20. Juli 2019

„Er ist weg“

Was man letzte Woche und auch zu Beginn der Mitgliederversammlung am vergangenen Sonntag nicht zu hoffen wagte, ist seit Montag Realität. Wolfgang Dietrich hat seinen Rücktritt erklärt!

Zunächst plagten mich leichte Gewissensbisse, weil wir auf der Rückfahrt vom Jubiläumsspiel in Basel noch das Testspiel der VfB Amateure beim SV Endingen/ Kaiserstuhl (0:2) mitnahmen. Dieses war zwar zur besten Frühschoppen-Zeit 11 Uhr angesetzt, angesichts von mindestens zwei Stunden Fahrt nach Stuttgart, war es jedoch klar, dass wir vor 15 Uhr nicht da sein würden.

Exakt pünktlich zum ersten Redebeitrag der Aussprache trafen wir dann schließlich ein und konnten konstatieren, alles richtig gemacht zu haben. Auf die Rechtfertigungen der Vereinsoberen, Ausnahme den Vortrag von Thomas Hitzlsperger, war ich ohnehin nicht scharf gewesen, hat man die sich ständig wiederholende Leier doch schon so oft gehört.

Was dann folgte, war eine denkwürdige Aussprache mit hervorragenden Rednern. Überwiegend kritisch der Vereinsführung und Wolfgang Dietrich gegenüber, die einzigen Fürsprecher kamen so gut wie alle aus den Abteilungen des Vereins. Hut ab vor denen, die sich aufs Podium trauten und die, es wirkte fast wie abgesprochen, sämtliche Kritikpunkte an Dietrich fast ohne Wiederholungen abarbeiteten.

Diese Aussprache hatte etwas von einem „Weichklopfen“ Wolfgang Dietrichs. Er wurde immer dünnhäutiger und ungehaltener, und musste feststellen, dass keine besoffenen Querulanten auf ihn eindroschen, sondern Mitglieder jedweden Alters und jedweder Fangruppierung.

Ausnahmslos sachlich wurde argumentiert und Dietrich damit der Zahn gezogen. Versuchte er sich anfangs noch mit den oft gehörten Phrasen zu rechtfertigen, wurde er im Verlauf der Aussprache immer schmallippiger.

Einen völlig neuen Sachverhalt brachte die Aussprache dann aber doch hervor. Wurden die Kritiker, mich eingeschlossen, nicht müde nachzufragen, weshalb vor seiner Wahl den Mitgliedern wichtige Entscheidungsgrundlagen verschwiegen wurden, schob er dies plötzlich darauf, dass die DFL untersagt hätte, die Mitglieder darüber zu informieren, dass Dietrich noch weit in seine Amtsperiode hinein Ausschüttungen der Quattrex bzw. dessen Töchter erhalten könne.

Sollte dieser neue Anhaltspunkt den Tatsachen entsprechen, würde dies an der Wählertäuschung zwar nichts ändern, würde aber einen neuerlichen Schatten über die Machenschaften der DFL werfen. Dann nämlich würde sie bewusst gegen ihre eigenen Statuen verstoßen (lassen) und Interessenskonflikte im Hinterzimmer legitimieren. Mit ähnlichem Gebaren dürfte seinerzeit Red Bull Leipzig die Lizenz für die Bundesliga erteilt worden sein. Ein Fall für die Presse, diesem Verdacht nachzugehen!

Nach 14 von 28 Rednern folgte unweigerlich der Antrag auf Beendigung der Debatte. Nachdem sich die Leih-Tablets aufgehängt hatten und es nicht gelang, alle Handys gleichzeitig ins WLAN-Netz einzuloggen, die Abstimmung auf Beendigung der Aussprache also nicht ordnungsgemäß erfolgen konnte, wurden die zwei Antragsteller gebeten, ihren Antrag zurückzuziehen und die Aussprache fortzusetzen. In den gut dreißig Minuten bis zum Gelangen zu dieser Erkenntnis, hätte man gleich die Redebeiträge fortsetzen können.

Gut, dass die Beendigung nicht erwirkt werden konnte, denn, Rainer Adrion, Ex-U21-Trainer vom VfB, Interimstrainer bei den Profis, U21-Nationaltrainer sowie Jugendkoordinator mit Inneneinsicht in den Verein schritt ans Podium und rechnete schonungslos ab. Hinterfragte die DNA des Clubs, die Philosophie. Kritisierte, dass diese von Trainern vorgegeben werde, die im Schnitt gerade einmal siebeneinhalb Monate (!) im Amt seien und kritisierte Dietrich für seine jüngsten Personalentscheidungen. Weiter merkte er an, dass auch Thomas Hitzlsperger dies nicht allein bewältigen könne und ein Korrektiv im Verein benötige, um auf Kurs zu bleiben.

Adrion redete sich derart in Rage, dass er sich auch von Dietrichs Anmahnung bzgl. der abgelaufenen Redezeit und dass doch auch er sich an die Regeln zu halten habe, nicht einschüchtern ließ und Dietrich entgegnete, „Herr Dietrich, wenn Sie sich mal an alle Regeln halten würden…”.

Daraufhin johlte die Menge und reagierte mit Standing Ovations, womit erstmals an diesem Tag das Gefühl aufkam, dass ernsthafte Chancen bestünden, Dietrich an jenem denkwürdigen Sonntag abwählen zu können. Paradox an Adrions Redebeitrag war, dass er in diesen einstieg mit der Anmerkung, dass er nicht wolle, dass Dietrich abgewählt werde.

Adrions Inhalte goutierte ich nicht einmal zu hundert Prozent, weil Thomas Hitzlsperger und Sven Mislintat doch gerade dabei sind, einige der genannten Punkte abzuarbeiten und sich auch personell breiter aufzustellen.

Dietrich war zu diesem Zeitpunkt schon die Kinnlade heruntergefallen, womit er auch nicht mehr schlagfertig genug war, Adrion genau dies zu entgegnen.

Die Ausführungen hatten, auch wenn einiges schon gesagt und beantwortet war, ein besonderes Gewicht, hat Adrion doch den Blick hinter die Kulissen. Sein Auftritt war derart beeindruckend, dass es nicht wenige gibt, die sich ihn als Dietrich-Nachfolger wünschen.

Als Adrion das Podium wieder verließ, spürte man zum ersten Mal an diesem Tag so etwas wie Stadionatmosphäre. Der Kessel war aufgeheizt, die Dietrich raus Rufe wurden immer lauter.
Dass es zwei Redner später dann zur Farce kam und die Versammlung mangels funktionierendem WLAN abgebrochen werden musste, spottet jeder Beschreibung. Noch bei VfB im Dialog unter der Woche erklärte Wolfgang Dietrich „wir sind kein Chaosklub“ und dann so etwas. Peinlich, dilettantisch, nicht mal zweitligareif präsentierte sich der Club mit den hervorragenden Rahmenbedingungen.

Stunden zuvor rühmte sich Standup-Comedian Stefan Heim noch, Kosten an externen Dienstleistern eingespart zu haben, offenbar am falschen Ende. Wie bereits durchsickerte, die offizielle Bestätigung steht noch aus, verzichtete der VfB auf die Leihe des Hardware-Equipments vom Dienstleister, um Kosten zu sparen, zudem sei das eingerichtete WLAN-Netz lediglich für geschlossene Räume ausgelegt gewesen und nicht fürs Stadion, in dem das WLAN auch an Spieltagen sehr zu wünschen übrig lassen soll. Unentschuldbar, dass für ein solches Szenario kein Plan B existierte.

So wurden wir unverrichteter Dinge nach Hause geschickt und, das unterstreicht das verloren gegangene Vertrauen zur Vereinsführung, nicht wenige vermuteten dahinter die Absicht, die Abstimmung ein anderes Mal, in einer weniger aufgeheizten Atmosphäre, durchführen lassen zu wollen, weil der Ausgang plötzlich ungewisser denn je war.

Wer Wahlkampf und Verunglimpfung der Fans im Trump-Style durchführt, wenn schon die Abstimmung zur Ausgliederung fragwürdig war und viele Geräte „ganz plötzlich“ nicht funktionierten, braucht man sich nicht zu wundern, dass sämtliches Vertrauen über die Jahre verloren gegangen ist.

Noch ein paar Worte zur Mitgliederversammlung an sich, die mich aufgeregt haben. Auf einer Mitgliederversammlung, wo ausschließlich Dunkelrote versammelt sind, erschließt sich es mir nicht, weshalb es dort zum einen reservierte Plätze für die „besseren Dunkelroten“ sowie ein VIP-Bereich für eben diese gibt, in dem Alkohol ausgeschenkt wurde, während das Fußvolk mit alkoholfreiem Bier abgespeist wurde.

Hier fordere ich gleiche Rechte für alle. Wenn man sich schon den ganzen Sonntag für eine solche letztendlich blamable Veranstaltung Zeit nimmt, sollte man es sich auch einigermaßen gut gehen lassen und wenigstens das eine oder andere saure oder süße Radler genießen können.

Auch ist es extrem nervig, wenn man für ein Getränk und eine Wurst JEWEILS gut 20 Minuten anstehen muss, weil nur je zwei Stände für 4.500 Leute geöffnet haben. Persönlich hat es mich auch aufgeregt, dass man keine Rucksäcke hinein nehmen durfte, weshalb ich meinen Rucksack im Auto lassen musste.

Da wir wegen der späten Anreise im hintersten obersten Eck des Parkhauses gerade noch einen Parkplatz ergatterten, war es mir zu späterer Stunde, als die Sonne weg war, zu blöd, aus- und wieder einzuchecken, um ein Jäckchen zu holen. Resultat, eine fette Erkältung, die mit der Grund ist, weshalb ich seit Dienstag immer wieder an diesem Beitrag herumdoktere und stets irgendwann „keinen Kopf“ mehr hatte.

Wenn schon mit einer derart langen Veranstaltung gerechnet werden muss, sollte es gestattet sein, mitnehmen zu können, was man brauchen könnte, zumal im Neckarstadion bei 4.500 Leuten ja kein Platzproblem entsteht, wenn ein Rucksack etwas größer ist. Zudem ist es eine Frechheit, nach Gebrauch des Gutscheins für ein Mineralwasser über 4 Euro berappen zu müssen und sich nicht etwas mitbringen zu dürfen. Abzocke am eigenen Mitglied, schämt Euch!
Des altehrwürdigen VfB unwürdig war sowohl die Organisation als auch das abrupte Ende der Veranstaltung, womit man sich einmal mehr zum Gespött machte, dieses Mal nicht nur in der Fußballwelt, sondern generell.

Wolfgang Dietrich erklärte tags drauf auf Facebook seinen Rücktritt, offenbar ohne vorher den VfB zu informieren. Aufgrund einiger nebulöser Formulierungen hielt ich den Post zunächst für einen Fake und wartete gebannt auf die offizielle Bestätigung des VfB Stuttgart, die gut eine Stunde später erfolgte.

Wie Dietrich sein Amt ausführte und verstand, so las sich auch seine Rücktrittserklärung. Draufhauen auf seine Kritiker ohne eigene Fehler zu benennen oder einzuräumen, so hat man Dietrich in den vergangenen drei Jahren kennengelernt.

Interessant an seinem Rundumschlag, dass er, der stets die Einstimmigkeit im Verein hervorhob, sich darüber beklagt, ihm habe die Unterstützung gefehlt, sich bestimmten Interessen entgegenzustellen.

Sollte der Verein die Ära Dietrich aufarbeiten, wäre es interessant zu wissen, wen Dietrich mit jenen meinte, die „sich schon seit langem an den gut gefüllten Töpfen unseres Vereins bedienen wollen.“ Zielt er auf Ex-Spieler ab, die wie die Mücken „unterkommen“ möchten oder auf Spielerberater, die fröhlich ein- und ausgehen, jedoch nur ihre eigenen Interessen im Sinn haben.

Wohltuend in den Tagen danach ist es, wie sehr die meisten Medien die Qualität der Wortbeiträge auf der Mitgliederversammlung loben und die Kritik als berechtigt würdigen.
Da stellt man sich höchstens beiläufig die Frage, weshalb die meisten erst jetzt Dietrichs Amtszeit- und -führung kritisieren und nicht schon lang vorher.

Meist waren es nur die Ultras, Blogs und Podcasts mit vergleichsweise geringer Reichweite, die Missstände und das fehlende Vertrauen in die Vereinsführung anprangerten, die Medien hielten sich oft vornehm zurück.

Die Proteste während der gesamten Amtszeit Dietrichs wurden lang nicht groß thematisiert und schon gar nicht hinterfragt oder verstanden. Erst seit den Enthüllungen über Dietrichs noch bestehende Verstrickungen im Quattrex-Firmengeflecht, veröffentlicht im Kicker im April diesen Jahres, kam Bewegung in die Angelegenheit und der Wind für Dietrich wurde rauer.

Kritiker wurden bis zuletzt als kriminelle Drogensüchtige verunglimpft, die weder Namen noch Gesicht preisgeben. Vielleicht war Dietrich auf der MV auch deshalb so schockiert, weil ihm plötzlich ganz normale Menschen, nüchtern und mitten im Leben stehend, gegenüber standen und ihm die Leviten lasen.

