13. September 2010

Fehlstart zu Saisonbeginn: Alarmstufe eins beim VfB

Es sind 85 Minuten vorbei, als Joachim Löw einen Zwischenspurt einlegt und sich zügig auf den Heimweg macht. So muss er keine ragen zum VfB beantworten. Das ist gut für ihn, denn wenn der Bundestrainer bis zur 90. Minute geblieben wäre und dann die Wahrheit gesagt hätte, hätte er sich in Stuttgart keine Freunde gemacht. Schließlich konnte jeder im Stadion sehen, dass die Mannschaft in der Krise steckt. Nach dem 1:2 beim SC Freiburg und der dritten Niederlage im dritten Saisonspiel ist der Fehlstart perfekt.

Durch seinen Abgang versäumt Löw eine Szene nach dem Schlusspfiff, die womöglich bezeichnend für die Stimmungslage ist. Wie üblich will sich Timo Gebhart bei den mitgereisten Anhängern für die Unterstützung bedanken. Im Mittelkreis wartet er auf seine Kollegen, die teilweise jedoch schon in der Kabine verschwunden sind. Gebhart winkt aufgeregt. Zumindest einige folgen ihm dann doch noch und marschieren in Richtung Kurve – um auf halber Strecke wieder umzudrehen. Ein Affront gegen die Fans soll das wohl nicht sein. Eher spiegelt sich darin das Innenleben der Mannschaft wider. Es herrscht der Eindruck, dass jeder in erster Linie an sich selber denkt. So spielen sie übrigens auch.

Der Teamgeist fehlt

Diese Entwicklung hat nun sogar Erwin Staudt auf den Plan gerufen. Am Sonntag redete er dem Team eindringlich ins Gewissen. Der Präsident forderte die Profis auf, sich wieder auf ihren Job zu konzentrieren. Das Fazit der Bestandsaufnahme lautete, dass es so nicht weitergehen kann. Staudt betonte, dass er mehr erwartet. Das zeigt: die Verantwortlichen beim VfB sind schon sehr nervös. Es herrscht Alarmstufe eins.

Wenn der Appell an die Spieler nicht fruchtet, wird sich Staudt an den Trainer wenden. So sind die Mechanismen, das weiß Christian Gross. Er ist der Erste, der sich am Samstag in die Katakomben zurückzieht – und danach ziemlich ratlos wirkt. Wie schon zuletzt sagt er erneut, dass die Niederlage unnötig gewesen sei. Oder dass die Gegentore nach Fehlern gefallen seien. Oder dass sich die Mannschaft das selbst eingebrockt habe. Oder dass es nun hart werde. “Wir müssen da bald rauskommen.” Wie das gelingen soll, sagt Gross nicht.

Vielleicht hat auch ihm die Körpersprache in der zweiten Halbzeit zu denken gegeben, als die Spieler mutlos über den Platz gelaufen sind. Da war kein Aufbäumen, kein Wille, kein Zusammenhalt. Der VfB schien auseinanderzufallen und wirkte, als sei er mit den Kräften am Ende – als Folge einer komplizierten Saisonvorbereitung? Jedenfalls gibt es Spieler, die nicht gerade begeistert über die vielen Trainingscamps im Sommer waren. Außerdem wird in der Mannschaft auch über den Sinn der intensiven Belastungseinheiten am Tag vor einigen Europa-League-Spielen diskutiert.

Vorbereitungsphase war schwierig

Allerdings war es auch nicht einfach für Gross, der zum einen dafür sorgen musste, dass der VfB international im Rennen bleibt – und andererseits auch fit in die Bundesliga geht. Zudem konnte der Trainer lange nicht mit dem kompletten Kader arbeiten, wegen der WM und weil viele Neuzugänge erst spät verpflichtet wurden. Dazu passt, dass die im August geholten Johan Audel und Philipp Degen sofort ausgefallen sind und bis auf weiteres fehlen. So kommt ein Problem zum anderen.

