10. Dezember 2015

Was nun, Herr Dutt?

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , – Franky @ 20:32

Der VfB spielt gerade seine schlechteste Vorrunde der Vereinsgeschichte, die „Mannschaft“ hat mit Alexander Zorniger mal wieder einen Trainer weggemobbt und was macht Robin Dutt? Er wartet sprichwörtlich auf den Weihnachtsmann.

Nach Zornigers Demission und dem damit verbundenen Abrücken vom eingeschlagenen und lange als alternativlos betitelten Weg, ist Dutt mehr denn je in der Pflicht zu liefern. Seine Saisonabschluss-PK und seine großen Worte bei Zornigers Vorstellung klingen mir noch in den Ohren und waren nach derzeitigem Stand wieder einmal nur leere Worthülsen.

Was Zorniger letztlich das Genick brach war seine Sturheit und dass er keinen Plan B besessen zu haben schien, seine Außendarstellung und das öffentliche Kritisieren seiner Spieler, wobei er letzteres ja zuletzt weniger tat. Für mich sind das alles Kriterien gewesen, an denen man hätte arbeiten können. Zorniger war ein Trainer, der zum VfB passte und die Motivation besaß, den VfB aus dem Tal der Tränen zu holen und besser zu machen. Er war es, der es Ulreich nahelegte, sich zu verändern, ihm hätte ich es auch zugetraut, dass er das Gesicht der „Mannschaft“ über kurz oder lang grundlegend verändert hätte.

So bleibt das Kardinalproblem bestehen. Der VfB hat zwar viele Indianer, jedoch keinen Häuptling. Diejenigen, die kraft ihres Amtes im Mannschaftsrat Führungsrollen innehaben, sind entweder Dauerreservisten und/ oder haben ihren Zenit scheinbar überschritten. Diesen Spielern geht es in erster Linie um die Wahrung ihres eigenen Status Quo, so schießen sie gegen jeden, der ihre Wohlfühloase anzutasten versucht, wodurch sie sich grundlegenden Neuerungen per se verschließen, was uns seit Jahren auf der Stelle treten lässt.

Welche Rolle Robin Dutt bei Zornigers Entlassung spielte, ob der Trainer in ihm hoch kam und er Zorniger „Tipps“ gab, wie er die Mannschaft doch besser auf- und einzustellen haben, wäre interessant zu wissen. Bei Stevens hatte dieser Eingriff in die Kernkompetenzen eines Fußballtrainers ja wohl ihre heilende Wirkung gehabt, Zorniger jedoch wollte die Ausrichtung der „Mannschaft“ partout nicht verändern, was dann letztlich zur Trennung führte.

Eigentlich ein Jammer, sahen wir doch über weite Strecken der Vorrunde begeisternde Vorstellungen wie schon lange nicht mehr. Bis zum Bayern-Spiel konnte man auch nicht erkennen, dass die „Mannschaft“ dem Trainer nicht folgen würde, die Körpersprache auf dem Platz jedenfalls war passabel. Was letztendlich dazu geführt hat, dass die „Mannschaft“ Zorniger gegen Augsburg durch eine kollektive Leistungsverweigerung die Gefolgschaft verweigerte, vermag ich nicht zu beurteilen. Und selbst nach diesem Spiel richtete sich der Zorn der Fans mehr gegen die „Mannschaft“ als gegen den Trainer, Trainer raus Rufe waren keine zu vernehmen.

Die „Mannschaft“ wurde durch die La Ola und die Gesänge „Oh, wie ist das schön“ verhöhnt, nicht der Trainer. Der Verein freilich interpretiert diese Reaktionen falsch und sah sich gezwungen, die Reißleine zu ziehen. Ich hätte es mir gewünscht, dass man sich irgendwie in die Winterpause rettet und dann den Personalumbau gnadenlos fortsetzt und sich von Spielern trennt, die nicht mitziehen und nur ihr eigenes Süppchen kochen. Der nächste auf der Trainerbank wird genau mit den gleichen Problemen zu kämpfen haben, wenn es von Vereinsseite nicht zugelassen wird, die bestehende Hierarchie aufzubrechen und altgediente „Führungsspieler“ fortzuschicken.

Mit Zorniger musste, wie man die Mechanismen des Geschäfts kennt, das schwächste Glied in der Kette gehen, obwohl Dutt ihm zuvor, auch am Tag nach dem Augsburg-Spiel noch, die Nibelungentreue geschworen hat. Dutt wurde am Vortag von Zornigers Entlassung vor den Fanausschuss zitiert und scheint dort Denkanstöße erhalten zu haben, die ihn schließlich in der Trainerfrage umdenken ließen. Spötter würden an dieser Stelle sagen, „die Fans“ haben den Nächsten davongejagt, für mich war dies aber eine Fehlinterpretation Dutts, personelle Konsequenzen in der „Mannschaft“ hätten auch schon genügt.

Dass der Trainerwechsel Dutt und den VfB unvorbereitet traf wird darin deutlich, dass kein Feuerwehrmann parat stand und Jürgen Kramny nicht früh genug auf dem Baum war. Jürgen Kramny, der seit 2011 solide Arbeit bei den Amateuren leistet(e) und die Jungs seither stets in der 3. Liga gehalten hat, wurde als Interimstrainer installiert. Für welchen Spielstil er steht, kann ich, der immer, wenn die Gelegenheit besteht, Spiele der Amas besucht, nicht sagen. Die Spielanlage wirkt oftmals eher chaotisch und zufällig denn strukturiert, was aber natürlich auch der Tatsache geschuldet ist, dass er Jahr für Jahr ein neues Team formen und sich dieses im Lauf der Runde erst noch einspielen muss. Durch diese personelle Fluktuation, auch mittels temporärer „Verstärkung“ von oben, lässt sich auf Dauer auch keine Mannschaft einspielen. So gehe ich an den Trainer Kramny absolut neutral hin. Ein netter Kerl ist er, er sitzt bei Heimspielen normalerweise im Block neben uns und ist auch für ein kurzes Pläuschchen stets zu haben.

Und dennoch traue ich es ihm nicht zu, bei den Profis über den Status des Interimstrainers hinauszukommen. Dafür ist er in meinen Augen mittlerweile zu betriebsblind und auch zu obrigkeitshörig, möchte er doch diesen Posten unbedingt behalten. Für Dutt wäre dies mit Sicherheit die billigste und auch pflegeleichteste Lösung.

Personell hat er in seinen bisherigen beiden Spielen nicht viel geändert, mal abgesehen davon, dass Georg Niedermeier aus der Versenkung wieder aufgetaucht ist und zumindest wieder dem Kader angehört. Das Team steht erwartungsgemäß nicht mehr ganz so hoch, was mehr Kompaktheit im Defensivverbund verspricht, uns aber auf der anderen Seite auch zu weniger Torchancen kommen lässt. Das Spiel ist langweiliger geworden, es wird wieder, wie einst unter Labbadia, sehr viel hinten herum gespielt.

Von einem Trainerwechsel verspreche ich mir mehr. Aufbruchsstimmung, Motivation, unermüdlichen Einsatz und auch den einen oder anderen überraschenden Wechsel in der Startelf. Belässt man fast alles beim alten, hätte man auch den alten belassen können.

Der Inbegriff einer Initialzündung nach einem Trainerwechsel ist für mich, als Christoph Daum von Willi Entenmann übernahm und das Team danach nicht wiederzuerkennen war. Der Daum von 1990 hatte das Feuer und übertrug dieses auf die Mannschaft, unvergessen Daums erstes Spiel gegen seine alte Liebe 1. FC Köln, das wir nach 0:2-Rückstand in ein 3:2 drehten, so dass damals ein Ruck durch den ganzen VfB gegangen war.

Dutt und Kramny sind der Meinung, dass es mit einer freundlicheren Ansprache an die „Mannschaft“ schon getan wäre, verkennen dabei aber, dass es gerade der Charakterschwäche dieser „Mannschaft“ zu verdanken ist, dass Trainer um Trainer verschlissen wird. Meiner Meinung nach ist dort eher ein Feldherr gefragt, der mit harter Hand führt und die „Mannschaft“ notfalls einkaserniert, wenn sie nicht spurt. Nett zugeredet haben ihnen schon viele, gebracht hat es freilich nichts.

