19. Mai 2013

Endlich: Saisonende!

Schon traditionell findet vor dem letzten Saison-Heimspiel die vom OFC Leintal-Power organisierte Fahrt auf dem Partyfloß statt, zu der alle OFC’s eingeladen sind. Wie in jedem Jahr war die Nachfrage riesig und das Boot somit schnell ausgebucht. Ich war bereits zum dritten Mal dabei und freute mich auch in diesem Jahr wieder, an Bord auf viele bekannte Gesichter zu treffen. Treffpunkt war wie immer der Bahnhof in Ludwigsburg von wo aus uns ein Shuttleservice zum Anleger nach LB-Poppenweiler brachte. Der Wettergott meinte es richtig gut mit uns, weitestgehend strahlender Sonnenschein, angenehme Temperaturen, kühles Bier und toller Service an Bord, was will man mehr. Für mich bedeutet diese Floßfahrt auch immer so etwas wie eine Reise in die Vergangenheit, lassen wir doch ehemalige Wohnorte, oder Orte, an denen ich anderweitig viel Zeit verbrachte links und rechts liegen, wie bspw. Aldingen, Hofen, den Max-Eyth-See, Münster und natürlich Bad Cannstatt. Gegen 13 Uhr erreichten wir wohl behalten unseren Zielhafen Mercedes Benz Museum, von wo aus es sofort in Richtung Otto’s Vesperstüble ging, um sich vor dem Spiel noch stärken zu können.

Ursprünglich war für den letzten Spieltag eine Saisonabschlussfete mit dem Live-Auftritt des Hofbräuregiments avisiert. Aufgrund wohl hoher Auflagen der Behörden in Bezug des Verkehrsabflusses nach dem Spiel wurde die Veranstaltung Mitte der Woche leider abgesagt. So war eben Business as usual angesagt, schade!

Daher lag am frühen Nachmittag der Höhepunkt des Tages schon hinter mir, abgesehen davon, dass ich nach dem Spiel noch mit einigen Bekannten zu einer „kleinen“ Saisonabschluss-Kneipentour verabredet war.

Und, genau, da war ja auch noch ein Bundesligaspiel, das man der Vollständigkeit halber, auch noch besuchen sollte. Positiv daran schon einmal, nach dem langen Vorprogramm an diesem Tage war es erhol- und auch ratsam eine etwa 2 ½-stündige bierfreie Phase  einzulegen. Im Stadion fällt mir das nicht allzu schwer, boykottiere ich doch bis heute mehr oder weniger das bargeldlose Bezahlsystem im Stadion. Wenn ich zufällig einmal Guthaben auf meiner Fankarte habe, vermeide ich es für gewöhnlich mich an Stoßzeiten an den Ständen anzustellen, also bin ich, wenn ich denn mal was hole, kurz vor der Halbzeit am Stand und habe schon des Öfteren ein Bier erhalten, das sie wohl zu Spielbeginn eingeschenkt hatten und das auch entsprechend schmeckte. Daher übe ich bei Heimspielen lieber Verzicht und freue mich dann eben auf die dritte Halbzeit.

Eigentlich bedenklich, wenn dies meine größten „Sorgen“ vor einem Bundesligaheimspiel sind. Selten war ich emotionsloser dabei, selten war ich glücklicher, dass eine elendige Saison sein Ende gefunden hat. Auch freute ich mich selten mehr beim Gedanken, viele Spieler des diesjährigen Teams in der nächsten Saison nicht mehr sehen zu müssen.

Wenn man sich die Anzahl der schon feststehenden Neuzugänge und dazu die der gehandelten Neuzugänge anschaut und von letzterem auch nur die Hälfte wahr wird, dürfte uns erneut ein großer  Umbruch bevorstehen. Und, das ist auch gut so. In mittlerweile rund 37 Jahren, in denen ich den VfB aktiv begleite und verfolge habe ich eine VfB-Elf noch nie schlechteren Fußball spielen sehen. In einer Saison, in der man sich von Erzfeinden demütigen lässt, von Absteigern und Abstiegskandidaten abschießen lässt, historisch am wenigsten Heimpunkte holt, die drittharmloseste Bundesligamannschaft stellt und über weite Strecken Fußball zum Abgewöhnen bietet, darf der Einzug ins Pokalfinale und die damit verbundene neuerliche Qualifikation fürs internationale Geschäft nicht alles übertünchen, was schief gelaufen ist. Es müssen Änderungen her und zwar in allen Ebenen des Vereins.

Dieter Hundt, der alternde Aufsichtsratschef, muss bei der nächsten Mitgliederversammlung im Juli zum Rückzug bewogen werden. Entsprechende Anträge sollen bereits eingegangen sein. Ein wichtiger Aspekt, dieses Vorhaben zu einem positiven Abschluss zu bringen, dürfte sein, dass auch in der Wappenfrage Entscheidungen erwartet werden und somit sicherlich auch viele Mitglieder aus der Kurve zugegen sein werden. Der Termin wurde erneut auf einen Montag-Abend gelegt, was es weiter weg wohnenden und nicht mobilen Mitgliedern natürlich erschwert, an dieser wichtigen MV anwesend sein zu können. Ein solches „den Leuten Steine in den Weg legen“, genauso wie die ins Leben gerufene Präsidentenkandidatenfindungskommission, sind wohl so etwas wie das letzte Pfeifen im Walde von Hundt. Ein Aufsichtsrat, am besten der gesamte, der wissentlich aufgrund vetternwirtschaftlicher Verflechtungen ein Porsche-Sponsoring verhindert und stattdessen mit Gazi eine schlechter vergütete Sponsoring-Partnerschaft eingeht, um die Mercedes-Leute rund um den Verein nicht zu vergraulen, gehört auf die Straße gesetzt und auf Regresszahlungen verklagt.

