2. Dezember 2014

Von Pech-Armin und Huub im Glück

Auch noch gut acht Tage nach dem Rücktritt von Armin Veh, kann ich das Geschehene nicht so recht einordnen. Ist Veh tatsächlich freiwillig zurückgetreten oder hat man ihm den Rücktritt doch nahegelegt, um den Schein nach außen zu wahren, damit niemand sein Gesicht verliert?
Überall wo Veh bisher Dienst tat, kokettierte er über kurz oder lang mit seinem Abschied, wenn nicht alles so lief, wie er es sich vorstellte und wie seine (zu hohen?) Ansprüche an sich selbst sind. In dieser Hinsicht ist er ein typischer Wassermann, freiheitsliebend, motiviert, wenn er sich selbst verwirklichen kann, aber eben auch frustriert, wenn er nicht so kann, wie er gerne möchte und wenn es nicht so läuft, wie er es sich wünscht. Dann neigt er aus diesem System auszubrechen und sich seine Freiheit wieder herzustellen. Ein wenig mehr Gelassenheit täte da Not, kann er doch als Trainer auch nicht alles selbst beeinflussen. Was kann ein Trainer beispielsweise dafür, wenn ein Sven Ulreich in Bochum den Ball völlig unmotiviert in die Mitte zum von drei Gegenspielern umringten Romeu passt und somit die nächste Zittersaison maßgeblich einleitet, wenn man sich gegen Wolfsburg durch einfache Ballverluste in der eigenen Hälfte öfter dilettantisch auskontern lässt, in Bremen bei zwei Standards pennt oder gegen Augsburg von den Schiedsrichtern benachteiligt wird. Was kann Armin Veh dafür, dass der fällige Torwartwechsel zum Eigentor wird, weil Thorsten Kirschbaum sich noch schlechter präsentiert als Sven Ulreich in den letzten zweieinhalb Jahren.
Dass das Umkrempeln des VfB nicht von heute auf morgen geht, dürfte allen klar gewesen sein. Daher war das Umfeld bisher auch wohltuend ruhig, obwohl man auf dem 18. Platz angekommen war. Das Vertrauen in den Meistertrainer von 2007 war also durchaus vorhanden.
Den Rücktritt mit mangelndem Glück zu begründen, halte ich für Quatsch. Allerdings werfe ich Veh auch nicht Fahnenflucht vor oder dass der Kapitän das sinkende Schiff verlassen hat.
Die (wahren) Gründe muss man in der Person Vehs suchen. Veh war schon immer einer, der durch Charme, Charisma und Lockerheit faszinierte und Zuhörer in seinen Bann ziehen konnte. Dies kehrte er jedoch nur nach außen, innen sieht es wohl anders. Die Situation vom VfB und dass er keine Mittel hatte (kurzfristig) dem Trend entgegenzuwirken nagte sichtlich an ihm und ließ ihn schließlich resignieren. Schon nach der Meisterschaft und vor allem gegen Ende seiner ersten Amtszeit war zu beobachten, dass es Veh nicht schaffte, sich auf schwierige Situationen ein- und in gewisser Weise auch umzustellen. Er macht sein Ding und hat keinen Plan B in der Tasche, dann läuft er lieber davon. Seinerzeit hatte Veh Horst Heldt als Freund und Manager an seiner Seite hatte und auch einen Erwin Staudt als Präsident, der sich um das Betriebsklima und die Sorgen und Nöte seiner Angestellten scherte.
Jetzt, in seiner zweiten Amtszeit, hatte Veh jedoch weder Heldt noch Leute wie Hübner und Bruchhagen um sich, die ihn in schweren Zeiten an die Seite nahmen und auf andere Gedanken brachten oder auch mal einfingen. Ich denke, Veh ist ein Mensch, der das hin und wieder mal braucht, der harmoniebedürftig ist und dem interner Zuspruch durchaus wichtig ist. Bernd Wahler möchte ich nicht unterstellen, dass ihm ein gutes Betriebsklima nicht auch am Herzen liegen würde, er ist jedoch mehr als Krisenmanager denn als Seelenmasseur gefragt in diesen Tagen. Und, Jochen Schneider ist zu unerfahren, um die Zeichen der Zeit der rechtzeitig erkannt zu haben.
Am Sonntag hatte Veh noch einen Auftritt bei Sky 90, den ich mit Spannung erwartete. Die offizielle Sprachregelung blieb bestehen, nämlich die, dass allein das fehlende Glück, welches Veh auf sich projiziert, den Ausschlag für den Rücktritt gegeben habe. Vielleicht erfahren wir in fünf Jahren einmal mehr, was diese Mission tatsächlich zum scheitern brachte. Ansonsten erläuterte Veh noch einmal, dass sich der Verein verändern muss, dass man über einige der Protagonisten der letzten Misserfolgs-Jahre nachdenken müsse, ob sie den Verein noch weiterbringen. Ein Jahr im Tabellenkeller könne Zufall sein, der Trend nach unten, den der VfB seit Jahren aufweist, jedoch nicht mehr. Was mich aufhorchen ließ, war die Aussage, dass 2007 mit 70 Mitarbeitern 130 Millionen Umsatz erwirtschaftet wurden und es heuer mit 160 Mitarbeitern gerade einmal 100 Millionen Umsatz sind. Gesundes Wachstum sieht anders aus.
Und, Veh erklärte noch einmal, dass er nach drei Jahren Eintracht Frankfurt eigentlich Trainerpause machen und bei Sky als Experte anheuern wollte, bis eben der VfB kam. Diesen Verein liebt er noch immer, schien aber doch mehr in der Vergangenheit zu schwelgen als die Gegenwart zu realisieren. Unser VfB ist leider mit dem von 2007 nicht mehr zu vergleichen, wir haben uns seither dramatisch zum Nachteil entwickelt. Dessen war sich Veh wohl nicht bewusst, als er auf dem Wasen unterschrieb. Er schätzte den Kader stärker ein als er tatsächlich ist, was ich ihm nicht einmal vorwerfe. Alle unseren Spieler zeigen ja hier und da starke Spiele und was sie wirklich drauf haben. Dass aber gute Einzelspieler noch keine Mannschaft ausmachen, dass man nicht nur das fußballerische Können sondern auch den Charakter der Spieler betrachten muss, bevor man sich ein Urteil bildet, dürfte Veh jetzt erkannt haben. Das sehen wirklich nur die, die tagtäglich mit der Truppe arbeiten und auch noch eher wir Fans, die sich ständig mit dem VfB beschäftigen.
Veh rate ich, als Nostalgiker der er ist, sein Vorhaben aus der HSV-Zeit wahr zu machen und auf den Job des Sportdirektors umzusatteln. Dort ist er weniger dem tagtäglichen Druck der Öffentlichkeit ausgesetzt, wird nicht jeder Schritt und Tritt beobachtet, ist er nicht von der Gunst seiner Spieler abhängig und kann vor allem gestalten anstatt sich mit dem zu begnügen, was ihm der Verein vorsetzt.
Wenn Veh diese Erkenntnis für sich nicht erlangen sollte, kann man im Grunde jeden Verein nur davon warnen, Armin Veh als Trainer zu holen. Nach Rostock und Reutlingen tat er es beim VfB bereits zum dritten Mal, „seinen“ Verein mitten in der Saison zu ver- und ein großes Vakuum zu hinterlassen. Seine anderen Vereine verließ Veh meist freiwillig zum Vertragsende, weil er frei sein möchte und nicht gefangen im Haifischbecken Bundesliga oder im Korsett eines Vereins.
