14. April 2017

Bereit für den Endspurt?

Seit längerer Zeit, genauer gesagt seit der Schmach von Fürth, melde ich mich auch mal wieder auf meinem Blog zu Wort. Nicht, weil es über den VfB nichts zu schreiben gäbe, sondern schlicht und einfach darin begründet, dass einem als Allesfahrer entweder die Zeit und nach Sonntags- und Montagsspielen unter der Woche manchmal auch der Kopf zum Schreiben fehlt.

Wenn man dann außerdem noch auf die Idee kommt, unsere Amateure in Elversberg oder gegen Lautern II im Schlienz-Stadion zu unterstützen und samstags einen Ausflug in die Ortenau zu unternehmen, um das Oberligaspiel zwischen dem SSV Reutlingen beim Offenburger FV anzuschauen, kann sich jedermann leicht ausmalen, dass irgendetwas auf der Strecke bleibt.

Was ist passiert seither? Nach der Länderspielpause gelang die Rehabilitation für das Hinspiel-Debakel gegen Dynamo Dresden nur bedingt, auch wenn man als moralischer Sieger aus dieser Partie hervorging. Im Anschluss an das Fürth-Spiel äußerte ich die Hoffnung, dass nach der Pause (endlich) die Stunde von Ebenezer Ofori schlagen könnte oder auch müsste.

Dies bewahrheitete sich, er feierte ein ordentliches Debüt, auch wenn die Abstimmung mit seinen Mitspielern in der einen oder anderen Szene noch fehlte. Dass er eine gute Ballbehandlung hat und ein weiterer Stabilisator im VfB-Spiel werden könnte, deutete er aber schon an.

Als die Gewinner der Länderspielpause, in der der VfB zwei Testspiele bestritt, galten vermeintlich Tobias Werner und Alexandru Maxim. Wie sich dann aber, als der Spielbetrieb wieder aufgenommen wurden, herausstellte, waren sie in den Tests doch mehr Lückenbüßer für die bei ihren Nationalmannschaften verweilenden VfB-Spieler, denn Hoffnungsträger für die restlichen Zweitligaspiele.

In Degerloch trafen während der Pause Timo Baumgartl und Carlos Mané mit ihren U21-Nationalmannschaften aufeinander. Auf diesen Kick verzichtete ich kurzfristig dann doch, weil es einerseits um nichts ging und andererseits solche Tests meist in Wechselarien ausarten, wo jeglicher Spielfluss auf der Strecke bleibt. Carlos Mané spielte dabei im Team mit der reiferen Spielanlage und gewann 1:0, während Timo Baumgartl nur in der zweiten Halbzeit ran durfte, sehr nervös wirkte und den einen oder anderen groben Schnitzer in sein Repertoire einbaute.

Vor dem Dresden-Spiel gab es dann die mit Spannung erwartete Jubiläums-Choreographie vom Commando Cannstatt 1997. Herzlichen Glückwunsch auch an dieser Stelle für 20 Jahre Emotionen, Hingabe, Einsatz und Support für unseren VfB Stuttgart.

Im ausverkauften Neckarstadion und im Beisein von etwa 8.000 Dresdnern erwischte der VfB eine rabenschwarze erste halbe Stunde. Mit einem lupenreinen Hattrick brachte die Nürnberger Leihgabe Stefan Kutschke die eigentlich Gelb-Schwarzen, die dieses Mal in weinroten Jerseys angetreten waren, schnell mit 0:3 in Führung.

Das Abwehrverhalten bei allen Toren, bis hin zum von Mitch Langerak verschuldeten Foulelfmeter trieb einem Sorgenfalten auf die Stirn und machte auch ein Stück weit wütend. Dass der Schiedsrichter den Lauf der Dynamos begünstigte, geschenkt, würden sich die Fehlentscheidungen zu Ungunsten des VfB nicht von Spiel zu Spiel fortsetzen. Vor dem 0:2 hätte es Elfmeter für den VfB geben müssen, zu allem Überfluss erhielt Simon Terodde für eine vermeintliche Schwalbe seine vierte gelbe Karte, obwohl er sich keineswegs fallen ließ und so mancher Schiedsrichter auf Elfmeter für den VfB entschieden hätte.

Weshalb der VfB nicht wenigstens gegen die gelbe Karte Protest eingelegt hat, erschloss sich mir nicht. Terodde gilt derzeit als die Lebensversicherung des VfB, so dass eine Sperre, die aus seiner nächsten gelben Karte resultieren würde, schmerzhaft wäre und mit schlimmstenfalls den Aufstieg kosten könnte. Bemerkenswert war in dieser Phase, in der dem VfB überhaupt nichts gelang, wie sehr das Publikum hinter dem Team stand und dass es zu so gut wie keinen Unmutsbekundungen kam. Im Gegenteil, die Mannschaft, der man das Bemühen nicht absprechen konnte, wurde vehement und lautstark nach vorne getrieben.

Eben jener Simon Terodde war es dann auch, der ein erstes (zählbares) Lebenszeichen vom VfB aussendete. Nach einem klasse Zuspiel von Carlos Mané vollendete er in Mittelstürmerposition und -manier zum Halbzeitstand von 1:3. Emiliano Insúa erhöhte eine Viertelstunde vor Schluss mit seinem allerersten Tor für den VfB sehenswert zum 2:3, ehe Terodde in der 94. Minute vom Elfmeterpunkt aus schließlich für den viel umjubelten Ausgleich sorgte.

Dass Mané schon eine ganze Weile nicht mehr rund lief sah man da bereits, dennoch hinderte es ihn nicht daran, diesen so wichtigen Elfmeter herauszuholen. Ausgerechnet der Ex-VfBler Philip Heise bot Mané (aus alter Verbundenheit?) sein Bein an, worüber dieser dankend fiel.

Wie Simon Terodde nach 94 kraftraubenden Minuten die Nerven behielt und Keeper Schwäbe keine Chance ließ war bemerkenswert und ist nicht hoch genug zu bewerten. Das ist das Holz, aus dem Führungsspieler geschnitzt sind, dafür braucht es keine Binde.

So stand am Ende eines stimmungsvollen und bemerkenswerten Spiels das 3:3 und bedröppelte Dresdner, die sich lange wie die sicheren Sieger fühlten.

Wenn Blicke töten könnten, wäre ich wohl nicht mehr auf dieser Welt. Als ein paar Dresdner unseren Haupttribünen-Block verließen, sagte ich in einer Lautstärke, die sie mitbekamen, „endlich sind die da drüben mal ruhig“, was sie ja durchaus auch als Kompliment hätten auffassen können.

Selten habe ich einen lauteren Gästeblock im Neckarstadion erlebt. Da zudem alles friedlich blieb, die Polizei zufrieden war und selbst die Dresdner Fanbetreuung sich lobend über das Sicherheitskonzept der Stuttgarter geäußert hat, könnte man von einem rundum gelungenen Fußballnachmittag sprechen.

Wäre da nicht die schwere Knieverletzung von Carlos Mané gewesen: Der Portugiese wird rund fünf Monate ausfallen und möglicherweise überhaupt kein Spiel mehr für den VfB bestreiten, sollte ihn sein Stammverein Sporting Lissabon bereits im kommenden Sommer zurückfordern.

Am Ende stand ein Punktgewinn, mit dem man aufgrund des Ergebnis-Verlaufes zufrieden sein musste. Ich schreibe bewusst nicht „Spielverlauf“, denn, bei einem Chancenverhältnis von 8:3 (lt. kicker.de) und allein vier Aluminiumtreffern wäre auch deutlich mehr drin gewesen.

Nur drei Tage nach dem emotionalen Spiel gegen Dynamo Dresden musste der VfB zum wiedererstarkten TSV 1860 München reisen, während der Gegner von der DFL zwei Tage länger Zeit zur Regeneration und für die Vorbereitung genehmigt bekam.

Nach nun schon vier Spielen in Serie ohne dreifachen Punktgewinn zählte in der Arroganz-Arena zur ungewohnten Anstoßzeit mittwochs um 17.30 Uhr eigentlich nur der Sieg. Trotz dieser arbeitnehmerunfreundlichen Ansetzung fanden sich knapp 15.000 VfB-Fans im Schlauchboot, wo man bislang fast nur Niederlagen zu sehen bekam, ein.

Da man in diesem auf der grünen Wiese von Fröttmaning gebauten Stadion gut rund herum laufen und durch die eine oder andere Luke auch gut fotografieren kann, nahm ich zum allerersten Mal in dieser Saison einen Stehplatz im Gästebereich. Während man bei Gastspielen bei den Münchner Bayern im Oberrang eingepfercht wird und lediglich Paulaner light ausgeschenkt wird, konnten wir bei den 60ern erstmals ein Spiel in diesem Schlauchboot vom Unterrang aus und bei Vollbier verfolgen.

Mit dem dringend benötigten Sieg wurde es zwar wieder nichts und doch durfte sich der VfB auch nach diesem Spiel als moralischer Sieger fühlen, weil Marcin Kamiński in der Nachspielzeit den Ausgleich erzielte.

Vom Spiel selbst war ich maßlos enttäuscht, so dass es dieses Mal fast schon ein Nachteil war, so nah dran zu sein. Nach gütiger Mitarbeit unserer Defensivabteilung erzielte der 60er-Neuzugang Lacazette die Führung, auf der sich die Löwen 70 Minuten lang ausruhten. Dabei stellte sich der VfB beim Gegentor einfach nur dämlich an, weil keiner, nachdem Lacazette die Kugel schon verstolpert hatte, sich zuständig fühlte, den Ball aus der Gefahrenzone zu dreschen. Dennoch musste man wieder, trotz des Bettelns um dieses Gegentor, konstatieren, dass das Tor aus einer Abseitsposition heraus erzielt wurde, der VfB also einmal mehr benachteiligt wurde.

Der VfB hatte zwar Ballbesitz fast schon „bayern-like“, fand jedoch keine Mittel, die beiden Fünferketten der 60er ernsthaft in Gefahr zu bringen. Sämtliche Offensivspieler, namentlich Julian Green, Takuma Asano und Christian Gentner waren Totalausfälle, so dass Überraschungsmomente Mangelware waren und Simon Terodde völlig in der Luft hing. In einem Spiel so gut wie ohne Torchancen wären Standardsituationen ein probates Mittel gewesen, doch, wenn diesen stets das Timing fehlt und kein Anderer die Verantwortung übernimmt und den glücklosen Anto Grgić erlöst, beraubt man sich auch dieser Möglichkeit. So hieß es bei einem Gegner, der zuvor immerhin zwei Siege in Folge einfuhr, sich mit diesem Pünktchen zufrieden zu geben und auf den Befreiungsschlag weiter zu warten.

Während und nach dem Spiel bei den Münchner Löwen hörte ich erstmals in der Zeit seines Wirkens lautere Stimmen gegen unseren Trainer Hannes Wolf. Hauptkritikpunkt war die neuerliche Nichtberücksichtigung von Alexandru Maxim und dass Wolf Spieler auf falschen Positionen einsetze und zu viel experimentiere.