Worauf wartet Dutt dann eigentlich noch? Ob bei Kramny wider Erwarten der Schubert-Effekt eintritt und die Elf von Sieg zu Sieg eilt? Dass die „Mannschaft“ sich endlich mal rafft und das dauerhaft? Dass Gentner urplötzlich Führungsqualitäten an den Tag legt und sein Team mitreißt?
Für mich braucht es einen Impuls von außen und das so schnell wie möglich. Den hätte ich mir so sehr schon für das wichtige Auswärtsspiel morgen bei Mainz 05 gewünscht. Da in den bisherigen beiden Spielen unter Kramny kein wirklicher Aufwärtstrend und auch keine erfolgversprechende Besserung im Defensivverhalten erkennbar waren, blieb für mich der Aha-Effekt nach dem Trainerwechsel aus.

Manch einer wollte ja beim Dortmund-Spiel eine Steigerung und vor allem eine andere Körpersprache erkannt haben. Leute, wenn das der Maßstab ist und man sich schon daran aufgeilt, dass das Auftreten ein anderes als das erbärmliche gegen Augsburg war, dann gute Nacht.

Es waren allenfalls zwanzig ordentliche Minuten in Dortmund, und die zu einem Zeitpunkt, als man schon 3:0 hätte hinten liegen können. Zu einem Zeitpunkt, als Dortmund mit dem Europa League Spiel in Krasnodar (Russland) in den Knochen und einer sicheren Führung im Rücken einen Gang herunterschaltete fängt der VfB mit Fußballspielen an? Ich selbst, ohnehin von Augsburg noch sauer auf die „Mannschaft“ war jedenfalls so bedient, dass ich nach einer halben Stunde in die Stadionkneipe nebenan gegangen bin und den Rest des Trauerspiels auf Sky angeschaut habe.

Gegen Bremen folgte dann eine im Rahmen unserer Möglichkeiten akzeptable erste Halbzeit, nicht überragend, aber o. k. und vor allem ergebnisorientiert, was in diesem Sechs-Punkte-Spiel auch legitim war. Dann aber kam die „Mannschaft“ aus den Katakomben heraus und trottete über den Platz, als hätten sich Schlaftabletten im Pausentee befunden. Man bettelte förmlich um den Ausgleich, der dann auch fiel und konnte hinterher über den einen Punkt fast noch glücklich sein. Weniger als diesen Punkt hätte Zorniger vermutlich aus diesen beiden Spielen auch nicht geholt.

Bremen war, wie auch Augsburg ein eminent wichtiges Sechs-Punkte-Spiel, das man ohne Wenn und Aber gewinnen hätte müssen. Diese Gegner sind unsere Kragenweite und vor allem auch diejenigen, mit denen wir überhaupt noch konkurrenzfähig sind. Mainz hat zwar gerade einen Lauf, wäre aber auch ein Gegner, bei dem man an einem guten Tag punkten kann. Umso bedauerlicher, dass sich Dutt auch nach dem müden 1:1 gegen Bremen nicht zum Handeln gezwungen sah und einem neuen Trainer mit Mainz womöglich einen Bilderbuchstart beschert hätte.

Langsam aber sicher keimt in mir die Befürchtung auf, dass Dutt entweder keinen Plan hat wie es weitergehen soll oder dass er noch immer ernsthaft darauf hofft, die Interimslösung Kramny werde zu einer Billig-Dauer-Lösung.

Für diese Zauderei in einer Phase, in der uns das Wasser bis zum Hals steht und in der man kaum Hoffnung hat, dass die „Mannschaft“ in der derzeitigen Konstellation überhaupt ein Spiel gewinnen wird können, hätte ich im Nachhinein höchstens Verständnis, wenn man zum 1.1. die „große“ Trainerlösung präsentiert, mit einem Namen, der erst in der Winterpause übernehmen möchte, wie zum Beispiel Favre.

Lucien Favre, auch wenn man es sich kaum vorstellen kann, dass er sich den VfB in seiner derzeitigen Verfassung antun würde, ist so lang mein absoluter Favorit, bis er vom Markt ist. Hier darf sich der VfB zumindest nicht vorwerfen lassen müssen, nicht alles versucht zu haben.

Auch Pierluigi Tami, der bei den Grasshoppers aus Zürich herausragende Arbeit leistet, wäre ein interessanter Mann. Er muss sich entscheiden, ob er das unterschriftsreif vorliegende Vertragsangebot bei GC annimmt oder ob er mit seinen 58 Lenzen eine neue Herausforderung im Ausland annimmt und, falls ja, ob er sich gerne auf den Schleudersitz beim VfB setzen würde oder doch bessere Optionen hat.

Mit Schweizern und „gefühlten“ Schweizern auf der Trainerbank hat der VfB fast nur gute Erfahrungen gemacht. Über Jürgen Sundermann, den man von GC loseiste, Helmut Benthaus, der vom FC Basel kam, Rolf Fringer, dem wir immerhin den späteren und auch zuvor in der Schweiz tätigen Jogi Löw zu verdanken haben, bis hin zu Christian Gross standen die Schweizer für Innovation, Fußballsachverstand und Erfolg.

Da jeden Tag eine andere Sau durchs Dorf getrieben wird, geisterte heute zur Abwechslung der Name Dirk Schuster durch die Gazetten. Ihn finde ich einen äußerst interessanten Mann, der sowohl beim Nachbarn von den Golan-Höhen als auch aktuell bei Darmstadt 98 hervorragende Arbeit leistete bzw. noch leistet. Einige verbohrte VfBler würden ihn vermutlich schon deshalb ablehnen, da er als Spieler eine KSC- und als Trainer eine Kickers-Vergangenheit hat. Für mich wären dies überhaupt keine K.O.-Kriterien, wären „wir“ früher schon so eingestellt gewesen, hätte es wohl weder einen Karl Allgöwer, noch einen Jürgen Klinsmann, noch einen Guido Buchwald und auch keinen Fredi Bobic bei uns gegeben. Ich hoffe trotzdem, dass diese Meldung eine Ente ist und Dirk Schuster sein Werk in Darmstadt fortsetzt.

Mit den anderen üblichen Verdächtigungen konnte ich mich noch immer nicht anfreunden, im Gegenteil, die meisten auf der Liste machen mir nur Angst.

Da heute zu lesen war, Dutt wolle seinen ehemaligen Assistenten Damir Buric an den Neckar lotsen und da sein alter Torwarttrainer schon da ist, liegt die Vermutung nah, Dutt bringe, wie einst Bobic, „seine“ Leute unter, was es einem starken Trainer umso schwerer machen würde, bei uns einzusteigen. Murat Yakin (den ich nicht haben wollte) habe schon abgesagt, weil er eben nicht seinen Trainerstab hätte mitbringen dürfen. Es ist ein schmaler Grat auf dem Dutt sich damit bewegt, schon bei Christian Gross war es der Anfang vom Ende, als ihm eigene (Vertrauens-)Leute verwehrt wurden. Eine solche Denke, dass die Co-Trainer gefälligst aus dem Verein zu stammen haben, kann ja nur darauf gemünzt sein, dass die nächste Trainerentlassung nicht ganz so teuer wird. Absurd!

So steigt in mir die Befürchtung, dass Dutt eher einen ruhigen und pflegeleichten Trainer verpflichten wird, der zunächst einmal froh und dankbar ist, wieder untergekommen zu sein, anstatt sich mit einem Alpha-Tier auseinanderzusetzen und die Signale auf Aufbruch zu stellen.
Dutt ist sich hoffentlich im Klaren darüber, dass seine Position mit der nächsten Trainerverpflichtung steht und fällt. Noch eine solche Fehleinschätzung wie die Zornigers wird Dutt sich nicht leisten können. Misslingt dieser vermeintlich letzte Schuss, dürfte er kaum mehr zu halten und der VfB nicht mehr zu retten sein.

