27. Februar 2011

Und wieder mal ein “Schicksalsspiel”

Die launische Diva VfB Stuttgart vom Neckar trifft heute um 15.30 Uhr also auf die launische Diva vom Main. Eintracht Frankfurt gegen den VfB Stuttgart, ein schon immer brisantes emotionsgeladenes Spiel. Anfang bis Mitte der 90er-Jahre war es stets ein Spitzenspiel, in den letzten Jahren reiste der VfB meist als großer Favorit an, doch in dieser Saison ist es ein Abstiegsduell. Der VfB bleibt auch nach 23 Spieltagen auf seinen 19 Pünktchen sitzen, die Eintracht hat zwar acht Punkte auf dem Konto, jedoch im Jahr 2011 noch kein einziges Tor erzielt und könnte durch einen VfB-Sieg mit unten rein gezogen werden. Im Hinspiel verlor der VfB zu Hause durch äußerst fragwürdige Schiedsrichter-Entscheidungen mit 1:2. Der Gipfel dabei war das nicht gegebene Tor von Cacau zum 2:2 kurz vor Schluss.

Der VfB präsentiert sich fraglos launig in diesen Tagen. Dem Offenbarungseid gegen Nürnberg folgte eine zumindest über 60 Minuten ansprechende Leistung in Lissabon. Auch in Leverkusen wäre mehr drin gewesen als das 2:4. Die Leistung insgesamt war in Ordnung, allerdings präsentierte sich unsere Abwehr einmal mehr löchrig wie Schweizer Käse. So fanden von insgesamt sieben Torschüssen der Pillendreher vier den Weg ins VfB-Tor. Bruno Labbadia monierte auch, dass wir gar nicht so viele Tore schießen können wie wir einfangen und kündigte an, einen Torwartwechsel vorzunehmen. Meiner Meinung nach vollkommen angebracht, da Sven Ulreich einfach noch nicht so weit ist. Klar wird es ihm von seinen Vorderleuten auch nicht einfach gemacht. Ulreich macht mir allerdings oft einen übernervösen Eindruck, was sich auch auf seine Vorderleute zu übertragen scheint. Vieles wirkt bei ihm aufgesetzt. Er weiß zwar, was er zu tun hat aber nicht, wie er es umsetzen kann. Beispiel: Spieleröffnung!

An anderer Stelle hatte ich allerdings auch schon bemerkt, dass es mir lieber gewesen wäre, wir hätten während der Transferperiode im Januar einen gestandenen Keeper geholt, da ich Sven Ulreich die nötige Nervenstärke im Abstiegskampf nicht zutraue. Er ist zwar sicherlich einer der wenigen im “Team”, dem die Situation spürbar an die Nieren geht. Am Willen liegt es bei ihm nicht. Und, er wäre sicher auch einer der wenigen, die bei einem Abstieg für einen Neuaufbau bereit stünden. Ob er auf Dauer eine Nummer 1 in einem Bundesliga-Tor sein kann, muss er noch beweisen. Ich habe schon meine Zweifel, was seine Klasse betrifft. Andere junge Torhüter in der Bundesliga scheinen mir da weiter zu sein.

