29. Juni 2017

Bye, bye, Alex!

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , – Franky @ 08:20

Obwohl schon seit Jahren immer mal wieder damit zu rechnen war, dass Alexandru Maxim den VfB verlässt, schlug die Vollzugsmeldung seines Wechsels zum 1. FSV Mainz 05 dann doch ein wie eine Bombe.

Weite Teile der Fangemeinde sind empört, den besten Fußballer in Reihen des VfB für vergleichsweise schlappe drei Millionen Euro Ablöse zu einem direkten Ligakonkurrenten ziehen zu lassen. Vielen klingen dabei noch die Versprechungen der Ausgliederungs-Propaganda in den Ohren, dass es im Falle einer Ausgliederung wieder gelänge, Spieler zu halten und man nicht gezwungen sei, diese aus wirtschaftlichen Beweggründen zu verkaufen.

Wenn man sieht, wie selbst Top-Spieler bei Top-Vereinen, wie derzeit zum Beispiel Lewandowski und Aubameyang, den Aufstand proben und ihren Abgang provozieren wollen, wird deutlich, dass es sich bei o. a. Aussagen um Wählerfang handelte und diese in der Realität nicht einhaltbar sind.

Beim Verkauf von Alexandru Maxim handelt es sich jedoch nicht um eine wirtschaftliche Notwendigkeit, man wollte den Spieler schlicht nicht um jeden Preis halten! Und warum? Darum! Hannes Wolf steht auf andere, laufstärkere, Spielertypen, die reinen „10er“ sterben im modernen Fußball mehr und mehr aus. Ich hatte kürzlich noch geschrieben, dass es gut sei, einen wie Maxim in der Hinterhand zu haben, weil er als Einwechselspieler schnell auf Betriebstemperatur ist und die Fähigkeit hat, einem Spiel in kürzester Zeit seinen Stempel aufzudrücken. In dieser Rolle war er in dieser Saison wertvoll, in dieser war er auch 2015 unter Huub Stevens DER Trumpf im Abstiegskampf, unvergessen sein geniales Zuspiel auf Daniel Ginczek in Paderborn.

Doch auf Dauer wollte und konnte Maxim sich mit der Joker-Rolle nicht anfreunden. Er war bitter enttäuscht, dass er nach Didavis Abgang zwar die „10“ auf dem Rücken trug, dies jedoch für sein Empfinden zu oft nur auf den Recaro-Sitzen der Ersatzbank. Nach außen blieb er zwar ruhig, innerlich brodelte es aber mit Sicherheit gewaltig. Schon deshalb, um kein unnötiges Pulverfass in die neue Saison hinein zu schleppen, ist die Trennung zum jetzigen Zeitpunkt richtig.

Meist nur mit Wut im Bauch, zeigte er, was in ihm steckt, so zuletzt nach Manés Verletzung im Aufstiegskampf. Da war er, nach einer Phase, in der er wochenlang nicht einmal im Kader stand, DER Hoffnungsträger und hat die Erwartungen erfüllt. Ein Tor wie jenes in Bielefeld machen ganz wenige Fußballer, besondere Fähigkeiten spreche ich ihm daher auch gar nicht ab. Ansonsten lieferte er seine besten Spiele meist als Joker ab.

Sein großes Manko während seiner VfB-Zeit war, dass er es nie schaffte, Konstanz in seine Leistungen zu bringen. Hannes Wolf sprach es schon kurz nach seiner Amtsübernahme an, dass sich Maxim zu lang an guten Szenen berauschen und danach zu wenig am Spiel teilnehmen würde. Diesen Schlendrian trieb ihm keiner seiner vielen Trainer (Labbadia, Schneider, Stevens, Veh, Stevens, Zorniger, Kramny, Luhukay, Janßen, Wolf) aus. In seinen viereinhalb Jahren beim VfB absolvierte Maxim von 153 möglichen Spielen gerade einmal 116, wovon er nur in 75 vom Kicker überhaupt benotet werden konnte und es dabei auf einen eher mäßigen Schnitt von 3,5 brachte.

Da Hannes Wolf ein Trainer ist, der keine Stammplatzgarantien ausspricht und bei dem man sich Tag für Tag im Training neu beweisen und aufdrängen muss, wählte Alexandru Maxim (mal wieder) den Weg des geringsten Widerstands und ergreift lieber die Flucht. Wenn etwas aus den viereinhalb Jahren Maxim beim VfB hängen bleibt, außer dass er tatsächlich ein begnadeter Fußballer ist, dann doch das, dass immer dann, wenn es für ihn schwierig wurde, sein Berater Herbert Briem auf der Matte stand und man, wie bspw. in Lagos 2015, täglich mit der Meldung seines Abgangs rechnen musste.

Maxim kam als junger Kerl zum VfB in ein fremdes Land, in eine neue Welt. Da Profifußballer meist verhätschelt werden und ihnen fast alles abgenommen wird, sah er sich nicht einmal veranlasst, die Sprache seiner neuen Heimat richtig zu erlernen. Natürlich wird beim VfB entgegnet werden, er „verstehe alles ganz gut“, doch ich finde, das ist ein bisschen wenig. Bringt man sich in einer neuen Umgebung ein, passt man sich den Gepflogenheiten an und versucht in der Landessprache zu kommunizieren. Nach viereinhalb Jahren müsste diese auch bei einem durchschnittlich begabten Menschen sitzen.

Sieht sich einer dazu partout nicht genötigt, erweckt er nach außen unweigerlich den Eindruck, auf gepackten Koffern zu sitzen und den VfB nur als eine Durchgangsstation anzusehen. Daher sehe ich den Abgang von Maxim recht emotionslos und werde ihm sicherlich auch keine Träne nachweinen. Das ist das Geschäft, da sind selbst viereinhalb Jahre „Vereinstreue“ nicht mehr ganz so selbstverständlich. Spieler kommen und gehen, der VfB Stuttgart, das sind wir!

Dass bei Maxim zudem der Lebenswandel nicht immer dem eines Muster-Profis entsprochen hat, tut in der Nachbetrachtung und bei der Ursachensuche, weshalb ihm der ganz große Durchbruch beim VfB verwehrt blieb, sein Übriges. Als Feierbiest, jüngst bei der Aufstiegsparty tanzend und mit der Bierflasche in der Hand in seinem Element befindlich, trat er gerne in Erscheinung, weshalb ihm vermutlich die Kondition auf dem Platz fehlte und er, wenn er denn von Beginn an ran durfte, in der zweiten Halbzeit stets abbaute und nur noch selten etwas von ihm zu sehen war.

Zudem verhindert sein Phlegma den Schritt zu einem Spitzenspieler. Er erweckt einen für sein Alter sehr unselbständigen Eindruck und bräuchte den regelmäßigen Arschtritt, um von seiner Selbstverliebtheit wegzukommen.

Er ist einer jener Spielergeneration, die in jungen Jahren ein Schweinegeld „verdient“ und es überhaupt nicht einsieht, mehr zu machen, um sich stetig zu verbessern. Er lebt auch so seinen Traum sich alles leisten zu können und nebenher noch ein wenig Fußball zu spielen. Tagsüber ein fettes Auto zu fahren und nachts der Partykönig zu sein, das genügt vielen Profis heutzutage, die dann den nächsten Schritt eben nicht schaffen. Dieses Phänomen soll selbst schon bei unseren Amateuren, natürlich im kleineren Stil, um sich gegriffen haben, so dass man sich auch nicht zu wundern braucht, dass seit Jahren nichts nachkommt. Erst seit Schindelmeiser und Wolf das Zepter schwingen, wird auch da wieder leistungsorientierter gearbeitet und es findet eine regelmäßige Auslese statt. Diese Mentalität, der, wenn man es hart ausdrückt, Leistungsverweigerung, zog sich (zu) lange durch den Verein, so dass es nur logisch ist, sich auch von topbegabten Spielern zu trennen, die es an der Einstellung vermissen lassen.

Maxim steht mit dem Wechsel zum selbsternannten Karnevalsverein am Scheideweg. Die Luftveränderung wird ihm sicher gut tun, es ist ihm zu wünschen, dass er erkennt, worauf es ankommt und nicht einfach wie bisher weiter macht. Die Mainzer werden sich sicherlich um ihn kümmern müssen und dürfen ihn nicht sich selbst überlassen. Hat er eine Vertrauensperson im Verein, die ihm zum richtigen Zeitpunkt die Leviten liest und zu gegebener Zeit auch Streicheleinheiten zukommen lässt, könnte Mainz sehr viel Freude an ihm haben.

Mainz dürfte Maxims letzte Chance sein durchzustarten und sich für in eine tragende Rolle in der rumänischen Nationalmannschaft zu empfehlen. Auch dort spielte er bislang nur eine Nebenrolle! Es liegt einzig und allein an ihm, was er noch aus seiner Karriere herausholt. Die fußballerischen Fähigkeiten hat er in jedem Fall, bei allem anderen, was dazu gehört, hapert es gewaltig.

Sein herzliches Naturell und seine kindliche Freude werde ich sicherlich ein wenig vermissen, sehe es aber positiv, dass Schindelmeiser und Wolf bei keiner Personalie groß herumeiern, sondern Tatsachen schaffen (wie bei Großkreutz und einigen weiteren Abgängen ja auch).

Ich kann es mir durchaus vorstellen, dass Maxim in Mainz einschlägt, was jedoch nicht automatisch bedeuten würde, dass dies beim VfB genauso gewesen wäre. In Stuttgart war viel eingefahren um nicht zu sagen zerfahren, in Mainz hingegen hat Maxim die Chance zu einem radikalen Neubeginn, und kann unbelastet in einem neuen Arbeitsumfeld starten.

