3. November 2014

Eigentlich gar nicht so schlecht, wenn…

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , , – Franky @ 22:07

…es beim Fußball nicht um das nackte Ergebnis ginge. Die Spielanlage gegenüber dem Saisonbeginn stark verbessert, gelingt es mittlerweile sogar zu einer Vielzahl von Torchancen zu kommen, die ausreichen könnten, ein Spiel zu gewinnen.
Leider stand beim Gegner VfL Wolfsburg Diego Benaglio wie ein Fels in der Brandung zwischen den Pfosten, der immer dann, als man dachte, jetzt ein Tor und das Spiel könnte noch gedreht werden, zur Stelle war und Spieler und Fans gleichermaßen zur Verzweiflung trieb.
Auf der anderen Seite machte Thorsten Kirschbaum im VfB-Tor erneut eine unglückliche Figur. Beim richtungweisenden 0:1 ließ er Perisic die Lücke, um an ihm vorbei einzuschieben. Ein guter Torwart verkürzt da den Winkel, zumal dieser ohnehin recht spitz war.
Zum wiederholten Mal führte also nach guter Anfangsphase der erste Torschuss des Gegners zum Rückstand. Natürlich ist es ein bisschen früh, nach vier Spielen den Stab über Thorsten Kirschbaum zu brechen. Natürlich würde bei dieser „Abwehr“ wohl jeder Torwart der Welt öfter hinter sich greifen müssen als ihm lieb ist. Aber, einen positiven Schub hätte ich mir vom Torwartwechsel schon erhofft. Diese Maßnahme trifft man ja nicht von heute auf morgen, Armin Veh wird sich schon länger seine Gedanken gemacht haben. Der Fehler Ulles in Dortmund war letztlich der Tropfen, der das Fass zum überlaufen brachte und ihn darin bestärkte, den Wechsel trotz des Standings Ulles bei weiten Teilen der Fans jetzt vollziehen zu können. Normalerweise leckt ein Torhüter, der seit er hier ist, stets auf eine Verletzung oder Sperre von Sven Ulreich „hoffen“ musste, seinem Trainer die Füße ob des Mutes seines Trainers. Normalerweise bringt man sich bei einer solchen Gelegenheit ein, konzentriert sich und setzt alles daran, überhaupt keine Zweifel aufkommen, dass diese Entscheidung die einzig richtige war.
Normalerweise, aber, was ist beim VfB schon noch normal? Wie man es aus den letzten Jahren auch von „Feld-Reservisten“ kennt, keiner drängt sich wirklich auf, keiner ist tatsächlich besser, als diejenigen, die uns davor den letzten Nerv kosteten. Es ist zum verzweifeln!
Jetzt haben wir auch noch ein hausgemachtes Torwartproblem. Zwei nervenschwache Schlussleute, die beide nicht den Eindruck erwecken, dem Druck im Haifischbecken Bundesliga gewachsen zu sein. Dass sie es nicht können, behaupte ich nicht einmal. Beide haben ein Kopfproblem, denken zu viel und treffen dadurch meist die falsche Entscheidung, wo doch gerade beim Torhüter Intuition so wichtig wäre.
Wie schon öfter ausgeführt, sehe ich Ulle seit über zwei Jahren nicht nur stagnieren sondern sich verschlechtern. Nachdem Ulle 2011 im Tief steckte und kurzfristig gar degradiert war, bekam er mit Efthimios Kompodietas einen Life Kinetik Trainer. Warum dieser den Verein verließ weiß ich nicht. Danach trimmte er die Nationalmannschaft auf Handlungsschnelligkeit und ist mittlerweile bei Arminia Bielefeld gestrandet. Bei der Life Kinetik geht es unter anderem darum, bei einer Handlung, die man tätigt, bereits die nächste im Kopf zu haben. Dies ist zweifelsohne ein Teilaspekt des von mir so oft strapazierten Antizipierens, einer Eigenschaft, die einem Torhüter gegeben sein muss. Wo kann der Ball hinfliegen, was mache ich dann, oder auch, ich fange einen Ball und weiß im gleichen Moment schon, wo ich ihn hinwerfe. Manuel Neuer, der Eftis Dienste im Kreis der Nationalmannschaft in Anspruch nehmen durfte, ist ein Paradebeispiel für diese so wichtige Handlungsschnelligkeit.
Möglicherweise wäre es an der Zeit, die Trainingsmethoden zu überdenken. Momentan sind unsre beiden ersten Torhüter kaum bundesligatauglich, weshalb ich inzwischen Andreas Menger, den viel gelobten Torwarttrainer, in Frage stelle. In den letzten beiden Jahren schaffte er es nicht die Torhüter besser zu machen, noch eine Konkurrenzsituation und ein Reizklima zu schaffen. Da fragt man sich, nach welchen Kriterien Mengers Arbeit beurteilt wird bzw. ob sie überhaupt kritisch hinterfragt wird? Das Gerücht, dass Ulle unter dem Schutzmantel Bobics seinen Dienst verrichtete schwebte ja seit Beginn von Bobics Managertätigkeit wie ein Damoklesschwert über dem Wasen. Wenn dem so war hatte folglich auch niemand ein wirkliches Interesse, auf dieser Position einen Konkurrenzkampf zu schüren, was im Leistungssport nicht gerade motivations- und leistungsfördernd und vor allem nicht zielführend ist.
Dass Menger diese vermeintlichen Vorgaben von oben offensichtlich klaglos hingenommen hat, spricht nicht unbedingt für ihn und erweckt den Eindruck, dass er nur ein weiterer VfB-Mitarbeiter ist, der glücklich damit ist, untergekommen zu sein, sein Auskommen zu haben, ob sein Job Sinn macht und Befriedigung verschafft oder eben auch nicht. Bobic liebte ja diese pflegeleichten Mitarbeiter, die keinen Stunk machen und die Klappe halten. Ein Mann, der etwas auf sich hält und in seinem Job Fortschritte sehen und die Früchte ernten möchte, macht es wie die Herren Albeck und Schrof, die, weil sie bei Bobic und Labbadia auf Granit bissen, das Weite suchten und beim Brause-Club in Leipzig anheuerten.
Die Frage ist, wie es jetzt weitergehen soll, nachdem schon der zweite Torwart in dieser Saison bewiesen hat, dem immensen Druck nicht gewachsen zu sein und vor allem dem Team keine Stabilität verleihen zu können.
Ob man dem jungen Vlachodimos einen Gefallen tun würde, ihn jetzt schon ins kalte Wasser zu schmeißen, ist eine heikle Frage. Er ist ein junger Kerl, zudem ein Hänfling, macht aber schon seit längerem mit konstant guten Leistungen bei unseren Amateuren auf sich aufmerksam.
Es ist ein schmaler Grat, ob man einen Youngster ins kalte Wasser schmeißt oder wie lang man ihn heranführen soll. Wir haben schon des Öfteren junge Leute so lang an die großen Aufgaben herangeführt und in Watte gepackt, bis sie ungeduldig wurden und letztlich schon keine Lust mehr auf den VfB hatten. Ein junger Mann kann aber auch reifen und sich stählen, an den höheren Aufgaben wachsen. Um hier eine Prognose abgeben zu können, dafür kenne ich Vlachodimos zu wenig, wie weit er schon gereift ist, ob er mit beiden Beinen auf dem Boden steht und wie es um sein Nervenkostüm bestellt ist. Eigentlich sollten dies die Verantwortlichen beurteilen, in die ich allerdings mit Ausnahme von Trainer Veh inzwischen fast jegliches Vertrauen verloren habe.
Leno, laut Menger zum Zeitpunkt seines Abgangs schlechter (!) als Ulle, stellt inzwischen unsere ersten beiden Torhüter problemlos in den Schatten. Er besticht nicht nur durch seine Leistungen auf der Linie, auch seine Ausstrahlung, seine Körpersprache sind für sein Alter schon sehr gut. Max Merkel prägte einmal den Spruch „Torhüter und Linksaußen haben alle eine Macke“. Auf die Torhüter gemünzt hieß das früher, dass sie Einzelkämpfer waren und oft mehr taten und ehrgeiziger waren als die Feldspieler. Heutzutage, wo Torhüter keine Konkurrenten sondern Partner sind, sich nicht gegenseitig Druck machen sondern helfen sollen, sie keine Ansprüche stellen sondern die Klappe halten sollen, gibt es diese Spezies natürlich nicht mehr in dieser Form. Trotzdem, wenn ich mir so manchen Keeper anschaue und unsere beiden daneben stelle, kommen sie mir schon besonders weichgespült vor.
Veh, der (selbst-)bewusst den Finger in die Wunde legt, hält nicht hinterm Berg und macht sich damit in der Vereinsführung nicht nur Freunde. Er spricht deutlich an, wo er Defizite sieht, was in den letzten Jahren schief gelaufen ist und auch, dass man doch bitteschön auf seinen Erfahrungsschatz zurückgreifen soll anstatt über ein weiteres Expertengremium nachzudenken. In die Managersuche wäre er gern eingebunden, was von Teilen des Aufsichtsrats offensichtlich nicht gerade goutiert wird. Jene Ordnungshüter also, die seit Jahren in erster Linie ihre eigenen Interessen vertreten, befürchten in Bezug auf Veh/ Hübner Vetterleswirtschaft. Interessant, um nicht zu sagen, saukomisch, und das im wahrsten Sinne des Wortes.