Marc Ziegler hatte ich schon in seiner ersten Zeit beim VfB die ganz große Torwartkarriere nicht zugetraut und er hatte mich auch bei den Testspielen in dieser Saison nicht überzeugt, als er auflaufen durfte. Dennoch erhoffte ich mir durch diese Maßnahme noch einmal ein Zeichen. Dass dann diese Maßnahme sofort wieder verpuffte, als Ziegler gegen Lissabon bewußtlos liegen blieb, ist natürlich großes Pech. Bruno Labbadia scheint das große Pech mit nach Stuttgart gebracht zu haben. Jede als Zeichen an die Mannschaft verstandene Maßnahme verpufft ins Wirkungslose, wie auch die Suspendierung Maricas. Dass sich am Tag danach Pogrebnjak mit Rippenbruch abmeldet, Harnik und Cacau ständig an Aduktorenproblemen laborieren und somit der Youngster Sven Schipplock auf einmal fast der einzig gesunde Stürmer ist, damit konnte zum Zeitpunkt der Suspendierung noch keiner rechnen. Für mich ist diese allerdings jetzt purer Aktionismus und schwächt den VfB eher, als dass es etwas bringt. In der Wintertransferperiode wäre die Gelegenheit da gewesen, sich vom ein oder anderen Stinkstiefel zu trennen und das Gefüge des Kaders zu korrigieren. Gerade über Marica hatte ich aus gut unterrichteter Quelle erfahren, soll ein Angebot von Galatasaray Istanbul vorgelegen haben. Warum der VfB dem nicht entsprochen hat, kann ich mir nicht erklären. Unsere Vereinsführung hatte wohl gehofft, die 8 Millionen Euro, die man 2007 für diesen Söldner gezahlt hatte, wieder zu bekommen. Dabei muss man einfach froh sein, einen solch miserablen Charakter von der Gehaltsliste zu haben. Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende. Vielleicht scheiterte ein eventueller Transfer auch daran, dass in der Zeit, in der man eigentlich Trnsfers einfädelt, nämlich zum Trainingsbeginn bzw. zum 1.1., unser Manager-Azubi im Urlaub in New York weilte? Selbst wenn mit den heutigen Möglichkeiten der Kommunikation über die Neuen Medien vieles möglich ist, ein schlechtes Zeichen an die Mannschaft und die Fans war dieser Ego-Tripp von Bobic allemal. Dennoch wäre ich dafür alle Kräfte zu bündeln und auch Marica zu begnadigen. Gerade, sollte Pogrebnjak weiter ausfallen, könnte er mit seiner Schnelligkeit weiter helfen.

So kann ich mich nur immer wieder wiederholen. Im Sommer hatte Gross einen Torwart, einen Innenverteidiger und einen schnellen Außenbahnspieler gewünscht und nichts von alledem bekommen, weil es unsere Fußballfachleute in Vorstand und Aufsichtsrat ja besser gewußt hatten. Als sich in der Vorrunde der Absturz abzeichnete wurden uns sowohl von Bobic, als auch von Staudt Veränderungen im Kader in Aussicht gestellt doch nichts Nennenswertes geschah, zumindest nicht auf den Positionen, wo es notwendig gewesen wäre. Man ließ sich einlullen von einer kämpferisch guten Leistung im Pokal gegen die Bayern (wie tief sind wir gesunken, wenn wir schon mit Grundtugenden, die man von einem Profi erwarten muss, nämlich, dass er in JEDEM Spiel bis an die Schmerzgrenze geht, mit stehenden Ovationen bedenken???) und von den ersten beiden Rückrundenspielen gegen Mainz und in Dortmund als überraschend vier Punkte eingefahren wurden. Wie diese zustande kamen, wurde nicht hinterfragt. Es waren äußerst glückliche Punktgewinne, die wir gerne mitgenommen haben, aber auch nicht mehr. Dass die Probleme tiefgründiger sind, als dass sie durch Handauflegen von Labbadia schnell mal gelöst werden könnten, sollte nach 12 Pünktchen in der Vorrunde jedem klar gewesen sein. Für mich haben wir jetzt die Situation, dass wir keineswegs stärker geworden sind, als das was uns im August in den Spielen gegen Molde, Bratislava und Babelsberg vor Augen geführt wurde.

So ist meine Hoffnung auf den Klassenverhalt sehr gedämpft. Ich traue es der Mannschaft kaum zu, das Ruder herumzureißen. Gegen Lissabon, wohlgemerkt schon eine Klassemannschaft, ging das Team sang- und klanglos unter. Ob man jetzt befreiter aufspielen kann, da die Doppelbelastung wegfällt, muss sich erst noch zeigen. Spielerisch war es einmal mehr ein Offenbarungseid. Ich hoffe, dass heute Tasci zurückkehrt, was Georg Niedermeier seit seiner festen Verpflichtung spielt, ist gelinde gesagt unterirdisch. Aus der Abwehr wurde gegen die Portugiesen kein einziger ansehnlicher Angriff aufgebaut. Es wurde nur quer und dann zurück zum Torwart gespielt, der die Bälle nach vorne und meist in die Füße des Gegners drosch. Auch unser defensives Mittelfeld schafft es derzeit nicht, Angriffe nach vorne zu tragen. Selbst Träschi, in der Vorrunde noch weitestgehend eine Bank, lässt sich jetzt mehr und mehr von den Unsicherheiten seiner Mitspieler anstecken. Die Neuzugänge Hajnal und Okazaki waren zwar stets bemüht, schafften es aber auch nicht, die Stürmer in Szene zu setzen. So klaffen zwischen den Mannschaftsteilen einfach zu große Lücken. Mit diesem Spiel sind wir für jeden Gegner leicht auszurechnen, was meine Hoffnungen für heute nicht gerade bestärkt. Ich befürchte, wir könnten der ideale Aufbaugegner für die Hessen sein. Lasst sie ein Tor schießen und damit den Knoten platzen, wird es gefährlich für uns, zumal bei uns schon des öfteren nach einem Gegentor alle Dämme gebrochen sind.