Eigentlich ist es ein Jammer, wie wenig er beim VfB aus seinen Möglichkeiten gemacht hat. Wenn viele dem VfB jetzt mangelnde Dankbarkeit ihm gegenüber vorwerfen, bin ich eher verärgert darüber, dass er so selten funktioniert hat, wie man es bei seinem Gehalt hätte erwarten können müssen.

Viele seiner Fans argumentieren zum Vorwurf, dass er kein Trainingsweltmeister sei und gerne mal nachts um die Häuser zieht, dass dies ja egal wäre, wenn denn die Leistung auf dem Platz stimmt. Zum einen hat die Leistung zu selten wirklich gestimmt, zum anderen lebt der Mannschaftssport von Regeln, an die sich JEDER zu halten hat. Der Trainer bekommt schnell ein Autoritätsproblem, wenn er immer nur bei den gleichen ein Auge zudrückt.

Über die Höhe der Ablöse, für die man im heutigen Fußball kaum ein vielversprechendes Talent bekommt, kann sicher diskutiert werden. Auf der anderen Seite spart sich der VfB sein beträchtliches Gehalt und Maxim macht Platz für einen unverbrauchten Neuzugang. Nüchtern betrachtet ist Maxim als Zweitliga- und nur sporadischer rumänischer Nationalspieler auch nicht mehr wert.

Viele Fans schmerzt sein Abgang für dieses Nasenwässerchen auch in erster Linie deshalb, weil Maxim Publikumsliebling war und mit seinem Lächeln vor allem die Damenwelt zu verzaubern wusste. Dass er seine Rolle, zumindest nach außen, scheinbar klaglos hingenommen, nie ein schlechtes Wort über den VfB und seine Fans verloren hat und dem VfB auch nach dem Abstieg treu geblieben war, wird ihm (zu Recht) hoch angerechnet.

Nach wie vor habe ich vollstes Vertrauen in Jan Schindelmeiser und Hannes Wolf, dass sie uns in eine erfolgreichere Zukunft führen werden. Daher beteilige ich mich auch nicht an der aufkommenden Panik, weil noch fast keine Neuzugänge unter Dach und Fach sind.

Der Transfermarkt ist derzeit überhitzt wie noch nie. Selbst Spieler von den allergrößten Vereinen proben den Aufstand, um für ein Vielfaches ihres ohnehin schon viel zu hohen Verdienstes, die Farben zu wechseln. Hier gilt abzuwarten, wer tatsächlich auf die Insel oder nach China wechselt und welche Vereine dann erst einmal Ersatz benötigen. Da ist dann eher noch zu befürchten, dass uns Korsettstangen, die für die neue Saison fest eingeplant waren, weg gekauft werden.

Von oben nach unten werden sich die Vereine bedienen, so dass sich der VfB zunächst hinten anstellen muss, zumindest, wenn es um bekannte, erfahrene Spieler geht. Richtig Bewegung in den Transfermarkt dürfte kommen, wenn die U21-EM und der Confed-Cup beendet sind und die Vereine nächste Woche ihre Arbeit wieder aufgenommen haben. Ich hoffe es zwar, dass bis zum Trainingsauftakt noch das eine oder andere neue Gesicht präsentiert wird, verliere aber auch nicht die Nerven, wenn dem nicht so ist. Das Transferfenster ist bis Ende August geöffnet, ich habe vollstes Vertrauen in Jan Schindelmeiser, dass wir spätestens bis dahin eine konkurrenzfähige Truppe am Start haben werden.

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11. Mai 2016

Selbstaufgabe!

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , , , , , , – Franky @ 08:11

Der VfB ist nach dem Spiel gegen Mainz 05 endgültig am Abgrund angekommen. Es bricht mein Fan-Herz, das seit 1974 für diesen Verein schlägt, wenn man machtlos mit anschauen muss, was aus dem einst so stolzen Verein für Bewegungsspiele von 1893 e. V. gemacht worden ist.

Nach dem desaströsen 1:3 gegen den Karnevalsverein aus Mainz, sind die Chancen auf den Relegationsplatz vor dem letzten Spieltag nur noch theoretischer Natur. Man braucht sich als einer, der es mit dem VfB hält, auch nicht einmal darüber zu ärgern, dass der BVB die Eintracht aus Frankfurt „gewinnen lassen hat“, Darmstadt 98 in Berlin gewinnt und Bremen in Köln ein torloses Remis erreicht.

Wer nach dem Erreichen der 33-Punkte-Marke die Saison für beendet erklärt und innerlich darauf baut, dass vor zwei Jahren ja schon 32 Punkte zum Klassenerhalt genügten und das irgendwie schon wieder hinhauen würde, braucht die Schuld für sein Versagen nicht bei den Anderen zu suchen. Wer wochenlang den Anderen den Druck zuschiebt, weil man ja eine ach so tolle Ausgangssituation hatte, zahlt zum Schluss die Zeche.

Selbst in den Momenten während und nach dem Spiel, als sich das Schicksal abzeichnete, worauf jahrelang hingearbeitet wurde, nämlich der Abstieg, konnte ich nicht mal mehr bittere Tränen weinen. Ich bin in dieser Situation eher sauer denn traurig.

Sauer auf die Totengräber der letzten Jahre, auf die Herren Staudt und Heldt, die im Championsleague-Wahn die Personalkosten exorbitant in die Höhe schraubten und sich offensichtlich auch am Stadionumbau übernommen hatten.

Auf die Herren Hundt, Mäuser, Bobic, Labbadia, die den Kader kaputt sparten und Stück für Stück schwächten, Vereinskoryphäen und junge Hoffnungsträger vergraulten und eine katastrophale Außendarstellung an den Tag legten.

Und aktuell gilt dem wohl noch immer von der Championsleague träumenden Präsidenten Bernd Wahler, dessen einzige Sorge derzeit noch immer die geplante Ausgliederung zu sein scheint und der Robin Dutt einfach machen lässt, anstatt hin und wieder auf den Tisch zu hauen, wenn es angebracht wäre.

Robin Dutt hingegen ist der Meister des Aussitzens. Letztes Jahr ging es gerade nochmal gut, dieses Jahr nicht mehr. Er lässt es seit Monaten einfach laufen und hofft von Spiel zu Spiel auf Besserung, wohingegen seit Wochen jeder Blinde sah, dass diese Mannschaft tot ist und ohne Impuls von außen auch nicht mehr zu retten war. Jürgen Kramny ist die ärmste Sau in der Kette, ihn hätte man einfach nur zu erlösen brauchen.

Bereits am 29.03., als sich die Tabellensituation noch weitaus komfortabler darstellte, sich der Negativtrend aber bereits abzeichnete, warnte ich vor den kommenden Wochen und traute es Robin Dutt damals sogar zu, dass er diesen Trend erkennen und handeln würde: http://www.frankys-stadionpics.de/blog/?p=4005. Leider hatte ich ihn überschätzt.

Dutt hat nicht erkannt, dass Kramny die Mannschaft nicht mehr erreicht und mit der Aufgabe heillos überfordert ist. Oder hat er es erkannt und wollte es sich nicht eingestehen, dass er wie schon bei der Verpflichtung und möglicherweise auch Entlassung von Alexander Zorniger daneben lag.

Kramny war die Billiglösung, es zu versuchen auch legitim, zumal ihm die ersten Wochen ja auch Recht gaben, aber, dieses Experiment auf Kosten des Abstiegs und bis zum bitteren Ende fortzuführen, ist grob fahrlässig und vereinsschädigend.

Noch nach Augsburg, nach Dortmund, selbst nach Bremen, mit der lösbaren Aufgabe gegen Mainz vor der Brust, hätte ein Trainerwechsel Sinn gemacht und mir noch einmal Hoffnung gegeben. Oft sind es ja eine neue Ansprache, die eine oder andere Stellschraube, ein bereits in Vergessenheit geratener Reservist, die Autorität, der Wegfall der Alibis und vieles mehr, das einen Trümmerhaufen von Mannschaft, zumindest vorübergehend, zu neuem Leben erwecken könnte.

Und? Was tat Dutt? NICHTS! Er ließ diese letzte Patrone einfach stecken. Dutt ließ es weiterlaufen, ließ eine hilflose Mannschaft vor sich hin stümpern und lobte Kramny, weil er doch 100 Prozent VfB wäre. Wenn das allein genügt…. Dutt hat mehr oder weniger tatenlos zugesehen, wie der große Tanker (so Bobic) auf Grund lief.

Doch damit nicht genug, die VfB-Welt ist am Boden zerstört, sauer, fassungslos, tieftraurig und fragt sich, ob sich dieser Kollateralschaden jemals reparieren lässt, da setzt Robin Dutt noch einen drauf. „Wir haben uns letztes Jahr für einen Weg entschieden, der auch den Worst Case eines Abstiegs vorgesehen hat. Wenn es nun so kommt, dann werden wir sehr gut vorbereitet sein“. Herr Dutt möchte doch nicht allen Ernstes behaupten, sein „Plan“ sei es gewesen, einen 39 Jahre am Stück Bundesliga spielenden Verein in die 2. Liga zu managen? Das lässt auf Kommunikationsprobleme im Vorstand schließen, denn, Herr Wahler wollte ja eigentlich in die Championsleague.

So aber sind wir aller Wahrscheinlichkeit nach in der kommenden Saison Bestandteil der attraktivsten 2. Liga aller Zeiten. Abgesehen vom spielerischen Niveau und dem sicher ein oder anderen trostlosen Heimspiel, darf man sich auf Leckerbissen in fast jedem Auswärtsspiel freuen. Sandhausen und Heidenheim sind dabei noch so ziemlich das unattraktivste, was diese Liga zu bieten hat, wegen ihrer Nähe jedoch auch schon wieder attraktiv.

Sollte es denn so kommen, gehe ich absolut positiv ran und hoffe darauf, mal wieder etwas öfter jubeln zu dürfen und dass das Neckarstadion wieder zu einer Festung wird.

