9. Februar 2019

Chaostage!

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , – Franky @ 09:59

Gefühlt die ganze Vorrunde wurde den verlorenen Punkten gegen Mainz und Freiburg nachgetrauert, um die Rückrunde mit exakt derselben „Ausbeute“ zu starten. Von einer Aufholjagd (noch) keine Spur.

Dabei war das Spiel gegen den SC Freiburg ein Spiegelbild des Hinspiels. Früher Rückstand, vergebene Großchance zur Vorentscheidung, plötzliche Führung des VfB, um sich am Ende doch noch den Ausgleich einschenken zu lassen.

Bei so viel Dummheit über den Schiedsrichter herzuziehen und ihn für das nicht gewonnene Spiel verantwortlich zu machen, ist mir zu billig. Wiederholt liegt man in einem eminent wichtigen Spiel kurz nach Anpfiff in Rückstand, wiederholt fällt dieses Tor, weil die Unseren im Rückraum nicht Herr der Lage sind.

Weiß man darum, dass es dem VfB in dieser Saison nicht gelingt, einen Rückstand in einen Sieg umzumünzen, sollten wenigstens in den ersten Minuten, wenn man noch frisch ist, des Trainers Worte in den Ohren hallen und seine Vorgaben noch im Gedächtnis verankert sein, und sich nicht wie eine Schülermannschaft überrumpeln zu lassen.

Fällt dann das 0:2 oder fliegt Pavard berechtigterweise vom Platz, müssen wir nämlich nicht mehr über eine gelb-rote Karte in der 89. Minute und ein Tor in der vierten Minute der Nachspielzeit reden.

Aytekin ist selbstredend auch für mich ein rotes Tuch, die Bilanz bei Spielen, die er uns pfiff, niederschmetternd. Gerade dann erwarte ich von einem erfahrenen Spieler wie Mario Gomez, dass er nicht wegen zwei fast identischer Situationen vom Platz fliegt.

Ein Schiri, der uns nicht wohlgesonnen ist, pfeift sogenannte Kann-Entscheidungen nun einmal kategorisch gegen uns. Wäre Gomez nicht so aufreizend gemächlich vom Platz geschlichen, wäre die Nachspielzeit vielleicht auch etwas kürzer aus- und der Ausgleich nicht gefallen. Ein guter Schiedsrichter merkt sich nämlich das Zeitspiel der Freiburger über Dreiviertel des Spiels und pfeift dann auch mal pünktlich ab, wenn sie hinten liegen, um sie am Ende nicht auch noch dafür zu belohnen. Aber, Aytekin ist eben KEIN guter Schiedsrichter!

Dass die Nerven beim VfB derzeit blank liegen, offenbarte sich nicht nur bei Pavards völlig überflüssiger Tätlichkeit auf dem Platz, sondern kurz nach dem Spiel auch in den VIP-Logen des Neckarstadions. Bei Sky90 lederte Thomas Berthold über den VfB ab und bezog sich dabei auf die Quelle Guido Buchwald. Dumm nur, dass dieser im Aufsichtsrat sitzt und durch Schnellrichter Wilfried Porth umgehend und vor versammelter Mannschaft abgewatscht, und, schlimmer, lt. Buchwald auch für den desaströsen Tabellenstand verantwortlich gemacht wurde.

Eben jener Porth, bei dem immer die anderen schuld sind und der seinerzeit schon unwürdig gegen Luhukay nachgetreten hatte.

Nach „einer Nacht ohne Schlaf“ trat Guido Buchwald als Aufsichtsrat zurück, womit die Chaos-Tage beim VfB endgültig eröffnet waren.

Ohne Thomas Bertholds Ausführungen zu hoch zu bewerten, lassen sie doch tief blicken. Es sind immer dieselben, die nach ihrer Karriere wenig bis nichts auf die Reihe bekommen haben, die sich bei sportlicher Schieflage zu Wort melden. Timo Hildebrand gab kurz darauf seinen Senf dazu, der nächste in Person von Maurizio Gaudino ist dann am Sonntag bei Sport im Dritten zu Gast.

Die Kernaussage Bertholds stimmt allerdings. Einen ehemaligen Fußballer in den Aufsichtsrat zu setzen, der ständig überstimmt wird, also nichts mitzubestimmen hat, ist ein reines Alibi, um die Öffentlichkeit zu beruhigen. So verschallte der Hilferuf Buchwalds Ende letzten Jahres, als er die Allmacht Reschkes anprangerte und so wurde er nun eben von Porth zurechtgestutzt, was ganz gut offen legt, wer beim VfB das Sagen hat.

Der von Wirtschaftsbossen dominierte Aufsichtsrat ist seit Jahren die Wurzel allen Übels. Er war es, der Dietrich ins Amt hievte, er ist es, der Dietrich gewähren und sich sämtlicher Kritiker in den eigenen Reihen entledigen lässt. Inzwischen blickt man fast schon neidisch nach Hamburg, wo Marcell Jansen zum Präsidenten gewählt wurde, dem es zugetraut wird, die Fans mitzunehmen und den Verein zu einen.

Beim VfB ist das krasse Gegenteil der Fall. Ein Präsident, den insgesamt nur etwa 3% der Mitglieder gewählt haben, der ohne Gegenkandidat fast noch gescheitert wäre und der diejenigen, die für die Ausgliederung gestimmt haben, arglistig getäuscht hat.

Auf einer Veranstaltung des OFC Highlander in Ummendorf verteidigte Dietrich die Schindelmeiser-Entlassung erneut, „dass es nicht mehr ging“.

Mit Schindelmeiser und Wolf stand der VfB für etwas, sie verliehen dem VfB eine Identität, mit der sich wiederum die Fans identifizierten und ihnen wurde fast blind vertraut, so dass die Ausgliederung durchging. Dass man diese Entscheidung für immer nicht an den (damals) handelnden Personen festmachen darf, wollten die meisten, benebelt von der Aufstiegseuphorie, nicht hören.

Da Dietrich nicht dumm ist, wusste er das natürlich und so verschob er die längst beschlossene Entlassung Jan Schindelmeisers bis hin zum Ende der Einspruchsfrist gegen die Ausgliederung und zeigte fortan, wie er mit dem Votum der Mitgliederschaft umzugehen gedenkt.

Ich bin weit davon entfernt, Jan Schindelmeiser in den Stand eines Heiligen zu erheben, auch unter seiner Ägide war nicht alles Gold was glänzte, auch bei ihm saß nicht jeder Transfer.

Aber, er bildete eine fruchtbare Symbiose mit Hannes Wolf, die beiden hatten klare Vorstellungen davon, wie der VfB wahrgenommen soll und wie er spielen sollte. Mit Wolf war ein Trainer da, der zu 100% dafür stand, Rohdiamanten unter seine Fittiche zu nehmen, sie besser zu machen und sie weiterzuentwickeln.

Daher interessiert es mich heute auch überhaupt nicht, wenn darauf hingewiesen wird, wo der eine oder andere Spieler jetzt landete und dass er in seiner Entwicklung stagniert. Die Chance, sich bei Hannes Wolf zu entwickeln und durchzustarten, hätten alle gehabt.

Zu dieser Zeit war es den Verantwortlichen wichtig, dass die Jungs charakterlich dazu passen und es gerecht zugeht. Leistungsverweigerer, Stinkstiefel und ein Kevin Großkreutz, der inakzeptabel über die Stränge schlug, wurden dem Mannschaftsgeist zuliebe abgegeben oder vor die Tür gesetzt.

Ein funktionierendes Konstrukt wurde in kürzester Zeit wegen persönlicher Eitelkeiten zerrissen.

Bei Jan Schindelmeiser wussten die Mitglieder die Ausgliederungs-Millionen in guten Händen. Er war bekannt dafür, gerne den ersten vor dem zweiten Schritt zu machen und warf das „frische“ Geld nicht gleich auf Anhieb mit vollen Händen zum Fenster raus.

Er war zudem bekannt dafür, was Dietrich offensichtlich nicht passte, Transfers im stillen Kämmerlein auszutüfteln und die Leute dann erst zu informieren, wenn es etwas zu vermelden gab. Über anstehende Transfers las man nicht schon Tage vorher in der Presse, von außen betrachtet machte Schindelmeiser einfach einen guten Job.

Dass Dietrich bis heute die wahren Gründe des Rauswurfs nicht nennt, lässt tief blicken und befriedigt mich in keiner Weise. Als Vereinsmitglied sehe ich es nicht ein, mich mit einem „basta“ abspeisen zu lassen, zumal die Schindelmeiser-Entlassung den Wendepunkt einer hoffnungsvollen VfB-Zukunft darstellt.