Ein Club, der nach Kontinuität strebt, wird daher in naher Zukunft sicherlich nicht bei Veh anrufen, um ihn zu verpflichten. Meiner Meinung schadet dieser neuerliche Rücktritt seinem Ruf als Trainer. Abschließend wünsche ich Armin Veh, dass er sich die Sinnfrage stellt und sich genau überlegt, was er in Zukunft noch machen möchte und wie er sich sein nächstes Engagement vorstellt. Ich mag Veh nach wie vor, als Meistertrainer ist er sowieso für die VfB-Fangemeinde unsterblich, behalte ihn aber auch als freundlichen Menschen in Erinnerung, der immer ein offenes Ohr hatte. Klingt fast wie ein Nachruf, soll aber keiner sein. Ab jetzt oder besser gesagt seit letztem Freitag ist wieder „Huubschraubereinsatz“ auf dem Wasen.
Huub Stevens ist wieder da, ein knappes halbes Jahr nach dem Spiel im Schlienz-Stadion, als der VfB zum Saisonabschluss gegen eine Fanauswahl antrat und Stevens feierlich und mit viel Tam-Tam verabschiedet wurde. Ich hatte mir damals gewünscht, man würde zusammen weiter machen, fand dann aber Veh noch die charmanteste und mit die beste aller möglichen Nachfolge-Lösungen und bin auch jetzt froh, dass sich Stevens zum zweiten Mal bereit erklärt hat, dem VfB aus der Patsche zu helfen.
Huub Stevens ist das Gegenstück zu Armin Veh. Versuchte es Veh mehr mit Lockerheit, unserem „Kindergarten“ beizukommen, ist Stevens für seinen harten Stil und als Disziplinfanatiker bekannt. Wer ausschert und nicht mitzieht, hat bei ihm verloren. Wer mehr mit Schönspielerei als durch Kampf auffällt, für den ist kein Platz in der Stammelf. Stevens bringt Erfahrung und Eigenschaften mit, die dieser Mannschaft gut tut, wie man bereits in der Rückrunde der letzten Saison feststellen konnte. Hat uns tatsächlich zuletzt das Quäntchen Glück gefehlt, Stevens wird sich dieses sprichwörtlich versuchen zu erarbeiten, da er nicht an Zufälle glaubt. Eigentlich stellen wir jetzt zurück auf Mai 2014, eine Tatsache, die der VfB und Huub Stevens sich hätten ersparen können, wenn man sich bereits damals auf eine Weiterbeschäftigung verständigt hätte. Auch wenn es nicht zielführend ist, in den Sünden der Vergangenheit zu wühlen, mich würde es doch sehr interessieren, wie und warum es letztendlich zur Trennung kam. War es Huub Stevens, der nach seinem Saloniki-Engagement und dem Abstiegskampf mit uns eine Pause brauchte, in Ordnung und akzeptiert. Lieber sich selbst eine Pause verordnen, anstatt wider der inneren Stimme auf Teufel komm raus Raubbau am eigenen Körper zu betreiben und sich das erst einzugestehen, wenn man mitten im nächsten Engagement steckt.
Wenn aber der Abschied auf Zeit auf der Miste des VfB gewachsen sein sollte, ist diesem nicht mehr zu helfen. Das kann dann eigentlich nur damit zusammenhängen, dass der ehrenkäsige Fredi Bobic Huub Stevens nicht weiter beschäftigen wollte, weil die beiden wohl in diesem Leben keine Freunde mehr werden. Bei der Verpflichtung von Stevens setzten sich Aufsichtsratsvorsitzender Schmidt und Wahler gegen Bobic durch, der ja gerne Krassimir Balakov zurück an den Neckar gelotst und damit seinem nächsten Kumpan einen Posten zugeschachert hätte. Stevens verbannte Bobic gleich zu Beginn (zu Recht) auf die Tribüne, bereits zu Bobic‘ aktiver Zeit bei der Berliner Hertha rasselten die beiden ja aneinander. So scheint es einmal mehr, dass Bobic eigene, persönliche Interessen über die des Vereins stellte. Eine andere mögliche Variante, weshalb man Stevens nicht das Vertrauen für die jetzige Saison aussprach, wäre die, dass man bei Veh schon länger im Wort stand.
Nicht nur aufgrund der jetzigen Umstände wäre die beste Lösung gewesen, Huub Stevens im Amt zu behalten und stattdessen Fredi Bobic bereits im Mai zu entlassen, dann wäre uns womöglich einiges Ungemach erspart geblieben. Stevens hätte dann schon seine eigene (dem Vernehmen nach auf dem Papier sogar schon vorhandene) Saisonplanung umsetzen können. Er wusste ja bereits, auf welche Spieler er setzt, auf welchen Positionen wir für ihn zufriedenstellend besetzt sind und wo man hätte etwas tun müssen. Eines wäre so sichergestellt gewesen, so naiv wie mit Armin Veh und dessen Einschätzung der Mannschaft wären wir nicht in die Saison gegangen.
Mit Stevens auf der Bank hatte ich am Freitag gleich ein gutes Gefühl. Die Mannschaft kennt ihn weitestgehend, er die Mannschaft. So erschien es mir durchaus im Bereich des Möglichen, dass vier Tage im Kreis der Mannschaft ausreichen könnten, um die Sinne neu zu schärfen und die Mannschaft gut für das Freiburg-Spiel ein- und aufstellen zu können. Hat man bei einigen unserer Spieler öfter mal den Eindruck, dass sie nicht die Hellsten sind und die Situation verkennen, weil sie sich stärker einschätzen als sie, wie an der Tabelle abzulesen ist, tatsächlich sind, wird die Trainerkabine neu bezogen, erkennen auch diejenigen, dass es wieder einmal fünf vor zwölf ist und sie plötzlich kein Alibi mehr haben.
Den Freiburg-Trip, zum Heimspiel unserer Freunde von den Murgtalschwaben, dehnten wir ein wenig aus und planten ihn von vornherein mit einer Übernachtung, um den so sehnlichst gewünschten Auswärtssieg danach gebührend feiern zu können. Bereits gegen 12 Uhr stellten wir das Auto in Weisenbach im Murgtal ab, stärkten uns noch für den langen Tag und machten uns dann mit der Bahn auf den Weg nach Freiburg. Gegen 16 Uhr kamen wir am Hauptbahnhof an und besuchten zunächst den Weihnachtsmarkt auf dem Münsterplatz, wo wir mit Bekannten verabredet waren. Nach drei Gläsern Glühwein und sehr wohlgestimmt ging es weiter in den Schwarzwaldblick, in Sichtweite des Schwarzwaldstadions, wo wir jedes Mal hingehen, wenn der VfB seine Visitenkarte im Breisgau abgibt. Ein Wahnsinn, wie viele Bekannte man bei Auswärtsspielen immer trifft und welche Gaudi man zusammen immer hat. So vergaß man fast die Zeit, sie rannte sprichwörtlich weg. Gerade noch pünktlich zum Einlauf der Mannschaften erreichten wir unseren Platz auf der Gegentribüne. Besser geht es kaum zu sitzen, Reihe 5 mit super Sicht aufs Spielfeld und auch auf unseren Fanblock. Für mich zwar immer schade, wenn ich das Intro und bei Auswärtsspielen die gegnerische Schalparade respektive in Freiburg das Badener Lied verpasse, aber, wir hatten beim Vorglühen richtig Spaß, so dass ich das verschmerzen konnte, verpasste ich ja vom Spiel nichts.
So saßen wir also auf der Gegentribüne, auf der unser Platz stolze 57 Euro kostete, ich kann mich nicht erinnern, jemals für ein Bundesligaspiel mehr bezahlt zu haben. Mein Allzeitrekord liegt zwar bei 240 Euro für ein Ticket, aber, es handelte sich schließlich um das Halbfinale der WM 2006 Deutschland-Italien in Dortmund und es war der reguläre FIFA-Preis für diese Kategorie bei einem Halbfinale.
