Schaden zufügen und der Ruhe um den Verein ein schnelles Ende setzen möchte.

Bis keine endgültigen Erkenntnisse vorliegen und man nicht sicher weiß, was sich wirklich zugetragen hat, halte ich mich mit einer Wertung der Geschehnisse vollkommen zurück und wünsche Kevin Großkreutz einfach nur eine schnelle und vollständige Genesung.

Inwieweit der Verein den Vorfall bewerten und womöglich sanktionieren wird, steht noch aus. Eine Rolle spielt dabei sicherlich, ob die Sprunggelenksverletzung, die Großkreutz gegen Lautern zum zuschauen zwang, bereits auskuriert war oder ob es für einen besseren Heilungsverlauf nicht besser gewesen wäre, zu Hause die Füße hochzulegen.

Mit der Ruhe dürfte es also vorerst vorbei sein, ich befürchte, dieses Thema wird uns noch länger beschäftigen. Bleibt nur zu hoffen, dass es das Team ums Team schafft, diese Angelegenheit so weit wie möglich von der Mannschaft fernzuhalten und eine normale Vorbereitung auf das Braunschweig-Spiel hinlegen kann.

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22. Januar 2017

Mittendrin statt nur dabei

Auch wenn man das eigene Team mitunter verflucht und nicht mehr sehen kann, wenn die beiden letzten Spiele gegen Hannover 96 und die Würzburger Kickers sang- und klanglos verloren gehen, ist man nach ein paar Wochen Erholungspause für uns und dem Urlaub für die Spieler wieder heiß darauf, zu sehen, wie es weiter geht.

Die Hoffnung auf bessere Zeiten stirbt ja bekanntlich zuletzt, zudem war ich sehr gespannt, wie Trainer Hannes Wolf in Lagos seine erste Vorbereitung angehen werden würde.

Da die Sommertrainingslager mittlerweile sehr überlaufen sind und, vor allem wenn sie in den Sommerferien stattfinden von Familien mit kleinen Kindern und jungem Partyvolk übervölkert sind, findet man im Wintertrainingslager doch eine Atmosphäre vor, in der man „unter sich“ ist.

Hauptsächlich Allesfahrer verschiedener Fanclubs und Ultras-Gruppierungen sind dann vor Ort, eben Leute, die man kennt und mit denen man die Gelegenheit hat, sich besser kennenzulernen und gemeinsam etwas zu unternehmen.

Dass das Trainingslager außerdem auch die Möglichkeit bietet, dem kalten und grauen Deutschland eine Woche lang den Rücken zuzukehren und Sonne fürs Gemüt zu tanken, ist eine positive Begleiterscheinung, auch wenn man natürlich nicht drin steckt, welches Wetter einen denn erwarten würde.

Bereits vor zwei Jahren schlug der VfB an gleicher Stelle seine Zelte auf, damals war es für Portugal eher frisch und regnerisch. Wir hatten seinerzeit schon mal Temperaturen um die 12°, wenn dann noch Nieselregen und der typisch böige Wind am Atlantik hinzu kommen, wird es auch im Südwesten Europas ziemlich ungemütlich.

Dieses Mal freilich wurden wir von Sonne pur verwöhnt, das Thermometer kletterte nahe an die 20°-Marke und der Wind war nur an den ersten beiden Tagen etwas frisch. Als es bereits dem Ende unseres Aufenthalts zuging, erfolgte ein Temperatur-Sturz mit deutlich frischeren Temperaturen, ohne allerdings, dass der Sonnenschein nachgelassen hätte.

Der VfB buchte sich vom 13. bis zum 20. Januar ins Cascade Wellness & Lifestyle Resort ein. Wir planten unseren Aufenthalt umgehend nach Bekanntgabe des Termins, ebenfalls für eine Woche und nur um einen Tag nach vorne versetzt. Dies rührte daher, dass wir donnerstags günstig ab und bis Memmingen nach Faro reisen konnten, was uns leider das erst während des Trainingslagers vereinbarte Spiel in Huelva gegen Lausanne Sports (1:0) am Donnerstagabend kostete.

Im Vorfeld stimmten wir uns mit den Stammtrainingslagerfahrern ab, dass wir unser Domizil im 4-Sterne-Hotel Tivoli Lagos aufschlagen würden, das mitten im Zentrum von Lagos gelegen ist und einen Mietwagen bedingte, sofern man nicht vier Mal am Tag einen 45-minütigen Fußmarsch zum Trainingsgelände und zurück in Kauf nehmen oder aufs Taxi angewiesen sein wollte.

Den Mietwagen, der dank kostenlosem Upgrade ein Nissan Qashqai geworden ist, holten wir direkt am Flughafen ab und fuhren Donnerstagabend die 80 Kilometer von Faro nach Lagos. Einige Bekannte, die den gleichen Flieger ab Memmingen genommen hatten, trafen wir im Hotel wieder, so dass wir gegen 23 Uhr noch zusammen ins Adega da Marina essen gingen. Dieses Lokal gleicht eher einer Kantine denn einem Restaurant, so dass ich bereits bei unserem letzten Aufenthalt anmerkte, dort nicht mehr unbedingt hin zu wollen, doch, Donnerstagabend, 23 Uhr, hatten wir keine andere Möglichkeit mehr, so dass die Mahlzeit, Stichwort gewürzte Knochen, letztlich den Hauptzweck erfüllte, und uns so stärkte, um zum Abschluss des anstrengenden Anreisetages noch das eine oder andere Bierchen trinken zu können.

Den nächsten Tag dann hatten wir „frei“, da mit der Mannschaft erst gegen Spätnachmittag zu rechnen war. Planmäßige Ankunft des Teams war um 12 Uhr mittags in Lissabon, der noch eine gut dreistündige Busfahrt runter an die Algarve folgen sollte. Anders als noch vor zwei Jahren betrieb man nicht den Aufwand, den Mannschaftsbus gut 2.500 Kilometer voraus zu schicken, nur um die Mannschaft vom Flughafen abzuholen und wieder dorthin zu bringen. Die Wege in Lagos für das Team sind kurz, so dass der Bus noch vor zwei Jahren während des gesamten Aufenthalts eigentlich nur sinnlos herumgestanden war.

Wir nutzten unseren freien Tag ein paar kleinere Stadien entlang der Algarve abzuklappern und Bilder davon zu machen. Nahe Quarteira erinnerte ich mich an ein Schweizer Lokal in der Nähe, in dem ich während der Euro 2004, als wir unser Quartier in Quarteira aufgeschlagen hatten und per Mietwagen zwei Mal hoch nach Porto und einmal nach Lissabon zu den deutschen Spielen fuhren, das beste Cordon Bleu entlang der Algarve verköstigte.

Da beim ergoogeln der genauen Adresse Bewertungen vom Januar 2015 ins Auge stachen, stieg die Wahrscheinlichkeit, dass es das Restaurant noch gibt und auch, dass es im Winter geöffnet haben könnte. Eigentlich kamen wir zu spät dort an. Bis 15 Uhr hätte es warme Küche gegeben, das Küchenpersonal war nach Hause geschickt und doch wirkte bei der Gastwirtin meine Geschichte von 2004 und vor allem, dass ich mich noch an das gute Cordon Bleu von damals erinnern würde. So stellte sie sich selbst an den Herd, beorderte ihre greise und schwer auf den Beinen befindliche Mutter her und fing für uns das brutzeln an. Uns allen hat es sehr gemundet, so dass sich dieser Abstecher schon einmal gelohnt hat.

Den Gedanken, auch noch die Stadien in Faro in Angriff zu nehmen, verwarfen wir dann wieder. Zum einen machte das Essen träge und bremste unseren Tatendrang, zum anderen hatte es auch durchaus seinen Charme, das Team direkt nach Ankunft begrüßen zu können.

So fuhren wir also zurück und erhielten kurz vor der Ankunft am Tivoli eine SMS mit der Info, dass die Mannschaft ab 18 Uhr ihr erstes Training auf portugiesischem Boden im Estádio Municipal Fernando Cabrita in Lagos abhalten würde. Aufgrund schwerer Turbulenzen im deutschen Luftraum wegen des Wintereinbruchs war die Mannschaft verspätet gelandet. Da Hannes Wolf auf dieses erste Training Wert legte und der Trainingsplatz am Hotel kein Flutlicht besitzt, zog man kurzerhand ins Stadion um, was uns Gelegenheits-Groundhoppern natürlich sehr gelegen kam.

Das „Hallo“ war dann erst einmal groß, schließlich kennt man sich inzwischen, vor allem die Konstanten im Staff, ob Holger Laser, Günne Schäfer, Klenky, Peter Reichert oder Meuschi. Jedem mal hallo sagen. Hier wurde die Gelegenheit genutzt erste organisatorische Dinge in Erfahrung zu bringen und sich erklären zu lassen, weshalb bspw. Günther Schäfer entschied, den Mannschaftsbus zu Hause zu lassen. Das Training selbst war kurz und diente lediglich der Auflockerung der von Flug und Busfahrt geschundenen Muskulatur, für uns Fotografen waren die Lichtverhältnisse im Stadion sehr bescheiden, so dass der Smalltalk am Rande des Trainings ganz klar im Vordergrund stand.

Am nächsten Morgen dann stand das erste Training am Mannschaftshotel an. Dort trafen dann auch immer mehr (bekannte) VfBler ein, die vorwiegend von Frankfurt/ Hahn aus einschwebten, so dass sich auch da zunächst einmal eher Begrüßungsrituale und fachkundige Gespräche entwickelten, als dass man konzentriert das Training beobachten würde.

Da nicht nur die Mannschaft für die Rückrunde gewappnet sein muss sondern auch wir Fans und am Trainingsplatz erwartungsgemäß wieder kein Getränkeverkauf stattgefunden hat, führte uns unser erster Weg nach dem Training, jetzt wo wir nahezu komplett waren, zunächst einmal in den Supermarkt. Wie bei einem Flashmob fanden sich in diesem unverabredet immer mehr VfBler ein, so dass wir zeitweise den kompletten Betrieb lahm legten.

Wir, eben ganz Schwaben, hatten ein Sonderangebot über 20 Sagres-Fläschchen im Auge, von dem sich lediglich zwei Pack im Regal befanden. Da das 30er-Päckle ungefähr das Dreifache dessen kostete, machten wir Rabatz an der Kasse, dass sich schnellstmöglich jemand ins Lager bewegen und Nachschub besorgen sollte.

Nach kurzen Diskussionen wurde diesem Wunsch dann auch entsprochen, auch wenn die Wartezeit daraufhin zäh war. Währenddessen „warnten“ wir später eintreffende VfBler vor dem (teuren) Fehlkauf, so dass ein heilloses Durcheinander im Intermarché die Folge war und sämtliche Kassen blockiert waren. Nachdem alles zu unserer Zufriedenheit abgewickelt war, feierten wir eine kleine aber feine spontane Supermarkt-Parkplatz-Party, das Leben ist schön!

