18. August 2017

Mit einem blauen Auge davon gekommen

Auch eine gute Woche nach dem Rausschmiss von Jan Schindelmeiser wirkt das Beben nach. Wurde nach dem Votum für die Ausgliederung von allen Seiten propagiert, das demokratisch zustande gekommene Ergebnis akzeptieren zu wollen und sahen es die meisten ein, dass die verhärteten Fronten wieder zueinander finden müssen, spaltet die Demission Schindelmeisers die Fangemeinde erneut aufs Schärfste.

Die einen akzeptieren den Standpunkt des Vereins und kritisieren an Jan Schindelmeisers Transferpolitik vor allem, dass er es bis Anfang August immer noch nicht geschafft hatte, die Problemzone Innenverteidigung erfolgsversprechend zu verstärken und auch nicht der Eindruck erweckt wurde, die dringend benötigten Verstärkungen seien im Anflug. So, die Befürchtungen, werde es schnurstracks zurück in die 2. Liga gehen.

Die andere Seite, zu der ich mich auch zähle, übte sich hingegen in Geduld und vertraute Schindelmeiser, dass er bis zum Transferschluss schon noch eine schlagfertige Mannschaft auf die Beine stellen würde. Ich sehne mich nach Kontinuität in meinem Herzensverein und hatte die große Hoffnung, dass diese mit dem Gespann Schindelmeiser/ Wolf auf längere Zeit gegeben sein könnte. Daher liegt mir der Rausschmiss noch immer schwer im Magen.

Von außen betrachtet hat Schindelmeiser für mich keine schlechte Arbeit abgeliefert. Er hat den Umbau im Verein vorangetrieben, im Unterbau nachjustiert, er hat aus den finanziellen Möglichkeiten nach dem Abstieg das Optimum, nämlich den Aufstieg, herausgeholt und eine spannende Transferpolitik an den Tag gelegt. Mit Spielern, ob bei den Amateuren oder bei den Profis, welchen man keine kurzfristige Perspektive bieten konnte, wurde Klartext gesprochen und sich voneinander getrennt, anstatt sie jahrelang durchzuschleppen, wie es in den vergangenen Jahren beim VfB Usus war.

Natürlich lässt sich über die bisherigen Neuzugänge dieses Sommers streiten. Viele junge, bundesligaunerfahrene Akteure unterschiedlichster Nationalitäten, ein Sprachengewirr auf dem Trainingsplatz, überhaupt nicht blond und blauäugig. Doch, kann man dies Schindelmeiser zum Vorwurf machen und ist es nicht vielleicht sogar besonders kreativ, Spieler zu holen, hinter denen (noch) nicht die Top-Vereine her sind? In Anbetracht der explorierenden Ablösesummen in diesem Transfersommer und der noch immer begrenzten finanziellen Möglichkeiten der VfB Stuttgart AG, fand ich den eingeschlagenen Weg vernünftig. Letzten Endes ist es mir in dieser Phase der Konsolidierung, nach fast zehn Jahren Misswirtschaft, egal, welche Spieler uns wieder nach oben bringen. Haben wir den Anschluss mal wieder geschafft, dürfen es gerne auch deutsche Nationalspieler in unseren Reihen sein, gerne aus dem Nachwuchsleistungszentrum, doch bis dorthin ist es noch ein weiter Weg, der vor allem Geduld erfordert.
Geduld, die man in der AG offensichtlich nicht hat(te). Ob Schindelmeiser ein gutes Händchen mit seinen Einkäufen hatte und wie seine diesjährige Transferbilanz ausfällt, hätte man frühestens am 01. September, wenn das Transferfenster geschlossen ist, beurteilen können. In den beiden Trainingslagern in Grassau und in Neustift im Stubaital war ich von den Neuen sehr angetan. Was die Jungs an Schnelligkeit und auch an taktischer Intelligenz einbringen, ist schon klasse. Wie schnell sie sich an das Haifischbecken Bundesliga gewöhnen und ob sie die Liga aufmischen können, wie sie mit Rückschlägen umgehen, muss sich erst noch zeigen. Dass es ein Risiko ist, mit einer solch jungen Mannschaft ins Rennen zu gehen, steht außer Frage. Es ist auf der anderen Seite aber auch eine Chance, an der die Jungs wachsen und ihren Marktwert steigern können und könnte ein Faustpfand gegen Spielende werden, wenn die Jungs noch immer alles in Grund und Boden rennen.

Daher sehe ich die bisherige Transferbilanz lang nicht so kritisch wie die AG. Den Sportdirektor, der eine Hundertprozentquote bei seinen Transfers vorweisen kann, muss man mir erst noch zeigen. Dass bei der Verpflichtung von vielen jungen Spielern der eine oder andere durch den Rost fällt, ist, wie ich finde, völlig normal. Bislang fallen mir hier nur Onguéné und Julian Green ein, die Sommerneuzugänge sind noch nicht zu bewerten.

Schindelmeiser wurde ferner vorgeworfen, zu viele Spieler auszuleihen und dass man mit dieser Philosophie Jahr für Jahr ein neues Team aufbauen müsse. Auch hierfür hatte ich Verständnis, weil man Spieler von der Qualität eines Mané oder Brekalo sonst überhaupt nicht bekommen hätte. Solang der Trainer Freude hat, mit den Jungs zu arbeiten, sie fit für eine große Karriere zu machen und sich damit arrangiert, dass die Arbeit im nächsten Jahr von vorn beginnt, sehe ich nichts Verwerfliches daran, in einer Zeit, in der man finanziell Lichtjahre von den Großen entfernt ist.

Da die Transferbemühungen Anfang August noch bei keinem Verein gänzlich abgeschlossen sind, sah ich die bisherigen Zugänge auch nicht als das Ende der Fahnenstange, sondern war mir sicher, dass man am dringend benötigten gestandenen Innenverteidiger und einem erfahrenen Sechser dran sein würde. Daher kam für mich die Schindelmeiser-Entlassung aus dem Nichts und zur Unzeit.

Nach meinem aus der Emotion geschriebenen letzten Blog, hatte ich danach Gelegenheit, mir auch die „andere Seite“, nämlich die Sicht aus der Perspektive der AG anzuhören.

Dort ist der Tenor einhellig, dass die Entlassung Schindelmeisers alternativlos gewesen sei und dem Vernehmen nach sogar ohne Abfindungszahlung vonstattenging, weil es durchaus auch um Vertragsverstöße gegangen sein soll.

Demnach hätte sich der Streit am Transfer von Maxim entladen, für den Schindelmeiser die Vorgabe gehabt haben soll, ihn allenfalls gegen eine stattliche Ablöse ins Ausland und auf keinen Fall für vergleichsweise kleines Geld an einen Ligakonkurrenten abgeben zu dürfen.

Des Weiteren war man mit den Einkäufen nicht einverstanden, weil, das muss man wohl unter dem Vorwurf der vogelwilden Transferpolitik verstehen, lediglich Spieler geholt wurden, die gerade zufällig auf dem Markt waren und nicht für Positionen, wo der Schuh am meisten drückt. So habe man zwar ein Überangebot an Flügelflitzern, die Defensive aber wurde noch immer nicht verstärkt.

Zudem habe man Schindelmeiser vorgeworfen, sich nicht um Abgänge gekümmert zu haben, wodurch Sorgen aufkamen, den Kader zu sehr aufzublähen. Schindelmeiser sei ein schwieriger Mensch, kein Teamplayer, und habe bei den letzten Transfers die Kontrollinstanzen der AG elegant umschifft.

Er sei nur auf seinen Jugendwahn fixiert gewesen, so dass er andere Optionen überhaupt nicht geprüft und einigen Spielerberatern, ohne sie anzuhören, den Weg zur Tür gewiesen haben soll. Gerüchten zufolge sollen ihm u. a. Träsch, Didavi und Bičakčić angeboten worden sein, die Schindelmeiser von vornherein nicht haben wollte, weil sie, vor allem die Erstgenannten, den VfB schon einmal im Stich gelassen hatten.

Die Kommunikation mit den Vorstandskollegen habe nicht gestimmt, weil er den sportlichen Bereich ausschließlich für sich proklamiert und es daher auch nicht für nötig gehalten habe, überhaupt zu berichten, was er vor hatte und an wem er gerade dran wäre. Gegen den Vorwurf, Alleingänge betrieben zu haben wehrt sich Schindelmeiser vehement, kein Transfer sei ohne Zustimmung der Gremien zustande gekommen.

Da steht also Aussage gegen Aussage, die Wahrheit werden wir wohl nie erfahren, so dass weiteren Spekulationen Tür und Tor geöffnet sind. Offensichtlich war kein Vertrauen mehr vorhanden, die Chemie stimmte nicht mehr und wegen Schindelmeisers getätigter Transfers herrschte große Unzufriedenheit (was Dietrich in Öffentlichkeit jedoch dementierte).

Für mich bleiben dennoch einige Fragen offen. Ist Machtmensch Schindelmeiser am Machtmensch Dietrich gescheitert, weil dieser am längeren Hebel sitzt? Begegnete die AG-Seite gar jenen Geistern, die man mit der Ausgliederung der Profiabteilung in eine AG rief?

Im Organigramm sind auf der Vorstandsebene, auf der der Sportdirektor angesiedelt ist, nur der Marketing- und der Finanzvorstand zu finden. Genauso wenig wie der Sportdirektor dem Finanzvorstand in die Finanzierung von Bauprojekten reinredet, sollte sich der Finanzvorstand anmaßen, ob eine geplante Verpflichtung sinnvoll ist oder nicht. Trainer Hannes Wolf und Jan Schindelmeiser sollen gut zusammengearbeitet haben, sollten die beiden in Sachen Kaderzusammenstellung auf einer Linie gelegen haben, wäre doch im Grunde alles gut gewesen! Lag das Zerwürfnis am Ende „nur“ daran, dass Schindelmeiser Heim und Röttgermann links liegen ließ und sie überhaupt nicht an seinen Plänen teilhaben ließ, fehlt mir das Verständnis, dass erwachsene Männer solche Probleme nicht wie Männer aus der Welt schaffen konnten oder wollten.

Dann ging es tatsächlich um die verletzte Eitelkeit Einzelner und das Ganze zu Lasten des VfB Stuttgart.

Eine weitere Frage, die sich mir stellt, ist die, wer Gunter Barner (Stuttgarter Nachrichten) mit jenen Informationen fütterte, um Jan Schindelmeiser bereits Mitte Juli anzuzählen. Wurde das von AG-Seite mit dem Ziel lanciert, den Rauswurf im Nachhinein als plausibel und sich abzeichnend verkaufen zu können? Weshalb stehen seit geraumer Zeit anstehende Wechsel, wie beispielsweise der von Aogo, tagelang vorher in der Presse? Das war man, seit Schindelmeiser das Zepter schwang, nicht mehr gewohnt. Für mich bleibt das Gschmäckle eines abgekarteten Spiels.

Für die Werbung zur Ausgliederung hat man Schindelmeiser noch gebraucht, ohne Hannes Wolf und ihn wäre diese sicher nicht so reibungslos durchgegangen. Daher hat man ihn wohl nicht schon vorher entsorgt, obwohl es im Gebälk dem Vernehmen nach schon ordentlich knisterte.

Hat tatsächlich der Maxim-Transfer zur Eskalation geführt, wäre eine zeitnahe Entlassung danach oder sogar, um den Transfer zu verhindern davor, logisch gewesen. Doch seinerzeit, am 27.06., lief ja noch die Einspruchsfrist gegen die Ausgliederung!

Nun begründet der VfB die Entlassung damit, dass die dringendsten Baustellen im Kader auch Anfang August noch nicht abgearbeitet gewesen seien. Jürgen Klopp hat im ZDF-Interview im Vorfeld des Championsleague-Qualifikations-Spiels gegen Hoffenheim einen interessanten Ausspruch getätigt, denn, auch Liverpool sucht bislang (erfolglos) nach weiteren Verstärkungen. Er sagte, in Anbetracht der Wahnsinns-Summen die in diesem Sommer vom einen zum nächsten Verein transferiert werden: „Es gibt mehr Vereine, die Spieler suchen, als welche, die Geld brauchen“. Soviel zum Thema. Gerade gute und erfahrene Innenverteidiger sind sehr gefragt und schwierig zu bekommen, zumindest noch zum jetzigen Zeitpunkt.

Für welche Philosophie Michael Reschke steht, ist mir auch nach seiner Vorstellungs-Pressekonferenz Anfang dieser Woche noch nicht klar. Er lobte die Bayern über den grünen Klee, über den VfB sprach er weniger, außer, dass er tief beeindruckt sei, was für tolle Menschen beim VfB unterwegs seien. Die Schleimspur zog sich bis hinauf nach Vaihingen…

Sollten Badstuber und Aogo die Kategorie Transfers sein, mit denen sich Reschke zu schmücken vermag, dann gute Nacht. In Fankreisen macht schon der Begriff von der „Reschkerampe“ die Runde. Um auf diese Namen zu kommen, bedarf es nicht der Phantasie eines ausgewiesenen Fachmanns, auf diese Spieler wäre die Putzfrau wohl auch noch gekommen.

Ob sie uns weiterhelfen können, steht auf einem anderen Blatt. Bleibt Badstuber fit, ist er mit Sicherheit eine Verstärkung für die löchrige Abwehr. Aogo ist als Platzhalter für Insúa gedacht und muss beweisen, ob er es noch einmal wissen will. Auf seiner Pressekonferenz in dieser Woche machte er auf mich einen aufgeräumten, intelligenten und auch motivierten Eindruck.

Dass nicht nur junge Spieler ein Risiko darstellen, sondern auch Ex-Nationalspieler hat der VfB mit Kevin Großkreutz jüngst ja selbst erfahren. Er blieb am Ende sportlich alles schuldig, was man sich vom Weltmeister erhofft hatte und war mit seinen 28 Jahren und seiner Verletzungshistorie längst ein Auslaufmodell.

Parallelen zu Badstuber und Aogo wären rein zufällig. Erik Durm soll der Nächste in der Reihe werden, auch er ist nur zu haben, weil er zuletzt viel verletzt war und er es in Dortmund schwer haben dürfte, den Anschluss wieder zu schaffen. Dass uns bei so viel (Verletzungs-)Risiko nicht am Ende doch noch die Jungen die Kohlen aus dem Feuer holen müssen…

Das Sportliche rückte durch den Wechsel auf dem Sportdirektoren-Posten erst einmal weit in den Hintergrund. Dabei stand letztes Wochenende bereits die erste Runde im DFB-Vereinspokal an.
Uns Allesfahrern wird gleich zu Beginn der neuen Runde viel abverlangt. Binnen sechs Tagen erst Cottbus, dann Berlin. Das Spiel mit der weitesten Entfernung der Pokalrunde wurde auf Sonntag, 18.30 Uhr gelegt, fanfreundlich geht anders.

Daher blieb, wollte man nicht kurz vor der polnischen Grenze auch noch übernachten, nur die Möglichkeit mit dem PKW oder dem Bus anzureisen. Ich entschied mich für die Busfahrt mit dem RWS Berkheim, verließ das Haus um 8 Uhr morgens und war montagmorgens gegen 6 Uhr zurück. Eigentlich bin ich ja zu alt für diesen Scheiß, aber, was tut man nicht alles für seinen Herzensverein und um jedes Mal dabei sein zu können.

Die beiden jüngsten Neuzugänge standen in Cottbus nicht zur Verfügung, Badstuber gesperrt, Aogo angeschlagen. Da Ailton mit Trainingsrückstand ebenfalls nicht mit in die Lausitz gereist war und sich zu allem Überfluss Timo Baumgartl nach dem Aufwärmen aufgrund von Schwindelgefühlen abmeldete, musste Hannes Wolf kurzfristig improvisieren.

Kapitän Gentner, eigentlich für die Bank vorgesehen, rückte in die Anfangsformation und Pavard, zunächst als Linksverteidiger gedacht, in die Innenverteidigung. Für ihn spielte Dženis Burnić auf der ungewohnten Position hinten links und zahlte bei seinem ersten Pflichtspiel für den VfB reichlich Lehrgeld.

Das Spiel begann für den VfB denkbar ungünstig. Bereits in der 6. Spielminute legte eben jener Burnić unfreiwillig für den Cottbusser Viteritti vor, der zur vielumjubelten Führung der Hausherren einschoss. Gut zwanzig Minuten später foulte der als alleiniger Sechser überforderte Ofori den Ex-VfBler Mamba, woraus der sehenswerte Freistoß zum 2:0 resultierte.

Beim ersten Gegentor wirkte die Abwehr wie ein Hühnerhaufen, bei zweiten ließ man sich per Sonntagsschuss düpieren, für einige Grund genug „Zieler raus“ zu schreien. Leute, habt ihr sie noch alle? Die Entscheidung des Trainers pro Zieler gilt es zu akzeptieren, das ständige Zieler-Gebashe und der Hype um Langerak helfen keinem weiter, am wenigsten dem VfB. Ein Torwart braucht das Vertrauen des Trainers und auch des Umfelds. Wird er vehement niedergemacht, ob im Stadion oder auch auf seiner Facebook-Seite, ist das kontraproduktiv und wird ihm nicht helfen, zu alter Stärke zurückzufinden.
Ich verstehe es ohnehin nicht, welchen Narren viele VfB-Fans an Langerak gefressen haben. Er war jahrelang die Nummer zwei in Dortmund und kam an Weidenfeller, der auch nicht gerade der Über-Torwart war, nie vorbei.