Wäre ein Nachfolger gekommen, der alles noch ein wenig besser als Schindelmeiser gemacht hätte und vor allem einer, zu dem Hannes Wolf einen ähnlich guten Draht entwickeln hätte können wie zu Schindelmeiser, könnte man dies (nicht die Umstände!) vielleicht noch akzeptieren.

So jedoch nicht, und mit einem „hinterher ist man immer schlauer“, wie es in Ummendorf unzählige Male zu hören war, erst recht nicht.

Wie ein Elefant im Porzellanladen knallte Wolfgang Dietrich dem Hannes Wolf den Karnevalsprinzen aus Frechen vor den Latz.

Wolf schien von der Schindelmeiser-Entlassung ähnlich überrascht wie die Öffentlichkeit, was nicht für eine besondere Wertschätzung Dietrichs für Wolf spricht, auch wenn Dietrich (ja, lügen ist salonfähig beim VfB) stets beteuert, wie gerne er Hannes Wolf behalten hätte.

Ein Sportdirektor und ein Trainer müssen auf einer Wellenlänge funken, sonst funktioniert es früher oder später nicht mehr. Reschke konterkarrierte bereits mit seinen ersten Amtshandlungen, alles, für was Wolf gestanden hatte und was er mit dem Team vor hatte.

Wurde ein Christian Gentner im Sommer noch angezählt und ihm klipp und klar gesagt, dass die Zeit der Stammplatzgarantien vorbei sei und er wie jeder andere um seine Position kämpfen müsse, hat der Karnevalist nichts anderes zu tun, gleich bei seinem ersten Spiel im Pokal in Cottbus, die Wichtigkeit und Unverzichtbarkeit des Kapitäns in höchsten Tönen zu loben.

Stand der VfB für jung und wild und entwicklungsfähig, waren Reschkes erste Transfers Badstuber, Aogo und Beck. Statt jung und hungrig hieß es fortan alt und satt. Keinen Deut Wichtigkeit maß Reschke auch bei seinen weiteren Transfers einem funktionierenden Team und einer harmonierenden Mannschaft bei.

Identifikationsfiguren wie Terodde und Ginczek ließ man ziehen, Mentalitätsspieler oder auch nur welche, die die Stimmung in der Kabine hochhielten, ebenso. Stattdessen wurde wild eingekauft und dabei knapp 50 Millionen Euro ausgegeben, ohne sich überhaupt damit befasst zu haben, wie sich die Neuen integrieren lassen und ob der Trainer (Korkut) überhaupt etwas mit ihnen anfangen kann.

So entstand die Mär, dass der VfB mit diesem Kader eigentlich nicht absteigen kann. Ja, von den Einzelspielern her sicher nicht, doch, Fußball ist aber noch immer Mannschaftssport und dass es in der Mannschaft Probleme gibt, weiß man nicht erst seit den öffentlichkeitswirksamen Disziplinarstrafen gegen Donis, Borna Sosa und Maffeo.

Hatte Schindelmeiser seinerzeit noch versprochen, sich vor Neuverpflichtungen das familiäre Umfeld eines Profis genau anzusehen und dann abzuwägen, ob es mit Spieler XY passen könnte, genügt Reschke ein Tipp von Pep Guardiola, Dieter Hoeneß oder Karlheinz Förster.

Das ist äußerst dilettantisch, wenn man diesen einstigen Perlentaucher nicht stoppt, werden die Millionen weiter ohne Sinn und Verstand verprasst. Der nächste Investor soll ja in den Startlöchern stehen und mit weiteren 50 Millionen Euro wedeln, wahrscheinlich sabbert Reschke jetzt schon.

Das größte Sorgenkind heißt derzeit Maffeo. Der von Pep Guardiola empfohlene Spanier scheint überhaupt nicht integrationswillig zu sein, wie man seit dem Trainingslager in La Manga immer wieder hört und liest. Der Junge kam sicherlich mit großen Hoffnungen her und wollte sich in der Bundesliga durchsetzen. Ob er sich das leichter vorgestellt hat oder seine Anfangsmotivation dem Frust gewichen ist, sich hinter einem langsamen und alternden Andreas Beck anstellen zu müssen, weiß ich nicht.

Kein guter Stil und einem hohen Erlös nicht förderlich, war es von Reschke und Dietrich, Maffeo bereits nach einem halben Jahr als Flop einzustufen und den Jungen der Öffentlichkeit zum Fraß vorzuwerfen. Im Sündenböcke suchen sind sie spitze, die Porths, die Dietrichs, die Reschkes!

Dass Maffeo daher kein gutes Haar am Verein lässt und, wie im Laufe dieser Woche bekannt wurde, gar Neuzugang Ozan Kabak gestenreich mitteilte, in welchem Irrenhaus er gelandet ist, ist nicht allzu verwunderlich.

Bezeichnend dabei war, dass es Özcan, der inzwischen für den HSV die Fußballschuhe schnürt, gewesen sein soll, der die Situation erkannte und Kabak von Maffeo wegzog. Bezeichnend deshalb, weil man offensichtlich wieder einen hergegeben hat, der sich mehr mit dem VfB identifiziert hat, wie alle Neuzugänge, Stand jetzt, zusammen.

So wie es kein guter Stil von Dietrich war, derart in der Öffentlichkeit den Stab über Maffeo zu brechen, zeugt es von schlechter Kinderstube, gegen Schindelmeiser nachzutreten, wie Dietrich es in Ummendorf getan hatte.

Wörtlich meinte er „Er war vor seinem Engagement bei uns fünf Jahre ohne Job im Fußball und ist es jetzt seit zwei Jahren auch nicht mehr. Die Nachfrage nach ihm ist offenbar nicht sonderlich groß.“

Dass Schindelmeiser sich schon damals, als er beim VfB vorgestellt wurde, dahingehend äußerte, dass er sein Leben ohne feste Verpflichtungen sehr genossen und dem VfB nur zugesagt habe, weil ihn die Aufgabe besonders gereizt habe, erwähnte Dietrich nicht. Auch nicht, dass es sich mit der VfB-Abfindung für Schindelmeiser sicher ganz gut leben lässt.

Zum Verkauf von Daniel Ginczek meinte er nur, „er wollte weg“. Hab ich richtig gehört? Hat man nicht in den schönen „Sendung mit der Maus-Videos“ zur Ausgliederung gerade damit geworben, künftig selbst Herr der Lage sein und Spieler halten zu können? Auch das, wie ich schon vor der Ausgliederung geschrieben habe, eine Lüge und im heutigen Fußball-Business nicht realistisch.

Der Rücktritt Guido Buchwalds könnte eine Lawine ins Rollen gebracht haben. Das morgige Auswärtsspiel in Düsseldorf ist für alle Beteiligten ein Endspiel. Sollte verloren werden, dürfte weder Markus Weinzierl bei dann 11 Niederlagen in 15 Spielen noch zu halten sein und auch Reschke dürfte man kaum seinen Fehlgriff Nummer drei aussuchen lassen. Sollte Reschke krachend scheitern, was ich ja fast hoffe, muss als Konsequenz auch Wolfgang Dietrich seinen Hut nehmen, um den Weg für einen unbelasteten Neuanfang freizumachen.

Die Gerüchteküche brodelt in dieser Woche wie selten zuvor. Der kicker brachte als mögliche Weinzierl-Nachfolger Markus Gisdol und Felix Magath ins Gespräch, was, typisch für die heutige Medienlandschaft, von nahezu allen einschlägigen Online-Portalen aufgegriffen und 1:1 wiedergegeben wurde.

Mich graut es vor beiden Namen und ich hätte es mir gewünscht, mit Weinzierl die Saison zu Ende bringen zu können.

Bei Felix Magath bin ich jedoch zwiegespalten. Ich fand es eine geile Zeit damals, auch wenn sein Abgang unrühmlich war. Jedoch dürfte sein Zauber verflogen und seine antiquierten Trainingsmethoden nicht mehr zeitgemäß sein.

Einen gewissen Charme jedoch, das möchte ich nicht verhehlen, hätte es für mich, die Jungs anstatt bei Plusgraden in dicken Schals eingehüllt bepackt mit Medizinbällen den Rotenberg hoch rennen zu sehen.

Da aber jeder Trainer davon abhängig ist, dass die Mannschaft ihm folgt und beim VfB ein Jeder im Team weiß, wie man sich eines unliebsamen Übungsleiters zu entledigen hat, hätte diese Konstellation wohl nur eine kurze Verweildauer.

