15. März 2010

1:2 auf Schalke: Der VfB muss sich hinten anstellen

Mit langen Schritten eilte Ciprian Marica nach seiner Einwechslung aufs Spielfeld, es galt schließlich keine Zeit zu verlieren. Noch blieben ein paar Minuten Zeit, um die drohende Niederlage zu vermeiden. Und das dafür notwendige Engagement zeigte nicht nur Marica. Allein: es nutzte alles nichts. Die Schlussphase verstrich – und mit ihr die Hoffnung, die auf den späten Ausgleich.

Mit 1:2 (0:0) hat der VfB Stuttgart am Freitagabend beim FC Schalke verloren und damit die Chance verpasst, endgültig in den Kampf um einen Platz im Europapokal einzugreifen. Während die Schalker zumindest bis Samstag die Tabellenführung übernommen haben, droht der Mannschaft von Christian Gross nun eine Restsaison im tabellarischen Niemandsland. Gross hatte seine Elf im Vergleich zum 2:2 in Bremen auf zwei Positionen umgebaut.

Frühzeitig klar war, dass für den gesperrten Matthieu Delpierre auf Schalke Georg Niedermeier in die Innenverteidigung rücken würde. Die andere Änderung ergab sich kurzfristig, da Stefano Celozzi wegen einer Erkältung ausfiel. Christian Träsch rückte für ihn auf die rechte Verteidigerposition und machte damit im zentralen Mittelfeld Platz für Zdravko Kuzmanovic. Ricardo Osorio, gelernter Außenverteidiger, blieb trotz des Ausfalls von Celozzi auf der Bank – darf sich aber immerhin damit trösten, dass Villarreal Interesse an seinen Diensten zeigt.

Träsch zeigte auf rechts, dass er der Abwehr mehr Sicherheit und dem Spiel nach vorne mehr Impulse geben kann als Celozzi. Wie zuletzt häufig war es aber zunächst die linke Seite, über die der VfB Druck machte. Cristian Molinaro und Alexander Hleb haben sich dort zu einem prächtig harmonierenden Gespann entwickelt und sorgten auch diesmal für die erste gefährliche Szene: Nach einem Zuspiel Hlebs wurde der Schuss von Molinaro im letzten Moment abgeblockt (5.).

Mit gefährlichen Aktionen war es danach jedoch vorerst vorbei. Der VfB war die aktivere Mannschaft und häufiger am Ball – schaffte es aber nicht, sich gegen die Schalker Abwehr, die beste der Liga, entscheidend durchzusetzen. Und die Hausherren, auch im eigenen Stadion gewohnt defensiv eingestellt, beließen es ihrerseits bei eher zaghaften Angriffsversuchen.

So neutralisierten sich auf dem sehr schwer bespielbarem Platz beide Teams lange Zeit im Mittelfeld, bis der VfB kurz vor der Pause doch noch zu zwei dicken Torchancen kam: Erst scheiterte Pawel Pogrebnjak an Manuel Neuer (35.). Und nur eine Minute später war der Schalker Schlussmann erneut auf dem Posten, als es Kuzmanovic nach einem schönen Hleb-Pass mit einem Heber versuchte. “Da hätten wir konsequenter unsere Chancen nutzen müssen. Das kann sich in so einem Spiel rächen”, sagte der VfB-Manager Horst Heldt in der Pause.

Nur ein paar Sekunden dauerte es nach Wiederbeginn, bis sich Heldt in seiner Befürchtung bestätigt sah und der eingewechselte Edu die Schalker in Führung schoss. Bedanken durfte sich der Angreifer bei Serdar Tasci, der beim Versuch zu klären, den Ball aufgelegt hatte. Es spricht für den Verteidiger des VfB, dass er sich durch den Fehler nicht aus dem Konzept bringen ließ. Im Gegenteil: vier Minuten später war es Tasci, der zum Ausgleich einköpfte.

Die Freude allerdings währte nicht lange. Weitere fünf Minuten später geriet der VfB erneut in Rückstand – und wieder patzte die Hintermannschaft. Nach einem Freistoß klappte die Abseitsfalle nicht, Heiko Westermann stand frei und bediente Kevin Kuranyi, der den Ball über die Linie drückte. Energisch drückte der VfB anschließend auf den Ausgleich – die Mühen jedoch wurden nicht belohnt.

Nach dem Spiel blieben die Stuttgarter im Ruhrgebiet – und richteten den Blick bereits auf das Spiel in Barcelona. In Dortmund bittet Gross seine Team am Samstag zu einem Geheimtraining, bei dem Standardsituationen einstudiert werden sollen – und Spione aus Spanien unerwünscht sind.

FC Schalke 04:

Neuer – Rafinha, Höwedes, Bordon, Westermann – Matip (46. Baumjohann) – Kluge (85. Moritz), Rakitic, Schmitz -Farfán (46. Edu), Kuranyi

VfB Stuttgart:

Lehmann – Träsch, Tasci, Niedermeier, Molinaro – Kuzmanovic, Khedira – Gebhart (73. Rudy), Hleb (81. Marica) – Pogrebnjak, Cacau

Schiedsrichter:

Wagner (Hofheim)

Zuschauer:

61.673 (ausverkauft)

Tore:

1:0 Edu (46.), 1:1 Tasci (50.), 2:1 Kuranyi (55.)

