15. Februar 2019

Ein Wahrheitsbeuger weg – wann folgt Dietrich?

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , – Franky @ 13:07

Der Auftritt zuletzt bei Fortuna Düsseldorf sollte dem Letzten die Augen geöffnet haben, wie es derzeit um den VfB bestellt ist.

Das war unterirdisch und nicht bundesligatauglich. Gegen eine Fortuna, die zweifellos in dieser Saison schon Duftmarken gesetzt hat, die aber auch ihr letztes Heimspiel sang- und klanglos gegen Leipzig mit 0:4 verloren hatte, derart unterzugehen, hätte selbst ich als derzeitiger Dauerpessimist nicht für möglich gehalten.

Auch wenn uns der Kapitän erst kürzlich weismachen wollte, dass Spiele gegen direkte Konkurrenten keine Endspiele seien, war dies ein Sechs-Punkte-Spiel in Reinkultur. Der Abstand zur Fortuna betrug sieben Punkte, bei einem Sieg wären es nur noch deren vier gewesen und nach dieser auch in der Höhe hochverdienten Niederlage sind es eben zehn.

Das muss man sich mal vor Augen führen. Düsseldorf, wie Nürnberg gefühlter Zweitligist, hängt einen VfB, der fast 50 Millionen Euro in neues Personal investiert hat, um Längen ab.

Bei einem Verein wie Düsseldorf muss jeder Transfer sitzen, wenn nicht, bekommt er ein Problem, während beim VfB müde darüber gelächelt wird, wenn „mal ein Flop dabei ist“ (10 Millionen Euro schwer).

Alle Achtung, was Friedhelm Funkel geschaffen und welches Kollektiv er auf den Platz gebracht hat. Dieses Zehn-Punkte-Polster könnte unter anderem daher rühren, dass man jedes Spiel wie ein Endspiel angeht und in Partien, die für uns Bonus-Spiele darstellen, Punkte hamstert. Während wir gegen die ersten sieben der Tabelle keinen einzigen Punkt holten, punktete Düsseldorf in München, Leipzig und Hoffenheim, gewann zuhause gegen Hoffenheim und Dortmund und hat daher sehr gute Karten im Kampf um den Klassenerhalt.

Dass Teamgeist Berge versetzen kann, sah man am Sonntag ganz deutlich. Während bei uns Lauf-, Leistungs- und Kampfbereitschaft komplett fehlten, pflügten die Fortunen von Beginn an den Rasen um. Ein Matthias Zimmermann, bei uns gescholten und für zu leicht befunden, wuchs in eine Führungsrolle, war überall auf dem Platz zu finden und pushte seine Mitspieler, während die Unseren ohne jegliche Gegenwehr dem Debakel entgegen stolperten.

Ein derartiges Auftreten beschmutzt unsere Farben, es tut weh, diese Leistungsverweigerer unser Trikot spazieren tragen zu sehen. Wenigstens Daniel Didavi dachte an die mitgereisten Fans und meinte, im Grunde müssten sie uns Geld zurückzahlen (ob Taten folgen? We will see – ich würde auch zum Grillen kommen!).

Zum Glück entschlossen wir uns, zum Spiel nicht nur hin- und gleich wieder zurückzufahren, sondern verbrachten ein schönes Wochenende mit Freunden in der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt. Somit war die 90-minütige Demütigung im schmucken Rheinstadion „nur“ eine weniger schöne Episode eines ansonsten herausragenden langen Wochenendes.

Die Frage, die mir nach vier äußerst dürftigen Darbietungen in der Rückrunde unter den Nägeln brennt, lautet, was trainieren die eigentlich. In der Winterpause stießen zwei Neuzugänge zu uns, wir haben viel weniger Verletzte als vor Weihnachten und den Bildern nach zu urteilen, stimmten Stimmung und Trainingsintensität in La Manga.

Offensichtlich brachten die Disziplinarstrafen von Maffeo, Donis und Borna Sosa nicht den erhofften Effekt, wonach sie danach geläutert und wieder vollwertige Teammitglieder sein sollten. Es scheint eher ins Gegenteil umzuschlagen, dass sie sich noch mehr in den Schmollwinkel verziehen und schlechte Stimmung verbreiten.

Ich glaube nicht, dass es besonders klug von Reschke und Weinzierl war, die Spieler öffentlich an den Pranger zu stellen! Die (Jung-)Profis präsentieren sich seitdem wie bockige kleine Kinder, denen man den Lolly weggenommen hat.

Dass es im Team nicht stimmt, zeigt sich Woche für Woche auf dem Platz. Wir haben keine Einheit, kein Miteinander, die Jungs reden nicht untereinander, womit auch erklärt ist, weshalb nach einem Rückstand kein Aufbäumen stattfindet.

Wir haben mehr und minder begabte Einzelspieler. Führungsspieler, die ihrer zugedachten Rolle gerecht werden und nicht genug mit sich selbst zu tun hätten, Fehlanzeige! Der Frust scheint bei allen tief zu sitzen, deutlich an den Platzverweisen zuletzt von Mario Gomez und Nicolás González abzulesen. Benjamin Pavard indes bettelte zuletzt gegen Freiburg und in Düsseldorf gleich zwei Mal um Rot, so dass ihm eine Denkpause sicher gut tun würde.

Seit Reschke den Dienst antrat, maß man der charakterlichen Eignung der Spieler keinerlei Bedeutung mehr zu. Hier ein Tipp, dort ein Tipp und dort einer, der gerne wieder daheim bei Muttern futtert, und fertig war er, der Trümmerhaufen von Mannschaft 2018/2019.

Was gibt Anlass zur Hoffnung? Derzeit sehr wenig. Teamgeist lässt sich nicht verordnen, da ist die Gruppe gefragt, sich im Sinne des VfB und seiner Fans zusammenzuraufen.

Doch, wer ist überhaupt gewillt, den Kampf anzunehmen, bei dieser Ansammlung von Legionären? Die Älteren wie Beck, Gomez, Didavi und Gentner lassen zwar nicht die Identifikation mit dem VfB vermissen, aufgrund ihrer „Leistungen“ oder Verletzungsanfälligkeit sind sie es aber nicht, die das Ruder für uns herumreißen können.

Das Gros des Kaders aber gehört der Generation Fußballer an, denen der Arbeitgeber, der ihnen ihr fürstliches Gehalt überweist, egal ist, und die sich selbst am nächsten sind. Für die meisten dürfte zudem gelten, Abstieg = Gehaltserhöhung. Der VfB wird zwar wieder weismachen, dass alle Verträge in der 2. Liga Bestand hätten. Dies jedoch nur auf dem Papier.

Wie beim letzten Abstieg würde jeder gehen (dürfen), der Geld einbringt. Dabei ist es dann mutmaßlich auch egal, dass man einen Spieler mit einem Marktwert von 15 Millionen Euro für acht Millionen Euro hergibt, Hauptsache man bekommt einen Großverdiener von der Gehaltsliste.

Über die „Ersparnis“ von sieben Millionen freut sich dann aber nicht der aufnehmende Verein, sondern der Spieler, der diese Differenz als Handgeld einstreicht. So gesehen fragt man sich, ob Spieler ohne emotionale Bindung zum Verein überhaupt motiviert sind, den Abstieg zu vermeiden oder ob dieser ihnen gerade recht käme. Aus diesem Blickwinkel sind wir bereits jetzt verloren, da nützt es auch nichts mehr, dass der Mann, der diesen Kader zu verantworten hat, in den vorzeitigen Ruhestand geschickt wurde.

Ob Weinzierl, dessen Kommunikationsdefizite schon zum Scheitern beim FC Schalke geführt haben sollen, der Richtige ist, die Spieler bei der Ehre zu packen, wage ich zu bezweifeln.