Über Mäuser ist jedes Wort zu viel, dieses Thema hat sich zum Glück erledigt! Schade nur, dass eine solche Pflaume wohl noch eine Abfindung in Höhe von gut 700.000 Euro für Nichts erhalten wird. Er täte gut daran, läge ihm der VfB am Herzen, zumindest auf einen Teil davon zu verzichten, wobei mir auch klar ist, dass dies eine unrealistische Hoffnung darstellt.

Unseren Manager Fredi Bobic sehe ich nach wie vor positiv. Er ist ein VfBler durch und durch und leistet gute Arbeit. Nur, stehe ich immer noch zu dem, was ich vor einigen Wochen schon einmal geschrieben habe: er muss sich nach meinem Geschmack mehr von seinem Trainer abgrenzen und ihm nicht nur nach dem Mund reden. Mich ärgert es wahnsinnig, wenn jeder Blinde sieht, was für ein Murks zusammen gekickt wird und dieser dann von Labbadia und Bobic unisono schön geredet wird, so dass man sich zwischendurch schon einmal Gedanken über deren Zurechnungsfähigkeit machen darf. Hier fehlt uns eindeutig eine Abteilung Attacke, wie es Sammer derzeit bei den Bayern gibt. Ein Mahner, der auch einmal unbequeme Wahrheiten ausspricht, anstatt auf Weichspülermentalität zu setzen und so zu hoffen, dass sich weiterhin alle lieb haben. Vom Naturell her wäre Bobic dazu  prädestiniert, er hat aber wohl Angst davor, durch ein Vorpreschen nach außen Unruhe zu schüren und intern Reibungen zu erzeugen. Jedoch sind gerade diese wichtig, dass man sieht, dass der Verein lebt. Derzeit plätschert es sowohl im Verein als auch auf dem Rasen nur noch dahin, was zur Folge hat, dass wir mehr und mehr zur grauen Maus verkommen, keine interessante Marke mehr darstellen, der Fußball unattraktiv und wenig spektakulär ist. Wenn uns dann noch weisgemacht wird, dass nicht mehr drin wäre mit unseren Möglichkeiten, dass unsere Erwartungen zu hoch seien, dass wir Schwaben mit unserer Bruddlermentalität mit nichts zufrieden wären, und, und, und, dann haben die Herren den Schuss nicht gehört. Ein Stadiongänger hat durchaus ein feines Gespür für das, was er erwarten kann. Dass der VfB in naher Zukunft wohl nicht um die Champions League mitspielen kann, damit haben wir uns abgefunden. Dass es auch nicht immer zum Erreichen der Europa League reicht, auch damit haben wir kein Problem. Ein zehnter Platz am Ende, akzeptabel, wenn der Einsatz und die Leidenschaft stimmen, womöglich noch Pech hinzukam und/ oder die anderen einfach besser waren. Alleine aus diesen Gründen laufen dem VfB nicht die Zuschauer davon und werden auch nicht alleine deshalb so  emotionslos, wie sie über weite Strecken der Saison waren. Was die Leute fernbleiben lässt, was die, die kamen, auf ihren Plätzen erstarren lässt, ist das leblose Gekicke auf dem Rasen, der langweilige Fußball, den wir vorgesetzt bekommen, eine Mannschaft, die kein Team zu sein scheint, ein System, das nicht als solches zu erkennen ist, fußballerische Schwächen von Berufsfußballern, die unerklärlich sind, individuelle Patzer, die den Gegner in schöner Regelmäßigkeit zu Toren einlädt. Das kapiert der Zuschauer auf der Tribüne nicht, wenn permanent Fehler passieren, die selbst in der Kreisliga nicht zu entschuldigen wären. Wenn dann die Statements nicht etwa in Richtung von „wir können Euren Unmut verstehen, dafür laufen sie eine Runde um den Bärensee“ sondern stattdessen von ordentlichen Auftritten geredet wird, für die man sich nicht belohnt hätte, fängt der „normale“ Zuschauer an, an sich selbst zu zweifeln, meint, dieses Spiel ist zu hoch für ihn, und bleibt eben das nächste Mal zu Hause und bildet sich fort.

Die Zuschauerzahlen in der Rückrunde sollten Mahnung genug sein. Passend dazu wurden in dieser Woche die Dauerkartenpreise für die nächste Saison veröffentlicht. In vfb-direkt schreiben sie von einer moderaten Preiserhöhung von 2%, in etwa also der Inflationsrate. Ich sage, unverschämt, unmittelbar nach einer solchen Katastrophensaison noch mehr Geld als ohnehin schon zu verlangen. Der Verein sollte seine Preispolitik der letzten Jahre mal überdenken und vor sich vor allem die Jahre ansehen, in denen sie die Preise weit über der Inflationsrate erhöht haben bzw. in den Umbaujahren, als wir in einem halben und offenen Stadion den vollen Preis zu entrichten hatten.

Ich sehe überhaupt keine Gründe für eine Preiserhöhung, oder darf ich für mehr Geld besseren Fußball und besseren Komfort erwarten? Nein, als zahlender Zuschauer und Teil des Spiels muss ich alles ohne Murren und ohne Geld-Zurückgarantie so hinnehmen.

