11. April 2016

Gegen Bayern darf man mal verlieren

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , , , , – Franky @ 20:57

Es spricht für die Bayern und unterstreicht, wie sehr sich der Rekordmeister seit der Saison 2006/2007 von der Konkurrenz und insbesondere vom VfB entfernt hat, wenn fast jeder Gegner schon vor dem Spiel in die Knie geht und sein vorrangiges Ziel darin besteht, keine Klatsche zu kassieren und mit erhobenem Kopf aus der Partie zu kommen.

Das ist dem VfB gelungen. Wieder einmal hagelte es Lob von allen Seiten, weil die Mannschaft nicht auseinandergefallen war und „nur“ 1:3 verloren hat. Dass die Bayern die Aufgabe zwischen zwei Championsleague-Viertelfinals nicht mit der allerbesten Elf angingen und diese auch noch nahezu mühelos im Schongang erledigte, wird bei der Bewertung dieses Auftritts kurzerhand unter den Tisch fallen gelassen.

Im Vorfeld der Partie war ich schon fast dazu geneigt, die Stimmen zum Spiel bereits vorab zu schreiben, weil sie sich ohnehin wiederholen, wenn es gegen die Bayern geht.

Das letzte Mal, dass nach einer Niederlage gegen die Bayern ein VfBler so richtig angefressen vor die Mikrophone trat, muss zu Zeiten von Mario Gomez, Sami Khedira und Thomas Hitzlsperger gewesen sein. In den letzten Jahren aber wurde es zur Gewohnheit, dass man schon damit zufrieden war, wenn man einigermaßen nett mitspielte und nicht abgeschossen wurde. Wenn so die Maßgaben vor den Spielen lauten, wundert mich überhaupt nichts mehr. Ich dachte immer, man betreibe Leistungssport, um möglichst erfolgreich zu sein, was im Fußball bedeutet, zu punkten, und nicht, um sich für eine B-Note, die es im Fußball nicht gibt, anschließend selbst zu beweihräuchern.

Selbstredend bin ich kein Phantast und habe von dieser Truppe auch null Komma nix gegen die Bayern erwartet. Deren Dominanz ist mir bekannt und wie schwierig es ist, gegen sie zu punkten, ebenfalls.

Jedoch, wer Big-Points wie gegen Hannover, in Ingolstadt, gegen verunsicherte Leverkusener oder jüngst in Darmstadt fahrlässig liegenlässt, muss mit der Absicht ins Spiel gehen, sich diese verlorenen Punkte zurückzuholen, auch wenn der Gegner Bayern München heißt.

Seit der Siegesserie zu Beginn der Rückrunde wähnte sich der VfB bereits wieder in der Komfortzone der Liga, was unsere verwöhnten Diven schnell zum Anlass nahmen, einen Gang herunterzuschalten, anstatt gierig auf weitere Erfolgserlebnisse zu sein. Dadurch geriet man schleichend in die Abwärtsspirale, wobei es jetzt schwer ist, den Schalter nochmal umzulegen.

Auch wenn die Leistung am Samstag noch so diszipliniert und respektabel war, ich habe am Ende weder Beifall geklatscht, noch war ich zufrieden. Wie kann ich als VfB-Fan, der seit den 70er-Jahren unzählige Südklassiker mit einigen wenigen, dafür umso schöneren, VfB-Siegen erlebt hat, jetzt damit zufrieden sein, dass die zwölfte (!) Bundesliganiederlage gegen die Bayern am Stück nicht ganz so deftig ausgefallen ist? Früher war das Süd-Derby ein Spiel, dem man Wochen vorher schon entgegengefiebert hatte und das stets mit offenem Visier ausgetragen wurde. 5:3 lautete in München schon fast das Standardergebnis und doch waren es stets enge und begeisternde Spiele, in denen der VfB meist nicht schlechter, sondern eben unglücklicher war. Mittlerweile ist das Spiel gegen die Bayern, weil die Kräfteverhältnisse so ungleich verteilt sind, lästige Pflichtaufgabe, ich bin jedes Mal nur froh, wenn es vorüber ist.

Die Begegnungen VfB gegen Bayern in der Gegenwart haben den Charakter eines DFB-Pokal-Spiels, wenn die Bayern bei einem ambitionierten Drittligisten antreten müssen. Auch dieser versucht zunächst den Mannschaftsbus vor dem eigenen Tor parken und hofft darauf, dass vorne der liebe Gott hilft. In etwa 99% aller Fälle wird sich dabei die Klasse des Favoriten durchsetzen, hin und wieder schafft es aber auch der Underdog.
Nach einer Woche voller Hiobsbotschaften mit dem (endlich offiziell) verkündeten Abgang von Daniel Didavi und dem Saisonaus von Serey Dié meldeten sich am Spieltag auch noch Alexandru Maxim, Martin Harnik und Kapitän Christian Gentner, jeweils wegen eines grippalen Infekts, krank, so dass der ohnehin ersatzgeschwächte VfB gegen die Bayern weiter improvisieren musste.

Nach Kevin Großkreutz‘ Ausfall bis zum Saisonende trifft uns auch der von Serey Dié bis ins Mark. Ausgerechnet unsere beiden Mentalitätsmonster, die mit ihrer Körpersprache, ihrem Einsatz und ihrer Einstellung ihre Mitspieler mitzureißen vermögen und für mich die wahren Kapitäne dieser Mannschaft sind, werden bis zum Saisonende nicht mehr mithelfen können, die Abstieg zu verhindern. Bei beiden stellt sich die Frage, weshalb man sie in Ingolstadt (Großkreutz) und in Darmstadt (Serey Dié) verletzt weiterspielen ließ und nicht sofort heruntergenommen hat. Sollten sich die Blessuren dadurch verschlimmert haben, wäre es ein zu hoher Preis, den wir für ihren Ausfall jetzt zu bezahlen haben.

Im restlichen Saisonverlauf müssen die anderen für uns die Kohlen aus dem Feuer holen, was mir mangels wirklichen Führungsspielern schon jetzt den Angstschweiß auf die Stirn treibt.

Weil Jürgen Kramny (oder ein Maulwurf?) unter der Woche recht redselig war, war bereits im Vorfeld bekannt, dass Kramny auf einen Fünfer-Abwehrriegel vor dem eigenen Tor setzen würde, der bei eigenen Angriffen in ein 3-4-3 münden sollte.

Daniel Didavi spielte erstmals in seiner Karriere auf der Doppelsechs, zusammen mit Lukas Rupp, so dass Kostic, Werner und Kravets die einzig wirklich offensiv denkenden Akteure auf VfB-Seite waren.

Schon vor dem Spiel kamen nostalgische Gefühle auf, denn, unsere Meisterspieler Timo Hildebrand und Sami Khedira, die es noch wissen, wie man die Bayern schlägt, gaben sich die Ehre. Dann folgte eine schöne Ganzkurvenchoreo für die Beibehaltung des e. V., so dass der äußere Rahmen perfekter nicht sein konnte.

Das Spiel entwickelte sich wie erwartet. Die Bayern kamen auf fast 80% Ballbesitz und spielten Einbahnstraßenfußball in Richtung VfB-Tor, verfingen sich aber immer wieder im engmaschigen Abwehrnetz der Schwaben. Nach Ballgewinn versuchte der VfB über Kostic und Werner schnell umzuschalten, oft fehlte jedoch die Unterstützung aus dem (dünn besetzten) Mittelfeld, zudem wirkt Kravets, auch wegen seiner unorthodoxen Ballbehandlung, noch immer wie ein Fremdkörper im VfB-Spiel.