Dann wechselte er zum VfB, verletzte sich direkt und stand in der Abstiegssaison fast überhaupt nicht zur Verfügung. Ihm jetzt zugute zu halten, dass er dem VfB in der 2. Liga die Treue gehalten hat, ist für mich zu hochgegriffen. Welche Alternativen hatte er denn? Der VfB verkaufte jeden, für den er einigermaßen Geld bekam, für Langerak gab‘s demnach wohl keine Interessenten, wobei der VfB das Heft des Handelns sowieso selbst in der Hand hatte, weil dem Vernehmen nach alle Verträge für die 2. Liga Gültigkeit besaßen.

In der 2. Liga hatte Langerak, wie alle anderen auch, seinen Anteil am Aufstieg, mehr aber auch nicht. Alles andere als der Aufstieg wäre peinlich gewesen, so dass für mich keiner der Aufstiegsmannschaft in den Heldenstatus erhoben wird, schon gar nicht Langerak, der zwar auf der Linie stark ist, in der Spieleröffnung und Strafraumbeherrschung aber ähnliche Defizite wie Ulreich hat. Unvergessen seine Orientierungslosigkeit gegen Hannover 96, die uns die sicher geglaubte Herbstmeisterschaft gekostet hat.

Ins Spiel biss sich der VfB zurück und kam durch den auffälligen Brekalo und ein Eigentor der Cottbusser zum schmeichelhaften Ausgleich. Auch in der Folgezeit war der VfB weder tonangebend noch dem Viertligisten spielerisch überlegen. Selbst die Kondition schien bei den Brandenburgern besser zu sein als jene vom VfB, so dass sich eher der VfB ins Elfmeterschießen rettete als das die Cottbusser taten. In dieser Lotterie schließlich hatte der VfB das bessere Ende für sich und zog überaus glücklich in die nächste Pokalrunde ein.

Abgesehen von der Leistung vom VfB genoss ich diesen langen Trip, wenn man einmal von der zähen und langwierigen Heimfahrt absieht. Endlich wieder Stadion, ein volles Haus, freundliche Gastgeber und unzählige Freunde und Bekannte getroffen. Da wir direkt vor dem Gästeeingang aus dem Bus aus- und wieder einstiegen kann ich nicht beurteilen, ob es zu irgendwelchen unschöneren Szenen rund ums Stadion oder in der Stadt gekommen ist, gehört habe ich davon nichts. Nach dem Pokalsieg 1997 gegen eben jenen FC Energie entstanden ja einige Fanfreundschaften, so dass auch kein größerer Trouble zu erwarten war. Die Ordner am und im Block waren freundlich, Vollbier gab es auch, kein Grund zu klagen also.

Erstrundenspiele im Pokal, vor allem wenn es gegen Drittligisten oder einen gefühlten Drittligisten wie Energie Cottbus geht, sind immer schwer. Die Gegner stehen bereits voll im Saft während man selbst noch nicht weiß, wo man steht und ins Ungewisse startet. Hat man dann noch kurz vor dem Spiel solche Ausfälle zu beklagen und gerät aufgrund dieser Umstellungen früh in Rückstand, wird es ungleich schwerer. Dann ist das Publikum, das nach dem bezahlten Fußball lechzt, voll da und pusht sein Team nach vorne, so dass sich deren Jungs die Lunge aus dem Leib laufen.

Angesichts dieser Umstände bewerte ich das Auftreten von Cottbus nicht über. Auch Hertha BSC, der Gegner vom Samstag, hat am Montag in Rostock keine Bäume ausgerissen. In Berlin werden hoffentlich Badstuber, Baumgartl und Aogo zur Verfügung stehen, so dass das VfB-Spiel an Stabilität gewinnen sollte. Nach vorne haben wir ohnehin unsere Waffen, vor allem Brekalo macht schon den ganzen Sommer über einen hervorragenden Eindruck, auch A. Donis konnte in Cottbus nach seiner Einwechslung Akzente setzen.

Wichtig ist, dass im Verein Ruhe und Normalität einkehrt und alle an einem Strang ziehen. Es ist in meinen Augen weder förderlich, wenn von Vereinsseite Schindelmeisers Einkäufe diskreditiert werden und den Jungs somit ein Stück ihres Selbstwertgefühls genommen wird, noch ist es hilfreich, wenn Fans einen Reschke ablehnen, bevor er richtig angekommen ist, Zieler ablehnen, weil Langerak so süß ist, Aogo ablehnen, weil er in den letzten Jahren nichts gerissen hat und Badstuber ablehnen, weil er sowieso nur verletzt ist.

Ich gehe da pragmatisch ran, da ich an den Personalentscheidungen des Vereins sowieso nichts ändern kann und jedem Neuen eine faire Chance gebe, mich zu überzeugen, auch wenn ich im Vorfeld skeptisch sein sollte.

Noch immer ist mein großer Wunsch, dass beim VfB endlich Ruhe und Kontinuität einkehren und Hannes Wolf noch lange unser Trainer sein wird. Voraussetzung dafür wäre, dass er zu Michael Reschke ein ähnlich vertrauensvolles Verhältnis aufbaut, wie er es zu Jan Schindelmeiser hatte und die Verantwortlichen in der AG wegen möglicher schlechter Resultate nicht zu schnell die Nerven verlieren.

Der Start hat es schließlich in sich. Ausschließlich undankbare Aufgaben in den ersten fünf Spielen, in denen sowohl in die eine als auch in die andere Richtung alles passieren kann. So trifft den VfB eine mittlerweile schon unfassbare Verletzungsmisere zur denkbar ungünstigsten Zeit.

Ich bin sehr gespannt, wer in Berlin morgen alles auflaufen kann und wie sich das Team schlagen wird. Danach kommt Mainz mit einem sicherlich bis in die Haarspitzen motivierten Maxim, ehe es in die Turnhalle nach Gelsenkirchen geht. Diese Spiele sollten als erste Standortbestimmung dienen und aufzeigen, wie konkurrenzfähig der VfB nach dem Wiederaufstieg tatsächlich ist. Alles andere war Vorgeplänkel, lasset die Spiele beginnen!

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15. März 2016

Gräfes Matchplan

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , , – Franky @ 08:41

Die Kennenlern-Wochen sind angebrochen. Für einen Alles-Fahrer ist ja viel zur Routine geworden. Man hat seine Highlights, man hat „Pflichtspiele“, die jedoch eines gemeinsam haben, es wiederholt sich alles.

Nicht so am Samstag in Ingolstadt, auch nicht nach der Länderspielpause in Darmstadt. Daher war ich zunächst einmal gespannt darauf, was uns bei diesem erst 2004 gegründeten und aus dem MTV- und ESV Ingolstadt hervorgegangenen FC Ingolstadt 04 erwarten würde.

Nach der Vereinsgründung trug der Verein seine Spiele zunächst im MTV-Stadion aus. Als der Aufstieg in die 3. Liga gelang, genügte diese Heimstätte nicht mehr den DFB-Anforderungen, so dass man ins ESV-Stadion umziehen musste, welches nach dem Aufstieg in die 2. Liga ebenfalls nur noch eine zweijährige Ausnahmegenehmigung erhielt, so dass für den Profifußball eine neue „Arena“ her musste.

Diese wurde, nicht wie so viele andere der neuen Arenen, auf der grünen Wiese gebaut, nein, es geht auch noch schlimmer, dort wo das Stadion heute steht, befand sich bis vor ein paar Jahren eine Ölraffinerie. Ob grüne Wiese oder Raffineriegelände, auch dieses Stadion befindet sich fernab jeder Zivilisation, in der Pampa auf gut deutsch, so dass es auch hier klar war, dass wir außer dem Busparkplatz und dem Stadion nichts zu sehen bekommen würden.

Wie bei vielen anderen Ligaemporkömmlingen auch, war die Nervosität und übertriebene Gängelung bei Polizei und Ordnungsdienst schon bei der Ankunft zu spüren. Provokant schwenkte die Staatsmacht mit den Kameras durch die Menge, der Gästebereich war (natürlich) abgetrennt, wehe dem, der diese Sperren durchbrechen wollte.

Von vielen habe ich gehört, dass sie beim Einlass gar die Schuhe ausziehen mussten und auf das Gründlichste durchsucht wurden. Wir selbst hatten Glück. Wohl auch dem Umstand geschuldet, dass wir Sitzplätze hatten und demnach nicht so frühzeitig rein „mussten“ wie diejenigen, die Steher besaßen. Wie es sich schnell erwies, war es goldrichtig, dass wir uns bis eine Viertelstunde vor Spielbeginn an den Bussen aufhielten, unzählige Freunde und Bekannte trafen, und noch das eine oder andere Bier tranken. Denn, es hatte sich schon herumgesprochen, drinnen gab es alkoholfrei. Und das in Bayern, einem Bundesland, in dem Bier zum Grundnahrungsmittel erklärt wurde. Völlig unverständlich für mich, kamen wir doch in friedlicher Mission und überhaupt, für diejenigen, die aufgrund überhöhten Alkoholkonsums über die Stränge schlagen, gibt die Stadionordnung genügend Handhabe her, „Übeltäter“ des Stadions zu verweisen.

Daher ist dies eine reine Schikane und wohl auch mit dem Gleichbehandlungsgrundsatz des AGG nicht vereinbar, wenn nebenan, auf der Gegentribüne Vollbier geschlürft werden darf. Es ist eine Diskriminierung und Vorverurteilung aller Gästefans, wobei man „Gäste“ bei solchen Gastgebern wohl am besten in Anführungszeichen setzt. Leider macht dieses Vorgehen mehr und mehr Schule und wird von allen Beteiligten klaglos hingenommen, und das obwohl doch Fußball und Bier schon immer untrennbar miteinander verbunden waren.

Bei uns war die Einlasskontrolle „kurz vor knapp“ dann erfreulich lasch und war innerhalb weniger Sekunden erledigt. Ich hatte leider den Sitzplatz im Gästebereich gewählt, um bei „meinen“ Leuten zu sein, obwohl eine ganze Zeitlang Karten in anderen Stadionbereichen auf der Homepage der Schanzer zu bestellen gewesen waren. Schon dies ist ein Armutszeugnis für den nächsten Retortenclub im Profifußball, wenn man es nicht schafft, im allerersten Bundesligajahr ein 15.000 Zuschauer fassendes Stadion mit eigenen Fans bis auf den letzten Platz gefüllt zu bekommen.

Nicht nur, dass ich in anderen Bereichen des Stadions richtiges Bier bekommen hätte, auch der besseren Perspektive zum Fotografieren wegen wäre ein Platz zum Beispiel auf der Gegengerade schön gewesen. Als ich dann auch noch unter der Woche mitbekam, dass das Commando Cannstatt anlässlich seines 19. Geburtstags direkt am Spieltag eine Choreographie geplant habe, kam ich schon kurz ins Grübeln, ob ich mich nicht doch nach einer anderen Karte umsehen soll.

Die Choreographie erwies sich dann wirklich als absolut gigantisch, weil dreiteilig, so dass es doppelt bitter war, sich dieses Spektakel hinterher lediglich auf Bildern und Videos ansehen zu können. Ganz großes Kino des CC97, das in der Liga seinesgleichen sucht.

Ins Spiel ging der VfB nahezu mit der gleichen Elf wie gegen Hoffenheim, lediglich Timo Werner kam für Artem Kravets in die Mannschaft. Es war also auch der Kapitän mit an Bord, der gegen Hoffenheim noch zur Halbzeit ausgewechselt worden war und wegen Problemen mit der Achillessehne die Woche über lediglich sehr dosiert trainieren konnte.

Dass auch einem erfahrenen Profifußballer das volle Trainingsprogramm nicht unbedingt schaden würde, führte uns der Kapitän dann schon in der 4. Spielminute schmerzlich vor Augen, nämlich, als beim geplanten Rückpass auf Insúa offensichtlich das Timing fehlte und er den Ball somit dem Ingolstädter Hartmann in die Beine spielte. Dieser bedankte sich auf seine Art, nahm Fahrt auf und hämmerte den Ball am verdutzten Tytoń vorbei unter die Latte. Man kennt diesen Spieler in Stuttgart ja nicht so ganz genau, möchte aber mal annehmen, dass der den Ball nicht alle Tage so perfekt trifft und dieser genauso gut aufs Tribünendach hätte gehen können.

Dieses Tor unterbrach eine eigentlich ordentliche Anfangsphase vom VfB. Man war sich ja noch immer nicht so ganz sicher, welches DAS Gesicht des VfB in diesen Tagen ist. So schlecht, wie man sich beim 0:4 in Mönchengladbach präsentiert hatte, ist man nicht, so gut wie beim 5:1 gegen die wiedererstarkten Hoffenheimer allerdings auch nicht. Beide Spiele hatten ihre eigene Geschichte: Kollektivversagen in Mönchengladbach, von der Eins bis zur Elf grottenschlecht. Gegen Hoffenheim dagegen spielte uns das frühe Tor in die Karten und auch dass der Trainer-Novize Nagelsmann sich verzettelte, in dem er schon früh sämtliche Grundsätze, mit denen man ins Spiel gegangen war, über den Haufen schmiss und der VfB somit mehr oder weniger leichtes Spiel hatte.

In Ingolstadt bot der VfB im Spielverlauf dann beide Gesichter des VfB auf. Eine sehr gute Anfangsphase, eine klasse Reaktion auf den frühen Rückstand und der postwendende Ausgleich, um nach 17 Minuten eine Stunde lang den Spielbetrieb nahezu einzustellen.

Minute für Minute ließ man sich von den giftigen und zweikampfstarken Ingolstädtern mehr den Schneid abkaufen und kam meist einen Schritt zu spät, was unzählige Freistöße in oftmals aussichtsreicher Position für die Schanzer zur Folge hatte.

Ärgerlich dabei die frühe gelbe Karte für Georg Niedermeier bereits in der 22. Minute, als er einen Ball mit dem Arm abblockte. Dies allerdings bei einem Schuss aus kürzester Distanz und ohne Chance sich diesem „Handspiel“ zu entziehen. Früher gab es für solche Fälle die Regel „angeschossen“ und damit eben keinen Freistoß, während man heutzutage den Schusswinkel, eine unnatürliche Handbewegung und eine mögliche Vergrößerung der Körperfläche in Betracht ziehen muss, um ein vermeintliches Handspiel zu beurteilen. Dass solch schwammige Formulierungen nach einem aktiven Eingriff des Schiedsrichters in den Spielverlauf geradezu schreien, ist nur folgerichtig.

Gräfe war in Ingolstadt, wie schon so oft, dem VfB nicht wohlgelitten, so dass Kramny Niedermeier akut Gelb-Rot-gefährdet gegen Šunjić austauschte, was dem Abwehrverbund nicht gerade zu mehr Sicherheit verhalf, um es diplomatisch auszudrücken. Sunjic merkte man die mangelnde Spielpraxis an, er war, kaum im Spiel, mehr Unsicherheitsfaktor als Stabilisator. Es verdichten sich die Anzeichen, dass Sunjic den VfB nach nur einer Saison schon wieder verlassen, weil er die Erwartungen bei weitem nicht erfüllt hat, was für alle Seiten wohl das Beste ist.

Durch zweifelhafte Entscheidungen in vielen anderen Situationen, nahm Gräfe die unrühmliche Hauptrolle in diesem Spiel ein. Der Referee entschied gefühlt fast jede enge Szene zu Gunsten der Hausherren und verhalf ihnen damit maßgeblich zum zwischenzeitlichen 3:1.

Zunächst wurde Daniel Didavi bei einer Ecke vom Torschützen Leckie einfach aus dem Weg geräumt, wenig später wurde eigentlich Didavi gefoult, doch Gräfe entschied andersherum. So gab es Freistoß für rot-schwarz aus gut 20 Metern Torentfernung, den der Paraguayer Lezcano sehenswert in den Winkel drosch.

Kurze Zeit später ertönte gar die Tor-Musik zum vierten Ma, auch die Anzeigetafel wies das 4:1 aus, doch Lezcano traf lediglich aufs und nicht ins Tor. In dieser Situation hatte der VfB Glück, dass Gräfe das Textilvergehen Tytońs übersah, welches rot für den Keeper und Elfmeter für Ingolstadt zur Folge gehabt hätte.

Dass Gräfes Matchplan doch ein anderer war, als Ingolstadt einen hohen Sieg herausschießen zu lassen, konnte man bereits bei dieser Szene erahnen. Auch die Mannschaft hat verstanden, als Gräfe auf einmal die Brustringträger mitriss und nahm den Spielbetrieb 13 Minuten vor dem Abpfiff wieder auf.

