26. Juli 2019

Vorfreude!

Heute schreibe ich meinen ersten Blog, indem die Abwärtsspirale und Wahrheitsbeugungen der letzten Jahre unter Wolfgang Dietrich keine Rolle mehr spielen werden!

Genau zwei Monate ist es her, seit wir in der Alten Försterei zu Köpenick den ebenso verdienten wie bitteren Gang in die 2. Liga antreten mussten.

Persönlich traf mich der Abstieg nicht sonderlich, weil mein Herz für den VfB ligaunabhängig schlägt, weil man es mit 28 Punkten nicht verdient hat, in der Liga zu bleiben, und, weil auch in der 2. Liga ordentlich Fußball gespielt wird und die Wahrscheinlichkeit groß ist, das eine oder andere Spiel mehr zu gewinnen.

Der 2016 verwendetet Spruch „eine neue Liga ist wie ein neues Leben“ gilt freilich nun beim zweiten Abstecher kurz hintereinander nicht mehr. Man wird auf sehr viel Altbekanntes treffen. Neu sind lediglich Regensburg und Osnabrück, während wir mit Kiel und Wehen-Wiesbaden schon im Pokal die Klingen kreuzten. Das 0:5 in Dresden war 2016/2017 das einzige Spiel, welches ich (wegen einer Hochzeit) verpasste, so dass auch das relativ neu für mich sein wird, hat die „Arena“ mit dem alten Rudolf-Harbig-Stadion (bis 2007) doch nicht mehr viel gemein.

Dennoch freue ich mich auf so gut wie alle Grounds, die nicht so hochglanzpoliert sind wie in der Bundesliga und in denen oft noch einheimisches Bier und regionale Fleisch- und Wurstspezialitäten kredenzt werden können. Zudem haben wir wieder zwei echte Derbys vor uns, sparen Berlin aus und dürfen stattdessen gleich Mal in die schönste Stadt Deutschlands, nach Stuttgart natürlich, Hamburg.

Sportlich sehe ich uns nach meinen bisherigen Eindrücken hervorragend aufgestellt. Die Chemie zwischen Thomas Hitzlsperger, Sven Mislintat und unserem neuen Trainer Tim Walter scheint zu stimmen. Nach Dietrichs und Reschkes Größenwahn mit irrsinnigen Gehältern und Verträgen, ist Vernunft eingekehrt. Spieler werden nach Charakter und dem Willen, sich verbessern zu wollen ausgewählt und nicht, weil sie einst einen großen Namen hatten. Darauf wird geklotzt und nicht gekleckert. Der VfB hätte sicherlich die Möglichkeit, einen Großteil der Transfereinnahmen zu reinvestieren, will es unter der neuen Führung aber nicht, weil man zur Politik der kleinen Schritte zurückgekehrt ist und die Teamchemie nicht vergiften will.

Sollte sich bis zum 31.08. noch Handlungsbedarf ergeben, wird man immer auch handlungsfähig sein. Unter normalen Umständen aber, da bin ich ganz bei Sven Mislintat, sollte man mit diesem Kader oben mitspielen und wieder aufsteigen können.

Mit Vorschusslorbeeren sollte man, schon überhaupt, wenn das erste Spiel noch nicht einmal angepfiffen ist, sehr vorsichtig sein. Aber, wie ich Tim Walter bislang erlebt habe, kann ich nur bestätigen, welch sensationeller Typ er ist. Zuckerbrot und Peitsche im Training, er kann streng aber auch sehr herzlich sein. Er ist direkt, die Spieler wissen, woran sie bei ihm sind.

Ich denke, bislang gibt es keinen einzigen, der ein schlechtes Wort über ihn verlieren würde. Da wünscht man ihm gerade, dass man hier in Stuttgart einfach mal den handelnden Personen vertraut und nicht gleich alles in Frage stellt, sollte der Start holprig verlaufen.

Dass die ständige Abkehr von einer Philosophie kontraproduktiv ist und uns erst dahin gebracht hat, wo wir jetzt stehen, weiß man. Walter ist ein authentischer Typ, von sich und seinem System überzeugt, der „nur“ die richtigen Spieler braucht, die für ihn durchs Feuer gehen. Was das angeht, habe ich derzeit ein richtig gutes Gefühl, wurden doch sehr gute und charakterlich einwandfreie Typen geholt.

Oft werden Vergleiche zu Zorniger angestellt. Auch den habe ich gemocht, ihm hätte ich gerne mehr Zeit eingeräumt damals. Aber, diese beiden Trainer sind doch grundverschieden. Einzige Parallele ist vielleicht, dass beide einen sehr offensiven Ansatz wähl(t)en und es hinten das eine oder andere Mal nach Harakiri aussieht. Ansonsten schuf sich Zorniger von Anfang viele Feinde, bei der Journaille angefangen. Da ist Tim Walter ein anderer Typ. Zu jedem freundlich, zugänglich und mit dem Schalk mit Nacken. Im Gegensatz zu Zorniger möchte Walter überzeugen und die Leute mitnehmen, während Zorniger dies schon voraussetzte, allein weil er Alexander Zorniger war.