Seien wir doch ehrlich, die immer weiter auseinandergehende finanzielle Schere in der Bundesliga, in der mehr und mehr mit ungleichen Waffen gekämpft wird, machen die Liga langsam aber sicher gähnend langweilig.

Zehn Heimniederlagen in dieser Saison verlangen auch dem Hartgesottensten alles ab, Spiele gegen die Spitzenteams, zu denen man die Punkte gleich per Post verschicken könnte, haben ihren Reiz verloren und jetzt kommt auch noch Leipzig hinzu, die von Anfang an oben mitspielen möchten und an Neuzugänge denken, die wir uns im Leben nicht leisten könnten.

Daher sehe ich es eher positiv, den Verein konsolidieren zu können, kleinere Brötchen zu backen, das Gehaltsniveau herabzusenken und sich der einen oder anderen personellen Altlast elegant entledigen zu können.

Der Samstag indes begann hervorragend. Früh morgens ging es schon los zur traditionellen Saisonabschlussfahrt auf dem Stuttgarter Partyfloß, wie immer toll organisiert vom OFC Leintal Power 05.
Bei Kaiserwetter hüpften und sangen wir uns mit 190 Gleichgesinnten in Stimmung und waren vorsichtig optimistisch, was das Spiel anging. Mainz war in den letzten Jahren zu ähnlichen Zeitpunkten und als es für sie ebenfalls um nicht mehr viel ging (die Europaleague konnten sie nur noch theoretisch verspielen), ein dankbarer Gegner.

Frühlingsfest, ausverkauftes Haus und eine trotzige Stimmung, hat doch fast jeder, der der Fanszene eng verbunden ist, vor dem Spiel noch einmal mobil gemacht und dazu aufgerufen, bei diesem Spiel alles rauszuhauen und die Mannschaft bedingungslos zu unterstützen.

Alle in weiß war das Motto, ein tolles Bild im weiten Rund und (zunächst) ein Lautstärkepegel, der in der Liga seinesgleichen sucht. Von der Fanseite her war alles angerichtet für einen tollen Fußballnachmittag.

Dumm nur, dass die „Mannschaft“ nicht mitspielte! Sie ist dem sich mehr und mehr zuspitzenden Abstiegs- und Existenzkampf von Spiel zu Spiel nervlich weniger gewachsen. Auch in diesem Punkt rächt es sich, dass es einfach so laufen gelassen wurde. Es ist kein Führungsspieler da, der die Jungs mitreißt, keiner der sie aufrichtet und ein Trainer, dessen ständige Wechsel von Planlosigkeit und wenig Vertrauen in sein Personal zeugen.

Kramny krempelte die Mannschaft im Gegensatz zum 2:6 letzten Montag in Bremen auf gleich sechs Positionen um. Außer einer komplett neuen Viererkette durfte auch Mitch Langerak endlich sein Bundesligadebüt im Trikot mit dem Brustring „feiern“.

Dass es Kramny nicht schaffte, auf Mallorca, die Sinne zu schärfen, einen Teamspirit zu entwickeln und vor allem eine Formation zu finden, die es in den restlichen drei Spielen richten soll und dem Druck auch gewachsen ist, zeugt von der Sinnlosigkeit dieser „Auszeit“.

Dieses Trainingslager war also für die Katz, so dass man meinen kann, dieses habe den Charakter einer Saisonabschlussfahrt gehabt und Spaß und Erholung wären im Vordergrund gestanden.

Schlimmer noch, der Spannungsabfall seit der Rückkehr mutet fatal an. Bremen war eine Frechheit, von der ersten Minute an und Mainz, na ja.

Zwei eigentliche Führungsspieler, Christian Gentner und Kevin Großkreutz, kehrten zwar zurück, waren aufgrund ihrer Verletzungen jedoch noch nicht bei 100 Prozent, so dass auch sie es nicht schafften, mit Leistung voran zu gehen und spielerisch Zeichen zu setzen.

Das Spiel begann zwar wie gemalt für den VfB, in der 6. Minute brachte Gentner unsere Farben in Führung. Es hätte der Brustlöser sein können, nein, müssen, spürte man doch bei der Mannschaft und auch bei den Fans die pure Erleichterung und eine zarte Hoffnung auf DIE Trendwende.

Doch, wenn eine stark verunsicherte Mannschaft dann plötzlich meint, das Ergebnis verwalten zu wollen und den Betrieb nach vorne nahezu einstellt, braucht man sich nicht zu wundern, wenn der Schuss nach hinten losgeht.

Da der VfB ohne Stürmer spielte und ein Didavi an vorderster Front einmal mehr darauf konzentriert war, sich nicht zu verletzen, als dass er noch einmal alles für den VfB gegeben hätte, konnten vorne keine Bälle festgemacht und dadurch auch keine Gefahr erzeugt werden. Einzig in der 36. Minute wurde es noch einmal gefährlich, als ein Mainzer den Ball von Rupp von der Linie kratzte.

Das hätte die Vorentscheidung sein können, aber, das notwendige Quäntchen Glück haben wir offensichtlich in den letzten Jahren aufgebraucht. Bezeichnend, dass im direkten Gegenzug der Ausgleich fiel, als der Rückkehrer Kevin Großkreutz eine Hereingabe zuließ und Malli sich in der Mitte Freiheiten erfreute, die wohl in der Bundesliga einmalig sind. Es war Gegentor Nummer 70, was einmal mehr offenbarte, wo der Schuh drückt und wo die Versäumnisse des Robin Dutt liegen. Man kann über Antonio Rüdiger sagen, was man möchte, aber, der stand in der Schlussphase der letzten Saison seinen Mann und steckt die Schwaabs, Šunjić‘, Niedermeiers, Barbas und Baumgartls locker in die Tasche.

Nach dem Ausgleich, der im Fußball von Grund auf noch keinen Beinbruch darstellt und reparabel gewesen wäre, brachen beim VfB abermals alle Dämme. Die Knie wurden wackelig, der Kopf spielte nicht mehr mit, die Mannschaft agierte kopflos und bettelte um weitere Gegentore.

Nach dem 1:2 und schließlich dem 1:3 und wohl auch nachdem die Ergebnisse auf den anderen Plätzen durchgesickert waren, hatte es etwas von Selbstaufgabe. Robin Dutts Kopfwäsche, die er nach dem Zerfall der Mannschaft in Bremen angekündigt hatte, verpuffte, sofern er sie denn durchgeführt hat. Denn, analog zu Bremen ergab man sich wehrlos in sein Schicksal, kein Aufbäumen, keine Gegenwehr, ohne unseren Besten, Mitch Langerak, können wir das Ding gut und gern auch 1:6 oder 1:7 verlieren.

Wenn nicht noch ein Wunder geschieht und wir in Wolfsburg gewinnen, sowie Frankfurt in Bremen, war diese 39. Bundesligasaison am Stück die vorerst letzte.

Noch unwahrscheinlicher als ein Frankfurter Sieg in Bremen, die Hessen haben mit zuletzt drei Siegen in Folge immerhin einen Lauf, erscheint, dass der VfB etwas Zählbares aus Wolfsburg mitnimmt. Nicht nur die Statistik spricht gegen den VfB, nein, in der derzeitigen Verfassung würde das Team wohl auch gegen den Stadtrivalen von den Golan-Höhen verlieren, so dass ein Erfolgserlebnis bei den Wölfen, die sich mit ihrem Publikum für eine verkorkste Saison versöhnen möchten, nahezu ausgeschlossen erscheint.

Dass beim VfB selbst keiner mehr ernsthaft an ein Wunder glaubt, zeigt sich darin, dass hinter den Kulissen wohl schon eifrig die Köpfe zusammengesteckt werden, mit welcher Führungsmannschaft und welchen Spielern man das Abenteuer 2. Liga denn angehen solle. Dabei liegt der Fokus scheinbar weniger darin, wie der Super-GAU vielleicht doch noch abgewendet werden könnte, nein, jeder meint sich positionieren zu müssen und schreit „hier“, wer die Wohlfühloase auch nach dem Abstieg nicht verlassen möchte.

Christian Gentner und Daniel Ginczek haben ihre Verträge bereits vorzeitig verlängert. Sicherlich ist es ein gutes Zeichen, wenn der Kapitän an Bord bleibt und damit auch signalisiert, dass selbst bei einem Abstieg nicht alles auseinanderbrechen würde. Jetzt hat der fast 31-jährige Gentner also noch drei Jahre Vertrag, was schwer nach Rentenvertrag riecht.

Interessant zu Gentner waren die Aussagen von Hansi Müller bei Sport im Dritten. Müller, der Einblicke in das Innenleben des Vereins hat und nicht mehr in Amt und Würden steht und deshalb auch kein Blatt mehr vor den Mund nehmen muss, kritisierte Gentner, dass er eben nicht DIE Führungspersönlichkeit ist, die man sich in schwierigen Situationen wünschen würde.

Für mich ist Gentner DAS Gesicht des sportlichen Niedergangs und ein Bremser in der Mannschaft. So lang er vermeintlich eine Stammplatzgarantie besitzt und, wie Kramny kürzlich sagte, selbst entscheide, ob er spiele, wird es schwierig bis unmöglich weg von der Wohlfühloase und hin zu einer Leistungsgesellschaft zu gelangen.

