27. April 2010

Interview mit Alexander Hleb: “Ich will mit dem VfB Platz drei”

Der VfB Stuttgart ist die beste Rückrundenmannschaft in der Fußball-Bundesliga – und der wiedererstarkte Alexander Hleb hat einen wesentlichen Beitrag dazu geleistet. Das Selbstvertrauen des 28-Jährigen ist mittlerweile so groß, dass er sich mit einem Platz in der Europa League nicht zufriedengeben will.

Herr Hleb, Ihr Jahr beim VfB ist bald wieder vorbei. Ziehen Sie doch mal ein Fazit.

Es ist schnell gegangen. Aber noch ist es nicht so weit. Noch bin ich hier – und abgerechnet wird erst zum Schluss. Schließlich können wir noch einiges erreichen.

Sie treffen nun noch auf Bochum, Mainz und Hoffenheim. Was ist da das Ziel?

Nachdem wir schon die letzten fünf Spiele gewonnen haben, sage ich, wir wollen noch drei Siege. Das wäre eine schöne Serie.

Und dann?

Ich will den dritten Platz. Mit weniger möchte ich mich nicht zufriedengeben. Damit hätten wir das Vorjahresergebnis wiederholt und könnten erneut die Qualifikation zur Champions League bestreiten. Nach dem Verlauf der Hinrunde wäre das eine riesige Sensation. Die Chancen sind da. Wir geben alles und greifen an.

Der Rückstand auf Bremen und Leverkusen beträgt jedoch vier Punkte – und auch Dortmund hat drei Zähler mehr als der VfB.

Natürlich haben wir es nicht mehr selbst in der Hand, weil wir im Herbst viel verpasst haben. Da haben wir wichtige Punkte verloren, und das hängt uns nach. Deshalb müssen wir jetzt auf die anderen schauen. Aber wir können die Konkurrenten unter Druck setzen – und das werden wir auch.

Dazu würden Sie am Ende Ihres Engagements in Stuttgart wahrscheinlich auch gerne noch ein Tor schießen, nachdem Sie in dieser Bundesligasaison noch nicht getroffen haben?

Ja, am besten sogar das entscheidende Tor am letzten Spieltag. Das wäre ein Traum.

Haben Sie in der Realität eigentlich schon Ihre Koffer gepackt und den Möbelwagen bestellt für die Fahrt zu Ihrem neuen Club?

Dafür ist es noch zu früh. Ich wüsste ja noch nicht einmal, wohin ich den Möbelwagen schicken muss.

Vielleicht zu Inter Mailand oder zu Manchester City, die an Ihnen interessiert sind.

Jetzt warten wir mal die letzten drei Spiele ab. Dann muss ich zu meiner weißrussischen Nationalmannschaft. Anschließend mache ich dann Urlaub – und den Rest muss mein Berater für mich regeln.

Ist auch eine Rückkehr zum FC Barcelona möglich, wo Sie ja noch einen Vertrag bis zum 30. Juni 2012 haben?

Ich werde sogar auf jeden Fall zuerst wieder nach Barcelona gehen. Mein Berater ist mit den Leuten dort in Kontakt.

Inter Mailand und Manchester City haben Sie auch schon vor einem Jahr umworben. Warum haben Sie sich damals für den VfB entschieden?

In der Saison zuvor war ich in Barcelona oft verletzt und habe nicht so regelmäßig gespielt wie erhofft. Um wieder die nötige Sicherheit zu bekommen, wollte ich deshalb dahin, wo ich mich heimisch fühle und wo ich viele Freunde habe. Das gab für mich letztlich den Ausschlag.

Das dürfte auch jetzt ein Argument dafür sein, um Sie in Deutschland zu halten.

Natürlich kann ich mir das sehr gut vorstellen. Ich spreche die Sprache und bräuchte keine Eingewöhnungszeit. Außerdem gefällt mir die Bundesliga. Aber man muss sehen, was wird.

Fest steht, dass der VfB am Freitag in Bochum antritt. Können Sie sich noch an das Hinspiel erinnern?