Als ich den Preis das erste Mal hörte (Karten mussten ja über unsere badischen Freunde besorgt werden, mit württembergischer Postleitzahl geht beim SCF überhaupt nichts) musste ich mir erst einmal bewusst werden, ob ich zur Championsleague in einen Fußballtempel oder zu einem Aufeinandertreffen zweier Abstiegskandidaten in die Freiburger Bruchbude gehen würde, aber, sei’s drum. Bevor ich etwa 40 Euro für einen Sitzplatz im Gästebereich berappe und, wie schon vorgekommen, hinter einer Plexiglasscheibe sitze und nur alkoholfreies Bier verabreicht bekomme, dann doch lieber zu diesem Preis hinein unters Freiburger Volk.
Zu Beginn war dem VfB die Verunsicherung, die die rote Laterne einfach mit sich bringt, anzumerken. Freiburg griff beherzt an und hatte mehrfach die Führung auf dem Fuß. Umso verwunderlicher, dass nach einer halben Stunde plötzlich der VfB durch die Sturmspitze Martin Harnik in Führung ging. Diese Führung stellte den Spielverlauf auf den Kopf. Gute zehn Minuten später aber, ich verrichtete gerade meine Notdurft, brandete großer Jubel auf, denn, Freiburg traf aus 25 Metern zum 1:1. Natürlich habe ich auch dieses Tor inzwischen gesehen und bin der Meinung, abgesehen davon, dass man den Schuss nicht einmal versucht hatte zu verhindern, dass Ulle den Ball normalerweise haben muss. Er wirkt zwar erleichtert, dass der böse Veh weg ist, ein besserer Torwart ist er dadurch leider noch lange nicht. Es gab im Spiel noch zwei, drei weitere Situationen, in denen er nicht gut aussah, so dass sich unser Torwartproblem fortsetzt.
Nach dem 1:1 hatten wir bei einem Lattenschuss noch Glück, so dass das 1:1 zur Pause für den VfB schmeichelhaft war. Zu Beginn der zweiten Halbzeit war der VfB in puncto Balleroberung präsenter und fand in Mitrovic sein Opfer. Ein Ballverlust des Serben an Sararer führte über Gentner und den wuchtigen Nachschuss von Carlos Gruezo zum 1:2. Dass Gruezo bei Stevens wieder schlagartig bessere Karten als unter Armin Veh haben würde, war mir ziemlich klar.
Wie der Holländer die Doppel-Sechs endgültig zu besetzen gedenkt, wird man vielleicht schon gegen Schalke sehen, wenn Oriel Romeu wieder einsatzberechtigt ist. Durch seine Sperre stellte sich die defensive Schaltzentrale mit Gruezo und Leitner fast von selbst auf. Gespannt darf man auch darauf sein, ob Leitner in Freiburg als Lückenbüßer herhalten musste oder ob er den zweiten Anlauf unter Stevens besser meistert als den ersten, wo er meist nur auf der Bank saß. Stevens steht eben mehr auf Malocher als auf Schönwetterfußballer. In Freiburg gefiel mir Leitner phasenweise richtig gut, war es doch auch, der Werner mit einem mustergültigen Pass auf die Reise schickte, und dieser wiederum Bürki zum 1:3 tunnelte. Nach Notbremse und folgerichtigem Platzverweis für Mitrovic war es dann Harnik, der seinen Doppelpack schnürte und zum 1:4 traf.
Das Glück war uns dieses Mal also hold, hätte der Schuss in der ersten Halbzeit durchaus auch nach hinten los gehen können. Veh befand bei Sky 90 sofort, mit ihm wäre auch dieses Spiel verloren gegangen, hypothetisch natürlich, und wenig zielführend. Ob wir gewonnen haben, weil Stevens das Glück mit an den Neckar brachte, Freiburg das Tor nicht traf, der VfB in Mitrovic einen Gönner fand oder wir einfach einmal vorne die Kisten machten, ist mir ziemlich schnuppe. Fußball ist erwiesenermaßen kein Glückspiel, es gibt zwar die eine oder andere Strähne, der man entgegenwirken kann, wenn man die regelmäßigen Trainingseinheiten dazu nutzt, an den vorhandenen Defiziten zu arbeiten und sich Woche für Woche zu verbessern. Dafür haben wir jetzt den richtigen Mann, Marke Fußballlehrer, an der Seitenlinie. Er würde sich persönlich beleidigt fühlen, gäbe es nichts zu verbessern, daher dürften die kommenden Monate das reinste Vergnügen für ihn als VfB-Trainer werden.
Dem VfB gelang es mit dem Auswärtssieg auf den Relegationsplatz 16 mit nunmehr zwölf Punkten zu klettern. Es war allemal ein Auftritt, der Mut macht für die nächsten schwierigen Aufgaben. Mit Siegen steigert sich automatisch auch wieder das Selbstvertrauen, das Vertrauen in ihren neuen alten Trainer ist ohnehin gegeben. Nun heißt es zuhause gegen den Lieblingsheimgegner Schalke 04 nachzulegen. In seiner ersten Amtszeit schaffte es Stevens, eine neue Heimstärke (unter anderem auch gegen seine alte Liebe Schalke) zu generieren, die jetzt wieder bitter nötig wäre, um die nötigen Punkte im Kampf um den Klassenerhalt zu erringen. Aus den vier verbleibenden Spielen bis zur Winterpause sollten möglichst noch zwei Siege herausspringen, dann, mit 18 Punkten, hätte man eine vernünftige Basis für die Aufholjagd in der Rückrunde gelegt.
Für uns ging es nach dem Spiel noch einmal in den Schwarzwaldblick, wo die Sky-Sendung „Mein Stadion“ mit Uli Potofski zu Gast war. Fast als die letzten Gäste und zu später Stunde begaben wir uns schließlich auf die Suche nach dem Auto unserer Rückfahrgelegenheit. Da mittlerweile keine Bahn mehr zu jenem Park & Ride Platz fuhr, irrten wir in etwa eine geschlagene Stunde herum, und fanden das Vehikel dann auch schließlich. Für diese verlorene Zeit wurden wir insofern entschädigt, dass wir, entgegen des Plans uns nach Bühl zur S-Bahn zu chauffieren, mit Tempo 220 im Audi AS bis vor die Haustür nach Weisenbach gefahren wurden, die wir gegen 3 Uhr morgens erreichten. Total kaputt zwar, aber, mit dem ungewohnten Gefühl eines Sieges, der auch heute noch unheimlich gut tut.

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25. September 2014

Aus für Bobic – 2:2 in Dortmund

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , , , , – Franky @ 18:20

Gestern stand mal wieder eines der Saison-Highlights an. Flutlichtspiel im Westfalenstadion in Dortmund, wo natürlich sofort Erinnerungen an das 4:4 vor ein paar Jahren wach werden. Für mich keine Frage, obwohl unter der Woche, dabei sein zu wollen und zwei Urlaubstage dafür zu „opfern“. Dortmund ist für mich nicht nur wegen des größten Stadions Deutschlands mit der schwarz-gelben Wand ein gern bereistes Auswärtsspiel.
Mir gefällt’s einfach dort, wo man sich im Biergarten des Stadions Rote Erde unters schwarz-gelbe Volk mischen und das eine oder andere Bier mit BVB-Fans trinken kann, ohne dass einem feindselige Stimmung entgegenschlägt. Bei den Gesprächen mit den Dortmundern waren auch viele aufmunternde Worte dabei und, in Anbetracht dessen, dass sie die Auftritte der Brustringträger nicht jede Woche leidvoll mit ansehen müssen, die Meinung, dass unsere Qualität viel zu hoch wäre, um den Gang in die zweite Liga antreten zu müssen. Da musste dann schon das schwäbische Korrektiv eingreifen, indem wir unsere realistische Sicht der Dinge vertraten, nämlich, dass wir uns in dieser Saison tatsächlich ernsthafte Sorgen machen, weil einfach zu viel im Argen liegt.