Als Identifikationsfigur darf er ja gerne bleiben, hätte ohnehin noch einen Kontrakt bis 2017 gehabt, aber, die Kapitänsbinde MUSS ihm der nächste Trainer aber abnehmen. Ich hoffe schwer, sein Wort im Verein hat nicht dieses Gewicht, dass er Dutt auch noch die Vertragsverlängerungen weiterer Gesichter des Niedergangs schmackhaft macht, dann nämlich dürfte es eher noch weiter nach unten gehen.
Sehr positiv hingegen sehe ich die Vertragsverlängerung von Daniel Ginczek, der sich darüber hinaus dem Vernehmen nach eine Ausstiegsklausel streichen ließ und damit ein klares Bekenntnis für den VfB abgibt. Typen wie ihn wünscht man sich noch einige mehr in der Mannschaft. Geerdet, bodenständig, Familienvater, sympathisch und eben kein Spinner. Hoffentlich legt er die Seuche endlich ab und kann im Spätherbst wieder beschwerdefrei für uns auf Torejagd gehen.

Auch in der obersten Vereinsebene kündigt sich ein Beben an, wie mehrere Blätter in Berufung auf Aufsichtsratskreise berichten. Demnach sollen Wahler und Dutt im Falle des Abstiegs vor der Ablösung stehen. Ich denke, uns stehen spannende Wochen bevor.

Dutt gibt sich indes kämpferisch, so ist zu hören, er verzichte für eine Weiterbeschäftigung auf die Hälfte seines Gehaltes und dass er gerne bleiben würde, da er in der Region zu Hause ist. Dutt hat sicherlich einige Projekte auf den Weg gebracht, deren Früchte wir später ernten werden, wenn sie denn fruchten, aber, er lag eben bei vielen Transfers total daneben und hat zuletzt, als es dringend nötig gewesen wäre, nicht eingegriffen.

Auch die Stimmung unter den Fans hatte am Samstag etwas von Selbstaufgabe. Obwohl es erst der 33. Spieltag war und die theoretische Chance noch gegeben ist, war’s das für viele. Den Platzsturm hätte es meiner Meinung nach zu diesem Zeitpunkt (noch) nicht gebraucht und lässt den Schluss zu, dass es wohl besser ist, auswärts endgültig abzusteigen.

In Wolfsburg werden sich viele kurz nach dem Spiel zu Zug und Bus begeben müssen und nicht noch auf die „Mannschaft“ warten können. Dieser Platzsturm war in meinen Augen dumm, wobei ich die Besonnenheit unserer Ultras-Gruppierungen loben muss, die offensichtlich ihre Leute zurückgehalten haben.

So waren auf dem Feld hauptsächlich sensationslüsterne Selfie-Knipser und wütende „Normalos“, die ein Ventil für ihren Frust suchten. Es kam vereinzelt zu Schubsereien, Schlimmeres ist zum Glück nicht vorgefallen. Es ist ja nicht so, dass ich nicht auch der Meinung wäre, dass es an der Zeit ist, der Mannschaft die Meinung zu geigen, aber, erstens brauchen wir sie noch für dieses letzte entscheidende Spiel und zweitens dürfte dem VfB eine empfindliche Strafe drohen, bin hin zu einem Teilausschluss von Zuschauern, sollte die DFL Ermittlungen aufnehmen.

Dieses Platzstürmchen jetzt jedoch mit den Vorkommnissen der Kölner beim Abstieg gegen die Bayern oder in Mönchengladbach und anderen weitaus dramatischeren Ereignissen in Zusammenhang zu bringen, ist in meinen Augen überzogen und lächerlich. Die Security hatte alles im Griff, die Polizei musste nicht eingreifen, also, halb so wild.

Die Rolle des Sicherheitsdienstes ist hier trotzdem zu hinterfragen. Wohl wurde mit einem Sturm gerechnet, weshalb die Tore zum Innenraum vorab schon geöffnet wurden und Leute, die aufs Spielfeld wollten, nicht daran gehindert wurden.

Selbst Rollstuhlfahrer habe ich vor dem Kabineneingang gesehen. Das alles mutete schon seltsam an, wenn ich mir die Leute, die auf dem Rasen standen so angeschaut habe, glaube ich nicht, dass es zu einer gewaltsamen Stürmung gekommen wäre, hätte man die Tore einfach geschlossen gehalten.

Nun hoffe ich einfach, dass die DFL aus dieser Mücke keinen Elefanten macht und der VfB keine Konsequenzen zu tragen hat. Und natürlich darauf, dass die Spieler nicht zu sehr eingeschüchtert wurden und in Wolfsburg schon von Beginn an mit wackeligen Knie auf dem Platz stehen.

Bei aller Selbstaufgabe, noch sind drei Punkte zu gewinnen, noch sind wir nicht sicher abgestiegen. Für Wolfsburg gilt es seitens der Mannschaft noch einmal alles zu mobilisieren. Vielleicht hilft es ja dabei, dass der eine oder andere jetzt schon weiß, dass man auch in der 2. Liga auf ihn setzen würde, und die Mannschaft daher gieriger auftritt als zuletzt. Wenn nicht, geht die Welt auch nicht unter, alles hat seine zwei Seiten, ich sehe auch dann positiv in die Zukunft.

Lasst uns jedenfalls dieses vermeintlich letzte Bundesliga-Spiel für einige Zeit genießen. Alle in Rot nach Wolfsburg. Freue mich auf den Partyzug und einen abartig langen Tag. Bin auf alles vorbereitet, in diesem Sinne, prost und ahoi!

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6. Mai 2016

(Halb-)Finale furioso! Alle in Weiß zum Heimspiel gegen Mainz.

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , – Franky @ 12:01

Ich weiß, die Fanszene ist gespalten. Zwischen Resignation, Lethargie, Frust, Gleichgültigkeit, Hoffnung und Überzeugung schwanken die Gemüter.

Gestern hat unser Mentalitätsspieler Kevin Großkreutz einen rausgehauen und die Fanszene damit erfreut und ihr neue Hoffnung gegeben. Er wird wieder dabei sein, er tritt die Jungs in den Hintern, dass sie noch einmal alles raushauen und sich nicht ergeben wie zuletzt. Er bringt die Hoffnung zurück, die Hoffnung dass gegen Mainz eine Mannschaft auf dem Platz stehen wird, die sich zerreißen wird und dass kein Einzelner den Makel des erstmaligen Abstiegs unseres VfB seit 41 Jahren in seiner Vita stehen haben möchte.

Das Spiel morgen ist losgelöst von denen der letzten Wochen zu betrachten. Es ist DIE Chance, eine ganze Saison zu retten und die Weichen für eine bessere Zukunft zu stellen. Nach der Saison ist noch genügend Zeit, nachzukarten und getroffene und zu treffende Entscheidungen zu hinterfragen und zu kritisieren. Diese Saison muss und wird aufgearbeitet werden, sonst haben die Herren an der Mercedesstraße keine ruhige Minute mehr. Morgen zählt das alles aber nicht! Morgen geht es um den VfB und nicht um seine handelnden Personen.

Morgen muss die Hütte brennen! Morgen muss das gesamte Stadion wie eine Wand hinter dem VfB stehen, und zwar stehen, im wahrsten Sinne des Wortes und möglichst auf allen Tribünen. 90 Minuten Rambazamba, 90 Minuten alles geben für den VfB.

An uns Fans soll und darf es nicht liegen! WIR sind der 12. Mann, WIR sind der VfB! Kommt alle in weiß gegen Mainz und unterstützt die Mannschaft.

Morgen muss jeder Farbe bekennen und sich die Kehle aus dem Leib schreien. Alles, was war, ist und sich ohnehin an der Tabelle ablesen ist, zählt morgen nicht. Es steht eines von zwei Endspielen an, nach Dutt’scher Redensart Halbfinale und Finale.

Lasst uns ins Finale einziehen, alle gemeinsam, alle für den VfB, alle für den Ligaerhalt, alle für ein 40. Jahr Bundesliga am Stück.

Wir stimmen uns zur Feier des Spieltags wie immer vor dem letzten Heimspiel auf dem Stuttgarter Partyfloß chartered by OFC Leintal-Power 05 auf das Spiel ein. Ein gutes Omen! Die wichtigen Spiele, in denen es noch um etwas ging, haben wir danach stets für uns entschieden.

Also auf geht’s, schon heute Eure Stimmen und haut morgen noch mal alles raus!

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14. Dezember 2015

Zurück in die Zukunft!