Danach ging es dann zu unserem ersten Fußballspiel während unseres Aufenthalts, erneut ins Estádio Municipal Fernando Cabrita zum 4.-Ligaspiel C.F. Esperança de Lagos-Futebol Clube de Ferreiras, welches 1:1 endete. Knapp 200 Zuschauer, darunter zwischen 20 und 30 VfBler sahen einen Kick auf mäßigem Niveau, der dennoch lustig war und Spaß machte. Bei Bier für einen Euro, Erdnüssen und Sonne pur lernten wir in der Kürze der Zeit sogar die Lieder der Lagos-Fanszene, welche teilweise Ohrwurmcharakter besitzen und einen bis heute nicht mehr los lassen.

Den darauf folgenden Abend, an dem erstmals alle zusammen waren und die Shaker-Bar unsicher gemacht wurde, würde ich schon heute als legendär bezeichnen. Noch habe ich keine allzu aussagekräftigen Bilder oder gar Videos davon gesehen, weiß aber, dass welche „in der Mache“ sind.

Am nächsten Morgen um 11.15 Uhr besuchten wir dann noch das 2. Liga-Spiel SC Portimonense- Sporting Lissabon B im Estádio Municipal de Portimão. Die gut 20 Kilometer lange Anfahrt sollte sich lohnen, war dort doch etwas mehr Stadionatmosphäre zu spüren als tags zuvor in Lagos. Die langen Schlangen, sowohl an den Ticketschaltern als auch später zum Einlass ins Stadion ließen nichts Gutes vermuten, waren wir doch schon recht knapp dran. So verpassten wir die Anfangsminuten dieses einseitigen Spiels, das Portimão klar mit 4:0 für sich entschied. Die Uhrzeit wäre prädestiniert gewesen, einen Frühschoppen abzuhalten, leider wurde jedoch nur alkoholfrei ausgeschenkt. Hat diese Unsitte also auch schon die zweite portugiesische Liga erreicht, mir fehl(t)en die Worte.

Nach dem Spiel hieß es die Füße in die Hand zu nehmen und sich zu sputen, wartete doch schon um 14 Uhr das Aufeinandertreffen unserer Brustringträger mit dem MSV Duisburg auf uns, dem einzigen VfB-Testspiel während unseres Aufenthalts.

Eine Trainingseinheit verpassten wir an diesem Morgen nicht, Trainer Hannes Wolf legte offensichtlich wert auf eine frische Mannschaft und echte Erkenntnisse aus diesem Test. Diese waren dann schließlich, dass sich die Truppe defensiv zu stabilisieren scheint, vorne jedoch noch die Durchschlagskraft fehlt, folgerichtig das Ergebnis: 0:0.

Hannes Wolf hat gleich zu Beginn des Trainingslagers den Mannschaftsrat selbst bestimmt, wohl auch, um einem unerwünschten und unvorhersehbaren Wahlergebnis vorzugreifen und dieses somit zu verhindern. Meiner Meinung nach fand er dabei eine gute Mischung, die zugleich Achse auf dem Platz werden soll, indem er Keeper Mitch Langerak, Abwehrchef Timo Baumgartl, Kapitän und „Mittelfeld-Regisseur“ Christian Gentner sowie Sturmtank Simon Terodde für befähigt hält, in dieser Truppe den Ton anzugeben. Charakterlich hat er bei seiner Auswahl sicherlich ins Schwarze getroffen, inwieweit sich deren Standing im Team weiter erhöht und sie die Akzeptanz des restlichen Teams haben werden, bleibt abzuwarten. Akzeptanz erwirbt man sich immer am besten dadurch, wenn es einem gelingt, mit Leistung voran zu gehen.

Am nächsten Tag stand für mich nach dem einzigen Training am Vormittag ein absolutes Highlight auf dem Programm. Seit 1983 war ich unzählige Male an der Algarve und schlug dabei vor allem in den „wilden“ 80ern mein Lager stets in Sagres auf. Sagres ist bis heute eine Oase der Ruhe und Anziehungspunkt für unzählige Hippies und Aussteiger, fernab des Massentourismus à la Praia da Rocha (bei Portimão) und Albufeira.

Mit dem Örtchen, in dem mein damaliges Stammlokal Rosa Dos Ventos leider geschlossen ist und in sich zusammen zu fallen scheint, verbinden mich unzählige schöne Erinnerungen, so dass es immer auch eine Reise in die Vergangenheit ist, an einen Ort an dem man die Seele baumeln lassen kann.

Etwa sechs Kilometer von Sagres entfernt befindet sich das Cabo de São Vicente, der südwestlichste Zipfel Europas, an dem mittlerweile in den Sommermonaten die letzte Bratwurst vor Amerika verkauft wird.

Die für die Algarve typische Felsküste, der nahe gelegene Strand von Beliche, die Wellen, die von allen Seiten an die Felsen knallen, all das macht für mich das Cabo zu einem magischen Ort, an den ich bei jedem Algarve-Aufenthalt gerne und fast zwangsläufig zurückkehre.

Vor zwei Jahren noch peitschte der Wind derart, dass wir die Autotüren kaum öffnen konnten, dieses Mal war es weitaus angenehmer bei mäßigem Wind und strahlendem Sonnenschein. Mit den anderen VfBlern verabredeten wir uns am Kap, machten schöne Erinnerungs- und Gruppenfotos und nahmen schließlich in Sagres an der Praca da Republica noch einen kleinen Imbiss ein, bevor es wieder zurück nach Lagos ging. Da am Abend kein Training angesetzt war, konnten wir diesen Nachmittag sehr gechillt verbringen und vor allem ich in Erinnerungen schwelgen.

Der Abend im einzigen Irish Pub von Lagos, der zudem nur etwa 50 Meter entfernt von unserem Hotel entfernt ist, hatte es dann auch noch in sich. Ich weiß nicht mehr, wie oft wir an diesem Abend unser letztes Bier getrunken haben, jedenfalls zogen sich diese bis fast vier Uhr morgens hin. Der Wirt, aufgrund seines Bartes selbsternannter Santa Claus von Lagos und seine hinter dem Tresen schuftende Tochter schlossen das Lokal pflichtgemäß um 2 Uhr nachts ab.

Dann bekamen wir im eigentlichen Nichtraucher-Lokal Aschenbecher hingestellt und wurden gebeten, uns ruhig zu verhalten, da die Polizeistunde bereits vorüber war und die waschechten Iren sonst Ärger bekommen könnten. So entwickelte sich ein extrem lustiges Beisammensein, bei dem man schnell die Zeit vergaß!

Am nächsten Morgen schwächelten mein Zimmergenosse und ich dann, indem wir die Aufforderung, „wer bis 9 Uhr nicht fertig ist, kann liegenbleiben“ wörtlich (wie auch sonst?!) nahmen und liegen blieben. Die anderen setzten die Stadiontour gen Faro fort, wir starteten weitaus gemütlicher in den Tag und päppelten uns mit Kaffee und Mineralwasser langsam auf. Noch ohne gefrühschoppt zu haben, wurden wir von Holger Laser für vfb-tv zum Interview gebeten, was vielleicht erklärt, dass ich sprichwörtlich einen Kloß im Hals hatte. Naja, war ja „nur“ für die VfB-Familie…

Die Tradition eines Fanabends, bei dem sich einige Spieler und Offizielle an der Bar des Mannschaftshotels blicken lassen und der VfB die Zeche (bis zu einer bestimmten Uhrzeit) für Bier, Wein und Softgetränke übernimmt, setzte sich auch dieses Mal fort. Im Gegensatz zu so manchem Sommertrainingslager, wo der komplette Trainerstab und alle Spieler diesen Pflichttermin wahrnehmen (müssen), werden bei Wintertrainingslagern in der Regel eine Handvoll Spieler abgesandt.

Die Anordnung der Spieler auf die Tische war recht ungleich um nicht zu sagen unglücklich verteilt. Saßen an einem Tisch mit fünf Fans gleich vier Spieler (Großkreutz, Özcan, Gentner, Zimmer) konnte sich bspw. mein Tisch und jener nebenan um Matthias Zimmermann „streiten“.

Mitch Langerak war einziger Matador an einem weiteren Tisch, sowie Simon Terodde an jenem vom Rest unserer Reisegruppe. Terodde muss dabei einen erstklassigen Eindruck hinterlassen haben und war selbst so interessiert an unserem Fan-Leben, dass er auch einige Fragen mitgebracht hatte. Zudem richtete er durch die Blume formuliert Erwartungen an die Fans was deren Umgang mit der Mannschaft betrifft. Besonders im Gedächtnis blieb ihm dabei seine Zeit bei Union Berlin und deren Kodex, die eigene Mannschaft niemals während des Spiels auszupfeifen, ihr den Rücken zuzukehren oder das Spiel vorzeitig zu verlassen.

Langerak interessierte mich an diesem Abend ohnehin weniger, weil ich mich mit ihm in Grassau schon ausführlich unterhalten konnte, Großkreutz und Gentner waren ohnehin von einigen umgarnt, so dass ich dann nach einiger Zeit und einigen Bier doch noch mit Matthias Zimmermann ins Gespräch einstieg.

Leider fehlte mir bei ihm eine vernünftige Basis, weil er ziemlich desinteressiert wirkte und Phrasen wie vor Fernsehkameras von sich gab. Unter der Hand war während des Camps schon wieder zu hören, dass es in der Mannschaft Grüppchen gäbe, die eher gegen- als miteinander arbeiten würden, so dass ich Zimmermann unter anderem nach dem Teamgeist und ob alle miteinander auskämen befragte, wobei er mit „alles bestens“ antwortete. Dass Spieler, bei dem, was sie sagen, vorsichtig sind und einem nicht alles aufs Brot schmieren, ist natürlich und bin ich ja auch gewohnt, dass einer dabei aber stromlinienförmig antwortet und keine Vorlagen liefert, auch zwischen den Zeilen zu lesen, langweilt mich dann schon extrem.

Berkay Özcan sprach ich dann, kurz bevor er ging, auch noch an und redete mit ihm über den Mercedes-Benz Juniorcup, bei dem er im Vorjahr noch Spieler und in diesem Jahr Zaungast war. Dabei war seine steile Karriere und auch seine Freundschaft zu Mesut Özil ein Thema. Der Junge gefiel mir, weil er schnell, authentisch und ungekünstelt antwortete und einen freundlichen Eindruck hinterließ.