Der VfB begann dabei konzentriert und diszipliniert und hatte sogar die erste echte Chance des Spiels, was zugleich die einzige VfB-Chance in der ersten Halbzeit bleiben sollte. Nach Kostic-Freistoß scheiterte Didavi denkbar knapp am stark reagierenden Manuel Neuer. Die Münchner schienen von der destruktiven Spielweise des VfB genervt zu sein, was sich vor allem in drei (!) üblen Fouls Arturo Vidals in den ersten gut 20 Minuten entlud.
Beim dritten Foul, das meiner Meinung nach zwingend gelb-rot zur Folge hätte haben müssen, ließ Schiedsrichter Dankert Gnade vor Recht ergehen und nutzte seinen Ermessungsspielraum voll aus. Dankert? Ach ja, genau der gleiche Dankert, der im Hinspiel zwei irreguläre Bayern-Tore anerkannte und dem VfB ein reguläres verweigerte. Großes Kino, DFB!

Zwischen zwei Championsleague-Spielen kann man den Bayern ja schon mal einen zwölften Mann zur Seite stellen, schließlich spielen die Bayern ja für Deutschland und für die 5-Jahres-Wertung, so wohl die Denke des DFB.

Würde in der Liga einheitlich gepfiffen, würde mich dieses sogenannte Fingerspitzengefühl auch nicht aufregen und ich würde es sogar goutieren, aber so hat man eben den Eindruck dieses gelte nur für die Großen, ein VfBler wäre mit Sicherheit, nach gleichem Foul und bereits verwarnt, vom Platz geflogen. Natürlich mache ich die Niederlage nicht an dieser Entscheidung statt, aber, wer weiß, gerade vor dem Championsleague-Spiel bei Benfica Lissabon hätten sich die Bayern zu zehnt vielleicht auch mit einem Punkt begnügt.

Guardiola reagierte umgehend und brachte in der 27. Minute Thomas Müller für Vidal, wodurch nicht nur das Platzverweis-Risiko gebannt war sondern die Bayern offensiv auch variabler wurden. Die Passmaschinerie näherte sich dem VfB-Tor unermüdlich und doch musste ein VfBler her, der schließlich ein Einsehen hatte. Der gebürtige Münchner und als Kapitän auflaufende Georg Niedermeier bugsierte eine Ribéry-Hereingabe so unglücklich aufs Tor, dass Przemyslaw Tytoń das Nachsehen hatte. Einmal Bayer, immer Bayer ist man geneigt zu sagen, wenngleich hinter ihm auch noch Lewandowski gelauert hatte.

Es war das sechste Eigentor des VfB in dieser Saison und damit Allzeitrekord in der Bundesliga-Historie! Glückwunsch, diesen Titel nimmt uns wohl keiner mehr! Ist diese Fülle an Eigentoren einfach nur Pech oder auch Unvermögen? Beides würde ich sagen, wenn man sich die Grobmotoriker in unserer Abwehr so anschaut!

Es war insgesamt ein Spiel mit wenigen Torchancen, weil der VfB durch die dichte Defensivstaffelung Pässe in die Gefahrenzone meist zu verhindern wusste.

Defensiv in Ordnung, aber, der Sinn des Fußballspielens besteht nun mal darin, selbst Tore zu erzielen. Diese Balance zwischen defensiver Stabilität und schnellem Aufrücken, um vorne Nadelstiche zu setzen, bekam der VfB das gesamte Spiel über kaum hin.

Die Bayern verwalteten nach der Führung das Ergebnis und wurden kurz nach dem Seitenwechsel dann doch recht freundlich zum 0:2 eingeladen. Šunjić ließ sich dabei von Alaba düpieren, wobei Tytoń bei dem nicht allzu stramm getretenen Schuss ins kurze Eck, nicht besonders gut aussah, wenngleich ihm wohl etwas die Sicht versperrt war.

Der VfB gab sich nicht auf und kam durch ein kurioses Tor im Sitzen durch Daniel Didavi wie aus dem Nichts zum Anschlusstreffer. Es war die zweite und auch letzte VfB-Chance in einem Spiel, in dem die Bayern relativ relaxed zum Sieg kamen. Didavi machte, nachdem es raus ist, einen gefestigteren Eindruck als zuletzt und kann für den VfB in dieser Form im weiteren Saisonverlauf noch sehr wertvoll sein.

Während die Bayern von der Bank noch Müller, Thiago und Douglas Costa brachten, wechselte Kramny lediglich Borys Tashchy ein. Jener Douglas Costa war es dann auch, der in der Nachspielzeit den Deckel drauf machte, wobei Tytoń, der kurz vorher noch glänzend einen Schuss von Thiago Alcântara an die Latte lenkte, wieder nicht gut aussah.

Wie die meisten seiner Kollegen hat auch Przemyslaw Tytoń in den letzten Wochen stark nachgelassen und bald sein „Niveau“ vom Beginn der Runde wieder erreicht. Es ist zwar nicht die Zeit, durch eine Torwartdiskussion ein neues Fass aufzumachen, aber, er wird sich steigern müssen, möchte er über die Sommerpause hinaus unsere Nummer 1 bleiben. Dass er es kann, hat er ja bereits bewiesen, weiß aber auch mit Mitch Langerak einen Mann hinter sich, der schon mit den Hufen scharrt.

Grund-Tenor nach diesem 1:3 war dieser, dass man ordentlich agiert hätte und eben alles zusammen passen hätte müssen, um den Bayern noch mehr weh zu tun und dass man den Klassenerhalt ja noch immer aus eigener Kraft schaffen könne, was natürlich richtig ist.

Natürlich kann man gegen die Bayern verlieren, man könnte aber auch einmal die Gunst der Stunde nutzen und es wenigstens versuchen, den Bayern (zwischen zwei Champions League Spielen) richtig wehzutun.

In einem für die Tabelle doch wichtigen Spiel und in das man geht, weil man es gewinnen möchte, ist eine Foulstatistik von 8:15 gegen wieselflinke Bayern verheerend und zeugt nicht von jener Galligkeit, mit der man einem auf dem Papier übermächtigen Gegner begegnen muss.

Auch die Passquote aus der Kicker-Statistik liest sich desaströs. Bei 210 gespielten Pässen sollen 86 Fehlpässe dabei gewesen sein, während sich die Bayern bei 802 Pässen gerade einmal 83 Fehlpässe leisteten. Dass die Bayern in diesen Statistiken phänomenale Werte erreichen ist ja bekannt.
Es verlangt auch kein Mensch, dass der VfB annähernd daran herankommt, und dennoch sind nur 59% angekommene Pässe einer Bundesligamannschaft nicht würdig. Da fragt man sich dann schon hinterher, was die eigentlich trainieren, wobei Passsicherheit im Grundrepertoire eines jeden Profifußballers fest verankert sein sollte. Auch daran lässt sich ein Qualitätsproblem festmachen, das in Robin Dutt Überlegungen aufkommen lassen sollte, ob es tatsächlich ratsam wäre, auch nur einen der im Sommer auslaufenden Verträge zu verlängern.

Weitestgehend agierte der VfB wie das Kaninchen vor der Schlange oder eben wie ein Drittligist im DFB-Pokal, womit ich mich, und wenn die Schere noch so weit auseinander gedriftet ist, im Leben nicht abfinden möchte.

Ich bin eher ein Verfechter des Agierens im Fußball und nicht des Verhinderns. Noch gut kann ich mich an die 90er-Jahre erinnern, als mich Teams wie Fortuna Düsseldorf (unter Aleksandar Ristic) und der MSV Duisburg (unter Friedhelm Funkel) mit ihrem destruktiven Fußball zur Weißglut trieben und ich ihnen nichts anderes als den baldigen Abstieg an den Hals wünschte, weil ihre Spielweise mit dem Fußballspiel, wie wir es lieben, so rein gar nichts zu tun hatte.

Daher hätte ich mir etwas mehr Mut gewünscht und einen Mittelweg zwischen der Hinspiel-Taktik von Zorniger, als man blind ins offene Messer rannte, und der vom Rückspiel, wo man sich trotz äußerst prekärer Tabellenlage mit einer nicht zu hoch ausgefallenen Niederlage gegen die Bayern zufrieden gibt und auch noch gegenseitig auf die Schultern klopft.