Dem Fan in der Kurve kann man das Geld ja aus der Tasche ziehen, der wird immer wieder kommen, die Lücken zuletzt auf den teuren Plätzen aber, sollten zum Nachdenken anregen.

Solang ein Herr Hundt, siehe oben, ein besseres dotiertes Sponsoring ausschlägt, solang genau der gleiche Hund(t), einen Präsidenten, den keiner will, durchdrückt und ihm jetzt den Lebensabend mit einer saftigen Abfindung versüßt, ist es schon grotesk, dass aus solchen Gründen der kleine Mann tiefer in die Tasche greifen soll. Aber, ich bin ja kein Phantast: würde der Verein ein ausgeprägtes Taktgefühl und ein Gespür für die Stimmung rund um den Verein an den Tag legen, wäre es wohl nicht mein VfB.

Bobic, wie gesagt, für mich nach wie vor der richtige Mann am richtigen Ort. Seine Transferbilanz kann sich im Großen und Ganzen sehen lassen. Letzten Winter wurde mit Alexandru Maxim ein dicker Fisch an Land gezogen, mir bereitet es große Freude, dass da jetzt wenigstens einer ist, dessen Freund der Ball ist. Die schon feststehenden Zugänge lesen sich prominenter als in den letzten Transferperioden, käme jetzt noch der eine oder andere der gehandelten Namen wie Leitner, Lasogga, Volland, etc. könneen wir uns sicherlich auf die neue Saison freuen.

Bzgl. der Trainerposition habe ich mich ja in letzter Zeit auf Labbadia eingeschossen. Ihm traue ich es nicht mehr zu, den Karren wieder flott zu bekommen. Er ist mir taktisch zu unflexibel, kann es offensichtlich nicht mit jungen Spielern, erscheint ratlos, wenn ein Spiel in eine andere Richtung läuft als auf dem Reißbrett aufgemalt. Dies spiegelt sich auch in seinen späten und oft nicht nachvollziehbaren Auswechslungen wider. Ein Matchplan sieht sicher anders aus.

Dazu dieses ständige Herumgejammere über das anspruchsvolle Umfeld, die schlechte Stimmung, die begrenzten finanziellen Möglichkeiten, das mangelnde Vertrauen in ihn, die Überbelastung der Spieler. Durch dieses ständige madig machen von allem rund um den VfB, ist er auch nicht der Typ, der eine Aufbruchsstimmung erzeugen und Leute überzeugen kann, ins Stadion zu kommen. Eher das Gegenteil ist der Fall, wenn Ihr kommt, erwartet bloß nicht zu viel. Dies ist auch eine Art von Geschäftsschädigung, ist es doch vergleichbar mit dem Filialleiter, der seine potentiellen Kunden davor warnt, seinen Laden zu betreten.

Den Umgang mit jungen Spielern hat unlängst Silvio Meißner, Berater von Christoph Hemlein, so beschrieben, dass Hemlein vor 1 ½ Jahren, nachdem er einige Male bei den Profis zum Zuge kam, ohne Begründung und persönliche Erklärung wieder zurück zur zweiten Mannschaft degradiert wurde und überhaupt nicht wusste, weshalb. Ich konnte das genauso wenig nachvollziehen und kann mich erinnern, dass er im Pokal gegen den FSV Frankfurt und in Nürnberg ordentliche Auftritte hinlegte. Bei den Amateuren hat er mir meist gut gefallen, vor allem sein Einsatz und die Gier an den Ball zu kommen, haben mir imponiert. Solche Spielertypen mag eigentlich der Zuschauer, Spieler, die sich in jeden Zweikampf reinhauen, die keinen Ball verloren geben und auch einmal über das Ziel hinausschießen. Labbadia sah ihn wohl nicht so, jetzt verlässt uns Hemlein in Richtung Nijmwegen.

Ähnlich muss es Antonio Rüdiger gegangen sein, als er ein ordentliches Spiel gegen Ribery zu Beginn der Rückrunde ablieferte und im nächsten Spiel in Düsseldorf wieder draußen saß. Gerade für unsere junge Spieler, die Kapital für die Zukunft darstellen, benötigen wir einen Trainer, der sowohl psychologisch als auch als Fußballlehrer das Gespür für den Umgang mit ihnen hat, der sie fordern aber zugleich auch fördern kann. Labbadia wird immer einen erfahrenen einem jungen Spieler vorziehen. Ich bin gespannt, was mit Didavi passiert, wenn er denn mal wieder richtig angreifen kann. Ihm hat er ja auch das Blaue vom Himmel versprochen, um dann mit Hajnal den Vertrag zu verlängern.

Daher würde ich mir ein rasches Umdenken in der Trainerfrage wünschen. Die Zeit ist jetzt gekommen, zwischen Bundesligaabschluss und Trainingsbeginn könnte man durchaus an einen Kandidaten herantreten, der woanders unter Vertrag steht. Nach einem neuerlichen Fehlstart, dem Labbadia mit seinen in dieser Woche geäußerten Bemerkungen, die Spieler würden durch die jetzt noch anstehenden Länderspiele ausgepresst wie Zitronen, schon die Ausreden geliefert hat, wäre dieser Zug abgefahren und man müsste abermals auf einen arbeitslosen Fußballlehrer zurück greifen, weil er gerade frei ist und nicht, weil man von seiner Philosophie überzeugt wäre. So dreht man sich auf Dauer im Kreis.