Wir kassierten in der letzten Minute durch einen Freistoß das 1:1. Es gab Proteste der Fans – und es war der letzte Arbeitstag unseres Trainers Markus Babbel.

Unter dem Nachfolger Christian Gross ist der VfB die beste Rückrundenmannschaft. Wie erklären Sie sich den Wandel?

Wir haben auch gekämpft, als Markus Babbel noch da war. Aber damals fehlte uns das nötige Glück. Glück ist ein wichtiger Faktor. Denken Sie nur daran, wie sich der FC Bayern kürzlich in der Champions League gegen Florenz durchgesetzt hat. Oder an den Sieg von Inter jetzt gegen Barça.

Gibt es neben dem Glück noch weitere Unterschiede zwischen dem VfB im Herbst 2009 und dem VfB im Frühling 2010?

Ja, den neuen Trainer. Christian Gross hat uns gutgetan. Er ist ein gewiefter Taktiker und lebt total für den Fußball. Jetzt funktioniert wieder alles in der Mannschaft. Das Selbstvertrauen ist wieder da.

Das überrascht, weil Sie von Gross anfangs in jedem Spiel ausgewechselt wurden und darüber nicht glücklich waren. Wie ist das Verhältnis heute?

Wir mussten uns eben zunächst aneinandergewöhnen. Inzwischen ist es viel besser geworden und ganz normal. Schließlich wollen wir beide dasselbe: Erfolg. Christian Gross weiß ganz genau, warum er nach Stuttgart gekommen ist – nicht allein, um den Abstieg zu verhindern. Er kann sich hier nach oben orientieren und jedes Jahr in die Champions League kommen.

Wenn Sie zurückblicken – haben Sie in dieser Saison auch Fehler gemacht?

Das ist keine Frage. Vielleicht war ich aus meiner Zeit in Barcelona und Arsenal ein bisschen verwöhnt. Da konnten wir auf dem Platz die meisten Probleme mit spielerischen Mitteln lösen. Hier beim VfB funktioniert das nicht immer. Da muss man auch viel kämpfen und rennen, von vorne nach hinten und von hinten nach vorne. Das habe ich womöglich ein wenig unterschätzt. Ich hätte mehr Gas geben und mich vielleicht mehr in die Mannschaft einbringen müssen.

Welche Perspektiven hat der VfB?

Wenn es gelingt, die Mannschaft weitgehend zusammenzuhalten und noch punktuell zu verstärken, ist immer ein Platz in der Champions League drin. Dann kann der VfB sogar mit den Bayern mithalten. Wenn man an Spieler wie Ribéry, Robben, Gomez oder Olic denkt, ist dort die Qualität zwar vielleicht noch etwas höher, anscheinend sind die Bayern auch stabiler als wir, aber gravierend sind die Unterschiede nicht.

Wie wichtig wäre es für die Entwicklung des VfB, Sami Khedira und Cacau zu halten?

Sami muss meiner Meinung nach sowieso bleiben. Ich denke, er braucht noch zwei Jahre, bis er reif ist für einen Wechsel zu einem noch größeren Verein. Wenn er diesen Schritt jetzt schon macht, glaube ich, käme das noch zu früh.

Und Cacau?

Er fühlt sich mit seiner Familie wohl in Stuttgart. Der VfB sollte auf jeden Fall versuchen, ihn zu halten.

Sie verlassen den VfB definitiv. Wen empfehlen Sie dem Club als Nachfolger?

Franck Ribéry oder Cristiano Ronaldo wären nicht schlecht. Im Ernst: ich bin zuversichtlich, dass der Verein den richtigen Spieler findet.

(STZ 23.4.2010)

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Schulden machen verboten

Die Zeit läuft. Bis Ende dieses Monats muss der VfB Stuttgart entscheiden, ob er bereit ist, die für Cristian Molinaro (26) festgelegte Ablöse von vier Millionen Euro an Juventus Turin zu überweisen. Am 30. April erlischt das Vorkaufsrecht, das der Club für den Verteidiger erworben hat. Der VfB ist von Molinaro sportlich überzeugt. Deshalb soll die Option auch in Anspruch genommen werden. Doch dazu muss der Verein die letzten Cent zusammenkratzen – und selbst dann ist nicht sicher, dass es reicht. Das scheint verwunderlich, auf den ersten Blick.

