28. März 2014

Damit das Mögliche entsteht, muss immer wieder das Unmögliche versucht werden (Hermann Hesse)

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , , , , – Franky @ 17:04

Ich gebe es zu. Auch ich habe auf der Rückfahrt von Nürnberg in den Abgesang unseres VfB in die 2. Liga mit eingestimmt. Zu erschütternd die Vorstellung, zu hilflos die Körpersprache der Spieler, die es letztlich richten müssen.

Wer hoffte, aus dem Ende der Sieglosserie gegen den HSV wäre neuer Mut geschöpft worden, musste sich prompt eines Besseren belehren lassen. Gegen einen Gegner, der seinerseits mit vier Niederlagen am Stück angetreten ist, ließ man sich nach einer Viertelstunde bereits nach und nach den Schneid abkaufen und nahm den Abstiegskampf gelinde gesagt nicht an. Der VfB war an Passivität nicht zu überbieten und überließ den Nürnbergern fast kampflos das Feld. Zwei einigermaßen ernsthafte Torschüsse in 90 Minuten, in einem solch existentiell wichtigen Spiel, dafür fehlen mir eigentlich immer noch die Worte.

Wenn die einzelnen Spieler schon nicht wegen uns Fans, schon gar nicht wegen sich selbst, für ihre fürstliche Entlohnung alles daran setzen, den größtmöglichen Schaden vom Verein abzuwenden, dann sollten sie wenigstens für die Firma VfB, für die Mitarbeiter, denen sie tagtäglich begegnen, kämpfen. Ein Abstieg würde u. a. Personalabbau auf der Geschäftsstelle und in anderen Bereichen bedeuten, und das von Leuten, denen es bei weitem nicht so gut geht, wie den Herren Profis.

Immer mehr beschleicht mich das Gefühl, dass diese Truppe in dieser Zusammenstellung untrainierbar ist. In der Winterpause hätte man vielleicht noch entgegensteuern können, den einen oder anderen faulen Apfel aussortieren und stattdessen einen willigen Leitwolf holen können. Welchen Wert bspw. ein Julian Schuster in Freiburg für diese Rasselbande dort hat fasziniert mich immer wieder. Er wäre ein Spieler gewesen, dessen Vertrag ausgelaufen wäre (er hat kürzlich erst verlängert), dem man eventuell eine Rückkehr hätte schmackhaft machen können. Dies ist jetzt nur ein Beispiel, dass ein charakterlich einwandfreier Spieler mit Führungsqualitäten nicht unbedingt teuer sein muss!

Alles lamentieren hilft uns jetzt aber nicht weiter. Nach Schließen des Transferfensters war klar, dass Schneider, Bobic & Co. diesem Kader ihr Vertrauen schenkten und wir wohl oder übel damit über die Runden kommen müssen. Auch wenn momentan wenig für den Klassenverbleib spricht, muss bis zum letzten Blutstropfen und solang der Käs rechnerisch noch nicht gegessen ist, alles versucht werden, um das Unheil abzuwenden.

Mein heutiger Titel „Damit das Mögliche entsteht, muss immer wieder das Unmögliche versucht werden“ sollte in der Kabine aufgehängt werden, damit es sich jeder verinnerlicht. Jeder Tag ist ein neuer Anfang, jeder Anpfiff eröffnet ein neues Spiel mit zunächst einmal den gleichen Chancen für beide Mannschaften. Jedes Spiel beginnt bei 0:0, kein Team, außer vielleicht den Bayern, ist unschlagbar. Jeder hat mal einen schlechten Tag, warum nicht gegen uns. Diesen hat jedoch kein Team von vornherein. Jede Mannschaft, die den Platz betritt, hat zunächst einmal vor, diesen wieder als Sieger zu verlassen. Wir müssen es uns erarbeiten, dass ein Gegner nachlässt und sich im Laufe des Spiels womöglich mit einer Niederlage anfreundet. Das geht allerdings nur über bedingungslosen Einsatz, volle Konzentration und mit der Bereitschaft Fehler der Mitspieler auszubügeln und über die Schmerzgrenze. Tugenden, die uns zuletzt völlig abgingen, die man aber von einem Profi erwarten kann und auch erwarten muss. Da es alle schon gezeigt haben, dass sie es besser können, ist auch bei uns noch nicht aller Tage Abend.

Ich habe mal zusammenfasst, was meiner Ansicht nach für und was gegen den Abstieg spricht und dabei natürlich das so wichtige Spiel morgen gegen Borussia Dortmund in den Vordergrund gestellt.

Pro: wer in Nürnberg so blutleer agiert, hat es nicht begriffen und hat keine Existenzberechtigung in der Bundesliga. Gentner (einige haben es nicht begriffen) und Rüdiger (nur 90% gegeben) mit ihren Statements machen mir Angst.

Der VfB hat in dieser Saison noch kein überzeugendes Spiel über 90 Minuten abgeliefert.

Die vielen späten Gegentore, die vielen Jokertore des Gegners, ein Indiz von schlechter Kondition und fehlender geistiger Frische und Flexibilität. Im Trainingslager wurde zwar Robben Island besichtigt, genügend trainiert aber nicht.

In der Winterpause wurde ein potentieller Stabilisator wie Kvist abgegeben. Moli, der zumindest für die Stimmung im Team gut war, verkauft und keinen Ersatz geholt. Wir haben keine Mannschaft auf dem Platz, die sich hilft, lauter kleine Grüppchen und Ich-AG’s, denen es größtenteils wohl wirklich am A… vorbei geht, wenn der VfB absteigt. Die heuern eben beim nächstbesten Club an und treiben dort ihre Spielchen weiter.

Das ist auch das, das mir am meisten Angst macht. Viele werden jetzt schon mit dem Kopf mehr beim nächsten Arbeitgeber sein, als hier ihre verdammte Pflicht zu tun.

Kontra:

Wir haben noch vier Heimspiele. Mit vier Heimsiegen wären wir ziemlich sicher gerettet. Der Heimfluch muss besiegt werden, Hamburg als guten Anfang sehen. Ganz wichtig, morgen gegen Dortmund: agieren wir wie das Kaninchen vor der Schlange, kassieren wir die nächste Packung. Gelingt es aber Präsenz in den Zweikämpfen zu zeigen, hart und nicht unfair, einfach den Dortmundern klar zeigen, dass es den Sieg nicht umsonst gibt, wer weiß, ob dann nicht der eine oder andere lieber zurückzieht, möchte er doch am Dienstag bei Real dabei sein. Gut möglich auch, dass Klopp, der sich bei den jüngsten Aufeinandertreffen massiv über unsere harte Gangart beschwert hat, den einen oder anderen vorsorglich gleich draußen lässt. Das müssen wir ausnutzen. Gestern hat mich stutzig gemacht, dass viele meinten „wer weiß, vielleicht holen wir ja einen Punkt gegen den BVB“. Zum einen helfen uns nur noch Siege weiter, zum anderen darf man aber gerade das der Mannschaft nicht vermitteln. Eher mal Videoanalyse betreiben, wie es der HSV geschafft hat, 3:0 gewinnen, übrigens auch vor einem CL-Spiel. Das muss der Anspruch sein, die Heimspiele zu gewinnen. Selbst die Bayern hatten wir ja lange am Wickel!

Wenn man den Worten von Bobic gestern Glauben schenken darf, hat die Mannschaft Stevens nach dem Nürnberg-Spiel so richtig kennengelernt. Absolute Fokussierung auf den Beruf, keine Privattermine bis auf weiteres und ein rauer Umgangston herrschen wohl seitdem. Hat die Mannschaft auch nur einen Hauch von Charakter, wird sie anders auftreten als in Nürnberg.

ZUSAMMENHALTEN, die Fans werden, wie gegen Hamburg ja auch, wie ein Mann hinter der Mannschaft stehen und alles mögliche versuchen, der Mannschaft zu helfen. An der Unterstützung wird es bei allen restlichen Spielen nicht mangeln. Auf der anderen Seite bleiben die Dortmunder Ultras lieber zu Hause und schauen ihre Amateure gegen Preußen Münster, Protestaktion wegen der überhöhten Eintrittspreise und, aus ihrer Sicht, Top-Zuschlag in jedem Spiel. Der Gästeblock wird zwar dennoch voll sein, gibt ja auch genügend Majas hier um die Ecke, ob die gleiche Stimmung dort herrschen wird, sie sich sogar wegen Uneinigkeit kloppen, werden wir sehen. Wir sind das Heimteam, also haben die sowieso keine Chance, akkustisch die Oberhand zu gewinnen.

Fragt sich, welche Argumente sich durchsetzen. Ich bin von der Mannschaft und damit von fast allen Spielern maßlos enttäuscht, aber die müssen es eben jetzt für uns richten. Notfalls noch eine attraktive Nichtabstiegsprämie ausloben (wäre zumindest weitaus günstiger als ein Abstieg), die den Spielern Beine macht, anders erreicht man einen Großteil der Söldner leider nicht mehr. Trotzdem sehe ich bei den vier Heimspielen durchaus eine Chance, nur, morgen muss einfach mal ein deutliches Signal gesetzt werden. Über den Kampf ins Spiel finden und nicht versuchen, den Dortmundern in technischer Hinsicht ebenbürtig zu sein. Da liegen nämlich Welten zwischen dem Champions League Finalisten und unseren Rumpelfußballern!

Mein Fazit: die Lage ist düster und doch nicht ganz aussichtslos!

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1. Dezember 2013

Zeit für Klartext!

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , , , – Franky @ 17:52

Heute ist wieder so ein „Day Ater“, an dem man sich fragt, wofür man sich das antut. Zeit und Geld opfert für einen Haufen verhätschelter Millionäre, denen Sämtliches abgenommen wird, um sich vollends auf ihren Job als Fußballprofi konzentrieren zu können. Die in 5-Sterne-Hotels absteigen und sich luxuriös von A nach B chauffieren zu lassen. Für die alles getan wird, um so abgeschottet wie möglich in ihrer Traumwelt weiter zu leben und sich nicht der aufgebrachten Öffentlichkeit stellen zu müssen. Nach Spielen wie dem gestrigen wünschte man sich, dass die Spieler bei der Rückfahrt auf die zahlreichen Fanbusse oder den Fanzug aufgeteilt werden, um den Fans, die sie bezahlen, Rede und Antwort zu stehen und nur ein bisschen von dem mitbekommen, was die Leute auf sich nehmen, um sich hinterher abermals über einen indiskutablen Auftritt aufregen zu müssen.

Ich war, wie meistens, mit der Truppe vom RWS Berkheim unterwegs. Erfreulicherweise hatten wir gestern überhaupt keinen Stau oder gar eine Panne zu beklagen, so dass wir den etwa 500 Meter von der Veltins-Arena entfernten Gästebusparkplatz schon gegen 16 Uhr erreichten. Da noch genügend Zeit bis zum Spielbeginn um 18.30 Uhr war, tranken wir noch ein paar Stuttgarter Biere am Bus und trafen viele Bekannte, die nach und nach eintrudelten.

Wen man auch traf und wen man auch fragte, was von dem bevorstehenden Kick zu erwarten wäre, die Antwort ging stets in dieselbe Richtung: Wundertüte VfB, von einer Klatsche bis zu einem grandiosen Auswärtssieg lag alles im Bereich des Vorstellbaren. Mein Gefühl war ähnlich, auch wenn ich spätestens nach der emotionslosen Heimniederlage gegen Mönchengladbach den Glauben ans Team (fast) gänzlich verloren hatte. Zu ernüchtert war ich im fernen Glasgow, die Hilflosigkeit, gepaart mit stümperhaften Aussetzern, mit ansehen zu müssen.

Etwa eine halbe Stunde vor Spielbeginn machten wir uns dann auf den Weg in die Turnhalle. An einer Abzweigung dann trennten sich unsere Wege. Ich hatte mich wieder für den Block U, neben und unterhalb unseres Gästeblockes gelegen, entschieden. Von hier aus hatte ich schon gute Bilder machen können, außerdem ist man sehr nah am Geschehen dran, ein Aspekt, der bei meiner mehr und mehr aufkommenden Kurzsichtigkeit immer mehr von Bedeutung werden dürfte. Leider lag mein Platz dieses Mal direkt unterhalb unseres Blockes, so dass gute Bilder davon nur möglich waren, wenn ich vom Treppenaufgang aus fotografierte. Dies war leider immer nur sporadisch möglich, weil mich sehr eifrige Ordner sogleich an „meiner Arbeit“ hinderten. Zudem lag der Platz auch sonst ungünstig, weil etwa 20 Plätze nach innen eingerückt und ich doch das eine oder mal raus musste, was zum einen dem Bierkonsum auf der Fahrt und dem Parkplatz geschuldet war, zum anderen aber auch der Darbietung auf dem Rasen, die mich dazu nötigte mir eine Knappenkarte zuzulegen und meinen Frust mit dem einen oder anderen Veltins zu ertränken.  Der Block U ist ein gemischter Block, teils aus dem VfB-Kontingent, teils aus dem der Schalker, so dass die unmittelbare Umgebung schwer zu ertragen und es ratsam ist, Scheuklappen aufzuziehen und sich nicht provoziert zu fühlen bzw. provozieren zu lassen.