Dafür, dass bei mir nach dem letzten Bundesligaspieltag die Luft raus ist, spricht auch, dass ich dem Pokalfinale mit allem anderem als mit Vorfreude entgegenblicke. Ich freue mich auf die Tour, eine tolle Party mit VfBlern in der Stadt, befürchte für das Spiel jedoch das Schlimmste. Wenn alles normal läuft und beide Teams ihr Leistungsvermögen abrufen, müsste es eine Klatsche setzen, wie sie Berlin in einem Finale noch nicht gesehen hat.

Meiner Meinung nach hängt vieles vom Verlauf des Champion League Finals nächsten Samstag in London ab. Sollte Bayern sein drittes Finale innerhalb von drei Jahren verlieren, der BVB also triumphieren, könnte ich mir vorstellen, dass die Bayern in ein tiefes Loch fallen werden, aus dem es schwer sein dürfte innerhalb von einer Woche positiv gestimmt heraus zu kommen. Spieler wie Lahm und Schweinsteiger würden zu grübeln beginnen, ob ihnen bis Ende ihrer Karriere jemals noch ein internationaler Titel vergönnt sein würde. Daran hätten sie zu knabbern, davon bin ich überzeugt. Daher drücke ich am Samstag den Dortmundern die Daumen, auch wenn sie mich gestern bitterlich enttäuscht haben, durch das Reanimieren des Dorfclubs von der Autobahnraststätte Kraichgau. Gestern früh noch war ich total davon überzeugt, dass wir abends eine Abstiegsparty würden feiern können. So traf es leider die Düsseldorfer, die eben eine grottenschlechte Rückrunde gespielt hatten und selbst gegen eigentlich rechte Gegner zur richtigen Zeit wie Bremen und Nürnberg nicht gewinnen konnten. Der Sieg gegen uns war einer von zweien in der gesamten Rückrunde.

Für eine Einschätzung zum Pokalfinale melde ich mich dann kurz davor noch einmal. Ich mag momentan noch nicht daran denken, es ist einfach noch zu weit weg, angesichts des bevorstehenden Finals in London.

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15. Februar 2011

Endlich Aufwachen VfB!

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , – Franky @ 17:38

Es ist mittlerweile 5 nach 12!

Nach dem Debakel gegen Nürnberg gilt es jetzt, alle Kräfte zu bündeln und Wiedergutmachung zu betreiben. Es kann einfach nicht sein, dass eine Mannschaft sich dermaßen leb- und emotionslos, ohne Biss und ohne Konzentration, ohne Kampf- und Laufbereitschaft, präsentiert wie am letzten Samstag. Dem Verein und den Fans sind es die Millionarios schuldig, alles aus sich herauszuholen und alles dem gemeinsamen Erfolg unterzuordnen. Wenn der von Bruno Labbadia eingeführte 8-Stundentag nicht ausreicht, um das Bewusstsein zu schärfen, muss eben ein 10- oder 12-Stundentag her. Dieser könnte in etwa so aussehen.

8 Uhr: gemeinsames Frühstück
9 Uhr: Taktik- und Mentalschulung
10-12 Uhr Training
12.30 Uhr gemeinsames Mittagessen
13.15 Uhr Besuch eines beliebigen Unternehmens, um einen Blick in die normale Welt zu erhaschen.
16 Uhr bis 18 Uhr Training
Danach Talkrunde mit den Trainingsgästen, um zu erfahren, wie sehr die derzeitige Situation den Menschen an die Nieren geht und was die Fans an Geld- und Zeitaufwand auf sich nehmen, um so einen Dreck wie gegen Nürnberg vorgesetzt zu bekommen.

Dazu könnte den einen Tag ein Mentaltrainer versuchen die Blockaden zu lösen, an einem anderen könnten Zeitzeugen zu Wort kommen, die den Abstieg 1975 hautnah erlebt hatten und über die Wirkung dieses Desasters auf eine ganze Region dozieren könnten.

Mir würde noch einiges mehr einfallen. Egal was sie gedenken zu tun, bitte nicht alles einfach so dahin plätschern lassen und meinen, es würde sich von selbst alles zum besseren wenden. Diese Mannschaft braucht Anführer, die die Richtung vorgeben und zwar von außen. Innerhalb der Mannschaft ist keiner der das Heft in die Hand nehmen kann, das wurde uns am Samstag deutlich vor Augen geführt.

Aufgrund einer völlig verfehlten Personalpolitik in den letzten Jahren mit verschiedensten Trainertypen, die verschiedenste Spieler wollten, haben wir mittlerweile ein Sammelsurium an Durchschnittskickern, man könnte auch sagen Egoisten, die weder menschlich noch sportlich zusammen passen oder miteinander harmonieren. Für den Trainer ist es die große Kunst, aus diesem Geflecht ein, den Umständen entsprechendes, einigermaßen funktionierendes Gebilde zu schaffen, nämlich eine Mannschaft, die miteinander und nicht gegeneinander spielt und für eine gemeinsame Sache, nämlich den Klassenerhalt mit dem VfB, eintritt. Da aus dem Kreis der Spieler kaum einer heraus sticht, der unentbehrlich wäre, mir fällt eigentlich zur Zeit nur Christian Träsch ein, lagen meine größten Hoffnungen auf Besserung in dieser Saison während der Transferperioden.