Offensichtlich ist beispielsweise auch, dass die Mannschaft keinen Anführer hat – eine Rolle, die Sami Khedira und Jens Lehmann in der Rückrunde zumindest teilweise ausfüllten. Beide sind nicht mehr hier. Der Aushilfskapitän Cacau versucht in die Bresche zu springen, aber dabei verzettelt er sich. Er meint, überall auf dem Spielfeld präsent sein und vieles auf eigene Faust unternehmen zu müssen. Damit wird Cacau für die eigenen Kollegen jedoch noch unberechenbarer als für den Gegner.

Im Mittelfeld harmonieren Christian Gentner und Zdravko Kuzmanovic nicht. Den für diese Position bestens geeigneten Christian Träsch lässt Gross nur als Verteidiger ran. Auch die Entscheidung des Trainers, zu Saisonbeginn trotz schwacher Leistungen auf Georg Niedermeier und Khalid Boulahrouz zu bauen und Serdar Tasci draußen zu lassen, beschäftigt die Mannschaft weiter.

Insofern steht der VfB vor einer wichtigen Woche mit den Spielen am Donnerstag in der Europa League gegen Bern und am Samstag in der Liga gegen Gladbach. Der negative Lauf muss schnell gestoppt werden. Sonst dürfte es nicht lange dauern, bis Erwin Staudt seinen nächsten Auftritt hat.

Freiburg:

Baumann – Mujdza, Barth, Butscher, Bastians – Schuster – Abdessadki, Makiadi, Jäger (49. Nicu) – Cissé (83. Toprak), Reisinger (57. Yano).

Stuttgart:

Ulreich – Träsch, Niedermeier, Tasci, Molinaro – Kuzmanovic, Gentner – Camoranesi (61. Gebhart), Didavi (76. Boka) – Pogrebnjak (76. Harnik), Cacau.

Schiedsrichter:

Sippel (München).

Tore:

0:1 Pogrebnjak (27.), 1:1 Cissé (58.), 2:1 Schuster (71.).

(STZ 13.9.2010)

VN:F [1.9.7_1111]
Rating: 0.0/10 (0 votes cast)
VN:F [1.9.7_1111]
Rating: 0 (from 0 votes)
10. Juli 2010

Oskar-Beck-Kolumne: Ein Rambazamba-Gefühl wie 72

Category: Glossen/ Kolumnen — Tags: , , , , , , , – Franky @ 08:15

In den letzten Wochen sind die Geschichtsschreiber weltweit und scharenweise wie elektrisiert aufgesprungen, haben ihre Federn mit Tinte gefüllt und mit rauchenden Köpfen für die Nachwelt das Unfassbare festgehalten. Deutschland spielt Fußball! Richtigen Fußball, lockeren, leichten, lebensbejahenden Fußball, Passfußball, manchmal nahe der Perfektion. Nein, für die Spanier reicht es immer noch nicht, mit denen können sich unsere Schweinsteigers erst nächstes Mal messen – aber mit den Beckenbauers und Netzers von früher womöglich schon jetzt? “Das ist die beste deutsche Mannschaft, in der ich gespielt habe”, hat Philipp Lahm schon nach dem 4:0 gegen Australien behauptet, und jetzt, wo alles noch viel schöner gekommen ist, schlagen sich die Gelehrten die Köpfe ein beim Streit um die Frage, wo er historisch einzuordnen ist, dieser neue deutsche Fußball.Ist er gar besser als der von 1972? “Lassen wir die Kirche im Dorf”, hat Miroslav Klose darauf kürzlich in der Pressekonferenz im DFB-Camp geantwortet – das war allerdings noch vor den gefühlten 8:0-Freudenfesten gegen England und Argentinien.

1972 – wir müssen ihn für die Zuspätgeborenen erklären, diesen Fußball der damaligen Europameister. Er war streckenweise so unbeschreiblich, dass ihn Gerd “Bomber” Müller, der Strafraumschreck, dankenswerterweise sogar besungen hat. Sein autobiografischer Schlager geht so: “Dann macht es bumm, ja und dann kracht’s, und alles schreit: Der Müller macht’s!” Er hat es gemacht, und wie. Vom “Traumfußball des Jahres 2000″ schwärmte die Pariser “L’Equipe”, und “Bild” jubelte in voller Breite und Balkenhöhe: “Rambazamba!”