Nachdem ich die diversen königsblauen Vereinslieder über mich ergehen lassen hatte, ging es auch schon rein ins Spiel.

Schalke war die Verunsicherung nach zwei dürftigen Remis in Folge und dass sie nicht gerade vor Selbstvertrauen strotzten anzumerken. Dazu plagt sie großes Verletzungspech, unter anderem musste auch unser ehemaliger Meister-Torwart Timo Hildebrand die Segel streichen. Dafür war Kevin-Prince Boateng wieder mit von der Partie, der hochkarätige Last-Minute-Einkauf der hochverschuldeten Schalker. Von einem solch millionenschweren Transfer werden wir wohl noch einige Jahre träumen müssen, aber das sind die Spieler, die den Unterschied ausmachen können. Nicht von ungefähr dümpelt der AC Mailand seit seinem Abgang in nicht gewohnten Tabellenregionen in Italien herum. Gut, es wird gemunkelt, Schalke hätte ihn nur bekommen, weil er angeschlagen war und ihm jederzeit eine lange Pause drohen könnte. Bislang aber schlägt er sich wacker. Auch wenn, wie gestern gesehen, nicht zu hundert Prozent fit, strahlt er eine unglaubliche Präsenz aus und lenkt automatisch Aufmerksamkeit auf sich, wodurch naturgemäß Räume für die Mitspieler entstehen. Ich finde, er hat sein Bad-Boy-Image, mit dem er spätestens abgestempelt war, nachdem er Michael Ballack aus der WM 2010 getreten hatte, aufpoliert.

Im Grunde war der Spielbeginn aus Sicht des VfB ein Spiegelbild des Gladbach-Spiels. Man begann einigermaßen gefällig, war auf Ballbesitz aus, es fehlte jedoch an der Konsequenz im Spiel nach vorne. Durch unnötige Ballverluste wurden die Schalker immer mehr dazu eingeladen, selbst initiativer zu werden, was sie auch taten. Trotzdem hätte der VfB nach einer halben Stunde durch Timo Werner in Führung gehen müssen, als dieser nach Zuspiel von Maxim zwei Schalker wie Slalomstangen stehen ließ und nur haarscharf das 0:1 verfehlte. Fast im Gegenzug dann kassierte man dann 1:0 durch Farfan, als Ulreich nur ins eigene Tor abklatschen konnte. Für mich sah der Schuss nicht unhaltbar aus, so dass dies meiner Meinung weitere Nahrung gibt, dass Ulreich für höhere Weihen absolut untauglich ist. Nicht nur das, langsam stelle ich mir auch die Frage, ob es in unserem „Torhüter-Ausbildungsverein“ auf Dauer nicht einen besseren gibt als Ulle, der zweifellos DIE Integrationsfigur darstellt in einer Zeit des Söldnertums, sich andererseits aber sportlich allzu selten deutlich von seinen Vorderleuten abhebt. An seinen Schwächen in der Strafraumbeherrschung hat er zwar erfolgreich gearbeitet in den letzten Jahren, seine Spieleröffnung aber ist und bleibt eine einzige Katastrophe. Wie oft schickt er wild fuchtelnd seine Mannen nach vorne, um dann doch dem ersten Abwehrspieler den Ball zuzurollen. Dieser schiebt den Ball ein, zwei Mal quer, um dann, auch weil sich keiner unserer Doppel-Sechs anbietet, wieder zurück zu Ulreich spielen. Dieses langweilige Spielchen wiederholt sich pro Match gefühlte fünfzig Mal, so dass man als Zuschauer entweder am verzweifeln ist oder dagegen ankämpfen muss einzuschlafen. Vor Jahrzehnten noch hätte man womöglich einfach die Sportart gewechselt, weil das auf Dauer schwer zu ertragen ist, im Medienzeitalter aber, wo man durch Internet und Fernsehen von Spielen aus aller Welt überfüttert wird, kann man ja andernorts bewundern, wie schön die Sportart Fußball eigentlich sein kann, so dass auch hier die Hoffnung auf Besserung zuletzt stirbt.

Hoffnung auf Besserung ja! Allerdings, nicht in dieser Saison, nicht mit diesem Team. Wir haben ganz wenige Hoffnungsschimmer wie Rüdiger, der allerdings seine Nerven besser in den Griff bekommen muss, Alexandru Maxim und auch Timo Werner. Es steht allerdings zu befürchten, dass diese Spieler nicht zu halten sein werden, wenn auf dem Wasen nicht bald Besserung einkehrt. Der Unmut im Umfeld wächst, die Mannschaft ist dabei, wie zu schlechtesten „Bruno-Zeiten“, das Stadion leer zu spielen. Die wenigen, die noch kommen, möchten wenigstens durch Einsatz und Leidenschaft entschädigt werden, wenn schon die Leistungen dürftig bis nicht vorhanden sind. Doch selbst die für einen Profi eigentlich selbstverständlichen Tugenden sieht man derzeit nicht in Ansätzen. Gestern war, wie schon gegen Gladbach, überhaupt kein Aufbäumen zu erkennen, kein Plan B, wenn der Gegner einmal in Führung liegt, es war keiner zu sehen, der das Team führen könnte. Selbst die erfahrenen Spieler wie Niedermeier, Kvist, Gentner, Ibisevic, allesamt ergeben sie sich in das Schicksal und fallen höchstens durch dämliche Fouls und Reklamierens von noch so klarer Situationen auf. Hierbei wird ihre offensichtlich vorhandene Energie verschwendet. Dieses hilflose Lamentieren sollte ihnen schnellstmöglich ausgetrieben werden, da ist Thomas Schneider gefordert. Noch kann ich seine Arbeit schwer einschätzen, noch hat er den fragwürdigen Bonus, wie die Jungfrau zum Kinde zum Bruno-Nachfolger geworden zu sein. Als Verwalter etlicher Missstände, die Bobic durch die unnötige Vertragsverlängerung mit Labbadia zu verantworten hat. So lang ein Trainer weder an der Kader-Zusammenstellung mitwirken durfte, noch eine Vorbereitung nach seinen Vorstellungen durchziehen konnte, ist er schwer zu bewerten. Dennoch kann ich einige Personalentscheidungen nicht ganz nachvollziehen. Ich fand, Haggui macht während der Absenz von Antonio Rüdiger einen guten Job, daher hätte ich ihn im Team und lieber Schorsch Niedermeier draußen gelassen. Hier kann durchaus eine Rolle spielen, dass Niedermeier ein gutes Standing im Team hat und er sich nicht klaglos auf die Bank setzen würde. Dies dürfte allerdings einen „starken“ Trainer nicht interessieren. Auch das lange Festhalten an William Kvist halte ich für einen Fehler. So ungerecht ich es von Labbadia fand, Kvist komplett fallen zu lassen, geht mir jetzt das lange Festhalten an ihm gegen den Strich. Mit Gentner zusammen, der für mich gestern die Hauptschuld an den ersten beiden Gegentoren trug, DIE Schwachstelle im Team. Jede Woche erhalten wir Anschauungsunterricht vom Gegner, was für Spielertypen im Zentrum gefragt sind, wir haben sie nicht. Gentner sähe ich wie zu Wolfsburger Zeiten eher auf der linken Außenbahn denn im Zentrum, Leitner dafür zentral und nicht, wie gegen Gladbach aufgestellt, als rechten Außenbahnspieler. Außerdem rächt es sich nun, dass wir keine Alternative (oder einen geeigneten Nebenmann) für Ibisevic haben. Dieser ist meist auf sich allein gestellt, bekommt kaum brauchbare Bälle, weil es im Team nicht läuft, und fällt somit nur durch Nickligkeiten auf, so dass man immer etwas Angst um ihn haben muss, dass er nicht vom Platz fliegt. Dazu scheint er momentan auch nicht mit dem besten Selbstvertrauen ausgestattet zu sein, hatte er gestern in der ersten Halbzeit zwei Situationen, in denen er abziehen hätte können, sich stattdessen aber verzettelte.

Das waren zwar keine Großchancen, manchmal hilft es aber trotzdem einfach einmal den Ball in Richtung gegnerisches Gehäuse zu bugsieren. So ein Ball könnte ja auch einmal „unglücklich“ abgefälscht werden oder zu einem Abstaubertor einladen. Wenn man aber nicht aufs Tor schießt, kann im Normalfall auch keines fallen. Auch das ist ein großes Problem des VfB, nicht erst seit gestern, schon seit einer gefühlten Ewigkeit. Die Spiele plätschern so dahin, viel Mittelfeld- und Abwehrgeschiebe, wenig Drang in Richtung Tor und wenn, wollen sie den Ball lieber hineintragen oder versuchen es mit Alibischüsschen a` la Traore´. Es krankt bei uns am Aufbauspiel, ob vom Torwart, den Innenverteidigern, den Sechsern. Da kommt überhaupt nichts, bezeichnend, dass gegen Gladbach Maxim den Libero geben und sich die Bälle am eigenen Strafraum holen musste.

Nach zwei 0:3-Niederlagen in Folge sehe ich uns einmal mehr am Nullpunkt und wüsste nicht, was mich optimistisch stimmen könnte. Vielleicht springt noch ein Heimsieg gegen Hannover 96 heraus, in Wolfsburg und gegen die Bayern wird einzig die Höhe der Niederlage interessieren.

Dann beenden wir die Vorrunde mit bestenfalls 19 Punkten, was der Bilanz eines Abstiegskandidaten gleich kommt. Wir können froh sein, dass Mannschaften wie Braunschweig und Nürnberg noch bedeutend schlechter punkten als wir, doch wehe, nur einer der beiden schafft es den Bock umzustoßen…

So leid es mir für Schneider tut, sollte dieses leblose Gewürge auf dem Rasen auch zu Beginn der Rückrunde fortgesetzt werden, bin ich mir sicher, dass er die Saison als VfB-Trainer nicht überstehen wird. Spätestens dann aber muss auch Fredi Bobic hinterfragt werden, der in letzter Zeit kein glückliches Händchen bei Transfers mehr hatte. Ich vermisse schon seit längerem eine klare Linie. Im Sommer wurde der Kader weiter aufgebläht, mehr mit Masse denn mit Klasse. Letzten Winter noch rühmt man sich damit, Spieler wie Benedikt Röcker von den Amas zu den Profis hochgezogen zu haben, jetzt liest man, dass er auf der Abschussliste stehe. Klar, Röcker hat in Mainz und gegen Rijeka nicht die beste Figur abgegeben. Aber, in einer Trümmertruppe, wo jeder mit sich selbst am meisten beschäftigt ist und keiner dem Anderen hilft, ist es für einen jungen Spieler, erst recht für einen Abwehrspieler als Glied der Viererkette, schwer sich einzufinden. Bei den Amas fand ich ihn immer recht sicher und auch torgefährlich bei eigenen Standards. Da gäbe es ganz andere Kandidaten, die man an seiner Stelle abgeben müsste.

Wie zu lesen war, wird sich die VfB-Führungscrew im Dezember zu einer Klausur ins Tannheimer Tal zurückziehen. Ich hoffe, dass hier jeder einzelne Verantwortungsträger hinterfragt wird und eine vielversprechende Strategie für die Zukunft präsentiert werden kann. Diese fehlt schon seit längerem, ich könnte derzeit nicht sagen, wofür der VfB steht, außer für Tradition. Für die können wir uns aber nichts kaufen, es braucht tragfähige Konzepte für die Zukunft, damit wir auch einmal wieder eine Saison erleben dürfen, die Spaß macht und nicht unter dem Deckmantel „Übergangssaison“ abzuhaken ist.