Wenn man gestern die Dortmunder bei den Bayern gesehen hat, blutet einem fast das Herz. Wie die mit einem hohen läuferischen Aufwand und einer Passgenauigkeit, dazu einer Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor, die Allianz-Arena gestürmt haben, hat mich schwer beeindruckt. Die Jungs waren ständig in Bewegung und schafften es, Robben zu zweit oder dritt zu attackieren, ohne zu viele Räume für die anderen Bayern-Spieler entstehen zu lassen.  Passwege wurden konsequent und fast über 90 Minuten zugelaufen, so dass die Bayern zu so wenig Torabschlüssen kamen, wie zu Hause schon lange nicht mehr.

Ich hoffe, unsere Jungs haben sich das angeschaut und nehmen die Erkenntnis mit, dass sich dieser Aufwand auszahlt. Unser Spiel ist viel zu statisch und mit wenig Überraschungsmomenten gespickt. Wir sind allzu leicht auszrechnen. Es ist ja ein offenes Geheimnis, dass man sowohl unsere Viererkette als auch unsere Doppel-Sechs einfach nur ständig attackieren muss, um Ballverluste zu provozieren. Wenn man dann noch schnell nach vorne spielt, geht beim VfB schnell jegliche Ordnung verloren. Es treten technische Unzulänglichkeiten zutage, die man eigentlich bei Profi-Fußballern nicht vermuten sollte. Es ist ja nicht so, dass ich lauter Messis auf dem Platz erwarte. Aber, wenn man schon mit der Ballbehandlung Probleme hat, sollte wenigstens der läuferische Einsatz und die Konzentration vorhanden sein. Sollte es am Ende gut gehen, hat man im Sommer die Gelegenheit notwendige Korrekturen vorzunehmen.

Für heute habe ich mal trotz meiner Schwarzmalerei mutig 3:4 getippt, auch, weil ich mir alles andere als einen Sieg nicht ausmalen möchte. Die Frankfurter, wie wir auch, haben massive Abwehrprobleme, so dass es durchaus denkbar ist, dass aus jeder halbwegs Halbchance eine Bude herausspringt. Der VfB ist zum Siegen verdammt, durch eine Niederlage würde der Rückstand auf Platz 16 schon auf fünf Punkte anwachsen. Für uns wäre es wichtig, endlich mal wieder den Anschluss zu schaffen, um an einem Spieltag mal wieder die Chance zu haben, bei optimalen Ergebnissen, die Abstiegsplätze zu verlassen. Dies könnte dann durchaus als zusätzliche Motivation dienen.

Wir sind, wie immer in dieser Saison, vor Ort, um 10 Uhr geht es mit dem Bus los. Alle Daheimgebliebenen: drückt fest die Daumen. Auch WIR würden gerne einmal wieder mit einem Erfolgserlebnis die Heimreise antreten.

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13. Februar 2011

Der Offenbarungseid!

Hatte man nach dem ersten Auswärtssieg in der letzten Woche wieder eine leise Hoffnung, dass es nun doch aufwärts gehen würde mit dem VfB, so wurde diese gestern gegen den Club auf fürchterliche Weise wieder zerstört. Dass der Club sich in den letzten Jahren zum Angstgegner vom VfB aufgeschwungen hat, dass es sicher auch nicht einfacher werden würde als gegen die Freiburger im letzten Heimspiel, das war mir schon vor dem Spiel klar. Trotzdem war ich gestern vor dem Spiel guter Hoffnung, dass es dem VfB erstmals in der Saison gelingen würde, zwei Mal nacheinander zu siegen. Der Auftritt in der 2. Halbzeit in Mönchengladbach, als es erstmals in dieser Spielzeit gelang, einen Rückstand noch in einen Sieg umzumünzen, machte Mut. Vor allem in Person von Tamas Hajnal, der Spielkultur einbrachte und seine neuen Kollegen ein ums andere Mal gekonnt in Szene setzte. So ein Spielertyp würde auch helfen können, die kompakten Nürnberger zu Fehlern zu zwingen und Räume für die Stürmer zu schaffen. So meine Hoffnung vor dem Spiel.

