28. Juli 2010

Bobic ist neuer Sportdirektor

Der VfB sollte sich so langsam einmal die IHK-Plakette mit der Aufschrift “Hier wird ausgebildet” besorgen und sie an die Glastür des Vereinszentrums kleben. Der Stuttgarter Bundesligist eröffnet nämlich nicht nur jungen Fußballern beste Berufsaussichten, sondern seit geraumer Zeit auch Managern. Auf Horst Heldt, der beim VfB die Chance erhalten hatte, sich in dieser Position zu profilieren, folgt nun das unbeschriebene Managerblatt Fredi Bobic. Bisher hat Bobic lediglich in Bulgarien erste Erfahrungen als Sportchef gesammelt. Doch der Mut zum Risiko ist beim VfB-Präsidenten Erwin Staudt und dessen Vorstandskollegen Ulrich Ruf nicht so ausgeprägt, wie es diese Personalie auf den ersten Blick vermuten lässt.

Die Vereinsführung kann darauf bauen, dass ein noch unerfahrener Manager einfacher steuerbar ist als ein arrivierter Vertreter dieser Zunft. Der ehemalige VfB-Stürmer Bobic dürfte dem Club zunächst einmal dankbar dafür sein, die große Chance seines zweiten Berufslebens erhalten zu haben. Eine Konstellation, die zunächst Ruhe verspricht – das ist keine schlechte Basis.

Bobic, als Spieler bekannt für seine deutlichen Worte (“Schiedsrichter, du blinde Bratwurst”), wird sich künftig deutlich diplomatischer ausdrücken, loyal verhalten und hoffen, dass er irgendwann in den Vorstand aufrückt. Selbst diese weitere Beförderung hatte Horst Heldt als Zeichen der Wertschätzung aber nicht genügt. Er wanderte zum FC Schalke ab. Sollte auch Fredi Bobic einmal solch ein lukratives Angebot bekommen, dann hätte er eine sehr ordentliche Arbeit als Manager abgeliefert – und der VfB als Ausbildungsbetrieb.

(STZ 27.7.10)

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2. Juli 2010

Interview mit VfB-Trainer Christian Gross

“Ich bin schon etwas enttäuscht”

St. Moritz – Mit viel Elan stimmt der Trainer Christian Gross den VfB in St. Moritz auf die neue Saison ein. Allerdings musste der 55-Jährige auch einen Rückschlag hinnehmen: “Ich bin schon etwas enttäuscht”, sagt Gross zum bevorstehenden Abgang des Managers Horst Heldt.

Herr Gross, mit einer Canyoningtour, einem Museumsbesuch und gemeinsamen Ausfahrten mit dem Moutainbike steht der Teamcharakter im Trainingslager im Vordergrund. Welche Ziele verfolgen Sie in St. Moritz?

Wissen Sie, ich beobachte die Mannschaft sehr genau, denn wir müssen uns nach einer erfolgreichen Rückrunde wieder neu finden. Wer ist bereit, dem anderen auch in einer Extremsituation zu helfen – wer zieht den anderen mit? Das sind Fragen, die mich beschäftigen. Denn auch später auf dem Platz müssen die Spieler bereit sein, für den Kollegen den extremen, den schmerzhaften Weg zu gehen.

Die Spieler sagen, sie hätten eine neue Seite an Christian Gross kennen gelernt.

Während eines Bundesligaspiels bin ich an der Außenlinie oder bei den Interviews nach dem Schlusspfiff immer sehr konzentriert. Da wirke ich vielleicht unnahbar. Denn gerade nach den Spielen ist die richtige Wortwahl sehr wichtig. Ein Trainer sollte aber vor allem stets authentisch auftreten – und das tue ich.

Die Schweizer Bergwelt scheint allerdings ihre lockere Seite zu stimulieren. Oder ist das alles nur Taktik?