Bei dieser Klausurtagung wird sich auch unser mittlerweile nicht mehr ganz so neuer Präsident zeigen. Ich hatte in seine Inthronisierung große Hoffnungen, nehme ihn jedoch bis hier hin überhaupt nicht wahr! Gut, es ist sicher nicht immer förderlich, wenn ein Präsident in Franz-Beckenbauer-Manier süffisant das Tagesgeschehen kommentiert. Andererseits, zu Zeiten eines Gerhard Mayer-Vorfelder auf dem Chefsessel hätte es das nicht gegeben, dass ein Manager mächtiger als der Präsident daher kommt und schon gar nicht, dass das Vereinsgeschehen so leblos an einem vorüber plätschert, man von einer Pleite in die nächste schlittert und sich keiner dazu äußert oder versucht wachzurütteln. Die Statements von Bobic nach den Spielen könnte man sich dagegen schenken. Langsam habe ich den Eindruck von der Bank aus gäbe es eine grundlegend andere Sicht aufs Geschehen als von der Tribüne aus. Es ist die Zeit für Klartext gekommen, ich dachte die Weichspüler-Analysen aus der Labbadia-Ära gehörten der Vergangenheit an.

Wir benötigen meiner Meinung nach jetzt eine Führung, die das gesamte Team auch einmal in den Allerwertesten tritt und nicht immer nur Nuancen sieht, die schlecht gelaufen sind. Gestern wurde einmal mehr eine aus Fanansicht indiskutable Vorstellung abgeliefert, die von sämtlichen Beteiligten schön geredet wurde, von guten Dingen, die man gesehen hätte, von mangelnder Konsequenz, usw., usf. Platituden, die man sicherlich einmal gelten lassen könnte, nach der x-ten Niederlage nach demselben Muster aber muss hier deutlich mehr Selbstkritik an den Tag gelegt werden. Ein MV fror seinerseits schon mal die Punktprämien ein oder lud die Mannschaft zum „Beisammensein“ in seinen Weinkeller (vor). Eine teambildende Maßnahme, die öfter von Erfolg gekrönt war, als man annehmen sollte.

Die Vereinsführung abgetaucht, der Verein allenfalls noch eine regionale Marke mit einem unbeirrbaren Stammklientel. Der Rest wendet sich mit Grausen ab. Die Quittung dürfte beim nächsten Heimspiel erfolgen. Vielleicht schaffen wir die 40.000 Zuschauer mit Hilfe der Nikolausaktion, dennoch ein Armutszeugnis für das Neckarstadion und den so ruhmreichen VfB. Irgendwie ist das natürlich ein Teufelskreis. Der VfB präsentiert uns mangels finanzieller Möglichkeiten fußballerische Magerkost und Masse statt Klasse im Kader. Dieser aber verspielt durch das Ausscheiden in Europa League und DFB-Pokal Einnahmemöglichkeiten und durch die emotionslosen Auftritte insgesamt spielen sie das Stadion leer, so dass weiteres Geld fehlt.

Hoffen wir auf eine bessere Zukunft, die ich Gerd Wahler nach wie vor zutraue. Vor allem im Bereich Sponsoring, der Vermarktung und dem Wiedererschaffen einer eigenen Identität, für die der VfB stehen soll, hege ich große Hoffnungen in ihn. Aber, entscheidend ist auf dem Platz. Und da muss einfach einmal mehr ein radikaler Umbruch erfolgen. Zwei Drittel unseres Kaders spreche ich ab, uns auf Dauer weiterhelfen zu können. Einer Vielzahl sportlich, einigen aber auch menschlich, Söldnern, denen es einfach zu gut geht, denen ihr Privatvergnügen wichtiger erscheint als der sportliche Erfolg, für die wir Fans nur Spinner sind, die den Verein mit Hingabe unterstützen, das ihrer Ansicht nach aber nicht zu tun bräuchten. Öffentlich sagen wird das natürlich keiner, an ihrem Verhalten und ihren Leistungen bzw. Nicht-Leistungen ist dies deutlich abzulesen.

Um zu den Anfangsgedanken zurückzukehren, weshalb man sich das antut. Ganz einfach. Wie in einer Ehe gilt auch hier zusammen halten, in guten wie in schlechten Zeiten. Wir wären nicht der VfB, folgten einer Meisterschaft 2007 nicht auch trübe Tage und Jahre. Diese werden wir immer bis zu einem gewissen Grad mitgehen. Nur, so langsam bin ich der Übergangsjahre müßig und möchte Fortschritte sehen. Mir ist es inzwischen schwer vermittelbar, dass wir uns scheinbar zu Tode sparen und uns trotzdem Jahr für Jahr ein Millionendefizit verkündet wird. Mittlerweile haben uns einige Vereine, mit zum Teil erheblich schlechteren Rahmenbedingungen, den Rang abgelaufen. Viel mehr dürfen es nicht mehr werden, sonst finden wir uns doch eines Tages in der 2. Liga wieder.

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24. August 2013

Stuttgart, Stuttgart, Auf Wiedersehen

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , , , , , , – Franky @ 15:20

Der Titel dieses Werks mag befremdlich klingen, es ist aber der Song, der uns in Rijeka ständig in den Ohren klang und der auch irgendwie bezeichnend ist, für das was wir mittlerweile alle paar Tage dargeboten bekommen.

So waren es auch weniger die jüngsten Auftritte der Mannschaft, die mich bewogen hatten, mit acht RWSlern die 750 Kilometer lange Strecke an die Adria-Küste anzutreten, als vielmehr das Drumherum, das tolle Stadion, die vielen Bekannten, die man jedes Mal trifft und ein Tag am Meer, vom dem wir sicherlich noch eine Weile zehren werden.

Treffpunkt unserer Truppe war Mittwoch 21 Uhr auf dem P&M-Platz Esslingen, wo wir unser feuerrotes Stadtmobil beluden, etwa 20 Minuten später fort kamen und in die Nacht hinein fuhren. Ich hatte es mir so schön ausgemalt, dass ich irgendwann todmüde in den Schlaf fallen würde, um am Spieltag dann einigermaßen fit zu sein. Denkste, dazu war die Stimmung einfach zu gut, zu gutes (wohl gekühltes) Bier an Bord, eine gute Anlage mit lauter Musi im Busle und zu guter Letzt will man natürlich auch für Unterhaltung der Fahrer sorgen, dass diese fit bleiben und wir gut ankommen. So sind mir auf der ganzen Fahrt gerade einmal für eine halbe Stunde die Augen zugefallen. Wir kamen super durch und konnten nachts natürlich auch auf die Tube drücken. So weit, so gut. An der kroatischen Grenze dann aber wurde jeder, der einigermaßen nach Fußballfan aussah, herausgezogen, was die Freude auf Kroatien schon einmal etwas trübte. Wir mussten, wie einige andere auch rechts heranfahren und es geschah erst einmal nichts. Nur, wenn man mal aussteigen wollte oder sich beim Grenzpolizisten beklagte, dass man eine Notdurft verrichten müsse, wurden sie sofort pampig und taten kund, wenn wir Probleme bekommen wollten, könnten wir sie kriegen. Arroganter Arsch dachte ich mir. Ein Mädchen einer ebenfalls an der Grenze gestrandeten Gruppe stieg kurz aus, um Freunde zu begrüßen und wurde mit einem harschen „schleich di“ vom Grenzer zurück ins Vehikel beordert.

Als es immer mehr Autos wurden, die den Platz belagerten, wurden wir schließlich, nach etwa 45 Minuten anhand der Ausweise, die vorher eingesammelt wurden, einzeln aufgerufen und mussten unsere Taschen öffnen. Dass dies eine reine Schikane-Aktion war, wurde schnell klar, weil der Grenzer gar nicht gründlich durchsuchte, sondern nur und im wahrsten Sinne des Wortes oberflächlich schaute, ohne selbst Hand anzulegen. Schließlich kam dann eines unserer Mädels dran, wo direkt beim Aufmachen der Tasche ein lila BH heraus blitzte, der dem scheinbar so strengen Ordnungshüter dann endgültig die Sinne vernebelte. Danach ging nämlich alles ganz schnell, wir durften aufs Klo und dann auch endlich weiterfahren. Wie ich später erfuhr hatten wir noch Glück im Unglück, andere wurden bis zu drei Stunden schikaniert und weitaus gründlicher gefilzt.

Dennoch kostete uns diese unnötige Schikane-Aktion den Sonnenaufgang am Meer! Gegen 7.30 Uhr kamen wir dann in Rijeka an, haben dann schnell kroatische Kuna organisiert und sind frühstücken und Kaffee trinken gegangen. Da wir in unserem Hostel erst ab 13 Uhr einchecken konnten und sich abzeichnete, dass es ein sonniger und heißer Tag werden würde, schnappten wir unsere Badesachen und gingen auf die Suche nach einem Strand. Der Parkwächter unseres Parkplatzes schickte uns in südliche Richtung, was wir, ganz ahnungslose Touristen, dann auch befolgten. Außer einem riesen Frachtschiff und Kränen sahen wir auch nach längerem Marsch überhaupt nichts, was auch nur annähernd an einen Strand erinnern würde. Dann fragten wir auf dem Weg noch eine ältere Dame, die uns zwar einerseits bestätigte, auf dem richtigen Weg zu sein, allerdings auch zu bedenken gab, dort ginge es nur zum Hundestrand. Egal, was die Vierbeiner erfreut kann Zweibeinern nicht schaden. ;-) . Dass Rijeka nicht mit einer Vielzahl von schönen Stränden gesegnet ist, hatte ich im Vorfeld schon gelesen, dafür hätten wir unsere Zelte in Opatija aufschlagen müssen. Am Hundestrand gingen dann ein paar von uns ins Wasser, ich selbst ließ es sein, da es mir ohne Badesandalen doch zu steinig war. Sah aber verlockend aus, muss ich zugeben. Hitze und strahlender Sonnenschein, da hätte mir eine Abkühlung auch gut getan. Nebenan vergnügten sich ein paar Hunde, die sich allerdings nicht darüber beklagten, den Strand mit uns teilen zu müssen.

Einer der Hundehalter organisierte uns dann schließlich ein Taxi, das uns in zwei Fuhren zurück zum Parkplatz brachte. Einige von uns bekamen schon wieder Hunger, so dass wir uns auf die Suche nach einem Speiselokal begaben. An allzu vielen Restaurants kamen wir nicht vorbei, so dass wir schließlich in Kroatien in einem mexikanischen Lokal landeten. Ich selbst hatte zum einen noch keinen großen Hunger, zum anderen freute ich mich eher auf einen kroatischen Grillteller, als dass ich bei brütender Hitze das scharfe Essen beim Mexikaner zu mir nehmen wollte. So aßen alle anderen dort, nur ich nicht, was ich dann aber auch nicht bereute, kamen der eine oder andere doch ganz ordentlich ins Schwitzen. Wenn man so in die Gesichter schaute, schien ein Teil der Mahlzeiten nahe der Schmerzgrenze gewesen zu sein. Dennoch waren die Stuttgarter Jungs eisern und aßen ihren Teller auf. Zur Belohnung gab es einen Schnaps auf Kosten des Hauses, der nicht minder scharf gewesen war.

Danach bezogen wir unser Hostel, in dem zwei Zimmer für uns reserviert waren. Für die Mädels ein Dreibett-, für uns Männer ein Sechsbettzimmer. Ich muss ja zugeben, dass so etwas überhaupt nicht mehr mein Ding ist. In diesem Fall aber, ich konnte erst kurzfristig dieser Truppe zusagen, da ich zuvor noch bei anderen im Wort stand, war alles schon so gebucht und ich dachte, eine Nacht geht das schon. Im Zimmer legten wir uns dann für etwa 1 ½ Stunden ab und konnten noch einmal duschen, bevor es auf die Piste und in Richtung Stadion gehen sollte.

Irgendwann nach 16 Uhr zogen wir dann los und fragten uns zum Restaurant Gardens durch, das in den Faninfos empfohlen wurde. Schließlich musste ich ja auch noch etwas essen, da zuvor schon kommuniziert worden war, dass es im und am Stadion nichts zu futtern gäbe. Das Gardens war die richtige Wahl, ich aß Cevapcici mit Pommes und Reis, eine ordentliche Portion, die als Grundlage genügen sollte und richtig schmackhaft. Der am heftigsten Chili Con Carne Geschädigte bekam dann noch zwei Saucieren voller Senf hingestellt, um sein Sodbrennen zu bekämpfen. Dort verweilten wir einige Zeit und tranken noch das eine oder andere kroatische Bier, bevor wir uns Gedanken machten, wie wir ins Stadion kommen würden. Taxis bekamen wir keine, schon gar nicht für neun Leute, also fragten wir uns zum Bus durch, der in Richtung des Stadions fuhr. In den Faninfos waren leider keine Informationen darüber zu finden, wie man zum Stadion gelangen könnte. Es wurde einfach davon ausgegangen, dass man sich schon irgendwie am Fansammelplatz einfinden und von dort zum Stadion eskortiert werden würde. Aufgrund der Umstände und des Schlafdefizites der durchgemachten Nacht, war uns das aber alles zu früh, so dass wir den Weg individuell in Angriff nahmen.