Mein Vertrauen in Hannes Wolf ist hingegen grenzenlos, so dass ich notfalls auch nach einem verpassten Aufstieg an Schindelmeisers Stelle an ihm festhalten würde. Ich sehe derzeit vieles nicht ganz so negativ wie viele andere. Wir sind noch immer mitten im Umbruch und im Aufbau einer Mannschaft, die durchaus Hoffnungen für die Zukunft weckt. Punktuell verstärkt kann diese Mannschaft meiner Meinung nach im Falle des Aufstiegs eine gute Rolle in der Bundesliga spielen und wird spielerisch häufiger und leichter glänzen als zur Zeit in der 2. Liga. In der Bundesliga wären wir einer von vielen, zu Beginn gar Außenseiter, so dass sich kaum ein Team gegen uns derart hinten reinstellen wird wie jeder Gegner in dieser 2. Liga. Dieses Stahlbad muss eine junge Truppe erst einmal überstehen und wird, im Fall des Aufstiegs, ganz sicher gestärkt daraus hervorgehen.

Darüber hinaus hat Jan Schindelmeiser in der kurzen Zeit seines Wirkens ein Händchen dafür bewiesen, erschwingliche Jungs, die die Qualität spürbar anheben, mit kreativen Vertragsgestaltungen an den Neckar zu lotsen.

Ein paar Bekannte, mit denen ich mich nach dem Spiel bei den Löwen unterhalten habe, waren tatsächlich der Auffassung, dass, sollten wir aus den Aufstiegsrängen herausrutschen, ein neuer Akzent in Form eines Trainerwechsels gesetzt werden müsse. Auf meine Gegenfrage, wer es denn jetzt noch besser machen würde, hörte ich nur, wenn überhaupt, egal, „mit dieser Mannschaft MUSS man einfach aufsteigen“.

Ich sehe das konträr. Die Voraussetzungen sind zwar gegeben, Übermannschaften sind unsere Konkurrenten nicht und doch hat es Hannes Wolf mit vorwiegend jungen Menschen, die Formschwankungen unterliegen, zu tun.

Wenn sich dann noch während kleinerer Krisen die vermeintlichen Führungsspieler wegducken, weil sie schon genug mit sich selbst zu tun haben, wenn jeder Gegner nur aufs zerstören aus ist, wenn die Schiedsrichter die harte Gangart einiger Teams und taktische Fouls (zu jedem Zeitpunkt, auch in der 1. Minute und nicht nur weit in der 2. Halbzeit) nicht regelkonform ahnden, ergibt das eine Mixtur, die jedes Spiel extrem intensiv und schwierig werden lässt.

Hannes Wolf wird in den gut 200 Tagen, wo er nun beim VfB ist, mehr gelernt haben, als insgesamt während seiner doch schon einige Jahre andauernden Trainerkarriere. Die Öffentlichkeit und auch die Fans hinterfragen jeden Furz und Feuerstein, während Wolf die Dinge moderieren und Fragen auch offen lassen muss. Zum Thema Großkreutz hätten Schindelmeiser und er sicherlich mehr zu sagen gehabt, um die Entscheidung des Vereins plausibel und für alle nachvollziehbar zu erklären, die lange währende Nichtberücksichtigung von Alexandru Maxim wird ebenso seine Gründe haben, die man der Öffentlichkeit vorenthält, um den Spieler zu schützen und ihn nicht vollends zu demontieren.

Wolf ist für mich nach wie vor eine große Trainerhoffnung im deutschen Fußball und für den VfB erst recht, daher vertraue ich ihm voll und ganz, dass er alles dafür tun wird, das Beste für unseren VfB herauszuholen. Persönlich habe ich keine Lust mehr auf ständige Trainerwechsel und auf eines der bekannten Gesichter des Trainerkarussells, das zwar kurzfristig einen Effekt versprechen würde, der jedoch schnell wieder verpufft wäre und wir diesen für Jahre an der Backe hätten. Dass uns das Reagieren nach den „Gesetzen des Fußballs“ dort hin gebracht hat, wo wir momentan stehen, sollte wohl jedem klar sein.

Nach dem nunmehr fünften sieglosen Spiel in Folge stand der VfB beim Derby gegen unsere „Freunde“ aus Ostfrankreich gehörig unter Druck. Deren Anhänger hatten das Spiel bereits im Vorfeld als Krieg deklariert und meinten das durchaus ernst, wenn man sich ihr martialisches Auftreten während der gesamten 90 Minuten (und auch noch nach dem Schlusspfiff) vor Augen führt.

Außerhalb des Stadions funktionierte die Fantrennung perfekt, wie schon beim Hinspiel im Wildpark sorgte die schwer bewaffnete Ordnungsmacht für bestmögliche Sicherheit bei der An- und Abreise der knapp 60.000 Schlachtenbummler.

So sehr ein echtes Derby das Salz in der Suppe in einem bisweilen zum Einheitsbrei mutierenden Liga-Alltag darstellt, möchte ich Vorkommnisse wie 2009 auswärts im Wildpark erlebt, als sich bürgerkriegsähnliche Szenen beim Verlassen des Stadions abspielten, nicht mehr haben.

Es hat ja jeder Verein so seine Chaoten, kaum einer aber in der Vielzahl wie die Gelbfüßler. Sorgten sie beim letzten Abstieg in die 3. Liga gegen Jahn Regensburg schon für einen Eklat, als sie Spieler und die eigene Geschäftsstelle angriffen, stand das Spiel am Sonntag nach dem Abschießen von Feuerwerksraketen aufs Spielfeld kurz vor dem Abbruch.

Ich bin ja bekennender Verfechter von kontrolliertem Abbrennen von Pyrotechnik, jedoch nur dann, wenn das Material im Block bleibt und keine Böller, die schwerste Knalltraumata für Umstehende verursachen können, gezündet werden.

Was der schwarze (vermummte) Block der Karlsruher abzog, war gemeingefährlich und asozial. Da der letzte Abstieg des KSC seinen Anhang nicht zur Besinnung brachte, keine Selbstreinigung in der Fanszene stattfand und der Verein seine Pappenheimer offensichtlich nicht in den Griff bekommt, hätte ich nichts dagegen einzuwenden, würde dieser Verein zunächst einmal völlig von der Bildfläche verschwinden.

Seine „Fans“ arbeiten mit Hochdruck daran, indem sie ihrem ohnehin schon finanziell klammen Herzensclub Bärendienst um Bärendienst erweisen und möglicherweise, da vorbestraft, dem KSC nun ein Geisterspiel beschert haben. Der Verein muss sich diese zusätzlichen Kosten sprichwörtlich am Kader absparen, während der anstehende Stadionneubau sein Übriges tun könnte, dem KSC die Luft zum Atmen zu nehmen. Viel Spaß in und mit der 3. Liga kann man da nur wünschen!

Umso erfreulicher war es dann, dass der VfB den Bock endlich umstoßen und mit zwei Asano-Toren den zweiten Derbysieg der Saison einfahren konnte, während der KSC bereits acht Punkte Rückstand auf den Relegationsplatz hat und für die 3. Liga planen kann.

Unseren Ultras verlangte es alles ab, dass zwischen dem Jubiläums-Heimspiel und dem Derby im Neckarstadion nur sieben Tage lagen. Auch vor dem Derby zauberten unsere Hardcore-Fans eine gigantische Choreo in die Cannstatter Kurve, dieses Mal, wen wundert’s, mit Bezug auf die Feindschaft zum Gegenüber. „Den Fächer fürs Gesindel – das Zepter für uns“ lautete das Motto und war perfekter Auftakt für den Saisonhöhepunkt, den das Derby für viele Fans darstellt.

„Wir steigen auf, wir steigen auf, wir steigen auf und ihr steigt ab“ hallte es durchs weite Rund. Schadenfreude ist doch irgendwie die schönste Freude, auch wenn dieser Sieg natürlich in erster Linie für uns selbst wichtig war.

Damit hat der VfB die Tabellenführung zurückerobert und doch ist noch nichts gewonnen. Es geht verdammt eng zu oben, weil sich (noch) keiner eine länger währende Krise nimmt und auf der anderen Seite auch kein Team oben steht, das souverän von Sieg zu Sieg eilt. Daher steigt der Druck unaufhörlich an, weil bei noch sechs ausstehenden Spielen Ausrutscher kaum mehr wettzumachen sind. Inwieweit die junge Mannschaft diesem standhält und daran wächst, wird sich erweisen.

Das Spiel gegen den KSC hatte der VfB ohne zu glänzen weitestgehend unter Kontrolle und man ließ nur wenige Torchancen des Gegners zu. Das spricht jedoch weniger für die Stärke vom VfB als für die Schwäche des seit diesem Spieltag abgeschlagenen Schlusslichts. Einzig, als wegen der von den Karlsruher Chaoten verursachten Verzögerungen drei Minuten Nachspielzeit in der ersten Halbzeit anstanden, hatte man den Eindruck, auf 48 Minuten sei der VfB nicht eingestellt gewesen. Was sich in diesen Minuten vor der Pause abspielte, war paradox. Das gesamte Team wirkte auf einmal, als habe es Blei in den Beinen, stand zu weit vom Gegner weg und ließ diesen gewähren. Nur der Karlsruher Ungefährlichkeit geschuldet, hat sich dieses kollektive Abschalten nicht gerächt.

Erfreulich im Spiel war, dass der VfB defensiv gefestigter wirkte als zuletzt und die Absicherung der letzten Zone des Spielfelds gut funktioniert hat. Es war gefühlt immer einer da, der den letzten Pass abgelaufen hat, so dass man bei frühsommerlichen Temperaturen einen beruhigten Nachmittag verleben konnte.

Lichtblicke beim VfB waren Benjamin Pavard, der immer stärker aufspielende Insúa, bis zu seiner Auswechslung Ofori sowie Alexandru Maxim, dem man die Freude anmerkte, wieder mitwirken zu dürfen. Nach dem Ausfall von Carlos Mané ist Maxim schon so etwas wie DER Hoffnungsträger in Sachen Kreativität. Ihm fehlte zwar in vielen Situationen die Genauigkeit, was jedoch seiner fehlenden Spielpraxis geschuldet gewesen sein dürfte. Man merkte ihm an, dass seine Füße oft nicht das taten, was der Kopf vor hatte. Die Standards schlug er gefährlicher vors Tor wie zuletzt Anto Grgić, zudem ist er ein Spieler, der immer für ein Überraschungsmoment gut ist, so dass er gerade nach Manés Ausfall noch sehr wertvoll für den VfB werden könnte.

So war er an der Entstehung von beiden Toren beteiligt und hat damit einen großen Anteil am Sieg. Was Maxim angeht, freue ich mich, wenn ich ihn so spielen sehe wie am Sonntag, respektiere es aber auch, wenn er nicht aufgestellt wird. Kein Spieler ist größer als der Verein, dass sich Maxim bei etlichen Trainern nicht durchsetzen konnte, wird schon seine Gründe haben.

Ich bin gespannt, ob Maxim jetzt in Selbstzufriedenheit verfällt und sich in Sicherheit wiegt, nach einem ordentlichen Spiel schon wieder Stammspieler zu sein, oder ob er bereit ist, sich noch einmal sechs Wochen lang zu schinden und sich jeden Einsatz aufs Neue zu verdienen.

