22. März 2016

Der VfB ist wieder da!

Und zwar dort, wo man nach eigenem Selbstverständnis nicht hingehört, es sich aber Saison für Saison gemütlich macht, im Abstiegskampf nämlich, wobei Kampf in den noch verbleibenden sieben Spielen am besten großgeschrieben werden sollte. Aus acht Punkten Vorsprung auf den Relegationsplatz wurden an einem einzigen Spieltag lausige fünf Punkte, so dass sich der VfB de facto nicht mehr viele Ausrutscher leisten darf.

Seit der von Woche zu Woche peinlicher anmutenden Heimniederlage gegen Hannover 96 befindet sich der VfB in einer, wenn auch leichten, Abwärtsspirale. Nicht nur, dass mögliche Siege leichtfertig verschenkt werden stimmt bedenklich, sondern vor allem die Art und Weise, wie die Niederlagen in Mönchengladbach und gegen Bayer zustande kamen, und auch das Auftreten über weite Strecken in Ingolstadt, wo man beinahe hoffnungslos 4:1 zurückgelegen wäre.

Man muss kein Prophet sein, um sich aus den kommenden beiden Heimspielen gegen Bayern München und Borussia Dortmund nichts auszurechnen, am besten man schickt diese Punkte schon jetzt per Post nach Nordösterreich und in den Pott und schont seine ach so strapazierten Körper für die viel wichtigeren Auswärtsspiele in Darmstadt, in Augsburg und in Bremen, wo nach dem blutleeren Auftritt gegen Bayer Leverkusen mindestens vier Punkte herausspringen müssen, um nicht erneut einem Herzschlagfinale à la Paderborn 2015 entgegenzusteuern.

Es war einer jener unerklärbaren Auftritte, für die der VfB noch immer stets „gut“ ist. Leverkusen konnte von den letzten fünf Bundesligaspielen gerade eines gewinnen und das vor Wochenfrist mit Hängen und Würgen gegen den HSV. Hinzu kam das blamable Ausscheiden in der Europa League gegen Villareal und die Posse um Trainer Roger Schmidt, der drei Spiele von der Tribüne aus verfolgen musste. Der Stuhl des Trainers wackelte schon bedenklich, lässt er doch einen ähnlichen kraftraubenden Stil spielen wie es beim VfB Alexander Zorniger tat. Auch in Leverkusen zieht das Team nur so lang mit, so lang man damit erfolgreich ist, doch wehe dem, die Mühen lohnen sich nicht, dann droht der Trainer das Team zu verlieren, vor allem wenn die Öffentlichkeit das Alibi liefert und der Trainer bereits angezählt wird. In solchen Krisenzeiten gibt es für einen Bundesligaverein keinen dankbareren Gegner als den VfB, wenn wir etwas in Perfektion können, dann Aufbaugegner!

Für eine clevere Mannschaft ist die Herangehensweise gegen einen angeschlagenen und unter der Woche beschäftigten, zudem noch stark ersatzgeschwächten Gegner, klar. Man geht raus, man geht drauf, man lässt den Gegner laufen, zwingt ihn zu Fehlern und raubt ihm von Minute zu Minute mehr die Lust am Spiel. Das bedingt, dass man nah am Mann ist und voll konzentriert die Partie angeht und wenig Fehler im eigenen Aufbauspiel macht.

Soweit die Ausrichtung einer cleveren Mannschaft, kommen wir nun zum VfB. Über die diversen Social-Media-Kanäle bekommen wir ja mit, wie überragend die Stimmung im Team derzeit zu sein scheint, alle lachen, alle machen Späßchen, alle haben sich lieb, alle genießen das Leben. Dumm nur, wenn man mitten am Sonntagnachmittag aus dieser Gute-Laune-Welt herausgerissen wird und seine Arbeit verrichten muss. Zu keiner Zeit hatte man den Eindruck, die Jungs wären sich ihrer Aufgabe, aber auch ihrer Chance bewusst. Vermutlich hat sich auch keiner die Sportschau des Vortages angeschaut, hätte man doch während dieser Zeit die Playstation ausschalten müssen. Hätten sie das getan oder zumindest einen Blick auf die Tabelle gewagt, wäre ihnen eventuell bewusst geworden, was die Stunde geschlagen hat.
Leverkusen ist zwar der Angstgegner, aus den vorherigen elf Spielen gegen die Werkself ergatterte der VfB gerade einmal drei Punkte, und doch wäre die Chance groß wie selten gewesen, Bayer zu bezwingen und gleichzeitig einen Bigpoint im Abstiegskampf zu landen. Obwohl Bayer viele Ausfälle zu beklagen hatte und daher zwei junge Startelfdebütanten aufs Feld schickte, verbietet es sich einem Team wie dem VfB, das jahrelang ausschließlich um den Klassenerhalt spielt, einen Gegner zu unterschätzen und zu denken, man schlage jemanden im Vorbeigehen. Das ging bereits gegen Hannover 96 in die Hose, wobei dort noch viel Pech im Spiel war, dieser Schuss ging nun auch gegen Leverkusen nach hinten los, das trotz der vielen Ausfälle immer noch eine nominell topbesetzte Mannschaft auf dem Platz hatte. Man ist geneigt zu fragen „was erlaube Mannschaft“? Dieses Team darf in keinem Moment auch nur einen Prozentpunkt nachlassen und denken, es gehe mit links. Das verbietet die jüngere Vergangenheit, das verbietet das eigene Leistungsvermögen und vor allem verbietet das die noch immer prekäre Tabellensituation.

Fast 55.000 Zuschauer, perfekte äußere Bedingungen, es war alles angerichtet für ein Fußballfest aus VfB-Sicht und dann das! Der VfB, bei dem Florian Klein erwartungsgemäß, den schmerzlich vermissten Kevin Großkreutz ersetzte, überließ den Leverkusener vom Anpfiff weg die Initiative und bot bei den Leverkusener Sturmläufen lediglich interessierten Begleitschutz.

Hinterher wurde beklagt, dass man nicht in die Zweikämpfe kam, Leute, dafür müsst ihr erst einmal nah an euren Männern sein und die Zweikämpfe auch suchen. Ein Spiel, das vom Anpfiff weg nicht so läuft wie erhofft, kann man auch schon mal beruhigen und zunächst durch eigene Ballzirkulationen Sicherheit gewinnen. Dieser Möglichkeit ist man allerdings beraubt, wenn wie beim VfB, schon die Hälfte der Spieler Probleme mit dem Passspiel hat und keinen Ball stoppen kann. Deshalb wurden eigene Angriffsbemühungen bereits im Keim erstickt, die erste ernsthafte VfB-Chance gab es in der 40. Minute, als der Pegel bereits längst auf die Seite der Leverkusener ausgeschlagen hatte.

Das 0:1 in der 11. Minute leitete Daniel Schwaab mit einem Schlag ins Nichts selbst ein, um dann wenig später nicht nah genug am Torschützen Julian Brandt zu sein, so dass dieser ungehindert an Tytoń einschieben konnte. Dies war bereits die dritte gute Chance für Leverkusen, der sie bis zum Pausenpfiff zwei weitere Hochkaräter folgen ließen, die Tytoń klasse vereitelte, während dem VfB lediglich der erwähnte Torschuss durch Werner gelang.

Es war bereits im Vorfeld zu befürchten, dass uns der Ausfall von Kevin Großkreutz schwer treffen würde. Auch wenn er fußballerisch nicht immer zu glänzen weiß, bringt er all jene Tugenden ein, die man eigentlich von einem Fußballer erwarten können muss. Er verkörpert Mentalität und den absoluten Siegeswillen und lässt vor allem auf gut schwäbisch kein Hugoles mit sich treiben. Der zweite Aggressiv-Leader im Team, Serey Dié, war gestern zwar engagiert wie immer, aber letztlich überfordert, weil ihm die Unterstützung seiner Teamkollegen fehlte.
Großkreutz‘ Vertreter Florian Klein knüpfte nahtlos an seine „Leistungen“ an, die ihn seinen Stammplatz kosteten. Wenn dessen Leistungsvermögen schon genügen sollte, um sich für eine Kader-Nominierung zur Euro in Frankreich zu empfehlen, dann gute Nacht Österreich.

Serey Dié war auch deshalb fast schon zu bemitleiden, weil sein Nebenmann Christian Gentner einmal mehr einen rabenschwarzen Tag erwischt hatte. Sind es noch seine Achillessehnenprobleme, die ihn daran hindern, ordentlich Fußball zu spielen und vor allem Zweikämpfe zu bestreiten? Setzt man auch angeschlagen auf ihn, weil er eine Stammplatzgarantie im Vertrag stehen hat oder ist es einfach uncool, den Kapitän auch mal auf die Bank zu setzen? Es war mal wieder eines jener Spiele, in denen es einen Kapitän gebraucht hätte, der aufrüttelt, der mit gutem Beispiel voran geht, sich einfach zeigt und nicht untertaucht, sobald nichts zusammen läuft.

Das Fass zum Überlaufen brachte für mich jene Aktion gut zehn Minuten vor Schluss, als der VfB zum allerersten Mal in diesem Spiel so etwas wie Druck erzeugte und die Leverkusener langsam müde wurden.
Wohl einen Schwächeanfall erleidend blieb der Leverkusener Yurchenko nach einem Zweikampf auf Höhe der Mittellinie liegen, was unseren Kapitän dazu bewog, den Ball ins Seitenaus zu spielen und damit den vielversprechenden Angriff jäh zu unterbrechen. Somit bewarb sich unser Kapitän lieber um den Fairnesspreis, anstatt er alles dafür tun würde, dem Spiel noch eine Wende zu verleihen. Für mich absolut unverständlich! Selbstredend bin auch ich für fairen, sauberen Sport. Wer diesen in der Bundesliga meint zu finden, ist aber auf dem Holzweg und das sollte Gentner eigentlich wissen. In 99,9% der Fälle dienen solche Schauspieleinlagen dazu, auf Zeit zu spielen und den Angriffsschwung des Gegners zu unterbinden. Dass ausgerechnet unser 30-jähriger Kapitän auf das schändliche Verhalten eines Bundesliga-Greenhorns hereinfällt bedarf keiner weiteren Worte.

In solchen Situationen haben die Schiedsrichter die klare Maßgabe, das Spiel unterbrechen zu können, wenn sie den Eindruck haben, es habe sich jemand schwerer verletzt. Diese Entscheidung obliegt also dem Schiedsrichter und niemand anderem sonst, so dass sich hinterher auch keiner zu beklagen braucht, wenn weiter gespielt wird. Da Gentner an diesem Tag allenfalls durch Quer-, Rück- und Fehlpässe auffiel, könnte sein Beweggrund natürlich auch der gewesen sein, dass wir so wenigstens in Ballbesitz blieben.

Hätte Gentner den Ball nicht ins Aus gespielt, hätten wir dieses Spiel, in dem wir eindeutig die schlechtere Mannschaft waren, wohl auch nicht gewonnen, aber, es hätte die Initialzündung für eine emotionale Schlussphase werden können und das Publikum wäre nochmal richtig da gewesen.

Auch die zweite Halbzeit begann denkbar schlecht. Wer erwartet hatte, der VfB hätte sich während des Pausentees auf eine Aufholjagd eingeschworen und würde sich nun zusammenreißen, wurde enttäuscht. Das Spiel der ersten Hälfte setzte sich fort. Bereits fünf Minuten nach dem Seitenwechsel fing Wendell eine Flanke per Kopf am eigenen Strafraum ab, der Ball gelangte zum starken Julian Brandt, der nahezu unbedrängt, gut, Serey Dié setzte sich beim Abwehrversuch auf den Hosenboden, unbehelligt vom viel zu langsamen Emiliano Insúa über das komplette Feld spazierte, zum (frei stehenden) Nationalspieler Bellarabi passen konnte, welcher humorlos zum 0:2 abschloss. Damit war der Käs gegessen, der Fisch geputzt, nichts ging mehr an dem aus VfB-Sicht rabenschwarzen Sonntag-Nachmittag. Leverkusen hatte noch weitere hochkarätige Chancen, traf Pfosten und Latte und verzweifelte ansonsten am mit Abstand besten Stuttgarter Przemyslaw Tytoń.

Erster Auswechselspieler war Daniel Didavi, für den in der 54. Minute Kravets kam. Es war wohl die mit Abstand schlechteste Vorstellung unseres Spielmachers, an die ich mich, zumindest zu Hause, erinnern kann. Er war überhaupt nicht im Spiel und brachte es auf eine erbärmliche Zweikampfquote von 20%. Ob ihm die unter der Woche erneut aufkeimenden Wechselgerüchte nach Wolfsburg zugesetzt haben oder er dem noch immer in der Verlosung befindlichen potentiellen Arbeitgeber Bayer Leverkusen nicht weh tun wollte, sei dahingestellt. So hilft er uns jedenfalls nicht weiter, zu schade, dass Alexandru Maxim seine Chancen als Vertreter bislang nie nutzen konnte. Für alle Seiten wäre es wohl das Beste, Didavi würde sich endlich erklären, wohin die Reise in der nächsten Saison geht. Als VfB-Fan wüsste man gerne, woran man ist und Dida selbst müsste für die Öffentlichkeit kein falsches Spiel mehr spielen. Denn, intern wird sicherlich längst bekannt sein, wie er sich entschieden hat.

Ab der 68. Minute, als Kramny Maxim und Tashchy für Werner und Serey Dié einwechselte, setzte der VfB noch einmal alles auf eine Karte und trat offensiv zumindest etwas mehr in Erscheinung als zuvor, ohne jedoch das Tor von Bernd Leno so richtig in Gefahr bringen zu können. Der VfB stand sich weitestgehend selbst im Weg und hätte vermutlich auch noch eine Stunde länger spielen können, ohne ein Tor zu erzielen. Die Leverkusener waren über die gesamte Spieldauer hinweg die fußballerisch bessere und auch torgefährlichere Mannschaft, weshalb es an ihrem Sieg auch nichts zu deuteln gibt.

Aus einer Mannschaft, gespickt mit Totalausfällen, ist es zwar etwas unfair, mit den einen härter ins Gericht zu gehen als mit anderen. Und doch ist außer Daniel Didavi auch über Timo Werner zu sprechen. Ihm gelang gestern einmal mehr überhaupt nichts. Er wirkte auf mich unkonzentriert wie selten. Wurde er angespielt sprang ihm der Ball fünf Meter weg, so dass immer ein Gegenspieler zur Stelle war und ihm das Leder stibitzen konnte. Nach hohen Bällen sprang er zwar, Problem dabei, ihm fehlte stets das Timing, so dass es meist recht unbeholfen aussah und er unter den Bällen hindurchsprang. Ob ihn die Wechselgerüchte aus der Woche so sehr beschäftigten, wo von kolportierten 20 Millionen Ablöse ambitionierter Vereine wie Borussia Dortmund und Red Bull Leipzig die Rede war?