Vom ersten Bus der Linie 1, der zum Stadion fahren würde, sahen wir gerade noch die Rücklichter, so dass wir knappe 20 Minuten auf den nächsten warten mussten. Als dieser heranfuhr war schon eine Horde Rijeka-Fans drin, doch es gelang uns, uns noch gerade so hinein zu quetschen. Hier war so eine Art Commando Kindergarten unterwegs, wobei uns dabei schon ein Eindruck vermittelt wurde, wie heißblütig die Rijeka-Fans sein würden. Auf der ganzen Fahrt wurde gehüpft und gesungen, was das Zeug hielt. Dort hallte uns auch erstmals dieses ominöse „Stuttgart, Stuttgart, auf Wiedersehen“ entgegen. Wir fanden es lustig und mussten unsere losen Utensilien wie Schals und Mützen eisern verteidigen, was nicht allen von uns gelang. Getauscht hätte ich ja noch, aber einfach so bei erstbester Gelegenheit meine Sachen zu verschenken, da bin ich zu sehr Schwabe. :-) . Die Busfahrt war schier endlos und eigentlich wären Ohropax angesagt gewesen, so laut war es schon während der Fahrt. Es wurde ja nicht nur gesungen sondern noch mit allem gegen den Bus getrommelt, was irgendwie Lärm machte, u. a. hatte einer eine abgesägte Regenrinne oder ein ähnliches Utensil dabei. Die Temperatur im Bus dürfte bei etwa 60 Grad Celsius gelegen haben, so dass ich mein frisch angezogenes Trikot hätte auswinden können, so patschnass wie es war. Die Busfahrt war aber dennoch ein super Erlebnis, die Stimmung freudig und frotzelnd, jedoch überhaupt nicht feindselig. Wir hoffen alle, dass hiervon auch noch ein Video in den Weiten des Handyspeichers auftaucht… :-) .

Nachdem wir das Ziel erreicht hatten, wollten einige noch Erinnerungsbilder mit uns machen, dem wir selbstverständlich auch eingewilligt hatten. Danach liefen wir dem Pulk hinterher, wurden aber schon sehr bald von Ordnungshütern daran gehindert, weiter zu laufen. Ich hätte das Stadion gerne noch von oben fotografiert, wir wurden aber nicht mehr durchgelassen. Die Polizisten wiesen uns den weiten Weg in Richtung unseres Gästeeingangs und eskortierten uns bis dahin, immer scharf und bestimmend beobachtend, dass nicht einer würde ausscheren wollen.

Als wir ankamen, gab es am Getränkestand außerhalb des Stadions schon nichts mehr zu trinken, was mich ziemlich ärgerte nach dem Flüssigkeitsverlust während der Busfahrt. Vor dem Stadion hatten wir dann noch einige Bekannte getroffen und beobachtet, wie fünf VfBler festgenommen und in einen Polizeibus verfrachtet wurden. Wie sich später herausstellte anscheinend, weil sie zwei Promille Alkohol im Blut hatten. Nach dem Spiel sammelte das CC im Block Geld ein, um diese fünf VfBler auslösen zu können, damit diese wie geplant abends noch die Heimreise antreten konnten. Wir gaben auch unseren Obolus, kann es doch im Grunde im treffen. Ob wegen Alkohol, einem bösen Blick, dem überschreiten eines bestimmten Bereiches, Zaun hinauf klettern, um ein gutes Foto zu bekommen oder einfach nur, weil man zu einer falschen Zeit am falschen Ort ist. Seine Grundrechte gibt man mit dem Kauf einer Eintrittskarte ab, der Grundsatz „ohne Beweis keine Verurteilung bzw. Strafe“ ist für Fußballfans scheinbar weltweit außer Kraft gesetzt, man ist mehr und mehr der Willkür eines Staates und seiner Exekutive ausgesetzt. Daher war es für mich eine Selbstverständlichkeit, meinen Teil dazu beizutragen. You are not alone, WIR sind die Kurve!

Danach gingen wir etwa 20 Minuten vor Spielbeginn hinein ins Stadion. Wie immer hatte ich auch dieses Mal wieder Bedenken, ob es am Einlass Stress wegen meiner Kamera würde.  Auch hier ist man absolut der Willkür der Leute am Einlass ausgesetzt. Die Faninfos auf der VfB-Seite bzw. diese, die der VfB von den Kroaten bekamen, waren mehr als dürftig. Zum einen waren sie in Englisch gehalten. Für mich ja kein Problem, dennoch hätte sich der VfB auch die Mühe machen können, diese zu übersetzen und nicht einfach ungefiltert online zu stellen. Zum anderen stand dort drin weder etwas davon, dass es Beschränkungen bzgl. Kameras geben würde, noch, dass es eine Promillegrenze geben würde. Wie ich gehört habe, habe diese bei 0,8 Promille gelegen. Auch davon, dass man keine Feuerzeuge mitnehmen dürfte, habe ich nichts gelesen. Am Einlass musste ich meine Hosentaschen leeren und prompt haben sie mir, wie vielen anderen auch, Feuerzeuge abgenommen, viel Spaß damit, ihr Kroaten. Ihr ward ja so gründlich, dank Feuersteinen gab es dennoch ordentlich Feuer im Stadion. ;-) Meine Kameratasche hat sie dagegen überhaupt nicht interessiert.

Auch wenn wir relativ spät rein kamen, war doch noch genügend Platz im Block, um sich einen guten Platz auszusuchen. Ein neues Stadion ist für mich nach wie vor immer etwas Besonderes und ich freue mich jedes Mal aufs Neue wie ein kleines Kind darauf. Dort in Rijeka aber erwartete uns noch etwas mehr. Ein Stadion, zwischen einer Felswand und dem Meer gebaut, das schon eine einzigartige Lage hat. So postierte ich mich in der ersten Halbzeit auch so, dass ich einen Platz mit Meerblick hatte und hoffte auf das eine oder andere schöne Bild davon. Es war ein Ausblick zum Genießen und die Stimmung war auch schon recht gut. Die gut 900 VfBler hatten allerdings allergrößte Mühe, den heißblütigen Kroaten stimmlich etwas entgegen zu setzen. Dieses gelang eigentlich mehr visuell denn akustisch. Auf diesen langen Reisen merkt man vielen doch die Strapazen an, vor allem denjenigen, die wie wir die ganze Nacht auf der Autobahn unterwegs waren und schon das eine oder andere Bierchen intus hatten.

Ein Übriges tut die fast schon gleichgültige Haltung die viele derzeit haben, wenn es um den VfB geht. Jedes Spiel ein Spiegelbild dessen, was man schon seit Monaten zu sehen bekommt, emotionslos auf dem Rasen, emotionsloser als normalerweise auch auf den Rängen. Man fährt zum Spiel, erwartet aber nichts, außer vielleicht dass das Team, zumal live übertragen im Free TV und in der Prime Time, uns nicht allzu sehr blamieren möge, wie schon so oft geschehen. Derzeit herrscht eine negative Grundstimmung rund um den VfB, wie ich sie schon lange nicht mehr erlebt habe. Die Aufbruchsstimmung, die die Wahl von Wahler für kurze Zeit erzeugt hat, wie verpufft. Der triste Alltag hat uns wieder, es macht keinen Spaß mehr, dieser Truppe bei der Ausübung ihres Berufes zuzuschauen. Wir sind es leid Woche für Woche dieselben Ausreden und Spielanalysen zu hören. Alleine für die Aussage von Labbadia, wir würden in einer Ergebniskrise stecken und für die ordentlichen Leistungen nicht belohnt werden, gehört Bruno eigentlich links und rechts eine an die Backen, damit er einmal seine Bruno-Brille absetzt und den Tatsachen ins Auge blickt. Ich habe schon lange keine ordentliche Leistung mehr vom VfB gesehen, insofern bekommt der VfB derzeit das, das er verdient, nämlich null Punkte! Wie der „Trainer“ redet, so spielt die Mannschaft. Wie das Kaninchen vor der Schlange macht man sich auch vor der, bei allem Respekt, allenfalls dritten kroatischen Kraft vorher in die Hose, anstatt einfach mal konzentrierten, mutigen, engagierten Fußball zu spielen. Ich bin der festen Überzeugung, dass es mit diesem Trainer überhaupt nichts mehr werden kann. Wie sagt man so schön, lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende. Und dieser Schrecken, bisher noch ohne Ende, begleitet uns schon eine gefühlte Ewigkeit. Wie aufgeregt war ich früher, wenn es ins Stadion ging, kaute schon einen Tag vorher an meinen Fingernägeln und konnte die Dramatik während des Spiels kaum aushalten. Und jetzt? Emotionslos! Ich erwarte nichts! Und das tolle daran? Meine Erwartungen werden bestätigt! Ich bekomme nichts geboten! Super, Ziel erreicht.

Eigentlich ja schön, wenn man nach dem größten Dreckskick nicht einmal enttäuscht nach Hause geht. Man schont seine Nerven und läuft nicht griesgrämig durch die Gegend, man kann mit Kollegen und Bekannten über den VfB lästern und fühlt sich nicht einmal mehr getroffen, weil sie ja Recht haben.

Jetzt aber mal halblang, bis hierher und nicht weiter!!! Kanns das sein? Muss ich tatenlos mit ansehen, wie mein geliebter VfB, so den Bach runter geht? Zur Lachnummer der Nation verkommen ist? Von handelnden Personen, Verdienste in der Vergangenheit hin oder her, herunter gewirtschaftet wird. Dass von einem Übungsleiter, dessen größter sportlicher Erfolg der Klassenerhalt eines Traditionsvereins, seines Zeichens Gründungsmitglied der Bundesliga und so etwas wie zum Inventar der Liga gehörend, ist, dass dieser Verein, früher immer für attraktiven Angriffsfußball stehend, schleichend zur grauen Maus verkommen ist? Immer hoffend, der Gegner möge den einen entscheidenden Fehler machen und wir das Spiel mit einem dreckigen 1:0 gewinnen. Wenn die Klarheit ins Spiel zurück kommt, werden wir auch gegen einen länger im Spielbetrieb steckenden brutal schwer zu bespielenden Gegner wie Rijeka weiter kommen können.

Das kann doch nicht der Anspruch sein. Mit Fußball a` la Labbadia wird das Stadion leer gespielt und anderen Sportarten oder Vereinen werden Zuschauer zugespielt, weil dies nur noch Hartgesottene ertragen können oder wollen. Und dies mehr deswegen, weil wir alle so etwas wie eine große Familie sind, und sich das Leid unter Leidensgenossen besser ertragen lässt.

Der Verein muss jetzt handeln! Wenn Fredi Bobic nicht zeitnah Klartext redet und sich von Labbadia deutlichabgrenzt, steht auch er für mich zur Disposition. Für mich ein VfBler durch und durch, jetzt wäre er aber in der Pflicht Schaden vom Verein abzuwenden.

Die Vertragsverlängerung mit Labbadia, das auch noch bis 2016, war der größte Stuss, den er vollbracht hat. Ohne Not. Zu einer Zeit, als wir gerade mal wieder eine grottenschlechte Vorrunde mit historischen Blamagen, u. a. gegen Bayern und das Dorf, hinnehmen mussten. Zu einer Zeit also als sich schon eine gewisse Bruno-Müdigkeit breit machte.

Dass er jetzt auch seinen eigenen A… retten und vermeiden möchte, den Trainer rauszuschmeißen, weil durch den langfristigen Vertrag eine erkleckliche Abfindung fällig ist, mag aus seiner Sicht verständlich sein.

