19. Februar 2013

Zwischen Genk und Genk

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , , , , – Franky @ 18:50

Auch drei Tage danach habe ich den dämlichen Ausgleichstreffer der Belgier in der Nachspielzeit des Hinspiels gegen den KRC Genk noch nicht so recht verdaut. Nach fünf Pleiten in der Liga in Serie lechzt der VfB nach einem Erfolgserlebnis und lässt sich dann noch so leichtfertig die Butter vom Brot nehmen, indem man den Belgiern beim Ausgleichstor Geleitschutz lieferte anstatt beherzt, auch über die 90. Minute hinaus, an- und einzugreifen. So wurde aus einem guten Europapokalergebnis ein sehr gefährliches. Immerhin, meine Befürchtungen, dass nach dem Hinspiel bereits alles aus sein könnte, bewahrheiteten sich Gott sei Dank nicht.

Das Spiel an sich war, wie so oft in der letzten Zeit, ein Langeweiler. Es traf ein verunsicherter VfB auf ein international allenfalls drittklassiges Genk, das allerdings, im Gegensatz zum VfB, die Gruppenphase u. a. gegen den FC Basel und Sporting Lissabon unbesiegt überstand. Der VfB seinerseits war ja bekanntlich auf Schützenhilfe von Steaua Bukarest angewiesen, um trotz der Heimniederlage gegen Molde FK in die Zwischenrunde einzuziehen. Dieses 1:1 im Hinspiel lässt die Hoffnung am Leben, in Genk den Einzug ins Achtelfinale klar machen zu können.

Hilfreich für dieses Bestreben wäre natürlich, wenn man sich an der Autobahnraststätte Sinsheim Selbstvertrauen würde holen können. Auch im 5. Jahr der Bundesligazugehörigkeit von Hopps Spielzeug kann ich mich nicht daran gewöhnen, zu einem Bundesligaspiel ins Kraichgau zu fahren. Das einzig Positive, bei einer Entfernung von rund 60 Kilometern stört selbst ein Sonntagabendspiel nicht besonders, kommt man doch zu einer zivilen Zeit heim und ohne Urlaub aus. Trotzdem prickelt es bei jedem anderen bevorstehenden Spiel mehr als bei diesem.

So fragte ich mich den ganzen Sonntag über, als ich mir die Zeit mit Ski-WM und Stammtisch in Sport 1 vertrieb, was mich denn motivieren sollte, überhaupt aus dem Haus zu gehen. Am meisten freute ich mich auf die Truppe vom RWS Berkheim und die (kurze) Busfahrt und dass ich wusste, dass ich im Gästeblock jede Menge Bekannte treffen würde. Auch in schlechten Zeiten ist der Zusammenhalt und das „in einem Boot sitzen“ unter den Fans der Hauptgrund anhaltend hoher Motivation, den VfB überall hin zu begleiten. Und, natürlich hofft man auch jedes Mal aufs Neue, dass es endlich gelingt den Bock umzustoßen und tabellarisch wieder in ruhigere Gefilde vordringen zu können. Bei Leistungen, wie weitestgehend an der Tagesordnung in der Saison 2012/2013 hätte das Team den einen oder anderen Stimmungsboykott mehr verdient.

Als Außenstehendem ist mir ein Kollektivversagen von Profisportlern in dieser Fülle unbegreiflich. Dass einer einmal einen schlechten Tag hat, den hat jeder von uns einmal. Dass aber regelmäßig außer Unkonzentriertheiten, die den Gegner zum Tore schießen einladen, auch mangelnder Kampfgeist, mangelnde Lauf- und Hilfsbereitschaft zu beklagen sind, dafür habe ich kein Verständnis. Wie man immer wieder hört, scheint es in der Mannschaft nicht zu stimmen, was auch auf dem Rasen zu erkennen ist. Hier muss eigentlich das Funktionsteam eingreifen und den Spielern einbläuen, worauf es im Mannschaftssport ankommt und dass irgendwelche Animositäten hinten anstehen müssen, wenn es um das große Ganze geht. Die Spieler, oder besser Gehaltsempfänger haben die verdammte Pflicht, für ihren Arbeitgeber und die Fans, die sie letztendlich bezahlen, alles abzurufen und auf dem Platz Gas zu geben. Momentan hat man eher den Eindruck, dass die Spiele lästige Pflichterfüllung sind und fast keiner mit Freude und Motivation zu Werke geht. Viele im Team spielen ihren Stiefel herunter, man wünschte sich mehr Spieler wie Ibrahima Traore, dem man den Willen jederzeit anmerkt. Ein William Kvist in seiner derzeitigen Form ist ein Bremser und keiner, der uns weiter bringt. Abgesehen von den unbegreiflichen Stockfehlern, die er produziert, wählt er jederzeit den Sicherheits(rück)pass, anstatt das Spiel einmal schnell zu machen und Überraschungsmomente zu schaffen. Ein moderner Sechser ist Sicherheitskraft und Spielmacher in einer Person, von letzterem ist bei Kvist überhaupt nichts zu sehen. Hier wünschte ich mir mehr Dynamik  in seinem Spiel. Hoffnung auf Besserung macht mir, dass er schon zeigte, dass er als Stabilisator schon bessere Spiele ablieferte. Wenn Labbadia, wie zuletzt schon das eine oder andere Mal gezeigt, umstellt und Kvist alleiniger Sechser bleibt, ist er als defensiv denkender Stabilisator vertretbar. Auf der Doppelsechs  jedoch, wo beide Spieler fürs Aufbauspiel zuständig sind, ist er für mich, zumindest derzeit, eine Fehlbesetzung. Heute habe ich mir Kvist herausgepickt, wobei man über weitere Unzulänglichkeiten (Abwehr) und Formkrisen des einen oder anderen Spielers weitere Worte verlieren könnte.