Der Name Ralf Rangnick schwebt auch seit einigen Tagen über dem Cannstatter Wasen. Halte ich für unrealistisch. Zum einen sitzt Rangnick in Leipzig im gemachten Nest und wird sich mit seinen nunmehr 60 Jahren kaum mehr dieser Herkulesaufgabe annehmen.

Zum anderen würde er einen solchen Job auch nur machen, wenn er vollständige Entscheidungsbefugnis hat, was den machtgeilen Herren in Vorstand und Aufsichtsrat nicht gefallen dürfte. Die werden sich nach Reschke die nächste Marionette ins Haus holen, so dass sich beim VfB wohl so schnell nicht viel ändern wird.

Dass wir sportlich noch die Kurve kriegen, glaube ich nicht. Diese Mannschaft ist tot. Die einen wollen und können nicht (mehr), für die Anderen ist der VfB ein Arbeitgeber wie jeder andere auch, so dass sie jetzt schon ausloten dürften, ob ihnen ein Abstieg persönlich mehr bringt, als der Ligaverbleib. Die wenigsten stemmen sich dagegen, die große Gleichgültigkeit macht sich breit. Wenn denn ein Funke vom Rasen überspringt, dann dieser.

So freue ich mich auch auf Düsseldorf mehr über das Drumherum und mache mir keine Illussionen, endlich einen anderen VfB erleben zu können. Vermutlich wird es, um weiterhin synchron mit dem Hinrundenstart zu sein, ein schmuckloses Remis, das Düsseldorf mehr entgegenkommen dürfte, als dem VfB. In diesem Sinne, bringts gut hinter Euch!