Der 72er-Fußball war ein Gedicht

Der Ramba war Beckenbauer und der Zamba war Netzer. Günter Netzer, der Playboy, war der Stratege diese unfassbaren Mannschaft, er stand für eine neue Ballkultur, er war der Beckham von damals, fuhr Ferrari, flankierte schöne Frauen mit großen Ohren, führte die Discothek “Lovers Lane”, trug die Haare schulterlang, und sein Spiel war der Ausdruck seines Lebensgefühls – er schlug hemmungslose Steilpässe, und aus jenem unwiderstehlichen, unvergesslichen Solo, das er beim damaligen Viertelfinal-3:1 gegen die Engländer in Wembley aus der Tiefe des Raumes hinlegte, würde man heute einen Videoclip basteln, unterlegt mit fetziger Rockmusik, und Netzer wäre damit wochenlang die Nummer eins in den Hitlisten.

Dieser 72er-Fußball war ein Gedicht, und Helmut Schön, der Trainer, hat noch kurz vor dem Totenbett geschwärmt: “Wenn es mir schlecht geht, hole ich mir das Video mit unserem Wembley-Spiel raus.” Also: Spielen wir heute wieder wie 72? Wir werden es nie erfahren. “Damals hat noch ein ganz anderer Fußball stattgefunden”, hat Jogi Löw dieser Tage erklärt – und was er meint, lässt sich am besten mit einem rückblickenden Schwenk in die Wutrede von Rudi Völler vor ein paar Jahren beschreiben, hören wir noch mal kurz rein: “Der Netzer soll sich nicht aufblasen, das war doch Standfußball damals!” So ist es: unwiderstehlicher, unvergleichlicher, traumhafter Standfußball war das, und die Betonung liegt auf unvergleichlich – wer diesen Traumfußball aus dem letzten Jahrtausend mit dem von Südafrika 2010 vergleichen will, der kann genauso die Frage stellen, ob der Regen 1972 nässer oder trockener war als der von 2010.

Sicher ist nur so viel: Wir spielen schöner und besser als 1996. Zwar sind wir damals Europameister geworden, aber nur, weil wir den heutigen Manager als Brechstange dabei hatten. “Der Bierhoff kann nix”, hatte vorher der Exbomber Müller persönlich erklärt, aber wenigstens köpfen konnte dieser Rumpelkicker. Sicher ist außerdem: wir spielen heute schöner und besser als die Vizeweltmeister von 2002. Die haben sich damals den drei deutschen Tugenden “Kahn, Kampf und Kopfball” (TV-Reporter Marcel Reif) hingegeben, sonst wären sie nicht im WM-Finale gelandet, sondern schon nach der Vorrunde wieder auf dem Rhein-Main-Flughafen, Lufthansa, Holzklasse.

Wir spielen wieder richtigen Fußball

Das war, verglichen mit heute, alles Schwerstarbeit, die Füße haben sich unsere Helden auf dem Weg ins Finale verstaucht, und noch bis 2004 hatte die deutsche Spielkunst derart die Schwindsucht, dass der ARD-Experte Netzer innere Krämpfe bekam, wenn er sah, dass da “fußballerisch mit Mitteln gearbeitet wird, die der Verzweiflung nahekommen”. Das war 72 anders.

Und 2006 ist es dann, Gott, Klinsmann und Löw sei Dank, schlagartig wieder besser geworden, und der Erste auf der Welt, der den Wandel bemerkte, war der große Rumäne Gheorghe Hagi. Aufgrund seines Ballzaubers war der früher bekannt als Karpaten-Maradona, und als Feinschmecker schnalzte er plötzlich mit der Zunge: “Heute steht bei den Deutschen ein Piccolo wie Lahm auf dem Platz – an der Stelle, wo früher ein Baum stand.”