Dass Labbadia vergleichsweise wenig rotiert und meist seine Lieblingsspieler aufstellt, das verstehe ich nicht, zumal wir ja nicht gerade überragend spielen und damit das Leistungsprinzip außer Kraft gesetzt wird. Dem einen oder anderen (und uns allen!) würde sicherlich zwischendurch die Pause eines Stammspielers gut tun, um sich wieder sammeln zu können und um über Sinn und Unsinn des Profifußballerlebens nachdenken zu können. Und, wenn von der Bank einer kommen sollte, der den Job besser macht und/ oder besser in Form ist, mein Gott, dann muss sich der Herausgenommene eben wieder hintenan stellen. Bei uns jedoch kommt einer mal rein, macht ein ordentliches Spiel und wird dann über Wochen wieder nicht berücksichtigt. Dass ein solches Vorgehen nicht stimmungs- und leistungsfördernd sein kann, um dies festzustellen muss ich weder Fußballlehrer noch Psychologe sein..

Nun also nach Sinsheim, dem Retortenclub, der sich eines Tages selbst, ohne die Milliönchen von Hopp, tragen soll und derzeit am Abgrund steht. Der voller Panik seit der Ära Rangnick Trainer um Trainer und Manager um Manager, verschleißt. Der voller Panik in der Winterpause noch einmal gut neun Millionen Euro investierte und sich damit den Titel des Winter-Einkaufsmeisters sicherte. Der es sich leisten kann, einen Unruheherd und Ex-Nationalspieler wie Marvin Compper für 300.000 Euro nach Italien zu entsorgen, Das Spielzeug Hopps, das auf Teufel komm raus in der Liga gehalten werden soll. Gut, die Ansprüche sind gesunken, wollte man noch vor der Saison noch in die Champions League. :-) .

Mit Chancengleichheit und Financial Fairplay hat diese Einkaufspolitik natürlich nichts zu tun. Wollte man ursprünglich noch ein Team mit jungen Spielern aus der eigenen Jugend/ Region aufbauen, setzt man jetzt auf namhafte Akteure, die in Sinsheim ihren letzten großen Vertrag unterschreiben. Mit welchen Gehältern Hopp lockt, offenbarte ja vor Jahren schon Uli Hoeneß, der ausplauderte, zu einer Zeit, als der FC Bayern an Salihovic interessiert war, dass die Bayern im Gehaltspoker ausgestiegen wären, weil Hopp mehr geboten hatte. So erklärt sich auch, dass der FSV Mainz 05 in der Winterpause einen unumstrittenen Stammspieler wie Igor Polanski, seines Zeichens immerhin polnischer Nationalspieler, ziehen ließ. Der Preis muss eben stimmen! Auch dass im Sommer u. a. Delpierre (ehemals 4,3 Mios Gehalt vom VfB), Tim Wiese und Derdiyok im Kraichgau unterschrieben, unterstreicht, dass in Hoffenheim weiterhin Gehälter fernab der Vernunft gezahlt werden. Solche Vereine, die sich wirtschaftlich nicht selbst tragen müssen,  machen den Markt kaputt und treiben die Gehälter immer weiter in die Höhe, was es einem Verein wie dem VfB natürlich nicht leichter macht. Zudem wird hier auch noch die 50 + 1 Regel unterlaufen. Diese besagt, dass der Geldgeber weder Stimmenmehrheit noch Geschäftsführung ausüben darf. Für das übt Hopp seit Jahren einen großen Einfluss auf die Geschehnisse aus. Um diesbezüglich keine Konsequenzen befürchten zu müssen, zahlt es sich eben aus, wenn man hochrangige Freunde beim FC Bayern und dem DFB sitzen hat…

Umso mehr würde es mir gut tun, wenn Hopp am Saisonende vor einem Scherbenhaufen stehen würde und den Gang in Liga 2 antreten müsste. Mir ist allerdings auch bewusst, dass Hopp so schnell nicht aufgeben würde und den „Betriebsunfall“ dann mit womöglich noch höherem finanziellem Engagement schnellstmöglich zu korrigieren versuchen würde.

So kann ich also mit diesem Konstrukt so überhaupt nichts anfangen. Dazu kommt, dass auch Fankultur in Hoffenheim ein Fremdwort ist. Das Stadion wird gefüllt von SAP-Mitarbeitern, die fleißig Freikarten erhalten, und Kunden, die die VIP-Bereiche auslasten. Auswärtsspiele mit weniger als 100 Hoffenheim-„Fans“ sind an der Tagesordnung. Selbst den kurzen Weg nach Stuttgart ins Neckarstadion finden selten mehr als 500 Auswärtsfans. Der Hoffenheimer Präsident Hofmann lieferte 2011 ja eine plausible Erklärung: Dass unsere Fans nicht mitfahren, hat damit zu tun, dass sie teilweise Angst haben, nicht heil aus Stuttgart rauszukommen. Das letzte Mal mussten sich einige unter dem Auto verstecken!“. Selten so gelacht. :-)

Als wir VfBler mit über 2.000 Fans in Babelsberg beim Pokalspiel bei Falkensee-Finkenkrug verweilten, verloren sich zur gleichen Zeit handgezählte 65 Hoffenheimer im Stadion des Berliner AK, was deren Präsident Ali Han zu der Aussage hinriss, „Ein Bundesligist, der so wenige Zuschauer mitbringt, soll sich lieber für die Bezirksliga anmelden”.