Gut, die Bayern sind nun Geschichte, richten wir das Augenmerk auf die nächsten Gegner, die da heißen FC Augsburg, Borussia Dortmund, Werder Bremen, FSV Mainz 05 und VfL Wolfsburg.

Was liegt noch drin für den VfB? Ich befürchte, nicht mehr viel. Allein dem Gesetz der Serie nach zu urteilen, verlieren wir in Augsburg. Gegen die Fuggerstädter setzte es zuletzt sechs Niederlagen in Folge und hatte gar drei Mal unmittelbar danach einen Trainerwechsel zur Folge. Ich hatte es vor Wochen bereits geschrieben, sollten sich die zu erwartenden Misserfolge einstellen, dass es mich nicht wundern würde, wenn wir noch einmal einen neuen Trainer auf dem Wasen begrüßen „dürften“.

Nach zuletzt nur einem Sieg aus den letzten acht Spielen und der Tatsache, dass wir ein doch sehr unbequemes Restprogramm vor der Brust haben, ist es mir derzeit viel zu ruhig an der Mercedesstraße. Wird die Lage verkannt, nur weil wir noch immer auf dem 12. Tabellenplatz stehen, also derzeit noch sechs Teams hinter uns lassen? Die Tabellensituation ist trügerisch und könnte sich bereits nächstes Wochenende weitaus dramatischer darstellen als noch heute. Verlören wir in Augsburg, Werder gewänne gegen auswärtsschwache Wolfsburger, Darmstadt schlüge bereits gerettete Ingolstädter und Hoffenheim setzte seinen Aufwärtstrend gegen die Berliner Hertha fort, wäre es auf einen Schlag kuschelig eng im Tabellenkeller und der VfB stünde vor dem Spiel gegen den BVB auf einmal mächtig unter Zugzwang.

Kramny nimmt im Moment eher die Rolle des Mängelverwalters ein, anstatt dass er Dinge anschiebt und das Team weiterentwickelt. Zu durchschaubar seine Aufstellungen und die Ausrichtung der Mannschaft, zu ausrechenbar das Gebilde, kaum Konkurrenzkampf. Von den Jungen, die er einst bei den Amateuren hatte, kommt einzig und allein Borys Tashchy auf Einsatzzeiten, alle anderen sind außen vor, was auch darin begründet sein könnte, dass die Amateure ebenfalls jeden Punkt gegen den Abstieg benötigen.

Ein Federico Barba bekommt überhaupt keine Chance, sich zu beweisen, obwohl er bereits seit der Länderspielpause wieder einsatzbereit wäre und wohl kaum schlechter als Daniel Schwaab, Toni Sunjic oder Georg Niedermeier sein kann. Hier setzt Kramny für mich zu viel auf Altbewährtes oder besser Nichtbewährtes, anstatt auch mal etwas Neues zu probieren. Genauso plätschert momentan auch die Saison dahin.

Es sind nicht nur fehlende Ergebnisse, die uns derzeit um den Verstand bringen, das Auftreten der Mannschaft erinnert fatal an das in den letzten Jahren. Bequem bis zum Geht nicht mehr, kein Mumm, keine Spieler mit Führungsqualitäten, teilweise kollektives Versagen, um sich hinterher glückliche Punkte in Ingolstadt und Darmstadt schön zu trinken, ähm, zu reden.

Mir fällt momentan nicht viel ein, weshalb wir gerade in Augsburg einen anderen VfB erleben sollten. Ich hoffe, der VfB belehrt mich eines Besseren und tritt in Augsburg anders auf als zuletzt, damit es nicht zum Ende der Saison knüppeldick kommt und wir vor einem dritten Neuanfang im Laufe dieser Saison stehen.

Nach Augsburg kommt der BVB ins Neckarstadion, dem man das Weiterkommen in Liverpool nur wünschen kann. Stünden sie im Halbfinale der Europaleague wäre wohl eine Radikal-Rotation von Thomas Tuchel zu erwarten, so dass durchaus Chancen bestünden, wenigstens dann die Gunst der Stunde zu nutzen.

Danach geht es für den VfB nach Bremen, wo man zuletzt in der Meistersaison einen Sieg einfahren konnte. Eventuell haben die Bremer dann schon einen Feuerwehrmann an der Linie und hoffen auf den „Trainer-Effekt“, soll doch Viktor Skripniks Stuhl nach der Heimniederlage gegen den FCA bedenklich wackeln.

Nach den Hinspiel-Ergebnissen im Europapokal ist es nicht gerade wahrscheinlicher geworden, dass der VfB in Bremen doch noch Samstags ran darf. Real müsste gegen die Wölfe das 2:0 wettmachen, während der BVB an der Anfield Road gewinnen oder hoch unentschieden spielen müsste. Tritt einer der Fälle nicht ein, bleibt es beim Montagspiel, das für mich hauptsächlich deshalb eine bodenlose Frechheit darstellt, weil es aus heiterem Himmel kommt und der Rahmenterminkalender für diesen Spieltag Bundesligaspiele nur freitags und samstags aufgeführt hatte.

Bleibt es bei dem Montag-Abend-Spiel, wird es einen Boykott der Fanszene geben, an dem ich mich natürlich auch beteiligen werde. Dieser Boykott wurde zwischen Ultras und den OFC’s einstimmig beschlossen und es wurden „weitere Maßnahmen“ beschlossen, sollte es bei diesem Termin bleiben. Ich hoffe stark, dass sich diese Maßnahmen nicht auf das hochhalten von Bannern im Stadion beschränken, sondern dass es auch Aktionen geben wird, mit denen man den Haupt-Finanzier der Liga treffen kann. Erst wenn dieser durch den Verlust von Abonnenten zu spüren bekommt, dass der hiesige Fernsehmarkt mit dem englischen eben nicht vergleichbar ist, könnte ich mir eine leichte Abkehr der auf dem Tisch liegenden Pläne, den Spielplan weiter zu zerstückeln, vorstellen.

Der VfB würde also in einem möglicherweise vorentscheidenden Spiel um den Klassenerhalt ohne Unterstützung von den Rängen auskommen müssen, was, wie Dutt es formulierte, einem Wettbewerbsnachteil gleichkommen würde.

Auf der anderen Seite aber, so zerrüttet das Verhältnis zwischen Mannschaft und Fans derzeit ist (siehe die Reaktionen nach dem Darmstadt-Spiel), könnte die Mannschaft ganz befreit und ohne kritische Bruddler auf der Tribüne ihren Stiefel herunterspielen und sogar noch einen Vorteil aus dem Fanboykott ziehen.

Nach diesen drei Spielen sollte der VfB möglichst die entscheidenden Schritte zum Klassenerhalt getan haben. Zwar waren die Mainzer zu ähnlichen Zeitpunkten in früheren Jahren meist ein dankbarer Gegner für den VfB, in dieser Saison jedoch könnte es für sie noch um die Champions League Qualifikation gehen, so dass dem VfB vermutlich nichts geschenkt werden dürfte.

Und, zu guter Letzt, geht es noch zum VfL Wolfsburg, wo der VfB vor zehn Jahren letztmals einen Punkt errang, so dass ein erfolgreiches Finale, wie einst in Paderborn, in Wolfsburg sehr unwahrscheinlich sein dürfte.

Jedem Fan war es bei Erscheinen des Spielplans im Juli bereits klar, dass der VfB es unbedingt vermeiden sollte, es auf ein weiteres Herzschlagfinale ankommen zu lassen, nur der Mannschaft offensichtlich nicht, sie hat noch immer die Ruhe weg.

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12. November 2015

Ein positiver Trend ist erkennbar…

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , , , – Franky @ 10:26

Nachdem ich ungewohnterweise bei zwei Auswärts-Pflichtspielen in Folge passen musste und dazwischen der SV Darmstadt 98 in die Schranken gewiesen wurde, folgt nach gut zwei Wochen mal wieder eine Einschätzung der Situation von mir.