Auch Kramny verstand die Signale des Mannes in schwarz und setzte nun auf totale Offensive. War er kampfeslustig oder doch fahrlässig, als er lieber Tashchy für Timo Werner einwechselte, anstatt Kevin Großkreutz herauszunehmen, den offensichtlich eine Muskelverletzung plagte und der nur noch über den Platz schlich? Für die Mannen auf dem Platz jedenfalls war es ein Zeichen, dass man unbedingt noch etwas reißen wollte. Mit dem Mute der Verzweiflung nahm der VfB sein Herz in die Hand und gewann wieder Oberwasser in einer Partie, in der sich der Kräfteverschleiß bei den Ingolstädtern nun bemerkbar machte.

Jener Tashchy, als neuer Turm in der Schlacht, bereitete dann auch mit dem Kopf den Anschluss durch Rupp vor, ehe fünf Minuten später Didavi vom Elfmeterpunkt aus für den vielumjubelten Ausgleich sorgte. Dieser Elfmeter war schon sehr schmeichelhaft. Kostic macht das richtig clever, weil er eigentlich keine Chance hatte, überhaupt an den Ball zu gelangen. Sein langes Bein, ein ungestümes Eingreifen von Matip und Gräfe zeigte auf den Punkt. Bleibt Matip einfach weg, ist die Situation so etwas von ungefährlich.

Dieses 3:3 war dann schließlich auch der Schlusspunkt einer Partie, in der der VfB zusammengerechnet gerade einmal eine halbe Stunde lang Fußball spielte und ansonsten die Passivität in Person war. Wie beide Teams am Ende, schien auch Gräfe mit dem 3:3 gut leben zu können, so dass er die Teams alsbald in den Feierabend entließ.

Natürlich ist es für eine Mannschaft auswärts nicht einfach, das richtige Maß der Zweikampfführung zu finden, wenn ein Schiedsrichter nahezu jeden Fight gegen einen auslegt. Und doch stellte sich der VfB zu naiv an, weil man oft ungestüm in die Zweikämpfe ging oder sich unnötig darin verstricken ließ. Natürlich ist diese Form immer noch besser als in Mönchengladbach, als man Zweikämpfe von vornherein vermied und Gladbach Ball und Gegner laufen lassen konnte.

Da wir unsere Punkte, die noch zum Klassenerhalt fehlen, vorwiegend auswärts holen sollten, gilt es für das nächste Auswärtsspiel bei Darmstadt 98 das gesunde Mittelmaß zwischen Passivität und ungestüm zu finden.

Eines unserer großen Probleme in Ingolstadt war die kaum vorhandene Schaltzentrale im Mittelfeld. Gentner offensichtlich nicht ganz auf der Höhe und auch Serey Dié hatte nicht seinen besten Tag erwischt. Folge dessen waren zu viele Ballverluste, zu wenig Balleroberungen und dass Ingolstadt schnell die Hoheit im Mittelfeld erlangte.

Daniel Didavi, über auch am Samstag wieder viele schimpften, sah ich nicht einmal so schlecht, zumindest im Vergleich zum Mönchengladbach-Spiel. Er war immerhin noch bemüht, dem VfB-Spiel Struktur zu verleihen, Bälle zu halten und zu verteilen, wenn jedoch die Abnehmer fehlen oder sie sich hinter ihren Gegenspielern verstecken, was will er machen? Er biss sich nach dem Spiel merklich auf die Zunge und ließ sich keine Aussage zum „Unparteiischen“ entlocken, weil das in Zeiten der nicht mehr freien Meinungsäußerung bei der DFL teuer werden könnte.

Der VfB spielte den Schanzern mit seiner laxen Zweikampfführung in die Karten, ist es doch das Spiel der Ingolstädter, über Standards zum Erfolg zu kommen. Der VfB kam über weite Strecken des Spiels mit deren aggressivem Pressing nicht zurecht und verlor Ball um Ball.

Großkreutz zog sich nicht den zunächst kolportierten Muskelfaser- sondern einen Muskelbündelriss zu und fällt voraussichtlich für den Rest der Rückrunde aus. Angesichts der Schwere der Verletzung mutet es fahrlässig an, dass Kramny ihn nicht umgehend vorsorglich ausgewechselt hat, anstatt seinen Ferndiagnosefähigkeiten zu vertrauen und mit aller Macht das Spiel noch drehen zu wollen.

Dieser eine Punkt ist schließlich noch kein Meilenstein auf dem Weg zum Klassenerhalt, der Ausfall von Großkreutz dürfte deutlich schwerer wiegen als ein Punkt weniger auf der Haben-Seite und könnte noch richtig weh tun. Durch seine Mentalität wurde er auf Anhieb zum unverzichtbaren Bestandteil dieser Mannschaft und tut einfach richtig gut.

Der Blick auf die Tabelle ist ein trügerischer. Zwar konnte der VfB den Vorsprung auf den Relegationsplatz auf acht Punkte ausbauen, jedoch ist im Keller gerade Hoffenheim jederzeit eine Siegesserie zuzutrauen, so dass man die Kraichgauer nicht unbedingt in die Rechenspiele mit einbeziehen kann. Zieht man sie ab, sind es nämlich auf den derzeit 15. Werder Bremen gerade noch fünf Punkte Vorsprung, die in Zeiten der Dreipunkte-Regel schnell aufgebraucht sein können.

Der VfB wird im weiteren Saisonverlauf noch zwei Siege benötigen, um sicher und aus eigener Kraft den Klassenverbleib perfekt zu machen. Die große Chance, einen davon schon am Samstag einzufahren, wurde leichtfertig vergeben, auch wenn man nach dem Spielverlauf mit dem einen Zähler zufrieden sein sollte.

Über die vergebene Chance zu lamentieren bringt uns nicht weiter und dennoch muss das Trainerteam seine Schlüsse aus dem Auftreten ziehen. In Darmstadt erwartet uns ein ähnlich unbequemer Gegner, der mit allen legalen und auch illegalen Mitteln versuchen wird, zum Erfolg zu kommen. Auch die Lilien werden um jeden Zentimeter Rasen kämpfen, bis die Fetzen fliegen, auch in Darmstadt gilt die Maxime, tunlichst Standards in Tornähe zu vermeiden.

Je früher der Deckel auf dem Klassenerhalt drauf ist, desto früher kann Robin Dutt die Planungen für die nächste Saison forcieren und dem einen oder anderen, der heute womöglich überhaupt noch nicht damit rechnet, den blauen Brief überreichen und jungen Nachwuchskräften, in denen man die Zukunft des Vereins sieht, zu Einsatzzeiten verhelfen.

Vor Darmstadt heißt am kommenden Sonntag der nächste Gegner aber zunächst einmal Bayer 04 Leverkusen. Der Werksclub zählt zu unseren Angstgegnern. 22 Siegen stehen in der Bundesliga 32 Niederlagen gegenüber, zuletzt dieses noch immer unfassbare 3:4 nach einer 3:1-Führung. Bayer befindet sich derzeit in einem Negativsog, der durch den gestrigen 1:0-Sieg gegen den HSV ein wenig abgemildert wurde.

Ob die Pillendreher in Stuttgart mit breiter Brust oder wie gebeutelte Hunde anreisen, hängt mit maßgeblich vom Europaleague-Rückspiel am Donnerstag gegen Villareal ab und davon, ob sie die 0:2-Hinspielniederlage drehen können.

Ich gönne ihnen ein 3:0 nach Verlängerung und damit größtmögliche Verausgabung, unter anderem auch deshalb, weil dann der BVB und Bayer vorwiegend Sonntags antreten müssten und für den VfB die Wahrscheinlichkeit weiterer Sonntag-Spiele gering wäre.

Den letzten Sieg gegen Bayer 04 gab es am 17.04.2010, ist also schon ein Weilchen her. Beim Blick auf die damalige Aufstellung tränen einem die Augen. Trainer Christian Gross spielte mit Lehmann, Celozzi, Tasci, Delpierre, Molinaro, Träsch, Kuzmanovic, Gebhart, Hilbert, Cacau, Marica. Eingewechselt wurden Khedira, Hleb und Pogrebnjak, die Torschützen hießen Kießling sowie zwei Mal Cacau.

Bayer Leverkusen ist einer der vielen Vereine, die dem VfB seither auf Siebenmeilenstiefeln enteilt sind, müssen es doch heute die Gentners, Niedermeiers und Schwaabs dieser (neuen) VfB-Welt richten. Bange machen gilt trotzdem nicht. Der HSV brachte Bayer gehörig in die Bredouille, so dass dies an einem guten Tag auch dem VfB gelingen sollte.

Für den VfB folgt der nächste Charaktertest. Ohne Kevin Großkreutz, den Florian Klein ersetzen dürfte, muss das Team zeigen, welchen Entwicklungsschritt es seit dem letzten Herbst genommen hat und dass es auch ohne die Kampfsau Großkreutz geht. Klein, der mir in der letzten Saison deutlich besser gefallen hat als in dieser, muss ja auch Eigenwerbung in Sachen Euro-Kader-Nominierung betreiben, so dass ich gedämpft optimistisch bin, dass wir Kevins Ausfall wegstecken werden.

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1. Januar 2016

Jahresrückblick 2015: April bis Juni

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , , , – Franky @ 19:39

Einkalkulierte Niederlage in Wolfsburg

Nach dem erlösenden Sieg gegen die Frankfurter Eintracht folgte zunächst einmal eine dieser nervenden Länderspielpausen. Eine gute Nachricht gab es schon am Vortag des Wolfsburg-Spiels zu vermelden. Antonio Rüdiger gab bei den Amateuren nach viermonatiger Verletzungspause sein Comeback und wird aller Voraussicht nach in den restlichen Saisonspielen zur Verfügung stehen.

Am Ostersonntag machten wir uns also auf den Weg in die Autostadt. Wenn Otto Normalbürger einen auf Familie macht und Eier im Garten versteckt, setzten wir uns um 6 Uhr morgens in den Bus und verbrachten darin fast den ganzen Tag und Teile der darauffolgenden Nacht. Wenigstens war am Ostermontag Zeit zur Regeneration, ab einem gewissen Alter muss man nach einer solch langen Busfahrt schon einmal seine Knochen sortieren.

Dass es bei den Wölfen nichts zu holen geben würde, war fast klar. Die letzten sieben Duelle in der Volkswagenarena wurden allesamt verloren, nach 2006 haben wir dort kein einziges Pünktchen mehr ergattert. Zudem spielte der Tabellenzweite gegen das Schlusslicht, alles andere als eine deutliche Niederlage käme einer Überraschung gleich.

Was also treibt einen an, trotz solch düsterer Vorzeichen, sich diese (Tor-)Tour anzutun? Als Allesfahrer könnte man lapidar darauf antworten, „weil ich eh alles fahre“.

Rationaler gedacht aber ist es das Drumherum, auf das ich mich jedes Mal aufs Neue wie ein kleines Kind freue. Die Mädels und Jungs vom Fanclub, befreundete Fanclubs und Kumpels, die man auf den Raststätten der Republik oder am Stadion trifft, das Kribbeln beim heraustreten aus den Katakomben auf die Zuschauerränge, das unbeschreibliche Gefühl, wenn selbst bei unattraktiven Auswärtsspielen, wie dem in Wolfsburg, über 1.500 VfBler mitreisen, dann ist es dieses Zusammengehörigkeitsgefühl. Das alles sind Faktoren, die mich nach wie vor nicht zweifeln lassen, genau das Richtige zu tun. Und, in Zeiten des sportlichen Misserfolgs steigt natürlich auch die Wahrscheinlichkeit hin und wieder mal einen Sieg zu sehen zu bekommen.

Wie beim letzten Auswärtsspiel in Leverkusen spielte der VfB erst einmal nicht wie ein Tabellenletzter. Nach einer ersten Großchance für die Wölfe, suchte der VfB sein Heil in der Offensive, Niedermeier scheiterte zwei Mal knapp per Kopf. De Bruyne wurde gut aus dem Spiel genommen, weitere Chancen durch Kostic, Harnik und Ginczek waren die Folge, die leider mehr oder weniger schludrig vergeben wurden. Als man sich schon langsam aber sicher auf ein 0:0 zur Halbzeit einstellte, holte Klein Caligiuri im Strafraum völlig unnötig von den Beinen, was einen Foulelfmeter und den Wolfsburger Führungstreffer zur Folge hatte. Der VfB schüttelte sich kurz und schlug postwendend zurück. Harnik nickte eine Kostic-Flanke zum Ausgleich und zum Pausenstand von 1:1 ein.

Nach dem Seitenwechsel war der Stuttgarter Angriffsschwung (wieder einmal) wie weggeblasen. Einmal mehr ließ der VfB Konstanz in seinem Spiel vermissen und verfiel in das Strickmuster, das uns zu einem Abstiegskandidaten werden ließ. Plötzlich stand man zu weit von seinen Gegenspielern weg und ließ eine Angriffswelle nach der nächsten auf das VfB-Tor zurollen. Folgerichtig, allerdings nach einer Standardsituation, gingen die Wölfe wieder in Führung. Ricardo Rodriguez schlug einen Freistoß aus dem Halbfeld mit Effet in Richtung Strafraum, wo Naldo knapp verfehlte. Der Ball flog an Freund und Feind vorbei und schlug ohne Richtungsänderung im Kasten von Sven Ulreich ein. Unbelehrbar dieser Ulle, war dieses Tor doch eine 1:1-Kopie von Rodriguez‘ Tor beim letzten Aufeinandertreffen in der Volkswagenarena. Wenn ein Ball so lang in der Luft ist, sollte ihn der Torhüter wenigstens halten, wenn keiner mehr dran kommt. Für mich ein Torwartfehler! Der VfB versuchte zwar noch einmal zurückzuschlagen, öffnete den Wölfen dadurch aber Räume für ihr Kombinationsspiel, aus dem schließlich der 3:1 Endstand durch André Schürrle resultierte. Es war Schürrles erster Bundesligatreffer im Dress der Wölfe.

Tabellarisch wirkte sich die Niederlage so aus, dass aufgrund von Punktgewinnen der Konkurrenz wieder der alte Abstand von fünf Punkten zum rettenden Ufer hergestellt war und dem VfB langsam aber sicher drohen, die Spiele davonlaufen.

Hinkel gibt Abschied von VfB bekannt

Am 10. April gab Andreas „Andi“ Hinkel bekannt, den VfB zum Saisonende zu verlassen. Hinkel, bis zuletzt Co-Trainer von Domenico Tedesco bei den U17-Junioren, vermisste dem Vernehmen nach eine echte Perspektive beim VfB. Um in absehbarer Zeit eine Zulassung zur Fußball-Lehrer-Ausbildung zu bekommen, hätte Hinkel zwei Jahre Erfahrung als Co-Trainer eines Profiteams oder als Chef-Trainer der U17- oder U19-Junioren vorweisen können müssen. Diese Möglichkeit wollte ihm der VfB wohl nicht gewähren und zog es nach Medienberichten auch nicht einmal in Erwägung Hinkel mit der Nachfolge Tedescos zu betrauen, der den Job seinerseits aufgeben muss, um den Fußball-Lehrer-Lehrgang besuchen zu können.
Hinkel ist ein absoluter Sympathieträger und stets normal geblieben. Schon seine Spielerkarriere, die mit den Jungen Wilden so verheißungsvoll begann, endete für ihn unwürdig. In der turbulenten Saison 2005/2006 unter Trapattoni und später Armin Veh verlor er zeitweise seinen Stammplatz und später dann auch noch den sicher geglaubten Kader-Platz für die Heim-WM 2006. Aufgrund dieser großen Enttäuschungen flüchtete er zum FC Sevilla, wobei er erst letztes Jahr verraten hat, dass er fast beim FC Barcelona gelandet wäre. Der Wechsel scheiterte laut Hinkel lediglich an seiner Nicht-Nominierung für die WM, da bei Barça nun mal nur Nationalspieler vermittelbar wären.
In Sevilla war er Mitglied einer erfolgreichen Mannschaft, gewann den UEFA- und den spanischen Pokal, stand jedoch stets im Schatten von Dani Alves, um den es zwar permanent Wechselgerüchte gab, der aber partout den Verein nicht verlassen wollte.
Da nach der Vertragsverlängerung von Dani Alves und wegen einiger Verletzungen seine Einsätze seltener wurden, orientierte er sich neu, wechselte zu Celtic Glasgow und wurde da schnell zum Publikumsliebling. Nach dem Gewinn des Meistertitels und einem Jahr später dem Pokal war es vorbei mit der Herrlichkeit. Er erlitt einen Kreuzbandriss und schaffte den Anschluss nicht mehr, so dass 2011 sein Vertrag nicht mehr verlängert wurde.
Danach hielt er sich eine Zeitlang beim VfB fit und landete schließlich beim SC Freiburg, wo er sich vor allem nach dem Trainerwechsel von Sorg zu Streich und dem Jugendwahn, der danach im Breisgau ausbrach, nicht mehr durchzusetzen vermochte.
Im September 2012 beendete er mit gerade einmal 30 Jahren seine aktive Karriere. Schade für einen wie ihn, der so stark begann und vor allem seit seiner vielumjubelten Vertragsverlängerung beim VfB kaum mehr an seine alten Leistungen anknüpfen konnte. Und doch spielte er sich in die Herzen der Fans und hätte das Zeug dazu gehabt, ein ähnliches Aushängeschild für den VfB wie Günther Schäfer zu werden. Hinkel war Kult, Hinkel ist Kult, aber, der Prophet im eigenen Land zählt eben oft nichts. Schade! Für die Zukunft wünsche ich ihm alles Gute und hoffe, dass wir ihn eines Tages trotz allem beim VfB wiedersehen werden.