Nein. Diese Woche in St. Moritz dient der Einstimmung. Die klaren Zielvorgaben an die Spieler kommen später – in der heißen Phase vor der Qualifikationsrunde zur Europa League. Zunächst will ich, dass die Spieler – und hierbei gerade die Neuen – sich so einbringen wie sie sind. Sie sollen positive Impulse geben. Und da ist es hilfreich, wenn auch der Trainer lockerer ist und sie nicht gleich einschränkt.

Das Konzept scheint aufzugehen. Die Spieler sind vom Verlauf bisher angetan.

Ich bin jemand, der von innen heraus sehr positiv gepolt ist. Das will ich dann an meine Spieler weiter geben. Meine Spieler sollen hinterher sagen können: Ja, es hat sich gelohnt, Fußballprofi zu werden.

Meinen Sie, die Vorgaben kommen an?

Ich sehe es manchmal in den Augen eines Spielers, die mir sagen: Jetzt verlangt er zu viel von mir. Doch grundsätzlich versuche ich, die anderen mitzureißen, denn ich bin begeistert von dem, was wir tun. Ich selbst hatte das Glück, dass mich meine Eltern immer sehr gefördert haben. Und auch im Verlauf einer erfolgreichen Profikarriere braucht es jemanden, der einen fördert. Ich will meine Spieler positiv beeinflussen. Das ist mir sehr wichtig.

Dazu kommen Sie gerne in Ihre Schweizer Heimat – immer wieder ins Oberengadin.

Es gibt bestimmt einige, die sich fragen: Wieso kommt der denn ständig hierher? Fällt dem nichts Besseres ein? Aber diese Gegend ist nun mal sehr energiegeladen. Das Licht ist sehr speziell – und das ganze Ambiente hier gibt Kraft.

Die werden Sie und ihr Team für eine lange Saison auch brauchen. Fühlen Sie sich in Stuttgart angekommen?

Die Spieler kennen mich und wissen, dass ich großen Wert auf das Resultat lege und darauf, dass wir möglichst kein Gegentor bekommen. Ich will ein Team sehen, dass ballorientiert verteidigt, dass sich unterstützt, wir müssen schnell von Angriff auf Abwehr umschalten.

Das bedeutet, der VfB vollzieht einen Umbruch?

Die Mannschaft wird in der Tat ein neues Gesicht haben. Jens Lehmann ist nicht mehr da, der das Team in den vergangenen zwei Jahren sehr geprägt hat. Im zentralen Mittelfeld und in der Verteidigung sind wir, wenn alle da sind, recht gut bestückt. In der Offensive wünsche ich mir viel Variabilität. Dabei war gerade die Verlängerung mit Cacau wichtig, da wir mit ihm taktisch flexibel sind. Er interpretiert die Rolle der zweiten Sturmspitze hervorragend. Auf den Außenpositionen wünsche ich mir noch zwei offensive Mittelfeldspieler.

Welche Spieler sehen Sie besonders in der Verantwortung?

Ich freue mich auf Spieler wie Christian Gentner, der viel Erfahrung und Persönlichkeit mitbringt. Wir brauchen eine gute Mittelachse, etwa mit dem jungen Torhüter Sven Ulreich sowie mit Matthieu Delpierre in der Innenverteidigung. Im zentralen Mittelfeld besitzen wir viele Spieler, die eine Führungsrolle einnehmen können. Christian Träsch etwa, der eine sehr hohe Präsenz hat.

Sie haben in Ihrer Aufzählung Serdar Tasci und Sami Khedira ausgelassen. Kann es sein, dass die beiden Nationalspieler den Verein noch vor dem Saisonstart verlassen?

Die Gefahr besteht.

Der Sportdirektor Jochen Schneider sagte, Khedira habe ihm gegenüber erklärt, er werde auf jeden Fall noch ein Jahr beim VfB spielen.

Ich werde mich grundsätzlich nicht in die Überlegungen des Managements einmischen. Die Philosophie des Vereines ist, mit jungen Spielern zu arbeiten. Doch nur mit jungen Spielern allein geht es nicht. Deshalb muss man auch wirtschaftliche Überlegungen anstellen – so wie im Vorjahr beim Verkauf von Mario Gomez. Das Management hat erklärt, dass wir nur neue Spieler kaufen können, wenn wir auch Transfererlöse erzielen. Und es würde unheimlich wehtun, wenn Sami Khedira im nächsten Sommer nach Ende seines Vertrages ablösefrei gehen würde.