Außer Kevin Großkreutz (!) verließen die anderen Spieler die Veranstaltung nach und nach, so dass wir, auch weil wir nach dem offiziellen Teil weiter bleiben durften, in sehr gute Gespräche mit Fanbetreuung, Ultras und Fanclubvertretern einstiegen und so einiges über deren jeweilige Organisation und Aktionen erfuhren. Dies unterstrich einmal mehr den Zusammenhalt in der Fanszene und dass man eher nach dem gemeinsamen Nenner als nach Konfrontation strebt. So war dies an diesem Abend für mich das eigentliche Highlight.

Der Abend wurde lang und wäre möglicherweise noch länger geworden, wenn nicht vier Vertreter einer kleineren Ultras-Gruppierung, die mir schon beim Hochhalten eines Banners über Bibiana Steinhaus gegen Heidenheim negativ aufgefallen war, nichts Besseres zu tun gehabt hatten, als in der Hotelbar eines Luxushotels niveaulose Gesänge anstimmen zu müssen und nicht einmal bemerkt haben, dass dies in jeglicher Hinsicht, nicht nur des Ambientes wegen, daneben war und keiner der anderen Anwesenden mit eingestimmt hatte.

Das war negativer Höhepunkt eines ansonsten sehr schönen Abends. Dafür dürfen wir dem VfB dankbar sein und es weiterhin nicht als selbstverständlich erachten. Deshalb ärgert es mich auch sehr, wenn einige wenige bei solchen Gelegenheiten über die Stränge schlagen und die Gefahr dadurch erhöhen, dass solche Fanabende irgendwann der Vergangenheit angehören könnten.

Freilich würde sich der Verein ein Stück weit auch ins eigene Fleisch schneiden, würde er jene bestrafen, die sich zu benehmen wissen. Als Fan hat man nämlich selten Gelegenheit so nah am Puls des Vereins zu sein und sich durchaus auch die Sorgen und Nöte der Protagonisten anzuhören und für gewisse Verhaltensmuster ein Verständnis zu entwickeln. Daher können solche Fanabende dem Verein auch nützen, vor allem wenn man sich in der Bringschuld sieht und Vertrauen neu aufbauen möchte. In lockerer Atmosphäre unter Palmen und weit weg vom sonst vorherrschenden Ligadruck lässt es sich gut aufeinander zugehen!

Quelle: vfb.de

An unserem letzten Tag standen noch zwei Trainingseinheiten an. Während der ersten lud die Fanbetreuung einige Auserwählte zu einem Gespräch nach dem zweiten Training mit dem inzwischen eingeflogenen Präsidenten Wolfgang Dietrich ein. Dieser sei interessiert an einem Gespräch mit dem anwesenden Querschnitt an Fans, was ich sofort begrüßte.

Dietrich hat sich nach seinem schlechten Wahlergebnis, schließlich war er der alleinige Präsidentschaftskandidat, auf die Fahne geschrieben, die Leute mitnehmen und bis zur nächsten Mitgliederversammlung die Zustimmung für ihn steigern zu wollen.

Wenngleich ich Dietrich nicht gewählt habe und mir dabei weniger seine Vorgeschichte als S21-Sprecher und sein Schaffen als ehemaliger Inhaber eines undurchsichtigen Firmengeflechts ein Dorn im Auge waren, als die Tatsache, dass er wieder mal einziger Kandidat des ungeliebten Aufsichtsrats war und gegen alle Widerstände durchgeboxt wurde, habe ich es mir nach seiner Wahl vorgenommen, möglichst unvoreingenommen heranzugehen und zu gegebener Zeit über seine Taten zu urteilen.

Auch wenn die Art und Weise seiner Wahl weh tat und noch immer weh tut, muss jetzt der Verein im Vordergrund stehen. Dass dieser wieder in ruhigere Fahrwasser gerät, dafür braucht es Ruhe und keine Nebenkriegsschauplätze.

Dass sich Dietrich auch noch nach seiner Wahl auf Werbetour zu befinden scheint, spricht für sich und unterstreicht, wie er kämpfen muss, um die VfB-Gemeinde zu einen und von sich zu überzeugen. Diese “Tingelei” empfinde ich jedoch als legitim und, wie man hört, sehen bereits jetzt viele in ihm einen guten Präsidenten und den Verein insgesamt mit dem neuen Vorstand gut aufgestellt. Vom Fanclub Courage Gerlingen, den er beim Auftakt seines Jubiläumsjahres (10 Jahre) beehrte, hörte ich bereits, dass er dort einige Pluspunkte sammeln konnte.

Dass sich Dietrich überhaupt die Zeit nimmt und von sich aus an einem Dialog mit den Fans interessiert ist, werte ich jedenfalls als Positivum, dass wir binnen 24 Stunden zum zweiten Mal im erlauchten Ambiente des Mannschaftshotels empfangen wurden, als nicht selbstverständlich und schönen Nebeneffekt. Für Fragen ein anderes Ressort betreffend hat Dietrich zudem Marketing-Vorstand Jochen Röttgermann mitgebracht, der ebenfalls aktiv in die Runde eingebunden war.

Dietrich machte in Sachen Ausgliederung aus seinem Herzen keine Mördergrube und erklärte, dass sie für ihn zwar unumgänglich sei, die Entscheidung darüber, so oder so, jedoch in diesem Jahr vom Tisch sein müsse und dann auch als gegeben akzeptiert werde. Er wolle zwar keine Kritik an seinen Vorgängern üben, ABER, auf gut deutsch gab es in den letzten vier, fünf Jahren nur dieses eine Thema, weshalb das Tagesgeschäft sträflich vernachlässigt wurde.

Der Vereinsführung ist es klar, dass zunächst einmal Vertrauen der Mitglieder zurückgewonnen werden muss, ehe man reelle Chancen hat, die Ausgliederung durchzubekommen. An diesem Vertrauen kann u. a. durch solche Gespräche, VfB im Dialog oder auch durch Regionalversammlungen gefeilt werden, wenngleich alles mit der sportlichen Entwicklung steht und fällt.

Mein Hinrunden-Fazit fiel fatal aus und barg die unmissverständliche Forderung nach charakterstarken Neuzugängen, vorrangig im zentralen Mittelfeld, in sich. Bislang ist eher das Gegenteil der Fall, der VfB gab Spieler wie Sunjic, Sama und Besuschkow ab und verstärkte sich lediglich mit Julian Green. Dass bisweilen auch bei Abgängen von „Verstärkungen“ geredet werden kann, begründet sich damit, wenn man unzufriedene Spieler mit Stinkstiefelpotential von der Kaderliste bekommt und dadurch schon die Stimmung im Team angehoben wird. Unzufrieden waren die Genannten allesamt, ob sie auch schlechte Stimmung verbreiteten vermag ich nicht zu beurteilen.

Aus der Unterredung mit Dietrich blieb ferner hängen, dass Hannes Wolf davon überzeugt sei, mit diesem Kader den Aufstieg zu schaffen, unabhängig davon, ob noch Neuzugänge verpflichtet werden können oder nicht.

Auf meine Frage, ob denn noch der eine oder andere neue zu erwarten sei, antwortete Dietrich dann auch vorsichtig, für mich jedoch absolut plausibel und nachvollziehbar. Der VfB sei gewillt auch nicht nur einen einzigen Euro bei Transfergeschäften zu verschwenden. Man werde nur Spieler holen, die die Mannschaft sofort weiterbringen und keine für die Bank. Bankdrücker habe man bereits genügend, die seien es gewohnt, während Neue Unzufriedenheit und Unruhe hineinbrächten.

Ferner sei es zum jetzigen Zeitpunkt schwierig Spieler zu finden, die unser Team sofort verstärken, im Fall des Aufstiegs auch bundesligatauglich und gleichzeitig bereit wären, auch ein zweites Jahr zweite Bundesliga zu spielen.

Julian Green habe man nur geholt, weil ihn Marc Kienle aus seiner Zeit als Jugendleiter bei den Bayern kennt und Jürgen Klinsmann als US-Nationaltrainer, der noch immer nah am Verein ist, nur Gutes über den Jungen zu berichten gehabt habe.

Dies unterstreicht doch unser aller Forderung, künftig neben den fußballerischen Fähigkeiten vor allem auf die charakterlichen Eigenschaften zu achten und Schnellschüsse zu vermeiden. Unter dieser Prämisse kann ich mittlerweile gut ohne weitere Neuzugänge leben, bevor man sich Legionäre wie vor Jahresfrist Artem Kravets ins Haus holt, die einzig und allein an ihrem Gehaltsscheck interessiert sind und dem Gesamtgefüge eher schaden.

Zudem habe ich großes Vertrauen in die Arbeit von Hannes Wolf und traue es ihm zu, dass er aus dieser jetzt bestehenden Truppe das Bestmögliche herausholen und der Aufstieg in einer relativ schwachen 2. Liga auch ohne weitere Zukäufe ohne Wenn und Aber gelingen wird.

Ich ging mit einem guten Gefühl aus diesem Austausch und hoffe, dass sich dieses nicht als trügerisch erweist. Es ist bei weitem nicht so, dass ich nicht auch gerne noch einen namhaften Neuzugang hätte, bin aber Realist genug einzusehen, dass die Möglichkeiten auf dem Wintertransfermarkt stark beschränkt sind und zuerst die Bundesligisten zugreifen dürfen, bevor die unterklassigen Teams dran sind.

Zum Abschluss dieser Unterredung stand uns in kleinem Kreis dann noch Jochen Röttgermann Rede und Antwort und erweckte dabei ebenfalls einen lockeren und zugänglichen Eindruck.

Mein Eindruck von Wolfgang Dietrich nach dieser Runde hat sich etwas gebessert. Es scheint wirklich so zu sein, dass sich der Verein öffnet und transparenter werden möchte, wenn einem angeboten wird, jederzeit um ein persönliches Gespräch bitten zu können, was sowohl Dietrich als auch Röttgermann betraf.

Dietrich erweckte immerhin den Eindruck, sich Sorgen und Nöte von Fans und Mitgliedern anhören und sich ihrer annehmen zu wollen. Ob diese neue Offenheit nur ein Strohfeuer ist und wir Dietrich, wie viele befürchten, erst noch richtig kennen lernen werden, wird die Zukunft erweisen.

Ich für meinen Teil werde seinen weiteren Werdegang weiterhin misstrauisch und kritisch begleiten, hoffe aber, dass er die anfänglichen Zweifel zerstreuen kann und der Verein endlich zur Ruhe kommt.

Quelle: https://www.facebook.com/wolfgangdietrich

Noch aber sind meine größten Hoffnungsträger in diesem Verein Jan Schindelmeiser und Hannes Wolf, die schon jetzt, nach kurzem Wirken, einen neuen Geist hineinbrachten und weniger reden als dass sie schaffen. Es siecht schwer nach einem konsequenten Plan aus, was sie bisher bewerkstelligt haben. Der Kaderumbau ist, trotz beschränkter Möglichkeiten jetzt im Winter, in vollem Gange und wird sicherlich im Sommer sehr gravierend ausfallen. Diesen Herren sollte unser volles Vertrauen gelten, auch wenn wir, wie zum Ende der Vorrunde erlebt, vor Rückschlägen auch in Zukunft nicht gefeit sein werden. Die 2. Liga bietet die große Möglichkeit, den Verein zu konsolidieren und gleichzeitig auf ein solides Fundament zu stellen, und das im Einklang mit dem großen Ziel direkter Wiederaufstieg.