Gelbe Karten:

Höwedes (2), Rafinha (7) / Niedermeier (1), Tasci (8)

(STZ online 14.3.10)

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14. März 2010

2:2 gegen Bremen: VfB Stuttgart vergibt 2:0-Führung

Category: Spielberichte — Tags: , , , , , , , , , , , – Franky @ 10:31

Zumindest bis zur 75. Minute hatte der VfB Stuttgart wie der sichere Sieger ausgesehen. Für den VfB hatten Pawel Pogrebnjak (15.) und Sami Khedira (43.) getroffen – Bremen blieb anderthalb Stunden lang ohne Treffer. Doch dann kamen Hugo Almeida (75.) und Torsten Frings (81. per Foulelfmeter) und das Unentschieden. Und wenn es einen – moralischen – Sieger gab, dann waren das angesichts der furiosen Aufholjagd die Gastgeber aus Bremen. Im Kampf um die internationalen Startplätze hat Werder Bremen einen Punkt gegen Verfolger Stuttgart gerettet. Die Bremer liegen in der Tabelle der Fußball-Bundesliga weiter vier Punkte vor dem direkten Konkurrenten um die Spielberechtigung für die Europa League.

“Wir haben es verpasst, drei Punkte zu holen”, kommentierte VfB-Trainer Christian Gross: “Wir hätten nach der Führung das dritte Tor machen müssen.” Zum Anschluss durch Almeida, bei dem Lehmann nicht gut aussah, erklärte er: “Ich habe es noch nicht aus einer Perspektive gesehen, aus der ich das endgültig beurteilen kann.” Die Gastgeber hatten anfangs mehr Ballbesitz. Bei den Chancen scheiterten Naldo (21.) und Claudio Pizarro (31.) aber am bis dahin starken Lehmann. “Da hätten wir schon ein Tor machen müssen”, sagte Werder-Clubchef Klaus Allofs. Insgesamt bot Werder jedoch zu wenig. “Die erste Halbzeit war zu passiv”, kritisierte Trainer Thomas Schaaf.

Die Stuttgarter verlegten sich aufs Kontern. Und das machten sie lange Zeit gut, spielten bei fast jeder Gelegenheit schnell nach vorne und zeigten sich anfangs vor dem Tor effektiver als die Bremer. Zunächst legte Alexander Hleb, der im Mittelfeld trotz der wachsenden Kritik erneut von Beginn an spielte, den Ball für Pogrebnjak ab, der nur einschieben musste. Beim zweiten Treffer drückte Khedira die von Timo Gebhart von rechts geflankte Kugel ins Netz.

Wieder einmal zeigte sich, wie anfällig die Bremer auf den Außen sind. Rechts spielte Sebastian Prödl für den zum zweiten Mal in Folge ausfallenden Clemens Fritz, links der unsichere Aymen Abdennour für den Langzeitverletzten Sebastian Boenisch, da auch noch Dauerersatz Petri Pasanen ausfiel. Diese Probleme nutzten die Stuttgarter, allerdings nicht mehr zu Toren. Cacau ließ schon in der 37. Minute eine hundertprozentige Chance aus, und eine weitere große Möglichkeit vergab er 20 Minuten später. Das rächte sich.

Die Bremer, die auch auf Philipp Bargfrede und Peter Niemeyer verzichten mussten, drehten stattdessen das Spiel. Trainer Schaaf stellte auf die Mittelfeld-Raute um, brachte mit Almeida zur Halbzeit einen zweiten Angreifer und später mit Markus Rosenberg einen Stürmer als rechten Verteidiger. Die Stuttgarter hatten indes nur wenige brenzlige Situationen zu überstehen, bis Lehmann bei Almeidas Tor nach Vorlage von Per Mertesacker patzte. Ohne Chance war er beim nicht unumstrittenen Strafstoß, den Frings sicher verwandelte.

Werder Bremen:

Wiese – Prödl (69. Rosenberg), Mertesacker, Naldo, Abdennour – Borowski (46. Hugo Almeida), Frings – Marin, Özil, Hunt – Pizarro

VfB Stuttgart:

Lehmann – Celozzi, Tasci, Delpierre, Molinaro – Träsch, Khedira – Gebhart (89. Hilbert), Hleb – Pogrebnjak, Cacau (79. Kuzmanovic)

Schiedsrichter:

Brych (München)

Zuschauer:

36.000

Tore:

0:1 Pogrebnjak (15.), 0:2 Khedira (43.), 1:2 Hugo Almeida (75.), 2:2 Frings (81./Foulelfmeter)

Gelbe Karten:

Frings (6) / Delpierre (5)

(STZ online 6.3.10)