Das bedeutet, man könnte jetzt das Geld eines möglichen Khedira-Transfers nehmen, um es in neue Außenspieler zu investieren.

Das werden wir sehen. Aber eines ist mir auch sehr wichtig: Ich halte sehr viel von Sami Khedira, er ist ein großartiger Spieler. Und ich glaube er wird nur zu einem internationalen Topclub wechseln. Doch wenn so einer anklopfen sollte, könnte für beide Seiten der Fall eintreten, über so einen Transfer nachzudenken.

Bei Serdar Tasci sieht es ähnlich aus.

Serdar hat sich mir gegenüber immer sehr positiv über den VfB geäußert, auch wenn ich in der vergangenen Rückrunde sehr hart mit ihm war. Aber ich weiß, dass er noch besser spielen kann.

Nach dem möglichen Abschied von Horst Heldt ist im Management eine Vakanz entstanden. Werden Sie sich stärker einbinden?

Ich bin neu hier beim VfB – und ich stelle da keine Ansprüche. Ich habe mir in diese Richtung keine Gedanken gemacht. Wir haben mit Jochen Schneider einen hervorragenden Mann im Management.

Hat Sie der Abgang von Horst Heldt befremdet?

Ich spreche jetzt als Trainer – und sage: Ich selbst habe alle Verträge, die ich unterschrieben habe, auch eingehalten. Horst Heldt hat vor einem Jahr bis 2013 verlängert. Und ich empfand ihn während der Saison nicht so, dass er frustriert war.

Traf Sie sein Entschluss unvorbereitet?

Ich war sehr überrascht. Wobei man sagen muss, dass bei einem Wechsel eines Trainers oder Managers im Profifußball das richtige Timing stets mit zum Schwierigsten zählt. Ich bin aber schon etwas enttäuscht, das gebe ich zu. Denn Horst Heldt und ich haben sehr erfolgreich zusammen gearbeitet. Es waren gute sechs Monate.

(STZ online)

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26. Juni 2010

Horst Heldt vor dem Absprung

Auf der gestrigen Pressekonferenz ließ Christian Gross die Bombe platzen: Horst Heldt verlässt den VfB mit sofortiger Wirkung in Richtung Schalke 04 zu seinem Ziehvater Felix Magath und würde sich noch am gestrigen Freitag von der Mannschaft verabschieden. Laut VfB-Pressemeldung habe sich am Vertragsverhältnis zwischen dem VfB Stuttgart und Horst Heldt jedoch noch nichts geändert. Nach einem Bericht der Bild-Zeitung reagierte der VfB-Präsident daraufhin auch etwas verschnupft aufgrund des Vorpreschens von Christian Gross. Über dessen Beweggründe kann ich nur mutmaßen, dass er möglicherweise Angst hat vor einem entstehenden Vakuum in einer Zeit, in der ein Manager eines Bundesligavereins eigentlich den Kader der anstehenden Saison zusammenzustellen hat. Wie meistens dürfte es hier nur noch ums Geld gehen, die Tatsache, dass Heldt den VfB verlässt, aber unwiderruflich feststehen. Herr Gross wird auch schon mitbekommen haben, dass schnelle Entscheidungen nicht die Sache des VfB-Vorstands sind. Daher sehe ich dies eher als eine Art des Wachrüttelns, um in dieser Phase der Kaderplanung keine wertvolle Zeit ungenutzt verstreichen zu lassen.