Im Sommer wurde, wie in den letzten Jahren, egal ob die Manager Heldt oder Bobic heißen, gezaudert bis zum Schluss, um schließlich irgendwelche Auslaufmodelle oder Invaliden an den Neckar zu lotsen. Nach den Auftritten im Juli und August gegen Fußballgiganten wie Molde, Babelsberg und Bratislava und jeweils mühsamem Weiterkommen, dachte ich, es wäre Warnung genug, dass im Kader noch einmal nachgebessert werden muss. Jedoch, anstatt sich mit dem HSV zu einigen und Petric für etwa 8 Millionen zu verpflichten, einen Spieler, der nachweislich den Unterschied in einer Mannschaft ausmachen kann, zaudert man erneut und legt dem HSV ein inakzeptables Angebot vor, so dass sich diese verarscht fühlen und nicht einmal in die Verhandlungen einzusteigen bereit sind. Hier wurde schon eine große Chance vertan, die Saison in bessere Bahnen zu lenken. Christian Gross, der ständig gemahnt hatte, wegen des Stadionumbaus würde zu wenig in die Mannschaft investiert, sah sich bestätigt. Ich denke, das dürfte der letzte Auslöser gewesen sein, weshalb Gross die Lust verlor. Er wollte eben nicht sehenden Auges in den Abgrund stürzen.

Dann nahm die Saison den Lauf, den man erwarten musste. Gross musste gehen, es wurde keinen Deut besser. Keller kam und ging. Labbadia kam und unterlag zum Auftakt haushoch gegen die Bayern. Das Ergebnis fiel wohl nur nicht zweistellig aus, weil die Bayern irgendwann die Lust aufs Toreschiessen verloren. Es folgten Fanproteste vor der Haupttribüne wie fast vor Jahresfrist. Erwin Staudt, ja, den gibt’s auch noch, verkündetete, in der Winterpause werde alles getan, um den VfB wieder in ruhigere Fahrwasser zu bringen und auch personell nachgebessert.

Also, begründeten sich meine Hoffnungen erneut auf die Wechselperiode. Ich konnte den 1.1.11 kaum erwarten, so gespannt war ich, wer denn da in der Warteschlange alles stehen würde. Zeit genug hatten die Oberen ja, war es doch schon lang klar, dass der Kader in der Zusammenstellung nicht passt und zu schwach ist.

Unsere Abwehr, ein Hühnerhaufen sonders gleichen. Ich persönlich hätte mich sogar auch mit einem erfahrenen Torwart anfreunden können, da ich es Sven Ulreich mittlerweile nicht mehr zutraue in dieser schwierigen Situation ein sicherer Rückhalt zu sein. Dazu ist unsere komplette Innenverteidigung austauschbar derzeit. Delpierre und Tasci stellten sich am Samstag auch an, als hätten sie noch nie miteinander gespielt. Es fehlt an der Klasse, am blinden Verständnis, am Antizipieren von Situationen, an Konzentration, an Technik etc. Aber auch Niedermeier und Boulahrouz bekleckerten sich bei ihren Einsätzen nicht mit Ruhm. Also hätte ich mir einen gestandenen Innenverteidiger vorstellen können, von mir aus aus der 2. Liga. Als Manndecker sind die Aufgaben im Spiel begrenzt und mit ein bisschen Hirn, sprich Spielintelligenz und Konzentration, kann man schnell in die Aufgabe hineinwachsen, auch wenn man aus der unteren Etage kommt.

Im defensiven Mittelfeld hat sich Bah leider im Trainingslager verletzt, der offensichtlich für einen Stammplatz vorgesehen gewesen wäre. So hätte ich mir dafür auch einen kompromisslosen Abräumer Marke Van Bommel, Jones oder Bajramovic (in seinen besseren Zeiten) gewünscht neben Träsch. Kuzmanovic fällt mehr durch sinnloses Armheben als durch durchdachte Aktionen auf dem Platz auf, ist zu langsam und lässt sich allzu leicht überspielen.

Gentner scheint zwar eine Stammplatzgarantie zu besitzen, überzeugte bislang aber auch noch nicht. Er ist offensichtlich der Typ Spieler, der in einer funktionierenden Mannschaft glänzen kann, in der derzeitigen Situation leider aber auch nur ein Mitläufer.

Auf den Außenbahnen hätten wir meiner Meinung nach auch noch jemand schnelles, trickreiches gebrauchen können. Dass es Camoranesi nicht war, hat die sportliche Leitung erkannt und ihn wieder ziehen lassen.

Stattdessen wurden Okazaki und Hajnal geholt. Ob sie uns noch entscheidend weiterhelfen wird sich noch zeigen. Im Fall des Japaners zeichnet sich ja eine Hängepartie wegen der Spielberechtigung ab, auf deren Ausgang ich sehr gespannt bin. Glaubt man den Ausführungen des abgebenden Vereins, hat der VfB Anfängerfehler gemacht und damit gegen die FIFA-Statuten verstoßen.

Nicht nur deshalb halte ich Fredi Bobic auf dem Posten des Managers mittlerweile für eine Fehlbesetzung. Anfangs fand ich es gut, als er kam, weil ich ihn mochte, schon als Spieler. Weil er einer ist, dem der VfB am Herzen liegt wie ich dachte. Weil er seine Meinung auch gegen Widerstände verteidigt, wie ich dachte. Weil er somit auch unserer selbstherrlichen Vereinsführung die Stirn bieten könnte, wie ich dachte. Leider hat sich nichts von alledem erfüllt. Bobic ist wieder einmal nur einer, der vor den Karren der Vereinsführung gespannt wurde und Öffentlichkeitsarbeit betreiben darf. Die Geschicke des Vereins werden weiterhin maßgeblich von Hundt und Ruf gelenkt, so dass für die Selbstverwirklichung eines Managers nach wie vor kein Raum bleibt.