Wir stehen also vor einer eminent wichtigen zukunftsweisenden Entscheidung und Dutt hat die Ruhe weg. Wahler taucht weiter unter und lässt Dutt machen, geballte Fußballkompetenz, die Dutt bei der Trainersuche zur Seite stehen würde, sucht man beim VfB weiterhin vergebens. Unser Schicksal liegt in gewisser Weise nun in den Händen von Dutt, dem, angesichts eines großzügigen Vierjahres-Vertrags, noch am wenigsten passieren kann, sollte es schief gehen fällt er noch am weichsten, einfach grotesk.

Dutt ist sich der Tragweite der Entscheidung bewusst und zögert diese hinaus, während wir ungebremst dem Abgrund entgegen rauschen und wertvolle Zeit verlieren. Wenn das nur (wieder) mal gut geht…

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10. Mai 2015

Hurra, wir leben noch!

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , – Franky @ 21:45

Nach der ebenso ärgerlichen wie unnötigen Niederlage auf Schalke vor Wochenfrist und den Ergebnissen der Konkurrenz hatten sich die Aussichten des VfB auf den Klassenverbleib dramatisch verschlechtert. Es war daher im Vorfeld bereits klar, dass gegen den 1. FSV Mainz 05 nur ein Sieg zählen würde, jedes andere Ergebnis käme fast schon dem Abstieg gleich, auch wenn aufgrund der letzten Gegner und anderer direkter Duelle an den beiden letzten Spieltagen sicher war, dass man selbst im Falle einer Niederlage noch nicht abgestiegen wäre.
Der Spieltag begann mit dem Freitagspiel schon wie gemalt für den VfB. HSV-SC Freiburg 1:1, so dass man bereits vor dem Spiel anfing zu rechnen und auf die Losung kam, Mainz besiegen und danach mit einem Sieg gegen den HSV den Dino überholen zu können. Gar nicht einmal so unrealistisch, für Mainz geht es um nicht mehr viel und wenn man den HSV so spielen sieht und die Spielanlage der Rauten mit der unsere vergleicht, brauchen wir uns vor diesem HSV sicherlich nicht zu verstecken.
Auf der anderen Seite sind drei Siege aus drei Spielen natürlich leichter gesagt als getan, wenn man sich erinnert, dass wir aus 31 Spielen gerade einmal sechs zustande brachten und zudem seit mehr als eineinhalb Jahren keine zwei Spiele hintereinander mehr gewinnen konnten. Außerdem gefällt sich der VfB offensichtlich als Heilsarmee der Bundesliga und erweckt jedes Mal kriselnde Gegner zu neuem Leben, indem man sich die Dinger regelmäßig selbst ins Netz legt. Solche Anfängerfehler werden natürlich in Deutschlands Eliteklasse gnadenlos bestraft, so dass die Angst vor neuerlichen Slapstickeinlagen unserer Defensivstrategen stets mitspielt und man sich als VfB-Sympathiesant gegen keinen Gegner und bei keinem Spielstand wirklich sicher sein kann.
So empfing der VfB also am letzten Wasenwochenende den selbsternannten Karnevalsverein aus Mainz. Für Mainz ging es quasi um nichts mehr, auch wenn theoretisch noch die Europa League-Qualifikation und sogar der Abstieg, wenn auch äußerst unwahrscheinlich, möglich gewesen wäre. Im Vergleich zum Schalke-Spiel brachte Huub Stevens den wiedergenesenen Antonio Rüdiger für den angeschlagenen und auf Schalke kapital patzenden Georg Niedermeier. Außerdem stand erstmals in dieser Saison Daniel Didavi in der Startformation, für ihn musste Alexandru Maxim auf der Bank Platz nehmen.
Die Stimmung im Stadion zum „Top-Spiel der Woche“ war von Beginn an überragend. Frühlingshafte Temperaturen, das Frühlingsfest, 54.000 Zuschauer, man hatte den Eindruck, dass so langsam jeder kapiert hat, was die Stunde geschlagen hat. Wie schon vor dem letzten Sieg gegen Werder Bremen heizten auch dieses Mal die Schwaben im Berliner Exil von „Die Fraktion“ dem Anhang ein, ein Auftritt, der abermals Glück bringen sollte. Ich mag die Band nicht erst, seit sie einen Beitrag für „Das sind die Fans und ihre Geschichten“ beigesteuert haben, ihre Hymne „VfB ein Leben lang“ oder auch das zum Stadionsong gekürte „Für immer VfB“ begleiten einen schon seit einigen Jahren.
Der VfB indes übernahm sofort die Initiative und suchte sein Heil in der Offensive, hatte aber spürbar Probleme zu aussichtsreichen Abschlüssen zu kommen, da die Mainzer kompakt standen und geschickt die Räume zumachten. Gerade für dieses Spiel war es ein gelungener Schachzug dem laufstärkeren Didavi den Vorzug vor Maxim zu geben, versuchte doch auch Didavi sofort das Spiel an sich zu reißen. Bereits in der letzten Saison, als Didavi erst im Frühjahr ins Geschehen eingreifen konnte, hatte er maßgeblichen Anteil am Klassenerhalt, so könnte er auch in dieser Saison wieder zu unserer Lebensversicherung werden. Für mich ist er der beste Fußballer in unseren Reihen, tragisch wie sehr er zuletzt von langwierigen Verletzungen gebeutelt war, so dass man schon Angst hatte, ob er denn überhaupt noch zurückkommen würde oder gar einen Eintrag auf Sportinvalidität stellen müsste. Ich drücke ihm und uns ganz fest die Daumen, dass er das Gröbste überstanden hat und uns auch mal eine Saison am Stück sein Können zeigen kann. Seit ich ihn zum ersten Mal spielen sah, bei seinem allerersten Einsatz als 17-jähriger bei den Amateuren, als er gleich doppelt traf, mag ich ihn und bin von seinen Qualitäten überzeugt. An die nächste Saison möchte ich noch gar nicht denken, zunächst einmal wäre es eine große Hilfe, wenn er in den restlichen Spielen dieser Saison mithelfen könnte, den Abstieg zu verhindern.
Außer Dida war gestern wieder einmal Filip Kostic der zweite Aktivposten. Endlich darf der Serbe zeigen, was er drauf hat. Lang hat’s gedauert, nun aber, vielleicht gerade noch rechtzeitig, hat er sich an den deutschen Fußball gewöhnt, hat gelernt defensiv mitzuarbeiten und trotzdem nach vorne Akzente zu setzen. Unwiderstehlich seine Dribblings, ein Typ Spieler, der auszusterben droht, der es mit mehreren Gegenspielern auf einmal aufnimmt und dadurch Platz und Räume für seine Mitspieler schafft. Schon auf Schalke der beste VfBler und auch gestern wieder bärenstark. Und überhaupt, wegen unserer Offensive brauchen wir uns keine Sorgen machen, in diesem Bereich sind wir von allen Abstiegskontrahenten mit Abstand am besten besetzt. Auch unser zweiter Langzeitverletzter Daniel Ginczek besticht in den letzten Spielen mit seiner herausragenden Form. Problem nach wie vor unsere Defensive einschließlich Keeper, die gestern zum Glück aber selten gefordert waren.
Je länger das Spiel dauerte, umso seltener wurden die VfB-Chancen. Der VfB zwar tonangebend, aber eben nicht zwingend genug, zudem verteidigten die Mainzer geschickt. Aber, was man dem VfB dieses Mal hoch anrechnen kann und muss, ist, dass die Körpersprache über 90 Minuten stimmte und man die Mehrzahl der Zweikämpfe für sich entschied. Es war eine engagierte und ob des immensen Drucks auch eine couragierte Leistung vom VfB in einem Spiel, in dem er geduldig seinen Stiefel herunterspielte und auf diese eine Chance wartete.