Am Ostermontag heißt der nächste Gegner unseres VfB dann Arminia Bielefeld. Seit der Entlassung von Jürgen Kramny fuhren die Ostwestfalen drei Siege und ein Remis ein und sind auf dem besten Wege, dem Abstieg von der Schippe zu springen. Schon an dieser Statistik lässt sich ablesen, dass auch dort der Weg kein leichter sein wird. Weshalb man uns für dieses nicht unbedingt Spitzenspiel ein weiteres Montagsspiel aufs Auge gedrückt hat, verstehe wer will, ich nehm’s sarkastisch und pragmatisch und erfreue mich daran, dass es wegen des Feiertags „nur“ einen Tag Urlaub kostet.

Im Vergleich zum letzten Auswärtsspiel bei den Münchner Löwen sollte der VfB von Beginn an im Defensivverbund konzentriert zu Werke gehen und leichte Fehler, die zum Rückstand führen können, tunlichst unterlassen. Wenn schon nach vorne die Durchschlagskraft fehlt und alles auf ein 0:0-Spiel hinausläuft, sollte man sich die Dinger hinten nicht noch selbst einschenken.

Es ist zu hoffen, dass mit dem Sieg gegen den KSC das Selbstvertrauen zurückkehrte und das Gebilde wieder stabiler wird. Zuletzt schien es so, dass sich gleich mehrere Spieler auf einmal ihre Krise nehmen. Dieser Sieg und das insgesamt wieder bessere Arbeiten im Kollektiv sollte Mut für die anstehenden Aufgaben machen.

Der Deutsche Sportclub Arminia Bielefeld hat für dieses Spiel bereits 20.000 Tickets abgesetzt und rechnet mit 2.000 Schwaben. Am Ende werden es sicherlich wieder etliche mehr Brustringträger sein, die sich den Dienstag frei genommen haben, um unsere Jungs zum Auswärtssieg zu schreien.

Am Tag davor nehmen sich bereits Hannover 96 und Eintracht Braunschweig, deren Lastminute-Siege mittlerweile unheimlich werden, gegenseitig die Punkte ab, so dass der VfB der große Gewinner des nächsten Spieltags werden könnte.

Wie wenn wir derzeit durch die Schiedsrichterentscheidungen zuletzt nicht schon benachteiligt und gestraft genug wären, bewies die DFL mit der Schiedsrichteransetzung fürs Bielefeld-Spiel ihr nicht vorhandenes Fingerspitzengefühl. Harm Osmers aus Hannover ist der Leiter dieses wichtigen Spiels, aus der Stadt eines unserer größten Aufstiegskonkurrenten also!

Ob die Familie Osmers nachtragend ist und Harm Osmers die Chance beim Schopfe packt, seinem Vater Hans-Joachim Osmers späte Rache zukommen zu lassen, wird sich dabei zusätzlich zeigen. 1993 war es, im Neckarstadion bei einem Pokalspiel gegen den 1. FC Kaiserslautern, an das ich mich noch gut erinnern kann. Axel Kruse, wie man ihn kannte, ein wenig übermotiviert, rannte Osmers über den Haufen. O-Ton Kruse dazu: „Ich rannte auf ihn zu, fing an zu schimpfen und packte ihn am Arm. Er versuchte sich loszureißen, stolperte aber dabei, drehte sich zweimal um die eigene Achse und fiel hin wie der Osterhase. Heute würde ich sagen: Schiri-Schwalbe“. Satte zehn Wochen Sperre hatte ihm das eingebracht, ich fand ihn trotzdem extrem cool beim VfB zu jener Zeit.

Ein paar Worte auch noch zur außerordentlichen Mitgliederversammlung am 1. Juni, zu der der VfB Anfang April geladen hat. Für mich kommt es auch zur Unzeit, mit dieser so richtungsweisenden Entscheidung mitten im Aufstiegsrennen vorzupreschen und damit unweigerlich einen Nebenkriegsschauplatz aufgemacht zu haben.

Dass die MV zudem Donnerstag Abends, 18.30 Uhr, stattfinden soll und damit vielen auswärtigen und auch berufstätigen „einheimischen“ Mitgliedern die Teilnahme verwehrt bleibt, ist ein Schlag ins Gesicht eben jener Mitglieder der VfB-Familie. Wenn dann Präsident Dietrich bei #vfbimdialog noch süffisant erklärt, für diesen wichtigen Tag für den VfB Stuttgart müssten die Mitglieder eben „mal“ einen Tag Urlaub opfern, ist das ein Affront gegen eben jene Auswärtigen, für die schon jedes Heim- ein gefühltes Auswärtsspiel ist und die wegen der vom Verein uns eingebrockten Zweitligasaison bereits genug Urlaub für Freitags- und Montagsspiele opfern mussten. Daher halte ich fest, dass die Terminwahl an sich äußerst unglücklich ist, von möglicher Ablenkung im Aufstiegsrennen ganz zu schweigen.

Und doch bleibt einem interessierten und engagierten Mitglied nichts anderes übrig, als sich pragmatisch mit dieser Tatsache zu arrangieren. Präsident Dietrich hat schon mehrmals anklingen lassen, wie sehr dieses Thema den Verein über Jahre in seinem Handeln eingeschränkt, wenn nicht gelähmt hat, und dass er diese Entscheidung genau einmal während seiner Regentschaft zur Abstimmung bringen und jedes Votum, so oder so, akzeptieren werde.

Das heißt, es bleibt dem verantwortungsvollen Mitglied nichts anderes übrig, als sich ernsthaft mit dem Für und Wider einer Ausgliederung zu beschäftigen und seine Stimme im Sinne und zum Wohl der Zukunft des Vereins abzugeben. Allein schon wegen der unpässlichen Terminierung dieser Abstimmung auf „bockig“ zu schalten und von vornherein auf „dagegen“ zu stellen, wäre eventuell kontraproduktiv.

Ich persönlich werde mir bis dahin sämtliche #vfbimdialog-Sendungen ansehen und auch die eine oder andere Veranstaltung mit Dietrich besuchen, um mir meine Meinung zu bilden. Derzeit bin ich ergebnisoffen, was das angeht, würde aber sicherlich nur „dafür“ stimmen, wenn handfeste Zahlen, Daten, Fakten auf dem Tisch liegen und nicht lediglich irgendwelche optimistischen Schätzungen. Der Verein hat also noch einiges an Überzeugungsarbeit zu leisten, um die Dreiviertelmehrheit zu erlangen.

Weiter beschäftigte mich unter der Woche, wie wohl jeden Fußballfan, der Terroranschlag auf den Dortmunder Mannschaftsbus am Dienstag kurz vor dem ursprünglich angesetzten Championsleague-Spiel gegen den AS Monaco. Wenn selbst an Orten, die rund 1.000 Sicherheitskräfte absichern, Terroranschläge möglich sind und durchgeführt werden, verdeutlicht das, dass es eine hundertprozentige Sicherheit nicht gibt.

Dass die zum Teil schwer traumatisierten Spieler bereits gut 24 Stunden später aufgrund des Diktats der UEFA erneut im Mannschaftsbus Platz nehmen und ein so wichtiges Spiel bestreiten mussten, ist nicht nachvollziehbar. An der Stelle wird deutlich, dass Menschlichkeit im Fußball keinen Platz mehr hat und einzig der schnöde Mammon zählt.

Durch die Geister, die die Fußballverbände riefen, indem sie stets neue „Wettbewerbe“ ins Leben rufen oder altbewährte reformieren bzw. aufblähen, ist natürlich wenig Zeit für Ausweichtermine vorhanden. Und dennoch hätte hier der Verband ein Zeichen der Menschlichkeit setzen MÜSSEN und Trainern und Spielern die Entscheidung darüber, ob sie sich befähigt sehen, tags darauf wieder Fußball zu spielen, überlassen sollen, ganz gleich welche Konsequenzen dies für den ach so vollen Rahmenterminkalender gehabt hätte.

Am Tag des Anschlags hatte man aufgrund der Berichterstattung noch eher den Eindruck, ein übergroßer Böller habe im Bus eingeschlagen, während am darauffolgenden Tag herauskam, welch großes Glück die Dortmunder hatten, dass nicht mehr passiert ist. Jeder stinknormale Bus, mit dem wir alle zwei Wochen zu Auswärtsspielen unterwegs sind, wäre wohl in seine Einzelteile zerfallen, während das Panzerglas im Dortmunder Mannschaftsbus noch Schlimmeres abgewehrt hatte.

Mit diesem Wissen im Kopf, dass es sich um einen gezielten Anschlag auf das Leben der ganzen Mannschaft handelte und welch großes Glück im Unglück der BVB hatte, schickte man das Team also wieder auf den Platz. Hinzu kam, dass ein Spieler, der für die Partie vorgesehen gewesen war, so schwer beim Anschlag verletzt wurde, dass er noch in der Nacht operiert wurde.

Doch, dem BVB blieb wohl keine andere Wahl, zum Spiel anzutreten, bei einer Weigerung hätten dem BVB wohl drastische Strafen gedroht, bis hin zum Ausschluss aus UEFA-Wettbewerben im nächsten Jahr oder in den nächsten Jahren. Business as usal auch dann, wie es die Paragraphen eben vorschreiben.

Es bleibt zu hoffen, dass das Lieblingskind der Deutschen, der Fußball nämlich, nicht weiter von kriminellem Abschaum missbraucht und Ausnahmezustände wie in Paris 2015 oder am Dienstag in Dortmund Einzelfälle bleiben. Allein, mir fehlt der Glaube, gerade daran geilen sich die Terroristen ja auf, an der Erschütterung über solche Vorkommnisse der „normalen“ Menschen.

Zu guter Letzt wünsche ich Allen friedliche Ostern und uns allen am Montag eine gute Fahrt, wir sehen uns auf der Bielefelder Alm.

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2. November 2016

Wieder in der Spur!

Category: Presse — Tags: , , , , , , , , – Franky @ 13:07

Der Schock über das 0:5 in Dresden dürfte beim VfB noch eine Weile nachwirken. Diese Schmach und vor allem die Art und Weise, wie es dazu kam, beschäftigen Chef-Trainer Hannes Wolf noch immer. Mir gefällt es, wie akribisch das Trainerteam die Geschehnisse aufarbeitet und wie es die Spieler dabei in die Pflicht nimmt und an deren Eigenverantwortlichkeit appelliert. Der Trainer stellt sich dabei nicht stoisch vor die Spieler und packt sie in Watte, während er sämtliche Schuld auf sich lädt, sondern formuliert klar und deutlich, dass seine Einflussmöglichkeiten während der Spiele beschränkt sind und die Entscheidungen vorwiegend auf dem Platz getroffen werden müssen.

Wolf analysiert den Einbruch gegen Dresden wie folgt, nämlich dass das 1:0 zwar so zwar fallen kann, nicht aber passieren darf, was sich danach abspielte. Das Team hadere mit Umständen, die sie nicht beeinflussen kann, wie, dass ein Spieler am Boden lag und der Gegner den Ball nicht ins Aus beförderte oder auch darüber, dass der Schiedsrichter nicht konsequent genug gegen die Härte der Dynamos einschritt, anstatt sich auf das Wesentliche zu besinnen und konzentriert weiter zu spielen. Deshalb fielen unmittelbar im Anschluss an das 1:0 die Tore zwei und drei, womit das Spiel bereits zur Pause gelaufen war. Wolf ist noch immer geradezu geschockt, wie das Team auseinander gefallen war, so dass sich dieses Negativerlebnis fest bei ihm eingebrannt hat und er die Seinen bis auf weiteres kritisch beäugen dürfte.