Das oben erwähnte „Weichklopfen“ Dietrichs, man kann es auch als „in die Enge treiben“ formulieren, hört sich zugegebenermaßen hart an. Wenn man sich jedoch die Art und Weise ins Gedächtnis ruft, wie die Vereinsführung bis zuletzt mit Kritikern umgegangen ist und sie diffamiert, Strafanzeigen gegen eigene Fans gestellt hat, an die Ignoranz denkt, mit der Kritiker abgekanzelt wurden, war eine solche Veranstaltung wohl die einzige Möglichkeit „ihn“ loszuwerden.

Dietrich beklagte sich in seiner Rücktrittserklärung über Häme und Hass, dabei war er es doch, der sich lediglich als Prellbock sah, die Kritik inhaltlich an sich abprallen ließ und immer betonte, er halte das aus. Dietrich hätte sich das alles ersparen können, wäre er nach dem Abstieg zurückgetreten.

Nimmt man Kritiker nicht ernst, kommt es auf der Mitgliederversammlung, dem einzigen Vereinsorgan das man hat, um sich Luft zu verschaffen, zur Generalabrechnung. Dort bekam er die Wirkungstreffer ab, die er sich im Laufe seiner Amtszeit und vor allem im letzten Jahr seiner Amtszeit verdient hat! Mein Mitleid hält sich in engen Grenzen, wie man in den Wald hinein ruft, schallt es zurück!

Nun also ist der Weg frei für einen Neuanfang, wenngleich der VfB weit mehr Probleme hat(te), als „nur“ Wolfgang Dietrich.

Dietrich hatte den öffentlichen Angriff Porths auf Ehrenspielführer Guido Buchwald, aus dem Buchwalds Rücktritt aus dem Aufsichtsrat resultierte, völlig unterschätzt und Porth verteidigt, anstatt einem Vereinsidol, das im Gegensatz zu Porth schon einiges für den VfB geleistet hat, den Rücken zu stärken.

Auch diese Rechnung bekam Dietrich am Sonntag präsentiert, als Guido Buchwald wie ein Hero gefeiert wurde, während Porth bei jeder Erwähnung ein gellendes Pfeifkonzert entgegenschlug.
Um sein Image wieder aufzupolieren, wäre der VfB gut beraten, auch bei der Besetzung von Posten, die dem Investor zustehen, auf eine gute Kinderstube und damit eine bessere Außendarstellung zu achten. Porth, der sich nicht als Kontrollorgan versteht, sondern sich immer wieder auch ins operative Geschäft einmischt, ist spätestens seit dem Vorfall mit Guido Buchwald nicht mehr tragbar.

Kaum ist Dietrich weg, schießen Spekulationen über mögliche Nachfolger ins Kraut. Viele Twitter-User wollen Cem Özdemir ermutigen, für das Amt zu kandidieren, der Schorndorfer Bürgermeister hat sich selbst ins Spiel gebracht, selbst Günther Oettinger bringt sich ins Spiel, „yes, we are all sitting in one boat“. Einen Politiker hielte ich für eine schlechte Idee, soll „der Neue“ doch die Mitgliederschaft wiedervereinen und nicht womöglich in politische Lager spalten.

Da sich zuletzt auch Wirtschaftsbosse auf dem Präsidentensessel als Fehlbesetzung erwiesen haben, könnte ich mir einen Ex-Profi wie Guido Buchwald noch am ehesten für das (repräsentative) Amt vorstellen.

Auch der Name Jürgen Klinsmann schwebt wieder einmal über dem Cannstatter Wasen. Fakt ist wohl, dass Klinsmann allenfalls als (allmächtiger) Vorstandsvorsitzender, nicht aber als Präsident kommen würde. Da Porth ihn bereits öffentlich diskreditiert hat und eine Zusammenarbeit dieser beiden wohl ausgeschlossen ist, würde sich ganz nebenbei ein anderes Problem wohl von alleine lösen, denn, sollte Klinsmann zu bekommen sein, müsste die Daimler AG im Interesse des VfB einen anderen Mann in den Aufsichtsrat entsenden.

Als Vorstandsvorsitzender wäre Klinsmann Vorgesetzter von Thomas Hitzlsperger. Da müsste vorab geklärt sein, ob Klinsmann mit dem von Hitz und Mislintat eingeschlagenen Weg konform ginge, oder er nicht auch dort alles auf Anfang stellen würde.

Hitzlsperger, das spürte man auf der Mitgliederversammlung, genießt das uneingeschränkte Vertrauen der Mitglieder und hat eine echte Chance verdient, den sportlichen Bereich nach seinen (und denen von Sven Mislintat) Vorstellungen umkrempeln zu dürfen.

Die Empathie und Sympathie, die Thomas Hitzlsperger verkörpert, bleiben dem VfB hoffentlich noch lange erhalten. Natürlich wird er auch er am Ende am sportlichen Erfolg oder Misserfolg gemessen werden müssen, aber, noch ist es viel zu früh den Stab darüber zu brechen.

In der Abstiegssaison konnte er nur noch verwalten und weniger gestalten, zumal die von Dietrich vorgegebene Priorität offensichtlich war, Markus Weinzierl nicht entlassen zu wollen, womit Hitz die Hände gebunden waren. Mit der Verpflichtung von Sven Mislintat, Tim Walter, der Neuausrichtung des Kaders und der damit einhergehenden neuen Spielphilosophie beginnt erst seine Zeitrechnung.

Daher wünsche ich mir jemanden an der Spitze, der diesen eingeschlagenen Weg auf sportlicher Ebene mitträgt und ein gutes Händchen mitbringt, Vorstand und Aufsichtsrat der AG neu aufzustellen und mit mehr Sportkompetenz auszustatten. Ob das dann ein Klinsmann wird, der das für unter 5 Millionen Euro jährlich sicher nicht machen würde, oder ein anderer, da bin ich zunächst unvoreingenommen und gespannt, was kommt.

Skeptisch bin ich bei Namen wie Thomas Berthold, der bislang noch nicht bewiesen hat, ob er mehr kann, als nur schlau daher reden. Anhören sollte sich der Vereinsbeirat bzw. die AG natürlich alles, auch, wer alles hinter dem „Team Berthold“ steckt. Meine erste Befürchtung ist eben, dass einer, den man in den letzten Jahrzehnten eher wenig beim VfB gesehen hat, „sich an den gut gefüllten Töpfen des Vereins bedienen“ wollen könnte und die Herkulesaufgabe völlig unterschätzt. Nur, wer dem VfB über die letzten Jahrzehnte nahestand bzw. gut informiert wurde, kennt den Filz und kann einschätzen, wo anzusetzen ist.

Nach der wochenlangen Schlammschlacht, ist es nun an der Zeit, den Fokus wieder aufs Sportliche zu legen. Nächsten Freitag beginnt die Zweitligasaison mit dem Spiel gegen den Mitabsteiger Hannover 96, einer echten Standortbestimmung.

Ich kann es nur immer wieder betonen, wie angetan ich von Thomas Hitzlsperger, Sven Mislantat und Tim Walter bisher bin. Wie zugänglich und diskussionsbereit sie sich präsentieren, wie wenig sie sich im Vergleich zu ihren Vorgängern abschotten, wie es neuerdings menschelt. Das Team finde ich nach meinen bisherigen Eindrücken hervorragend zusammengestellt.

Hungrige entwicklungsfähige Zweitligafußballer, die wissen wie der Hase läuft und die gewillt sind, als Team zusammenzuwachsen sind mir allemal lieber, als Ex-Größen, die ihre besten Tage schon hinter sich haben.

Der Kader Stand jetzt hat für mich das Potential für den direkten Wiederaufstieg. Mit dem einen oder anderen Abgang ist sicher noch zu rechnen. Persönlich bin ich über so gut wie jeden Absteiger froh, wenn er sein Glück woanders versucht. In einigen Fällen dürfte dies eine ordentliche Ablöse bescheren und Gehalt einsparen, während Mislintat die Planstelle(n) mit hungrigem und charakterstarkem Personal neu besetzen könnte, was den Neuanfang beschleunigen könnte. Bitter, dass sich unsere Sturmhoffnung Sasa Kalajdzic gestern bei der Generalprobe gegen den SC Freiburg womöglich schwer verletzt hat, eventuell wird man da noch nachlegen müssen.

Ich bin sehr erleichtert, dass das Thema Dietrich nun vom Tisch ist und dieser neuen Truppe um Tim Walter hundertprozentige Unterstützung zuteil wird. Proteste, die uns die letzte Saison begleitet haben und die bei einem Verbleib Dietrichs in die nächste hinüber genommen worden wären, hätten auf die neue, junge Truppe bestimmt einschüchternd gewirkt. Da ich guter Hoffnung bin, dass auf dem Rasen etwas wächst, freut es mich sehr, dass die Jungs unser Stadion und die Atmosphäre am nächsten Freitag von seiner besten Seite erleben werden.

Ich wünsche es mir und hoffe es sehr, dass die Fangemeinde von nun an wieder zusammenwächst und an einem Strang zieht. Letztlich geht es uns allen doch nur um das Wohl des VfB Stuttgart. Ferner hoffe ich, dass man Tim Walters Spielstil weniger kritisch gegenüber steht wie einst dem von Alexander Zorniger. Dessen offensive Ausrichtung birgt defensiv ähnliche Gefahren, so dass sich unser Torhüter des öfteren eins gegen drei Situationen gegenüber sehen dürfte.

Wichtig ist, dass eine Weiterentwicklung zu erkennen ist und man Geduld hat, bis auch der letzte im Team Walters System verinnerlicht hat. Ein Déjà-vu zu Zorniger befürchte ich dennoch nicht. Zum einen verzeiht die 2. Liga den einen oder anderen Fehler mehr, zum anderen ist die Zeit der Spieler hoffentlich vorbei, die nur von Trainer zu Trainer denken und denen bewusst ist, dass sie nur genug gegen den Strom schwimmen müssen, um den Trainer schnell wieder los zu sein. Der VfB braucht jetzt Kontinuität, dafür drücke ich Tim Walter beide Daumen. Die letzten beiden Tests jedenfalls machen Lust auf mehr, das sieht schon überhaupt nicht mehr nach dem VfB der letzten Jahre aus. Ballbesitz, Ballstafetten und schön herausgespielte Tore, wann hat man das zuletzt gesehen?

Bis zur nächsten Mitgliederversammlung im Dezember stehen wir nun ohne (gewählten) Präsidenten da. Da der VfB auch ohne Dietrich voll handlungsfähig ist und in einem Sportverein noch immer das Geschehen auf dem Platz das Wichtigste ist, hoffe ich, dass sich die Medienlandschaft bis zum Ligastart kommende Woche beruhigt und nicht tagtäglich neue Säue fürs Präsidentenamt durchs Dorf getrieben werden.

Etwas problematisch finde ich die Verlautbarung, dass der im Dezember gewählte Präsident nur bis zum Ende der regulären Amtszeit Wolfgang Dietrichs gewählt werden soll. Wer lässt sich darauf ein, den Übergangspräsidenten zu spielen?

Nichtsdestotrotz darf sich der VfB bis zur Wahl eines neuen Präsidenten kein Führungsproblem andichten lassen. Den sympathischsten VfB der jüngeren Vergangenheit erlebten wir zwischen dem Amtsantritt Jan Schindelmeisers und der Wahl Wolfgang Dietrichs, als sich kein Präsident ins Tagesgeschäft einmischte und Transferclous, wie der von Benjamin Pavard, gelangen.

Christian Prechtl hat es auf der Mitgliederversammlung richtig angemerkt, dass, wenn die Strukturen und Rahmenbedingungen doch so hervorragend sind, es nicht sein könne, dass alles zusammenbreche, wenn Dietrich nicht mehr auf seinem Stuhl sitzt. Dem ist nichts hinzufügen, ich bin sehr erleichtert, dass „Er“ weg ist!

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1. Juni 2019

Delle? Nein, Totalschaden!

Seit Montagabend, 22.20 Uhr, steht es fest, der VfB muss nach 1975 und 2016 zum dritten Mal den bitteren Gang in die 2. Bundesliga antreten.

Soviel auch falsch lief in dieser Saison, nicht einmal „das Geschenk“ der Relegation vermochte diese charakterlose Ansammlung von Ich-AGs dankend anzunehmen. Wer es in zwei Spielen nicht schafft, einen Zweitligisten zu besiegen, wer in der regulären Runde gerade einmal 28 Punkte zustande bringt, hat den Klassenerhalt nicht verdient.

Daher hatte ich mich schon früh in dieser Saison damit abgefunden, dass es uns erwischen könnte, so dass sich der Schmerz darüber in Grenzen hält. Ich ging zwar davon aus, dass mich der Schlusspfiff und damit die Gewissheit völlig kalt lässt, dem war dann aber doch nicht so. Unmittelbar danach konnte ich mich jedenfalls mit niemandem austauschen, ohne, Gefahr zu laufen, dass doch ein paar Tränen gekullert wären.

Dem Modus der Relegation (wann schafft man diesen Scheiß endlich wieder ab?) nach gab es in Berlin-Köpenick strikte Fantrennung, (nur) im Gästeblock alkoholfreies Bier und jede Menge schön anzuschauende Pyro-Aktionen. Mit dem besiegelten Abstieg wurde standesgemäß noch eine Rauchbombe gezündet, ansonsten war die Atmosphäre im Gästeblock recht gefasst.

Unschön war es dann, dass die Unioner direkt nach Schlusspfiff die Tore öffneten, ohne dass vorher wenigstens ein Polizisten-Wall vor unserem Block aufgestellt worden wäre. So rannten etliche hässliche Fratzen zu uns herüber, provozierten und warfen Fackeln in unseren Block, mir fällt dazu nur ein Wort ein, asozial!

