28. März 2014

Damit das Mögliche entsteht, muss immer wieder das Unmögliche versucht werden (Hermann Hesse)

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , , , , – Franky @ 17:04

Ich gebe es zu. Auch ich habe auf der Rückfahrt von Nürnberg in den Abgesang unseres VfB in die 2. Liga mit eingestimmt. Zu erschütternd die Vorstellung, zu hilflos die Körpersprache der Spieler, die es letztlich richten müssen.

Wer hoffte, aus dem Ende der Sieglosserie gegen den HSV wäre neuer Mut geschöpft worden, musste sich prompt eines Besseren belehren lassen. Gegen einen Gegner, der seinerseits mit vier Niederlagen am Stück angetreten ist, ließ man sich nach einer Viertelstunde bereits nach und nach den Schneid abkaufen und nahm den Abstiegskampf gelinde gesagt nicht an. Der VfB war an Passivität nicht zu überbieten und überließ den Nürnbergern fast kampflos das Feld. Zwei einigermaßen ernsthafte Torschüsse in 90 Minuten, in einem solch existentiell wichtigen Spiel, dafür fehlen mir eigentlich immer noch die Worte.

Wenn die einzelnen Spieler schon nicht wegen uns Fans, schon gar nicht wegen sich selbst, für ihre fürstliche Entlohnung alles daran setzen, den größtmöglichen Schaden vom Verein abzuwenden, dann sollten sie wenigstens für die Firma VfB, für die Mitarbeiter, denen sie tagtäglich begegnen, kämpfen. Ein Abstieg würde u. a. Personalabbau auf der Geschäftsstelle und in anderen Bereichen bedeuten, und das von Leuten, denen es bei weitem nicht so gut geht, wie den Herren Profis.

Immer mehr beschleicht mich das Gefühl, dass diese Truppe in dieser Zusammenstellung untrainierbar ist. In der Winterpause hätte man vielleicht noch entgegensteuern können, den einen oder anderen faulen Apfel aussortieren und stattdessen einen willigen Leitwolf holen können. Welchen Wert bspw. ein Julian Schuster in Freiburg für diese Rasselbande dort hat fasziniert mich immer wieder. Er wäre ein Spieler gewesen, dessen Vertrag ausgelaufen wäre (er hat kürzlich erst verlängert), dem man eventuell eine Rückkehr hätte schmackhaft machen können. Dies ist jetzt nur ein Beispiel, dass ein charakterlich einwandfreier Spieler mit Führungsqualitäten nicht unbedingt teuer sein muss!

Alles lamentieren hilft uns jetzt aber nicht weiter. Nach Schließen des Transferfensters war klar, dass Schneider, Bobic & Co. diesem Kader ihr Vertrauen schenkten und wir wohl oder übel damit über die Runden kommen müssen. Auch wenn momentan wenig für den Klassenverbleib spricht, muss bis zum letzten Blutstropfen und solang der Käs rechnerisch noch nicht gegessen ist, alles versucht werden, um das Unheil abzuwenden.

Mein heutiger Titel „Damit das Mögliche entsteht, muss immer wieder das Unmögliche versucht werden“ sollte in der Kabine aufgehängt werden, damit es sich jeder verinnerlicht. Jeder Tag ist ein neuer Anfang, jeder Anpfiff eröffnet ein neues Spiel mit zunächst einmal den gleichen Chancen für beide Mannschaften. Jedes Spiel beginnt bei 0:0, kein Team, außer vielleicht den Bayern, ist unschlagbar. Jeder hat mal einen schlechten Tag, warum nicht gegen uns. Diesen hat jedoch kein Team von vornherein. Jede Mannschaft, die den Platz betritt, hat zunächst einmal vor, diesen wieder als Sieger zu verlassen. Wir müssen es uns erarbeiten, dass ein Gegner nachlässt und sich im Laufe des Spiels womöglich mit einer Niederlage anfreundet. Das geht allerdings nur über bedingungslosen Einsatz, volle Konzentration und mit der Bereitschaft Fehler der Mitspieler auszubügeln und über die Schmerzgrenze. Tugenden, die uns zuletzt völlig abgingen, die man aber von einem Profi erwarten kann und auch erwarten muss. Da es alle schon gezeigt haben, dass sie es besser können, ist auch bei uns noch nicht aller Tage Abend.