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , – Franky @ 10:19

Nicht Fisch, nicht Fleisch, möchte man meinen. Beim 1. FSV Mainz 05, der zuletzt gut drauf war und wo auch schon andere verloren haben, einen Punkt mitzunehmen wäre so schlecht nicht, hätte man in der Woche zuvor Werder Bremen geschlagen. So treten wir in der Tabelle nicht nur auf der Stelle, nein, wir haben mal wieder, auch daran hat man sich nach einigen Jahren Abstiegskampf fast schon gewöhnt, die rote Laterne wieder in unseren Händen.
Der VfB spielte auswärts erstmals zu null und findet zurück zu einem System, das er kann. Aus einer kompakten Abwehr heraus ließ man nicht viel anbrennen, beraubt sich damit aber seiner offensiven Stärken.
Im dritten Spiel unter Jürgen Kramny bot er das dritte Innenverteidiger-Duo auf, das dieses Mal aus Toni Šunjić und Georg Niedermeier bestand. Ein folgerichtiger Schachzug, wirkte der junge Timo Baumgartl in den letzten Wochen und Monaten doch meist überfordert und dem zunehmenden Druck nicht gewachsen. Šunjić und Niedermeier machten ihre Sache ordentlich und werden wohl auch in den letzten beiden Spielen des Kalenderjahres den Vorzug vor Timo Baumgartl erhalten.
Auch dem zweiten Youngster im Team, Timo Werner, würde man die eine oder andere Pause wünschen, er wirkt überspielt und ist als alleinige Spitze überhastet und kann kaum mal einen Ball festmachen. Hier rächt es sich, dass wir für den verletzungsanfälligen Daniel Ginczek keinen ernsthaften Backup mehr im Kader haben.
Vedad Ibišević wäre so einer gewesen. Nach dem Trainingslager in St. Gallen hatte ich schon meine Eindrücke geschildert, dass Ibišević Gas gegeben und bei weitem nicht wie ein Fremdkörper im Team gewirkt hat. Unter neuem Trainer besteht doch meistens auch für die Sündenböcke von gestern eine faire Chance auf einen Neuanfang. Nicht so bei Dutt/ Zorniger. Wie bei Georg Niedermeier auch, hat sich dieses „kongeniale“ Duo auch bei Ibišević (zu) schnell festgelegt, dass dieser keine Rolle mehr spielen würde, so dass ihm wohl auch in höchster Not keine Einsatzzeiten spendiert worden wären.
Da Bobic seinen Vertrag zur Unzeit verlängert hat, an der Ibišević schon bei weiten Teilen der Fans unten durch und der Inbegriff des raffgierigen Söldners war, Ibišević damit mit Abstand auch noch Top-Verdiener beim VfB war, war es logisch, dass er im letzten Sommer ganz oben auf der Verkaufsliste stand. Es fand sich jedoch (logischerweise) kein Abnehmer, der ihm auch nur ansatzweise sein VfB-Gehalt und auch noch eine Ablöse bezahlt hätte, so dass man ihn kurz vor Transferschluss an die Berliner Hertha verliehen hat und dem Vernehmen nach noch große Teile seines fürstlichen Gehalts selbst übernimmt.
An der Stelle hört mein Verständnis dafür dann auf. Da hätte man ihn lieber behalten und ihm noch die eine oder andere Chance geben sollen. Was ein Ibišević in einem System mit zwei Stürmern wert sein kann, zeigt sich aktuell bei Hertha BSC, wo er, trotz seiner zwischenzeitlichen Fünf-Spiele-Sperre, maßgeblichen Anteil am dritten Platz hat. Viele sind ja froh, dass er weg ist, weil er eine Drecksau ist, ich meine, gerade unsere Truppe, die in vielen Situationen zu brav ist, könnte eine Drecksau, zumindest in der Hinterhand, gut vertragen.
Martin Harnik fällt wohl, wie auch Daniel Ginczek, noch bis in den März hinein aus, Jan Kliment wurde als Perspektivspieler geholt und hilft uns (noch) nicht entscheidend weiter, während der Lastminute-Transfer Robbie Kruse mehr verletzt als einsatzbereit ist.
Wirklich überraschend kommt das nicht, hat Kruse doch seit Ende 2013 doch gerade einmal vier Bundesligaspiele (als Einwechselspieler; 46 Einsatzminuten!) für Bayer Leverkusen absolviert. Einen solchen Spieler zu holen birgt ein hohes Risiko, einen solchen Spieler holt man eben dann nicht, wenn man in der Offensive ohnehin dünn besetzt ist und auf dessen Dienste angewiesen wäre.
Da er am letzten Tag der Transferperiode vom VfB verpflichtet wurde, unterstelle ich mal, dass der Spieler weder gescoutet wurde, noch ein Probetraining absolviert hat und geschweige denn, dass man mit ihm an einem Tisch saß, um die Perspektiven und seine Fitness zu besprechen. Wenn man ihn, wie in der zweiten Halbzeit in Mainz, so anschaut und sieht, dass er nichts auf den Rippen hat und sich demzufolge körperlich nicht durchsetzen kann, möchte man ihm wünschen, dass er endlich richtig im Schwabenland ankommt und mehr Spätzle isst.
Im Sturm krankt es also gehörig, weil wegen des alten neuen Defensivstils, die Offensivkräfte zu spät nachrücken und ein Timo Werner damit allein auf weiter Flur ist. Filip Kostic war auch in Mainz nur ein Schatten seiner selbst ist. Er hat offensichtlich abgeschlossen mit dem VfB und wird den Verein möglicherweise im Winter schon verlassen.
Dem VfB wird wohl ohnehin nichts anderes übrig bleiben, als Qualität zu verkaufen und Transfererlöse zu generieren, um die größten Schwachstellen im Team anzugehen und zu verstärken. Die Schwaabs, Niedermeiers und Hlousek werden kein Geld bringen, sofern man überhaupt darüber nachdenkt, sie abzugeben.
Es bräuchte mindestens einen Abwehrchef und einen Stoßstürmer, aber auch ein überdurchschnittlicher Rechtsverteidiger und ein Sechser, der die Chefrolle im zentralen Mittelfeld übernehmen könnte, würden uns gut zu Gesicht stehen. Dutt steht mächtig unter Druck, da es sich mehr und mehr abzeichnet, dass wir mit dem vorhandenen Kader nicht konkurrenzfähig sind, zumindest dann nicht, wenn Leistungsträger langfristig ausfallen.
Die Wintereinkäufe müssen einschlagen, es müssen Spieler sein, die sofort weiterhelfen und nicht aus dem Lazarett eines anderen Vereins kommen. Stefan Kießling, der unter der Woche ins Gespräch gebracht wurde, wäre so einer, wobei man sich die Frage stellt, wenn man ihn am Samstag spielen gesehen hat, weshalb gerade er sich den VfB antun sollte. Er dürfte bessere Möglichkeiten haben, sowohl sportlich als auch finanziell. Wir müssen uns derzeit damit abfinden, dass der VfB für große Namen unattraktiv geworden ist, so wie der Verein inzwischen heruntergewirtschaftet wurde. Unattraktiv allein wäre gar nicht das große Problem, nur, unattraktiv und finanziell klamm zu sein, macht es schier unmöglich auch nur ansatzweise einen Kracher für den VfB zu begeistern.
Didavi, der ebenfalls mit dem Kopf nicht bei der Sache zu sein scheint, fehlte in Mainz angeschlagen, wohl auch, weil man ihn noch gegen Bremen zu einem Einsatz gedrängt habe, so jedenfalls die BILD-Zeitung. Für ihn tut mir diese neuerliche Katastrophensaison besonders Leid. Aus seinem Umfeld ist immer wieder zu vernehmen, dass er den Verein nicht um jeden Preis wechseln wolle, man aber auch noch nicht ernsthaft mit ihm bzgl. einer Vertragsverlängerung gesprochen habe. Das ganze Tohuwabohu aber und wohl auch der zwischenmenschliche Umgang untereinander vertreiben die guten Spieler, was uns bleibt sind dann noch die Schwaabs, Gentners & Co., die es sich hier so schön eingerichtet haben. Mittlerweile wäre eine Vertragsverlängerung Didavis eine große Überraschung, weil man ihm den Abgang auch nicht schwer macht. Von Vereinsseite nicht und auch von Seiten der Fans nicht, die ihn allzu schnell vorverurteilen und ihm fehlende Dankbarkeit unterstellen.
Für Didavi rückte Maxim ins Team, während Gentner, Serey Dié und Lukas Rupp im Mittelfeld die Räume eng machen sollten. Vor allem Serey Dié ist zurzeit nur noch eine billige Kopie dessen, was wir schon von ihm sahen. Eine Rolle mag spielen, dass er, unverzichtbar wie er eigentlich ist, oft schon angeschlagen aufs Feld geschickt wurde, ein anderer Grund ist für mich auch der Kapitän Christian Gentner, der ihn mit schlampigen Zuspielen ein ums andere Mal in die Bredouille bringt und Dinge tut, mit dem ein Mitspieler nicht unbedingt rechnen muss.
Serey Dié machte sein schwächstes Spiel im VfB-Dress und musste bereits zur Pause für Robbie Kruse weichen.
Zurück in die Zukunft lautet die Devise des VfB unter Jürgen Kramny. Nichts mehr ist übrig vom spektakulären Fußball, den Dutt und Zorniger vor der Saison propagierten. Es ist eine Rückkehr zum Stevens-Style, nicht schön, aber zwischendurch mit dem einen oder anderen Pünktchen auf der Habenseite. Die einen feiern den Punktgewinn, für mich ist er zu wenig. Mich erinnerte die Vorstellung und vor allem die letzte Viertelstunde, als man nur noch den Punkt sichern wollte, an den Auftritt im Februar in Köln. Damals wie heute mit einem Negativlauf ins Spiel gegangen und ein schweres Heimspiel vor der Brust, bei dem man nicht unbedingt Punkte einplant, fehlte der unbedingte Siegeswillen. Die erste Halbzeit wird von einigen Protagonisten, Fans und Medien gefeiert, mir war auch das zu wenig. Zwei ernsthafte Torschüsse, die noch aus der Distanz und ansonsten das Spiel, das man vom VfB kennt. Unzählige Stockfehler, die auf Konzentrationsmängel hindeuten, sind einer Profimannschaft nicht würdig. Es mag ja sein, dass man die Politik der kleinen Schritte wählt, und sich schon daran ergötzt auswärts ohne Gegentor geblieben zu sein. Da wir mit Schalke 04 letztmals 2013/2014 einen „Großen“ besiegen konnten und die Kluft zwischen oberer und unterer Tabellenhälfte immer größer wird, sind es dann eben Mannschaften wie Augsburg, Bremen und Mainz, die man schlagen muss, um da unten jemals noch herauszukommen. Zwei Lichtblicke im Team gab es in Mainz zu verzeichnen, Lukas Rupp und Przemysław Tytoń machten ihre Sache sehr ordentlich. Letzterer bewahrte und einmal vor einer Niederlage und stabilisiert sich mittlerweile auf akzeptablem Niveau.
Ich bin froh, wenn das Spiel gegen die Wölfe absolviert ist und endlich Klarheit darüber herrscht, welcher Trainer uns ins Jahr 2016 führen wird. Durch die Interimslösung mit Jürgen Kramny wurde die Chance auf eine schnelle Initialzündung vertan, das Team hat sich taktisch umgestellt und spielt das was sie über Jahre schon gespielt hat, nämlich behäbig, abwartend, langweilig und ist in erster Linie darauf ausgerichtet, das Spiel des Gegners zu zerstören. Destruktiv hätte man es früher genannt, heute heißt es eben erfolgsorientiert. Greift man diese These auf, dass das Team nichts anderes spielen kann, könnte man es tatsächlich mit Kramny so weiterlaufen lassen. Er wäre die billigste Lösung und man hätte noch einen frei, sollte dieser Schuss nach hinten los gehen. Bei der „Mannschaft“ scheint er ein gutes Standing zu haben und er ist einer, der den VfB lebt und sicher alles dafür tun wird, den VfB da unten herauszuführen. Aus der Mainzer Trainerschmiede kamen schließlich schon andere, anfangs unterschätzte!
Seine Art ist wohl auch fast die einzige, mit der man diese Weicheier zu Leistungsbereitschaft und zu einem Miteinander bewegen kann, durch eine freundliche und klare Ansprache und wenn man ja nicht zu viel von ihnen verlangt. Die Wahrscheinlichkeit eines großen Kaderumbruchs und dass Führungsspieler abrasiert werden ist im Winter derart gering, so dass jedem neuen Trainer zunächst nichts anderes übrig bleiben würde, die teaminterne Hierarchie so zu belassen wie sie ist und den Mannschaftsrat hinter sich zu bringen.
Da die „Mannschaft“ als untrainierbar gilt, könnte man es wirklich so belassen wie es derzeit ist, es sei denn, eine „große“ Lösung wäre realistisch und bspw. ein Lucien Favre wäre zu bewegen, das Engagement hier anzunehmen, was ich jedoch fast für ausgeschlossen halte.
Ich persönlich würde mir zwar eher einen Feldherrn wünschen, der den Jungs den Marsch bläst und mit eisernem Besen durch den Kader fegt, aber, ob unsere Mimöschen einem solchen Typen folgen oder sich nicht doch gleich von vornherein solchen Methoden verschließen würden, das ist die große Frage. Letztlich geht es um den VfB Stuttgart, möchte man meinen, und dass dem Wohl des Vereins alle persönlichen Eitelkeiten unterstellt werden sollten, dass bei diesem charakterlosen Sauhaufen aber eine profihafte Einstellung, bedingungsloser Einsatz und (sogar ihre eigene) Ehre Fremdwörter sind, ist hinlänglich bekannt.
Felix Magath ist noch immer auf dem Markt. Viele haben ihm nicht vergessen, wie schändlich er uns 2004 unter Androhung eines Babyjahres und trotz laufenden Vertrages in Richtung Nordösterreich verlassen hat, mir gefällt seine Art noch immer. Seine Methoden mögen antiquiert sein, topfit waren seine Mannschaften jedoch immer. Und, an der Fitness gilt es in der Winterpause zu arbeiten, es ist schließlich kein Zufall, dass wir regelmäßig schlechtere zweite als erste Halbzeiten spielen. Magath wüsste sicherlich, auf was er sich hier einlassen würde und dass ihm, was Zukäufe angeht, die Hände gebunden wären, wäre aber in Bezug dessen unrealistisch, dass er nach einer großen Machtfülle strebt und Robin Dutt überflüssig machen würde.
Seit gestern hat sich auf verschiedenen Portalen ein anderer Favorit herauskristallisiert. Thomas Schaaf solle nach dem Wolfsburg-Spiel einen Vertrag unterzeichnen. Für mich auf den ersten Blick keine Lösung, die begeistert. Er war Bremen, er ist Bremen und er ist in Frankfurt gescheitert, weil er es dort nicht geschafft hat, das Team defensiv zu stabilisieren. Man erinnere sich an unser 5:4 im Waldstadion. Wir brauchen aber genau einen scharfen Analytiker, der das Team im Defensivverhalten verbessert und die Balance zwischen den Mannschaftsteilen wiederherstellt.
Seine knorrige, eigenbrötlerische Art dürfte zum VfB genauso wenig passen wie zur Eintracht, auch weil er mit Dutt einen Trainer auf der Bank sitzen hat, der, um es vorsichtig auszudrücken, sich mehr einbringt, als es einem Schaaf recht sein dürfte.
Sollte dem so sein, und der Nachfolger Kramnys bereits in den Startlöchern stehen, während man Kramny eine ehrliche Chance vorgaukelt, wäre dies auch nicht die feine englische Art.
Aber, wir sind der VfB Stuttgart, ein ehrlicher Umgang mit der Öffentlichkeit und untereinander ist schon lange passé. Der VfB gibt in allen Bereichen ein derart schlechtes Bild ab, so dass gute Spieler und Trainer lieber einen Bogen um den Cannstatter Wasen machen, anstatt eine Rolle in diesem Kasperletheater zu übernehmen. Dutt lässt man vor sich wursteln, weil in Vorstand und Aufsichtsrat keine sportliche Fachkompetenz zu finden ist und die geplante Ausgliederung noch immer sämtliche Kräfte bündelt.
Ich habe mittlerweile resigniert, vom Aufbruch im Sommer ist nichts mehr zu spüren, einmal mehr geht es nur um Schadensbegrenzung. Die Wahrscheinlichkeit, dass diese auch ein drittes Mal gelingt, sehe ich als gering an. Irgendwann sind wir fällig, sollte es im Mai 2016 so weit sein, ich bin schon mal drauf vorbereitet.