Vielleicht schwingt ja im Unterbewusstsein der Hoffenheimer diese Aussage mit, tun sie doch momentan alles dafür, um dieses Intermezzo so kläglich wie nur möglich wieder zu beenden.

Nach kurzer Busfahrt erreichten wir also die Ausfahrt Sinsheim und fuhren im Schritttempo weiter in Richtung unseres Gästeblockes. Bei Spielen wie diesen bin ich froh, direkt vor den Gästeblock gekarrt zu werden und möglichst auf keinen Heim“fan“ zu treffen. Noch ein kurzes Bierchen am Bus, wohlwissend, dass es im Gästeblock wieder kein Vollbier geben würde und schon ging es auch hinein. Die Einlasskontrollen zogen sich etwas in die Länge, selbst den Geldbeutel mussten wir öffnen, wurde doch vor einigen Jahren von VfBlern schon einmal ordentlich gezündelt. Insgesamt hielten sich die Kontrollen aber noch im ertragbaren Rahmen. Da der Stehplatzbereich (oder besser Käfig) erfahrungsgemäß brechend voll ist, bestellte ich Sitzplatzkarten für stolze 35 Euro, Preislich langen sie hin wie die ganz Großen… Noch kurz den einen oder anderen Smalltalk im Block gehalten und schon näherte man sich dem Spielbeginn. Das unvermeidliche Badener Lied wurde wie immer von den weit mehr als 3.000 VfBlern lautstark niedergepfiffen, so dass ich persönlich nicht vernehmen konnte, ob jemand mitgesungen hat. Da das Einzugsgebiet des Retortenclubs über die badischen Grenzen hinaus reicht, ein Service der besonderen Art. Für die „Neubadener“ wird auch noch im fünften Jahr der Text dieser Hymne eingeblendet. Kann ich verstehen, bei einer solchen Fluktuation unter den Kunden, muss dieser Service einfach sein. ;-) .

Zum Einlauf der Mannschaften gab es noch eine kleine Choreographie namens „Rote Karte für Viagogo“ im VfB-Block, mit der einmal mehr die Ablehnung der meisten VfB-Fans gegen den vom VfB durch die Partnerschaft mit Viagogo unterstützten (legalisierten) Schwarzmarkt verdeutlicht werden sollte. Auch ich stehe diesem Portal ablehnend gegenüber und verstehe nicht, weshalb es zwar verboten sein soll, seine Karte in Ebay zum Originalpreis zu verkaufen, es jedoch vom VfB goutiert wird, die Karten bei Viagogo zzgl. abzockerischer Gebühren zu verhökern. Langsam kommt es mir so vor, dass dem VfB jedes Mittel recht ist, ein paar Euro fuffzig zu verdienen. Gerne wird vom VfB via Homepage und vfb-direkt vorgeschoben, den Deal ausgiebig mit dem Fanausschuss diskutiert zu haben, wobei der Fanausschuss ja nie Möglichkeit hatte, soviel Einfluss zu nehmen, den Deal platzen zu lassen. Es ging also nur um das kleinstmögliche Übel!

Das Spiel begann dann vielversprechend, wenn nicht gar euphorisch für uns. Noch keine drei Minuten waren gespielt, als der seit Wochen beste VfBler Ibrahima Traoré

auf der linken Seite Andreas Beck wie einen Statisten aussehen ließ, in den Strafraum eindrang und scharf an den zweiten Pfosten flankte und der seit Monaten kriselnde Martin Harnik einen Kopfball-Torpedo an die Unterkante der Latte setzte, von wo aus der Ball schließlich im Tor landete. Ein Tor wie ein Donnerschlag. Die Erleichterung im Block war greifbar, war es doch ein immens wichtiges Spiel für uns. Sollte es tatsächlich Sechs-Punkte-Spiele geben, dieses war eines. Mit einem Sieg könnten wir uns 12 Punkte von Hoffenheim absetzen, bei einer Niederlage wären es nur noch sechs Punkte auf den Relegationsplatz und das Zittern würde so richtig beginnen. Es wird immer so viel von der Qualität geredet, die wir angeblich besitzen, doch, mit Leistungen wie in den letzten Wochen kann eben auch jedes Spiel verloren gehen. Nicht nur aufgrund der  Tabellenkonstellation war ein Sieg Pflicht, es galt auch die Scharte aus dem Hinspiel auszuwetzen, als wir uns sang- und klanglos ergeben hatten und mit 0:3 den Kürzeren zogen. Jetzt also lag der VfB, erstmals in der Bundesliga im Jahre 2013, in Führung. Den Hoffenheimer, auch nicht gerade mit Selbstvertrauen im Übermaß bestückt, merkte man die große Verunsicherung an. Leider konnte der VfB kein Kapital daraus schlagen. Anstatt, für die mitgereisten Schwaben wäre es natürlich Balsam auf die geschundene Seele gewesen, auf einem am Boden liegenden ungeliebten Nachbarn herumzutreten und sie zu demütigen, machte es der VfB leider wieder einmal allzu gnädig. Man war mit der Führung zufrieden und beschränkte sich aufs Verwalten des knappen Vorsprungs. Für mich unverständlich, hat man doch erst drei Tage davor schmerzlich erfahren, wie sehr eine 1:0-Führung am seidenen Faden hängen kann. Außerdem haben wir ein miserables Torverhältnis zu beklagen, an dessen Verbesserung zu arbeiten erstrebenswert gewesen wäre. So plätscherte das Spiel dann der Halbzeit entgegen, der VfB wollte nicht mehr, Hoffenheim konnte nicht.