Hier scheint es auf einen Machtkampf hinauszulaufen, den ein Trainer bei dieser Vereinsstruktur eigentlich nur verlieren kann. Wahler ist zwar froh Veh zu haben und möchte ihm möglichst auch den einen oder anderen machbaren Wunsch erfüllen, beißt damit beim Aufsichtsrat aber mehr und mehr auf Granit. Das allerdings nicht nur, weil dieser Veh nicht zu mächtig sehen möchte, sondern auch weil Bernd Wahler beim Aufsichtsrat nicht mehr so richtig wohlgelitten ist. Einmal mehr ein Beispiel, wer unseren Verein (heimlich) regiert.
Veh wiederum ist ein Alphatier, der sich nicht verbiegen lässt und tut und sagt, was er für richtig hält. Eine gefährliche Konstellation! Sollte Veh mit falschen Versprechungen gelockt worden sein und ihm jetzt noch Steine in den Weg gelegt werden, ist die latente Gefahr vorhanden, dass er die Brocken hinschmeißt. Das hat er schon zwei Mal in seiner Karriere gemacht, will der VfB es vermeiden, dass er es ein drittes Mal tut, sollte er vorsichtig sein.
Wenn man schon so wenig Fachkompetenz im Verein hat, muss man seinem Trainer ein Stück weit vertrauen. Wenn er potentielle (finanzierbare) Zugänge vorschlägt sollte das Bemühen erkennbar sein, dass man ihm diesen Wunsch versucht zu erfüllen und nicht halbherzig auf halber Strecke aufgeben oder sich anderweitig umschauen.
Genau so verhält es sich mit dem Sportdirektor. Ob es jetzt gerade Bruno Hübner werden muss, mit dem Veh in Frankfurt harmonisch zusammenarbeitete, sei dahingestellt. Eingebunden werden sollte der Trainer aber schon, schließlich muss die Chemie stimmen zwischen den beiden, die am Ende des Tages so eng zusammenarbeiten sollen.
Vor vier Jahren setzte man Christian Gross Fredi Bobic vor die Nase, die von Anfang nicht miteinander konnten. Bei Gross‘ Wunschspieler Petric, der schon fast hier war, ließ man den Transfer leichtfertig platzen, was dem Trainer schlussendlich vor Augen führte, welche Wertschätzung er im Verein erfuhr, nämlich so gut wie keine. Das Ende ist bekannt!
Nimmt der Aufsichtsrat also wieder seine Blockadehaltung ein, ist zu befürchten, dass sich auch die Amtszeit von Armin Veh schon wieder dem Ende zuneigt. Dann heißt wieder so schön, „verschiedene Auffassungen“ hätten zur Trennung geführt. Ob Veh eines Tages selbst hinwirft oder der Verein die schlechte Tabellensituation, die ausschließlich den Fehlentwicklungen der letzten Jahre geschuldet ist, als willkommene Gelegenheit aufnimmt, den Dickkopf Veh loszuwerden, sei dahin gestellt. Vielleicht versucht man ihn ja auch „nur“ hinauszuekeln, um nicht die den Etat noch immer belastenden Abfindungszahlungen an die Herren Mäuser, Labbadia, Schneider und Bobic die an Veh folgen lassen zu müssen.
Dieses Szenario ist von mir bewusst düster ausgeführt, es wäre aber typisch für den VfB, wenn es genau so ablaufen würde. Bei uns sind ja Fehler bekanntlich dazu da, sie immer wieder zu machen, anstatt aus ihnen zu lernen.
Nun bin ich, ich gebe es zu, dramatisch abgedriftet, war doch das eigentliche Thema das 0:4 gegen den VfL Wolfsburg. Und trotzdem ist eigentlich anfangs alles gesagt, vielversprechende Offensivaktionen, haarsträubende Ballverluste im Mittelfeld (Romeu, Niedermeier, Leitner), die zu Gegentoren führten, eigener Torwartfehler, starke Torwartleistung auf der Gegenseite, fertig war das 0:4. Unglaublich, wie wir den Gegner zum Toreschießen einluden, so etwas hat die Bundesliga vermutlich zuletzt zu Zeiten von Tasmania Berlin gesehen. Bis zur Winterpause müssen wir wohl oder übel mit diesen Protagonisten leben, dann aber sollte tunlichst Qualität hinzu verpflichtet werden.
Was für mich äußerst befremdlich war, war, dass mir am Samstag das 0:4 so wenig ausgemacht hatte. Wie die meisten im weiten Rund war ich zwar enttäuscht darüber, dass wir nichts Zählbares mitgenommen haben, einigermaßen zufrieden war ich aber mit der Leistung und der Moral der Mannschaft.
Erst am Sonntag dann, als ich hörte, zweithöchste Heimniederlage der Vereinsgeschichte, fragte ich mich, was die unterirdischen Darbietungen aus den letzten Jahren mit mir gemacht haben, um nach einem 0:4 noch Beifall zu klatschen. Wie tief sind die Ansprüche mittlerweile gesunken. Waren unter Labbadia Heimspiele an der Tagesordnung, bei denen es komplette Halbzeiten gab, in denen wir nicht einmal aufs Tor schossen, war am Samstag wenigstens Bewegung und Zug nach vorne drin. Statt eines langweiligen 1:0 gingen wir mit wehenden Fahnen 0:4 unter. Hurra kann man da nur sagen.
Ich zwar kein unverbesserlicher Optimist, aber, durchaus Realist. Dass die Saison extrem schwer werden wird, war mir klar, spätestens, als erkennbar wurde, dass die schonungslose Aufarbeitung der Vorsaison einfach mal ausgefallen war.
Ich vertraue Armin Veh nach wie vor und räume ihm die Zeit ein, die er benötigt, um der Mannschaft ein neues Gesicht zu verleihen. Ihm muss die Chance gegeben werden, Spieler, die uns nicht weiterbringen, fortzuschicken und andere, auch welche seines Vertrauens, hinzuholen. Ich spüre im Vergleich zu den Vorjahren schon eine Veränderung und anerkenne, dass Veh einiges ausprobiert. Es ist nur bedauerlich, dass ihm bisher das Glück fehlt und keine seiner Änderungen eine spürbare Verbesserung bringt. Der Gesamteindruck ist eben nichts wert, wenn man zuhause 0:4 verliert. Stümperhafte Fehler im Spielaufbau, keine Absicherung nach hinten, eine Grundordnung nicht mehr vorhanden, so lässt sich die Abwehr ein ums andere Mal auskontern. Das sind Situationen, die die Mannschaft auf dem Platz regeln muss. Veh sagt sicherlich nicht, „rennt alle blindlings nach vorne“.
Es klingt zwar nach Durchhalteparole, wenn Veh gebetsmühlenartig wiederholt, diese anfängerhaften Fehler müssten abgestellt werden, trifft es aber doch irgendwie. Gegen die Wölfe wurde der VfB wegen dieser weit unter Wert geschlagen.
Auf Bremen freue ich mich, auch wenn es so etwas wie ein Schlüsselspiel wird. Ganz schwer, Bremen im Aufwind, wir nervlich angeschlagen. Ein frühes Gegentor und alle Dämme könnten brechen. Auf der anderen Seite aber auch die Chance einen Bigpoint zu setzen und sich Selbstvertrauen vor den wichtigen Spielen gegen Augsburg und in Freiburg zu holen. Spannend wird’s auf jeden Fall, nicht nur das Spiel sondern auch, wie wir hoch kommen, sollte der GDL tatsächlich daran gelegen sein, erneut für ein Wochenende den Bahnverkehr in Deutschland lahmzulegen.

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30. Oktober 2014

Gefühlschaos in Frankfurt

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , , – Franky @ 20:33

Nach der überragenden Aufholjagd gegen Leverkusen und dem Wissen darüber, doch noch Torgefährlichkeit und Esprit entwickeln zu können und dabei sogar auch noch Buden zu machen, ging es eine Woche später ins Frankfurter Waldstadion.
Das Waldstadion ist eines dieser Stadien, das durch die Umbauten zur WM 2006 in ein reines Fußballstadion um einiges schöner geworden ist. Dort fahre ich immer gern hin, genügend Gastronomie drum herum und kurze Wege vom Busparkplatz zum Gästebereich.
Nach einigen kleineren und größeren Scharmützeln mit den Frankfurtern in der Vergangenheit, könnte man annehmen, das Spiel würde zum Hochsicherheitsspiel erklärt und die beiden Fanlager würden strikt getrennt werden. Nichts von alledem: kaum aus dem Busparkplatz raus, schon kreuzen sich die Wege zwischen Eintrachtlern und VfBlern. Selbst der Gästebereich im Stadion ist nicht strikt von den Frankfurter Fans in unserer Kurve und denen auf der Gegengerade getrennt. Ganz zu schweigen von den Imbiss- und Getränkebuden direkt vor dem Stadioneingang, wo sich die Fans gemeinsam auf das Spiel einstimmen.