Herr Heldt fühlt sich also vom VfB unterbezahlt und nicht genügend wertgeschätzt. Den Vorwurf der mangelnden Wertschätzung hat er sich wohl von Cacau abgeschaut, der mit ähnlichen Worten seinen angekündigten Abschied begründete. Diese Argumentation konnte ich aber noch nachvollziehen, da ja Konkurrenten im Kader stehen, die bei geringerer Leistung mehr verdienten als Cacau, der jahrelang und meist konstant und loyal die Knochen für den VfB hingehalten hat. Heldt dagegen hat schon eine besondere Wertschätzung erfahren, als man den gelernten KFZ-Mechaniker vom Spieler direkt zum Manager berief, ohne jede kaufmännische Ausbildung. Er durfte sich weitestgehend austoben auf Kosten des VfB, da es an sportlicher Kompetenz in der VfB-Führung mangelt. Er hat in seiner Amtszeit mehr Flops als Kracher verpflichtet, viel zu lange an seinem Freund Markus Babbel festgehalten und über die Jahre einen Kader von mehr als 30 Spielern angehäuft. Erst seit Gross da ist, werden Spieler ohne Perspektive abgegeben und der Kader ausgedünnt. Er schaffte es nicht, einen adäquaten Nachfolger für Mario Gomez zu verpflichten und ließ sich wochenlang von Huntelaar an der Nase herumführen, um schließlich Pavel Pogrebnjak als Notlösung zu verpflichten, nachdem der Stürmermarkt eine Woche vor Saisonbeginn abgegrast war. Gerade bei Mario Gomez zeichnete es sich ein Jahr lang ab, dass er den Verein verlassen würde. Ein guter Manager hätte hier schon längst Plan B in der Tasche haben müssen, um umgehend auf den Weggang reagieren zu können. Dazu holte er Hleb zurück für ein horrendes Gehalt und in einem unfitten Zustand. Auch da hätte er genauer hinschauen müssen. Auch ich hatte gejubelt, als er zurück kam. Allerdings ging ich davon aus, dass er Gehaltseinbußen in Kauf nahm, um Spielpraxis zu erhalten. So verdiente er mehr als doppelt so viel wie der Großteil der anderen Spieler, was unweigerlich zu Neid innerhalb der Mannschaft führen musste, zumal er ja auch keine Gegenleistung dafür brachte.

Schon traditionell schafft es Heldt nicht, den Kader bis zum Auftakttraining komplett zu haben und holt immer wieder kurz vor Transferperiodenende noch den ein oder anderen Ladenhüter. Auch dieses Vorgehen ist für mich verantwortlich dafür, dass wir in der Vorrunde nicht in die Gänge kommen und stets einen Stotterstart hinlegen.

Trotz einiger Fehler wurde er im vergangenen Jahr in den Vorstand berufen. Soviel zu mangelnder Wertschätzung. Aufgrund der Vereinssatzung, nach der ein Vorstand für 4 Jahre bestellt wird, wurde sein Vertrag, sicher verbunden mit einer Gehaltserhöhung, bis 2013 verlängert. Wenn er sich jetzt unterbezahlt fühlt, weshalb hat er den Vertrag dann unterschrieben? War er nicht bei Sinnen? Muss man ihm hier nachträglich die Zurechnungs- oder Geschäftsfähigkeit absprechen? Hat sich ein Vorstand nicht seinem Verein gegenüber loyal zu verhalten? Hat er nicht auch eine Verantwortung den Mitgliedern gegenüber? Muss ein Vorstand nicht so lange die Geschäfte weiterführen, bis die Vorgänge an einen Nachfolger übergeben wurden? Warum gibt es eigentlich nicht, wie in der Wirtschaft, ein Wettbewerbsverbot? So könnte er doch schon jetzt in der Sommerpause mehr für Schalke als für den VfB tätig gewesen sein. Kein Wunder, dass uns seit Saisonende keine wirkliche Verstärkung präsentiert wurde.

In der Bundesliga scheinen solche Tugenden nicht zu gelten. Ein Manager, der von Spielern Vertragstreue einfordert, macht sich selbst auf eine solche Art und Weise vom Acker. Es bleibt ihm zu wünschen, dass er von Spielern in seiner weiteren Karriere stets mit diesem Vorgehen konfrontiert wird.