Aber besser als 72? Damals war gleiche Höhe noch abseits, es gab andere Schuhe und ein anderes Tempo. “Sogar seit 2002″, hat Miroslav Klose gesagt, “ist der Fußball schon wieder viel schneller und dynamischer geworden.” Lassen wir also das Rätselraten – und belassen es bei dem Gefühl: Wir spielen heute wieder richtigen Fußball.

(STZ online)

VN:F [1.9.7_1111]
Rating: 0.0/10 (0 votes cast)
VN:F [1.9.7_1111]
Rating: 0 (from 0 votes)
9. Juli 2010

Nach der Niederlage: Der Blick ins Leere

Die Bewässerungsanlage des Rasens hat längst ihren Dienst aufgenommen, das Moses-Mabhida-Stadions von Durban ist schon fast menschenleer. Oben, unter dem Dach der Arena, stehen noch ein paar Spanier und schwenken beglückt ihre rot-gelben Fahnen. Und unten auf der Trainerbank sitzt Per Mertesacker. Eine halbe Ewigkeit sitzt er dort, neben ihm hat Oliver Bierhoff Platz genommen, der Teammanager der Nationalmannschaft, und leistet Beistand. Hin und wieder tauschen sie ein paar Worte aus. Und starren ansonsten ins Leere. Eine Stunde später kommt Per Mertesacker aus der Kabine. Der lange Verteidiger wankt mehr, als dass er geht, eine Wasserflasche hat er in der Hand und nimmt ab und zu einen Schluck. Zwischendrin versucht er Worte für das zu finden, was er nicht begreifen kann: dass Deutschland gegen Spanien mit 0:1 verloren und den Einzug ins Endspiel auch bei dieser Weltmeisterschaft verpasst hat. “Wir sind ans Limit gestoßen”, sagt er, “wir haben es wieder nicht geschafft, im entscheidenden Moment unsere beste Leistung zu zeigen.”

Wie vor vier Jahren in Deutschland ist die DFB-Auswahl auch bei der WM in Südafrika kurz vor dem großen Ziel gescheitert. Dramatisch war sie damals, die 0:2-Niederlage gegen Italien in Dortmund, wo die beiden Gegentreffer erst in den allerletzten Minuten der Verlängerung fielen. Unspektakulär war der Spielverlauf dieses Mal – die Spanier waren von der ersten Minute an das eindeutig bessere Team. Also gibt es hinterher kein verzweifeltes Schluchzen und Weinen – dafür aber ist die Ernüchterung umso größer.

Die Spanier haben ihr Spiel weiter perfektioniert

Die Deutschen hatten geglaubt, sie seien ganz nahe herangerückt an die spanischen Großmeister des Kurzpassspiels, die für den Bundestrainer Joachim Löw das Vorbild sind. Sein Team hatte gegen England und Argentinien überragende Leistungen geboten und gehofft, nun auch dem ganz großen WM-Favoriten auf Augenhöhe begegnen zu können. Dann allerdings mussten die Spieler erkennen, dass Spanien eben doch noch eine Nummer zu groß ist, so wie es auch im EM-Finale 2008 in Wien der Fall gewesen war.

“Wir haben den Abstand verringert”, sagt der Kapitän Philipp Lahm und verweist auf die beiden Torchancen von Mesut Özil vor und Toni Kroos nach der Pause, die beim Stand von 0:0 das Spiel in eine andere Richtung hätten lenken können. Eine Standardsituation benötigten die Spanier danach, um durch den brachialen Kopfball von Carles Puyol zum Siegtreffer zu kommen. “Das macht es besonders bitter”, sagt der Assistenztrainer Hansi Flick.

All das ändert aber nichts daran, dass der Europameister auch diesmal als hochverdienter Sieger das Feld verließ. Deutschland hat seit 2008 große Fortschritte gemacht. Doch sind auch die Spanier nicht stehen geblieben und haben ihre Kunst seither noch weiter perfektioniert. Sie mögen bei der WM bis zum Halbfinale nur das Nötigste getan und nicht geglänzt haben. Dann aber boten sie ihre mit Abstand beste Leistung und erteilten dem Gegner Anschauungsunterricht.

