31. Dezember 2010

VfB verliert 1:2 gegen Hannover: Die zweite Liga rückt näher

Die Fans des VfB Stuttgart haben vor dem Spiel in Hannover eine böse Vorahnung gehabt. Also hielten sie in der AWD-Arena bereits vor dem Anpfiff ein Plakat in die Höhe: “Herr Staudt, Herr Hundt, es ist fünf vor Zwölf – wo ist das Konzept?”, so lautete die bange Frage der Anhängerschaft an die Adresse des VfB-Präsidenten und des Aufsichtsratschefs.

Als der Schiedsrichter Manuel Gräfe die Partie in der niedersächsischen Hauptstadt beendete, da war die Befürchtung zur Gewissheit geworden. Der VfB hat mit dem 1:2 (0:1) bei den 96ern bereits das zehnte Saisonspiel verloren – die Krise des Clubs hat damit eine neue Dimension erreicht. Die zweite Liga rückt immer näher, denn auf der Habenseite weisen die Stuttgarter, die vorerst auf dem Relegationsplatz 16 bleiben, einen Spieltag vor dem Ende der Vorrunde weiter nur zwölf Punkte auf.

Keller steht vor der Entlassung

Die Elf des Trainers Jens Keller tritt auf der Stelle, spielt konzeptlos und uneffektiv – obendrein könnte sich der Abstand auf die sicheren Tabellenregionen von derzeit vier Zählern am Samstag noch vergrößern. Denn in Köln und Gladbach sitzen die beiden Schlusslichter dem Club dicht im Nacken. Es droht daher sogar der letzte Tabellenplatz, denn das Duo kann Samstag und Sonntag am VfB vorbeiziehen. “Es ist nicht meine Aufgabe, einen Trainerwechsel zu entscheiden”, sagte Cacau über die Lage von Jens Keller, der 58 Tage nach seiner Inthronisierung vor der Entlassung steht.

Nach dem 1:1 gegen die TSG Hoffenheim, wo er erstmals mit einem breit gestaffelten Mittelfeld gespielt hatte, änderte Jens Keller erneut die taktische Grundformation und ließ Elson in der Zentrale als offensiven Spielgestalter hinter der einzigen Spitze Cacau ran. Der Brasilianer rückte für Mamadou Bah in die Startelf und kam so erstmals seit einem Jahr wieder für den VfB in der Bundesliga zum Einsatz. Nach Elsons letzter Partie für die Stuttgarter, dem 1:1 gegen Bochum im Dezember 2009, hatte der Teamchef Markus Babbel seinen Hut nehmen müssen. Mit zuvor gerade einmal zwei Auswärtspunkten aus sieben Bundesligapartien in Hannover angereist, ging der VfB zwar mit dem Willen in die Partie, die drei bitter notwendigen Punkte zu holen. Doch schnell wurde klar, dass dem Team dazu derzeit die spielerischen Mittel fehlen.

Nach leichter optischer Dominanz in der Anfangsviertelstunde kamen die 96er bald zu einer Vielzahl von Möglichkeiten. Zunächst scheiterte Didier Ya Konan nach einem Sololauf am Torwart Sven Ulreich (20.), dann probierte es der agile Jan Schlaudraff mit einem Heber, ehe Lars Stindl nach einem Linksschuss ebenfalls in Ulreich seinen Meister fand (28.). Die größte Chance für die Hausherren bot sich zunächst dem Innenverteidiger Emanuel Pogatetz, der aus fünf Metern neben das Tor köpfte (32.).

Es lief nichts zusammen

Bei den Stuttgartern lief derweil nichts zusammen: Der Kapitän Matthieu Delpierre leistete sich mehrere Aussetzer; der einzige Angreifer Cacau ließ sich viel zu oft ins Mittelfeld zurückfallen – und Elson fand überhaupt keine Bindung zum Spiel der Kollegen. Er wurde in der Pause durch Pawel Pogrebnjak ersetzt. Zuvor offenbarte sich aber die größte Schwachstelle des VfB: die Abwehr. Nach einem Steilpass von Konstantin Rausch hob der indisponierte Georg Niedermeier das Abseits auf. Das Leder kam zu Didier Ya Konan, der aus kurzer Distanz durch die Beine von Sven Ulreich das 1:0 erzielte (35.).

Nach dem Wechsel baute der wild anrennende VfB weiteren Druck auf – und wurde kurzfristig für sein kämpferisches Engagement belohnt: Georg Niedermeier gelang nach einer Flanke von Timo Gebhart aus fünf Metern per Kopf das 1:1 (74.) – doch der Gegenschlag der Hausherren ließ nur kurz auf sich warten: Nach einem Zuspiel von Christian Schulz erzielte Ya Konan mit seinem neunten Saisontreffer aus spitzem Winkel das 2:1 (76.). Der Ivorer stand dabei allerdings im Abseits.

Bobic: “Dem VfB nicht würdig”

“Die erste Halbzeit war dem VfB nicht würdig”, sagte der Manager Fredi Bobic, dem nun vor den Heimspielen gegen den FC Bayern in der Liga und Pokal unruhige Tage ins Haus stehen. “Es gibt viel zu tun, denn es fehlt an vielem”, sagte Matthieu Delpierre, “die Situation ist so kritisch wie nie zuvor.”

Hannover

Fromlowitz – Cherundolo (23. Chahed), Eggimann, Pogatetz, Schulz – Schmiedebach, Pinto (87. Lala) – Stindl, Rausch – Ya Konan, Schlaudraff (80. Hanke).