Last-Minute-Sieg gegen Werder

Am 28. Spieltag gab Werder Bremen seine Visitenkarte im Neckarstadion ab. Die Bremer, nach der Entlassung von Dutt durchgestartet und inzwischen im gesicherten Mittelfeld beheimatet, hatten also nicht mehr viel zu verlieren. Beim VfB, erstmals seit Dezember, Toni Rüdiger in der Startelf, der seinem Team schon in der ersten Hälfte einen Bärendienst hätte erweisen können, indem er sich abseits des Geschehens zu einer Tätlichkeit hinreißen ließ. Rüdiger eben!

Der brenzligen Situation angemessen, flogen „Die Fraktion“ aus Berlin ein, um den Fans vor dem Spiel einzuheizen. Hitzig ging es dann auch auf den Tribünen zu, als zum Einlauf der Mannschaften eine schöne Pyro-Show inszeniert wurde.

Da an diesem Tage nicht gerade die defensivstärksten Mannschaften aufeinander trafen, entwickelte sich eine Partie mit offenem Visier. Gentner brachte die Unseren nach einer Viertelstunde in Führung, auf der Gegenseite glich Selke kurz nach dem Seitenwechsel aus. Danach begann die große Zeit von Martin Harnik, die mich im Blog zum Titel „Zwischen Genie und Wahnsinn“ animierte. Zunächst zwei Hochkaräter vergeben, unter anderem freistehend drei Meter vor dem leeren Tor, sich dann wegen Meckerns die gelbe Karte eingehandelt, wenig später einen schier aussichtslosen Ball erlaufen und Ginczek mustergültig zum 2:2 bedient, um kurz darauf wegen eines völlig unnötigen Fouls an Landsmann Junuzovic mit Gelb-Rot vom Platz zu fliegen. In Unterzahl kassierte man schließlich in der 86. Minute nach einer Ecke, bei der Ginczek nicht nah genug dran an Vestergaard war, noch den Ausgleich. Von himmelhochjauchzend zu Tode betrübt binnen Sekunden. Das durfte alles nicht wahr sein, dem VfB halfen in dieser Saisonphase eigentlich nur noch Siege und plötzlich musste man gar bangen, ob Werder in Überzahl noch zum Siegtreffer kommen würde. In der Nachspielzeit dann aber doch noch die Wende zu unseren Gunsten. Serey Dié marschierte unwiderstehlich durchs Mittelfeld und bediente mit einem mustergültigen Außenristpass Daniel Ginczek, dessen Ball-An- und –Mitnahme eine Augenweide waren und der Wolf im Bremer Gehäuse keine Chance ließ. Ein Tor wie ein Donnerhall, das Neckarstadion war am beben und Harnik herzte den Torschützen nach Spielende und wollte ihn gar nicht mehr los lassen. Harnik fielen gegen seinen Ex-Verein tonnenschwere Steine vom Herzen, dass er es schlussendlich doch nicht völlig verbockt hatte. Der VfB sprang durch diesen Sieg seit längerem Mal wieder auf Platz 17 und überreichte die rote Laterne feierlich dem Hamburger Sportverein.

Unnötige Niederlage in Augsburg

Am darauffolgenden Spieltag ging es zum FC Augsburg, der im Kampf um Europa etwas aus dem Tritt gekommen war. Wer taugte da besser zum Aufbaugegner als der VfB? Wohl keiner! Der VfB verschlief die Anfangsphase komplett und geriet bereits nach 7 Minuten nach Fehler von Sven Ulreich ins Hintertreffen. Erst ab der 20. Minute berappelte sich der VfB und kam zu ersten hochkarätigen Chancen wovon Daniel Ginczek eine davon zum Ausgleich nutzte. Es war sein fünfter Treffer in den letzten vier Spielen! Ende der ersten und Anfang der zweiten Hälfte hatte der VfB weiterhin gute Einschussmöglichkeiten, scheiterte aber immer wieder am eigenen Unvermögen oder am starken Marvin Hitz. In der Folgezeit entwickelte sich ein Abnutzungskampf mit vielen Unterbrechungen und Nickligkeiten, was einer Mannschaft wie dem FC Augsburg eher in die Karten spielte als dem VfB, der doch, auch im Abstiegskampf, eher die feine Sohle bevorzugt. So fing man sich in der 73. Minute den Siegtreffer der Augsburger durch Bobadilla ein, den man in der Folgezeit trotz intensiver Bemühungen nicht mehr egalisieren konnte. Für den VfB war es die fünfte Niederlage in Folge gegen die Fuggerstädter, mit Fug und Recht kann man da behaupten, dass mit dem FCA ein weiterer Angstgegner heranwächst.

Bezeichnen, dass Stevens nach dem Spiel hervorhob, der Gegner „ist in der Tabelle weiter oben angesiedelt und das merkte man dann“. Nun auch Augsburg, zu denen wir aufschauen müssen. Das einzig Positive an diesem Spieltag: die Konkurrenz patzte durchweg auch.

Bitteres Remis gegen den SC Freiburg

Am 30. Spieltag gastierte mit dem SC Freiburg wieder mal ein direkter Konkurrent aus dem Keller im Neckarstadion. Drei Punkte mehr haben die einst als Breisgau-Brasilianer titulierten Freiburger auf dem Konto als der VfB. Nach zuletzt zwei Heimsiegen in Folge war es kein utopisches Vorhaben an diesem Spieltag mit dem SC Freiburg gleichzuziehen. Der VfB übernahm auch schnell das Kommando und erarbeitete sich ein optisches Übergewicht, ohne zunächst zu klaren Torchancen zu kommen. Das änderte sich schlagartig, als Ginczek (artistisch per Kopf im zurückfallen) und Harnik in der 24. und 27. Minute auf 2:0 stellten und auch in der Folge dem 3:0 näher waren als Freiburg dem Anschluss. Freiburg fand überhaupt nicht statt während sich der VfB an der eigenen Spielweise berauschte und es dadurch an Zielstrebigkeit und Konzentration mangeln ließ. Auch nach der Pause, in der Freiburg zwei Mal auswechselte und umgehend mehr am Spiel teilnahm, vergab Martin Harnik eine glasklare Chance zum 3:0, was wohl die Entscheidung bedeutet hätte. Neben dem Unvermögen im Abschluss stand Adam Hlousek für die Freiburger Trendwende. In der 58. Minute ließ er im Strafraum Jonathan Schmid auflaufen, was Schiedsrichter Stark mit Elfmeter und gelb bestrafte und den Freiburger Anschluss zur Folge hatte, gerade acht Minuten später ließ er Schmid erneut auflaufen und flog vom Platz. Solche Dusseligkeiten mitten im existentiell wichtigen Abstiegskampf, es fehlten einem die Worte. Freiburg drängte, der VfB zog sich im Stile einer Handballmannschaft an den eigenen Sechzehner zurück. Der Ausgleich durch Petersen ließ sich freilich auch mit diesen Mitteln nicht vermeiden, mehr passierte zum Glück nicht mehr. Es war unfassbar, diesen so sicher geglaubten Sieg noch aus der Hand gegeben zu haben, so dass die Hoffnungen auf ein gutes Ende mehr und mehr schwanden. Stevens stellte die „Mannschaft“ anschließend an den Pranger und warf ihr vor, seine Warnungen in der Halbzeit nicht erhört zu haben. Verstehen konnte man den Altmeister, es ist einfach bitter, wenn du an eine Wand redest und das Team es nie schafft sich ein Mal in der Woche über volle neunzig Minuten zu konzentrieren. Einzig, dass Daniel Didavi, den man im Grunde schon für die Saison abgeschrieben hatte, ab der 77. Minute sein Comeback feierte und damit erstmals seit dem 17. Spieltag wieder bei den Profis auf dem Platz stand, war ein Lichtblick an einem ansonsten gebrauchten Nachmittag.

Hansi Müller tritt ins Fettnäpfchen

In der Woche plauderte dann Hansi Müller auf Servus-TV aus, was die Spatzen schon länger von den Dächern pfiffen und auch jüngst die Stuttgarter Nachrichten „exklusiv“ vermeldet hatten. Nach Saisonende werde Alexander Zorniger neuer VfB-Trainer. Der VfB rüffelte Müller daraufhin öffentlich und dementierte diese Meldung mehr aufgeregt als glaubwürdig. Dutt stellte das besondere Vertrauensverhältnis zu Huub Stevens in den Vordergrund und dass ein eventueller Nachfolger überhaupt kein Thema wäre. Abgesehen davon, dass man diesen Dementis ohnehin keinen Glauben schenkte, war es für mich eher die Frage, welchen Teufel denn Hansi Müller da geritten hatte. Servus-TV ist jetzt nicht gerade der Sender, der dafür bekannt wäre, für solche Exklusivmeldungen tief in die Tasche zu greifen, was also waren die Motive für Müller, der als Aufsichtsratsmitglied schon einer gewissen Schweigepflicht zu internen Vorgängen unterliegt? Wenn man sich diese Runde noch einmal anschaut, kommt man seinen Beweggründen kaum näher. Er wurde nicht gelockt, aufs Glatteis geführt oder sonst wie reingelegt. Muss man wohl unter der Kategorie „Typ Plaudertasche“ ablegen und könnte meinen, da er in unserer brenzligen Situation weitere Unruhe schürte, er habe den VfB nie geliebt.

Sieg verschenkt auf Schalke

Einen Tag nach dem „Tag der Arbeit“ ging es für den VfB in den Pott, der für Maloche steht wie kaum eine andere Region in Deutschland. Der VfB „arbeitete“ einmal mehr in erster Linie daran, seinem Ruf als Aufbaugegner Nummer 1 auch bei den Schalker Knappen gerecht zu werden. Schalke wartete seit sechs Spielen auf einen Sieg, Huntelaar seit Ende November auf ein Bundesligator.

In einer druckvollen Schalker Anfangsphase, in der der VfB kaum einmal einen Ball gesehen hatte, schlug Georg Niedermeier unbedrängt im eigenen Fünfer über den Ball, der dadurch zu Huntelaar gelangte, womit dieser leicht und locker seine Torflaute beenden durfte. Wie schon bei den letzten Niederlagen ein überaus dämliches Gegentor zum 1:0 für den Gegner, was im heutigen Fußball oft den Wegweiser für ein Fußballspiel darstellt, auch wenn man zwischenzeitlich noch zurückkommen kann. Dies gelang dem VfB sogar, völlig überraschend und aus dem Nichts, mit seinem allerersten Angriff nach 20 (!) Minuten.

Der Schalker Anhang wurde zunehmend ungeduldig, pfiff seinen eigenen Trainer Roberto Di Matteo gnadenlos aus und feierte unseren Mann an der Linie und zugleich Schalker Jahrhunderttrainer Huub Stevens mit unüberhörbaren Sprechchören. Gute Voraussetzungen eigentlich für uns, den Schalkern jetzt vollständig den Zahn zu ziehen. Nach dem Ausgleich wurde der VfB mutiger und kam zu einigen guten Chancen, wobei Georg Niedermeier kurz vor der Pause die Chance hatte, seinen Fehler wieder gut zu machen. Leider köpfte er neben anstatt ins Tor.

In der 51. Minute war es aber dann doch soweit, Ginczek bediente mustergültig Kostic und dieser ließ Fährmann im Schalker Tor keine Chance. Der VfB wird doch wohl nicht diesen so wichtigen Big-Point ergattern? Nein, tat er nicht. Die Wende kam mit der Einwechslung des Altstars und Enfant terrible Kevin-Prince Boateng, der schon allein durch sein Auftreten und seine Körpersprache bestach.

Nachdem er selbst das Tor knapp verfehlte, setzte er in der 78. Minute Huntelaar in Szene, der, durch das wiedergewonnene Selbstvertrauen leicht und locker zum Ausgleich einschieben konnte. Noch schlimmer kam es in der 89. (!) Minute, als Florian Klein eine Boateng-Direktabnahme zum Knockout abfälschte. Wieder jubelten am Ende die Anderen, wieder schaffte man es nicht, eine Führung ins Ziel zu bringen, wieder baute man einen am Boden liegenden Gegner auf.

Nach diesem Tiefschlag war’s das für mich mit der ersten Liga. Der VfB war drei Spieltage vor Saisonende noch immer Schlusslicht, mit nun schon drei Punkten Abstand zum Vorletzten und auch auf den Relegationsplatz, jedoch mit dem deutlich schlechteren Torverhältnis, was einem weiteren Minuspunkt gleich kam.

Hansi Müller räumt das Feld

Hansi Müller erklärte indes seinen Rücktritt aus dem Aufsichtsrat und zog damit Konsequenzen aus seinem Fauxpas, wie er sich ausdrückte, bei Servus-TV. Er sei überrascht gewesen über das gewaltige Medien-Echo und bedauere, dem VfB Schaden zugefügt zu haben. Damit verliert die Stuttgarter Presse mutmaßlich auch ihren Maulwurf und tappt für den Rest des Jahres weitestgehend im Dunkeln.
Als Nachfolger Müllers wurde postwendend und wohl aus Kreisen des Aufsichtsrats Thomas Hitzlsperger ins Gespräch gebracht. Das wäre so schön wie unrealistisch gewesen, weil Hitz the Hammer in seinem Alter sicherlich andere Pläne hat, als einen derart zeitraubenden Job anzunehmen, wo er letztendlich doch nicht allzu viel zu melden hätte.
Die Außendarstellung des Vereins ist in diesen Zeiten verheerend. Experten und solche die sich dafür halten, wie Babbel, Berthold, Gaudino oder auch schon Dieter Hecking kritisieren den Verein für Bewegungsspiele zu Recht für ihren Umgang mit Huub Stevens. Ständig Spekulationen um eine Entlassung oder seine Nachfolge nach dieser Saison. Dutts Treueschwüre wirken halbherzig und verlogen. Wie eingangs in diesem Jahresrückblick bereits beschreiben, ist Stevens lediglich Profi genug den Bettel hinzuschmeißen und vielleicht auch ehrenkäsig genug, dem Verein den Gefallen nicht zu tun und freiwillig das Feld zu räumen.

Pflichtsieg gegen Mainz 05

Zum „Top-Spiel“ des 32. Spieltags empfing der VfB am 32. Spieltag den 1. FSV Mainz 05, der sich realistisch betrachtet im Niemandsland der Tabelle befand, sich theoretisch durch einen Sieg aber auch noch Hoffnungen auf die Europa League hätte machen können. In einem zähen Spiel, indem der VfB wie auch schon in den Heimspielen davor schnell die Initiative ergriff und williger als der Gegner war, dauerte es bis zur 66. Minute, einem Zeitpunkt, als das Spiel mehr und mehr zur Nervenschlacht zu werden drohte, ehe der VfB zum erlösenden Führungstreffer kam. Daniel Didavi, erstmals nach seiner langen Verletzungspause wieder in der Startelf, fasste sich aus über 30 Metern ein Herz. Sonderlich stark war der Schuss nicht, so dass man sich bei Loris Karius bedanken durfte, der schlicht und einfach danebengriff. Ob ihm der VfB, bei dem er groß geworden war, noch am Herzen lag oder er einfach nur einen Blackout hatte, uns sollte es egal sein. Da Kostic zwölf Minuten später noch das 2:0 folgen ließ und es der VfB dieses Mal schaffte, das Spiel zu elft zu beenden, blieb es bei diesem Ergebnis. Der VfB lag zwar auch noch nach 32 Spieltagen auf dem letzten Tabellenplatz, jetzt jedoch nur noch einen Punkt vom rettenden Platz 15 entfernt.

Didavi, der Maxim auf die Bank verdrängt hatte, war der Garant dieses Sieges. Bei nahezu jedem Angriff hatte er seine Füße im Spiel und hatte bereits in der ersten Halbzeit Pech mit einem Pfostenknaller. Stevens war nach dem Spiel versöhnlich zu seinen Jungs und gab zu, dass es an jenem Samstagabend Spaß gemacht hätte, sie zu coachen. Nur, als sie allzu euphorisch in die Kurve und sich feiern lassen wollten, pfiff er sie zurück, um sie auf den Boden zurückzuholen und um sie daran zu erinnern, dass noch zwei weitere schwere Endspiele folgen würden. Der VfB vermied schon vor dem Mainz-Spiel einen Blick auf die Tabellenkonstellation und erkor die drei ausstehenden Spiele zu Pokalspielen. Viertelfinale, Halbfinale, Finale. Demnach war das Viertelfinale schon mal geschafft, es sollten noch zwei weitere Nervenkrimis folgen.