Vor allem Wolf erweckt mir den Eindruck, dass bei allem, was er tut, ein Plan dahinter steckt und er nichts dem Zufall überlässt. Trainer sind bei uns in den letzten Jahren bereits genug gescheitert, es ist an der Zeit, dass wir mal einem vertrauen und nicht gleich wieder alles schlecht reden, wenn etwas auf Anhieb nicht wie geschnürt läuft. Auch das ist ein Fazit unseres Portugal-Trips, jeder, wirklich jeder schwärmt in höchsten Tönen von Hannes Wolf, so dass auch wir Fans einen Teufel tun sollten, ihn wie viele seiner Vorgänger vom Hof zu jagen, bevor seine Mission hier nicht erfüllt ist. In einigen Zeitungsartikeln vor Weihnachten wurde bereits Kritik an Wolf laut, aus der Fanszene weniger. Es gilt auch hier zusammen zu stehen und dem Neuaufbau die nötige Zeit einzuräumen, ohne bereits jetzt wieder Köpfe zu fordern. Das sollte uns die jüngere Vergangenheit gelehrt haben, es kommt selten was noch Besseres nach!

Nach Lagos ist vor St. Pauli. Ich zähle bereits die Tage, bis es mal wieder um Punkte am Millerntor geht. Dort erwartet den VfB gleich die erste Reifeprüfung bei einem Gegner, der zum Ende der Hinrunde Morgenluft schnupperte und sich im Winter ordentlich verstärkt hat. Jedem, der nur annähernd mit Fußball etwas am Hut hat, ist es klar, dass es in St. Pauli nur über den Kampf gehen wird und man Nehmerqualitäten an den Tag legen muss. Dort kann sich zeigen, ob das Team aus dem Würzburg-Debakel seine Lehren gezogen hat, wenngleich sich die Mannschaft auch (fast) ohne Neuzugänge verändert hat. Die Neubesetzung des Mannschaftsrats gibt eine klare Hierarchie vor, Ginczek ist wieder fit und Anto Grgic scheint sich mittlerweile (endlich) ins Team gespielt und die Variationsmöglichkeiten im Mittelfeld erhöht zu haben.

Ich freue mich sehr auf kommenden Sonntag, schätze ich nicht nur die einzigartige Atmosphäre am Millerntor, sondern hege auch Sympathien für den Kiez-Club und habe einige Freunde dort.

Diese Freundschaft wird jedoch während der 90 Minuten ruhen, spielen wir in der gleichen Liga gibt es auch für mich selbstredend nur den VfB und nichts Anderes. St. Pauli wünsche ich zwar den Klassenerhalt, jedoch keine Punkte am Sonntag. Eher im Gegenteil, hat St. Pauli der gute Auftritt im Neckarstadion zu Saisonbeginn und die späte und unglückliche Niederlage im weiteren Saisonverlauf eher geschadet, hoffe ich nun auf einen desaströsen Auftritt der Kiez-Kicker mit gegenteiligem weiteren Verlauf in der Rückrunde.

Der VfB kann sich wieder großer Unterstützung sicher sein, bei keinem anderen Spiel in dieser Runde zuvor schien die Kartennot so groß gewesen zu sein, wie vor dem Aufeinandertreffen mit dem FC St. Pauli. St. Pauli ist nicht nur wegen des Stadions und der Atmosphäre ein Highlight im Fußballkalender, nein, auch die Stadt Hamburg lockt und ist jederzeit eine Reise wert.

So bemüht sich scheinbar jedermann um Karten. Viele, die jetzt noch händeringend nach Karten suchen, sind sogenannte Rosinenpicker, die diese eine Spiel auswärts machen wollen, die man sonst und zu ungünstigeren Anstoßterminen aber eher selten antrifft. Das sind dann auch jene, die die horrende Preistreiberei auf den einschlägigen Internetplattformen am Leben erhalten, indem sie für ihr einziges Auswärtsspiel bereit sind, tief in die Tasche zu greifen. Jedem dieser „Fans“ sei angeraten, überteuert erworbene Tickets dem Verein zu melden, damit dieser gegen den Verkäufer vorgehen kann. Mittlerweile wird jedes verkaufte Ticket mit der Seriennummer registriert, so dass jenen Leuten, die sich auf Kosten echter Fans eine goldene Nase verdienen möchten, der Garaus gemacht werden kann und sie von weiteren Ticketkäufen ausgeschlossen werden können. Es wäre wünschenswert, ginge der Verein konsequent gegen sie vor.

Dies ist jedoch nur ein Randthema in der noch immer vorherrschenden Euphorie. Die VfB-Gemeinde ist heiß auf den Rückrundenstart, heiß auf unser vermeintlich letztes Halbjahr in der 2. Liga. Um diese Euphorie am Leben zu erhalten, wäre ein ordentlicher Start in St. Pauli und bei den darauffolgenden zwei Heimspielen gegen Düsseldorf und Sandhausen Gold wert.

Ich bin zuversichtlich, dass Wolf seine Jungs langsam dort hat, wo er sie haben möchte und die Mannschaft nach und nach kapiert, was Wolf von ihr erwartet. Dies ist meine Erkenntnis des Trainingslagers, es kann auch ohne weitere Neuzugänge funktionieren, wenn ein Rädchen ins andere greift und Wolf die vorhandene Truppe besser gemacht hat. Unser bester Fußballlehrer seit langem ist Wolf für mich jetzt schon, hat er es geschafft, in der Winterpause aus diesem Spielermaterial eine funktionierende und ordentlich spielende Mannschaft zu formen, hat er das Zeug ein wirklich Großer zu werden. Wir werden sehen!

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28. September 2016

Punkteteilung im Pott

Nach über sechs Jahren ging es mal wieder um Punkte im Bochumer Ruhrstadion. Ich wünschte mir schon lang dieses Aufeinandertreffen zurück, jedoch liebäugelte ich in meiner Sehnsucht doch eher mit einem Bundesligaduell.

Bochum ist eines meiner absoluten Lieblings-Auswärtsspiele und das nicht nur wegen der unvergesslichen Szenen 2007, dem 2:3-Sieg, der das Tor zur Meisterschaft so weit aufstieß. Bochum ist auch unabhängig davon immer eine Reise wert.

Das Stadion ist megageil, man ist nah dran wie fast nirgends, es ist recht zentral in der Stadt und nicht auf der grünen Wiese gelegen, genügend Gastronomiebetriebe befinden sich fußläufig vom Stadion erreichbar und zu guter Letzt pflegen die Fans des VfL Bochum eine große Rivalität vor allem zu Schalke 04 und dem einstigen Lokalrivalen Wattenscheid 09, jedoch nicht zum VfB.

Dadurch lässt es sich im Stadionumfeld, auch in den einschlägigen Fankneipen, gut verweilen und zusammen über das Spiel schwadronieren. Fußball, wie er sein muss, wie ich ihn noch lieben gelernt habe, alles eben ein wenig Oldschool.

Beim letzten Aufeinandertreffen vor gut zwei Jahren schied der VfB in der ersten DFB-Pokal-Hauptrunde gegen einen bissigeren VfL aus. Es war der Fehlstart unter Armin Veh, der, wie man heute weiß, bereits ein Fingerzeig auf eine miserable Saison war.

Besonders im Gedächtnis hängen geblieben ist mir dabei ein Tor, welches Oriel Romeu (in seinem ersten Pflichtspiel für den VfB) und Sven Ulreich in Co-Produktion verschuldeten und dass Simon Terodde beide Tore für den VfL erzielte. Die Erstgenannten sind zum Glück nicht mehr da, der Letztgenannte, ist, auch zum Glück, inzwischen beim VfB gelandet.

Damals fuhren wir mit dem RWS-Bus hin und nach dem Spiel gleich wieder zurück. Da es jedoch nicht schadet, wie oben beschrieben, Zeit für das Vor- und Nachglühen einzuplanen, ergab sich eine Männertour mit Aufenthalt im Bermuda-Dreieck, DEM Kneipenviertel Bochums, und anschließend zwei Nächten in Köln. Einzelheiten unseres Wochenende erspare ich mir an dieser Stelle, nur eines, es war GEIL!

Wie bei jedem unserer bisherigen Spiele in Pokal und Liga in dieser Saison bestellte ich mir mein Ticket direkt beim Heimverein. Dieses Mal verschlug es mich auf die Haupttribüne, Reihe 4, mit bester Sicht aufs Spielfeld und die beiden Fanblöcke. Da im Anschluss an das Spiel noch eine Kneipentour und die Rückfahrt nach Köln an stand, war ich nur mit meiner Kompaktkamera unterwegs, die leicht in der Jackentasche zu verstauen ist. Es ist zwar irgendwie ärgerlich, wenn man sich schon eine Haupttribünenkarte leistet, dass vor allem bei einsetzender Dunkelheit recht große Qualitätseinbußen im Vergleich zur „Großen“ hingenommen werden müssen, aber, da siegt dann doch die Vernunft und die Bequemlichkeit, abends und nachts nicht noch auf die Fototasche aufpassen zu müssen.

Nach der turbulenten englischen Woche inklusive Luhukay-Rücktritt und Wolf-Vorstellung wusste ich nicht so recht, was man von dem Spiel erwarten konnte.

Für mich war die Inthronisierung Wolfs zwei Tage vor dem Bochum-Spiel hirnrissig. Begründet wurde dies damit, dass die Personalie bekannt wurde, bevor die beiden Parteien sie eigentlich verkünden wollten. So steckte der VfB ohne Frage in der Zwickmühle. Macht man mit Janßen noch das eine Spiel weiter, in der Hoffnung, dass er seine Erfolgsserie fortsetzen kann oder würde die Mannschaft die letzten Prozentpunkte Konzentration vermissen lassen, wenn sie weiß, dass es ohnehin Janßens letztes Spiel ist? Ich hätte es riskiert. Die offizielle Sprachregelung lautet zwar, auch Wolf habe seinen Dienst sofort antreten wollen und nicht erst nach dem Spiel, aber, wäre Fürth sein erstes Spiel gewesen, hätte er dies vermutlich (offiziell) auch so „gewollt“.