Abgesehen davon, dass solche Aktionen nicht sein müssen und diese Leute doch besser den größten Erfolg ihrer Vereinsgeschichte hätten feiern sollen, flüchteten unsere Spieler sofort in die Katakomben. Ob sie sonst die Eier gehabt hätten und sich von den Fans verabschiedet hätten, weiß man natürlich nicht, ich hätte dem einen oder anderen trotzdem gerne noch ein paar passende Worte hinterhergeworfen.
In Berlin konnte man den Unseren nicht einmal sehr viel vorwerfen. Es war eben ein Spiegelbild der Saison, als uns sehr oft individuelle Patzer auf die Verliererstraße brachten.

So war es dieses Mal Nicolás González, der bei Aogos Freistoß im Abseits stand und das Tor deshalb nach Eingriff des Videoreferees zurecht aberkannt wurde. Anscheinend postiert Union bei vergleichbaren Freistoß-Situationen stets einen Mann auf der Linie, so dass es wohl einstudiert war, wo der junge Argentinier zu stehen hatte. Dumm nur, dass der Union-Keeper Gikiewicz dieses Mal auf diesen Mann verzichtete (er dachte wohl, Aogo trifft das Tor sowieso nicht!) und in unserer Truppe niemand González darauf hingewiesen hat. Es wäre der Start nach Maß gewesen, entsprechend der Jubel im Block, ehe man realisierte, dass die Aktion überprüft wurde.

Danach hatte der VfB Pech, dass er einen Handelfmeter nicht zugesprochen bekam. Auch da bin ich eher beim Schiedsrichter, weil ich wenig von Glückselfmetern halte, wenn einem zufällig der Ball an die Hand springt.

Der Unioner hatte den Ball nicht im Blick, daher wäre der Elfmeter für Union in einem solch wichtigen Spiel äußerst unglücklich gewesen. Auf der anderen Seite aber wird dieser Elfer an anderer Stelle, man denke nur daran, Bayern München wäre beteiligt gewesen, gepfiffen, so dass im Fußball auch nach Einführung des Video-Assistenten von Gerechtigkeit keine Spur ist.

Dennoch machte der VfB in Berlin noch eines seiner besseren Spiele. Wäre man die gesamte Saison über so aufgetreten, wie, seit Nico Willig das Zepter übernommen hat, hätte man den Klassenerhalt wohl direkt geschafft, deshalb sind wir gefühlt auch nicht erst in Berlin abgestiegen, sondern schon viel früher.

Ein Abstieg kommt für mich nicht allein einer Katastrophe gleich, sondern ist auch die Chance, alles auf den Prüfstand zu stellen und gestärkt zurückzukommen. Dieser Möglichkeit ist der VfB gerade dabei, sich zu berauben.

Der allmächtige Präsident und Aufsichtsratsvorsitzende Wolfgang Dietrich ist der Hauptverantwortliche für das Dilemma, in welchem wir stecken. Er trieb das Thema Ausgliederung mit einer auf Lügen und Illusionen aufgebauten Propagandakampagne voran. Er war es, der mit seinen Zugpferden Jan Schindelmeiser und Hannes Wolf in der Aufstiegseuphorie die Ausgliederung durchbekam, um wenig später, nachdem der Mohr seine Schuldigkeit getan hatte, beide fallen zu lassen.

Michael Reschke ließ er sich von den Hoeneß-Brüdern aufschwatzen, womit Uli das Husarenstück gelang, diesen Blender kostengünstig loszuwerden. Reschke wurden blind die Ausgliederungs-Millionen anvertraut, schließlich eilte ihm der Ruf eines Perlentauchers voraus. Wo war das Korrektiv in der AG, was genau hat der Aufsichtsrat beaufsichtigt? Und, wer ist überhaupt DER Aufsichtsrat?
Wie der Rücktritt von Guido Buchwald und dessen Vorwurf, nicht alle im Gremium würden vor schwerwiegenden Entscheidungen in sämtliche Vorgänge eingebunden, zeigt, bestimmen die Politik im Aufsichtsrat andere als die (vermeintlich) Sportkompetenten.

Allen voran Wilfried Porth, der die Kraftverhältnisse in dieser Causa auf der Ehrentribüne veranschaulichte, als er unseren Meisterspieler von 1984 und 1992, Guido Buchwald, in aller Öffentlichkeit zusammenfaltete, worauf dieser verstört das Handtuch schmiss.

Wer meine Kritik an der Ausgliederungspropaganda und am Engagement „vom Daimler“ VOR der Abstimmung noch einmal nachlesen möchte, hier entsprechende Links dazu. http://www.frankys-stadionpics.de/blog/?p=4188, http://www.frankys-stadionpics.de/blog/?p=4194. Viele Befürchtungen davon sind eingetreten, vor allem #jazumerfolg klingt angesichts des neuerlichen Tiefpunktes wie Hohn in den Ohren.

Die Kritik zielte damals, abgesehen von der Art und Weise der Propaganda, darauf ab, ob der Daimler wirklich so gut für uns ist, wie man stets weismachen möchte, oder ob er nicht gar ein Bremsklotz ist, dem es „nur“ um darum geht, auch weiterhin das Sagen beim VfB zu haben. Dies ermöglicht ihm nämlich nicht „nur“, einen ihm genehmen Präsidenten aussuchen zu dürfen, sondern auch bei der Sponsorensuche mitentscheiden zu dürfen und somit unliebsame Konkurrenten aus Eigennutz zu verhindern.

Jetzt, nach der Ausgliederung haben wir den Salat! Erst verlängert die Mercedes Benz Bank generös den Trikotsponsoring-Vertrag, dann gibt der Daimler eine Pressemitteilung heraus, dass er dem VfB auch nach dem Abstieg partnerschaftlich zur Seite stehen werde, um kurz darauf vom (von Daimler dominierten) Aufsichtsrat mitgeteilt zu bekommen, dass in der Führungsriege der VfB AG alles beim alten bliebe.

Ernsthaft? Habt Ihr sie noch alle? Wolfgang Dietrich, als Spalter bekannt, hat beim VfB nur eines geschafft, nämlich mittlerweile so gut wie alle gegen sich aufgebracht zu haben. Im Stile eines Patriarchen führt der Sonnenkönig von oben herab. Erst kommt er, dann lange nichts. Wer sich ihm in den Weg stellt oder unbequem wird, fliegt. Da ist es scheißegal, ob man ein harmonierendes Konstrukt auseinander reißt, es geht ja schließlich nicht um den VfB sondern rein um sein eigenes Ego und Machterhalt.

Dietrich trägt vollumfänglich die Verantwortung für den Karnevalsprinzen aus Köln-Frechen, auch wenn die Gremien diese Personalie abgenickt haben und Dietrich stets betont, wie einvernehmlich die Entscheidungen getroffen wurden.

Im Zuge der Ausgliederung hat er den Mitgliedern versprochen, verantwortungsvoll mit den Ausgliederungs-Millionen umzugehen, um sie dann einem Reschke in die Hand zu drücken und von jetzt auf gleich verprassen zu lassen.

Der VfB e. V. hat sich an den Daimler für ein Butterbrot verkauft und steht schlechter da als vor der Ausgliederung. Die immer wieder kolportierten hervorragenden Rahmenbedingungen können sich die Wirtschafts-Fachleute sonst wohin stecken, im Fußball zählt das sportliche Abschneiden und da stehen wir am Abgrund.

Die schlimmsten Befürchtungen sind wahr geworden. Solang der Daimler als Anteilseigner fungiert, wird er „den Präsidenten, den wir wollten“ stützen und das dumme Mitglied hat keine Handhabe mehr, Dietrich, zumindest als Aufsichtsratsvorsitzenden, loszuwerden.

Wenn Dietrich die Proteste gegen ihn lapidar abtut, „Diese Leute brauchen einen Prellbock und das war und ist in Stuttgart nun mal der Präsident“, hat er überhaupt nichts verstanden. „Diese Leute“ sorgen sich um den VfB und müssen mit ansehen, wie ihr Herzensclub zugrunde gerichtet wird, von Leuten, die rein wirtschaftliche Interessen verfolgen, und von Sportsgeist und Emotionalität, die im Fußball elementar wichtig sind, keine Ahnung haben.

Dietrich sieht die (fehlende) sportliche Entwicklung als Delle an, nein, Herr Dietrich, ein Abstieg mit einem solch teuren Kader ist der worst case, ein Totalschaden sozusagen!

Dietrich ist weit davon entfernt, ein harmonierendes Umfeld zu schaffen, in dem Mitarbeiter (und Spieler) gerne beim VfB „arbeiten“. Wenn von oben herab mit der Dampfhammermethode regiert wird, Lügen und Wahrheitsbeugung an der Tagesordnung sind, wie will man da erwarten, dass in der Mannschaft eine andere Stimmung herrscht und sich jeder an Regeln und Abmachungen hält. Wie der Herr, so das Gescherr!

Der Abstieg, der in erster Linie deshalb erfolgte, weil wir zu keiner Zeit eine Mannschaft auf dem Platz hatten, die zusammen hielt, ist eine direkte Folge der Führung des Wolfgang Dietrich und, bis vor ein paar Monaten, vom Möchtegern-Trainer Michael Reschke.

Dieser hat die Autorität der Trainer untergraben, indem er ihnen permanent in die Aufstellungen geredet hat. Wie will da ein Spieler wissen, auf wen er zu hören hat, wie will er da noch den Trainer ernst nehmen, wenn dieser doch nur eine Marionette des Sportvorstandes ist. Das hatte bereits Hannes Wolf den Job gekostet.

Bei Hannes Wolf war sicher nicht alles Gold, was glänzte. Mittlerweile bezweifle ich auch, dass er der gute Trainer ist, als den ihn viele ansehen. Trotzdem hat er dem VfB seinerzeit ein Gesicht gegeben, so dass ich mir mit ihm Kontinuität erwünscht hatte.

Mit dem Tag der Schindelmeiser-Entlassung und der Inthronisierung Reschkes aber wurden von jetzt auf gleich Wolfs Pläne konterkariert. Nicht nur der von Schindelmeiser/ Wolf angezählte Kapitän Christian Gentner wurde von Reschke umgehend heilig gesprochen, nein, anstatt jungen entwicklungsfähigen Spielern, die besser zu machen Hannes Wolf in seinem Element war, wurden alternde und teure Ex-Nationalspieler verpflichtet, mit denen Wolf weniger anzufangen wusste, die aber spielen mussten, weil Reschke sie ja schließlich mit üppigen Verträgen ausgestattet hat. Wenn dann die Chemie zwischen Trainer und Sportdirektor vom ersten Tag an nicht stimmt und Letzterer bestimmt, wer zu spielen hat, ist das Ende einer solchen Konstellation absehbar.

Ob mit dem von Schindelmeiser zusammengestellten Kader (er war ja zum Zeitpunkt der Entlassung noch nicht fertig!) und Hannes Wolf alles besser geworden wäre oder wir nicht schon letztes Jahr abgestiegen wären, ist natürlich hypothetisch. Fakt ist, dass eine ausbaufähige Euphorie vorhanden war und „das schwierige Umfeld“ jungen Spielern eher Fehler zugestanden hätte, wie erfahrenen Recken.

Das für mich noch immer der Kardinalfehler. Mit der Verpflichtung von Reschke verließ der VfB den Weg der Vernunft und wollte den zweiten vor dem ersten Schritt gehen. Bei meinen Ausführungen vor der Ausgliederung spielte auch eine Rolle, dass ich wenig damit anfangen kann, wenn die Gehaltskosten explodieren, wir jedoch keinen besseren Fußball dafür sehen. Auch das ist eingetreten, der VfB hatte 2018 mit knapp 84 Millionen Euro den siebthöchsten Etat der Liga und steht mit 10,8 Millionen Euro ausgegebenen Beraterhonoraren ebenfalls an siebter Stelle des Oberhauses. Hier stimmen Aufwand und Ertrag in keinster Weise. Wenn ich höre, dass ein Mario Gomez 6 Millionen Euro im Jahr verdienen soll und Holger Badstuber nur ein bisschen weniger, rollen sich mir die Fußnägel auf. Da stets betont wird, dass die Verträge auch für die 2. Liga gelten, dürfte die Ära Reschke auch in der 2. Liga wie ein Damokles-Schwert über uns schweben.

Der Größenwahn eines Reschke, den Dietrich zu verantworten hat, hat uns nun dahin gebracht, wo wir stehen. Noch im Winter hat es Reschke versäumt, die größten Baustellen im Kader zu beheben, bspw. einen treffsicheren Stürmer zu holen. Geleitet vom Leitsatz des Nachbarn mit dem Stern „das beste oder nichts“ holte er lieber niemanden, weil kein Top-Club bereit war, einen Top-Mann, mitten in der Saison, zu Top-Konditionen abzugeben. Ein Zweit- oder Drittligatorjäger mit einem Lauf hätte sich hinter Gomez und González bestimmt nicht zu verstecken brauchen, und wäre vermutlich einfacher zu haben gewesen. Hätte, hätte, Fahrradkette, es ist, wie es ist, nur, personelle Konsequenzen auf verantwortlicher Ebene bleiben aus.