Als wir das Neckarstadion betraten, merkte man vielen Fans die Vorfreude auf das Spiel bei den vorfrühlinghaften Temperaturen. Die VfB-Fans empfingen die Mannschaft mit einem farbenfrohen Fahnenmeer und signalisierten der Mannschaft, dass sie sich einmal mehr der Unterstützung der Kurve sicher sein konnten.

Schon vor dem Anpfiff überraschte mich die Mannschaftsaufstellung von unserem Trainer Bruno Labbadia. Dass unser Kapitän Delpierre zurückkehren würde, davon war auszugehen. Dass aber nicht Didavi sondern Elson in der Startformation stand, damit war nicht zu rechnen. Ein Elson der lange nicht gut genug war und lange nicht in System passte, der, nach der Verpflichtung von Hajnal faktisch noch mehr aufs Abstellgleis geschoben wurde, ausgerechnet dieser Elson durfte von Beginn an ran. Und das beim Startelfdebut von Hajnal. Erst war beim VfB überhaupt kein Platz für einen Spielmacher, und nun standen auf einmal zwei 10er auf dem Platz. Elson spielte im linken Mittelfeld, auf einer Linie mit Hajnal zentral und Träsch rechts. Kuzmanovic stand als einziger Sechser auf dem Platz, Pogrebnjak und Harnik bildeten das Sturmduo. Überraschend nicht im Kader stand unsere japanische Stürmerhoffnung Shinji Okazaki. Sein Ex-Verein Shimizu S-Pulse verweigere die Spielberechtigung, da er auch dort noch ein gültiges Arbeitspapier habe, und die FIFA habe über diesen Fall zu entscheiden. Ich bin sehr gespannt, wie dieser Fall ausgeht. Nicht dass wir für den ablösefreien Spieler am Ende noch eine Transferentschädigung bezahlen müssen. Da es sich noch um ein schwebendes Verfahren handelt, halte ich mich mit einer Bewertung und eventuellen Schuldzuweisungen zurück. Jaaaa, der VfB!

Der VfB begann eigentlich ganz gefällig, ohne aber richtig gefährlich vor Raphael Schäfers Gehäuse aufzutauchen. Gleich die erste vernünftige Kombination der Franken führte dann aber auf der anderen Seite zum 0:1. Dieses Tor war ein Spiegelbild des VfB in der Saison 2010/11. Es ging viel zu einfach für die Nürnberger, ausgehend von einem Einwurf, dann ein dilettantischer Abwehrversuch von Molinaro zu einem ungedeckten Clubberer, der den Ball ins von Ulreich aus gesehen linke Eck einnetzte. Ich bin mir nicht sicher, ob der Ball haltbar war, stark geschossen war er jedenfalls nicht. Möglicherweise war Ulreich die Sicht etwas versperrt. Aus meiner Perspektive sah es aber so aus, als sei er zu langsam in Richtung Ball abgetaucht. Wie so oft in letzter Zeit führte also gleich der erste Schuss aufs Tor zum 0:1. Dieser Treffer löste für kurze Zeit eine richtige Schockstarre im weiten Rund aus. Die Hoffnungen, die noch vor dem Spiel vorhanden waren, waren bereits nach gut 10 Minuten einer brutalen Ernüchterung gewichen.