Bereits zu Beginn unserer Busfahrt machte die Meldung die Runde, die Trennung von Sport-Vorstand Fredi Bobic sei beschlossene Sache und dass man diesen Schritt spätestens bis zur Winterpause vollzogen haben möchte. Dies war natürlich schnell Gesprächsthema Nummer eins und fast minütlich waren aktuellere Wasserstandsmeldungen zu erfahren, bis die Meldungen dahingehend lauteten, Fredi Bobic wäre mit sofortiger Wirkung von seinen Aufgaben entbunden.
Die offizielle Bestätigung des VfB schließlich ließ bis kurz vor Spielbeginn auf sich warten. Der VfB dementiert zwar so lautende Meldungen, die Entlassung Bobic‘ wäre ihm am Telefon mitgeteilt worden, dennoch fällt kein gutes Licht auf die Art und Weise der Trennung. Ob jetzt am Telefon oder ob Bobic bereits in Dortmund verweilte und man ihn von dort zurück nach Stuttgart zitierte um ihm den Sachverhalt persönlich zu vermitteln macht für mich keinen Unterschied. Wurde von Vereins-Seite der Zeitpunkt der Veröffentlichung des offenen Briefs vom Commando Cannstatt angeprangert, kann man auch hier über die Richtigkeit des Zeitpunkts der Kündigung kritisieren.
Hätte der Verein konsequent gehandelt, hätte die Trennung auf der Klausurtagung im Dezember 2013 beschlossen werden und entweder nach Ende der Vorrunde, spätestens aber nach Saisonende 2013/2014 vollzogen werden müssen. Dass sich Bobic, spätestens seit der Vertragsverlängerung und (ebenfalls zu spät erfolgter) Beurlaubung von Bruno Labbadia heftigster Kritik ausgesetzt sah, war hinlänglich bekannt. Dass Bobic von sich aus nach Ende der letzten Saison seinen Rücktritt angeboten hat, ist ebenfalls Tatsache. Weshalb der Verein dieses „Angebot“ nicht angenommen hat und einen Schnitt vollzogen hat, verstehe ich wieder einmal nicht. Unser Aufsichtsrat und unsere Vorstandschaft vermittelt mehr und mehr den Eindruck, wie ein Politiker die Probleme auszusitzen und erst wenn das Volk aufmuckt und die Situation zu eskalieren droht, Konsequenzen zu ziehen, um in erster Linie ihren eigenen Allerwertesten zu retten. Präsident Wahler, der wie Bobic Zielscheibe der Proteste rund um das Hoffenheim-Spiel war, kroch erst jetzt, notgedrungen, aus seinem Schneckenhaus, um, so offiziell, weiteren Schaden vom Verein abzuwenden, bzw. inoffiziell, sich selbst aus der Schusslinie zu nehmen. Fredi Bobic tut einem in dieser Posse schon fast Leid und es wächst in mir der Eindruck, dass Bobic in diesem Ränkespiel „nur“ das Bauernopfer ist.
Natürlich habe ich in letzter Zeit oft genug aufgezählt, was ich Bobic vorwerfe, in Bezug auf schlechtes wirtschaften mit den knappen Mitteln, mangelnder Kommunikations- und Kritikfähigkeit, Dünnhäutigkeit, in gewisser Weise auch Arroganz. Ihn hier, wohlgemerkt zu diesem Zeitpunkt, zum Sündenbock abzustempeln, das hat er in dieser Form jedoch nicht verdient. Präsident Wahler und sein Gefolge haben in der Sommerpause ihren Job nicht gemacht, eine Trennung vom Sportdirektor zu diesem Zeitpunkt jetzt, macht wenig Sinn und sieht nach Aktionismus aus, da die Transfers getätigt sind, der Kader (für die Vorrunde) unumstößlich feststeht.
Bei einer früheren Demission hätte man sich ja um die tollsten Kandidaten bemühen können, auch solche, die bereits bei anderen Vereinen vertraglich gebunden sind. Auch Manager und Sportdirektoren lassen sich mittlerweile Ausstiegsklauseln für besondere Umstände in den Vertrag schreiben, so dass zumindest nichts unmöglich gewesen wäre. Jetzt aber, mitten in der Saison, würde nur ein einfältiger und charakterlich bedenklicher Manager, der bei einem anderen Verein in Lohn und Brot steht, diesen im Stich lassen und das nächstbeste Angebot annehmen. Hier ist fast nur zu hoffen, dass der VfB bei diesen Abwerbeversuchen erfolglos bleibt!
Jetzt einen Top-Mann zu bekommen, halte ich für äußerst unrealistisch. Ich hoffe, der VfB setzt hier keinen Schnellschuss, klappert einen nach dem anderen ab und hat bei Nummer elf oder zwölf vielleicht „Erfolg“. Die Interimslösung mit Armin Veh (Kaderplanung) und Jochen Schneider (das kaufmännische und Vertragsangelegenheiten) sollte meiner Meinung nach nicht nur eine kurzfristige sondern möglichst eine bis zum Saisonende werden. Würde Veh tatsächlich mittel- oder langfristig den Posten des Sportdirektors anstreben und der VfB Thomas Tuchel für die nächste Saison als Cheftrainer gewinnen können, wäre dies für mich im Moment die vielversprechendste Möglichkeit. Bei Armin Veh weiß man, was man an ihm hat und Thomas Tuchel ist ein ausgewiesener Fachmann, den man aber nicht mit falschen Versprechungen locken dürfte. Ob er, nach Jürgen Klopp der derzeit wohl zweitbegehrteste deutsche Fußballlehrer, jedoch an dieser schwierigen Aufgabe in einem brodelndem Umfeld interessiert wäre oder nicht doch lieber nach Schalke oder sonst einem ambitionierten Verein geht, der kurzfristig bessere Perspektiven böte, vermag ich nicht zu beurteilen. Er ist beim VfB „groß geworden“ als Trainer, hat durchaus noch ein Herz für den VfB, mag die Stadt, doch, ob diese emotionalen Kriterien den Ausschlag geben oder nicht doch die monetären, da habe ich meine Zweifel. Für mich wäre das die 1a-Lösung, da Tuchel ähnlich bekloppt ist wie Jürgen Klopp und es mit ihm nie langweilig werden würde. Ein Freigeist, der Mannschaft und Öffentlichkeit immer mal wieder mit neuen Ideen überraschen oder auch wachrütteln würde.
Von Leuten, die derzeit auch kolportiert werden, wie Todt und Zeyer, halte ich zunächst einmal überhaupt nichts. Todt, finde ich, hat noch keine großen Spuren im Manager-Business hinterlassen. Das einzige Kriterium, das ich mir vorstellen kann, das ihn möglicherweise (ein mögliches Interesse an ihm wird/ wurde vom VfB ja sowieso nicht bestätigt) zum VfB-Manager befähigen soll, ist wohl, dass er schon einmal, wenn auch ohne nachhaltigen Erfolg, seine Schuhe für den VfB geschnürt hat. Ihn jetzt aus dem KSC herauszubrechen, bei aller Feindschaft, hielte ich nicht für die feine englische Art. Auch Zeyer, ein Mann mit, wenn auch kurzer, VfB-Vergangenheit, mag bei den Kickers einen guten Job machen, was ihn aber nicht unbedingt automatisch zu einem guten VfB-Manager werden lassen würde. Auch er soll bei den Kickers bleiben. Ich gönne ihnen sogar den Aufstieg in die 2. Liga, mit Zeyer, da ich noch zum älteren Schlag gehöre und die Zeiten klasse fand, als beide (großen) Stuttgarter Vereine ihren festen Platz im bezahlten Fußball hatten.
