19. Mai 2013

Endlich: Saisonende!

Schon traditionell findet vor dem letzten Saison-Heimspiel die vom OFC Leintal-Power organisierte Fahrt auf dem Partyfloß statt, zu der alle OFC’s eingeladen sind. Wie in jedem Jahr war die Nachfrage riesig und das Boot somit schnell ausgebucht. Ich war bereits zum dritten Mal dabei und freute mich auch in diesem Jahr wieder, an Bord auf viele bekannte Gesichter zu treffen. Treffpunkt war wie immer der Bahnhof in Ludwigsburg von wo aus uns ein Shuttleservice zum Anleger nach LB-Poppenweiler brachte. Der Wettergott meinte es richtig gut mit uns, weitestgehend strahlender Sonnenschein, angenehme Temperaturen, kühles Bier und toller Service an Bord, was will man mehr. Für mich bedeutet diese Floßfahrt auch immer so etwas wie eine Reise in die Vergangenheit, lassen wir doch ehemalige Wohnorte, oder Orte, an denen ich anderweitig viel Zeit verbrachte links und rechts liegen, wie bspw. Aldingen, Hofen, den Max-Eyth-See, Münster und natürlich Bad Cannstatt. Gegen 13 Uhr erreichten wir wohl behalten unseren Zielhafen Mercedes Benz Museum, von wo aus es sofort in Richtung Otto’s Vesperstüble ging, um sich vor dem Spiel noch stärken zu können.

Ursprünglich war für den letzten Spieltag eine Saisonabschlussfete mit dem Live-Auftritt des Hofbräuregiments avisiert. Aufgrund wohl hoher Auflagen der Behörden in Bezug des Verkehrsabflusses nach dem Spiel wurde die Veranstaltung Mitte der Woche leider abgesagt. So war eben Business as usual angesagt, schade!

Daher lag am frühen Nachmittag der Höhepunkt des Tages schon hinter mir, abgesehen davon, dass ich nach dem Spiel noch mit einigen Bekannten zu einer „kleinen“ Saisonabschluss-Kneipentour verabredet war.

Und, genau, da war ja auch noch ein Bundesligaspiel, das man der Vollständigkeit halber, auch noch besuchen sollte. Positiv daran schon einmal, nach dem langen Vorprogramm an diesem Tage war es erhol- und auch ratsam eine etwa 2 ½-stündige bierfreie Phase  einzulegen. Im Stadion fällt mir das nicht allzu schwer, boykottiere ich doch bis heute mehr oder weniger das bargeldlose Bezahlsystem im Stadion. Wenn ich zufällig einmal Guthaben auf meiner Fankarte habe, vermeide ich es für gewöhnlich mich an Stoßzeiten an den Ständen anzustellen, also bin ich, wenn ich denn mal was hole, kurz vor der Halbzeit am Stand und habe schon des Öfteren ein Bier erhalten, das sie wohl zu Spielbeginn eingeschenkt hatten und das auch entsprechend schmeckte. Daher übe ich bei Heimspielen lieber Verzicht und freue mich dann eben auf die dritte Halbzeit.

Eigentlich bedenklich, wenn dies meine größten „Sorgen“ vor einem Bundesligaheimspiel sind. Selten war ich emotionsloser dabei, selten war ich glücklicher, dass eine elendige Saison sein Ende gefunden hat. Auch freute ich mich selten mehr beim Gedanken, viele Spieler des diesjährigen Teams in der nächsten Saison nicht mehr sehen zu müssen.

Wenn man sich die Anzahl der schon feststehenden Neuzugänge und dazu die der gehandelten Neuzugänge anschaut und von letzterem auch nur die Hälfte wahr wird, dürfte uns erneut ein großer  Umbruch bevorstehen. Und, das ist auch gut so. In mittlerweile rund 37 Jahren, in denen ich den VfB aktiv begleite und verfolge habe ich eine VfB-Elf noch nie schlechteren Fußball spielen sehen. In einer Saison, in der man sich von Erzfeinden demütigen lässt, von Absteigern und Abstiegskandidaten abschießen lässt, historisch am wenigsten Heimpunkte holt, die drittharmloseste Bundesligamannschaft stellt und über weite Strecken Fußball zum Abgewöhnen bietet, darf der Einzug ins Pokalfinale und die damit verbundene neuerliche Qualifikation fürs internationale Geschäft nicht alles übertünchen, was schief gelaufen ist. Es müssen Änderungen her und zwar in allen Ebenen des Vereins.