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26. Februar 2010

Den Dom ließen wir in Kölle – die Punkte nahmen wir eindrucksvoll mit

Nachdem mich anfangs der Woche noch eine heftige Grippe plagte, wurde ich rechtzeitig zum Spiel in Köln wieder fit. So begaben wir uns an diesem Samstag pünktlichst zum Bahnhof, um den Intercity, der planmäßig um 7.37 Uhr starten sollte, ohne Streß zu erreichen. Aufgrund “technischer Probleme”, mehr wollte uns die Deutsche Bahn nicht mitteilen, verzögerte sich die Abfahrt aber leider um etwa 20 Minuten, Zeit, die uns natürlich in Köln fehlen würde. Zumal wir uns dieses Mal aufgrund der Sparpreise der Bahn für einen normalen IC und nicht den ICE entschieden hatten, und somit etwa eine Stunde länger unterwegs sein sollten. Wir begaben uns sofort in den Bistrowagen, in dem wir uns zunächst mit unseren mitgebrachten Fleischküchle-Wecka eine erste Grundlage schufen. So dauerte es dann auch nicht lange, bis ich mich dazu entschloss, zu testen, wie das Franziskaner Weißbier an diesem frühen Samstag-Morgen schmecken würde. Leider erstreckten sich die technischen Probleme der Bahn auch auf die Kühlung der Getränke. Das erste Weizen gleich soichwarm, das kann ja heiter werden… In Mannheim stiegen dann auch Heiko und Konrad von den Murgtalschwaben zu. Da wir dann natürlich sofort nachträglich auf Carles Geburtstag anstoßen “mußten”, trank ich eben noch ein Weizen, das zu meiner großen Freude deutlich kälter war, als das vorherige. Hätte die Bahnangestellte das erste doch auch nur von hinten weggenommen… ;-) . Im weiteren Verlauf der Fahrt, die über die schöne Strecke dem Rhein entlang über Mainz, an der Loreley vorbei und über Koblenz führte, klopften wir dann noch einen Skat, für mich mein erster seit bestimmt 15 Jahren, wir lasen die Tagespresse und diskutierten natürlich schon unsere Erwartungen für das Spiel. Da Marica gelbgesperrt ausfiel und Cacau sowie Schieber nach ihren Verletzungen noch kein Spiel bestritten haben, befürchteten wir fast, Christian Gross würde nur mit einer echten Spitze, nämlich Pavel Pogrebnjak antreten. Eine Taktik, vor der es mir immer graut, zeigt man doch damit indirekt dem Gegner, dass er mal schön die Initiative ergreifen darf. Wir haben einfach nicht die gefährlichen Flügelspieler, wie z. B. die Bayern mit Ribery und Robben, um nur mit einem Stoßstürmer spielen zu können.

Dadurch war die Fahrt natürlich sehr kurzweilig und ging im Zug um wie im Flug. Was machen Köln-Touristen, wenn sie aus dem Bahnhof kommen? Richtig! Ein Bild vom Dom. Dass das Bild noch den richtigen Touch bekam, gesellte sich schnell noch Charlie Chaplin zu uns.

Unsere erste Anlaufstelle in Köln war dann das Früh-Kölsch. Hier sind wir erfahrungsgemäß wohlgelitten, das Personal ist freundlich, die Bierversorgung klappt bestens und essen kann man dort auch noch etwas. Etwas störend für einen Süddeutschen sind natürlich die Reagenzgläser, in denen man in Köln sein Bier bekommt. Aber, wie geschrieben, die Versorgung klappte bestens, “unser” Kellner behielt uns ständig im Auge und brachte Nachschub, wenn wieder zu viel Luft in den Gläsern war.

Nachdem wir uns im Früh mit fester und flüssiger Nahrung gestärkt hatten, ging es ab ins Stadion. Da mir der Weg dorthin immer elends lang vorkommt, probierten wir es dieses Mal mit dem Taxi. Das war leider auch keine gute Entscheidung, schnell standen wir im Stau, brauchten somit mindestens genau so lang wie mit der Bahn und bezahlten noch 19 Euro für die Strecke. Da wir zu viert fuhren, ging das natürlich, dennoch lohnt sich das nur, wenn man eine Zeitersparnis dabei hat. Im Stadion dann trennten sich zunächst unsere Wege. Ich hatte mir zwar Karten über den VfB besorgen lassen, war mit diesen aber nicht einverstanden. Im gleichen Block über unserem Fanblock saßen wir letztes Jahr auch, damals hinter einer Plexiglasscheibe, schlecht zum Fotografieren natürlich. Auch den davor liegenden Strafraum konnte man nicht komplett einsehen. So entschloß ich mich kurzerhand dazu, beim FC Karten für die Gegentribüne zu bestellen, in einem Block, in dem im letzten Jahr massenhaft VfB-Fans waren, und meine Karten weiter zu geben. Am Einlaß gab es überhaupt keine Probleme, schnurstracks waren wir drin. Für mich ist es immer ein erhebendes Gefühl, in dieses Stadion zu kommen. Mir persönlich gefällt das Rheinenergiestadion von den neuen bzw. umgebauten Stadien in Deutschland mit am besten. Vor dem Spiel herrscht hier immer eine besondere Atmosphäre, vor allem, wenn Viva Colonia oder das Vereinslied Mer stonn zu Dir gespielt werden. Dann ist das weite Rund eine einzige rot-weiße Schalparade, die auch für mich als Gästefan schön anzusehen ist.

Ich fand die Plätze, die wir hatten, super. Der Block dürfte zu je 50% von Kölner und VfBlern belegt gewesen sein. Es gab aber keinerlei Probleme zwischen den Fangruppen. Rechtzeitig zum Verlesen unserer Mannschaftsaufstellung waren wir auf unseren Plätzen. Der leider angeschlagene Sami Khedira wurde durch Zdravko Kuzmanovic ersetzt, Marica also doch durch Cacau. Mich persönlich hätte es doch verwundert, wenn Gross anders aufgestellt hätte. Donnerstags war ich noch beim Training und da machte Cacau auf mich als Laien nicht den Eindruck, er wäre noch nicht fit genug.