Als die zweite Hälfte ähnlich ereignislos begann, brachte der schwäbische Trainer Marco Kurz 10 Minuten nach der Pause in Derdiyok und Weis zwei frische Kräfte, was den Hoffenheimern zwar mehr Spielanteile, jedoch kaum nennenswerte Torchancen bescherte. In den zwei, drei brenzligen Situationen, die es zu überstehen galt, war unser Goalie Sven Ulreich zur Stelle, der dieses Mal wie ein Fels in der Brandung stand.

Einer meiner absoluten „Lieblingsschiedsrichter“, spätestens seit Mainz im Dezember 2011, als er die Mainzer im Alleingang auf die Siegerstraße geleitete, Guido Winkmann, war das Gekicke dann zu langweilig. Ließ er noch in der ersten Hälfte das eine oder andere brutale Vergehen der Gastgeber gänzlich ungeahndet, hielt er in der zweiten Hälfte bei jedem noch so harmlosen Foul einem unserer Spieler die gelbe Karte unter die Nase. Auch diesen Ball wussten die Hoffenheimer nicht aufzunehmen, so grottenschlecht waren sie, so dass am Ende ein knapper, wenn auch verdienter 1:0 Auswärtssieg für den VfB zu Buche stand.

Es war ein Spiel wie der Tabellenstand, Fünfzehnter gegen Sechzehnter, Not gegen Elend.

Der VfB konnte sich mit diesem Sieg ein wenig Luft verschaffen und muss, zumindest vorerst, in der Tabelle nicht mehr nach unten schauen. Hoffnung macht die in diesem Spiel ansteigende Form von Martin Harnik und auch Georg Niedermeier, der leider jetzt in Genk gesperrt ist. Auch Gentner und Holzhauser machten für mich über weite Strecken ein ordentliches Spiel. Jetzt gilt es diesen Rückenwind mitzunehmen und in Genk selbstbewusster aufzutreten als zuletzt. Dass Genk keine Übermannschaft ist, davon konnten wir uns am letzten Donnerstag überzeugen.

Auch ich werde in Belgien am Start sein, wieder einmal mit dem Bus vom RWS Berkheim,  dieses Mal ohne Übernachtung. Von der Entfernung her ist das doch eher ein gefühltes Bundesligaauswärtsspiel, der nächste ausgedehnte Europa League Trip folgt dann hoffentlich Mitte März zum Achtelfinale bei Lazio Rom, sofern sie nicht zu Hause gegen Borussia Mönchengladbach verlieren. Dies bedeutet allerdings nicht, dass ich mich über ein Weiterkommen von Gladbach nicht auch freuen würde… Es kommt wie es kommt, erst einmal ist sowieso der VfB am Zug!

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5. März 2011

Beginn der Aufholjagd?

Letzten Sonntag gelang also nach den Niederlagen gegen Nürnberg, 2x gegen Lissabon und in Leverkusen endlich mal wieder ein Sieg. Der war natürlich überlebensnotwendig, um den Anschluss, zumindest an den Relegationsplatz, nicht abreißen zu lassen. Das Spiel bei der Torlos-Eintracht stand lang auf des Messers Schneide, ehe zwei blitzsaubere Konter binnen 3 Minuten die Weichen auf Sieg stellten.