Im Sinne und zum Wohle des VfB ist das sicherlich nicht. Wir sind gerade dabei, die nächste Saison in den Sand zu setzen. Daher muss meiner Meinung nach jetzt gehandelt werden und nicht erst dann, wenn fast nichts mehr zu retten ist, und es nur noch um Schadensbegrenzung geht. Dies wird dann nämlich zusätzliche Millionen kosten, weil ein VfB der langweiligen Ergebnisfußball spielt und zu stark für die Abstiegsplätze und zu schwach für die oberen Regionen ist, keinen mehr interessiert. 40.000 Zuschauer im ersten Heimspiel gegen einen Championsleague-Teilnehmer sollten Alarmsignal genug sein, dass die Leute den Labbadia-Fußball leid sind. Wenn diejenigen, die jetzt schon fern bleiben und diejenigen, die nach und nach leise servus sagen, sich einmal für andere Wochenendbeschäftigungen entschieden haben, dürfte es, auch mit einem Trainer, schwer werden, diese zurück zu gewinnen. Labbadia selbst dürfte einen nicht unerheblichen Anteil daran haben, dass zum Heimspielauftakt nur eine gefühlte Minuskulisse den Weg ins Stadion fand. War doch er es, der trotz einiger Neuzugänge weiterhin alles madig machte und suggerierte, man brauche weiterhin nichts zu erwarten, bzw. erst dann, wenn noch Neymar oder Messi verpflichtet werden. Nach dieser Aussage gäbe es für Bobic eigentlich nur zwei Möglichkeiten, entweder Bruno entlassen oder Messi (respektive Neymar) holen. Andernfalls, und das wurde schon gegen Leverkusen vor Augen geführt, haben wir eine Saison wie die letzte zu erwarten. Emotionslos, ohne Spielfreude, ohne Spielwitz, mitunter konfus aber bestimmt nicht einfallsreich im kreieren von Torchancen, einfach gearbeiteter (schlecht anzuschauender) Fußball. So stehen die Chancen schlecht, die Heimschwäche der letzten Saison abzulegen.

Im Spiel hat sich der VfB mal wieder, wie es Gentner formulierte, nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Es stand halt der VfB auf dem Platz, wie ihr wisst „Stuttgart international, kann man nur besoffen sehn“. Demnach müsste man im Grunde von der UEFA Schmerzensgeld dafür verlangen dürfen, dass im Stadion nur alkoholfreies Bier ausgeschenkt wird. Im Grunde war das Gekicke einmal mehr nicht zu ertragen. Fehlpässe hüben wie drüben mit der einen oder anderen Halbchance, der dann hinterher nachgetrauert wurde. Schon bei der Aufstellung konnte man eigentlich nur die Hände über dem Kopf zusammen schlagen. Maxim wieder draußen, dafür Cacau, derzeit offensichtlich formschwach und viel zu langsam, im Spiel. Molinaro, eigentlich auf der Verkaufsliste, darf abermals ran und seine Schwächen offenbaren. Dass der sich (schon gegen Plovdiv) international festspielen durfte, auch ein Bärendienst (hoffentlich bald eine Hinterlassenschaft) von Labbadia für den VfB. Ein international beschäftigter Verein, wird ihn jetzt sicherlich nicht mehr holen, zumal ihm Bruno jetzt auch immer wieder die Gelegenheit gibt, unter Beweis zu stellen, was er alles unter ihm verlernt hat.

Harnik durfte ebenfalls wieder ran, obwohl seit Wochen und Monaten nur ein Schatten seiner selbst. Weshalb wir einen solch großen Kader besitzen, wenn das Leistungsprinzip und Konkurrenzkampf außer Kraft gesetzt sind, erschließt sich mir nicht.

Was Kvist verbrochen hat, würde mich schon auch einmal interessieren. Dass er die Bremse im VfB-Spiel war, hatte ich früher ja kritisiert. Eine Denkpause – schön und gut. Es dauerte ja ewig, bis Labbadia ihn überhaupt mal draußen ließ. Dass er aber jetzt so immens außen vor ist, hat er nicht verdient. Er ist ein guter Fußballer, das ist unbestritten. Ein Trainer hätte ihm ausgetrieben, den Blick nur zurück zu richten und defensiv zu denken, die Unsicherheit, die er zum Schluss hatte, hätte genauso bekämpft werden können, notfalls mit einem Mentaltrainer. Dass es sich Labbadia jetzt aber leistet, einen unseren, vom Marktwert her, wertvollsten Spieler so nieder zu machen, dass er überhaupt keine Rolle mehr spielt, das hat Kvist nicht verdient. Gerade jetzt, wo es in der Mannschaft hinten und vorne nicht stimmt, wäre die Zeit für ein Comeback reif, auch, um nicht noch mehr an Wert zu verlieren. Auch so ein Fall von Geldverbrennung Marke Labbadia. Kvist, kürzlich noch mit einem Marktwert von 7,5 Mio. gelistet, jetzt auf 5,5 Mio. taxiert und, sollte sich ein Abnehmer finden, dürfte er sicherlich für noch einiges weniger wechseln, nur um ihn von der Gehaltsliste zu haben.

Auch in Rijeka war das Geschehen auf den Rängen weitaus interessanter und sehenswerter als das auf dem grünen Rasen. Wirklich eine geile südländische Atmosphäre, die uns die Armada (Ultras des HNK Rijeka) dort beschert hat. Eine Choreographie, die während des Spiels beginnt und etwa 5 Minuten dauerte, sieht man nicht alle Tage. Dazu geile Pyroshows, hüben wie drüben. Der Spielverlauf an sich ist hinlänglich bekannt und es auch nicht wert, näher darauf einzugehen.

Nach dem Leverkusen-Spiel tat Bobic die „Bruno raus“-Rufe damit ab, dass das Gros der wahren Fans zum gesamten Team stehen würde und diese nur vereinzelt zu hören wären. In Rijeka aber rief es schon fast der gesamte Block, und dies fern der Heimat, was dem Verein zu denken geben sollte. Unsere „Bruno raus“-Rufe wurden von den Kroaten mit einem herzlichen „Bruno, Bruno, auf Wiedersehen“ beantwortet. Klasse!

Eine bizarre Situation gab es noch, als die Mannschaft in die Kurve kam. So gut wie keiner klatschte, damit konnten die Spieler nichts anfangen. Sie standen wie angewurzelt da und wir starrten uns gegenseitig an.

Dass im Stadion überhaupt keine Durchsage auf Deutsch kam, zeugt nicht von allerbester Gastfreundschaft. Die Blocksperre nach dem Spiel dauerte sage und schreibe 1 ¼ Stunden und das ohne auch nur einen kleinen Hinweis weshalb und weswegen. Dass hier alles so schön ruhig geblieben ist, war wohl alleine dem milden Sommerabend, der Besonnenheit und auch der Trägheit der mitgereisten Schwaben geschuldet.

Als wir endlich herausgelassen wurden, waren die Wege, die wir gehen durften, klar vorgezeichnet. Wie eine Herde Schafe wurden wir vom Stadion weg getrieben und mussten eine Steigung hoch gehen, die an die Substanz ging. Wer eine kurze Rast einlegen wollte, wurde immer weiter und weiter getrieben, ohne jede Gnade seitens der Polizei. Wir sahen ein altes Pärchen, wo der Mann die Frau fast den Berg hoch schob, weil sie nicht mehr konnte. Menschenverachtend, wie hier mit einem umgesprungen wurde. Oben angekommen wurden wir daran gehindert, zum Bus zu gelangen, der uns die gut sechs Kilometer in die Stadt gebracht hätte. Andere durften nicht in Richtung ihrer Autos laufen oder erst, nachdem sie oberkörperfrei sich ihrer Trikots entledigt hatten. Taxis waren weit und breit keine zu sehen, so dass viele den langen Weg in die Stadt zu Fuß auf sich nahmen. Die Kroaten hatten das nämlich auch so gut getimt, dass wir erst „frei“ waren, als der letzte Bus weggefahren war. Manchmal wünschte man sich, die gegnerischen Fans (die aber ja nichts dafür können) würden bei uns genauso behandelt werden.

Wir hatten das Glück, dass wir einen Bekannten aus dem Fanclub getroffen hatten, der uns in zwei Fuhren mit dem Auto zu unserem Hostel brachte. Wie Aussätzige wurden wir dort behandelt, Gastfreundschaft sieht anders aus.

In der Stadt dann schließlich fanden wir in fußläufiger Nähe kein Lokal mehr, wo wir etwas zum trinken bekommen hätten. Zum Glück hatten wir noch Kühltaschen voller Bier im Zimmer. Damit machten wir uns in der Fußgängerzone breit und hatten noch einen sehr lustigen Abend. Immer wieder kamen Rijeka-Fans vorbei und intonierten ihr „Stuttgart, Stuttgart, auf Wiedersehen“, das wir mittlerweile schon mitsangen. Einige blieben dann noch bei uns und wir feierten gemeinsam bis tief in die Nacht. Da war dann auch die Zeit gekommen, meinen Schal gegen einen Rijeka-Schal zu tauschen.

Schade, dass es bei einem solchen Spiel nicht möglich ist, zusammen mit dem Gegner in der Fankneipe des Stadions oder Drumherum ein Bier zu trinken und sich kennen zu lernen. Das wäre eine Art von Völkerverständigung und würde so manche Aggressivität herausnehmen. Ich glaube nicht, dass es bei diesen beiden Fanlagern zu größeren Problemen gekommen wäre. Sicherlich gibt es auf beiden Seiten Provokateure, diese gilt es eben in die Schranken zu weisen und auch einmal des Lokals zu verweisen. Aber, bei Fußballspielen macht es sich die Obrigkeit immer sehr einfach und nimmt gleich alle in Sippenhaft.

Am nächsten Morgen, abermals nach ziemlich wenig Schlaf, ließen wir den Tag langsam anklingen und starteten erst gegen 12.15 Uhr in Richtung Heimat. In Spittal, Österreich, machten wir dann noch eine ausgedehnte „Mittagspause“, aßen und tranken etwas in einem schönen Biergarten und waren schließlich gegen 22.30 Uhr wieder in Esslingen.

Es war ein rundum gelungener Trip mit klasse Leuten. Es hat alles zusammengepasst, jederzeit gerne wieder. Jetzt erst einmal erholen, aber auch davon zehren. Morgen hat uns der Alltag dann schon wieder, es geht nach Augsburg.

Als treuer Fan mag man es ja kaum aussprechen. Wie ich mich schon über das Lastminute-Tor in Rijeka zu einem „guten“ Auswärtsergebnis nicht erfreuen konnte, wäre ich auch bei einem Sieg bei den bayerischen Schwaben nicht euphorisch, würde das Leiden unter Bruno doch nur weiter verlängert werden. Traurig, wie weit es schon gekommen ist…

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9. März 2013

Graue Maus dank Mäuser!

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , , , – Franky @ 11:15

Letztes Wochenende, zum 80. unseres Ehrenpräsidenten Gerhard Mayer-Vorfelder wurde ich kurz sentimental. Was war das noch für ein Präsident? Einer, der uns gleich zu Beginn seiner Amtszeit den Wiederaufstieg beschert hat. Der VfB wurde damals bester Aufsteiger aller Zeiten und auf Anhieb Vierter mit den jungen Wilden 1 um Karl-Heinz Förster und Hansi Müller. Der VfB hielt sich über Jahre in der Spitzengruppe der Liga, obwohl man Abgänge von Leistungsträgern wie Hansi Müller oder Dieter Hoeneß zu verschmerzen hatte. Man schaffte es aber, diese zu kompensieren, weil MV gute Kontakte landein, landaus hatte, bspw. einen Asgeir Sigurvinsson an den Neckar lockte, dem bei den großen Bayern der Durchbruch verwehrt blieb. Zudem profitierte man vom damals noch starken, wenn auch immer im Hintergrund wahrgenommenen, zweiten Stuttgarter Profiverein, dem SV Stuttgarter Kickers, denen man in den 70ern Walter Kelsch, später dann Jürgen Klinsmann und Guido Buchwald und in den 90ern noch Fredi Bobic abluchsen konnte.  Der VfB fuhr Erfolge ein, feierte Finalteilnahmen und hielt sich konstant in den Top-Five, auch wenn es hier und da mal eine oder zwei Saisons zur Konsolidierung gab. MV gelang es immer wieder mal einen Weltstar wie Carlos Dunga zu uns zu locken und verpflichtete unser magisches Dreieck, Bobic kam von den Kickers. Giovane Elber wurde bei den Grasshoppers Zürich entdeckt und Krassimir Balakov wurde von Sporting Lissabon losgeeist. Klar sagte man ihm nach, den Verein nach Gutsherrenart zu führen, er hörte sich alle Meinungen an, die Entscheidungen fällte er jedoch Höchstselbst, nicht selten nach seinem Bauchgefühl. Er hinterließ Schulden in beträchtlicher Höhe, was den VfB Anfang der 2000er in Existenzängste trieb. Daher war sicherlich nicht alles Gold was glänzte und als Folge dessen wurden ja die Kontrollmechanismen im Verein verschärft, so dass so etwas ohne Durchwinken der Gremien heute nicht mehr möglich ist.