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2. März 2015

Zum Sterben zu viel, zum Leben zu wenig

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , , – Franky @ 21:47

So in etwa ordne ich den Punkt in Hannover ein. Da uns schon seit geraumer Zeit nur Siege tatsächlich weiterhelfen würden, überwiegt nach wie vor die Enttäuschung. Natürlich ist ein Punkt in Hannover, wo wir schon einige Zeit lang nicht mehr gewonnen haben, aller Ehren wert. Dennoch wurde es verpasst, ein weiteres Team mit unten hineinzuziehen und auf dieses Druck auszuüben.
Stevens sprang zwar tatsächlich seit einer gefühlten Ewigkeit mal wieder über seinen eigenen Schatten und stellte offensiver auf als zuletzt. Alexandru Maxim stand ebenso in der Startelf wie auch Daniel Ginczek, der zuletzt bei den Amateuren vorspielen musste. So kehrte wenigstens etwas mehr Spielkultur ein und man hatte den Eindruck, dass etwas, auch nach vorne, gehen könnte. Da unsere Jungs, allen voran Martin Harnik, jedoch nicht von heute auf morgen ihre technischen Mängel ablegen konnten, war das Spielniveau dem Tabellenstand der beiden Teams entsprechend, nämlich äußerst armselig.
Da Timo Baumgartl kurzfristig krank (!?) ausgefallen war, rückte Daniel Schwaab in die Innenverteidigung an die Seite unseres zuletzt torgefährlichsten Mannes Georg Niedermeier. Wie fragil die Mannschaft derzeit ist, zeigte sich darin, dass bereits diese eine Umstellung dazu führte, die ohnehin große Verunsicherung in der Defensive noch zu verschlimmern. Einem minderbemittelten Gegner, der mit sich selbst und gegen das ebenfalls unruhige Hannoveraner Umfeld zu kämpfen hatte, musste man schon die Bälle selbst auflegen, dass dieser Torchancen kreieren konnte. Dies tat Georg Niedermeier vorzüglich, als er als letzter Mann den Ball an Joselu verlor, so dass dieser freie Bahn hatte. Dieser wiederum schloss überhastet ab und lupfte den Ball über den Kasten.
Im Stadion herrschte eine merkwürdige Stimmung. Der VfB-Block, mit über 2.000 Unentwegten gut gefüllt, war durchgängig zu hören, auch auf der Haupttribüne. Die 96er ihrerseits müssen schon die komplette Saison auf überbordende Unterstützung verzichten, da die 96er-Ultras aufgrund schwerwiegender Differenzen mit der Clubführung um Martin Kind ausschließlich die eigenen Amateure unterstützen. So war aus der 96er-Kurve nur sporadisch „Kind muss weg“ zu hören, was von den anderen Tribünen jedoch stets mit Pfiffen quittiert wurde.
Das Tischtuch zwischen den Ultras, dem Verein, aber auch den „Normalo-Fans“ auf der anderen Seite ist spätestens seit Ende der letzten Saison zerschnitten. Nach dem schon einige Konflikte, beispielsweise dem bezüglich der Häufigkeit der Verwendung von Pyro-Technik und der Umlegung der Strafen auf die aktiven Fans, länger schwelten, wollte 96 für das Auswärtsspiel in Braunschweig für die Anreise nur von der Polizei begleitete Konvois zulassen, wogegen Auswärtsdauerkarteninhaber erfolgreich geklagt hatten. Der Verein stellte daraufhin einen Befangenheitsantrag gegen die zuständige Richterin, so dass sie nicht mehr rechtzeitig zugunsten der Kläger entscheiden konnte. Ein Affront gegen die Fans, die daraufhin für den Rest der letzten Saison den Support einstellten, den Protest gegen Kind jedoch ausweiteten. Dadurch kam es dann zu allem Überfluss auch noch zu Streitigkeiten mit den Normalos, die in Kind den Gottvater von 96 sehen, der die Geschicke des Vereins schon viele Jahre mit Herzblut und auch recht erfolgreich leitet.
Wenn man so möchte, war das ein Vorgeschmack darauf, wohin der moderne Fußball steuert, wenn der aktive Fan ausgegrenzt wird und jedes Mittel Recht ist, den Fußball zu verteuern und unbequeme, allzu kritische Kundschaft, einfach mal ausgesperrt wird. Die Atmosphäre erinnerte etwas an die in englischen Stadien, bis auf wenige Gesangseinlagen, in denen auf allen Tribünen das „96 ole“ zu vernehmen war, war es ruhig und fast gespenstisch, so dass wir im Unterrang sogar vereinzelt Rufe auf dem Feld wahrnehmen konnten.
Nach dem Platzsturm der Kölner Chaoten in Gladbach waren schon wieder Rufe nach einer Abschaffung der Stehplätze zu hören, so dass der Weg zwar schleichend ist, man aber den Eindruck hat, jede „Gelegenheit“ soll genutzt werden, um diese Diskussionen wieder anzuheizen und um eines Tages wie in England reine Sitzplatzarenen und ein zahlungswilligeres (und unkritischeres) Publikum zu bekommen.
Ganz aktuell blickt ja die Liga neidisch nach England, wo in naher Zukunft über 3 Milliarden Euro Fernsehgelder pro Saison in den Fußball fließen werden, etwa das Vierfache dessen, was die Bundesliga aus seinen Fernsehverträgen einnimmt.
Müssen wir das noch mitmachen und dafür den Preis der weiteren Zerstückelung der Spieltage und damit einhergehend wohl auch von noch kurzfristigeren Terminierungen bezahlen? Ein Montagspiel haben, womöglich eines zum Frühschoppen und noch am späten Samstag- oder Sonntagabend? Von mir hierzu ein ganz klares Nein. Für die Aussage von DFL-Boss Seifert im Fernsehen, „was wollt ihr denn, wir haben ja bereits ein Montagspiel“, dieser Termin stelle ja überhaupt keine Veränderung dar, fällt mir nichts mehr ein. Zum einen haben wir hier bisher „nur“ ein Zweitligaspiel, zum anderen stößt dies aber bei niemandem auf Gegenliebe. Was hat denn der Fernseh-Zuschauer und vor allem der Fan im Stadion davon, wenn in die Liga das Vierfache an Euronen gepumpt wird?
Bekomme ich meine Dauerkarte dann geschenkt? Nein, diese wird weiterhin Jahr für Jahr teurer werden, auch hier genügt ein Blick auf die Insel. Die einzigen Profiteure davon wären die Spieler, Berater und Funktionäre, also diejenigen, die bereits heute schon überbezahlt sind. Soll ich eine weitere Zerstückelung der Spieltage gutheißen, nur damit ein Spieler wie Gentner anstatt geschätzt 2,5 Millionen jährlich das Doppelte einstreicht? Nicht einmal die Vereine werden dadurch reicher werden, da sie in der Regel die eingenommenen Gelder wieder reinvestieren und sich, na klar, teurere Spieler damit leisten können. Auch dann wird es Vereine geben, die mehr und welche, die weniger investieren können, was auch dann noch zu Neid und den einen oder anderen Verein zu Größenwahn verleiten dürfte.
Die DFL muss aufpassen, sich durch diesen Größenwahn kein Eigentor zu schießen. Der englische Fernsehmarkt ist ein anderer als bei uns, dort sind mehr Leute bereit dazu, immense Summen fürs Pay-TV zu bezahlen als hierzulande. Für Sky Deutschland dürfte mittlerweile fast das Ende der Fahnenstange erreicht sein, man merkt, wie schwer sie sich tun, neue und vor allem langjährige Abonnenten zu gewinnen. Je fanunfreundlicher die Anstoßzeiten werden, desto weniger Leute werden ins Stadion gehen und desto trostloser wird die Atmosphäre in den Stadien sein. Man merkt es ja bereits jetzt, beim Freitagabend-Termin, wie viele Plätze, auch die von Dauerkarteninhabern, leer bleiben, einfach, weil es sich nicht jeder leisten kann und möchte, zu übernachten, und eine Rückfahrt, zumindest mit öffentlichen Verkehrsmitteln oft nicht mehr möglich ist. Manch ein Verein hat Einzugsgebiete seiner Fans von mehreren hundert Kilometern, diese werden als erste fern bleiben.
Um zurück zum Boykott der 96-Ultras (und einiger Gruppierungen anderer Vereine) zu kommen. Die Vereine müssen den Spagat hinbekommen, sich zwar nicht die Vereinspolitik von den Ultras diktieren zu lassen, auf der anderen Seite aber stets bestrebt sein, einen Konsens mit ihnen zu finden. Es handelt sich hier durchaus um eine gegenseitige Abhängigkeit, bei der der eiserne Besen einfach der falscheste Ansatz ist. Wohl nicht zufällig steckt 96 gerade in dieser Saison im Abstiegsstrudel fest, in der sie der Bann des Liebesentzugs der Ultras getroffen hat…
Das Spiel war insgesamt geprägt von einer enormen Nervosität auf beiden Seiten, so dass es lange richtig niveauarm vor sich hin plätscherte. Beide Teams waren im Jahr 2015 noch sieglos, daher war die beiderseitige Verkrampfung auch irgendwie nachzuvollziehen.
Durch einen Abwehrfehler der Hannoveraner hatte Christian Gentner in der 52. Minute plötzlich freie Bahn, tauchte allein vor Zieler auf und erzielte mit links das 0:1. Erstmals in der Rückrunde lagen wir in Führung und waren dem so lang ersehnten Sieg sehr nah. Ein offensiver Doppelwechsel von Korkut aber brachte die Wende für die 96er. Einen solchen doppelten Offensivwechsel hätte Stevens überhaupt nicht vollziehen können, saß mit Kostic doch sage und schreibe nur ein einziger Offensivmann auf der Ersatzbank. Ibisevic wurde, nachdem der Entschluss gereift war, auf Ginczek in der Spitze zu setzen, gleich ganz zu Hause gelassen, hatte er nach Einwechslungen unlängst doch keine herausragenden Jokerqualitäten nachgewiesen. Der VfB hatte zwar in der Drangphase der Hannoveraner noch eine Chance durch Gentner, war aber jetzt mehr und mehr hinten gefordert und kassierte auch folgerichtig noch den Ausgleich. Nach verlorenem Kopfballduell von Niedermeier gegen Joselu kam der Ball in die Mitte, wo Stindl völlig frei stand und keine Mühe hatte, den Ball aus fünf Metern ins Tor zu bugsieren. Weder Sakai noch Schwaab waren hier auf der Höhe!
In der Nachspielzeit wurde es dann noch einmal turbulent. Als Stindl bei Freistoß für uns den Ball nicht herausrücken wollte, stieß Harnik ihn um und sah glatt rot, während Stindl, kurz zuvor verwarnt, „nur“ gelb-rot vor die Nase gehalten bekam. Von der Tribüne sah es für mich danach aus, dass Harnik auf gelb für beide spekuliert hatte, was das Aus lediglich für Stindl bedeutet hätte. So hatte er sich verkalkuliert und heute die Quittung dafür erhalten: zwei Spiele Sperre. Schon seit einiger Zeit rege ich mich nicht mehr darüber auf, wenn uns der eine oder andere Spieler eine Zeitlang fehlen wird. Brach früher schon mal eine Welt wegen eines „Verlustes“ zusammen, sehe ich es heute positiv und bin dankbar, diesen Spieler mal zwei Spiele nicht ertragen zu müssen. Ich mag Harnik eigentlich, erkenne bei ihm auch den Willen und merke ihm an, wie angefressen er ob unserer Lage ist, aber, was er seit einiger Zeit schon spielt, ist katastrophal, so dass ihm und uns die Pause gut tun wird. Schade nur beim VfB im Jahre 2015, was Besseres wird kaum nachkommen.