Sprung auf den Relegationsplatz

Der nächste stand an gegen den Hamburger SV, der es schon in der Vorsaison nur geschafft hatte in der Liga zu bleiben, weil er die Relegation gegen Greuther Fürth für sich entschied und nach Slomka, Zinnbauer und Knäbel mit Bruno Labbadia bereits den vierten Trainer an der Seitenlinie hatte. An diesem vorletzten Spieltag war es rechnerisch bereits möglich, dass sich der HSV endgültig rettet und dass der VfB im Falle einer Niederlage als sicherer Absteiger hätte feststehen können, wenn die Mitkonkurrenten entsprechend mitgespielt hätten. Für beide Trainer stand das Wiedersehen mit einem ihrer Ex-Clubs an, beide hatten den Kontrahenten bereits einmal vor dem Abstieg gerettet.

Donnerstags vor dem Spiel gab es dann noch den Ausraster Stevens‘ beim nicht öffentlichen Training zu vermelden. Weil ein Rasensprenger sein Unwesen trieb und die Diven vom Neckar mit der Bodenbeschaffenheit nicht mehr ganz so einverstanden waren, titulierte er sie vor laufenden Kameras mit „Ihr seid Affen – Affen, das seid ihr“ und suchte das Weite. Seine Wortwahl war wohl etwas unglücklich, wer möchte sich schon gern als „Affe“ beschimpfen lassen, wobei der Wortsinn im niederländischen wohl etwas verniedlichter sein soll als im Deutschen. Dennoch war dies ein gelungener Wachrüttler für eine Truppe, die nach etwas Erreichtem gerne zur Bequemlichkeit neigt und der man immer wieder klar machen muss, worauf es ankommt, oder ihr auf gut deutsch in den Arsch treten muss.

Vor dem Spiel fand die traditionell vor dem letzten Heimspiel vom OFC Leintal Power ’05 durchgeführte Fahrt auf dem Partyfloß über den Neckar von Neckarweihingen nach Bad Cannstatt statt. Für mich inzwischen stets eines DER Saisonhighlights. Anders als bei den Spielen wird man dabei nie enttäuscht. Es ist immer wieder gigantisch, sich mit vielen Gleichgesinnten auf das Saisonende einzustimmen. Dieses Mal standen die Gespräche natürlich im Zeichen der prekären Tabellensituation und der Hoffnung, dass wir dem Abstieg noch von der Schippe springen könnten. Zwar hatte man Mainz geschlagen und ein machbares Restprogramm, dem dagegen stand, dass es der VfB lange nicht geschafft hatte, zwei oder gar drei Spiele in Folge zu gewinnen.

An Motivationsspritzen mangelte es vor dem Spiel nicht. Die Fraktion heizte erneut ein und auch Thomas Hitzlsperger übermittelte eine Mut machende Videobotschaft.

Das Spiel gegen den HSV vor ausverkauftem Haus begann sehr kampfbetont, eben der Bedeutung dieses Aufeinandertreffens angemessen. Dabei entwickelte der VfB mehr Zug zum Tor als der HSV, geriet jedoch mit dem ersten Hamburger Torabschluss und Fehler von Sven Ulreich in Rückstand. In der Folgezeit war der VfB geschockt während Hamburg seine Offensivbemühungen gänzlich einstellte und nur noch aufs zerstören aus war. Nach einer kurz andauernden Schockstarre kam der VfB zum Ausgleich durch Christian Gentner aus dem Nichts. Bereits in der 35. Minute sorgte Martin Harnik für den vielumjubelten Siegtreffer. Spiel gedreht und den HSV fortan nahezu an die Wand gespielt. Harnik, dem die „Beleidigung“ seines Trainers unter der Woche sichtlich aufgestoßen war, revanchierte sich auf eine Art und inszenierte an der Eckfahne bei der Untertürkheimer Kurve mit seinen Kollegen einen Affentanz, eine gelungene und lustige Retourkutsche aber auch als Indiz zu werten, dass die Mannschaft verstanden hatte. In der Folgezeit dominierte der VfB nach Belieben und kam zu einer Vielzahl an klaren Einschussmöglichkeiten. Ein Torschussverhältnis von 22:6, bessere Pass- und Zweikampfquoten, in allen Statistiken war der VfB dem HSV um Längen überlegen. René Adler schwang sich zum besten HSV-Akteur auf und verhinderte ein Debakel für seine Farben. So blieb es zu unserem Leidwesen bis zum Schlusspfiff spannend, aber dann brachen alle Dämme. Das Unfassbare war eingetreten, Halbfinale gewonnen, es wartete das große Finale in Paderborn mit der Möglichkeit, den direkten Klassenerhalt aus eigener Kraft zu schaffen. In der Tabelle stand man seit langem mal wieder auf dem Relegations- und damit einem nicht direkten Abstiegsplatz, während der HSV auf Platz 17 abstürzte und am letzten Spieltag nicht unbedingt mit leistungsverweigernden Schalkern spekulieren durfte.

Großer Wermutstropfen an diesem vorletzten Spieltag waren die Ergebnisse der Konkurrenz. Hannover 96 fuhr beim FC Augsburg seinen ersten Rückrundensieg überhaupt ein und wurde vom Schiri begünstigt, indem Augsburg u. a. zwei Elfmeter verweigert wurden. Der SC Freiburg indes schlug die Bayern 2:1, die nach dem Championsleague-Aus gegen den FC Barcelona spürbar lustlos daher kamen. Auch wenn Christian Streich nach dem Spiel die Welt nicht mehr verstand, wie man überhaupt auf die Idee kommen könnte, den Freiburger Sieg anzuzweifeln, wage ich zu behaupten, an einem „normalen“ Spieltag, wo es für die Bayern noch um etwas gegangen wäre, wäre der Biss und der Wille ein anderer gewesen. Aber, Herr Streich, wer zuletzt lacht, lacht bekanntlich am besten.

Gefehlt hätte an diesem Spieltag nur noch, dass noch Paderborn auf Schalke gewonnen hätte. Nah dran waren sie, sie hatten ein riesen Spiel hingelegt und das Spiel erst in der 88. Minute durch ein Eigentor verloren.

Jaaaa, Klassenerhalt!

So gestaltete sich die Konstellation vor dem großen Showdown in Ostwestfalen für den VfB übersichtlich. Bei Sieg bleiben wir auf jeden Fall drin, alles andere könnte den direkten Abstieg bedeuten, so dass es für die bequemliche Truppe wohl mental besser so war, als sich auf ein Remis einzurichten, das einem immer noch droht zu entgleiten.

Die Stimmung in der Woche vor dem großen Finale war prächtig. Jeder wusste, ein Schritt ist noch zu gehen und das große Ziel, den VfB auch in der Saison 2015/2016 in der Bundesliga erleben zu dürfen, könnte erreicht sein.

Für das Spiel in Paderborn hätte der VfB tausende an Tickets absetzen können, wir gehörten zu den glücklichen 1.500, die eines ergattern konnten. Als Allesfahrer muss man zum Glück nicht an den Vereinslotterien um ein paar hundert Tickets teilnehmen, sondern hat sein Ticket sicher, wenn man im Fanclub-Ranking entsprechend weit oben steht. So auch für Paderborn. Wir traten die Reise nach Ostwestfalen frühmorgens, wie fast immer mit dem RWS Berkheim, an. Als wir relativ frühzeitig den Busparkplatz am Stadion erreichten, folgte die erste leichte Enttäuschung. Der Parkplatz war total eingezäunt, keine Chance herauszukommen und sich frei zu bewegen, strikte Fantrennung eben. Die Paderborner schoben ganz schön Panik vor dem angereisten schwäbischen Volk, was auch daran zu merken war, dass die Eingangskontrollen ungewöhnlich penibel waren und es im Stadion nur alkoholfreies Bier gab. Es war klar, einer der beiden Kontrahenten würde absteigen, so dass es für die örtlichen Sicherheitskräfte wohl nicht kalkulierbar war, wie denn die Reaktionen der jeweiligen Fangruppen ausfallen würden. Die Paderborner würden einen Abstieg wohl gefasster hinnehmen, wie die Stuttgarter, aber, wer vermag das schon mit Sicherheit zu sagen, schließlich hat man in Stuttgart zum Glück seit 40 Jahren keine „Abstiegs-Erfahrung“.

So vertrieben wir uns die Zeit, fast bis Ultimo, auf dem Parkplatz, tranken dort noch einige Stuttgarter Bier und trafen etliche Freunde und Bekannte, die nach und nach eintrudelten und alle voller Nervosität aber auch Vorfreude waren, dass diese an die Substanz gehende Saison bald ihr glückliches Ende genommen haben könnte. Ich konnte meine Stehplatzkarten, die ich wegen der exorbitant teuren Sitzplatzpreisen für dieses Spiel gewählt hatte, mit einem Bekannten ohne Aufpreis eintauschen, so dass bei uns auch nicht so sehr die Zeit drängte, hineinzukommen.
Drinnen, weitere Bekannte begrüßt und kaum hingesetzt, stand es auch schon 1:0 für die Gastgeber. Es mutete an, wie wenn die Unseren den Anpfiff überhört hätten, so teilnahmslos verhielt man sich bei diesem Gegentor. Zu diesem Zeitpunkt war der VfB also sicher abgestiegen, wir schrieben gerade einmal die 4. Spielminute. Mein persönliches Highlight der ersten Minuten war, dass ich einen Bekannten auf der durch einen hohen Zaun getrennten Gegentribüne erspähte und mich dieser mit Vollbier versorgte.

Der VfB wachte nach dem Rückstand auf und wurde deutlich aktiver. Vor allem Kostic trieb unser Spiel unermüdlich an und er war es auch, der den Ausgleich erst einleitete. Wieder über links durchgebrochen flankte er in die Mitte, der Pechvogel von Schalke, Hünemeier „klärte“ vor die Füße von Dida und dieser schloss trocken und humorlos ab. Ein ganz wichtiges Tor des Rückkehrers, denn, bis dahin, wirkten die Angriffsbemühungen sehr fahrig, weil nervös vorgetragen. Die Paderborner Führung hatte Spuren am Nervenkostüm der Schwaben hinterlassen. Durch dieses Tor und im Wissen, dass das Remis nach derzeitigem Stand wenigstens für die Relegation reichen würde, wurde der VfB selbstbewusster und kam zu weiteren Chancen. Vor allem Ginczek scheiterte noch vor dem Halbzeitpfiff nach grandiosem Solo schon fast in Slapstickmanier.

Zwei Einwechslungen zur Pause, u. a. die von einem gewissen Lukas Rupp, ließen die Paderborner wieder aktiver und zielstrebiger werden. Als die HSV-Führung gegen Schalke bekannt wurde, änderte sich die Gesamtkonstellation. Paderborn würde bei derartigem Ausgang auch ein Sieg nicht mehr retten und der VfB würde bei derzeitigem Stand vom HSV überholt werden. Also mobilisierten die Schwaben noch einmal alle Kräfte. Für die Erlösung sorgte dann Daniel Ginczek in der 72. Minute, als er schön von Alexandru Maxim, welcher erst drei Minuten vorher eingewechselt wurde, freigespielt wurde und im eins gegen eins gegen Kruse im Paderborner Tor die Kaltschnäuzigkeit eines Klasse-Mittelstürmers unter Beweis stellte. In 40 Fanjahren habe ich ja schon so einiges erlebt, auch Spiele, die auf des Messers Schneide standen, meist im positiven, weil in oberen Tabellenregionen oder Endspielen. Diese Emotionen waren fast nur noch mit denen von 2001 zu vergleichen, als Balakow uns kurz vor Schluss den Arsch rettete und die Schalker zum Meister der Herzen werden ließ.

Nach dem Führungstreffer beschränkte sich der VfB auf das Verteidigen mit Mann und Maus und hätte doch in der Schlussminute noch aller Träume beraubt werden können. So aber stand am Ende nach dem vielumjubelten Schlusspfiff die Erkenntnis, dass eine weitere Saison hinter uns lag, in der nichts erreicht sondern nur verhindert wurde. Die Probleme waren auch dieses Mal wieder hausgemacht. Spieler des Spiels war Filip Kostic, über den der Paderborner Trainer Breitenreiter sagte, „Filip Kostic ist der mit Abstand beste Spieler, der hier in Paderborn aufgetreten ist.“
Auch wenn „nur“ der Super-GAU geradeso abgewendet wurde, ließen wir uns das Feiern selbstverständlich nicht nehmen. Schon im Stadion ausgelassen mit Trainer und Mannschaft, auf der Rückfahrt im Bus und auf den Raststätten, wo wir überall VfBler antrafen und auch Gratulationen und Anerkennung von Nicht-VfBlern in Empfang nehmen durften.

Das sind diese Tage, an denen man sich bewusst wird, dass Allesfahren doch nicht das Verkehrteste ist. Solche Emotionen, die bei solchen Spielen freigesetzt werden, erlebt man nur mit dem Fußball. Unfassbar gigantisch und unvergesslich, auch wenn es sich Meisterschaften, derer ich ja auch schon drei hautnah miterleben durfte, weitaus unbeschwerter entgegen fiebern lässt.

Letzten Endes sind wir Huub Stevens zu großem Dank verpflichtet. Nach der Rettung in der Vorsaison stieß es schon auf mein Unverständnis, dass man ihn nicht weiter machen ließ, da er die Rasselbande doch scheinbar im Griff hatte. Er feilte damals schon an der Kaderplanung mit, interessant wäre es gewesen, wie der Umbruch mit ihm ausgefallen wäre.

Stattdessen setzte man weiterhin auf Fredi Bobic, der spätestens mit der Katastrophensaison 2013/2014 gescheitert war. Die (versprochene) Aufarbeitung blieb völlig aus. Man installierte den Meistertrainer von 2007, Armin Veh, als neuen Trainer, was beiden Seiten wohl aus rein nostalgischen Gefühlen charmant vorkam. Sollte je im dunklen Kämmerlein eine Aufarbeitung erfolgt sein, konnte die Erkenntnis daraus nur gelautet haben, dass die mageren letzten Jahre einzig und allein die Schuld der verantwortlichen Trainer waren. Veh sollte kommen und durch reines „Hand auflegen“ würde alles besser werden. Ernsthafte Konsequenzen aus der Vorsaison wurden nicht gezogen, es wurde weder ein stabiler Innenverteidiger geholt noch wurde es sich von Charakteren getrennt, die dem Gerüst schaden. Da der Kader und der Teamgeist nicht verbessert wurden, durfte es keinen wundern, dass sich der VfB erneut im Tabellenkeller wiedergefunden hat.

Nach dem neuerlichen Fehlstart schoss sich die Cannstatter Kurve zu Recht auf Bobic ein, was die Vereinsführung zum handeln animierte. Schon seit einigen Jahren wird ja beim VfB erst dann agiert und es werden Konsequenzen aus Fehlentwicklungen gezogen, wenn sich der Mob formiert hat, wohl aus Angst, er würde sonst wieder vor die Geschäftsstelle ziehen, wie anno 2009, und die Haupt-Verantwortungsträger zur Rechenschaft ziehen wollen.

Als dann auch noch Trainer Veh das Handtuch schmiss, offiziell wegen fehlenden Glücks, inoffiziell wegen Alkoholeskapaden und Faulheit, war es spätestens klar, dass uns eine neuerliche Zittersaison bevorstehen würde, in der es nur darum gehen würde, das Schlimmste zu verhindern. In Anbetracht der Umstände und weil wir nach dem Rücktritt Vehs alle zunächst einmal in ein tiefes Loch gefallen waren, war es die beste Lösung Retter Huub aus dem Vorjahr erneut zu installieren. Dass sich der VfB diese Blöße und sich damit der Lächerlichkeit preisgeben musste, hatte er sich selbst zuzuschreiben. Dass Stevens sich das zweite Mal auf dieses Kasperletheater eingelassen hat, hat mich schon eher gewundert. Aber, es ist anzunehmen, dass sich Stevens seine Halbjahresengagements beim VfB fürstlich honorieren ließ und sich eine Nichtabstiegsprämie festschreiben ließ, die sich gewaschen hat. So gesehen ist das Engagement auch aus Stevens Sicht verständlich, der die Tätigkeit beim VfB inzwischen als Altersteilzeit angesehen haben dürfte.

Dass Stevens jedoch nicht der Messias ist, für den ihn viele noch immer halten, zeigte sich im Verlauf der weiteren Saison. Äußerst stur zog er seinen Defensivfußball lange durch und rückte erst von diesem ab, als in Dutt der Trainer hochkam und er ihn offensichtlich zu einer mutigeren Gangart nötigte. Lange beraubte Stevens den VfB seiner Offensivkraft und das ohne, dass damit irgendwelche Erfolge eingefahren worden wären. Seit Hannover, als er es nach längerer Zeit mit mehr als zwei offensiv ausgerichteten Spielern in der Startformation versuchte, ging es langsam aber sicher aufwärts. Die Spiele waren besser anzusehen, Leute wie Filip Kostic, lange als Fehleinkauf abgestempelt, blühten auf und Punkte wurden zudem eingefahren. Weitere Garanten in der Schlussphase der Saison waren die Rückkehr der Langzeitverletzten Daniel Didavi und Daniel Ginczek, der sich durch sein Tor in Paderborn für immer in den VfB-Geschichtsbüchern verewigt hat.