Wie jedes Mal, wenn ich auswärts fahre, sind zwar meine sämtlichen Antennen ausgefahren, Ärger hatte ich in Frankfurt aber schon lange nicht mehr. Früher gab es das eine oder andere Spiel, als Frankfurter „Fans“ den Schwaben im Wald auflauerten und man am besten zusah, dass man Land gewinnt, diese Zeiten aber sind schon lange vorbei. Genauso im Übrigen wie jene aus den 80er-Jahren, als eine intensive Fanfreundschaft mit der Eintracht gelebt und gepflegt wurde. Spätestens aber 1992, als wir der Eintracht die sicher geglaubte Meisterschale in der 86. Minute des letzten Spieltags noch entrissen haben, spätestens seit dem war es vorbei mit der Freundschafts-Herrlichkeit.
Wir lagen mit dem Bus einmal mehr super in der Zeit, so dass es noch ein paar Kaltgetränke am Bus reichte, bevor wir uns in Richtung Stadion begaben. Schnell die Einlasskontrollen passiert, wie erwartet ohne Probleme. Frankfurt ist eines der ganz wenigen Stadien, das in seiner Stadionordnung überhaupt keine Restriktion bezüglich der Fotoausrüstung aufgeführt hat, so dass hier mit keinen dummen Fragen und kritischen Blicken zu rechnen war. Da diese Prozedur so schnell vonstattenging, reichte es noch ein „Schnelles“, während immer mehr Bekannte auftauchten und man sich über das zu erwartende Spiel austauschen konnte. Tenor war, Leverkusen muss Auftrieb geben, Frankfurt ein gutes Pflaster, Veh kennt die Eintracht, also, was sollte eigentlich schief gehen?
Mein Präsident vom Fanclub machte es möglich, Oberrang, Reihe 1, Platz 1, wie von mir gewünscht. So konnte ich direkt auf unseren Block fotografieren, diesen zwar von hinten, habe aber natürlich niemanden vor mir und somit freien Blick auf Block und Spielfeld. In manch einem Stadion bin ich mit dieser Denke zwar schon hereingefallen und saß direkt hinter einer fetten zerkratzten Plexiglasscheibe, in Frankfurt wusste ich aber, dass es dort keine gibt. Platz 1 auch immer gut, zumindest, wenn die Nummern aufsteigend und nicht absteigend in den Block gehen. Meinem Präsi, der sich immerhin um die Belange von weit über 900 Mitgliedern kümmern muss, gehe ich mit diesen Extrawünschen zwar das eine oder andere Mal auf den Sack, andererseits, wenn ich mir schon eine teure Karte leiste, sollte diese auch einen Mehrwert mit sich bringen, sonst könnte ich gleich in den Stehbereich gehen.
Wie jedes Mal, wenn ich die Stufen hinaufsteige und sich vor mir das Stadioninnere mit seinen voll besetzten Tribünen entfaltet, setzt das besondere Kribbeln ein, das ein Couch-Fußballfan einfach überhaupt nicht nachempfinden kann. Besonders geil ist es dann, wenn, wie am Samstag ein zahlenmäßig beachtlicher Auswärts-Mob aufgeboten wird. Gut 4.000 Schwaben fanden den Weg nach Frankfurt. Natürlich ist die Begegnung mit der Eintracht immer auch ein Spiel, wo Leute hinfahren, die sonst eher selten auswärts anzutreffen sind. Für einen Trip in die Mainmetropole spricht die Stadt, reine Männer-Ausflügler zieht es meist in die weltberühmte Kaiserstraße – die Entfernung und dass man in Frankfurt generell gut Party machen kann, tun ihr Übriges.
Bei solchen Spielen ist die Anzahl derer dann, denen die Tour wichtiger als das Spiel ist, natürlich extrem hoch. So kann es schon mal vorkommen, dass man über die eine oder andere Alkoholleiche stolpert und Leute den Stadionsitz dazu nutzen, Schlaf nachzuholen. Das sind Begleiterscheinungen, die man so hinnehmen muss. Mir ist es eigentlich in all den Jahren noch nie passiert, dass ich von einem Spiel nichts mehr mitbekam, aber, so hat eben jeder seine eigenen Prioritäten.
Zur besten Fußball-Zeit, Samstag 15:30 Uhr, ging es hinein ins Spiel. Der VfB im Vergleich zum Leverkusen-Spiel gleich auf vier Positionen verändert. Bei Vedad Ibisevic wurde ein sich anbahnender Ermüdungsbruch im Fuß festgestellt, weshalb ihm absolutes Sportverbot auferlegt wurde. Heutzutage gibt es Verletzungen, die es zu meiner aktiven Zeit einfach noch nicht gab. Da hat man gespielt, bis eben etwas „gefatzt“ ist. Aber, sei’s drum, gute Besserung, Vedad. Er wird voraussichtlich bis Jahresende ausfallen, so dass es nun gilt diesen „schweren Verlust“ zu kompensieren. Ich bin mir relativ sicher, dass es uns gelingen wird, einen Ersatz aufzubieten, der mehr als das eine Tor zustande bringen wird, mit dem Ibisevic im Kalenderjahr 2014 „glänzte“.
Zudem steigen von nun an die Chancen, dass wir auch tatsächlich zu elft spielen. Vedad gab doch in diesem Jahr vorne nur noch den Alleinunterhalter, hat so gut wie nicht am Spiel teilgenommen und fiel nur dadurch auf, dass er die ohnehin wenigen Angriffe jäh beendete, in dem er sich entweder fallen ließ oder selbst foulte. Durch sein ständiges Lamentieren und Reklamieren ist er bei den Schiedsrichtern unten durch und immer für eine Karte oder sogar eine Tätlichkeit gut. So gesehen, denke ich, schwächt uns diese Verletzung nicht wirklich. Die einzige Frage, die sich in dem Zusammenhang stellt, ist höchstens die, wie man sich einen Ermüdungsbruch zuziehen kann, wenn man weitestgehend herumsteht. Das wiederum fällt in das Fachgebiet der Ärzte, die ihm diese Pause verordneten.
Für mich sieht es eher wie eine Schutzsperre aus, man zieht ihn eben aus dem Verkehr. Sollte an der oft kolportierten vertraglich zugesicherten Stammplatzgarantie etwas dran sein, wäre dies zumindest eine Möglichkeit, den Weg für eine andere Spielphilosophie freizumachen. Der klassische Mittelstürmer hat langsam ausgedient, bei der WM war es so zu beobachten, unser Ex-Manager aber hat noch schnell den Vertrag, zu verbesserten Konditionen versteht sich, verlängert. Das versteht außer ihm wohl keiner!
Auch Leitner musste verletzt passen, zudem blieben Werner und Rüdiger zunächst einmal auf der Bank. Stattdessen rückte Harnik an Stelle von Ibisevic in die Sturmspitze, Maxim und Kostic, die gegen Leverkusen frischen Schwung brachten, rückten ebenso ins Team wie Sakai, der noch gegen Leverkusen nach seinen Länderspielstrapazen auf der Bank Platz nehmen musste.
Die größte Überraschung aber war, dass Sercan Sararer in der Startformation stand. Jener Sararer, der vor der Saison zusammen mit Raphael Holzhauser zu den Amateuren verbannt wurde, weil Armin Veh mit einem kleineren Kreis von Spielern arbeiten wollte. Jener Sararer, der in der letzten Saison kein einziges Spiel von Beginn an bestreiten durfte kam wie Phönix aus der Asche und veranstaltete einen ordentlichen Wirbel.
Sein gutes Spiel überraschte mich nicht. Schon beim Trainingslager im Zillertal hatte ich den Eindruck, es könnte seine Saison werden. Zwar war schon damals festzustellen, dass er (noch) nicht Vehs erste Wahl war, doch, jedes Mal, wenn er eingewechselt wurde, probierte er einiges und bestach durch seine Technik und auch den Willen noch etwas im Spiel zu bewegen. Daher dachte ich eigentlich, erst recht nach der Leihe von Marco Rojas zu Fürth, dass er erster Backup für Martin Harnik auf rechts werden könnte. Ich fand es äußerst schade, dass er, zu dem Zeitpunkt als Harnik schwächelte und auf der Bank saß, schon zu den Amas degradiert war, wer weiß, vielleicht wäre schon da seine Zeit gekommen. So aber fand ich es sehr mutig von Veh, ihn zurückzuholen und ihn auf Anhieb auch ins kalte Wasser zu werfen.
Das gefällt mir an Armin Veh, es kann sich keiner sicher fühlen und auf der anderen Seite bekommt jeder eine Chance, der sich aufdrängt. So entstehen automatisch Anreize, Gas zu geben und sich nicht auf vergangenen Lorbeeren auszuruhen.