Das Spiel begann ja denkbar ungünstig. Bereits nach einer Viertelstunde ließ sich unser Kapitän nach Provokation des Ekelpakets Maik Franz zu einer Tätlichkeit hinreißen und schwächte sein eigenes Team in unentschuldbarer Weise. Von solchen Disziplinlosigkeiten habe ich ehrlich gesagt die Nase gestrichen voll. In einem für den VfB solch vorentscheidenden Spiel nach 15 Minuten beim Stande von 0:0 die Nerven zu verlieren, dafür fehlt mir jegliches Verständnis. Als Fan auf der Tribüne, der so manche Strapaze für die vielen Auswärtsreisen auf sich nimmt, fühlte ich mich schlichtweg verarscht. Ähnlich wie in Hamburg, als der inzwischen suspendierte Ciprian Marica nach gut 10 Minuten den übrigens selben Schiedsrichter Stark ein Arschloch nannte, steht man auf der Tribüne und versteht die Welt nicht mehr. Den ersten Gedanken nach dem Platzverweis, erst einmal einen Bierstand aufzusuchen und von draußen zu verfolgen, wie die Dinge ihren Lauf nehmen, verwarf ich wieder. Dennoch hätte ich zu diesem Zeitpunkt keinen Pfifferling auf das Team mehr gegeben, das von nun an, mit dem schweren und auch demoralisierendem Europa League Spiel in den Köpfen und in den Knochen, 75 Minuten in Unterzahl bestehen musste.  Im Block unter den zahlreichen mitgereisten VfB-Fans spürte man Fassungslosigkeit und zugleich eine Trotzreaktion die verbliebenen zehn Kämpen bis zur Heiserkeit zu unterstützen und dem Team zu helfen. Die Mannschaft nahm den Kampf an. Boulahrouz rückte in die Innenverteidigung, Träschi auf die Rechtsverteidigerposition. So gelang es relativ schnell, die Ordnung wieder zu finden. Dass man vor der Eintracht keine Angst zu haben braucht, zeigt schon deren Torstatistik in 2011: auf 0:13 Tore haben es die Hessen nach diesem Spiel gebracht: Respekt! Dass die Eintracht 11 gegen 10 die Spielkontrolle erlangen würde war nicht wirklich überraschend. Insgesamt aber ließ der VfB den Umständen entsprechend wenig zu, konnte allerdings selbst kaum für Entlastung sorgen. In der Halbzeit brachte Labbadia dann Timo Gebhart für den abermals enttäuschenden Cacau. Ein Mittelfeldspieler für einen Stürmer, das bewirkte zunächst, dass die Überlegenheit der Eintracht immer drückender wurde. Die Torflaute indes wollte (zum Glück) nicht enden. Trotzdem war diese Auswechslung so etwas wie der Schlüssel zum Erfolg, da Gebhart ein ums andere Mal präsent war, wenn sich Kontermöglichkeiten eröffneten und unermüdlich ins Eins gegen Eins ging und den ein oder anderen Nadelstich setzte. Gebhart war es dann auch der sich nach einem von Harnik schnell ausgeführten Freistoss ein Herz fasste und abzog, Fährmann im Tor der Frankfurter konnte nur abklatschen und Harnik staubte ab. 0:1. Was für eine Befreiung dieses Tor. Doch damit nicht genug, schon 3 Minuten später überwand Tamas Hajnal, der sich mehr und mehr zum Lenker des VfB-Spiels mausert, mit einem sehenswerten Lupfer zum 0:2. Danach brachen im Gästebereich alle Dämme und 4000-5000 VfB-Fans hüpften und sangen, dass sich die Balken bogen. Die Eintracht drückte natürlich noch einmal aufs Tempo, machte hinten auf und hoffte, dass den VfB die Kräfte verlassen würden. Doch war für die Eintracht das Tor auch an diesem Tag wie vernagelt und dem VfB war das Glück hold.

Matchwinner dieses Mal war, man höre und staune, Sven Ulreich. So schnell geht es manchmal im Fußball. Knapp eine Woche zuvor zur Nummer 2 verbannt, dann die Verletzung von Ziegler, nach seiner Einwechslung ein ordentliches Spiel gegen Lissabon und in Frankfurt wird er zum Mann des Tages. Er wurde nach dem Spiel zu Recht von den Fans mit Standing Ovations gefeiert. Möglicherweise ist es in der Tat so, dass einiger Ballast von ihm abfiel und er, zumindest was seine persönliche Situation angeht, nichts mehr zu verlieren hat. Dieses Mal war er nicht nur auf der Linie stark, sondern war präsent im Strafraum und strahlte eine von ihm ungewohnte Sicherheit aus. Ich gehöre ja zu den Zweiflern, was die Personalie Ulreich angeht, kann er aber diese Leistung stabilisieren, werde auch ich mit Sicherheit keine Torwartdiskussion mehr anzetteln. Allerdings macht eine Schwalbe noch keinen Sommer, warten wir ab, wie er sich in den nächsten Spielen präsentiert.

Heute kommt es zum Duell gegen Schulden 04. Die Gelsenkirchener kommen mit dem Rückenwind aus München, wo sie unter der Woche die Bayern düpierten und ins DFB-Pokal-Finale einzogen. Der VfB konnte endlich mal wieder eine Woche verschnaufen und sollte frischer sein und darauf brennen, rausgelassen zu werden, um den Schwung vom Frankfurt-Spiel mitzunehmen. Ich hoffe sehr, dass erstmals gelingt, den zweiten Dreier in Serie einzufahren. Dieses Glücksgefühl, also den Hauch einer Serie, durften wir in dieser Saison noch nicht ein einziges Mal erleben. Ein Sieg zu zehnt wie in Frankfurt, der durch einen in dieser Saison selten erlebten Zusammenhalt der Mannschaft zustande kam, könnte für die kommenden Wochen beflügeln und das Team enger zusammen schweißen. Dass das Team nach dem Auswärtssieg unisono erklärte, sie hätten für ihren Kapitän gespielt, der bei einer Niederlage ganz sicher an den Pranger gestellt worden wäre, spricht für sie. Ich hoffe, das war nicht nur eine von der sportlichen Führung vorgegebene Sprachregelung. Mit einem solchen Zusammenhalt und der notwendigen Kompaktheit ist auch heute ein Erfolgserlebnis gegen die Schalker möglich. Es bedarf aber sicher einer gehörigen Portion Geduld, da die Schalker in der Defensive inzwischen wieder fast traditionell gut stehen. Die Offensive, allen voran Farfan und Raul, muss in Schach gehalten werden. Ich erhoffe mir, dass der VfB aus den Pleiten gegen den Club und gegen Freiburg gelernt hat. Ein frühes Gegentor wäre auch in diesem Spiel Gift. Lieber Geduld haben, vielleicht sogar mit einer defensiveren Ausrichtung und Taktik ins Spiel gehen, damit die Null stehen bleibt. Uns würde es auch reichen, wie anno 2001, wenn das Siegtor erst in der 90. Minute fiele. Damals stand man gegen Schalke, beim VfB auf der Bank im übrigen Felix Magath, noch mehr unter Druck als heute. Es war der 33. Spieltag, heute haben wir den 25. Dennoch muss der VfB eine Serie hinlegen, um die noch notwendigen 5-6 Siege in Angriff nehmen zu können. Ich bin mir sicher, dass es ein zähes, schwieriges Spiel werden wird. Am Ende werden wir sehen, was dabei herausspringt. Die Schalker haben in den letzten Jahren im Neckarstadion relativ wenig gerissen (allerdings setzte es in der letzten Saison die erste Heimpleite gegen die Knappen seit 1999), daher bin ich ganz optimistisch, dass wir heute zumindest nicht verlieren werden.