Dazu würde mich über einen O-Ton von Timo Werner freuen, der bislang stets betonte, der VfB sei sein Verein und er könne es sich nicht vorstellen, woanders zu spielen. Für mich gibt es dabei nur zwei Möglichkeiten: entweder die Wechselgerüchte sind Quatsch und Werner lässt sich für kein Geld der Welt weglocken, dann sollte man ihn stärken und ihn in der Zukunft in ein System einbinden, das ein wenig auf seine Stärken zugeschnitten ist. Wenn Timo Werner eines nicht ist, dann ein Mittelstürmer. Als alleinige Spitze fehlen ihm die Durchsetzungsstärke und auch der kaltschnäuzige Torabschluss. Sollte uns Kostic im Sommer tatsächlich verlassen, wäre Werner auf Linksaußen besser aufgehoben.

Hat aber bei Timo Werner ein Umdenken eingesetzt, womöglich unter anderem darin begründet, dass ihn der VfB kürzlich noch wie Sauerbier in England angeboten und auch gegen die Verbalattacken von Zorniger nicht geschützt hatte, hätte der VfB die volle Verhandlungsmacht und könnte unter Umständen allein für Timo Werner 50% dessen erlösen, was eine Ausgliederung in die Kassen spülen würde. Das wäre also eine große Chance für Robin Dutt und den Verein, Einnahmen zu generieren, wobei mir noch immer die erste Variante lieber wäre, einfach weil er ein Junge von hier ist und den Brustring im Herzen trägt.

Unsere Spieler täten gut daran, erst einmal den Klassenerhalt zu sichern und all ihre Kraft und Konzentration dem Noch-Arbeitgeber zu widmen, anstatt sich gedanklich mit mutmaßlich höheren Weihen zu beschäftigen.

Leverkusen genügte also eine durchschnittliche Leistung, um dem VfB den Garaus zu machen. Ob es der VfB in Darmstadt schafft, eine ähnliche Reaktion zu zeigen wie nach dem 0:4 in Mönchengladbach, als man drei Tage danach Hoffenheim mit 5:1 aus dem Stadion schoss, wage ich zu bezweifeln.

Dieses Mal hat man relativ wenig Zeit, diese Darbietung aufzuarbeiten, da die nächste Bundesligapause ansteht und sich viele Spieler in aller Herren Länder aufmachen, um für ihre Heimatländer aufzulaufen. So wird bis zum 2. April diese Niederlage und vor allem das Wie aus den meisten Köpfen sein. Ob gerade die Nationalspieler, die in der Pause ihre Visitenkarte in den Fußballtempeln dieser Welt abgeben, den Schalter so schnell umlegen und sich auf ein dreckiges Spiel am heruntergekommenen Böllenfalltor in Darmstadt einstellen können, darf bezweifelt werden.

Dieses Unterfangen muss ohne Georg Niedermeier angegangen werden, der sich nach einem rüden Foul seine fünfte gelbe Karte einhandelte und somit gesperrt sein wird. Wie die Innenverteidigung gegen die vor allem bei Standards brandgefährlichen Lilien aussehen wird, steht wohl noch in den Sternen. Zu schön um wahr zu sein wäre es, wenn Federico Barba bis dahin schon einsatzfähig wäre. Selbst wenn, glaube ich, wird man ihn zunächst behutsam heranführen und kein weiteres Risiko mehr mit ihm eingehen. Daher dürfte wohl eher Toni Šunjić seine nächste Bewährungschance neben Daniel Schwaab erhalten, einen Vorgeschmack auf dieses wackelige Duo gab es ja bereits in der zweiten Halbzeit in Ingolstadt.

Apropos Ingolstadt, Darmstadt dürfte ein ähnlich unangenehmer Gegner sein, gegen den eher mit einer rustikalen Spielweise als mit Hacke, Spitze, eins, zwei, drei beizukommen ist. Problem dabei ist jedoch, dass das diese Truppe nach etlichen Jahren Abstiegskampf noch immer nicht verinnerlicht hat.

Ein Gutes kann man den teils katastrophalen Vorstellungen in den letzten Wochen aber dann doch noch abgewinnen. Robin Dutt kann mit sich selbst in Klausur gehen und sich hinterfragen, ob es tatsächlich angebracht ist, Spielern, die die Gesichter des sportlichen Niedergangs der letzten fünf Jahre sind, Vertragsverlängerungen hinterherzuwerfen oder ob man nicht doch eher froh sein sollte, dass diese (endlich) auslaufen. Die 2016 und 2017 auslaufenden Verträge bieten die Chance, sich von langjährigen „Stützen“ zu trennen und dem VfB eine Frischzellenkur zu verpassen.

Man darf sich jetzt von ein paar ordentlichen Vorstellungen zu Beginn des Jahres nicht blenden lassen, sondern muss das große Ganze sehen. Den „Charakter“ dieser Truppe, und dafür zeichnen nun mal die langjährigen Angestellten maßgeblich verantwortlich, sieht man gerade jetzt wieder. Nach ein paar wenigen Siegen, nach dem Sprung in vermeintlich beruhigendere Gefilde in der Tabelle, macht man es sich wieder bequem in der Wohlfühloase und denkt, es gehe von selbst. Dieses Nachlassen könnte noch ganz fatale Folgen für den VfB haben, weil es das Restprogramm in sich hat. So gesehen ist Darmstadt schon das Schlüsselspiel, ich befürchte, danach werden nicht mehr viele Punkte eingefahren werden können. Augsburg und Bremen sind zwar auf dem Papier auch noch lösbare Aufgaben, aber, es sind Gegner, die uns nicht liegen und Orte, in denen die Trauben in den letzten Jahren für uns sehr hoch hingen.

Daher muss der Kader kurzfristig mit mehr Typen wie Kevin Großkreutz und Serey Dié verstärkt werden, die bereit sind in jedem Spiel 100% zu geben und nicht erst dann, wenn uns das Wasser bis zum Hals steht.

Ich freue mich schon heute auf Darmstadt. Endlich mal wieder ein richtig altes Stadion mit dem Flair der 1980er-Jahre und das Kontrastprogramm zu den Einheitsarenen der Neuzeit. 1982 war ich schon einmal zu einem Bundesligaspiel dort, Endstand damals 3:3, was in zwei Wochen schon zu wenig wäre. In diesem Sinne, drink positive, Auswärtssieg!

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27. Oktober 2015

Typisch VfB

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , – Franky @ 12:37

Der VfB zog in einem irren Spiel mal wieder den Kürzeren, und das bereits zum siebten Mal im zehnten Spiel. So bekamen am Tag danach die Zorniger-Gegner in den einschlägigen Internet-Foren wieder Oberwasser, die es ja schon immer wussten, dass dieser Trainer nichts taugt, eine Pfeife und ohnehin nur ein Zweitligatrainer ist. Was – erlaube – Zorniger, wechselt den 18-jährigen Arianit Ferati zur Halbzeit ein um ihn gut eine halbe Stunde später wieder auszuwechseln. Die Höchststrafe für einen Fußballer und ein „altbewährtes“ Mittel, um den Jungen kaputt zu machen.

Dass man sich zum entscheidenden 4:3 auch noch auskontern lässt, schlägt dem Fass den Boden aus. Zorniger gab doch mit Sicherheit diese Marschroute aus und bewies somit eindeutig, dass er absolut fehl am Platze ist und sich wohl doch besser an der Mutlanger Dorfjugend versuchen sollte, als die Götter mit dem Brustring ins Verderben und den Verein in die Niederungen der 2. Liga zu führen. Notbremse, jetzt! So ein vielgelesener Tenor im Netz.

Aber, es gibt sie auch, die andere Seite der Medaille. Selten habe ich unsere Fangemeinde so gespalten erlebt wie derzeit. Hier die Zorniger-Gegner, die zu weiten Teilen Dutt gleich mit entsorgt haben wollen, dort die Zorniger-Befürworter, die dem Neuaufbau bereit sind die notwendige Zeit zu geben und weniger auf die Tabelle schauen als auf die Fortschritte, die zweifellos erkennbar sind.
Ich zähle mich zur zweiten Kategorie und ergötze mich schon alleine daran, dass man erkennt, dass sich im Verein etwas bewegt, dass alles auf den Prüfstand gestellt wurde und der VfB auf dem besten Weg ist, sich gerade neu zu erfinden. Was seit der Entlassung von Christian Gross im Herbst 2010 schief gelaufen ist, wohin die One-Man-Show in den vier Jahren danach geführt hat, konnte man schon in den letzten Jahren an der Tabelle ablesen. Der VfB rettete sich zwei Mal gerade so, mit Ach und Krach und bot über weite Strecken der Runden uninspirierten Katastrophenfußball, für den Stadiongänger schlicht eine Zumutung. Mehr und mehr fehlten einem im Freundeskreis die Argumente, weshalb man sich dieses Gegurke überhaupt noch antue. Rational konnte man es schon nicht mehr erklären, so beschränkte man sich eben darauf, dass die Fahrten, das Drumherum, die Leidensgenossen der Hauptgrund sind und man als Hardcore-Fan ohnehin keine Alternative hat.

Das, was sich auf dem Rasen abspielte und was die Protagonisten des Kaders, an dem sich der Einzelhandelskaufmann aus dem Hallschlag messen lassen wollte, boten, spielte nur noch eine untergeordnete Rolle. Man erwartete einfach rein gar nichts mehr und ließ das Geschehen meist emotionslos über sich ergehen.

Dann kommt zuerst der gescheiterte (Leverkusen, Bremen) Robin Dutt, der im Grunde im gesetzteren Alter noch immer nicht zu wissen scheint, was er eigentlich möchte (Sportdirektor DFB oder Trainer?). Dieser sichert sich noch weit in der letzten Saison die Dienste von Alexander Zorniger, der 2009 unter Markus Babbel auf dem Wasen noch allenfalls die dritte Geige spielte und sich durch sein Engagement beim Brausehersteller keine zusätzlichen Sympathiepunkte erwerben konnte. Ich war von diesen Entwicklungen und Personalentscheidungen, wie so viele, überhaupt nicht angetan und fiel zunächst aus allen Wolken. Dennoch habe ich immer auch das Wohl des Vereins im Sinn und kann sowieso nicht beeinflussen, in die Hände von welchem Personal die Geschicke des Vereins gelegt werden, so dass ich, wie bei jedem Neuankömmling, zunächst einmal so unvoreingenommen wie möglich an die Sache gegangen bin.

Dutt aber hat in der Rückrunde der Vorsaison durch die Verpflichtung von Serey Dié und seiner wohltuenden Ruhe im Abstiegskampf erste Pluspunkte gesammelt und mich durch seine Pressekonferenz nach Ende der letzten Saison, in der auch erklärte, weshalb gerade Alexander Zorniger bei uns wie die Faust aufs Auge passen soll, restlos überzeugt. Es wird endlich wieder mehr gearbeitet und weniger geschwätzt auf dem Wasen, was auch daran zu erkennen ist, dass die Presse seit Hansi Müllers Rausschmiss aus dem Aufsichtsrat weitestgehend im Dunkeln tappt und die allerwenigsten Gerüchte, mit denen Unruhe geschürt werden sollte, der Wahrheit entsprachen.

Dutt schaffte es Ladenhüter um Ladenhüter an den Verein zu bringen und Zorniger einen Kader zur Verfügung zu stellen mit Spielern, die fast alle ihre Chancen auf Einsatzzeiten haben werden, so dass die Gefahr nicht mehr so groß wie in der Vergangenheit ist, dass es Parallelgesellschaften im Kader geben bzw. zur Grüppchenbildung kommen wird.

Zorniger selbst kam vielen zu neunmalklug daher, es ist klar, dass ihm einmal getätigte Aussagen bei Tabellenplatz 16 um die Ohren gehauen werden. Er ist eben (noch) kein Medienprofi sondern ehrlich und geradeaus, was ja auch nicht zu den schlechtesten Eigenschaften eines Menschen zu zählen ist, ihm seine Kritiker aber dennoch vorwerfen.

Zorniger steht für einen Überfallfußball, wie ihn einst Jürgen Klopp mit dem BVB praktizierte und den dieser seiner Truppe damals auch nicht von heute auf morgen einimpfen konnte. Der BVB hatte seinerzeit sicherlich das bessere Fundament zur Verfügung, als es Zorniger beim VfB vorfand. Und dennoch musste Klopp im Kader Korrekturen vornehmen und „Altstars“ fortschicken, was auch nicht immer von der kompletten Fangemeinde goutiert wurde. Ihm gab man aber die Zeit „seinen“ BVB zu kreieren und zudem vertraute das Dortmunder Publikum dem Schaffen der Vereinsführung ohne jeden Pups ständig zu hinterfragen.

Seit Zornigers Amtsantritt erleben wir einen begeisternden Fußball wie lange nicht mehr, dass sich dieser (noch) nicht in der Tabelle niederschlägt ist zwar schade, für mich aber auch nach dem zehnten Spieltag noch kein Grund zur Panik. Wann zuletzt konnte man in jeder Phase des Spiels, gegen jeden denkbaren Gegner, den Eindruck haben, ein Tor erzielen zu können? Wann spielten wir uns zuletzt eine solche Vielzahl an Chancen heraus? Da muss man in der Historie fast zurückblättern in die Zeit des magischen Dreiecks, um auf ein ähnliches Offensivfeuerwerk zurückzublicken, wie wir es derzeit geboten bekommen. Einziger wenn auch entscheidender Unterschied zu damals: Frank Verlaat und Thomas Berthold hielten hinten den Laden zusammen, Zvonimir Soldo pflügte den Rasen im defensiven Mittelfeld um, während wir heutzutage nach hinten offen wie ein Scheunentor und die Schießbude der Liga sind.

So attraktiv das Spiel nach vorne ist, so beängstigend ist das kollektive Versagen in der Rückwärtsbewegung. In erster Linie ist dieses der mangelnden Qualität des zur Verfügung stehenden Personals geschuldet. Dennoch muss Zorniger es langsam aber sicher hinbekommen, die Balance zwischen Offensive und Defensive zu finden und der Mannschaft eintrichtern, dass der begeisternde Hurra-Fußball nach vorne keinen Erfolg bringt, wenn man sich hinten stets die Butter vom Brot nehmen lässt. Und doch war bis auf das vierte Tor, das wegen Abseits nicht hätte zählen dürfen, keines auf die offensive Spielweise zurückzuführen. Die ersten drei Gegentore fielen zu einfach, weil man entweder bei einer kurzen Ecke gepennt hatte oder sich im Strafraum durch eine einfache Körpertäuschung düpieren ließ und den Zweikampf verweigerte.

In der Abwehr muss im Winter dringend nachgebessert werden, sofern der Markt überhaupt Spieler hergibt, die uns sofort weiterhelfen würden. Es kann einfach nicht sein, dass drei Auswärtstore in Leverkusen nicht wenigstens zu einem Punktgewinn reichen. Der Ausfall von Serey Dié und von Christian Gentner spielte lange keine große Rolle, hinten hinaus, als man am Auseinanderfallen war, hätte zumindest ein Serey Dié gut getan, der aufgrund seiner gelb-roten Karte gegen Ingolstadt gesperrt war.