Durch ein Spalier von Cheerleadern ging es für unser Team also hinein in das stimmungsvolle Stadion. Der VfB war gefordert heute. Es galt zu zeigen, dass die Niederlage gegen den HSV nur ein Ausrutscher war und Selbsvertrauen zu tanken vor dem bevorstehenden Highlight gegen den großen FC Barcelona. Außerdem war es interessant zu sehen, wie die Mannschaft reagieren würde, wenn zwei Stammspieler der vergangenen Wochen fehlen würden. Vor allem Sami Khediras Ausfall dürfte schwer wiegen, ist er doch mehr und mehr das Gesicht und die Lunge des neuen VfB.

Das Spiel begann dann recht schwungvoll. Der VfB hatte früh erste Torchancen durch Cacau (5.), Delpierre (6.) und Träsch (10.). Vor allem Delpierre hätte mit seinem Kopfball freistehend gerne für die Beruhigungspille sorgen dürfen. Dennoch stimmte der Auftakt zuversichtlich. Der Mannschaft merkte man das Vorhaben an, die Scharte der HSV-Niederliege auswetzen zu wollen. Die neuen fügten sich auch nahtlos in das Mannschaftsgefüge ein. Cacau wirkte sehr motiviert. Nachdem unter Gross zunächst Pogrebnjak und Marica gesetzt waren und er zu allem Überfluß noch durch eine Verletzung ausgebremst wurde, kam er in Köln erst zu seinem allerersten Rückrundeneinsatz. Viele schrieben ihn schon, vor allem in Bezug auf seine mögliche WM-Teilnahme, ab, was ihm deutlich zusetzt. In einigen Interviews in der Woche vor dem Spiel machte er deutlich, dass er nicht kampflos aufgeben und sich zeigen wolle. Eine Woche danach wissen wir, dass dies keine leeren Worthülsen waren. Er muß einfach besser und auch für die Mannschaft wertvoller sein, als seine direkten Konkurrenten, dann wird auch sicher Christian Gross der letzte sein, der ihn in seinem Eifer bremsen möchte. Diesen Kampfgeist hätte ich mir im übrigen auch von Thomas Hitzlsperger gewünscht, der sich möglicherweise gewaltig “verwechselt” hat. Wie ich Christian Gross bislang einschätze, kann sich jeder seine Einsätze verdienen oder er sagt ihm klipp und klar, dass er keine Zukunft unter ihm haben wird. Dem Hitz konnte er aber, und das sicher gerechtfertigt, keine Einsätze garantieren, Chancen hätte er aber durchaus gehabt.

Doch zurück zum Spiel. Die beiden Trainer verfolgten das Geschehen auf dem Spielfeld jeweils im Stehen. Für uns war es ja auch ein Wiedersehen mit Zvoni Soldo, der 10 Jahre lang die Kickstiefel für den VfB geschnürt hatte und lange unser Kapitän war. Ihm möchte man ja in Köln Alles Gute wünschen, aber bitte nicht in diesem Spiel.

Christian Gross wie immer engagiert an der Seitenlinie

Auch Zvonimir Soldo verfolgt das Geschehen im Stehen

Im Kölner Strafraum ging es bereits in der Anfangsphase heiß her

Nach den ersten guten VfB-Chancen gaben auch die Kölner in Person von Novakovic ihre erste Duftmarke ab, der in einer 1:1-Situation am glänzend reagierenden Jens Lehmann scheiterte. Im Gegenzug dann fiel das 0:1 durch Cacau, als die Kölner noch über die vergebene Chance haderten. Vorausgegangen war dem Tor ein glänzendes Zusammenspiel auf der linken Seite von Hleb und Molinaro, der sich immer mehr zu einem Glücksgriff mausert. Mit Verlaub: wer fragt heute noch nach Ludovic Magnin? Die Kölner brauchten eine gute Viertelstunde, um sich vom Gegentreffer zu erholen und näherten sich nun mal wieder zaghaft dem VfB-Tor. Christopher Schorch aber vertändelte den Ball. Postwendend folgte der Konter, der zum 0:2 nach 31 Minuten führte. Cacau war schon auf und davon, verstolperte dann fast die Kugel, so dass er die Situation nur noch mit einem Distanzschuß retten konnte. Dabei schlenzte er den Ball aber technisch anspruchsvoll und sehenswert ins rechte Toreck. Im VfB-Sektor brachen daraufhin natürlich alle Dämme. Mit 2 Toren lagen wir auswärts in dieser Saison bislang nur in Frankfurt in Front, da waren wir aber nicht mit dabei. Das Spiel lief also ähnlich gut wie letzte Saison an gleicher Stelle, als wir durch 3 Gomez-Tore mit 3:0 gewannen. Danach profitierte Novakovic abermals von einem Stellungsfehler von Delpierre, auch hier bügelte Lehmann die Gefahr glänzend aus, danach scheiterte Gebhart mit einem satten Schuß an Mondragon.