Ich muss zugeben, mittlerweile zähle ich schon die Spiele, die wir noch in dem halbfertigen Stadion verweilen müssen. Es ist schon ein Nachteil, wenn an vielen Ecken im Stadion die Gästefans fast lauter gehört werden als die heimischen. Da es den Spielern auf dem Platz auch nicht anders geht, ist das schon auch ein Nachteil in dieser Saison. Als Ausrede darf das aber natürlich nicht gelten.

Lamentieren wir also nicht darüber, sondern freuen uns, wenn wir nächste Saison wieder ein geschlossenens, richtiges Stadion haben, hoffentlich auch dann in der Bundesliga.

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24. Januar 2011

VfB-Mainz 1:0: Stuttgart jubelt

Category: Spielberichte — Tags: , , , , , , – Franky @ 07:24

Der VfB Stuttgart hat sich im ersten Bundesligaspiel des Jahres mit 1:0 gegen den FSV Mainz 05 durchgesetzt – und verbucht damit wichtige Punkte im Abstiegskampf. Denn die Konkurrenten haben auch gepunktet.

Spielverlauf:

Beide Mannschaften ließen sich für die ersten Torschuss bis zur 13. Spielminute Zeit. Stuttgarts Pawel Pogrebnjak zieht an der Strafraumgrenze ab. Doch die Mainzer können den Schuss noch abblocken und auf Kosten einer Ecke klären, die allerdings für den VfB nichts einbrachte. Nur drei Minuten später setzt sich dann Arthur Boka über die linke Seite durch und passt den Ball flach vors Tor. Dort bringt Mannschaftskollege Cacau den Ball nicht rechtzeitig unter Kontrolle, so dass auch diese Chance ungenutzt bleibt.

Auf der Gegenseite fanden die Spieler des Tabellenzweiten Mainz kein Mittel, die sicher stehende VfB-Defensive zu überwinden. Lediglich Lewis Holtby sorgte für einen Aufreger auf den Rängen, als er im Zweikampf mit Christian Träsch mit einer Schwalbe versuchte, einen Elfmeter zu schinden. Schiedsrichter Michael Weiner erkannte den Täuschungsversuch und verwarnte Holtby mit der gelben Karte (18. Minute).

VfB: Zu viele Abspielfehler

Nach gut einer halben Stunde versuchte es dann VfB-Mittelfeldspieler Christian Träsch, mit einem Schuss aus 16 Metern zum Erfolg zu kommen. Doch auch Träschs Schuss verfehlte das Tor knapp, weil der Mainzer Bungert den Ball noch entscheidend abfälschte. Die letzte Aktion der ersten Halbzeit gehörte dann den Mainzern: André Schürrle flankte von der rechten Seite auf den Kopf von Marcel Risse, der VfB-Torhüter Sven Ulreich prüfte. Ohne Tore verabschiedeten sich beide Mannschaften in die Kabine.

In der zweiten Halbzeit blieben beide Mannschaften in der Offensive zu harmlos, so dass die Defensivreihen auch keine Probleme hatten, die Stürmer von ihrem Tor fernzuhalten.

So blieben Distanzschüsse weiter ein probates Mittel: In der 58. Minute zirkelte Marcel Risse den Ball aus halblinker Position 18 Meter so gefährlich auf das Tor, dass VfB-Abwehrspieler Christian Molinaro den Ball per Kopf auf der Linie retten musste.

Bei den Stuttgartern häuften sich in der zweiten Halbzeit die Abspielfehler. Und wenn ein Ball den Weg vor das Tor der Mainzer fand, fehlte der erfolgreiche Abschluss. So wie in der 66. Minute, als Timo Gebhart den Ball flach von der rechten Seite vors Tor schob. Doch Pogrebnjak konnte sich nicht durchsetzen. Umso überraschender fiel dann der Siegtreffer in der 79. Minute durch Martin Harnik, der nach einem Dribbling von Timo Gebhart den Ball über die Linie drückte. Anschließend verteidigte der VfB den Sieg, musste allerdings bei den Aktionen von Allagui (88.) und Bungert (89.) noch einmal zittern.

Entscheidende Szene: Der eingewechselte Timo Gebhart fasste sich in der 79. Minute endlich ein Herz und leitete damit den entscheidenden Treffer ein.

Bester Spieler:

Timo Gebhart sorgte für den entscheidenden Impuls in einer spielerisch überwiegend harmlosen Stuttgarter Mannschaft.

Kommentar:

Der Sieg der Roten war wichtig, da auch Gladbach am Tabellenende gewonnen hat. In der Defensive blieben die Stuttgarter endlich einmal ohne Gegentor. Im Angriffsspiel präsentierten sich die Stuttgarter allerdings oft zu harmlos.