Am Ende stand also ein leistungsgerechtes Unentschieden, das den Hannoveranern wohl mehr nützen dürfte als uns. Wir treten auf Platz 18 auf der Stelle und brauchen bald, wenn wir nicht ganz gehörig aufpassen, ein Fernglas, um überhaupt den Relegationsplatz noch erspähen zu können. Die Reaktionen der Fans nach dem Spiel waren weitestgehend freundlich, bei einer möglichen Niederlage gegen Hertha BSC Berlin dürfte die Stimmung allerdings endgültig kippen.
Die Szenen nach dem Dortmund-Spiel waren schön und gut und vielleicht auch notwendig, um zu einem neuen Wir-Gefühl zurückzukehren. Die Wut der Fans richtet sich ja auch weniger gegen die einzelnen Spieler sondern gegen diejenigen, die die Spieler geholt und die letzte Saison nicht als letzten Schuss vor den Bug verstanden hatten. Für die katastrophale Zusammenstellung des Kaders können die Spieler ja nichts. Dass sie mit Absicht schlecht spielen, möchte ich ihnen auch gar nicht unterstellen, sie können es eben (leider) nicht besser.
Erschreckend fand ich die Szenen von vor gut einer Woche in der Cannstatter Kurve aber dennoch. Absolut untypisch in einer solchen Situation, dass enttäuschte Fans die Spieler aufrichten und ermutigen müssen und dies nicht andersherum der Fall ist.
Nachdem die Mannschaft seit Wochen nach den Spielen kaum weiter als bis zur Strafraumgrenze ging, um die Unmutsäußerungen in Empfang zu nehmen, führte Ersatzkapitän Georg Niedermeier da Team in die Kurve, um sich dem Anhang zu stellen. Was sich dann abspielte, war schon zwar herzzerreißend aber eben auch grotesk. Sie standen da wie kleine Kinder, gegen die sich die Welt verschworen hat, der Zuspruch der Fans muss sich da wie Balsam auf ihren geschundenen Seelen angefühlt haben.
Sie menschelten zwar, gaben aber zugleich auch ein jämmerliches Bild ab. Wir haben es mittlerweile offensichtlich nicht nur mit einem Qualitätsmangel im Team zu tun sondern auch noch mit nervlichen Wracks. Diese Verunsicherung war in Hannover greifbar. Die Füße zitterten, bei Ulle waren es die Hände. Gleich zwei Mal entglitt ihm ein sicher geglaubter Ball aus den Händen. Daher wiegt es doppelt schwer, den Sack in Hannover nicht einfach zugemacht und etwas fürs Selbstvertrauen getan zu haben. Jetzt müssen sie, komme was wolle, diesem immensen Druck standhalten und gegen Hertha BSC ohne Wenn und Aber gewinnen. Wenn mein Eindruck über den derzeitigen Zustand ihres Nervenkostüms nur annähernd zutrifft, ist der eine oder andere bestimmt schon jetzt feucht in der Hose, beim Gedanken daran, nächsten Freitag vor gut 40.000 Zuschauern beweisen zu müssen, dass er überhaupt noch eine Daseinsberechtigung im Oberhaus hat. Zusätzlich zur mangelhaften Qualität, zur miserablen Kaderzusammenstellung, zum aufgrund der letzten Ergebnisse und Darbietungen geschwundenen Selbstvertrauen kommen nun auch noch massive Versagensängste hinzu, die lähmen und einfachste Dinge nicht mehr gelingen lassen. Eigentlich hilft in einer solchen Situation nur noch ein guter Psychologe, der allerdings in begrenzter Zeit schon Wunderdinge vollbringen müsste, um diese Häufchen Elend wieder aufzurichten.
Das ist ein Problem, das meine Hoffnungen auf ein erfolgreiches Zu Ende bringen der Saison fast gegen null schrumpfen lässt.
Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, Robin Dutt die obligatorischen 100 Tage der Einarbeitung zuzugestehen und mich, trotz meiner Vorbehalte, mit Kritik an ihm zurückzuhalten. Die dramatische Tabellensituation und das Taumeln der Mannschaft in Richtung Zweiter Liga lassen mich von dem Vorhaben nun doch leicht abrücken. Ob es Zufall ist oder nicht, dass Werder Bremen seit seiner Entlassung die Liga mit begeisterndem Fußball aufmischt, sei dahingestellt. Jedenfalls schätzte er offensichtlich die vorhandene Qualität falsch ein, was die Frage aufwirft, ob er sie denn nun in Stuttgart richtig einschätzt, wenn er meint, die Qualität unserer Truppe wäre ausreichend, um die Liga zu halten. Wie er bei Interviews in der Trainerfrage herumeiert, wie er gequält lustig wirken möchte, das passt wie die Faust aufs Auge zur Außendarstellung, die der Verein uns schon seit einigen Jahren zumutet. Wenn es nicht so traurig wäre, könnte man sagen, da haben sich zwei gesucht und gefunden.
Dass Huub Stevens sich jetzt auch nur noch in Sarkasmus flüchtet und nicht gerade den Eindruck erweckt, mit vollem Herzen dabei zu sein, kann ich inzwischen sogar nachvollziehen. Er wird sich mittlerweile fragen, wo er hier hin geraten ist und weshalb er sich diesen Zirkus ein zweites Mal angetan hat. Wenn von oben kein klares Statement pro Stevens abgegeben wird, wenn die regionale Presse unwidersprochen Namen in den Ring werfen darf, die bereit stünden, sollte Stevens in Hannover oder jetzt aktuell gegen Hertha verlieren, dann ist es allzu verständlich, dass ein Mann, den man im letzten Mai noch auf Händen getragen hat, nur geduldig darauf wartet, bis man ihm den blauen Brief gibt.
Heute findet eine (turnusgemäße) Aufsichtsratssitzung statt, vielleicht kommen ja diese Herren dann schneller als gedacht zur Erkenntnis, dass sie sich von Stevens und Stevens wiederum von uns besser heute als morgen erlösen müssten. Der VfB muss diese Schmierenkomödie schnellstmöglich beenden, sind wir doch ohnehin schon das Gespött von ganz Fußball-Deutschland. Wenn Stevens sagt „die vier Monate werde ich auch noch überstehen“ und Dutt zum Besten gibt „Der Trainer und ich sind zu dem Ergebnis gekommen, dass wir einen Aufwärtstrend sehen“ ist es höchste Eisenbahn diesem Dilettantenstadel ein Ende zu setzen.
Stevens sendete ja schon seit dem Hoffenheim-Spiel (nicht erhörte) Hilferufe, weil er offensichtlich mit seinem Latein am Ende ist und mit dieser „Mannschaft“ nicht weiter kommt. Ihm, wie auch den Experten in den einschlägigen Diskussionsrunden, wird schlagartig plausibel, weshalb Armin Veh wohl von heute auf morgen die Brocken hingeschmissen hat.
Wenn denn der „richtige“ Zeitpunkt gekommen ist und wir Trainer Nummer sechs in den letzten 1 ½ Jahren suchen, hoffe ich, dass es nicht ein Alexander Zorniger oder sonst ein Konzepttrainer wird, der bereits den Aufbau und die Planungen für die zweite Liga forcieren soll. Zum einen befürchte ich dann, dass der Abstiegstrainer schneller verbrannt wäre, als er gucken könnte, zum anderen würde ich eher befürworten, einen Lautsprecher und Motivator an Land zu ziehen, der hier eine Minute vor Zwölf noch so etwas wie eine Aufbruchsstimmung entfachen könnte und der den Glauben (sofern er denn vorhanden ist) an den Klassenerhalt vorleben würde. Mir schweben da dann eher Typen wie Felix Magath, Christoph Daum, Peter Neururer oder Hans Meyer vor, die eine Menge Erfahrung haben und die auch den ganz großen Druck von der Mannschaft nehmen und auf sich selbst fokussieren würden.
Seit Stevens (wieder) hier ist, hatte ich die Hoffnung, dass er der nach Vehs Rücktritt die bestmögliche Lösung war und er uns erneut zum Klassenerhalt führen würde.
Jetzt aber wundere ich mich über jeden zusätzlichen Tag, an dem er unser Cheftrainer bleibt.
Das aus dem Grund, weil er offensichtlich resigniert hat und sicherlich (verständlicherweise) nicht dazu bereit ist, die Brocken selbst hinzuschmeißen, und auf eine Abfindung zu verzichten. Auf der anderen Seite aber wartet er förmlich darauf, bis man ihm die Papiere gibt, und er diesem Irrenhaus endliche entkommen kann.
Ich hatte dies in Ansätzen nach seinem „Ratlos-Interview“ direkt nach dem Hoffenheim-Spiel thematisiert, dass er im Grunde nach solchen Aussagen sofort abgelöst gehört. Dutt ist natürlich näher dran, daher schenkte ich ihm Glauben, als er dies abtat, nach dem Last-Minute-Knockout wäre Stevens sehr frustriert gewesen. Wenn man Stevens aber seither beobachtet hat, verdichten sich die Anzeichen, dass dies ein erstes Signal in Richtung Aufgeben war und er jetzt häppchenweise nachlegt, bis es schließlich irgendwann auch unsere Koryphäen in Aufsichtsrat und Vorstand kapieren. Wartet man bis zur Niederlage gegen Hertha BSC, um den längst fälligen Schlussstrich zu ziehen, hat man in fast aussichtsloser Lage im Abstiegskampf sage und schreibe drei Spiele verstreichen lassen, und ein weiteres Absacken in der Tabelle billigend in Kauf genommen.
Wie schon bei den zu späten Entlassungen von Labbadia, Schneider und Bobic, vom Zaudern bei Zu- und (nicht erfolgten) Abgängen von Spielern ganz zu schweigen, werden notwendige Entscheidungen einfach ausgesessen und aufgeschoben anstatt im Sinne des Vereins notwendige, auch unbequeme, Entscheidungen zu treffen. Wer die Vereinspolitik bestimmt, wer diese Entscheidungen zu treffen hat, ist bekannt. Vielleicht erhält Robin Dutt ja heute in einer Sitzungspause eine Audienz und es werden Nägel mit Köpfen gemacht. Ob und inwieweit Präsident Wahler in solche Gedankenspiele eingebunden ist, weiß ich nicht. Er lässt sich in diesen Krisenzeiten weder sehen noch hören.
Es ist ein durch und durch peinliches Bild, das der VfB in diesen Tagen abgibt. Wir alle stehen vor einem Scherbenhaufen, der Verein mit mehr als einem Fuß bereits in der zweiten Liga, wir sind das Gespött der Fußballnation und das nicht nur der Außendarstellung sondern auch der blutleeren Leistungen auf dem Platz wegen. Alles deutet daraufhin, dass wir nun die Quittung für die jahrelang andauernde Misswirtschaft erhalten und dies auch noch völlig zu Recht.
Meine Hoffnungen auf ein glückliches Ende sind auf dem Tiefpunkt. Natürlich haben wir noch elf Spiele Zeit, natürlich haben wir in fünf Heimspielen lösbare Aufgaben, aber, wie die gelingen sollen kann ich mir in Anbetracht eines einzigen Heimsieges in dieser Saison nicht vorstellen. Zu schlecht die Mannschaft, zu katastrophal der ganze Verein im Moment und dazu haben wir uns noch einen Sportvorstand ohne jegliche rote Identifikation ins Haus geholt, der lieber den lustigen Maxe gibt und sich hinter Durchhalteparolen versteckt, statt Lösungsansätze aufzuzeigen und sein Dasein zu rechtfertigen.
Für die restlichen Spiele, die ich, so Gott und der Terminierungsverantwortliche der DFL will, alle machen werde, wünsche ich allen Leidensgenossen viel Kraft und immer ein erfrischendes Kaltgetränk in der Hand, ohne ist das Elend nämlich immer schwerer zu ertragen!