Auch den VfBlern auf dem Platz merkte man die Verunsicherung von Minute zu Minute mehr an. Der VfB versuchte zwar das Heft des Handelns in die Hand zu nehmen, hatte mehr Ballbesitz als die Nürnberger, kam aber kaum einmal gefährlich vor das Nürnberger Tor. Hinten war der VfB anfällig, so dass man schon fast von Auflösungserscheinungen sprechen konnte. Bezeichnend dafür das 0:2 durch unsere Leihgabe Julian Schieber. Weder Elson noch Molinaro hinderten Chandler am Flanken, in der Mitte genügte ein Hüpfer von Julian Schieber, um die Lufthoheit gegen Serdar Tasci zu erlangen. Tasci stand völlig neben sich, auch beim 3. Tor erweckte er den Eindruck, dass er das Leihgeschäft Schiebers nach Nürnberg nicht mitbekommen hat und ihn noch als Mannschaftskameraden wähnte. Tasci, der eigentlich in den letzten Wochen aufsteigende Tendenz zeigte, war gestern unterirdisch schlecht. Es war wieder einmal eine Länderspielwoche, in der er wohl mehr darüber lamentierte, nicht in den Kreis der Auserwählten berufen worden zu sein, als seine volle Konzentration auf seine derzeitige Hauptaufgabe, den Abstiegskampf mit dem VfB, zu lenken. Tasci, der ja an einer ausgeprägten Selbstüberschätzung “leidet”, sollte sich, bevor er überhaupt über das Thema Nationalmannschaft nachdenkt, erst einmal wieder dem kleinen Einmaleins auf dem Fußballplatz widmen und sich verdammt nochmal konzentrieren. Gestern war es eine unterirdische Leistung von ihm, genauo wie von Molinaro und Kuzmanovic, die auf ihren Positionen hoffnungslos überfordert waren.

Kurz vor der Pause gelang dem VfB durch ein Glückstor von Patrick Funk der Anschluss, wodurch wieder ein wenig Hoffnung aufkeimte. Diese war aber bereits in der 51. Minute wieder verflogen, als Schieber Tasci problemlos davon lief und dieser punktgenau Chandler bediente. Julian Schieber verkniff sich ganz gentlemanlike einen überschwänglichen Torjubel, da sein Herz doch für den VfB schlägt. Tragisch ist aber trotzdem, dass er mit seiner hervorragenden Leistungen den VfB dem Abgrund wieder ein Stück näher gebracht hat.

Die VfB-Abwehr war spätestens zu diesem Zeitpunkt ein Selbstbedienungsladen geworden. Danach brach die Moral vom VfB komplett, die Nürnberger konnten noch das 1:4 erzielen und hätten auch noch deutlich höher gewinnen können. Doch auch ein 1:4 gegen Nürnberg ist ein Debakel sondersgleichen. Einmal mehr zeigte sich, dass der Kader zu schwach ist, um eine bessere Rolle in der Liga zu spielen als die derzeitige.

Sowohl ein Fredi Bobic, als auch ein Erwin Staudt hatten uns für die Wintertransferperiode Transfers in Aussicht gestellt, die uns weiter bringen würden. Nichts ist geschehen. Ein Japaner, dem die Spielberechtigung fehlt, der sich in einer völlig neuen Welt erst einmal akklimatisieren muss, dazu im Sturm, wo im derzeitigen Kader noch am wenigstens der Schuh drückt. Dazu noch Tamas Hajnal, der obligatorische Last-Second-Transfer, ein Spieler, der in Dortmund ins 3. oder 4. Glied gedrängt worden ist, dem ein gewisser Toni Da Silva den Rang abgelaufen hat für eine Position, die wir eigentlich nicht im Angebot haben. Diese Personalpolitik verstehe wer will. Dass die größte Problemzone die Abwehr bildet, wurde gestern einmal mehr offenkundig. Dass ein Kuzmanovic, der sich analog zu Tasci stets zu höherem berufen fühlt, auch gestern wieder total überfordert war, dass dieser Spieler, der immer wieder mal mit angeblichen Angeboten aus der Serie A kokettiert, dem die Fans nach eigener Aussage sch…egal sind, nicht mit der Schubkarre über den Brenner gefahren wurde, habe ich auch nicht verstanden. Trotz eines Überangebots im defensiven Mittelfeld fehlt es uns dort an Qualität. Ein Typ Marke Van Bommel oder Jermaine Jones, selbst ein Christian Tiffert hätte uns gut getan, getan wurde nichts. Schon nach den verpassten Chancen während der Sommertransferperiode war klar, dass man mit diesem Kader irgendwie in den Winter kommen muss. Jetzt haben wir den Salat und müssen durch bis zum Bitteren Ende, das, und die Gefahr ist seit gestern präsent wie nie, den Abstieg in die 2. Liga bedeuten kann.