Auch wenn nicht alles Gold war, das glänzte, danke Huub Stevens, vor allem, dass du das Ding durchgezogen hast und nicht wie Armin Veh davongelaufen bist, auch dann nicht, als längst klar war, dass es dir der VfB erneut nicht zutrauen würde, diesen Sauhaufen von Mannschaft in die nächste Saison zu führen.

Die ominöse Saisonabschlusspressekonferenz

Stattdessen gab es die mit Spannung erwartete Saisonabschlusspressekonferenz zwei Tage nach dem Herzschlagfinale. Dort tauchte auch Präsident Wahler wieder auf, der (richtig) bemerkte, dass wir Fans zwar den Verein, nicht jedoch die handelnden Personen unterstützen, was an den vielen Personalwechseln der letzten Jahre läge. Nicht ganz richtig, wir würden auch die aktuellen Personen unterstützen, wenn sie einen guten Job machen und großen Worten auch Taten folgen lassen würden. Das war in der Vergangenheit nicht der Fall, zudem wurde lang der Fan für dumm verkauft, indem vehement abgestritten wurde, dass die Qualität und die Charaktere in der „Mannschaft“ eben nicht den Ansprüchen genügen und dass die Vorstellungen auf dem Rasen eben oft nicht zum anschauen waren. Fühlt sich der Kunde, sprich der Fan, ernstgenommen, bringt er der Vereinsführung schon naturgemäß mehr Vertrauen entgegen, als wenn er sich ständig verarscht vorkommt.
Wahler gab auch jetzt im Nachhinein zu, man habe an bestimmten Personen zu lang festgehalten. Das ist natürlich jetzt, nach der gelungenen Rettung, leicht zu sagen. Fundierter wäre es gewesen, wenn er Lösungsansätze aufgezeigt hätte, wie man eine solche Herumeierei in Zukunft zu verhindern gedenke. Da sehe ich nämlich nach wie vor keine sportaffine Instanz im Verein, die bspw. einem Robin Dutt auf Augenhöhe auf die Finger schauen könnte.
Illusionen verbreitete er indes nicht, es werde zu weiteren Einsparungen zu kommen, weiterhin ist Schmalhans der Küchenmeister.
Danach kam Dutt zum Zuge, der lang geschwiegen hatte über die Vorgänge, vor seiner Zeit lagen. Jetzt aber holte er, ohne Namen zu nennen, zum Rundumschlag gegen Vorgänger Fredi Bobic aus, und warf ihm in erster Linie vor, dass eine strukturierte Kaderplanung nicht stattgefunden habe und stets mehr ausgegeben als eingenommen wurde. Er kritisierte, dass es im Scouting-Bereich keine klaren Vorgaben gegeben und jeder vor sich hingewurstelt habe und dass er im Verein zu wenig sportliche Konsequenz vorgefunden habe.
Im Anschluss daran kam er zu den Personalentscheidungen und gab zuerst die längst bekannte Personalie bekannt, dass Alexander Zorniger neuer Cheftrainer, Andre Trulsen sein „Co“ werden würde. Zorniger war bei mir schon deshalb ein rotes Tuch, weil er das Produkt Red Bull in die 2. Liga geführt hat und in meiner Denke keiner dorthin geht, der den Fußball wirklich liebt. Dazu kam, dass er während seiner Co-Trainer-Zeit unter Markus Babbel 2009 nicht wirklich nachhaltige Spuren hinterlassen hätte und dass er keine Bundesligaerfahrung vorweist. Aus Leipzig war zu hören, dass er ein unbelehrbarer Sturkopf wäre, weswegen letztlich auch sein Engagement dort in die Brüche ging. Dass er ein Fußballbesessener sei, der den Fußball 24 Stunden am Tag lebt und keine Freunde kenne, wenn jemand seine Philosophie und seinen Plan konterkariere. Ich war skeptisch und gespannt zugleich und gehe bei jedem Neuen erst einmal so vorurteilslos heran, wie es geht und hoffe für unseren VfB stets das Beste. Zorniger wird zum Trainingsauftakt seinen Dienst antreten und sich vorher auch nicht in der Öffentlichkeit äußern.
Laux Sportpsychologe, Günther Schäfer Teammanager, neue Namen im Scouting-Bereich, etc. pp. Es wurde eine ganze Armada an neuen Köpfen vorgestellt, worüber ich angesichts der knappen Kassen schon ins Staunen kam. Dass man Zorniger gleich einen Vertrag bis 2018 gab, zeugt davon, dass man beim VfB nichts gelernt zu haben scheint. Ganz schön mutig, aber, so Dutt, Zorniger verfolge eine Philosophie, für die der Verein in Zukunft stehen möchte, daher wohl „alternativlos“, eine Attitüde, die uns im Restjahr noch weiter begleiten sollte.

Huub Stevens willigte einer „Übergabe der Amtsgeschäfte“ an Alexander Zorniger ein, wobei vor allem die Charaktere der einzelnen Spieler zur Sprache gekommen sein dürften. Schon nach dem Ende seiner VfB-Tätigkeit empfahl der dem VfB einen radikalen Neuaufbau und äußerte die Befürchtung, dass dieser schwierig werden könnte, weil auf der einen Seite kein Geld da ist und auf der anderen Seite an der Gehälterschraube gedreht werden müsse, weil zu viele Spieler im Kader seien, die mit ihren Verträgen sehr zufrieden wären. Dutt müsse kreative Lösungen finden. Damit legte Stevens den Finger tief in die Wunde und gab Dutts Amtsvorgänger Bobic, der für die Vertragsausgestaltungen in den letzten Jahren verantwortlich zeichnete, noch einmal einen mit.

Bereits beim leider gegen den BVB verloren gegangenen U17-Finale in Großaspach hörte ich vom Gerücht, dass man von Vereinsseite Sven Ulreich nahegelegt hätte, den Verein zu verlassen. Für mich klang das gleich plausibel, weil Zorniger als ein Verfechter des schnellen Spiels gilt und er dabei sicherlich keine Trantüte im Tor gebrauchen kann.

So überraschte mich die Meldung zwei Tage später schon nicht mehr, auch wenn man es nach wie vor so verkauft, als habe Ulreich selbst eine Veränderung angestrebt. Schon überraschender war, wohin er denn wechselt. Rente mit 26 auf der Ersatzbank des FC Bayern. Ich fragte mich sogleich, ob die Bayern denn dabei auch in Erwägung gezogen haben, dass sich Neuer mal langwierig verletzen könnte und Ulle in die Bresche springen müsste? Dann nämlich hätten sie mit Ulle im Tor ein Problem, da er fußballerisch einfach zu schwach ist, um das schnelle Bayern-Umschaltspiel mitzuspielen und um ein adäquater Ersatz für Neuer zu sein. Aber, die Bayern haben ja auch noch einen Tom Starke in der Hinterhand.

Für mich war es ein sehr guter Tag für den VfB, an dem das Grinsen nicht aus meinem Gesicht weichen wollte. Seit Ulreich das erste Mal auftauchte und seinerzeit Raphael Schäfer kurzzeitig aus dem Kasten verdrängte, hatte ich starke Zweifel an seiner Bundesligatauglichkeit. Schon damals sprang er ungestüm an Flanken vorbei und hatte eine Spieleröffnung zum einschlafen. Für zwei Jahre setzte man ihm man zwar Jens Lehmann vor die Nase, von dem er lernen sollte, gab ihm aber auch die Zusage, danach zur Nummer 1 aufzusteigen, ohne jeglichen Leistungs- oder Entwicklungsvorbehalt.

Schon Christian Gross hätte am liebsten einen anderen Torwart gehabt, seinem Wunsch entsprach man nicht, schließlich gab es ja diese Zusage. Dann kam Fredi Bobic als Sportdirektor, dessen bester Freund und Geschäftspartner Jürgen Schwab „zufällig“ noch Manager von Ulreich (und auch Gentner) ist, so dass jegliche Torhüterdiskussion im Keim erstickt wurde. Ulreich saß relativ fest im Sattel, obwohl er selten zu überzeugen wusste.

Nachdem Labbadia ihn gegen Benfica Lissabon aus dem Kasten genommen und durch Marc Ziegler ersetzt hatte, hatte Ulle das Glück, dass sich Ziegler just in diesem ersten Spiel schwer verletzte, und Ulle umgehend wieder zurückkehrte. Danach wirkte er geläutert und hielt besser denn je, so dass auch meine Kritik für einige Zeit verstummte. Er hatte großen Anteil am Klassenerhalt 2011, unvergessen seine Leistung in Frankfurt nach Delpierres Platzverweis. Zu jener Zeit hörte man viel, wie er über den Tellerrand des Fußballers hinausblickte, Turntraining absolvierte und auch Life-Kinetik betrieb. Effi Kompodietas, der Life-Kinetik-Trainer wirkte beim VfB 2011 bis Ende der Saison 2011/2012 und hat einen exzellenten Ruf in der Branche. Im Anschluss an sein Wirken beim VfB machte er Jogis Jungs fit für die EM 2012.

Dass es sich in den Leistungen von Ulle niederschlug, als Kompodietas nicht mehr da war, lässt sich natürlich mit Sicherheit sagen. Fakt ist aber, dass Ulles Leistungen danach wieder nachließen und auf schwachem Niveau stagnierten. Den Wendepunkt meiner Denke über Ulle bildet das 1:6 bei den Bayern im September 2012, als Ulle gefühlt an so gut wie allen Toren nicht schuldlos war. Danach gab es nur noch wenige Ausreißer nach oben bei ihm zu verzeichnen. Noch im September 2014, auf dem Kabinenfest beim VfB, sprach ich Trainer Veh auf seine damalige Achse an Ulle – Gente- Ibisevic an. Er gab mir zwar vielsagend zu verstehen, dass er sich über einzelne Spieler nicht auslassen würde, gestand mir dann aber zu, selbst etwas sagen zu dürfen. Also legte ich los, dass ich selbst mal Torhüter war, dass ich finde, dass Ulle so gut wie alles fehlt, was einen guten Torwart auszeichnet. Dass es ihm Strafraumbeherrschung, Ausstrahlung, Antizipation, Nervenstärke und vielem mehr fehlen würde, worauf Veh vielsagend meinte, „Du weißt mir zu viel, ich gehe jetzt“. An seiner Reaktion war abzulesen, dass ich offene Türen bei ihm eingerannt hatte. Kurze Zeit später, nach seinem Patzer in Dortmund, und, sicherlich rein zufällig direkt nach der Entlassung von Fredi Bobic, stand Thorsten Kirschbaum im Tor, der leider seine Chance nicht nutzen konnte und sich als noch größere Pfeife entpuppte.

So kam Ulle wieder einmal mangels eines ernsthaften Konkurrenten zurück, spätestens an der Stelle musste Andreas Menger, der langjährige Torwarttrainer hinterfragt werden, der auf einem Fanfest allen Ernstes gemeint hatte, zum Zeitpunkt von Lenos Verkauf wäre Ulle der bessere Torhüter gewesen. Aber, Menger sollte dieses Jahr ja ebenfalls nicht beim VfB überstehen.

Der Trainingsauftakt mit Trikotlaunch fand zwar auch noch Ende Juni statt, soll aber in der nächsten Folge thematisiert werden.