Ein ähnlich gutes Gefühl wie jetzt hatte ich beim letzten Zweitligaaufenthalt unter Schindelmeiser/ Wolf. Auch damals wurde mit den vorhandenen Mitteln verantwortungsbewusst umgegangen, auch damals war, zumindest nach dem kurzen Intermezzo von Jos Luhukay, ein relativ unerfahrener Trainer da, der die Leute einfangen und mitnehmen konnte.

Die jüngste Pressekonferenz von Tim Walter war ein Genuss und macht richtig Bock auf den Saisonstart. An die Auftritte an gleicher Stelle von Weinzierl und Korkut mag ich gar nicht denken, Schlaftabletten wäre noch zu freundlich ausgedrückt, wenn man den Vulkan Tim Walter dagegen erlebt.

In den sozialen Netzwerken lese ich viele Stimmen, die ihr Unverständnis darüber äußern, dass der VfB die immensen Transfereinnahmen nicht im Ansatz reinvestiert hat. Leute, wir sind 2. Liga, zumindest in dieser Saison. Für die nächste garantiert uns kein Mensch, dass wir dann wieder Bundesligaluft schnuppern.

Also ist die Devise zunächst, ein aufstiegsfähiges Team an den Start zu bringen, das nicht auseinanderzubrechen droht, sollte der direkte Wiederaufstieg verpasst werden. Da bin ich ganz bei der neuen sportlichen Leitung, schwäbisch konservativ mit dem zu kalkulieren, was dir die 2. Liga einbringt und, sollte der Aufstieg gelingen, nächste Saison wieder mehr zu investieren.

Mit der jetzigen Kaderzusammenzustellung und den Neuzugängen habe ich ein sehr gutes Gefühl. Zweitligaerprobte Spieler, die wissen wie der Hase läuft und bereit für den nächsten Schritt sind, junge fußballerisch starke Talente und eben auch erfahrene Spieler, die uns erhalten blieben.

Badstuber und Gomez bekam man schon allein wegen ihrer irrwitzigen Verträge und ihres Alters nicht los, wobei auch hier Tim Walter ganz der Pragmatiker ist und die Situation annimmt, wie sie ist. Mit Badstuber ließ er sich auf eine Machtprobe ein, dieser weiß jetzt, wer der Chef ist und Mario Gomez wird von Walter über den Klee gelobt, wie wichtig er für die Jungen sei, wie toll er seine Rolle annehme und wie froh er einfach sei, einen Mario Gomez in der Mannschaft zu haben.

Für mich ein extrem kluger Schachzug. Bis vor Kurzem empfand ich Gomez ob seines Gehaltes und seines Alters eher als Last für das Team, mittlerweile traue ich es ihm sogar zu, der Mann für die ganz wichtigen Tore in dieser Saison werden zu können.

Gonzalo Castro und Daniel Didavi werden ebenfalls sehr eingebunden, vor allem Letzteren habe ich schon lange nicht mehr so fit und so motiviert gesehen wie in der Vorbereitung. Da ich schon immer ein Faible für Dida hatte, würde ich mich freuen, wenn er dies alles auch in der Liga zeigt und vor allem verletzungsfrei bleibt.

Bei wieder anderen wie Kempf und Ascacíbar mache ich drei Kreuze, wenn sie am 01.09. noch da sind. Nicolás González, der mit Argentinien bei den panamerikanischen Spielen weilt und der von vielen bereits abgeschrieben ist nach seiner unglücklichen Saison, soll anscheinend auch ein Verkaufskandidat sein, zumindest jemand, der Begehrlichkeiten weckt und Millionen einbringen könnte. Bei ihm würde es mich freuen, wenn er einen zweiten Anlauf wagen würde, hält doch Tim Walter große Stücke auf ihn. Auch da vertraue ich dem Trainer, dass er ihn hinbekommen könnte.

Die Mischung passt meiner Ansicht nach, doch, entscheidend ist aber heute auf dem Platz. Zum Eingewöhnen weht ein Hauch von Bundesliga durch Cannstatt. Flutlichtspiel gegen den Mitabsteiger, weit über 50.000 Zuschauer, Exklusiv-Spiel auf Sky.

Zuvor gibt es bei hochsommerlichen Temperaturen die Karawane Cannstatt mit dem Motto „alle in Weiß“. Ich sag’s Euch gleich, mir zu heiß zum Mitlaufen. Bin froh, wenn die Karawane von dannen gezogen ist und die Cannstatter Wirte wieder hinterherkommen. Erst dann wird’s gemütlich, dann wird sich richtig eingestimmt, auf das heißeste Spiel des Jahres. Mein Tipp: 3:2!