Angeblich soll er beim VfB zuletzt 1,5 Millionen Euro pro Jahr verdient haben, bei Schalke sollen es 3 Millionen sein. Ein Verein wie Schalke 04, der weit mehr als 100 Millionen Euro Schulden haben soll, leistet sich also zum wohl bestbezahlten Trainer er Liga noch einen hochbezahlten Lakaien für diesen. Felix Magath hat im kicker erklärt, eine Ablösezahlung an den VfB würde nicht erfolgen, sie nähmen Heldt erst unter Vertrag, wenn er seinen Vertrag beim VfB aufgelöst hat. Das heißt mehr oder weniger, Heldt soll seinen Rausschmiss beim VfB provozieren und an dem arbeitet er emsig. Er erklärte ja, das Vertrauensverhältnis wäre zerstört, kündigte an, weder beim Trainingsauftakt der Roten noch beim Trainingslager in St. Moritz an Bord zu sein.  Stilloser kann die Trennung kaum herbeigeführt werden. Dass Magath wieder die Finger im Spiel hat, macht mich richtig wütend. Er weiß schließlich, wie man ohne Nachteile den VfB über den Tisch ziehen kann, und aus einem Vertrag ohne eigenen Schaden herauskommt. Er selbst hatte dem VfB bei seinem Weggang mit einer Babypause gedroht, würde man ihn nicht zu den Bayern ziehen lassen. Wenn es um den eigenen Geldbeutel geht, lassen die Herren jeden Anstand vermissen und es gelten keine guten Sitten mehr. Undank ist der Welt Lohn. Heldt sollte einmal darüber nachdenken, welche Chance der VfB ihm geboten hat für die Karriere nach der Karriere. Bei Schalke wird er weitaus weniger Macht besitzen als beim VfB und mehr oder weniger Erfüllungsgehilfe von Magath und das Bindeglied zu Tönnies sein. Einen Vorteil hat er dort natürlich gegenüber den Begebenheiten beim VfB. Er darf dort Geld ausgeben, was der Verein nicht hat und den Verein endgültig gegen die Wand fahren. Hier wünsche ich ihm ausdrücklich viel Erfolg.

Der VfB kann aber auch froh sein, dass dieses Kapitel jetzt endet. Ein klares Bekenntnis von Heldt zum VfB fehlte mir schon immer. Magath versuchte ihn ja auch schon zum VfL Wolfsburg zu lotsen. Vor Jahresfrist baggerte schon einmal Schalke 04 an ihm, woraufhin er ja dann in Vorstand berufen wurde. Zuletzt kokettierte er noch mit einem Angebot vom HSV. Hier muss ich ganz klar sagen: “Reisende soll man nicht aufhalten”. An Stelle des VfB würde ich jedoch auf eine der Vertragslaufzeit angemessene Ablösesumme pochen. Die kolportierten 1,5 Millionen erscheinen mir eher noch als zu gering. Schließlich wird uns ein der Position nach wichtiger Mann herausgerissen und das in einer Zeit, in der mit vollem Eifer an der Zusammenstellung des neuen Kaders gearbeitet werden sollte. Hätte man hier während der Saison Nägel mit Köpfen gemacht, wäre es nicht so problematisch gewesen und der VfB hätte sich in Ruhe nach einem Nachfolger umschauen können. Jetzt aber drängt die Zeit. Daher erhoffe ich mir, dass der VfB auch ein wenig mit den Muskeln spielt und sich nicht alles gefallen lässt. Es scheint klar, dass der Abgang von Heldt unumgänglich ist, dennoch sollte der VfB hier als Hüter der guten Sitten auftreten und sich den Vertragsbruch fürstlich entlohnen lassen.