Neben der Konstante Insúa ließe sich die Viererkette wohl beliebig umformieren und die Positionen könnte man auswürfeln. Würde man Klein, Šunjić, Baumgartl durch Hlousek, Niedermeier, Schwaab austauschen, verbessern würden wir uns vermutlich nicht, verschlechtern aber auch nicht. Der sich so lang hinziehende Rüdiger-Transfer hat uns viel Zeit und Robin Dutt vor allem Planungssicherheit gekostet, so dass das für mich ein wesentlicher Faktor ist, dass wir personell so schlecht bestückt in die Saison gehen mussten. Das wollen viele zwar nicht hören, Dutt wird vorgeworfen keinen Plan B gehabt zu haben oder nicht ins Risiko gegangen zu sein, so einfach ist die Sache aber nicht. Wäre Rüdiger geblieben und man hätte dennoch einen Hochkaräter geholt, würden diejenigen, die dies heute kritisieren, darüber schimpfen, dass man Timo Baumgartl einen Neuen vor die Nase gesetzt habe.

Dass Florian Klein heftige Formschwankungen hat und wir für ihn keinen ernsthaften Backup haben, darauf hatte ich bereits nach dem Test gegen Bern hingewiesen. Daniel Schwaab ist nun mal kein Rechtsverteidiger, zumindest keiner moderner Prägung mit Zug nach vorn. Obwohl nicht gerade mein Freund, würde ich ihn dennoch im Moment Klein vorziehen, einfach weil er nicht so zögerlich im Zweikampf ist und zu einer besseren defensiven Stabilität beitragen könnte.

Der VfB legte von Beginn an einen gefälligen Auftritt hin und hätte bereits zur Pause die Führung verdient gehabt. Leverkusen kam erst gegen Ende des ersten Durchgangs gefährlich vors Tor und hatte sonst alle Hände voll zu tun, unsere Angriffsbemühungen zu verteidigen.

Dass Zorniger bei einem 0:0 zur Pause in Leverkusen den unauffälligen Carlos Gruezo (ein Jammer, wenn man sieht, was aus ihm geworden ist) gegen den offensiveren Arianit Ferati austauschte, war mutig und ein Zeichen, dass wir dort gewinnen wollten. Die Jungs hatten verstanden und stellten nach der Pause schnell auf 0:2, wobei auch endlich Martin Harnik mal wieder ein Treffer gelang. Nach dem schnellen 1:2 durch den kurz zuvor eingewechselten Bellarabi und nach Fehlpass von Šunjić (allerdings möglicherweise nach regelwidrigem Einsteigen von Kießling), kamen schnell wieder Zweifel auf. Aber, nachdem wieder nur drei Minuten später Lukas Rupp nach toller Vorarbeit von Timo Werner das 1:3 erzielte, waren wir wieder obenauf. Ich sagte noch zu meinem Nebensitzer auf der Gegengerade, der ebenfalls VfBler war, das wäre jetzt mal gar nicht typisch VfB, nach dem Nackenschlag sofort wieder zuzuschlagen. Ab diesem Moment konnte ich ihn förmlich riechen, den Auswärtssieg, zumal der VfB durch Harnik und Ferati zwei weitere klare Chancen besaß, um gar das 1:4 zu erzielen.

Stattdessen ließ sich der VfB wie oben erwähnt innerhalb von zwei Minuten zwei viel zu einfache Tore einschenken, so dass es plötzlich 3:3 stand. Zorniger sah unsere Felle davonschwimmen und korrigierte die Umstellung der Halbzeit, indem er für Ferati den defensiveren Mart Ristl, der zu seinem Bundesligadebüt kam, brachte. Ferati war bei den Gegentoren zum 2:3 und 3:3 zu passiv, so dass seine Auswechslung durchaus schlüssig war. Ich bin nicht der Meinung, dass der Junge daran zerbrechen könnte. Er durfte bereits mit 16 Jahren bei den Profis reinschnuppern, bekam einen Profivertrag und bekommt jetzt mit 18 Jahren seine Einsatzzeiten. Das alles ist doch Wertschätzung genug, der Junge wird weiter dazu lernen und wir werden noch sehr viel Freude an ihm haben.

Apropos Höchststrafe, Auswechslung eines zuvor eingewechselten Spielers, diese Erfahrung machte auch bereits ein gewisser Viorel Ganea, fast auf den Tag genau vor 13 Jahren und an gleicher Stätte, als er von Felix Magath gar nach 22 Minuten wieder ausgewechselt wurde, nachdem er Chance um Chance versiebte und Magath die Eingebung hatte, dass es wohl nicht mehr Ganeas Tag werden würde. Offensichtlich hat es diesem nicht geschadet, im Spiel danach sorgte Ganea mit seinen drei Toren im Alleingang für das 3:2 gegen den VfL Bochum. Klar, Ganea war damals schon etwas älter als Ferati heute, aber, ich bin mir sicher, das wird auch Ferati nicht umwerfen.

Dass kurz vor Schluss dann auch noch das 4:3 für Leverkusen fiel, war dann doch wieder typisch VfB. Unverständlich wie man sich in einer solchen Phase auswärts auskontern lässt, auch wenn der Treffer irregulär, da knapp abseits, war.

Sei es wie es ist, wir stehen mal wieder wie die Deppen da nach einem Spieltag, trotz großartigem Spiel gegen einen Champions League Teilnehmer. Auch wenn wir nach einer 3:1-Führung nicht mehr hergeben dürfen, offenbarte dieses Spiel doch die mangelnde Qualität in unseren Reihen. Leverkusen hatte noch Nationalspieler wie Bellarabi, Papadopoulos und Kramer auf Bank, Qualität, mit der wir nicht mehr aufwarten konnten.

Wir schaffen es einfach nicht, ein Spiel über 90 Minuten konzentriert und seriös zu Ende zu bringen. Einfache Spielverlagerungen, wie sie Leverkusen durch Çalhanoğlu ständig praktizierte, reichen aus, unsere Abwehr aus dem Gleichgewicht zu bringen. Für mich fehlt es hier an der geistigen Frische, sich schnell auf veränderte Spielsituationen einzustellen und entsprechend zu verschieben, was aber ein Lernprozess ist und bis zur Vergasung geübt werden muss. In den nächsten Transferperioden werden Dutt und Zorniger das Personalpuzzle weiter zusammen setzen und den einen oder anderen für dieses Spiel geeigneten Spieler dazu holen, bis dahin geht es einzig und allein um Schadensbegrenzung und darum bis zur Winterpause noch den einen oder anderen Punkt zu ergattern und danach vor allem in der Abwehr personell nachzurüsten, wenn es sein muss auch auf Kosten des Verkaufs eines Offensivspielers.

In Leverkusen konnte man Zorniger auch nicht vorwerfen, personell zu offensiv aufgestellt zu haben. Mit Harnik, Didavi und Werner standen gerade einmal drei reine Offensivakteure und dafür drei „Sechser“ zu Beginn auf dem Platz. Die Gegentore fielen so auch durch Schlafmützigkeit und individuelle Fehler und nicht weil wir mutig nach vorne gespielt haben.

Neben der Konstante Insúa ließe sich die Viererkette derzeitig beliebig umformieren und die Positionen könnte man auswürfeln. Würde man Klein, Sunjic, Baumgartl durch Hlousek, Niedermeier, Schwaab austauschen, verbessern würden wir uns vermutlich nicht, verschlechtern aber auch nicht. Der sich so lang hinziehende Rüdiger-Transfer hat uns viel Zeit und Robin Dutt vor allem Planungssicherheit gekostet, so dass das für mich ein wesentlicher Faktor ist, dass wir personell so schlecht aufgestellt sind. Das wollen viele zwar nicht hören, Dutt wird vorgeworfen keinen Plan B gehabt zu haben oder nicht ins Risiko gegangen zu sein, so einfach ist die Sache aber nicht. Wäre Rüdiger geblieben und man hätte dennoch einen Hochkaräter geholt, würden diejenigen, die dies heute kritisieren darüber schimpfen, dass man Timo Baumgartl jemanden vor die Nase gesetzt hat. Dass Florian Klein heftige Formschwankungen hat und wir für ihn keinen ernsthaften Backup haben, darauf hatte ich bereits nach dem Test gegen Bern hingewiesen. Daniel Schwaab ist nun mal kein Rechtsverteidiger, zumindest keiner moderner Prägung mit Zug nach vorn. Obwohl nicht gerade mein Freund, würde ich ihn dennoch im Moment Klein vorziehen, einfach weil er nicht so zögerlich im Zweikampf ist und zu einer besseren defensiven Stabilität beitragen könnte.

Auch Tytoń zeigte nach seiner starken Leistung gegen Ingolstadt ein durchwachsenes Spiel und, hätte er beim Anschluss zum 1:2 seinen linken Fuß eingesetzt, wäre die kurze Ecke zu gewesen.
Vielfach höre ich nach diesem Spiel wieder, einzig und allein Zorniger habe das Spiel verloren, weil er nicht wenigstens nach dem 3:3 hinten dicht gemacht habe. Er hatte ja bereits Mart Ristl eingewechselt, hätte er jetzt noch Adam Hlousek bringen sollen und dieser vielgescholtene Antifußballer hätte das Unheil verhindert? Sind nicht auch die Spieler selbst in der Pflicht, die Grundordnung auf dem Platz beizubehalten und nicht blindlings nach vorne zu rennen? Zorniger gab ihnen sicherlich nicht mit auf den Weg, sich in der 90. Minute auskontern zu lassen, vielmehr gab er deutlich sichtbar von außen die Anweisung mehr einzurücken. Hier fehlt es an der geistigen Frische, an Grips und an der fußballerischen Qualität, die Dutt und Zorniger noch immer nur bedingt zu verantworten haben.

Zorniger selbst dürfte fuchsteufelswild werden, bei dem was er da sieht und sich den Kopf zermartern, wie diese Fehler mit dem vorhandenen Personal abzustellen sind. Das wird ja auch schon daran deutlich, wenn er immer mal wieder daran erinnert, dass er sich nicht dazu berufen fühle, einem Bundesligafußballer die Basics beizubringen.

Wer hätte ernsthaft vor diesem Spiel einen Punkt in Leverkusen eingeplant, kaum einer, von daher halb so wild. Enorm wichtig wäre es dagegen, die noch ausstehenden Heimspiele gegen Darmstadt 98, den FC Augsburg und Werder Bremen für sich zu entscheiden, um sich bis zur Winterpause eine akzeptable Ausgangsposition zu verschaffen. Wenn der VfB weiterhin an seine Stärken glaubt, sich die Spieler vor allem nicht beirren lassen, bin ich mir sicher, dass wir auch in dieser Saison mindestens drei Vereine hinter uns lassen werden. Es ist ja auch nicht so, dass Stillstand herrscht und die derzeitigen Auftritte Rückschlüsse auf den Rest der Saison geben müssen, Zorniger wird Tag und Nacht daran arbeiten, den VfB konkurrenzfähiger und damit besser zu machen. Es dauert noch, bis ein Rädchen ins andere greift, aber, Leverkusen hat es erneut gezeigt, wir sind auf einem guten Weg.

Nach diesem mentalen Nackenschlag in Leverkusen wäre es jetzt immens wichtig, weiter auf die eigene Stärke zu vertrauen und die Pokalhürde Jena am Mittwoch schadlos und möglichst ohne viele Körner zu lassen zu überstehen. Es dürfte ein echter Pokalfight vor ausverkauftem Haus werden, in dem man auch einen Regionalligisten nicht so einfach zum Tore schießen einladen darf.
Danach dann steht (immer wieder) sonntags das so wichtige Heimspiel gegen den furios gestarteten Aufsteiger SV Darmstadt 98 auf dem Programm, das vor der Auswärtsfahrt nach München tunlichst gewonnen werden sollte.

Wenn nicht, könnte uns ein stürmischer Herbst ins Haus stehen, den keiner haben wollte und der die Fanszene durchaus vor eine größere Zerreißprobe stellen könnte. Dann wird man sehen, in welche Richtung letztendlich das Pendel ausschlagen wird und ob der Rückhalt im Verein für Alexander Zorniger auch einem Sturm standhalten wird oder ob wieder einmal jegliches Konzept über den Haufen geworfen wird.

Nach Jürgen Klopp ist seit dem gestrigen Montag wenigstens die zweite „Alternative“ vom Markt, auf die einige der Zorniger-Gegner gehofft hatten. Huub Stevens wird Trainer beim Dorfverein aus dem Kraichgau. Ich persönlich kann ihm das nicht verübeln. Für viele ist er jetzt schon wieder unten durch, weil er als „VfBler“ bei diesem ungeliebten Konstrukt anheuert. Ich bin da weniger sentimental, macht er es doch genau richtig. Durch zwei fette Nichtabstiegsprämien vom VfB hat er Blut geleckt, dass er auf seine alten Tage als Halbjahrestrainer mehr Geld verdienen kann, als die meisten seiner Kollegen mit einem Ganzjahresjob. Bin ihm nach wie vor dankbar für die beiden Nichtabstiege, auch wenn ich ihm nicht gerade Glück für seine aktuelle Mission wünsche.