Einen Mann wie Jens Lehmann zu holen, wie zuvor Heldt und Bobic, der keinerlei Erfahrung auf diesem Terrain vorzuweisen hat, birgt ein großes Risiko, auch wenn ich Jens Lehmann mag und schätze. Da aber dieses Mal der Schuss wirklich sitzen muss, um nicht endgültig ins finanzielle Fiasko zu stürzen, wäre mir persönlich dieses Risiko zum jetzigen Zeitpunkt zu groß.
Fredi Bobic ist also nun endgültig Geschichte beim VfB. Ich mochte ihn als Spieler und werde es nie vergessen, wie er 1994 wie Phönix aus der Asche kam und in seinen ersten fünf Bundesligaspielen auf Anhieb traf. Er war Teil des magischen Dreiecks und wurde mit dem VfB Pokalsieger. Eine unvergesslich schöne Zeit mit begeisterndem Offensivfußball. Leider erlag er 1999 dem Lockruf des Geldes und wechselte zum gestrigen Gegner Borussia Dortmund. So weit her war es also auch nicht mit dem VfB-Herz. Dennoch, als Spieler habe ich ihn in guter Erinnerung, jetzt als Manager leider weniger. Aus seiner Manager-Zeit bleibt bei mir eher haften, dass er sehr dünnhäutig auf Kritik reagiert und alle, die anderer Meinung sind als er, als Ahnungslose abtut. Als starker Mann hätte er der Öffentlichkeit gegenüber ehrlicher auftreten müssen, bspw. wenn er unterirdische Kicks schöngeredet und jede Kritik darüber harsch abgeschmettert hat.
Spieler- und Managerkarriere zusammengefasst möchte ich ihm danken für seine Zeit beim VfB und nehme es ihm auch ab, dass er stets bemüht war, zum Wohle des Vereins zu handeln. Für die Zukunft wünsche ich ihm alles Gute!
So drohte, das Spiel im Westfalenstadion fast in den Hintergrund zu geraten, was natürlich diesem Highlight nicht gerecht sein würde. Da wir ohne nennenswerten Stau die gut 430 Kilometer von ES-Berkheim nach Dortmund hinter uns brachten, erreichten wir schon gegen 17.30 Uhr den Gästebusparkplatz unweit des Stadions. Noch kurz ein Wulle am Bus geschnappt und schon machten wir uns auf den Weg zum Stadion Rote Erde. Leider setzte just in dem Moment, als wir dort waren, heftiger Regen ein, so dass wir unterm Dach eines Bierrundells eng zusammenrückten, mit einigen BVBlern die Situationen unserer beiden Vereine erörterten und das eine oder andere Bierchen zusammen tranken. Gegen 19.30 Uhr machten wir uns dann auf in Richtung des Stadions, das sich ja nur etwa 100-200 Meter Entfernung, je nachdem welchen Eingang man nehmen muss, erstreckt. Immer wieder beeindruckend, wenn man vor diesem Betonklotz steht, und sich an die 80er-Jahre zurückerinnert, als gerade Mal halb so viele Zuschauer ins Stadion passten. Trotz großer Menschenmassen vor „unserem“ Eingang ging es sehr zügig voran, so dass wir kaum 5 Minuten später bereits das Drehkreuz passiert hatten. Ich liebe es, wie professionell und unkompliziert die Einlasskontrollen bei „großen“ Vereinen mit viel Bundesligaerfahrung (meistens) ablaufen, ganz im Gegensatz zu Emporkömmlingen wie Mainz, Augsburg und Hoffenheim, die sich selbst am Eingang noch besonders profilieren müssen. So hatte ich keinerlei Probleme mit meiner Bridge-Kamera und der Fußballabend konnte beginnen. Ich hatte dieses Mal meinen Platz auf der Nord-Ost-Tribüne, Reihe 1, also schrägversetzt zu unserem Block mit einer herausragenden Sicht auf den Fanblock und aufs Spielfeld. Jedes Mal aufs Neue, wenn ich diesen Fußballtempel betrete, kribbelt es. Tolles Stadion, tolle Atmosphäre und einfach beeindruckend, wenn 80.000 Leute Stimmung machen. Spätestens nach der schwarz-gelben Schalparade zu YNWA gibt es schon mal einen Anflug von Gänsehaut.
Ich habe schon Bewunderung für den BVB übrig, mag deren Stil Fußball zu zelebrieren und ich mag Jürgen Klopp, der Dortmund zu dem gemacht hat, was es derzeit ist. Nämlich eine Hausnummer im deutschen und europäischen Fußball und DER Bayern-Jäger Nummer 1. Daher drücke ich ihnen im Kampf gegen die Bayern stets die Daumen und tat das auch beim CL-Finale im Wembley-Stadion, was ja leider bekanntlich nichts nutzte. Im direkten Duell aber, selbstredend, bin ich VfBler durch und durch und kenne keine Freunde, wenn das Spiel mal begonnen hat.
Die Vorzeichen waren so, dass beide Teams stark ersatzgeschwächt antreten mussten, den BVB hat es, wie so oft in letzter Zeit, aber härter erwischt, fallen dort doch immer wieder reihenweise hochkarätige Leistungsträger aus. Dennoch fällt es dem BVB leichter, seine Ausfälle zu kompensieren, weil der Kader qualitativ hochwertig und üppig ist. In den Gesprächen vor dem Spiel meinte ein Dortmunder, „Dortmund ist immer Dortmund. Egal wer ausfällt und dafür rein kommt, das Spiel des BVB ändert sich dadurch nicht“, womit er Recht behalten sollte. Dieses brutale Pressing, dieses bekämpfen des Gegners über 90 Minuten, dieses laufintensive Spiel, die klar verteilten Aufgaben auf dem Platz, sind es, die Dortmund eine klare Identität geben. Beim VfB hingegen, weiß man nicht so recht, ob es sich um eine Schwächung handelt, wenn der eine oder andere Spieler passen muss.
Ob die Personalie Bobic Einfluss auf die Leistung auf dem Platz gehabt hat, wage ich zu bezweifeln. Die Spielvorbereitung obliegt dem Trainer Armin Veh und oblag ihm hoffentlich auch in der Vergangenheit. Die Aufstellung ließ vermuten, dass der VfB sein Heil vorwiegend in der Defensive suchen würde. Ist ja auch durchaus vernünftig in Dortmund, dass man, zumal, wenn man als Tabellenletzter anreist, zunächst einmal auf Absicherung bedacht ist.
So durfte im Vergleich zum Hoffenheim-Spiel unser WM-Fahrer Carlos Gruezo für den formschwachen Martin Harnik die Doppel-Sechs neben Oriel Romeu bilden. Diese Maßnahme erwies sich als Volltreffer, besticht Gruezo doch durch ein vorzügliches Spiel gegen den Ball und ist technisch versiert genug, den Ball nach einer Balleroberung nicht gleich wieder zu verlieren.
Insgesamt war die Raumaufteilung eine bessere als zuletzt, so dass Dortmund große Mühe hatte, ins Spiel zu finden und unser Tor zu gefährden. Außer dem Lattentreffer Kagawas brachten sie in der ersten Halbzeit nicht viel zustande, der VfB hatte alle Hände voll zu tun, um erst einmal zu verhindern, setzte aber auch vorne Nadelstiche, wann immer die Dortmunder Raum dafür anboten. Als leidgeprüfter VfB-Fan rieb man sich schon manchmal die Augen, wie forsch unsere Jungs den Kampf annahmen. So stand zur Pause ein verdientes 0:0, was in Anbetracht der letzten Resultate schon als Achtungserfolg zu werten war.