Langsam schwindet bei mir die Hoffnung auf ein gutes Ende auf den Nullpunkt. Der VfB hat einfach Baustellen in allen Manschaftsteilen. Der Torwart gefällt zwar durch einige Paraden, strahlt aber insgesamt zu wenig Sicherheit aus, die man im Abstiegskampf braucht. Die gesamte Viererabwehrkette leistet sich zu viele Unkonzentriertheiten und wirkt nicht abgestimmt. Bei Funk wechseln Licht und Schatten. Ihm kann man Fehler noch am ehesten verzeihen, da er ein Greenhorn ist und erst seine erste Bundesligasaison spielt. Dennoch kräht nach Degen, Celozzi oder Boulahrouz als Alternative derzeit kein Hahn.

Was auf der anderen Seite aber Molinaro seit seiner festen Verpflichtung abliefert ist eine Frechheit. Klar profitierte er in der letzten Saison noch von Hleb, mit dem er gut harmonierte. Aber auch in der Rückwärtsbewegung war er in der letzten Saison um Klassen besser, als das was er jetzt abruft. Gestern einfach unterirdisch. Auch die Innenverteidigung taumelt in dieser Saison von einer Verlegenheit in die nächste, egal ob die Protagonisten Tasci, Delpierre, Niedermeier oder Boulahrouz hießen. Zum defensiven Mittelfeld habe ich mich weiter oben schon ausführlich geäußert. Auf den Außenbahnen haben wir jetzt nach den Ausfällen von Boka und Gebhart fast ein Vakuum und eigentlich keine antrittschnellen Spieler mehr, die notwendig wären. Auch hier hätte eine Verstärkung frischen Wind bringen können. Wie Hajnal eingebaut wird, muss sich erst noch zeigen.

Dass wir fußballerisch im Vergleich zur Vorsaison entscheidend an Qualität verloren haben, ist augenscheinlich. Dazu ist kein Häuptling vorhanden, der das Heft des Handelns in die Hand nimmt und die Kameraden mitreißt. Die Spiele plätschern oft leidenschaftslos vor sich hin. Eigentlich müssten Profis ja mit den Hufen scharren, wenn sie nach einer Woche Training herausgelassen werden. Beim VfB ist davon nichts zu spüren. Die ersten Halbzeiten werden regelmäßig verschlafen. Kein Spielwitz, kein Esprit, gestern wieder bis auf Ausnahmen wie Pogrebnjak und Träsch auch kein Kampf und zu wenig Laufbereitschaft. Jeder ist zu sehr mit sich selbst beschäftigt, als dass er der Mannschaft wirklich helfen könnte.  Was hier noch helfen kann? Ich weiß es nicht, vielleicht sollten die Verantwortlichen die Dienste eines Psychologen in Anspruch nehmen, der Blockaden lösen könnte, die auch nach zweimaligem Trainerwechsel noch vorhanden sind.

Apropos Trainerwechsel: noch immer bin ich überzeugt davon, dass die Misere nicht solche Ausmaße angenommen hätte, hätte man an Christian Gross festgehalten. Für mich ist er nach wie vor der beste VfB-Trainer seit langem gewesen. Ausnahmsweise muss ich hier dem ungeliebten W. S. aus KA Recht geben, der kürzlich im Dritten angeprangert hatte, dass ein erfahrener Trainer wie Gross dem Managernovizen Bobic erklären musste, wie er die Mannschaft aus der damaligen Krise zu bringen gedenkt.  Und, dass spätestens nach dem zweiten Trainerwechsel auch der Manager hinterfragt gehört. Für mich jedenfalls hat er die Probezeit nicht bestanden und ist, aufgrund verfrühter Trainerentlassung und verfehlter Personalpolitik einer der Hauptschuldigen der derzeitigen Talfahrt.

Trotz oder vielleicht auch gerade wegen der schweren Zeit werden wir den VfB auch am Donnerstag in Lissabon und am Sonntag in Leverkusen lautstark unterstützen. Eines ist klar, nach den Ergebnissen vom Wochenende ist in Leverkusen ein Sieg Pflicht. Nach der gestrigen “Leistung” eigentlich unvorstellbar aber auch nicht unmöglich, hat Leverkusen doch auch so seine Probleme zu Hause. Allerdings sollten es unsere Jungs tunlichst vermeiden, die Pillendreher ähnlich zum Toreschießen einzuladen, wie die Nürnberger gestern. Es ist eine konzentrierte und couragierte Leistung notwendig, dann kann das Unmögliche möglich gemacht werden.