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19. März 2015

VfB weiter im Sinkflug

Die tolle Krombacher-Fan Tour wurde lediglich durch das Spiel getrübt. Ansonsten muss man sagen, alles richtig gemacht. Am Freitag um 10 Uhr ging es bereits vor der Schleyer-Halle los, natürlich mit reichlich Krombacher-Bier an Bord. Der Veranstalter hatte seine Rechnung zunächst ohne die Mitfahrer gemacht, denn, nach gerade mal knapp zwei Stunden war das Bier aufgebraucht und das Bus-Klo dafür voll. Für Nachschub wurde jedoch schnell gesorgt, so dass einer lustigen Weiterfahrt nichts mehr im Wege stand. Gegen 16 Uhr bereits erreichten wir unser Domizil in Attendorn, im Sieger Land gelegen. Weshalb sie ausgerechnet VfB-Fans ins Sieger Land brachten, war uns nicht so ganz klar, vielleicht war es ja ein gutes Omen. Begrüßt wurden wir mit einer leckeren Gulaschsuppe und Krombacher Bier vom Fass, was ebenfalls in unserem All-Inclusive-Arrangement enthalten war. Von dort ging es dann wenig später weiter ins knapp 100 Kilometer entfernt gelegene Leverkusen, das wir zu einer guten Zeit erreichten. Es blieb genügend Zeit noch in die gegenüber der BayArena gelegene „Pille“ zu gehen, wo wir die RWSler und noch einige andere bekannte Gesichter trafen. Diese Location mit ihrem großen Biergarten, für mich immer ein Muss, wenn wir in Leverkusen sind, wobei mir Leverkusen sowieso immer gut gefällt. Werksclub hin oder her, dort ist doch noch mehr Tradition vorhanden als bspw. bei VW und SAP, mit den Fans dort hatte ich noch nie Probleme und auch in Bezug auf Einlass und Ordnungspersonal hebt sich Leverkusen für mich von vielen anderen Away-Stadien positiv ab. Zudem ist Leverkusen selten ausverkauft, so dass ich dort schon traditionell direkt meine Eintrittskarte bestelle und auf der Gegengerade sitze. Mein Eingang liegt, logistisch perfekt, kaum mehr als 50 Meter vom Eingang der Pille entfernt, so dass ich, wo die Stehplatzkarteninhaber schon lang weg waren, noch gemütlich ein Bierchen trinken konnte. Am Einlass hatte ich erwartungsgemäß auch mit meiner Bridge-Kamera keine Probleme, so dass es gleich hinein in dieses schmucke Stadion ging. Den Platz hatte ich mir bei der Bayer 04 Saalplanung perfekt ausgesucht, Reihe 1 und direkt am Gang. Vorne kann man sein Bier auf die Bande stellen, das man auch noch rasend schnell bekommt. Es gibt zwar im Stadion die Bayer-Card als Bezahlkarte, man hat aber auch die Möglichkeit, wenn der Geld Chip aufgeladen ist, mit EC-Karte zu bezahlen. Diese Bezahlart lasse ich mir gerne gefallen, da es sie in ein paar anderen Stadien auch schon in dieser Form gibt. Als „Bayer-Kunde“ konnte ich erstmals in einem Stadion das freie WLAN testen und konnte feststellen, wenn auch ein bisschen langsam, aber, es funktionierte.
Auch bis dahin, alles richtig gemacht. Dann allerdings kam das Spiel, welches sich zwar gut anließ, aber, wenn man keine Tore macht, rächt es sich meist hinten und wenn man die Gegentore dann noch herschenkt, setzt es eben auch bei einem Club wie Bayer 04, der mit den Köpfen schon beim Championsleague-Rückspiel bei Athletico Madrid war, eine 0:4-Klatsche, mit der man am Ende noch gut bedient war.
Es ist eigentlich unbegreiflich, wenn man sich die erste halbe Stunde vor Augen führt, in der der VfB sein Heil mutig in der Offensive suchte und Leverkusen keinen Zugriff auf das Spiel bekam. Bis eben zu jener 32. Minute, als erst Hilbert Timo Werner entwischte, von Sakai nicht an der Hereingabe gehindert wurde, Ulle den Ball, der halbhoch (!) durch den 5-Meter-Raum flog, nicht abfing, Klein zu allem Überfluss Schwaab anschoss und schließlich Gentner, Kostic und Dié am Ball vorbeiliefen, anstatt dass auch nur einer der Dreien die Kugel weg aus der Gefahrenzone befördert hätte. Wendell sagte danke und erzielte die Leverkusener Führung. Slapstick pur, eigentlich müsste man alle daran Beteiligten für den Comedy-Preis nominieren. Zum Lachen eigentlich, wenn es nicht so traurig wäre. Vorne ein zahnloser Tiger und hinten schießt man sich die Dinger selten rein, so ist es eigentlich nicht möglich, die Klasse zu halten.
Ich hatte erst einmal genug gesehen und ging Bier holen. Schwupps, kaum draußen, Jubel und die Tor-Hymne „Whatever you want“, die mir auch am Tag danach noch in den Ohren klingen sollte. Damit war das Ding gelaufen, ein Doppelschlag nach vielversprechender Anfangsphase, also, blieb ich erstmal in den Katakomben und steckte mir eine Zigarette an. Die BayArena ist ja, wie Hoffenheim auch, ein reines Nichtraucherstadion. Im Gästeblock mag dies keinen interessieren, in den anderen Bereichen des Stadions jedoch schon. Und, als Gast, der nicht die Intension hatte, negativ aufzufallen, hielt ich mich natürlich auch daran. Danach ging ich dann wieder auf meinen wirklich tollen Platz, wo ich die „Mannschaft“ kurze Zeit später auseinanderfallen sah.
Beim 3:0 spielte Bellarabi Gotoku Sakai Knoten in die Beine. Und überhaupt, was – erlaube – Sakai? An allen Gegentoren maßgeblich beteiligt, von Hilbert ein ums andere Mal wie ein Anfänger überlaufen, weshalb er nach unzähligen bundesligauntauglichen Auftritten immer wieder in der Startformation auftaucht, ist mir ein Rätsel. Natürlich rege ich mich auch über Hlousek auf, die beiden nehmen sich nicht viel. Hlousek wurde in dieser Woche seit längerer Zeit mal wieder in den Kreis der tschechischen Nationalmannschaft berufen, dieser Nationalmannschaft muss es wirklich schlecht gehen, mag man sich denken.
Dass Rausch, der bei den Amateuren vor sich hindümpelt so viel schlechter sein soll als diese beiden, kann ich mir nicht vorstellen. Bei dieser Misere auf der linken Seite trauert man selbst noch einem Arthur Boka nach. Er hatte zwar auch große Defizite im Defensivverhalten, war aber nach vorne wirkungsvoller und vor allem war ein Kämpfer, der mal dazwischengehauen hat, während Sakai ob der Fußballkunst seiner Gegenspieler, nur staunend und mit offenem Mund zuschaut.
Dies nur eine verbesserungswürdige Planstelle in der Anfangsformation von vielen. Die Torwartfrage stellt sich nach wie vor. Ich hoffe, dass der VfB im Sommer handelt und Vlachodimos das Vertrauen schenkt oder notfalls von extern jemanden holt. Dass Leno der eindeutig bessere Torwart ist, konnte man auch am Freitag wieder sehen. Er ist fußballerisch sowieso stärker, spielt aber auch besser mit, hat ein besseres Stellungsspiel und eine stärkere Ausstrahlung. Einer von sehr, sehr vielen Fehlern und Fehleinschätzungen der letzten Jahre, wobei bei dieser persönliche Seilschaften vor leistungsorientiertem Denken gingen.
Weshalb Timo Baumgartl nach seinem Fehler gegen den BVB plötzlich total außen vor ist und Schwaab das Vertrauen geschenkt wird, kann ich auch nicht nachvollziehen. Schwaab, der sich gerne mal mit den Fans, die die einzigen sind, die alles geben, anlegt und selbst Woche für Woche eine schwache Vorstellung an die nächste reiht, würde bei mir allenfalls noch ein Notnagel sein. Spätestens nach diesem Slapstick vom Freitag, an dem sämtliche Arrivierten einschließlich der Führungs-Ikone Gentner beteiligt waren, verbietet es sich eigentlich, dem Jungen Nervenstärke abzusprechen. Er war bei seinen Spielen immer einer der Wenigen, dem man Ballfertigkeit attestieren konnte und der den Kopf dabei noch oben hatte. Von Jugend und Amateuren ist er auch einen besser mitspielenden Torwart gewohnt, der besser antizipiert und schneller dem Ball entgegen kommt, wenn ein Rückpass zu kurz gerät, wie es Ulle gegen den BVB getan hatte.
Insgesamt bleibt festzustellen, dass im Grunde jeder Einzige in der Startformation austauschbar wäre, kein Einziger ist dabei, der das Prädikat Leistungsträger verdienen würde.
Hoffnungsträger sind stets diejenigen, die ausfielen und wieder einsatzbereit sind, bis sie eben dann auch wieder enttäuscht haben. So hoffe ich derzeit auf eine baldige Rückkehr von Antonio Rüdiger und Daniel Didavi, wobei ich bei Letzterem nicht wirklich dran glaube, dass er noch mal auf die Beine kommt.
Ein Impuls fürs Team wäre eine Rückkehr sicherlich, ging es doch auch in der letzten Saison erst aufwärts, als er (und Gruezo) in die Mannschaft kamen. Auch auf Martin Harnik dürfen wir gegen die Frankfurter Eintracht wieder hoffen. Vielleicht haben ihm diese zwei Spiele Sperre gut getan, dass er jetzt frischer im Kopf ist und sich wieder über die volle Distanz konzentrieren kann. In den letzten Spielen, in denen er zum Einsatz kam, fiel er in einer schwachen Mannschaft eher noch ab. Seine Torgefährlichkeit vergangener Jahre könnten wir derzeit jedenfalls gut gebrauchen.
Nicht nur bei Harnik, auch beim Rest des Teams, ist ein riesiges Kopfproblem auszumachen. Ich schrieb schon vor einiger Zeit, die Jungs bräuchten einen guten Psychologen, der ihnen die Angst vor der eigenen Courage austreibt. Wie sie derzeit auftreten, wird es ganz, ganz schwer werden mit dem Klassenerhalt. Natürlich sind wir nominell besser als Paderborn und Freiburg besetzt, natürlich sind die beiden noch in Schlaginstanz, natürlich würde ein einziger Sieg genügen, um (zunächst und bei gleichzeitiger Niederlage der anderen) an beiden vorbeizuziehen.
Aber, die beiden haben, im Gegensatz zu uns, ein Team im wahrsten Sinne des Wortes auf dem Platz, die füreinander durch dick und dünn gehen, was in der Endphase ein entscheidender Faktor werden könnte. Bei uns haben es viele noch immer nicht kapiert, dass es nur gemeinsam geht, dass sie sich helfen und auch mal den Fehler des Anderen bereit sein müssen auszubügeln. Freiburg hat jetzt zwei machbare Heimspiele vor der Brust, was bedeutet, wir müssen gegen die Frankfurter Eintracht unbedingt gewinnen, um nicht den Anschluss zu verlieren. Man kann sich einfach nicht darauf verlassen, dass dieses Schneckenrennen im Tabellenkeller endlos so weitergeht.
Wie es aussieht, wird Stevens auch gegen die Eintracht noch auf der Bank sitzen. Nach der ersten halben Stunde von Leverkusen sicherlich eine nachvollziehbare Entscheidung. Auf der anderen Seite könnte ein neuer Impuls in Form eines neuen Übungsleiters der Truppe noch einmal einen Schub verleihen, mir kommt das ganze derzeit sehr eingefahren vor, die Reaktion auf eine Niederlage ist stets die gleiche, nämlich „abhaken, hart weiter arbeiten und es im nächsten Spiel besser machen“. Nur, uns laufen die „nächsten Spiele“ weg, da waren’s nur noch neun.
Durch die völlig unnötige (so frühe und vermeintliche) Einstellung Zornigers als Trainer für die nächste Saison, hat sich der VfB dieser letzten Patrone beraubt und wird, wenn’s dumm läuft, sang- und klanglos runter gehen. Mir kommt es derzeit so vor, man nimmt den Abstieg mit Stevens jetzt bewusst in Kauf, denn, selbst wäre man von Stevens nicht mehr überzeugt, was sollen die Herren denn tun? Zum einen ist die Kasse sowieso klamm, fraglich, ob man sich die Abfindung überhaupt leisten könnte. Zum anderen, begänne Zorniger schon jetzt, mitten im Abstiegskampf, hätte man womöglich einen Trainer mit einem langfristigen Vertrag ausgestattet, der im Mai seine Koffer wieder packen müsste, denn, mit dem Abstieg wäre er auf dem Wasen höchstwahrscheinlich verbrannt.
Oder aber, man holt einen Übergangstrainer, der, sollte er erfolgreich sein und den Abstieg verhindern können, sich im Nu einen Heldenstatus hier erarbeiten würde, so dass Zorniger auch dann eine schwere Hypothek belasten dürfte. Da weiter kein Dementi zu dieser Personalie vom VfB kommt, gehe ich einfach mal davon aus, dass es Fakt ist, dass der Wechsel Zornigers zum VfB bereits in trockenen Tüchern ist. Stevens selbst wird nicht aufgeben, dazu ist er zu sehr Kämpfer, zudem ist er sicherlich auch nicht bereit, auf Geld zu verzichten. So dümpeln wir also weiterhin vor uns hin, ohne Hoffnung auf grundlegende Besserung.
Natürlich kommt mit Frankfurt jetzt ein Gegner, der prädestiniert dazu wäre, gegen ihn die Trendwende zu schaffen. Im Hinspiel haben wir ihnen fünf Dinger eingeschenkt, zudem bekamen sie selbst in Köln die Bude voll, die das Tore schießen auch nicht gerade erfunden haben.
Jedoch, wir haben in Frankfurt auch vier Tore kassiert, offensiv sind sie gefährlich und haben in Alex Meier den derzeitigen Top-Torjäger der Liga in ihren Reihen. Ein Tier vorne, das schwer auszurechnen und zu verteidigen ist, der seine Tore mit jedem Körperteil und von innerhalb und außerhalb des Strafraums erzielt. Da ich mir immer nicht so ganz im Klaren bin, in wie weit sich unsere Spieler mit ihren kommenden Gegenspielern beschäftigen, an Ulle schon einmal der Tipp, es tunlichst zu vermeiden so weit wie sonst vor seinem Kasten zu stehen. Er hat in dieser Saison schon einige Tore gefangen, die zu vermeiden gewesen wären, wenn sein Stellungsspiel besser wäre, Meier hat das Auge und das Gefühl im Fuß genau solche (Stellungs-) Fehler auszunützen.
Man wird der Eintracht aber auch nicht gerecht, wenn man alles auf Meier reduziert. Er muss ja auch von seinen Mitspielern in Szene gesetzt werden und auch das machen bspw. Aigner und Inui vorzüglich. Gerade ein Aigner, an dem Veh schon zu VfB-Zeiten interessiert war und den er schließlich zur Eintracht holte, wird sich auf unsere Sakais und Hlouseks jetzt schon freuen.
Unsere Ultras hatte nach dem 3:0 kurz nach der Pause die Schnauze voll, hängten ihre Fahnen ab, stellten das Supporten ein und verließen den Block. Eine verständliche Reaktion und längst überfällig. Ist ja fast schon bemitleidenswert unseren einst so stolzen VfB als Sparringspartner sehen zu müssen, der dem Gegner in allen Belangen unterlegen ist und wo man jederzeit Angst haben muss, dass dieser mühelos noch einen Gang aufschalten könnte. Auch für die Fanszene ist es derweil ein schmaler Grat, wie man sich verhalten soll. Alle sind stinksauer, in jedem Einzelnen, dem der Verein so am Herzen liegt, brodelt es gewaltig, so dass es eine Frage der Zeit ist, bis sich dieser Frust so richtig entlädt. Aber, die Fans sind auch pragmatisch. Man sieht natürlich auch, welche nervlichen Wracks da auf dem Platz stehen, draufhauen, bringt da wohl am allerwenigsten. Derzeit haben wir es mit einer ähnlichen Gefühlslage wie in der Vorsaison zu tun, auch damals siegte am Ende der Pragmatismus. Wenn man als Fanszene eine Erkenntnis von damals mitnehmen und aus etwaigen Fehlern lernen möchte, so vielleicht aus diesem, dass man ruhig blieb, als das Ziel, der Klassenerhalt, erreicht war. Hätte man damals vehement auf die (versprochene) Aufarbeitung der Saison gepocht und Konsequenzen gefordert, vielleicht hätte man damals schon Fredi Bobic aus dem Amt drängen können und uns wäre diese Saison erspart geblieben.
Nach dem Spiel ging es direkt zum Busparkplatz, unser Busfahrer Ahmet hatte schließlich mehrfach darauf hingewiesen, dass er Punkt 23 Uhr abfahren würde. Dort noch die Jungs und Mädels vom RWS und von Leintalpower getroffen und ein Bier zusammen getrunken, ging es dann weiter in Richtung Hotel. Vier Businsassen hatten Ahmets Durchsage wohl nicht ernst genommen, fehlten bei der Abfahrt und wurden für 200 Euro kostengünstig von einem Taxi zum Hotel chauffiert. ;-) Im Hotel gab es bedauerlicherweise nichts mehr zu essen, so dass wir uns abermals an die Flüssignahrung halten mussten und dies feuchtfröhlich bis in die Morgenstunden auch taten. Nach einem tollen Frühstück ging es dann am Samstagmorgen weiter zur Brauereibesichtigung und Verköstigung in die Krombacher Brauerei, von wo es dann gegen 14.45 Uhr wieder in die Heimat ging. Gegen 19.30 Uhr waren wir zurück an der Schleyer-Halle, von wo es nicht etwa heim zum Regenerieren ging sondern direkt ins Jugendhaus nach Neugereut, wo das CC97 seinen 18. Geburtstag und damit seine Volljährigkeit feierte. Auch dort wieder jede Menge Bekannte getroffen, es wurde trotz der Tabellensituation vom VfB ein schöner und lustiger Abend.
Die Sicherheitsthematik kocht nach den Vorkommnissen rund um unser Hertha-Spiel sowie den Geschehnissen um das Spiel KSC gegen Red Bull Leipzig wieder hoch.
Eigens dafür sah sich Sport im Dritten dazu genötigt, das Thema zu erörtern und talkte mit Christoph Ruf (freier Journalist und Kenner der Fanszene), Rüdiger Seidenspinner von der Polizeigewerkschaft und Ingo Wellenreuther (Präsident KSC). Dazu wurde ein Interview mit einem „Stuttgarter Hooligan“ eingespielt, wie es sich gehört und dass die Leute vor dem Fernseher schön Angst bekommen, von hinten, mit Kapuzenpulli und nachgesprochener Stimme. Dieser war für mich schon einmal völlig fehl am Platze, da es ja nicht um irgendwelche Hooligan-Kämpfe auf der grünen Wiese ging, sondern um Vorkommnisse in Cannstatt, von denen nicht erwiesen ist, wer daran beteiligt war, also ob Hooligans, Ultras, Normalos, ja, nicht einmal ob wir von welchen aus dem VfB-, dem KSC- oder dem Hertha-Lager sprechen.
Beim zweiten Themenkomplex handelte es sich um KSC-Kinder, die dem Mannschaftshotel von Red Bull einen Besuch abstatteten, der sich inzwischen auch als weitaus weniger dramatisch herausstellte, wie ursprünglich von Ralf Rangnick geschildert.
Diese Runde hätten sich die Macher vom SWR schenken können, weil nicht mit einer Silbe versucht wurde zu erörtern, wie sich solche Vorfälle vermeiden ließen, nämlich beispielsweise durch cleverere Terminierungen, besonnenere Beamten und auch einer Kennzeichnungspflicht der Beamten, um den schwarzen Schafen darunter endlich den Garaus zu machen. Einzig der freie Journalist in der Runde räumte ein, dass es unverhältnismäßige Einsätze von Beamten gibt, die auch durchaus solche „Gelegenheiten“ nutzten, um sich auszutoben. Mir liegt es dabei fern, irgendwelche Sachbeschädigungen oder Angriffe auf Personen, die sich rund ums Hertha-Spiel ereignet hatten, schönzureden. Wie jeder Verein haben auch wir „Fans“ in unseren Reihen, die im Schutz der Menge und der Dunkelheit Straftaten begehen, weil das Entdeckungsrisiko relativ klein ist. Ich selbst lehne Gewalt und Vandalismus ab und hoffe, dass man die wenigen Hirnverbrannten schnappt und zur Rechenschaft zieht, sind es doch unter anderem diejenigen, denen wir die vielen Restriktionen rund um ein Fußballspiel „zu verdanken“ haben. Gerade aber weil man weiß, dass es die gibt, dass sie nicht aussterben, im Gegenteil, sie auch nachgeboren werden, wäre es wünschenswert, dass auf der Gegenseite die schwarzen Schafe vom Dienst suspendiert werden und man Polizeieinsätze erlebt, die auf Deeskalation abzielen. Dazu gehören ausgeklügelte Polizeistrategien mit wirklichen Kennern des Fanverhaltens und nicht irgendwelche Hardliner, die meinen, dann geht man eben mit Schlagstock und Pfefferspray in die Menge rein. Gerade dann „erreicht“ man nämlich solch chaotische Zustände, wie sie in Stuttgart vorgefallen sind. Dann trifft es auch viele Unbeteiligte und auch als „normaler“ Fan solidarisiert man sich mit den eigenen Leuten eher als mit der prügelnden Staatsmacht.
Dass sich Präsident Wahler, um den man sich zuweilen schon Sorgen macht, wo er sich rumtreibt, zu diesem Thema aus der Deckung wagte, als noch überhaupt nicht geklärt war, welche Darstellungen über die Vorkommnisse überhaupt der Wahrheit entsprechen, passt derzeit ins Bild, das der VfB abgibt. Erst einmal werden die eigenen Fans an den Pranger gestellt, anstatt Ursache und Wirkung zu durchleuchten. Man würde sich wünschen, Wahler äußerte sich mit solch klaren Worten zur inzwischen wieder einmal beispiellosen sportlichen Talfahrt und er würde Lösungsansätze aufzeigen. So aber überlässt er dies vollkommen dem Novizen und immer etwas unbeholfen erscheinenden Robin Dutt, während der VfB das schlechteste Jahr seiner bald 122-jährigen Vereinsgeschichte hinlegt. Das sind dann immer die Momente, in denen ich in Nostalgie schwelge und mich nach Gerhard Mayer-Vorfelder zurücksehne. Er nahm sich als Präsident stets das Recht heraus, den Jungs die Leviten zu lesen und sie an ihre Verantwortung dem Verein, den Fans, der Stadt und dem Umfeld zu erinnern, ob es dem Trainer und Manager passte oder auch nicht. Als Fan wusste man damals immer, dass es einen gibt, der Emotionen vorlebt und dem ein Niedergang nicht egal ist. Derzeit hat man aber den Eindruck, man lässt jeden vor sich hin wursteln, ob Trainer oder Manager, und, wenn das nächste Spiel verloren wird, hofft man einfach auf das übernächste. Es ist diese Lethargie, die mich wahnsinnig werden lässt und wenig Hoffnung auf ein gutes Ende macht.