Wer bitteschön soll denn die Verantwortung für Reschke übernehmen, wenn nicht Dietrich? Er kann sich nicht damit herausreden Hitzlsperger und Mislintat geholt zu haben, die nun den Scherbenhaufen aufkehren müssen. Es ist ein Spiel mit dem Feuer und kommt einer Kriegserklärung gleich, wenn die Herren jetzt verkünden, wir seien ja bestens aufgestellt und es ändere sich demnach nichts.

In den letzten Tagen wurde publik, dass Reschke wohl nach dem Düsseldorf-Spiel entlassen wurde, weil er Weinzierl damals entlassen wollte, Dietrich aber nicht. Auch das eine fatale Fehleinschätzung Dietrichs und wohl der einzige lichte Moment Reschkes während seiner Amtszeit beim VfB! Aus dem Wintertrainingslager sickerte seinerzeit durch, wie inkonsequent Weinzierl beim Sanktionieren von Disziplinlosigkeiten war und dass er damals schon große Teile des Teams gegen sich aufgebracht hatte.

Deshalb hätte Weinzierl bereits im Januar, spätestens aber nach dem Düsseldorf-Spiel entlassen werden müssen. Da dies nicht geschah und Dietrich sein Veto einlegte, musste der arme Thomas Hitzlsperger die Angelegenheit bis zum Offenbarungseid von Augsburg durchziehen, ob er wollte oder nicht.

Dietrich hat hoch gepokert und verloren. Ein Mann mit Charakter und Anstand würde das erkennen und seinen Hut nehmen. Doch weit gefehlt, beide Attribute darf man bei Dietrich nicht erwarten, wenn man sich seine Vita vor Augen führt.

Die Erklärung des Aufsichtsrats lässt mich fassungslos zurück. Was der VfB jetzt bräuchte, wäre eine Aufbruchstimmung wie anno 2016. Die Fans sind das Kapital eines Vereins (gut, erkläre das mal einem Wirtschaftsboss…). Da Dietrich nicht ehrenvoll abtreten wird und der Aufsichtsrat einen Teufel zu tun scheint, auf die Stimmung des Umfeldes zu hören, fragt man sich, was man als einzelner Fan, oder besser, als Fanszene tun kann, um seinen Unmut zum Ausdruck zu bringen. Von der Mitgliederversammlung am 14.07. verspreche ich mir wenig, diese wird Dietrich aushalten, den Aufsichtsrat tangiert sie sowieso seit der Ausgliederung nicht mehr.

Was beim VfB fehlt, ist eine echte Opposition, die das Zeug dazu hat, für einen Antrag auf Abwahl des Präsidenten die nötigen 75% zusammenzubekommen, selbst, wenn die Vereinsführung jegliches Stimmvieh ködert, um genau das zu verhindern.

Dazu bedürfte es eines Gegenkonzeptes und einen geeigneten Kandidaten, der zur Wahl antreten würde. Mir fallen dazu spontan Ralf Rangnick und Jürgen Klinsmann ein, die regelmäßig mit dem VfB in Verbindung gebracht werden, für konzeptionelles Arbeiten stehen und die Mitglieder hinter sich bringen könnten.

Ich bin sehr gespannt, wie die Fanszene jetzt reagiert und ob sich der Ton und Umgang miteinander weiter verschärft. Ein zweites Hannover 96 will, glaube ich, momentan niemand. Auf der anderen Seite ist es aber für mich auch unerträglich, wenn die Herren mit diesem „Stil“ durchkommen sollten. Irgendeine Form von Boykott muss man wohl in Erwägung ziehen, Stimmungsboykott, Dauerkartenboykott, Merchandise-Boykott, was auch immer. Ich habe ihnen schon einmal Mitgliedsausweis und Dauerkarte vor die Füße geworfen, 1998, als Winfried Schäfer als Trainer vorgestellt wurde.

Da in der AG eine Krähe der anderen kein Auge aushackt, sind wir in der derzeitigen Konstellation verloren. #miteuchkeinwir Diese Herren würden sich wohl auch noch auf die Schultern klopfen, wenn wir in die 3. Liga abgestiegen wären, nur noch 25.000 Zuschauer im Schnitt kämen, die Rahmenbedingungen ihrer exklusiven Ansicht nach weiterhin stimmen und der Rasen auf dem Trainingsgelände schön grün ist.

Wenn man jüngst mitbekommt, dass als letzter Bundesligist Werder Bremen das Namensrecht an seinem Stadion an einen Sponsor verkauft hat und jährlich drei Millionen Euro dafür einstreicht, wir jedoch vom Daimler gerade einmal 666.000 Euro erhalten, unterstreicht das einmal mehr, wie der mächtige Partner den VfB über den Tisch zieht.

Ob es jemals jemanden beim VfB geben wird, der Tacheles mit dem Daimler spricht und nicht vor ihm kuscht, ich bezweifle es. Die Einlage, die nach der Ausgliederung floss, macht es jedenfalls ungleich schwieriger, frei und unabhängig entscheiden zu können, für wen und was man werben möchte, völlig egal, welch hoch dotiertes Angebot einem durch die Lappen gehen könnte. Somit dürften wir weiter der Musik hinterherhinken, und das wegen und nicht trotz der Ausgliederung.

Am besten, wir zahlen den Daimler aus und stellen alles auf Anfang 2016. Zugegebenermaßen utopisch zwar, wäre aber, dank beträchtlicher Transfereinnahmen wohl trotz des Abstiegs zu stemmen. Darauf könnte man als vernünftiger Verantwortlicher beim VfB, der dem Daimler nicht verpflichtet ist, zwar selbst kommen, doch dafür müsste das Wohl des VfB an erster Stelle kommen und nicht der Erhalt seines eigenen Pöstchens. Daher werden wir uns eher damit abfinden müssen, dass sich bis zur Neuwahl des Präsidenten 2020 nichts grundlegend verändern wird.

Der VfB gehört runderneuert. Vom Präsidenten, über die Vorstände (Hitzlsperger ausgenommen), den Aufsichtsrat bis hin zum Catering, es ist doch alles eine Katastrophe.

Ein Heim, dessen Milchmädchenrechnungen von den Ausgliederungsdebatten mir heute noch in den Ohren klingen oder Röttgermann, der mit einer peinlichen Marketing-Kampagne nach der nächsten ums Eck kommt und deren Mails, angesichts der Fülle, bei mir schon im Spam-Ordner landen.

Bestes Beispiel und reine Verarsche ist das Ur-Trikot. Als es herauskam, für knapp unter 100 Euro, wurde es mit „limitiert“ beworben. Ich fragte mehrmals beim VfB nach, auf wie viel Stück das Trikot denn limitiert wäre, worauf man eine Antwort schuldig blieb.

Also sagte ich schon damals, das kann auch auf 500.000 Stück limitiert sein und dass ich es mir höchstens dann holen würde, wenn es verramscht wird. Und, siehe da, kürzlich erwarb ich es, überraschenderweise waren noch Größen bis 5XL erhältlich, in 3XL für 30 Euro. Vielleicht wird es ja noch günstiger, aber, dann lamentiere ich nicht herum, 30 Euro ist mir der Fetzen wert.

Wer mir bei dem ganzen Theater Leid tut, sind Thomas Hitzlsperger, Sven Mislintat und unser neuer Trainer Tim Walter. Gerade die Neuen müssen sich doch zunächst wie in einem Irrenhaus vorkommen. Ihnen wäre ein harmonisches Umfeld und die Möglichkeit, ruhig zu arbeiten, um den VfB wieder in die Spur zu bringen, zu wünschen. Diese Ruhe ist derzeit nicht gegeben.

Nichtsdestotrotz gilt es nach vorne zu schauen und binnen kürzester Zeit einen aufstiegsfähigen auf die Beine zu stellen. Ich persönlich möchte die Allermeisten der Absteiger nicht mehr im Brustring-Trikot sehen, weil sie es nicht wert sind!

Solang Thomas Hitzlsperger sich nicht geäußert und Abgang oder Verbleib einzelner Spieler verkündet hat, ist es müßig, sich mit Treueschwüren und Ausstiegsklauseln auseinander zu setzen. Es soll schon vorgekommen sein, dass Spieler trotz Ausstiegsklausel geblieben sind, diese Hoffnung habe ich bei Kempf und Kabak, die die Presse schon bei anderen Vereinen sieht. Pikanterweise gerade diese beiden Genannten bei S04, wo sich Reschke sein Insiderwissen um die Vertragsmodalitäten zunutze machen könnte, was einmal mehr seinen Charakter offenbaren würde.

Außer diesen beiden genannten fielen mir noch Timo Baumgartl mit Potential eine neue Identifikationsfigur zu werden, Borna Sosa, Ascacíbar und Jens Grahl ein. Dazu Blutauffrischung von außen sowie der eine oder andere aufrückende der U19. Ob die bislang verliehenen Kaminski und Mangala bleiben werden, wird sich zeigen. Beide wären jedenfalls, was den Abstieg angeht, unbelastet.

Wie unsere (sportliche) Führungscrew mit Holger Badstuber und Mario Gomez umgeht, dürfte interessant werden. Beide wurden von Reschke mit horrend dotierten Rentenverträgen ausgestattet, so dass sie freiwillig einen Teufel tun dürften, auf sehr viel Geld zu verzichten und zu wechseln. Sollte Walter mit diesen in die Jahre gekommenen und langsam gewordenen Auslaufmodellen nichts anfangen können, wird es wohl auf ein Modell Ibišević hinauslaufen, das uns noch einige Jahre belasten dürfte. Sollten beide mangels Alternativen ihre Verträge beim VfB aussitzen, gehen sie wohl in die Annalen als bestbezahlte Zweitligaspieler aller Zeiten ein.

Wie die BILD-Zeitung vermeldete, erhält Christian Gentner keinen neuen Vertrag mehr, was ich begrüßen würde. Schließlich ist er die einzig verbliebene Konstante der letzten zehn Jahre und für Stimmung und Leistungsbereitschaft des Kaders während dieser Zeit nicht unerheblich mitverantwortlich. Solang diese Personalie aber nicht vom VfB bestätigt wird, halte ich mich mit Gefühlsausbrüchen deswegen zurück.

Fakt ist, dass der Fußball, der uns in den letzten Jahren, Ausnahme die kurze Ära Zorniger, zugemutet wurde, weder schön anzusehen noch erfolgversprechend war. Zu statisch, zu behäbig, kein Mut, keine Schnelligkeit, kein Plan, da Tim Walter, was man so hört, für einen völlig anderen Fußball steht, sollten Hitz und Mislintat den Mut haben, rigoros auszumisten, auch wenn es Abfindungen kostet und der eine oder andere Spieler unter Wert verkauft werden muss.

Es geht jetzt darum, eine Mannschaft mit hungrigen Typen und Charakter aufzubauen. Zusammenhalt ist im Mannschaftssport so wichtig, dieser war in der Abstiegssaison nicht vorhanden und deshalb stehen wir zurecht da, wo wir stehen.

Man darf gespannt sein. Im Grunde müssten jetzt bis zum Trainingsauftakt nahezu täglich Personalentscheidungen verkündet werden. Ich wünsche Hitzlsperger und Mislintat und nicht zuletzt uns ein gutes Händchen.

Zunächst einmal geht es morgen für unsere U19 in der Andrea Berg Kampfbahn (Copyright by Philipp Maisel) zu Großaspach um das Double. Gegner ist die U19 von Borussia Dortmund, ein echtes Brett.
Unsere Jungs haben beim Pokalsieg in Babelsberg gegen Leipzig gezeigt, was mit Teamgeist und Zusammenerhalt möglich ist, so dass ich optimistisch bin, auch morgen jubeln zu dürfen.

Wir Allesfahrer, die nach Abwechslung lechzen, hoffen aus zweierlei Gründen auf den Titel. Nicht nur, dass es nach 2005 mal wieder an der Zeit wäre, nein, mit dem Titel wären die Jungs für die UEFA Youth League qualifiziert, womit in der nächsten Saison endlich mal wieder internationale Touren auf dem Programm stehen würden, was ein schönes Kontrastprogramm zum wohl eher tristen Zweitligaalltag wäre. Also Jungs, go, get the cup!

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26. Mai 2019

Schwätzer!

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , – Franky @ 18:03

Nach dem 2:2 im Relegationspokal-Hinspiel gegen den 1. FC Union Berlin legte sich die Altherrenriege um Christian Gentner und Mario Gomez gleichermaßen mit Teilen der Fans an.

Völliges Unverständnis herrschte über die Unzufriedenheit vieler, hielt man sich durch das Ergebnis doch fürs Rückspiel noch alle Chancen offen. Gomez meinte, 2019 sei es nicht mehr so, dass man einen Zweitligisten 3:0 putze, von mir hinein interpretiert möchte er uns damit signalisieren, dass wir doch gefälligst zufrieden sein sollen, mit dem was sie uns bieten, und am besten die Klappe halten sollen. Oder, anders ausgedrückt, er möchte, bis Montag Zeit zu gewinnen.

In einer Saison, vor der Präsident Wolfgang Dietrich vollmundig erklärt hat, er halte gerade seine letzte Rede, in der die Abwärtsspirale der letzten Jahre eine Rolle spiele, dass man dritte Kraft in Deutschland werden wolle, erwartet ausgerechnet Gomez, der beim VfB dem Vernehmen nach soviel „verdient“, wie kein anderer je zuvor, diesen hohen Preis aber nie zu rechtfertigen wusste, dass wir die Protagonisten in Ruhe lassen sollen.