Warum ich trotzdem sentimental werde, wenn ich an die Zeit zurück denke und mit heute vergleiche? MV als Präsident hatte Charisma, hatte zudem in Ligaverband und FIFA hohen Einfluss, war stets präsent und immer darauf aus, ja keinen Manager größer zu werden zu lassen, als er selbst es war. Er hatte den höchsten Posten im Verein inne und das kehrte er nach außen. Bei ihm kam es nicht vor, dass der Verein von einer Blamage in die nächste geschlittert wäre und er untergetaucht wäre oder immer seinen Manager vorgeschickt hätte. Es mag sicher auch daran gelegen haben, dass MV für die Pressevertreter ein interessanter Interview-Partner war, dem nicht selten aus einer Laune heraus eine Exklusivnachricht entlockt werden konnte. MV war interessant und hatte immer etwas zu sagen. Dadurch war auch der VfB in aller Munde und eine Marke. Und, der VfB stand jahrzehntelang für attraktiven Offensivfußball!

Ein Mäuser jedoch, Präsident von Hundts Gnaden, duckt sich stets weg und hält sei Gosch, manchmal sicher auch besser so, tritt er doch gerne vom einen Fettnäpfchen ins Nächste.  Durch sein jähzorniges Naturell vergrault er langjährige Mitarbeiter und sieht tatenlos zu, wie einer nach dem anderen das sinkende Schiff verlässt und zur Konkurrenz wechselt. Er predigt gebetsmühlenartig den Stuttgarter Weg, von dem er wohl exklusiv überzeugt ist. Die Realität sieht anders aus. Unseren jungen Spielern werden stets „erfahrene“ Durchschnittskicker von Reservebänken anderer Vereine vor die Nase gesetzt, ein präsidiales Eingreifen und Einflussnahme in die sportliche Leitung scheint tabu zu sein. Die sportliche Leitung wird den Medien zum Fraß vorgeworfen, Mäuser selbst hält sich vornehm im Hintergrund und tut Nichts.

Man geilt sich vielmehr daran auf, dass der VfB neben den Bayern als einziger Verein noch in allen drei Wettbewerben vertreten ist, dass dieser Umstand einzig und allein einem unglaublichen Losglück zuzuschreiben ist, vergisst man gerne. Man nimmt die Misere einfach hin, ohne einmal Eier zu zeigen und auf den Tisch zu hauen. Dass die Bilanz auf dem Papier besser aussieht als sie wirklich ist, wird genauso totgeschwiegen, wie dass man eine Trainerdiskussion auch nur im Ansatz zulässt. Ich sehne mich ja ebenso nach Kontinuität, jedoch nicht auf Teufel komm raus. Weshalb man noch unbedingt im Januar den Vertrag mit Bruno Labbadia um zwei Jahre verlängern musste, wobei der Verein ja ursprünglich sogar an drei Jahre dachte, ist mir ein Rätsel. Ist das unser Anspruch mit blutleeren Auftritten im Mittelmaß herum zu dümpeln, immer auch mit einem Bein in der zweiten Liga? Kann es im Interesse des Vereins liegen, alles nur noch schönzureden und die Kritiker einfach zu ignorieren? Sind es nicht Alarmzeichen genug, dass zu einem Samstag-Nachmittag-Spiel gegen Werder Bremen, das eigentlich immer für Spektakel steht, nur noch 40.000 Zuschauer kommen? Die Zuschauerresonanz im Europa- und DFB-Pokal möchte ich gar nicht überbewerten. Bei diesen Anstoßzeiten ist es für viele zeitlich einfach nicht machbar, die exorbitant gestiegenen Eintrittspreise tun ihr übriges. An der Preisschraube ist der VfB ja offensichtlich nicht bereit zu drehen, in vfb-direkt wird ständig darauf hingewiesen, wie hochwertig der Wettbewerb sei und dass die Preise angemessen wären. Die Quittung dafür sind eben halbe Geisterspiele im weiten Rund des Neckarstadions. Apropos vfb-direkt, auch eine Idee von Herrn Mäuser. Dieses Medium könnte sich der VfB sparen, liest man doch höchstens in 1% der Fragen und Antworten überhaupt etwas neues, erfolgen die Antworten selbstherrlich und mit Textbausteinen, die man schon hundertmal gelesen hat. Was ich aus diesem Medium lediglich herauslesen kann: „immer sind die Anderen schuld“. Wenn Lady Ländle peinlich ist, sind es verkaufte Werbezeiten, auf die der VfB keinen Einfluss hat, ist die Qualität der Trikots schlecht oder sind sie zu teuer, wird Puma der schwarze Peter zugeschoben, schmeckt die Stadionwurst nicht oder ist sie zu kalt, wird man an den Caterer verwiesen, funktioniert der Tageskartenverkauf nicht oder muss man bis lang nach Spielbeginn in der Schlange stehen, ist man selber schuld, weil man die Karte nicht im Vorverkauf erworben hat. Auch die Kritik an der ohne Abstimmung mit den Fans vorgenommenen und auf Teufel komm raus durchgeführten Wahl zur Stadionhymne wird einfach ignoriert bzw. zurückgewiesen. Dies könnte ich noch ewig so weiter führen, als Fan fühle ich mich von dieser Plattform eher verarscht, als dass sie einen Mehrwert brächte. Aber, man liest halt doch mit und regt sich jedes Mal aufs Neue auf.

In Sachen Viagogo wird auf konkrete Fragen schon überhaupt nicht eingegangen, sondern lediglich auf die Stellungnahme von Mäuser verwiesen, die er zu Beginn der Partnerschaft tätigte. Es wird auch immer stets betont, dass man die ursprünglich geplante Fassung noch geändert hatte, als der Fanausschuss intervenierte. Dann heißt es so schön „in Absprache mit dem Fanausschuss“, obwohl dieser strikt gegen diese Form von Legalisierung des Schwarzmarkts war.

Der Dialog mit dem Fanausschuss stand kürzlich kurz vor dem Aus, weil sich der Verein nicht an Absprachen hielt und seine Vorhaben sowieso umsetzt, man hat dann eben darüber gesprochen. Einflussmöglichkeiten sehen anders aus. Noch unter Erwin Staudt fanden die Fans weitaus mehr Gehör als jetzt unter Mäuser, mit dem eine konstruktive Zusammenarbeit offensichtlich nicht möglich ist.

Zum Wohle des Vereins kann es eigentlich nur eines geben, Mäuser Raus! Eine Abwahl eines VfB-Präsidenten während der Amtszeit wäre, soviel ich weiß, ein Novum in der fast 120-jährigen Geschichte vom VfB. Möglicherweise ist die Chance dazu bei der nächsten Mitgliederversammlung so groß wie nie, wird es doch auch in der Wappenfrage zu einer Abstimmung kommen. Dieser Tagesordnungspunkt wird viele Leute aus der Kurve mobilisieren die Mitgliederversammlung zu besuchen, wo sonst überwiegend alte Schergen und der Freundeskreis anwesend sind, die den Vorstand brav entlasten und alles ab nicken, was im letzten Geschäftsjahr so schief gelaufen ist. Es muss eine Palastrevolution her, um den Verein wieder nach vorne zu bringen. Auch ein Dieter Hundt, mittlerweile weit jenseits der 70, sollte abdanken und jüngeren den Vortritt lassen.

Der Fisch stinkt gewaltig vom Kopf, trotzdem kann man auch die sportliche Leitung nicht unbehelligt lassen. Es ist klar, dafür hat auch jeder Verständnis, dass nach wie vor ein Sparkurs eingehalten werden muss und somit die Hände ein Stück weit gebunden sind. Trotzdem wird mir zu sehr schwarzgemalt. Wir sind immer noch der VfB, haben noch immer die stärkste zweite Mannschaft in Deutschland, haben ein tolles Stadion, ein begeisterungsfähiges Umfeld, ein riesiges Einzugsgebiet und sind in einer der stärksten Wirtschaftsregionen Europas beheimatet. Das sind Pfunde, mit denen wir nach wie vor wuchern können, darin stecken Potentiale, die geweckt werden wollen.

Wenn man aber einen Trainager Bobaddia hat, ich fasse die Herren hier der Einfachheit halber zusammen, da sie sowieso dieselbe Sprache sprechen, der stets nur am jammern ist und alles schon im Vorfeld madig macht, dann wecke ich natürlich auch kein Interesse und muss mich über leere Ränge im Stadion nicht wundern Mit Aussagen wie „die Europa League wird von den Fans in Stuttgart nicht angenommen“, im Vorfeld eines Spiels, gebe ich doch denen, die nicht kommen wollen, schon im Vorfeld ein Alibi. Ich kann mich an Plakataktionen von früher erinnern, Verein für Begeisterung, wo einfach Lust geweckt wurde und ein Stück weit auch an die Ehre eines Fans appelliert wurde, den Verein zu unterstützen. Es wird jeder noch so kleine Gegner groß geredet, Demut, Lernprozess, „wir sind noch nicht so weit“, „brutal harter Wettbewerb“, „steiniger Weg“, „hohe Erwartungshaltung“, etc. pp. Kurz, es wird permanent gejammert, unser VfB wird kleingeredet, es werden schon im Vorfeld Alibis gesucht und auch gefunden. Wenn Bobaddia so auch mit den Spielern redet, wundern mich die ängstlichen, blutleeren Auftritte überhaupt nicht. Es wundert mich dann auch nicht, dass keiner auf dem Platz steht, der die Anderen mitreißt, wenn man mal 0:1 hinten liegt und es mit einem „brutal schweren Gegner“ zu tun hat, der womöglich noch „in einer anderen Liga spielt“. Bobaddia wird nicht müde zu wiederholen, dass ein einziges unvorhergesehenes Ereignis genügt, um das fragile Gebilde einstürzen zu lassen, sprich dass sich die Mannschaft danach abschlachten lässt. Ich denke „mit unvorhergesehenem Ereignis“ meint Bobaddia auch die individuellen Fehler, die die Jungs in unschöner Regelmäßigkeit auf den Platz bringen. Wenn man hinten anfällig ist und vorne das Tor nicht trifft, hat man ein richtiges Problem, so vor allem in den letzten Spielen, wo auch unser Torjäger Vedad Ibisevic Ladehemmung hatte. Umso weniger ist für mich nachzuvollziehen, dass der Fußball von Bobaddia darauf ausgelegt zu sein scheint, sich nach eigener Führung ins Schneckenhaus zurückzuziehen und den Gegner, der in diesem Moment ja am Boden liegt, kommen zu lassen und stark zu machen, anstatt selbstbewusst nach vorne zu spielen und nachzulegen. Das, was Bobaddia derzeit spielen lässt, ist Angsthasenfußball unterster Schublade, der mittlerweile nicht nur nicht zum anschauen ist, sondern dazu noch keine Punkte einbringt. Der VfB ist die schlechteste Rückrundenmannschaft und steht mittlerweile auch in der Europa League vor dem Aus. Es sieht jeder ein, dass wir keinen Kader besitzen wie die Bayern oder der BVB. Dass aber, gerade angesichts der hohen Belastungen und Formschwäche einiger Spieler, nur immer die gleichen 12,13 Feldspieler zum Einsatz kommen und Auswechslungen erst erfolgen, wenn das eintrat, was lange Zeit absehbar war, dafür fehlt mir jegliches Verständnis.

In Sachen Aufstellung und Ein-/ Auswechslungen komme ich auf Bruno Labbadia zurück. Er vertraut offensichtlich nach wie vor dem Gros der Tribünenhocker nicht, geschweige denn unseren Jungs von der Zweiten, die schon Profiluft schnuppern durften. Und wenn endlich ein Martin Harnik, der meilenweit von der Form der Vorsaison entfernt ist, wie gegen Rom, durch Alexandru Maxim ersetzt wird, kommt auch noch Pech hinzu, da er durch eine rüde Attacke mit Nasenbeinbruch und Gehirnerschütterung ausgewechselt werden musste. Ein William Kvist ist momentan noch schwerer vermittelbar. Was er in der Rückrunde oder wie auch am Donnerstag gegen Lazio schon Gegentore verschuldete geht auf keine Kuhhaut. Dazu ist er, ganz Labbadias Liebling, ein Sicherheits- oder besser Rückpasskönig par excellance. Nicht selten kommt es beim VfB vor, dass, zehn Sekunden nach eigenem Eckball, der Ball zu Sven Ulreich zurück gespielt wird. Kvist macht das Spiel langsam und ist zudem völlig von der Rolle und offensichtlich ohne jegliches Selbstvertrauen, so dass er schon fast zwanghaft den Sicherheitsrückpass einer offensiven Aktion vorzieht. Wenn ein Trainerteam an sich selbst den Anspruch stellt, die Spieler von Tag zu Tag besser machen zu wollen, haben sie bei Kvist etwas falsch gemacht, er ist nur noch ein Schatten seiner Darbietungen aus der Vorsaison. Hatte man jahrelang ein Überangebot an talentierten und spielstarken Sechsern ist Kvist nun fast alternativlos, was meine Hoffnungen auf Besserung in der Spielweise doch dämpft. Den einzigen im Kader, den ich mir noch vorstellen könnte, ist Rani Khedira. Doch der ist jung und gleichzeitig unerfahren und wird so den Sprung in unser ach so funktionierendes Team sicherlich nicht allzu früh schaffen.