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11. März 2015

Weiß bleibt Bad Cannstatt, jagt sie aus der Stadt!

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , , – Franky @ 17:42

Viel Zeit blieb nicht, sich über die neuerliche Nullnummer im Neckarstadion aufzuregen. Dafür sorgten DFL, Deutsche Bahn und die Polizei, die das größere Ärgernis an diesem Abend waren und die maßgeblich dafür verantwortlich zeichnen, dass wir mehr über die Geschehnisse rund um und nicht mehr über das Spiel sprechen.
Zunächst einmal war es höchst fahrlässig, dieses Spiel gegen die Hertha an einem Freitag-Abend austragen zu lassen, während der KSC sein Heimspiel erst am Montag zu bestreiten hatte. Hier standen offensichtlich die Sender- über den Sicherheitsinteressen. Man kann davon ausgehen, bei gleicher Konstellation auswärts, wäre das Spiel aufgrund dortiger Sicherheitsbedenken kurzfristig verlegt worden, scheiß drauf, wer schon alles die Reise gebucht und sich auf den einmal festgelegten Termin eingestellt hat.
Nicht so in Stuttgart! Sehenden Auges rannte man ins Chaos, ein Schelm, der dabei nicht vermutet, dass es mal wieder ordentlich krachen sollte, um den Forderungen nach weiteren Restriktionen rund um den Fußball Nachdruck zu verleihen. Dass es kein normales Aufeinandertreffen werden würde, merkte man bereits Stunden vor dem Spiel, da in Cannstatt ein massives Polizeiaufgebot zu sehen war. Da es Verschwendung von Personalressourcen gewesen wäre, sie waren ja nun mal schon da und sollten nicht „arbeitslos“ herumstehen, wurde von Polizeiseite alles getan, einen arbeitsreichen Tag zu bekommen.
So beorderten sie etwa 150 Hertha- und KSC-Fans in Bad Cannstatt aus der S-Bahn, um sie von dort zum Stadion geleiten zu wollen. Eine Schnapsidee, wie es von vornherein absehbar war und sich auch als solche herausstellte. Man weiß, sicherlich auch die oberschlaue Polizei, dass sich stets am Bahnhofsvorplatz die VfB-Ultras sammeln, um dann gemeinsam zum Stadion zu marschieren. Dass, geleitet man eine Gruppe von Fans bzw. Krawallmachern des Erzfeindes an ihnen vorbei, diese nicht nur freundlich zuwinken würden, war wohl jedem klar, nur eben nicht den vom Steuerzahler finanzierten Ordnungshütern. Es mag daran liegen, dass für solche Einsätze mittlerweile Einsatzkräfte aus dem ganzen Land herangezogen werden, aber, selbst dann, wie im normalen Berufsleben auch, heißt das Zauberwort „Arbeitsvorbereitung“. Hinzu kommt, dass für uns VfB-Fans Bad Cannstatt ein heiliges Pflaster ist, das es notfalls auch zu verteidigen gilt. Die KSCler, die sich in die Landeshauptstadt aufmachten, waren ja nun auch keine „normalen“ Fans, die hatten es darauf abgesehen zu pöbeln, VfB-Devotionalien zu ziehen, sich zu prügeln und Sachbeschädigungen in der aus ihrer Sicht verbotenen Stadt zu verüben. Einen solchen Mob durch Cannstatt zu führen geht überhaupt nicht. Nachdem die Polizei damit die ersten Auseinandersetzungen erfolgreich provoziert hatte, zogen sie den Rückzug an und verstauten den Mob in der nächsten Bahn, um sie doch im Neckarpark abzuladen. Auch in dieser Bahn muss es zu übelsten Provokationen gegenüber „normalen“ Fahrgästen und VfBlern gekommen sein, da man ja nicht, wie in anderen Städten durchaus üblich, eine leere Bahn bereitgestellt hatte, die ausschließlich dem blauen Gesindel vorbehalten gewesen wäre.
Nach dem Spiel dann eskalierte die Situation zunehmend. Dies aber nicht etwa wegen randalierender Schwaben, sondern, weil die Polizei kurzerhand den Bahnhof zusperrte, um einer vom Neckarpark kommenden Bahn mit Gästefans eine störungsfreie Durchfahrt zu gewährleisten. Vor dem Bahnhof wuchs natürlich die Menschenmenge an, es war bereits nach 23 Uhr und auch die VfBler wollten nach Hause. Wir haben ein großes Einzugsgebiet, so dass viele noch ihren (letzten) Zug bekommen mussten, um nicht in Stuttgart stranden zu müssen.
Normalerweise ist es bei Hochrisikospielen Usus, dass dem Gästeblock eine Blocksperre auferlegt wird und die Gäste so lang im Block bleiben müssen, bis die Luft rein ist und die meisten Heimfans das Stadionumfeld verlassen haben. So war es vor ein, zwei Jahren auch in Berlin, dass wir freundlich aber bestimmt darum gebeten wurden, noch eine halbe Stunde zu warten, bis die meisten Berliner (und Karlsruher) weg waren. Bei uns aber, ein Hoch auf die Gastfreundschaft, ist es genau andersherum. Die Gästefans werden hofiert, wir dagegen müssen sehen, wo wir bleiben. Ähnliches war mir bereits während des Stadionumbaus sauer aufgestoßen, als uns der Zugang zum Neckarpark so lang verwehrt wurde, bis sich der Bayern-Block geleert hatte. Es war damals auch ein Abendspiel, unter der Woche, wo man eigentlich nur noch heim möchte.
Das gibt’s wohl exklusiv nur in Stuttgart, wie mit den eigenen Leuten umgegangen wird. Dass es sich bei solchen Umständen die einen oder anderen drei Mal überlegen, vor allem diejenigen, die eine weitere Anfahrt haben, ob sie auch die nächsten Abendspiele besuchen sollen, ist verständlich. Auch so vergrault man seine Zuschauer. Inwieweit der VfB ein Mitspracherecht bei den Terminierungen hat und in das Sicherheitskonzept eingebunden ist, kann ich nicht sagen. Ich würde mir aber wünschen, dass man sich hier mehr für seine eigene Kundschaft einsetzt und zu allererst Sorge dafür trägt, dass diese ohne Komplikationen den Heimweg antreten kann.
Ich selbst hatte nicht allzu viel mitbekommen und muss mich auf Presseberichte und Erzählungen von Bekannten verlassen. Lediglich gegen 23.15 Uhr, als wir am Bahnhof vorbei kamen, gab es zwei Mal eine Rennerei, der wir ausweichen mussten, weil vorne am Bahnhofseingang Pfefferspray zum Einsatz kam. Obwohl die Leute zwar ungeduldig, dennoch äußerst diszipliniert waren, sprühte die Polizei durch einen offenen Spalt an der Bahnhofstür Pfefferspray hinaus und hatte offensichtlich Spaß dabei. Welch eine feige, welch eine fiese Aktion! Dass durch solche Handlungen der Respekt vor und die Kooperationsbereitschaft mit den Ordnungskräften nicht wächst, ist doch ganz klar. So schufen die Einsatzkräfte ein aggressives Klima, welches sich später in ausufernder Gewalt einiger Unverbesserlicher niederschlug.
Angeblich wurden Polizisten von „Fans“ in einen Hinterhalt gelockt und angegriffen, so dass sich diese nur mit Warnschüssen in die Luft zu helfen wussten, ebenso wurden einige Autos beschädigt. Für solche Exzesse habe ich null Verständnis und hoffe, dass die Täter gefasst und zur Rechenschaft gezogen werden. So verfahren die Situation war, so unverhältnismäßig und dilettantisch der Polizeieinsatz war, das alles rechtfertigt es nicht, fremdes Eigentum zu beschädigen und mit etwa 80 Mann zwei (!) Polizisten anzugreifen. Das ist purer Vandalismus, den ich im Zusammenhang mit Fußballspielen nicht sehen will.
Wie eingangs erwähnt liegt die Vermutung nahe, dass so manchem solche Geschehnisse gerade recht kommen. Die Reaktion von Polizeigewerkschaftsboss Wendt und auch Innenminister Gall folgte dann auch auf dem Fuß. Wendt meint, der Polizei würde es die Arbeit ungemein erleichtern, wenn er Leute einfach festnehmen lassen könnte, ohne dass sie eine Straftat begangen hätten, einfach so, nur um Ruhe zu haben. Wo kommen wir denn hin, wenn wir noch mehr der Polizeiwillkür ausgesetzt wären, wie ohnehin schon? Bei solchen und ähnlich lautenden Forderungen treten hoffentlich Juristen auf den Plan und verhindern die Einführung dieser. Man musste sich ja zwangsläufig in den letzten Jahren schon fast daran gewöhnen, dass die Gesetze der Bundesrepublik Deutschland rund um ein Stadion, manchmal schon in der ganzen Stadt, nichts mehr wert sind, was für mein Rechtsempfinden schon sehr bedenklich ist.
Ich habe selbst keinerlei Verständnis für Gewaltausbrüche und versuche mich auch stets fernzuhalten, wo es danach aussieht, aber, als Vielfahrer bekommt man eben öfter unverhältnismäßige Einsätze mit und kann es verstehen, dass beim einen oder anderen Gewalt zu Gegengewalt führt.
Passend dazu gestern ein Vorfall im Kickers-Stadion. Wir waren oben auf den Golan-Höhen, um Chemie Halle bei den Blauen zu unterstützen. Ein Kumpel aus dem Fanclub, der aus Halle stammt und dessen zweite Liebe der Hallesche FC ist, nahm uns mit. Einige waren bereits mal in Halle dabei, letzte Saison waren wir mit ihnen schon in Degerloch gegen die Kickers im Block und auch letzten Samstag bei den Amateuren saßen wir nett mit Hallensern zusammen. Spricht grundsätzlich ja nichts dagegen, zumal wir in absolut friedlicher Absicht dort waren. Neutral angezogen, äußerlich identifizierte uns nichts als VfB-Fans. Wir waren also auf keinerlei Pöbeleien gegen die Kickers aus gewesen, wollten nur das Fußballspiel sehen und ein paar Bier mit den Hallensern trinken und hätten uns gefreut, wenn die Kickers eine auf den Sack bekommen hätten.
Nach unserem Eintreffen am Eingang genügte es dann schon, dass wir Bekannten „hallo“ sagten, die von der Polizei wohl in die Kategorie Problemfans eingestuft wurden. Jedenfalls wurden wir eingekesselt, einer Personenkontrolle unterzogen und schließlich nach kurzer (sinnloser) Diskussion in einen leeren Block verfrachtet, weil es angeblich bei den Hallensern nicht gut ankam, dass VfBler mit ihnen im Block sein wollten, „zu unserer eigenen Sicherheit“, wie uns der Bulle weismachen wollte. Dadurch verpassten wir schon einmal das Intro und den Anpfiff und fanden uns kurze Zeit später im Käfig wieder, so dass ich meine Kamera gleich mal stecken lassen konnte. Komisch nur, als wir uns nach der Halbzeit in der Menschenmenge doch noch in den Block schmuggelten, dass alle freundlich und uns wohlgesonnen waren. So viel zu der viel beschworenen Gefahrenabwehr. Für mich machen es sich die Ordnungshüter nur einfach und wollen Leute gleich mal wegsperren, bevor der eine oder andere ihnen Arbeit machen könnte, anstatt einfach nur ihren Job zu tun und die wirklichen Übeltäter mittels polizeilicher Ermittlungsarbeit festzustellen und zu sanktionieren. Uns war die Lust auf Fußball jedenfalls schon vor dem Spiel gründlich vergangen.
Am Tag danach sprach also kaum mehr jemand über das Spiel, das man erneut nicht gewinnen konnte. Aus VfB-Sicht war es ein 0:0 der besseren Art, 70% Ballbesitz und vor allem in der ersten Halbzeit ein recht gefälliges Spiel nach vorne. Man merkte, wie gut es dem VfB tat, mit Maxim und Kostic gleich zwei Spieler auf dem Platz zu haben, die den Ball zum Freund haben. Geburtstagskind Timo Werner auf links mühte sich zwar redlich, er brachte zwar seine Schnelligkeit gut ein, dafür aber keinen einzigen (!) guten Ball zum Mitspieler. Zudem vergab er die wohl beste Chance des Spiels nach einer Viertelstunde kläglich. Ein Stürmer muss diesen Ball einfach mit Wucht aufs Tor bringen, stattdessen kullerte der Ball ins Aus. Es ist inzwischen ein ausgemachtes Kopfproblem, die Stürmer wirken in den wenigen vielversprechenden Aktionen vor dem Tor zu überhastet und nervös im Wissen diese eine Chance, die sich ihnen bietet, nutzen zu müssen. Je länger dann ein Spiel dauert, desto fahriger wird man in den Aktionen und desto mehr sind Selbstzweifel festzustellen. Am Ende kann man den Kick sogar noch verlieren, so ist es eben, wenn man selbst kein Tor zustande bringt. Es war das neunte von zwölf Heimspielen ohne eigenes Tor, eine fatale Bilanz, die einem vor Augen führt, was uns Dauerkarteninhabern in diesem Spieljahr bereits zugemutet wurde.