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26. Mai 2015

Stunde null beim VfB

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , , , – Franky @ 20:18

Totgesagte leben länger, der VfB hat doch tatsächlich nochmal die Kurve gekriegt. Nach dieser so unterirdisch schlechten Saison grenzt diese Tatsache schon fast an ein Wunder. Auch drei Tage nach Paderborn kann ich es noch nicht so richtig fassen, was in der Benteler-Arena geschehen ist.
Erst der frühe Rückstand, der einmal mehr offenbarte, dass wir im Grunde ohne Abwehr durch die Saison stolperten, dann die Willensleistung von Daniel Didavi, der sich, wie schon in der Vorsaison, gerade noch rechtzeitig einsatzbereit meldete, um großen Anteil daran zu haben, den Super-GAU abzuwenden. Und schließlich das tolle 1:2 durch Daniel Ginczek, der erneut seinen immensen Wert für den VfB unterstrich und gerade noch rechtzeitig auf Touren kam.
Dass der VfB letztendlich gewann und den Klassenerhalt aus eigener Kraft schaffte, lag an der herausragend guten Offensive. Wie Filip Kostić Gegenspieler um Gegenspieler verschliss, sie alle wie Anfänger aussehen ließ und immer wieder bis zur Grundlinie durchstieß, war fast schon Weltklasse. Lernt er bei allem Eifer noch das punktgenaue Flanken haben wir ein wirkliches Juwel in unseren Reihen. Seine Leistung in den letzten Spielen kann man nicht genug würdigen, bindet er doch die halbe gegnerische Abwehr, wodurch automatisch Räume für die Mitspieler geschaffen werden. André Breitenreiter, Coach des SC Paderborn, stellte fest, dass Filip Kostić der mit Abstand beste Spieler war, der in dieser Saison in Paderborn seine Visitenkarte abgab und das obwohl dort auch Spieler wie Robben, Ribery und Reus vorspielten. Noch hervorzuheben, bevor er zu kurz kommt, Alexandru Maxim, der diesen Zuckerpass auf Ginczek spielte und damit ebenfalls maßgeblichen Anteil am Klassenerhalt hat.
Für diese Gefühlswelt, die man an einem solch entscheidendem Spieltag im Stadion durchlebt, tut man sich das Ganze wohl Jahr für Jahr, Woche für Woche an. Unglaubliche Emotionen wurden freigesetzt, gestandene Mannsbilder liegen sich heulend in den Armen, Erleichterung allerorten und eine unfassbare Freude und Stimmung. Das ganze Spiel über bot der Gästebereich sein komplettes Repertoire auf, so dass man sich keinen schöneren Ort vorstellen konnte, das Wochenende zu verbringen. Ein prall gefüllter Block, eine unfassbare Lautstärke, die eine oder andere Pyro-Einlage und schließlich tumultartige Szenen bei den Toren und erstrecht beim Abpfiff. Auch wenn ich inständig hoffe, eine solche Zittersaison nicht noch einmal erleben zu müssen, ertappe ich mich tatsächlich beim Gedanken, dass mir dieses Gefühlschaos tausend Mal lieber ist, als wenn ich zur selben Zeit meine 25. Meisterschaft feiern und mich darüber ärgern „müsste“, dass nicht mehr daraus geworden ist.
So groß die Freude darüber ist, dass wir auch in der nächsten Saison im Oberhaus spielen dürfen und vor allem dass nicht alles auseinander gerissen wird, was die letzten Wochen so gut funktioniert hat, muss von nun an der Blick nach vorne gerichtet werden. Es ist zu hoffen, dass Eckpfeiler des Aufschwungs wie Serey Dié, Daniel Didavi, Filip Kostić, Daniel Ginczek, auch Martin Harnik und Alexandru Maxim gehalten werden können. Offensiv sind wir richtig gut aufgestellt. Ein Backup noch für Ginczek, sollte man für Ibisevic einen Abnehmer finden, dann wären wir sehr gut aufgestellt.
Martin Harnik wird sich hoffentlich nicht für Schalke entscheiden, sondern hier bleiben. Allerdings müsste man dann seinen Vertrag noch in der Sommerpause verlängert bekommen, bevor wir Gefahr laufen, dass er im nächsten Jahr ablösefrei geht. Dies kann und darf sich ein Verein wie der VfB im Grunde nicht (mehr) leisten, so dass es mir dann sehr leidtun würde, stünden die Zeichen auf Abschied. Harnik ist eines der wenigen Gesichter des VfB der Gegenwart, für mich noch mehr als unser Kapitän Gentner, so dass ich sehr hoffe, dass mit ihm eine Vertragsverlängerung erzielt werden kann. Natürlich durchlebte auch er zuletzt schwache Phasen, verlor zeitweise jeden Ball und konnte kaum mehr einen Ball stoppen, dennoch ist er wichtig für die Mannschaft, mit seiner Schnelligkeit durchaus eine Waffe, ein Kämpfer, der nie aufgibt und zudem auch immer klare Worte findet. Kurz gesagt, er ist einer dieser Typen, wie wir sie in unserem Kader sonst vergeblich suchen.
Im Defensivbereich müssen dagegen endlich Verstärkungen her. Ein moderner Torwart, ein gestandener Innenverteidiger und ein oder zwei Außenverteidiger sind nötig, um in der nächsten Saison wieder besser schlafen zu können.
Dass Antonio Rüdiger möglicherweise von seiner Ausstiegsklausel Gebrauch machen würde, war gestern zu lesen. Etwas schade zwar, aber, auf der anderen Seite aber, käme dies Timo Baumgartl durchaus zugute, wenn ein erfahrener Mann für den VfB gewonnen werden könnte, von dem er lernen und zu dem er aufschauen könnte. Bei allen Bemühungen, die Truppe schlagkräftiger zu machen, darf man aber unseren eigenen Talenten, wie bspw. auch Timo Werner, den Weg ins Team nicht verbauen.
Gestern fand sie also statt, die so sehnlich erwartete Saisonabschluss-Pressekonferenz, die Robin Dutt schon vor Wochen angekündigt hat und uns auch wissen lassen hat, dann seine Eindrücke der ersten fünf Monate seiner Amtszeit schonungslos vorzutragen. Zunächst bemerkenswert, Bernd Wahler gab zu, die Fanproteste und die Banner in der Cannstatter Kurve gegen seine Person und die seiner Kollegen in Vorstand und Aufsichtsrat nicht nur wahrgenommen, sondern sich auch zu Herzen genommen zu haben. Nicht nur das, er gab ihnen recht, offenbarte, dass sie in den letzten Jahren planlos unterwegs waren, was einem Armutszeugnis gleich kam, aber auch erkennen ließ, dass sie Besserung geloben wollen.
Robin Dutt wurde noch deutlicher und kritisierte, ohne Namen zu nennen, Vorgänger Fredi Bobic harsch. Es werde keine One-Man-Show mehr geben, die Kaderplanung lasse ebenso wenig einen Plan erkennen wie das Scouting. Dort wären keine Leitlinien, keine Vorgaben vorhanden gewesen, sprich, es habe jeder vor sich hin gewurstelt, ohne Gehör „von oben“ gefunden zu haben. Von einer einheitlichen Spielphilosophie, die man sich schon Ende der 1990er-Jahre unter Ralf Rangnick auf die Fahnen geschrieben habe, wäre ebenso abgerückt worden wie von der Verzahnung des Jugend- und Amateurbereichs zu den Profis. Man habe in den letzten Jahren keine Transferüberschüsse eingefahren, sämtliche Spieler, die von außen geholt wurden, haben an Marktwert verloren und mussten schließlich oft und zu allem Überfluss gegen eine Abfindungszahlung von der Gehaltsliste herunter gebracht werden. Transfers wurden planlos getätigt, ohne überhaupt zu überprüfen, ob man nicht im Nachwuchsbereich ein entsprechendes Talent für die Planstelle habe, so dass wir nach und nach einen Kader aufblähten, wie wir ihn heute vorfinden und Nachwuchsspieler Frust schieben, weil ihnen ständig durchschnittliche und besserverdienende Spieler vor die Nase gesetzt wurden.
Schon am Tag nach dieser denkwürdigen PK bekommen Dutt und auch Wahler („wir haben an bestimmten Personen zu lange festgehalten“) für die öffentliche Schelte kräftig auf die Ohren. Es mag im ureigenen Interesse der Medienlandschaft liegen, Kriegsschauplätze aufzumachen und eine Reaktion von Fredi Bobic herauszufordern, ich fand die deutliche Kritik angebracht. Man kann nicht auf der einen Seite eine schonungslose Aufarbeitung verlangen, um dann pikiert zu sein, wenn diese kommt und transparent offengelegt wird.
Fredi Bobic wird diese Kritik schon aushalten können und auch müssen. Er hatte vier Jahre lang Zeit zu gestalten, wohin seine Amtszeit geführt hat, sieht man nun in schonungsloser Deutlichkeit. Der einst so stolze Verein dümpelt in den Niederungen der Liga herum und hat das zweite Mal in Folge die Klasse nur mit sehr viel Glück gehalten. Bobic zeichnet für diesen Niedergang maßgeblich mitverantwortlich, hauptsächlich weil er stur und beratungsresistent war. Vetterleswirtschaft wie noch nie, die sogar bis in die Mannschaftsaufstellung hineinreichte, erhielt mit Bobic Einzug, gute Kumpels wurden Experten vorgezogen. Schlimm genug und daher natürlich auch nicht von Kritik freizusprechen, seine Vorstandskollegen und der ach so tolle Aufsichtsrat, die diesem Treiben weitestgehend tatenlos zusahen. Bobic entließ gleich zu Beginn unseren besten Trainer der letzten Jahre Christian Groß, unter ihm verließen Urgesteine im Nachwuchsbereich wie Albeck und Schrof den Verein, weil sie kein Gehör fanden, was zur Folge hat, dass mehr und mehr Talente dem Verein den Rücken kehren und bei Red Bull Leipzig anheuern. Aufkeimende Kritik, intern wie extern, schmetterte er genauso harsch darnieder, wie sie ihm jetzt entgegenschlägt. Und, zu guter Letzt hält Bobic, obwohl dem Vernehmen nach noch auf der Gehaltsliste, mit Kritik an seinem früheren Arbeitgeber auch nicht hinterm Berg, so dass sich hier eigentlich niemand künstlich aufregen muss.
Dutt stellte klar, dass zukünftig die Vereinsphilosophie über allem stehen muss. Es müsse wieder erkennbar sein, für welchen Fußball der VfB stehe und danach werde das Personal ausgesucht. Es würden in allen Bereichen nur noch Trainer eingestellt werden, die diesen Stil voll mit zu tragen bereit seien. So wurden im U19- und im U17-Bereich Sebastian Gunkel und Kai Oswald als neue Trainer vorgestellt.
Vorgesetzter aller Trainer soll künftig der Cheftrainer der Profis sein. Erwartungsgemäß heißt dieser Alexander Zorniger, wie Dutt gestern erstmals öffentlich bestätigte.
Mir unverständlich, dass man in dieser Personalie bereits Ende Februar, Anfang März Nägel mit Köpfen machte und nicht den weiteren Saisonverlauf abwartete. Schon damals schien das Vertrauen in Huub Stevens nicht besonders groß gewesen zu sein. Laut Dutt war Stevens zwar damals bereits in diese Gedankenspiele eingebunden, ob er sie goutierte ließ Dutt jedoch offen. Die Einigung mit Zorniger dürfte zeitlich in etwa damit zusammengefallen sein, als Dutt erstmals öffentlich Kritik an der defensiven Ausrichtung der Mannschaft äußerte, was ein Huub Stevens sicherlich als Majestätsbeleidigung angesehen haben dürfte. Ob Stevens so verbohrt gewesen wäre diese mit acht Defensivspezialisten auf dem Platz bis zum Saisonende durchzuziehen und er sich reinreden lassen hat, was uns möglicherweise gerade noch den Allerwertesten gerettet hat, darüber zu spekulieren wäre hypothetisch. Auch ich hielt in jener Zeit, spätestens nachdem Stevens in Sinsheim zugab mit seinem Latein am Ende zu sein, einen neuerlichen Trainerwechsel nicht mehr für ausgeschlossen. Da man sich in der Trainerfrage aber so früh festgelegt hatte, war dieser de facto nicht mehr möglich. Das Risiko wäre zu groß gewesen. Hätte man Zorniger gleich geholt und dieser wäre abgestiegen, wäre er für einen Neuanfang in Liga 2 kaum mehr vermittelbar gewesen. Wäre ein externer Feuerwehrmann geholt worden und man hätte überzeugend die Klasse gehalten, wäre eine Ablösung durch Zorniger nach Saisonende ebenso schwer zu verrargumentieren gewesen. So hat sich der VfB völlig unnötig der letzten Patrone beraubt und spielte mehr oder weniger mit dem Feuer.
Nach den letzten Spielen, die sicherlich nicht nur der Weisheit eines Huub Stevens wegen gut bestritten wurden, sondern auch weil sich Didavi fit meldete, Ginczek zu alter Stärke fand und die Außenspieler Kostić und Harnik ihren Anteil am guten Offensivspiel hatten, finde ich es äußerst schade, dass man sich mit Stevens nicht auf eine Ausdehnung seines Engagements geeinigt hat. Mir gefällt seine knurrige und doch humorige Art, wie er mit den Medien spielt und auch wie er die Mannschaft im Griff hat(te). Er findet das richtige Maß zwischen Zuckerbrot und Peitsche, hat das Gespür, wann er mahnen und wann er trösten muss. Ihn hätte ich gerne mal in einer Sommervorbereitung erlebt und ihm eine Sommer-Transferperiode zugestanden, um zu sehen, wie sein Kaderumbau ausgesehen hätte.
Es nützt alles nichts, Huub Stevens ist (leider) Geschichte beim VfB, man kann ihm nicht genug Dank zollen, für das was er in den letzten beiden Jahren hier geleistet und dass er uns zwei Mal vor dem Abstieg bewahrt hat.
Bei all meiner Wertschätzung für Huub Stevens und dem Unverständnis darüber, wie früh man sich auf Zorniger festgelegt hat, könnte dies auch für ein neues konsequentes Handeln, eben einen Plan, sprechen. Wenn Zorniger tatsächlich DER Mann ist, der die Spielidee, für die der VfB zukünftig stehen möchte, in sich vereint, war es schon wieder logisch just in dem Moment zuzupacken, als dieser frei wurde.
Ich denke da eher pragmatisch und sehe den Fußball als Tagesgeschäft und keine Planwirtschaft an. Dieses zuletzt doch funktionierende Gebilde auseinanderzureißen und ins Risiko zu gehen birgt Gefahren, wie man beim Wechsel von Stevens zu Veh gesehen hat, wobei man Veh wohl eher wegen der guten alten Zeit und nicht aufgrund eines ausgefeilten Zukunftsplans zurückgeholt hat.
Zorniger ist zwar nicht mein Wunschkandidat, als Co-Trainer fand ich ihn 2009 eher unscheinbar, seine Tätigkeit beim Brausehersteller machte ihn nicht sympathischer. Aber, wie jedem neuen, den der VfB vorstellt, gebe ich auch ihm vorbehaltlos die Chance mich zu überzeugen und wünsche uns allen, dass er für einen erfolgreichen Neuanfang beim VfB stehen wird.
Ob er im Gegensatz zu Leuten wie Thomas Tuchel, die auch im Gespräch waren, die für die Vereinsführung bequemere Lösung sein wird, glaube ich nicht einmal. Er hatte schon immer seinen eigenen Kopf und kann richtig unbequem werden zu Leuten, die nicht mitziehen oder seine Vorstellungen konterkarieren. Er steht für modernen Fußball mit schneller Balleroberung, schnellem Umschaltspiel und auch schnellen Abschlüssen, was sicher Zeit und auch geeignetes Personal erfordert, um dem VfB in naher Zukunft ein Facelifting zu verpassen.
Der Kaderumbau indes muss bereits vor dem ersten Training am 29.06.2015 vorangetrieben werden. Sensationell charmante Worte fand Dutt ja für die Ladenhüter, für die man bereits im Winter vergeblich Abnehmer suchte. Er nannte sie, Spieler, für die es keinen Markt gibt, man könnte auch sagen, der VfB war lange ein Auffangbecken für gestrandete Fußballer. Diese anzupreisen, neue zu holen, die für die neue Spielphilosophie stehen (sofern man im Unterbau keine findet) ist die vordringlichste Aufgabe im Sommer. Eine Frage auf der PK war auch, ob auf der Torhüterposition Handlungsbedarf bestehe, da Ulle ja nicht gerade für das schnelle, moderne Torwartspiel stehe, die Dutt allerdings erfolgreich und ohne eine Antwort darauf zu geben umschiffte. Zorniger wird auch hier hoffentlich eine klare Vorstellung haben, nur so zur Erinnerung, als Zorniger 2009 beim VfB war, hieß der Torwarttrainer Ebo Trautner, vielleicht eine Überlegung, ihn, der beim aufwärmen stets der erste war, dem Anfeuerungsrufe entgegenschallten, zurückzuholen, da sich alle Torhüter, die Andi Menger anvertraut wurden, meiner Meinung nach zurückentwickelt haben.
Als Co-Trainer bringt Zorniger André Trulsen mit, den ehemaligen Assistenten von Holger Stanislawski, der mittlerweile Filialleiter eines Hamburger Supermarktes ist. „Truller“ kenne ich hauptsächlich als St. Pauli-Ikone und Kultfigur, ob er ein guter Co-Trainer ist, wird sich zeigen. Als „Co“ muss er ohnehin vorwiegend dem Chef-Trainer zuarbeiten und sollte möglichst einen guten Draht zur Mannschaft aufbauen. Ein positiver Typ ist er und er wird auch keine allzu großen Akklimatisierungsprobleme bekommen, lebt er doch ohnehin bereits in Stuttgart.
VfB-Legende Günther Schäfer tauscht seinen Posten bei der VfB-Fußballschule gegen den des neu geschaffenen Teammanagers. Dabei soll er koordinative Aufgaben bei den Profis übernehmen, sich um Top-Talente des Nachwuchsleistungszentrums ebenso wie um ausgeliehene Spieler kümmern. Eine Aufgabe, die die ihm auf den ersten Blick wie auf den Leib geschneidert zu sein scheint. Schäfer verkörpert wie kaum ein anderer das VfB-Gen, von dem Dutt gestern immer sprach. Er ist sicherlich prädestiniert dafür, dieses Gen den Hoffnungsträgern von morgen einzuimpfen und sie zugleich auf dem Weg zum Profi begleiten und ein Auge darauf haben, dass sie bodenständig bleiben. Genauso wichtig ist es, verliehenen Spielern stetig klarzumachen, dass sie weiterhin ein Teil vom VfB sind und entgegen zu wirken, dass sie sich entfremden. Man hat es bei Kimmich gesehen, bei Schieber, bei Holzhauser, keiner wurde nach der Leihe wieder richtig warm mit dem VfB. Didavi bildet wohl auch nur deshalb eine Ausnahme, weil der VfB ihn nach seinen schwersten Verletzungen nicht fallen lassen hat und immer zu ihm stand. Die Gefahr war auch bei ihm groß, wusste Labbadia seinerzeit doch nichts mit ihm anzufangen.
Der ehemalige Bundesliga-Torwart Philipp Laux, unter anderem beim SSV Ulm 1846 aktiv, wurde zudem als Sportpsychologe vorgestellt. Bemerkenswert, dass der VfB sich modernen Herangehensweisen nicht mehr verschließt, gab es doch in der letzten Saison einige Momente, bei denen man den Eindruck hatte, „es helfe nur noch ein Psychologe“. Besonders veranschaulicht wurde uns dies bei diversen Interviews, wenn von mentalen Blockaden die Rede war.
Das Management-Team wird um Joachim Cast, der Scouting-Bereich um Guido Buchwald erweitert, wobei Buchwald vorwiegend den asiatischen Markt im Auge behalten und die Internationalisierung vorantreiben soll. Im Finanzressort wird es organisatorische Änderungen geben, im Aufsichtsrat der Nachfolger für Hansi Müller noch gesucht.
Und, schließlich wurde mit Philip Heise auch der erste Neuzugang für die kommende Saison bekanntgegeben. Der 23-jährige Linksverteidiger kommt vom 1. FC Heidenheim und soll auf Sicht eine der größten Schwachstellen im Team beheben.
Bis die tiefgreifenden Umstrukturierungsmaßnahmen erste Früchte tragen, wird (natürlich) einige Zeit ins Land ziehen. Diesen Scherbenhaufen, den wir ständig wechselndem Personal zu verdanken haben, aufzukehren, das geht leider nicht von heute auf morgen, so dass wir noch von mindestens einem weiteren Übergangsjahr ausgehen müssen. Als Saisonziel wurde ein gesicherter Mittelfeldplatz ausgegeben, von mehr zu träumen verbietet sich in Anbetracht der letzten Jahre ohnehin.
Der Verein stellt sich neu auf, hoffentlich der Aufsichtsrat auch. Es kann nicht sein, dass ein Dr. Joachim Schmidt als heimlicher Präsident in der Außendarstellung wahrgenommen wird, weil er, wie nach der Bobic-Entlassung gesehen, auch so auftritt. Der Aufsichtsrat muss sich auf seine eigentlichen Aufgaben rückbesinnen, den Vorstand zu kontrollieren und bestenfalls noch den finanziellen Rahmen vorgeben und ansonsten einfach mal die Klappe halten. Wer von diesen Herren den Stuttgarter Medien bereits Anfang März ausgeplaudert hat, dass Zorniger als Trainer feststehe, muss gefunden und zur Rechenschaft gezogen werden. Der Aufsichtsrat muss des Weiteren zukünftig ausschließlich zum Wohle des Vereins agieren, es muss aufhören, dass jeder sein eigenes Süppchen kocht und lediglich das Beste für seinen ursprünglichen Arbeitgeber im Blick hat. Zahlt Porsche als Hauptsponsor eines Tages wirklich mehr als der Daimler, dann müssen gewisse Personen eben über ihren Schatten springen oder den Posten beim VfB aufgeben, bevor sie Interessenskonflikten unterliegen.
Der Nachfolger von Hansi Müller, bei dem es mich noch immer brennend interessieren würde, welchen Teufel ihn geritten hat bei Servus-TV den zukünftigen VfB-Trainer auszuplaudern, wird noch gesucht. Zumindest dementiert wurde der Name Thomas Hitzlsperger nicht. Ich würde mich freuen, ihn wieder beim VfB begrüßen zu dürfen, habe aber meine Zweifel, ob dieser Posten tatsächlich das ist, was er machen möchte, in noch relativ jungen Jahren. Müller ist für mich trotzdem so etwas wie das Bauernopfer, die wahren Probleme im Aufsichtsrat stecken tiefer, der Maulwurf vermutlich noch immer da.
Das Commando Cannstatt stellt in seinem Saisonfazit, wie bereits zum Ende der letzten Saison, fest, dass nichts erreicht sondern nur verhindert wurde. Wahre Worte! Sie stellen den unglaublichen und gelebten Zusammenhalt in der gesamten Fanszene heraus, dessen Anteil am Klassenerhalt nicht zu unterschätzen ist. Welch ein beeindruckendes Bild, „ganz in rot“ auf Schalke oder „ganz in weiß“ gegen den HSV, welche Lautstärke im Neckarstadion herrschte, wie knapp 2.000 VfBler am Samstag das Spiel in Paderborn fast zu einem Heimspiel werden ließen, das war schon tief beeindruckend und bestärkt einen immer wieder darin, Teil des geilsten Clubs der Welt zu sein.
Das CC strich auch heraus, was ich schon vor ein paar Wochen geschrieben habe, dass wir Fans es uns nicht länger bieten lassen sollten, dass ewig so weiter gewurstelt wird und wir dem Verein bei der Aufarbeitung dieser Saison tunlichst mehr auf die Finger schauen sollten als zuletzt.
Die gestrige Pressekonferenz war ein erster Schritt in die richtige Richtung. Dem „Bla-Bla“ müssen jetzt jedoch Taten folgen. Dutt als der neue starke Mann, der gestern auf mich einen guten Eindruck machte, muss sich jetzt beweisen, von nun an werden wir auch ihn an seinen Taten messen. Wie Zorniger auf seinem Posten, hat nämlich auch Dutt als Sportdirektor noch nichts erreicht, seine Nagelprobe kommt jetzt, beginnend mit dem gestrigen Tag. Auch durch die vernichtende Kritik seiner Vorgänger hat er die Messlatte für sich sehr hoch gelegt, die Nachhaltigkeit der eingeleiteten Maßnahmen wird zu gegebener Zeit zu überprüfen sein.
Der VfB wird runderneuert, wir befinden uns in der Stunde null, auch wenn der Super-GAU gerade noch abgewendet wurde. Getreu dem Motto „Jeder Tag ist ein neuer Anfang“ hat auch unsere (neue) Führungscrew diese neue Chance verdient. Auf der PK wurde das Vorhaben geäußert wieder näher an die Basis heranzurücken und transparenter zu arbeiten, so dass wir hoffentlich über die Fortschritte der einzuleitenden Maßnahmen auf dem Laufenden gehalten und genau beobachten können, wie die Erfolgskontrolle und ggf. Korrekturmaßnahmen aussehen. Nur wenn hier vehement am Ball geblieben wird, die sich auf die Fahnen geschriebenen neuen Leitsätze konsequent verfolgt werden und das Personal, das diese umsetzen soll, permanent und kontinuierlich hinterfragt wird und sich auch selbst hinterfragt, wird es wieder aufwärts gehen und nur dann werden wir zukünftig wieder mehr Freude an und mit unserem VfB haben.
Nicht nur die Herren Profis haben sich nach dieser Saison Urlaub und Erholung verdient, auch wir Fans. Das Gefühlschaos in den letzten Wochen war anormal und einfach nur anstrengend. Trotzdem graut es einen schon wieder vor elf Wochen Bundesligapause. Die Hoffnung ist zwar da, dass es eine kurzweilige Zeit wird, weil der VfB für knapp zehn Spieler, die keine Zukunft beim VfB mehr haben sollen, doch einen Markt findet, weil man einige Spieler, die tatsächlich auch für Aufbruch in ein neues Zeitalter stehen, für sich gewinnen kann. Ob es sich bewahrheitet und es noch vor Amtsantritt Zornigers Vollzugsmeldungen kommen, wird man sehen. Bis Mitte Juni stehen zumindest noch die Relegationsspiele sowie DFB-Pokal- und Championsleague-Endspiel wie auch noch Länderspiele auf dem Programm, so dass es bis dahin nicht langweilig werden dürfte.
Vor allem auf die Relegation bin ich sehr gespannt. Es ist diese Konstellation, die ich mir wünschte, zumindest nachdem klar war, dass der KSC Zweiter oder Dritter wird, da ich, bei allem Respekt, weder Darmstadt 98 noch dem 1. FC Kaiserslautern es zugetraut hätte, den HSV zu besiegen. Mit dem KSC, so meine ich, könnten die Hamburger richtige Probleme bekommen.
Daher haben wir jetzt eine Konstellation, bei der ich, so komisch es klingen mag, für keinen aber gegen beide bin. Beim KSC freue ich mich, wenn er in der 2. Liga hängen bleibt und weiter an Boden auf uns verliert, beim Abstieg des HSV fiele endlich diese blöde Bundesliga-Uhr und das Dino-Gehabe weg. Wie der VfB im Grunde auch, hätte der HSV den Abstieg mittlerweile mehr als verdient. Auf der anderen Seite würde mir das Auswärtsspiel in meiner deutschen Lieblingsstadt sehr fehlen, so dass ich ihnen höchstens ein Jahr Abstinenz vom Oberhaus gönnen würde.
Auf der anderen Seite ist der Reiz eines Derbys gegen den KSC in der nächsten Saison groß. Diese Spiele sind doch das Salz in der Suppe. Leider wurden diese Spiele, vor allem seit Ende der 1990er-Jahre, immer mehr zu einem Krieg hochstilisiert, so dass man sich vor allem im Wildpark seines Lebens kaum mehr sicher sein kann, wenn man daran denkt, was schon 2009 dort ablief und die gegenseitige Abneigung seither eher noch größer geworden ist. Für mich hört da der Spaß auf, meinetwegen können sich Gleichgesinnte die Köpfe einschlagen, wenn sie eben Unbeteiligte, die lediglich ihre Farben vertreten und Fußball schauen möchten, in Ruhe lassen.
Am 10.06. folgt dann bereits die erste Weichenstellung für die kommende Saison, die erste DFB-Pokalrunde wird in Reutlingen ausgelost. Auch auf diesen Tag fiebere ich hin und hoffe auf ein kultiges Stadion. Erstrundenspiele bei unterklassigen Vereinen üben auf mich einen großen Reiz aus. Der Fußball ist dort meist ursprünglicher, das Bier billiger, der VfB Gast zum Spiel des Jahres und hoch gewonnen wird auch noch meistens.