Die Rechnung, die momentan im VfB-Umfeld kursiert, ist einfach. Man nehme 35 Millionen Euro, die vor knapp einem Jahr der Verkauf von Mario Gomez an den FC Bayern gebracht hat. Hinzu kommen noch rund 20 Millionen Euro aus der Champions League. Das ergibt 55 Millionen. Noch nicht mal berücksichtigt ist dabei, dass in der Winterpause fünf Spieler (Thomas Hitzlsperger, Yildiray Bastürk, Ludovic Magnin, Jan Simak und Elson) abgegeben und von der Gehaltsliste gestrichen werden konnten. Fertig ist das Ergebnis. Es heißt: der VfB schwimmt im Geld und müsste doch locker in der Lage sein, Molinaro zu verpflichten und auch den Vertrag von Cacau zu deutlich höheren Bezügen zu verlängern. Aber auf den zweiten Blick ist das eine Milchmädchenrechnung.

Denn die Millionen aus der Champions League wurden längst reinvestiert. Fast die Hälfte verschlang alleine das Leihgeschäft mit Alexander Hleb: sieben Millionen Euro Gehalt plus Gebühr an Barcelona. Die anderen 50 Prozent aus der Königsklasse benötigte der VfB für Spielerprämien und für die Transfers von Zdravko Kuzmanovic (acht Millionen) und Stefano Celozzi (zwei Millionen), wobei damit die Gage dieser beiden Spieler noch nicht mal gedeckt ist.

Ohne Champions League fehlt viel Geld

Weiter blieben von den 35 Gomez-Millionen nach Abzug aller Steuern höchstens 20 Millionen übrig. Dafür verpflichtete der VfB zuerst Pawel Pogrebnjak (fünf Millionen) und danach auch Georg Niedermeier (2,5 Millionen) sowie den zwar ablösefreien Christian Gentner, der aber ein stattliches Handgeld kassieren wird. Außerdem flossen einige Millionen in die Verbesserung der Infrastruktur auf dem Clubgelände, wo nicht nur die Trainingsplätze auf Vordermann gebracht wurden. Der VfB renovierte auch den kompletten Kabinentrakt, was ebenfalls über den Sportetat gestemmt werden musste.

Daneben wurden auch noch Verträge beispielsweise mit Serdar Tasci und Sven Ulreich verlängert – zu wesentlich besseren Konditionen für die Spieler. Ohnehin gehört der VfB mit seiner Lohnpolitik zur absoluten Spitzengruppe in der Bundesliga und rangiert da wohl mit dem FC Schalke gleich hinter dem FC Bayern. Zu finanzieren ist das nur über die Champions League. “Darauf war unser Kader ausgerichtet”, sagt der Manager Horst Heldt, “aber diese Einnahmen werden wir in der nächsten Runde wahrscheinlich nicht mehr haben. Da ist klar, dass das Gehaltsniveau angepasst werden muss.”

Nachdem der VfB in den vergangenen sieben Jahren stets einen Gewinn verbuchen konnte, führt die Entwicklung jetzt dazu, dass für 2010 ein Minus in der Kasse droht – was auch nur leicht gemildert werden könnte, wenn sich die Mannschaft für die Europa League qualifiziert. Denn von den Verdienstmöglichkeiten her ist dieser Wettbewerb mit der Königsklasse nicht zu vergleichen. Die Fixsumme in der Gruppenphase der Europa League beträgt lediglich 900000 Euro. In der Runde der letzten 32 Teams gibt es 180000 Euro, im Achtelfinale 270000, im Viertelfinale 360000 und im Halbfinale 630000 Euro. Der Endspielverlierer erhält dann immerhin zwei Millionen, der Sieger noch eine Million mehr.