Fast schon sensationell mutet es an, dass wir dennoch nicht den Kopf in den Sand zu stecken brauchen und noch Hoffnung, zumindest auf den Relegationsplatz, haben dürfen.
Paderborn scheint langsam aber sicher einzubrechen und hat seit Sonntag bei drei Punkten Vorsprung mittlerweile das schlechtere Torverhältnis. Auch die Freiburger treten nach dem 0:1 gegen Werder auf der Stelle und haben ein schweres Auswärtsspiel beim VfL Wolfsburg vor der Brust.
Für den VfB geht es nun nach Leverkusen, wo es in den letzten Jahren wenig zu erben gab. Vielleicht ist es ja ein Vorteil für den VfB, dass Leverkusen vier Tage später der schwere Gang zu Athletico Madrid in der Champions League bevorsteht, wo sie nach dem 1:0 im Hinspiel realistische Chancen aufs Weiterkommen haben. Es könnte durchaus sein, dass Trainer Roger Schmidt den einen oder anderen Leistungsträger schont oder auch herausnimmt und schützt, wenn der VfB endlich einmal eine härtere Gangart an den Tag legt. Mit Serey Dié haben wir jetzt wenigstens einen Spieler, der wie ein Löwe kämpft, keinen Ball verloren gibt und zudem noch ein gefälliger Ballverteiler im Mittelfeld ist. Der Rest aber holt sich seine Karten höchstens durch Festhalten oder Meckern ab, jedoch nicht durch harten Kampf um den Ball. Mit einem kampfbetonten Auftreten wäre in Leverkusen durchaus etwas drin. Der erste Sieg 2015 muss langsam mal her, auch, um die Köpfe wieder oben zu tragen und Selbstvertrauen zu tanken. Martin Harnik wird dort ebenso noch pausieren müssen wie Moritz Leitner, der sich gegen Hertha die fünfte gelbe Karte einhandelte. Wie die Sperre von Harnik sehe ich auch die von Leitner eher als Vorteil für uns an. Was Stevens geritten hat, in den Schlussminuten, in denen wir unbedingt ein Tor brauchten, Leitner einzuwechseln, weiß wohl nur er. Ein Signal zur Schlussoffensive hätte jedenfalls anders aussehen müssen. Leitner hat nun in über eineinhalb Saisons nicht zu überzeugen gewusst und ist ohnehin im Sommer weg. Auf ihn würde ich nicht mehr setzen, der nie den Eindruck erweckt, mit dem Herzen beim VfB zu sein. Er ist ein Schönwetterfußballer, der meint, er wär’s, dafür weder ein Teamplayer noch einer, bei dem man den Eindruck hätte, die Tabellensituation des VfB belaste ihn. Im Abstiegskampf sind andere Tugenden gefragt, die er nicht mitbringt. Von daher, Daumen hoch, dass er sich gleich nach seiner Einwechslung durch ein plumpes Foul die Verwarnung abgeholt hat. An der Startaufstellung würde ich gar nicht allzu viel ändern, Hlousek vielleicht ist immer diskutabel, er hat auch gegen Hertha wieder viele Bälle durch technische Unzulänglichkeiten verloren. Die ehemaligen Hannoveraner Haggui und Abdellaoue konnte ich am Samstag bei den Amateuren begutachten, ich denke, in die beiden brauchen wir keine Hoffnungen zu setzen…
Nach Leverkusen kommt dann der wohl momentan geeignetste Gegner ins Neckarstadion, um seine Torflaute zu beenden, die Frankfurter Eintracht. Der 1. FC Köln konnte am Sonntag gegen sie eine ähnliche Tordurststrecke vor eigenem Publikum, wie sie der VfB hat, beenden und siegte 4:2. Vielleicht ein gutes Omen!
Dass, wie wenn unsere Probleme und Baustellen derzeit nicht groß genug wären, Anfang der Woche noch ein Bericht der Freiburger Evaluierungskommission publik wurde, in dem angebliche Beweise für systematisches Anabolika-Doping in den frühen 1980er-Jahren im Fußball beim SC Freiburg und beim VfB enthalten sein sollen, passt auch noch ins Bild. Natürlich müssen diese Vorwürfe vom VfB ernst genommen werden und es wurde auch via Pressemitteilung darauf reagiert, aber, seien wir mal ehrlich, seit Toni Schumachers Buch „Anpfiff“ waren solche Praktiken bekannt, es wollte nur keiner der Protagonisten wissen und sich ernsthaft damit beschäftigen. Ob es nach über 30 Jahren noch Sinn macht, in dieser unrühmlichen Vergangenheit zu wühlen, bezweifle ich. Die Verantwortlichen sind meist schon im greisen Alter, die „Täter“ vertrauten damals noch blinder als heute den (Vereins-)Ärzten, gab es doch noch kein Internet, durch das man das eine oder andere heute ja auch selbst nachlesen kann. Wichtig ist doch, ob der Sport aktuell sauber ist und dies scheint er aufgrund einer Vielzahl an Dopingkontrollen ja zu sein. Zudem ist es immer noch sehr umstritten, ob Doping im Fußball tatsächlich zu einer Leistungssteigerung führt oder sich nicht lediglich der Sportler selbst schädigt.
Dies galt es also von Robin Dutt ebenso zu kommentieren, wie die Trainerdiskussion, in der er Huub Stevens weiterhin nur halbherzig den Rücken stärkt. Einige Medien wollen ja bereits erfahren haben, dass zur neuen Saison Alexander Zorniger als Trainer feststehen würde, er aber auch im Falle einer Entlassung Stevens‘ jetzt schon auf Abruf bereit stünde. Zu dieser Meldung habe ich kein eindeutiges Dementi von Dutt vernommen, so dass Stevens weiterhin ein Trainer auf Zeit zu sein scheint. Nach wie vor ist es für mich ein unwürdiges Spiel, das man mit ihm spielt, daher kann ich seine Dünnhäutigkeit und seinen Sarkasmus bei Interviews verstehen.
Bislang erfüllt Dutt meine Vorbehalte gegen ihn voll und ganz. Mit ihm ist ein weiterer Schönredner auf dem Wasen dazugekommen, dem außer Durchhalteparolen zu verkünden auch nichts einfällt. In der verfahrenen Situation, in der der VfB schon die ganze Saison, also auch bereits zu Dutts Amtsantritt, steckt, wäre es wünschenswert gewesen, einen Mann auf die Kommandobrücke zu bekommen, der die Leute mitnimmt und für einen Aufbruch in eine neue Zeitrechnung steht.
Einem Jens Lehmann beispielsweise gegenüber wäre ich zwar auch skeptisch gewesen, aber „nur“ weil er nach Heldt und Bobic der dritte Sportdirektor hintereinander gewesen wäre, der mit null Erfahrung auf dieser Position ins kalte Wasser geschmissen worden wäre. Als Typ aber wäre er einer, der den Finger in die Wunde legt und Missstände klar ansprechen und angehen würde, statt sie lediglich zu verwalten. Dutt bringt jetzt ebenfalls keine Erfahrung mit und redet zudem (bisher) nur recht dumm daher.
Vor ein paar Wochen noch äußerte er sich in die Richtung, eventuell mit Huub Stevens verlängern zu wollen, jetzt soll Zorniger bereits als Trainer feststehen. Sollte dies der Wahrheit entsprechen, ist es ein fatales Zeichen an die Mannschaft, wenn nicht, muss er diese Meldung endlich glaubhaft dementieren.
Momentan ist noch überhaupt nicht absehbar, wohin die Reise gehen wird. Wer weiß, vielleicht rettet uns Huub noch einmal sensationell und hinten hinaus auch mit gutem Fußball und einem Gerüst, auf das wir in der nächsten Saison setzen könnten, dann spräche nichts dagegen, Huub einfach weitermachen zu lassen. Natürlich bin ich mit seiner Spielweise nicht immer einverstanden, aber, eines muss man ihm lassen, die defensive Stabilität hat er in Anbetracht der vorhandenen Mittel gut hinbekommen. Der Fußball, den er spielen lässt, ist sicherlich auch nicht seine Vorstellung von Fußball, er ist aber dem völlig verkorkst zusammengestellten Kader geschuldet.
Zuletzt stellt er immerhin etwas offensiver auf, so dass noch Hoffnung auf Steigerung besteht, der Knoten muss einfach nur platzen. Wir können froh sein, dass Stevens Profi durch und durch ist und sich durch die Spielereien außerhalb des Platzes nicht seine Motivation rauben lässt. Er ist sich seiner Verantwortung und der Ernsthaftigheit der Mission bewusst, so dass er sich auch weiter mit aller Kraft gegen den Abstieg stemmen wird. An Stelle des VfB hätte ich mir die Option einer Weiterbeschäftigung bis zum Ende offen gelassen.
Zorniger dagegen, würde er noch als Feuerwehrmann einspringen (müssen), wäre im Falle des Abstiegs verbrannt. Daher eine gefährliche Situation, in die sich der VfB, wie so oft hausgemacht, gebracht hat. Ob Zorniger ein guter Trainer ist, darüber mag ich nicht zu urteilen. Wer bei Red Bull zwei Aufstiege geschafft hat, muss jetzt noch nicht zwangsläufig der Heilbringer sein. Dort durfte er eben, in Zusammenarbeit mit Rangnick, einen Wunschzettel schreiben und die Spieler wurden ihm auf dem Silbertablett serviert. Unter diesen Voraussetzungen lässt es sich natürlich erfolgreich arbeiten. Beim VfB würde er ganz andere Voraussetzungen vorfinden. Was ausgerechnet ihn jetzt dazu prädestinieren soll, bei uns eine erfolgreichere Ära einzuläuten, weiß ich nicht. Als 2. Co-Trainer unter Babbel und nach Widmayer scheint er jedenfalls keinen nachhaltigen Eindruck hinterlassen zu haben, sonst hätte man ihn schließlich nicht mit Babbel vor die Tür gesetzt. Danach war er noch in Großaspach tätig, wo er zu Regionalligazeiten ebenfalls mehr investieren durfte, als die meisten Ligarivalen.
DER Übertrainer, den man sich jetzt unbedingt fix sichern musste, scheint er für mich jetzt nicht zu sein. Als derjenige, der Red Bull letztendlich in den bezahlten Fußball geführt hat, wird er bei uns zunächst sicherlich einen schweren Stand haben und Überzeugungsarbeit leisten müssen.
Da von VfB-Seite kein Dementi wie „da ist nichts dran“ kam, muss davon ausgegangen werden, dass es sich hierbei um mehr als ein Gerücht oder eine BLÖD-Zeitungsente handelt.
Wie man auf Zorniger kam wäre noch interessant zu wissen. War es Ralf Rangnick, der noch gute Kontakte zum VfB hat, der ihn wegloben möchte, um Zorniger (Vertrag bei Red Bull bis 2016) von der Gehaltsliste zu bekommen? Oder ist er wieder einmal der Mann mit Stallgeruch, weil die Vereinsführung offensichtlich nicht über den Tellerrand hinausschaut? Ich träumte ja noch immer von der großen Lösung Thomas Tuchel und hoffe, der Verein muss es nicht vorwerfen lassen, es nicht wenigstens versucht zu haben.
Was die Zukunft auch bringen mag, diese Trainerdiskussion kommt zur Unzeit. Stevens muss der Verein nun tunlichst Vertrauen und Wertschätzung entgegenbringen und ihm nicht, wie derzeit der Fall, suggerieren, dass sein Zenit überschritten wäre und er nur der Trainer bis zur nächsten Niederlage ist. Dutt versuchte nach dem Hertha-Spiel in dieser Angelegenheit krampfhaft zurück zu rudern, was bei ihm jedoch eher tollpatschig anmutete.
Nächste Ausfahrt, Leverkusen. Dort müssen wir mit aller Macht versuchen, das Unmögliche möglich zu machen und einen wahren Big-Point zu landen. Ich freue mich drauf, „leider“ musste ich meine Fahrt mit dem RWS absagen, weil ich eine Krombacher Fan-Tour mit Übernachtung und VIP-Besichtigung- und Verköstigung in der Krombacher Brauerei gewonnen habe. Auch da freue ich mich drauf, neue Leute, ein anderes Ambiente, wenn wir gewinnen, fahre ich mit denen öfter mit. ;-)

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20. Oktober 2014

Wie viel VfB verträgt Man(n)?