Der VfB spielt die schlechteste Saison der Vereinsgeschichte, hat das erste Relegationsspiel vergeigt und wirkt in seiner Selbstwahrnehmung noch immer so, als hätten wir den 25. Spieltag und noch genug Zeit, die Dinge wieder gerade zu rücken.

Welchen vernünftigen Grund gibt es denn, auch jetzt, eine Minute vor zwölf, noch die Ruhe zu bewahren und darauf zu vertrauen, dass es diese scheiß Truppe schon irgendwie richten wird? Schließlich haben wir lediglich die Chance auf den Klassenerhalt, weil Nürnberg und Hannover 96 noch schlechter waren und diese ungerechte Relegation überhaupt wieder eingeführt wurde. Mit 28 Punkten wäre einzig und allein der Abstieg verdient.

So aber darf man sich noch an den Strohhalm Relegation klammern und geht diese an, als ob man noch zehn Spiele Zeit hätte. Man darf sich bei Zieler bedanken, dass wir überhaupt noch im Rennen sind. Da soll man dann noch applaudieren und darauf vertrauen, dass es dieser Sauhaufen im Rückspiel schon richten wird? Never!

Ich für meinen Teil komme noch aus einer Zeit, in der es keinen Dauer-Singsang der Ultras gab. Früher hat man sein Team unterstützt, mal stimmte der eine ein Lied an, dann ein anderer, und wenn am Ende des Tages die Leistung gestimmt hat, hat man geklatscht, wenn nicht, gepfiffen und, wenn es beschämend war, wurden gegnerische Ballstafetten mit frenetischem Beifall bedacht und das eigene Team verhöhnt. Die Männer damals haben das ausgehalten!

Die Profigeneration heutzutage, weiß doch überhaupt nicht mehr, wie gut es ihr geht. Früher, in zugigen und zu einem Viertel gefüllten Stadien, mussten sich die Spieler die Zuneigung erst verdienen, während heute in Hightech-Tempeln 90 Minuten lang dauersupportet wird, und das, wo die Darbietungen mit Fußball schon lange nichts mehr zu tun haben.

Wenn dann schrille Misstöne kommen, spielt man beleidigte Leberwurst, anstatt sich an die eigene Nase zu fassen und es das nächste Mal besser zu machen. Mimosen allenthalben und gerade die sollen uns retten? Ich schrieb es schon Anfang des Jahres, wir haben nur diese eine „Mannschaft“ und mit der sind wir wohl hoffnungslos verloren!

Das Unheil dieser Saison begann bereits am 18. August in Rostock, als man beim Drittligisten in der ersten Runde des DFB-Pokals ausschied. Gomez sah die Gründe für die Niederlage in einem Spiel fast ohne VfB-Torchance so „Wir müssen den Kopf oben behalten und einfach hungriger darauf sein, den Ball im gegnerischen Tor unterzubringen. Vielmehr kann man der Mannschaft nicht vorwerfen“. Dennis Aogo meinte unter anderem „Wir werden aus dem Spiel definitiv unsere Lehren ziehen„.

Ok, schauen wir auf Mainz, erster Bundesligaspieltag. 0:1-Niederlage, Tayfun Korkut beschwichtigte „Wir sind in einer Entwicklungsphase, die Zeit braucht und noch nicht abgeschlossen ist.“ Die Liga sei extrem eng und bis zum letzten Spiel ein Marathon, und verwies auf die Aufholjagd in der Rückrunde der Vorsaison.

Nach der Niederlage gegen die Bayern hörte Christian Gentner sich dann so an „Wir müssen nun kritisch mit uns sein, aber auch sachlich bleiben. Beim nächsten Spiel in Freiburg wollen wir dann einen anderen Auftritt zeigen.“.

Zwischen Bayern und Freiburg folgte die Länderspielpause, in der man bereits den Trainer hätte wechseln müssen, gaben doch schon die Vorbereitung und die ersten drei Pflichtspiele darüber Aufschluss, dass Korkut mit der von Reschke zusammengekauften Truppe nichts anfangen konnte.

Nach dem ersten Punktgewinn in Freiburg und vor dem Heimspiel gegen Fortuna Düsseldorf zeigte sich Korkut fast schon euphorisch. „Den Punkt aus Freiburg wollen wir am Freitag mit einem Dreier vor unseren Fans veredeln“, hieß es.

Neben einer guten Grundstimmung in der Kabine und einer innerhalb der Mannschaft herrschenden Homogenität zieht der Trainer auch aus der Reaktion seines Teams nach dem frühen Rückstand im baden-württembergischen Duell beim SC Freiburg viel Positives. Im Breisgau habe sich der VfB mit fantastischen Fans und viel Unterstützung zurückgekämpft.

„Fakt ist, dass wir drei Tore geschossen, viele positive Momente gehabt und einen Punkt aus Freiburg mitgenommen haben. Darauf wollen wir aufbauen und mit einem Sieg den nächsten Schritt machen.“ Den Fakt, dass der VfB nach der Freiburger Großchance zum 2:0 mausetot gewesen wäre, verschwieg der Deutsch-Türke geflissentlich.

Gegen Düsseldorf habe dann die Effektivität gefehlt und man habe „ein paar Konterchancen zugelassen“. In Wirklichkeit war der VfB mit dem 0:0 sehr gut bedient, hätte Zieler nicht einen absoluten Sahnetag gehabt, wäre dieser Abend richtig bitter geworden.

Nach diesem Spiel traf ich unseren Zeugwart „Meuschi“ im Bus und fragte lediglich, was los sei mit dem VfB. Als er dann mit der überzogenen Erwartungshaltung kam, fiel ich völlig vom Glauben ab.

Mit derartigen Statements könnte ich endlos weitermachen, sie gleichen sich alle. Immer der Verweis aufs nächste Spiel mit der Beruhigungspille, „wir sind auf einem guten Weg“. Offene Selbstkritik, härtere Saiten, Schluss mit der Wohlfühloase, Fehlanzeige. Alle auf dem Wasen leiden unter Realitätsverlust.

Nach dem Offenbarungseid von Hannover, als die „Mannschaft“ Korkut endgültig im Regen stehen ließ, kam Markus Weinzierl. Dieser hatte zunächst das Alibi, dass sein Auftaktprogramm so schwer war.

Da aber Weinzierl selbst schneller in die Kritik geriet, als er schauen konnte, war die „Mannschaft“ wieder fein raus und es ließ sich wunderbar darauf ausruhen.

War Korkut zu lieb und tat das, was man bei diesem charakterlosen Haufen tunlichst unterlassen sollte, nämlich ihnen zu vertrauen und somit sein Schicksal in ihre Hände zu legen, war Weinzierl von Anfang unbeliebt.

Akribischer Arbeiter zwar, der bei einer Profimannschaft gewisse Dinge voraussetzt, die er beim VfB nicht vorgefunden hat. Einen homogenen Kader und eine gewisse Professionalität der Spieler zum Beispiel.

Als er merkte, dass dem nicht so ist und es selbst mit den Grundtugenden bei diesem Sammelsurium von Ich-AG’s weit her ist, war er bereits verbrannt. Er versuchte zwar, die Zügel anzuziehen, ließ dabei jedoch eine klare Linie vermissen.

Die einen sanktionierte er schön öffentlichkeitswirksam und ließ sie vor aller Augen ihre (Straf-)Runden drehen, während er bei anderen Verfehlungen bewusst weg sah oder sie zumindest unter der Decke hielt. Somit war er der Gruppe gegenüber weder konsequent noch gerecht und hätte viel früher entlassen werden müssen.

Nico Willig kam also zu spät, so dass ihm nichts blieb, außer für die letzten Spiele den Pokalmodus auszurufen und zu versuchen, die Relegation zu erreichen.

Es ist hypothetisch, darüber zu schwadronieren, wo wir stehen würden, hätte man Weinzierl bereits im Januar den Laufpass gegeben. Schlechter jedenfalls würden wir mit Sicherheit auch nicht da stehen.

So kann Willig gerade noch den Scherbenhaufen verwalten und auf das Gute im Profi hoffen. Am besten er geht heute noch in die Kirche und zündet eine Kerze an, dass er sich auf diese Truppe wirklich verlassen kann, bezweifle ich nämlich.

Wie beim Kapitän wird die größte Sorge der meisten sein, wo sie unterkommen und wo es noch mehr zu „verdienen“ gibt, anstatt sich wenigstens einmal in dieser Saison bedingungslos reinzuhängen und Herz zu zeigen.

Mario Gomez wurde für den Vorbericht des Relegationsspiels von Eurosport gefragt, ob denn jeder verstanden habe, worum es jetzt geht, vor einem Relegationsspiel wohlgemerkt. Er rang bei der Suche nach einer ehrlichen Antwort zuerst nach Worten, um dann ein zaghaftes „ich glaube schon“ herauszulassen.

Sehr beruhigend und genau das widerspiegelnd, was wir im Hinspiel zu sehen bekamen. Eine auch gegen den Zweitligisten verunsicherte Truppe, die sich nicht mal recht konzentrieren kann, wenn ihr (und vor allem dem VfB) das Wasser bis zum Hals steht.

Als ich dann am Samstag in der Stuttgarter Zeitung am Rande der Berichterstattung zum Pokalsieg unserer U19 (herzlichen Glückwunsch, well done, Jungs!) folgenden Abschnitt über Statements von Thomas Hitzlsperger las, frage ich mich, ob die ganze AG überhaupt verstanden hat, um was es geht:

“Es sei nicht immer leicht gegen einen Zweitligisten antreten zu müssen, weil man diese Teams nicht so gut kenne wie jene aus der ersten Liga, sagte Hitzlsperger am Freitagabend unserer Redaktion: „Aber jetzt wissen wir endgültig, was auf uns zukommt und können die Dinge bei Union vielleicht ein bisschen besser einschätzen. Das ist eine kompakte Truppe, die kämpferisch extrem stark ist und mit viel Leidenschaft spielt.“

Was bitteschön sind denn das für Aussagen? Im Jahre 2019 in einer immer gläsernen Welt und mit TV-Fußball rund um die Uhr muss man das Hinspiel über sich ergehen lassen, um zu erkennen, mit welchem Gegner man es zu tun hat? So sehr ich Hitz schätze, aber hier erweckt er den Eindruck, irgendwelche bösen Kräfte hätten ihn fünfzig Jahre in die Vergangenheit gebeamt.

Obwohl der Relegationsplatz seit Dezember in Stein gemeißelt war, schien man sich nicht ernsthaft mit der drohenden Relegation auseinandergesetzt und gar einen der möglichen Gegner beobachtet zu haben. Mit was für einer unangebrachten Hochnäsigkeit ging man diese Aufgabe bitteschön denn an? Da fehlen mir die Worte und bekanntlich kommt Hochmut ja vor dem Fall.

Das Spiel gegen den 1. FC Union war ein Spiegelbild der bisherigen Saison. Wenig spielerische Linie, viel zu langsam im Spielaufbau und hinten offen wie ein Scheunentor.

Einzig Donis’ Antritt, als es wirklich einmal schnell ging, bescherte uns die Führung, um 70 Sekunden später zu pennen und sich den Ausgleich einzufangen. Im Stadion habe ich dieses Tor gar nicht gesehen, war ich doch noch mit dem Abklatschen meiner Nebenleute beschäftigt.

Die erneute Führung durch Gomez, mehr Zufallsprodukt denn erzwungen, glichen die Unioner nach einem Eckball aus. Beide Gegentore spiegelten die Anfälligkeit der Unseren wider und waren einmal mehr nicht bundesligatauglich.

Bundesligatauglich an diesem Donnerstagabend war einzig und allein die Kulisse. Ausverkauftes Haus an einem lauen (fast schon) Sommerabend, eine Lautstärke im Stadion, wie ich sie seit der Meisterschaft kaum mehr im Neckarstadion erlebt habe.

Ein hervorragender Rahmen, selbst in der Untertürkheimer Kurve und bei uns auf der angrenzenden Haupttribüne Seite wurde viel gestanden und supportet. Das schwierige Umfeld wollte, kann aber den Ball leider nicht selbst ins Tor schießen.

Auch der Union-Block konnte beeindrucken. Zunächst einmal war ich überrascht, dass nicht das komplette Gästekontingent abgerufen wurden, doch auch die, die kamen, legten einen super Auftritt hin, sowohl optisch als auch akustisch.

Das Feld war bereitet, die Fans bereit zur Versöhnung. Zu Beginn der Halbzeiten war jeweils noch ein Plan und ein gewisser Wille erkennbar, ein Indiz dafür, dass Willig die richtigen Worte fand und sich die Spieler diese auch einige Minuten lang merken konnten. Mit zunehmender Spieldauer aber wurde Union Berlin mutiger und ein Klassenunterschied war immer weniger erkennbar.

Dass es dann zu ersten Unmutsbekundungen kommt, ist doch allzu verständlich. Die Spieler, die sich darüber beklagen verwechseln offensichtlich Aktion und Reaktion. Hätte das Team einen ordentlichen Auftritt hingelegt, hätten sie keinen Grund zu missmutigen Reaktionen geliefert und man würde man sie vermutlich feiern, so aber, bekommen sie völlig zurecht ihr Fett weg.

Ich habe keinerlei Verständnis dafür, wenn sogenannte Führungsspieler nach einem Spiel, bei dem es laut wie lange nicht war, „die Stimmung“ kritisieren, weil ihnen beim Gang in die Kurve einzelne Gesten nicht gefielen.