Keinesfalls neue Schulden

Große Sprünge sind da nicht drin, zumal 2010 nur die Gruppenphase stattfindet. Nur diese 900.000 Euro wären also für die Bilanz relevant. “Die neue Saison wird wirtschaftlich schwieriger als die letzte – selbst wenn ich unterstelle, dass wir in die Europa League kommen”, sagt der VfB-Aufsichtsratschef Dieter Hundt.

Sein Gremium ist in erster Linie dazu da, die Finanzen zu kontrollieren. “Wir werden uns nicht in einzelne Personalien einschalten, aber es ist unsere Pflicht, Vorgaben fürs Budget zu machen – und die müssen vom Vorstand eingehalten werden”, sagt Dieter Hundt, für den die unumstößliche Grundregel lautet, dass Schulden zu vermeiden sind. Dieses Leitmotiv stammt aus den kritischen Phasen des Vereins, den vor acht Jahren noch Verbindlichkeiten von fast 16 Millionen Euro schier erdrückten. “Wir werden unser Prinzip eisern aufrechterhalten, wonach wir nicht mehr ausgeben als wir einnehmen”, sagt Dieter Hundt. Das ist dann in der Tat eine ziemlich einfache Rechnung.

(STZ 20.4.2010)

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19. April 2010

2:1 gegen Leverkusen: Cacau rettet den VfB Stuttgart

Nach einem Kraftakt hat der VfB gegen Bayer Leverkusen mit 2:1 gewonnen. Jetzt ist die Chance groß, in den letzten drei Saisonspielen einen Platz in der Europa League zu erreichen.

Spielverlauf:

Der VfB bemühte sich von Anfang an, Tempo ins Spiel zu bringen, und kam schon nach drei Minuten zu seiner ersten Chance. Gebhart schaffte es jedoch nicht, eine Flanke von Molinaro unter Kontrolle zu bringen. Aber auch Bayer versteckte sich nicht und bewies, warum die Mannschaft den dritten Platz belegt. Einen Schuss von Kroos konnte Lehmann nur mit Mühe parieren (9.). So entwickelte sich zwischen den beiden spielstarken Teams eine ausgeglichene Partie, wobei Leverkusen zumeist abgeklärter wirkte. Der Lohn: der Torjäger Kießling brachte seine Elf mit seinem 19. Saisontreffer in Führung (13.). Dem VfB war das Fehlen der Leistungsträger Khedira und Hleb anzumerken, die noch nicht ganz fit waren und zunächst auf der Ersatzbank saßen.

Die Karten wurden allerdings wieder neu gemischt, als der Leverkusener Barnetta wegen wiederholten Foulspiels die Gelb-Rote Karte sah (19.). Doch trotz der zahlenmäßigen Überlegenheit hatte der VfB weiter Probleme – und Glück, dass ein Kroos-Freistoß das Gehäuse knapp verfehlte (25.). Dann genügte aber eine starke Aktion von Molinaro, um zum Ausgleich zu kommen. Die Vorarbeit des Italieners verwertete Cacau (29.). Kadlec verpasste es, Bayer erneut in Führung zu bringen (45.).

In der Pause reagierte der VfB-Trainer Christian Gross und wechselte Khedira ein. In der Tat wurden die Aktionen anschließend etwas schwungvoller. Nach einem schönen Khedira-Pass scheiterte Cacau (49.). Die Mannschaft war nun spritziger und aggressiver als zuvor, so dass Bayer unter Druck geriet. Kuzmanovic fand in Adler seinen Meister (63.). Auf der Gegenseite verzog Kießling (69.), ehe Gebhart und Träsch bei einer Doppelchance des VfB Pech hatten (70). Dann rettete Lehmann gegen Reinartz (77.). Für die Erlösung sorgte acht Minuten später Cacau mit dem Siegtreffer zum 2:1. Es war der elfte Saisontreffer des 29-Jährigen.

Die entscheidende Szene:

In der 19. Minute setzte Marica zu einem Alleingang an, den Barnetta nur durch ein Foul stoppen konnte. Weil der Schweizer bereits verwarnt war, musste er vom Platz. Gegen zehn Leverkusener war es für den VfB dann viel einfacher.