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , , – Franky @ 18:54

Fußball ist Leidenschaft, Fußball ist Emotion. Deswegen pilgern Woche für Woche Hunderttausende in die Stadien der Republik, und das trotz der Überlegenheit der Bayern und der vermeintlich fehlenden Spannung in der Meisterschaft. Warum? In erster Linie wohl, weil Fußball nicht immer berechenbar ist, man die Ergebnisse nicht auf dem Reißbrett vorhersagen kann. Mit ein Grund, dass die Wettanbieter Hochkonjunktur haben und der Fußball trotz gestiegener Preise, trotz dem Verkommen zur Eventveranstaltung, trotz Übersättigung durch Fernsehübertragungen nach wie vor Millionen in den Bann zieht.
Fußball ist aber auch Krampf, harte Arbeit, humorloses Ballgeschiebe, ein dahinsiechen, wie wir es beim VfB seit einigen Jahren, einige wenige Ausnahmen ausgenommen, erleben (müssen). Gerade Heimspiele sind in letzter Zeit wenig vergnügungssteuerpflichtig, sind träge, der Funke springt aufgrund fehlender Leidenschaft und Begeisterung auf dem Platz selten auf die Ränge über. Die Ultras in der Cannstatter Kurve sorgen zwar immer für ein Fahnenmeer und supporten durchgängig durch rhythmisches Klatschen und ihre Gesänge, ziehen aber doch weitestgehend ihr Ding durch, ganz unabhängig vom Spiel und vom Spielverlauf. Lediglich wenn mal wieder das leidliche „Auf geht’s Stuttgart kämpfen“ oder „wir wolln Euch kämpfen sehen“ aus tausenden Kehlen intoniert wird, weiß auch der, der nicht so bei der Sache ist, dass die Kacke mal wieder gehörig am dampfen ist. Ansonsten nehme ich das Gros der Auftritte meines VfB in den letzten Jahren, auf und außerhalb des Platzes, als relativ emotionslose Veranstaltung wahr. Zu uns auf der Haupttribüne Seite, Richtung Untertürkheimer Kurve“, schwappt selten Stimmung herüber, der Gästeblock, selbst wenn lediglich 1.800 Leverkusener da sind, ist da meist lauter. Daher sehe ich Spiele im Neckarstadion, unserem „Wohnzimmer“, schon seit geraumer Zeit eher als Pflichtveranstaltungen an, und freue mich mehr auf die Auswärtsspiele. Dort sind dann die wirklich Supportwilligen, dort bebt der Block von Anfang bis Ende, dort repräsentiert man die Stadt und den VfB und möchte ein gutes Bild abgeben. Und das optisch, akustisch, von der Anzahl der Mitfahrer und bestenfalls auch durch das eigene Verhalten und dem Respekt gegenüber dem Heim-Verein, den Heim-Fans.
Weshalb ich so aushole, um zum eigentlichen Thema dieses Berichts zu gelangen? Weil wir gerade am Samstag wieder alle Facetten dieser so herrlichen Sportart zunächst über uns ergehen lassen mussten und später genießen durften. Ein Wechselbad der Gefühle, zwischen totalem Frust und totaler Lethargie bis hin zur Schnappatmung in den letzten Minuten war alles geboten, was der Mensch an Gefühlsregungen empfinden kann. Vom ersten Frustbier nach noch nicht einmal einer Viertelstunde bis hin zu Standing Ovations in gerade einmal 75 (Spiel-) Minuten. Die Dramaturgie dieses Spiels war kaum zu überbieten. Doch, der Reihe nach.
Der letzte Sieg gegen Leverkusen liegt 4 ½ Jahre zurück, zudem haben sie einen Stefan Kießling in ihren Reihen, der in schöner Regelmäßigkeit gegen den VfB trifft. So hatte ich schon vor dem Spiel die Vorahnung, dass es bitter werden könnte, wenn man den Gegner spielen lässt.
Leverkusen, mit dem Championsleague-Spiel gegen St. Petersburg vor der Brust und zuletzt nur einem Heim-Remis gegen Paderborn im Gepäck, stand also auch unter Druck, ist ihr Anspruch doch (mindestens) wieder ein Championsleague-Startplatz. In meinen Posts auf Facebook vor dem Spiel machte ich noch auf die Qualitäten der Leverkusener aufmerksam, dass sie die Frühstarter der Liga sind und man tunlichst von Beginn an „höckschte Konzentration“ an den Tag legen muss, um nicht ein böses Erwachen zu erleben.
Den VfB sah ich zwar in Berlin nicht so schlecht wie viele andere, erkenne langsam aber sicher auch mehr Struktur im Spiel und sehe vor allem eine Weiterentwicklung. Dennoch bin ich auch Realist und attestiere dem einen oder anderen Mann in unserem Kader kein Bundesligaformat. Ein bundesligatauglicher Spieler muss auch so etwas wie Konstanz an den Tag legen, Fehler minimieren und vor allem die gleichen nicht immer wieder machen. Ein Spieler, der sich im Stahlbad Bundesliga durchsetzen möchte, sollte sich auf sein Spiel konzentrieren und Reaktionen von außen ein Stück weit ausblenden können. Klar, kommen jetzt wieder diejenigen, die meinen „Fußballer sind auch bloß Menschen“, worauf zunächst nicht zu widersprechen ist. Aber, auch der Beruf des Profifußballers bringt einige Anforderungen mit sich, eine davon ist die Belastbarkeits- und Konzentrationsfähigkeit in Stresssituation, wer dem nicht gewachsen ist, sollte einen Mentaltrainier in Anspruch nehmen. Wer darüber jammert, das Stuttgarter Publikum wäre schwierig oder gar Schuld an der einen oder anderen Niederlage, auch demjenigen würde ich raten, sich an die eigene Nase zu fassen und sich auf das Geschehen auf dem Platz zu konzentrieren anstatt sich mit Nebengeräuschen, im wahrsten Sinne des Wortes, zu beschäftigen.
Veh erklärte bereits auf der Pressekonferenz vor dem Spiel, man wolle defensiver antreten als zuletzt und dadurch versuchen, Leverkusen das Durchkommen schwerer zu machen. Anders als zuvor Köln, Hoffenheim und Hannover, die weitestgehend hinten drin standen und einzig auf Fehler vom VfB lauerten, war es von den spielstarken Leverkusenern zu erwarten, dass sie selbst die Initiative ergreifen wollen. So fand sich also eine neu formierte Viererkette wieder, mit Schwaab als rechtem Verteidiger, dem Innenverteidiger-Duo Niedermeier/ Rüdiger und Klein auf der für ihn ungewohnten linken Seite. Für den Schorsch, als Typen und wie ich ihn auch bei diversen Trainingslagern oder auch zuletzt dem Kabinenfest erlebt habe, der so etwas wie mein Lieblingsspieler in der derzeitigen Truppe ist, freute ich mich, dass er sein erstes Spiel von Beginn an machen durfte.
In meinen Tippspielen hatte ich optimistisch 2:2 getippt und hätte diesen Punkt mit Kusshand angenommen. Man weiß es ja nie, wie sich die Mannschaften nach einer Bundesligapause präsentieren, ob sich ein Trend von davor fortsetzt oder abgeschnitten wurde, ob die Spieler sofort wieder auf Vereinsmodus umschalten können oder mit den Gedanken noch in ihren Heimatländern sind.
Wie bereits erwähnt, hält sich meine Emotionalität vor Heimspielen in engen Grenzen, so hatte ich mein eigentliches Highlight des Tages, das Vorglühen und Fachsimpeln mit Freunden und Bekannten im Biergarten des Stuttgarter Sportclubs (SSC), schon hinter mir, als ich gegen 15.15 Uhr, früh für meine Verhältnisse, meinen Platz im Block 3B einnahm. Nach dem Verkünden der Mannschaftsaufstellung von Bayer Leverkusen und der Präsentation unserer Formation durch unseren Stadionsprecher Holger Laser folgten ein paar Songs, die das Zeug zur Hymne hätten, wie „Troy“ und „Für immer VfB“. Dennoch sind wir zu meinem Bedauern einer der ganz wenigen Vereine in den ersten 3 Ligen, die keine eigene Hymne haben, wo keine Schalparade vor dem Spiel stattfindet, nichts, das einen so richtig auf die anstehende Partie einstimmen würde. Ob dies damit zusammenhängt, dass die Ultras dem Verein im Zuge des Stadionumbaus unter anderem abrangen, die letzten fünf Minuten vor Einlauf der Mannschaften, sollten ihnen gehören, weiß ich nicht. Mir geht das jedenfalls ab, bekomme ich doch in einigen Stadien richtig Gänsehaut beim Intro und wenn das Vereinslied aus Zehntausenden Kehlen geschmettert wird.
Veh wechselte im Vergleich zum Spiel in Berlin vor der Länderspielpause gleich drei Mal. Statt Sakai, Gruezo (beide wohl wegen der weiten Länderspielreisen erst einmal draußen) und dem angeschlagen von der Nationalmannschaft zurückgekehrten Kostic, begannen Niedermeier, Harnik und Werner. Wie das Spiel dann begann, ist kaum in Worte zu fassen, spottet jeder Beschreibung, war einfach erbärmlich und desolat.
Das Spiel war erst gute drei (!) Minuten alt, als der VfB den ersten Nackenschlag zu verkraften hatte. Brandt auf Kießling, der von Niedermeier im Strafraum um gerempelt wurde und den Ball dennoch zu Son stolpern konnte, dieser wiederum ließ Rüdiger und Kirschbaum wie F-Jugendliche ins Leere laufen und konnte den Ball somit ins verwaiste Tor einschieben. Unerklärlich wie naiv eine an und für sich gestandene Bundesligamannschaft in ein solches Spiel gegangen ist, und das gegen einen Gegner, dessen Qualitäten hinlänglich bekannt sind.
So nahm das Unheil also schon früh seinen Lauf und ich versank mehr und mehr in meinem Sitz. Als gerade einmal fünf Minuten später Thorsten Kirschbaums Befreiungsschlag zu kurz geriet und direkt bei Son landete, dieser den Ball mit der Brust annahm und aus 25 Metern sehenswert über Kirsche hinweg abschloss, schienen beim VfB alle Dämme zu brechen. Kirschbaums erster grober Schnitzer im dritten Spiel seit der Ulle-Ablösung und schon treten Ulles Jünger wieder auf den Plan und fordern einen erneuten Torwartwechsel. Veh hat zum Glück bereits verlauten lassen, wenn er von einer Sache überzeugt sei, ziehe er das durch, so dass ich guter Dinge bin, dass sich Veh davon nicht beeinflussen lässt. Kirschbaum ist der bessere Fußballer, Ulle ist für mich und dem Vernehmen nach auch für Armin Veh kein guter Torwart, wenn man das Gesamtpaket betrachtet. Für mich stellt sich daher nur die Frage, hat Kirschbaum das Zeug dazu auf lange Sicht unsere Nummer 1 zu sein oder müssen wir dem jungen Vlachodimos eine Chance geben oder gar einen Torhüter hinzu kaufen. Ich drücke Kirsche die Daumen, dass er diesem Druck, den er als Nachfolger der Ikone Ulreich zweifellos hat, gewachsen ist und seine Kritiker verstummen lässt.
Diese langjährige Schwachstelle hat Veh behoben, an einigen anderen wird er noch viel zu tun haben. Vogelwild präsentierte sich der VfB in dieser denkwürdigen ersten Halbzeit. Son Latte, Kießling Pfosten, das nach einem katastrophalen „Rück-Kopfball“ vorbei am heraus eilenden Kirschbaum durch Antonio Rüdiger, eine Großchance von Bellarabi und schließlich das 0:3 durch den Länderspieldebütanten Bellarabi, der sich in Slapstickmanier gleich gegen fünf VfBler durchsetzen konnte. Eine einzige Chance hatte der VfB in der ersten Halbzeit, als Gentner Niedermeiers Kopfballvorlage aus zwei Metern zehn Meter über das Gehäuse bugsierte. Es wäre das zwischenzeitliche 1:2 gewesen. So wurde die Mannschaft mit einem gellenden Pfeifkonzert in die Kabinen verabschiedet, das 0:3 war noch schmeichelhaft, es hätte gut und gerne 0:6 stehen können.
Veh korrigierte seine Anfangs-Aufstellung, nahm Rüdiger heraus, stellte Klein und Schwaab auf ihre ursprünglichen Positionen zurück und brachte Hlousek auf links, der zu seinem ersten Bundesligaspiel für den VfB kam. Armin Veh tat mir schon ein wenig Leid, wenn man ihn beobachtete. Er probiert viel und bekommt dann einen solchen Hieb von seinen Jungs serviert, gefühlt Minuten wandte er sich nach dem 0:2 vom Spielgeschehen ab und hämmerte frustriert aufs Dach der Trainerbank.
Ich bin im Übrigen ein großer Befürworter dieser Personalrochaden, mit denen uns Veh Woche für Woche überrascht. In den letzten Jahren vermisste ich diese Art der Abwechslung, war ein Großteil der Stammplätze in Stein gemeißelt, heute, unter Veh, darf sich dagegen keiner zu sicher fühlen.
Da es ein „Weiter so“ in der zweiten Halbzeit nicht unbedingt geben sollte, war es klar, dass Veh zur zweiten Halbzeit Umstellungen vornehmen würde. Dieses Mal traf es zu Recht Jung-Nationalspieler Antonio Rüdiger, tatsächlich den Schlechtesten in einer ganz schlechten Mannschaft. Es ist mir klar, dass ein 21-Jähriger alles erst einmal verkraften muss, was zurzeit auf ihn einprasselt. Angebliches Interesse von Chelsea, zudem Neu-Nationalspieler und zuletzt maßgeblich beteiligt am späten Ausgleichstreffer der Iren unter der Woche. Nicht wenige fragen sich in dem Zusammenhang, wie wenig man mittlerweile mitbringen muss, wie wenig man bisher geleistet haben muss, um Nationalspieler in unserem Land werden zu können. So steht er jetzt unter bundesweiter Beobachtung und bekam nach dem Irland-Spiel einiges auf die Ohren! Veh hat nach dem Spiel zu Recht zu Protokoll gegeben, dass er auch sieben Andere hätte herausnehmen können.
In und nach der Halbzeit wandten die Ultras dem Spielfeld den Rücken zu und stellten den Support berechtigterweise gänzlich ein. Es war eines VfB’s unwürdig, wie sich diese unsere Mannschaft her spielen ließ, wie man den Gegner zum Tore schießen einlud. Die Kabinenansprache soll nicht laut, jedoch sehr sachlich gewesen sein. Ermutigend, aber auch an der Ehre packend, erinnernd, wie unberechenbar der Fußball ist, was alles möglich ist, wenn man nur an sich glaubt.