Ich habe mal zusammenfasst, was meiner Ansicht nach für und was gegen den Abstieg spricht und dabei natürlich das so wichtige Spiel morgen gegen Borussia Dortmund in den Vordergrund gestellt.

Pro: wer in Nürnberg so blutleer agiert, hat es nicht begriffen und hat keine Existenzberechtigung in der Bundesliga. Gentner (einige haben es nicht begriffen) und Rüdiger (nur 90% gegeben) mit ihren Statements machen mir Angst.

Der VfB hat in dieser Saison noch kein überzeugendes Spiel über 90 Minuten abgeliefert.

Die vielen späten Gegentore, die vielen Jokertore des Gegners, ein Indiz von schlechter Kondition und fehlender geistiger Frische und Flexibilität. Im Trainingslager wurde zwar Robben Island besichtigt, genügend trainiert aber nicht.

In der Winterpause wurde ein potentieller Stabilisator wie Kvist abgegeben. Moli, der zumindest für die Stimmung im Team gut war, verkauft und keinen Ersatz geholt. Wir haben keine Mannschaft auf dem Platz, die sich hilft, lauter kleine Grüppchen und Ich-AG’s, denen es größtenteils wohl wirklich am A… vorbei geht, wenn der VfB absteigt. Die heuern eben beim nächstbesten Club an und treiben dort ihre Spielchen weiter.

Das ist auch das, das mir am meisten Angst macht. Viele werden jetzt schon mit dem Kopf mehr beim nächsten Arbeitgeber sein, als hier ihre verdammte Pflicht zu tun.

Kontra:

Wir haben noch vier Heimspiele. Mit vier Heimsiegen wären wir ziemlich sicher gerettet. Der Heimfluch muss besiegt werden, Hamburg als guten Anfang sehen. Ganz wichtig, morgen gegen Dortmund: agieren wir wie das Kaninchen vor der Schlange, kassieren wir die nächste Packung. Gelingt es aber Präsenz in den Zweikämpfen zu zeigen, hart und nicht unfair, einfach den Dortmundern klar zeigen, dass es den Sieg nicht umsonst gibt, wer weiß, ob dann nicht der eine oder andere lieber zurückzieht, möchte er doch am Dienstag bei Real dabei sein. Gut möglich auch, dass Klopp, der sich bei den jüngsten Aufeinandertreffen massiv über unsere harte Gangart beschwert hat, den einen oder anderen vorsorglich gleich draußen lässt. Das müssen wir ausnutzen. Gestern hat mich stutzig gemacht, dass viele meinten „wer weiß, vielleicht holen wir ja einen Punkt gegen den BVB“. Zum einen helfen uns nur noch Siege weiter, zum anderen darf man aber gerade das der Mannschaft nicht vermitteln. Eher mal Videoanalyse betreiben, wie es der HSV geschafft hat, 3:0 gewinnen, übrigens auch vor einem CL-Spiel. Das muss der Anspruch sein, die Heimspiele zu gewinnen. Selbst die Bayern hatten wir ja lange am Wickel!

Wenn man den Worten von Bobic gestern Glauben schenken darf, hat die Mannschaft Stevens nach dem Nürnberg-Spiel so richtig kennengelernt. Absolute Fokussierung auf den Beruf, keine Privattermine bis auf weiteres und ein rauer Umgangston herrschen wohl seitdem. Hat die Mannschaft auch nur einen Hauch von Charakter, wird sie anders auftreten als in Nürnberg.

ZUSAMMENHALTEN, die Fans werden, wie gegen Hamburg ja auch, wie ein Mann hinter der Mannschaft stehen und alles mögliche versuchen, der Mannschaft zu helfen. An der Unterstützung wird es bei allen restlichen Spielen nicht mangeln. Auf der anderen Seite bleiben die Dortmunder Ultras lieber zu Hause und schauen ihre Amateure gegen Preußen Münster, Protestaktion wegen der überhöhten Eintrittspreise und, aus ihrer Sicht, Top-Zuschlag in jedem Spiel. Der Gästeblock wird zwar dennoch voll sein, gibt ja auch genügend Majas hier um die Ecke, ob die gleiche Stimmung dort herrschen wird, sie sich sogar wegen Uneinigkeit kloppen, werden wir sehen. Wir sind das Heimteam, also haben die sowieso keine Chance, akkustisch die Oberhand zu gewinnen.