In der 38. Minute machte Cacau dann seinen Hattrick perfekt, als nach einer Ecke der Ball über Schorch und Mondragon Cacau der Ball genau vor die Füße sprang. Die VfB-Fans waren jetzt natürlich völlig aus dem Häuschen und die Kölner bedient.

Cacau macht seinen Hattrick perfekt

Kein Protest, nur Teil einer Hüpfeinlage :-)

Dass den Kölner durch Schorch noch vor der Pause der Anschluß gelang, tat unserer guten Stimmung keinen Abbruch. Trotz teilweise guter Chancen der Kölner sah es nicht danach aus, dass der VfB noch einbrechen könnte.  Nach dem Seitenwechsel war Köln zunächst optisch überlegen und hatte einige Chancen. Sie waren aber entweder zu unpräzise oder fanden in dem fehlerfreien Jens Lehmann ihren Meister. Köln konnte es sich allerdings auch nicht leisten, kopflos nach vorne zu rennen, da der VfB stets präsent war und immer wieder Nadelstiche setzte. In der 65. Minute war dann der Arbeitstag von Aleks Hleb beendet. Auch er steigert sich seit dem Amtsantritt von Gross kontinuierlich, warum ein Fußballprofi aber keine Luft für 90 Minuten hat, erschließt sich mir nicht. Er wurde von dem wiedererstarkten Roberto Hilbert ersetzt, der prompt 4 Minuten später die Flanke zum vorentscheidenden 1:4, ausnahmsweise durch Pavel Pogrebnjak, schlug.

Cacau traf schließlich in der 74. Minute zum Endstand von 1:5. Sein erster Viererpack in der Bundesliga. Für den VfB war es der erste lupenreine Hattrick seit 1986, als dies Jürgen Klinsmann beim 0:7 in Düsseldorf gelang. Auch damals war ich schon dabei. :-) . Jetzt waren nicht nur die VfB-Fans aus dem Häuschen, jetzt waren auch die Kölner aus dem Stadion. Mit dem 1:4 begann eine Massenflucht, zum Schlußpfiff waren wir dann fast unter uns.

Hellseher?

Nach dem 1:5 war es dann mehr oder weniger ein Schaulaufen. Die Kölner hatten längst resigniert, der noch immer torhungrige VfB hätte sogar noch um das ein oder andere Tor höher gewinnen können. So ließ sich die Mannschaft natürlich nach Schlußpfiff feiern, vor allem Cacau wurde natürlich besungen. Er hat sich hoffentlich jetzt in die Mannschaft hineingespielt. In dieser Form wäre er eine Bereicherung für jede Bundesligamannschaft und so bleibt zu hoffen, dass sich beide Parteien in vernünftigem Rahmen auf eine Fortsetzung der Zusammenarbeit einigen können. Hervorzuheben ist aber auch die insgesamt gute Mannschaftsleistung. Lediglich Delpierre und mit zunehmender Spieldauer Hleb fielen hier ab, die besten beim VfB waren Lehmann und Cacau.

Nach dem Feiern der Mannschaft gingen wir hinunter, um die anderen wieder zu treffen. Den VfB-Sportshop hatten wir als Treffpunkt ausgemacht. Doch diese Rechnung hatten wir ohne die Kölner gemacht. Im Gegensatz zu vor dem Spiel war der Zugang zum Gästebereich mit Zäunen und Ordnern zugestellt. Wir, natürlich in voller VfB-Montur, sprachen dann einen Ordner an, der uns zu jemandem brachte, der uns Zugang zum Gästebereich verschaffen konnte. Also ganz freundlich das Personal dort, er wunderte sich selbst über die Organisation, indem er “tolle Fantrennung” murmelte. Schnell haben wir uns dann also wiedergefunden und machten uns auf den Weg zur Straßenbahn. Auf dem Weg dorthin kam uns dann ein Bierstand sehr gelegen, nachdem es im Stadion nur alkoholfreies Bier gab. Dort trafen wir dann noch Freunde aus dem Bierhexle und begossen erst einmal den Sieg.

Danach ging es mit der Straßenbahn zurück zur Kölner Altstadt. In der Pfaffen-Brauereigaststätte am Heumarkt aßen wir erst einmal etwas, danach gingen wir noch in die Bar Keks direkt in der Altstadt, wo es laute Musik und reichlich Kölsch gab. Hier gab es auch keine Fantrennung, Kölner und VfBler feierten gemeinsam.

Kurz vor 10 Uhr fuhr dann leider wieder unser Zug Richtung Heimat. Letztes Jahr hatten wir in Köln übernachtet, das wäre auch dieses Mal eine gute Wahl gewesen. So ging die Party eben im Zug weiter, der überwiegend von fröhlichen Schwaben bevölkert war.

Fröhliche Schwaben überall

Um 0.40 Uhr kamen wir planmäßig und vom langen Tag gezeichnet wieder in Stuttgart an. Es war ein klasse Tag mit einem Super-Auswärtssieg und guten Freunden. Kurz gesagt: PERFEKT!

Ein Bericht über das Barcelona-Spiel und den Ausblick auf Frankfurt folgt in Kürze.