Die besten VfB-Spieler:

Cristian Molinaro, der in der Defensive sicher wirkte und viele Akzente im Spiel nach vorne setzte. Der Italiener präsentiert sich seit Wochen in ausgezeichneter Form. Cacau war stets gefährlich und erzielte nicht von ungefähr beide Tore.

Der Kommentar:

Wenn der VfB die Frühjahrsmüdigkeit aus der ersten Halbzeit in den letzten drei Saisonspielen ablegt, hat die Mannschaft allerbeste Chancen, zumindest den sechsten Platz zu belegen und sich für die Europa League zu qualifizieren. Dass das Potential dafür vorhanden ist, zeigte sich trotz der teilweise durchwachsenen Vorstellung auch gegen Leverkusen.

VfB Stuttgart:Lehmann – Celozzi (46. Khedira), Tasci, Delpierre, Molinaro – Träsch, Kuzmanovic, Gebhart (72. Pogrebnjak), Hilbert (60. Hleb) – Marica, Cacau Bayer

Leverkusen:

Adler – Castro (20. Sarpei), Friedrich, Hyypiä, Kadlec (90.+1 Helmes) – Reinartz, Vidal, Kroos, Barnetta – Kießling, Derdiyok (78. Bender)

Die Tore

: 0:1 Kießling (13.), 1:1 Cacau (29.), 2:1 Cacau (85.)

Schiedsrichter:

Gräfe (Berlin)

Zuschauer:

41.500 (ausverkauft)

Gelbe Karten:

Cacau (6), Delpierre (6), Marica (7) / Sarpei (1) Gelb-Rote Karten: – / Barnetta (19./wiederholtes Foulspiel) Beste Spieler: Cacau, Delpierre / Derdiyok, Hyypiä

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17. April 2010

Jupp Heynckes im Interview: “VfB gehört unter die ersten fünf”

Category: Der nächste Gegner — Tags: , , , , , , , , – Franky @ 05:08

Jupp Heynckes (64) hat alles gewonnen, was es im Fußball zu gewinnen gibt. Als Spieler wurde er Weltmeister, Europameister und mit Borussia Mönchengladbach viermal deutscher Meister. Als Trainer holte er mit dem FC Bayern München zweimal den Titel und triumphierte mit Real Madrid sogar in der Champions League. In dieser Saison hat er Bayer Leverkusen zu einem Spitzenteam geformt.

Vor dem Gastspiel am Sanstag beim VfB Stuttgart spricht Jupp Heynckes über…

…die Marke VfB:

“Das ist ein Traditionsverein, der zur Bundesliga gehört wie Mercedes zu Stuttgart. Der VfB stand schon immer für attraktiven Fußball und hatte Spitzenspieler und Nationalspieler in seinen Reihen. Der Club hat überall einen guten Ruf, auch im Ausland. Das konnte ich feststellen, als ich in Spanien war. Der VfB war und ist einer der führenden Clubs – und das zieht sich ja auch jetzt wieder wie ein roter Faden durch diese Rückrunde.”

…die Partie am Samstag:

“Das Kräfteverhältnis ist ganz anders als im November, als wir mit 4:0 gewonnen haben. Damals war der VfB nicht gut beieinander. Inzwischen hat sich jedoch wieder eine Mannschaft herausgebildet, die schwungvoll und leidenschaftlich auftritt – und erfolgreich ist. Mit seinem Kader gehört der VfB normalerweise sowieso zu den fünf besten Teams in der Bundesliga – und er hat die Chance, das auch in dieser Saison zu erreichen.”

…Christian Gross:

“Die Handschrift von ihm ist deutlich zu sehen. Seitdem er beim VfB ist, geht es wieder aufwärts. Er hat seinen Charakter und seine Persönlichkeit eingebracht. So ist er eine Bereicherung für die ganze Bundesliga, für die es wichtig ist, viele gute Trainer zu haben, um international bestehen zu können.”