In Jena nahm der VfB die Umstände des Jahrhundert-Spiels für Jena und den Kampf an und gewann einigermaßen souverän mit 2:0. Mehr als das Weiterkommen gibt es im Pokal nicht zu erreichen, daher durfte man mit dem Auftritt, vor allem in kämpferischer Hinsicht, zufrieden sein.
Da Serey Dié und Christian Gentner weiterhin fehlten und sich in Leverkusen auch noch Lukas Rupp mit Handbruch ins VfB-Lazarett einreihte, gehen dem VfB langsam aber sicher die Sechser aus. In Jena rückten daher Daniel Schwaab und Arianit Ferati ins Zentrum und machten ihre Sache gegen über weite Strecken harmlose Jenenser ordentlich. Mitte der ersten Halbzeit brachte Martin Harnik mit einer sehenswerten Einzelleistung unsere Farben in Führung, die der VfB fortan mehr schlecht als recht verwaltete, vor allem, weil nicht wirklich ein Klassenunterschied erkennbar wurde. Zu fahrig das Spiel, zu viele Ballverluste, zu viele Bälle wurden einfach weggedroschen anstatt gegen einen minderbemittelten Gegner die eine oder andere Situation spielerisch zu lösen. An solchen Verhaltensweisen merkt man dann schon, dass das Selbstvertrauen nach einer Niederlage wie der in Leverkusen im Keller ist. Da Übermut selten gut tut, ist es dann so aber noch besser, als dass man das Zaubern beginnt und durch Leichtsinn Bälle verliert. Dadurch wurde es tatsächlich das von Alexander Zorniger erwartete ekelhafte Spiel, nicht wegen galliger Thüringer, sondern es war auch ekelhaft anzuschauen.

Egal am Ende, es zählte einzig und allein das Weiterkommen und diese Vorgabe hat das Team ohne weiteren personellen Aderlass erfüllt. Ersatzkapitän Martin Harnik stellte zwar eine hitzige Atmosphäre fest, lobte aber auch „Das war mal wieder ein ehrliches Fußballspiel und nicht so steril, wie es heutzutage in der Bundesliga ist, wo man schon mit dem Bus in die Kabine reinfährt.“ Für mich bemerkenswert, dass der eine oder andere Spieler sich durchaus auch darüber Gedanken macht, was uns Fans bewegt. Mich hätte Jena auch sehr gereizt, gerade, weil es „Oldschool“ ist und Pokalspiele bei einem Underdog immer ihren besonderen Reiz haben und eine schöne Abwechslung zum Alltag Bundesliga darstellen.

Am darauffolgenden Sonntag ging die Serie der ekelhaften Spiele gegen den bis dato auswärts noch ungeschlagenen Sensations-Aufsteiger Darmstadt 98 weiter. Die Darmstädter reisten mit Ex-Kickers-Coach Dirk Schuster und dem bei uns nie glücklich gewordenen “Kocka” Rausch an.
Faszinierend zu beobachten, wie er sich in kürzester Zeit zu einem Leistungsträger bei den Lilien aufgeschwungen hat und wie er derzeit aufblüht. Er steht sinnbildlich für eine völlig verfehlte Transferpolitik der Ära Bobic/ Labbadia, die schon damit glücklich waren, „Namen“ zu präsentieren anstatt das Team punktuell und positionsbezogen zu verstärken. Als Rausch zu uns kam, hatte er sich hinten links mit Boka und Molinaro und vorne links mit Ibrahima Traoré zu duellieren und es daher naturgemäß schon schwer, in die Startelf zu kommen. Im ersten Halbjahr noch wurde er regelmäßig eingesetzt, wusste jedoch nicht zu überzeugen und kam danach nur noch sporadisch zu Einsätzen und verschwand zuletzt völlig in der Versenkung (bei den Amateuren). Ihm ging es wohl ähnlich wie zurzeit dem Georg Niedermeier, er beklagte sich damals, wenn auch im kleinen Kreis, darüber, dass immer dieselben spielen und andere links liegen gelassen würden. Ein sensibler Spieler, der das Vertrauen von Trainer und Fans spüren muss, kündigt in einer solchen Situation schnell innerlich, so dass mit ihm nichts mehr anzufangen und ein Abschied für alle Seiten das Beste ist.

Dass Rausch bei uns so wenige Chancen bekam, sich zu beweisen, habe ich nie verstanden, zumal die Truppe damals ja nicht überragend gespielt hat. In Darmstadt sieht man jetzt, wie wertvoll für ein (funktionierendes) Team er sein kann und dass seine Freistöße und Eckbälle von beiden Seiten durchaus eine Waffe sein können. Wie immer, wenn „Ehemalige“ mit ihrem neuen Arbeitgeber im Neckarstadion auflaufen, war natürlich auch dieses Mal zu befürchten, dass Rausch ein Tor gelingt oder er zumindest die Flanke zu einem entscheidenden Treffer schlägt. Dem war zum Glück nicht so. Er kam gerade von einer leichten Verletzung zurück, wirkte übermotiviert, tauchte im Spiel der Lilien eher unter und wurde als erstes ausgewechselt.

Beim VfB kehrten die wiedergenesenen Serey Dié und Christian Gentner ins Mittelfeld zurück, zudem rückte Insúa für Heise wieder in die Stammformation zurück. Zwar hätte der VfB bereits in der ersten Minute durch Didavi in Führung gehen können, danach aber kamen die Lilien auf. Przemysław Tytoń wandelte auch in diesem Spiel mal wieder zwischen Genie und Wahnsinn. Schon in der siebten Spielminute fällte er Sulu im eigenen Strafraum und hatte Glück, dass dieses Foul wegen Abseits keinen Elfmeter zur Folge hatte. In der 33. Minute fehlte die Abstimmung mit seinen Vorderleuten, so dass er ohne Not seinen Strafraum verließ und Rosenthal mit einem angedeuteten Kung-Fu-Tritt foulte, womit er sich die gelbe Karte wegen gefährlichen Spiels einhandelte. Im Stadion, wir saßen direkt gegenüber des Orts des Geschehens, befürchtete ich gar schon rot und fluchte in mich hinein, welchen Teufel ihn bei dieser Situation wohl geritten habe. Der VfB bot insgesamt ein dosierteres Heimspiel und lief auch diesem Gegner nicht ins offene Messer. Die Darmstädter boten wenig Räume an, so dass sich ein Geduldsspiel entwickelte, in dem der VfB auf seine Chance lauerte, auf der Gegenseite aber auch immer auf der Hut sein musste und sich letztlich beim dann überragenden Przemysław Tytoń bedanken durfte, dass am Ende die Null stand.

Das erlösende 1:0 fiel erst gut zwanzig Minuten vor Spielende, als Gentner von rechts ein krummes Ding in Richtung des Darmstädter Tors schlug, welches der Darmstädter Garics nur noch ins eigene Tor bugsieren konnte. Endlich war es da, dieses so eminent wichtige Tor gegen einen unbequem zu bespielenden Gegner. Danach lösten die 98er ihre defensiven Fesseln und kamen zu einigen hochkarätigen Torchancen, die einzig und allein Przemysław Tytoń vereitelte und sich zum Matchwinner aufschwang.

Timo Werner, der mit seiner Schnelligkeit und wiederentdeckten Torgefährlichkeit mehr und mehr zu einer unserer Waffen wird und gegen Darmstadt nimmermüden Einsatz zeigte, belohnte sich und uns schließlich in der Nachspielzeit, als er einen langen Ball erlief, den Darmstädter Torwart umkurvte und zum 2:0 einnetzte. Wieder warf Werner Handküsschen ins Publikum, die dieses Mal nicht einmal mehr Trainer Zorniger erzürnen konnten, denn, das Spiel wurde nicht mehr angepfiffen.