Waren die Formationen in den letzten Jahren eher als starr zu bezeichnen, überrascht uns (und die Gegner) Veh im Herbst 2014 Woche für Woche aufs Neue. Ich bin mir nach wie vor sicher, dass es Armin Veh in seiner zweiten Amtsperiode schaffen wird, dem VfB seinen Stempel aufzudrücken und er uns aus der Talsohle herausführen wird.
Wer gedacht hatte, eine emotionale Steigerung zu Leverkusen wäre nicht möglich, wurde am Samstag eines Besseren belehrt. 1:0, 1:1, 1:2, 1:3, 2:3, 3:3, 4:3, 4:4, 4:5!!!!! Ein Wahnsinn, der den knapp 50.000 in einem denkwürdigen Spiel geboten wurde. Selbst ich als vergleichsweise alter Hase kann mich an ein solches Spiel mit diesen ständigen Führungswechseln nicht erinnern. Ein Gefühlschaos sondersgleichen. Zuversicht, Ernüchterung, Jubel, Jubel, Jubel, Erleichterung, leichtes Schlucken, wieder Ernüchterung, Entsetzen, Hoffnung bis schließlich zum kollektiven Ausflippen beim Siegtreffer sowie beim Schlusspfiff. Doch, von Anfang an:
Der VfB kam sehr gut ins Spiel, überbrückte das Mittelfeld variabel, durch die permanenten Positionswechsel von Kostic, Maxim und Sararer spielte der VfB die Frankfurter schon zu Beginn schwindelig.
Schnell kam der VfB zu seinen ersten Chancen, war aber im Abschluss (noch) zu fahrig. Dann kam es, wie so oft in den letzten Jahren. Erste Ecke der Eintracht, erster Torschuss und schon lagen wir zurück. Klein verlängerte die Ecke unglücklich an den langen Pfosten, wo Seferovic erst die Latte traf und schließlich Madlung zum 1:0 abstauben konnte. Der VfB aber, gestählt von der Aufholjagd gegen Leverkusen, ließ sich nicht beirren und übernahm sofort wieder das Kommando.
Sararer und Kostic hatten gute Einschussgelegenheiten, ehe Harnik in der 34. Minute endlich den Bann brach. Etwas glücklich und mit „Bande“ von Romeu stark abseitsverdächtig angespielt, schob er die Kugel an Wiedwald vorbei in die Maschen. Ich gebe es zu, komisch sah das schon aus, da sich selbst die Schiedsrichterkoryphäen Merk und Fandel nicht einig darüber sind, ob es abseits war oder nicht, braucht man schon einmal dem Schiri keinen Vorwurf machen und wir brauchen uns ob des Tores nicht zu entschuldigen.
Der vielumjubelte Ausgleich war da, das Ergebnis auf null gestellt, was mir die vermeintliche Gelegenheit eröffnete, beruhigt die Toilette aufzusuchen. Denkste, kaum hatte ich mit der natürlichen Bierentsorgung begonnen, brandete erneut Jubel auf. Da die Akustik in einem Stadion nicht immer Rückschlüsse zulässt, auf welcher Seite das Tor gefallen war, wartete ich zunächst einmal ab, ob die Frankfurter Torhymne abgespielt werden würde, ehe ich mir sicher sein konnte, ob wir führen.
Das wäre mir aber spätestens dann klar gewesen, als ein mir nicht bekannter VfBler hereinkam und mich fast umriss vor lauter Freude, zum Glück war ich in diesem Moment schon so gut wie fertig!
Danach brachte der VfB die Führung relativ locker in die Halbzeit, so dass die Halbzeitanalyse am Bierstand zwar zufrieden ausfiel, wir uns aber alle einig waren, dass das Spiel eigentlich schon entschieden sein müsste und wir tunlichst den vermeintlichen Todesstoß mit einem 3:1 setzen müssten. Gesagt, getan! Gute fünf Minuten nach Wiederbeginn, der VfB stürmte nun in Richtung VfB-Block, erzielte Gentner mit einem tollen Schlenzer nach Doppelpass mit Maxim das 3:1. Ein wunderschönes Tor meines „speziellen Freundes“, das Ding war durch, zumal Sararer in der 56. Minute das 1:4 auf dem Fuß hatte. Der VfB zelebrierte den Fußball wie schon lang nicht mehr, was sollte da noch schief gehen.
Einiges! Eine Minute später kam Frankfurt zum Anschlusstreffer, acht Minuten später führte die Eintracht 4:3. Vor dem 3:3 wollte Veh noch auf den Halbzeitwechsel der Eintracht, als Aigner gekommen war, reagieren und Rüdiger zur Stabilisation einwechseln. Zu spät, just dieser Aigner ließ unsere „Abwehr“ wie Slalomstangen stehen und markierte das 3:3.
Da auch noch Kirschbaum patzte und Madlungs Kopfball unter seinem Körper hindurchrutschte, war das Unfassbare eingetreten. Binnen acht Minuten einen Zweitorevorsprung verspielt, wo gibt’s denn sowas?
Die Eintracht obenauf, wir VfB-Fans verstanden die Welt nicht mehr. Zum Glück stand am Samstag eine Mannschaft auf dem Platz, die das Siegergen eingeimpft hatte und sich dagegen stemmte, sich die Butter vom Brot nehmen zu lassen. Nach schönem Pass von Schorsch Niedermeier in den Lauf des eingewechselten Timo Werner, vollendete dieser gekonnt zum 4:4. Auch hier sah der Torwart nach meinem dafürhalten nicht gut aus. Sei’s drum, pari, was die Torwartfehler anging. Aber auch noch das 5:4 ging auf die Kappe des Trapp-Vertreters Wiedwald, als er eine Freistoßflanke von Kostic direkt vor die Füße von Gentner abklatschte und dieser zum 4:5 abstaubte.
Doppeltorschütze Gentner, der schon beim legendären 4:4 in Dortmund das letzte Tor erzielte. Spiele, die sich zu solchen ohne taktische Zwänge entwickelt haben, scheinen ihm also besonders zu liegen.
Sechs Minuten plus Nachspielzeit mussten noch überstanden werden, um den hochverdienten Sieg auch tatsächlich feiern zu können. Die rote Karte für Seferovic nahm ich im Stadion ehrlich gesagt überhaupt nicht richtig wahr, doch auch zu zehnt wäre der Eintracht in der 91. Minute fast noch das 5:5 geglückt. Hlousek stoppte Aigner in letzter Sekunde rüde, ich denke, über einen Elfmeterpfiff hätten wir uns nicht beklagen dürfen.
Nach fünf Minuten Nachspielzeit war endlich Schluss, der VfB durfte seinen ersten Auswärtssieg seit dem November 2013 feiern. Sicherlich hochverdient, auch wenn man natürlich über die haarsträubenden Fehler in der Defensive reden muss.
Auch Kirschbaum hatte, um es milde auszudrücken, nicht seinen besten Tag. Im Gesamtpaket, von der Ausstrahlung, dem Antizipieren und deinem fußballerischen Können gefällt er mir besser als Sven Ulreich, dessen Zeit als potentieller Stammtorhüter bei uns hoffentlich vorbei ist. Als Lückenbüßer, als Backup, lasse ich mir Ulle ja noch gefallen, sich als unumstrittene Nummer 1 zu etablieren, dafür hatte er jedoch lang genug Zeit gehabt und diese Chance leider nicht genutzt. Allein eine Ikone und bei vielen Fans beliebt zu sein, genügt eben nicht. Auch die Kastanien, die er für uns schon aus dem Feuer holte, zählen heute nichts mehr. Es zählt das hier und heute und da muss man ganz klar sagen, dass Ulle schlechter und ein Nervenbündel geworden ist. Lieber habe ich einen Typen, wie es Jens Lehmann einer war, im Kasten, der zwar nicht Everybody‘s Darling war, bei dem man sich aber nie sorgen musste, zumindest in sportlicher Hinsicht nicht.
Es war klar, als Veh kam, dass er unbequeme Entscheidungen treffen muss, möchte er den Bock umstoßen. Nur durch Handauflegen kann keine Besserung eintreten, es müssen schließlich vier schlechte Jahre aufgearbeitet werden, wobei man automatisch zu den Protagonisten kommt, die nahezu die ganzen vier Jahre mitgemacht haben.
Veh macht das meiner Meinung nach gut und sollte weiter das Vertrauen des Vereins und von den Fans genießen. Wenn ich teilweise schon wieder lese, Veh hätte Ulle herausgenommen, weil er nicht mit ihm kann, platzt mir die Hutschnur. Hinterhergeschoben wird dann noch ein „hoffentlich ist Veh bald weg, damit Ulle wieder im Tor steht“. Eine solch negative Stimmungsmache schadet nur und ist nicht zielorientiert und zudem realitätsfern. Wir wollen doch alle nur das Eine, dass es dem Patienten VfB wieder besser geht. Veh hat Ulle nicht zur Nummer 2 degradiert, weil er ihn nicht leiden kann, sondern, weil er für sein Spiel einen schneller denkenden und fußballerisch besseren Torhüter benötigt.
