8. Juli 2010

Puyol beendet den deutschen Traum vom vierten Stern

Der Traum vom vierten Stern auf der Brust des DFB-Trikots ist ausgeträumt! Deutschland unterlag wie schon beim EM-Finale vor zwei Jahren einer überlegenen spanischen Mannschaft mit 0:1 und muss sich nun mit dem Spiel um Platz drei zufrieden geben. Die “Furia Roja” darf sich dank des ersten WM-Sieges gegen eine deutsche Mannschaft weiter Hoffnungen auf den ersten Titelgewinn der Geschichte machen.

In der Neuauflage des Europameisterschaftsendspiels von 2008 wechselten beide Trainer jeweils einmal. Bundestrainer Joachim Löw brachte Trochowski für Müller, der sich bei der 4:0-Galavorstellung gegen Argentinien seine zweite Gelbe Karte eingefangen hatte und somit gesperrt fehlte.

Vicente del Bosque, der Coach der Spanier, hingegen hatte die Qual der Wahl, entschied sich aber nach dem 1:0-Viertelfinalerfolg über Paraguay, den zuletzt formschwachen Torres auf die Bank zu setzen und Flügelspieler Pedro den Vorzug zu geben. David Villa rückte dadurch ins Sturmzentrum der “Furia Roja”.

Deutschland fand zunächst ganz schlecht in die Partie. Die zuletzt so befreit aufspielenden Löw-Schützlinge standen von Beginn an sehr tief und überließen weite Teile des Feldes den Iberern, die iherseits ihr so gewohntes und gefürchtetes Passspiel aufzogen. Dank ihrer Ballstafetten setzten sich die Spanier rasch in der deutschen Hälfte fest und wären nach einem Traumpass von Pedro fast früh in Führung gegangen. Neuer erwies sich als guter Rückhalt und rettete gegen David Villa (7.). Dass die Iberer nicht nur aus dem Spiel heraus gefährlich sind, zeigten sie in der 14. Minute, als nach einem Eckball Puyol aus fünf Metern unbedrängt über das Tor köpfte.

Auf der Gegenseite gelang dem dreimaligen Weltmeister offensiv zunächst überhaupt nichts. Die seltenen Momente, in denen die deutsche Auswahl den Ball in den eigenen Reihen hatte, fanden aufgrund einer hohen Fehlpassquote ein jähes Ende. Allerdings stand die Defensive der DFB-Auswahl durchaus sicher. Bis auf eine Direktabnahme von Sergio Ramos, die nach 20 Minuten über das Tor rauschte, konnten die feldüberlegenen Spanier Neuer lange Zeit nicht in Bedrängnis bringen.

Chancen waren in dem Match absolut rar. Deutschland war nahezu vollständig in der eigenen Abwehr beschäftigt, während die “Furia Roja” keinen Weg in den gegnerischen Sechzehner fand. Xabi Alonso versuchte es dann eben aus der Distanz, sein 30-Meter-Schuss ging jedoch vorbei (31.). Eine Minute später folgte der erste nennenswerte Torschuss der deutschen Nationalelf. Bei einem Konter über rechts prüfte Trochowski Casillas mit einem tückischen Flachschuss aus 30 Metern.

Erst in der Nachspielzeit der ersten Hälfte wurde es erneut interessant. Zuerst kam Özil nach Zuspiel von Klose bei einem Konter an der Strafraumgrenze im Zweikampf mit Sergio Ramos zu Fall. Der Bremer Spielmacher forderte Elfmeter, den ihm der ungarische Referee Viktor Kassai jedoch verwehrte. Im direkten Gegenzug hielt Neuer gegen Pedros Fernschuss das 0:0 zur Pause fest.

Deutschland wehrt sich tapfer gegen dominante Spanier

Ohne personelle Wechsel ging es nach dem Seitenwechsel weiter, dafür mit einer etwas mutigeren deutschen Mannschaft, die sichtlich darum bemüht war, mehr nach vorne zu machen. Das gefälligere Team blieb aber der Europameister, der sich durch Xabi Alonso (49., 50.) dem gegnerischen Tor näherte. Löw reagierte und brachte den offensiveren Jansen für den bis dato sehr zurückhaltenden Boateng ins Spiel.