“Der Mut und die Überzeugung haben gefehlt”

Sehr anschaulich beschreibt Miroslav Klose die Spielweise der Spanier, die jeden Gegner vor fast unlösbare Probleme stellt. “Wenn sie im Ballbesitz sind, rennt man vom einen zum nächsten, versucht in die Zweikämpfe zu kommen – und kommt doch fast immer zu spät. Da läuft der Ball hin und her, und man muss dauernd hinterherlaufen, um die Löcher zu schließen”, sagt der Stürmer, “und wenn man dann mal selbst an den Ball kommt, hat man nicht mehr die Kraft und die Frische, um eigene Akzente und Konter zu setzen.”

Die Spanier seien “reifer” gewesen, sagt Mertesacker, sie würden ja auch schon seit Jahren zusammenspielen. “Woher soll das bei uns kommen?” Natürlich hat er recht. Was die deutsche Mannschaft bei dieser WM geleistet hat, ist viel mehr als ihr die meisten zugetraut hatten. Sie ist so schnell gewachsen, dass man glaubte, sie sei auch schon in der Lage, die Spanier zu schlagen.

Die Spieler hatten vor der Partie selbst daran geglaubt – doch dann “haben uns der Mut und die Überzeugung gefehlt”, sagt Lahm. Man müsse “akzeptieren, dass es nicht ewig nach oben geht mit so einer jungen Mannschaft, die erst seit sieben Wochen zusammen ist”, sagt Joachim Löw. Höher als den dritten Platz bei der WM 2006 stuft Oliver Bierhoff schon jetzt die deutschen Leistungen bei dieser WM ein. “Wir hatten hier nicht die Unterstützung, den Schwung aus der Heimat”, sagt der Manager, “die Mannschaft war noch unerfahrener, sie ist jünger und hatte noch weniger Zeit, sich zu finden.” Insofern sei die Leistung “etwas größer als vor vier Jahren”.

Die große Zeit dieser Mannschaft wird noch kommen

Was bleibt ist die Hoffnung auf die Zukunft, auf den nächsten Anlauf beim nächsten Turnier. Die große Zeit dieser Mannschaft werde noch kommen, davon sind alle überzeugt. “Wir haben die Chance, in den nächsten Jahren ganz oben mitzuspielen”, sagt Philipp Lahm, “wenn wir so weitermachen, haben wir eine große Zeit vor uns.” Doch im Moment ist dies nur ein schwacher Trost. Auch der Kapitän weiß: “Man hat nicht bei jeder WM die Möglichkeit, ins Finale zu kommen.”

In der Nacht um drei kehrt der deutsche Tross aus Durban ins Teamhotel nach Pretoria zurück. Wie üblich ist ein reichhaltiges Buffet vorbereitet. Doch diesmal bedient sich fast niemand, und auch auf das Feierabendbier verzichten die meisten Spieler. Sie machen sich schnell auf den Weg in ihre Zimmer, sie wollen allein sein mit sich und ihrer Enttäuschung.

Sie haben auch keine Lust, sich nach der Rückkehr in die Heimat am Brandenburger Tor in Berlin den Fans zu präsentieren, so wie nach den vergangenen beiden Turnieren. Diesmal begeben sich die Spieler auf direktem Wege in den Urlaub. “Es wäre unpassend, sich zwei Tage nach dem Spiel um Platz drei feiern zu lassen”, sagt Lahm.

Eine letzte Pflicht steht in Südafrika noch bevor, das kleine Finale gegen Uruguay am Samstag Abend in Port Elizabeth. Einige Reservisten wie Serdar Tasci und Dennis Aogo werden dann zum Einsatz kommen, als Belohnung für die gute Trainingsarbeit. Mit Anstand und am besten mit einem Sieg wollen sich die Deutschen verabschieden, ehe sie am Sonntagabend in den Flieger steigen, der sie zurück in die Heimat bringt. Wenn in Johannesburg der neue Weltmeister gekürt wird, hat das deutsche Team das Land schon verlassen.