Ich würde es mir zwar wünschen, dass wir ohne weiteren Trainerwechsel auskommen, doch deutet derzeit wenig darauf hin, dass sich die verfahrene Situation noch kitten lässt.

Es ist ja beileibe nicht „nur“ die miserable Bilanz von Markus Weinzierl. Es ist kaum erkennbar, wie er spielen lassen möchte, wenn er ständig und auch während der Spiele die Formation ändert, weil die Spieler seine Vorgaben nicht erfüllen, sie ihnen zu hoch sind und/ oder sein „Plan“ nicht aufgeht.

Aufgrund der dürften Rückrundenbilanz mit einem Punkt aus vier Spielen, sah sich der VfB (zurecht) zum Handeln gezwungen. Die Frage war eigentlich nur, wer zuerst dran glauben muss, Trainer oder Sportdirektor. Da man Reschke nach zwei Fehlgriffen nicht auch noch den nächsten Trainer aussuchen lassen wollte, traf es den Rheinländer, den der Aufsichtsrat von seinem Vorstandsposten „abberief“.
Reschke war für mich neben Dietrich der zweite große Unsympath im Verein und reiht sich historisch zu Egon Coordes und Winfried Schäfer in die Personae non gratae der langen VfB-Historie ein.

Weil Wolfgang Dietrich Schindelmeiser misstraute, dieser es sich getraute, dem großen Maestro Widerworte zu geben und weil Schindelmeiser in der öffentlichen Wahrnehmung deutlich besser weg kam, als er selbst, tauschte er ihn gegen den von Dieter Hoeneß empfohlenen Clown aus Frechen aus.

Nach Jahren des Dahinsiechens und dem folgerichtigen Abstieg wurden mit Jan Schindelmeiser und kurze Zeit später auch Hannes Wolf die Weichen in eine vielversprechende Zukunft gestellt. Die beiden verstanden es, die notwendige Euphorie zu entfachen und verhalfen Dietrich maßgeblich zur Ausgliederung der Fußball-Abteilung in eine AG.

Dieser Stuttgarter Weg sorgte nicht nur regional für Bewunderung, sondern entfachte Begeisterung weit außerhalb des Einzugsgebiets. Wir wurden als Verein gesehen, der seine Hausaufgaben nach dem Abstieg gemacht hat und das „schwierige Umfeld“ genoss plötzlich ein hohes Ansehen dafür, wie es in den bittersten Stunden zum Verein stand.

Alles war super, alles war toll, bis zum Tag der Schindelmeiser-Entlassung! Nach dem Barner-Artikel in den Stuttgarter Nachrichten, der einen im Nachhinein betrachtet, auf die bevorstehende Entlassung vorbereiten sollte, behauptete Dietrich mir gegenüber, an dem Artikel wäre überhaupt nichts dran und dass lediglich sich benachteiligt fühlende Spielerberater schlechte Stimmung verbreiten wollten. Ich fragte ihn direkt, ob man sich um Jan Schindelmeiser Sorgen machen müsse. Gut, damals regte ich mich noch auf, dass mir der Präsident ins Gesicht gelogen hat. Mittlerweile kennen wir den beim VfB salonfähig gewordenen Begriff der Wahrheitsbeugung, da erscheint das Ganze dann doch in einem netteren Gewand – nicht!

Abgesehen davon, dass man die Arbeit eines Sportdirektors nach Ende der Transferfrist erst abschließend bewerten kann und somit Anfang August noch überhaupt kein Grund zur Panik bestanden hat, war der Zeitpunkt, den Sportdirektor zu wechseln, denkbar ungünstig, um nicht zu sagen dumm.

Wolf und Schindelmeiser hatten einen Plan, wie das Abenteuer Bundesliga anzugehen war, Reschke konterkarierte diesen total und besorgte Spieler, die vielleicht Wolfgang Dietrich haben wollte, der Trainer jedoch bestimmt nicht. So war auch das Ende von Hannes Wolf eingeleitet, der ein halbes Jahr später das Handtuch schmiss.

Es ist jetzt müßig darüber zu diskutieren, ob Schindelmeiser und Wolf zu blauäugig in die Bundesliga gegangen wären, weil der Kader zu jung und zu unausgewogen besetzt war. Das „schwierige Umfeld“ hat den beiden Vertrauen entgegengebracht und nicht die Nerven verloren, zumal das Transferfenster noch gut drei Wochen geöffnet war. Man hatte zu dieser Zeit einfach die Hoffnung, dass der VfB seine Lektion habe, während es nun noch schlimmer aussieht, wie vor dem Abstieg 2016.

Dass Dietrich in Reschke den totalen Gegenentwurf zu Jan Schindelmeiser holte, zeugt davon, dass Dietrich keinen Plan hat(te) und seine Versprechen im Zuge des „Make VfB great again“-Wahlkampfes zur Ausgliederung erstunken und erlogen waren.

Diese „Mannschaft“, die keine ist, und die scheinbar unaufhaltsam dem Abstieg entgegen taumelt, hat sich Dietrich zuzuschreiben. Gegensätzlicher wie die Vorstellungen von Schindelmeiser und Reschke nicht sein konnten, so stellt sich nun der Kader dar. Ein bisschen Wolf, ein bisschen Korkut, ein bisschen Weinzierl, es passt nicht zusammen!

Buchwald hat mit seiner jüngst erneuerten Kritik Recht. Dass er diese gerade jetzt, wo Reschke weg ist, noch einmal bekräftigt, kann nur in Richtung Dietrich gemünzt sein, der Reschke totale Narrenfreiheit ließ.

Nahezu alles, wovor wir Skeptiker im Zuge der Ausgliederungs-Debatten gewarnt hatten, ist eingetreten. Erstes Problem schon einmal die Unglaubwürdigkeit Dietrichs. Dann mahnte man an, das Votum nicht an seinerzeit handelnden Personen festzumachen, da es eine Entscheidung „fürs Leben“ werde. Ich hatte Bauchschmerzen, als die Rede davon war, wie hoch unser Gehaltsniveau steigen müsse, um wieder konkurrenzfähig zu sein. Lang war Gentner DER Top-Verdiener mit kolportierten 2,5 bis 3 Millionen Euro, mittlerweile soll ein Mario Gomez zwischen 5 und 6 Millionen Euro „verdienen“. Für was? Dann doch lieber ein junges, hungriges und bezahlbares Team aufbauen, in dem die Motivation steckt, irgendwann in höhere Sphären aufzusteigen.

Man kann Reschke zwar nicht vorwerfen, dass er nur Oldies geholt hat, mit unserem einstigen Image, ein Ausbildungsverein zu sein, hatten seine Transfers von jüngeren Spielern jedoch auch nichts zu tun. Gerade den extrem teuren Top-Talenten, die von großen Vereinen kamen, fehlt scheinbar der Antrieb, den Abstiegskampf im kalten deutschen Winter anzunehmen.

Das sind Jungs, die denken, etwas erreicht zu haben, schon allein, weil sie teuer waren und vermutlich auch mehr „verdienen“ als der eine oder andere vorgesehene Führungsspieler. Der Neidfaktor dürfte in diesem zerstrittenen Kader eine nicht zu unterschätzende Rolle spielen.

Ein gesundes Wachstum, wie es Schindelmeiser präferierte, gab es unter Reschke nicht mehr. Dieser dachte, es genüge, einen Traktor zu frisieren, um an den Porsches dieser Welt vorbei zu kommen.
Dann hole ich lieber Jungs wie Pavard und Mané, die zunächst einen Bruchteil des Geldes kosten und die sich „hocharbeiten“ müssen. Die Mär, die uns die Ausgliederungspropaganda weismachen wollte, dass es dem VfB mit ein paar Millionen mehr auf dem Konto wieder gelänge, Spieler halten zu können, hatte ich schon damals ins Reich der Fabel verwiesen, weil nahezu jeder Profi seinen Wechsel zu erzwingen versucht, wenn es woanders mehr zu „verdienen“ gibt.