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22. August 2017

Endlich wieder Bundesliga!

Exakt 462 Tage nach dem Abstieg beim VfL Wolfsburg am 14. Mai 2016 kehrte der VfB auf die große Bundesliga-Bühne zurück.

Nach der kräftezehrenden Busfahrt in der Vorwoche an die polnische Grenze nach Cottbus, stand gleich zum Bundesligaauftakt die nach Hamburg weiteste Reise in der Liga an. Als das Hertha-Spiel terminiert wurde, befand ich mich gerade mit dem VfB im Trainingslager in Grassau und buchte, schnell schnell, eine Bahnfahrt, nichts ahnend, dass ich mit meiner tollen Verbindung bis zum Schluss alleine da stand.

Da ich nach Samstag-Spielen auch mal froh bin, sonntags zu Hause zu sein, mich von der Auswärtsfahrt erholen und in Ruhe die Bilder machen und einen Blog anfangen zu können, entschied ich mich für eine 22-Stunden-Tour mit Hin- und Rückfahrt am selben Tag. Weil ich bereits unzählige Male in Berlin war, hatte ich keine große Lust, dort zu übernachten.

Da sehne ich schon fast das einige Jahre traditionell am Freitagabend stattfindende Spiel Hertha BSC gegen den VfB herbei, wo es sich immer anbot, die Nacht beim in Berlin ansässigen OFC „Cannstatter Kurve Berlin ’08“ in deren Vereinslokal „Rössle“ in Neukölln durchzumachen und Samstag früh mit dem ersten ICE zurückzufahren.

Vom Stuttgarter Hauptbahnhof aus startete ich meine (Tor-)Tour mit Direktverbindung um 6.51 Uhr. Möchte man ohne Umwege zum Olympiastadion gelangen, empfiehlt sich der Ausstieg bereits in Berlin-Spandau, von wo aus man in wenigen Minuten mit der S-Bahn das Ziel erreicht.

Leider gab es jedoch einige Idioten, die mir und vielen anderen Reisenden einen Strich durch diese Rechnung machten. Da in Berlin-Spandau für diesen Samstag ein Neonazi-Aufmarsch im Gedenken an Rudolf Heß angekündigt war, legten Linksextremisten mittels Brandsätzen die wichtigsten Bahntrassen von und nach Berlin lahm, um noch mehr Neo-Nazis an der Anreise zu hindern.

Dass sie damit nicht „nur“ ein paar hundert Unverbesserliche trafen, sondern tausende andere Bahnreisende auch und diese massiv in ihrer geplanten Freizeitgestaltung hinderten, ist logisch. Ich hoffe, diese selbsternannten Weltverbesserer werden geschnappt und bekommen die Rechnung für den entstandenen Schaden präsentiert.

Im Gegensatz zu vielen, die aus Richtung Hamburg anreisten und das Spiel wegen diesen Chaoten verpassten, kam ich dabei noch glimpflich davon. Mein Zug wurde über Magdeburg und Potsdam umgeleitet, so dass der Halt in Spandau entfiel und ich etwa 45 Minuten später als geplant zum Vorglühen im Biergarten direkt am Stadion eingetroffen bin. Das war aber natürlich trotzdem ärgerlich für mich und verkürzte meinen Kurzaufenthalt in Berlin noch mehr.

Auch nach dem Spiel war von Normalität noch keine Spur. Im Stadion erklangen Durchsagen, die von Problemen am Bahnhof Spandau berichteten, die ich leider nicht genau mitbekam, so dass mir Bekannte rieten, doch lieber mal schnell zum Hauptbahnhof zu fahren. Ich wollte zwar am S-Bahn-Halt Olympiastadion noch verifizieren, ob in Spandau tatsächlich noch immer keine Züge halten, doch traf ich keinen einzigen Bahnbediensteten an, der überhaupt von Problemen am Bahnhof Spandau wusste (!).

Wegen überfüllter und nur im Schritttempo verkehrender Bahnen in Richtung Hauptbahnhof erreichte ich meinen Zug gerade noch so, um dann, noch etwas außer Atem, festzustellen, dass dieser doch in Spandau hielt.

Die Rückfahrt hielt für mich Umstiege in Hannover und Frankfurt bereit, geplante Ankunft in Stuttgart um 3.20 Uhr. Der Plan sah vor, in Hannover 58 Minuten Aufenthalt zu haben, worauf ich mich richtig freute. Von einigen anderen Fahrten wusste ich, dass es sich im Bahnhof oder auch nahe des Bahnhofes ordentlich speisen lässt, was mir sehr entgegen kam, hatte ich doch außer der obligatorischen Stadion-Currywurst bislang nur flüssige Nahrung zu mir genommen.