(STZ online)

VN:F [1.9.7_1111]
Rating: 0.0/10 (0 votes cast)
VN:F [1.9.7_1111]
Rating: 0 (from 0 votes)
3. Juli 2010

Podolski steht bereit, Cacau auch?

Auch einen Tag vor dem Showdown gegen Argentinien zeigte sich Bundestrainer Joachim Löw weiterhin entspannt, aber auch sehr auf die bevorstehende Partie konzentriert. Bei der abschließenden FIFA-Pressekonferenz im Green-Point-Stadion in Kapstadt sprach er von der großen “Vorfreude” des gesamten Teams, wurde aber auch nicht müde, auf die Gefährlichkeit des Gegners hinzuweisen. Planen kann er für das Duell gegen die “Gauchos” mit Lukas Podolski und möglicherweise auch mit Cacau.

Podolski, der am Vortag nicht am Training teilnehmen konnte, ist am Morgen noch wegen seiner leichten Muskelverhärtung behandelt worden. Beim Abschlusstraining zeigte sich der Kölner aber präsent, hinterließ einen ordentlichen Eindruck und nährt damit die Hoffnung auf einen Einsatz. Auch Cacau sendete ein positives Zeichen. Der Stuttgarter absolvierte zunächst ein Spezialprogramm und stieg dann überraschend mit ins Teamtraining ein.

Tasci muss passen

Sollte Podolski wider Erwarten passen müssen, hätte Löw keine Bedenken, für ihn beispielsweise Marko Marin, Marcell Jansen oder auch Toni Kroos spielen zu lassen. “Sie sind gute Alternativen. Jeder unserer Spieler kann für das Team eine gute Leistung bringen.” Im Training herrsche auch bei den Reservespielern weiter ein “unglaublich gutes Niveau”. Nicht gefährdet ist der Einsatz von Mesut Özil, dem Löw am Donnerstag eine Trainingspause gegönnt hatte. Fehlen wird höchstwahrscheinlich Abwehrspieler Serdar Tasci. Der 23-jährige, bislang noch ohne Einsatz, laboriert an einem grippalen Infekt.

“Wir schätzen sie als Fußballer”

Befragt zu den leichten Sticheleien von Bastian Schweinsteiger in Richtung Argentinien versuchte der Bundestrainer etwas die Luft herauszulassen: “Er hat seine Meinung geäußert, wir haben Meinungsfreiheit. Aber wir haben sicherlich keinen mangelnden Respekt vor Argentinien.” Auf dem Platz sei der Gegner natürlich aggressiv und oft am Rande der Legalität (“Das ist auch ihre Stärke”), das Spiel würde ein “Fight auf Biegen und Brechen” werden. Dennoch: “Wir schätzen sie als Fußballer.” Auch vor vier Jahren habe Löw die Partie bis zum Elfmeterschießen “keinesfalls als brutal empfunden”. Emotionen gehörten natürlich zu dieser Mannschaft dazu. Schweinsteiger hatte über den Gegner gesagt: “Es geht schon vor dem Spiel los, wie sie gestikulieren und versuchen, den Schiedsrichter zu beeinflussen. Das ist respektlos, aber die Argentinier sind so.”

Artig lobte Löw anschließend die “fast unvergleichliche Offensive” des Teams von Trainer Diego Maradona. “Nicht nur Messi ist schwer unter Kontrolle zu bringen. Auch Tevez und Higuain könnten Spiele entscheiden. Und auf der Bank säßen noch Spieler vom Schlage eines Milito. “Wir dürfen uns keinen Fehler leisten”, weiß Löw. Dass Maradona seine Mannschaft vorsichtiger agieren lässt als in den Spielen zuvor, glaubt der deutsche Trainer nicht. Vielmehr erwartet er ein Offensivspektakel: “Maradona hat als Spieler mit seinem Können alle verzaubert. Er hat immer offensive Akzente gesetzt und das als Trainer beibehalten.” Beide Teams hätten die Möglichkeit, das Spiel in der Offensive zu entschieden.