Stuttgart

Ulreich – Degen (78. Kuzmanovic), Niedermeier, Delpierre, Boka – Träsch, Gentner (66. Audel) – Harnik, Elson (46. Pogrebnjak), Gebhart – Cacau.

Schiedsrichter

Gräfe (Berlin).

Zuschauer

36 207.

Tore

1:0 Ya Konan (35.), 1:1 Niedermeier (74.), 2:1 Ya Konan (76.).

(STZ online 10.12.2010)

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2:4 in Bern: Der VfB versinkt im Schneechaos

Fredi Bobic sieht aus wie ein begossener Pudel. Leise rieselt der Schnee, leise und unaufhörlich. Bobic wird nass. “Da kann man nichts machen. Die Zeiten sind eben ungemütlich”, sagt der Manager des VfB Stuttgart. Zuvor hatte er miterleben müssen, wie seine Elf bei Young Boys Bern mit 2:4 verlor. “Die Jungs haben sich selbst um den Lohn gebracht”, sagt Bobic. Dabei war das Ergebnis an diesem Abend aber sowieso Nebensache.

Denn wohl nur ganz selten in der Vereinsgeschichte hat ein internationales Pflichtspiel stattgefunden, das so bedeutungslos war wie jenes am Mittwochabend. Erstens war schon vor dem Anpfiff klar, dass der VfB in der Europa League überwintern würde und auch in der nächsten Runde im Februar noch im Rennen ist. Und zweitens gilt die Konzentration ohnehin dem Abstiegskampf in der Bundesliga, wo die Lage vor dem baden-würrtembergischen Derby am Samstag gegen Hoffenheim bedrohlich ist. “Das wird eine heiße Kiste”, sagt Bobic, “wir brauchen die Punkte unbedingt.”

Wenn die Partie in Bern angesichts dessen einen Sinn hatte, dann den, dass einige Reservisten die Gelegenheit erhielten, auf sich aufmerksam zu machen – speziell Zdravko Kuzmanovic, Pawel Pogrebnjak und Mauro Camoranesi. Die äußeren Umstände machten den Auftritt zwar zu einem Muster ohne große Aussagekraft. Das Fazit lautet aber dennoch, dass der zweikampfschwache Camoranesi trotz einiger gelungener Aktionen seine Chance nicht nutzte. Dagegen bemühten sich Kuzmanovic und Pogrebnjak zumindest.

Die Gewinner waren jedoch die Spieler, die der Trainer Jens Keller zur Schonung für Hoffenheim zu Hause gelassen hatte, etwa Cacau, Matthieu Delpierre und Christian Träsch. Sie saßen im Trockenen. Vor dem Fernseher dürften sie sich an einen alten Schlager von Roy Black erinnert gefühlt haben: “Ganz in Weiß”. Starker Schneefall sorgte dafür, dass der Schiedsrichter Alon Yefet die Partie mit einer halbstündigen Verspätung anpfiff. Der Platz musste erst geräumt werden. Zudem steckten viele Fans noch im Stau.

Neben den Spielern in der Heimat gab es beim VfB aber auch noch einen Gewinner: Michael Meusch, den Zeugwart. In weiser Voraussicht hatte er Petroleum eingepackt. Damit bestrich er die Sohlen der Kickstiefel – und verhinderte, dass der Schnee haften blieb. So waren die Spieler wenigstens einigermaßen standfest.

Gutes Sitzfleisch brauchten sie später auch. Denn wegen des Wintereinbruchs konnte die Chartermaschine des Clubs nach der Partie nicht wie geplant in Bern starten. Eine weitere Hotelübernachtung hatte der VfB nicht gebucht. So musste er schließlich mit dem Mannschaftsbus zurück nach Stuttgart fahren. Unterwegs konnten sich die Profis dann auch über ihren Auftritt unterhalten. Es hatte schlecht begonnen für den VfB, mit einem Lattentreffer für Bern durch Lulic (2.). Aber in der Folge hatten beide Mannschaften unter den Verhältnissen auf dem eigentlich unbespielbaren Platz zu leiden. Willkommen zum Schneewalzer von Bern. Nach 30 Minuten kamen die Räumfahrzeuge wieder zum Einsatz. Einige Helfer kehrten den Schnee von den Linien. Sogar Marc Ziegler griff zum Besen. Von der Haupttribüne aus war die Gegentribüne nicht zu erkennen. Bei minus drei Grad gingen zwischendurch auch noch ein paar Dachlawinen ab.

Solche Bilder sah man bei einem VfB-Spiel noch nie. Nicht neu waren dagegen die Abwehschwächen. Davon profitierte David Degen, der die Young Boys in Führung brachte (35.). Nach der Pause steigerte sich der VfB jedoch. Pogrebnjak erzielte den Ausgleich (48.). Dann schlug der eingewechselte Sven Schipplock zu. 93 Sekunden war er auf dem Feld, als er einen Pass von Camoranesi zum 2:1 nutzte. Aber es reichte nicht. In vier Minuten schossen Sutter (78.) und Mayuka (81., 82.) auch die Young Boys in der Europa League weiter. “Da haben wir geschlafen”, sagt Bobic. Es war also wie zuletzt in der Bundesliga. Der VfB war bedient, aber es könnte noch schlimmer kommen. Denn bei einer Niederlage am Samstag gegen Hoffenheim würde Fredi Bobic erneut wie ein begossener Pudel dastehen – ganz unabhängig vom Wetter übrigens.