Dieter Hundt, der alternde Aufsichtsratschef, muss bei der nächsten Mitgliederversammlung im Juli zum Rückzug bewogen werden. Entsprechende Anträge sollen bereits eingegangen sein. Ein wichtiger Aspekt, dieses Vorhaben zu einem positiven Abschluss zu bringen, dürfte sein, dass auch in der Wappenfrage Entscheidungen erwartet werden und somit sicherlich auch viele Mitglieder aus der Kurve zugegen sein werden. Der Termin wurde erneut auf einen Montag-Abend gelegt, was es weiter weg wohnenden und nicht mobilen Mitgliedern natürlich erschwert, an dieser wichtigen MV anwesend sein zu können. Ein solches „den Leuten Steine in den Weg legen“, genauso wie die ins Leben gerufene Präsidentenkandidatenfindungskommission, sind wohl so etwas wie das letzte Pfeifen im Walde von Hundt. Ein Aufsichtsrat, am besten der gesamte, der wissentlich aufgrund vetternwirtschaftlicher Verflechtungen ein Porsche-Sponsoring verhindert und stattdessen mit Gazi eine schlechter vergütete Sponsoring-Partnerschaft eingeht, um die Mercedes-Leute rund um den Verein nicht zu vergraulen, gehört auf die Straße gesetzt und auf Regresszahlungen verklagt.

Über Mäuser ist jedes Wort zu viel, dieses Thema hat sich zum Glück erledigt! Schade nur, dass eine solche Pflaume wohl noch eine Abfindung in Höhe von gut 700.000 Euro für Nichts erhalten wird. Er täte gut daran, läge ihm der VfB am Herzen, zumindest auf einen Teil davon zu verzichten, wobei mir auch klar ist, dass dies eine unrealistische Hoffnung darstellt.

Unseren Manager Fredi Bobic sehe ich nach wie vor positiv. Er ist ein VfBler durch und durch und leistet gute Arbeit. Nur, stehe ich immer noch zu dem, was ich vor einigen Wochen schon einmal geschrieben habe: er muss sich nach meinem Geschmack mehr von seinem Trainer abgrenzen und ihm nicht nur nach dem Mund reden. Mich ärgert es wahnsinnig, wenn jeder Blinde sieht, was für ein Murks zusammen gekickt wird und dieser dann von Labbadia und Bobic unisono schön geredet wird, so dass man sich zwischendurch schon einmal Gedanken über deren Zurechnungsfähigkeit machen darf. Hier fehlt uns eindeutig eine Abteilung Attacke, wie es Sammer derzeit bei den Bayern gibt. Ein Mahner, der auch einmal unbequeme Wahrheiten ausspricht, anstatt auf Weichspülermentalität zu setzen und so zu hoffen, dass sich weiterhin alle lieb haben. Vom Naturell her wäre Bobic dazu  prädestiniert, er hat aber wohl Angst davor, durch ein Vorpreschen nach außen Unruhe zu schüren und intern Reibungen zu erzeugen. Jedoch sind gerade diese wichtig, dass man sieht, dass der Verein lebt. Derzeit plätschert es sowohl im Verein als auch auf dem Rasen nur noch dahin, was zur Folge hat, dass wir mehr und mehr zur grauen Maus verkommen, keine interessante Marke mehr darstellen, der Fußball unattraktiv und wenig spektakulär ist. Wenn uns dann noch weisgemacht wird, dass nicht mehr drin wäre mit unseren Möglichkeiten, dass unsere Erwartungen zu hoch seien, dass wir Schwaben mit unserer Bruddlermentalität mit nichts zufrieden wären, und, und, und, dann haben die Herren den Schuss nicht gehört. Ein Stadiongänger hat durchaus ein feines Gespür für das, was er erwarten kann. Dass der VfB in naher Zukunft wohl nicht um die Champions League mitspielen kann, damit haben wir uns abgefunden. Dass es auch nicht immer zum Erreichen der Europa League reicht, auch damit haben wir kein Problem. Ein zehnter Platz am Ende, akzeptabel, wenn der Einsatz und die Leidenschaft stimmen, womöglich noch Pech hinzukam und/ oder die anderen einfach besser waren. Alleine aus diesen Gründen laufen dem VfB nicht die Zuschauer davon und werden auch nicht alleine deshalb so  emotionslos, wie sie über weite Strecken der Saison waren. Was die Leute fernbleiben lässt, was die, die kamen, auf ihren Plätzen erstarren lässt, ist das leblose Gekicke auf dem Rasen, der langweilige Fußball, den wir vorgesetzt bekommen, eine Mannschaft, die kein Team zu sein scheint, ein System, das nicht als solches zu erkennen ist, fußballerische Schwächen von Berufsfußballern, die unerklärlich sind, individuelle Patzer, die den Gegner in schöner Regelmäßigkeit zu Toren einlädt. Das kapiert der Zuschauer auf der Tribüne nicht, wenn permanent Fehler passieren, die selbst in der Kreisliga nicht zu entschuldigen wären. Wenn dann die Statements nicht etwa in Richtung von „wir können Euren Unmut verstehen, dafür laufen sie eine Runde um den Bärensee“ sondern stattdessen von ordentlichen Auftritten geredet wird, für die man sich nicht belohnt hätte, fängt der „normale“ Zuschauer an, an sich selbst zu zweifeln, meint, dieses Spiel ist zu hoch für ihn, und bleibt eben das nächste Mal zu Hause und bildet sich fort.