Ob Kirschbaum auf Dauer das Zeug zur Nummer 1 hat, wird sich erweisen. Wenn nicht, muss eben der nächste ran, Vlachodimos oder ein ganz neuer Mann. Ulles Artenschutz durch den Filz Bobic/ Schwab gehört der Vergangenheit an. Veh hat erkannt, dass sich Ulle nicht weiterentwickelt hat und kaum noch Steigerungspotential besitzt, daher kann ich es mir nicht vorstellen, dass Veh zurückrudert, nur weil Kirsche womöglich auch nicht besser ist.
Am Samstag hatte ich den Eindruck, dass auch Kirsche nervlich nicht der gefestigtste ist, so dass zu befürchten ist, dass wir in ein Torwartproblem hinein schlittern, wenn er seine Nerven nicht in den Griff bekommt.
Spätestens dann aber gehört die Arbeit von Andreas Menger hinterfragt, der uns im Sommer, schon damals auf die Unsicherheit Ulreichs angesprochen, sagte, zum Zeitpunkt des Weggangs von Leno wäre Ulle der bessere Torhüter gewesen. Ich hoffe, Kirsche gewinnt uns am Samstag gegen Wolfsburg das Spiel, damit diese Diskussion beendet ist, bevor sie richtig begonnen hat.
Insgesamt machen mir die letzten beiden Auftritte mehr Mut als dass sie mir Angst einflößen würden. Der VfB hat gezeigt, dass er in der Lage ist, Tore zu schießen, an der Defensivarbeit muss eben weiter mit Hochdruck gefeilt werden.
Gut, dass der VfB offensichtlich an Carlos Zambrano dran ist, ein gestandener Verteidiger mit guter Technik, der dazwischenhaut und sich nichts gefallen lässt.
Mir würde er gefallen, ob mit oder ohne Antonio Rüdiger würde man sehen. Sollte wirklich halb Europa an ihm interessiert sein und der Preis stimmen, muss ein Verein wie der VfB verkaufen, alles andere wäre fahrlässig und den Mitgliedern nicht vermittelbar, wenn auf der Mitgliederversammlung das nächste Millionendefizit publiziert wird.
Gegen Wolfsburg dürfte Armin Veh wieder auf eine stabilere Grundordnung zurückgreifen. Leitner wird wohl wieder einsatzfähig sein, Gruezo ist auch immer eine Option. Spätestens seit Samstag aber versuche ich mir Prognosen, was die Startaufstellung angeht, zu verkneifen. Veh tüftelt sicherlich schon jetzt daran und wird Fans und Gegner wieder mit der einen oder anderen Personalie überraschen.
Langsam aber sicher trägt die Arbeit von Veh Früchte, unser Spiel wird variabler und ist auch schon wieder besser anzuschauen. Zudem scheinen Trainer und Team mehr und mehr zueinander zu finden. Durch die eine oder andere Personalentscheidung hat sich Veh bestimmt nicht nur Freunde gemacht, aber es hat ihm Respekt eingebracht.
Wenn dieser Trainer dann bei einem Halbzeitstand von 0:3 gegen den Championsleague-Teilnehmer Leverkusen die richtigen Worte findet, den am Boden liegenden Jungs Mut macht, dass hier noch etwas geht und das dann tatsächlich auch klappt, ist im Zusammenwachsen von Trainer und Team schon immens viel gewonnen. Die Mannschaft merkt, dass der Trainer einen Plan hat, die Richtung vorgibt und die Mannschaft nicht im Regen stehen lässt sondern an sie glaubt. Wenn sich dann auch Erfolgserlebnisse einstellen, wird ihm die Mannschaft bedingungslos folgen, solang er authentisch bleibt, nicht gekünstelt rüberkommt oder sich verbiegen lässt. Noch ist er relativ kurz wieder hier, zu früh also, um ihn in den Himmel zu loben und die schlechten Jahre für beendet zu erklären, aber, ich sehe uns auf einem guten Weg.
Das alles macht mir Mut, diese Saison, die allein der tabellarischen Konsolidierung gilt, gut und ohne größere Abstiegsangst zu überstehen. Mehr erwarten ohnehin nur Phantasten.
Es ist doch tatsächlich so, dass ich es schon kaum erwarten kann, bis es am Samstag weiter geht, eine Vorfreude, die es bei mir vor Heimspielen schon einige Zeit nicht mehr gegeben hat.
Natürlich bin ich nicht so blauäugig und würde erwarten, dass wir die Wolfsburger an die Wand spielen. Die Wolfsburger sind für mich heißer Championsleague-Aspirant und haben eine qualitativ herausragende Mannschaft. So bin ich mir im Klaren darüber, dass schon alles optimal laufen müsste, wollen wir gegen die Wölfe punkten. Aber, die Tendenz zeigt nach oben, klappt es am Samstag nicht, gewinnen wir eben in Bremen, wo die Trauben nicht ganz so hoch hängen dürften, und das trotz Trainerwechsel und trotz der Tatsache, dass wir in Bremen seit 2006 (unter Armin Veh!) nicht mehr gewannen.
Aber, auch das Spiel gegen die Wölfe muss erst einmal gespielt werden. Lassen sich die Fehler in der Defensive minimieren, ohne, dass die Angriffslust und –klasse vorne leidet, liegt eine Überraschung im Bereich des Möglichen. Ich freue mich drauf und hoffe, dass der Fußball der letzten drei Halbzeiten, viele Leute mobilisiert, ins Stadion zu kommen. Die Aktion, dass Gentner/ Kirschbaum im Milaneo sowie Maxim/ Werner im Fancenter Tickets verkauft haben, fand ich übrigens einen klugen Schachzug. So haben es sich Leute, die sonst womöglich ferngeblieben wären, doch überlegt, ins Stadion zu kommen. Die Mannschaft braucht jede Unterstützung, der Verein das Geld, und nicht zuletzt, auch mir als Fan macht es mehr Spaß, wenn die Hütte voll ist.

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20. Oktober 2014

Wie viel VfB verträgt Man(n)?

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , , – Franky @ 18:54

Fußball ist Leidenschaft, Fußball ist Emotion. Deswegen pilgern Woche für Woche Hunderttausende in die Stadien der Republik, und das trotz der Überlegenheit der Bayern und der vermeintlich fehlenden Spannung in der Meisterschaft. Warum? In erster Linie wohl, weil Fußball nicht immer berechenbar ist, man die Ergebnisse nicht auf dem Reißbrett vorhersagen kann. Mit ein Grund, dass die Wettanbieter Hochkonjunktur haben und der Fußball trotz gestiegener Preise, trotz dem Verkommen zur Eventveranstaltung, trotz Übersättigung durch Fernsehübertragungen nach wie vor Millionen in den Bann zieht.
Fußball ist aber auch Krampf, harte Arbeit, humorloses Ballgeschiebe, ein dahinsiechen, wie wir es beim VfB seit einigen Jahren, einige wenige Ausnahmen ausgenommen, erleben (müssen). Gerade Heimspiele sind in letzter Zeit wenig vergnügungssteuerpflichtig, sind träge, der Funke springt aufgrund fehlender Leidenschaft und Begeisterung auf dem Platz selten auf die Ränge über. Die Ultras in der Cannstatter Kurve sorgen zwar immer für ein Fahnenmeer und supporten durchgängig durch rhythmisches Klatschen und ihre Gesänge, ziehen aber doch weitestgehend ihr Ding durch, ganz unabhängig vom Spiel und vom Spielverlauf. Lediglich wenn mal wieder das leidliche „Auf geht’s Stuttgart kämpfen“ oder „wir wolln Euch kämpfen sehen“ aus tausenden Kehlen intoniert wird, weiß auch der, der nicht so bei der Sache ist, dass die Kacke mal wieder gehörig am dampfen ist. Ansonsten nehme ich das Gros der Auftritte meines VfB in den letzten Jahren, auf und außerhalb des Platzes, als relativ emotionslose Veranstaltung wahr. Zu uns auf der Haupttribüne Seite, Richtung Untertürkheimer Kurve“, schwappt selten Stimmung herüber, der Gästeblock, selbst wenn lediglich 1.800 Leverkusener da sind, ist da meist lauter. Daher sehe ich Spiele im Neckarstadion, unserem „Wohnzimmer“, schon seit geraumer Zeit eher als Pflichtveranstaltungen an, und freue mich mehr auf die Auswärtsspiele. Dort sind dann die wirklich Supportwilligen, dort bebt der Block von Anfang bis Ende, dort repräsentiert man die Stadt und den VfB und möchte ein gutes Bild abgeben. Und das optisch, akustisch, von der Anzahl der Mitfahrer und bestenfalls auch durch das eigene Verhalten und dem Respekt gegenüber dem Heim-Verein, den Heim-Fans.