Fragt sich, welche Argumente sich durchsetzen. Ich bin von der Mannschaft und damit von fast allen Spielern maßlos enttäuscht, aber die müssen es eben jetzt für uns richten. Notfalls noch eine attraktive Nichtabstiegsprämie ausloben (wäre zumindest weitaus günstiger als ein Abstieg), die den Spielern Beine macht, anders erreicht man einen Großteil der Söldner leider nicht mehr. Trotzdem sehe ich bei den vier Heimspielen durchaus eine Chance, nur, morgen muss einfach mal ein deutliches Signal gesetzt werden. Über den Kampf ins Spiel finden und nicht versuchen, den Dortmundern in technischer Hinsicht ebenbürtig zu sein. Da liegen nämlich Welten zwischen dem Champions League Finalisten und unseren Rumpelfußballern!

Mein Fazit: die Lage ist düster und doch nicht ganz aussichtslos!

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2. November 2013

Heja BVB, Oje VfB!

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , – Franky @ 11:49

Bilder vom gestrigen Debakel sind jetzt online. Glückwunsch BVB zu einem tollen Spiel bei wie immer einer klasse Atmosphäre.

Danke VfB für Nichts. Wenn man mit der Naivität einer Knabenmannschaft zu Werke geht und ständig am hinterherlaufen ist, kann man in Dortmund nichts ernten. Zu viele Totalausfälle in der Truppe, der BVB auf jeder Position besser besetzt. So heißt es, den Blick nach unten zu richten und hoffen, dass Braunschweig, Freiburg und Nürnberg die Punktelieferanten der Liga bleiben. Erste Gelegenheit ein Polster nach unten aufzubauen böte sich heute in acht Tagen. Doch, mittlerweile hat es sich in der Liga herumgesprochen, wie (einfach) dem VfB beizukommen ist, zu ausrechenbar sind wir mittlerweile. So halte ich heute nicht einmal für ausgeschlossen, dass der SCF gegen uns leicht und locker seinen ersten Saisonsieg einfahren könnte. Ich hoffe natürlich, dass es nicht so weit kommen wird, zumal das Auswärtsspiel in Freiburg von der Papierform her noch das leichteste der kommenden Begegnungen ist. Angesichts der Heimschwäche und der dann noch ausstehenden Auswärtsaufgaben in Schalke und in Wolfsburg könnten wir uns bis Weihnachten in ganz ungemütlichen Tabellengefilden wieder finden, sollte nicht ganz schnell eins Ruck durchs gesamte Team gehen!

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31. März 2012

4:4 gewonnen!

Eines vorneweg: wenn man sich bei manch leidenschaftsloser Vorstellung fragt, weshalb man es sich antut, der Mannschaft überall hinterher zu reisen, um sich doch nur zu ärgern, so kann man nach dem gestrigen Abend festhalten, dass es genau diese Momente sind, wofür es sich lohnt, diesem wunderbaren Sport zu frönen. Ein Spiel, an Dramaturgie nicht zu überbieten. Und das in dem Fußballtempel in Deutschland schlechthin, dem Westfalenstadion in Dortmund. Am Ende gab es nur Gewinner. In vorderster Front natürlich der Fußball im Allgemeinen, die 80.720 Zuschauer, die diesem Spektakel beiwohnen durften und natürlich die Protagonisten in kurzen Hosen, die allerbeste Unterhaltung boten. Es war Gänsehaut pur, die einen den ganzen Abend begleitete. Selbst als wir in Rückstand lagen und die Dortmunder in Feierlaune waren. Die Schwarz-Gelben muss man einfach lieb haben, wenn man die Atmosphäre und die Schwarz-Gelbe Wand mit 30.000 Fans in der Südtribüne einmal erlebt hat. Dann die unfassbaren Glücksgefühle in unserem Block als der VfB innerhalb kürzester Zeit aus dem 0:2 ein 3:2 machte. Und, das an Emotionalität nicht zu überbietende Ende als Gentner in der Nachspielzeit zum 4:4 traf. Da nahmen wir auch die unfreiwilligen Bierduschen beim Torjubel gerne in Kauf.