…Markus Babbel:

“Er war einst in München mein Spieler. Man darf nicht vergessen, dass er den VfB vor einem Jahr auf den dritten Platz und in die Champions League geführt hat. Das war ein riesiger Erfolg. Aber dann musste er seinen Trainerschein machen und war nicht immer vor Ort. Eine Fußballmannschaft ist jedoch ein sehr sensibles Konstrukt. Wenn man da als Trainer nicht jeden Tag anwesend ist, kann das meiner Meinung nach gar nicht funktionieren. Das ist schade, denn Markus Babbel ist ehrgeizig und kompetent. Deshalb bin ich mir auch sicher, dass er bald wieder in die Bundesliga zurückkehren wird.”

…Bayer Vizekusen:

“Das ist so eine Floskel und wenig kreativ. Wenn wir tatsächlich Zweiter würden, was wahrscheinlich nicht passiert, wäre das ein Riesenerfolg. Da muss man die Kirche im Dorf lassen. Das Problem ist, dass das Anspruchsniveau im Umfeld hier zuletzt ins Uferlose ging. Dabei lautete vor der Saison das Ziel, dass wir die Europa League erreichen wollen – wenn alles gut geht. Man muss sehen, wie viele junge Spieler wir haben, die vor einem Jahr teilweise noch in der zweiten Liga waren. Da sind Formschwankungen normal. Das muss man ganz nüchtern betrachten.”

…Kevin Kuranyi:

“Ich möchte mich nicht unter die vielen Experten einreihen, die dem Bundestrainer Joachim Löw da Ratschläge geben. Es war immer so, dass vor einer WM heiß diskutiert wurde, wer nominiert werden soll. Joachim Löw wird wissen, welche Spieler in sein System passen und auf wen er sich verlassen kann.”

…die WM-Chancen

“Wenn die Bayern das Champions-League-Finale erreichen, fallen diese Spieler bis nach dem 22. Mai für die WM-Vorbereitung aus. Das wäre ein Problem, zumal wir immer von einer guten Vorbereitungsphase lebten. Wenn aber alle beim DFB an einem Strang ziehen, bin ich so oder so überzeugt, dass wir uns in Südafrika ordentlich präsentieren und die entsprechenden Ergebnisse abliefern.”

…die eigenen Ambitionen:

“Ich hätte schon zwei- oder dreimal die Gelegenheit gehabt, Bundestrainer zu werden, aber ich bevorzuge die tägliche Arbeit mit den Spielern und habe gern mein Ohr am Puls der Mannschaft. Das hält auch jung.”

…Real Madrid:

“Das Wort ,stolz’ benutze ich ungern. Lieber verwende ich ,glücklich’. Ich bin heute noch glücklich, dass ich mit Real 1998 die Champions League gewonnen habe. Es war sehr schwierig, denn darauf war alles fokussiert. Madrid war etwas ganz Besonderes.”

…die Erwartungen für Samstag:

“Ich denke, wir werden alles sehen, was den Fußball so attraktiv macht. Da treffen zwei offensive und spielstarke Mannschaften aufeinander. Schön wäre es, wenn am Ende alle zufrieden sind.”

(STZ 16.4.10)

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Die nächste Saison: Der VfB steht vor einem Umbruch

Category: Presse — Tags: , , , , , , , , , , , , , – Franky @ 05:01

Der 1:0-Sieg von Berlin ist zwar eine fußballerisch weitgehend fade Angelegenheit gewesen. Doch das Spiel förderte neben den drei wichtigen Punkten im Kampf um einen Europa-League-Platz auch einen interessanten Zukunftsaspekt zutage. Selten ist deutlicher geworden, auf welchen Positionen beim VfB Stuttgart der Schuh drückt: Dem Meister von 2007 fehlt es vor allem an der Durchsetzungskraft in der Offensive und im Spiel über die Außen, während die Abwehr erneut gut stand. Nur 16 Gegentore hat der VfB in 15 Bundesligaspielen unter dem Trainer Christian Gross zugelassen.