Nicht genug, dass Reschke, kaum da, Gentner in den Stand eines Heiligen erhob. Kritiker seiner ersten Transfers Badstuber, Aogo, Beck stempelte er als ahnungslose Vollidioten ab, womit er bei mir auf Anhieb ähnlich unten durch war wie Dietrich.

Reschkes peinliche Auftritte alle aufzuzählen, würde den Rahmen sprengen. Den dicksten Hund leistete er sich bei seiner legendären Schalte ins Aktuelle Sportstudio und zu dessen Studiogast Hannes Wolf, als er einem Millionenpublikum verriet, die Taktik von Hannes Wolf mit ihm überarbeiten zu wollen und damit den Hannes wie einen Schulbuben aussehen ließ, der in die Ecke gestellt wurde.

Dieser Mann war in der zweiten Reihe, wo er bei Leverkusen und den Bayern wirken durfte, genau richtig aufgehoben. Auf die Öffentlichkeit losgelassen hat ihn bislang nur der VfB, auch das Dietrichs Werk. Dass Hannes Wolf danach das Handtuch schmiss und Reschke Korkut holte, weil er nahe des Stadions wohnt, rundete sein Wirken ab. Eines der größten Trainertalente Deutschlands wurde durch die personifizierte Erfolgslosigkeit ersetzt, das muss man sich noch einmal auf der Zunge zergehen lassen.

Reschke wunderte sich wahrscheinlich noch darüber, dass das Entsetzen in der Anhängerschaft groß war. Anfangs profitierte Korkut noch sehr von Wolfs Vor- und Grundlagenarbeit und schien das Glück gepachtet zu haben. Die Rückrunde, nach der wir fast noch in die Europaleague gestürmt wären, war von den Ergebnissen her tatsächlich sensationell, dennoch gab es keinen vernünftigen Grund, im Überschwang der Gefühle Korkuts Vertrag frühzeitig zu verlängern.

Genauso dusselig war es, Reschkes Klausel, seinen Vertrag auflösen zu können, wenn man mit seiner Arbeit unzufrieden wäre, einfach und ohne Not zu streichen.
Ein millionenschwerer Fehler Dietrichs, der zwar abzuwiegeln versucht, man werde eine für den VfB gute Lösung finden, doch, ich glaube nicht, dass Reschke Geld zu verschenken hat, schon gar nicht, wenn man nicht im Guten auseinander gegangen ist.

Für Gefühlsduseleien sind wir Fans zuständig. Von einem Unternehmer, der die Verantwortung für den Herzensverein Zehntausender Menschen übernommen hat, erwarte ich rationales Handeln und Weitsicht. Deshalb schart man Experten um sich und dann zählen auch keine Ausreden wie „da haben doch alle geklatscht“.

Doch, Dietrich maßt es sich eben an, seinen Experten in ihren Bereich hineinzureden, so dass er sich dann auch nicht aus der Verantwortung stehlen darf. Der Sonnenkönig sonnt sich gerne im Erfolg seiner Leute und zeigt mit dem Finger auf sie, wenn sie den Erfolg nicht vorweisen. Schlechter (Führungs-)Stil!

Ein ehemaliger Firmenchef wie Dietrich mag zwar über ein paar Milliönchen anders denken als Otto Normalbürger, wie man ja bereits feststellen durfte, als er die versenkten zehn Millionen für Maffeo damit abtat, ein Flop sei immer mal drin. Hier zehn Millionen, bei Korkuts und Reschkes Abfindungen etwa die Hälfte davon, Top-Gehälter für Spieler, die keine Gegenleistung (mehr) bringen, ich kann mir nicht vorstellen, dass das die Vorstellung des Ankerinvestors Daimler war, wie der VfB mit seinem Geld umzugehen hat. Vielleicht aber ja doch, sitzen doch genügend Vertreter dieses Konzerns im Kontrollgremium Aufsichtsrat!

Jetzt, wo Reschke Geschichte ist, würde ich gerne über seine Fehler und Verfehlungen kein Wort mehr verlieren, doch, ich befürchte, diese werden uns in den nächsten Jahren mehrfach einholen.

Als Reschkes Nachfolger im Amt des Sportvorstandes wurde Thomas Hitzlsperger vorgestellt. Positiv daran ist zunächst einmal, dass auf den größten Unsympathen seit Winfried Schäfer ein netter jugendlich gebliebener Herr folgt, der dem VfB ein sympathischeres Gesicht verleihen wird. Der 36-jährige ist eine Vereinslegende, schon allein wegen seines so eminent wichtigen und noch schöneren Tores zum 1:1 beim Meisterstück gegen Cottbus 2007. Ihm dürfte der Vertrauensvorschuss der Fanbasis gewiss sein!

Ob nett und sympathisch jedoch reichen wird, den Scherbenhaufen, den Reschke hinterlässt, aufzukehren, wird die Zeit erweisen.

Fakt ist zunächst einmal, dass seit Rolf Rüssmann, mit Ausnahme von Jan Schindelmeiser, nur Novizen diesen Posten bekleideten. Ob Briem/ Schneider, Heldt, Bobic, Dutt, Reschke oder nun Thomas Hitzlsperger, alle betraten Neuland. Man könnte fast meinen, das auf die Fahnen geschriebene „Ausbildungsverein“ gelte in der heutigen Zeit beim VfB hauptsächlich für Sportdirektoren.

Hitzlsperger geht die Aufgabe optimistisch und voller Tatendrang an. Wie er zu Protokoll gab, hat er großen Respekt und Demut vor der Aufgabe. Hitz ist lernfähig und -willig und ein absoluter Teamplayer, so dass mein Gefühl zunächst einmal nicht schlecht ist, und ich denke, der VfB könnte eine gute Wahl getroffen haben. Hitzlsperger wird sich ein starkes Team mit fähigen Leuten aufbauen müssen, das ihn tatkräftig unterstützt und auf das er sich verlassen kann.

Dass manch einer es als großes Risiko erachtet, in der momentan schwierigen Situation alle Hoffnung auf Besserung in einen Neuling zu setzen, kann ich nachvollziehen.

Doch, im Fußballgeschäft lassen sich Zeitpunkte oft schwer planen. Sollte Hitz seine Zukunft nicht als Leiter des Nachwuchsleistungszentrums gesehen haben, hätte man möglicherweise riskiert, dieses Aushängeschild zu verlieren, hätte man den Posten extern besetzt und Hitzlsperger von einem anderen Verein ein ähnliches Angebot erhalten. Einen Sportdirektor soll er noch an die Seite bekommen, so dass Hitz die Funktion des Managers dem Vernehmen nach nur kommissarisch bekleiden wird.

Wie er in der Pressekonferenz anklingen ließ, gehe es ihm bis Saisonende in erster Linie darum, Trainer Weinzierl zu unterstützen und mit ihm zusammen den Klassenerhalt zu schaffen.
Ob ein neuer Sportvorstand DER Impuls im Abstiegskampf sein wird, um die verfahrene Situation aufzulösen, da habe ich doch erhebliche Zweifel.

Die „Mannschaft“ spielte zuletzt so, als würde sie gegen Trainer spielen. Es wird zwar immer wieder behauptet, das mache keine Mannschaft und schon gar nicht über eine so lange Zeit, doch, wenn man die Auftritte zuletzt betrachtete, konnte man es sich auch kaum vorstellen, dass sie wirklich so schlecht ist. Dass der eine oder andere fußballerische Defizite hat, weiß man.