Ist denen überhaupt bewusst, welche Scheiße wir uns nun schon ein Jahr lang anschauen? Dass das Preis-Leistungsverhältnis bei Ihnen überhaupt nicht stimmt? Die sollen weniger labern und mehr liefern! Gerade Gentner und Gomez hinken doch den Ansprüchen meilenweit hinterher.

Gentners größte Sorge derzeit ist, dass sein Vertrag wohl zurecht nicht mehr verlängert wird, während Gomez mit allem hadert, mit seinen Mitspielern aber auch mit sich selbst.

Der Fußball ist in den letzten Jahren athletischer geworden, Bundesliga-Stammspieler werden immer jünger, so dass man mittlerweile mit 33, 34 Jahren mehr denn je zum alten Eisen gehört.

Diese Spieler mit Führungsanspruch, die nicht mit Leistung vorangehen (können), werden die Kohlen für uns nicht aus dem Feuer holen. Sollte Willig keine Eingebung in diese Richtung bis zum Spiel bekommen, sehe ich schwarz.

Durch das Kritisieren der eigenen Fans haben Gentner und Gomez zudem ein unnötiges Fass aufgemacht und die Truppe zusätzlich unter Druck gesetzt. Die eine oder andere Geste, der seit langem schwelende Konflikt zwischen „Mannschaft“ und Fans und die allgemeine Wut über die Darbietungen der ganzen Saison lassen erahnen, was im Falle des Abstiegs los sein dürfte.

Es gibt nicht wenige, die ausnahmslos alle nach dieser Saison nicht mehr im Brustring-Trikot sehen wollen, so dass zu befürchten ist, dass es eskaliert, sollte der VfB am Montagabend abgestiegen sein. Da dies den meisten Spielern bewusst sein wird, ist zu befürchten, dass jeder einzelne zusätzlich einen schweren Rucksack mit sich herumträgt und Leichtfüßigkeit nicht zu erwarten sein wird.

Wie die Weicheier, die nur dann Gefühle zeigen, wenn es ihnen selbst an den Kragen könnte, mit diesem Druck umgehen, werden wir sehen. Ich traue es ihnen nicht zu und sehe jetzt schon elf Nervenbündel über den Fußballplatz der Alten Försterei taumeln.

So liegt es für mich völlig allein am 1. FC Union, ob dieser die Nervenstärke besitzt, seinen Weg zu einem erfolgreichen Abschluss zu bringen. Gelingt es, den Ausfall seiner Gelbgesperrten zu kompensieren und wie im Hinspiel seine Chance nach vorne zu suchen, dürfte es nach den letzten Eindrücken nur einen Sieger geben, nämlich den 1. FC Union.

Beim VfB fällt es mir schwer, jemanden auszumachen, der für uns die Kohlen aus dem Feuer holen könnte. Weltmeister Pavard patzte ebenso wie der erfahrene Insúa, Kabak lieferte sein bislang schwächstes Spiel im VfB-Trikot ab, Castro leistete sich ungewöhnlich viele schlampige Zuspiele, während bei Donis wiederum Licht und Schatten ständig wechseln und er nach einem gelungenen Sprint diesen am liebsten bis zum Schlusspfiff feiern und den weiteren Dienst einstellen würde.

So holt uns Verlauf und Bewertung der bisherigen Spiele auch in den Relegationsspielen wieder ein. Ständig bekamen wir gute Phasen vorgerechnet, an die es anzuknüpfen gelte, kein einziges ordentliches und über 90 Minuten konzentriert gestaltetes Spiel konnte verzeichnet werden. Zudem gelang erst ein einziger Auswärtssieg, während Union nur eine Heimniederlage zu beklagen hat.

Warum zum Teufel soll im allerletzten Spiel alles besser werden, was in 36 Spielen nicht funktioniert hat?

Diese jämmerliche Ansammlung von Egoisten, denen das Wohl des VfB nicht annähernd so wichtig ist wie uns? Ein Trainer, der keine andere Möglichkeit hat, sich in Floskeln zu üben (angeschlagener Boxer), ein Sportdirektor, der Union vor dem Hinspiel nicht einzuschätzen wusste oder doch der Präsident (Ohne Optimismus geht es nicht; Berlin hat jetzt auch Druck!).

Alles Blabla, wie es uns bereits die gesamte Saison über begleitet, nur Durchhalteparolen. Kein Vertrauen in die (nicht vorhandene) eigene Stärke, nur Hoffen, Bangen, Zeitgewinnen, um sich am Montag möglichst schnell und ohne sich zu stellen, in den Urlaub zu verabschieden. Egal, wie es ausgeht, Hauptsache die eigene Haut retten.

Ich habe keine große Hoffnung mehr für morgen. Klar muss der VfB “nur” bei einem Zweitligisten gewinnen, um auch nächstes Jahr Bundesliga spielen zu dürfen. Da wir uns aber weiterhin schwer tun, Torchancen zu kreieren und hinten zu jeder Zeit für einen Lapsus “gut” sind, sehe ich uns keinen Deut besser aufgestellt, als beim Pokalspiel in Rostock. Mit unserem behäbigen Fußball und der Ideenlosigkeit im Spiel nach vorne, beißt man sich an jeder gut organisierten Mannschaft in den ersten drei Ligen die Zähne aus. Daher lasse ich mich von den neuesten Durchhalteparolen auch nicht mehr einlullen und würde es eher als Sensation ansehen, wenn wir nicht absteigen. Schaun mer mal, bitter, bitterer, VfB!

#Dietrichraus

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24. April 2019

Leistungsverweigerung!

Nach Jahren des Dahinsiechens und einer kurzen Episode der Hoffnung, dass sich beim VfB tatsächlich mal etwas ändern könnte, sind wir nach dem 0:6-Debakel in Augsburg an einem neuerlichen Tiefpunkt angelangt.

Rede ich von Tiefpunkt, erscheint Rudi Völler vor meinem geistigen Auge, als er sich beim legendären Interview auf Island bei Weißbier-Waldemar darüber ausgekotzt hat, er könne es nicht mehr hören, wenn ihm nach jedem Tiefpunkt weitere und noch tiefere Tiefpunkte angedichtet werden würden.

Bei der deutschen Nationalmannschaft gab es nach Völlers Rücktritt wieder einige Höhepunkte zu bejubeln, während diese beim VfB weiter entfernt zu sein scheinen, als die Geysire vom Neckar.

Der VfB hat es mit der Bankrotterklärung in der Fugger-Stadt geschafft, dass mein Geduldsfaden mit dem Verein fürs erste gerissen ist. In einem von (Ex-)Trainer Weinzierl seit Wochen zum Endspiel („wir haben noch alles in der eigenen Hand“) hochstilisierten Aufeinandertreffen mit einem vermeintlich direkten Konkurrenten, sich von der ersten Minute an derart kampf- und widerstandslos zu ergeben, ist eine bodenlose Frechheit.

Was sind das für Charaktere, die Reschke da an Land gezogen und mit üppigen Verträgen ausgestattet hat? Altstars, die sich ihre Rente aufbessern wollen, Leihspieler, bei denen keine Identifikation mit dem VfB aufkommen kann, Möchtegern-Stars, die denken, allein, weil sie teuer waren, wären sie wer, und Mitläufer, die vielleicht wollen, es aber nicht (mehr) können.

Wer greift bei dieser Ansammlung von Egoisten endlich mal durch? Es ist doch ein reines Kasperletheater, wenn Geldstrafen nicht gezahlt werden, man sich weigert, bestimmte Positionen zu spielen, in Interviews über den eigenen Arbeitgeber herzieht, Teambuildings-Versuche mit Desinteresse konterkariert werden und man sich null und nichtig mit Arbeitgeber, Stadt, Fans identifiziert. Wer schreitet ein und sorgt bei diesem Sauhaufen, wo offensichtlich jeder macht, was er will, für Disziplin und Ordnung? Wenn gut zureden nicht fruchtet und über Disziplinarstrafen nur gelacht wird, kaserniert die Assis in der Sportschule Ruit ein und lasst sie 7 mal 24 an Fußball und den VfB denken!

Dietrich und Reschke leb(t)en zwar von oben Beleidigungen und Lügen vor, bis in die „Mannschaft“ hätte dieser Ton tunlichst nicht hineingetragen werden dürfen. So stehen wir jetzt, vier Spieltage vor Schluss vor einem Scherbenhaufen oder auch einem (möglicherweise) irreparablen Totalschaden.

Wo sind die pflichtbewussten Profis, die bereit sind, sich für ihre horrenden Gehälter zu schinden und Stadt, Verein und Fans etwas zurückgeben zu wollen? Wo sind jene Profis, die immer gewinnen wollen und denen es nicht egal ist, wenn sie abgeschlachtet werden?

Heutzutage scheint es diese Rotzlöffel überhaupt nicht mehr zu tangieren, ob in ihrer Vita ein Abstieg und die mit Abstand schlechteste VfB-Saison der Historie steht, Hauptsache die Zahlen auf dem Gehaltszettel stimmen.

Bei Abstieg dürften sich zwei Drittel dieser Leistungsverweigerer finanziell sogar noch verbessern, weil andere Vereine wie die Geier nach zum Sonderpreis erhältlichen charakterlosen Arschlöchern lechzen. Der Rest, der woanders keinen besser dotierten Vertrag erhält, schwer vermittelbar ist und nicht unterkommt, bleibt hier und liegt dem VfB weiter genüsslich auf der Tasche. Reschkes Rentenverträge für Auslaufmodelle werden uns wohl noch einige Jahre lang verfolgen. Dietrich jubelt zwar, dass der VfB bei Abstieg zu keinen Notverkäufen gezwungen sei, doch, Realitätssinn ist eben überhaupt nicht Dietrichs Sache.

Unter Reschke wurde das Gehaltsniveau derart angehoben, dass uns jeder Verkauf eines Top-Verdieners erleichtern dürfte. Klar, wegprügeln kann man sie nicht, ein Mario Gomez bspw., der dem Vernehmen nach zwischen fünf und sechs Millionen Euro per anno „verdienen“ soll, erklärt bei jeder Gelegenheit generös, er stünde auch in der 2. Liga zur Verfügung.

Er könnte genauso gut sagen, da ihm vermutlich kein zweiter Verein ein solches Salär bietet, bleibt er eben hier. Auch Holger Badstuber, mit ähnlich üppigem Vertrag ausgestattet, wird nur das Weite suchen, wenn er sich finanziell nicht verschlechtert, so dass dem VfB im Falle des Abstiegs gar nichts anderes übrig bleiben dürfte, jene zu verscherbeln, die eine ordentliche Ablöse versprechen und gleichzeitig von der Gehaltsliste verschwinden.

Beim ein oder anderen dürfte es gar auf das Modell Ibišević hinauslaufen, bei dem der Spieler zwar weg transferiert wird, der VfB jedoch dennoch bis zum Sankt Nimmerleinstag einen Teil der Bezüge weiterzahlt. Mit derart haltlosen Aussagen lasse ich mich von Dietrich nicht verarschen.

Hitzlsperger und Mislintat sind jetzt dazu aufgerufen, genau hinzuschauen, wen der VfB überhaupt behalten möchte, wer den nötigen Charakter mitbringt, sich für den Verein zu zerreißen, auch wenn ihm die vorgesehene Position, der Übungsleiter, der Feinstaub oder der Dauerstau in der Stadt nicht gefällt. Am Monatsende gibt es schließlich genügend Schmerzensgeld, das die Motivation in jeder noch so beschissenen Lage hochhalten sollte. Derzeit gibt es ganz wenige, die für die nächste Saison noch ihre Daseinsberechtigung haben, Kabak zum Beispiel, der jedoch im Falle des Abstiegs sicher weg wäre.

Mit der Leistungsverweigerung vom Samstag wurde eine Grenze überschritten und der letzte Kredit verspielt. Von der ersten Minute vorführen haben sie sich lassen und nicht mal den Ansatz eines Zweikampfes gesucht. Null gelbe Karten sprechen Bände. Vermutlich wollten sie doch „nur“ Weinzierl loswerden, was sie in eindrucksvoller Manier geschafft haben. Es war auf der Tribüne äußerst peinlich mit anzusehen, dass Eckbälle in jeder E-Jugend-Mannschaft besser verteidigt werden und dass nur eine Mannschaft wirklich am Spiel teilnehmen wollte.

Sollten diese Drecksäcke am Samstag wieder rennen können und Mönchengladbach besiegen, werde ich erst recht sauer. Dieser erbärmliche Haufen hat nur eines verdient, den Abstieg mit sofortigem Großreinemachen auf allen Ebenen.

Augsburg hat neben dem so gut wie sicheren Nichtabstieg ganz nebenbei auch noch den höchsten Sieg seiner Bundesligahistorie eingefahren, Glückwunsch, Zieler, Baumgartl, Pavard, Kempf, Esswein, Insúa, Castro, Kabak, Zuber, Gomez, González, Donis, Didavi, ihr ward dabei und steht für DEN Schandfleck der jüngeren VfB-Geschichte. Man wird sich noch lange an euer stümperhaftes Auftreten erinnern, und das nicht nur, wenn mal wieder vom höchsten Augsburger Sieg aller Zeiten berichtet wird.