Bitterer Beigeschmack des Sieges über Darmstadt 98 war schließlich noch die Verletzung, die sich Martin Harnik nach Zusammenprall mit dem Darmstädter Schlussmann Mathenia zugezogen hatte und eine frühe Auswechslung zur Folge hatte. Harnik verletzte sich dabei am Außenband und muss voraussichtlich bis zur Winterpause pausieren. Umso wichtiger ist es, dass Robbie Kruse seinen Muskelfaserriss überstanden hat und im Training schon wieder mächtig Gas gibt. Es bleibt zu hoffen, dass er von weiteren Verletzungen verschont bleibt und in den nächsten Wochen zeigt, weshalb man ihn kurz vor Toreschluss noch verpflichtet hat.

Abends nach dem Darmstadt-Spiel dann, wir feierten noch im Cancun, fielen dann die Lose für das Achtelfinale im DFB-Pokal, wobei uns das Losglück hold blieb und uns Eintracht Braunschweig zu Hause bescherte. Kurz vor Weihnachten also noch die große Chance den Traum von einem neuerlichen Finale in Berlin weiter leben zu lassen und mit einem Erfolgserlebnis in die Winterpause zu gehen.
Der VfB stellte in der Tabelle auf „zweistellig“, zehn Punkte, und alle wurden in Spielen eingefahren, in denen der VfB seine Spielweise nach der des Gegners ausrichtete. Zorniger wird zwar immer mangelnde Lernfähigkeit vorgeworfen, dabei bewies er diese gerade in den Heimspielen gegen Ingolstadt und Darmstadt. Es konnte ja kein Zufall sein, dass diese beiden Teams bis zum Auftritt im Neckarstadion auswärts noch ungeschlagen waren. So zog Zorniger seine Schlüsse und tat dem Gegner nicht den Gefallen, Harakiri zu spielen, auch wenn bei beiden Spielen trotzdem das Quäntchen Glück und ein starker Tytoń notwendig waren, um sie letztlich für uns zu entscheiden.

Dieses Glück hat sich das Team aber erarbeitet, indem sie nicht locker ließ, das engmaschige Abwehrbollwerk zu durchbrechen. Auch hier befindet sich das komplette Team in einem Lernprozess, die richtige Balance im Spiel zu finden, um vorne Chancen zu kreieren, ohne hinten allzu viel anzubieten. Diese Tugenden sind es derzeit, die Punkte bringen und (noch) nicht, wenn wir es über den offenen Schlagabtausch versuchen.
Unsere Punkte fuhren wir bisher allesamt gegen Abstiegskandidaten und in Spielen ein, in denen kein Schönheitspreis gewonnen wurde und in denen aber auch keiner zu gewinnen war. Das belegt zwar, mit welchen Mannschaften wir uns derzeit nur noch auf Augenhöhe befinden, da es in dieser Saison aber einzig und allein um den Nichtabstieg gehen wird, sind die Punkte aus den direkten Duellen umso höher zu bewerten und eminent wichtig. Diese „Serie“ gilt es beizubehalten, so dass die bis zur Winterpause noch anstehenden Heimspiele gegen den FC Augsburg und Werder Bremen tunlichst ebenfalls gewonnen werden sollten.

Der Druck gerade in diesen Spielen voll da sein zu müssen, ist zweifellos groß, aber, gegen Ingolstadt und Darmstadt hielt man diesem zu Hause ja stand. Mit dann 16 Punkten plus dem einen oder anderen Bonuspünktchen, aus den anderen drei Spielen hätte der VfB zumindest ein Fundament gelegt, um nach der Winterpause neu angreifen zu können.

Dann haben Zorniger und Dutt ein halbes Jahr Zeit gehabt, sich ein Urteil darüber zu bilden, auf wen man sich verlassen kann und auf wen nicht, wer mit dem Herzen bei der Sache ist und wer nicht, kurz, wer eine Zukunft beim VfB hat und wer nicht. Dass in der Abwehr weiterhin großer Handlungsbedarf besteht, liegt auf der Hand. Man sehnt sich seit Jahren nach einem Abwehrchef Marke Verlaat, Bordon oder Meira, der nicht an jedem Baum wächst. Dafür muss man Geld in die Hand nehmen, notfalls auch auf Kosten eines Leistungsträgers in der Offensive, der im Sommer ohnehin fort wäre. Dabei denke ich nicht einmal zu allererst an Daniel Didavi, bei dem ich noch immer die Hoffnung habe, dass er den Vertrag doch noch verlängert. Einfach, weil er aus unserer Jugend kommt, für mich unser bester Fußballer ist und es mir auch eine Freude ist, ihn nach seiner so langen Leidenszeit wieder auf dem Platz stehen zu sehen. Er wirkt derzeit nicht ganz frei im Kopf, eine baldige Entscheidung, so oder so, könnte bei ihm sämtliche Fesseln lösen.

Nach dem eminent wichtigen Dreier gegen Darmstadt stand auch schon der Auftritt beim Rekordmeister auf der Agenda, DEM Bonus-Spiel in der Saison, für das die Erwartungen seit einigen Jahren in den Keller gerutscht sind. Zu sehr ist die Schere inzwischen auseinander gegangen, nicht nur was das Verhältnis vom VfB zu den Bayern angeht sondern auch, was den Rest der Liga betrifft. In der derzeitigen Verfassung sind die Bayern so gut wie unschlagbar, so dass der VfB dort in der Höhle des Löwen eigentlich nur gewinnen konnte und nichts zu verlieren hatte.
Pep Guardiola machte vor dem Spiel freundlich den Diener und lobte unsere Spielweise und gab gar zu, dass er es kaum glauben könne, wo sich der VfB tabellarisch wiederfindet. Zorniger hingegen gab sich angriffslustig und meinte zu wissen, der VfB könne auch Dinge, die den Bayern wehtun können, was ihm von seinen Kritikern gleich wieder als Größenwahn ausgelegt wurde. Meine Meinung dazu ist die, dass man als Sportler in jedem Wettkampf das Ziel haben sollte, diesen erfolgreich zu gestalten und dass mir forsche Töne weitaus lieber sind, als devot den Schwanz einzuziehen, wie wir es aus der Labbadia-Ära gewohnt waren. Beeindruckt oder zusätzlich aufgewiegelt dürften diese Worte die Bayern ohnehin nicht haben, sind sie doch selbstbewusst genug, sich nur auf sich selbst zu konzentrieren.

Um auf die Bayern zu treffen hätte ich mir durchaus einen besseren Zeitpunkt vorstellen können. Zum einen trotzte die Eintracht aus Frankfurt ihnen in der Vorwoche als erster Bundesligist überhaupt einen Punkt ab, den sie sich mit unansehnlichem Fußball ermauert haben, zum anderen steht im Anschluss an das Aufeinandertreffen eine Länderspielpause an, so dass Guardiola keine Veranlassung hatte, Stammkräfte zu schonen.
Da war sie dann auch schon wieder, die Systemfrage. Sollte man sich ein Beispiel an der Eintracht nehmen und den Mannschaftsbus vor dem eigenen Tor parken oder doch seinem eigenen Stil treu bleiben und sein Heil in der Offensive suchen.
Der VfB entschied sich für Letzteres, weil er selbst zur Erkenntnis kam, nicht so kompakt wie bspw. die Eintracht verteidigen zu können und sich wohl auch nicht der eigenen Stärken berauben wollte. In den ersten zehn Minuten ging das Konzept auch auf, als die Bayern-Verteidiger Rafinha, Boateng und Alaba unter Druck gesetzt und zu schnellen Entscheidungen gezwungen wurden.

In der elften Minute aber bereits offenbarte sich das ganze Dilemma des VfB im Jahre 2015. Bei eigenem Eckball (!) und nach leichtfertigem Ballverlust von Emiliano Insúa setzte sich der Bayern-Express in Gang und stürmte mit fünf Mann, die allesamt schneller als unsere Verteidiger waren, auf das Tor von Tytoń zu, was schließlich das 1:0 durch Robben zur Folge hatte. Die Bayern genossen sichtlich die Räume, die der VfB ihnen bot und freuten sich über einen dankbaren Sparringspartner, nachdem sie sich vor Wochenfrist am Frankfurter Bollwerk noch die Zähne ausgebissen hatten und entsprechend angefressen wegen der destruktiven Spielweise der Eintracht waren. Der VfB spielte ihnen in die Karten, so dass das Unheil früh seinen Lauf nahm.