Bilder aus der Heimat als Motivationsspritze

Ausdrücklich weist Löw darauf hin, dass das deutsche Spiel auch weiterhin von seiner Ordnung und auch der Disziplin der Spieler lebe. Jeder wisse, was er zu tun habe: “Wenn wir Räume zu sehr öffnen und wenig Laufarbeit verrichten, haben wir keine Chance.” Und natürlich seien seine Spieler bereits “bis in die Haarspitzen” motiviert. Bilder von jubelnden Fans in der Heimat beim Public Viewing würden zur zusätzlichen Motivation dienen.

Offensichtlich gestaltet sich die Vorbereitung auf ein mögliches Elfmeterschießen schwieriger als noch vor vier Jahren: “Sie haben heute viele gute Elfmeterschützen. Damals reichte ein Zettel. Diesmal könnten wir Manuel Neuer einen ganzen Katalog überreichen”, so Löw humorig. Daher wolle das DFB-Team die Partie auch möglichst in 90 Minuten entscheiden.

Und wenn es nichts wird und das Viertelfinale Endstation sein wird? Löw überlegt kurz und sagt dann: “Ich bin ein Trainer, der nicht alles von einzelnen Ergebnissen oder Platzierungen abhängig macht. Mit den bisherigen Spielen können wir zufrieden sein.” Auch bei der Niederlage gegen Serbien habe das Team eine gute Leistung gezeigt. “Es ist auch wichtig, dass man sein Heimatland gut repräsentiert. Wir haben gezeigt: Die Mannschaft spielt nicht nur miteinander, sondern auch füreinander.”

(kicker.de)

VN:F [1.9.7_1111]
Rating: 0.0/10 (0 votes cast)
VN:F [1.9.7_1111]
Rating: 0 (from 0 votes)
28. Juni 2010

Müller schießt England ab


Deutschland setzte sich im Klassiker gegen England eindrucksvoll mit 4:1 durch und setzte damit ein ganz dickes Ausrufezeichen. Wieder einmal war es ein geschichtsträchtiges Spiel, in dem Klose mit der brasilianischen Fußball-Legende Pele gleichzog, England erstmalig vier Tore gegen Deutschland kassierte, aber auch vom Schiedsrichter benachteiligt wurde – außerdem spielte sich Thomas Müller bei der Gala-Vorstellung ins Rampenlicht.

Bundestrainer Joachim Löw brachte Klose, der beim 1:0 gegen Ghana Gelb-Rot-gesperrt gefehlt hatte, wieder von Beginn an. Cacau musste wegen einer Bauchmuskelzerrung passen. Die angeschlagenen Schweinsteiger (muskuläre Probleme) und Boateng (Wade) wurden rechtzeitig fit. Englands Coach Fabio Capello hingegen setzte auf exakt dieselbe Elf, die 1:0 gegen Slowenien gewonnen hatte.

Der gegenseitige Respekt war beiden Mannschaften von Beginn an anzumerken. So tasteten sich die Kontrahenten in der ersten Viertelstunde weitestgehend ab und waren hauptsächlich auf Fehlervermeidung bedacht. Das aktivere und spielerisch bessere Team war dabei die DFB-Auswahl. Allerdings fehlte es den Löw-Schützlingen zunächst an Zug zum Tor, so dass Özils Chance vom rechten Fünfereck, die James in der vierten Minute parierte, lange Zeit die einzige ernsthafte Möglichkeit des dreifachen Weltmeisters war.

Doch auch von den Engländern, die stark über die Physis kamen und in den Zweikämpfen sehr präsent waren, kam offensiv kaum etwas. Dies lag vor allem an zahlreichen Fehlpässen und ideenlosen Angriffsversuchen. Meist ging es durch die Mitte, während über die Außen nahezu nichts kam. In der 20. Minute leitete schließlich ein präziser Abstoß von Neuer die Führung ein: Der Ball landete bei Klose, der in seinem 99. Länderspieleinsatz Upson abschüttelte und aus zehn Metern ins rechte untere Eck einnetzte (20.). Der Bayern-Stürmer stand beim Zuspiel zwar im Abseits, allerdings existiert dieses laut Reglement bei Abstoß, Ecke und Einwurf nicht. Folglich gab an seinem 50. Länderspieltreffer und seinem 12. WM-Tor nichts zu mäkeln. Zugleich zog Klose damit in der ewigen Torjägerliste bei Weltmeisterschaften mit Brasiliens Fußball-Legende Pele nach Treffern gleich.