Diese kam dann auch in der 66. Minute, zu einem Zeitpunkt, als schon das nervöse Kribbeln einsetzte und man machtlos die Uhr herunterlaufen sah. Daniel Didavi, der noch eine halbe Stunde zuvor mit einem satten Diagonal-Kracher am Pfosten gescheitert war, fasste sich aus 34 (!) Metern ein Herz und packte den Hammer aus. Der Ball schlug zur Überraschung aller vom Schützen aus gesehen am linken Innenpfosten ein, wobei der Mainzer Keeper Karius keine gute Figur abgab. Sei’s drum, vielleicht hatte er, der ja aus der VfB-Jugend stammt, sein VfB-Herz wiederentdeckt, alles egal. 1:0, ein kollektiver Torschrei der Erleichterung, das Stadion bebte, selbst bei uns auf der Haupttribüne hielt es kaum mehr einen auf den Sitzen. Sollte tatsächlich wieder dieser langzeitverletzte Dida aus unserer eigenen Jugend der Retter werden? Fast schon frech aus dieser Distanz draufzuhalten, aber, er probiert es wenigstens. Vielleicht ein Verzweiflungsschuss, egal, er hat Vertrauen in seinen feinen linken Fuß und das Vertrauen hat sich ausgezahlt. Da war sie also, die fast schon lebenswichtige Führung, die es nun galt, nicht mehr leichtfertig zu verspielen. Man wusste nicht so recht, was man von den Mainzelmännchen noch zu erwarten hatte, ob sie mit aller Macht auf den Ausgleich drängen wollten oder diese Niederlage hinzunehmen bereit waren. Der VfB tat das einzig richtige und igelte sich nicht hinten ein, sondern versuchte nachzulegen. Die Erfahrung der letzten Spiele lehrte es uns ja, keine Führung kann hoch genug sein, um nicht doch noch Gefahr zu laufen, sie wieder zu verspielen. In der 76. Minute hatte Didavi seine Schuldigkeit getan. Unter tosendem Applaus verließ er das Feld, Maxim kam. Nur zwei Minuten später dann wurde der Sack zugemacht. Langer Schlag von Ulreich (fand er Harnik nicht?) auf Ginczek, der fein auf Harnik, welcher wiederum von der Grundlinie in den Rückraum passte, von wo Kostic die Kugel kompromisslos in die Maschen drosch, und somit seine starke Leistung krönte. Riesen Jubel im weiten Rund, pure Erleichterung und aufgrund der Ergebnisse der Konkurrenz auch wieder große Hoffnung auf den vielleicht sogar direkten Klassenerhalt. Zwar hält man auch zwei Spieltage vor Schluss weiter eisern die rote Laterne, doch, auf Platz 14 sind es gerade einmal zwei Punkte.
Standing Ovations nach dem Spiel, der Funke ist (endlich mal wieder) vom Rasen auf die Ränge übergesprungen, es scheint fast so, als bahne sich ein neuer Schulterschluss zwischen Fans und Mannschaft an, wo doch zuletzt das Tischtuch eher zerschnitten war. Um in Erinnerung zu rufen, dass auch nach diesem Sieg noch überhaupt nichts erreicht ist, berief Huub Stevens zum ersten Mal überhaupt das komplette Team noch auf dem Rasen zu einem Kreis zusammen und schwor sie auf die nächsten Spiele ein. Für den VfB gilt es gegen den HSV genau an diese Leistung anzuknüpfen, dann muss uns allen nicht bange sein. Noch ist alles möglich in diesem verrückten Abstiegskampf. Wenn es normale Ergebnisse gibt, sollten zwei Siege für Platz 15 reichen. Dann nämlich gewinnt der SC Freiburg nächste Woche nicht gegen die Bayern und Paderborn nicht auf Schalke. Aber, was ist schon normal. Die Bayern verlieren derzeit jedes Spiel und Schalke gewinnt gerade einmal gegen uns, weil wir sie reich beschenkt haben.
Schalke ist am letzten Spieltag auch noch beim HSV gefordert und könnte zu etwas wie dem Zünglein an der Waage im Abstiegskampf werden. Hoffnung macht hier nur, dass bei königsblau nach der heutigen Niederlage in Köln so richtig Feuer unterm Dach ist und sie noch Punkte benötigen, um in der nächsten Saison überhaupt international dabei zu sein. Auch die Bayern sollten, selbst nach dem wahrscheinlichen Ausscheiden aus der Königsklasse, die Saison ordentlich zu Ende spielen, auch wenn für Pep Guardiola Begriffe wie Ehre und Fairness Fremdworte zu sein scheinen.
Letzten Endes liegt es aber am VfB selbst, ob er die Klasse hält. Zwei Siege zum Abschluss und mindestens die Relegation wird erreicht werden. In der 2. Liga sehe ich kein Team, vor dem man sich fürchten müsste.
Seit gestern stehen für mich die Zeichen tatsächlich auf Klassenerhalt. Das Neckarstadion wird am Samstag ausverkauft sein, die Fans stehen inzwischen wie ein Mann hinter dem Team und wir spielen mit Abstand den besten Fußball aller Teams, die unten drin stehen.
Dem unter Bruno Labbadia wiedererstarkten HSV werden am Samstag die Grenzen aufgezeigt werden, davon bin ich überzeugt. Es war natürlich zu befürchten, dass Bruno dem HSV neues Leben einhauchen würde und kurzfristigen Erfolg haben wird, aber, ich bleibe dabei, langfristig ist er für mich kein guter Trainer. Für den VfB war er es nicht, für den HSV wird er es auch nicht sein, wenn er sich denn nicht grundsätzlich ändert. Er hat charakterliche Schwächen, ihm wird ja so einiges nachgesagt, welches für einen Mannschaftserfolg nicht gerade förderlich ist. Er hat stets eine geschlossene Gesellschaft an Spielern, die immer ran dürfen, um die anderen kümmert er sich nicht und spricht auch nicht mit ihnen, weshalb sie denn keine Rolle spielen. Beim VfB sind dadurch manche Karrieren bereits im Keim erstickt worden, und das von Spielern, die mittlerweile woanders ihre Rolle gefunden haben. Daher habe ich für die Spötter auch kein Verständnis, die diesen kurzfristigen Erfolg des HSV (wohlgemerkt hat dieser noch nichts erreicht zum jetzigen Zeitpunkt!) jetzt dazu verwenden, zu sagen „sehr her, es war ein Fehler Bruno zu entlassen“. Nach Bobic kommt für mich Labbadia nämlich gleich danach als einer der Totengräber vom VfB. Dankbar bin ich ihm für den Klassenerhalt 2011, für viel mehr aber nicht. Unter ihm verkaufte man Leno, er war an den Verpflichtungen von Granaten wie Torun, Sararer, halb Hannover 96 und vielem mehr maßgeblich mitverantwortlich. Er sprach zu wenig mit den Spielern und bemerkte daher mutmaßlich auch nicht die immer schlechter werdende Stimmung und die Grüppchenbildung im Team. Sein „kongenialer“ Partner Eddy Sözer war zudem bei der Mannschaft nicht wohlgelitten, was ebenfalls keine gute Voraussetzung für erfolgreiches Arbeiten war. Gerade ein Co-Trainer sollte als Bindeglied zwischen Team und Chef-Trainer fungieren, ein Vertrauensverhältnis zu den Spielern aufbauen und nicht als des Trainers Spion wahrgenommen werden.
Nichts destotrotz, positiv für den VfB, die beiden stehen nicht mehr auf der VfB-Gehaltsliste und sind somit endgültig Geschichte beim VfB, womit ich es jetzt auch belassen möchte.
Am Samstag dürfte es schon wegen dieser Personalie eine ganz heiße Kiste werden, ich freue mich drauf und versuche mich auf der vor dem Spiel stattfinden Partyfloßfahrt zurückzuhalten, um das Spiel und hoffentlich den Sieg ausgiebig erleben und genießen zu können.