Um in München überhaupt die Minimalchance zu wahren, etwas Zählbares mitzunehmen, wird wohl so ziemlich jeder Trainer der Welt die Devise ausgeben, hinten so lang wie möglich die Null zu halten und vorne Nadelstiche zu setzen, um womöglich selbst in Führung zu gehen.
Wie man als Bundesligamannschaft derart naiv, um nicht zu sagen dumm, zu Werke gehen kann und einen ohnehin schon übermächtigen Gegner durch einfache Unzulänglichkeiten „stark“ macht, spottet jeder Beschreibung. Nie war der Klassenunterschied zwischen den Bayern und dem VfB ein größerer als am Samstag, was sich auch bei den Marktwerten der Spieler niederschlägt.

Ein Thomas Müller ist dabei teurer als das komplette Team mit dem Brustring. Wie wenn es noch eines Beweises dessen auf dem Platz bedurfte führten die Bayern uns in schonungsloser Offenheit vor Augen, wie bemitleidenswert wir eigentlich sind. Jeder einzelne Bayern-Akteur ist schneller, ballsicherer und spielintelligenter als die, die unsere Farben repräsentieren. Um bei den Bayern zu bestehen bedarf es eigener Ball-Stafetten, um den Gegner auch mal laufen zu lassen und in die Defensive zu zwingen. Nichts davon war zu sehen, wie das Kaninchen vor der Schlange war jeder VfBler nur froh, den Ball schnellstmöglich wieder los zu sein, was zu etlichen leichten Ballverlusten oder Befreiungsschlägen ins Nichts führte und den Bayern in Halbzeit eins gefühlte 90% Ballbesitz bescherte. Es war ein stümperhafter Auftritt, der in der Länderspielpause hoffentlich gänzlich aus den Köpfen verschwindet.

Wie Slalomstangen standen wir den Bayern Spalier, wenn Douglas Costa, Thomas Müller oder Arjen Robben mit hohem Tempo auf unsere Abwehr zuliefen und Chancen im Minutentakt kreierten. Der VfB war offensichtlich nicht in der Lage, diesem Treiben entgegenzuwirken. Es war mal wieder eines jener Spiele, in denen ein Leader im Team schmerzlich vermisst wurde. Unser Kapitän Christian Gentner war so gut wie nicht zu sehen und wenn, dann nicht als einer, der die Ärmel hochkrempeln und sein Team mitreißen würde. Null gelbe Karten bei einer solchen Demütigung sprechen ebenfalls Bände und demonstrieren, wie wenig der VfB sich gewehrt hatte. Auch vor dem Fernseher war diese Vorstellung nur schwer zu ertragen, meine Gedanken waren bei meinen Freunden und Bekannten im Block. Der VfB handelte sich also zur Pause einen eher noch schmeichelhaften 0:4-Rückstand ein und egalisierte dabei seinen Negativrekord aus dem November 1984, als man gegen Schalke 04 schon einmal in der Halbzeit mit 0:4 zurücklag (Endstand 3:4).

In der zweiten Halbzeit stellte Zorniger auf ein etwas defensiver ausgerichtetes 4-4-2 um, um die Niederlage wenigstens noch in erträglichem Rahmen zu halten. Die Bayern schalteten unterdessen in etwa drei Gänge zurück und verwalteten das Ergebnis, nicht ohne zu weiteren Chancen zu kommen. Der VfB, der bereits in der ersten Halbzeit Pech mit einem Lattenkracher von Kostic hatte, erzielte gar das 4:1 durch Timo Werner, welches fälschlicherweise wegen vermeintlichem Abseits aberkannt wurde.

Und überhaupt, das Schiedsrichtergespann! Wie wenn wir durch die gnadenlose Unterlegenheit nicht genug gestraft gewesen wären, hatten die Bayern in Schiri Dankert und seinen Lakaien an der Linie den zwölften Mann in ihren Reihen. Zwei der vier Bayern-Tore waren irregulär, das Tor von Werner wurde aberkannt, obwohl es regulär gewesen wäre. Demnach fuhren wir mit einem gefühlten und achtbaren 2:1 nach Hause, was natürlich ob der Überlegenheit und der Chancenvielfalt der Bayern den Spielverlauf in keinster Weise widergespiegelt hätte und die Bayern wohl zu Vollgasfußball auch in der zweiten Halbzeit inspiriert hätte. Hypothetisch also die „Was-wäre-Wenn-Spielchen“ nach einer solchen Demütigung.
Dennoch bleibt zu hinterfragen, was den DFB geritten hat, ausgerechnet Schiedsrichter Dankert auf diesen Süd-Schlager (der er zumindest einmal war) anzusetzen, wo er doch gerade erst eine interne Sperre absitzen musste, weil er bei Andreasens Hand-Tor in Köln schon Tomaten auf den Augen hatte. Ein wenig mehr Fingerspitzengefühl würde man sich da schon wünschen, aber, die Herren in der Frankfurter Zentrale haben wohl derzeit andere Probleme am Hals.

Einziger Lichtblick einer sonst überforderten Mannschaft war noch Przemysław Tytoń, der stark hielt und ein noch größeres Debakel verhinderte. Langsam aber sicher wird er zu dem Rückhalt, der auch mal ein Spiel gewinnen kann, wie jüngst gegen Ingolstadt und Darmstadt unter Beweis gestellt. Für das hohe Verteidigen ist er freilich nicht der optimale Torwart, da auch er eher ein Verfechter des alten Schlags ist und sich in seinem Kasten nun mal am wohlsten fühlt, den Umständen entsprechend aber macht er seine Sache immer besser. Dennoch ist es äußerst positiv, dass Mitch Langerak langsam aber sicher vor seinem Comeback steht. Spannend die Frage, ob Zorniger ihn sofort rein wirft, wenn er grünes Licht gibt, oder ob er die Vorrunde mit Przemysław Tytoń im Kasten zu Ende spielt. Gerade, wenn nicht alles wie erhofft läuft, kann ein Impuls von außen oft Wunder bewirken.

Aus diesem Grund befürworte ich im Übrigen auch ein Comeback von Georg Niedermeier, der in der laufenden Runde überhaupt keine Rolle spielt und dem selbst ein Spieler wie Adam Hlousek (oder auch Mart Ristl) in der Innenverteidigung vorgezogen wurde. Auch wenn Sunjic und Baumgartl gehörig wackeln ist es Zornigers gutes Recht diesen beiden den Rücken zu stärken und darauf zu hoffen, dass die interne Abstimmung eine bessere wird. Wenn man aber dann noch einen Daniel Schwaab eher als rechten Verteidiger oder defensiven Mittelfeldspieler sieht und Hlousek eben kein gelernter Innenverteidiger ist, sollte der Schorsch meiner Meinung nach schon wenigstens erster Backup sein und die eine oder andere Einsatzminute erhalten. Da würde mich schon brennend interessieren, was intern vorgefallen ist, weil der Schorsch so weit von der Stammelf entfernt ist wie noch nie. Ich habe natürlich auch nicht vergessen, welche Böcke der Schorsch gegen Ende der letzten Saison geschossen hat und dass er des Öfteren, wenn er in den Schlussminuten als Brecher für die Offensive gebracht wurde, eher für Fouls und damit für Ballverluste stand. Aber, er hatte auch schon weitaus verlässlichere Zeiten beim VfB und ist noch in einem Alter, in dem man Fehler abstellen kann. Um mir mein eigenes Urteil über seinen derzeitigen Leistungsstand zu bilden, würde ich ihn gerne noch einmal auf dem Platz sehen, bevor man ihn abgibt.
Auch wenn es so gut wie klar war, dass es in München nichts zu ernten gibt und die Bayern, die schon den BVB, den VfL Wolfsburg und jüngst den FC Arsenal mit 5:1 aus der Arroganz-Arena schossen auch mit uns kurzen Prozess machen würden, kommen nach diesem Debakel wieder die Zorniger-Hater um die Ecke, die diesen Trainer lieber heute als morgen gerne gefeuert sähen und nach einem Konzepttrainer wie bspw. Lucien Favre lechzen.