Bei der Frage nach dem Nachfolger habe ich einen Favoriten: Fredi Bobic. Er war zu seiner Zeit als Spieler sehr beliebt, kommt aus dem Hallschlag und identifiziert sich 100%ig mit dem VfB. Klar, auch er folgte dem Lockruf des Geldes und verließ den VfB in einer sportlich schwierigen Zeit in Richtung Dortmund. Da er weder dort noch bei seinen weiteren Stationen wie Bolton Wanderers, Hannover 96 und Hertha BSC richtig glücklich wurde, wird er den Schritt sicher bereuen. Der VfB liegt ihm nach wie vor am Herzen und er ist wieder sehr nah dran am Wasen. Er hat sich seine ersten Leviten durch diverse Praktika und zuletzt seiner Managertätigkeit in Burgas erworben. Ob er seinen Freund Krassimir Balakov dort jedoch im Stich lassen kann bzw. will kann ich nicht beurteilen. Der Verein hat angeblich signalisiert, ihm keine Steine in den Weg legen zu wollen.

Von den anderen möglichen Kandidaten wie Oliver Kreuzer, Guido Buchwald, Karl-Heinz Riedle und Andreas Müller hielte ich Letzteren für den Wahrscheinlichsten. Er hat den Manager-Job bei Schalke von der Pike auf gelernt und ging bei einem der Besten dieses Fachs, Rudi Assauer, in Lehre. Die langjährige Tätigkeit auf Schalke könnte aber auch das K.O.-Kriterium sein, ist doch derzeit bei uns auf Schalke keiner gut zu sprechen. Auf Schalke war ihm das Glück auch nicht hold. Er lag bei etlichen Transfers und der Verpflichtung von Fred Rutten als Trainer total daneben. Aufgrund seiner Vergangenheit hätte er beim VfB sicher von Anfang an einen schweren Stand und würde von Einigen nicht akzeptiert werden.

Weitere Kandidaten, wenn man in diversen Foren mitliest:

Jens Lehmann: hat natürlich Ausstrahlung und Ahnung und Erfahrung im Fußball. Er selbst hat aber schon verlauten lassen, dass er in den nächsten Monaten erst einmal ausspannen und Dinge machen möchte, zu denen er während seiner Profi-Laufbahn nicht kam. Daher kann ich es mir nicht vorstellen, dass er schon bereit wäre.

Oliver Kahn: sicher mit enormer Reputation und guten Kontakten. Aufgrund seiner KSC- und Bayern-Vergangenheit im Schwabenland aber schwer vermittelbar. Zudem ebenfalls ohne Manager-Erfahrung.

Andreas Rettig: sicher ein Guter, auch wenn er in Freiburg, Köln und Augsburg die ganz großen Erfolge auch nicht vorweisen kann. Aber zumindest einer mit Manager-Erfahrung und gerade dabei mit Augsburg etwas Großes aufzubauen.

Dietmar Beiersdorfer: Leistete beim HSV gute Arbeit, biss sich aber am publicitygeilen Vorstandsvorsitzenden Hoffmann die Zähne aus. Derzeit bei Red Bull in Salzburg beschäftigt. Wäre keine schlechte, aber sicher sehr teure Lösung.

Daher würde es mich freuen, wenn Fredi Bobic zurück käme. Angeblich gab es schon ein erstes Treffen mit VfB-Verantwortlichen, bei dem er sein Konzept darlegte. Wenn das stimmt, wäre er nicht abgeneigt und es würde die Möglichkeit der Rückkehr bestehen. Ich denke, Fredi müsste sich nicht allzu lange einarbeiten und kennt das Umfeld auf dem Wasen. Er weiß, welche Problemfelder es gibt und wo er ansetzen müsste. Fredi ist ein Roter durch und durch und würde sich sicherlich mit der Aufgabe weitaus mehr identifizieren als es Horst Heldt getan hat. Ich könnte mir sogar vorstellen, dass dies der absolute Traumjob für ihn wäre. Dass Fredi nah dran ist am VfB und sich auskennt, beweist er regelmäßig in diversen Sportsendungen, bei denen er stets ein gefragter Talkgast ist. Er ist ein Typ mit Ecken und Kanten, der auch mal unbequem sein kann, sowohl nach innen als auch nach außen. Dessen muss sich unsere Vereinsführung natürlich bewusst sein. Wenn Heldt beklagt, er hätte keinen Gestaltungsfreiraum gehabt, ist sicher auch die Vereinsführung zu hinterfragen. Es muss ein Neuanfang her, in jeder Hinsicht. Was Heldt mit “mangelndem Gestaltungsfreiraum” meinte, kann man als Außenstehender natürlich nicht beurteilen. Da sich aber zuvor schon Rüssmann und Magath ähnlich beklagt hatten, sollten auch die Strukturen, die Dienstwege und Kompetenzen in der Vereinsführung auf den Prüfstand gestellt werden. Wobei man gerade bei den Herren Magath und Heldt nicht weiß, ob solche Aussagen nur den (unrühmlichen) Abgang beschleunigen sollten.