Weshalb ich so aushole, um zum eigentlichen Thema dieses Berichts zu gelangen? Weil wir gerade am Samstag wieder alle Facetten dieser so herrlichen Sportart zunächst über uns ergehen lassen mussten und später genießen durften. Ein Wechselbad der Gefühle, zwischen totalem Frust und totaler Lethargie bis hin zur Schnappatmung in den letzten Minuten war alles geboten, was der Mensch an Gefühlsregungen empfinden kann. Vom ersten Frustbier nach noch nicht einmal einer Viertelstunde bis hin zu Standing Ovations in gerade einmal 75 (Spiel-) Minuten. Die Dramaturgie dieses Spiels war kaum zu überbieten. Doch, der Reihe nach.
Der letzte Sieg gegen Leverkusen liegt 4 ½ Jahre zurück, zudem haben sie einen Stefan Kießling in ihren Reihen, der in schöner Regelmäßigkeit gegen den VfB trifft. So hatte ich schon vor dem Spiel die Vorahnung, dass es bitter werden könnte, wenn man den Gegner spielen lässt.
Leverkusen, mit dem Championsleague-Spiel gegen St. Petersburg vor der Brust und zuletzt nur einem Heim-Remis gegen Paderborn im Gepäck, stand also auch unter Druck, ist ihr Anspruch doch (mindestens) wieder ein Championsleague-Startplatz. In meinen Posts auf Facebook vor dem Spiel machte ich noch auf die Qualitäten der Leverkusener aufmerksam, dass sie die Frühstarter der Liga sind und man tunlichst von Beginn an „höckschte Konzentration“ an den Tag legen muss, um nicht ein böses Erwachen zu erleben.
Den VfB sah ich zwar in Berlin nicht so schlecht wie viele andere, erkenne langsam aber sicher auch mehr Struktur im Spiel und sehe vor allem eine Weiterentwicklung. Dennoch bin ich auch Realist und attestiere dem einen oder anderen Mann in unserem Kader kein Bundesligaformat. Ein bundesligatauglicher Spieler muss auch so etwas wie Konstanz an den Tag legen, Fehler minimieren und vor allem die gleichen nicht immer wieder machen. Ein Spieler, der sich im Stahlbad Bundesliga durchsetzen möchte, sollte sich auf sein Spiel konzentrieren und Reaktionen von außen ein Stück weit ausblenden können. Klar, kommen jetzt wieder diejenigen, die meinen „Fußballer sind auch bloß Menschen“, worauf zunächst nicht zu widersprechen ist. Aber, auch der Beruf des Profifußballers bringt einige Anforderungen mit sich, eine davon ist die Belastbarkeits- und Konzentrationsfähigkeit in Stresssituation, wer dem nicht gewachsen ist, sollte einen Mentaltrainier in Anspruch nehmen. Wer darüber jammert, das Stuttgarter Publikum wäre schwierig oder gar Schuld an der einen oder anderen Niederlage, auch demjenigen würde ich raten, sich an die eigene Nase zu fassen und sich auf das Geschehen auf dem Platz zu konzentrieren anstatt sich mit Nebengeräuschen, im wahrsten Sinne des Wortes, zu beschäftigen.
Veh erklärte bereits auf der Pressekonferenz vor dem Spiel, man wolle defensiver antreten als zuletzt und dadurch versuchen, Leverkusen das Durchkommen schwerer zu machen. Anders als zuvor Köln, Hoffenheim und Hannover, die weitestgehend hinten drin standen und einzig auf Fehler vom VfB lauerten, war es von den spielstarken Leverkusenern zu erwarten, dass sie selbst die Initiative ergreifen wollen. So fand sich also eine neu formierte Viererkette wieder, mit Schwaab als rechtem Verteidiger, dem Innenverteidiger-Duo Niedermeier/ Rüdiger und Klein auf der für ihn ungewohnten linken Seite. Für den Schorsch, als Typen und wie ich ihn auch bei diversen Trainingslagern oder auch zuletzt dem Kabinenfest erlebt habe, der so etwas wie mein Lieblingsspieler in der derzeitigen Truppe ist, freute ich mich, dass er sein erstes Spiel von Beginn an machen durfte.
In meinen Tippspielen hatte ich optimistisch 2:2 getippt und hätte diesen Punkt mit Kusshand angenommen. Man weiß es ja nie, wie sich die Mannschaften nach einer Bundesligapause präsentieren, ob sich ein Trend von davor fortsetzt oder abgeschnitten wurde, ob die Spieler sofort wieder auf Vereinsmodus umschalten können oder mit den Gedanken noch in ihren Heimatländern sind.
Wie bereits erwähnt, hält sich meine Emotionalität vor Heimspielen in engen Grenzen, so hatte ich mein eigentliches Highlight des Tages, das Vorglühen und Fachsimpeln mit Freunden und Bekannten im Biergarten des Stuttgarter Sportclubs (SSC), schon hinter mir, als ich gegen 15.15 Uhr, früh für meine Verhältnisse, meinen Platz im Block 3B einnahm. Nach dem Verkünden der Mannschaftsaufstellung von Bayer Leverkusen und der Präsentation unserer Formation durch unseren Stadionsprecher Holger Laser folgten ein paar Songs, die das Zeug zur Hymne hätten, wie „Troy“ und „Für immer VfB“. Dennoch sind wir zu meinem Bedauern einer der ganz wenigen Vereine in den ersten 3 Ligen, die keine eigene Hymne haben, wo keine Schalparade vor dem Spiel stattfindet, nichts, das einen so richtig auf die anstehende Partie einstimmen würde. Ob dies damit zusammenhängt, dass die Ultras dem Verein im Zuge des Stadionumbaus unter anderem abrangen, die letzten fünf Minuten vor Einlauf der Mannschaften, sollten ihnen gehören, weiß ich nicht. Mir geht das jedenfalls ab, bekomme ich doch in einigen Stadien richtig Gänsehaut beim Intro und wenn das Vereinslied aus Zehntausenden Kehlen geschmettert wird.
Veh wechselte im Vergleich zum Spiel in Berlin vor der Länderspielpause gleich drei Mal. Statt Sakai, Gruezo (beide wohl wegen der weiten Länderspielreisen erst einmal draußen) und dem angeschlagen von der Nationalmannschaft zurückgekehrten Kostic, begannen Niedermeier, Harnik und Werner. Wie das Spiel dann begann, ist kaum in Worte zu fassen, spottet jeder Beschreibung, war einfach erbärmlich und desolat.
Das Spiel war erst gute drei (!) Minuten alt, als der VfB den ersten Nackenschlag zu verkraften hatte. Brandt auf Kießling, der von Niedermeier im Strafraum um gerempelt wurde und den Ball dennoch zu Son stolpern konnte, dieser wiederum ließ Rüdiger und Kirschbaum wie F-Jugendliche ins Leere laufen und konnte den Ball somit ins verwaiste Tor einschieben. Unerklärlich wie naiv eine an und für sich gestandene Bundesligamannschaft in ein solches Spiel gegangen ist, und das gegen einen Gegner, dessen Qualitäten hinlänglich bekannt sind.
So nahm das Unheil also schon früh seinen Lauf und ich versank mehr und mehr in meinem Sitz. Als gerade einmal fünf Minuten später Thorsten Kirschbaums Befreiungsschlag zu kurz geriet und direkt bei Son landete, dieser den Ball mit der Brust annahm und aus 25 Metern sehenswert über Kirsche hinweg abschloss, schienen beim VfB alle Dämme zu brechen. Kirschbaums erster grober Schnitzer im dritten Spiel seit der Ulle-Ablösung und schon treten Ulles Jünger wieder auf den Plan und fordern einen erneuten Torwartwechsel. Veh hat zum Glück bereits verlauten lassen, wenn er von einer Sache überzeugt sei, ziehe er das durch, so dass ich guter Dinge bin, dass sich Veh davon nicht beeinflussen lässt. Kirschbaum ist der bessere Fußballer, Ulle ist für mich und dem Vernehmen nach auch für Armin Veh kein guter Torwart, wenn man das Gesamtpaket betrachtet. Für mich stellt sich daher nur die Frage, hat Kirschbaum das Zeug dazu auf lange Sicht unsere Nummer 1 zu sein oder müssen wir dem jungen Vlachodimos eine Chance geben oder gar einen Torhüter hinzu kaufen. Ich drücke Kirsche die Daumen, dass er diesem Druck, den er als Nachfolger der Ikone Ulreich zweifellos hat, gewachsen ist und seine Kritiker verstummen lässt.
Diese langjährige Schwachstelle hat Veh behoben, an einigen anderen wird er noch viel zu tun haben. Vogelwild präsentierte sich der VfB in dieser denkwürdigen ersten Halbzeit. Son Latte, Kießling Pfosten, das nach einem katastrophalen „Rück-Kopfball“ vorbei am heraus eilenden Kirschbaum durch Antonio Rüdiger, eine Großchance von Bellarabi und schließlich das 0:3 durch den Länderspieldebütanten Bellarabi, der sich in Slapstickmanier gleich gegen fünf VfBler durchsetzen konnte. Eine einzige Chance hatte der VfB in der ersten Halbzeit, als Gentner Niedermeiers Kopfballvorlage aus zwei Metern zehn Meter über das Gehäuse bugsierte. Es wäre das zwischenzeitliche 1:2 gewesen. So wurde die Mannschaft mit einem gellenden Pfeifkonzert in die Kabinen verabschiedet, das 0:3 war noch schmeichelhaft, es hätte gut und gerne 0:6 stehen können.