Das 0:6 war zudem für den VfB die höchste Niederlage seit dem 17. Spieltag 1985/1986. Damals hieß der Gegner Werder Bremen und, damals wie heute, hatte ich mir den Kick im Stadion angetan. Freitagabend, Flutlicht, bitter kalt und ein entfesselnd aufspielender Meisterschaftskandidat von der Weser.

Auf den Trainerbänken saßen die beiden Ottos, Rehhagel und Baric. Damals wie heute war ich stinksauer ob des Dargebotenen, der große Unterschied aber war der, dass dies ein Ausrutscher war und sich die Protagonisten wenigstens schämten, während beim VfB die ganze Saison schon unterirdisch ist, wir noch kein einziges gutes Spiel gesehen haben und mit Augsburg „nur“ noch eins oben draufgesetzt wurde.

Damals hatten wir einen Präsidenten Gerhard Mayer-Vorfelder, der die Jungs nach einem derartigen Debakel im Neuen Schloss antanzen ließ, wo sich jeder Einzelne erklären musste, während sich unser jetziger Präsident auf Abruf auf Tauchstation befindet und damit beschäftigt ist, seine geschäftlichen Beziehungen zu verschleiern, anstatt sich um die Probleme des VfB zu kümmern.

In jener Saison in den 80ern hatten wir noch Typen wie Karlheinz Förster, Guido Buchwald, Günther Schäfer, Karl Allgöwer und Asgeir Sigurvinsson in der Mannschaft, die eine offene Rechnung mit ins Rückspiel nahmen.

Werder reiste als Tabellenführer an und stand nur deshalb nicht schon als Meister fest, weil Kutzop am 33. Spieltag in letzter Sekunde den Elfmeter gegen die Bayern an den Pfosten drosch.

Für den VfB hingegen ging es um nichts mehr. Als Pokalfinalist stand fest, dass wir in der darauffolgenden Saison international vertreten sein würden, so dass man die Saison hätte locker ausklingen lassen können.

Das erhofften sich auch die Werderaner, deren erster Meistertitel unter Rehhagel und nach 1965 so greifbar war. An dieses Spiel und vor allem die knisternde Atmosphäre kann ich mich noch recht gut erinnern und weiß sogar noch, dass ich damals einen Kurvensitzplatz (ach, die schönen alten Holzbänke) unterhalb von A- oder B-Block hatte.

Im Stadion herrschte eine Stimmung, als ginge es für uns um die Meisterschaft und nicht für Werder. Auf den Rängen war die große Lust zu spüren, den Nordlichtern in die Suppe zu spucken. Wettbewerbsverzerrung war noch verpönt, man hatte keine Lust darauf, sich nachsagen lassen zu müssen, den Bremern die Meisterschaft kampflos überlassen zu haben. Außerdem herrschte seit dem Abstieg 1975, als Werder 15. und der VfB 16. wurde, eine gewisse gegenseitige Abneigung, so dass man lieber den Südrivalen als die “Fischköpfe” als Meister gesehen hat.

Daher trieb das Publikum, 62.000 waren gekommen, das Team von der ersten Minute unermüdlich an, was sich auf dem Rasen widerspiegelte. Man hatte den Eindruck, die Jungs rannten um ihr Leben, was bei Rehhagel völliges Unverständnis hervorrief, gab es doch auch ordentlich auf die Socken.

Durch zwei Allgöwer-Tore gewannen wir mit 2:1, während die Bayern zu Hause Gladbach mit 6:0 abfertigten und noch an Werder vorbeizogen.

Nach dem Schlusspfiff wurde Werder reichlich mit Häme überschüttet und wir feierten den Sieg, als gäbe es kein Morgen. Das damalige Team bewies Charakter, von dem wir bei dem jämmerlichen Haufen der Gegenwart nur träumen können.

Undank ist der Welt Lohn, eine Woche später bedankten sich die Bayern im DFB-Pokalfinale für die Schützenhilfe nicht, sondern schossen uns, Willi Entenmann saß inzwischen auf der Trainerbank, mit 5:2 aus dem Berliner Olympiastadion.

In frustrierenden Zeiten wie diesen tut es ganz gut, in Erinnerungen zu schwelgen und sich an die Helden früherer Tage zu erinnern. Doch, so bitter, es ist, ich muss mich auch schon wieder den Totalversagern vom Samstag zuwenden.

Während die Genannten der Saison 1985/1986 allesamt respektable Karrieren nach der Karriere hingelegt haben, sind, wenn man Jan Åge Fjørtoft bei Wontorra glauben darf, mindestens 60% der Profis drei Jahre nach Karriereende pleite und landen mehr oder weniger in der Gosse. Ob das auch jetzt noch, bei den in den letzten Jahren sprunghaft gestiegenen Gehältern, so ist, sei dahingestellt. In der Sache hat er sicher nicht ganz unrecht.

Wer keinen Charakter und so wenig Anstand besitzt, für horrende Gehälter alles andere hintenan zu stellen, wer zu doof ist, Trainervorgaben zu befolgen, wer Problemen aus dem Weg geht, wer zur Unselbständigkeit erzogen wird, beleidigte Leberwurst mimt, wenn es unbequem wird, wer nicht bereit ist, sich an Gruppenregeln zu halten und sich ein Fußballerleben lang stets selbst der Nächste ist, wird es da draußen schwer haben, einen Job zu bekommen, kommt er nicht gerade als Fernseh-“Experte“ unter.

Womöglich kommen dann Schlaumeier wie Beckenbauer in Bezug auf Brehmes Privatinsolvenz daher, und fordern einen Fonds für in Not geratene Ex-Profis. Das würde mir jedoch nur ein müdes Lächeln abringen, postieren sich die Sozialversager am Spieltag zwischen Karlseck und Neckarstadion, springt gerade noch mein Hofbräu-Fläschle für sie heraus.

Da ich mich gerade so in Rage schreibe. Sollte irgendwer der Auffassung sein, ich würde diese Armleuchter zu unflätig beleidigen und zu hart angehen, der stelle sich selbst die Frage, ob er die „Leistung“ vom Samstag etwa nicht auch als persönliche Beleidigung aufgefasst hat.

Dass Weinzierl zu spät entlassen wurde, steht außer Frage. Dennoch gehört es sich nicht, einen solchen Auftritt hinzulegen, um den unbeliebten Übungsleiter los zu werden. Unsere minderbemittelten Kicker können noch froh sein, dass die Ultras das Stadion bereits zur Halbzeit verlassen haben. Sonst hätte wohl jeder Protagonist dieser öffentlichen Hinrichtung sein Trikot, das über 90 Minuten durch Nicht-Leistung beschmutzt wurde, abliefern müssen.

Man muss es sich auf der Zunge zergehen lassen – bis zu 8.000 VfB-Fans machen sich erwartungsfroh auf nach Bayerisch Schwaben und das „Team“ interessiert das überhaupt nicht.

Soviel auch zum Thema, die Proteste gegen Dietrich würden die Leistungen auf dem Platz beeinflussen. Die Unterstützung, untermalt von einer beeindruckenden Auswärtschoreographie, war phänomenal und schlug erst nach dem 3:0 merklich um.

Das Traurige daran ist, es geht offensichtlich nicht nur mir so, dass die Emotionen völlig raus sind. Man hätte auf die Zäune klettern und sie beleidigen können, aber nein, die Ultras fuhren heim und der Rest flüchtete sich in Lethargie oder bestenfalls noch in Sarkasmus.

Charakterlose Arschlöcher interessieren sich eben nur für sich selbst, denen sind die Proteste gegen Dietrich genauso egal wie die 8.000 Idioten, die diesen Stümpern am Osterwochenende hinterherfahren.

Wie schon letzte Woche geschrieben, hätte nach dem etwas erträglicher ausgefallenen Düsseldorf-Debakel nicht nur Reschke, sondern auch Weinzierl entlassen werden müssen.

Geradezu paradox ist es doch, dass man Reschke vordergründig deshalb den Laufpass gab, weil man ihn nicht auch noch den dritten Trainerfehlgriff verantworten lassen wollte und Hitzlsperger so lang mit der Entlassung gezaudert hat, um letztlich „Entscheidungshilfe“ vom „Team“ erhalten zu müssen. Schon seit einigen Wochen war es mir klar, dass wir in dieser Konstellation Punktelieferant bleiben werden, nichts, aber auch gar nichts, gaben die Auftritte her, aus denen man Hoffnung auf Besserung schöpfen konnte.

Dass Weinzierl die Spieler nicht erreicht hat, sie öffentlich diskreditiert hat, sich bis zum Schluss nicht richtig mit dem VfB identifiziert hat und letztlich auf der Spieltags-PK mit seiner Medienschelte um den Rauswurf gebettelt hat, vieles wollte Hitzlsperger wegen der bloßen Hoffnung auf Kontinuität nicht wahrhaben.

Hitzlsperger, wie vor ihm schon Schneider/ Briem, Heldt, Bobic, Dutt und Reschke absoluter Novize in diesem Metier, kann einem derzeit leidtun. Er wirkte nach dem Auftritt in Augsburg schwer angeschlagen, und wird in den kommenden Monaten beweisen müssen, ob er der Richtige für diesen Job ist.

Noch bin ich skeptisch, beurteile ihn jedoch erst nach der Sommertransferperiode. Das lange Festhalten an Weinzierl könnte ihm noch gehörig um die Ohren fliegen.

Seit seinem Amtsantritt wird stets betont, wie nah Hitzlsperger am Team sei und wie viele Gespräche er führen würde. Da kann es mir doch keiner erzählen, dass er nicht erkannt hat, dass Weinzierl die Truppe längst verloren hatte.

Dass sie mit Mannschaftsführung und Matchplänen genauso wenig anfangen konnte, wie damit, dass manche, wie Esswein, ständig aufliefen, während andere komplett außen vor waren.

Da dieser Fußball keinen Spaß machte, weder Fans noch Fußballern, und zudem die Ergebnisse nicht stimmten, gab es wohl genau null Argumente, das mit Weinzierl durchzuziehen. Ein Twitter-User will nach dem Augsburg-Spiel von Aogo erfahren haben, dass „99%“ der „Mannschaft“ gegen Weinzierl gewesen seien, da frage ich mich wirklich, wie Hitzlsperger der Auffassung sein konnte, dass wir mit Weinzierl noch die Kurve kriegen könnten.

Hitzlsperger befindet sich noch in der 100-Tage-Frist, so dass allzu große Kritik an ihm noch unangebracht ist, danach, und spätestens nach Abschluss der Sommertransferperiode jedoch sollte auch er nach Leistung beurteilt werden.

Es war zwar ein kluger Schachzug von Dietrich, nach dem unbeliebten Reschke Everybody’s Darling und Vereinslegende Hitzlsperger an die vorderste Front zu stellen, um Reschkes Scherbenhaufen aufzukehren und dessen Missstände zu verwalten. Damit erhoffte Dietrich, selbst aus dem Fokus der Kritik zu rücken, was gründlich danebengegangen ist, die neuesten Quattrex-Enthüllungen lassen grüßen.

Ob Nico Willig diesem Sauhaufen in den verbleibenden vier bis sechs Spielen neues Leben und so etwas wie Teamgeist einhaucht, wird man sehen.

Es spricht für Hitzlsperger, wie er dem einstigen U19-Trainer das Vertrauen ausspricht und wie er sich von dessen Arbeitsmethoden überzeugt zeigt.

Von Willigs Spielphilosophie und Menschenführung hört man nur Gutes, ob er auch mit den jämmerlichen Versagern vom Samstag zurechtkommt, in ein paar Wochen sind wir schlauer.

Er scheint die Flucht nach vorn suchen zu wollen, was ein Schlüssel sein könnte. Zum einen verspräche dies die Beendigung der Torflaute, zum anderen besänne man sich wieder auf das eigentliche Ziel des Spiels, womit auch mehr Spielfreude zu erwarten sein dürfte.

Bin gespannt, ob wir am Samstag gegen das ebenfalls schwächelnde Mönchengladbach einen komplett anderen VfB und womöglich gar einen Sieg sehen werden. Über diesen könnte ich mich vermutlich nicht einmal freuen, denn, ich halte nichts davon, wenn hochbezahlte Profifußballer die Leistungsbereitschaft so lang einstellen, bis der ungeliebte Chef weg ist und sie dann wieder wie die Häschen rennen.

Was mich bei der Beförderung von Nico Willig befremdet und ich als schlechtes Zeichen für unseren Nachwuchs ansehe, ist, dass man der U19, die die Chance hat, Deutscher Meister und Pokalsieger zu werden, in der entscheidenden Phase das Herzstück rausreißt. Die Gefahr ist groß, dass es am Saisonende nur Verlierer gibt beim VfB.

Das zarte Fünkchen Hoffnung auf den Klassenerhalt begründet sich nach wie vor einzig und allein aufgrund der Schwäche der Konkurrenz. Auch Willig kann in der Kürze der Zeit lediglich die Missstände verwalten und dem einen oder anderen, der komplett außen vor war, eine neue Chance geben.

Die großen Versäumnisse des Winters, keinen spielstarken Sechser und keinen Torjäger geholt zu haben, werden auch ihn einholen. Ob ein Mario Gomez, der im Winter noch getönt hat, uns zum Klassenerhalt zu schießen, derzeit angesichts seiner Slapstick-Einlagen aber in jeder Comedy-Show besser aufgehoben wäre als auf dem Platz, den Turnaround schafft, wenn insgesamt mehr nach vorne geht, ich bin gespannt. Wie so vieles derzeit, ist auch das schwer vorstellbar.