Es war dann aber nicht die deutsche Mannschaft, die eine Schippe drauf legte, sondern die Spanier. War Villas angeschnittener Schuss noch relativ harmlos (55.), folgten danach einige Schrecksekunden für die Löw-Elf. Zuerst wehrte Neuer einen fulminanten Pedro-Schuss aus der zweiten Reihe nach vorne ab. Den Abpraller schnappte sich Iniesta, der sich in den Sechzehner hinein dribbelte, um dann zu scharf in die Mitte zu flanken (59.). Nur eine Minute danach forderte Pedro erneut Neuer heraus – auch diesmal behielt der Schalker Schlussmann die Oberhand. Auf der Gegenseite gab Klose per Direktabnahme, die über das Tor sauste, ein Lebenszeichen für Deutschland ab (61.).

Die Iberer dominierten zweifelsohne, allerdings ließen sie ein wenig den Zug zum Tor vermissen. So hatte dann auch die deutsche Mannschaft im zweiten Durchgang bis dahin beste Möglichkeit. Einmal wurde über Podolski schnell gespielt, der von links ans lange Eck zum mittlerweile eingewechselten Kroos flankte. Der Leverkusener hatte freie Bahn, scheiterte jedoch am glänzend reagierenden Casillas (70.).

Kroos vergibt, Puyol nicht

Kurz darauf war es dann passiert! Xavi zwirbelte eine Ecke von links in die Mitte, wo sich Puyol hochschraubte und aus zehn Metern wuchtig ins linke Eck am chancenlosen Neuer ins Tor köpfte (73.). Deutschland musste nun kommen, tat dies auch. Allerdings rannten sich die Löw-Schützlinge meist in der nun tiefer stehenden spanischen Deckung fest. Die Iberer ihrerseits spekulierten auf Konter über ihren schnellen Villa, der jedoch an diesem Abend kaum Akzente setzen konnte und in der Schlussphase schließlich durch Torres ersetzt wurde. Und der Liverpooler hätte die Entscheidung herbeiführen können, wäre Pedro nicht zu eigensinnig gewesen. Der Flügelspieler war bei einer Zwei-gegen-eins-Situation zu ballverliebt und passte nicht zum völlig freistehenden Torres, ehe Kroos die brenzlige Situation klärte (83.).

Das hätte sich rächen können, doch die “Furia Roja” war in den letzten Minuten abgezockter und brachte den knappen Sieg letztlich souverän über die Runden. Spanien kann nun am Sonntag im WM-Finale gegen die Niederlande zum ersten Mal Weltmeister werden und damit nach der gewonnen Europameisterschaft vor zwei Jahren das Double perfekt machen. Doch auch die Holländer werden auf den Titel aus sein und sich sicherlich etwas ausrechnen. Eines ist dabei sicher, auf jeden Fall wird es einen neuen Titelträger geben.

Für Deutschland geht es wie schon bei der Heim-WM vor vier Jahren nun ins Spiel um Platz drei. Am Samstag wartet das Überraschungsteam aus Uruguay auf die Löw-Schützlinge.

(kicker.de)

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25. Juni 2010

Flick: “Für Schweinsteiger und Boateng wird es kritisch”

Die Erleichterung über den 1:0-Erfolg gegen Ghana und dem damit verbundenen Achtelfinaleinzug war dem Co-Trainer des DFB-Teams, Hansi Flick, deutlich anzumerken. Sorgen machte hingegen, was er auf der Pressekonferenz in Erasmia zu verkünden hatte. Für das Prestigeduell gegen England drohen zwei wichtige Spieler auszufallen. “Für Schweinsteiger und Boateng wird es kritisch”, so Flick.