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26. August 2012

Verpatzter Auftakt

Der VfB hat den Saisonauftakt 2012/2013 vermasselt. Eigentlich begann der Tag ja wieder super! Aufgrund des Europa League Playoff Rückspiels bei Dynamo Moskau bereits am kommenden Dienstag, konnte die Auftaktbegegnung gegen Wolfsburg nach zähem Ringen doch noch von Sonntag auf Samstag vorverlegt werden. Das allerdings zur ungewohnten Anstoßzeit um 20.45 Uhr, so spät hatte in 49 Jahren Bundesliga noch nie zuvor eine Begegnung begonnen. Schon traditionell fand vor dem ersten Heimspiel auch in diesem Jahr die Karawane Cannstatt statt, die wie immer ein farbenfrohes und lautstarkes Spektakel bot und der sich immer mehr Brustringträger anschließen.

Der VfB schien für den Auftakt gut gerüstet. Dem lockeren Aufgalopp in Babelsberg gegen den SV Falkensee-Finkenkrug im DFB-Pokal folgte die Geduldsprobe im Hinspiel gegen Moskau, die der VfB letztendlich mit Bravour bestand.

Dass es gegen den VfL Wolfsburg ein schweres Spiel werden würde, war mir von vornherein klar. Der VfL kalkuliert diese Saison mit einem 90 Millionenetat und startet erneut einen Großangriff auf die Champions League Plätze. Dagegen kommt der VfB mit seinem 40 Millionenetat ziemlich bescheiden daher. Anders als in den Jahren zuvor wirken die Wolfsburger Einkäufe auch nicht planlos sondern sehr wohl bedacht. So fällt es auch nicht ins Gewicht, dass ein Helmes mit Kreuzbandriss ein halbes Jahr lang ausfällt, wenn man dafür einen Olic und einen Dost aufbieten kann. Auch die im letzten Jahr löchrige Innenverteidigung wurde mit Pogatetz, Naldo und dem zuletzt verliehenen Kjaer gut verstärkt. Hinter den Spitzen wirbelt der geläuterte Diego wie in besten Zeiten. In den letzten Jahren war es immer von Vorteil schon früh auf die Wölfe zu treffen, da diese naturgemäß einige Zeit brauchten, um sich einzuspielen, präsentierte Felix Magath doch während des geöffneten Transferfensters fast täglich neue Spieler. Nicht so in diesem Jahr, die Mannschaft wirkt homogen und eingespielt und ist wohl, so schwer es fällt dies auszusprechen, eine andere Hausnummer als der VfB.

Trotzdem war die Niederlage unnötig und sehr ärgerlich. Die Wolfsburger waren zwar fast die gesamte Spieldauer über reifer und zielstrebiger in ihren Aktionen als der VfB. Wenn man aber zwei Minuten vor Spielende beim Stand von 0:0 einen zumindest diskussionswürdigen Elfmeter zugesprochen bekommt, muss man dieses Geschenk einfach annehmen. Entgegen des ungeschriebenen Fußballgesetzes, dass der gefoulte Spieler den Elfer nicht selbst schießen sollte, trat Ibisevic an und vergab kläglich. Dass er dann noch den Nachschuss fast in Slapstickmanier in den Nachthimmel setzte, ist eigentlich unfassbar. Leider stand unser etatmäßiger Strafstoßschütze Kuzmanovic nicht auf dem Platz. Dennoch liegt es mir fern, den Stab über Ibisevic zu brechen, er ist und bleibt einer unserer wichtigsten Spieler und ein Stück weit auch Lebensversicherung. Bitter war eben, dass sich der VfB unmittelbar nach dem vergebenen Elfer auskontern ließ, Boka zu spät raus rückte, um die Flanke zu verhindern und Tasci und Maza Dost aus den Augen verloren und ungehindert einköpfen ließen.

Die Gründe für die Niederlage liegen woanders. Der VfB hat einfach keinen Diego in der Mittelfeldzentrale, der das Spiel schnell machen und Situationen antizipieren kann. Hajnal hat schon bessere Zeiten erlebt und Kvist ist eben ein Spieler, der den sicheren Rückpass bevorzugt und das Spiel gestern zu sehr verlangsamt hat. Gerade gegen einen gut gestaffelten Gegner wünscht man sich schnörkelloses, schnelles Spiel nach vorne, anstatt ihm jedes Mal zu gestatten, sich neu zu formieren. Auch die Standardsituationen, meist von Diego getreten, waren klar besser als die kläglichen Hereingaben, oft von Traore, die Benaglio fast ausnahmslos problemlos herunter pflücken konnte. So gehörte die erste Halbzeit den Gästen und der VfB war mit dem torlosen Remis zur Pause gut bedient. Mit der Hereinnahme von Torun und später auch Cacau wurde der VfB nach der Pause gefährlicher und zielstrebiger, doch richtig zwingend wurde es auch im zweiten Durchgang selten.

So gesehen war der Sieg der Wölfe nicht unverdient und aufgrund der finanziellen Möglichkeiten auch logisch.

Der VfB hat jetzt zunächst einmal den schweren Gang nach Moskau vor sich, wo es gilt, die Europa League perfekt zu machen. Ich bin mir sicher, dass dies auch gelingen wird, hilfreich wäre natürlich ein frühes Auswärtstor, um einen einigermaßen ruhigen Abend zu erleben.

Danach geht es am kommenden Sonntag zum Triple-Vize-Meister nach München. Da droht dann der komplette Fehlstart, da auch die Bayern entscheidend aufgerüstet haben und es auf jeden Fall vermeiden möchten, erneut der Musik hinterher zu laufen.

Selbst im Falle einer Niederlage dort, ist es auch dann noch nicht an der Zeit schwarz zu malen und alles in Frage zu stellen. Insgesamt ist der VfB nach wie vor, im Rahmen seiner Möglichkeiten, auf einem guten Weg. Man muss hier einfach den Realitäten ins Auge sehen, dass in der Liga die Schere zwischen arm und reich immer weiter auseinander klafft und es einfach, wie 2007, alles passen müsste, um in die Phalanx der finanzkräftigeren Vereine einzubrechen. Von den finanziellen Möglichkeiten her war der sechste Platz in der Vorsaison schon fast das Optimum, was zu erreichen war. Die Krösusse Bayern und Dortmund sind uns meilenweit enteilt, die Werksklubs Gazprom Schalke, SAP Hoffenheim, VW Wolfsburg und Bayer Leverkusen haben weitaus bessere finanzielle Möglichkeiten. Bor. M’Gladbach hat sich nach dem Reus-Verkauf gut verstärkt. Hier bleibt es abzuwarten, welchen Knacks das mögliche Champions League Aus mit sich bringt und ob der Neidfaktor im Kader irgendwann eine Rolle spielen wird oder ob es Favre und Eberl schaffen, das Team bei Laune zu halten. Es ist ja auch nicht gerade unproblematisch, wenn teure Leute kommen und plötzlich das Doppelte verdienen wie arrivierte Kräfte, namentlich z. B. Hanke, Herrmann oder Stranzl. Sollten diese nicht sofort einschlagen und dem Team auf Anhieb weiter helfen, entsteht ein nicht zu unterschätzendes Konfliktpotential. Wir beim VfB sind diesbezüglich ja „gebrannte Kinder“.

Jeden dieser genannten Vereine in der Tabelle hinter sich zu lassen wäre ein Erfolg. Bei diesem Bemühen hat der VfB meines Erachtens in Hannover 96 und Werder Bremen zwei Konkurrenten auf Augenhöhe, für alle anderen Teams wird es weitestgehend darum gehen, die Klasse zu erhalten.

Daher sind meine Erwartungen in die neue Saison nicht überbordend hoch. Ich bin da eher Realist und kann mich mit den Tatsachen abfinden und in gewisser Weise auch anfreunden. Der VfB hat seit dem Fastabstieg 2011 einen Schritt nach vorn gemacht. Die Kaderkosten wurden auf ein vernünftiges Maß herunter geschraubt, die (verschwenderische) Ära Heldt gehört endgültig der Vergangenheit an. Der VfB kehrt zurück zu den Wurzeln, setzt ein größeres Augenmerk auf den eigenen Nachwuchs, anstatt die zweite Reihe mit mittelmäßigen Großverdienern von außen aufzublähen. Auch wenn es viele nicht mehr hören können, stehen wir wohl wieder vor einer Übergangssaison, allerdings mit besseren Voraussetzungen als zuletzt, da das Team weitestgehend eingespielt ist und wenige Neuzugänge integriert werden müssen. Sakai wird hoffentlich bald zurückkehren und den als Ergänzungsspieler ausgeliehenen Hoogland ersetzen, ansonsten wird das Team der letzten Rückrunde das Gerüst bilden. Der in der Offensive flexibel einsetzbare Torun macht den Platzhaltern Druck und auch Cacau wirkt motiviert und drängt wieder ins Team.