Ich wiederhole mich hier sicherlich: bei der Managerauswahl hätte Christian Gross mit eingebunden werden müssen und die Auswahl auf jemanden fallen müssen, mit dem Gross konnte. Bobic erweckte von Beginn an den Eindruck, nicht sonderlich große Stücke auf Christian Gross zu halten und schmiss ihn bei der nächst besten Gelegenheit raus. Über Gross kann von seiten des Vereins noch so viel schmutzige Wäsche gewaschen werden. Ich bin noch immer überzeugt davon, dass er, wenn er die notwendigen Rahmenbedingungen bekommen hätte, beim VfB ähnlich erfolgreich gewesen wäre wie mit dem FC Basel. Für mich der beste VfB-Trainer seit Jahren. Es kann nicht angehen, dass sich einzelne Spieler beim Manager oder Präsidenten über den Trainer ausweinen können und dort sogar noch Gehör finden. Dass ein Trainer streng ist, dass ein Trainer nicht ständig mit jedem redet und jeden verhätschelt, liegt im Naturell eines Individuums. Der Trainer, der unseren Herren Profis genehm ist, muss sicher erst noch gebacken werden.

Summa summarum hat Bobic für mich als Manager versagt, in Sachen Trainerentlassung und –auswahl und in Sachen Transferpolitik sowieso. Er scheint ähnlich plan- und konzeptlos zu sein wie unsere Vereinsführung schon seit Jahren.

Es müssen Veränderungen im Verein her auf allen Ebenen. Nachdem er jahrelang ein Feindbild für mich war, würde ich mittlerweile freuen, wenn z. B. ein Ralf Rangnick für den Verein gewonnen werden könnte, als Sportdirektor oder Trainer sei dahin gestellt, der dem Verein wieder ein Konzept gibt, vom Jugendbereich, über unsere Zweite bis zur (noch) Bundesligamannschaft. Noch wäre er zu haben und wäre u. U. auch dazu bereit, schon alleine wegen der Nähe zu seiner Heimat Backnang. Natürlich müssten unsere Oberen hier Kompetenzen abtreten und ihm den Personenstab zur Seite stellen, den er meint, für einen vernünftigen Aufbau zu benötigen. Voraussetzung ist natürlich, dass Rangnick dem VfB inzwischen verziehen hat, wie er seinerzeit vom Hof gejagt wurde und, dass der VfB ausnahmsweise einmal nicht zu spät dran ist.

Nach dem Spiel gegen den Club fällt es mir schwer, noch an den Verbleib in der Liga zu glauben. Dennoch werden wir weiterhin alles für den VfB geben und ihn unterstützen, auswärts und daheim. Es muss in die Köpfe der Spieler, welche Katastrophe sie anrichten, wenn sie die Dinge weiter so geschehen lassen wie bisher. Ich denke, sechs Siege sollten mindestens her, um sicher nicht abzusteigen. Möge die Mannschaft gegen Leverkusen damit beginnen.

Für das Spiel in Lissabon erhoffe ich mir ein Team, das sich nicht blamiert. Dass das Hauptaugenmerk auf dem Nichtabstieg liegt, ist logisch. Trotzdem fahren etwa 1.200 Fans mit, mich eingeschlossen, die es verdient haben, für die Unterstützung eine Gegenleistung zu bekommen. Sollte irgendjemand in der Vereinsführung oder im Trainerstab vorhaben, den Kick abzuschenken, dann soll er lieber gleich die Fans auszahlen und sie bitten, lieber daheim zu bleiben. Das wäre immer noch ehrlicher als die Aussagen von Armin Veh damals in Sevilla: „wärd Ihr halt daheim geblieben“.

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13. Oktober 2010

Geht’s noch, VfB???

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , , , – Franky @ 11:43

Als ich die Nachricht von der Entlassung von Gross vor gut einer Stunde mitbekommen habe, wäre ich fast von meinem Bürostuhl gefallen. Haben die Oberen unseres Lieblingsvereins noch alle Tassen im Schrank?

Derer eigenen Unfähigkeit geschuldet, muss das nächste Bauernopfer dran glauben. Fehler werden Menschen verziehen, vorausgesetzt, sie wiederholen sich nicht ständig. Was aber die Vereinsführung hier gemacht hat, ist ein Schmierentheater ohne gleichen.

Christian Gross hat den VfB zur mit Abstand besten Rückrundenmannschaft geformt, die bei annähernd guter Vorrunde das Zeug zum Meister gehabt hätte. Dann reißt man aus diesem Korsett Leistungsträger heraus, holt keinen adäquaten Ersatz trotz inständigem und verzweifelten Mahnens des Trainers. Man schafft es abermals nicht, zum Trainingsauftakt den Kader zusammen zu haben, sondern bedient sich des Trugschlusses, gegen Ende der Transferperiode würden die Preise fallen. Dass dies nicht der Fall ist “überrascht” die Herren jedes Jahr aufs Neue. Stattdessen bekommt man Spieler von der Resterampe, die noch nirgends untergekommen und nicht schnell genug auf dem Baum sind. Als dann plötzlich Petric auf dem Markt war, meinte man, den HSV mit für einen solchen Spieler lächerlichen 3,5 Millionen über den Tisch ziehen zu können. Mit dem Spieler war man bereits einig, Christian Gross hätte seinen Wunschspieler bekommen, mit dem er bereits in Basel gut zusammen gearbeitet hatte, und wir hätten einen Spieler bekommen, der in einer Mannschaft den Unterschied ausmachen kann. Nein, diesen Gefallen wollte der Vorstand seinem Trainer nicht tun, stattdessen holte man einen alternden Weltmeister, der auf seine alten Tage noch fürstlich entlohnt wird. Auch er von der Resterampe, denn bei Juventus sollte er diese Saison keine Rolle mehr spielen.