Beide Akteure hatten sich beim abschließenden Gruppenduell in Johannesburg Blessuren zugezogen. Bastian Schweinsteiger musste wegen einer Verletzung am hinteren Oberschenkel ausgewechselt werden, für ihn kam in der 81. Minute Toni Kroos ins Spiel. Auch für Jerome Boateng war die Partie vorzeitig zu Ende, Marcell Jansen vertrat den Linksverteidiger ab der 73. Minute. Der zukünftige Spieler von Manchester City leidet an einer Verhärtung in der Wade.

Sollte das Duo ausfallen, wären die eingewechselten Spieler eine Option auf die Startelf. “Toni Kroos ist mit Sicherheit eine Alternative, aber wir sind einfach optimistisch, was Bastian Schweinsteiger betrifft”, so Flick. Mannschaftsarzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt habe aber bereits erklärt, dass die Zeit knapp werde. Besser sieht es beim Torschützen Mesut Özil aus, der am Mittwoch umgeknickt war. “Bei ihm ist alles in Ordnung”, so Flick, der England in die Favoritenrolle steckte. “Sie haben noch nicht alles gezeigt”, so Löws Assistent über Deutschlands Achtelfinalgegner. Dass das DFB-Team dort überhaupt steht, hat es auch zu einem guten Anteil Manuel Neuer zu verdanken, der gegen Ghana überzeugen konnte. “Wir sind das Spiel als Mannschaft sehr positiv angegangen. Ich habe an mich geglaubt und wollte Ruhe ausstrahlen. Das wollte ich zeigen und das ist mir glaube ich auch geglückt”, so der Schalker Keeper. Generell zufrieden mit der Team-Leistung gegen Ghana war er aber nicht. “Wir wissen, dass wir gestern nicht unser bestes Spiel gemacht haben.” Selbstkritisch ging auch Arne Friedrich mit der Leistung des Teams ins Gericht. “Ich denke, wir haben kein gutes Spiel gemacht, das wird gegen England nicht reichen”, so der Abwehrspieler, der selbst eine gute WM spielt und konstante Leistungen abruft. Friedrich habe Schwächen in allen Mannschaftsteilen gesehen. “Gegen England muss eine Steigerung her”, so Friedrich. Seinen kriselnden Abwehrpartner Per Mertesacker (kicker-Notenschnitt 4,33) nahm er indes in Schutz. “Er weiß, dass es noch nicht seine WM ist. Aber Per ist ein überragender Spieler.”

(kicker.de)

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3. Juni 2010

Löw präsentiert den WM-Kader: Andreas Beck bleibt zuhause

Andreas Beck hat die WM-Niete gezogen – Joachim Löws 23 Auserwählte sollen ohne den Hoffenheimer Verteidiger bei der Generalprobe gegen Bosnien-Herzegowina das erhoffte Wintermärchen von Südafrika einläuten. Beim letzten Training der deutschen Fußball-Nationalmannschaft in Südtirol hatte der Pechvogel Beck am Dienstag auf dem Rasen der Sportzone Rungg noch einmal kräftig Gas gegeben, wenige Stunden später folgte dann die persönliche Enttäuschung: Die WM am Kap wird ohne den 23 Jahre alten Verteidiger über die Bühne gehen. “Uns ist die Entscheidung sehr schwergefallen, aber wir können nur 23 Spieler mitnehmen”, erklärte Löw gestern Abend und ergänzte: “Andreas Beck hat eine durchwachsene Saison gespielt.” Zwar kämpfte er sich im Trainingslager weiter heran, am Ende aber reichte es nicht. Schon beim 3:0 in Ungarn war Beck nicht mehr zum Einsatz gekommen. Der Vorbereitungsverlierer wandte sich noch mit einigen Worten an seine Kollegen und wurde von der Mannschaft mit Beifall bedacht: “Ich habe mich hier sehr wohlgefühlt.”