Dieser Plan wurde jäh durchkreuzt, weil der ICE von Berlin nach Hannover auf eine eigentlich Regionalbahnen zugedachte Strecke ausweichen musste und für diese eine geschlagene Stunde länger brauchen sollte. Anstatt gemütlich zu schlemmen und ein kühles Gilde zu genießen, hieß es in Hannover, die Füße in die Hand zu nehmen und im Laufschritt zur Abfahrt des nächsten Zuges zu eilen.

Dort angekommen, platzierte ich mich umgehend im Bordrestaurant, in der Hoffnung auf etwas Essbares. Obwohl die Uhr erst 21.30 Uhr anzeigte und das Bordbistro bzw. -restaurant um 22.00 Uhr offiziell schließt, nahm der Kellner weder im Bordrestaurant noch im -bistro Bestellungen mehr auf. Seine Begründung, er sei alleine, was meinen Unmut aber natürlich nicht schmälerte.

Jedenfalls war es das mit Essen auf der Heimfahrt gewesen, es waren ja auch nur noch gut sechs Stunden, bis ich zu Hause sein würde. Natürlich beschwerte ich mich bei dem Kollegen und erinnerte ihn an das Chaos an diesem Tag, doch, keine Chance, keine Flexibilität, ein typischer (Bahn-) Beamter halt!

Bei nahezu jeder Bahnfahrt, von der Rückfahrt vom Spiel bei Union Berlin hatte ich ja berichtet, werde ich mit unsouveränem und überfordertem Personal konfrontiert, so dass ich mich schon frage, ob die Bahn irgendwelche Kriterien wie „in Stresssituationen kühlen Kopf bewahren“ als Einstellungsvoraussetzung vorgibt und sein Personal dahingehend auch prüft, bevor man es auf die Kundschaft loslässt oder ob dort jeder genommen wird, der nicht bei drei auf dem Baum ist.

Nach etlichen derartiger Erfahrungen lache ich laut schallend über Zeitungsberichte wie von diesem Wochenende, als eine Zugbegleiterin die Notbremse gezogen haben soll, weil sie sich von „angetrunkenen“ FCK-Fans belästigt gefühlt habe. Da sich die Bahn, wie sich bei Beschwerden u. a. nach dem Union-Spiel herausgestellt hat, vorbehaltlos und ohne Prüfung hinter ihr Personal stellt und Vorwürfe der Kundschaft als aus der Luft gegriffen darstellt, schenke ich solchen Berichten keinerlei Glauben.

Apropos FCK: zur zweiten DFB-Pokal-Hauptrunde bescherte uns die Losfee Carolin Kebekus bei der Auslosung auswärts den 1. FC Kaiserslautern. Ein geileres Los kann ich mir kaum vorstellen. Sicher wäre auch ein Heimspiel gegen einen machbaren Gegner ganz nett gewesen, doch, wer weiß, wann wir das nächste Mal wieder auf den Betzenberg kommen.

In der 2. Liga war das Spiel auf dem „Betze“ ein absolutes Highlight, das wir aufgrund der Spielansetzung samstags auch gleich zu einem gefühlten Heimspiel machten. Geschätzt zwischen 15.000 und 20.000 VfBler waren damals vor Ort und trugen zu einem wunderbaren Rahmen beim 2:0-Auswärtssieg bei. Es spricht auch dieses Mal einiges dafür, alle Hebel in Bewegung zu setzen und sich diesen Pokalkracher nicht entgehen zu lassen. Ein absolutes Traditions-Duell zweier befreundeter Fanszenen in einem der stimmungsvollsten Fußballtempel überhaupt, dazu eine auch unter der Woche machbare Entfernung, wenn einem der Schichtplan nicht gerade einen Strich durch die Rechnung macht, daher sollte am 24. oder 25. Oktober die nächste weiß-rote Invasion die A6 entlang rollen.

So gern man auf das Aufeinandertreffen mit den Pfälzern und so gut wie allen Zweitligapartien zurückblickt, so schön und wichtig ist es jetzt, wieder im Konzert der Großen mitspielen zu dürfen. Irgendwie fühlt es sich dann doch so an, dass man nie richtig weg gewesen wäre. Außer den kleineren Stadien im Unterhaus erinnerte so gut wie überhaupt nichts an 2. Liga. Der VfB war „in“, sorgte für einen phänomenalen Zuschauerrekord, war in den Medien omnipräsent und sorgte für eine Euphorie, ja, fast Hysterie, wie sie beim Abstieg in Wolfsburg wohl kein Mensch für möglich gehalten hätte.