Und, in der Tat der VfB kam selbstbewusster aus der Kabine. Natürlich mag es eine Rolle gespielt haben, dass die Körpersprache der Leverkusener eine andere war, dass sie wohl annahmen, die Führung locker, leicht und ohne weitere Kraftanstrengung ins Ziel schaukeln zu können. Schließlich steht am Mittwoch das nächste Champions League Spiel gegen Zenit St. Petersburg auf dem Programm, für das man sich ja von nun an schonen könne.
Nach kurzer Findungsphase dauerte es nicht lang, ehe Klein ungehindert in den Strafraum flanken konnte und Timo Werner ebenso frei zum Kopfball kam und den Anschlusstreffer erzielte. Der VfB war jetzt da. Zwar hatte Leverkusen kurz nach dem Anschlusstreffer noch die Konterchance zum 1:4, doch, es war jetzt ein anderes Spiel. Der VfB agierte sicherer und befand sich auf einmal auf Augenhöhe mit den zuvor so in jeder Hinsicht überlegenen Leverkusenern. Maxim kam für Leitner und gerade einmal zwei Minuten nach seiner Einwechslung schlug er eine Freistoßflanke scharf in den Strafraum, Leno faustete im Stile eines Anfängers direkt in die Mitte und vor die Füße von Florian Klein, dieser nahm wuchtig Maß und zimmerte die Kugel ins vom Schützen aus gesehen rechte Toreck. Ein Hammer-Tor, genial und mit der Intensität eines Urschreis.
War ich beim 1:3 kaum aufgesprungen, zu sehr saß noch der Frust der ersten Hälfte, war auch ich plötzlich wieder da. Auf einmal war Tempo, Leidenschaft, Kampfgeist zu sehen, die erste Halbzeit wie weggeblasen! Dann, knapp zehn Minuten später, Duplizität der Ereignisse. Kostic kam für Werner ins Spiel, und wiederrum nur zwei Minuten später, durfte er eine Freistoßflanke von der anderen Seite scharf herein schlagen, die Martin Harnik am langen Pfosten über die Linie bugsieren konnte. 3:3, das Stadion auf einmal ein Tollhaus. Danach drängte der VfB gar sogar noch auf den Sieg, hätte ihn am Ende vielleicht sogar auch verdient gehabt. Kurz vor Schluss vereitelte Kirschbaum durch eine tolle Parade erst das 3:4, kurz darauf hatte Martin Harnik in der Nachspielzeit zwei Mal den Siegtreffer auf dem Fuß und auf dem Kopf, wobei Bernd Leno diese beiden Chancen herausragend vereitelte.
Am Ende stand also ein nicht für möglich gehaltenes 3:3 nach einem Spiel das seinesgleichen sucht. Ähnlich mitreißend war in der jüngeren Vergangenheit das 4:4 in Dortmund, an ein solches Heimspiel-Feuerwerk kann ich mich kaum noch erinnern.
Bei allen Lobeshymnen jetzt über die Moral und die Wiederauferstehung des Brustrings gibt natürlich die erste Halbzeit schwer zu denken. Amateurhaftes Abwehrverhalten, eine Naivität im Spiel und abermals ein Kapitän, der nicht zu sehen war, so ging dieses Truppe sang- und klanglos unter und zerfiel phasenweise in ihre Einzelteile.
Glück für uns, dass Leverkusen in der zweiten Halbzeit mehr als nur einen Gang zurückschaltete. Es bewahrheitet sich immer wieder, dass man nicht nachlassen darf und es sehr schwierig ist, den Schalter abermals umzulegen, wenn man wieder einen Zahn zulegen sollte. Leverkusen schaffte es nicht und ließ sich auf einmal in ihre eigene Hälfte zurück drängen.
Wohl dem, der, wie der VfB im zweiten Spielabschnitt, von der Bank mit Leuten wie Maxim und Kostic nachlegen kann. Das könnte im Verlauf der Saison noch ein Joker werden im Vergleich zu den anderen Abstiegskandidaten. Der Kader ist in der Breite nämlich gar nicht so schlecht aufgestellt im Vergleich zur direkten Konkurrenz im Tabellenkeller.
Mit Daniel Ginczek wächst zudem noch eine treffsichere Alternative heran. Beim 5:1-Sieg unserer Amateure gegen den Stadtrivalen Stuttgarter Kickers traf er erneut, so dass man sich auf ihn freuen darf, wenn er denn bald reif für die erste Mannschaft ist, zumal die Torflaute von Vedad Ibisevic mittlerweile groteske Züge annimmt. Der Bosnier ist nunmehr bereits seit mehr als 1.000 Spielminuten torlos, während Werner seine ebenfalls lang andauernde Durststrecke mit dem so wichtigen Anschlusstreffer beenden konnte.
Diese Aufholjagd, die wohl tatsächlich nur gelungen ist, weil das Team in der zweiten Halbzeit zusammengestanden ist, sollte mehr Mut machen als dass die erste Halbzeit Sorgen bereitet. Würde das Gesicht der ersten Hälfte unser Leistungsvermögen widerspiegeln, die Mannschaft zu mehr nicht imstande sein, könnten wir den Laden dicht machen und den Verein vom Spielbetrieb abmelden. Konkurrenzlos schlecht ist eher noch untertrieben.
Die zweite Hälfte dagegen offenbarte, dass durchaus Esprit in der Truppe steckt und was möglich ist, wenn sie ungehemmt nach vorne spielen kann. Eine solche Aufholjagd hat auch das Zeug zur Initialzündung in puncto Mannschaftsfindung. Das A&O, Armin Veh betont es seit er wieder hier ist, dass eine Mannschaft auf dem Platz steht, Spieler, die sich verstehen, die füreinander da sind und dadurch entstehende Probleme auch gemeinsam zu lösen versuchen. Eine solche Leistung wie in der zweiten Mannschaft könnte zusammen schweißen.
Da waren lange vermisste Anflüge von Kreativität, von Spielkultur, ja, sogar von Spielfreude zu sehen. Diese Positiva muss man aus diesem Spiel mitnehmen und weiter daran arbeiten, die Defensive zu stabilisieren. Vielleicht ist ja die Viererkette der zweiten Halbzeit ein Ansatz und ausbaufähig. Rüdiger scheint mir der Drucksituation derzeit nicht gewachsen zu sein, will zu viel und verhaspelt sich. Hlousek auf links finde ich aufgrund seiner Schnelligkeit eine Option. Natürlich hatte er einige leichte Ballverluste zu verzeichnen und stand so dem Platzhalter Sakai in nichts nach. Im Gegensatz zum Japaner aber, der schon lange im Formtief steckt, sehe ich bei Hlousek noch Luft nach oben, zudem ist er ein Linksfuß und kann durch seine schnellen Vorstöße zu einer Waffe werden.
Wie erwähnt, sehe ich es als positiv an, dass Veh viel ausprobiert, der VfB dadurch schwerer auszurechnen ist, sowohl der Gegner, als auch der Fan, weiß selten im Voraus, was er zu erwarten hat. Und das meine ich positiv, hat man doch in den letzten Jahren oft genug schon beim Blick auf die Mannschaftsaufstellung gewusst, was man zu erwarten hat, nämlich meist ein langweiliges und emotionsloses Ballgeschiebe und einen ereignisarmen Spielverlauf. Der neuen Konkurrenzsituation muss sich jetzt jeder stellen und jeder hat die Chance zu spielen oder in der Mannschaft zu bleiben, wenn der Trainer zufrieden war.
Das Spiel gegen Bayer Leverkusen war eine Achterbahn der Gefühle. Die Erwartungen waren sowieso klein gehalten, wurden dann aber nach nicht einmal zehn gespielten Minuten im Negativen übererfüllt. Man ist ja einiges an schlechten Darbietungen „gewöhnt“ und man sollte mit Superlativen vorsichtig sein, aber, zur Halbzeit war ich mir sicher, noch nie einen solch schlechten VfB gesehen zu haben. Wirklich noch nie! Ich kann mich an ein 0:4 gegen Bochum in grauer Vorzeit erinnern, auch ein 0:5 gegen Dortmund, bei dem ich die zweite Halbzeit in unserer altehrwürdigen Stadiongaststätte verfolgte. Zu jenen Zeiten hatte man aber wenigstens den Eindruck, es handele sich um einen gebrauchten Tag, an dem eben nichts geht und dass einige auf dem Platz standen, denen die Demütigung genau so an die Nieren ging wie einem selbst. Am Samstag aber war ich mit dem Latein am Ende, Endzeitstimmung schon in der Halbzeit, aber, ich bin natürlich geblieben, im Gegensatz zu Dutzenden um uns herum.
Wäre das Spiel so weiter gelaufen, hätte ich mir wenigstens um meine Gesundheit keine Gedanken machen brauchen. Emotionslos, fast gleichgültig und lediglich erschrocken über diese Nicht-Leistung kauerte ich in meinem Sitz.
Nach der Pause, auf den Spielverlauf bin ich ja bereits eingegangen, sah ich das 1:3, das wie aus dem Nichts fiel, noch relativ gefasst und maß ihm keinerlei Bedeutung zu, Ergebniskosmetik, mehr nicht.
Als Veh dann aber offensiv wechselte, man, im Gegensatz zur ersten Halbzeit, auch Zweikämpfe für sich entschied, auf einmal Willen und schnell vorgetragene Angriffe zu sehen waren, Freistöße herausholte, ab dieser Zeit war dann auch ich wieder richtig bei der Sache.
Als das 2:3 durch diesen satten Schuss von Florian Klein fiel, stieg der Puls und das Adrenalin schoss durch den Körper. Dann macht Harnik auch noch das 3:3 und der Kessel bebte auf einmal wie schon lange nicht mehr. Selbst in unseren Regionen erhoben sich die Dagebliebenen von den Sitzen und peitschten das Team weiter nach vorne, plötzlich saß keiner mehr.
Für Martin Harnik freute ich mich, dass er endlich wieder getroffen hat. Er hatte eine längere Schwächephase zu durchstehen und saß zuletzt nur auf der Bank. Ich mag ihn, weil er einer ist, dem ich es abnehme, dass er alles in die Waagschale wirft und sich stets den Allerwertesten aufreißt. Zudem ist er kein Spinner und mit beiden Beinen auf dem Boden, ein Profi, wie man ihn sich wünscht. Vielleicht gibt ihm das Tor Auftrieb, bringt er wieder mehr Sicherheit in sein Spiel. Vor seiner Herausnahme aus der Mannschaft wirkte er oft überhastet und verlor Bälle oder sie versprangen ihm, was man in dieser Häufigkeit eigentlich von ihm nicht gewohnt war. Dass ihn Veh für einige Zeit herausnahm war für mich absolut richtig und nachvollziehbar, vielleicht hat er sich ja jetzt wieder durch sein Tor und auch durch seine Präsenz wieder in die erste Elf gespielt. Dass er das Siegtor nicht gemacht hat, verzeihe ich ihm gerne. Mit diesem Punkt bin ich rundum zufrieden, wer hätte das gedacht!
Die nächste schwere Heimaufgabe wartet an Allerheiligen auf uns, wenn es gegen den VfL Wolfsburg geht. Erneut eine Betriebssportmannschaft, bei der Geld eher eine untergeordnete Rolle spielt, man hat es eben. Trotzdem, seit Allofs und Hecking das Sagen dort haben, wird das vorhandene Geld vernünftig eingesetzt und auch (endlich) Kapital aus der guten Jugendarbeit geschlagen. Ich schätze die Wölfe sehr stark ein und befürchte, dass für uns die Trauben hoch hängen dürften.
Umso wichtiger sind die kommenden Auswärtsaufgaben gegen Gegner, die sich mit uns auf Augenhöhe oder sogar darunter befinden. In Frankfurt bzw. in Bremen sollten einer oder am besten gleich zwei Auswärtssiege her, um endlich mal wieder in ruhigeres Fahrwasser zu steuern.
Veh auf der Kommandobrücke benötigt nach wie vor Zeit, der Mannschaft ein neues Lifting zu verpassen und fordert dafür zu Recht Geduld ein. Diese übt man am besten, wenn die Ergebnisse stimmen es gelingt, ein Polster zwischen sich und die Abstiegsplätze zu legen.
Unsere jungen Spieler wie Antonio Rüdiger und Timo Werner, auf die bereits jetzt einiges hereinbricht, dürften es erheblich einfacher haben, sich weiter zu entwickeln, wenn der Druck nicht ganz so groß ist. Bei Rüdiger fällt seine Nervosität natürlich mehr auf als bei Timo Werner. Rüdigers Fehler haben meist brenzlige Situationen bzw. Gegentore zur Folge, während sich Timo Werners Nervenschwäche „nur“ bemerkbar macht, wenn ihm am gegnerischen Strafraum ein Ball verspringt oder er im eins gegen eins nicht so abgezockt agiert, wie man es schon von ihm gesehen hat.
Daher wäre ein Dreier am kommenden Wochenende in Frankfurt Balsam auf die Seelen Aller, denen der VfB am Herzen liegt und immens wichtig. Frankfurt war in letzter Zeit oft ein gutes Pflaster für uns, außer in der letzten Saison, als man den Sieg kurz vor Schluss noch verspielte und Alexandru Maxim die 1.000%ige Chance zum 0:2 vergab.
Damals noch hieß der Eintracht-Trainer Armin Veh. Dieser hat jetzt zum Glück das Zepter beim VfB in der Hand und kennt den Gegner natürlich in- und auswendig. Wie ich ihn kenne, wird er bereits jetzt voller Vorfreude sein. Auf dem Kabinenfest fragte ich ihn, wie er die Fanunterstützung dort empfand, vor allem auf den Europacup-Reisen. Da begannen seine Augen zu funkeln und mehr als ein „einfach geil“ kam ihm nicht über die Lippen.
Neuer Trainer der Eintracht wurde bekanntlich Thomas Schaaf, den man bislang ja nur mit Werder Bremen in Verbindung brachte. Bislang lässt sich seine Mission dort gut an, mit einem Sieg gestern in Paderborn hätte die Eintracht auf Rang 3 vorstürmen können, so sind sie als Achter im gesicherten Mittelfeld. Einfach dürfte es also auf keinen Fall werden, aber, Samstag 15.30 Uhr, 5.000 Schwaben im Rücken, da muss einfach was gehen für unser Team. In Berlin durfte das Team ja bereits am ersten Auswärtssieg schnuppern, die 0:1-Führung wurde von der Hertha lediglich durch einen höchst fragwürdigen Elfmeter ausgeglichen. Bis dahin und auch wieder danach war man eigentlich auf einem guten Weg. Daher bin ich für Frankfurt guter Dinge und freue mich sehr drauf.
Es darf im Waldstadion ruhig ein bisschen weniger dramatisch zugehen als am Samstag, Hauptsache Sieg, wenn solche Spektakel aber zur Regel werden sollten, werden wir bald „zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie ihren Arzt oder Apotheker“ auf den Eintrittskarten zu lesen bekommen!

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