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31. Dezember 2010

Europa League: VfB freut sich auf Benfica

Category: Presse — Tags: , , , , , , , – Franky @ 07:56

Der VfB Stuttgart und Bayer Leverkusen stehen in der Zwischenrunde der Europa League vor lösbaren Aufgaben. Der in der Fußball-Bundesliga gegen den Abstieg kämpfende VfB hat bei der Auslosung am Freitag in Portugals Meister Benfica Lissabon zumindest einen klangvollen Gegner zugeteilt bekommen. Dagegen muss sich Bayer in den beiden K.o.-Spielen am 17. und 24. Februar mit dem unbekannten Team von Metalist Charkow aus der Ukraine auseinandersetzen. Als Gruppensieger besitzen die deutschen Vereine den Vorteil, im Rückspiel Heimrecht zu haben.

“Ein Champions-League-Absteiger, da braucht man nicht viel zu sagen”, erklärte der neue Stuttgarter Cheftrainer Bruno Labbadia nach der Auslosung durch die Europäische Fußball-Union (UEFA) am Freitag in Nyon (Schweiz). “Eine Top-Mannschaft, ein super-interessantes Los.” National ist Benfica derzeit aber klar hinter Tabellenführer FC Porto zurückgefallen. In der Champions League standen sie in der Gruppe B mit dem FC Schalke 04, schieden als Dritter jedoch aus.

VfB-Sportdirektor Fredi Bobic stellte allerdings sofort klar, dass der Fokus der Schwaben “absolut auf der Bundesliga” liegt. Denn dort steht der VfB vor dem Süd-Schlager am Sonntag (17.30 Uhr) gegen den FC Bayern München auf einem Abstiegsplatz.

Auch Leverkusen geht mit Respekt an die Aufgabe gegen Charkow, den Zweiten der Europa-League-Gruppe I, heran. Wer Sampdoria Genua aus dem Weg räume und 0:0 gegen Eindhoven spiele, “muss ein starker Gegner sein”, erklärte Bayer-Trainer Jupp Heynckes. “Aber ich bin zuversichtlich, dass wir eine Runde weiterkommen.”

Sollten sich die Leverkusener gegen die Ukrainer durchsetzen, würden sie im Achtelfinale am 10. und 17. März auf den Sieger der Partie zwischen dem SSC Neapel und dem FC Villareal treffen. Stuttgart müsste sich im Erfolgsfall mit BATE Borissow aus Weißrussland oder Paris St. Germain auseinandersetzen.

Bei Bayer hatte es am Donnerstag nach dem 1:1 im letzten Spiel der Gruppe B gegen den damit ausgeschiedenen Titelverteidiger Atlético Madrid zwei Sieger gegeben: Heynckes und Rückkehrer Stefan Kießling. “Als der Trainer sagte, ‘lauf dich warm’, war das eine Befreiung”, sagte der 26-jährige Nationalstürmer nach seinem tollen Comeback 88 Tage nach dem Riss eines Syndesmosebands. Kießlings Kopfball-Vorlage nutzte Sturmpartner Patrick Helmes (69. Minute) zur 1:0-Führung, die Fran Mérida (72.) fast postwendend ausglich.

In Kießling und dem ins Training zurückgekehrten Mittelfeldstar Michael Ballack, der eine Fraktur des Schienbeinkopfes auskurieren musste, hat der Verfolger des in der Europa League gescheiterten Bundesliga-Spitzenreiters Borussia Dortmund zwei Trümpfe in der Hand. Doch auch Heynckes sammelte weitere Pluspunkte: Schließlich führte er seine Elf ungeschlagen durch die Gruppenphase.

Dagegen machte in Stuttgart auch der gelungene Einstand von Labbadia im bedeutungslosen Gruppenfinale gegen Odense BK kaum Mut für die Partie gegen die Bayern. “Da war noch viel Sand im Getriebe”, stellte Bobic trotz des deutlichen 5:1 (1:0) fest. “Das darf gegen die Bayern nicht passieren, da brauchen wir ein perfektes Spiel.” Labbadia weiß, “dass wir noch sehr viel Arbeit vor uns haben”.

(STZ online 17.12.2010)

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