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18. Dezember 2014

Ein Silberstreif am Horizont

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , , , – Franky @ 23:25

Nach dem Schalke-Spiel fiel mein Blog zugegebenermaßen etwas drastisch aus, weniger des Ergebnisses wegen, als mehr wegen des Auftretens unserer Truppe. Derbe Pleiten gab es auch früher schon, jedoch nicht in unschöner Regelmäßigkeit wie zurzeit. Lagen früher einige Jahre oder gar Dekaden zwischen zwei Debakeln setzte es in den letzten beiden Jahren schon zwei 1:6-Klatschen auswärts in München und in Dortmund, gegen die man zwar auch mal so hoch verlieren kann, jedoch nicht in der Art und Weise, wie es geschah. Viel schlimmer aber, das 0:4 gegen Schalke 04 war im siebten Heimspiel die fünfte Heimniederlage sowie das zweite 0:4 auf eigenem Terrain binnen fünf Wochen. Diese statistischen Fakten belegen, wie weit es mit dem VfB gekommen ist. War es früher die pure Freude ins Neckarstadion zu gehen, sparte man sich den Besuch anfangs von seinem Taschengeld ab oder ging, wenn das Geld knapp war, erst zur zweiten Halbzeit „runter“, als kein Eintritt mehr verlangt wurde, liefert man heute seine Knete für die Dauerkarte schon im Mai brav ab und kauft damit die Katze im Sack. Aufgrund einiger Aktionen, die der VfB in den letzten Jahren abzieht, bin ich sehr verärgert. Versprach man uns im letzten Jahr eine schonungslose Aufarbeitung der Vorsaison, von der nichts zu sehen war oder verramschte Eintrittskarten für 2,50 Euro oder wie zuletzt zum halben Preis. Als Dauerkartenkunde hat man von solchen Aktionen nichts. Ich bin wirklich geneigt, im nächsten Jahr erst einmal abzuwarten, ob sich im Verein etwas ändert, bevor ich meinen teuren Haupttribünenplatz wieder nehme.
Früher, vor Bosman, war mehr Identifikation seitens der Spieler mit dem Verein vorhanden, mehr Schwaben hatte man sowieso in der Mannschaft, aber, es war eben auch eine andere Zeit mit ehrbareren Spielern, die nicht ausschließlich ihr Gehaltsscheck interessierte, sondern die auch bereit waren und sich verpflichtet fühlten, etwas dafür zu leisten. Und, wer diese Pflicht aus den Augen verlor, dem las Gerhard Mayer-Vorfelder ganz schnell die Leviten. Heutzutage haben wir es mit einer Generation zu tun, „komm ich heut nicht, komm ich morgen“, die es vermeintlich geschafft haben, die es sich ohne große Gegenleistung in der Wohlfühloase VfB Stuttgart 1893 e. V. bequem machen und sich einen feuchten Kehricht darum scheren, für wen sie „arbeiten“, wie viel Herzblut bei den Fans und auch den (anderen) Mitarbeitern im Spiel ist und vor allem was in all denen zerbrechen würde, wenn sie den Karren weiterhin sang- und klanglos dem Abgrund entgegen rasen lassen. Darum bleibe ich dabei, dass man, sollte es auch ein zweites Mal gelingen, den Kopf noch aus der Schlinge zu ziehen, den VfB auf allen Ebenen runderneuern muss und vor allem bei der Spielerauswahl nicht nur den Fokus darauf zu legen hat, ob sie einigermaßen mit dem Ball umgehen können, sondern auch darauf, wie der Mensch tickt, welche Einstellung er mitbringt, ob er privat gefestigt und vor allem ob er teamfähig ist. Nur wenn das gegeben ist, wir wieder elf Spieler auf dem Platz haben, die bereit sind Gras füreinander zu fressen, Eifersüchteleien und Animositäten untereinander für neunzig Minuten ausblenden, kann es wieder eine Freude sein, den Spielen beizuwohnen. Früher ging man noch ins Stadion, um den Alltagsfrust auszublenden, heutzutage hat sich das umgekehrt, kommt man schon missgestimmt aus dem Wochenende, zumindest, was den VfB anbelangt. Der VfB hat ein riesen Potential an treuen Fans, die sich die ganze Sch… die letzten Jahre fast klaglos angetan haben, unterschätzen und es sich mit ihnen verscherzen sollte es der VfB aber nicht, irgendwann reißt jeder Geduldsfaden!
Mit Retter „Huub“ ist zumindest ein wenig Schluss mit lustig was die Mannschaft anbelangt. Er setzt, wie in der Vorsaison, auf teambildende Maßnahmen wie dem gemeinsamen Frühstück vor dem Training und achtet auch penibelst darauf, dass „seine Jungs“ wie Profis leben, sich ausgewogen ernähren und vor allem genug und das richtige zur rechten Zeit essen. Auch setzt Stevens, im Gegensatz zu Vorgänger Veh, auf Stabilität und hat lieber Arbeiter als Künstler auf dem Platz. Die ersten „Opfer“ dieser Personalrochaden scheinen in Leitner, Kostic und Maxim gefunden. Leitner und Maxim hatten es bereits bei Stevens‘ erster Amtszeit schwer. Gerade Leitner, dessen Leihgeschäft eine einzige Enttäuschung ist, wurde zuletzt überhaupt nicht mehr berücksichtigt, während Maxim sich durch seine starke Leistung nach der Einwechslung in Mainz den Startelfeinsatz in Hamburg verdient hat.
Wie zu lesen ist, denkt Alexandru Maxim an eine Flucht im Winter, trotz laufenden Vertrages bis 2017. Ich hoffe, der VfB wird einen Teufel tun, Maxim ziehen zu lassen. Wenn, dann müsste schon ein unmoralisches Angebot im ordentlichen zweistelligen Millionenbereich her, dass ich sagen würde, o. k. da kann man nicht nein sagen. Andernfalls soll sich der Junge durchbeißen. Die Fähigkeiten dazu hat er, er schlägt starke Standards, hat einen guten Schuss und ein gutes Auge für den Mitspieler. Ich sehe ihn gerne spielen und bin auch der Auffassung, dass eine funktionierende Mannschaft einen Spieler wie Maxim verkraften können muss, der eben nicht alle Wege nach hinten macht, durch Geniestreiche vorne aber dafür der Mannschaft hilft. Eine Hand wäscht die andere, das muss Stevens an die Truppe ran bringen. Natürlich steigen Maxims Aktien nicht unbedingt, wenn der leider oft langwierig verletzte Daniel Didavi zurückkehrt, dann muss er aber, wie im Mannschaftssport üblich, um seinen Platz kämpfen und nicht gleich bei den ersten Schwierigkeiten davonlaufen.
Nach Mainz fuhren wir mit dem RWS-Bus. Zu diesem „Topspiel der Woche“, Samstag 18.30 Uhr, hatte ich unser Ticket direkt beim Heimverein bestellt und saß auf der Haupttribüne, der besseren Perspektive zum fotografieren wegen aber auch, weil man sich außerhalb des Gästekäfigs einfach besser bewegen kann und „freier“ ist. Mainz 05 steckt in einer Negativspirale von sechs sieglosen Spielen, der VfB kam mit der Hypothek des 0:4 gegen Schalke 04 in die Coface-Arena, in der wir seit dem Umzug der Mainzer vom Bruchweg-Stadion noch keinen Punkt geholt haben. Da mein Vertrauen in die Truppe sowieso auf den Nullpunkt gesunken ist und ich die herausragenden Nehmerqualitäten des Aufbaugegners VfB zur Genüge kenne, hatte ich kein besonders gutes Gefühl vor dem Spiel, um es milde auszudrücken.
Mit Shinji Okazaki steht zu dem noch ein Ex-VfBler in den Mainzer Reihen, ist zu allem Überfluss auch deren bester Torschütze, so dass, wenn man den VfB kennt, davon auszugehen war, dass er, wie fast jeder Ex-Spieler, auch gegen uns treffen würde. Okazaki ist für mich ein Sinnbild der Ära Bobic/ Labbadia. Ich bemängelte oft, dass unter Labbadia das Leistungsprinzip außer Kraft gesetzt war, er seine Mannschaft im Kopf hatte und diese auch so aufstellte, wenn nichts Gravierendes vorgefallen war. So brachte man auch im „Fall Okazaki“ auf Teufel komm raus Stoßstürmer Ibisevic, und war er noch so lustlos oder formschwach und setzte stattdessen Okazaki überhaupt nicht ein oder wenn, dann nicht auf seiner besten Position. Ich hatte es seinerzeit schon thematisiert, dass Okazaki des Öfteren als bester Torschütze mit Selbstvertrauen aus einer Vorbereitung kam, um dann zum Auftakt, doch wieder auf der Bank zu versauern. Okazaki, der sich sowieso in einem ihm fremden Kulturkreis zurechtzufinden hatte, hatte zu allen sportlichen Problemen in Labbadia noch einen Trainer, der den Reservisten nicht einmal erklärt hat, weshalb er nicht auf sie setzt und, wie ich hörte, nur mit den „Stammkräften“ gesprochen hat. Dadurch hatte es ein sensibler Spieler wie Okazaki doppelt schwer nachzuvollziehen, in welch falschem Film er sich befand Ich fand es außerordentlich schade, wie es gelaufen ist und mag ihn nach wie vor, unvergessen sein Tor gegen Schalke beim ersten Spiel im fertig umgebauten Stadion oder sein Fallrückziehertor in Hannover.