Der VfB wäre gut beraten, diesen Neuanfang als Chance zu begreifen und die Kompetenzen des neuen Managers zu überdenken und neu zu regeln, dass dieser den Handlungsspielraum bekommt, den er benötigt.

Dem neuen Manager, wer immer es auch sein mag, wünsche ich auf jeden Fall vorab viel Glück und ein gutes Händchen. Ich erhoffe mir, dass die Chemie zwischen ihm und Christian Gross stimmen mag und sie vertrauensvoll zusammen arbeiten werden. Eine vertrauensvolle Zusammenarbeit war angeblich zwischen Heldt und Gross nicht gegeben.

Horst Heldt wünsche ich auf Schalke Spieler, die das gleiche Verhalten an den Tag legen, wie er selbst, dass Heldt im Kohlenpott ähnlich viel Geld verbrennt wie beim VfB und somit Schalke noch weiter dem (finanziellen) Abgrund entgegen taumelt. Dann bin ich auf die Wertschätzung gespannt, die er vom Schalker Anhang erfährt. J Aber er ist ja Manager ohne Vereinsbindung und wird sicher weiter ziehen… Er weiß ja, wie es geht.

So, das musste jetzt mal raus. Ich melde mich wieder, dann wohl zur WM. Bis dahin, allen ein schönes Wochenende und viele Grüße

Franky

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22. Mai 2010

Neuer Hauptsponsor: Der VfB sucht die Nähe zur Region

Erwin Staudt hätte es auch ganz kurz machen können und sagen: “Der Käse ist gegessen.” In diesem Fall der Weichkäse, denn auf die Herstellung solcher Produkte versteht sich Eduardo Garcia bestens. Er ist Inhaber und Vorstand der Garmo AG mit der Premiummarke Gazi – und dieses Unternehmen wird jetzt Hauptsponsor des VfB Stuttgart.

Der Käse ist also gegessen, oder um mit Staudt zu sprechen: “Damit beschließen wir ein Kapitel, das uns in den letzten Monaten sehr beschäftigt hat.”Diesem Satz des Präsidenten gingen viele Gespräche mit vielen Firmen voraus, die bei dem auch bei den Stuttgarter Kickers engagierten Garcia endeten. Der Vertrag läuft bis 2012 mit der Option für eine weitere Saison und bringt dem VfB bis zu sechs Millionen Euro pro Jahr, abhängig von den Erfolgen der Mannschaft. Der bisherige Hauptsponsor EnBW zahlte zwar 7,5 Millionen Euro, aber der Club hat sich dennoch verbessert, weil der Energiekonzern als Partner in der zweiten Reihe mit drei Millionen Euro erhalten bleibt.

Sponsoren bringen 25 Millionen Euro

Insgesamt kassiert der VfB Stuttgart von seinen 20 Sponsoren rund 25 Millionen Euro, womit er zur Spitzengruppe in der Bundesliga gehört. In diesen wirtschaftlich schwierigen Zeiten ist das umso wichtiger – was auch das Beispiel 1. FC Kaiserslautern zeigt. Der Hauptsponsor des Aufsteigers erklärte gestern seinen Rückzug.