Bern:

Wölfi – Sutter, Nef, Affolter, Jemal – Pascal Doubai (67. Marco Schneuwly), Spycher – David Degen, Costanzo (56. Christian Schneuwly), Lulic (73. Regazzoni) – Mayuka.

VfB Stuttgart:

Ziegler – Philipp Degen (69. Funk), Bicakcic, Niedermeier, Molinaro – Bah – Kuzmanovic, Camoranesi – Elson – Pogrebnjak (66. Schipplock), Harnik (74. Didavi).

Schiedsrichter:

Yefet (Israel).

Zuschauer:

18.627.

Tore:
1:0 Degen (35.), 1:1 Pogrebnjak (48.), 1:2 Schipplock (68.), 2:2 Sutter (78.), 3:2 Mayuka (81.), 4:2 Mayuka (82.).

(STZ online 2.12.2010)

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Abstiegskampf: Die VfB-Krise spitzt sich wieder zu

Category: Spielberichte — Tags: , , , , , – Franky @ 07:30

Nachdem alles Anrennen seiner Spieler in der Schlussphase der Partie gegen den 1. FC Köln nichts geholfen hatte, schlich Jens Keller in der Baustelle Mercedes-Benz-Arena mit enttäuschter Miene in die Kabine. Von 2000 bis 2002 hat der VfB-Trainer selbst in der Domstadt gespielt, seine Familie wohnt noch am Rhein. Aber auch Keller konnte die Stuttgarter Negativserie gegen den bisherigen Tabellenletzten nicht stoppen. Seit 1996 hat der VfB zu Hause gegen Köln nicht mehr gewonnen.

Am Sonntag hat es nicht mal zu einem Punkt gereicht. Durch das 0:1 hat sich die Krise des VfB wieder verschärft. Der Verein ist nun punktgleich mit den Kölnern Drittletzter, muss am Samstag beim HSV ran. Der aktuelle Platz 16 würde am Saisonende die Relegationsspiele um den Verbleib im Fußball-Oberhaus bedeuten. “Wir sind jetzt im Sumpf unten drin und müssen uns da wieder rauswühlen”, sagte der Manager Fredi Bobic: “Ich möchte der Mannschaft für dieses Spiel aber keinen Vorwurf machen.”

Köln übernahm schnell die Initiative

Im Vergleich zum 3:3 in Kaiserslautern, als der VfB eine 3:0-Führung fahrlässig verspielt hatte, stellte Jens Keller sein Team nur auf einer Position um: Für den an einem Darminfekt erkrankten U-21-Nationalspieler Patrick Funk rückte Stefano Celozzi als rechter Verteidiger in die Startelf.

Der ehemalige KSC-Profi stand auch gleich im Mittelpunkt des Geschehens, denn die Gäste aus Köln übernahmen schnell die Initiative. Die Elf des Trainers Frank Schaefer, der Ende Oktober den entlassenen Zvonimir Soldo beerbt hatte, spielte überraschend selbstbewusst. So diktierten die Gäste, angeführt vom motivierten Ex-Stuttgarter Martin Lanig, über weite Strecken das Spiel – und kamen mehrfach gefährlich vor das VfB-Tor. Dies ging vor allem deshalb einfach, weil die Kölner die größte Schwachstelle im Stuttgarter Spiel schnell ausgemacht hatten: Der Rückkehrer Celozzi war auf rechts gegen Lukas Podolski und Fabrice Ehret mehrfach überfordert.

Während Köln nach einer Podolski-Flanke durch Lanig dicht vor dem Torerfolg stand (34.), besaß der VfB im ersten Durchgang dennoch das Gros an klaren Chancen. Bereits nach elf Minuten hätten die Stuttgarter führen müssen: Nach einer tollen Kombination über die rechte Seite mit den Stationen Timo Gebhart und Ciprian Marica stand Cacau völlig frei vor dem FC-Torhüter Faryd Mondragon – doch der dienstälteste VfB-Profi scheiterte aus neun Metern an dem Kolumbianer. Aber auch der Sturmkollege Ciprian Marica machte es nicht besser, als er von der Strafraumkante aus links vorbeischoss (33.). Dann war für Cacau erneut bei Mondragon Endstation (36.).

VfB-Profis waren verunsichert

Trotz der drei dicken Möglichkeiten war den VfB-Profis die Verunsicherung deutlich anzumerken. Die Lauf- und Passwege stimmten nicht, einige Spieler sind zudem mit dem Abstiegskampf offensichtlich mental überfordert. “Ich bin sehr unzufrieden. Und zwar in erster Linie, weil wir unsere Chancen nicht genutzt haben”, sagte Jens Keller.

Auch ohne den ausgewechselten, weil Gelb-Rot gefährdeten Antreiber Martin Lanig blieb Köln weiter gefährlich. Zunächst musste der starke VfB-Torwart Sven Ulreich gegen Podolski im Eins-gegen-Eins in höchster Not retten (48.). Seine Vorderleute bekamen gegen die angeschlagenen Rheinländer, die in der Vorwoche zu Hause mit 0:4 gegen Gladbach untergegangen waren, das Spiel einfach nicht in den Griff. Zu schwach spielte Christian Gentner, zu ideenlos agierten die Angreifer Cacau und Marica. Trotzdem hätte der VfB 1:0 führen können, hätte der für Marica eingewechselte Pawel Pogrebnjak den Ball nicht an den Pfosten geschossen (79.).