Die Zuschauerzahlen in der Rückrunde sollten Mahnung genug sein. Passend dazu wurden in dieser Woche die Dauerkartenpreise für die nächste Saison veröffentlicht. In vfb-direkt schreiben sie von einer moderaten Preiserhöhung von 2%, in etwa also der Inflationsrate. Ich sage, unverschämt, unmittelbar nach einer solchen Katastrophensaison noch mehr Geld als ohnehin schon zu verlangen. Der Verein sollte seine Preispolitik der letzten Jahre mal überdenken und vor sich vor allem die Jahre ansehen, in denen sie die Preise weit über der Inflationsrate erhöht haben bzw. in den Umbaujahren, als wir in einem halben und offenen Stadion den vollen Preis zu entrichten hatten.

Ich sehe überhaupt keine Gründe für eine Preiserhöhung, oder darf ich für mehr Geld besseren Fußball und besseren Komfort erwarten? Nein, als zahlender Zuschauer und Teil des Spiels muss ich alles ohne Murren und ohne Geld-Zurückgarantie so hinnehmen.

Dem Fan in der Kurve kann man das Geld ja aus der Tasche ziehen, der wird immer wieder kommen, die Lücken zuletzt auf den teuren Plätzen aber, sollten zum Nachdenken anregen.

Solang ein Herr Hundt, siehe oben, ein besseres dotiertes Sponsoring ausschlägt, solang genau der gleiche Hund(t), einen Präsidenten, den keiner will, durchdrückt und ihm jetzt den Lebensabend mit einer saftigen Abfindung versüßt, ist es schon grotesk, dass aus solchen Gründen der kleine Mann tiefer in die Tasche greifen soll. Aber, ich bin ja kein Phantast: würde der Verein ein ausgeprägtes Taktgefühl und ein Gespür für die Stimmung rund um den Verein an den Tag legen, wäre es wohl nicht mein VfB.

Bobic, wie gesagt, für mich nach wie vor der richtige Mann am richtigen Ort. Seine Transferbilanz kann sich im Großen und Ganzen sehen lassen. Letzten Winter wurde mit Alexandru Maxim ein dicker Fisch an Land gezogen, mir bereitet es große Freude, dass da jetzt wenigstens einer ist, dessen Freund der Ball ist. Die schon feststehenden Zugänge lesen sich prominenter als in den letzten Transferperioden, käme jetzt noch der eine oder andere der gehandelten Namen wie Leitner, Lasogga, Volland, etc. könneen wir uns sicherlich auf die neue Saison freuen.