Große Lust auf den VfB verspürte ich zudem nicht, als wir im Dauerregen von Mainz an unserem Platz angekommen waren. Direkt vor unserem Block auf der Haupttribüne Seite waren die Nasen von Sky Hellmann, Didi Hamann, Metzelder und Loddar schon kräftig am analysieren, als wir nach unzähligen Gesprächen im eingezäunten Busparkplatzbereich und auch im Innenraum des Stadions an unserem Platz angekommen waren. Nach YNWA und schöner Schalparade ging es hinein ins Spiel. Die Aufstellung von Stevens erstaunte dann doch. Dass er nach dem Schalke-Debakel auf gleich fünf Positionen wechselte war nachzuvollziehen, dass er aber Mit Werner, Ginczek und wohlwollend auch noch Gentner gerade einmal drei Offensivkräfte aufbot, überraschte dann doch. So war es nicht verwunderlich, dass sich der VfB hinten reindrängen ließ und vorne in der ersten Halbzeit überhaupt nicht stattfand. Dennoch bedurfte es für die Mainzer eines Standards. Geis verwandelte den Freistoß aus 22 Metern sehenswert direkt, wobei Okazaki Ulreich schlitzohrig die Sicht versperrte. Kurz nach Wiederbeginn hatte Ginczek die erste VfB-Chance, diese war jedoch hochkarätig, lief er doch alleine auf den Mainzer Schlussmann Karius zu. Karius, der aus der Torwartschmiede des VfB stammt, reagierte glänzend mit einem Reflex. Danach war es aber wieder für lange Zeit vorbei mit der VfB-Herrlichkeit. Die Mainzer übernahmen wieder die Initiative und waren dem 2:0 näher als der VfB dem Ausgleich. Erst durch die Hereinnahmen von Maxim und Kostic kam der VfB zu mehr Ballkontrolle und folglich auch zu Torchancen. Die aber, die zum Ausgleich führte, war im Grunde überhaupt keine. Kostic‘ als Flanke gedachter Ball kullerte am Ende an Freund und Feind vorbei ins Tor. Sein erster Bundesligatreffer, kurios, aber egal. Danach wurde der VfB mutiger und hätte bei genaueren Zuspielen sogar noch den Sieg davon tragen können. Doch, auch die Mainzer hatten den Sieg in Person von Okazaki vor Augen, dessen Ball in der Nachspielzeit von Christian Gentner noch von der Linie gerettet werden konnte. So stand am Ende ein alles in allem glücklicher Punkt auf der Haben-Seite. Nach der Negativserie in Mainz in den letzten Jahren gewann ich diesem durchaus Positives ab, auch wenn man sich als Schlusslicht der Tabelle natürlich von dort nicht weg bewegt, wenn man seine Spiele nicht gewinnt. Stevens hob die Stabilität hervor, die seine Umstellungen gebracht hatten, das war nach dem indiskutablem Auftritt gegen Schalke auf jeden Fall ein Fortschritt und nicht der falscheste Ansatz.
Wer über die Überbelastung der armen Spieler jammert, sollte die Fans in einer englischen Woche auch nicht außer Acht lassen, vor allem dann nicht, wenn es in dieser zwei Mal auswärts zur Sache geht. Keine 72 Stunden nach dem Abpfiff in Mainz wurde der VfB schon wieder in Hamburg gefordert. Für uns hieß dies, Sonntag gegen 0 Uhr ziemlich geschafft zu Hause gewesen, den Sonntag mehr oder weniger zum regenerieren und ausruhen genutzt, um sich dann am Montagmorgen auf den Weg nach Hamburg zu machen. Wir hatten zwar einen angenehme Zeit für unseren Flug gewählt, nämlich 10 Uhr morgens, trotzdem hieß es früh aufzustehen, um den Weg zum Flughafen und die Prozeduren dort ohne großen Zeitdruck hinter sich zu bringen. Wird Hamburg erfahrungsgemäß hart, war mir eigentlich daran gelegen, gemütlich in den Tag zu starten, wohlwissend, dass der Abend sicher lang werden würde. Weit gefehlt, wenn man Bekannte am Flughafen trifft und von denen zum Frühschoppen animiert wird. So wurde die Wartezeit schon feuchtfröhlich hinter sich gebracht.
Da wir bereits zig Mal in Hamburg waren und die meisten Sightseeing-Ziele schon hinter uns haben, war es uns relativ egal, dass das Wetter an diesen drei Tagen zu keinen Outdoor-Aktivitäten, abgesehen vom Spiel, einlud. Irgendwo drinnen, sei es im Hotel oder am Montagnachmittag in der Pils-Börse, war es da doch am gemütlichsten. Montagabend dann aber hatten wir eine Verabredung in Hamburg-Altona auf dem Ottenser Weihnachtsmarkt zum Glühwein mit Schuss trinken. Dieser Abend war ein gelungener Opener für den Hamburg-Aufenthalt und klang im Schweinske Altona noch nett aus. Die ersten Verluste gab es dabei auch zu verzeichnen, ohne jetzt Namen zu nennen, ich war’s definitiv nicht. ;-)
Nach (zu) kurzer Nacht starteten wir dann mit einem sensationell reichhaltigen Frühstück in unserem Hotel Novotel Hamburg City Alster in den Tag. Für den Nachmittag hatte der Hamburger VfB-Fanclub Roter Brustring Hamburg (RBHH) zum Warmup auf Hamburgs geilsten Weihnachtsmarkt, den Santa Pauli am Spielbudenplatz, mitten auf der Reeperbahn, geladen. Dort verabredeten wir uns mit anderen VfBlern, die auch schon angekommen waren, um uns aufs Spiel einzustimmen. Es war windig und nasskalt, Hamburger Wetter eben. Ich finde es immer wieder schön und bin dankbar dafür, wie sich die Jungs vom RBHH ins Zeug legen und eine gemeinsame Anlaufstelle für die VfB-Fans, die im Lauf der Zeit natürlich immer mehr wurden, schaffen. Leider machten die Terminierungen für „ihr“ Heimspiel einer neuerlichen Barkassenfahrt, die bei Samstag-Terminen traditionell für VfB-Fans nach dem Spiel stattfindet, in den letzten Jahren einen Strich durch die Rechnung, aber, der Treff auf dem Santa Pauli hatte auch etwas und war schön und stimmungsvoll. Bemerkenswert dabei war, dass es sich eine Reisegruppe aus dem Sponsorenpool des VfB mit Norbert Haug, dem ehemaligen Motorsport-Chef von Mercedes Benz, sowie Buffy Ettmayer ebenfalls nicht nehmen ließ, beim Treff vorbei zu schauen. Noch schnell Fotos mit beiden gemacht und ein wenig mit Buffy gesmalltalkt, der ja für beide Vereine am Ball war, und schon gab es das Kommando zum gemeinsamen Abmarsch und zur gemeinsamen Fahrt mit S-Bahn und Shuttle-Bus zum Stadion. Dort trafen wir auch noch zahlreiche Freunde und Bekannte. Schon bemerkenswert, dass zu einem Spiel in Hamburg unter der Woche noch gut 1.500 VfBler anreisen. Der harte Kern ist eben überall dabei, wer konnte, war dabei, schließlich bekommt auch nicht jeder in der Vorweihnachtszeit frei, sonst wären es noch einige mehr geworden. Langsam bin ich es müßig, mich über die Terminierungen von Spielen aufzuregen, bei denen die Vereine mehr als 300 Kilometer auseinander liegen. Dass nur solche Vereine bspw. sonntags gegeneinander spielen, bei denen die Entfernungen kürzer sind, wird ja schon lange außer Acht gelassen. Und, dass es in einer Saison mit drei englischen Wochen, den VfB alle drei Mal erwischt, auswärts ran zu müssen, dazu noch in Dortmund, Hamburg und Köln, was man alles gerne mal mit Übernachtung macht, ist schade und unterstreicht den nicht vorhandenen Stellenwert der Fans im Handeln der DFL.