Bange machen gilt also ebenso wenig wie zu hohe Erwartungen, die man mit diesen Möglichkeiten nicht oder nur bei optimalem Verlauf erfüllen kann.

Für den VfB geht es nun darum den totalen Fehlstart zu vermeiden und, wenn es in München nicht klappen sollte, das Spiel gegen Fortuna Düsseldorf zum eigentlichen Saisonbeginn auszurufen. Dazu muss man jetzt am Dienstag in Moskau die gute Ausgangsposition nutzen und die Europa League Teilnahme klar machen, was uns hoffentlich wieder schöne, unvergessliche Reisen mit dem VfB bescheren würde. Und, dann ist da ja auch noch der DFB-Pokal, bekanntlich der kürzeste Weg nach Europa, für den wir mit dem Heimspiel gegen den FC St. Pauli eine machbare Aufgabe zugelost bekamen. Vielleicht schaffen wir es in diesem Wettbewerb ja mal wieder, den Bayern, wenigstens bis zum Finale, aus dem Weg zu gehen.

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20. Juni 2011

Zum Trainingsauftakt vom VfB

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , , – Franky @ 16:45

Hallo Zusammen,

heute geht die dieses Mal so kurze Sommerpause zu Ende. Beim VfB beginnt der Aufgalopp auf die neue Spielzeit mit Leistungstests, um zu erkennen, welche Profis im Urlaub gut gearbeitet und welche geschludert haben, bevor übermorgen, am 22.6.11, das erste öffentliche Training ansteht.

Leider ist es dem VfB einmal mehr nicht gelungen, den nahezu endgültigen Kader zum Trainingsauftakt zu präsentieren. Anders allerdings als in den Jahren zuvor, ist diese Tatsache wohl in der Tat darauf zurückzuführen, dass an der Wechselbörse bislang keinerlei Bewegung stattfindet.

Nach den Zugängen von Kvist, Traore und dem Rückkehrer Schieber wird viel davon abhängen, ob Christian Träsch den VfB verlassen wird. Der VfB wird sich sicherlich strecken bis zum geht nicht mehr, um den Vertrag zu verlängern. Wenn aber ein Spieler, gehetzt von einem Berater, die Intention hat, sich bis zum Karriereende die Taschen so voll wie nur möglich zu stopfen, kann und darf der VfB auch einfach nicht mitbieten. Richtigerweise ist der VfB im Moment dabei, sich finanziell zu konsolidieren und die wahnsinnigen Spielergehälter Stück für Stück herunterzufahren. Dabei gilt das Hauptaugenmerk sicherlich den extern zugekauften Spielern wir Boulahrouz, Kuzmanovic, Pogrebnjak und Marica, deren Gehälter ich noch einen viel dickeren Hund finde, als, wenn Spieler, die sich beim VfB hochgearbeitet haben, zumindest angemessen bezahlt werden. Ein Träschi hat sicherlich die Möglichkeit haben, in Sachen Gehalt in Regionen eines Serdar Tasci vorzustoßen, was er sich auch verdient hat. Was aber darüber hinaus geht, ist in meinen Augen nicht zu verantworten, zumal ein Bleiben Träschs dauerhaften Erfolg genauso wenig garantiert, wie sein Abgang den Niedergang des VfB zwangsläufig zur Folge hätte. Als vor zwei Jahren Sami Khedira für eine Vertragsverlängerung angeblich 5,5 Millionen Euro jährlich forderte, war es genau so richtig, sich nicht darauf einzulassen. Der VfB sollte schön bei seinen Leisten bleiben und sich nach wie vor als Ausbildungsverein sehen, der junge Spieler fördert, ins Team einbaut, somit Identifikationsfiguren schafft, die eines Tages für teuer Geld abgegeben werden (müssen). Der Optimalfall ist natürlich, dass ein Spieler aus Dankbar- und Verbundenheit, sich auf einen Vertrag einlässt, wie seinerzeit Mario Gomez, der dem VfB im Falle eines Abgangs diesen finanziell versüßt, wobei man auch nicht weiß, welche Zugeständnisse der Verein machen musste, um diese Klausel im Vertrag zu verankern.

Im Fall von Christian Träsch hoffe ich auf eine schnelle Entscheidung, egal in welche Richtung. Ich würde mich freuen, wenn die Fronten noch nicht so verhärtet sind, wie man es nach  den Presseerklärungen aus der letzten Woche befürchten muss. Es wäre klasse, wenn es Fredi Bobic gelänge, den Spieler weiterhin an den VfB zu binden. Für mich war im Fall von Christian Träsch der FC Bayern immer die größte Gefahr, da ich den gebürtigen Ingolstädter als sehr heimatverbunden einschätze, und er bei den Bayern jedes Jahr um Titel mitspielen würde. Beruhigt hat mich dann, dass die Bayern mit Schweinsteiger, Kroos, Luiz Gustava, Alaba, Tymoshchuk oder eventuell Vidal im defensiven Mittelfeld ein Überangebot und damit keinen Bedarf an Träsch haben. Auch die Option als Rechtsverteidiger hat sich nach der Verpflichtung von Rafinha erledigt. Somit stellen für mich die Bayern keine „Gefahr“ mehr dar.

Anders verhält es sich bei den Bemühungen der Volkswagen-Werkself und seines Despoten Felix Magath. Wenn dieser Verein ins Spielerwerben eingreift, hat ein Verein wie der VfB zumindest finanziell nichts entgegen zu setzen. Würde der Spieler diesen Weg wählen, würde meine erste These greifen, dass dem Spieler der finanzielle Aspekt über allem steht. Die sportliche Perspektive, neues Land, neue Sprache, dauerhaftes Mitwirken in der Champions League, schöne Stadt, Heimatnähe, all das wären dann wohl keine Gründe FÜR eine Unterschrift in Wolfsburg. Auf gut deutsch, dann könnte man dem Spieler wirklich nicht helfen… Sollte er aber den Verlockungen nicht widerstehen können, dann bitte SOFORT VERKAUFEN, um wenigstens noch eine Ablöse in Höhe von 10 Mios + x zu erzielen, damit er im nächsten Sommer nicht ablösefrei geht. Auch ein Träsch wird beim VfB zu ersetzen sein. Anstelle von Fredi Bobic würde ich in Verkaufsgesprächen sogar noch versuchen, Sascha Riether, der bekanntermaßen abwanderungswillig ist, als Zugabe zu bekommen. Er könnte unsere Baustelle auf der rechten Verteidigerposition beheben, im defensiven Mittelfeld dürften wir mit Kuzmanovic und Kvist auch ohne Träsch gut besetzt sein. So könnten wir am Ende sogar noch gestärkt aus dem Verhandlungspoker herausgehen.

Ich möchte aber noch einmal betonen, dass es mir am allerliebsten wäre, er würde bleiben und weiterhin Vollgas für den VfB geben. Er ist ein sehr sympathischer loyaler Spieler mit einer profihaften Einstellung, er wäre also auch als Mensch ein Verlust, wenn er gehen würde. Geht er aber, hake ich das auch schnell als „Business as usual“ ab. Spieler kommen und gehen, der Verein bleibt. So ist es und so wird es im Profibereich immer sein.

Sonst sehe ich den VfB eigentlich gar nicht schlecht aufgestellt bis jetzt, in der Innenverteidigung täte uns eine Verstärkung vielleicht noch gut, vor allem da Matthieu Delpierre lange ausfällt. Was mit unseren, ebenfalls hochdotierten Linksverteidigern Boka und Molinaro passiert, muss man abwarten. Ich denke, wenn für einen oder gar beide lukrative Angebote ins Haus flattern würden, würde der VfB, in Anbetracht ihrer hohen Gehälter, zumindest darüber nachdenken, billigere Lösungen zu installieren.

Ich jedenfalls freue mich, dass es so langsam wieder los geht. Am kommenden Freitag werden wir uns den ersten Test in Brackenheim, da noch ohne unsere Nationalspieler, live anschauen.

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5. März 2011

Beginn der Aufholjagd?

Letzten Sonntag gelang also nach den Niederlagen gegen Nürnberg, 2x gegen Lissabon und in Leverkusen endlich mal wieder ein Sieg. Der war natürlich überlebensnotwendig, um den Anschluss, zumindest an den Relegationsplatz, nicht abreißen zu lassen. Das Spiel bei der Torlos-Eintracht stand lang auf des Messers Schneide, ehe zwei blitzsaubere Konter binnen 3 Minuten die Weichen auf Sieg stellten.