Ihm tat man meiner Meinung nach keinen Gefallen, lief man doch bewusst Gefahr, dass er einen Fehlstart hinlegen könnte, für den er noch überhaupt nichts gekonnt hätte. Der Mittwoch nach dem Braunschweig-Spiel war Regenerationstag, der Donnerstag Reise- und der Freitag Spieltag. Zu wenig Zeit also, um die Mannschaft nach seinen Vorstellungen auszurichten und Korrekturen vornehmen zu können. Daher war es keine Überraschung, dass Wolf auf das Korsett vertraute, das zuletzt unter Janßen erfolgreich war. Lediglich Kevin Großkreutz, der nach seiner langen Verletzungspause sukzessive mehr Einsatzzeiten bekommt, ersetzte den einzigen Schwachpunkt gegen Braunschweig, Berkay Özcan.

Apropos Kevin Großkreutz: derzeit ist er mal wieder in den Schlagzeilen, weil er bei der fiktiven Facebook-Veranstaltung „Abstiegsfeier des FC Schalke 04“ seine Teilnahme „zugesagt“ hat. Das Medien-Echo ist enorm und so gut wie jeder einschlägigen Sportseite einen Bericht wert.

Jan Schindelmeiser meinte in einem Interview mit der Stuttgarter Zeitung vor knapp vier Wochen „Kevin muss wissen, dass er mit seinen Postings immer auch den Verein repräsentiert. Wenn er die Interessen des Vereins verletzt, dann werden wir reagieren.“, was einige Medien so interpretierten, dass Großkreutz beim VfB angezählt sei.

Dass dem nicht so ist, lässt sich schon aus dem Originalzitat herauslesen, dass aber die Medien permanent versuchen aus dieser Mücke einen Elefanten zu machen und noch mehr Unruhe in einen ohnehin schon unruhigen Verein hineinzutragen, ist der Zahn der Zeit.

Daher finde ich solche Posts zwar nach wie vor nicht schlimm, aber, auch überhaupt nicht mehr lustig. Als gerade abgestiegener VfB-Profi, der eben erst nach langer Verletzungspause zurückgekehrt ist, täte er gut daran, zunächst einmal auf dem Platz zu liefern und dann erst große Töne zu spucken, wenn wir unangefochtener Tabellenführer sind.

Bei Großkreutz verwundert mich immer wieder die Diskrepanz zwischen seinen großmäuligen Posts und seinem schmallippigen, fast schüchternen, Auftreten, wenn man seinen Umgang mit den Fans im Training und im Trainingslager erlebt.

Ich sehe es ja positiv, wenn sich ein Spieler an seine Fans wendet und als einer den Ultras naher Spieler Botschaften für den Fußball und gegen Retorten in die mediale Welt hinaus sendet, aber, eben alles zu seiner Zeit. Als VfB-Fan tangiert mich seine Abneigung gegen „die Blauen“ ohnehin nicht, Spitzen in Richtung Gelsenkirchen kann er sich völlig sparen, solang er VfB-Profi ist.

Im Grunde ist mir ein Spieler wie Großkreutz, der eine eigene Meinung hat und sich durch derartige Postings selbst unter Druck setzt, lieber als ein stromlinienförmiger Allerweltsprofi, der in jedem Interview dieselben Phrasen drischt, nur, um allen gerecht zu werden und ja nicht anzuecken, aber, wie gesagt, alles zu seiner Zeit.

Aber, zurück zum Spiel: Gegen den zu Hause noch ungeschlagenen VfL kam der VfB nur schwer in die Gänge. Bochum war optisch überlegen und spielte für Zweitligaverhältnisse einen technisch versierten Ball. Dennoch hätte der VfB in der 12. Minute mit etwas Glück einen Elfmeter zugesprochen bekommen können, wenn sich Terodde fallen lassen und nicht unbedingt das Tor erzielen wollen hätte. Nach den bisherigen Spielen hat man fast den Eindruck, dass man die fehlende Lobby bei den Schiedsrichtern von der Bundesliga in die 2. Liga hinüber „gerettet“ hätte. Ansonsten neutralisierten sich beide Teams in der ersten Halbzeit weitestgehend, so dass große Chancen auf beiden Seiten ausblieben.

Wer hoffte, dass Wolfs Halbzeitansprache gefruchtet hätte, wurde enttäuscht. Die Bochumer kamen bissiger aus der Kabine und drängten den VfB in dessen Hälfte. Das 0:1 durch Gentner fiel daher aus heiterem Himmel mit der ersten Torchance in der zweiten Halbzeit und war mehr als schmeichelhaft.

Die Bochumer benötigten einige Zeit, um sich vom Rückstand zu erholen, ehe sie zur Schlussoffensive bliesen. Nachdem der VfB mal wieder lang genug drum gebettelt hat, war es zehn Minuten vor Schluss (endlich) so weit, Joker Wurtz traf zum Ausgleich. Danach drängte der VfL mit aller Macht auf den Siegtreffer, scheiterte letztlich aber am starken Mitch Langerak, der den Punkt am Ende festhielt.

Was ist dieser Punkt am Ende wert? Noch trauere ich eher der vergebenen Führung hinterher und dass es der VfB nicht schaffte, den Vorsprung über die Zeit zu retten. Ausgenommen St. Pauli zum Saisonauftakt hatte der VfB in nahezu jedem Spiel gegen Ende konditionelle Defizite und geriet stets richtig unter Druck.

Das dürfte auch Hannes Wolf nicht entgangen sein, die ersten Trainingseinheiten in der laufenden Woche sehen schwer nach Kraft- und Konditionstraining aus. Da kommt man unweigerlich zu der Vermutung, Luhukay habe schon früh die Lust und den Glauben daran verloren, dass die Beziehung Luhukay-VfB zu einem glücklichen Ende kommt, was eine Mannschaft natürlich spürt und dadurch den letzten Ticken Biss vermissen lässt.

Aus der englischen Woche kommt der VfB also mit sieben Punkte heraus, was im Grunde und in Anbetracht der Turbulenzen aller Ehren wert ist. Da man aber schon in Düsseldorf und gegen Heidenheim unnötig wichtige Punkte legen gelassen hat, ist der Druck inzwischen da, auch mal ein Spiel wie das in Bochum über die Zeit zu bringen.

Braunschweig, der unangefochtene Tabellenführer, hat bereits fünf Punkte Vorsprung auf den VfB, und erweckt nicht den Eindruck, in naher Zukunft einzubrechen und auch andere Aufstiegsfavoriten wie Union Berlin und Hannover 96 kommen langsam ins Rollen. Die drei Erstplatzierten machen derzeit einen gefestigteren Eindruck als der VfB und sind eingespielt, was man vom VfB nicht gerade behaupten kann. Nach wie vor ist das ganze Konstrukt auf Zufall aufgebaut und hat mit einem ausgeklügelten System wenig zu tun.

Auf Hannes Wolf wartet eine Herkulesaufgabe beim VfB. Zum einen schweben Horrorszenarien im Raum, die den VfB bereits als ewigen Zweitligisten sehen, sollte der sofortige Wiederaufstieg verpasst werden. Zum anderen muss der komplette VfB inklusive Philosophie und Spielidee komplett auf links gedreht werden und das mitten in der Saison.

Die Mannschaft muss sich nicht nur neu finden und auf ein neues Spielsystem einstellen, am 9. Oktober steht zudem noch die Mitgliederversammlung an.
Aus dieser wird (wohl) zumindest mal der neue Präsident hervorgehen, ob es ferner ein „Stühle rücken“ in Aufsichtsrat und/ oder Vorstand geben wird, wird man sehen.

Es dürfte eine hitzige Veranstaltung werden, in der alle Verantwortungsträger des letzten Jahres ihr Fett abbekommen werden. Wie Aufsichtsrat Porth bei Sport im Dritten weismachen wollte, dass im Aufsichtsrat viele personelle Wechsel stattgefunden hätten, und dieser daher nicht voll zur Verantwortung gezogen werden könne, so ist es ja nicht.

Der Aufsichtsrat in dieser Zusammensetzung und der Vorstand (mit Ausnahme von Jan Schindelmeiser) in dieser Zusammensetzung sind maßgeblich dafür verantwortlich, dass wir abgestiegen sind.

Der Vorstand, ob Heim oder Röttgermann ist mir entfallen, räumte auf der Veranstaltung #vfbimdialog erstmals öffentlich ein, dass man in der letzten Saison nach dem Augsburg-Spiel noch einmal reagieren hätte müssen. Jedem war das damals klar und trotzdem ist man sehenden Auges in den Abstieg getaumelt.

Aufsichtsrat und Vorstand zeichnen auch für die vorschnelle Verpflichtung Luhukays verantwortlich, was uns im schlimmsten Fall den direkten Wiederaufstieg schon jetzt gekostet haben könnte, weil die Vorbereitung (möglicherweise auch der eine oder andere Transfer) unter Luhukay damit für die Katz war.

Wollte Luhukay das Unternehmen Wiederaufstieg in erster Linie mit alten Weggefährten schaffen und nicht allzu viel Zeit mit der Integration neuer (nicht deutscher) Akteure „verschwenden“, kommt Wolf aus dem Jugendfußball und propagiert einen modernen, forschen Stil.

Wollte Luhukay in den Spielen kontrolliert agieren, was bis dato eher langweilig und nicht zielführend aussah, sieht die Spielidee Wolfs vor, den Gegner über den Platz zu jagen, Bälle zu erobern und so schnell wie möglich vor das gegnerische Tor zu kommen.

Sein Mentor heißt schließlich Jürgen Klopp, von ihm hat er sich in den letzten Jahren einiges abgeschaut. Wolf steht für schnellen, emotionalen Fußball mit hoher Laufintensität. Da versteht es sich von selbst, dass den Spielern viel abverlangt wird und die Jungs bei höchster körperlicher Anstrengung geistig frisch bleiben und auf dem Platz die richtigen Entscheidungen treffen müssen. Ob das mit dieser Truppe möglich ist? Auch wenn uns inzwischen einige „alte“ verlassen haben, noch sind genügend Spieler da, denen auch Zornigers Fußball zu hoch war, weil es einigen im Kopf fehlt.

Wolf benötigt für die Umsetzung seiner Vorhaben die richtigen Spieler und eine komplette Vorbereitung, um Automatismen einzustudieren. Mein großer Wunsch ist es ja, Spielformen, die ich im Trainingslager sah, wenigstens einmal auf dem Platz umgesetzt zu sehen. Bisher war das Wunschdenken, eher das Gegenteil war der Fall. In den ersten Pflichtspielen sah es oft so aus, als hätten die Jungs noch nie im Leben zusammengespielt. Nächste Chance, Wintertrainingslager!

Bis zum Winter muss Wolf unweigerlich improvisieren und darf die Spieler mit seinen Vorstellungen nicht überfordern, ob ihm das gelingt, ist eine spannende Frage für mich. Während des Spielbetriebs hat er die Zeit nicht, etwas zu entwickeln, sollten die Ergebnisse nicht stimmen. Daher steht er bereits zu Beginn seiner Amtszeit gewaltig unter Druck, die Mannschaft in der Spur zu halten und gleichzeitig zu verbessern.