Bzgl. der Trainerposition habe ich mich ja in letzter Zeit auf Labbadia eingeschossen. Ihm traue ich es nicht mehr zu, den Karren wieder flott zu bekommen. Er ist mir taktisch zu unflexibel, kann es offensichtlich nicht mit jungen Spielern, erscheint ratlos, wenn ein Spiel in eine andere Richtung läuft als auf dem Reißbrett aufgemalt. Dies spiegelt sich auch in seinen späten und oft nicht nachvollziehbaren Auswechslungen wider. Ein Matchplan sieht sicher anders aus.

Dazu dieses ständige Herumgejammere über das anspruchsvolle Umfeld, die schlechte Stimmung, die begrenzten finanziellen Möglichkeiten, das mangelnde Vertrauen in ihn, die Überbelastung der Spieler. Durch dieses ständige madig machen von allem rund um den VfB, ist er auch nicht der Typ, der eine Aufbruchsstimmung erzeugen und Leute überzeugen kann, ins Stadion zu kommen. Eher das Gegenteil ist der Fall, wenn Ihr kommt, erwartet bloß nicht zu viel. Dies ist auch eine Art von Geschäftsschädigung, ist es doch vergleichbar mit dem Filialleiter, der seine potentiellen Kunden davor warnt, seinen Laden zu betreten.

Den Umgang mit jungen Spielern hat unlängst Silvio Meißner, Berater von Christoph Hemlein, so beschrieben, dass Hemlein vor 1 ½ Jahren, nachdem er einige Male bei den Profis zum Zuge kam, ohne Begründung und persönliche Erklärung wieder zurück zur zweiten Mannschaft degradiert wurde und überhaupt nicht wusste, weshalb. Ich konnte das genauso wenig nachvollziehen und kann mich erinnern, dass er im Pokal gegen den FSV Frankfurt und in Nürnberg ordentliche Auftritte hinlegte. Bei den Amateuren hat er mir meist gut gefallen, vor allem sein Einsatz und die Gier an den Ball zu kommen, haben mir imponiert. Solche Spielertypen mag eigentlich der Zuschauer, Spieler, die sich in jeden Zweikampf reinhauen, die keinen Ball verloren geben und auch einmal über das Ziel hinausschießen. Labbadia sah ihn wohl nicht so, jetzt verlässt uns Hemlein in Richtung Nijmwegen.

Ähnlich muss es Antonio Rüdiger gegangen sein, als er ein ordentliches Spiel gegen Ribery zu Beginn der Rückrunde ablieferte und im nächsten Spiel in Düsseldorf wieder draußen saß. Gerade für unsere junge Spieler, die Kapital für die Zukunft darstellen, benötigen wir einen Trainer, der sowohl psychologisch als auch als Fußballlehrer das Gespür für den Umgang mit ihnen hat, der sie fordern aber zugleich auch fördern kann. Labbadia wird immer einen erfahrenen einem jungen Spieler vorziehen. Ich bin gespannt, was mit Didavi passiert, wenn er denn mal wieder richtig angreifen kann. Ihm hat er ja auch das Blaue vom Himmel versprochen, um dann mit Hajnal den Vertrag zu verlängern.

Daher würde ich mir ein rasches Umdenken in der Trainerfrage wünschen. Die Zeit ist jetzt gekommen, zwischen Bundesligaabschluss und Trainingsbeginn könnte man durchaus an einen Kandidaten herantreten, der woanders unter Vertrag steht. Nach einem neuerlichen Fehlstart, dem Labbadia mit seinen in dieser Woche geäußerten Bemerkungen, die Spieler würden durch die jetzt noch anstehenden Länderspiele ausgepresst wie Zitronen, schon die Ausreden geliefert hat, wäre dieser Zug abgefahren und man müsste abermals auf einen arbeitslosen Fußballlehrer zurück greifen, weil er gerade frei ist und nicht, weil man von seiner Philosophie überzeugt wäre. So dreht man sich auf Dauer im Kreis.

