3. April 2010

Abschied vom VfB Stuttgart: Cacau sucht ein neues Abenteuer

Cacau kommt erstens von der Massagebank und ist zweitens schlecht rasiert. Das eine liegt an seinem lädierten Knöchel, der intensiver Pflege bedarf. Und an den langen Stoppeln in seinem Gesicht trägt womöglich der Umstand Schuld, dass er vor lauter Grübelei nicht dazugekommen ist, das Barthaar zu kürzen. Denn in den vergangenen Tagen hat der Stürmer die Überlegungen über seine berufliche Zukunft noch einmal intensiviert – und ist am Ende zu einer Entscheidung gekommen, die alle genau so erwartet haben.

“Ich habe mich entschieden, das Angebot des VfB nicht anzunehmen. Ich werde den Verein nach dieser Saison verlassen”, so startet Cacau seine Ausführungen und beendet sie mit den üblichen Höflichkeitsfloskeln. Er habe “sieben wunderschöne Jahre” in Stuttgart gehabt, bedanke sich beim VfB und seinen Fans, und verspreche, in den verbleibenden Spielen alles zu geben. Anschließend aber sei es an der Zeit, weiterzuziehen: “Dann starte ich ein neues Abenteuer.”

Es sind versöhnliche Töne, die Cacau am Ende findet – viel versöhnlicher jedenfalls als die Erklärungen, die er zuvor als Grund für seinen Wechsel anführt. Ausgiebig beklagt er sich über fehlende Wertschätzung, die er gerne im Gehalt und nicht allein in gutem Zureden wiedergefunden hätte. “Es wurde mir immer gesagt, wie wichtig ich für den VfB bin, aber das wurde nicht in Taten umgesetzt”, sagt er: “Wenn ein Spieler seine Leistung bringt, dann hat er das Recht, das zu bekommen, was er verdient.” Dies sei “eine Frage der Gerechtigkeit” – und er fühlte sich ungerecht behandelt: “Ich habe den Anspruch, ein Führungsspieler zu sein. Offensichtlich hat der VfB eine andere Sicht, sonst hätte man mir ein besseres Angebot gemacht.”

Im vergangenen November begannen die Verhandlungen über eine Vertragsverlängerung. Es gab das Angebot des VfB mit einem Jahresgehalt von knapp zwei Millionen Euro und die Forderung des Spielers von mehr als drei Millionen. “Damals war der Verein und auch ich in einer schwierigen Phase”, sagt Cacau und wertet es als faires Entgegenkommen seinerseits, dass er seine Gehaltsvorstellungen auch dann nicht erhöhte, als er urplötzlich zum gefeierten Torjäger wurde: “Ich habe nach den vier Toren in Köln nicht mehr gefordert.”

“Ich bin es nicht gewohnt, so zu verhandeln”

Doch für den VfB war auch die bestehende Forderung trotz des Höhenflugs des Nationalspielers zu hoch. Der Manager Horst Heldt findet es schade, dass Cacau geht, “wir hätten ihn gerne gehalten”. Man habe “ein ordentliches Angebot” gemacht, das während der Verhandlungen zweimal auf am Ende mehr als 2,5 Millionen Euro erhöht wurde: “Wir sind aber nicht dahin gekommen, wo er gerne hinwollte. Und wir können nicht über unsere Verhältnisse leben.”

Als weiteren Grund für seinen Wechsel nennt Cacau den Verlauf der Verhandlungen und die Tatsache, dass konkrete Zahlen öffentlich geworden seien. Das hätte nicht passieren dürfen und habe in ihm den Wunsch reifen lassen, den VfB zu verlassen. “Ich bin es nicht gewohnt, so zu verhandeln”, sagt der 29-Jährige. Auch diesen Schuh mag sich Horst Heldt nicht anziehen. Er habe keine konkreten Summen genannt, sagt der Manager. Und dass in der Öffentlichkeit munter spekuliert werde, gehöre nun mal zum Profifußball.

Wahrend Cacau in den nächsten Tagen seinen neuen Club bekanntgeben will (als Bewerber gelten Schalke, Wolfsburg und der FC Sevilla), intensiviert der VfB nun die Suche nach einem neuen Stürmer. “Wir haben damit schon begonnen und werden jetzt konkreter”, sagt Heldt. Ein Kandidat neben Adrian Ramos (Hertha BSC) und Albert Bunjaku (Nürnberg) ist Erik Jendrisek. Der 23-jährige Slowake vom 1. FC Kaiserslautern hat in dieser Saison 13 Tore erzielt – und wie Cacau einen entscheidenden Vorteil: Er ist ablösefrei zu haben.

(STZ 31.3.10)

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