Das einzige Tor fiel letztlich auf der Gegenseite, als der Schiedsrichter Christian Dingert, der seine erste Bundesligasaison absolviert, einen zweifelhaften Elfmeter gab. Lukas Podolski ließ Ulreich vom Elfmeterpunkt keine Chance (82.). “Wir hatten unsere Möglichkeiten, hätten das Spiel früh entscheiden können”, sagte der Abwehrmann Georg Niedermeier, “umso ärgerlicher ist es, dass wir keine Punkte eingefahren haben.”

VfB Stuttgart

Ulreich – Celozzi, Niedermeier, Delpierre, Molinaro – Träsch, Gentner (85. Camoranesi) – Gebhart, Boka (78. Harnik) – Cacau – Marica (72. Pogrebnjak).

1. FC Köln

Mondragon – Brecko, Geromel, Mohamad, Ehret – Petit (86. Schorch), Pezzoni – Jajalo (71. Matuschyk), Lanig (46. Clemens), Podolski – Novakovic.

Schiedsrichter

Dingert (Lebecksmühle)

Zuschauer
39.500
Tor

0:1 Podolski (82./Foulelfmeter)

(STZ online 21.11.2010)

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21. November 2010

Zum Heimsieg verdammt!

Heute geht es gegen das Schlusslicht der Liga, den einst so ruhmreichen 1. FC Köln. Bei den Kölnern war diese Woche mächtig Feuer unterm Dach, erst das 0:4 zu Hause gegen den Erzrivalen Mönchengladbach, was sich für die FC-Fans wohl in etwa so anfühlen dürfte, wie für uns, wenn wir den KSC vergeigen würden, also eine Form von “No Go”. Eine Niederlage im Derby ist schon schlimm genug, aber dann bitte nicht in dieser Art und Weise!

Dann stand noch die Jahreshauptversammlung an, in dem die Mehrheit der Mitglieder dem Vorstand die Entlastung verweigerte und der Manager Michael Meier sich böse Schimpftiraden anhören durfte. Es war also eine Woche in Köln, wo auch der letzte Spieler in Köln mitbekommen haben dürfte, worum es geht. Uns dürfte also sicher erst einmal eine hochmotivierte und unter wahnsinnigem Druck stehende Kölner Mannschaft erwarten. Sie werden auch durchaus mit breiter Brust kommen, wenn man sich vor Augen führt, dass der VfB seit 1996 keinen Hemsieg mehr gegen die Geißböcke eingefahren hat und die letzten Auftritte in der Mercedes Benz-Arena allesamt verloren wurden.

Doch aus VfB-Sicht dürfen diese Umstände natürlich keine Rolle spielen. Ein Heimsieg muss her, egal wie! Umso mehr, als dass ja vor Wochenfrist in Kaiserslautern der schon sichere Sieg leichtfertig verschenkt wurde. Beim VfB scheint sich jetzt langsam doch eine Formation herauszukristallisieren, die in der Liga etwas reißen kann. Für die, die nach Verletzungen jetzt nach und nach zurück kommen, mag es zunächst hart sein, aber derzeit gibt es eigentlich keinen Grund an der Stammformation zu rütteln.