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28. Januar 2014

Die Krise setzt sich fort!

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , , , – Franky @ 18:45

Nach den durchweg positiven und frohgelaunten Berichten aus dem fernen Südafrika, markigen Worten unseres Kapitäns sowie unseres Trainers, konnte ich den Neustart in die Rückrunde, den Beginn der so viel zitierten Aufholjagd, kaum erwarten. Die ganze Woche über war ich nervös. Voller Vorfreude zählte ich die Tage bis es endlich wieder losging.

Für den Gewinner der Wintervorbereitung, Mo Abdellaoue, freute ich mich ganz besonders, dass er endlich beim VfB angekommen zu sein scheint. Bereits mehrfach hatte ich mich darüber echauffiert, dass Mo kaum eine echte Chance, geschweige denn das Vertrauen des Trainers bekommen hat. Dass er ein sensibler Spieler ist, der Selbstbewusstsein und Anerkennung braucht, um seine Leistung abzurufen. Dass er es besser kann, als er in der Vorrunde zeigen durfte, bewies er zur Genüge in  Hannover. Daher wehrte ich mich auch vehement gegenüber denjenigen, die ihn schon jetzt als Fehleinkauf von der Hannoveraner Resterampe abstempelten und bei jedem misslungenen Ballkontakt, wenn er denn mal überhaupt bei einem Spiel gegen denselben treten durfte, zu murren begannen. Das ist genau das, was einem sensiblen Spieler den Rest gibt.

So freute ich mich zu hören, dass er am Kap der guten Hoffnung den Reset-Knopf gefunden hat und einen neuen Anlauf nimmt. Zumal Thomas Schneider ankündigte, mit zwei Spitzen zu spielen, was ihm sicherlich mehr entgegen kommt, als als Backup für den gesetzten Vedad Ibisevic zu fungieren, um dann den Heilsbringer zu geben, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist.

So war ich also happy, als es endlich Samstag war und es in Richtung Neckarstadion ging. Mit 19 Punkten, auch das hatte ich bereits vor Weihnachten geschrieben, haben wir, wenn man davon ausgeht, dass 40 Punkte für den Klassenerhalt benötigt werden, gerade einmal die Bilanz eines Abstiegskandidaten, die es schleunigst aufzupolieren gilt. Da die nächsten Aufgaben gegen die Bayern und in Leverkusen nicht leichter werden, war also ein Sieg gegen die biederen Mainzer schon fast Pflicht, ging es doch auch darum, die gute Stimmung der Vorbereitung mit in die Rückrunde hinein zu retten.

Bereits eine Viertelstunde vor Spielbeginn nahm ich meinen Platz im Block 3B ein und musste erst einmal kurz überlegen, ob zufällig das Volksfest oder sonst ein Event stattfindet, oder welchen Grund es sonst gibt, weshalb die Leute später als sonst kommen. Beschämend leer fand ich unser „Wohnzimmer“ vor, offiziell 38.000 Besucher, tatsächlich sicherlich kaum einmal 30.000, und das nach einer sechswöchigen Pause. So sehr die Protagonisten #aufbruch1893 predigen und damit eine Aufbruchsstimmung erzeugen möchten, man glaubt ihnen nicht mehr. Wir sind an einem Punkt angelangt, an dem der „normale“ Zuschauer zuerst Taten sehen möchte und sich nicht abermals für dumm verkaufen lässt. In Zeiten stetig steigender Lebenshaltungskosten und überzogener Eintrittskartenpreise überlegt es sich ein Familienvater eben dreimal, ob er für diese zu erwartende fußballerische Magerkost so tief in die Tasche greift. Wer möchte es den Leuten verdenken. Es ist ja auch nicht so, dass man für sein Geld irgendeine Gegenleistung wie Spielfreude oder Spaßfußball erwarten dürfte. Wie oft wurde gepredigt „ihr für uns, wir für euch“, wie oft waren das leere Worthülsen und der Alltag holte uns schneller wieder ein als uns allen lieb war.

Schon seit einiger Zeit sind die Stadionbesuche nicht mehr vergnügungssteuerpflichtig. Erfreuten wir uns vor zwei Jahren noch an „dreckigen Siegen“, die mehr erzittert, denn erspielt wurden, gewinnen wir diese Grottenkicks heute nicht einmal mehr. Die Spiele plätschern dahin, es ist weder Spielfreude zu erkennen, noch, dass hier ein wahres Team auf dem Platz stünde,  das gemeinsame Sache macht. Jeder ist sich selbst am nächsten, keiner bereit, Verantwortung zu übernehmen. So sehen dann auch die Spiele aus, Stückwerk in weiten Teilen, kein Zusammenhang, kein Zusammenspiel, nicht einmal der unbändige Wille, für den Verein und für uns Fans alles zu geben. Nachdem der x-te Trainer dran glauben musste, der unbeliebte Aufsichtsratsvorsitzende ebenso seinen Stuhl räumen musste wie Ex-Präsident Mäuser fragt man sich, welches Impulses es noch bedarf, bis sich einmal die Spieler selbst in die Pflicht nehmen.