Viele Grüße

Franky

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23. Februar 2010

Cacau gibt sich mit einem Hattrick nicht zufrieden

Der 1. FC Köln kam zu Hause gegen den VfB Stuttgart trotz einer über weite Strecken soliden Vorstellung gehörig unter die Räder und kassierte am Ende eine bittere 1:5-Pleite. Besonders im Blickpunkt stand dabei Stuttgarts Cacau, der bei seinem ersten Einsatz in der Rückrunde gleich viermal erfolgreich war.

Kölns Trainer Zvonimir Soldo musste im Vergleich zur 0:2-Niederlage bei Schalke Maniche wegen eines Blutergusses im Oberschenkel verzichten. Tosic fand sich dafür in der Startelf wieder. Auch Stuttgarts Coach Christian Gross war nach der 1:3-Niederlage gegen dem Hamburger SV zum Handeln genötigt. Für Marica (Gelb-Sperre) und Khedira (muskuläre Probleme) begannen Cacau und Kuzmanovic.

Von Anfang an entwickelte sich ein temporeiches Duell zweier Mannschaften, die jeweils über gepflegtes Kombinationsspiel zum Erfolg kommen wollten. Den Geißböcken fehlte es aber zunächst an geeigneten Mitteln, um die gegnerische Abwehrreihen in Bedrängnis zu bringen. Die Schwaben dagegen hatten mehr Struktur in ihrem Spiel, wodurch sie auch zu ersten Einschussgelegenheiten durch Cacau (5.), Delpierre (6.), und Träsch (10.) kamen.

Nach zwölf Minuten wurde es dann auf der Gegenseite erstmals brenzlig: Novakovic tankte sich gegen Delpierre durch, zog dann aber im Eins-gegen-Eins gegen VfB-Schlussmann Lehmann aus spitzem Winkel den Kürzeren. Die bis dato beste Chance der Begegnung wurde damit von den Rheinländern liegen gelassen, zudem kassierten sie im direkten Gegenzug das Tor. Hleb passte wunderbar in die Schnittstelle der Abwehr zu Molinaro, der von der linken Grundlinie in die Mitte zu Cacau flankte – 0:1 (13.).

Dem FC war das Bemühen nicht abzusprechen, allerdings konnten sich die Gastgeber kaum gegen die gut sortierten Schwaben durchsetzen. Nach 31 Minuten schaffte es Schorch dann doch einmal in den Sechzehner einzudringen. Sein anschließender Pass missriet aber vollends und landete beim Gegenspieler. Postwendend folgte das 0:2. Cacau startete aus der eigenen Hälfte und wurde angespielt, der gebürtige Brasilianer behauptete sich dann gegen Geromel und vollendete schließlich aus 17 Metern sehenswert ins rechte Eck (31.).

Kurz darauf profitierte Novakovic von einem Stellungsfehler von Delpierre, der Slowene zog aber erneut im Eins-gegen-Eins gegen Lehmann den Kürzeren (36.). Zwei Zeigerumdrehungen später zwang Gebhardt Mondragon mit einem satten Schuss zu einer Parade. Bei der anschließenden Ecke musste der kolumbianische Keeper der Kölner erneut eingreifen, diesmal gegen Tasci. Der Abpraller landete aber bei Cacau, der aus kürzester Distanz seinen lupenreinen Hattrick perfekt machte (38.).

Es schien bereits alles klar, doch kurz vor der Halbzeit hauchte Schorch den Domstädtern wieder Leben ein. Nach einer Eckballvariante verkürzte der Rechtsverteidiger per Kopf auf 1:3 (44.). Damit blieb die Hoffnung auf ein “Wunder” in der zweiten Hälfte erhalten.

In dieser ging es zunächst mit unverändertem Personal weiter. Die Kölner drängten nun vehement auf den Anschluss, den der inzwischen deutlich agilere Podolski dann auch gleich zweimal auf dem Fuß hatte. Zuerst schoss er aber knapp links vorbei (47.), ehe er per Kopf am glänzend reagierenden Lehmann scheiterte (51.). Auf der Gegenseite gab Kuzmanovic per Freistoß, der haarscharf über die Latte ging, ein Lebenszeichen für den VfB ab (53.).

Beim Freistoß des Serben war das Spiel für Kölns Chihi allerdings bereits beendet. Der Deutschmarokkaner war leidtragender eines Foulspiels von Geromel an Pogrebnyak, bei dem der Russe unglücklich auf Chihi fiel. Freis kam rein. Am Spielverlauf änderte sich jedoch nichts, Köln drängte nach vorne. Doch sowohl Freis (58.) als auch Brecko (68.) waren zu unpräzise.

Wie man es besser macht, zeigten die Schwaben in der 69. Minute: Hilbert – mittlerweile für Hleb gekommen – durfte von der linken Außenbahn unbedrängt flanken, Pogrebnyak schraubte sich hoch und nickte kompromisslos aus fünf Metern ein. Danach fügten sich die Soldo-Schützlinge in ihr Schicksal, vom FC kam nun nichts mehr. Anders die Schwaben, die Torhunger hatten. Dies galt insbesondere für Cacau, der dann auch nach 74 Minuten wunderbar von der Strafraumgrenze ins linke Eck traf und somit den Endstand besorgte.