Das Spiel begann ja denkbar ungünstig. Bereits nach einer Viertelstunde ließ sich unser Kapitän nach Provokation des Ekelpakets Maik Franz zu einer Tätlichkeit hinreißen und schwächte sein eigenes Team in unentschuldbarer Weise. Von solchen Disziplinlosigkeiten habe ich ehrlich gesagt die Nase gestrichen voll. In einem für den VfB solch vorentscheidenden Spiel nach 15 Minuten beim Stande von 0:0 die Nerven zu verlieren, dafür fehlt mir jegliches Verständnis. Als Fan auf der Tribüne, der so manche Strapaze für die vielen Auswärtsreisen auf sich nimmt, fühlte ich mich schlichtweg verarscht. Ähnlich wie in Hamburg, als der inzwischen suspendierte Ciprian Marica nach gut 10 Minuten den übrigens selben Schiedsrichter Stark ein Arschloch nannte, steht man auf der Tribüne und versteht die Welt nicht mehr. Den ersten Gedanken nach dem Platzverweis, erst einmal einen Bierstand aufzusuchen und von draußen zu verfolgen, wie die Dinge ihren Lauf nehmen, verwarf ich wieder. Dennoch hätte ich zu diesem Zeitpunkt keinen Pfifferling auf das Team mehr gegeben, das von nun an, mit dem schweren und auch demoralisierendem Europa League Spiel in den Köpfen und in den Knochen, 75 Minuten in Unterzahl bestehen musste.  Im Block unter den zahlreichen mitgereisten VfB-Fans spürte man Fassungslosigkeit und zugleich eine Trotzreaktion die verbliebenen zehn Kämpen bis zur Heiserkeit zu unterstützen und dem Team zu helfen. Die Mannschaft nahm den Kampf an. Boulahrouz rückte in die Innenverteidigung, Träschi auf die Rechtsverteidigerposition. So gelang es relativ schnell, die Ordnung wieder zu finden. Dass man vor der Eintracht keine Angst zu haben braucht, zeigt schon deren Torstatistik in 2011: auf 0:13 Tore haben es die Hessen nach diesem Spiel gebracht: Respekt! Dass die Eintracht 11 gegen 10 die Spielkontrolle erlangen würde war nicht wirklich überraschend. Insgesamt aber ließ der VfB den Umständen entsprechend wenig zu, konnte allerdings selbst kaum für Entlastung sorgen. In der Halbzeit brachte Labbadia dann Timo Gebhart für den abermals enttäuschenden Cacau. Ein Mittelfeldspieler für einen Stürmer, das bewirkte zunächst, dass die Überlegenheit der Eintracht immer drückender wurde. Die Torflaute indes wollte (zum Glück) nicht enden. Trotzdem war diese Auswechslung so etwas wie der Schlüssel zum Erfolg, da Gebhart ein ums andere Mal präsent war, wenn sich Kontermöglichkeiten eröffneten und unermüdlich ins Eins gegen Eins ging und den ein oder anderen Nadelstich setzte. Gebhart war es dann auch der sich nach einem von Harnik schnell ausgeführten Freistoss ein Herz fasste und abzog, Fährmann im Tor der Frankfurter konnte nur abklatschen und Harnik staubte ab. 0:1. Was für eine Befreiung dieses Tor. Doch damit nicht genug, schon 3 Minuten später überwand Tamas Hajnal, der sich mehr und mehr zum Lenker des VfB-Spiels mausert, mit einem sehenswerten Lupfer zum 0:2. Danach brachen im Gästebereich alle Dämme und 4000-5000 VfB-Fans hüpften und sangen, dass sich die Balken bogen. Die Eintracht drückte natürlich noch einmal aufs Tempo, machte hinten auf und hoffte, dass den VfB die Kräfte verlassen würden. Doch war für die Eintracht das Tor auch an diesem Tag wie vernagelt und dem VfB war das Glück hold.

Matchwinner dieses Mal war, man höre und staune, Sven Ulreich. So schnell geht es manchmal im Fußball. Knapp eine Woche zuvor zur Nummer 2 verbannt, dann die Verletzung von Ziegler, nach seiner Einwechslung ein ordentliches Spiel gegen Lissabon und in Frankfurt wird er zum Mann des Tages. Er wurde nach dem Spiel zu Recht von den Fans mit Standing Ovations gefeiert. Möglicherweise ist es in der Tat so, dass einiger Ballast von ihm abfiel und er, zumindest was seine persönliche Situation angeht, nichts mehr zu verlieren hat. Dieses Mal war er nicht nur auf der Linie stark, sondern war präsent im Strafraum und strahlte eine von ihm ungewohnte Sicherheit aus. Ich gehöre ja zu den Zweiflern, was die Personalie Ulreich angeht, kann er aber diese Leistung stabilisieren, werde auch ich mit Sicherheit keine Torwartdiskussion mehr anzetteln. Allerdings macht eine Schwalbe noch keinen Sommer, warten wir ab, wie er sich in den nächsten Spielen präsentiert.

Heute kommt es zum Duell gegen Schulden 04. Die Gelsenkirchener kommen mit dem Rückenwind aus München, wo sie unter der Woche die Bayern düpierten und ins DFB-Pokal-Finale einzogen. Der VfB konnte endlich mal wieder eine Woche verschnaufen und sollte frischer sein und darauf brennen, rausgelassen zu werden, um den Schwung vom Frankfurt-Spiel mitzunehmen. Ich hoffe sehr, dass erstmals gelingt, den zweiten Dreier in Serie einzufahren. Dieses Glücksgefühl, also den Hauch einer Serie, durften wir in dieser Saison noch nicht ein einziges Mal erleben. Ein Sieg zu zehnt wie in Frankfurt, der durch einen in dieser Saison selten erlebten Zusammenhalt der Mannschaft zustande kam, könnte für die kommenden Wochen beflügeln und das Team enger zusammen schweißen. Dass das Team nach dem Auswärtssieg unisono erklärte, sie hätten für ihren Kapitän gespielt, der bei einer Niederlage ganz sicher an den Pranger gestellt worden wäre, spricht für sie. Ich hoffe, das war nicht nur eine von der sportlichen Führung vorgegebene Sprachregelung. Mit einem solchen Zusammenhalt und der notwendigen Kompaktheit ist auch heute ein Erfolgserlebnis gegen die Schalker möglich. Es bedarf aber sicher einer gehörigen Portion Geduld, da die Schalker in der Defensive inzwischen wieder fast traditionell gut stehen. Die Offensive, allen voran Farfan und Raul, muss in Schach gehalten werden. Ich erhoffe mir, dass der VfB aus den Pleiten gegen den Club und gegen Freiburg gelernt hat. Ein frühes Gegentor wäre auch in diesem Spiel Gift. Lieber Geduld haben, vielleicht sogar mit einer defensiveren Ausrichtung und Taktik ins Spiel gehen, damit die Null stehen bleibt. Uns würde es auch reichen, wie anno 2001, wenn das Siegtor erst in der 90. Minute fiele. Damals stand man gegen Schalke, beim VfB auf der Bank im übrigen Felix Magath, noch mehr unter Druck als heute. Es war der 33. Spieltag, heute haben wir den 25. Dennoch muss der VfB eine Serie hinlegen, um die noch notwendigen 5-6 Siege in Angriff nehmen zu können. Ich bin mir sicher, dass es ein zähes, schwieriges Spiel werden wird. Am Ende werden wir sehen, was dabei herausspringt. Die Schalker haben in den letzten Jahren im Neckarstadion relativ wenig gerissen (allerdings setzte es in der letzten Saison die erste Heimpleite gegen die Knappen seit 1999), daher bin ich ganz optimistisch, dass wir heute zumindest nicht verlieren werden.

Ich muss zugeben, mittlerweile zähle ich schon die Spiele, die wir noch in dem halbfertigen Stadion verweilen müssen. Es ist schon ein Nachteil, wenn an vielen Ecken im Stadion die Gästefans fast lauter gehört werden als die heimischen. Da es den Spielern auf dem Platz auch nicht anders geht, ist das schon auch ein Nachteil in dieser Saison. Als Ausrede darf das aber natürlich nicht gelten.

Lamentieren wir also nicht darüber, sondern freuen uns, wenn wir nächste Saison wieder ein geschlossenens, richtiges Stadion haben, hoffentlich auch dann in der Bundesliga.

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