Mit der SpVgg Greuther Fürth stellt sich am Tag der Deutschen Einheit das nächste Team mit Ambitionen in Richtung Aufstieg vor. Wie sich eine Niederlage gegen die Kleeblätter anfühlt, musste man im einzigen Bundesligajahr der Mittelfranken erfahren.

Am 32. Spieltag der Saison 2012/2013 setzte es gegen den bereits feststehenden Absteiger eine blamable 0:2-Heimniederlage. Die Fürther sind selbst noch in der Findungsphase und dadurch ein schwer ausrechenbarer Gegner. Dem Auswärtssieg beim (großen) Frankenderby folgte ein ernüchterndes Remis zu Hause gegen den SV Sandhausen. Auf die leichte Schulter darf der VfB ohnehin KEINEN Gegner nehmen, auch nicht in der 2. Liga, das müsste inzwischen auch beim letzten selbsternannten Star der Truppe angekommen sein.

Ein Skandal im Zusammenhang dieses Montagspiels ist, dass die Abstellungsperiode für die Nationalspieler bereits morgens am Spieltag beginnt. Die Österreicher haben schon verlauten lassen, dass sie auf das pünktliche Eintreffen von Florian Klein pochen werden, was ich jedoch eher positiv sehe.

Seine Aussagen nach dem Abstieg und sein (unglaubwürdiges) Zurückrudern bei seinem Trainingsauftakt haben Spuren hinterlassen, so dass ich ihn am liebsten nicht mehr in unserem Trikot sehen würde.
Aussagen, dass Klein keiner sei, der einfach davon laufe, wie sein Berater Hagmayr damals erklärte und „Er wird seine ganze Kraft einsetzen, um mitzuhelfen, dass die Mannschaft den Wiederaufstieg in die Bundesliga schafft“ heißt für mich vom österreichischen ins deutsche übersetzt „mir bezahlt keiner so viel wie der VfB, also sitze ich lieber meinen Vertrag ab“.

So schlägt gegen Fürth die Zeit für Großkreutz/ Zimmer, die Kleins Absenz vergessen machen werden. Sollten andere Nationalverbände, wie bspw. der der Japaner ebenso stur sein, könnte der VfB aber ein personelles Problem bekommen.

Auch hier wird wieder deutlich, welchen Stellenwert ein fairer Wettbewerb gegenüber den Interessen der Fernsehanstalten hat. Dass die DFL in der bekannten Konstellation auf das Montagsspiel an diesem Spieltag nicht ganz verzichtet hat, dafür habe ich kein Verständnis.

Da noch nicht bekannt ist, wer von seinem Land schon vor dem Fürth-Spiel abgezogen wird, macht es auch keinen Sinn, jetzt bereits über eventuelle personelle Wechsel zu schwadronieren.

Benjamin Pavard beispielsweise scharrt bereits mit den Hufen und wäre eine echte Alternative für Toni Sunjic, der einem starken Auftritt gegen Braunschweig einen grottenschlechten in Bochum folgen ließ. Er offenbarte einmal mehr, dass er nicht einmal dem Tempo in der zweiten Liga gewachsen ist, so dass er es unter Wolf in Zukunft schwer haben dürfte.

Auch die Zeit von Carlos Mané dürfte langsam kommen und, DIE positive Nachricht in diesen Tagen, Daniel Ginczek ist nach fast einjähriger Leidenszeit wieder ins Mannschaftstraining eingestiegen und könnte bereits nach der Länderspielpause beginnen, um Einsatzzeiten zu buhlen.

Egal, wer auf dem Platz steht, der Rasen muss brennen. Das Stadion dürfte einmal mehr sehr gut gefüllt, die Fans bis in die Haarspitzen motiviert sein. Feiertag, laut Wetterprognose bestes Frühherbstwetter und schließlich noch das Volksfest nebenan.

Der VfB muss einfach gewinnen, um Ruhe während der Länderspielpause zu haben und Selbstvertrauen zu tanken. Der Oktober hat es nämlich in sich, geht es doch nach Dresden, zu Hause gegen die wiedererstarkten Münchner Löwen, zum Pokalspiel nach Mönchengladbach und zum Derby in den Wildpark.

In diesen Wochen hat der VfB viel zu gewinnen, aber noch mehr zu verlieren, daher gilt es gegen Fürth an das starke Heimspiel gegen Braunschweig anzuknüpfen und sich mit einem guten Ergebnis in die Pause zu verabschieden.

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6. Mai 2016

(Halb-)Finale furioso! Alle in Weiß zum Heimspiel gegen Mainz.

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , – Franky @ 12:01

Ich weiß, die Fanszene ist gespalten. Zwischen Resignation, Lethargie, Frust, Gleichgültigkeit, Hoffnung und Überzeugung schwanken die Gemüter.

Gestern hat unser Mentalitätsspieler Kevin Großkreutz einen rausgehauen und die Fanszene damit erfreut und ihr neue Hoffnung gegeben. Er wird wieder dabei sein, er tritt die Jungs in den Hintern, dass sie noch einmal alles raushauen und sich nicht ergeben wie zuletzt. Er bringt die Hoffnung zurück, die Hoffnung dass gegen Mainz eine Mannschaft auf dem Platz stehen wird, die sich zerreißen wird und dass kein Einzelner den Makel des erstmaligen Abstiegs unseres VfB seit 41 Jahren in seiner Vita stehen haben möchte.

Das Spiel morgen ist losgelöst von denen der letzten Wochen zu betrachten. Es ist DIE Chance, eine ganze Saison zu retten und die Weichen für eine bessere Zukunft zu stellen. Nach der Saison ist noch genügend Zeit, nachzukarten und getroffene und zu treffende Entscheidungen zu hinterfragen und zu kritisieren. Diese Saison muss und wird aufgearbeitet werden, sonst haben die Herren an der Mercedesstraße keine ruhige Minute mehr. Morgen zählt das alles aber nicht! Morgen geht es um den VfB und nicht um seine handelnden Personen.

Morgen muss die Hütte brennen! Morgen muss das gesamte Stadion wie eine Wand hinter dem VfB stehen, und zwar stehen, im wahrsten Sinne des Wortes und möglichst auf allen Tribünen. 90 Minuten Rambazamba, 90 Minuten alles geben für den VfB.

An uns Fans soll und darf es nicht liegen! WIR sind der 12. Mann, WIR sind der VfB! Kommt alle in weiß gegen Mainz und unterstützt die Mannschaft.

Morgen muss jeder Farbe bekennen und sich die Kehle aus dem Leib schreien. Alles, was war, ist und sich ohnehin an der Tabelle ablesen ist, zählt morgen nicht. Es steht eines von zwei Endspielen an, nach Dutt’scher Redensart Halbfinale und Finale.

Lasst uns ins Finale einziehen, alle gemeinsam, alle für den VfB, alle für den Ligaerhalt, alle für ein 40. Jahr Bundesliga am Stück.

Wir stimmen uns zur Feier des Spieltags wie immer vor dem letzten Heimspiel auf dem Stuttgarter Partyfloß chartered by OFC Leintal-Power 05 auf das Spiel ein. Ein gutes Omen! Die wichtigen Spiele, in denen es noch um etwas ging, haben wir danach stets für uns entschieden.

Also auf geht’s, schon heute Eure Stimmen und haut morgen noch mal alles raus!

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5. Mai 2016

Geht mal Bier hol‘n, ihr spielt schon wieder scheiße!

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , , , , – Franky @ 12:36

So mein Lieblingstitel der “VfBallermannhits”, die unmittelbar nach Bekanntgabe des Kurztrainingslagers auf Mallorca vergangene Woche, die Runde machten. So aussagekräftig, auch was den Gemütszustand in den letzten Wochen und Monaten betrifft, der einen während nahezu jedem Spiel beschleicht.

Da das Montag-Spiel in Bremen von der aktiven Fanszene boykottiert wurde, fand am Sonntag, unmittelbar vor der Abreise der Mannschaft nach Bremen, noch eine Karawane vom Cannstatter Bahnhof zum Trainingsgelände statt. Dort durften wir, entgegen der sonstigen Gepflogenheiten, den Schluss des Abschlusstrainings verfolgen und die Mannschaft dabei lautstark gen Norden verabschieden und ihr versuchen noch den entscheiden Push mit auf die Reise zu geben.

Ein großer Bahnhof wurde dieser Truppe gemacht, die es für uns richten muss, den ersten Abstieg seit 41 Jahren zu verhindern. Doch, auch das war vergebene Liebesmüh, gedankt haben sie es nämlich einmal mehr nicht und gingen an der Weser sang- und klanglos 2:6 unter.

Das von allen Seiten belächelte Trainingslager auf Mallorca zeigte damit überhaupt keinen Effekt, zumindest keinen positiven, im Gegenteil, der VfB setzte den Tiefpunkten der letzten Wochen einen weiteren unten drunter. Da fragt man sich schon, was das soll, zwischen zwei Spielen kurz mal nach Malle in ein anderes, weil mediterranes, Klima zu fliegen und sich diesen Reisestrapazen auszusetzen, auch wenn dies von offizieller Seite heruntergespielt wird, man hätte auch nicht länger gebraucht, um ins Allgäu zu gelangen, wo man ursprünglich seine Zelte aufschlagen wollte.

Plätze mit Rasenheizung hätten sich auch dort finden lassen. Möglichkeiten der Freizeitgestaltung und Teambildung hätte es auch dort gegeben. Billiger wäre es ohnehin gewesen, wobei ich an dieser Stelle einmal mehr betonen muss, dass der Verein, der sich in den letzten Jahren sportlich kaputt gespart hat, auch in puncto Luxus einmal kürzer treten könnte, wenn nicht müsste.

Hat es diese Truppe überhaupt verdient, stets in den teuersten 5-Sterne-Tempeln, Golf- und Wellnesshotels abzusteigen, wo sich Otto Normalbürger nicht mal eine Nacht leisten könnte? Hätte es nicht auch die Sportschule Malente getan, in der der Geist zum WM-Gewinn 1974 entstand? Müssen es Charterflüge nach Malle oder zurück von Bremen sein? Könnte man die Mannschaft nicht von Bremen mit dem Bus zurück fahren lassen, der ja ohnehin fährt. Weshalb in der Nacht noch ein Rückflug per Charter, weshalb eine Ausnahme-Nachtlandeerlaubnis in Stuttgart, während wir seinerzeit von Barcelona aus kommend bis zum Morgengrauen auf dem Rollfeld in Barcelona mangels Nachtlandeerlaubnis festsaßen?

Man darf die Mannschaft gerne für außerordentliche Leistungen mit Luxus belohnen, aber, in sportlich und finanziell düsteren Zeiten würde es dem Verein gut zu Gesicht stehen, zur Bodenhaftung zurückzukehren und die ohnehin verwöhnte Versagertruppe nicht weiter zu hofieren und zu hätscheln, wenn sie sich eigentlich Peitschenhiebe verdient hätte.