Nach dem glücklichen Punktgewinn von Mainz wusste ich auch vor Hamburg nicht so recht, was wir zu erwarten hätten. Hamburg ist im Aufwind und hat die letzten drei Heimspiele allesamt gewonnen, auf der anderen Seite machte mir Mut, dass der VfB in den letzten Jahren öfter mal in Hamburg gewann, obwohl die Gesamtauswärtsbilanz dort nach wie vor verheerend schlecht ist. Stevens brachte im Gegensatz zum Mainz-Spiel den wieder einsatzbereiten Harnik und Maxim für Ginczek und Werner. Das Spiel begann mit einem engagierten HSV, der anfangs die Spielregie übernahm, erste Chancen gab es aber hüben wie drüben. Der VfB war präsenter als noch in Mainz im ersten Durchgang, hatte aber große Probleme mit dem guten Hamburger Pressing in der Anfangsphase, das den VfB immer wieder zu Ballverlusten verleitete. Den ersten unschönen Aufreger gab es in der 20. Minute, als Van der Vaart Georg Niedermeier fernab des Spielgeschehens von hinten um rempelte. Gelb wäre das Mindeste in dieser Situation gewesen, alleine wegen dieser Dummheit des Niederländers wäre auch die rote Karte akzeptabel gewesen. Jeder im Stadion sah es, „nur“ eben die vier Schiedsrichter hatten Tomaten auf den Augen.
Als Sky-Kultreporter Rolf „Rollo“ Fuhrmann von Van der Vaart wissen wollte, was ihn bei dieser Aktion geritten hätte, rastete er vor laufender Kamera aus und fragte Rollo, ob er schlecht geschlafen habe. Ein arroganter A… , früher begnadeter Fußballer, heute ein Altstar, der mehr durch Eskapaden neben und Handgreiflichkeiten auf dem Platz auffällt, denn durch fußballerische Glanzpunkte. Wer den HSV nicht mag, muss sich eigentlich wünschen, dass Van der Vaart noch lang sein Unwesen im HSV-Team treibt. Er macht nur noch ganz selten den Unterschied aus, ist sonst eher Mitläufer denn Leistungsträger, blockiert aber einen Stammplatz, weil, einen Van der Vaart setzt man doch nicht auf die Bank.
Nach dieser Situation war es aber zum Glück vorbei mit der HSV-Herrlichkeit. Die Fehlpässe auf Hamburger Seite häuften sich, das Publikum wurde ungeduldig und pfiff die Rothosen aus, während der VfB mehr und mehr Spielkontrolle und Sicherheit erlangte und Chance um Chance kreierte. Schön herausgespielt war dann auch das 0:1. Klein nahm einen Fehlpass von Van der Vaart (danke!) auf, passte zu Harnik und nahm Tempo auf. Harnik auf Maxim, der den Ball bekam, weil Behrami stolperte. Maxim mit Auge und Übersicht auf Klein, der inzwischen in Position gelaufen war und gegen die Laufrichtung von Drobny einschob. Riesen Jubel im Block und auf dem Feld, spätestens ab diesem Zeitpunkt, war mir klar, hier geht heute was. Kurz darauf war Halbzeit. Aus der Kabine kam der VfB nicht nur früher als der HSV sondern auch besser. Beinahe hätte es 0:2 gestanden, Harnik und Niedermeier verpassten, jetzt auf unserer Seite, haarscharf das erlösende Tor.
Mittlerweile hatte ich ein richtig gutes Gefühl, zu desolat präsentierte sich der HSV, ein weiteres Tor lag in der Luft, dann hätte ich mir durchaus auch ein 0:4 wie 2012 vorstellen können, weil die VfB-Brust breiter und der HSV immer hilfloser wurde. Doch plötzlich übernahm Schiedsrichter Brych die Hauptrolle und schickte Georg Niedermeier wegen einer vermeintlichen Notbremse mit glatt Rot vom Platz. Nie und nimmer war das eine Notbremse, Sakai wäre noch zur Stelle gewesen. Dass Niedermeier nur die Mindestsperre von einem Spiel erhielt, unterstreicht meine Sicht der Situation, kommt sie doch einem Freispruch gleich. Um seine Schiris zu schützen verhängt der DFB diese „Mindestsperre“, schwachsinnig dieses „Gesetz“, aber ein Gesetz ist nun mal so schwachsinnig wie die Herren, die es beschließen.
Im Fußball gelten eben andere Gesetze wie im normalen Leben, Fußballer werden trotz erwiesener Unschuld verurteilt, Fans werden Restriktionen auferlegt, ihrer Freiheit beraubt, präventiv einfach mal als potentielle Straftäter angesehen, von Polizeikonvois begleitet und sind der Willkür dieser ausgesetzt. Fast schon aberwitzig in Hamburg wie eine Gruppe VfBler, die meinetwegen dem Ultras-Lager zuzurechnen sind und deren Zug erst früh morgens zurück nach Stuttgart fuhr, die also noch eine schöne Nacht auf dem Hamburger Kiez verbringen wollten, in der S-Bahn und bis auf den Kiez Polizeigeleit bekamen. Wir fuhren zufälligerweise mit der gleichen Bahn in die Stadt und fanden es nur lächerlich und beschämend. Keine Ahnung, bis wohin die Jungs begleitet wurden, auf die Toilette sicherlich auch noch, als wir die Gruppe nachts um 3 Uhr wieder trafen, war von den bis an die Zähne bewaffneten Turtles nichts mehr zu sehen.
Nach der roten Karte, um wieder zum Spiel zurück zu kommen, war es natürlich ein ganz anderes Spiel. Der HSV versuchte Druck aufzubauen und die Überzahl zu nutzen, der VfB war „nur“ noch darauf bedacht, den Vorsprung über die Zeit zu retten. Das machten sie überraschend gut und geschickt, der HSV kam auch in Überzahl und offensiver Wechsel kaum zu nennenswerten Torchancen. Der VfB zwar nach wie vor mit manch haarsträubendem Ballverlust, wenn auch im Vergleich zu etlichen Spielen zuvor, stark minimiert, aber, dieses Mal mit einer kämpferisch absolut überzeugenden Vorstellung. Der Sieg war insgesamt hochverdient und macht auf einmal Mut, den Klassenerhalt schaffen zu können. Huub Stevens weiß, was zu tun ist und findet langsam „seine“ Formation. Auf Schönspielerei kommt es in diesen Tagen nicht an, wir müssen von Spiel zu Spiel denken und in Eichhörnchenmanier Punkte sammeln.
Gelänge gegen Paderborn der zweite Heimsieg der Saison, hätte man mit dann 19 Punkten eine solide Basis für die Rückrunde gelegt. Aber, Vorsicht vor Paderborn, einfach nur bemerkenswert, was die Underdogs für eine Saison spielen. Mit großem Kampf- und Teamgeist spielen sie den einfachen Ball, eben das was sie können. Diesbezüglich könnten sich unsere Jungs eine Scheibe davon abschneiden und demütig zum kleinen Einmaleins des Fußballs zurück kehren, erst Sicherheit in die Aktionen bekommen, anstatt mit Hacke, Spitze, eins zwei drei den Ball zu vertändeln und in Konter zu laufen. Diesen Schlendrian treibt Stevens ihnen nach und nach aus und berücksichtigt Spieler, die diese Lektion partout nicht lernen möchten, seltener oder überhaupt nicht mehr.
Gegen Paderborn erwarte ich kein mitreißendes Spiel, eher ein Taktikgeplänkel und auf beiden Seiten die primäre Vorgabe, keine Fehler zu machen und ein Gegentor herzuschenken Solche Spiele kennen wir noch aus der Rückrunde der Vorsaison, als Stevens bei seiner ersten Amtszeit fast so etwas wie eine neue Heimstärke auf den Wasen zurückbrachte, die letztlich auch die Basis für den Klassenerhalt war. Mir wäre es auch völlig egal, wenn wir einem Grottenkick beiwohnen und (erst) in der 88. Minute den 1:0-Siegtreffer bejubeln dürften, Hauptsache, wir geraten nicht in Rückstand. Dann nämlich dürfte es gegen tiefstehende Ostwestfalen sehr schwierig werden, das Spiel noch zu drehen.
Ein Silberstreif am Horizont ist der unerwartete Auswärtssieg in Hamburg allemal, auch zwei Tage später noch tut er verdammt gut.
Nachdem wir den Volkspark verlassen und endlich einen Busshuttle bekommen hatten, wurde der Abend im Kreise von Freunden und angesichts eines runden Geburtstags noch richtig lustig und lang. Am Mittwoch, bei erneut sehr bescheidenem Wetter, besuchten wir noch das sehenswerte Miniatur-Wunderland, bevor es abends zurück ins Königreich Württemberg ging. Tolle Tage liegen hinter uns und bereits übermorgen geht es schon wieder in unser geliebtes Neckarstadion. Ein fast volles Haus, davor und danach diverse Treffen auf ein Saisonabschlussbierchen mit Freunden, was kann es Schöneres geben?