Der 1. FC Köln ist kommende Woche wieder samstags bei Bayer Leverkusen gefordert. Für den VfB Stuttgart wird es dagegen bereits am Dienstag ernst. Dann steigt zu Hause der Kracher in der Champions League gegen den FC Barcelona, ehe in der Bundesliga Eintracht Frankfurt am Samstag einen Besuch im Ländle abstattet.

kicker.de 20.2.10

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2. Februar 2010

Der VfB ist wieder da!

Das Jahr 2010 läßt sich ja für den VfB super an. Drei Spiele, drei Siege, mehr geht nicht. Nichts erinnert mehr an den tristen Herbst 2009, wo wir uns hilflos eine Niederlage nach der nächsten abholten und schließlich bis zum 17. Platz durchgereicht wurden. Die Inthronisierung von Christian Gross entpuppt sich immer mehr zum Glücksfall. Er hat es geschafft, der Mannschaft wieder ein Gesicht zu geben, ihr wieder Teamspirit einzuhauchen. Die Spieler sind ja größtenteils die gleichen, nur die Einstellung auf dem Platz ist anders geworden. War in der Vorrunde noch viel zu wenig Bewegung im Spiel, kann die Mannschaft jetzt plötzlich wieder doppeln, Räume zumachen und Überzahl in Ballnähe schaffen. Dadurch gelingt es wieder, und das ebenfalls ohne echten 10er, Überraschungsmomente zu schaffen und sich Torchancen zu erarbeiten.

In der Verfassung, in der sich die Mannschaft befand, war es wichtig, einen erfahrenen und autoritären Trainer zu holen, vor dem die Spieler Respekt haben. War Babbel noch der Kumpeltyp, der keinem “seiner Jungs” richtig böse sein konnte, ist jetzt ein Trainer da, mit dem in Konflikten sicher nicht gut Kirschen essen ist. Der gnadenlos und ohne Rücksicht auf Verluste seine Linie durchzieht, natürlich immer im Sinne des Erfolges. So haben wir natürlich auch einige Härtefälle zu beklagen, die nach dem Trainerwechsel außen vor sind. Außer den bereits abgegebenen Elson und Thomas Hitzlsperger, auch bspw. Cacau und Kuzmanovic. Sie alle spielten seit dem Trainerwechsel keine Rolle mehr oder eben nur eine Nebenrolle. Aber wer möchte schon die Personalentscheidungen des Trainers kritisieren, angesichts des derzeitigen Erfolges. In der Situation, aus der wir kommen, muß sich eben jeder einzelne unterordnen im Sinne des großen Ganzen. Ich hoffe, dass die Spieler, die derzeit außen vor sind, dies auch so sehen und ihre Chance, wenn sie denn kommt, nutzen. So wie Zdravko Kuzmanovic am Sonntag gegen Borussia Dortmund, dem man anmerkte, dass er das Spiel an sich reißen wollte.

Diesen Kampfgeist hätte ich mir auch von Thomas Hitzlsperger gewünscht. Ob er mit Lazio Rom jetzt das große Los gezogen hat, wird man sehen. Beim VfB wäre es schwer geworden, in die Stammmannschaft zu kommen, wenn man die Leistungen von Christian Träsch und Sami Khedira im defensiven Mittelfeld Woche für Woche sieht. Auch Kuzmanovic wird gegen Nürnberg nicht automatisch in die Mannschaft kommen, nur weil er gegen Dortmund die Wende einleitete. Da gilt es Ausdauer zu bewahren und sich so aufzudrängen, dass kein Weg mehr an ihm vorbei führt. Die größeren Chancen für ihn derzeit, wie ich sie im übrigen auch für Hitz gesehen hätte, sehe ich auf der Außenbahn, wo weder Gebhart noch Hilbert unantastbar sind. Hleb auf der anderen Seite ist seit dem Trainerwechsel wieder mit ansteigender Form anzutreffen, auch wenn ihm regelmäßig nach 60 Minuten die Puste ausgeht. Bei dieser Personalie wird Gross am Ball bleiben und weiterhin genau hinschauen, wie professionell sich Hleb auf und außerhalb des Platzes verhält. Im Gegensatz zur Vorrunde hat man bei Aleks Hleb aber mittlerweile auch den Eindruck, dass er wieder in die Spur kommen möchte. So tut es gut zu wissen, dass er noch reichlich Potenzial nach oben hat.

Gewinner des Trainerwechsels sind sicherlich Celozzi, Gebhart, Hilbert, Pogrebnjak und Marica. Vor allem unsere beiden Stürmer sind ja nicht wiederzuerkennen. Die ackern und rackern 90 Minuten und strahlen dabei noch Torgefahr aus. Ein Marica, der bis zum Trainerwechsel gerade mal sechs Bundesligatore zustande brachte, erzielte unter Gross’ Ägide bereits vier Treffer. Dass Gross ihm großes Vertrauen gibt, zeigt sich nicht zuletzt darin, dass er mittlerweile die Elfmeter schießen darf. Schade, dass er gegen Dortmund nur die Latte traf (der Elfer hätte im übrigen wiederholt werden müssen, weil Ziegler weit vor der Linie stand!). Dennoch steckte er nicht den Kopf in den Sand und rackerte unermüdlich weiter, so dass ihm kurz vor Spielende das entscheidende 3:1 gelang. Dabei spekulierte er wie ein echter Goalgetter auf ein Mißverständnis der beiden Dortmunder Verteidiger, guckte noch den Torwart kaltschnäuzig aus und versenkte die Kugel überlegt. Es war genau dieser Marica, der noch im Herbst beim Pokal-Aus in Fürth mit besten Chancen nichts anzufangen wußte. Pavel Pogrebnjak wird auch  immer wertvoller. Entscheidend beteiligt am Eigentor von Santana, holte er schließlich mit einem Klasse-Solo den Freistoß heraus, der zum 2:1 führte. Auch er ist inzwischen ein ständiger Unruheherd in den gegnerischen Abwehrreihen.