Wer dann dachte, der BVB könne den Druck erhöhen und würde uns irgendwann schon den erwarteten Rückstand bescheren, sah sich getäuscht. In der 48. Minute war es der VfB, der überraschend in Führung ging. Daniel Didavi verwertete eine Hereingabe von Christian Gentner zum 0:1. Dieser Treffer beeindruckte den BVB offenkundig, während die Brust beim VfB breiter und breiter wurde. Anstatt der BVB mit Vehemenz auf den Ausgleich drängte und hochkarätige Chancen herausspielte, nutzte der VfB einen seltenen Vorstoß zu Didavis 0:2.
Timo Werner, der mir als alleinige Spitze gestern hervorragend gefiel, spielte Dida klasse frei und hatte schließlich noch das Auge und die Passgenauigkeit, um dem Spielmacher den Treffer aufzulegen. VfB und Spielkultur passten in letzter Zeit wahrlich nicht zusammen, das aber war allererste Sahne.
Dieser Zwei-Tore-Vorsprung hielt leider gerade einmal fünf Minuten an. Nach Fehlpass Romeus verkürzte Aubameyang zum 1:2. Dennoch hatten Gentner und Ibisevic noch die Doppelchance zum 1:3 in der 84. Minute, was es wohl gewesen wäre. So aber kam es, wie es kommen musste, Immobile nutzte einen kapitalen Ulreich-Patzer zum Ausgleich. Wieder einmal musste der VfB spät noch Punkte einbüßen, wieder einmal konnte man die Führung nicht über die Zielgerade bringen. Auf der anderen Seite ist es für jeden Gegner schwer, diesen unwiderstehlichen Druck, den die Dortmunder ausüben, schadlos zu überstehen, vor allem, wenn das Publikum so richtig Alarm macht. Da ist es dann vielleicht auch Nervensache, diese enorme Lautstärke auszublenden und sich auf das Geschehen auf dem Platz zu fokussieren. Sven Ulreich schien es gestern nicht zu können, unerklärlich wie er beim 2:2 Ausgleich unter der Schmelzer-Flanke durch tauchen konnte. Immer offenkundiger wird, dass wir ein Torwart-Problem haben und ein Torwart-Wechsel kein Tabuthema mehr sein darf. Auch eine Passquote von gerade einmal knapp über 50% spricht nicht für unsere Nummer 1.
Alles in allem aber war es eine gute Mannschaftsleistung und endlich mal ein engagierter Auftritt unseres VfB. Vor dem Spiel hätte man natürlich einen Punkt liebend gern mitgenommen, danach, nach einer 2:0-Führung, sehe ich diesen mit gemischten Gefühlen. Sollten wir Hannover 96, immerhin Tabellendritter nach dem fünften Spieltag, schlagen und den Punkt vergolden, wäre alles gut und der Punkt hätte die langeersehnte Trendwende eingeleitet. Wenn sich das Neckarstadion aber wieder als Selbstbedienungsladen für unsere Gäste entpuppen sollte, muss man konstatieren, dass eine Mannschaft, die nicht fähig ist, das Spiel zu machen und sich auswärts leichter tut, dann auch auswärts die Punkte zum Klassenerhalt holen muss, dann wäre ein Punkt in Dortmund zu wenig gewesen.
Ich hoffe auf ersteres, einige gute Dinge hat man ja gestern gesehen. Wie ich finde, gehören Gruezo und Werner immer in die Startelf. Antonio Rüdiger machte erneut ein gutes Spiel und verhinderte in letzter Minute für den geschlagenen Ulreich gar das 3:2 für Dortmund. Eine Doppelte Absicherung mit Romeu und Gruezo verleiht dieser Mannschaft mehr Stabilität, ich hoffe, die war keine Ausnahme und dem Fehlen von Maxim sowie der Offensivstärke Dortmunds geschuldet. Und schließlich, Daniel Didavi, der Mann des Spiels, ist hinter einer einzigen Spitze Werner sehr gut aufgehoben.
So berechtigt der gestrige Tag zur Hoffnung auf Besserung in vielerlei Hinsicht. Sportlich wurde bewiesen, dass auch in diesem Kader durchaus Potential vorhanden ist, um zumindest einen Nichtabstiegsplatz anzustreben und in der Vereinsführung werden die Karten neu gemischt. Spannende Tage und Wochen stehen uns bevor.

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13. April 2014

Pech oder einfach „nur“ Unvermögen?

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , – Franky @ 18:08

In letzter Zeit habe ich mich mit dem Schreiben und vor allem dem allzu heftigen Kritisieren im Blog zurückgehalten und mich diesbezüglich auf Facebook beschränkt. Teilweise schlicht aus Zeitgründen, aber auch, weil ich #Zusammenhalten verinnerlicht habe und überzeugt davon bin, dass draufhauen zu diesem Saisonzeitpunkt nichts mehr bringt. Die Schlüsse aus der Fehlentwicklung der letzten Jahre und die Konsequenzen daraus werden nach Saisonende im Vorblick auf die neue Saison, in welcher Liga auch immer, gezogen werden. Dass „wir nicht weitermachen können wie bisher“ hat Präsident Wahler ja schon verlauten lassen. Spätestens seit der Verein mit dem längst überfälligen Trainerwechsel die letzte Patrone gezogen hat, liegt die Zukunft des Vereins in den Händen der Spieler, die es auf dem Platz richten müssen.
Seit meinem letzten Kommentar auf dieser Seite gab es nach aufopferungsvollem Kampf und einer 2:0-Führung das 2:3 gegen Borussia Dortmund. Die hätten lieber mal ihre Leistungsträger geschont, dann wären sie im darauffolgenden Championsleague-Spiel in Madrid wohl nicht so unter die Räder gekommen. Auch der Dreifach-Torschütze Marco Reus, der sich die Unverschämtheit leistete, den VfB-Fans die herausgestreckte Zunge zu zeigen, hätte sich lieber den einen oder anderen Treffer für die Königlichen aufgehoben als uns ins Tal der Tränen zu schießen. Dieses Spiel lief sehr unglücklich für uns. Kirch hätte mit Gelb-Rot vom Platz gehört, ebenso wie Lewandowski, dem eine Zweikampfführung ohne Ellenbogeneinsatz fremd ist und der zu allem Überfluss noch einen Elfmeter geschunden hat, was die Rote Karte für Georg Niedermeier zur Folge hatte. Der VfB, zu diesem Zeitpunkt gegen den gewohnt laufstarken BVB bereits ausgepowert, hatte in Unterzahl leider nichts mehr entgegenzusetzen. Dennoch war das Spiel einmal mehr ein Hoffnungsschimmer, dass durchaus Qualität in der Truppe vorhanden ist. Stevens zog zudem Konsequenzen aus dem blutleeren Auftritt in Nürnberg und brachte erstmals Didavi und Gruezo in der Anfangsformation.
Danach folgte der überlebenswichtige Heimsieg gegen den SC Freiburg. Wie schon gegen den HSV stach unser Joker Alexandru Maxim nach toller Vorarbeit von Traore. Ulle machte ein starkes Spiel und hielt uns in der Schlussviertelstunde die Führung, ehe Martin Harnik den Deckel drauf setzte. Wieder bildeten Gruezo und Gentner die Doppelsechs, während Didavi auf der zentralen Offensivposition die Fäden zog. Viele hatten Dida ja schon abgeschrieben, umso mehr freut es mich, wie er sich wieder herangekämpft hat und wie gut er dem VfB-Spiel tut. Gruezo die Überraschung der letzten Spiele schlechthin. Sehr abgeklärt für sein Alter und technisch beschlagen füllt er die Position aus, wie schon lang niemand mehr beim VfB. Er versteht es dem Spiel Struktur zu verleihen und macht intuitiv das richtige, ob er einen Angriff einleiten oder wann er Tempo herausnehmen muss.