Nach Jahren des Dahinsiechens, die von Dauerfrust und schlechter Laune geprägt waren, wollte einem im Zweitligajahr das Dauergrinsen partout nicht aus dem Gesicht weichen. Weshalb man sich während dieser Zeit wie in einem schönen Traum wähnte, lag mit daran, dass die Qualität der Gegner meist zu wünschen übrig ließ und man auch schlechtere Spiele für sich entschied und Rückstände scheinbar mühelos zu drehen vermochte.

Spätestens nach dem Hertha-Spiel hieß es dann „aufwachen“ aus diesem Traum! Der Bundesligaalltag hat uns schneller wieder, als uns lieb ist. Dass Berlin ein schwerer Auftakt sein würde und uns dort nichts geschenkt werden würde, befürchtete man im Vorfeld schon. Dass der Hertha aber ein absolut durchschnittlicher Auftritt genügen und das Spiel nach dem Rückstand quasi gelaufen sein würde, das war dann doch ernüchternd.

In einem ereignisarmen Spiel, das man zur Halbzeit als typisches 0:0-Spiel eingeordnet hatte, befand sich der VfB gedanklich noch in der Pause, als die Hertha das Spiel mit einem Einwurf schnell machte, Ailton sich von Leckie ausspielen ließ, und dieser frei vor Zieler zur Hertha-Führung einschob. Hertha hatte zwar bis dahin mehr Spielanteile, da der VfB hinten aber stets Überzahl herstellen konnte und Hertha nicht viel einfiel, den Riegel zu knacken, kam es zu kaum brenzligen Situationen.

Der VfB beschränkte sich dabei für meinen Geschmack zu sehr auf das Verteidigen des eigenen Tores und suchte nicht konsequent genug den Weg nach vorne. Das von unserem Claim abgewandelte „mutlos und scheu“ kam mir dabei mal wieder in den Sinn. Die Offensive fand über weite Strecken der ersten Halbzeit nicht statt.

In einem Spiel bislang ohne Torchancen, war es dann bezeichnend, dies der große Unterschied zur 2. Liga, dass gleich der erste Fehler der Stuttgarter Hintermannschaft bestraft wurde.

Dieser Treffer gab den heimstarken Berlinern mit ihrer eingespielten Mannschaft die nötige Sicherheit. Ausgerechnet Leckie möchte man meinen, dem im Vorjahr für Ingolstadt bei 30 Einsätzen kein einziger Treffer gelang und der im Jahr zuvor gerade einmal drei Treffer (einen davon beim 3:3 in Ingolstadt gegen den VfB) zustande brachte. Dass einem der harmlosesten aktuellen Bundesligastürmer überhaupt nach einem Eckball aus dem Gewühl heraus gar noch ein zweiter Treffer gelang, spottete jeder Beschreibung.

Nach dem 2:0 nach gut einer Stunde war das Spiel dann gelaufen. Das sah auch Hannes Wolf so, kaum anders ist es zu erklären, dass er defensiv wechselte und Dennis Aogo und Holger Badstuber zu ihren ersten Einsätzen für den VfB verhalf. Diese beiden durften Spielpraxis sammeln und verhalfen der VfB-Defensive auf Anhieb zu mehr Stabilität, so dass beide wohl Kandidaten für die Startelf gegen Mainz 05 sind. Der VfB hatte zwar in der Schlussphase durch Asano und Donis, die beide das Außennetz trafen, noch zwei Torchancen, doch insgesamt fehlte es an Durchschlagskraft, um die Hausherren ernsthaft zu gefährden.

Der insgesamt eher biedere Auftritt im Berliner Olympiastadion offenbarte, dass noch viel Arbeit vor Hannes Wolf und Michael Reschke liegt. Das Duo auf der Doppelsechs, das sich während der Trainingslager für die Liga heraus kristallisiert hatte, wurde komplett gesprengt. Burnić stand wegen einer laut Hannes Wolf schlechten Trainingswoche nicht im Kader, Ofori, der in Cottbus als alleiniger Sechser auf verlorenem Posten stand, saß zunächst auf der Bank, so dass Mangala und Gentner die defensive Schaltzentrale bekleideten.

Da man auch diese beiden nicht als der Weisheit letzten Schluss ansieht und Sarpai und Grgic verliehen werden sollen, wird weiter nach einem aggressiven Sechser Ausschau gehalten. Der 20-jährige Argentinier Santiago Ascacíbar soll bereits in Stuttgart sein und in Kürze als Neuzugang Nummer acht vorgestellt werden.

Dass nicht nur zentral defensiv sondern auch zentral offensiv Verstärkung willkommen wäre, zeigte der lange Zeit harm- und ideenlose Auftritt in Berlin. Auf den Außen sind wir zwar gut besetzt, doch verpufft deren Wirkung, wenn die Unterstützung der Kollegen fehlt und keine zündenden Ideen aus dem zentralen Mittelfeld kommen.