Dass aber Kampf, Einsatz, Spielfreude, Leistungsbereitschaft, also sämtliche Attribute, die ein Sportler im Blut haben sollte, gänzlich fehlten, gibt schwer zu denken. Ist es wirklich so, dass das Team Motivationsprobleme hat oder müssen in den Köpfen Blockaden gelöst werden? Da das Team bereits längere Zeit und nicht nur, seit Weinzierl Trainer ist, peinliche Auftritte en masse hinlegt, könnte auch Reschke das Problem gewesen sein.

Wo kommen wir denn hin, wenn ein Sportdirektor, der selbst den Trainerschein hat, regelmäßig in der Kabine Ansprachen hält, so dass die Spieler nicht mehr wissen, ob sie auf den Trainer oder auf den Sportdirektor hören sollen. Ob dies so krass vorgefallen ist, wie man hört, und weshalb außer Wolf kein anderer Übungsleiter den Bettel von selbst hinschmiss, verstünde ich dann nicht so ganz.

Jedenfalls haben die Spieler jetzt ein Alibi weniger und Weinzierl dürfte von nun an alleine für die Ansprachen zuständig sein. Dumm eben, dass es am Samstag gleich gegen die formstarken Leipziger geht und gegen diese, mit welcher Einstellung auch immer, kein Kraut gewachsen sein dürfte.

Nach der zu erwartenden Niederlage müsste man Weinzierl aufgrund von dessen niederschmetternden Bilanz von elf Niederlagen in 15 Spielen im Grunde entlassen.

Da hat Dietrich den Schwarzen Peter zunächst einmal elegant an Thomas Hitzlsperger übertragen, der als eine seiner ersten Amtshandlungen vermutlich nicht umhinkommt, Weinzierl seine Papiere zu überreichen.

Noch hat Hitzlsperger ein paar Tage Zeit, das Innenleben des Teams zu beobachten und zu beurteilen. Nach Leipzig ist er gefordert, eine Entscheidung zu treffen, pro oder kontra Weinzierl, beneiden tue ich den neuen Sportvorstand bei dieser Entscheidung nicht.

Ob ein neuer Trainer noch helfen könnte und vor allem, wer das dann sein sollte, ich weiß es nicht. Bei allen den verfügbaren Trainern ist mir kein einziger bekannt, der für Aufbruchsstimmung stehen könnte und am Ende der Saison seinen Platz auch freiwillig wieder räumen würde.

Einen wie Christoph Daum 1991, als man nach dem Trainerwechsel sofort einen wie verwandelt aufspielenden VfB sah, sehe ich weit und breit nicht.

Ein über den Sommer hinaus gehendes Engagement mit einem der üblichen Verdächtigen abzuschließen hielte ich für grob fahrlässig, wenn man denn nicht zu 100% von ihm überzeugt ist und dieser nur als Feuerwehrmann, nicht aber zum Baumeister eines neuen VfB etwas taugt.

Im Sommer muss Bilanz gezogen und mit einem neuen Trainer, der zu einer dann hoffentlich wieder vorhandenen Vereinsphilosophie passt, der x-te Neuanfang gestartet werden. Mein Favorit auf diesen Job wäre Andi Hinkel, wobei ich inständig hoffe, dass man für den Rest dieser Saison die Finger von ihm lässt, um nicht Gefahr zu laufen, ihn durch einen Abstieg zu verbrennen.

Hitzlsperger steht hier also vor einer extrem schwierigen Entscheidung. Im Abstiegsjahr hielt man bis zum Schluss an Kramny fest, obwohl es eigentlich jedem klar war, dass er die Kurve nicht mehr kriegen wird.

Bei Weinzierl bin ich genauso skeptisch, würde ihn jedoch erst ersetzen, wenn ich von einer Alternativlösung überzeugt wäre (und diese nicht Hinkel hieße!). Hitzlsperger kann man bei dieser Entscheidung nur ein glückliches Händchen wünschen.

Wolfgang Dietrich wähnt sich indes fein raus. Ob die Wahl auf Hitz als Sportvorstand nicht aus reinem Kalkül getroffen wurde, damit er ihm nicht als Konkurrent für den Präsidentenposten gefährlich wird? Zutrauen würde man es Dietrich.

Da Dietrich der Hauptverantwortliche unserer prekären Situation ist und er, der Kontinuität versprochen hat, eine Hire and Fire „Strategie“ fährt, muss der Schuss mit Hitzlsperger auch für ihn sitzen. Geht dieser Schuss nach hinten los und/ oder wir steigen ab, muss für ihn (spätestens) Schluss sein.

Ich hoffe, Hitzlsperger weiß sich intern durchzusetzen und Dietrich die Meinung zu geigen, wenn es mal wieder mehr um den persönlichen Machterhalt und weniger um das Wohle des VfB geht.

Eine schlagkräftige Opposition im Verein mit dem Ziel, Dietrich aus seinen Ämtern zu bekommen, wäre wünschenswert, allein mit Spruchbändern in der Kurve wird man sich dieses Problem-Bärs nicht entledigen. Drohungen seitens Aufsichtsrat und Vorstand, Gegner ihrer Pläne wöllten den Verein in Schutt und Asche legen, ziehen heute nicht mehr, das hat Herr Dietrich durch die Verpflichtung von Reschke und mit Unterstützung des Aufsichtsrats schon selber hinbekommen. Nun geht es darum, zu retten, was zu retten ist, dem nötigen (erneuten) Neuanfang würde Machtmensch Dietrich nur im Wege stehen.

Mögliche Nachfolger scheinen sich auch bereits ins Gespräch zu bringen oder gebracht zu werden. Da wäre zum einen der Trainer des morgigen Gegners, Ralf Rangnick. Normalerweise total unrealistisch, dass er sein gemachtes Nest in Leipzig verlässt und den erforderlichen Neuanfang beim VfB leitet, der ihn einst mit Schimpf und Schande davongejagt hat. Heimgezahlt hat er uns dies mehrmals schon, nicht zuletzt durch das Abwerben unserer einstigen Koryphäen im Nachwuchsbereich, Albeck und Schrof oder auch Spielern wie Kimmich und Werner.

Vielleicht aber wird ja auch Rangnick altersmilde und möchte in die Nähe seiner Backnanger Heimat zurückkehren, dann würde er zumindest bei mir offene Türen einrennen. Was wir an Rangnick hatten, erkannte man erst Jahre später, war er es doch, der den Grundstein für die Jungen Wilden setzte. In welcher Funktion man sich Rangnick vorstellen könnte, völlig offen, alleine ihn wieder hier zu wissen, vermittelte mir schon ein gutes Gefühl.

Bekannt ist, dass sich Jürgen Klinsmann vermehrt ins Gespräch bringt und bereit wäre, einen Posten beim VfB zu übernehmen. Sollte Klinsmann seine Zelte in den USA wirklich abbrechen und seinem Heimatverein helfen wollen, wäre es fahrlässig, sich mit ihm nicht über mögliche Tätigkeitsfelder zu unterhalten.

Ihn könnte ich mir sehr gut als Präsidenten vorstellen, der dem VfB sein seit Jahren um sich greifendes Bequemlichkeits-Gen auszutreiben und den VfB leistungsfähiger und leistungsgerechter aufstellen könnte. Dass er ein mitunter unbequemer Reformator ist, weiß man aus DFB-Zeiten.

Zudem würde der VfB nach Dietrich/ Reschke durch Klinsmann/ Hitzlsperger ein extremes Face-Lifting erfahren; diese Kombination hätte das Zeug dazu, den gespaltenen Club zu einen, damit wieder alle an einem Strang ziehen. Dietrich hat für verbrannte Erde gesorgt, unter ihm ist der Riss in der Anhängerschaft nicht mehr zu kitten.