Damit wurde die Chance vertan, frühzeitig noch die Kurve zu bekommen und als Kapitän das Ruder noch einmal herumzureißen. So wurde Christian Gross ins offene Messer laufen lassen, denn in den ersten Pflichtspielen Ende Juli und im August (Molde, Babelsberg, Mainz, Bratislava, Dortmund, Freiburg) hatte es sich gezeigt, dass die Qualität nicht ausreicht. Diese Serie setzte sich erwartungsgemäß fort und am Ende muss wieder einmal der Trainer ins Gras beißen. Bravo, Ihr Herren vom Vorstand.

Dass das Gehaltsniveau von 60 Millionen auf 45 Millionen heruntergefahren wurde, ist ja aller Ehren wert. Dass dies aber bereits alleine durch die eingesparten Gehälter von Hleb, Lehmann und Khedira geschehen sein müsste, darüber erzählt uns niemand etwas.

Als Fan muss man wohl oder übel akezptieren, dass in unserem Vorstand zwar keine sportliche, dafür aber geballte wirtschaftliche Kompetenz zu finden ist. Was die Herren aber dann geritten hat, überhaupt erst ein solches Gehaltsniveau, das fast die Hälfte der Gesamtausgaben verschlungen hat, zuzulassen, sollten sie auch erklären. Es ist ja nicht so, dass man uns in den letzten Jahren einen Diego, Van der Vaart oder Robben vorgestellt hatte, bei uns verdien(t)en diese Gehälter Bankdrücker oder Dauer-Reha-Patienten wir Boulahrouz und Bastürk. Diese Herren leb(t)en in einem Schlaraffenland und sahen bzw. sehen überhaupt keine Notwendigkeit sich nach Alternativen umzuschauen, auch wenn sie noch so selten spiel(t)en. Ich möchte das nicht an diesen beiden Namen festmachen, sie sind nur zwei von vielen Beispielen aus den letzten Jahren. Seit der Meisterschaft 2007 ist hier fast nur Missmanagement zu beklagen, wofür die Herren hoffentlich bei der nächsten Mitgliederversammlung die Quittung erhalten. Würde man einen starken Trainer akzeptieren und ihm und seiner Philosophie folgen, könnte man solche Legionäre auch mal sanktionieren, so dass sie eben kein Schlaraffenland mehr vorfinden.

Die letzten Wochen gaben Hundt und Staudt ein erbärmliches Bild in der Öffentlichkeit ab. Hundt machte öffentlich Stimmung gegen Gross. Staudt ließ sich, wie auch im letzten Jahr, höchstens auf dem Wasen blicken und quittierte selbst das Pfeifkonzert gegen seine Person mit seinem bekannten süß-sauren Lächeln. In Sport im Dritten am Sonntag sollte er sich stellen, gab aber auch nur das Bild eines ratlosen Häufchen Elends ab. Dazu durfte sich noch unser neuer Hauptsponsor, Herr Garcia von GAZI, Christoph Daum als neuen Trainer wünschen.

Mir tut in diesem Schmierentheater Christian Gross unendlich Leid. Ich hatte zwar schon befürchtet, dass er vielleicht selbst irgendwann einmal hinschmeißt, wenn er ständig gegen Windmühlen anrennt. Er ist aber ein ausgewiesener Fachmann, der am wenigsten für die derzeitige Krise kann.

Ihn ließen wieder einmal die Herren Spieler im Stich, die jetzt unter einem neuen Mann sicher wieder 20% mehr laufen und sich taktisch geschickter bewegen. Dann werden sich die Herren vom Vorstand auf die Schenkel klopfen und sich wieder einmal beglückwünschen wie toll sie alle sind. Schämt Euch!

Ich habe die große Hoffnung, dass sich die Fans, die, wenn man sich in den einschlägigen Foren umschaut, genauso sauer sind, wie ich, es sich dieses Mal nicht klaglos gefallen lassen sondern (friedlich)  auf die Barrikaden gehen. Ein erster Protest heute um 16.30 Uhr am Vereinsgelände zeichnet sich bereits ab.

Nichts desto trotz werde ich am Samstag auf Schalke meinen VfB unterstützen. Ich liebe das Wappen, die Tradition, aber nicht immer das verantwortliche Personal.

In diesem Sinne, bleibt dem VfB treu, viele Grüße

Franky

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22. Oktober 2009

“Trainerdebatte ist unangemessen”

Category: Presse — Tags: – Franky @ 19:46

Stuttgart – Der VfB-Aufsichtsratschef Dieter Hundt warnt vor Aktionismus in der Trainerfrage. Trotzdem sagt er, dass die Mannschaft jetzt schnell bessere Ergebnisse brauche.

Herr Hundt, die Niederlage gegen Sevilla dürfte Sie um den Schlaf gebracht haben.

Machen Sie sich da mal keine Sorgen. Ich habe gut geschlafen, wie immer.