Dafür, dass bei mir nach dem letzten Bundesligaspieltag die Luft raus ist, spricht auch, dass ich dem Pokalfinale mit allem anderem als mit Vorfreude entgegenblicke. Ich freue mich auf die Tour, eine tolle Party mit VfBlern in der Stadt, befürchte für das Spiel jedoch das Schlimmste. Wenn alles normal läuft und beide Teams ihr Leistungsvermögen abrufen, müsste es eine Klatsche setzen, wie sie Berlin in einem Finale noch nicht gesehen hat.

Meiner Meinung nach hängt vieles vom Verlauf des Champion League Finals nächsten Samstag in London ab. Sollte Bayern sein drittes Finale innerhalb von drei Jahren verlieren, der BVB also triumphieren, könnte ich mir vorstellen, dass die Bayern in ein tiefes Loch fallen werden, aus dem es schwer sein dürfte innerhalb von einer Woche positiv gestimmt heraus zu kommen. Spieler wie Lahm und Schweinsteiger würden zu grübeln beginnen, ob ihnen bis Ende ihrer Karriere jemals noch ein internationaler Titel vergönnt sein würde. Daran hätten sie zu knabbern, davon bin ich überzeugt. Daher drücke ich am Samstag den Dortmundern die Daumen, auch wenn sie mich gestern bitterlich enttäuscht haben, durch das Reanimieren des Dorfclubs von der Autobahnraststätte Kraichgau. Gestern früh noch war ich total davon überzeugt, dass wir abends eine Abstiegsparty würden feiern können. So traf es leider die Düsseldorfer, die eben eine grottenschlechte Rückrunde gespielt hatten und selbst gegen eigentlich rechte Gegner zur richtigen Zeit wie Bremen und Nürnberg nicht gewinnen konnten. Der Sieg gegen uns war einer von zweien in der gesamten Rückrunde.

Für eine Einschätzung zum Pokalfinale melde ich mich dann kurz davor noch einmal. Ich mag momentan noch nicht daran denken, es ist einfach noch zu weit weg, angesichts des bevorstehenden Finals in London.

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11. März 2013

Eine Pleite jagt die nächste

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , – Franky @ 18:47

Die Situation wird immer prekärer! Auf gerade einmal drei Heimsiege bringt es der VfB nach 25 Spieltagen. Gerade einmal vier Punkte sprangen aus acht Rückrundenbegegnungen heraus, gerade einmal fünf Törchen brachte der VfB in diesen acht Spielen zustande. Platz 14 in der Tabelle, (noch) nicht in allerhöchster Abstiegsgefahr, weil es drei Teams gibt, die tatsächlich noch um einiges schlechter da stehen als der VfB.

Alarmstufe rot? Mitnichten!!! Lauscht man zumindest den Ausführungen von Bobic und Labbadia, kurz Bobbadia, ist alles bestens. Einzig und allein die Ergebnisse stimmen nicht, sonst ist alles super. Das Team kämpft aufopferungsvoll und belohnt sich nur nicht. Wir sind neben den Bayern als einziges deutsches Team noch in drei Wettbewerben vertreten und können, sollten wir mit unserem Rumpelfußball ins Pokalfinale einziehen, über die Hintertür DFB-Pokal wieder in die Europa League einziehen. Aus heutiger Sicht muss ich sagen: bloß nicht, sonst stehen die Alibis für die nächste Übergangssaison auch schon wieder parat.