In Phasen wie den acht Minuten vor der Pause in Dresden offenbart sich, wie fragil das VfB-Gebilde nach Jahren des Misserfolgs und Jahren, in denen die Spieler stets geschützt wurden, noch immer ist. Um Wolf klar aufzuzeigen, wo der Hebel hauptsächlich anzusetzen ist, könnte dieses Debakel in einiger Zeit vielleicht sogar als lehr- und hilfreich in die Annalen eingegangen sein. Der VfB braucht Kerle, echte Männer auf dem Platz, die die vielen Youngster im Team in schwierigen Phasen mitnehmen und mit Ruhe und Besonnenheit vorneweg gehen.

Das 4:3 in der Vorsaison in Leverkusen war ein Paradebeispiel der Machtlosigkeit eines Trainers, wenn das Unheil einmal seinen Lauf genommen hat. Viele machen diese Niederlage noch immer am damaligen Trainer Zorniger fest, doch, es gibt auch Gegenstimmen wie die von Didi Hamann, der dazu meinte, dass ihm zu seiner Zeit ein Trainer erzählen haben könne, was er wollte, bei einer 3:1-Führung auswärts hätte er als Abräumer die Mittellinie nicht mehr überquert. Dazu bedarf es jedoch einer gewissen Spielintelligenz, die beim VfB nach wie vor nicht gegeben ist.

Ob das Dresden-Debakel den Ausschlag dafür gab, ein paar Tage später den letztjährigen Team-Psychologen Philipp Laux zurück an den Neckar zu holen? Auf jeden Fall zeigt sich auch in diesem Fall wieder wie grundverschieden die Auffassungen Luhukays und Schindelmeisers gewesen sein müssen und wie antiquiert Luhukay unterwegs war. Im heutigen Fußball gehört ein Psychologe ebenso zum Staff wie der Konditionstrainer und der Koch, so dass es nachvollziehbar ist, jetzt, wo Luhukay Geschichte ist, die Rolle rückwärts in der Personalie Laux vollzogen zu haben. Beurteilen kann ich ihn freilich nicht. In der letzten Saison, als das Team sehenden Auges dem Abstieg entgegen taumelte, hätte man sich gewünscht, dass da einer ist, der ihnen Ängste nimmt und Mut zuspricht, nur, inwiefern Kramny auf seine Dienste setzte und ob er von den Spielern überhaupt in Anspruch genommen wurde, darüber gibt es leider wenige Informationen.

Gegen die Münchner Löwen war also Wiedergutmachung Pflicht! Dass die VfB-Fans auch nach einem 0:5 in Dresden heiß auf die 2. Liga sind, zeigte die abermals überragende Zuschauerzahl von 55.100. Beim ersten Pflichtspiel-Aufeinandertreffen mit den Löwen seit dem März 2004 legte der VfB los wie die Feuerwehr und führte bereits nach 18 Minuten mit 2:0 durch Tore von Berkay Özcan und Simon Terodde.
Özcan durfte mal wieder für Maxim ran und rechtfertigte seine Nominierung mit einem starken und technisch feinen Spiel. Terodde war wieder beschwerdefrei und knipste sofort, wie man es von ihm kennt.
Nachdem die Löwen in der 35. Spielminute per Freistoß zum schmeichelhaften Anschlusstreffer kamen, war bereits der Endstand perfekt. Das Spiel lebte fortan nur wegen des Zwischenstandes von der Spannung, ansonsten war das eine sehr einseitige Angelegenheit.

Da der VfB eine Vielzahl hochkarätiger Chancen fahrlässig liegen ließ, während die 60er kaum ernsthafte Torannäherungen verzeichnen konnten, blieb die Begegnung bis in die Schlussminuten hinein spannend. So hatte der VfB sogar noch Glück, dass den Münchnern in der Nachspielzeit ein regulärer Treffer aberkannt wurde und der Sieg über die Zeit gebracht werden konnte. Glück in diesem Zusammenhang ist allerdings relativ, weil dem VfB zuvor ein klarer Handelfmeter verweigert wurde und das schwache Schiedsrichtergespann uns auch sonst nicht wohlgesonnen war.

Emotionaler Höhepunkt des Abends war dann aber die Einwechslung von Daniel Ginczek knapp zehn Minuten vor Spielende. Begleitet von Standing Ovations und Gänsehaut bei wohl den meisten im weiten Rund, betrat Ginni exakt 392 Tage nach seinem letzten Pflichtspiel den Rasen des Neckarstadions. Dass Daniel Ginczek noch nicht so weit für ein Spiel über 90 Minuten ist und langsam herangeführt werden muss, versteht sich von selbst. Ich hoffe sehr, dass seine Leidenszeit nun zu Ende ist und er von größeren Rückschlägen in der Zukunft verschont bleibt. Mit einem fitten Ginczek wären wir wohl nicht abgestiegen, die Aussichten auf den Aufstieg dürften mit einem spätestens zur Rückrunde komplett fitten Ginczek sprunghaft ansteigen.

Die Wiedergutmachung war also gelungen, auch wenn das eine oder andere Törchen mehr unserem geschundenen Torverhältnis sehr gut getan hätte. Freitag-Spiele finde ich eigentlich richtig geil, sofern man sie denn gewinnt. Das Wochenende beginnt gerade, der Abend ist auch nach Schlusspfiff gegen 20.30 Uhr noch lang genug, man kann den Sieg das ganze Wochenende über auskosten und sich zudem genüsslich die Hände reiben, wenn die Konkurrenz an den Folgetagen Federn lässt.

Sieg feiern? Hätten wir gerne ausgiebiger gemacht, doch, was gibt es Besseres, als zwischen dem Ligaspiel gegen 1860 und dem Pokalspiel in Gladbach kurz mal nach Palma de Mallorca zu jetten.
Weil wir schon mal dort waren, ließen es sich meine zwei Mitstreiter und ich nicht nehmen, das LaLiga 2-Spiel RCD Mallorca gegen AD Alcorcón zur besten Frühschoppen-Zeit, Sonntag 12 Uhr, anzuschauen.
Dass beim Aufeinandertreffen des 16. gegen den 18. keine fußballerische Feinkost zu erwarten sein würde, war uns klar, ging es doch mehr das Drumherum. Leider wurde es nicht das erhoffte Frühschoppen-Spiel, denn, mit alkoholfreiem Bier macht kein Frühschoppen so richtig Spaß.

7.884 Zuschauer im Iberostar Estadi kamen im Grunde nur bei den drei Elfmetern auf ihre Kosten, ansonsten war es ein Aufeinandertreffen Not gegen Elend, bei dem Mallorca wenigstens einen Elfer zum 1:0-Endstand versenken konnte. Um den einen oder anderen Gästefan ausfindig zu machen, wäre ein Tor der Gäste hilfreich gewesen. Zwischen 100 und 150 RCD-Ultras mühten sich nach Kräften um Stimmung und gaben unermüdlich Gas; fast dagegen an spielte ein mit Musikinstrumenten ausgestattetes Oktett auf der Haupttribüne.

Blendet man das fußballerische Unvermögen auf dem Rasen einmal aus, war es ein gelungener Trip in die Hauptstadt der Ferieninsel bei sommerlichen Temperaturen. Da nach längerer Wartezeit auch endlich noch ein Taxi kam, waren wir rechtzeitig zurück im Bierkönig zur Closing-Show von Mia Julia am frühen Abend.

Wir als Allesfahrer legen den Urlaub meist so, möglichst kein VfB-Spiel verpassen zu müssen. Deshalb hieß unsere Ziel-Destination an besagtem Dienstag auch nicht Stuttgart, sondern Düsseldorf, um rechtzeitig zum Pokalspiel in Mönchengladbach zurück zu sein.

Nach einem angenehmen Nachmittag in der Düsseldorfer Altstadt, ging es am frühen Abend nach Mönchengladbach. Die Rückfahrt plante ich mit dem RWS-Bus ein, so dass ich in diesem nach dessen Ankunft mein Gepäck verstaute und es hinein in den Borussia-Park ging. Nach Mönchengladbach fahre ich immer gerne, hat man dort doch wenig Probleme beim Einlass und auch das Ordnungs- und Bedienpersonal im Stadion empfinde ich meist als routiniert und entspannt.

Direkt nach der Auslosung, bei der das Los auf Mönchengladbach fiel, sah ich das Erreichen des Achtelfinales als aussichtsloses Unterfangen an. Zu groß inzwischen die Unterschiede zwischen dem Championsleague-Teilnehmer und dem Zweitligisten. Zu stark deren quirlige Offensive gegenüber unserer schlafmützigen Abwehr. Aber, Gladbach schwächelt derzeit und rettet sich mehr durch die englischen Wochen, als, dass es seine spielerische Leichtigkeit auf den Platz bringen würde.

Zuletzt kamen sie gegen schwache Hamburger nicht über ein 0:0 zu Hause hinaus und gewannen bei Celtic Glasgow in der Championsleague mit 2:0, was jedoch nicht unbedingt ein Maßstab ist, verlor Celtic doch beim FC Barcelona vor ein paar Wochen noch mit 0:7.

In der Bundesliga gegen Schalke, den HSV und die Bayern blieben die Borussen zuletzt drei Mal in Folge torlos, so dass ihr Selbstvertrauen auf jeden Fall nicht überbordend groß gewesen sein dürfte. Der VfB ist hingegen eine Wundertüte und kann an guten Tagen durchaus mit den Großen mithalten.

Ein Galaauftritt war also nicht von vornherein auszuschließen, allerdings genauso wenig wie ein Debakel, wenn man naiv in Gladbacher Konter rennen bzw. die Gladbacher Treffer selbst auflegen würde. Da die Gladbacher Defensive derzeit ebenfalls nicht vor Selbstvertrauen strotzt, traute ich es vor allem unseren schnellen Offensivkräften zu, die Elf vom Niederrhein in Verlegenheit zu bringen.

Deshalb war ich im Vorfeld des Spiels enttäuscht darüber, dass der ganz große Fokus eher auf dem Derby gegen den KSC als auf dem nächsten Spiel zu liegen schien. Zudem sendete der VfB Signale aus, die darauf schließen ließen, dass man nicht wirklich alles auf die Karte Weiterkommen setzen werde.

Terodde, Pavard und Ginczek ließ man zu Hause, da angeschlagen bzw. die Belastung zu hoch (Ginczek), zudem ging man den ungewohnten Weg der Anreise erst am Spieltag, was auch den Spielern den Eindruck vermitteln musste, dass dieses Spiel weniger wichtig als andere sei.

Ich bin ja schon ein Freund von Kosteneinsparungen rund ums Team, vor allem, was die Auswahl der Hotels angeht, dann aber bitte konsequent und durchgängig und nicht nur, wenn man sich für ein lästiges Pokalspiel unter der Woche nichts ausrechnet.