Diese „Auszeit“ war, so wurde kommuniziert, ausdrücklich Wunsch des Trainers. Dass dies schon ein erstes Anzeichen sein könnte, dass Dutt von Kramny abrückt, könnte man jetzt hinein interpretieren oder auch, dass Dutt schon einmal vorsorgt, sollte es auch mit Kramny schief gehen.
Klar war auf jeden Fall, sollte nicht eine deutliche Leistungssteigerung und ein Erfolgserlebnis in Bremen zu verzeichnen sein, dass Dutt und Kramny die Entscheidung für Malle um die Ohren fliegen würde.

„WAS ZUM TEUFEL HABEN DIE JUNGS AUF MALLE GEMACHT?“ Die Vorstellung in Bremen war eine nahtlose Fortsetzung der schlechten Auftritte der letzten Wochen. Die Mannschaft präsentierte sich, aller teambildender Maßnahmen zum Trotz, abermals nicht als Team, jeder war sich selbst der Nächste, jeder hatte mit seine eigenen fußballerischen Unzulänglichkeiten zu tun, war zweikampfschwach wie eh und je und ließ sich von giftigen Bremern eindrucksvoll vor Augen führen, wie Abstiegskampf auszusehen hat. Das Auftreten des VfB hingegen hatte schon etwas von Urlaubsmodus, Malle lässt grüßen!

Die Bremer Zuschauer erzeugten eine überragende Stimmung, so dass von den etwa 800 VfBlern wenig bis nichts zu hören war. Das lag aber nicht allein am Boykott der aktiven Fanszene an diesem Montagabend. Werder, bei denen einige Ultras dem Spiel solidarisch ebenso fern blieben, machte mobil und holte seine Zuschauer ins Boot, verteilte Klatschpappen und forderte das Publikum auf, 90 Minuten zu stehen und Rambazamba zu machen, um den „Ausfall“ des organisierten Supports der Ultras zu kompensieren. Bei einem solchen Lautstärkepegel hätte man wohl auch 4.000 VfBler kaum lauter wahrgenommen als die wenigen Anwesenden.

Bremen macht im Abstiegskampf unter dem Motto „Green-white-wonderwall“ mobil und steht im wahrsten Sinne des Wortes hinter und zum Verein, während es bei der Stadt Stuttgart niemanden ernsthaft zu tangieren scheint, würde sein Aushängeschild absteigen.

Der grüne OB Kuhn ließ nur dazu verlauten, dass es einen Imageverlust der Stadt geben würde, wenn der VfB abstiege, mehr nicht. Keine Plakataktion, kein Werben für den VfB, nicht einmal ein Stadionbesuch (gut, darauf können wir gerne verzichten), schließlich ist er ja Bayern-„Fan“.
Unter seinen Amtsvorgängern Schuster und Rommel war das noch anders, prangten noch riesige Plakate an den Einfallstraßen, gab es Radio-Spots und noch einiges mehr. Nicht nur bundesweit hat es der VfB binnen neun Jahren „geschafft“ vom Deutschen Meister zur grauen Maus zu mutieren, nein, auch in der Heimat wird man, wenn überhaupt, nur noch stiefmütterlich behandelt und wahrgenommen.

Werder wurde bereits auf der Fahrt vom Hotel ins Stadion frenetisch bejubelt, so dass den Bremern schon fast nichts anderes übrig blieb, als sich zu zerreißen und das so wichtige Spiel für die Stadt und seine Fans zu gewinnen.

In Bremen fiel neben Serey Dié, Kevin Großkreutz und Daniel Ginczek kurzfristig auch noch Kapitän Christian Gentner aus, der zwar nicht DIE Führungspersönlichkeit ist, der im Team aber doch ein Standing besitzt, das der Mannschaft zusätzlich fehlte. In Schwaab, Harnik, Insúa, Tytoń und Ersatzkapitän Georg Niedermeier standen immer noch einige gestandene (zumindest sollten sie es sein) Bundesligaakteure auf dem Platz, die dem Team Halt hätten geben sollen. Barba spielte in der Innenverteidigung und Matthias Zimmermann kam als rechter Verteidiger zu seinem Bundesligadebüt, während ausnahmsweise mal wieder Maxim und Didavi zusammen ran durften.

Bremen zeigte vom Anpfiff weg, wie Abstiegskampf aussehen muss und kämpfte um jeden Zentimeter Rasen, während die VfB-Akteure große Probleme bei der Ballbehandlung hatten und Werder eher spielerisch knacken wollten. Man kam von VfB-Seite aus abermals nicht in die Zweikämpfe und mit dem frühen Pressing der Werderaner überhaupt nicht zurecht.

Dass man bspw. den Ausfall von Serey Dié nicht ansatzweise kompensieren kann, wurde bereits in den letzten Wochen deutlich und fiel am Montag erneut schwer ins Gewicht. Daniel Schwaab, der auf die Sechs gerückt war, ist von Haus aus Innenverteidiger und lässt sich daher eher in die Abwehrkette zurückfallen, als dass er Angriffe mit ankurbelt. Didavi und Rupp wurden durch konsequentes Pressing der Bremer früh gestört, so dass wenig Konstruktives heraus kam. Bereits früh entwickelte sich die Partie in Richtung der Bremer, die schon nach 10 Minuten und nach einer haarsträubenden und schlafmützigen Aktion von Georg Niedermeier in Führung gingen.

Der VfB kam zwar zum vorübergehenden Ausgleich, dem ein schöner Spielzug vorausgegangen war, Torschütze Didavi, nach Zuspiel von Maxim. Es wäre DIE Chance für den VfB gewesen, sich noch einmal zu sammeln und die Partie wieder bei null zu beginnen, aber, das wäre dann wohl nicht unser VfB gewesen.

Der VfB der Gegenwart tut nämlich alles dafür, einen kurz mal verunsicherten Gegner wieder aufzubauen. Trifft der Gegner nicht, besorgt man es eben selbst. Eine recht harmlose Flanke der Bremer köpfte Barba zurück, vorbei am heraus stürmenden und verdutzten Tytoń, ins eigene Tor. Immer wenn der Gegner denkt, es geht nichts mehr, kommt von irgendwo ein dummer VfBler daher. Eigentor Nummer sieben, Allzeit-Rekord ausgebaut.
Bei diesem Gegentor verletzte sich Yatabaré, sein Ersatzmann Öztunali, seines Zeichens Enkel von Uwe Seeler, besorgte nach 42 Minuten die 3:1-Pausenführung, erneut „verdiente“ sich Georg Niedermeier dabei einen Scorer-Punkt.

Zwei Minuten später musste der bis dahin beste VfB-Spieler, Daniel Didavi, mit einem Pferdekuss ausgewechselt werden. Ihm sprang zuvor Seuchenvogel Martin Harnik, der unlängst die halbe Mannschaft mit seiner Grippe angesteckt hat, ins Kreuz und setzte den Neu-Wolfsburger schachmatt.

Zur Pause twitterte Thomas Hitzlsperger „wär vielleicht ganz gut, die Jungs verbringen die Halbzeit in der Eistonne. Wärme hat bisher nix gebracht“. Auf den Punkt gebracht! Währenddessen sah Gentner vor dem Sky-Mikrofon einen spielerisch besseren VfB und höhere Qualität in Reihen des VfB. Denke, diese Meinung hatte er exklusiv, wobei es ihm ohnehin besser zu Gesicht gestanden hätte, in die Kabine zu eilen und „seiner“ Mannschaft die Leviten zu lesen.

Nach dem Wechsel wollte der VfB noch einmal alle Kräfte mobilisieren und kam auch prompt zum Anschlusstreffer durch Eigentorschütze Barba (per Hacke). Doch, die Bremer hatten Blut geleckt und wussten ja, wie es um die „Abwehr“ des VfB bestellt war, so dass Pizarro schon zehn Minuten danach auf 4:2 erhöhte. Spätestens als Federico Barba kurze Zeit später mit Muskelfaserriss ausgewechselt werden musste und der bemitleidenswerte Ristl hineingeworfen wurde, brachen beim VfB alle Dämme.

Dass Muskelverletzungen (Gentner, Barba) just dann auftreten, nachdem der VfB für drei Tage aus der Kälte Deutschlands ins frühlingshafte Mallorca und wieder zurück jettete, könnte ein Zufall sein, oder eben auch nicht!

Die Tore zum 5:2 und zum 6:2 machten schließlich das Debakel perfekt. Erstmals seit 1985 kassierte der VfB an der Weser sechs Gegentore, damals ein 6:0 an einem kalten Freitag-Abend! Die Revanche darauf folgte dann jedoch prompt im Rückspiel, als wir durch ein 2:1 gegen Werder mit zwei Allgöwer-Toren die Bayern zum Meister machten und Werder ins Tal der Tränen stürzten.

Dutt stärkte Jürgen Kramny nach dem Debakel demonstrativ den Rücken und möchte der Mannschaft, nachdem Mallorca nichts gebracht hat, eine Kopfwäsche verpassen. Kramny sei 100 Prozent VfB, habe die Mentalität und die Identifikation und könne nichts für den Ausfall etlicher Leistungsträger (für deren Alternativen Chef-Einkäufer Dutt nicht gesorgt hatte). Hört sich irgendwie schon nach Aufgabe an, da sich die Reihen im VfB-Lazarett bis Saisonende nicht mehr entscheidend lichten dürften.

Eine Kopfwäsche für die Profis, wie immer die auch aussehen mag, befürchte ich, wird nichts bringen. Die Bequemlichkeit und mangelnde Erfolgsgier hat Dutt doch selbst gefördert, indem man den Druck stets den anderen zuschob und man schlechte Spiele bei Mitkonkurrenten verharmloste. Dass es das Restprogramm in sich haben würde und man seine nötigen Punkte tunlichst vor den letzten fünf Spielen einfahren musste, war mir klar, seit der Spielplan veröffentlicht wurde.

Man kann sich in der Theorie natürlich die ersten 60 Minuten schön trinken, ähm, reden und lediglich kritisieren, dass man sich am Ende abschlachten lassen hat. Damit macht man es sich aber zu einfach. Für ein Abstiegsendspiel war das mal wieder von der ersten Minute an zu wenig, vor allem in puncto Zweikampfhärte und Körpersprache.