Bobbadia versteht jetzt natürlich die Welt nicht mehr. Zum einen rennen wir ihnen nicht (mehr) die Bude ein, die Lücken auf den Tribünen werden immer größer, und dann, ist ja wirklich die Höhe, applaudieren wir nicht mehr permanent, wenn sich unsere Spieler Scorerpunkte für Gegentore verdienen und der Kick & Rush-Fußball neu erfunden wird. Die unattraktive Spielweise ist das eine, darüber haben wir lange weggesehen, als die Ergebnisse stimmten. Jetzt aber ist die Spielweise unattraktiv, und man hat den Eindruck, dem einen oder anderen ist das Schicksal des Vereins egal, sie lassen es über sich ergehen, kein Kampfgeist, Konzentrationsschwächen, kein Helfen auf dem Platz, keiner, der voran geht, nichts, es plätschert alles so dahin. Wir schießen keine Tore, weil die Bälle planlos in den Strafraum geschlagen werden, in Situationen, die vielversprechend werden könnten, wird nicht richtig antizipiert und somit eine mögliche Chance schon im Ansatz vertan. Wir bekommen nichts geboten, was den Fußball so liebenswert macht und dann hat Bobbadia nichts Besseres zu tun, als in den Fans einen Mitschuldigen zu suchen und nach ihrem Gusto auch zu finden? Selbstkritik ist Bobbadia fremd! Wurde gegen Lazio wirklich Hajnal ausgepfiffen oder ist die Reaktion nicht auch der Tatsache geschuldet, dass Bobbadia den Vertrag mit einem Spieler verlängerte, dessen Zenit überschritten ist und der eigentlich keine Rolle mehr spielt. Galten die Pfiffe gestern tatsächlich Molinaro, als dieser eingewechselt werden sollte, oder hatte dies nicht vielleicht möglicherweise damit zu tun, dass beim Stande von 0:1 ein Abwehrspieler kommen sollte? Dass Labbadia seine Entscheidung, von der er ja wohl überzeugt gewesen sein musste, wieder zurück nahm, sagt einiges über dessen derzeitige mentale Verfassung aus und wirft bei mir die Frage auf, ob er wirklich einen Plan hat, wie er uns aus dieser Misere herausführen kann.

Dass die Situation und der vom Vorstand verordnete Sparkurs nicht einfach zu handeln ist, dass, angesichts der Dreifachbelastung und der Verletzten das Team auf dem Zahnfleisch daher kommt, leuchtet mir ein. Dennoch jammern wir sicherlich noch auf einem sehr hohen Niveau von den finanziellen Möglichkeiten her. Es gibt in der Bundesliga durchaus auch Mannschaften mit kleineren Etats, die uns den Rang abgelaufen haben, bei denen aber so etwas wie eine Spielidee oder ein Matchplan zu erkennen ist. Hat ein Team die Handschrift seines Trainers, haben die Spieler sein System verstanden, ist es auch einfacher, von der Bank jemanden zu bringen, der genau weiß, welche Rolle er im Korsett einzunehmen hat. Beim VfB 2013 hingegen wird es dagegen immer vogelwilder, je mehr Neue herein kommen, das ganze „System“ ist nur auf Kommissar Zufall aufgebaut.

Labbadia ist jetzt ziemlich genau 2 ¼ Jahre da und hatte einige Transferperioden Zeit ein schlagkräftiges Team zu formen oder Spieler unserer zweiten Mannschaft soweit aufzubauen, dass sie in die Presche springen können, wenn ein Spieler den Verein verlässt bzw. Not am Mann ist. Wie erwähnt, hier ist die Finanzmisere nicht das alles entscheidende Kriterium, dazu gehört auch ein gutes Auge und ein Plan, um den Kader im Rahmen unserer Möglichkeiten zu verstärken.

Ich war lange „Pro Bruno“ eingestellt, nicht weil ich ihn besonders mag, sondern, weil ich ihn als VfB-Trainer akzeptiere und vor allem, weil ich mich endlich nach Kontinuität beim VfB sehne und denke, dass „unser“ sauer verdientes Geld lieber in die Kaderverstärkung denn in eine Trainerabfindung investiert werden sollte.

Mittlerweile aber traue ich es Labbadia nicht mehr zu, das Ruder noch herum zu reißen. Vielleicht ist er auch zu lieb für das Geschäft, wenn er sich stets schützend vor sein Team stellt und gebetsmühlenhaft Ausreden auftischt, weshalb es nicht läuft und ständig am Jammern ist. Bei dieser negativen Grundstimmung, die er verbreitet, frage ich mich, wie die Spieler positiv gestimmt auf den Platz gehen sollen. Auch bzw. Oder von Bobic würde ich mir wünschen, dass er sich mal hinstellt, und zugibt dass es eine verdammte Scheiße ist, die sie zusammen spielen und wie sie gedenken, diesen Negativtrend wieder zu stoppen. Fredi Bobic muss aufpassen und sich ein Stück weit von Labbadia abgrenzen, wenn er auch nach einem möglichen Trainerwechsel noch Manager bleiben möchte. Seine Position bietet durchaus Spielraum ein eigenes Profil zu schärfen und trotzdem loyal zum Trainer zu stehen.