Zunächst hatte einiges dafür gesprochen, dass Löw nach dem Ausfall des Kapitäns Michael Ballack sowie der Defensivkräfte Christian Träsch und Heiko Westermann in Stefan Kießling einen Stürmer streicht. “In der Abwehr habe ich genügend Alternativen”, begründete Löw jedoch die Auswahl seiner 23 Spieler, die spätestens bis Mitternacht dem Weltverband Fifa gemeldet werden mussten. “Er ist tief enttäuscht”, berichtete Löw von der Reaktion des Hoffenheimer Verteidigers, der heute mit der Mannschaft von Bozen nach Frankfurt fliegen wird und dann in den Urlaub geht. “Er bekommt in Zukunft wieder eine Chance”, sagte der DFB-Chefcoach. “Für denjenigen ist es sehr enttäuschend, nachdem er drei Wochen hart gearbeitet hat. Aber die Welt geht trotzdem nicht unter. Das spornt auch wieder für die nächsten Aufgaben an”, sagte der Vizekapitän Bastian Schweinsteiger. Entspannt aber fokussiert Nach 21 Tagen Trainingslager, unzähligen Vorbereitungsstunden und drei bitteren Verletzungen will die deutsche Mannschaft um Bastian Schweinsteiger im letzten Test am Donnerstag (20.30 Uhr/ARD) gegen Bosnien-Herzegowina wieder eine schwarz-rot-goldene Welle lostreten. “Wir brauchen die Fans, die uns nach vorn peitschen. Nur mit ihnen können wir weit kommen”, sagte Schweinsteiger und kündigte in der Frankfurter Arena die erste mögliche WM-Elf an: “Ich denke schon, dass wir mit der Mannschaft auftreten werden, die gegen Australien spielen könnte.”

Kader ist zusammengerückt

Im jungen deutschen Team ist in den drei vergangenen Wochen eine fast trotzige Stimmung entstanden, die den dreimaligen Weltmeister trotz des Verletzungspechs von dem ersten Gruppenspiel am 13.Juni in Durban an zu einer Überraschung treiben soll. “Der Kader ist immer enger zusammengerückt”, sagte Löw, der auch nach dem bitteren Auswahlverfahren den Blick schnell nach vorne richtete. “Am Ende muss sich der Spieler auch vor Augen führen, dass es eine Ehre und Auszeichnung war, hier dabei gewesen zu sein”, erklärte Oliver Bierhoff nüchtern, bevor für den deutschen Tross heute von Bozen aus der kurze Flug nach Frankfurt und das Abschlusstraining für die WM-Generalprobe anstehen. Der Manager warnte davor, die gelöste Atmosphäre als Garant für eine erfolgreiche Endrunde zu sehen. “Die Stimmung ist gut, das muss jetzt aber auch mit Leistungen auf dem Platz umgesetzt werden”, forderte Bierhoff.

Der WM-Projektleiter Löw präsentierte sich in den Vorbereitungstagen trotz aller bleibenden Fragezeichen entspannt und zugleich sehr fokussiert. Über einen Fluch, der über seinem Team liegen könnte, denke er gar nicht nach. “Wir werden uns weiter nicht beirren lassen”, sagte der Bundestrainer. Seinen Plan hat er bisher ohne Kompromisse durchgezogen.

Der endgültige WM-Kader

Tor: Manuel Neuer (FC Schalke 04) , Tim Wiese (Werder Bremen), Jörg Butt (FC Bayern München).

Abwehr: Arne Friedrich (Hertha BSC), Dennis Aogo (Hamburger SV), Holger Badstuber (FC Bayern München), Jerome Boateng (Hamburger SV), Philipp Lahm (FC Bayern München), Per Mertesacker (Werder Bremen), Serdar Tasci (VfB Stuttgart).

Mittelfeld: Marcell Jansen (Hamburger SV), Sami Khedira (VfB Stuttgart), Toni Kroos (Bayer Leverkusen), Marko Marin (Werder Bremen), Mesut Özil (Werder Bremen), Bastian Schweinsteiger (FC Bayern München), Piotr Trochowski (Hamburger SV).

Sturm: Cacau (VfB Stuttgart), Mario Gomez (FC Bayern München), Stefan Kießling (Bayer Leverkusen), Miroslav Klose (FC Bayern München), Lukas Podolski (1. FC Köln), Thomas Müller (FC Bayern München).

(STZ 1.6.10)

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