Aber entspannt dürften Sie dennoch nicht sein. Wie lange sind Sie denn nach dem Spiel im Stadion mit Ihren Kollegen aus der Vereinsführung zusammengesessen, um über das Krisenmanagement zu sprechen?

Wir haben uns im Ehrengastraum auf informeller Ebene ausgetauscht und das Spiel Revue passieren lassen. Um 23.20 Uhr bin ich nach Hause gefahren.

Mit welchem Gefühl?

Mit einem relativ positiven. Meine Analyse lautet, dass die Mannschaft eine deutliche Leistungssteigerung gezeigt hat. Da setzte sich die Tendenz aus der Partie gegen Schalke fort. Die Spieler waren willig und einsatzfreudig. Auch Alexander Hleb präsentierte sich stark verbessert. Das sehen meine Kollegen aus dem Aufsichtsrat und dem Vorstand genauso. Das Team hat bewiesen, welches Potenzial in ihm steckt. Das macht Hoffnung – auch wenn die letzte Abgeklärtheit noch gefehlt hat.

Entschuldigung, aber ist diese Sichtweise nicht ein bisschen zu euphorisch?

Nein, ich habe den Eindruck, dass die Entwicklung ähnlich ist wie in unserer Wirtschaft. Hier wie dort haben wir den Tiefpunkt überwunden. Es geht aufwärts, auch wenn wir noch lange nicht da sind, wo wir hinwollen.

Davon ist der VfB sogar noch weit entfernt. Das belegen die Ergebnisse in der Bundesliga und in der Champions League.

Natürlich sind wir mit den Ergebnissen nicht zufrieden. Das muss sich ändern. Wir brauchen noch etwas Geduld. Dann platzt der Knoten.

Das muss er wohl auch bald, denn sonst dürfte die Entlassung des Trainers Markus Babbel unvermeidlich sein.

Eine Trainerdebatte ist zum jetzigen Zeitpunkt unangemessen. Die lassen wir nicht zu. Das wäre das Verkehrteste, was wir machen könnten. Aktionismus hilft nicht weiter. Wir müssen Ruhe bewahren.

Aber es ist unruhig beim VfB.

Natürlich haben wir uns das vor der Saison alle anders vorgestellt. Aber eindeutig ist doch, dass Markus Babbel wesentlich dafür verantwortlich ist, dass die Aufwärtsentwicklung eingesetzt hat. Es ist nicht so, dass er nicht mehr an die Mannschaft herankommt – ganz im Gegenteil. Ich kann beim besten Willen nicht feststellen, dass es da ein Problem gibt. Das Verhältnis ist intakt.

Sagen Sie das vielleicht auch, weil es auf dem Trainermarkt momentan keinen überzeugenden Kandidaten gibt?

Das hat damit nichts zu tun. Ich werde dieses Thema nicht vertiefen. Solche Grundsatzdiskussionen sind kontraproduktiv. Wir sind auf dem richtigen Weg. Den werden wir alle unterstützen.

Wo liegen dann die Gründe der Talfahrt?

Es gibt nicht einen oder zwei konkrete Gründe. Sonst wäre es leicht, das Übel abzustellen, und alles wäre gelöst.

Sie dürfen gerne viele Gründe aufzählen.

Tatsache ist, dass einige Spieler zu Saisonbeginn nicht fit waren. Zudem konnte sich die Mannschaft während der Saisonvorbereitung nicht einspielen. Ein Zusammenwachsen war nur schwer möglich. Dieser Prozess kann erst jetzt über die Spiele erfolgen, was selbstverständlich kein Idealzustand ist.

Das ist vor allem deshalb so, weil die Neuzugänge sehr spät verpflichtet wurden.

Das stimmt. So konnten sich die neuen Spieler bei uns nur schwer integrieren.

Machen Sie dem Manager Horst Heldt deshalb einen Vorwurf?

Nein. Ich kann in der Transferpolitik der sportlichen Leitung keine Versäumnisse bemängeln. Die Verantwortlichen sind im Interesse des Vereins korrekt vorgegangen und haben die Zockereien von Spielern und deren Beratern nicht mitgemacht. Hinter dieser Strategie stehe ich voll und ganz.

Dafür muss der VfB jedoch einen ziemlich hohen Preis zahlen.

Dennoch werden wir nie bereit sein, finanzielle Forderungen zu erfüllen, die astronomisch sind. Denn für uns sind neben dem Sport auch wirtschaftliche Erwägungen von zentraler Bedeutung. Das sind wir dem Verein schuldig. Diesen Kurs der Vernunft werden wir nicht verlassen. Die Alternative ist definitiv schlechter.

Von Erwin Staudt ist schon lange nichts mehr zu hören. Wäre der Präsident nicht gerade in diesen schwierigen Zeiten gefordert – oder warum sagt Staudt nichts?

Das müssen Sie ihn selber fragen. Wir haben mit Horst Heldt einen Sportdirektor im Vorstand, der dieses Feld abdeckt.

Was muss passieren, damit der VfB die Krise meistern kann?

Wir haben drei ganz wichtige Spiele vor uns – am Samstag gegen Hannover, am Dienstag im Pokal bei der SpVgg Greuther Fürth und dann gegen den FC Bayern. Da muss die Mannschaft wieder engagiert auftreten, die Aufwärtstendenz fortsetzen und die Zuschauer begeistern – und die Ergebnisse müssen stimmen.

So einfach ist das?

Ja, das ist es, was ich erwarte.

StZ

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