Wenn sich in einer Mannschaft die Unkonzentriertheiten und Slapstickeinlagen häufen, wenn die Laufbereitschaft zu wünschen übrig lässt, keiner dem anderen hilft, die Ordnung auf dem Platz nicht stimmt und der Gegner Spiel für Spiel zum Tore schießen eingeladen wird, stellt sich automatisch die Trainerfrage. Man fragt sich, erreicht der Trainer das Team noch? Spielt die Mannschaft gegen den Trainer? Ist es der Fußball, den der Trainer verlangt, wenn er offensichtlich nicht oder erst sehr spät korrigierend eingreift? Warum wechselt Labbadia nicht auch einmal schon nach 20 Minuten aus, wenn er von außen feststellt, dass ein Spieler bei der Mannschaftsbesprechung nicht zugehört hat und sein eigenes Ding macht? Da er diesbezüglich überhaupt keine Anstalten macht, unterstelle ich mal, dass das, was derzeit auf den Rasen gebracht wird, Fußball a` la Labbadia ist und dieser uns auch in der Zukunft drohen wird, wenn Labbadia am Ruder bleibt. Und dann braucht sich nun mal niemand zu beschweren, dass sich viele das nicht antun zu wollen und diese Zeit lieber der Familie widmen oder sich den weiten, beschwerlichen Anreiseweg ersparen. Und, nein, ich rede hier nicht von Erfolgsfans! Die meisten Fans akzeptieren ja die Tatsache, dass die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinander driftet, sie akzeptieren, dass man nicht mehr zu den Top-Vier gehört und wohl auch so schnell nicht Stammgast in der Champions League sein wird. Doch, die Leute, die ihr Geld in Stadion tragen, welches wiederum den Millionären auf dem Rasen zufließt, erwarten eine Gegenleistung in Form von Identifikation, Kampfgeist, Willenskraft. Diese Attribute vermisst man derzeit völlig, man hat eher den Eindruck, das Team ergebe sich in sein Schicksal und außer Phrasen a` la Bobaddia bekommt man nichts zu hören. All dies macht wenig Hoffnung auf Besserung. Auch die traditionell starke Rückrunde, die oftmals Probleme kaschiert hatte, scheint in dieser Saison auszubleiben. Somit taumeln wir weiter durch die Liga und können uns mittlerweile daran ergötzen, dass Augsburg gestern gegen Nürnberg keine Punkte geholt hat. Der VfB wird noch zwei bis drei Siege benötigen, um mit dem Abstieg nichts zu tun zu haben. Momentan kann ich mir jedoch nicht vorstellen, gegen wen diese gelingen sollen. Mit Leistungen wie zuletzt, gewinnt man in dieser „brutal ausgeglichenen Liga“ kein Spiel! Es muss jetzt ein Befreiungsschlag her wie er in der letzten Saison beim 5:0 gegen Hertha gelang, von mir aus auch wieder begünstigt durch eine frühe rote Karte.

Die größte Möglichkeit, außer dem Nichtabstieg, diese verkorkste Saison noch zu retten, wäre das Pokalfinale in Berlin. Das Losglück blieb uns hold und bescherte uns abermals ein Heimspiel. Allerdings, mittlerweile habe ich höchsten Respekt, wenn ich an die Breisgau-Brasilianer denke. Klasse, was Christian Streich dort innerhalb eines Jahres aus der Truppe gemacht hat und welche Begeisterung er vorlebt. Er ist wie Labbadia ein Typ Trainer, der vor Ehrfurcht erstarrt angesichts der großen Namen, mit denen er es in der Bundesliga zu tun hat. Im Gegensatz zu Labbadia aber wandelt er diese Ehrfurcht in positive Energie um und kitzelt aus seinen Jungs, die er zum Großteil von Kindestagen an kennt, die paar Prozent mehr heraus, die nötig sind und den Unterschied ausmachen. Während Labbadia griesgrämig nur die Last sieht, versprüht Streich Lust, es den großen zu zeigen. So wird das Halbfinale sicherlich kein Selbstläufer. Noch haben wir fünf Wochen Zeit um in eine bessere Phase zu kommen und Selbstvertrauen zu tanken. Was mich in diesem Zusammenhang aber schon wieder tierisch nervt, ist, dass von fast allen vom VfB angesichts der Chance auf den Finaleinzug hervorgehoben wird, dass wir dann ziemlich sicher auch in der nächsten Saison international dabei wären, und keiner auf die Idee kommt, den Pokal dann auch gewinnen zu wollen. Minimalistendenken eben!

Morgen geht es gegen den wiedererstarkten HSV der jüngst im Westfalenstadion zu Dortmund mit 4:1 gewonnen hat. Danach geht’s zum starken Aufsteiger nach Frankfurt, dann Dortmund zu Hause und Hannover auswärts. Angesichts dieser Aufgaben wird mir eigentlich angst und bange. Hier bin ich wieder beim Einstiegsthema und würde mir jemanden wünschen, der jetzt wachrüttelt und vom allgemeinen Kuschel- und Streichelkurs abrückt und die Protagonisten an den Ernst der Lage erinnert und nicht erst aufwacht und in Aktionismus verfällt, wenn es fast schon wieder zu spät ist.

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19. Februar 2013

Zwischen Genk und Genk

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , , , , – Franky @ 18:50

Auch drei Tage danach habe ich den dämlichen Ausgleichstreffer der Belgier in der Nachspielzeit des Hinspiels gegen den KRC Genk noch nicht so recht verdaut. Nach fünf Pleiten in der Liga in Serie lechzt der VfB nach einem Erfolgserlebnis und lässt sich dann noch so leichtfertig die Butter vom Brot nehmen, indem man den Belgiern beim Ausgleichstor Geleitschutz lieferte anstatt beherzt, auch über die 90. Minute hinaus, an- und einzugreifen. So wurde aus einem guten Europapokalergebnis ein sehr gefährliches. Immerhin, meine Befürchtungen, dass nach dem Hinspiel bereits alles aus sein könnte, bewahrheiteten sich Gott sei Dank nicht.

Das Spiel an sich war, wie so oft in der letzten Zeit, ein Langeweiler. Es traf ein verunsicherter VfB auf ein international allenfalls drittklassiges Genk, das allerdings, im Gegensatz zum VfB, die Gruppenphase u. a. gegen den FC Basel und Sporting Lissabon unbesiegt überstand. Der VfB seinerseits war ja bekanntlich auf Schützenhilfe von Steaua Bukarest angewiesen, um trotz der Heimniederlage gegen Molde FK in die Zwischenrunde einzuziehen. Dieses 1:1 im Hinspiel lässt die Hoffnung am Leben, in Genk den Einzug ins Achtelfinale klar machen zu können.

Hilfreich für dieses Bestreben wäre natürlich, wenn man sich an der Autobahnraststätte Sinsheim Selbstvertrauen würde holen können. Auch im 5. Jahr der Bundesligazugehörigkeit von Hopps Spielzeug kann ich mich nicht daran gewöhnen, zu einem Bundesligaspiel ins Kraichgau zu fahren. Das einzig Positive, bei einer Entfernung von rund 60 Kilometern stört selbst ein Sonntagabendspiel nicht besonders, kommt man doch zu einer zivilen Zeit heim und ohne Urlaub aus. Trotzdem prickelt es bei jedem anderen bevorstehenden Spiel mehr als bei diesem.

So fragte ich mich den ganzen Sonntag über, als ich mir die Zeit mit Ski-WM und Stammtisch in Sport 1 vertrieb, was mich denn motivieren sollte, überhaupt aus dem Haus zu gehen. Am meisten freute ich mich auf die Truppe vom RWS Berkheim und die (kurze) Busfahrt und dass ich wusste, dass ich im Gästeblock jede Menge Bekannte treffen würde. Auch in schlechten Zeiten ist der Zusammenhalt und das „in einem Boot sitzen“ unter den Fans der Hauptgrund anhaltend hoher Motivation, den VfB überall hin zu begleiten. Und, natürlich hofft man auch jedes Mal aufs Neue, dass es endlich gelingt den Bock umzustoßen und tabellarisch wieder in ruhigere Gefilde vordringen zu können. Bei Leistungen, wie weitestgehend an der Tagesordnung in der Saison 2012/2013 hätte das Team den einen oder anderen Stimmungsboykott mehr verdient.

Als Außenstehendem ist mir ein Kollektivversagen von Profisportlern in dieser Fülle unbegreiflich. Dass einer einmal einen schlechten Tag hat, den hat jeder von uns einmal. Dass aber regelmäßig außer Unkonzentriertheiten, die den Gegner zum Tore schießen einladen, auch mangelnder Kampfgeist, mangelnde Lauf- und Hilfsbereitschaft zu beklagen sind, dafür habe ich kein Verständnis. Wie man immer wieder hört, scheint es in der Mannschaft nicht zu stimmen, was auch auf dem Rasen zu erkennen ist. Hier muss eigentlich das Funktionsteam eingreifen und den Spielern einbläuen, worauf es im Mannschaftssport ankommt und dass irgendwelche Animositäten hinten anstehen müssen, wenn es um das große Ganze geht. Die Spieler, oder besser Gehaltsempfänger haben die verdammte Pflicht, für ihren Arbeitgeber und die Fans, die sie letztendlich bezahlen, alles abzurufen und auf dem Platz Gas zu geben. Momentan hat man eher den Eindruck, dass die Spiele lästige Pflichterfüllung sind und fast keiner mit Freude und Motivation zu Werke geht. Viele im Team spielen ihren Stiefel herunter, man wünschte sich mehr Spieler wie Ibrahima Traore, dem man den Willen jederzeit anmerkt. Ein William Kvist in seiner derzeitigen Form ist ein Bremser und keiner, der uns weiter bringt. Abgesehen von den unbegreiflichen Stockfehlern, die er produziert, wählt er jederzeit den Sicherheits(rück)pass, anstatt das Spiel einmal schnell zu machen und Überraschungsmomente zu schaffen. Ein moderner Sechser ist Sicherheitskraft und Spielmacher in einer Person, von letzterem ist bei Kvist überhaupt nichts zu sehen. Hier wünschte ich mir mehr Dynamik  in seinem Spiel. Hoffnung auf Besserung macht mir, dass er schon zeigte, dass er als Stabilisator schon bessere Spiele ablieferte. Wenn Labbadia, wie zuletzt schon das eine oder andere Mal gezeigt, umstellt und Kvist alleiniger Sechser bleibt, ist er als defensiv denkender Stabilisator vertretbar. Auf der Doppelsechs  jedoch, wo beide Spieler fürs Aufbauspiel zuständig sind, ist er für mich, zumindest derzeit, eine Fehlbesetzung. Heute habe ich mir Kvist herausgepickt, wobei man über weitere Unzulänglichkeiten (Abwehr) und Formkrisen des einen oder anderen Spielers weitere Worte verlieren könnte.

Dass Labbadia vergleichsweise wenig rotiert und meist seine Lieblingsspieler aufstellt, das verstehe ich nicht, zumal wir ja nicht gerade überragend spielen und damit das Leistungsprinzip außer Kraft gesetzt wird. Dem einen oder anderen (und uns allen!) würde sicherlich zwischendurch die Pause eines Stammspielers gut tun, um sich wieder sammeln zu können und um über Sinn und Unsinn des Profifußballerlebens nachdenken zu können. Und, wenn von der Bank einer kommen sollte, der den Job besser macht und/ oder besser in Form ist, mein Gott, dann muss sich der Herausgenommene eben wieder hintenan stellen. Bei uns jedoch kommt einer mal rein, macht ein ordentliches Spiel und wird dann über Wochen wieder nicht berücksichtigt. Dass ein solches Vorgehen nicht stimmungs- und leistungsfördernd sein kann, um dies festzustellen muss ich weder Fußballlehrer noch Psychologe sein..