So pläidere ich weiterhin für

  • Sven Ulreich (sowieso außer Frage derzeit)
  • Patrick Funk (hatte in Kaiserslautern gegen Rivic zwar nicht seinen besten Tag, vor allem wegen seiner Schnelligkeitsdefizite, beißt sich aber in ein Spiel rein und ist konzentrierter bei der Sache, als z. B. Boulahrouz, dessen Einwechslung der Anfang vom Ende in Lautern bedeutete. Celozzi ist wieder einsatzfähg, hat aber noch nie so überzeugt, als dass Keller für ihn die Mannschaft ändern müsste. Degen steht auch wieder zur Verfügung und zeigte in Kaiserslautern vor allem in Sachen schnelle Vorstöße gute Ansätze. Ist der auch konditionell wieder für 90 Minuten bereit, sehe ich ihn vor Celozzi.
  • Matthieu Delpierre und Georg Niedermeier stellen sich von selbst auf, da Tasci und Boulahrouz ausfallen.
  • Cristian Molinaro, mit ansteigender Form und gutem Zusammenspiel mit Boka auf der linken Seite
  • Mittelfeldzentrale mit den Christians Träsch und Gentner. Träsch sowieso über jeden Zweifel erhaben, Gentner ebenfalls mit ansteigender Formkurve. Das Zusammenspiel und die Abstimmung mit Träschi funktioniert weitaus besser als zuvor mit Kuzmanovic. Diesen 8-Millionen-Mann sehe ich daher bis auf weiteres auf der Ersatzbank, ebenso wie Mamadou Bah.
  • Arthur Boka hat sich erst einmal auf dem linken Flügel festgespielt und beweist neuerdings sogar Torjägerqualitäten. Technisch anspruchsvoller Lupfer gegen Lautern zum 0:1. Für ihn freut es mich besonders, dass er sich in die Mannschaft gespielt hat. Schon im Sommer, als verzweifelt Außenbahnspieler gesucht wurden, plädierte ich für ihn aus zweierlei Gründen. Offensiv gefällt er mir besser als defensiv, schon von daher ein Versuch wert, zum anderen ist er ein zu teurer Mann für die Ersatzbank. Dort sollten optimalerweise wirklich Leute aus der zweiten Reihe sitzen und keine hochdotierten Nationalspieler. Wenn Arthur die Leistungen festigt, wird es für Didavi und Audel schwer in die erste Elf zu kommen.
  • Timo Gebhart hat sich auch unter Jens Keller fest in der Mannschaft etabliert und derzeit die Nase vorn vor einem (alternden) Weltmeister Mauro Camoranesi.
  • Bliebe noch Elson, der, wie Jens Keller sagte, auf einer sehr speziellen Position spielt. Man könnte auch sagen, er spielt auf einer Position, die es bei uns nicht gibt, nämlich der des klassischen Zehners. Leider ist Elson kein Außenbahnspieler, wenn käme er allenfalls noch auf einer Position der Doppel-Sechs in Betracht, wo wir aber fast schon traditionell ein Überangebot haben. So wird sich an seiner Situation auf Sicht leider nichts ändern. Mir persönlich tut es Leid. Ich sehe ihn gerne spielen und empfinde ihn als einen der sympathischsten VfB-Profis überhaupt, einer der wirklich nach jedem Training noch minutenlang zu den Fans geht und sich nicht sofort verpisst. Bei ihm hat man auch nicht den Eindruck, dass es ihm lästig wäre, er ist einfach ein netter Kerl. Daher wünsche ich mir, dass er, nach dem Intermezzo bei Hannover 96 und seiner langwierigen Knieverletzung wieder Fuß fasst und als Einwechselfspieler noch das ein oder andere Mal helfen kann. Er ist jedenfalls einer, der das Auge für den tödlichen Pass hat, auch mal aus 25 Metern abzieht und brauchbare Standards schlägt. Sicher ist er der technisch versierteste Spieler, den wir haben.
  • Im Sturm haben derzeit Ciprian Marica und Cacau die Nase vorn. Pogrebnjak ist momentan ganz außen vor, Martin Harnik war zuletzt verletzt und bewies zumindest schon einige Male als Joker, dass er einen Riecher hat. In den letzten beiden Spielen war Marica an sechs der neun Tore direkt beteiligt. Nicht zum ersten Mal hofft man bei ihm, dass er endlich explodiert und eine solche Form auf Dauer halten kann. Cacau ist noch immer nicht der Cacau, der ihn zum Nationalspieler gemacht hat. Er ist überall, will zu viel und im entscheidenden Moment fehlt ihm dann die Konzentration. Sein Anspruch ist es, aufgrund seiner Gehaltserhöhung und WM-Teilnahme Führungsspieler zu sein, momentan trägt er an dieser Last schwer. Zuallererst sollte ein Führungsanspruch über Leistung angemeldet werden. Ich hoffe, er knüpft bald an seine Leistungen der vergangenen Rückrunde an, möglichst schon heute. Im letzten Spiel in Köln, beim 1:5, erlegte Cacau mit seinen vier Treffern den Geißbock fast im Alleingang.

Insgesamt betrachtet bin ich also für heute durchaus zuversichtlich, dass es mit dem vierten Heimsieg unter Keller etwas wird. Wichtig wird sein nicht in Rückstand zu geraten und die Offensive der Kölner in Schach zu halten. Da Podolski viel über links kommt, wird es an Funk oder Celozzi liegen, diesen einbremsen zu müssen. In der Mitte gilt es ein Augenmerk auf den wieder erstarkten Novakovic zu haben. Auch Lanig dürfte gegen die Ex-Kollegen besonders motiviert sein. Ihn darf man vor allem bei Standards nicht aus den Augen verlieren. Dennoch hat der VfB mehr Klasse in den Reihen als die Kölner. Dem VfB dürfte der Trainerwechsel der Kölner von Soldo zu Schäfer eher entgegen kommen, da sich die Kölner nicht mehr so einigeln wie noch unter Soldo und der VfB daher mehr Räume haben dürfte als noch in der letzten Saison.

Ich bin zuversichtlich, dass wir heute Grund zum Feiern haben werden. An eine Niederlage möchte ich gar nicht denken, dann wären wir punktgleich mit den Kölnern und hätten vor den Gladbachern, die in diesem Fall die rote Laterne übernehmen würden gerade einen Punkt Vorsprung. Und das vor den nächsten schweren Spielen in Hamburg, gegen Hoffenheim, in Hannover und gegen die Bayern. Das Spiel heute ist also das vermeintlich leichteste der noch anstehenden Bundesligaaufgaben in 2010 und daher immens wichtig. Mit einem Sieg würde das Selbstvertrauen weiter wachsen und wir könnten mit etwas Druck nach Hamburg reisen. Diese schwächeln ja ebenfalls.

Bilder vom heutigen Spiel folgen bereits heute abend, die aus Hamburg dann Sonntag-Nacht oder Montag früh. Bis dahin, drückt die Daumen heute, viele Grüße, Franky!

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16. November 2010

3:3 verloren! Jaaaa, der VfB!

Der VfB ist und bleibt ein Rätsel. Nach dem 6:0 gegen Bremen versuchte der VfB mit der gleichen Startaufstellung auch in Kaiserslautern sein Glück. Und, es schien gerade so weiter zu gehen. Als kurz nach der Pause Christian Gentner per Foulelfmeter das 0:3 markierte, waren die Pfälzer mausetot und niemand setzte auch nur noch einen Pfifferling auf die Kurz-Truppe. Doch der VfB präsentierte sich einmal mehr in Geberlaune und musste am Ende noch froh sein, wenigstens einen Punkt heimgebracht zu haben.