Egal, wie die Saison ausgeht, der VfB steht mal wieder vor einem radikalen Neuanfang. Da auch beim VfB der Fisch vom Kopf her stinkt, muss Präsident und Aufsichtsratsvorsitzender Dietrich den Weg frei machen.

Er steht wie kein anderer für das Verlassen des Weges der Vernunft und der Installation des Perlentauchers. Er ließ Reschke gewähren und goutierte jene Alleingänge Reschkes, die er als Grund für Schindelmeisers Entlassung vorschob.

Er erschlich sich bei seiner „Wahl“ und der Ausgliederungspropaganda das Vertrauen der Mitglieder mit falschen Versprechungen und hat wohl auch gelogen, als es um mögliche Interessenskonflikte bzgl. seines Quattrex-Imperiums ging.

Der offene Brief des Fanausschusses blieb bislang unbeantwortet, Dietrich ist und bleibt ein Meister des Aussitzens. Womöglich lacht er nur über die Vorwürfe, die ihm wohl erst dann gefährlich werden könnten, sollte die DFL ermitteln.

Die Mitglieder haben Dietrich, trotz aller Warnungen, durch die Ausgliederung mit einer Machtfülle ausgestattet, die ihresgleichen sucht. Somit werden ihm die Mitglieder kaum gefährlich werden können und deshalb egal sein.

Wie er ganz aktuell erklärte, werde er die Vorwürfe zeitnah entkräften, was nicht darauf hoffen lässt, dass er bereit sei, Konsequenzen zu ziehen und zurückzutreten. Sollten seine wohl noch immer bestehenden Beteiligungen und das damit verbundene Partizipieren an Erfolgen möglicher Relegationsgegner, von der DFL als „noch im Rahmen“ angesehen werden, änderte dies nichts an der moralischen Verwerflichkeit. Die DFL sah seinerzeit auch bei Redbull keine Untergrabung der 50+1-Regelung und gab sich mit dem neuen alten Logo zufrieden, um diese Retorte in die Bundesliga zu hieven. Auch dies mag bestehendes Recht sein, mit Anstand und Moral jedoch hat wenig zu tun, was bei der DFL passiert.

Sollte die DFL nicht aktiv werden, muss man auf den Aufsichtsrat hoffen. Wie Oliver Trust bei Sport im Dritten andeutete, scheint der Daimler mit der Verwendung seiner Gelder nicht einverstanden zu sein, so dass der Druck möglicherweise auch von der Investorenseite her zunehmen wird.

So oder so, die Luft für Dietrich wird zunehmend dünn. Fast hätte ich an seinen Charakter appelliert, doch, siehe oben, siehe Augsburg, darauf braucht man wohl nicht zu hoffen. Wie sich der VfB auf allen Ebenen präsentiert, wird von oben vorgelebt, so dass es bis zu Dietrichs Demission nur weiter heißen kann, #StuttgartkämpfenDietrichraus.

Nach einem Trainerwechsel Prognosen fürs nächste Spiel abzugeben, sind schwierig und ich bin da echt zwiegespalten. Mir wäre es fast lieber, es ginge mit der Truppe sang- und klanglos runter (nichts anderes verdient man nach einer solchen Saison) und ich müsste keinen mehr sehen, als dass sie ab Samstag „Ätschegäbele“ sagen, und sich berappeln, wie man es nach Trainerwechseln ja schon oft genug erlebt hat.

Darauf habe ich ehrlich gesagt überhaupt keinen Bock und es würde meinen Hass auf diese erbärmlichen Gestalten wohl ins Unermessliche steigern.

Wie erwähnt, mein Geduldsfaden ist gerissen, was natürlich nicht bedeutet, dass ich mir die weiteren Spiele nicht mehr antun werde. Berlin ist gebucht, nach Schalke fliegen wir aus Malle ein (ja, auch WIR SIND STUTTGART) und die Relegationstermine sind geblockt. Die Touren sind nach wie vor geil, auch Augsburg war es, stören tun da nur die Spiele. Die Weggefährten und Leidensgenossen, die man trifft, mit denen man unterwegs ist, wiegen vieles auf, sogar ein unterirdisches 0:6!

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18. April 2019

Frust!

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , – Franky @ 06:20

„Wir dürfen nicht anfangen, den Frust über die derzeitige Lage nach außen zu tragen. Wenn wir dies tun, sind wir auf dem falschen Weg. Ich appelliere an jeden einzelnen, die Ruhe zu bewahren. Jeder einzelne ist in unserer Situation gefordert“, so Sportvorstand Thomas Hitzlsperger nach der Heimniederlage gegen Bayer 04 Leverkusen.

Auslöser dieser mahnenden Worte dürften Anzeichen einer Selbstauflösung des Teams sein. Gegen Leverkusen drückte sich dies in Ascacibars Spucken gegen Havertz, dem Disput von Kempf mit Co-Trainer Beller sowie überzogenen Reaktionen nach ihren Auswechslungen von Zuber und Gonzalez aus.

Weshalb dann ausgerechnet der Chef des Teams sich nicht an die Vorgabe Hitzlspergers hält (womit er einen weiteren Kündigungsgrund liefert), gibt Rätsel auf. Auf der Spieltags-Pressekonferenz platzte der Frust aus Weinzierl förmlich heraus. Und das nicht im Affekt, er erschien bereits mit geballten Fäusten in der Tasche und wartete förmlich darauf, endlich lospoltern zu können. Ich werte dies als einen Affront gegen Hitzlsperger und neuerlichen Hilferuf, ihn endlich zu entlassen. Bereits vor ein paar Tagen schrieb ich, es sei wohl besser, beide Seiten voneinander zu erlösen, dieser These gibt Weinzierl mit seinem denkwürdigen Auftritt neue Nahrung.

Dabei bin ich keineswegs der Auffassung, ein Trainer müsse sich alles gefallen lassen. Zu gegebener Zeit darf sich ein Jeder gerne auskotzen und Medienschelte betreiben, sind doch die Kollegen auf der anderen Seite des Podiums auch nicht gerade zimperlich, was die Beurteilung der Übungsleiter angeht. Vor allem in Stuttgart sind wir gebrannte Kinder und wissen, Alexander Zorniger lässt grüßen, wie sehr die Medienvertreter es beeinflussen, ob ein Trainer in Ruhe arbeiten kann oder nicht.

Was Weinzierl angeht, bin ich mit der Berichterstattung und dem Umgang mit ihm in den Pressekonferenzen, auch nicht einverstanden. Es geht vieles ins persönliche und es wird eher gefragt, wie es sich anfühlt, wenn man ständig verliert, den Nichtabstiegsplatz aus den Augen verliert und die Stürmer nicht treffen, als danach, was er anders zu machen gedenkt, um den Bock endlich umzustoßen und weshalb Spieler wie zum Beispiel Thommy und Akolo in seinen Überlegungen nicht vorkommen, während Gomez und Gonzalez einen bedauernswerten Auftritt nach dem anderen hinlegen.

Weinzierl hat natürlich Recht, wenn er sagt, er sei nicht schuld, wenn Ascacibar einen Gegenspieler anspuckt und wenn Gomez das Tor nicht trifft. Aber, er ist schuld daran, dass sich das Team seit seiner Amtsübernahme so gut wie überhaupt nicht weiterentwickelt hat. Durch Aussagen wie „wir müssen das besser machen“, wir müssen das, wir müssen jenes und wir dürfen das nicht, beruhigt er uns VfB-Fans in keinster Weise.

Eher das Gegenteil ist der Fall, es ist das Hoffen auf den lieben Fußballgott, nicht aber ein Indiz dafür, dass er einen Plan in der Tasche hätte, wie wir uns in den nächsten Spielen noch steigern könnten. Das macht Angst!

Zudem haut er allzu gern seine eigenen Spieler in die Pfanne, was bei denen nicht sonderlich ankommen dürfte. Mich würde es brennend interessieren, ob Weinzierl im Winter außer Esswein noch weitere Wunschspieler auf dem Zettel hatte, die Reschke ihm nicht genehmigt hat oder was sonst sein Plan gewesen war, eine bessere Rück –als Vorrunde spielen zu können.

Die Vakanz im kreativen Mittelfeld (Alternative zu Didavi) und Sturm (5 Tore Gomez, 2 Tore Gonzalez) war bekannt, so dass es äußerst fahrlässig gewesen ist, nur mit diesem Personal auch in die zweite Saisonhälfte zu gehen.

Aufgrund seiner Bilanz hätte Weinzierl nach dem Debakel in Düsseldorf zusammen mit Reschke gehen müssen. Danach hatte man zwar kurz den Eindruck, er wirke gelöster mit Hitz anstatt Reschke an seiner Seite, doch, der zarte Aufschwung mit gerade mal dem Pflichtsieg gegen Hannover 96 und zwei Achtungs-Unentschieden in Bremen und gegen Hoffenheim erwies sich als Strohfeuer.

Weshalb jetzt immer noch nicht gehandelt, erschließt sich mir überhaupt nicht. Weinzierl und der VfB, das passt einfach nicht. Schon als Augsburg-Trainer tat er uns nicht gut, bei 7 Siegen und nur einer Niederlage (18:5 Tore), womit er den Trainern Labbadia, Veh und Zorniger den Gnadenstoß versetzte.

Als VfB-Trainer ist seine Bilanz verheerend. Vier Siege, vier Unentschieden und 14 Niederlagen sprechen Bände und sollten Grund genug sein, ihn zu entlassen, jetzt, wo wir langsam aber sich den Atem der Nürnberger spüren.

Wie am Schluss Hannes Wolf, scheint Weinzierl um seine Entlassung zu betteln, siehe seine fragwürdigen Aufstellungen und das jüngste Konterkarrieren von Hitzlspergers Appell. Der Verdacht drängt sich auf, man setze darauf, Weinzierl im Falle des Abstiegs günstiger loszubekommen.

Für mich ein Spiel mit dem Feuer, zumal ein professionell wirtschaftender Verein wie der VfB, der um die Verweildauer seiner Trainer weiß, bestimmt ausreichend Rücklagen für Abfindungen gebildet hat! Ein Abstieg käme uns um ein Vielfaches teurer, so dass ich es nicht kapiere, weshalb man drauf und dran ist, die Fehler von 2016 zu wiederholen.

Nichtsdestotrotz hat Augsburg für Weinzierl Endspielcharakter. Ein neuerlicher blutleerer Auftritt, weitere Eskapaden auf und neben dem Platz oder eine Eskalation auf den Rängen. Es fühlt sich an, als fehle nur noch der berühmte Tropfen, um den VfB endgültig ins Chaos zu stürzen. Hitzlsperger hätte ich ruhigere Zeiten gewünscht, sich ins neue Aufgabengebiet einzuarbeiten. Er ist fast ausschließlich als Krisenmanager gefragt und hat einen Brandherd nach dem anderen zu löschen.

Je weniger die Spiele, desto schwieriger die Suche nach einer Interimslösung, denn, nur eine solche kommt in Frage, will man im Sommer unbelastet mit einem neuen Trainer in die nächste Saison gehen. Ich bin gespannt, wen Hitz aus dem Hut zaubern wird und würde derzeit jede Wette eingehen, dass Weinzierl nicht bis Saisonende unser Trainer ist.

Ascacibar indes wurde inzwischen von der DFL mit der Mindeststrafe von sechs Wochen für eine Tätlichkeit, zu der auch Spucken zählt, belegt. Mildernde Umstände, die das Strafmaß hätten drücken können, gab es offensichtlich nicht, sonst hätte der VfB wohl Einspruch eingelegt.

Somit steht uns Ascacibar erst bei einem möglichen Relegationsrückspiel wieder zur Verfügung. Ich hatte bereits unmittelbar nach dem Spiel harsche Kritik an den selbsternannten Experten geübt, die allzu hart mit Santi ins Gericht gingen und ihn am liebsten wieder zurück in der argentinischen Pampa sähen, weil für Spucker kein Platz in unserer Gesellschaft sei. Auch ich war von seiner Aktion entsetzt und will so etwas von keinem VfB-Spieler sehen. Daher bin ich mit der Bestrafung einverstanden, weil Santi eine Grenze überschritten hat, egal in welcher emotionalen Ausnahmesituation er sich befand.

Ascacibar wird die Sperre selbst am meisten treffen! Als einer der wenigen, für die Fußball noch Kampfsport und nicht nur Ballett ist, dürfte er durchdrehen, wenn er in den nächsten Wochen nicht mitwirken kann und womöglich miterleben muss, wie der Absturz des VfB noch mehr an Rasanz aufnimmt.

Daher sollte es mit der Strafe gut sein und sämtliche Kritiker, die eh alles besser wissen, sollten von nun an die Klappe halten und dem jungen Burschen, der er noch immer ist, die zweite Chance zugestehen. Ich bin mir sicher, auch einem Hitzkopf wie ihm, wird das kein zweites Mal passieren. Kopf hoch, Santi, wir VfBler stehen zu Dir!

Ob mit oder ohne Santi, Augsburg wird schwer. Durch den Trainerwechsel und den Sieg in Frankfurt wittern die bayerischen Schwaben Morgenluft und könnten sich durch einen Sieg fast aller Abstiegssorgen entledigen. Gut möglich also, dass Weinzierl ausgerechnet von seinem Ex-Verein in die gut dotierte Arbeitslosigkeit geschickt wird.

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