Es ist zwar hypothetisch darüber zu philosophieren, ob der VfB eine Runde weiter gekommen wäre, wenn man den Auftritt im Borussia-Park positiver und als große Chance verkauft hätte, als Fan hätte ich mich dann jedenfalls nicht etwas verschaukelt gefühlt. Der Pokal ist ja nicht nur der kürzeste Weg nach Europa, sondern birgt pro weiterer erreichter Runde eminent hohe Einnahmemöglichkeiten, die den Handlungsspielraum eines Zweitligisten entscheidend vergrößern könnten.

Dass es geplant war, Ginczek zu Hause zu lassen, war nachvollziehbar und dennoch hätte ich ihn, nachdem Terodde kurzfristig ausgefallen war, nachnominiert, um ggf. bei einem Rückstand in der Schlussphase personell nachlegen zu können und den Gladbachern schon allein durch seine Anwesenheit Respekt einzuflößen.

Der Hauptfokus lag aber offensichtlich auf dem Derby, wobei für mich ein Weiterkommen im Pokal einen Derbysieg auch nicht ausgeschlossen hätte. Aber, sei’s drum, dem VfB fehlte ohne seine etatmäßigen Knipser einmal mehr die Durchschlagskraft, sonst wäre in der Tat mehr drin gewesen. So war man hauptsächlich darauf bedacht, mit Anstand zu verlieren und sich nicht wie in Dresden auseinander nehmen und abschießen zu lassen.

Zwei Konter-Tore der Gladbacher besiegelten schließlich das Aus in der 2. Runde. Dem VfB muss man vorwerfen, zu bieder vorgespielt zu haben und dass es einfach nicht reicht, bis zum Sechzehner nett mitzuspielen, wenn man dabei vergisst, sich in Abschlusssituationen zu bringen.

Die Anreise erst am Spieltag soll noch zu Zeiten von Jos Luhukay festgelegt worden sein, ob Wolf diese Planung noch umwerfen wollte oder ob auch sein Fokus hauptsächlich auf dem Derby lag, darüber ist nichts bekannt. Anzunehmen ist es aber schon, dass Aufstellung und Kader bei einem Ligaspiel anders ausgesehen hätten.

Als einer der knapp 1.300 Unentwegten und einer von dreien mit der wohl weitesten Anreise zum Spiel, hätte ich mir für dieses Alles-Oder-Nichts-Spiel mehr Ernsthaftigkeit gewünscht.

Ein Spielrhythmus Freitag-Dienstag-Sonntag, sollte von Profis schon einmal ausgehalten werden können, zumal in dieser Zeit ja dafür mehr regeneriert denn trainiert wird und nur eines dieser Spiele wirkliche Reisestrapazen mit sich gebracht hätte. Der eine oder andere überbelastete Spieler hätte auch gegen Bielefeld oder Aue heraus rotiert werden können, aber doch bitte nicht in einem Alles-Oder-Nichts-Spiel.
Das vierte Spiel binnen neun Tagen führte uns dann in die verbotene Stadt nach Ostfrankreich zum Derby. Nach den bürgerkriegsähnlichen Zuständen rund um das Derby im Wildpark 2009, wünschte ich mir, trotz einer gewissen Derby-Affinität, dass sich die Wege mit dem KSC so schnell nicht mehr kreuzen würden. Damals versagte die Obrigkeit komplett. Am Bahnhof Durlach und vor dem Block wurden die VfB-Fans einkesselt und wie Vieh behandelt, während den KSC-„Fans“ und deren Verbündeter weitestgehend freies Geleit gewährt wurde.

Daraus hat die Staatsmacht offensichtlich gelernt. Die Strategie der rigorosen Fantrennung ging am Sonntag auf. Sicherlich auch aufgeschreckt durch Mord- und Jagdaufrufe von KSC-Anhängern schon Wochen vor dem Derby, fuhr das Land Baden-Württemberg bis zu 1.500 Beamte in Kampfmontur und sogar Wasserwerfer auf. Normalerweise sehe ich es lieber, wenn sich die Polizei unauffällig im Hintergrund verhält, weil vieles nicht so heiß gegessen wird, wie es gekocht wird. Hier aber hielt ich das Aufgebot für angemessen, einfach um die Sicherheit der vielen tausend „normalen“ Stadiongängern, der Frauen und Kinder zu gewährleisten.

Man wusste nicht, was einen erwarten würde, Feuerwerksgeschosse in den Block, Angriffe auf Fanbusse oder den Mannschaftsbus, alles schien denkbar. Deshalb war diese Null-Toleranz-Strategie die einzig richtige an diesem Sonntag.

Auch wenn 2009 auch bei mir noch nachwirkt und ich diese Jagdszenen, wie ich sie selten erlebt habe, wohl auch nie vergessen werde, kam es für mich nie ernsthaft in Betracht, mich diesem Wahnsinn zu beugen und auf das Spiel zu verzichten.

Verbale Scharmützel und die einen oder anderen handfesten Auseinandersetzungen brachten die Derbys gegen den KSC schon immer mit sich. Ein Derby ist ja auch kein Kindergeburtstag, die Antennen sollten jederzeit ausgefahren sein, wenn man in nichts hineinkommen möchte.

Dass man mittlerweile aber befürchten muss, wie 2009 geschehen, dass Feuerwerksraketen auf Menschenmengen abgefeuert werden, und dass Horden wild gewordener Karlsruher, Herthaner, Straßburger auf alles los gehen, was weiß-rot trägt und dabei nicht einmal vor Frauen und Kindern Halt machen, geht für mich eindeutig zu weit.

Früher konnte man noch relativ unbehelligt mit dem Zug anreisen und mit öffentlichen Verkehrsmitteln zum Stadion gelangen, was heute fast undenkbar ist, zumindest mit VfB-Devotionalien geschmückt.
Außer der zunehmenden Verrohung der Sitten gab es aber auch Protagonisten bei den Vereinen, die den Hass aufeinander weiter schürten. Vor allem Winfried Schäfer ist hierbei hervorzuheben, der früher keine Gelegenheit ausließ, darüber zu lamentieren, dass sich die Badener ihren Erfolg hart erarbeiten müssten, während den Schwaben aus der Landeshauptstadt alles in den Allerwertesten geschoben werden würde. Schäfer stilisierte Derbys stets zum Krieg hoch und forderte die Seinen selbst beim Hallenturnier in der Schleyerhalle dazu auf, die Brustringträger umzuhauen, was ich persönlich erlebte, als ich mal unweit der Trainerbank stand.

Nicht zuletzt deshalb war für mich die Verpflichtung des Langhaardackels aus Ettlingen 1998 ein absolutes No-Go und Grund genug meine Mitgliedschaft zu kündigen und für die anstehende Saison keine Dauerkarte mehr zu nehmen. Später erhitzte dann noch die Affäre um Maik Frantz und Mario Gomez die Gemüter, aus der Frantz, man betrachte nur seine persönliche Abstiegs-Serie, als klarer Verlierer hervorging.

Nach all diesen Vorzeichen war es dann ganz großes Kino von der DFL, dass die Berliner Hertha an diesem Sonntag um 15.30 Uhr gerade einmal 60 Kilometer entfernt in Sinsheim spielte.

Ich hatte es bereits zu den Ausschreitungen rund um das Hertha-Spiel in Stuttgart geschrieben, manchmal muss man den Eindruck bekommen, dass die DFL solche Konstellationen bewusst sucht, und es auf Ausschreitungen ankommen lässt, um Gründe geliefert zu bekommen, die Zügel noch weiter anzuziehen. Da die Polizei die Fanlager konsequent trennte, kann ich jedoch nicht einmal sagen, ob sich Berliner KSC-Freunde zum Mob hinzugesellt haben. Von dem Fanmarsch der Karlsruher, bekam ich genau so wenig mit, wie davon dass sie ein Plüsch-Krokodil verbrannten und ihnen offensichtlich einer dabei abging.

Unser Bus kam unbehelligt am Busparkplatz nahe des Gästeblocks an. Wir hatten uns Karten im Block E3 besorgt, der hinter dem Tor gelegen ist und nicht zum Gästefanbereich gehört. Da auf den Karten aufgedruckt war, dass Gästefan-Kleidung in diesem Bereich nicht zulässig ist, waren wir völlig neutral gekleidet und als VfBler auf den ersten Blick nicht erkennbar. Auf dem Weg zum Block, auf dem uns VfBler und KSCler entgegenkamen, kam es zu keinen Provokationen, die aufgrund der hohen Polizeipräsenz jedoch wohl auch sofort unterbunden worden wären.

Am Eingang in den Block musste ich mir dann noch die Blöße gegeben, auf die Frage „VfB oder KSC?“ mit „KSC“ zu antworten. Im Vorfeld hatte ich mitbekommen, dass viele VfBler das Restkontingent der Blöcke E3 und E4 aufgekauft haben, weil es der KSC mit einem Zuschauerschnitt von gerade einmal knapp 14.000 Zuschauern vor dieser Begegnung es nicht einmal zum Derby schafft, sein Stadion mit eigenen Leuten komplett zu füllen.

Da im Sitzplatz-Block des Gästebereiches noch genügend Platz war, agierten die Ordnungskräfte konsequent und beorderten VfBler, die als solche zu erkennen waren, ohne große Diskussionen dort hin. Im Block traf ich dann allerdings doch viele neutral gekleidete VfBler, die mir verschmitzt entgegen grinsten. Zunächst einmal ließ man den VfBler eher verhalten heraus hängen, was sich jedoch noch ändern sollte.

Glück für uns war, dass die Ordner im Block, als es langsam auf den Spielbeginn hin ging, nicht herum stressten, dass man seine Plätze einnehmen müsse. So konnte ich das Spiel weitestgehend „frei“ verfolgen und war nicht gezwungen auf einer der stark verschmutzten Sitzschalen Platz zu nehmen. Anita wollte ihre sauber schrubben, kapitulierte dann aber doch irgendwann einmal. Ich habe selten ein dreckigeres Stadion gesehen!

Das Intro hatte dann noch eine martialische Botschaft auf einer Choreographie der Badener zu bieten, in denen der Hoffnung Ausdruck verliehen wurde, „das Schlachtfeld als Sieger zu verlassen“, während aus dem VfB-Block roter Rauch aufstieg und das Stadion kurzerhand in unsere Farben hüllte. Da kam dann wenigstens für kurze Zeit knisternde Derby-Atmosphäre auf, die ich über weite Strecken an diesem Tag vermisste.

KSC-VfB ist ja auch nicht mehr das Derby früherer Tage, als man sich noch auf Augenhöhe begegnete. Wir geben derzeit ein hoffentlich nur einjähriges Gastspiel in der 2. Liga und doch sind wir als gefühlter Erstligist dem Abstiegskandidaten KSC in allen Belangen (Etat, Kader, Infrastruktur, Fanpotential, etc.) weit überlegen. Wie jedes 2. Liga-Spiel bisher, hatte auch dieses für mich eher Pokal- denn Derbycharakter.