Auf das Spiel in Kaiserslautern freute ich mich schon lang. Das Stadion und die Fans gehören einfach in die Bundesliga. Nach dem Abstieg 2006 fand sich Kaiserslautern ja zeitweise fast in der Regional- bzw. Dritten Liga wieder, ehe Stefan Kuntz als Vorstandsvorsitzender die Wende zum Besseren schaffte. Meine letzten beiden Spiele auf dem Betze waren 2006 bei der WM Italien-Australien, mit dem noch gut in Erinnerung bleibenden Skandal-Elfer in der 95. Minute, sowie in der 2. Liga beim Spiel gegen St. Pauli. Tags darauf spielte der VfB in Mannheim gegen Hoffenheim, so dass wir in der Pfalz übernachteten und die beiden Spiele verbanden. Schon in der 2. Liga herrschte Erstliga-Atmosphäre, 40.000 Zuschauer, die den 4:1-Sieg frenetisch feierten. Spätestens ab diesem Zeitpunkt hoffte ich, dass die Lauterer bald einmal wieder aus der Bundesliga grüßen würden.

Karten bestellte ich dieses Mal nicht über den Fanclub sondern direkt beim 1. FCK. Im Gästebereich war ich schon allzu oft ganz oben gelandet und sah mehr vom Dachgestänge als vom Spiel. Dieses Mal wollte ich näher dabei sein und bestellte Karten auf der Gegengerade, mit der positiven Begleiterscheinung, keinen Fangzaun vor der Nase zu haben. In unserem Bereich im Stadion war gemischtes Publikum, sowohl VfB- als auch FCK-Fans. Teilweise auch Dauerkarteninhaber, die sichtlich angesäuert waren, ob der massig eingefallenen VfB-Invasion. Der VfB selbst hat ja 5.300 Gästekarten verkauft, rechnet man diese hinzu, die beim FCK als Käufer auftraten, waren es sicherlich 7.000 Schwaben. Dass es nicht zum Betze-Sturm gereicht hat und wir am Ende keinen Grund zum feiern haben, ja darüber können wir uns bei der Mannschaft beklagen.

Die Stimmung der Lauterer Fans war sehr gereizt. Sie ärgerten sich nicht nur über die vielen Schwaben in ihrer Nähe, auch über die eigene Mannschaft und die Aufstellung ihres Trainers, des gebürtigen Stuttgarters Marco Kurz. Schon zu Beginn war also Schwarzmalen angesagt und nach dem 0:1 und dem 0:2 fühlten sie diese schon früh bestätigt. Es war ganz geckig, die Gefühlsschwankungen dieser Fans hautnah mitzubekommen. Auf dem Betze wird eben Fußball gelebt, mit all den Freuden und auch dem Leiden, was bei einem Traditionsverein dazu gehört. Als Fan fand ich das ganz wohltuend, und weitaus emotionaler als noch vor 2 Wochen in Wolfsburg. Vor dem Spiel gab es dann noch eine schöne Choreographie der Lauterer Fans zu Ehren des verstorbenen Ehrenspielführers Fritz Walter, dessen Name das Stadion auf dem Betzenberg seit exakt 25 Jahren trägt.

Nach wie vor bin ich von Jens Keller nicht überzeugt. Zu tief sitzt noch immer die Verärgerung, zu der er mit seiner ersten Pressekonferenz als Cheftrainer Anlass gab. Auch wenn immer mehr Details über Christian Gross` Arbeit und sein Zerwürfnis mit den meisten im Verein ans Tageslicht kommen und ein leichter Aufwärtstrend zu erkennen ist, bin ich noch immer der Meinung, Christian Gross hätte die Wende (auch?) geschafft. Allerdings nicht unter diesen Voraussetzungen. Möchte man einen Trainer, der nachweislich Ahnung vom Fußball hat und Erfolge nachzuweisen hat, nicht nur kurzfristige, sondern auch nachhaltig, muss man vertrauensvoll miteinander zusammen arbeiten und den Trainer Mosaiksteinchen zusammen fügen lassen, die er für nötig hält. Dass Gross nach der Bobic-Anstellung als Manager, mit dem er offensichtlich nicht gut kann und dem geplatzten Petric-Transfer resigniert hat, kann ich mir durchaus vorstellen und kann es ihm auch nicht verdenken.

Angeblich hat der VfB-Vorstand Christian Gross schon lange Zeit vor seiner Verpflichtung auf dem Radar gehabt und ihn beobachtet. Daher ist es mir noch immer unbegreiflich, dass beide Seiten zum Schluss so weit auseinander lagen. Wer einen Christian Gross holt, sollte wissen was er tut. Beim VfB wissen sie aber leider nicht, was sie tun.

Dass Gross nicht mit jungen Leuten zurecht kommt und sie daher allesamt fort geschickt hat und auch statt Ulreich lieber einen gestandenen Keeper gehabt hätte, ist jedenfalls nicht darauf zurückzuführen, dass es Gross mit jungen entwicklungsfähigen Profis nicht kann. Es liegt viel mehr an der Qualität dieser Jungs, von denen Gross nicht überzeugt war. Ein Gegenbeispiel ist doch Timo Gebhart, der auch ein junger, längst nicht fertiger, Spieler ist, den Gross gefördert hatte bis zum geht nicht mehr. In Basel hat Gross Spieler wie Rakitic, Petric, Derdiyok, Streller und viele andere mehr an den Profifußball heran und in die weite Welt hinaus geführt. Der Vorstand hätte Gross vertrauen und seine Einschätzungen ernst nehmen müssen. Jetzt werden ihm auch noch der Abgang von Rudy und die Ausleihe von Schieber in die Schuhe geschoben. Der VfB tut gerade so, als wären vor Rudy keine Talente gegangen, weil ihnen der Weg nach oben durch teure Söldner verbaut wurde.