Da ist es doch gut, dass wenigstens Alexandru Maxim am Samstag wieder im Neckarstadion aufläuft, nur, eben auf der anderen Seite. Diesen nicht annähernd ersetzt zu haben wird Jan Schindelmeiser hauptsächlich vorgeworfen, deshalb hat man Michael Reschke geholt, um unter anderem diesen Fehler auszumerzen.

Bis sich eine Stammmannschaft gefunden hat, wird noch viel Wasser den Neckar hinunter laufen. Durch den Sportdirektoren-Wechsel scheint sich auch ein Paradigmenwechsel vollzogen zu haben. Das Anforderungsprofil bei Neuzugängen, das bislang hieß „jung und entwicklungsfähig“, änderte sich schlagartig. Die Transfers von Badstuber und Aogo und der möglicherweise in Kürze von Erik Durm, stehen eher für Erfahrung und Spieler, die ihre besten Zeiten möglicherweise schon hinter sich haben. Dazu sind alle diese Transfers extrem risikobehaftet, haben doch alle in jüngster Vergangenheit eine lange Verletzungsgeschichte vorzuweisen. In dieses Beuteschema würde wiederum Daniel Didavi ganz gut passen, sollte er denn tatsächlich zu haben und an einer Rückkehr interessiert sein. Für den Kreativsektor wäre frisches Blut hilfreich, denn, ob Donis, Asano oder wie jüngst Akolo den Zehner mimen, das wirkt doch alles zu sehr improvisiert.

Etwas traurig aber nicht mehr zu ändern ist es, diesen Wechsel der Philosophie so spät vollzogen zu haben. Jetzt, wo die Saison begonnen hat, muss sich die Mannschaft erst noch finden und einspielen, womit die Vorbereitung, außer des Schaffens der konditionellen Grundlagen, so ziemlich für die Katz war. Da kann man nur hoffen, dass, bis sich die Mannschaft endgültig gefunden hat, auch der eine oder andere Punktgewinn herausspringt.

Dass wir in Berlin nicht die schlechtere Mannschaft waren, dafür können wir uns leider nichts kaufen. Die Punkte sind unwiederbringlich weg, was so richtig wehtun dürfte, sollte gegen Mainz 05 kein Heimsieg gelingen. Dann stünde man bereits auf Schalke mit dem Rücken zur Wand und der Fehlstart bekäme Konturen.

Deshalb ist jede vergebene Chance zu punkten sehr ärgerlich, auch die am Samstag, obwohl wir uns in Berlin traditionell schwer tun, die Hertha heimstark und Europaleague-Teilnehmer ist. Das alles darf nicht als Alibi herhalten, Punkte leichtfertig herzuschenken. Ich hoffe, das Team zieht daraus seine Lehren und investiert, vor allem in seine Offensivbemühungen, zukünftig auch auswärts mehr.

Zunächst steht aber das erste Heimspiel an, auf das ich mich sehr freue. Vor dem Spiel findet wie immer zum ersten Heimspiel die „Karawane Cannstatt“ statt. Das diesjährige Motto heißt „Den Fans gehört das Spiel“, der Dresscode dazu lautet „Alle in Weiß“.

Stoßt alle dazu, singt Euch ein, bringt Euch in Stimmung, hüpft und schreit, was das Zeug hält, aber, lasst bitte Eure Kameras stecken. Vor allem die Armada derer, die vor der Karawane herumturnen und nicht mitlaufen, stört den Ablauf seit Jahren massiv. Respektiert die Anweisungen der Ordner und leistet ihnen Folge, sie sind es letztlich, die für einen reibungslosen Ablauf verantwortlich zeichnen. Überlasst das Knipsen und Filmen den in der Szene bekannten Stadionfotografen, auf deren Webseiten die schönsten Fotos zeitnah präsentiert werden.

Reiht Euch also ein und konzentriert Euch auf den bedingungslosen Support. Das Ziel muss es sein, eine Dezibel-Zahl auf die Mercedesstraße und ins Stadion zu bringen, bei der die Mainzer vor Ehrfurcht erstarren und die Katakomben am liebsten überhaupt nicht verlassen wollen. Wir benötigen die Punkte, wir holen die Punkte, wir sind der 12. Mann!

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26. August 2012

Verpatzter Auftakt

Der VfB hat den Saisonauftakt 2012/2013 vermasselt. Eigentlich begann der Tag ja wieder super! Aufgrund des Europa League Playoff Rückspiels bei Dynamo Moskau bereits am kommenden Dienstag, konnte die Auftaktbegegnung gegen Wolfsburg nach zähem Ringen doch noch von Sonntag auf Samstag vorverlegt werden. Das allerdings zur ungewohnten Anstoßzeit um 20.45 Uhr, so spät hatte in 49 Jahren Bundesliga noch nie zuvor eine Begegnung begonnen. Schon traditionell fand vor dem ersten Heimspiel auch in diesem Jahr die Karawane Cannstatt statt, die wie immer ein farbenfrohes und lautstarkes Spektakel bot und der sich immer mehr Brustringträger anschließen.