Dabei zeigt doch der Trend langsam aber sicher nach oben. Nach den ersten fünf punktlosen Spielen gewann der VfB in den darauffolgenden sieben Partien drei, spielte einmal unentschieden, verlor drei Spiele und zog im Pokal ins Achtelfinale ein. Unter die Niederlagen reihte sich zudem jene bei Bayer 04 Leverkusen ein, ein Spiel das man wegen zweimaliger Zwei-Tore-Führung nie und nimmer hätte verlieren dürfen und bei dem man ebenfalls vom Schiedsrichtergespann entscheidend benachteiligt wurde.

Natürlich ist das Defensivverhalten der gesamten Mannschaft nach wie vor grausig und macht große Sorgen. Das derzeitige Verletzungspech tut ein Übriges und birgt die Gefahr, dass Leistungsträger zu früh wieder ran müssen und in den ersten Einsätzen noch keine große Hilfe sind. Serey Dié ist ein solches Beispiel, gegen Darmstadt und bei den Bayern wirkte er übermotiviert, wohl auch, weil die Unterstützung seiner Mittelfeldkollegen fehlt und er dazu neigt überall sein und jedes Loch selbst stopfen zu wollen. Gegen Darmstadt wurde er gelb-rot-gefährdet ausgewechselt, gegen die Bayern war es wohl sein Glück, dass die Bayern schlicht zu schnell waren und der VfB ohnehin nicht in die Zweikämpfe kam. Er steht weiterhin bei vier gelben Karten und handelt sich die Sperre hoffentlich nicht für das nächste Auswärtsspiel bei Borussia Dortmund ein.

Anlass zur Hoffnung gibt indes, dass, auch der Verletzungsmisere geschuldet, immer mehr Youngster ihre Einsatzzeiten erhalten. Philip Heise entwickelt sich zu einer ernsthaften Alternative für Insúa, Wanitzek und Ristl kamen jüngst zu Einsätzen, während sich der 18-jährige Arianit Ferati längst zu einer festen Größe entwickelt hat und immer und überall rein geschmissen werden kann. Schon beim nächsten Spiel könnte wegen der Offensiv-Ausfälle die Stunde des Ukrainers Boris Tashchy schlagen, der sich bei den Amas für höhere Weihen empfohlen hat und damit auch die neu erfundene Durchlässigkeit von den Amateuren zu den Profis unterstreicht.
Zorniger hält also, derzeit auch notgedrungen, Wort und setzt vermehrt auf den eigenen Nachwuchs. Zu gerne würde er dabei auch auf Joshua Kimmich zurückgreifen, der gegen den VfB im Dress der Bayern eine Galavorstellung hinlegte und jene Reife offenbarte, die man ihm beim VfB vor gut zwei Jahren abgesprochen hatte. Zorniger, der Kimmich bereits in Leipzig unter seinen Fittichen hatte, ließ sich am Samstag gar zu der Aussage hinreißen, er würde am liebsten jeden erschlagen, der an der Entscheidung damals beteiligt war, Kimmich nach Leipzig zu transferieren.
Schlüsselfigur dieser so fatalen Fehlentscheidung war (natürlich) Fredi Bobic. Vor seinem Abgang 2013 vermochte man diesem riesen Talent keine Perspektive aufzuzeigen um wenigstens bei den Amateuren Spielpraxis zu erlangen. Kimmich wollte das letzte U19-Jahr überspringen und gleich im Profibereich Fuß fassen, was Bobic unter Verweis auf die damaligen Platzhalter Rani Khedira und Robin Yalçın nicht zuließ. Eine fatale Fehlentscheidung, wenn man betrachtet, dass Rani Khedira bei Red Bull Leipzig derzeit so gut wie keine Rolle mehr spielt und Robin Yalçın inzwischen bei Çaykur Rizespor in der Türkei spielt, dort jedoch immerhin als Stammkraft.

Thomas Albeck und Frieder Schrof, langjährige Jugend-Koordinatoren, wurden von Bobic quasi weggemobbt, indem er sie immer mehr in ihren Kompetenzen beschnitt und zuerst Marc Kienle und dann auch noch Ralf Becker vor die Nase setzte. Der damalige Präsident Gerd E. Mäuser dachte überhaupt nicht daran, diese One-Man-Show zu beenden und eine Leitlinie vorzugeben, wie man mit langjährigen, erfolgreichen Mitarbeitern umzugehen hat. So griff Ralf Rangnick in Leipzig zu, der beide aus seiner VfB-Zeit gut kannte, mit dem Ziel, dem VfB den Rang in Sachen bester Nachwuchsarbeit abzulaufen.

Da lag es dann natürlich auch auf der Hand bei einem, möglicherweise, Jahrhunderttalent wie Joshua Kimmich zuzugreifen, wenn sich die Möglichkeit bietet. Natürlich lässt sich Bobic jetzt dafür auf die Schulter klopfen, eine Rückkaufoption vereinbart zu haben und kritisiert den VfB dafür, Kimmich letztlich an die Bayern verkauft zu haben. Diese Entwicklung aber hat einzig und allein er zu verantworten. Zum einen war Kimmich faktisch verkauft und ist daher nicht als Leihgeschäft zu betrachten. Zum anderen war der VfB in der Bobic-Ära auch nicht dafür bekannt, sich um verliehene oder abgegebene Spieler besonders zu kümmern. „Aus den Augen, aus dem Sinn“, so entfremdeten sich in den letzten Jahren ja auch Daniel Didavi, Julian Schieber und Raphael Holzhauser, die während der Leihen mehr als Spieler des aufnehmenden Vereins wahrgenommen wurden denn als VfB-Spieler.

Robin Dutt hat, gerade um solche Entwicklungen zukünftig zu vermeiden, den Posten des Team-Managers geschaffen. Günther Schäfer ist dieser Posten wie auf den Leib geschneidert, der u. a. dazu dienen soll, Kontakt zu verliehenen Spielern zu halten, sie über Geschehnisse beim VfB auf dem Laufenden zu halten und auch darüber einzubinden, was der VfB nach der Leihe mit ihnen vor hat. All das gab es zu Bobic‘ Zeiten nicht, wie mir jüngst in St. Gallen Daniel Didavi bestätigte, der erst kurz vor dem Ende seiner Leihe zum 1. FC Nürnberg vom VfB hörte und wohl auch nur deshalb seinen Vertrag verlängerte, weil er zu jenem Zeitpunkt schwer verletzt war.

Dass ausgerechnet jetzt wieder Bobic um die Ecke kommt und den Verkauf Kimmichs an den FC Bayern kritisiert, schlägt dem Fass den Boden aus. Die Fehler wurden 2013 gemacht, jetzt hatte der VfB keine andere Wahl mehr. Wenn der FC Bayern ruft, fehlen einem ohnehin die guten Argumente. Der Spieler hatte mit dem VfB abgeschlossen, also war es utopisch mit ihm zu einer vertraglichen Verständigung zu kommen. Was eine Rückkaufoption wert ist, wenn der Spieler nicht (mehr) möchte, sei dahingestellt.

Bobic sollte einfach mal die Klappe halten und Kommentare über die Geschehnisse beim VfB Fachleuten überlassen. Zorniger und Dutt haben noch einen Berg von Arbeit vor sich, bis die Scherben aufgekehrt sind, die Bobic hinterlassen hat. Da verbietet es sich diesem Schlaumeier von selbst, Öl ins Feuer zu gießen und zu versuchen Unruhe zu schüren.