Ich hoffe, der VfB lässt diese Chance nicht verstreichen, denn, ewig wird Klinsmann nicht auf den Anruf des VfB warten! Wie gesagt, ideale Zeitpunkte gibt es im Fußball-Geschäft nicht. Sollte Klinsmann jetzt bereit sein, dem VfB zu helfen, machen Sie den Weg frei, Herr Dietrich. Sie betonen ja stets, nur zum Wohle des VfB zu handeln.

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15. März 2010

Wie’s nach dem VfB weitergeht: Fünf Spieler – fünf Geschichten

Es sollte ein Neuanfang in einer anderen Umgebung und bei einem anderen Verein werden. Fünf Spieler haben den VfB in der Winterpause verlassen, weil sie mit ihren sportlichen Aussichten in Stuttgart unzufrieden waren. Was ist aus ihnen seitdem geworden?

Thomas Hitzlsperger (27):

Er ist vom Regen in die Traufe gekommen. Beim VfB war er zuletzt nur Reservist – und das ist er jetzt auch bei Lazio Rom. Dadurch sinken seine Chancen auf eine WM-Teilnahme immer weiter, denn der Bundestrainer Joachim Löw verlangt Spielpraxis. Diese Forderung war letztlich auch ausschlaggebend für den Wechsel nach Rom, der weniger aus Überzeugung denn aus Sachzwängen heraus erfolgte. Viel lieber wäre Hitzlsperger ohnehin wohl zum FC Everthon, zu Atletico Madrid oder zum FC Sevilla gegangen, die im Januar aber nur vorgefühlt und dann kein Angebot unterbreitet hatten – im Gegensatz zu Lazio, dessen Fans teilweise als gewaltbereit und faschistisch gelten. Mit solchen Auswüchsen hat Hitzlsperger auch schon Bekanntschaft gemacht. Kürzlich stürmten aufgebrachte Anhänger mit Rauchbomben das Trainingsgelände und konnten erst von der Polizei gestoppt werden. Lazio steckt als 17. der Tabelle tief im Abstiegskampf. Schlechter sind nur Livorno, Bergamo und Siena, aber Hitzlsperger darf kaum eingreifen. Gleich nach seinem Debüt beim 0:1 am 7. Februar gegen Catania wurde er mit bissigen Kommentaren des Trainers Davide Ballardino bedacht, der wenig später durch Edoardo Reja ersetzt wurde. Hitzlsperger sieht kein Land. Nur zweimal kam er bisher zum Zug. Ansonsten sitzt er auf der Bank, wie am Sonntag bei der 1:2-Niederlage in Genua.

Elson (28):

Der Mittelfeldspieler hat sich bei Hannover 96 zu einer wertvollen Stammkraft entwickelt. Bei seinem fünften Einsatz erzielte er am Samstag beim 2:1-Erfolg in Freiburg seinen ersten Treffer – das wichtige 1:0. “Damit hat er sich für seinen Fleiß belohnt”, sagt der 96-Manager Jörg Schmadtke, “wir sind sehr zufrieden mit ihm.” Elson selbst hat schon erklärt, dass er seine Zukunft über diese Saison hinaus in Hannover sieht – selbst wenn die Mannschaft im Mai absteigen sollte. Sein Vertrag in Stuttgart läuft jedoch noch bis Juni 2011, so dass eine Ablösesumme von etwa einer Million Euro fällig wäre. “Wir haben das Signal von Elson vernommen”, sagt Schmadtke, “aber weder wir noch der VfB stehen da im Augenblick unter Druck.” Dennoch hält es der Manager für gut möglich, dass es am Rande der Partie zwischen den beiden Clubs am 20. März in Stuttgart zu Verhandlungen kommt.

Yildiray Bastürk (31):

Für ihn hat sich bisher nichts geändert. Wie schon zuvor beim VfB spielt er auch bei den Blackburn Rovers keine Rolle. Null Einsätze stehen auf seinem Konto. Es reichte noch nicht einmal zu einem Platz im Kader des Tabellenzwölften der Premier League. Dabei hat Bastürk wenig Zeit, um sich zu empfehlen. Sein Vertrag läuft nur bis Juni. “Er ist körperlich noch nicht in der Lage, auf diesem hohen Niveau mitzuhalten”, sagt der Trainer Sam Allardyce. Die Rovers reagierten auf die Defizite und verordneten Bastürk sogar ein speziell auf ihn abgestimmtes Trainingsprogramm. Dadurch soll er die erforderliche Fitness erlangen. Bevor das nicht der Fall ist, werde sich an seinem Status nichts ändern, sagt Allardyce, der aber noch Geduld aufbringt und nach wie vor von den Fähigkeiten des Mittelfeldregisseurs überzeugt ist. Inzwischen spielte Bastürk dreimal für die zweite Mannschaft der Rovers. “Das ist kein Problem”, sagt sein Berater Reza Fazeli, “die Leute in Blackburn sind alle sehr nett zu ihm.”

Jan Simak (31):

Er sagt: “Meine Entscheidung war richtig. Für mich ist es wichtig, dass ich spiele. Insofern läuft hier alles wie geplant.” Bereits fünfmal ist er in der Rückrunde für den FSV Mainz aufgelaufen, auch beim 1:0-Sieg am Sonntag in Hoffenheim stand er in der Anfangsformation. Wenn er sich Ende Januar keine Adduktorenverhärtung zugezogen hätte, wäre die Bilanz vermutlich noch besser. Gegen Mönchengladbach und Hertha BSC musste Simak pausieren. Die Perspektiven stimmen, da sein Vertrag bis 2011 datiert ist – mit einer jetzt schon so gut wie sicheren Option für eine weitere Runde. In Mainz gefällt ihm vor allem die familiäre Atmosphäre, die er in Stuttgart etwas vermisst hat. So hat er auch schon ein Haus gefunden, das er noch in diesem Monat mit seiner Familie beziehen wird.

Ludovic Magnin (30):

Fußballerisch lief es für ihn zunächst ähnlich bescheiden wie in der Hinrunde beim VfB – bis zum Sonntag. Da gelang dem FC Zürich, der zurzeit nur Rang acht belegt, ein 1:0 gegen Luzern – und der Wegbereiter hieß Magnin. Mit einem Dribbling bereitete er das entscheidende Tor von Djuric vor. Für den Verteidiger war es der erste Erfolg nach zwei Unentschieden und einer Niederlage. Deshalb drohte dem FC-Trainer Bernard Challandes schon die Entlassung – was in Magnin ein paar Erinnerungen hervorgerufen haben dürfte. Siehe Stuttgart im Spätherbst, siehe Markus Babbel. Aber eigentlich fühlt er sich gut. “Ich genieße es, wieder zu Hause in der Schweiz zu sein”, sagt Magnin, der froh ist, “dass es hier etwas ruhiger und menschlicher zugeht als in der Bundesliga.” Zwei Ziele hat er in den nächsten Monaten vor allem: die WM – “und außerdem hoffe ich, dass ich meinen jungen Mitspielern in Zürich helfen kann”.

STZ 9.3.10

Aus VfB-Sicht also alles richtig gemacht, die Gehaltsliste entlastet, den Kader ausgedünnt und sportlich nicht geschwächt. Auch dies rechne ich in erster Linie Christian Gross an. Unter seinen Vorgängern war dies nicht möglich, nicht zuletzt, weil sie keine so klare Linie vorgaben, wie es der Schweizer jetzt tut.