Das ist der Trend, doch solche Sorgen plagen den VfB nicht. Er unterscheidet sich von den meisten Konkurrenten – etwa dadurch, dass er auch die Verhandlungen mit Gazi in Eigenregie abgewickelt hat und ohnehin nach wie vor alle Rechte im eigenen Haus hält. Oder dadurch, dass er keine Provisionen an Agenturen ausschütten muss. Oder dadurch, dass er sich nicht an einen Vermarkter gebunden hat. Das gebe es nur noch ganz selten in der Bundesliga, sagt Staudt, “wir können die Einnahmen ausschließlich für unsere Zwecke nutzen.”

Da kommt Gazi gerade recht. “Das ist der erste Partner, zu dem wir zu Fuß hinlaufen können”, sagt Staudt. Möglich wird das, weil es nicht weit ist von der VfB-Geschäftsstelle in Bad Cannstatt bis zum Büro von Garcia in Stuttgart-Wangen. Was der Präsident so salopp formuliert, hat jedoch auch einen tieferen Hintergrund: die Ausrichtung des VfB. “Wir streben nicht nur die finanzielle Unterstützung an” sagt Staudt, “was wir brauchen, ist auch ein Beitrag zu unserer Vereinsphilosophie. Wir suchen die Nähe zur Region.” Und da passt ein Sponsor aus Stuttgart-Wangen eben besser als einer aus Tokio oder aus Schanghai.

Insofern ist die Kooperation mit Garcia ein Schritt auf dem Weg, dem sich der VfB verschrieben hat. Auf sportlicher Ebene bedeutet das, dass schwerpunktmäßig die eigenen Talente gefördert werden. Dabei lautet die Vorgabe jetzt, wieder mehr Spieler aus der A-Jugend des VfB zu Stammkräften bei den Profis zu machen. Die momentan Letzten, die das geschafft haben, sind Serdar Tasci und Sami Khedira – und das war vor mehr als drei Jahren. Christian Träsch rückte seitdem zwar auch auf, aber er wurde nicht in Stuttgart ausgebildet, sondern von 1860 München verpflichtet.

Nun bekommen Sven Ulreich, Sebastian Rudy, Patrick Funk und Daniel Didavi die Chance. Julian Schieber muss dagegen warten. Er wird ausgeliehen – wohl nach Nürnberg. Über diese Planspiele spricht Horst Heldt nach der Vorstellung von Gazi. Zuvor hat der Manager auch gehört, was der neue Sponsor erwartet: auf jeden Fall wieder die Qualifikation für das internationale Geschäft. “Wir wollen Europa erobern”, sagt Garcia – und meint damit sowohl sein Unternehmen als auch den VfB.

Daran wird die Mannschaft gemessen – und Heldt. Er muss das Konzept mit den jungen Leuten umsetzen und trotzdem Europa erobern, wie Garcia so schön sagt. Dabei weiß Heldt, dass die Wirtschaftssituation keine großen Sprünge auf dem Transfermarkt zulässt. Auch die Option für Cristian Molinaro hat er bei Juventus Turin noch nicht gezogen. Die Frist läuft jedoch erst am 31. Mai ab. Bis dahin wird der Manager versuchen, die Ablöse von vier Millionen Euro noch zu drücken. “Das alles ist eine Herausforderung für mich”, sagt Heldt – während Staudt und Garcia ihre Herausforderung schon bewältigt haben.

(STZ 20.5.10)

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Sven Ulreich ist die neue Nummer eins

Der 21-jährige Sven Ulreich wird Nachfolger des zurückgetretenen Jens Lehmann im Tor des Fußball-Bundesligisten VfB Stuttgart. Wie die Schwaben bei der Abschluss-Pressekonferenz am Donnerstag weiter mitteilten, verpflichtete der Club Marc Ziegler vom Borussia Dortmund als Ulreich-Vertreter. “Wir haben Vertrauen in Sven und denken, mit Marc Ziegler einen Backup verpflichtet zu haben, der das Anforderungsprofil mitbringt”, sagte Sportdirektor Horst Heldt. Zudem verstärkt sich der Europa-League-Teilnehmer mit Stürmer Martin Harnik. Der österreichische Nationalspieler war bisher von Werder Bremen an den Zweitligisten Fortuna Düsseldorf ausgeliehen.

(STZ 13.5.10)

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