Diese Überlegenheit galt es auf dem Platz zu zeigen, was anfangs schon einmal gelang. Nachdem dem KSC die Anfangsphase gehörte, nutzte der VfB gleich seine erste Torannäherung zur Führung. Berkay Özcan bewies Übersicht und schlug einen Ball weit auf die linke Seite, Mané ließ die Flanke direkt zu Asano abtropfen und der Japaner vollendete ebenfalls direkt.

Alle drei erwiesen sich dabei als handlungsschnell und zeigten damit, wie dem KSC beizukommen war. Takuma Asano gelang dabei sein erstes Tor im Trikot mit dem Brustring. Vor allem Mané und Asano als wieselflinke Flügelzange wirbelten die Karlsruher Abwehr ein ums andere Mal durcheinander und bewiesen, dass sie, wenn sie sich mal richtig akklimatisiert haben, zu einer echten Waffe werden können.

Faszinierend war es dann, wie viele auf den ersten Blick nicht als VfB-Fans erkenntliche Leute aufsprangen und den Treffer feierten. Selbst bei „Steht auf, wenn ihr Schwaben seid“ erhob sich annähernd ein Drittel im Block, so dass schnell die letzte Scheu verflogen war, auch ungeniert schwäbisch zu schwätzen.

Dennoch blieb es erfreulich ruhig im Block und es kam zu keinerlei Provokationen oder unschönen Szenen, zumindest habe ich keine mitbekommen. Die Hardcores sitzen dann doch auf der anderen Seite und, außer dass wir uns über das Tor oder später den Sieg freuten, ließen wir sie ja auch in Ruhe.

Bedauerlich war es dann im weiteren Spielverlauf, dass der VfB einmal mehr nicht konsequent genug auf das 0:2 spielte, hauptsächlich auf Sicherheit bedacht war und die Karlsruher kommen ließ.
Vor allem der mit der chronisch imaginären inneren Handbremse versehene Kapitän Christian Gentner ging ein des Öfteren nicht auf die Schnelligkeit von Mané und Asano ein und wählte wie gewohnt den Rück- oder Querpass anstatt die Gunst der Stunde zu nutzen und das Spiel schnell zu machen.

Mit Gentner hatte man acht mehr oder weniger defensiv denkende Akteure auf dem Platz, woraus sich einmal mehr ein Spiel des Ergebnis Verwaltens entwickelte, anstatt dass man dem limitierten Underdog schon früh den Garaus gemacht hätte, indem man ein „einfach“ ein zweites Tor nachgelegt hätte.

Da man den KSC kommen ließ, entwickelte sich ein durchaus packendes Derby mit Chancen hüben wie drüben.

Šunjić ließ seinem starken Spiel gegen die Münchner Löwen ein durchwachsenes folgen und hatte seine besten Szenen im gegnerischen Strafraum. Nur knapp scheiterte er bei seiner Kopfball-Doppelchance in der 24. Minute.

Kaminski feierte endlich sein Debüt im VfB-Dress und legte zunächst auf der Sechs, später in der Innenverteidigung einen soliden Auftritt hin. Luhukays Wunschspieler, an dem vor der Saison auch der KSC interessiert war, wurde ja bereits früh als Fehleinkauf tituliert, und das von „Fans“, die ihn sehr wahrscheinlich noch nie kicken gesehen haben. Ich wunderte mich eher darüber, dass er bis Sonntag außen vor war, weil ich beim Trainingslager in Grassau meinte erkannt zu haben, dass Kaminski/ Baumgartl als Innenverteidiger-Duo die Nase vorn haben würden. Durch Baumgartls Ausfall zu Saisonbeginn waren diese Planspiele dann jedoch schnell wieder über den Haufen geworfen. Jedenfalls zeigte Kaminski auf Anhieb, dass er eine ernstzunehmende Option auf einen Startelfplatz sein kann.

Auch bei seinen Einwechslungen bewies Hannes Wolf ein glückliches Händchen. Zur Pause brachte er Simon Terodde für Toni Sunjic, Kaminski rückte für ihn in die Innenverteidigung und Özcan zurück ins Mittelfeld. Ehe der KSC sich versah und sich auf die Personalrochaden einstellen konnte, stand es 0:2. Emiliano Insúa flankte butterweich auf den Kopf von Terodde, dessen unwiderstehlicher Kopfball-Torpedo scharf im Netz des von Orlishausen gehüteten Karlsruher Kastens einschlug. Terodde kostete den Moment aus und feierte seinen Treffer vor dem noch von Rauchschwaden eingehüllten VfB-Block.
Der KSC, der kaum in nennenswerte Abschlusssituationen kam, lag am Boden und kam doch völlig überraschend und unverhofft ins Spiel zurück. Bei einer Flanke von rechts war Insúas Arm im Weg, so dass es folgerichtig Elfmeter gab. Nach der heutigen Regelauslegung war der Elfer berechtigt, auch wenn ich mich in solchen Situationen immer wieder aufs Neue aufrege und mir die gute alte Zeit zurückwünsche. Damals gab es Elfmeter für absichtliches Handspiel, nicht aber für „angeschossen“. Alles lamentieren half nichts, Stoppelkamp traf vom Punkt und das Spiel war wieder spannend. Obwohl der KSC offensiv nachlegte, hatte die VfB-Defensive den Gegner weiterhin gut im Griff und ließ wenig bis überhaupt nichts zu.

Dennoch dauerte es bis zur 86. Minute, ehe der eingewechselte Maxim, erneut nach Flanke von Insúa, im Strafraum zwei Haken schlug und die Kugel zum erlösenden 1:3 unter die Latte drosch. Kleine Anekdote am Rande: just in diesem Moment war ich in einem dieser einladenden Dixi-Klos zugange und befürchtete schon, wegen der enormen Lautstärke des Torjubels, der Ausgleich wäre gefallen. Erst als mir auf dem Rückweg in den Block zahlreiche enttäuscht dreinblickende Karlsruher entgegen kamen, wurde es mir bewusst, dass die Entscheidung gefallen war und wie viele VfBler sich tatsächlich auch außerhalb des Gästeblocks Karten besorgt hatten.

Wenig später war Schluss! Das Derby war gewonnen, die VfB-Ultras entrollten ein „Derby-Sieger“-Banner und die Party konnte beginnen.
Den VfBlern wurde nach dem Spiel dann noch eine gut halbstündige Blocksperre verordnet. Auch diese war nachvollziehbar, um nicht mit Karlsruhern ins Gehege zu kommen. Wir durften freilich sofort hinaus und hatten noch den einen oder anderen netten Plausch mit aus Stuttgart herbei beorderten Polizeikräften, die sich zum einen mit uns über den Sieg freuten und zum anderen sichtlich erleichtert darüber waren, dass ihr Arbeitstag bis hier hin recht entspannt verlief. Bis zur Autobahn bekamen wir dann noch Geleit eines Raureiters, so dass sich auch die Abreise ohne Zwischenfälle ereignete.
Auch heute fühlt sich dieser Derbysieg noch richtig gut an, wenngleich es auch für diesen Sieg „nur“ drei Punkte gibt.

In Euphorie breche ich jedoch nicht aus. Könnte ich den Wiederaufstieg gegen den Derbysieg eintauschen, würde ich es tun. Bei vielen hat man den Eindruck, dieser Derbysieg stünde über allem, für mich nicht. Inzwischen kämpfen wir doch mit völlig ungleichen Waffen, so dass alles andere als ein Sieg einer Blamage gleichgekommen wäre.

In dieser 2. Liga, in der es dem VfB von der Papierform möglich sein sollte, gegen jeden Gegner zu gewinnen, warten ganz andere Kaliber auf den VfB, als dass man diesen Sieg gegen eine Durchschnittstruppe höher einordnen sollte, als er tatsächlich ist. Gut tut es dagegen, dass die Karlsruher sich nun kleinlauter geben und auf den Abstiegskampf konzentrieren dürften, anstatt Giftpfeile nach Bad Cannstatt zu schicken.

Ein Derby verliert den Reiz, je weiter die Schere auseinander gedriftet ist. Ein Blick nach Schottland genügt, auch dort wurde der 5:1-Sieg der Bhoys gegen den Aufsteiger Glasgow Rangers jüngst nicht überschwänglich gefeiert, auch das Old Firm ist nicht mehr das, was es einmal war, weil Celtic den Rangers in den letzten Jahren in Siebenmeilenstiefeln enteilt ist.

Auch die Atmosphäre auf den Rängen empfand ich für ein Derby enttäuschend. Wie üblich, seit es die Ultras gibt, wird mir zu wenig auf das Spiel, den Gegner, den Spielverlauf Bezug genommen und wird die Mehrheit im Block mit dem Einheits-Dauer-Singsang eingeschläfert und nicht so recht zum mitmachen bewegt. Dies galt im Übrigen für beide Fan-Lager. Die Ultras machten ihr Ding, während es im Rest des Stadions für ein Derby bemerkenswert emotionslos vonstattenging. Da auch auf dem Platz wenig Gift und Galle versprüht wurde, sprang der Funke aber auch nicht so recht über.

Ein Sieg gegen den Rivalen tut zwar gut, als Gradbesser für die nächsten Spiele darf er jedoch nicht her halten. Wer jetzt meint, die Füße hochlegen zu können und er habe bereits etwas erreicht, ist fehl am Platz und dürfte es mit Hannes Wolf zu tun bekommen.

Gegen Bielefeld im nächsten Heimspiel muss der Auswärtssieg beim KSC vergoldet werden. Die nächsten Wochen werden schließlich nicht einfacher. Nach Bielefeld folgt die Länderspielpause und danach geht’s zu Eisern Union nach Berlin.

In den letzten Jahren hatte der VfB meist Probleme nach einer Länderspielpause und setzte das darauf folgende Spiel fürchterlich in den Sand, jüngstes Beispiel, das 0:5 in Dresden. Diesem Trend muss der VfB trotzen, möchte er endlich seiner Favoritenrolle in der Liga gerecht werden. Der VfB ist so langsam wieder in der Spur, der Angriff auf die Tabellenspitze darf, nicht zuletzt aufgrund der jüngsten Patzer der Konkurrenz, in den nächsten Wochen gerne weitergehen.

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11. Februar 2010

FC St. Pauli-KSC und 1. FC Nürnberg-VfB binnen gut 24 Stunden!

Ich wollte schon lange mal wieder nach St. Pauli, da auf mich das Millerntor und die Atomsphäre dort immer eine große Faszination ausüben. Aufgrund der oft kurzfristigen Spielansetzungen ist das aber nicht so einfach, schon gar nicht, wenn man, wie ich, möglichst auch deswegen kein VfB-Spiel verpassen möchte. Da die ersten Spieltage eines neuen Jahres immer “schon” im Dezember angesetzt werden, nahm ich diesen Spieltag ins Visier. Freitags St. Pauli gegen den KSC, Samstags den VfB beim Club. Da wir uns bei der letzten Aktion von Lidl mit Bahntickets eingedeckt haben und diese Freitags nicht gültig sind, fuhren wir schon am Donnerstag los. Erstes Hindernis war, dass ausgerechnet an diesem Donnerstag die SSB streikten und wir dadurch auf einen Fahrer zum Bahnhof angewiesen waren. Dies tat aber unserer Vorfreude keinen Abbruch und so bestiegen wir gegen halb zwölf den ICE Richtung Hamburg Altona. In Hamburg angekommen fuhren wir mit der U-Bahn zu Hagenbecks Tierpark, wo wir abgeholt wurden. Wir sind schon seit einigen Jahren mit einigen St. Paulianern gut befreundet, so konnten wir auch wieder bei Christel und Holger in Kaltenkirchen übernachten. Am Abend tranken wir dann gemütlich ein paar Bierchen, bekamen auch was zu essen und schauten uns zur Einstimmung auf den Freitag das St. Pauli-Aufstiegsvideo von 2007 an.