Als Außenstehender würde man es mal gerne sehen, dass die Herren Profis am Schlafittchen gepackt werden, doch in dieser Hinsicht dürften dem Verein arbeitsrechtlich enge Grenzen gesteckt sein. Dennoch habe ich den Eindruck, dass der Verein nicht alle seine Möglichkeiten ausschöpft. Wie viele Spieler hatten wir denn in den letzten Jahren, die es sich hier bequem machten in der Wohlfühloase VfB, auch wenn sie längst keine Rolle mehr spielten, anstatt ihren Hintern zu bewegen und, notfalls auch für weniger Geld, woanders spielen zu können. Dass dies niemand macht und lieber den VfB auspresst wie eine Zitrone, so lang es nur geht, beweist doch, mit was für einer Generation wir es zu tun haben. Wohlstandsjünglinge, denen das Geld wichtiger als alles andere ist. Dass wir uns nicht falsch verstehen: der VfB als Vertragspartner ist natürlich in der Schuld und verpflichtet, geschlossene Verträge einzuhalten. Nur, solchen Spielern sollte man das Leben auf dem Wasen eben so unbequem wie möglich machen. Weshalb nicht Spieler, wie früher Kuzmanovic oder im Sommer Traore, für die Transfererlöse generiert werden könnten, aus dem Alltagsbetrieb herausnehmen und sie dadurch anregen entweder den Vertrag zu verlängern oder das Weite zu suchen? Ein Spieler mit Charakter wird sich doch in der Regel lieber auf der großen Bühne präsentieren wollen, anstatt unter Ausschluss der Öffentlichkeit Wald- und Wiesenläufe zu machen. Außer den Bayern und Dortmund leistet es sich nur noch der VfB in Deutschland Spieler  ablösefrei gehen zu lassen. Hier ist das Management gefragt und hat schlichtweg versagt, wenn Spieler ablösefrei den Verein verlassen. Wenn ein Jahr vor Vertragsende keine Einigung in Sicht ist muss eine Lösung her, die dem Verein noch eine Ablöse beschert und dem Spieler eine neue Perspektive eröffnet. Wofür haben wir denn einen solch großen Kader und eine gute zweite Mannschaft, wenn nicht ab diesem Zeitpunkt schon versucht wird, sich den Nachfolger heranzuziehen und ihm Spielpraxis zu verschaffen. Mir kommt es immer vor, als dass man einfach in den Tag hinein lebt und nur auf Entwicklungen  reagiert, anstatt selbst (frühzeitig) das Heft des Handelns in die Hand zu nehmen. Diese Erkenntnis schlägt sich auch auf der Position des Trainers nieder. Erst wird der Vertrag mit Labbadia aufgrund von selbst auferlegtem Druck verlängert, um ihn dann ein dreiviertel Jahr später zu feuern. Folge dessen: hohe Abfindungszahlung und ein Trainer, der nicht bei drei auf dem Baum war und mit der „Planung“ seines Vorgängers zu Recht kommen muss. In Sachen Labbadia hat sich lang vor dessen Vertragsverlängerung abgezeichnet, dass er den Verein nicht weiter bringt, dass er unzufrieden wirkt und auch dass dessen Standing in der breiten Öffentlichkeit nicht das Beste war. Steckte ein Plan in der Managementarbeit hätte man Anfang 2013 ein Anforderungsprofil an einen Trainer erstellen, diesen aussuchen und notfalls zum 1.7. aus dem Vertrag herauskaufen können. Diese Summe, die in der Regel dem Monatsgehalt eines gut bezahlten Profis entspricht, hätte auch noch der VfB aufbringen können.

Wenn sich die hohen Herren auf der Klausur im Tannheimer Tal auch unbequeme Wahrheiten an den Kopf geworfen haben, wird die eine oder andere der genannten sicherlich dabei gewesen sein. Ich habe das Gefühl, dass Fredi Bobic seitdem verstärkt unter Beobachtung steht und sich nicht mehr viele Fehler leisten darf. Unterm Strich hat er, in gewiss nicht einfachen Zeiten, als Manager eine katastrophale Bilanz vorzuweisen.

Nach der längst überfälligen Trennung von Labbadia schmiss man Schneider ins kalte Wasser und übergab ihm einen zusammengewürfelten Haufen an Akteuren, von denen man nicht den Eindruck hat, ihr letztes Hemd für den VfB zu geben. Wir haben zwar Ur-VfBler wie Gentner und Ulreich, die einfach froh sind, hier zu sein, in der Heimat, bei der Familie, bei IHREM VfB. Solche Bekenntnisse werden beim VfB schnell mit langjährigen gut dotierten Verträgen belohnt, ohne den sportlichen Wert für die Mannschaft zu beleuchten.

Wie jedem Spieler und Trainer, der bei uns seinen Dienst antritt, bin ich zunächst einmal neutral und gebe Schneider die Chance, meine Gunst zu gewinnen. Ob er der richtige ist, wird sich erweisen, heute schon den Stab über den Trainer zu brechen, wäre verfrüht.

Ein wenig enttäuscht bin ich darüber, dass er im Vergleich zu seinem Vorgänger sehr wenig geändert hat. Es werden doch im Vorfeld seiner Bestellung zum Cheftrainer Gespräche stattgefunden haben, was er anders als sein Vorgänger machen möchte. Er muss sich doch von diesem abheben und kein Ebenbild abgeben. Im Ablauf der Spiele sehe ich noch keinen großen Unterschied zu denen unter Labbadia. Nach wie vor ist wenig Bewegung im Spiel, noch immer wird mehr der Rückwärts- als der Vorwärtsgang eingelegt, nach wie vor kassieren wir viele einfache und vermeidbare Gegentore, nach wie vor ist die Stammmannschaft fast eine geschlossene Gesellschaft von 13, 14 Akteuren. Angesichts des großen Kaders hätte ich eigentlich einen größeren Konkurrenzkampf erwartet.

Solang sich nichts Grundlegendes ändert an der Aufstellung, der Einstellung und der Körpersprache der Spieler, so lang schlechte Vorstellungen noch immer schön geredet werden, so lang wird kein Fan zurückzugewinnen sein, der fürs erste mit dem VfB abgeschlossen hat. Diese Leute wollen überzeugt werden von Fortschritt und Nachhaltigkeit dessen und sehen, wofür der VfB eigentlich steht. .

Zu dem Rahmen, der einem Rückrundenauftakt nicht würdig war, wurde es noch, pünktlich zum Wiederbeginn, lausig kalt, so dass ich hoffte, beim Spiel würde mir wenigstens  warm  (ums Herz) werden.

Außer der schon vorab angekündigten Doppelspitze brachte Schneider Maxim auf der linken Außenbahn, Traore und Werner blieben also zunächst einmal draußen. Auch der als Ersatzkapitän abgesetzte Georg Niedermeier musste mit der Reservistenrolle vorlieb nehmen.

Am Anfang war dem VfB auch das Bemühen anzumerken, gut in die Rückrunde zu starten. Selber ließ man (noch) nichts zu, und versuchte schnell nach vorne zu spielen. Nachdem Mo Abdellaoue artistisch zum 1:0 abgestaubt hatte wurde die Hoffnung auf den so wichtigen Dreier weiter genährt. Leider versäumte es der VfB wiederholt nach eigener Führung genau so weiter zu machen und mit Vehemenz nachzulegen. Nach eigener Führung setzt man sich erst einmal bequem zur Ruhe und schaut sich an, was der Gegner so drauf hat. Das war an diesem Samstag Gott sei Dank nicht sehr viel, im Gegenteil, fast wäre das 2:0 für uns gefallen, wenn Mo unseren Ex-Spieler Shinji Okazaki nicht getreten hätte. Das Tor durch Martin Harnik, den man ansonsten auf dem Platz vergeblich gesucht hat, wurde zu Recht nicht gegeben. Diese Chance in der 26. Minute war für lange, lange Zeit das letzte in der Offensive gesetzte Lebenszeichen vom VfB. Stattdessen geilte man sich einmal mehr an Ballstaffetten durch die eigenen Reihen auf, die regelmäßig durch ungenaue Zuspiele oder technische Unzulänglichkeiten auch schon wieder beendet waren. Da unseren Innenverteidigern die Anspielstationen nach vorne fehlten, wurde, wie in der Vorrunde auch schon, immer öfter Sven Ulreich ins Spiel mit einbezogen, dem anzumerken war, dass er froh war, wenn er den Ball unfallfrei wieder nach vorne gebracht hat. Ob ins Aus oder zum Gegner, das spielt in diesem Moment keine Rolle, Hauptsache weg! Dieses Spielchen wiederholt sich pro Halbzeit gefühlte 15-20 Mal und dient meiner Ansicht nach nicht dazu, die davon getriebenen Zuschauer wieder zurück zu gewinnen. Leitner im Mittelfeld sehr bemüht, Gentner formschwach, läuft zwar viel, manchmal aber auch nur, um sich hinter einem Gegenspieler zu verstecken. So stelle ich mir unseren Kapitän, an dem die Mitspieler eigentlich aufschauen sollten, nicht vor. Ibisevic, ein Totalausfall, wirkte, wie wenn er froh wäre jetzt einen Nebenmann zu haben, der ihm die Arbeit abnimmt, zumindest schaute er stets sehr interessiert zu, wie Abdellaoue sich mühte. Maxim, nicht so stark wie gewohnt, wie auch, ist er doch ein zentraler Mittelfeld- und kein Außenbahnspieler.