Marica, Pogrebnjak und Hleb werden von einigen Zeitungen, in Anlehnung an unser magisches Dreieck, russisches Dreieck genannt, da sie sich auf dem Platz auf russisch verständigen. Cacau, der zuletzt auch verletzt war, hat es sicherlich auch schwer, in die Mannschaft zurück zu kommen. Auch er sollte Ruhe bewahren und sich nicht ausschließlich auf die WM fokussieren. Die Rückrunde ist lang und seine Chance wird kommen. Es kommen Sperren, möglicherweise Verletzungen oder auch Spiele, in denen es nicht so rund läuft und nach denen Gross doch mal etwas verändern möchte. Derzeit hat er keinen Grund dazu. Verfluchten wir am Anfang der Saison die übertriebene Rotation, dürfen wir uns nun über Kontinuität freuen.

Einen Gewinner hätte ich fast noch vergessen. Das dürfte aus meiner Sicht Sven Ulreich sein, der seine Sache als Lehmann-Vertreter sehr gut gemacht hat. Gewinner deshalb, weil sich Gross für ihn und gegen Alex Stolz ausgesprochen hat. Nach den von ihm gezeigten Leistungen hätte ich keine Bauchschmerzen mehr, mit ihm als Nummer 1 in die nächste Saison zu gehen. Nicht mehr deshalb, weil ich nach seinen Einsätzen als Ersatz für Schäfer kein großes Vertrauen in ihn gehabt hätte. Die zwei Jahre mehr an Erfahrung und das tägliche Training mit Jens Lehmann haben aber sichtlich gefruchtet. Einem echte VfBler, der seit 10 Jahren im Verein ist, könnte man durchaus einmal das Vertrauen schenken.

Nicht nur wegen der momentanen Erfolge bin ich von Christian Gross sehr angetan. Es ist spürbar wieder Zug drin, unter Babbel zuletzt plätscherte es nur noch dahin. Auch nach Siegen erinnert Gross gleich an die gezeigten Schwächen, dass ja keiner auf die Idee kommt, sich ausruhen zu wollen oder zu meinen, es wäre schon etwas erreicht worden. Kommt man jetzt zum Training werden Spielformen trainiert und hin und wieder auch mal ein Testspiel für unter der Woche angesetzt, um weiter an der Mannschaft feilen zu können. Bei Babbel standen Gymnastik und Laufen im Vordergrund. Als die Bayern Klinsmann entließen und erst Heynckes, danach Van Gaal präsentierten, fand ich es lächerlich, wie sehr sie herausstellten, endlich wieder einen Fußballlehrer zu haben. Jetzt kann ich sie sogar verstehen, in diese Richtung denke ich nämlich auch, wenn ich Babbel und Gross vergleichen möchte. Babbel ist ein Lehrling, Gross einer, der schon viel erlebt hat in seiner Trainerlaufbahn und daher sofort begriffen hat, woran es hapert und wo angesetzt werden muß.

Ob es jetzt ein Verdienst von Horst Heldt oder von Christian Gross ist, dass erstmals seit langem die Gehaltsliste durch einige (auch teure) Abgänge entlastet wurde, sei dahin gestellt. Für mich ist es nicht zufällig, dass dies ausgerechnet jetzt geschieht. Es könnte daran liegen, dass Gross Spielern, auf die er nicht unbedingt baut, keine Illussionen macht. Dass er Bastürk und Simak nicht ins Trainingslager mitnahm, war sicher ein Zeichen für beide, dass es hier eher ungemütlich für sie werden könnte, und ein Signal sich lieber einen anderen Verein zu suchen.

Hitzlsperger verließ den Verein bekanntlich aus anderen Beweggründen. Über die Art und Weise, wie das vonstatten ging, dass vom VfB kein einziges Wort des Bedauerns kam, das vielleicht noch eine gemeinsame Zukunft in Aussicht gestellt hätte, dass vor, während und nach dem Dortmund-Spiel kein einziges Wort über unseren ehemaligen Kapitän fiel, hat mich menschlich enttäuscht. Hierüber und über HItz’ Zeit in Stuttgart schreibe ich demnächst einen separaten Bericht.

Das Wochenende hat es für uns in sich. Am Freitag sind wir am Millerntor beim Spiel FC St. Pauli-Karlsruher SC, am Samstag dann in Nürnberg beim Spiel des Glubb gegen unseren VfB. Hoffentlich geht der Aufwärtstrend weiter, hoffentlich legt sich der Herr Schäfer selbst ein paar Eier ins Netz. Dass er das kann, hat er in seiner Stuttgarter Zeit oft genug bewiesen.

Bilder und Berichte der beiden Spiele kommen voraussichtlich am Sonntag oder Montag.

Bis dahin, viele Grüße

Franky

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