Meine feste Überzeugung ist nach wie vor, dass der eingeschlagene Weg der richtige ist. Ich kann immer nur betonen, dass Dutt und Zorniger auch nicht meine Wunschkandidaten waren und für mich auch keine Heilige sind. Ich sehe uns lediglich am Beginn einer langen Entwicklung und habe keine Lust darauf, schon jetzt wieder alles über den Haufen zu werfen, um erneut bei null anzufangen. Zornigers Auftreten ist das eine oder andere Mal grenzwertig, auch das gebe ich zu. Aber, er ist bis in die Haarspitzen motiviert, den VfB besser zu machen und sicher auch nicht so blauäugig zu denken, dass mit der derzeitigen Gegentorflut irgendein Blumentopf zu gewinnen ist. Er wird weiter an der Stabilität und der Balance zwischen Defensive und Offensive arbeiten, muss aber eben mit dem Spielermaterial auskommen, das ihm zur Verfügung gestellt wird. In vielen Spielen, die wir verloren haben, waren es Nuancen, die zum Erfolg gefehlt haben. Mittlerweile schaffen wir es, Spiele gegen Mitkonkurrenten zu gewinnen, auch wenn es nicht immer schön aussieht. Die Entwicklung ist also da und sollte nicht gestoppt werden, weil viele im Umfeld schon wieder die Geduld und die Nerven verlieren. Es entsteht inzwischen ein Team, mit dem sich die Leute identifizieren können und das seit langem wieder die Massen mobilisiert und auch begeistert. Selbst, sollten uns in naher Zukunft Spieler wie Harnik, Didavi und Kostic verlassen, ist mir nicht bange, dass die Entwicklung weiter in die richtige Richtung geht und wir für die nächsten Jahre gut aufgestellt sein werden.

Was wir brauchen ist endlich mal wieder so etwas wie Kontinuität und nicht alle paar Monate einen neuen Trainer. Die vielen Trainerwechsel der letzten Jahre haben uns schließlich dorthin gebracht, wo wir jetzt stehen, in die Abstiegszone der Bundesliga nämlich.

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20. März 2010

VfB unterliegt Barça 0:4: So laut können Träume platzen

Das Wunder von Barcelona ist ausgeblieben. Ohne große Gegenwehr, ohne großes Aufbäumen hat sich der VfB Stuttgart mit 0:4 (0:2) beim großen FC Barcelona im Achtelfinale aus der Champions League verabschiedet.

Bittere Erkenntnis: Die Roten erstarrten vor Barça – sie hatten nie eine echte Chance.

Der Coup im Camp Nou – für die Roten blieben die ohnehin geringen Hoffnungen auf eine Sensation ein Wunschtraum. Diese Erkenntnis wuchs ziemlich schnell – und im Handumdrehen war sie Gewissheit.

Denn im Grunde war schon nach 13 Minuten alles klar, als Lionel Messi den Club-Weltmeister in Führung brachte. Und erst recht, als Pedro das 2:0 erzielte (22.).

Erneut Messi (60.) und Bojan Krkic (89.) erhöhten auf 4:0. Das hatte dann schon die Ausmaße eines Debakels, wie es die B-Jugend der Roten am Nachmittag beim 0:5 gegen Barça Nachwuchs kassiert hatte.

“Barcelona war klar besser und hat uns heute die Grenzen aufgezeigt”, sagte Trainer Christian Gross, “wir haben im Hinspiel für unsere Verhältnisse ein überragendes Spiel gemacht. Jetzt sind wir nicht über außen gekommen und hatten keine Abschlüsse.”

“Kindergarten-Fußball”

Null-vier. Das war natürlich fernab der Ansprüche, mit denen die Profis vom Cannstatter Wasen die große Herausforderung angegangen waren – angenommen haben sie sie zu keiner Phase.

Mutig, selbstbewusst und clever wollten sie Barça die Stirn bieten, ähnlich wie beim achtbaren 1:1 im Hinspiel, doch nichts von alldem war dann zu sehen.

“Kindergarten-Fußball”, ärgerte sich TV-Experte Matthias Sammer. Wie das Kaninchen vor der Schlange erstarrte der VfB vor den Katalanen, ließ sich teilweise vorführen und demütigen.

Die Roten investierten viel zu wenig, um die weltbeste Vereinsmannschaft in Schach zu halten. “Wir haben zu großen Respekt gezeigt, waren nicht mutig genug und haben zu viele einfache Fehler gemacht. So hat man hier keine Chance”, sagte Manager Horst Heldt.

Lag es an der großen Kulisse? Willkommen im Camp Nou: 98.000 Zuschauer fasst der Fußballtempel. Tagsüber hatten Helfer in der Innenstadt per Handzettel für die Begegnung geworben, die schließlich 88.543 Fans anlockte.

Ein eindrucksvoller Rahmen, der bei manch einem VfB-Spieler sichtlich Spuren hinterließ. Allerdings nicht bei Serdar Tasci: Der Innenverteidiger musste kurzfristig wegen Adduktorenbeschwerden passen, die sich schon am Montag im Training angekündigt hatten. Für ihn spielte Georg Niedermeier, der gleich mächtig viel Arbeit hatte.

Dreimal klärte Torhüter Jens Lehmann gegen Thierry Henry (2. und 11.) und Lionel Messi (9.). Als der Argentinier erneut vor dem VfB-Keeper auftauchte, bedeutete das schon die Vorentscheidung.

Vier VfB-Spieler ließen Messi gewähren, ohne einzugreifen – eine Todsünde gegen den begnadeten Angreifer. Messi durfte den Ball an- und Tempo aufnehmen, sich die Lücke aussuchen und aus 18 Metern abschließen.

“Messi ist 30 Meter allein mit dem Ball gelaufen, das geht doch nicht”, sagte Alexander Hleb. Der Leihspieler vom FC Barcelona blieb selbst weit unter seinen Möglichkeiten – wie fast alle seiner Mitspieler.

Der VfB hatte sich kaum berappelt, da musste er schon den nächsten Rückschlag verdauen. Messi konnte den Ball in Ruhe annehmen und zu Henry weiterleiten. Dessen Querpass drückte Pedro über die Linie – wieder fühlte sich kein VfB-Profi zuständig.

Meine Güte – wo waren all die guten Vorsätze? Der VfB leistete sich zu viele Ballverluste im Mittelfeld, bekam dadurch in der Rückwärtsbewegung große Probleme und hatte dem großen Gegner sowohl in der Defensive als auch in der Offensive zu wenig entgegenzusetzen.

Henry grätschte knapp am Ball vorbei (28.). Dann verlor Sami Khedira den Ball gegen Messi, der Henry bediente – Matthieu Delpierre klärte.

Jetzt kommt Hannover

Obwohl Barça nicht einmal seinen besten Tag erwischt hatte, hatte der VfB nicht den Hauch einer Chance – und keine Torchance, die diese Bezeichnung verdient hätte.

Stattdessen ging es nach dem Wechsel weiter mit dem Einbahnstraßen-Fußball. Dani Alves legte mit der Hacke für Messi auf, der aus der Drehung das 3:0 erzielte – wieder hatte sich die VfB-Abwehr vornehm zurückgehalten.

Einzig Cristian Molinaro wagte sich mal nach vorn, der Schuss des Italieners wurde aber abgeblockt (63.). Auf der Gegenseite rettete Lehmann gegen Andrés Iniesta (79. und 80.), Henry (72.) und Messi (86.) verpassten.

Ein Pass in die Tiefe eröffnete Bojan Krkic den Raum, um das 4:0 zu erzielen. “Barcelonas Klasse hat sich durchgesetzt”, sagte Sami Khedira, “jetzt müssen wir uns voll auf die Bundesliga konzentrieren.”

Dort helfen nur noch Siege, wenn die Aufholjagd doch noch zu Platz fünf und damit in die Europa-Liga führen soll. Das dürfte schwer genug werden. Nächster Prüfstein ist am Samstag Hannover 96.

(STN online 18.3.10)

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