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26. Februar 2010

Den Dom ließen wir in Kölle – die Punkte nahmen wir eindrucksvoll mit

Nachdem mich anfangs der Woche noch eine heftige Grippe plagte, wurde ich rechtzeitig zum Spiel in Köln wieder fit. So begaben wir uns an diesem Samstag pünktlichst zum Bahnhof, um den Intercity, der planmäßig um 7.37 Uhr starten sollte, ohne Streß zu erreichen. Aufgrund “technischer Probleme”, mehr wollte uns die Deutsche Bahn nicht mitteilen, verzögerte sich die Abfahrt aber leider um etwa 20 Minuten, Zeit, die uns natürlich in Köln fehlen würde. Zumal wir uns dieses Mal aufgrund der Sparpreise der Bahn für einen normalen IC und nicht den ICE entschieden hatten, und somit etwa eine Stunde länger unterwegs sein sollten. Wir begaben uns sofort in den Bistrowagen, in dem wir uns zunächst mit unseren mitgebrachten Fleischküchle-Wecka eine erste Grundlage schufen. So dauerte es dann auch nicht lange, bis ich mich dazu entschloss, zu testen, wie das Franziskaner Weißbier an diesem frühen Samstag-Morgen schmecken würde. Leider erstreckten sich die technischen Probleme der Bahn auch auf die Kühlung der Getränke. Das erste Weizen gleich soichwarm, das kann ja heiter werden… In Mannheim stiegen dann auch Heiko und Konrad von den Murgtalschwaben zu. Da wir dann natürlich sofort nachträglich auf Carles Geburtstag anstoßen “mußten”, trank ich eben noch ein Weizen, das zu meiner großen Freude deutlich kälter war, als das vorherige. Hätte die Bahnangestellte das erste doch auch nur von hinten weggenommen… ;-) . Im weiteren Verlauf der Fahrt, die über die schöne Strecke dem Rhein entlang über Mainz, an der Loreley vorbei und über Koblenz führte, klopften wir dann noch einen Skat, für mich mein erster seit bestimmt 15 Jahren, wir lasen die Tagespresse und diskutierten natürlich schon unsere Erwartungen für das Spiel. Da Marica gelbgesperrt ausfiel und Cacau sowie Schieber nach ihren Verletzungen noch kein Spiel bestritten haben, befürchteten wir fast, Christian Gross würde nur mit einer echten Spitze, nämlich Pavel Pogrebnjak antreten. Eine Taktik, vor der es mir immer graut, zeigt man doch damit indirekt dem Gegner, dass er mal schön die Initiative ergreifen darf. Wir haben einfach nicht die gefährlichen Flügelspieler, wie z. B. die Bayern mit Ribery und Robben, um nur mit einem Stoßstürmer spielen zu können.

Dadurch war die Fahrt natürlich sehr kurzweilig und ging im Zug um wie im Flug. Was machen Köln-Touristen, wenn sie aus dem Bahnhof kommen? Richtig! Ein Bild vom Dom. Dass das Bild noch den richtigen Touch bekam, gesellte sich schnell noch Charlie Chaplin zu uns.

Unsere erste Anlaufstelle in Köln war dann das Früh-Kölsch. Hier sind wir erfahrungsgemäß wohlgelitten, das Personal ist freundlich, die Bierversorgung klappt bestens und essen kann man dort auch noch etwas. Etwas störend für einen Süddeutschen sind natürlich die Reagenzgläser, in denen man in Köln sein Bier bekommt. Aber, wie geschrieben, die Versorgung klappte bestens, “unser” Kellner behielt uns ständig im Auge und brachte Nachschub, wenn wieder zu viel Luft in den Gläsern war.

Nachdem wir uns im Früh mit fester und flüssiger Nahrung gestärkt hatten, ging es ab ins Stadion. Da mir der Weg dorthin immer elends lang vorkommt, probierten wir es dieses Mal mit dem Taxi. Das war leider auch keine gute Entscheidung, schnell standen wir im Stau, brauchten somit mindestens genau so lang wie mit der Bahn und bezahlten noch 19 Euro für die Strecke. Da wir zu viert fuhren, ging das natürlich, dennoch lohnt sich das nur, wenn man eine Zeitersparnis dabei hat. Im Stadion dann trennten sich zunächst unsere Wege. Ich hatte mir zwar Karten über den VfB besorgen lassen, war mit diesen aber nicht einverstanden. Im gleichen Block über unserem Fanblock saßen wir letztes Jahr auch, damals hinter einer Plexiglasscheibe, schlecht zum Fotografieren natürlich. Auch den davor liegenden Strafraum konnte man nicht komplett einsehen. So entschloß ich mich kurzerhand dazu, beim FC Karten für die Gegentribüne zu bestellen, in einem Block, in dem im letzten Jahr massenhaft VfB-Fans waren, und meine Karten weiter zu geben. Am Einlaß gab es überhaupt keine Probleme, schnurstracks waren wir drin. Für mich ist es immer ein erhebendes Gefühl, in dieses Stadion zu kommen. Mir persönlich gefällt das Rheinenergiestadion von den neuen bzw. umgebauten Stadien in Deutschland mit am besten. Vor dem Spiel herrscht hier immer eine besondere Atmosphäre, vor allem, wenn Viva Colonia oder das Vereinslied Mer stonn zu Dir gespielt werden. Dann ist das weite Rund eine einzige rot-weiße Schalparade, die auch für mich als Gästefan schön anzusehen ist.

Ich fand die Plätze, die wir hatten, super. Der Block dürfte zu je 50% von Kölner und VfBlern belegt gewesen sein. Es gab aber keinerlei Probleme zwischen den Fangruppen. Rechtzeitig zum Verlesen unserer Mannschaftsaufstellung waren wir auf unseren Plätzen. Der leider angeschlagene Sami Khedira wurde durch Zdravko Kuzmanovic ersetzt, Marica also doch durch Cacau. Mich persönlich hätte es doch verwundert, wenn Gross anders aufgestellt hätte. Donnerstags war ich noch beim Training und da machte Cacau auf mich als Laien nicht den Eindruck, er wäre noch nicht fit genug.

Durch ein Spalier von Cheerleadern ging es für unser Team also hinein in das stimmungsvolle Stadion. Der VfB war gefordert heute. Es galt zu zeigen, dass die Niederlage gegen den HSV nur ein Ausrutscher war und Selbsvertrauen zu tanken vor dem bevorstehenden Highlight gegen den großen FC Barcelona. Außerdem war es interessant zu sehen, wie die Mannschaft reagieren würde, wenn zwei Stammspieler der vergangenen Wochen fehlen würden. Vor allem Sami Khediras Ausfall dürfte schwer wiegen, ist er doch mehr und mehr das Gesicht und die Lunge des neuen VfB.

Das Spiel begann dann recht schwungvoll. Der VfB hatte früh erste Torchancen durch Cacau (5.), Delpierre (6.) und Träsch (10.). Vor allem Delpierre hätte mit seinem Kopfball freistehend gerne für die Beruhigungspille sorgen dürfen. Dennoch stimmte der Auftakt zuversichtlich. Der Mannschaft merkte man das Vorhaben an, die Scharte der HSV-Niederliege auswetzen zu wollen. Die neuen fügten sich auch nahtlos in das Mannschaftsgefüge ein. Cacau wirkte sehr motiviert. Nachdem unter Gross zunächst Pogrebnjak und Marica gesetzt waren und er zu allem Überfluß noch durch eine Verletzung ausgebremst wurde, kam er in Köln erst zu seinem allerersten Rückrundeneinsatz. Viele schrieben ihn schon, vor allem in Bezug auf seine mögliche WM-Teilnahme, ab, was ihm deutlich zusetzt. In einigen Interviews in der Woche vor dem Spiel machte er deutlich, dass er nicht kampflos aufgeben und sich zeigen wolle. Eine Woche danach wissen wir, dass dies keine leeren Worthülsen waren. Er muß einfach besser und auch für die Mannschaft wertvoller sein, als seine direkten Konkurrenten, dann wird auch sicher Christian Gross der letzte sein, der ihn in seinem Eifer bremsen möchte. Diesen Kampfgeist hätte ich mir im übrigen auch von Thomas Hitzlsperger gewünscht, der sich möglicherweise gewaltig “verwechselt” hat. Wie ich Christian Gross bislang einschätze, kann sich jeder seine Einsätze verdienen oder er sagt ihm klipp und klar, dass er keine Zukunft unter ihm haben wird. Dem Hitz konnte er aber, und das sicher gerechtfertigt, keine Einsätze garantieren, Chancen hätte er aber durchaus gehabt.