Nun also nach Sinsheim, dem Retortenclub, der sich eines Tages selbst, ohne die Milliönchen von Hopp, tragen soll und derzeit am Abgrund steht. Der voller Panik seit der Ära Rangnick Trainer um Trainer und Manager um Manager, verschleißt. Der voller Panik in der Winterpause noch einmal gut neun Millionen Euro investierte und sich damit den Titel des Winter-Einkaufsmeisters sicherte. Der es sich leisten kann, einen Unruheherd und Ex-Nationalspieler wie Marvin Compper für 300.000 Euro nach Italien zu entsorgen, Das Spielzeug Hopps, das auf Teufel komm raus in der Liga gehalten werden soll. Gut, die Ansprüche sind gesunken, wollte man noch vor der Saison noch in die Champions League. :-) .

Mit Chancengleichheit und Financial Fairplay hat diese Einkaufspolitik natürlich nichts zu tun. Wollte man ursprünglich noch ein Team mit jungen Spielern aus der eigenen Jugend/ Region aufbauen, setzt man jetzt auf namhafte Akteure, die in Sinsheim ihren letzten großen Vertrag unterschreiben. Mit welchen Gehältern Hopp lockt, offenbarte ja vor Jahren schon Uli Hoeneß, der ausplauderte, zu einer Zeit, als der FC Bayern an Salihovic interessiert war, dass die Bayern im Gehaltspoker ausgestiegen wären, weil Hopp mehr geboten hatte. So erklärt sich auch, dass der FSV Mainz 05 in der Winterpause einen unumstrittenen Stammspieler wie Igor Polanski, seines Zeichens immerhin polnischer Nationalspieler, ziehen ließ. Der Preis muss eben stimmen! Auch dass im Sommer u. a. Delpierre (ehemals 4,3 Mios Gehalt vom VfB), Tim Wiese und Derdiyok im Kraichgau unterschrieben, unterstreicht, dass in Hoffenheim weiterhin Gehälter fernab der Vernunft gezahlt werden. Solche Vereine, die sich wirtschaftlich nicht selbst tragen müssen,  machen den Markt kaputt und treiben die Gehälter immer weiter in die Höhe, was es einem Verein wie dem VfB natürlich nicht leichter macht. Zudem wird hier auch noch die 50 + 1 Regel unterlaufen. Diese besagt, dass der Geldgeber weder Stimmenmehrheit noch Geschäftsführung ausüben darf. Für das übt Hopp seit Jahren einen großen Einfluss auf die Geschehnisse aus. Um diesbezüglich keine Konsequenzen befürchten zu müssen, zahlt es sich eben aus, wenn man hochrangige Freunde beim FC Bayern und dem DFB sitzen hat…

Umso mehr würde es mir gut tun, wenn Hopp am Saisonende vor einem Scherbenhaufen stehen würde und den Gang in Liga 2 antreten müsste. Mir ist allerdings auch bewusst, dass Hopp so schnell nicht aufgeben würde und den „Betriebsunfall“ dann mit womöglich noch höherem finanziellem Engagement schnellstmöglich zu korrigieren versuchen würde.

So kann ich also mit diesem Konstrukt so überhaupt nichts anfangen. Dazu kommt, dass auch Fankultur in Hoffenheim ein Fremdwort ist. Das Stadion wird gefüllt von SAP-Mitarbeitern, die fleißig Freikarten erhalten, und Kunden, die die VIP-Bereiche auslasten. Auswärtsspiele mit weniger als 100 Hoffenheim-„Fans“ sind an der Tagesordnung. Selbst den kurzen Weg nach Stuttgart ins Neckarstadion finden selten mehr als 500 Auswärtsfans. Der Hoffenheimer Präsident Hofmann lieferte 2011 ja eine plausible Erklärung: Dass unsere Fans nicht mitfahren, hat damit zu tun, dass sie teilweise Angst haben, nicht heil aus Stuttgart rauszukommen. Das letzte Mal mussten sich einige unter dem Auto verstecken!“. Selten so gelacht. :-)

Als wir VfBler mit über 2.000 Fans in Babelsberg beim Pokalspiel bei Falkensee-Finkenkrug verweilten, verloren sich zur gleichen Zeit handgezählte 65 Hoffenheimer im Stadion des Berliner AK, was deren Präsident Ali Han zu der Aussage hinriss, „Ein Bundesligist, der so wenige Zuschauer mitbringt, soll sich lieber für die Bezirksliga anmelden”.

Vielleicht schwingt ja im Unterbewusstsein der Hoffenheimer diese Aussage mit, tun sie doch momentan alles dafür, um dieses Intermezzo so kläglich wie nur möglich wieder zu beenden.

Nach kurzer Busfahrt erreichten wir also die Ausfahrt Sinsheim und fuhren im Schritttempo weiter in Richtung unseres Gästeblockes. Bei Spielen wie diesen bin ich froh, direkt vor den Gästeblock gekarrt zu werden und möglichst auf keinen Heim“fan“ zu treffen. Noch ein kurzes Bierchen am Bus, wohlwissend, dass es im Gästeblock wieder kein Vollbier geben würde und schon ging es auch hinein. Die Einlasskontrollen zogen sich etwas in die Länge, selbst den Geldbeutel mussten wir öffnen, wurde doch vor einigen Jahren von VfBlern schon einmal ordentlich gezündelt. Insgesamt hielten sich die Kontrollen aber noch im ertragbaren Rahmen. Da der Stehplatzbereich (oder besser Käfig) erfahrungsgemäß brechend voll ist, bestellte ich Sitzplatzkarten für stolze 35 Euro, Preislich langen sie hin wie die ganz Großen… Noch kurz den einen oder anderen Smalltalk im Block gehalten und schon näherte man sich dem Spielbeginn. Das unvermeidliche Badener Lied wurde wie immer von den weit mehr als 3.000 VfBlern lautstark niedergepfiffen, so dass ich persönlich nicht vernehmen konnte, ob jemand mitgesungen hat. Da das Einzugsgebiet des Retortenclubs über die badischen Grenzen hinaus reicht, ein Service der besonderen Art. Für die „Neubadener“ wird auch noch im fünften Jahr der Text dieser Hymne eingeblendet. Kann ich verstehen, bei einer solchen Fluktuation unter den Kunden, muss dieser Service einfach sein. ;-) .

Zum Einlauf der Mannschaften gab es noch eine kleine Choreographie namens „Rote Karte für Viagogo“ im VfB-Block, mit der einmal mehr die Ablehnung der meisten VfB-Fans gegen den vom VfB durch die Partnerschaft mit Viagogo unterstützten (legalisierten) Schwarzmarkt verdeutlicht werden sollte. Auch ich stehe diesem Portal ablehnend gegenüber und verstehe nicht, weshalb es zwar verboten sein soll, seine Karte in Ebay zum Originalpreis zu verkaufen, es jedoch vom VfB goutiert wird, die Karten bei Viagogo zzgl. abzockerischer Gebühren zu verhökern. Langsam kommt es mir so vor, dass dem VfB jedes Mittel recht ist, ein paar Euro fuffzig zu verdienen. Gerne wird vom VfB via Homepage und vfb-direkt vorgeschoben, den Deal ausgiebig mit dem Fanausschuss diskutiert zu haben, wobei der Fanausschuss ja nie Möglichkeit hatte, soviel Einfluss zu nehmen, den Deal platzen zu lassen. Es ging also nur um das kleinstmögliche Übel!

Das Spiel begann dann vielversprechend, wenn nicht gar euphorisch für uns. Noch keine drei Minuten waren gespielt, als der seit Wochen beste VfBler Ibrahima Traoré

auf der linken Seite Andreas Beck wie einen Statisten aussehen ließ, in den Strafraum eindrang und scharf an den zweiten Pfosten flankte und der seit Monaten kriselnde Martin Harnik einen Kopfball-Torpedo an die Unterkante der Latte setzte, von wo aus der Ball schließlich im Tor landete. Ein Tor wie ein Donnerschlag. Die Erleichterung im Block war greifbar, war es doch ein immens wichtiges Spiel für uns. Sollte es tatsächlich Sechs-Punkte-Spiele geben, dieses war eines. Mit einem Sieg könnten wir uns 12 Punkte von Hoffenheim absetzen, bei einer Niederlage wären es nur noch sechs Punkte auf den Relegationsplatz und das Zittern würde so richtig beginnen. Es wird immer so viel von der Qualität geredet, die wir angeblich besitzen, doch, mit Leistungen wie in den letzten Wochen kann eben auch jedes Spiel verloren gehen. Nicht nur aufgrund der  Tabellenkonstellation war ein Sieg Pflicht, es galt auch die Scharte aus dem Hinspiel auszuwetzen, als wir uns sang- und klanglos ergeben hatten und mit 0:3 den Kürzeren zogen. Jetzt also lag der VfB, erstmals in der Bundesliga im Jahre 2013, in Führung. Den Hoffenheimer, auch nicht gerade mit Selbstvertrauen im Übermaß bestückt, merkte man die große Verunsicherung an. Leider konnte der VfB kein Kapital daraus schlagen. Anstatt, für die mitgereisten Schwaben wäre es natürlich Balsam auf die geschundene Seele gewesen, auf einem am Boden liegenden ungeliebten Nachbarn herumzutreten und sie zu demütigen, machte es der VfB leider wieder einmal allzu gnädig. Man war mit der Führung zufrieden und beschränkte sich aufs Verwalten des knappen Vorsprungs. Für mich unverständlich, hat man doch erst drei Tage davor schmerzlich erfahren, wie sehr eine 1:0-Führung am seidenen Faden hängen kann. Außerdem haben wir ein miserables Torverhältnis zu beklagen, an dessen Verbesserung zu arbeiten erstrebenswert gewesen wäre. So plätscherte das Spiel dann der Halbzeit entgegen, der VfB wollte nicht mehr, Hoffenheim konnte nicht.

Als die zweite Hälfte ähnlich ereignislos begann, brachte der schwäbische Trainer Marco Kurz 10 Minuten nach der Pause in Derdiyok und Weis zwei frische Kräfte, was den Hoffenheimern zwar mehr Spielanteile, jedoch kaum nennenswerte Torchancen bescherte. In den zwei, drei brenzligen Situationen, die es zu überstehen galt, war unser Goalie Sven Ulreich zur Stelle, der dieses Mal wie ein Fels in der Brandung stand.

Einer meiner absoluten „Lieblingsschiedsrichter“, spätestens seit Mainz im Dezember 2011, als er die Mainzer im Alleingang auf die Siegerstraße geleitete, Guido Winkmann, war das Gekicke dann zu langweilig. Ließ er noch in der ersten Hälfte das eine oder andere brutale Vergehen der Gastgeber gänzlich ungeahndet, hielt er in der zweiten Hälfte bei jedem noch so harmlosen Foul einem unserer Spieler die gelbe Karte unter die Nase. Auch diesen Ball wussten die Hoffenheimer nicht aufzunehmen, so grottenschlecht waren sie, so dass am Ende ein knapper, wenn auch verdienter 1:0 Auswärtssieg für den VfB zu Buche stand.

Es war ein Spiel wie der Tabellenstand, Fünfzehnter gegen Sechzehnter, Not gegen Elend.

Der VfB konnte sich mit diesem Sieg ein wenig Luft verschaffen und muss, zumindest vorerst, in der Tabelle nicht mehr nach unten schauen. Hoffnung macht die in diesem Spiel ansteigende Form von Martin Harnik und auch Georg Niedermeier, der leider jetzt in Genk gesperrt ist. Auch Gentner und Holzhauser machten für mich über weite Strecken ein ordentliches Spiel. Jetzt gilt es diesen Rückenwind mitzunehmen und in Genk selbstbewusster aufzutreten als zuletzt. Dass Genk keine Übermannschaft ist, davon konnten wir uns am letzten Donnerstag überzeugen.

Auch ich werde in Belgien am Start sein, wieder einmal mit dem Bus vom RWS Berkheim,  dieses Mal ohne Übernachtung. Von der Entfernung her ist das doch eher ein gefühltes Bundesligaauswärtsspiel, der nächste ausgedehnte Europa League Trip folgt dann hoffentlich Mitte März zum Achtelfinale bei Lazio Rom, sofern sie nicht zu Hause gegen Borussia Mönchengladbach verlieren. Dies bedeutet allerdings nicht, dass ich mich über ein Weiterkommen von Gladbach nicht auch freuen würde… Es kommt wie es kommt, erst einmal ist sowieso der VfB am Zug!

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