Der VfB schien für den Auftakt gut gerüstet. Dem lockeren Aufgalopp in Babelsberg gegen den SV Falkensee-Finkenkrug im DFB-Pokal folgte die Geduldsprobe im Hinspiel gegen Moskau, die der VfB letztendlich mit Bravour bestand.

Dass es gegen den VfL Wolfsburg ein schweres Spiel werden würde, war mir von vornherein klar. Der VfL kalkuliert diese Saison mit einem 90 Millionenetat und startet erneut einen Großangriff auf die Champions League Plätze. Dagegen kommt der VfB mit seinem 40 Millionenetat ziemlich bescheiden daher. Anders als in den Jahren zuvor wirken die Wolfsburger Einkäufe auch nicht planlos sondern sehr wohl bedacht. So fällt es auch nicht ins Gewicht, dass ein Helmes mit Kreuzbandriss ein halbes Jahr lang ausfällt, wenn man dafür einen Olic und einen Dost aufbieten kann. Auch die im letzten Jahr löchrige Innenverteidigung wurde mit Pogatetz, Naldo und dem zuletzt verliehenen Kjaer gut verstärkt. Hinter den Spitzen wirbelt der geläuterte Diego wie in besten Zeiten. In den letzten Jahren war es immer von Vorteil schon früh auf die Wölfe zu treffen, da diese naturgemäß einige Zeit brauchten, um sich einzuspielen, präsentierte Felix Magath doch während des geöffneten Transferfensters fast täglich neue Spieler. Nicht so in diesem Jahr, die Mannschaft wirkt homogen und eingespielt und ist wohl, so schwer es fällt dies auszusprechen, eine andere Hausnummer als der VfB.

Trotzdem war die Niederlage unnötig und sehr ärgerlich. Die Wolfsburger waren zwar fast die gesamte Spieldauer über reifer und zielstrebiger in ihren Aktionen als der VfB. Wenn man aber zwei Minuten vor Spielende beim Stand von 0:0 einen zumindest diskussionswürdigen Elfmeter zugesprochen bekommt, muss man dieses Geschenk einfach annehmen. Entgegen des ungeschriebenen Fußballgesetzes, dass der gefoulte Spieler den Elfer nicht selbst schießen sollte, trat Ibisevic an und vergab kläglich. Dass er dann noch den Nachschuss fast in Slapstickmanier in den Nachthimmel setzte, ist eigentlich unfassbar. Leider stand unser etatmäßiger Strafstoßschütze Kuzmanovic nicht auf dem Platz. Dennoch liegt es mir fern, den Stab über Ibisevic zu brechen, er ist und bleibt einer unserer wichtigsten Spieler und ein Stück weit auch Lebensversicherung. Bitter war eben, dass sich der VfB unmittelbar nach dem vergebenen Elfer auskontern ließ, Boka zu spät raus rückte, um die Flanke zu verhindern und Tasci und Maza Dost aus den Augen verloren und ungehindert einköpfen ließen.

Die Gründe für die Niederlage liegen woanders. Der VfB hat einfach keinen Diego in der Mittelfeldzentrale, der das Spiel schnell machen und Situationen antizipieren kann. Hajnal hat schon bessere Zeiten erlebt und Kvist ist eben ein Spieler, der den sicheren Rückpass bevorzugt und das Spiel gestern zu sehr verlangsamt hat. Gerade gegen einen gut gestaffelten Gegner wünscht man sich schnörkelloses, schnelles Spiel nach vorne, anstatt ihm jedes Mal zu gestatten, sich neu zu formieren. Auch die Standardsituationen, meist von Diego getreten, waren klar besser als die kläglichen Hereingaben, oft von Traore, die Benaglio fast ausnahmslos problemlos herunter pflücken konnte. So gehörte die erste Halbzeit den Gästen und der VfB war mit dem torlosen Remis zur Pause gut bedient. Mit der Hereinnahme von Torun und später auch Cacau wurde der VfB nach der Pause gefährlicher und zielstrebiger, doch richtig zwingend wurde es auch im zweiten Durchgang selten.

So gesehen war der Sieg der Wölfe nicht unverdient und aufgrund der finanziellen Möglichkeiten auch logisch.

Der VfB hat jetzt zunächst einmal den schweren Gang nach Moskau vor sich, wo es gilt, die Europa League perfekt zu machen. Ich bin mir sicher, dass dies auch gelingen wird, hilfreich wäre natürlich ein frühes Auswärtstor, um einen einigermaßen ruhigen Abend zu erleben.