Auch die Mär, die leider auch von der schreibenden Zunft sehr  unterstützt wird, Jens Keller hätte, im Gegensatz zu Gross, Christian Träsch wieder ins Mittelfeld beordert, ist Quatsch. In der letzten Saison spielte Träsch ausschließlich im defensiven Mittelfeld und auch Gross war nicht verborgen geblieben, dass er dort am wertvollsten ist. Die Maßnahme, ihn als Außenverteidiger zurückzuziehen, war aus der Not geboren. Degen krank, Celozzi verletzt, Boulahrouz, verletzt und formschwach. Tasci, der die Rolle auch schon ausgefüllt hatte, musste, wenn er fit war, als Innenverteidiger ran, da Delpierre lange ausfiel und Niedermeier teils unterirdisch auftragt. Auch hier war Boulahrouz keine wirkliche Alternative. Patrick Funks Defizite in puncto Schnelligkeit traten in Kaiserslautern deutlich zu tage. So blieb Gross fast nichts anderes übrig, als Träsch als Außenverteidiger aufzubieten. Dazu kommt, dass, hätte er Träsch neben Kuzmanovic oder Gentner im defensiven Mittelfeld spielen lassen, ein hochbezahlter Akteur auf der Bank hätte Platz nehmen müssen, da beide nicht gerade für die Außenbahnen prädestiniert sind. So war es eine Frage der Zeit, bis Celozzi oder Degen zurückgekommen wären und Träsch wäre zurück ins Mittelfeld versetzt worden. Von VfB-Seite her wird mir da zu viel schmutzige Wäsche gewaschen, teilweise sogar noch von den Spielern, die sich am ehesten schämen sollten.

Dass Träsch jetzt wieder im Mittelfeld fungiert, tut unserem Spiel gut. Es ist deutlich mehr Zug drin. Er harmoniert auch besser mit Christian Gentner, als Gentner es mit Kuzmanovic tat, der leider gerade verletzt ist, es aber schwer haben wird, zurück in die Stammformation zu kommen. Die Zentrale scheint erstmal besetzt zu sein, auf den Außen tummeln sich hoffentlich bald auch wieder Didavi und Audel, dazu haben wir Gebhart und Camoranesi, da dürfte dann weder für einen Gentner noch für einen Kuzmanovic Platz sein.

Eine gute Maßnahme von Keller finde ich jedoch, Boka im linken Mittelfeld zu bringen. Sonst hieß es immer Boka oder Molinaro, jetzt spielen beide. Diese Maßnahme finde ich aus zweierlei Gründen gelungen: Erstens hat Boka seine Stärken sowieso mehr in der Offensive und ist hinten eher schludrig, zum anderen wäre er ein viel zu teurer Bankdrücker.

Sonst hat sich mit Keller ja nicht grundlegend viel geändert. Die Bilanz liest sich zwar nicht schlecht bis hier hin, wir sind aber längst noch nicht aus dem Schneider. Die Tabellensituation ist nach wie vor äußerst bedrohlich und mit 11 Punkten aus 12 Spielen die eines Abstiegskandidaten. Es ist wieder etwas mehr Bewegung drin und die Stürmer verbreiten wieder so etwas wie Torgefahr. Der Kader mag reichen, um in gesichertere Gefilden vordringen zu können, mehr als Bundesligadurchschnitt ist das aber auch nicht, was die Herren vom Vorstand uns mit den Einnahmen aus der Meisterschaft und zwei Championsleague-Teilnahmen zusammengekauft und auch verkauft bzw. verhökert haben.

In Kaiserslautern war es einmal mehr katastrophal mit ansehen zu müssen, wie die Mannschaft aufgrund kleinster Widrigkeiten auseinander gebrochen ist. Haarsträubende Stellungsfehler in der Defensive, die zu Gegentoren führten. Dazu ein Torwart, der einfach noch viel lernen muss. In Kaiserslautern merkte man den Fans die Vorfreude auf Ulreich in der Westkurve richtiggehend an. Sie versuchten von Beginn der 2. Halbzeit an, Ulreich nervös zu machen, was ihnen wohl auch gelang. Seine Präsenz bei Standards, seine Strafraumbeherrschung sind einfach noch immer nicht bundesligatauglich. Klar, wir waren jetzt zwei Jahre von Jens Lehmann verwöhnt. Stand er im Tor, musste man sich quasi bei keinem Eckball oder Freistoß aus dem Halbfeld fürchten. Er pflückte die Dinger runter und warf sich ins Getümmel. In mehr als 90% aller Fälle bekommt der Torwart den Freistoß, sollte es mal schief gehen. Dieser Mut fehlt Sven Ulreich noch. Ich war auch froh, dass man ihm die Chance geben wollte, zumal er mich in den Spielen, als er Lehmann vertrat, positiv überraschte. Spätestens ab dem Trainingslager setzte diesbezüglich bei mir ein Umdenken ein und ich hätte mir einen erfahreneren oder eben besseren Keeper für den VfB gewünscht oder zumindest, dass Ulreich seine Nerven in den Griff bekommt. Diesbezüglich habe ich öfter den Eindruck, dass er von zwei Möglichkeiten entweder überhastet die falsche trifft oder manchmal auch zu lange überlegt. Und das in Situationen, die ein Torhüter meiner Meinung nach intuitiv lösen können sollte. Die löchrige Abwehr jedoch macht es ihm auch nicht leicht, mehr Sicherheit zu bekommen und bringt ihn von einer Verlegenheit zur nächsten.