VfB Stuttgart: Ulreich – Funk, Tasci, Delpierre, Molinaro – Träsch, Kuzmanovic – Gentner (59. Gebhart), Boka – Pogrebnjak (88. Niedermeier), Cacau (70. Harnik).

FSV Mainz 05:

Müller – Zabavnik, Bungert, Noveski, Fuchs – Caligiuri, Fathi, Soto – Holtby (59. Szalai) – Risse (66. Allagui), Schürrle.

Schiedrichter:

Michael Weiner (Hasede)

Zuschauer:

33.500

(Stuttgarter Zeitung online 15.1.2011)

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6. November 2010

Die Achterbahnfahrt geht weiter

Ein bisschen Aufmunterung kann in diesen grauen VfB-Tagen nicht schaden – vor allem dann, wenn sie aus der großen, glitzernden Fußballwelt kommt: von Sami Khedira, einem der neuen Stars von Real Madrid. Beim Spiel seines Exclubs war der verlorene Sohn am Donnerstagabend zwar verhindert, dafür schaute er mittags im Mannschaftshotel der Stuttgarter vorbei. Sehr herzlich war das Wiedersehen, und so gab sich Khedira alle Mühe, den früheren Weggefährten etwas Mut zu machen. “Ich bin überzeugt davon”, sagte er, “dass die Mannschaft genügend Potenzial hat, um aus dieser schwierigen Situation wieder rauszukommen.”

In der Bundesliga hat das Potenzial bisher nur zu einem Platz im Tabellenkeller gereicht – international aber ist der VfB weiter auf der Überholspur. Beim FC Getafe gewann das Team von Jens Keller gestern nach sehr überzeugender Leistung mit 3:0 (1:0) und feierte in der vierten Europa-League-Partie den vierten Sieg. Bereits vor den beiden abschließenden Gruppenspielen in Bern (1.Dezember) und gegen Odense (16.Dezember) steht damit fest, dass der VfB die Runde der letzten 32 Mannschaften erreicht hat. “Ich bin hochzufrieden, denn wir haben ein Superspiel geboten”, sagte Jens Keller.

Der Trainer hatte sein Team gründlich durcheinander gewirbelt. Patrick Funk spielte rechts hinten (und bot eine durchaus ansprechende Leistung), Matthieu Delpierre kehrte 45 Minuten lang in die Innenverteidigung zurück; im Mittelfeld bekam Mamadou Bah eine Bewährungschance, und vorne stürmte Ciprian Marica vor Martin Harnik, der als hängende Spitze agierte. Cacau blieb also ebenso auf der Bank wie Christian Träsch, Christian Gentner und Timo Gebhart – sie alle wurden zunächst geschont. Denn auch wenn es niemand so klar formulieren wollte, stand außer Frage: wichtiger als das Spiel in Getafe ist für den VfB das Bundesligaheimspiel am Sonntag gegen Bremen.

VfB von Beginn an das bessere Team

Mit seiner runderneuerten Elf fand der VfB vor der Geisterkulisse von bestenfalls 5000 Zuschauern erstaunlich gut ins Spiel. Die Stuttgarter waren von Beginn an die klar bessere Mannschaft und kombinierten vor allem über die linke Seite sehr gefällig. Dort spielte diesmal Arthur Boka im Mittelfeld, er war der auffälligste Akteur und empfahl sich wärmstens für weitere Einsätze auf dieser Position.

Sehr agil präsentierte sich in der Anfangsphase auch Marica. Zweimal scheiterte der Stürmer aus aussichtsreicher Position – und erzielte im dritten Anlauf die verdiente Führung: Nach einem haarsträubenden Fehlpass des früheren Kölners Derek Boateng traf Marica aus 25 Metern (26.). Noch klarer war anschließend die Überlegenheit der Stuttgarter gegen erschütternd harmlose Spanier, die den VfB zum Toreschießen einluden. Das Problem war nur, dass beste Chancen ungenutzt blieben. Nach einer Molinaro-Flanke köpfte Harnik erst an den Pfosten (37.) und schoss kurz darauf Ustari an. Schon bis zur Pause hätte der VfB also längst alles klar machen müssen. Zu Beginn des zweiten Abschnitts blieb Delpierre in der Kabine, kurz darauf folgte ihm sein Verteidigerkollege Serdar Tasci, der sich am Oberschenkel verletzte und länger auszufallen droht. Immer größer werden damit die Personalsorgen in der Innenverteidigung – auch deshalb prüft der VfB die Verpflichtung des Brasilianers Welinton (21) von Flamengo Rio de Janeiro.

Der eingewechselte Georg Niedermeier und Molinaro bildeten nun das zentrale Abwehrgespann, Boka rückte nach links hinten, Timo Gebhart ins Mittelfeld. Lange dauerte es nicht, bis sich der VfB neu sortiert hatte. Erst sechs Minuten war Gebhart auf dem Feld, schon traf er zum 2:0: Von Mauro Camoranesi klug bedient, schloss der Mittelfeldspieler mit einem Flachschuss ab (64.). Wenn es mal läuft, dann läuft es – auf kuriose Weise gelang Harnik der Treffer zum 3:0-Endstand: Bei einer Flanke von Boka rutschte der Angreifer in der Mitte aus und köpfte den Ball kurzerhand im Liegen ins Tor (76.).

Getafe reagierte mit übertriebener Härte auf die Stuttgarter Überlegenheit – die Rote Karte jedoch sah Marica, der sich provozieren ließ und seinem Gegenspieler ins Ohr kniff. “Das darf ihm bei diesem Spielstand nicht passieren”, sagte Keller. Und so hatte die ansonsten rundum gelungene VfB-Dienstreise nach Spanien doch noch ihren Schönheitsfehler.