Am Freitag dann ließen wir den Tag spät und gemütlich anklingen und fuhren irgendwann mit der AKN-und S-Bahn nach Hamburg rein. Dort nahmen wir noch die U-Bahn und stiegen Feldstraße aus, um zum Millerntor zu pendeln. Gleich am Ausgang der Haltestelle traute ich meinen Augen und Ohren nicht, als ein sichtlich angetrunkener Badenser intonierte “St. Pauli und der KSC – Die Freundschaft”. Hab erst gedacht, ich bin im falschen Film, bis sich herausstellte, dass dies wohl eher einseitiges Wunschdenken war, und kein St. Pauli-Fan darauf reagierte. Weitere Vorkommnisse dieser Art hatte ich dann auch nicht mehr registriert. Insgesamt war alles friedlich. Ich muß auch herausstreichen, dass ich nicht zu dem Spiel gekommen bin, um die Gelbfüßler zu provozieren, sondern um mich möglichst mit dem FC St. Pauli über einen Sieg, und dadurch natürlich auch über eine Niederlage des KSC, zu freuen. So trug ich auch keine VfB-Utensilien zur Schau, man möchte ja schließlich auch nicht unbedingt für irgendwelche Tumulte verantwortlich sein. Vor dem Spiel tranken wir noch ein paar Astra im AFM-Container, um uns darin aufzuwärmen und holten uns die Stadionzeitung.

Wo doch im Süden der Republik an diesem Wochenende kurzzeitig der Frühling Einzug erhalten hat, herrschte im Norden noch Dauerfrost. Das Streusalz ist in ganz Hamburg knapp geworden, so dass die meisten Wege und Straßen vereist waren. Ich kann von Glück reden, dass ich kein einziges Mal auf dem Hosenboden saß, toi, toi, toi. Schließlich trafen wir dann beim Herausgehen noch Bekannte aus alten Zeiten, die nicht schlecht staunten, dass ich mich auch mal wieder am Millerntor blicken ließ. Danach ging es dann auch gleich zu unserem Platz in der Nordkurve. Das Stadion nimmt langsam Konturen an. Die neue Südtribüne hatte ich ja schon bei unserem Freundschaftsspiel vor Beginn der Saison 2008/2009 gesehen, jetzt saß ich auf der durch eine Rohrstahlkonstruktion erweiterten Nordtribüne, dafür wurde die Haupttribüne platt gemacht. Ich denke, wenn das Stadion mal fertig ist, wird es ein richtiges Schmuckkästchen sein. Als Nostalgiker fehlt mir aber, wie beim VfB ja auch, die alte Stadion-Gaststätte. Mit der neuen Location in der Südtribüne bin ich noch nicht so warm. Hab allerdings ja leider auch wenig Gelegenheiten mit ihr warm zu werden. :-)

Als wir die ersten Blicke ins weite Rund warfen, staunten wir zu allererst über den Rasen, der den Namen eigentlich nicht mehr verdient hatte. Ein Rübenacker war das. Es war ja geplant in der Woche vor dem Spiel einen neuen Rasen zu verlegen, was aber aufgrund der eisigen Temperaturen leider nicht möglich war. Doch wenigstens fand das Spiel statt, ein Ausfall hätte mich persönlich wirklich hart getroffen. St. Pauli, sehr gastfreundlich, legte dann zur Freude der höchstens 500 mitgereisten Badenser noch das KSC-Vereinslied auf. Dies nutzte ich dann, mir schnell noch ein Astra zu holen. Vor dem Einlauf der Mannschaften  folgte dann die St. Pauli-Hymne “Das Herz von St. Pauli”, wo natürlich die Stimmung sprunghaft anstieg und das Stadion in ein Meer von Wunderkerzen getaucht wurde. Der Einlauf selbst fand traditionell zu Hells Bells statt. Gänsehautatmosphäre schon zu Beginn.

Das Spiel begann rasant, St. Pauli hatte bereits nach wenigen Minuten durch Ebbers die Chance zur Führung. Kurz darauf eine Schrecksekunde, als Matthias Hain, der Torhüter, behandelt werden mußte, er konnte aber weiter spielen.

Für mich war beeindruckend, wie St. Pauli versuchte, von Beginn an, das Spiel an sich zu reißen. Spielerisch lag natürlich aufgrund der äußeren Bedingungen einiges im Argen, doch kämpferisch schaffte es St. Pauli schon zu Beginn dem KSC den Schneid abzukaufen. Klarere Torchancen blieben aber zunächst Mangelware. So resultierte das 1:0 aus der 24. Minute aus einem Freistoß. Rouwen Hennings hämmerte den Ball aus 30 Metern in die Maschen, Miller im KSC-Tor blieb chancenlos.

In der Folgezeit hatte St. Pauli Chancen zu erhöhen, vergab diese jedoch leichtfertig. Vom KSC war so gut wie nichts zu sehen, bis zur 40. Minute, als Naki den Ball vertändelte und Chrisantus, die Leihgabe vom HSV, diesen Fauxpas bestrafte. Doch St. Pauli, im Stile einer Spitzenmannschaft, zeigte sich nicht geschockt und erhöhte nur vier Minuten später nach Ozcipka-Flanke erneut durch Hennings auf 2:1. Mit diesem Resultat ging es in die Kabinen.

Nach der Pause mußten die Karlsruher Rabauken dann erst mal zündeln. Da der Wind günstig stand, nebelten sie nur sich selbst ein.

Auch nach der Pause hatte St. Pauli gute Chancen frühzeitig alles klar zu machen, nutzte sie jeoch nicht und bekam zu allem Überfluß nach Foul von Miller an Ebbers auch noch einen klaren Elfer verwährt.

Der KSC fand zwar fast nicht mehr statt, doch beim Stand von 2:1 muß man ja immer befürchten, noch ein dummes Gegentor zu kassieren. Gott sei Dank blieb den St. Pauli-Fans und auch mir dies erspart. Der FC St. Pauli gewann 2:1 und ist damit weiterhin auf Aufstiegskurs mit 7 Punkten Vorsprung auf den Dritten Augsburg.

Ich drücke St. Pauli die Daumen, dass sie es packen. Für mich ist es ein sehr sympathischer Verein mit tollen Fans, auch wenn ich weiß, dass viele VfBler ein Problem mit denen haben. Es mag daran liegen, dass ich gute Beziehungen und Freundschaften dort hin habe und jedes Mal sehr gut aufgenommen wurde. Außerdem übt auch Hamburg und dabei vor allem der Stadtteil St. Pauli mit den Landungsbrücken, dem Fischmarkt, den Kneipen etc, eben mit all seinen Facetten eine große Faszination auf mich aus und ist mit Abstand meine Lieblingsstadt in Deutschland, außer Stuttgart natürlich. ;-)

Nach dem Spiel ging es dann natürlich noch ein wenig auf den Kiez, allerdings nicht bis in die Puppen, zum einen war es äußerst kalt, andererseits mußten wir ja noch den letzten Zug nach Kaltenkirchen bekommen.

Am nächsten Morgen war erstmal ausschlafen angesagt. Nach einem ausgiebigen Frühstück wurden wir dann wieder nach Hamburg gebracht, wo um 12.01 unser ICE nach Nürnberg abfuhr. In sagenhaften 4 Stunden 23 Minuten  schaffte es dieser pünktlich in die Frankenmetropole. Dort wurden wir erstmal mit einem einfallsreichen “Stuttgarter Arschlöcher” empfangen, was meine Vorfreude auf einen Auswärtssieg auch nicht unbedingt schmälerte. Vom Bahnhof aus fuhren wir mit der U-Bahn Richtung Messe Nürnberg, wo nicht nur die Spielwarenmesse stattfand, sondern auch die VfB-Fanbusse parkten. Dort konnten wir unser Gepäck unterbringen und nach dem Spiel mit zurückfahren. Als wir dort ankamen, war die Freude erstmal riesig, dass alles so perfekt geklappt hat. Vor dem Abmarsch zum Stadion genehmigte ich mir zunächst einmal noch ein Hofbräu zur Feier des Tages. Dann ging es also los in Richtung Stadion, vom Parkplatz aus etwa 600 Meter Fußweg. Wie in Nürnberg üblich wird man dort als auswärtiger Fan ständig angepöbelt. Wenn man wie ich nicht auf Ärger aus ist, schaltet man eben auf Durchzug. Am Stadion folgten wir dann den Wegweisern zu unserem Block. Als wir dort um Einlaß baten, wurden wir umgehend zurückgewiesen. Aufgrund der großen Anzahl der Gästefans wurde der Gästebereich erweitert. Unser Block gehört normalerweise schon zum Nürnberger Revier, so mußten wir also umdrehen und doch wieder zum Gästeeingang. Darauf hätten sie auch von vornherein hinweisen bzw. beschildern können, aber soviel Flexibilität kann man wohl nicht überall erwarten. Dafür kamen wir durch den Einlaß schnell und ohne Probleme durch. Unsere Plätze, nah am durch eine Plexiglasscheibe getrennten Bereich der Nürnberger, waren eigentlich nicht schlecht. Einziges Manko wieder einmal, dass ich unseren Fanblock nur sehr schlecht im Blick hatte. Die Nürnberger boten dann noch eine kleine Choreo “Pro 15.30″ dar, bevor auch schon das Spiel, aufgrund des großen Zuschauerandrangs mit ein paar Minuten Verspätung, angepfiffen wurde.

Das Spiel begann rasant. Dem FCN merkte man an, dass sie durch den Auswärtssieg in Hannover vor Wochenfrist Selbstvertrauen getankt hatten. Die Verstärkungen aus der Winterpause, die Bayern-Leihgaben Ottl und Breno sowie der vom HSV gekommene Tavares spielten allesamt von Beginn an. Beim VfB mußten weiterhin Delpierre und Cacau passen, so dass die gleiche Mannschaft begann, wie beim 4:1 gegen Dortmund. Die erste Chance in der Anfangsphase hatte der Club, Charisteas köpfte jedoch über das Tor. Die Nürnberger waren aggressiv und bissig und versuchten dem VfB frühzeitig den Schneid abzukaufen. Der VfB wirkte in der Anfangsphase beeindruckt und verlor die Mehrzahl der Zweikämpfe. Christian Gross war damit ganz und gar nicht einverstanden und versuchte die Mannschaft von außen immer wieder anzutreiben. Allerdings standen die unseren hinten sehr gut und ließen keine nennenswerten Chancen der Franken zu. Dann fiel wie aus heiterem Himmel mit der ersten richtigen Torchance das 0:1 für den VfB. Khedira düpierte auf dem linken Flügel Andreas Wolf und paßte scharf in den Rücken der Abwehr. Die Nürnberger Innenverteidung konzentrierte sich eher auf Pavel Pogrebnjak im Zentrum und vergaß Timo Gebhart, der mitgelaufen war und aus halbrechter Position trocken ins rechte Toreck von ihm aus gesehen einnetzte. Riesen-Jubel natürlich bei uns im Block und den etwa 3.500 mitgereisten VfB-Fans.