Diese Mannschaft mit einer katastrophalen Abwehr, nicht vorhandenem defensiven Mittelfeld und einem Sturm, der nicht mehr als ein laues Lüftchen ist, soll jetzt allen Ernstes den Schalter noch einmal umlegen können? Dieses Team, ohne jegliche Führungsspieler? Wo ein Niedermeier zwar mit der Gosch Ansprüche erhebt, gar über das Saisonende hinaus, im Spiel dann aber stets DER Unsicherheitsfaktor schlechthin ist? Wo ein Martin Harnik nicht nur seine Mitspieler matt setzt, sondern auch keinen Ball stoppen kann und das Tor nicht trifft? Wo ein Daniel Schwaab nicht mehr als ein Leisetreter ist und sich wie alle anderen in das Schicksal ergibt? Wo Didavi und Kostic mit den Gedanken weit weg sind und in Gedanken wohl schon kurz vor dem Championsleague-Titel stehen? Wo ein Timo Werner bei der Leichtathletik besser aufgehoben wäre als beim Fußball. Wo sich der Torwart zunehmend von der Unsicherheit seiner Vorderleute anstecken lässt? Wo Rupp und Maxim außer Form sind und jetzt auch noch Insúa gelbgesperrt gegen Mainz fehlen wird?

Letzteres sehe ich nicht einmal als allzu negativ an. Phiip Heise kam mir in dieser Saison bislang zu schlecht weg und hat für meinen Geschmack zu wenig Einsatzchancen erhalten, obwohl er mir in den Trainingslagern ganz gut gefallen hat. Ich hoffe, dass er gegen Mainz ran darf und nicht doch Allzweckwaffe Schwaab sich zu allem Überfluss auch noch als Linksverteidiger versuchen darf.

Diese „Mannschaft“, vor allem mit den zahlreichen Ausfällen, ist einfach zu schlecht, so dass man Kramny nur bedingt für diesen Negativlauf verantwortlich machen kann. Anfangs profitierte er nicht unerheblich von der Arbeit Zornigers, vor allem, weil die Spiele unter Zorniger ja zum Großteil ordentlich waren und nur Nuancen geändert werden mussten.

Jetzt, in der nun schon seit zehn Spielen andauernden Krise wirkt Kramny zunehmend ratlos und während der Spiele phasenweise so, als ginge ihn die Veranstaltung überhaupt nichts an. Ein Lautsprecher wird er sicher nicht mehr werden, aber, ein wenig mehr Temperament würde man sich schon wünschen, gerade dann, wenn man merkt, dass sich die Mannschaft selbst nicht helfen kann.

Wenn man dann noch feststellen muss, dass je länger die Saison dauert, das Team in der Schlussphase eines Spiels nicht mehr zusetzen kann, also platt ist, stellt sich die Frage, ob denn auf dem Wasen richtig trainiert wird. Kramny wäre wohl einer der wenigen Trainer, der in einer Saison zwei Mal absteigt, denn auch die Amateure sind ja quasi sein Team. Ob er als Abstiegstrainer nach der Saison noch vermittelbar wäre, daran habe ich große Zweifel.

Robin Dutt scheint hier (mal wieder) keinen Plan B zu haben. Kramny wurde bereits im November mangels Alternativen und mutmaßlich auch mangels Geld zum Cheftrainer ernannt. Dutt erinnert mich mit seiner Eigenschaft „Probleme auszusitzen“ und seinem „Wir schaffen das, (weil wir so gut sind)“ mehr und mehr an die Bundeskanzlerin, deren Macht jedoch auch schon zu bröckeln beginnt.

Wo Dutt ist, ist unten, dies scheint sich nun auch beim VfB zu bewahrheiten. Galt es lang den Scherbenhaufen aufzuräumen, den Bobic hinterlassen hat und nur darum, das Schlimmste zu verhindern, muss sich Dutt langsam aber sicher an den Ergebnissen messen lassen. Versprach er vor der Saison noch, die Vetterleswirtschaft würde der Vergangenheit angehören und man lege wieder Wert auf mehr Sportkompetenz im Verein, macht er sich gerade in diesen Punkten in letzter Zeit angreifbar. Zweifelsohne hat er gute Transfers getätigt, wie die von Serey Dié, Lukas Rupp und Kevin Großkreutz, lag aber auch bei vielen daneben, Sunjic, Kruse, Kravets, um nur ein paar davon zu nennen.

Diese Saison hat Dutt geplant, hat seinen Wunschtrainer Zorniger trotz einiger Widerstände durchgeboxt, um ihn dann, als die Ergebnisse ausblieben und der Druck von außen zu groß wurde, fallen zu lassen. Die Fangemeinde ist bis heute gespalten darüber, ob die Zorniger-Entlassung richtig war oder ob man ihm nicht noch die Wintervorbereitung hätte zugestehen sollen. Mit Zorniger stünden wir sicher jetzt auch nicht schlechter da.

Was auffällt und letztlich den Ausschlag für die Zorniger-Entlassung gab, war, dass er bei den Medien nicht wohlgelitten war und diese ihn systematisch weg mobbten, während Kramny nun mit Samthandschuhen angepackt wird. Das dürfte daran liegen, dass Kramny freundlich und adrett daher kommt und immer zu einem Statement bereit ist, während Zorniger die Schreiberlinge auch mal anblaffte und abblitzen ließ, wenn es ihm danach war.

Nach dem 2:6 sah ich großen Handlungsbedarf, um mal wieder zu retten, was noch zu retten ist, und verstand die Welt nicht mehr, dass am Tag danach zur Tagesordnung übergegangen wurde.

Lässt man es einfach so laufen, wie in den letzten Wochen, und hofft stets auf Besserung im nächsten Spiel, ist die Saison irgendwann mal zu Ende und wir sind sang- und klanglos abgestiegen.

Meiner Meinung nach wäre nach Bremen ein Impuls von außen notwendig gewesen, um eine (letzte) Aufbruchsstimmung zu erzeugen und dem Team mal wieder vor Augen zu führen, was die Stunde geschlagen hat. Befindet sie sich in ihrem für ihre Verhältnisse fast schon normalen Trott, kann sie sich der Erfahrung nach, daraus nicht mehr von innen heraus befreien.

Einen neuen Impuls könnte ein neuer Trainer bringen, der für Power und Push steht, wie es einst Christoph Daum war, als er 1991 die VfB-Bühne betrat und vom ersten Tag an ein anderer Wind auf dem Wasen wehte.

Das könnte auch eine graue Eminenz sein, wie einst Lattek, als er Sammer bei seinen ersten Schritten als Bundesligatrainer, auch im Abstiegskampf, unterstützte und ihm wertvolle Tipps gab.

Ottmar Hitzfeld fiele mir da ein oder auch einer wie Hans Meyer, eben jemand, vor dem die Spieler Respekt haben und vor dem sie es sich überhaupt nicht getrauen würden, eine solche Scheiße wie in Bremen abzuliefern, wenn noch ein Funken Ehre in ihnen schlummert.

Dutt jedoch sieht keinen Handlungsbedarf, so dass wir für mich in Bremen so gut wie abgestiegen sind. Unser neuer sportlicher Berater Karl Allgöwer ließ sich zwar in den letzten Tagen auf dem Trainingsplatz blicken und Dutt betonte auch, man wäre schön blöd, wenn man einer solchen Ikone nicht zuhören würde, doch ich bezweifle dass alleine vom „zuhören“ der Bock umgestoßen werden kann. Zu melden hat er sicherlich auch nicht viel.
Sollte der Abstieg eintreten, muss die Ära Dutt beendet werden, wenn er den Weg nicht selbst für einen Neuanfang frei macht.

Da ich dieser „Mannschaft“ überhaupt nicht mehr über den Weg traue und sie langsam auch nicht mehr ertragen kann, ist mein einziger Hoffnungsschimmer fürs Mainz-Spiel, das Comeback von Kevin Großkreutz. Noch gestern postete er auf Instagram, wie sehr er darauf brenne und dass er alles raushauen wolle.

Ob einer allein reicht, die anderen mitzureißen, zumal er von einer Verletzungspause zurückkommt und sicher selbst noch nicht bei 100 Prozent sein wird, ist die große Frage.

Klar ist aber, dass wir Typen wie ihn brauchen, um überhaupt eine Chance zu haben, das Ruder noch herumzureißen. Er gab gar ein Treuebekenntnis über das Saisonende hinaus ab und versprach, für den Fall des Abstiegs, dass er mithelfen wolle, diese Schmach auszumerzen. Großkreutz ist einer der ganz wenigen, denen ich das abnehme und die ich überhaupt noch in der nächsten Saison auf dem Wasen sehen möchte.

Mittlerweile ist es mir fast egal, ob wir die Klasse mal wieder irgendwie halten oder nicht. Wenn man nach Jahren des Missmanagements immer tiefer in die Scheiße rutscht, wäre ein Abstieg nur die logische Konsequenz, über den sich kein Verantwortungsträger wundern oder beklagen dürfte.
Schlimmer als das jahrelange Dahinsiechen in der Bundesliga kann die 2. Liga überhaupt nicht sein. Unzählige Heimniederlagen und das nicht nur gegen Spitzenteams, fast jeder Ligakonkurrent ein Angstgegner, immer die gleichen Spieler, die man als Identifikationsfiguren und als unersetzlich ansieht, während das Team Jahr für Jahr mehr geschwächt wird, das alles macht schlicht keine Lust auf weitere Jahre in der Bundesliga.
Ich bin müde, bin es leid, wenn es so kommt, ist es eben so! Tut sicher ganz gut, wenn der Stecker endlich mal gezogen wurde.

Gegen Mainz, vor wohl ausverkauftem Haus, wird der VfB Charakter zeigen müssen. Vielleicht schafft es ja „Fischkreutz“, das Team mitzureißen und aus dem einen oder anderen ein paar Prozentpunkte mehr herauszukitzeln.

Klar ist natürlich auch, dass schon ein einziger Punkt zur Relegation reichen könnte und dass wir mit zwei Siegen wohl ohnehin direkt gerettet wären, es also weiterhin in der eigenen Hand haben. Die Zeit, den Kopf schon gänzlich in den Sand zu stecken, ist also noch nicht da.

Es ist zwar schwer vorstellbar, dass sie noch einmal alle Kräfte bündeln und zunächst Mainz niederringen, aber, man kennt ja den Fußball zur Genüge. Fast genau vor einem Jahr, als der VfB schon einmal unbedingt gegen Mainz gewinnen musste, dauerte es in einem brutalen Nervenspiel bis zur 66. Minute, ehe Daniel Didavi aus 30 Metern einfach mal abzog und der Ex-VfBler im Mainzer Tor, Loris Karius, sich den Ball quasi selbst ins Netz boxte. Vielleicht haben beide ja am Samstag Ähnliches in ihrem Repertoire.

Auch diesen Samstag gilt es, die Nerven zu bewahren. Sollte sich der Trend der letzten Wochen fortführen (was ich befürchte) und die Mannschaft erneut ohne große Gegenwehr verlieren und sich vom Gegner vorführen lassen, möchte ich es mir nicht ausmalen, was nach dem Spiel auf der Mercedesstraße los sein dürfte.

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