Die Fahrt nach Dortmund begann für uns gegen 13 Uhr, als wir in Heimsheim den vom RWS Berkheim gecharterten Bus bestiegen und voller Vorfreude die Reise antraten. Schnell holte uns der ganz normale Wahnsinn am Freitagnachmittag auf Deutschlands Straßen ein. Es begann ja auch die erste Osterreisewelle, so dass wir schon bei Pforzheim den ersten von unzähligen Staus zu durchfahren hatten. Zwischenzeitlich hatte ich große Bedenken, überhaupt etwas vom Spiel zu sehen, so zäh zog sich die Fahrt hin. Etwa eine dreiviertel Stunde vor Spielbeginn erreichten wir Dortmund dann und reihten uns in den Stadionstau ein. Unser Busfahrer dachte dann besonders schlau zu sein, vertraute seinem Navi und ließ die Richtung Parkplatz abbiegenden rechts liegen, so dass wir uns plötzlich im Dortmunder Innenstadtverkehr wiederfanden. So sah ich unsere Felle immer mehr davon schwimmen und fühlte mich bestätigt, dass die Abfahrtszeit 12 Uhr in ES-Berkheim an einem Freitag recht knapp gewählt war. Nach einer kleinen Stadtrundfahrt hatten wir den rechten Weg wieder eingeschlagen und standen auf der Brücke über die Bundesstraße, Richtung Busparkplatz im Stau, ehe der Busfahrer, nach Rücksprache mit der vor uns fahrenden Polizei, ein Einsehen hatte und uns aussteigen ließ. Den Weg zum Gästeblock bewältigten wir im Laufschritt, die Ordner an den Eingängen hatten Verständnis für unsere Eile und beschränkten die Abtast- und Durchsuch-Prozeduren aufs Nötigste. Im Stadion angekommen lief bereits You’ll never walk alone, was darauf hindeutete, dass der Einlauf der Gladiatoren unmittelbar bevorstand. Erst mal kurz durchatmen, geschafft…

Da wir für dieses Spiel Stehplatztickets hatten, war es natürlich äußerst ungünstig, so spät einzutreffen. Die Gänge im Stehblock waren nicht mehr als solche zu erkennen, so dass wir kaum rein kamen. Die wenigen Ordner hatten offensichtlich bereits aufgegeben, wenigstens die Gänge freizuhalten und die Leute zum durchgehen zu bewegen. Die ersten Augenblicke nach dem Eintreffen wollte ich nutzen, noch ein Bild von der Schwarz-Gelben Schalparade zu schießen, was genügte, meine Leute aus den Augen zu verlieren. Nachdem ich mich mit anderen Berkheimern bei den Ordnern beschwert hatte, dass es ja unmögliche Zustände wären, führten sie uns unten in den Stehplatzbereich, wo ich mich dann während der ersten Halbzeit aufhielt. Nicht optimal und schlechte Sicht, da ständig Ordner und Polizei vor einem herumturnte und das Gedränge auch immer größer wurde. Aber, darüber regte ich mich nicht groß auf. Weiß man doch, wenn man ein Stehplatzticket wählt, dass es sich empfiehlt, frühzeitig seinen Platz einzunehmen.

Ich fuhr durchaus optimistisch in den Ruhrpott. Der VfB erreichte in den letzten beiden Begegnungen gegen den BVB jeweils ein 1:1, was ich auch für dieses Aufeinandertreffen tippte. Beide Male war Dortmund favorisiert, doch der VfB schaffte es jeweils mit Glück und Geschick einen Punkt zu erringen, was ich als Vorzeichen sah, dass wir uns möglicherweise zum Dortmund Angstgegner aufschwingen könnten. Das Spiel begann wie erwartet. Mit druckvollen Dortmundern, die die VfB-Abwehr von einer Verlegenheit in die nächste stürzten. Der BVB presste früh und zwang den VfB mit seinem druckvollen Hochgeschwindigkeitsfußball in die Defensive und kam zu ersten Chancen. Mit eigenen Nadelstichen in der Offensive (Schieber muss das 0:1 machen) zeigte der VfB dem Tabellenführer aber, dass er sich nicht zu sicher fühlen darf. Dennoch hatte der BVB natürlich ein deutliches Chancenplus. Ulreich, das Aluminium und mehr als einmal unser Turm in der Schlacht, Schorsch Niedermeier, verhinderten den frühen Rückstand. Nach etwa einer halben Stunde hätte der VfB allerdings einen Elfmeter bekommen können, wenn nicht müssen, als Weidenfeller Ibisevic in aussichtsreicher Position legte. Bitter, denn ein möglicher Elfer hätte auch die Rote Karte für Weidenfeller nach sich ziehen müssen. Trotzdem muss ich sagen, dass mir die Spielleitung von Schiri Weiner gefiel, ließ er doch viel laufen, was dem Spielfluss gut tat.