Veh korrigierte seine Anfangs-Aufstellung, nahm Rüdiger heraus, stellte Klein und Schwaab auf ihre ursprünglichen Positionen zurück und brachte Hlousek auf links, der zu seinem ersten Bundesligaspiel für den VfB kam. Armin Veh tat mir schon ein wenig Leid, wenn man ihn beobachtete. Er probiert viel und bekommt dann einen solchen Hieb von seinen Jungs serviert, gefühlt Minuten wandte er sich nach dem 0:2 vom Spielgeschehen ab und hämmerte frustriert aufs Dach der Trainerbank.
Ich bin im Übrigen ein großer Befürworter dieser Personalrochaden, mit denen uns Veh Woche für Woche überrascht. In den letzten Jahren vermisste ich diese Art der Abwechslung, war ein Großteil der Stammplätze in Stein gemeißelt, heute, unter Veh, darf sich dagegen keiner zu sicher fühlen.
Da es ein „Weiter so“ in der zweiten Halbzeit nicht unbedingt geben sollte, war es klar, dass Veh zur zweiten Halbzeit Umstellungen vornehmen würde. Dieses Mal traf es zu Recht Jung-Nationalspieler Antonio Rüdiger, tatsächlich den Schlechtesten in einer ganz schlechten Mannschaft. Es ist mir klar, dass ein 21-Jähriger alles erst einmal verkraften muss, was zurzeit auf ihn einprasselt. Angebliches Interesse von Chelsea, zudem Neu-Nationalspieler und zuletzt maßgeblich beteiligt am späten Ausgleichstreffer der Iren unter der Woche. Nicht wenige fragen sich in dem Zusammenhang, wie wenig man mittlerweile mitbringen muss, wie wenig man bisher geleistet haben muss, um Nationalspieler in unserem Land werden zu können. So steht er jetzt unter bundesweiter Beobachtung und bekam nach dem Irland-Spiel einiges auf die Ohren! Veh hat nach dem Spiel zu Recht zu Protokoll gegeben, dass er auch sieben Andere hätte herausnehmen können.
In und nach der Halbzeit wandten die Ultras dem Spielfeld den Rücken zu und stellten den Support berechtigterweise gänzlich ein. Es war eines VfB’s unwürdig, wie sich diese unsere Mannschaft her spielen ließ, wie man den Gegner zum Tore schießen einlud. Die Kabinenansprache soll nicht laut, jedoch sehr sachlich gewesen sein. Ermutigend, aber auch an der Ehre packend, erinnernd, wie unberechenbar der Fußball ist, was alles möglich ist, wenn man nur an sich glaubt.
Und, in der Tat der VfB kam selbstbewusster aus der Kabine. Natürlich mag es eine Rolle gespielt haben, dass die Körpersprache der Leverkusener eine andere war, dass sie wohl annahmen, die Führung locker, leicht und ohne weitere Kraftanstrengung ins Ziel schaukeln zu können. Schließlich steht am Mittwoch das nächste Champions League Spiel gegen Zenit St. Petersburg auf dem Programm, für das man sich ja von nun an schonen könne.
Nach kurzer Findungsphase dauerte es nicht lang, ehe Klein ungehindert in den Strafraum flanken konnte und Timo Werner ebenso frei zum Kopfball kam und den Anschlusstreffer erzielte. Der VfB war jetzt da. Zwar hatte Leverkusen kurz nach dem Anschlusstreffer noch die Konterchance zum 1:4, doch, es war jetzt ein anderes Spiel. Der VfB agierte sicherer und befand sich auf einmal auf Augenhöhe mit den zuvor so in jeder Hinsicht überlegenen Leverkusenern. Maxim kam für Leitner und gerade einmal zwei Minuten nach seiner Einwechslung schlug er eine Freistoßflanke scharf in den Strafraum, Leno faustete im Stile eines Anfängers direkt in die Mitte und vor die Füße von Florian Klein, dieser nahm wuchtig Maß und zimmerte die Kugel ins vom Schützen aus gesehen rechte Toreck. Ein Hammer-Tor, genial und mit der Intensität eines Urschreis.
War ich beim 1:3 kaum aufgesprungen, zu sehr saß noch der Frust der ersten Hälfte, war auch ich plötzlich wieder da. Auf einmal war Tempo, Leidenschaft, Kampfgeist zu sehen, die erste Halbzeit wie weggeblasen! Dann, knapp zehn Minuten später, Duplizität der Ereignisse. Kostic kam für Werner ins Spiel, und wiederrum nur zwei Minuten später, durfte er eine Freistoßflanke von der anderen Seite scharf herein schlagen, die Martin Harnik am langen Pfosten über die Linie bugsieren konnte. 3:3, das Stadion auf einmal ein Tollhaus. Danach drängte der VfB gar sogar noch auf den Sieg, hätte ihn am Ende vielleicht sogar auch verdient gehabt. Kurz vor Schluss vereitelte Kirschbaum durch eine tolle Parade erst das 3:4, kurz darauf hatte Martin Harnik in der Nachspielzeit zwei Mal den Siegtreffer auf dem Fuß und auf dem Kopf, wobei Bernd Leno diese beiden Chancen herausragend vereitelte.
Am Ende stand also ein nicht für möglich gehaltenes 3:3 nach einem Spiel das seinesgleichen sucht. Ähnlich mitreißend war in der jüngeren Vergangenheit das 4:4 in Dortmund, an ein solches Heimspiel-Feuerwerk kann ich mich kaum noch erinnern.
Bei allen Lobeshymnen jetzt über die Moral und die Wiederauferstehung des Brustrings gibt natürlich die erste Halbzeit schwer zu denken. Amateurhaftes Abwehrverhalten, eine Naivität im Spiel und abermals ein Kapitän, der nicht zu sehen war, so ging dieses Truppe sang- und klanglos unter und zerfiel phasenweise in ihre Einzelteile.
Glück für uns, dass Leverkusen in der zweiten Halbzeit mehr als nur einen Gang zurückschaltete. Es bewahrheitet sich immer wieder, dass man nicht nachlassen darf und es sehr schwierig ist, den Schalter abermals umzulegen, wenn man wieder einen Zahn zulegen sollte. Leverkusen schaffte es nicht und ließ sich auf einmal in ihre eigene Hälfte zurück drängen.
Wohl dem, der, wie der VfB im zweiten Spielabschnitt, von der Bank mit Leuten wie Maxim und Kostic nachlegen kann. Das könnte im Verlauf der Saison noch ein Joker werden im Vergleich zu den anderen Abstiegskandidaten. Der Kader ist in der Breite nämlich gar nicht so schlecht aufgestellt im Vergleich zur direkten Konkurrenz im Tabellenkeller.
Mit Daniel Ginczek wächst zudem noch eine treffsichere Alternative heran. Beim 5:1-Sieg unserer Amateure gegen den Stadtrivalen Stuttgarter Kickers traf er erneut, so dass man sich auf ihn freuen darf, wenn er denn bald reif für die erste Mannschaft ist, zumal die Torflaute von Vedad Ibisevic mittlerweile groteske Züge annimmt. Der Bosnier ist nunmehr bereits seit mehr als 1.000 Spielminuten torlos, während Werner seine ebenfalls lang andauernde Durststrecke mit dem so wichtigen Anschlusstreffer beenden konnte.
Diese Aufholjagd, die wohl tatsächlich nur gelungen ist, weil das Team in der zweiten Halbzeit zusammengestanden ist, sollte mehr Mut machen als dass die erste Halbzeit Sorgen bereitet. Würde das Gesicht der ersten Hälfte unser Leistungsvermögen widerspiegeln, die Mannschaft zu mehr nicht imstande sein, könnten wir den Laden dicht machen und den Verein vom Spielbetrieb abmelden. Konkurrenzlos schlecht ist eher noch untertrieben.
Die zweite Hälfte dagegen offenbarte, dass durchaus Esprit in der Truppe steckt und was möglich ist, wenn sie ungehemmt nach vorne spielen kann. Eine solche Aufholjagd hat auch das Zeug zur Initialzündung in puncto Mannschaftsfindung. Das A&O, Armin Veh betont es seit er wieder hier ist, dass eine Mannschaft auf dem Platz steht, Spieler, die sich verstehen, die füreinander da sind und dadurch entstehende Probleme auch gemeinsam zu lösen versuchen. Eine solche Leistung wie in der zweiten Mannschaft könnte zusammen schweißen.