“Das Management arbeitet eifrig an der Zusammenstellung des Kaders für die neue Saison”, sagt Christian Gross, “aber jetzt ist nicht der Zeitpunkt, sich über Personalien zu äußern. Wir müssen erst diese Runde zu Ende spielen.” Klar ist allerdings, dass sich der Coach in die Planungen des Managers Horst Heldt mit einbringt. Öffentliche Äußerungen vermeidet Gross aber vor allem deshalb, weil er keinen seiner Profis verprellen will, indem er ihm nun schlechte Zukunftsaussichten bescheinigt.

Sicher ist bis jetzt, dass neben Jens Lehmann (Karriereende) auch Alexander Hleb (zurück nach Barcelona oder zu Manchester City?) und Ricardo Osorio (wohl zum FC Villarreal) sowie Cacau den Verein verlassen werden. Nachdem der Stürmer ursprünglich in der Bundesliga bleiben wollte, deutet jetzt vieles auf das Ausland hin. Der AC Mailand und der FC Sevilla sollen interessiert sein – wobei Cacau bei solchen Hochkarätern befürchten müsste, dass er nicht Stammspieler ist. Unabhängig davon steht der VfB vor einem Umbruch.

Der Torwart:

Der Plan sieht Sven Ulreich als Nummer eins vor. Allerdings will der VfB noch abwarten, wie schnell sich der Torhüter von seiner Verletzung (Bruch des Wadenbeinköpfchens) erholt. Dazu soll ein erfahrener Ersatz verpflichtet werden – wohl der Ex-Stuttgarter Marc Ziegler, der in Dortmund unter Vertrag steht. Das bedeutet, dass Alexander Stolz keine guten Perspektiven hat. Sofern es ein attraktives Angebot gibt, verlässt er den VfB – aber nicht zum Karlsruher SC, wie verschiedentlich spekuliert wurde. Dort spielt bereits Jean-François Kornetzky – und der hat in Ronny Zeller den gleichen Berater wie Stolz. “Ich würde nie zwei meiner Leute zu einem Club vermitteln, sonst hätte ich meinen Beruf verfehlt”, sagt Zeller.

Die Abwehr:

Da sind alle Spieler noch länger gebunden – außer Cristian Molinaro, der von Juventus Turin ausgeliehen ist. Allerdings besitzt der VfB ein Vorkaufsrecht, das nach StZ-Information jedoch am 30. April endet. Spätestens bis dahin muss der Club erklären, ob er die festgelegte Ablöse von vier Millionen Euro an Juve überweist. Wenn nicht, können andere Vereine mitbieten. Molinaro selbst will in Stuttgart bleiben. “Alles liegt am VfB”, sagt sein Berater Uli Ferber.

Das Mittelfeld:

Dass der Vertrag von Roberto Hilbert verlängert wird, ist unwahrscheinlich. Weil auch Hleb geht, gibt es Veränderungen auf den Außenbahnen. Der aus Wolfsburg zurückgeholte Christian Gentner könnte zwar die linke Seite besetzen, aber er spielt lieber in der defensiven Zentrale. Dort könnte auch ein Platz frei werden, wenn Sami Khedira abwandert. Die Gespräche mit ihm laufen, doch der VfB rechnet insgeheim inzwischen nicht mehr damit, dass Khedira vor der WM entscheidet, ob er seinen 2011 auslaufenden Vertrag verlängert oder nicht.

Der Angriff:

Kein Thema sind Kevin Kuranyi (FC Schalke), Paolo Guerrero (Hamburger SV), Miroslav Klose (FC Bayern) und Lukas Podolski (1. FC Köln), die sportlich oder finanziell nicht ins Konzept passen, im Gegensatz zu Adrian Ramos (Hertha BSC) und Albert Bunjaku (1. FC Nürnberg). “Ein Spieler wird sich immer damit befassen, wenn er von Nürnberg nach Stuttgart wechseln könnte”, sagt dessen Berater Karl Herzog. Womöglich greift aber auch eine andere Variante. Nach den positiven Erfahrungen mit Molinaro überlegt der VfB, ob er einen Stürmer ausleihen soll. Das hätte den Vorteil, dass der Club an eine größere Hausnummer herantreten könnte als bei einer Festverpflichtung. Die Spur würde dann ins Ausland führen.

(STZ 13.4.10)

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