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24. Mai 2015

Gerettet! Danke, Huub!

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , – Franky @ 12:18

Jaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaa, wir habens geschafft. Wie oft in dieser Saison hielt man diesen Moment für ausgeschlossen. Gurkentruppe, Kindergarten, Anfängerfehler, kein Team, Kluft zwischen Team und Fans. Dazu der Hinschmiss von Armin Veh, der sich wie ein Schuss ins Kontor anfühlte. Vorher schon die längst überfällige Entlassung Bobic‘ zur Unzeit, so dass wir nicht nur ohne Sportdirektor da standen sondern ein möglicher neuer Mann auch nicht mehr viel ausrichten konnte.
Stevens war zwar nicht lang weggewesen, trotzdem war von der Stabilität des Teams, wie er es im Mai 2014 hinterlassen hatte, nichts mehr zu erkennen. Vogelwild rannte die Truppe nach vorn und vergaß dabei, dass Verteidigen auch zum Geschäft gehört. Dass er es nie schaffte, sein Credo „die Null muss stehen“ lag weniger an seinen Trainerfähigkeiten als an Unkonzentriertheiten und immer wieder kehrenden individuellen Fehlern einzelner Spieler, die einen Trainer nur wahnsinnig werden lassen. Kommt dann noch Unvermögen im Angriff dazu, hast Du die Situation, dass sich Niederlage an Niederlage reiht.
In der Winterpause wurde erst Robin Dutt als Sportdirektor installiert, dessen erste Verpflichtung Serey sich als Volltreffer entpuppte. Anstatt Schönwetterspieler wie bspw. Leitner hatte man plötzlich einen „Krieger“, einen Kämpfer, der dazwischen haut, einfach einer, der uns gefehlt hat.
Trotzdem, auch dem schweren Auftaktprogramm geschuldet, wurden keine Punkte eingefahren. Das einzige, das ich Stevens in dieser Saison vorwerfe, ist, dass er, gerade wenn man anfangs Heimspiele gegen Gladbach, Bayern und Dortmund hat, in den Auswärtsspielen in Köln und Hoffenheim und auch zu Hause gegen Hertha durch eine übertrieben defensive Ausrichtung Punkte verschenkt wurden. Ein bisschen spät, aber, besser spät als nie, erkannte Stevens, dass damit kein Blumentopf zu gewinnen ist und änderte die Aufstellung sukzessive. In die Karten spielte ihm, dass Ginczek nach Kreuzbandriss und später auch, doch sehr überraschend, Daniel Didavi, der bereits in der letzten Saison einen großen Anteil an der Rettung hatte.
Viel, was wir in dieser Saison durchmachen mussten, war hausgemacht. Die Aufarbeitung der letzten Saison, wo wir schon mit einem blauen Auge davongekommen sind, ist komplett ausgeblieben. Die Naivität, wie man in diese Saison gegangen ist, treibt mir noch immer die Zornesröte ins Gesicht. Armin Veh wurden nach seiner Aufgabe (vielleicht auch Rausschmiss!!!) genau die gleichen Wesenszüge nachgesagt, wie nach seiner ersten Entlassung, laissez-faire, Lebemann, nicht der fleißigste, um es charmant auszudrücken. Ich denke mal, es hat sich keiner in Frankfurt bei Heribert Bruchhagen erkundigt, ob er sich in den letzten Jahren grundlegend geändert. Zudem war nach der letzten Saison klar, dass die Abwehr stabilisiert werden muss, was man ihm verwehrte, weil kein Geld da war. Ich weiß ja nicht, was man ihm vor der Saison alles versprochen hat und weshalb er den vermeintlich sicheren Posten bei einem solide arbeiten Verein wie Frankfurt für das Himmelfahrtskommando beim VfB aufgegeben hat, vermutlich war es das Blaue vom Himmel. Ich denke, beide Seiten schwelgten in der Nostalgie vergangener Tage und vergaßen dabei die Gegenwart.
Ab dem Hannover-Spiel Ende Februar sprang Huub Stevens über seinen Schatten und ließ mutiger nach vorne spielen. Dass im Offensivbereich Qualität vorhanden ist, hat man ja auch schon in der Vorrunde gesehen. Defensivaussetzer blieben zwar weiterhin an der Tagesordnung, aber, man hatte auch immer die Hoffnung, dass man doch vorne ein Tor mehr schießen kann, als man hinten zulässt. Dennoch war lang zu befürchten, dass dies nicht ausreichen würde. Man hatte einfach keine Blinden in der Liga wie in der letzten Saison, als Braunschweig, Nürnberg und der HSV allesamt ihre letzten fünf Spiele verloren. Irgendwann fingen die Kellerkinder an zu punkten und die Luft für den VfB wurde immer dünner. Spätestens nach dem Nackenschlag gegen Schalke, als man die Führung noch völlig unnötig aus der Hand gab, war die Messe für mich fast gelesen. Natürlich kann auch ich rechnen und war mir sicher, würden wir die letzten drei Spiele gewinnen, dass es dann reichen würde. Aber, man fragte sich zunehmend, wie man überhaupt noch ein Spiel gewinnen wolle, wenn man jeden Gegner so zum Toreschießen einlädt. Schalke hatte in den letzten 2 ½ Monaten gerade gegen uns und gegen Paderborn gewonnen, was Bände spricht.
Gegen Mainz profitierten wir von einem Gegner, für den es um nichts mehr ging, aber, diesen Sieg hat sich die Mannschaft erarbeitet, weil sie wusste, was die Stunde geschlagen hat und Mainz eben dieses Mal nicht dazu einlud, mehr zu tun, als sie unbedingt vor hatten. Dann das nächste Endspiel gegen den HSV, wo wir klar die bessere Mannschaft waren und sie eigentlich hätten abschießen müssen, um eine noch bessere Ausgangsposition für den Showdown zu haben. Dennoch, die drei Punkte waren die unseren, das Team hat sich das Endspiel in Paderborn verdient.
Und dann schließlich gestern, ein Spiegelbild der Saison. Früher Nackenschlag, das darf doch nicht wahr sein. Wir lagen am Boden, schüttelten uns kurz und ließen kaum einen Zweifel zu, dass wir in die erste Liga gehören.
Sensationeller Support auf der Tribüne, von den Paderbornern nix zu hören. Es gibt nix Schöneres als fern der Heimat mit so vielen Gleichgesinnten zu leiden, zu zittern,, zu hoffen und schließlich zu jubeln. Außenstehende werden das wohl nie nachvollziehen können, welche Emotionen dabei freigesetzt werden. Nach dem frühen 1:0, Gott sei Dank so früh, hatte ich dieses Mal trotzdem keine großen Zweifel, dass es schief gehen könnte. Das Team, vor allem das magische Viereck Didavi, Harnik, Kostic, Ginczek und dahinter noch Serey Die, hat in den letzten Spielen mein Vertrauen zurückerobert, so dass immer davon auszugehen war, dass wir das Ding noch drehen. Didavi erzielte zum richtigen Zeitpunkt den so wichtigen Ausgleich, Ginczek nach Zuckerpass von Alexandru Maxim den Siegtreffer. Die Gefühle, die da in einem brodelten sind nicht zu beschreiben, da kullerte dann auch schon die eine oder andere Träne.
Jetzt gilt es, die Füße nicht hochzulegen sondern Fehleranalyse zu betreiben. Der Umbruch im Kader ist alternativlos. Hochbezahlte Ergänzungsspieler muss man loswerden und durch junge aufstrebende Talente ersetzen. Leistungsträger müssen gehalten werden, langjährige Ikonen in Frage gestellt werden, vor ihnen darf der Umbruch nicht Halt machen.
Wie Dutt gerade im Doppelpass bestätigte, sieht Huub Stevens seine Mission auf dem Wasen als erledigt an. Ob man von Vereinsseite Anstrengungen unternahm, ihn umzustimmen, davon sprach Dutt nicht! Ich bedauere das sehr, finde ich doch, dass Stevens für diese Truppe der genau richtige Mann ist. Kaum einer findet so das richtige Maß zwischen Zuckerbrot und Peitsche, kaum einer spielt so mit der Presse und fokussiert das Interesse auf sich, um den Druck von der Mannschaft zu nehmen. Dann wird es also wohl Zorniger, Typ Trainertalent, Konzepttrainer und für mich im Moment nur das nach Veh nächste Hirngespinst der VfB-Bosse. Fußball ist Tagesgeschäft und keine Planwirtschaft, so dass es für mich unverständlich ist, ohne Not ein zuletzt funktionierendes Gebilde auseinanderzureißen, zumal Stevens noch nie die Möglichkeit hatte, selbst groß in die Kaderplanung einzugreifen.
Neben Paderborn steigt also auch der SC Freiburg in die 2. Liga ab. Ich finde es eigentlich schade, natürlich ist der Gästeblock dort scheiße, aber, sonst finde ich es immer recht nett dort. DAS Heimspiel meiner badischen VfB-Freunde fällt weg, was ich schon bedauere. Vielleicht lässt ja Robin Dutt seine Kontakte nach Freiburg spielen, die haben doch ein paar Spieler, die interessant für uns sein könnten. Allen voran Keeper Bürki, wie man weiß sähe ich Ulreich am liebsten abgelöst, aber auch Leute wie Mehmedi und Jonathan Schmid, bei denen man abwarten muss, ob sie für Freiburg auch in der 2. Liga auflaufen werden.
Das Hauptaugenmerk muss aber auf die Viererkette gelegt werden. Sollte Rüdiger tatsächlich mit dem Weggang liebäugeln und ein unmoralisches Angebot auf der Geschäftsstelle eingehen, darf man zumindest drüber nachdenken. Nicht weil ich ihm jetzt nicht noch Steigerungspotential zutrauen würde. Er erinnert ein wenig an Boateng in jungen Jahren und macht einen motivierten und lernwilligen Eindruck. Für die Stabilität unserer Innenverteidigung wäre ein erfahrener Mann notwendig wie früher Bordon, auch die Außenverteidigerpositionen stehen zur Diskussion und bergen viel Steigerungspotential.
Hoffen wir darauf, dass Dutt unsere Ladenhüter an den Mann bringt und Geldmittel auch nicht erst zur Verfügung stehen, wenn für diese ein Abnehmer gefunden wurde. Der Verein darf jetzt keine Zeit verlieren. Bobic meinte zwar immer, im Schlussverkauf mache man die besten Schnäppchen, was sich aber als Trugschluss herausstellte.
Jetzt aber dürfen wir uns erst mal freuen. Bin noch immer glückselig und kriege Gänsehaut, wenn ich an gestern im Block denke. Einfach geil, unbeschreiblich, phänomenal, glücklich. Danke Huub, ein zweites Mal, und auch ein zweites Mal richtig traurig, dass er schon wieder Geschichte ist.

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