Getafe

Ustari – Victor Sanchez, Cata Diaz, Ibrahim Kas (65. Micu), Mané – D. Boateng (46. Casquero) – Borja , Albin – Arizmendi, Adrian Colunga, Adrian Sardinero (58. Manu).

Stuttgart:

Ulreich – Funk, Tasci (58. Gebhart), Delpierre (46. Niedermeier), Molinaro – Bah, Kuzmanovic – Camoranesi (71. Gentner), Boka – Harnik – Marica.

Schiedsrichter:

Strahonja (Kroatien).

Zuschauer

5000.

Tore:

0:1 Marica (26.), 0:2 Gebhart (64.), 0:3 Harnik (76.).

Rote Karte:

Marica (79./Unsportlichkeit).

(STZ online 4.11.10)

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30. Oktober 2010

3:1 Pokal-Krimi: Super-Joker Martin Harnik erlöst VfB

Category: Spielberichte — Tags: , , , , , , – Franky @ 05:03

Harnik, Harnik, Harnik! In der 76. Minute wechselte ihn VfB-Trainer Jens Keller ein. In der 79. Minute traf Harnik zum ersten Mal, glich den Rückstand durch Benjamin Förster (73.) aus. In der 106. Minute nahm Harnik ein Zuspiel von Cristian Molinaro auf, zog nach innen und hielt drauf. Und in der 119. Minute verwertete Harnik ein Zuspiel von Pawel Pogrebnjak zum 3:1. Der VfB steht im Achtelfinale, ist um rund 600000 Euro Prämie reicher und hat weiter die Chance, sich durch den Pokalsieg fürs internationale Geschäft zu qualifizieren. “Wenn ich reinkomme, will ich etwas bewegen. Das gelingt mir zurzeit ganz gut”, sagte Harnik.

Das besänftigte dann auch Jens Keller. “Wir können mit unserem Auftreten nicht zufrieden sein”, monierte der Trainer, “aber Harnik war heute wieder Gold wert. Nicht viele können von außen so viel bewegen wie er.” Auch Serdar Tasci war erleichtert: “Zum Glück kam Martin rein und hat das Spiel noch gedreht.” Das war auch bitter nötig. Denn die Chemnitzer quälten die Roten bis aufs Blut – weil die es zuließen. Drei Spiele in Folge hatte der VfB zuletzt nicht verloren, doch mehr Sicherheit verlieh ihnen das nicht. Sie stolperten und stümperten über weite Strecken vor sich hin. Das lag auch daran, dass Chemnitz bei gegnerischem Ballbesitz ein Bollwerk bildete, gegen das der VfB kaum ein Mittel fand. Ohne Ideen rannten die Roten an und ließen sich durch das giftige Auftreten des Außenseiters den Schneid abkaufen. Die Folge: viele Fehlpässe, wenig Struktur, kaum Druck nach vorn.

Dennoch kam Ciprian Marica gleich zu drei Torchancen (4., 19., 20.), die Torhüter Philipp Pentke allesamt zunichtemachte. Das war’s dann aber auch auf beiden Seiten – bis zur 42. Minute, als Timo Gebhart eine Flanke von Zdravko Kuzmanovic ins Tor köpfte. Das 1:0? Von wegen: Marica hatte zuvor sein Gegenüber Rene Trehkopf im Strafraum weggestoßen – Schiedsrichter Günter Perl pfiff die Aktion zu Recht ab. Um ein Haar wäre der erste Treffer auf der Gegenseite gefallen, doch Benjamin Förster bekam den Ball freistehend nicht unter Kontrolle und verlor ihn an Tasci. Der Nationalspieler trug die Kapitänsbinde, weil Spielführer Matthieu Delpierre und sein Vertreter Cacau verletzt fehlten. Bisher war die Binde dann an Georg Niedermeier gegangen, doch Trainer Keller entschied sich für Tasci – eine deutliche Aufwertung des Innenverteidigers, der zur Halbzeit seinen Nebenmann Niedermeier mit Verdacht auf Bänderriss verlor. Für ihn kam Ermin Bicakcic vom VfB II zu seinem ersten Profi-Einsatz. Nach dem Wechsel trat der VfB etwas energischer auf.

Marica scheiterte beim Freistoß erneut an Pentke (48.). Dann kam Chemnitz zu seiner ersten Torchance: Chris Löwe flankte auf Förster, VfB-Keeper Sven Ulreich faustete den Ball zur Ecke, die nichts einbrachte (59.). Es war Ulreichs erste Großtat, aber nicht seine letzte: Einmal lenkte er den Ball mit den Fingerspitzen übers Tor (74.), dann wehrte er einen Schuss von Raphael Schaschko ab (87.), wenig später pflückte er den Ball vor Ronny Garbuschewski aus der Luft (90.). Für den VfB vergab Marica die dickste Chance, als er nach Foul von Schaschko an Gebhart den Foulelfmeter an den Außenpfosten setzte (72.)! Nach 95 Minuten war Pogrebnjak durch, Chemnitz’ Kapitän Andreas Richter zog die Notbremse und sah Rot. Gegen zehn Mann tat sich der VfB nicht unbedingt leichter. Aber zum Glück hatte er ja noch Harnik.

(STN 27.10.10)

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