So war es logisch, dass diese beiden auch im Borussia-Park in Mönchengladbach zum Stammpersonal gehörten. Auch wenn ich was Stadien angeht eher ein Nostalgiker bin und den alten Stadien, die oft inmitten von Wohngebieten und mit vielen Bier- und Wurstbuden umgeben waren, nachtrauere, fahre ich immer wieder gerne in den Borussia-Park. Auf den Anfahrtswegen und in der Stadt findet keine übertriebene Fantrennung statt, die Polizei hält sich wohltuend im Hintergrund und auch die Ordnerschaft vermittelte eher einen kooperativen Eindruck. In dieser Hinsicht bilde ich es mir ein, vielleicht ist es ja auch so, dass bei Fußballvereinen, die mehr oder weniger zum Inventar der Liga gehören, wozu ich auch Gladbach, Lautern, Köln, etc. zähle, also solche, die über jahrzehntelange Bundesligaerfahrung verfügen, mit viel mehr Routine, auch mit mehr Gelassenheit, im Umgang mit den gegnerischen Fans zu Werke gehen als die Emporkömmlinge der Liga wie bspw. Mainz, Augsburg, Wolfsburg, Hoffenheim u. v. a. m. wo man nie den Eindruck hat, als Gast wirklich willkommen zu sein. In Gladbach davon keine Spur. Der Einlass war relaxed, man konnte mit den Ordnern flachsen, meine Kamera hat sie auch nicht die Bohne interessiert. Gestern war ich früh wie selten am und im Stadion, da ich nach dem Ausflug ins Düsseldorfer Nachtleben am Freitag mein Gepäck im RWS-Bus verstauen musste und daher bereits die Ankunft der Busse erwartete, um nicht Gefahr zu laufen, einmal mehr bei einem schönen Pils zu „verhocken“. Innen im Stadion traf man natürlich jede Menge Freunde und Bekannte, so dass die Zeit bis zum Anpfiff regelrecht verflog. Da eine Choreo angekündigt war ging ich rechtzeitig hinein und suchte mir einen guten Platz um diese bestmöglich in Szene setzen zu können.
Die Aufstellung bekam ich wie gewohnt per Whatsapp-Nachricht vom VfB-Tweet übermittelt. Überraschung, Überraschung, der Mann mit der vermeintlichen Stammplatzgarantie, Vedad Ibisevic, musste auf der Bank Platz nehmen und Timo Werner den Vortritt lassen. Stevens ist endlich mal wieder ein Trainer, der vor „großen Namen“ nicht Halt macht, sich aber auch nicht in die Karten blicken lässt. Den Medienvertretern jedenfalls hat er am Freitag noch Glauben gemacht, eine Herausnahme unserer Nummer 9 wäre kein Thema. Umso überraschter, aber auch positiv erfreut, war ich, als ich diesen Wechsel zur Kenntnis nahm, fiel Ibisevic doch auch nach Ablauf seiner Sperre mehr durch unfaire Einlagen und lustlosem Gekicke auf, als dadurch, der Mannschaft unbedingt aus dieser misslichen (Tabellen-)Lage heraus helfen zu wollen. Es scheint so, als hätten wir seit längerer Zeit mal wieder einen Übungsleiter, bei dem das Leistungsprinzip gilt. Ein (richtiges) Signal sicherlich für jeden einzelnen, dass er es sich nicht leisten kann nachzulassen, möchte er auch im nächsten Spiel in der Stammelf stehen. Ein solch konsequenter Mann an der Seitenlinie, finde ich, tut uns gut und weshalb sollte er, nach hoffentlich erfolgreich absolviertem Abstiegskampf, nicht auch in der nächsten Saison unser Trainer bleiben, wenn er denn möchte. Dazu müsste die Vereinsführung den Mut haben, diesen kauzigen und sicherlich nicht einfachen Typen, der den Herren auch nicht immer nach dem Mund reden wird, weiter zu beschäftigen und eine (konstruktive) Streitkultur wieder einkehren zu lassen. Sie müsste also endlich einmal über ihren eigenen Schatten springen. Dass er den vom Verein kolportierten Jugendstil nicht mittragen würde halte ich für eine Mär. Gestern standen mit Werner und Gruezo gleich zwei Youngster in der Anfangsformation, würde das Reservoir des Vereins mehr hergeben, bekämen sicherlich noch andere ihre Chancen. Wer sich in letzter Zeit aber die Auftritte unserer zweiten Mannschaft angeschaut hat, sieht eigentlich so gut wie keinen, dem man den Sprung in naher Zukunft zutrauen könnte. Vielleicht kommt als nächster Marco Rojas, der mit viel Vorschusslorbeeren als Kiwi-Messi angekündigte Neuseeländer, noch zum Zug, der derzeit wie zuvor Daniel Didavi bei den Amateuren Spielpraxis erlangt. Auf Teufel komm raus junge reinzuwerfen, nicht weil sie gut, sondern nur weil sie jung sind, bringt in unserer Lage nichts und damit tut man ihnen auch keinen Gefallen. Dafür fehlen uns die gefestigten Führungsspieler, an die sich anlehnen und von denen sie lernen könnten.
Außer Werner für Ibisevic kehrte Niedermeier nach Rot-Sperre für Sakai in die Startformation zurück. Der VfB-Block bot ein wunderschönes Bild, waren doch sehr viele dem Aufruf „Alle in Rot nach Gladbach“ gefolgt. Gut 4.000 VfBler machten von Beginn an gute Stimmung und wirkten bis in die Haarspitzen motiviert. Kurz vor dem Einlauf der Mannschaften fiel der Startschuss für die Fahnen-Choreo mit dem Motto „Kampf bis zum Schluss“. So ein beeindruckendes Bild musst Du auswärts erst einmal abgeben, Gänsehautatmosphäre also bereits bevor das Spielgerät rollte. Zum Fotografieren hatte ich einen tollen Platz, direkt am Zaun zur Gegengerade, so dass ich durch den Zaun in die Gladbacher Kurve fotografieren konnte und auf der anderen Seite auch unseren Block gut im Blick hatte. Nach einer kurzen Abtastphase, in der sich die Gladbacher mühten, unser Abwehr-Bollwerk zu knacken, jedoch nicht durchkamen, stand es plötzlich 1:0 für den VfB. Der VfB vorne sehr variabel und für die Gladbacher schwer auszurechnen, da Gruezo die Bälle klug verteilte und Didavi, Harnik, Traore und Werner ständig die Positionen tauschten, ging nach missglücktem Versuch von Werner schließlich durch Didavi in Führung. Es war Didavis erstes Bundesligator seit ziemlich genau zwei Jahren. Noch hat er keine Luft für 90 Minuten, dennoch zeigt er schon ín seinen ersten Spielen nach schier endlos langer Reha wie wertvoll er für den VfB sein kann. Mit Stevens haben wir endlich wieder einen Trainer, der erkennt, wie er den einen oder anderen Spieler einsetzen muss, damit seine Stärken zum tragen kommen, Labbadia jedenfalls konnte mit Didavi nichts anfangen, weshalb er ja auch damals nach Nürnberg verliehen wurde. Ich verfolge Didavi schon länger, war bei seinem allerersten Spiel bei unseren Amateuren gegen Eintracht Braunschweig dabei, als er wie Phönix aus der Asche kam und zwei Tore zum 4:0-Sieg beisteuerte. Sein starker linker Fuß kann eine Waffe für uns werden, hoffentlich bleibt er gesund, dann bin ich mir sicher, werden wir noch viel Freude an ihm haben.