Kurz darauf war es dann aber um den VfB geschehen. Kehl legte für Kagawa auf, der den Ball unter die Latte drosch. Aufgrund des Chancenplus des Meisters eine verdiente und auch fällige Führung. Bis zur Pause passierte dann nicht mehr allzu viel. Dortmund hatte das Spiel zu diesem Zeitpunkt gut im Griff. Die Pause nutzte ich zum Plausch mit einigen Bekannten und einem zweiten Versuch von oben in den Stehplatzbereich zu gelangen, was dieses Mal auch funktionierte.

Auch die zweite Hälfte begann der BVB furios. Bei Pisczceks Pfostenknaller hatten wir noch das Glück des Tüchtigen, nur eine Minute später aber bezwang Kuba Sven Ulreich zum vermeintlich vorentscheidenden 2:0. Dortmund sah zu diesem Zeitpunkt wie der sichere Sieger aus. Ich hoffte nur, dass es jetzt kein Debakel gibt, Chancen dazu waren für den BVB vorhanden. In der 61. Minute kam dann der längst überfällige Wechsel auf unserer linken Abwehrseite. Molinaro wurde für Boka aufs Feld geschickt, der einmal mehr völlig überfordert war. Kuba und Pisczcek spielten zeitweise Katz und Maus mit ihm, der ständig in die Mitte zog anstatt seine Seite zuzumachen. Wie schon gegen den Club eine grottenschlechte Vorstellung unserer Nummer 15. Mit Molinaro kam mehr Stabilität auf dieser Seite rein. Mitte der zweiten Hälfte bekam man den Eindruck, dass Dortmund einen Gang zurückschalten und der VfB noch einmal seine Chance suchen wollte. Kvist setzte mit seinem satten Pfostenschuss ein erstes Ausrufezeichen, Ibisevic hatte kurz darauf eine gute Kopfballchance. Dann folgte die Zeit der spielentscheiden Wechsel. Beim VfB kam Christian Gentner für Hajnal, bei Dortmund Bender für Gündogan. Ich hatte den Eindruck, dass dem BVB mit der Auswechslung von Gündogan Struktur und Stabilität verloren ging, während sich der viel gescholtene Gentner zum (fast) spielentscheidenden Mann aufschwang. Kaum im Spiel bediente Gentner Niedermeier, dessen Volleyablage Vedad Ibisevic im Stile eines kaltschnäuzigen Torjägers gegen die Laufrichtung von Weidenfeller im Kasten versenkte. Gerade einmal sechs Minuten später kam der Ball nach von Ibisevic gegen Subotic gewonnenen Kopfballduell zu Julian Schieber, der mit unbändiger Willenskraft den Ball unter Kontrolle hielt, Weidenfeller umkurvte und zum 2:2 einschob. Ihm gönne ich es besonders, wurde er unter der Woche doch noch von seinem eigenen Präsidenten unwürdig abqualifiziert. Wiederum nur zwei Minuten später schickte Kuzmanovic Schieber auf die Reise, der mit einem satten Linksschuss durch die Beine von Weidenfeller das sensationelle 2:3 markierte. Daraufhin brachen bei uns im Block natürlich alle Dämme und auch ich hatte ernsthafte Standprobleme, am Ende aber alles gut überstanden. Unfassbar, bei einem eigentlich übermächtigen Gegner innerhalb so kurzer Zeit aus einem 0:2 ein 3:2 zu machen. Der BVB aber, im Stile einer Klassemannschaft, schüttelte sich kurz und schlug, auch einer gewissen Passivität vom VfB in dieser Phase geschuldet, eiskalt zurück. Als Hummels und Perisic Dortmund mit 4:3 in Führung schossen war im Stadion natürlich ein Geräuschpegel zu vernehmen, den ich sonst nur aus schottischen Stadien kenne. Wir waren restlos bedient und sahen es jetzt, nach dieser Aufholjagd, als tragisch an, mit leeren Händen heimfahren zu müssen. Doch, der VfB raffte sich auch nach diesem Tiefschlag noch einmal auf. Der eingewechselte Bah setzte einem eigentlich schon verlorenen Ball in der Nachspielzeit gut nach, so dass der Ball zu Molinaro gelangte. Dieser tat das, was man macht, wenn man in der Nachspielzeit unbedingt noch ein Tor braucht und drosch den Ball hoch in den Dortmunder Sechzehner. Schmelzer legte unfreiwillig für Gentner auf, dieser umkurvte Kehl und hämmerte den Ball unter die Latte des Dortmunder Tores. Damit wurde Gentner tatsächlich zum „Matchwinner“, auch wenn es keinen Sieger gab. Dieses Remis fühlte sich wie ein Sieg an. Unbändiger Jubel natürlich in unseren Reihen und bedröppelte Dortmunder, die zwei Punkte auf die Bayern verloren, den (Meister-) Sack im direkten Duell aber ja noch selbst zumachen können. Außerdem, nach München fahren wir ja auch noch. ;-)