Dass der rechte Verteidiger eine unserer größten Baustellen ist, weiß man nicht erst seit Samstag. Gegen Mainz aber bewies Sakai, dass er, zumindest in seiner jetzigen Form, einfach nicht bundesligatauglich ist. Er hatte so einen guten Start als er kam, so dass schon ernsthaft darüber nachgedacht würde, ihn aufgrund seiner deutschen Mutter einzudeutschen, um Löw ein Pendant zu Lahm zu liefern. Dann aber befiel ihn, äußerst rätselhaft und noch nicht erforscht, die VfB-Krankheit, die sich darin äußert, dass so gut wie jeder unserer Neuzugänge, der eine früher, der andere später, sein Leistungsvermögen nahezu komplett verliert. Spontan kann ich mich an keinen Akteur erinnern, der in jüngster Vergangenheit zu uns kam und sich erwähnenswert verbesserte. Im Gegenteil, sie verschlechtern sich eher, so auch Sakai. Mir blutet das Herz, wenn ich an Leute wie Hinkel, Beck, Osorio oder auch Hilbert denke, die wir alle mehr oder weniger davon gejagt haben.

Letztendlich war es dann auch Sakai, dem es vorbehalten blieb, den Mainzer Ausgleichstreffer vorzubereiten, in dem er einen kapitalen Querschläger zu Moritz schlug. Dieser schickte Okazaki auf die Reise, woraufhin Ulle völlig ungestüm und unmotiviert aus dem Kasten gestürmt kam, Sakai über den Haufen rannte, Okazaki nicht wusste wie ihm geschah und lässig einschieben konnte. In allerjüngster Vergangenheit der dritte Bock dieser Art von Ulle, was seinem Selbstbewusstsein sicherlich nicht förderlich ist. Er wirkt auf mich ohnehin schon seit geraumer Zeit unsicher. Wie wenn er stets zwei Lösungen im Kopf hat und dann die falsche wählt. Ein Torhüter muss einen Großteil seines Spiels intuitiv spielen, muss Situationen antizipieren und eben EINE Entscheidung treffen. Und dies aus dem Bauch heraus und sich nicht erst die Frage stellen „was mach ich jetzt“? Wer Selbstvertrauen hat, beim wem es läuft, der trifft in seinem Spiel weitestgehend die richtigen Entscheidungen, weil er nicht groß überlegt, sondern weiß, was er zu tun hat. Soviel ich weiß hat sich an der  uralten Torhüterregel „wenn der Torwart raus kommt, muss er ihn haben“ noch nichts geändert. Hier fehlt es am Timing, an der Kommunikation mit den Vorderleuten und auch an seinem Durchsetzungsvermögen, sonst kämen solche Tore normalerweise überhaupt nicht, und schon gar nicht in solcher Regelmäßigkeit zustande.

Ich kann es mir nicht erklären, woran es liegt, hat er doch schon bewiesen, dass er es besser kann. Möglicherweise fühlt er sich als Ikone zu sicher. Der Kritik, die auf ihn jetzt herein prasselt muss sich Ulle stellen und schleunigst daran arbeiten, solche Fehler abzustellen. Geht man auch bei dieser Position vom Leistungsprinzip aus, darf zumindest über einen  Torwartwechsel nachgedacht werden. Wir haben, zusammen mit Schalke 04, die beste Torwartschmiede Deutschlands und im Sommer mit Thorsten Kirschbaum zudem eine hochveranlagte Nummer zwei verpflichtet. Schon um die Reservisten und Nachwuchsleute nicht zu verprellen und ihnen jeder Illusion einer (fairen) Chance zu berauben, wäre es angebracht  Trainingsleistungen und die derzeitige Form sprechen zu lassen und den besseren aufzustellen. Einen Wechsel morgen beim Bayern-Spiel hielte ich allerdings für Quatsch, da wäre die Wahrscheinlichkeit groß, den nächsten Hoffnungsträger zu verbrennen. So hat Ulle also weiterhin die Chance, sich auf seine Stärken zu besinnen und die Kritiker verstummen zu lassen. Warum nicht gleich morgen?

In der zweiten Halbzeit übernahm der VfB wieder etwas mehr das Kommando, klare Chancen aber blieben Mangelware. Einzig in der 71. Minute, als Abdellaoue auf dem Weg in Richtung Tor war und gefoult wurde, hätte es einen Platzverweis für Mainz geben können, wenn nicht müssen. Und, wenn man kein Glück hat, kommt noch Pech hinzu, nämlich als Mainz mit dem so gut wie einzigen Torschuss in der zweiten Halbzeit den Siegtreffer erzielte. Auch hier hatte ich von unserem Platz aus den Eindruck, dass Ulle mit besserem Stellungsspiel und größerer Handlungsschnelligkeit die Flanke auf den Torschützen hätte erreichen können, der Ball war schließlich lang in der Luft.

So stand also am Ende, nach einem abermals weitestgehend emotionslosen, langweiligen Spiel die dritte Heimniederlage sowie die vierte Niederlage in den letzten fünf Spielen. Schlimm, dass das Spiel ein Spiegelbild der Vorrunde war, von Neubeginn, Aufholjagd und dergleichen keine Spur. Die Spiele plätschern ohne große Höhepunkte vor sich hin, auf der Tribüne langweilt man sich zu Tode und wundert sich dabei nicht, dass keine (Aufbruch-)Stimmung rund um den VfB aufkommen mag.

Die Ernüchterung ist groß, meine Hoffnung auf eine bessere Rückrunde geschwunden. Noch mehr, seit Samstag „dürfen“ wir uns mit dem Abstiegsszenario auseinander setzen. Der Abstand auf den Relegationsplatz ist auf drei Punkte zusammengeschmolzen, die Kellerkinder fangen plötzlich an zu punkten. Der Trainerwechsel bisher verpufft, unsere Achse von sog. Führungsspielern mit Ulreich, Niedermeier, Gentner, Harnik, Ibisevic schwächelt durchgängig oder spielt nicht. Was also soll Hoffnung auf Besserung machen? Was kurzfristig, was langfristig? Kurzfristig plädiere ich auf jeden Fall dafür einen Rani Khedira zu bringen, der seine Sache gegen Hannover gut gemacht hat, so lang Gentner der Mannschaft nicht helfen kann. Da Abdellaoue und Ibisevic ähnliche Typen sind und Ibisevic in letzter Zeit hauptsächlich durch reklamieren und linke Fouls auffällt, würde ich Werner und Mo im Sturm aufbieten. Rojas könnte ich mir auf Harniks Position vorstellen. Den Rechtsverteidiger könnte Antonio Rüdiger geben, wenn Schneider das (Stamm-) Innenverteidiger-Duo Rüdiger/ Schwaab zu sprengen bereit ist. Ob Patrick Funk derzeit eine Alternative wäre, kann ich schwer beurteilen. Da man ihn aber von St. Pauli zurückbeordert und nicht gegen geringe Ablöse hat ziehen lassen, gehe ich davon aus, dass man im Sommer noch von seinen Qualitäten überzeugt war.

Eines ist klar, es muss einfach Schluss sein mit einem Stammteam als geschlossener Gesellschaft, wo man höchstens durch Verletzungen oder Sperren herausgerissen wird. So würde ein Leistungsprinzip ad absurdum geführt, und verleitet zur Bequemlichkeit derer, die immer spielen und hat zur Folge, dass die vielen Spieler, die außen vor sind, zuerst frustriert sind, um dann innerlich mit dem VfB abzuschließen. Sollte dann einmal der „Ernstfall“ eintreten, sind diese Spieler aufgrund mangelnder Spielpraxis und auch aufgrund mangelnder Motivation kaum zu gebrauchen, zumal sie wüssten, dass sie, wenn der Platzhalter wieder einsatzbereit ist, sowieso wieder draußen sind. Mit solchen Maßnahmen könnte Schneider sein Profil schärfen und sich Anerkennung im Kader erarbeiten, nicht aber, wenn schwächelnde Stammkräfte immer wieder spielen und nach schwachen Leistungen auch noch unter Artenschutz genommen werden.

Morgen kommen also die Bayern. Die Hütte wird ausnahmsweise mal wieder voll werden, was aber lediglich für den Schatzmeister ein Grund zur Freude sein dürfte. Ich rechne mit 15.000 bis 20.000 Bayern-Fans, so dass der Abend schwer zu ertragen sein dürfte. In sportlicher Hinsicht sind meine Erwartungen sowieso auf dem Nullpunkt, so dass ich froh bin, wenn ich den morgigen Tag hinter mir habe. Zu weit ist die Schere auseinander gedriftet, zu chancenlos der Rest der Liga und erst recht der VfB. So wird es einzig von den Bayern abhängen, wie das Ergebnis ausfallen wird. Haben sie Lust uns abzuschießen oder reichen ihnen einfach die drei Punkte und lassen Gnade vor Recht ergehen. Mir ist es ehrlich gesagt ziemlich egal, ob wir 0:2 oder wie Werder 0:7 verlieren, beides ergibt unter dem Strich null Punkte. Weh tut es so oder so. Vielleicht wäre ein Debakel auch besser als eine knappe Niederlage wie im Pokalfinale, die vieles kaschieren würde. Dann könnten wir wenigstens auf klare Worte nach dem Spiel hoffen und keine Schönrederei mehr.

Abschließend sei noch zu erwähnen, dass es mir auch bewusst ist, dass erst ein Spiel in der Rückrunde gespielt ist und es durchaus immer noch möglich ist, dass wir eine Halbserie sehen werden, die Spaß macht. Allein, mir fehlt nach der dürftigen Vorstellung gegen Mainz der Glaube daran.

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