Doch zurück zum Spiel. Die beiden Trainer verfolgten das Geschehen auf dem Spielfeld jeweils im Stehen. Für uns war es ja auch ein Wiedersehen mit Zvoni Soldo, der 10 Jahre lang die Kickstiefel für den VfB geschnürt hatte und lange unser Kapitän war. Ihm möchte man ja in Köln Alles Gute wünschen, aber bitte nicht in diesem Spiel.

Christian Gross wie immer engagiert an der Seitenlinie

Auch Zvonimir Soldo verfolgt das Geschehen im Stehen

Im Kölner Strafraum ging es bereits in der Anfangsphase heiß her

Nach den ersten guten VfB-Chancen gaben auch die Kölner in Person von Novakovic ihre erste Duftmarke ab, der in einer 1:1-Situation am glänzend reagierenden Jens Lehmann scheiterte. Im Gegenzug dann fiel das 0:1 durch Cacau, als die Kölner noch über die vergebene Chance haderten. Vorausgegangen war dem Tor ein glänzendes Zusammenspiel auf der linken Seite von Hleb und Molinaro, der sich immer mehr zu einem Glücksgriff mausert. Mit Verlaub: wer fragt heute noch nach Ludovic Magnin? Die Kölner brauchten eine gute Viertelstunde, um sich vom Gegentreffer zu erholen und näherten sich nun mal wieder zaghaft dem VfB-Tor. Christopher Schorch aber vertändelte den Ball. Postwendend folgte der Konter, der zum 0:2 nach 31 Minuten führte. Cacau war schon auf und davon, verstolperte dann fast die Kugel, so dass er die Situation nur noch mit einem Distanzschuß retten konnte. Dabei schlenzte er den Ball aber technisch anspruchsvoll und sehenswert ins rechte Toreck. Im VfB-Sektor brachen daraufhin natürlich alle Dämme. Mit 2 Toren lagen wir auswärts in dieser Saison bislang nur in Frankfurt in Front, da waren wir aber nicht mit dabei. Das Spiel lief also ähnlich gut wie letzte Saison an gleicher Stelle, als wir durch 3 Gomez-Tore mit 3:0 gewannen. Danach profitierte Novakovic abermals von einem Stellungsfehler von Delpierre, auch hier bügelte Lehmann die Gefahr glänzend aus, danach scheiterte Gebhart mit einem satten Schuß an Mondragon.

In der 38. Minute machte Cacau dann seinen Hattrick perfekt, als nach einer Ecke der Ball über Schorch und Mondragon Cacau der Ball genau vor die Füße sprang. Die VfB-Fans waren jetzt natürlich völlig aus dem Häuschen und die Kölner bedient.

Cacau macht seinen Hattrick perfekt

Kein Protest, nur Teil einer Hüpfeinlage :-)

Dass den Kölner durch Schorch noch vor der Pause der Anschluß gelang, tat unserer guten Stimmung keinen Abbruch. Trotz teilweise guter Chancen der Kölner sah es nicht danach aus, dass der VfB noch einbrechen könnte.  Nach dem Seitenwechsel war Köln zunächst optisch überlegen und hatte einige Chancen. Sie waren aber entweder zu unpräzise oder fanden in dem fehlerfreien Jens Lehmann ihren Meister. Köln konnte es sich allerdings auch nicht leisten, kopflos nach vorne zu rennen, da der VfB stets präsent war und immer wieder Nadelstiche setzte. In der 65. Minute war dann der Arbeitstag von Aleks Hleb beendet. Auch er steigert sich seit dem Amtsantritt von Gross kontinuierlich, warum ein Fußballprofi aber keine Luft für 90 Minuten hat, erschließt sich mir nicht. Er wurde von dem wiedererstarkten Roberto Hilbert ersetzt, der prompt 4 Minuten später die Flanke zum vorentscheidenden 1:4, ausnahmsweise durch Pavel Pogrebnjak, schlug.

Cacau traf schließlich in der 74. Minute zum Endstand von 1:5. Sein erster Viererpack in der Bundesliga. Für den VfB war es der erste lupenreine Hattrick seit 1986, als dies Jürgen Klinsmann beim 0:7 in Düsseldorf gelang. Auch damals war ich schon dabei. :-) . Jetzt waren nicht nur die VfB-Fans aus dem Häuschen, jetzt waren auch die Kölner aus dem Stadion. Mit dem 1:4 begann eine Massenflucht, zum Schlußpfiff waren wir dann fast unter uns.

Hellseher?

Nach dem 1:5 war es dann mehr oder weniger ein Schaulaufen. Die Kölner hatten längst resigniert, der noch immer torhungrige VfB hätte sogar noch um das ein oder andere Tor höher gewinnen können. So ließ sich die Mannschaft natürlich nach Schlußpfiff feiern, vor allem Cacau wurde natürlich besungen. Er hat sich hoffentlich jetzt in die Mannschaft hineingespielt. In dieser Form wäre er eine Bereicherung für jede Bundesligamannschaft und so bleibt zu hoffen, dass sich beide Parteien in vernünftigem Rahmen auf eine Fortsetzung der Zusammenarbeit einigen können. Hervorzuheben ist aber auch die insgesamt gute Mannschaftsleistung. Lediglich Delpierre und mit zunehmender Spieldauer Hleb fielen hier ab, die besten beim VfB waren Lehmann und Cacau.

Nach dem Feiern der Mannschaft gingen wir hinunter, um die anderen wieder zu treffen. Den VfB-Sportshop hatten wir als Treffpunkt ausgemacht. Doch diese Rechnung hatten wir ohne die Kölner gemacht. Im Gegensatz zu vor dem Spiel war der Zugang zum Gästebereich mit Zäunen und Ordnern zugestellt. Wir, natürlich in voller VfB-Montur, sprachen dann einen Ordner an, der uns zu jemandem brachte, der uns Zugang zum Gästebereich verschaffen konnte. Also ganz freundlich das Personal dort, er wunderte sich selbst über die Organisation, indem er “tolle Fantrennung” murmelte. Schnell haben wir uns dann also wiedergefunden und machten uns auf den Weg zur Straßenbahn. Auf dem Weg dorthin kam uns dann ein Bierstand sehr gelegen, nachdem es im Stadion nur alkoholfreies Bier gab. Dort trafen wir dann noch Freunde aus dem Bierhexle und begossen erst einmal den Sieg.

Danach ging es mit der Straßenbahn zurück zur Kölner Altstadt. In der Pfaffen-Brauereigaststätte am Heumarkt aßen wir erst einmal etwas, danach gingen wir noch in die Bar Keks direkt in der Altstadt, wo es laute Musik und reichlich Kölsch gab. Hier gab es auch keine Fantrennung, Kölner und VfBler feierten gemeinsam.

Kurz vor 10 Uhr fuhr dann leider wieder unser Zug Richtung Heimat. Letztes Jahr hatten wir in Köln übernachtet, das wäre auch dieses Mal eine gute Wahl gewesen. So ging die Party eben im Zug weiter, der überwiegend von fröhlichen Schwaben bevölkert war.

Fröhliche Schwaben überall

Um 0.40 Uhr kamen wir planmäßig und vom langen Tag gezeichnet wieder in Stuttgart an. Es war ein klasse Tag mit einem Super-Auswärtssieg und guten Freunden. Kurz gesagt: PERFEKT!

Ein Bericht über das Barcelona-Spiel und den Ausblick auf Frankfurt folgt in Kürze.