Ich kann mich nicht erinnern, dass ich mich über ein Unentschieden schon einmal so gefreut hätte. Nach diesem Spielverlauf wäre es einfach bitter gewesen zu verlieren. Da habe ich sogar weniger an mich als Fan gedacht, als an die Mannschaft. Für dieses Aufbäumen musste es einfach die Belohnung in Form eines Punktgewinnes geben. Der VfB hat gestern, zumindest nach Kvist‘ Pfostenschuss, der als Startsignal zu sehen war, eine geile Leistung abgeliefert. Sie waren in dieser Phase unheimlich präsent in den Zweikämpfen und kämpften um jeden Ball. Das war Leidenschaft pur, wie ich sie vom VfB lange nicht mehr gesehen habe. Dass dieser Punktgewinn nicht unverdient war, zeigt die Statistik von Fussballdaten.de: Ballbesitz 49,5% zu 50,5%, gewonnene Zweikämpfe 47% zu 53%, Fouls 8 zu 10. Die Torschussstatistik von 27 zu 11 zu Gunsten des BVB war fast vorhersehbar. Dass man aber bestrebt war, selbst das Spiel zu machen und in den Zweikämpfen eine positive Bilanz ausweist, ist Beleg dafür, wie sich in der VfB in das Spiel hineingebissen hat. Auch die Foulstatistik von „nur“ 8 zu 10 finde ich bemerkenswert, ist es doch sauschwer diese wieselflinken Dortmunder mit fairen Mitteln zu verteidigen.

Ich behaupte mal, JEDER, der diesem denkwürdigen Abend live beiwohnen durfte, wird so ein Spiel niemals vergessen. Auch für mich reiht es sich ein in die ganz großen Sternstunden, die ich schon mit dem VfB erleben durfte. Den Dortmundern wünsche ich, dass auch sie das positive aus diesem Spiel ziehen können und in den nächsten Spielen ihre Chancen etwas konsequenter ausnutzen und den Bayern weiterhin die Stirn bieten.

Leider war nach dem Spiel nicht mehr viel Zeit bis zur Abfahrt unseres Busses. Die Zeit reichte noch zu einem Bierchen am Stadion Rote Erde und ein kurzer Smalltalk nebst Aufmunterung zweier frustrierter BVB-Fans. Gerne wäre ich auch schon vor dem Spiel dort hin, ist es doch jedes Mal ein freundschaftliches Miteinander von BVB- und VfB-Fans.

Dann machten wir uns auf in Richtung des Busparkplatzes, wo ich mir von den Murgtalschwaben, die ebenfalls eigens für dieses Spiel einen Bus charterten, noch zwei, drei Bier für die Rückfahrt organisierte. Die RWS-Vorräte waren bereits nach der langen Hinfahrt aufgebraucht. ;-)

Gegen 5.30 Uhr schließlich lag ich dann in meinem Bett. Geschafft aber glücklich. Danke VfB, danke Jungs vom Neckar. Wir sind alle mächtig stolz auf Euch!

Wenn dieses Spiel keinen Rückenwind für die Europa League gibt, was dann. Gegen Mainz geht es darum, diesen Punkt zu vergolden und von der Schwäche der Konkurrenz um (mittlerweile) Platz 5 zu profitieren. Ich freue mich jetzt schon darauf.

Bilder vom Spiel auf http://www.frankys-stadionpics.de/bilder/thumbnails.php?album=333.

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