Danach geht es am kommenden Sonntag zum Triple-Vize-Meister nach München. Da droht dann der komplette Fehlstart, da auch die Bayern entscheidend aufgerüstet haben und es auf jeden Fall vermeiden möchten, erneut der Musik hinterher zu laufen.

Selbst im Falle einer Niederlage dort, ist es auch dann noch nicht an der Zeit schwarz zu malen und alles in Frage zu stellen. Insgesamt ist der VfB nach wie vor, im Rahmen seiner Möglichkeiten, auf einem guten Weg. Man muss hier einfach den Realitäten ins Auge sehen, dass in der Liga die Schere zwischen arm und reich immer weiter auseinander klafft und es einfach, wie 2007, alles passen müsste, um in die Phalanx der finanzkräftigeren Vereine einzubrechen. Von den finanziellen Möglichkeiten her war der sechste Platz in der Vorsaison schon fast das Optimum, was zu erreichen war. Die Krösusse Bayern und Dortmund sind uns meilenweit enteilt, die Werksklubs Gazprom Schalke, SAP Hoffenheim, VW Wolfsburg und Bayer Leverkusen haben weitaus bessere finanzielle Möglichkeiten. Bor. M’Gladbach hat sich nach dem Reus-Verkauf gut verstärkt. Hier bleibt es abzuwarten, welchen Knacks das mögliche Champions League Aus mit sich bringt und ob der Neidfaktor im Kader irgendwann eine Rolle spielen wird oder ob es Favre und Eberl schaffen, das Team bei Laune zu halten. Es ist ja auch nicht gerade unproblematisch, wenn teure Leute kommen und plötzlich das Doppelte verdienen wie arrivierte Kräfte, namentlich z. B. Hanke, Herrmann oder Stranzl. Sollten diese nicht sofort einschlagen und dem Team auf Anhieb weiter helfen, entsteht ein nicht zu unterschätzendes Konfliktpotential. Wir beim VfB sind diesbezüglich ja „gebrannte Kinder“.

Jeden dieser genannten Vereine in der Tabelle hinter sich zu lassen wäre ein Erfolg. Bei diesem Bemühen hat der VfB meines Erachtens in Hannover 96 und Werder Bremen zwei Konkurrenten auf Augenhöhe, für alle anderen Teams wird es weitestgehend darum gehen, die Klasse zu erhalten.

Daher sind meine Erwartungen in die neue Saison nicht überbordend hoch. Ich bin da eher Realist und kann mich mit den Tatsachen abfinden und in gewisser Weise auch anfreunden. Der VfB hat seit dem Fastabstieg 2011 einen Schritt nach vorn gemacht. Die Kaderkosten wurden auf ein vernünftiges Maß herunter geschraubt, die (verschwenderische) Ära Heldt gehört endgültig der Vergangenheit an. Der VfB kehrt zurück zu den Wurzeln, setzt ein größeres Augenmerk auf den eigenen Nachwuchs, anstatt die zweite Reihe mit mittelmäßigen Großverdienern von außen aufzublähen. Auch wenn es viele nicht mehr hören können, stehen wir wohl wieder vor einer Übergangssaison, allerdings mit besseren Voraussetzungen als zuletzt, da das Team weitestgehend eingespielt ist und wenige Neuzugänge integriert werden müssen. Sakai wird hoffentlich bald zurückkehren und den als Ergänzungsspieler ausgeliehenen Hoogland ersetzen, ansonsten wird das Team der letzten Rückrunde das Gerüst bilden. Der in der Offensive flexibel einsetzbare Torun macht den Platzhaltern Druck und auch Cacau wirkt motiviert und drängt wieder ins Team.

Bange machen gilt also ebenso wenig wie zu hohe Erwartungen, die man mit diesen Möglichkeiten nicht oder nur bei optimalem Verlauf erfüllen kann.

Für den VfB geht es nun darum den totalen Fehlstart zu vermeiden und, wenn es in München nicht klappen sollte, das Spiel gegen Fortuna Düsseldorf zum eigentlichen Saisonbeginn auszurufen. Dazu muss man jetzt am Dienstag in Moskau die gute Ausgangsposition nutzen und die Europa League Teilnahme klar machen, was uns hoffentlich wieder schöne, unvergessliche Reisen mit dem VfB bescheren würde. Und, dann ist da ja auch noch der DFB-Pokal, bekanntlich der kürzeste Weg nach Europa, für den wir mit dem Heimspiel gegen den FC St. Pauli eine machbare Aufgabe zugelost bekamen. Vielleicht schaffen wir es in diesem Wettbewerb ja mal wieder, den Bayern, wenigstens bis zum Finale, aus dem Weg zu gehen.

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