Da waren lange vermisste Anflüge von Kreativität, von Spielkultur, ja, sogar von Spielfreude zu sehen. Diese Positiva muss man aus diesem Spiel mitnehmen und weiter daran arbeiten, die Defensive zu stabilisieren. Vielleicht ist ja die Viererkette der zweiten Halbzeit ein Ansatz und ausbaufähig. Rüdiger scheint mir der Drucksituation derzeit nicht gewachsen zu sein, will zu viel und verhaspelt sich. Hlousek auf links finde ich aufgrund seiner Schnelligkeit eine Option. Natürlich hatte er einige leichte Ballverluste zu verzeichnen und stand so dem Platzhalter Sakai in nichts nach. Im Gegensatz zum Japaner aber, der schon lange im Formtief steckt, sehe ich bei Hlousek noch Luft nach oben, zudem ist er ein Linksfuß und kann durch seine schnellen Vorstöße zu einer Waffe werden.
Wie erwähnt, sehe ich es als positiv an, dass Veh viel ausprobiert, der VfB dadurch schwerer auszurechnen ist, sowohl der Gegner, als auch der Fan, weiß selten im Voraus, was er zu erwarten hat. Und das meine ich positiv, hat man doch in den letzten Jahren oft genug schon beim Blick auf die Mannschaftsaufstellung gewusst, was man zu erwarten hat, nämlich meist ein langweiliges und emotionsloses Ballgeschiebe und einen ereignisarmen Spielverlauf. Der neuen Konkurrenzsituation muss sich jetzt jeder stellen und jeder hat die Chance zu spielen oder in der Mannschaft zu bleiben, wenn der Trainer zufrieden war.
Das Spiel gegen Bayer Leverkusen war eine Achterbahn der Gefühle. Die Erwartungen waren sowieso klein gehalten, wurden dann aber nach nicht einmal zehn gespielten Minuten im Negativen übererfüllt. Man ist ja einiges an schlechten Darbietungen „gewöhnt“ und man sollte mit Superlativen vorsichtig sein, aber, zur Halbzeit war ich mir sicher, noch nie einen solch schlechten VfB gesehen zu haben. Wirklich noch nie! Ich kann mich an ein 0:4 gegen Bochum in grauer Vorzeit erinnern, auch ein 0:5 gegen Dortmund, bei dem ich die zweite Halbzeit in unserer altehrwürdigen Stadiongaststätte verfolgte. Zu jenen Zeiten hatte man aber wenigstens den Eindruck, es handele sich um einen gebrauchten Tag, an dem eben nichts geht und dass einige auf dem Platz standen, denen die Demütigung genau so an die Nieren ging wie einem selbst. Am Samstag aber war ich mit dem Latein am Ende, Endzeitstimmung schon in der Halbzeit, aber, ich bin natürlich geblieben, im Gegensatz zu Dutzenden um uns herum.
Wäre das Spiel so weiter gelaufen, hätte ich mir wenigstens um meine Gesundheit keine Gedanken machen brauchen. Emotionslos, fast gleichgültig und lediglich erschrocken über diese Nicht-Leistung kauerte ich in meinem Sitz.
Nach der Pause, auf den Spielverlauf bin ich ja bereits eingegangen, sah ich das 1:3, das wie aus dem Nichts fiel, noch relativ gefasst und maß ihm keinerlei Bedeutung zu, Ergebniskosmetik, mehr nicht.
Als Veh dann aber offensiv wechselte, man, im Gegensatz zur ersten Halbzeit, auch Zweikämpfe für sich entschied, auf einmal Willen und schnell vorgetragene Angriffe zu sehen waren, Freistöße herausholte, ab dieser Zeit war dann auch ich wieder richtig bei der Sache.
Als das 2:3 durch diesen satten Schuss von Florian Klein fiel, stieg der Puls und das Adrenalin schoss durch den Körper. Dann macht Harnik auch noch das 3:3 und der Kessel bebte auf einmal wie schon lange nicht mehr. Selbst in unseren Regionen erhoben sich die Dagebliebenen von den Sitzen und peitschten das Team weiter nach vorne, plötzlich saß keiner mehr.
Für Martin Harnik freute ich mich, dass er endlich wieder getroffen hat. Er hatte eine längere Schwächephase zu durchstehen und saß zuletzt nur auf der Bank. Ich mag ihn, weil er einer ist, dem ich es abnehme, dass er alles in die Waagschale wirft und sich stets den Allerwertesten aufreißt. Zudem ist er kein Spinner und mit beiden Beinen auf dem Boden, ein Profi, wie man ihn sich wünscht. Vielleicht gibt ihm das Tor Auftrieb, bringt er wieder mehr Sicherheit in sein Spiel. Vor seiner Herausnahme aus der Mannschaft wirkte er oft überhastet und verlor Bälle oder sie versprangen ihm, was man in dieser Häufigkeit eigentlich von ihm nicht gewohnt war. Dass ihn Veh für einige Zeit herausnahm war für mich absolut richtig und nachvollziehbar, vielleicht hat er sich ja jetzt wieder durch sein Tor und auch durch seine Präsenz wieder in die erste Elf gespielt. Dass er das Siegtor nicht gemacht hat, verzeihe ich ihm gerne. Mit diesem Punkt bin ich rundum zufrieden, wer hätte das gedacht!
Die nächste schwere Heimaufgabe wartet an Allerheiligen auf uns, wenn es gegen den VfL Wolfsburg geht. Erneut eine Betriebssportmannschaft, bei der Geld eher eine untergeordnete Rolle spielt, man hat es eben. Trotzdem, seit Allofs und Hecking das Sagen dort haben, wird das vorhandene Geld vernünftig eingesetzt und auch (endlich) Kapital aus der guten Jugendarbeit geschlagen. Ich schätze die Wölfe sehr stark ein und befürchte, dass für uns die Trauben hoch hängen dürften.
Umso wichtiger sind die kommenden Auswärtsaufgaben gegen Gegner, die sich mit uns auf Augenhöhe oder sogar darunter befinden. In Frankfurt bzw. in Bremen sollten einer oder am besten gleich zwei Auswärtssiege her, um endlich mal wieder in ruhigeres Fahrwasser zu steuern.
Veh auf der Kommandobrücke benötigt nach wie vor Zeit, der Mannschaft ein neues Lifting zu verpassen und fordert dafür zu Recht Geduld ein. Diese übt man am besten, wenn die Ergebnisse stimmen es gelingt, ein Polster zwischen sich und die Abstiegsplätze zu legen.
Unsere jungen Spieler wie Antonio Rüdiger und Timo Werner, auf die bereits jetzt einiges hereinbricht, dürften es erheblich einfacher haben, sich weiter zu entwickeln, wenn der Druck nicht ganz so groß ist. Bei Rüdiger fällt seine Nervosität natürlich mehr auf als bei Timo Werner. Rüdigers Fehler haben meist brenzlige Situationen bzw. Gegentore zur Folge, während sich Timo Werners Nervenschwäche „nur“ bemerkbar macht, wenn ihm am gegnerischen Strafraum ein Ball verspringt oder er im eins gegen eins nicht so abgezockt agiert, wie man es schon von ihm gesehen hat.
Daher wäre ein Dreier am kommenden Wochenende in Frankfurt Balsam auf die Seelen Aller, denen der VfB am Herzen liegt und immens wichtig. Frankfurt war in letzter Zeit oft ein gutes Pflaster für uns, außer in der letzten Saison, als man den Sieg kurz vor Schluss noch verspielte und Alexandru Maxim die 1.000%ige Chance zum 0:2 vergab.
Damals noch hieß der Eintracht-Trainer Armin Veh. Dieser hat jetzt zum Glück das Zepter beim VfB in der Hand und kennt den Gegner natürlich in- und auswendig. Wie ich ihn kenne, wird er bereits jetzt voller Vorfreude sein. Auf dem Kabinenfest fragte ich ihn, wie er die Fanunterstützung dort empfand, vor allem auf den Europacup-Reisen. Da begannen seine Augen zu funkeln und mehr als ein „einfach geil“ kam ihm nicht über die Lippen.
Neuer Trainer der Eintracht wurde bekanntlich Thomas Schaaf, den man bislang ja nur mit Werder Bremen in Verbindung brachte. Bislang lässt sich seine Mission dort gut an, mit einem Sieg gestern in Paderborn hätte die Eintracht auf Rang 3 vorstürmen können, so sind sie als Achter im gesicherten Mittelfeld. Einfach dürfte es also auf keinen Fall werden, aber, Samstag 15.30 Uhr, 5.000 Schwaben im Rücken, da muss einfach was gehen für unser Team. In Berlin durfte das Team ja bereits am ersten Auswärtssieg schnuppern, die 0:1-Führung wurde von der Hertha lediglich durch einen höchst fragwürdigen Elfmeter ausgeglichen. Bis dahin und auch wieder danach war man eigentlich auf einem guten Weg. Daher bin ich für Frankfurt guter Dinge und freue mich sehr drauf.
Es darf im Waldstadion ruhig ein bisschen weniger dramatisch zugehen als am Samstag, Hauptsache Sieg, wenn solche Spektakel aber zur Regel werden sollten, werden wir bald „zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie ihren Arzt oder Apotheker“ auf den Eintrittskarten zu lesen bekommen!

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