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9. April 2012

Schritt für Schritt in die Euro League

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , – Franky @ 07:14

Bilder vom Spiel gegen Mainz 05 sind jetzt online. Nach der grandiosen 2. Halbzeit von Dortmund war es ganz wichtig, diesen Punkt mit einem Dreier im Heimspiel gegen Mainz zu versilbern. Dies gelang eindrucksvoll, trotz des Schocks des frühen Gegentores. Der VfB wirkt sehr gefestigt und knüpft an seine traditionell starken Rückrunden der letzten Jahre an. Die Mannschaft bot gestern phasenweise begeisternden Offensivfußball und hat auch in der Höhe verdient gewonnen. Insgesamt war es eine sehr gute Mannschaftsleistung. Herauszuheben ist meiner Meinung nach aber unsere Nummer 2, Gotoku Sakai, der nicht nur Irrwisch auf der rechten Seite sondern auch heimlicher Spielmacher war. Für sein Alter schon unheimlich spielintelligent. Ein richtig guter Fang unseres Managers Fredi Bobic. Auch Vedad Ibisevic bewies einmal mehr, dass uns ein Stürmer wie er gefehlt hat. Immer aufmerksam und anspielbar und extrem torgefährlich. Im Frühjahr 2012 macht es also wieder richtig Spaß, den VfB spielen zu sehen und so freue ich mich auch schon auf Dienstag, wenn es erstmals in Augsburg um Bundesligapunkte geht. Mit einer Leistung wie zuletzt ist auch dort ein Sieg drin. Im Rennen um Platz 5 haben wir jetzt die allerbesten Aussichten. Dieser fünfte Platz wäre wichtig, da er zur Teilnahme an der Gruppenphase der Euorpa League berechtigt, ohne lästige Qualifikationsspiele zu einem Zeitpunkt, an dem die Bundesliga noch nicht einmal begonnen hat. Aufschluss wird sicherlich diese englische Woche geben. Dienstag gegen Augsburg, Freitag gegen Bremen. Bilder und Bericht folgen wie immer zeitnah.

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24. Januar 2011

VfB-Mainz 1:0: Stuttgart jubelt

Category: Spielberichte — Tags: , , , , , , – Franky @ 07:24

Der VfB Stuttgart hat sich im ersten Bundesligaspiel des Jahres mit 1:0 gegen den FSV Mainz 05 durchgesetzt – und verbucht damit wichtige Punkte im Abstiegskampf. Denn die Konkurrenten haben auch gepunktet.

Spielverlauf:

Beide Mannschaften ließen sich für die ersten Torschuss bis zur 13. Spielminute Zeit. Stuttgarts Pawel Pogrebnjak zieht an der Strafraumgrenze ab. Doch die Mainzer können den Schuss noch abblocken und auf Kosten einer Ecke klären, die allerdings für den VfB nichts einbrachte. Nur drei Minuten später setzt sich dann Arthur Boka über die linke Seite durch und passt den Ball flach vors Tor. Dort bringt Mannschaftskollege Cacau den Ball nicht rechtzeitig unter Kontrolle, so dass auch diese Chance ungenutzt bleibt.

Auf der Gegenseite fanden die Spieler des Tabellenzweiten Mainz kein Mittel, die sicher stehende VfB-Defensive zu überwinden. Lediglich Lewis Holtby sorgte für einen Aufreger auf den Rängen, als er im Zweikampf mit Christian Träsch mit einer Schwalbe versuchte, einen Elfmeter zu schinden. Schiedsrichter Michael Weiner erkannte den Täuschungsversuch und verwarnte Holtby mit der gelben Karte (18. Minute).

VfB: Zu viele Abspielfehler

Nach gut einer halben Stunde versuchte es dann VfB-Mittelfeldspieler Christian Träsch, mit einem Schuss aus 16 Metern zum Erfolg zu kommen. Doch auch Träschs Schuss verfehlte das Tor knapp, weil der Mainzer Bungert den Ball noch entscheidend abfälschte. Die letzte Aktion der ersten Halbzeit gehörte dann den Mainzern: André Schürrle flankte von der rechten Seite auf den Kopf von Marcel Risse, der VfB-Torhüter Sven Ulreich prüfte. Ohne Tore verabschiedeten sich beide Mannschaften in die Kabine.

In der zweiten Halbzeit blieben beide Mannschaften in der Offensive zu harmlos, so dass die Defensivreihen auch keine Probleme hatten, die Stürmer von ihrem Tor fernzuhalten.

So blieben Distanzschüsse weiter ein probates Mittel: In der 58. Minute zirkelte Marcel Risse den Ball aus halblinker Position 18 Meter so gefährlich auf das Tor, dass VfB-Abwehrspieler Christian Molinaro den Ball per Kopf auf der Linie retten musste.

Bei den Stuttgartern häuften sich in der zweiten Halbzeit die Abspielfehler. Und wenn ein Ball den Weg vor das Tor der Mainzer fand, fehlte der erfolgreiche Abschluss. So wie in der 66. Minute, als Timo Gebhart den Ball flach von der rechten Seite vors Tor schob. Doch Pogrebnjak konnte sich nicht durchsetzen. Umso überraschender fiel dann der Siegtreffer in der 79. Minute durch Martin Harnik, der nach einem Dribbling von Timo Gebhart den Ball über die Linie drückte. Anschließend verteidigte der VfB den Sieg, musste allerdings bei den Aktionen von Allagui (88.) und Bungert (89.) noch einmal zittern.

Entscheidende Szene: Der eingewechselte Timo Gebhart fasste sich in der 79. Minute endlich ein Herz und leitete damit den entscheidenden Treffer ein.

Bester Spieler:

Timo Gebhart sorgte für den entscheidenden Impuls in einer spielerisch überwiegend harmlosen Stuttgarter Mannschaft.

Kommentar:

Der Sieg der Roten war wichtig, da auch Gladbach am Tabellenende gewonnen hat. In der Defensive blieben die Stuttgarter endlich einmal ohne Gegentor. Im Angriffsspiel präsentierten sich die Stuttgarter allerdings oft zu harmlos.

VfB Stuttgart: Ulreich – Funk, Tasci, Delpierre, Molinaro – Träsch, Kuzmanovic – Gentner (59. Gebhart), Boka – Pogrebnjak (88. Niedermeier), Cacau (70. Harnik).

FSV Mainz 05:

Müller – Zabavnik, Bungert, Noveski, Fuchs – Caligiuri, Fathi, Soto – Holtby (59. Szalai) – Risse (66. Allagui), Schürrle.

Schiedrichter:

Michael Weiner (Hasede)

Zuschauer:

33.500

(Stuttgarter Zeitung online 15.1.2011)

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