Viele Grüße

Franky

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10. Februar 2010

Christian Träsch startet durch

Bescheidenheit ist eine Zier. Wenn die Leistung stimmt, muss das kein Nachteil sein. Dann geht es wie selbstverständlich nach oben – für Christian Träsch womöglich bis zur WM in Südafrika. Es wäre die Krönung eines aufregenden Jahres.

Christian Träsch hat viele Vorzüge. Er ist jung (22), unbekümmert, talentiert und ehrgeizig. Er kann links wie rechts in der Viererkette spielen, und seit Christian Gross die Roten trainiert, hat er sich im defensiven Mittelfeld etabliert. Nur Steilpässe sind keine Spezialität des gebürtigen Ingolstädters: “Da muss ich mich verbessern.”

Dabei ist seine ganze bisherige Karriere ein einziger Steilpass. Immer nach oben. Wo das enden könnte, ist vielen Beobachtern klar: in Südafrika, im WM-Kader von Bundestrainer Joachim Löw. “Christian war ja nicht ohne Grund neulich beim Leistungstest der Nationalmannschaft dabei”, sagt VfB-Manager Horst Heldt, “er macht einen exzellenten Job.”

So sehen das immer mehr Experten, allen voran Joachim Löw. “Das Lob ehrt mich”, sagt Träsch, “aber ehrlich gesagt habe ich das anfangs gar nicht mitbekommen.” Jetzt ist es unüberhörbar. Und dass der Bundestrainer neulich beim Spiel gegen Dortmund auf der Tribüne saß, war für Träsch bestimmt kein Nachteil. Da lieferte er ein Glanzstück ab und krönte seine Leistung mit dem Tor zum 4:1-Endstand. Damit hat er nach seinem Treffer gegen Unirea Urziceni in der Champions League schon zweimal getroffen – doppelt so häufig wie vergangene Saison. “Tore würde ich gerne mehr erzielen”, sagt Träsch und ruft sich dann selbst zur Ordnung: “Wichtiger ist es für mich, dass erst einmal die Defensive steht.”

In seiner Obhut sind die Gegner so sicher verwahrt wie in der Bank von England. Gross weiß Träschs Zuverlässigkeit ebenso zu schätzen wie seine unaufgeregte und unauffällige Art. Unter dem Schweizer sitzt sogar der Acht-Millionen-Einkauf Zdravko Kuzmanovic auf der Ersatzbank. Stattdessen spielt der Junge, der 2007 zum Schnäppchenpreis von 1860 München II zum VfB gekommen war, der erst unter Armin Veh, dann unter Markus Babbel als Verteidiger die rechte Seite beackert hatte und dem der Wechsel ins Mittelfeld nahtlos und mühelos gelungen ist. “Ich sehe es nicht so, dass ich Kuz verdrängt habe”, sagt Träsch, “der Trainer hat sich jetzt für Sami Khedira und mich entschieden. Aber ich sehe uns drei absolut auf Augenhöhe.” Schon morgen könne er wieder draußen sitzen. Und dann? “Dann muss ich neu angreifen”, sagt Träsch.

Zu rechnen ist damit nicht. Eher damit, dass er Sami Khedira im Sommer zur WM begleitet. “Ach”, sagt Träsch und winkt ab, “da gibt es so viele Konkurrenten.” Michael Ballack, Khedira, aber schon der formschwache Thomas Hitzlsperger ist fraglich, der verletzte Simon Rolfes noch mehr. “Mit der WM beschäftige ich mich nicht”, sagt Träsch. Er nimmt es, wie es kommt.

Und wenn die WM kommt, ist er vorbereitet – anders als vor einem Jahr. Da musste er seinen Spanien-Urlaub stornieren, weil ihn Löw zur Asien-Reise eingeladen hatte, wo er gegen die Arabischen Emirate (7:2) sein bisher einziges Länderspiel machte. Diesmal hat er erst gar keinen Urlaub gebucht.

(STN online 10.2.10)

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27. Januar 2010

22.1.2010: 1:0 im Derby, Marica sichert dritten Sieg für VfB

Eins, zwei drei – so kann es weitergehen. Mit dem dritten Bundesligasieg in Folge hat sich der VfB Stuttgart wieder ein kleines Stück vom Tabellenkeller abgesetzt. Ciprian Marica traf am Freitagabend zum 1:0 (1:0) beim SC Freiburg.

Mehr Erfahrung, mehr Qualität, mehr Engagement und die reifere Spielanlage: Die Vorteile lagen in diesem Derby gegen den Abstieg aufseiten des VfB, der das Spiel und den Gegner dann auch prompt dominierte. Dass es dennoch ein hartes Stück Arbeit wurde, lag an der mangelnden Konsequenz der Roten im Abschluss. “Da müssen wir zielstrebiger werden”, monierte Manager Horst Heldt, der nach der Pause mehr zittern musste, als ihm lieb war: Da konnte der VfB unter den Augen von Bundestrainer Joachim Löw nicht an seine starke Leistung vor dem Wechsel anknüpfen, baute ab und leistete sich zu viele Nachlässigkeiten.

Immerhin: Es reichte zum Sieg, weil Ciprian Marica in der 41. Minute goldrichtig stand. Nach einem Einwurf von Cristian Molinaro spielte Alexander Hleb den Ball in die Tiefe, Pawel Pogrebnjak legte quer auf den Rumänen, der zu seinem achten Bundesligatreffer vollendete. “Es war ein verdienter Sieg”, sagte Trainer Christian Gross, unter dem der VfB weiter ungeschlagen ist, “aber wir müssen uns weiter verbessern.”

Nach einer knappen Viertelstunde legte die Mannschaft alle Zurückhaltung ab. Erst prüfte Georg Niedermeier per Kopfball SC-Schlussmann Simon Pouplin, dann ging es Schlag auf Schlag.

14. Minute: Beim Freistoß tippte Alexander Hleb den Ball an, Pawel Pogrebnjak zog aus 18 Metern ab und zwang Pouplin zu einer Parade.

16. Minute: Roberto Hilbert trat den nächsten Freistoß, Marica verfehlte beim Kopfball das Tor aus zehn Metern knapp.

18. Minute: Dritter Freistoß in kürzester Zeit, Hleb schlug den Ball nach innen auf Niedermeier, doch dem Innenverteidiger strich die Kugel über den Kopf.

Drei gefährliche Standards, dreimal ohne Erfolg. Der VfB war das aggressivere Team, gab den Ton an und zwang dem Gegner sein Spiel auf. Pogrebnjak zog aus zehn Metern ab – übers Tor (28.). Freiburg konnte sich kaum befreien, nur Felix Bastians behielt die Übersicht: Sein Schuss strich am langen Eck vorbei ins Aus (30.), ebenso zwei Schussversuche von Daniel Caligiuri (34. und 37.).

Mit der Führung im Rücken drängten die Roten nach dem Wechsel weiter. Einen Schuss von Roberto Hilbert schlug Ömer Toprak in höchster Not von der Torlinie (48.). Und dann lag der Ball unvermittelt im Tor von Sven Ulreich, der nach überstandener Gehirnerschütterung fehlerfrei spielte. Nach Protesten des VfB erkannte Schiedsrichter Felix Brych den Treffer von Papiss Demba Cissé zu Recht ab – Kapitän Heiko Butscher hatte den Ball in Abseitsstellung ins Tor abgefälscht (62.). Für Freiburg war es das Zeichen zum Aufbruch. Der Absteiger rückte auf, ging hohes Risiko, der VfB dagegen schaffte nur noch wenig Entlastung: Niedermeier klärte gegen Bastians auf der Linie (76.). Dennoch hätte der VfB sogar fast mit 2:0 gewonnen: Marica erzielte sein zweites Tor (86.), hatte dabei aber das Bein zu hoch – Brych erkannte den Treffer wegen gefährlichen Spiels nicht an.

(STN online 22.1.10)

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