Die “Three Lions” reagierten rasch und intensivierten ihre Angriffe. Hierdurch eröffneten sich Freiräume für die deutschen Akteure, die teils mit sehenswerten Kombinationen bei Kontern weiter die besseren Gelegenheiten kreierten. In der 31. Minute scheiterte Klose aber noch an James, während es nur eine Minute später Podolski besser machte. Müller bewies tolle Übersicht und passte über Johnson hinweg nach links zum Kölner, der aus spitzem Winkel James tunnelte und ins rechte Eck einschoss.

Deutschland schien alles in der Hand zu haben, doch England schaffte noch den Anschlusstreffer: Gerrard flankte von rechts in die Mitte, wo Mertesacker und Boateng Upson nicht angingen. Der Innenverteidiger stieg hoch und köpfte aus fünf Metern unter die Latte ein. Auch Neuer sah dabei nicht wirklich gut aus. Nur eine Minute später fiel sogar noch das 2:2! Lampard zog aus 17 Metern ab. Das Leder prallte an die Unterkante der Latte und klar hinter die Linie, von dort erneut an die Latte und anschließend in die Arme von Neuer. Zum Glück für das DFB-Team verweigerte Schiedsrichter Jorge Larrionda aus Uruguay den klaren Treffer, so dass die Löw-Elf mit der knappen 2:1-Führung in die Pause gehen durfte.

Ohne personelle Wechsel ging es nach dem Seitenwechsel, dafür mit einer DFB-Elf, die sich zu weit nach hinten zurück zog und weite Teile des Feldes den Engländern überließ. Diese nahmen das Angebot an und näherten sich durch Milner (48.) und Gerrard (49.) dem gegnerischen Gehäuse an. Kurz darauf hatte Lampard mit einem gewaltigen Freistoß aus 35 Metern erneut Pech, als das Leder nur an die Oberkante der Latte knallte (52.).

Der Druck der Briten wurde von Minute zu Minute größer, während Deutschland nur noch selten für Entlastung sorgen konnte. Allerdings stellte sich die deutsche Abwehr zusehends besser auf die wütenden Angriffe der Engländer ein und sorgte schließlich in 67. Minute vor die Vorentscheidung. Bei einem Freistoß waren die “Three Lions” zu weit aufgerückt und wurden eiskalt ausgekontert: Müller passte auf Schweinsteiger, der Johnson austanzte und zum mitgelaufenen Youngster zurückpasste. Müller vollendete schließlich aus 15 Metern halbrechter Position fulminant ins kurze Eck.

Nur zwei Minuten danach hätte Müller sein Torekonto ausbauen können, dieses Mal zielte er aber ein Stück zu weit nach rechts. In der 70. Minute machte es Müller wieder besser: Bei einem Konter ließ Özil Barry ganz locker stehen, drang dann in den Strafraum ein und legte quer zu Müller – 4:1. England zeigte sich danach geschockt, nichts war mehr vom zuvor an Tag gelegten Offensivdrang zu sehen. Deutschland hatte nun keine Mühe mehr, die Begegnung zu kontrollieren. Neuer bekam nur noch einmal etwas zu tun: Zehn Minuten vor dem Ende hatte Gerrard aus 14 Metern gegen den Schalker-Keeper das Nachsehen. Das war dann aber auch die letzte nennenswerte Aktion der Partie.

Deutschland trifft nun am kommenden Samstag, den 3. Juli um 16.00 Uhr in Kapstadt im Viertelfinale auf Argentinien, das Mexiko mit 3:1 ausschalten konnte – eine Neuauflage der WM 2006!

(kicker.de)

VN:F [1.9.7_1111]
Rating: 0.0/10 (0 votes cast)
VN:F [1.9.7_1111]
Rating: 0 (from 0 votes)