In der Folgezeit ruhte sich der VfB ein wenig auf der Führung aus und brachte nach vorne nicht mehr viel zustande. Die Clubberer rackerten zwar, außer zu relativ ungefährlichen Distanzschüssen von Mintal und Eigler langte es bei ihnen aber auch nicht vor dem Wechsel. In der 42. Minute bei einem der wenigen Vorstöße des VfB hätte es sogar noch Elfmeter für uns geben können, als Diekmeier eine Flanke von Pogrebnjak mit der Hand abwehrte. Gab es aber nicht, so ging es mit der, zumindest aufgrund der Spielanteile, schmeichelhaften Führung in die Kabinen. Wir stärkten uns mit einer original Nürnberger Rostbratwurst, die jedoch leider an eine Stuttgarter Stadion-Rote nicht im entferntesten heranreichte.

Unmittelbar hatte Ciprian Marica, der an seine starken Leistungen der Vorwochen nicht anknüpfen konnte, die große Chance zum vorentscheidenden 2:0 auf dem Fuß, Raphael Schäfer hielt aber sein Team im Spiel. Es war die letzte Aktion von Marica, der, gelbverwarnt, für Kuzmanovic Platz machen mußte. So stellte Christian Gross also auf eine Spitze um, was ich nicht ganz verstand. Gebhart hatte in der 55. Minute zwar aus ähnlicher Position wie zuvor Marica noch das 2:0 auf dem Fuß, fand aber auch in Schäfer seinen Meister. Jedoch verlagerte sich das Spiel in dieser Phase mehr und mehr in unsere Hälfte. Schließlich rächte sich die Passivität des VfB. Der Schweizer Bunjaku, an dem angeblich der VfB interessiert sein soll, düpierte Celozzi, der in dieser Situation nicht gut aussah, und zog ab. Auch Lehmann machte keine gute Figur, kam der Ball doch direkt auf ihn zugeflogen. Auf diesen vermeintlich haltbaren Ball nach dem Spiel angesprochen, beschwerte sich Lehmann über die neuen, immer unberechenbareren Bälle, und betonte, dass er aufgrund dieser weiteren Fortschritte der Sportgerätehersteller froh wäre, dass er sich im Herbst seiner Karriere befände. Nach dem Ausgleich drängten die unermüdlichen Nürnberger auf mehr, waren aber letztendlich zu harmlos bzw. die VfB-Abwehr war auf der Höhe. Lediglich Bunjakus Flanke, die an Freund und Feind vorbei durch den 5-Meter-Raum flog, brachte Gefahr, nachdem er einmal mehr Celozzi düpierte. Der VfB fand nun langsam den Faden wieder. Erster “Warnschuß” für die Nürnberger war ein Kopfball von Pogrebnjak in der 73. Minute. Vier Minuten später kam es nach einem Foul von Gebhart an Tavares zur Rudelbildung. Wie einst im Mai in Berlin eilte auch Schäfer aus seinem Kasten und forderte vehement eine Karte. Die hätte er selbst bekommen müssen, was hat der Kasper auch 40 Meter vor seinem Tor verloren. Wenn es gegen den VfB geht, erweckt der immer den Eindruck, uns besonders zu hassen, weil er seiner Ansicht nach ungerecht behandelt wurde in Stuttgart. Dabei sollte er sich zuerst mal an die eigene Nase fassen, mit Leistung hätte er sich schließlich ein Standing erarbeiten können. Lehmann war ja auch nicht Everybodies Darling, als er beim VfB anheuerte, überzeugte aber als sicherer Rückhalt. Die Leistung blieb aber während seiner ganzen Zeit beim VfB aus, stattdessen leistete er sich einen Bock nach dem nächsten und verschuldete während seines Wirkens einige deftige Niederlagen. Seine Misere begann schon im ersten Spiel vor heimischem Publikum, beim Liga-Pokal gegen die Bayern, als er sich einen Ball aus gut 25 Metern von Ribery fast selbst ins Netz legte. In schlechter Erinnerung sind mir auch noch besonders die 1:4 Auswärtsklatsche in Hamburg, als er wie ein Troll durch den Strafraum irrte und sein “Abschiedsspiel” in Wolfsburg, als wir 0:4 verloren. Dabei nahm das Unheil seinen Lauf, als Schäfer einen Fernschuß vor die Füße eines Wolfsburgers nur abklatschte, der nur noch einschieben brauchte.  Bei diesen beiden und noch viel mehr deftigen Niederlagen waren wir dabei. Doch Schäfer fühlt sich nach wie vor ungerecht behandelt und tritt in jedem Interview, in dem seine Stuttgarter Zeit zur Sprache kommt, verbal nach. Ich war heilfroh, als dieses Kapitel beim VfB endlich beendet war. Für mich war er ein Hampelmann im Tor und der schlechteste VfB-Torwart seit Rene Deck. Versüßt wurde Schäfer seine “Leidenszeit” beim VfB im übrigen mit etwa 2 Millionen Euro Jahresgehalt und einer sicher stattlichen Abfindung.

In dieser Szene erhielten dann lediglich Gebhart und Breno die gelbe Karte, Schäfer wurder verschont. Danach hatte man den Eindruck, dass beide Teams mit dem Remis nicht zufrieden waren, es gab Chancen hüben wie drüben. Doch der VfB hatte erfreulicherweise das bessere Ende für sich. Nürnberg ließ sich im eigenen Stadion auskontern. Wieder lief der Konter über den überragenden Kapitän Sami Khedira, diesmal von rechts kommende. Er paßte erneut scharf herein, Pogrebnjak ließ klug durch und Hilbert kam vor dem sich verspekulierenden Schäfer an den Ball und netzte ein. Jetzt war natürlich weder auf der VfB-Bank noch im Gästebereich des Easy-Credit-Stadions ein Halten mehr. Grenzenloser Jubel brandete auf, als die Mannschaft in Kurve kam, um den Ex-Fürther Roberto Hilbert zu feiern.

Schäfer reklamierte daraufhin, keine Ahnung, was er gesehen haben möchte, das Tor war absolut regulär. Er sah die gelbe Karte, welche nach dem vorigen Vergehen gelb-rot hätte sein müssen. Der Club wirkte jetzt geschockt und der VfB hätte den Sack zumachen müssen. Tasci traf innerhalb weniger Sekunden bei einem Gestochere im Nürnberger Strafraum zwei Mal nur den Pfosten. Nach dieser Aktion verließ Schäfer wie von der Tarantel gestochen sein Gehäuse und wechselte sich selbst aus. Der Abgang, bei dem er sich noch ein Wortgefecht mit unserem Trainer Christian Gross lieferte, verstärkte meinen Eindruck, dass dieser Typ nicht ganz bachen ist. Gut, hinterher stellte sich heraus, dass er sich bei Tascis Chancen eine offene Rißwunde zuzog. Tasci konnte man dabei allerdings keine Schuld unterstellen. Egal, dieses Kasperle-Theater brachte weitere wertvolle Sekunden und wenig später war Schluß. Der VfB gewann also auch das vierte Rückrundenspiel und festigte den 10. Tabellenplatz. Mit dem Abstieg werden wir aller Voraussicht nach nichts mehr zu tun haben, im Gegenteil, wer weiß, was noch möglich ist, wenn die Leistung konserviert werden kann. Auch wenn das Spiel insgesamt sicher das schwächste war unter der Leitung von Christian Gross, merkt man, wie konzentriert gearbeitet wird. Die Spielzüge und die Laufbereitschaft der Mannschaft machen Hoffnung auf mehr. Die Mannschaft versucht umzusetzen, was der Trainer vorgibt, nämlich auch in kritischen Situationen konzentriert nach vorne zu spielen, und das klappt immer besser. Ein Sieg am kommenden Samstag gegen den HSV würde, vor allem auch in Bezug der nahenden Begegnung gegen den FC Barcelona, noch mehr Sicherheit und Selbstvertrauen geben und wäre daher sehr wichtig. Und es könnte der Abstand zu den Plätzen 4 und 5 weiter verringert werden. Selbst diese scheinen nicht mehr außer Reichweite zu sein. Doch das Credo von Gross, von Spiel zu Spiel zu denken, ist nach dieser verkorksten Vorrunde sicher nicht das schlechteste. Ich persönlich verlange auch keinen internationalen Startplatz für die nächste Saison. Würde das Team ihn erreichen, sprechen wir wieder von einer tollen Aufholjagd. Wird er verpaßt, würde ich diesem Umstand auch etwas positives abgewinnen können. Die Doppelbelastung, mit der wir selten gut zurecht gekommen sind, fiele weg. Dann wäre unter Umständen eine grandiose Saison in der Bundesliga möglich, siehe Leverkusen in dieser Saison.

Nachdem wir die Mannschaft gebührend gefeiert und verabschiedet hatten, lieferten wir uns noch einige Wortgefechte mit enttäuschten Nürnbergern. Nach dem dort einmal mehr erlebten Gepöbele, hätte ich auch nichts dagegen, der Club würde wieder absteigen, schaun mer mal wie es kommt. Wenn sie die Leistung vom Samstag in der Rückrunde weiter bringen, denke ich aber, dass sie die notwendigen Siege zum Klassenerhalt einfahren werden. Der VfB war cleverer und in den entscheidenden Momenten hellwach. Gegen die meisten anderen Bundesligamannschaften hätte es für die Nürnberger wohl zu einem Sieg gereicht.

Wir liefen dann im Pulk feiernder VfBler zurück zum Bus, wo wir die letzte Station unseres “verlängerten” Wochenendtrips antraten. Mit dem RWS Berkheim fuhren wir mit nach Esslingen-Berkheim, wo ich bereits am Mitwoch mein Auto abgestellt hatte. Logistisch einwandfrei gelaufen. :-) Im Bus wurde dann mit Wulle-Bier und Stuttgarter Hofbräu noch das Spiel analysiert und der Sieg gefeiert, Anita trank nichts, sie mußte mich schließlich noch heimfahren.

Alles in allem also ein sehr gelungenes Wochenende. Ich kam richtig euphorisiert zurück und freue mich auf die nächsten Spiele. Dem FC St. Pauli drücke ich für das Heimspiel gegen den FSV Frankfurt die Daumen und hoffe, dass sie dem Aufstieg wieder ein Stück näher kommen und dem VfB natürlich gegen den HSV einen Tag später. Eine Woche später sind wir dann in Kölle, wo seit gestern sicher auch der Baum brennt. :-) . Ziel dann: nach Freiburg und Nürnberg den dritten Auswärtssieg in Folge, denn “AUSWÄRTS SIEGEN IST SCHÖN”.

Bilder und Bericht vom HSV-Spiel möglicherweise am Sonntag, wenn die Party, auf der wir am Samstag sind, nicht ganz so heftig wird. Ich wünsche Euch was und bis bald

Euer Franky

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