In Kaiserslautern nahm das Unheil seinen Lauf, als Keller Patrick Funk durch Khalid Boulahrouz ersetzte. Funk nach diesem Auftritt in Frage zu stellen, fand ich durchaus berechtigt, da alle bis dahin gefährlichen Lauterer Angriffe über seine Seite liefen und ihm gegen Rivic die Schnelligkeit fehlte. Dafür aber Boulahrouz einzuwechseln, gerade erst wieder von einer Verletzung genesen, dazu ein Unsicherheitsfaktor in den meisten Spielen, bei denen er auf dem Platz stand, verstand ich von Anfang nicht.

Dass dann eben dieser Boulahrouz mit Georg Niedermeier am 1:3 schuld war und sich Boula kurz danach mit Muskelfaserriss wieder verabschiedete, bestätigte mich in meinem anfänglichen Unverständnis über diese Maßnahme. Boulahrouz ist eben kein Außenverteidiger, der Druck erzeugen kann, was wichtig gewesen wäre, um selbst weiter Nadelstiche in der Offensive zu setzen. So war diese Einwechslung mit der Weckruf für die Lauterer, da es sich der VfB defensiv bequem machen wollte.  Für Boula kam dann Degen erstmals nach Pfeifferschem Drüsenfieber zum Einsatz, er zeigte wenigstens gute Ansätze nach vorne.

Der Hauptgrund an der furiosen Aufholjagd der Roten Teufel lag darin, dass der VfB meinte, das Ergebnis verwalten zu können. Ein folgenreicher Trugschluss und nicht nachvollziehbar, da der VfB ja noch immer nach seiner Form und dem verloren gegangenen Selbstbewusstsein sucht. Unermüdlicher Antreiber der Lauterer war ausgerechnet Christian Tiffert, der sichtlich gereift wirkt und vor allem durch gute und scharf getretene Standards auffiel. Allerdings hätte er auch durch sein überhartes Einsteigen gegen Christian Träsch vom Platz fliegen können. Hätte der Schiedsrichter Babak Rafati in der ein oder anderen Situation energischer durchgegriffen und härtere persönliche Strafen verhängt, wäre das Unheil vielleicht auch ausgeblieben. So aber ließ sich der VfB den Schneid abkaufen und das Spiel wurde hektisch, was natürlich eher den Pfälzern zugute kam. Am Ende feierten die FCK-Fans und wir schlichen aus dem Stadion wie begossene Pudel.

Der Abmarsch aus dem Stadion und die Rückfahrt mit dem Bus zu unserem Auto verlief friedlich. Logisch, dass die ein oder andere spitze Bemerkung wegen des verspielten Vorsprungs kam, aber da muss man als VfB-Fan halt durch. Insgesamt war alles friedlich, wie man es in Kaiserslautern normalerweise auch gewohnt ist. Nach dem Spiel ist die Verbissenheit und Rivalität vergessen und man kann sich normal übers Spiel, unsere Vereine und die Bundesliga unterhalten. So muss es sein.

Für uns war natürlich der eine Punkt weder Fisch noch Fleich und am Ende eher demoralisierend als aufbauend. Nächsten Sonntag müssen wir gegen den 1. FC Köln ran, dem das Wasser auch bis zum Hals steht. Aufgrund des 0:4-Derby-Debakels zu Hause gegen Gladbach und der in dieser Woche stattfindenden Jahreshauptversammlung, bei der in der höchsten Führungsriege mit rollenden Köpfen gerechnet wird, werden wir auf einen Gegner treffen, der Flagge zeigen muss. Als Schlusslicht ist für Köln “verlieren verboten”, daher rechne ich mit einem Spiel der Kölner nach der alten Soldo-Weisheit “Safety First”, also einem Riegel, den es erst einmal zu überwinden gilt. Dazu müssen sie aber selbst versuchen, über Konter zum Erfolg zu kommen, ein Unentschieden würde ihnen auch nicht sehr weiter helfen. Mit Podolski und Novakovic haben sie zumindest in der Offensive Leute, auf die man aufpassen muss. Könnte ein gefährliches Spiel werden, bei dem ein frühes Tor natürlich hilfreich wäre. Aber, bitte auf der richtigen Seite, sonst kann es ein ganz ungemütlicher Nachmittag werden.

Nach dem Spiel fuhren wir dann direkt vom P&R-Platz Kaiserslautern-Ost nach Kandel ins Schalander, wo die Murgtalschwaben ihre Jahresfahrt mit dem Bus unterbrachen und wir viele Bekannte begrüßen konnten. Dort gab es dann reichhaltig und gut zu essen. Kleiner Wermutstropfen: Die Bierversorgung ließ etwas zu wünschen übrig. Die einzige Bedienung, die für die gut 40 „Mann“ im 1. Stock zuständig war, mühte sich nach Kräften. Der Durst nach dem an diesem Tag erlebten wäre aber größer gewesen, so dass dem Schalander einiges an Umsatz entging, was sie hätten machen können.

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