Unmittelbar vor dem Führungstreffer gab es eine schön anzuschauende Pyro-Einlage unserer Ultras. Wer weiß, vielleicht wirkte diese „Show“ ja motivierend auf die Jungs oder lenkte die Gladbacher ein wenig ab. Ich sehe solche Zündeleinlagen durchaus mit gemischten Gefühlen. Ich schaue es mir unheimlich gern an, halte auch mit der Kamera drauf, was das Zeug hält, weil es einfach geile Bilder gibt. Auf der anderen Seite bin ich überzeugt davon, dass ein teilweiser Fanausschluss bei uns nur noch eine Frage der Zeit ist, die DFL greift nach solchen „Vorfällen“ momentan gnadenlos durch und will mit aller Gewalt demonstrieren, wer Herr im Haus ist und wer die Hosen an hat. Ist ein wenig ein Katz- und Mausspiel, bei dem die Vereine und die Fans im Grunde nur verlieren können. Trotzdem verstehe ich die Ultras, die nicht bereit sind, jedes Verbot zu tolerieren und zu akzeptieren, da rund um den Fußball und besonders was das Fußballfan-Dasein angeht in den letzten Jahren viel an Freiheit verloren gegangen ist. Der Fußball und das Drumherum verlieren mehr und mehr seinen originären Charakter hin zum Event. Der Fan in der Kurve ist allenfalls noch Beiwerk, das Hauptevent findet in den Fresslogen auf den Haupttribünen statt, sind es doch die, die das meiste Geld bringen und die, mit denen man geschäftliche Kontakte knüpft, wovon man irgendwann in diesem Leben noch profitieren könnte. Nur gut, dass auch für die Großkopferten in den Logen das Fahnenmeer in der Kurve, die Gesänge, ab und zu eine beeindruckende Kurvenchoreographie und die Stimmung dazugehören und sie dies nicht missen möchten, sonst würde die Kommerzialisierung noch fatalere Ausmaße annehmen. Daher stimme ich in vielem mit der Intension der Ultras überein und bin auch froh, dass es sie gibt. Auf der anderen Seite habe ich eben vorhin den liberalen Umgang der Ordner in Gladbach gerühmt. Es steht zu befürchten, dass es im Spiel 1 nach einer Pyroshow an gleicher Stelle Restriktionen geben wird, sei es Choreo- und Fahnenverbot, seien es verschärftere Eingangskontrollen und/ oder Ausschank von nur noch alkoholfreiem Bier. Steht so etwas zu befürchten mache ich mir Gedanken darüber in einen neutralen Bereich zu gehen, um mich diesen Restriktionen (immer öfter auch Schikanen) nicht aussetzen zu müssen.
Der VfB war nach der Führung klar die bessere Mannschaft und ließ wenig bis nichts zu. Und wenn, war Sven Ulreich zur Stelle, der seit dem Dortmund-Spiel stark aufsteigende Tendenz zeigt in einer Mannschaft, die von Spiel zu Spiel stabiler wirkt, von negativen Ausrutschern wie in Nürnberg einmal abgesehen. Nach vorne setzte das Team immer wieder Nadelstiche und hätte die Führung ausbauen müssen. Vor allem unmittelbar vor der Pause, als Didavi und Werner das Tor einfach machen mussten.
Nach dem Wechsel übernahmen die Gladbacher mehr und mehr die Initiative, wechselten offensiv, ohne jedoch zu klaren Chancen zu kommen. Sie bissen beim VfB über weite Strecken auf Granit, was sich in Verzweiflungsschüssen zeigte, die meist das Tor weit verfehlten. Der VfB verfiel leider mit zunehmender Spieldauer in alte Verhaltensmuster und tat zu wenig für die Offensive. Dennoch hatten wir in der 87. Minute den erlösenden Torschrei auf den Lippen, als Traores Freistoß an die Latte prallte. Und dann kam es, wie man es als leidenserprobter Fan kommen sah, Boka zu weit weg von Kruse, der ungehindert flanken konnte, den Kopf von Arango traf und dieser mit seinem allerersten Kopfballtor den von den Gladbacher viel umjubelten Ausgleich erzielte. Niedermeier, gefühlt einen Kopf größer als Arango, hinderte ihn ebenso wenig dran wie Schwaab, der nur zuschaute. Eine Verkettung von eigenen Fehlern also mal wieder, so dass es mir schwer fällt von Pech zu reden. Diese Unkonzentriertheiten in der Schlussphase haben uns mittlerweile etwa 30 Punkte gekostet. Hier rächt sich das so hochgelobte Trainingslager in Südafrika, wo dem Anschein nach mehr Wert auf die Termine als DFL-Botschafter denn auf Schwerpunkte auf dem Trainingsplatz gelegt wurde. Wenn man da mal nicht für 200.000 Euro die Bundesligazugehörigkeit verkauft hat…
Auch wenn uns momentan nur noch Dreier so richtig weiter helfen, hätte ich vor dem Spiel für den einen Punkt unterschrieben. Nach diesem Spielverlauf ist es jedoch einmal mehr eine gefühlte Niederlage, die richtig weh tat. In Anbetracht der Ergebnisse der Konkurrenz hätten wir uns, zusammen mit Hannover und Freiburg, fürs erste von den letzten drei Plätzen absetzen können. Jetzt aber heißt es (mal wieder) Mund abwischen und Schalke schlagen. In den verbleibenden Heimspielen muss einfach gewonnen werden, um nicht von den Ergebnissen der Konkurrenz abhängig sein und in München den Rechenschieber rausholen zu müssen. Die Leistungen zuletzt, die Stimmung rund um den VfB, der Zusammenhalt unter uns Fans, die Initiative „Jetzt weiß-rot” der Stuttgarter Medien, ein erneut volles Haus gegen Schalke 04 am ersten Frühlingsfestwochenende, vieles, das mir Mut macht für die letzten Heimspiele. Unter Stevens scheinen die Jungs auch die chronische Heimschwäche ad acta gelegt zu haben und vor allem die Angst vor dem Heimsieg. Eine unglückliche Niederlage gegen den BVB sowie zwei so wichtige Heimsiege gegen Hamburg und Freiburg sind eine Bilanz, die Hoffnung macht. Zudem haben wir gegen die auf dem Papier stärkeren Schalker und Wolfsburger, die beide noch um die Championsleague-Qualifikation spielen, gute Erinnerungen was „Endspiele“ betrifft. Gegen Schalke gelang der so wichtige Sieg 2001, der uns aller Abstiegsängste entledigte und den Schalkern zum Titel „Meister der Herzen“ verhalf. Gegen Wolfsburg erreichten wir 2003 mit einem 2:0-Sieg und durch Schützenhilfe von Energie Cottbus in Dortmund erstmals die Champions League. Auch 2012, als Wolfsburg zum letzen Heimspiel im Neckarstadion seine Visitenkarte abgab, gewannen wir mit 3:2 (nach 0:2!) an einem großartigen Tag mit beeindruckender Choreographie in der Cannstatter Kurve.
Dazwischen geht es noch zu Hannover 96, gegen die wir zuletzt 2006 auswärts gewannen. Ich drücke Hannover die Daumen, dass sie am Donnerstag in Frankfurt den Auswärtssieg feiern und den Abstiegsplätzen damit endgültig entrücken können. Möglicherweise wäre dann die Konstellation bei unserem Auftritt im Niedersachsenstadion schon so, dass sie völlig entspannt antreten und wir die Situation möglicherweise ausnutzen können. Aber, auch dort wird das Spiel 90 + x Minuten dauern. Höchste Zeit, dass unsere Jungs das verinnerlichen und noch gieriger werden, eine Führung auch mal beizeiten auszubauen, um unsere und auch die eigenen Nerven zu beruhigen.

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