Da keiner im Verein Klartext spricht, keiner den unzufriedenen Fans ein Stück weit Recht gibt und Verständnis für die Unzufriedenheit aufbringt, muss ich davon ausgehen, dass der Ernst der Lage noch immer nicht in deren Köpfen angekommen ist. Unsere nächsten Aufgaben heißen in der Liga Frankfurt (a), Dortmund (h), Hannover (a) und Mönchengladbach (h). Allesamt Gegner, bei denen man sich fragt, wie gegen sie etwas zu holen sein soll, wenn sich nicht grundlegend etwas ändert. Mit Leistungen wie in Leverkusen, gegen Lazio und jetzt gegen den HSV wird man jedenfalls nicht mehr viele Punkte einfahren können und hoffen müssen, dass Augsburg und Hopp ähnlich schlecht punkten werden.

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9. März 2013

Graue Maus dank Mäuser!

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , , , – Franky @ 11:15

Letztes Wochenende, zum 80. unseres Ehrenpräsidenten Gerhard Mayer-Vorfelder wurde ich kurz sentimental. Was war das noch für ein Präsident? Einer, der uns gleich zu Beginn seiner Amtszeit den Wiederaufstieg beschert hat. Der VfB wurde damals bester Aufsteiger aller Zeiten und auf Anhieb Vierter mit den jungen Wilden 1 um Karl-Heinz Förster und Hansi Müller. Der VfB hielt sich über Jahre in der Spitzengruppe der Liga, obwohl man Abgänge von Leistungsträgern wie Hansi Müller oder Dieter Hoeneß zu verschmerzen hatte. Man schaffte es aber, diese zu kompensieren, weil MV gute Kontakte landein, landaus hatte, bspw. einen Asgeir Sigurvinsson an den Neckar lockte, dem bei den großen Bayern der Durchbruch verwehrt blieb. Zudem profitierte man vom damals noch starken, wenn auch immer im Hintergrund wahrgenommenen, zweiten Stuttgarter Profiverein, dem SV Stuttgarter Kickers, denen man in den 70ern Walter Kelsch, später dann Jürgen Klinsmann und Guido Buchwald und in den 90ern noch Fredi Bobic abluchsen konnte.  Der VfB fuhr Erfolge ein, feierte Finalteilnahmen und hielt sich konstant in den Top-Five, auch wenn es hier und da mal eine oder zwei Saisons zur Konsolidierung gab. MV gelang es immer wieder mal einen Weltstar wie Carlos Dunga zu uns zu locken und verpflichtete unser magisches Dreieck, Bobic kam von den Kickers. Giovane Elber wurde bei den Grasshoppers Zürich entdeckt und Krassimir Balakov wurde von Sporting Lissabon losgeeist. Klar sagte man ihm nach, den Verein nach Gutsherrenart zu führen, er hörte sich alle Meinungen an, die Entscheidungen fällte er jedoch Höchstselbst, nicht selten nach seinem Bauchgefühl. Er hinterließ Schulden in beträchtlicher Höhe, was den VfB Anfang der 2000er in Existenzängste trieb. Daher war sicherlich nicht alles Gold was glänzte und als Folge dessen wurden ja die Kontrollmechanismen im Verein verschärft, so dass so etwas ohne Durchwinken der Gremien heute nicht mehr möglich ist.

Warum ich trotzdem sentimental werde, wenn ich an die Zeit zurück denke und mit heute vergleiche? MV als Präsident hatte Charisma, hatte zudem in Ligaverband und FIFA hohen Einfluss, war stets präsent und immer darauf aus, ja keinen Manager größer zu werden zu lassen, als er selbst es war. Er hatte den höchsten Posten im Verein inne und das kehrte er nach außen. Bei ihm kam es nicht vor, dass der Verein von einer Blamage in die nächste geschlittert wäre und er untergetaucht wäre oder immer seinen Manager vorgeschickt hätte. Es mag sicher auch daran gelegen haben, dass MV für die Pressevertreter ein interessanter Interview-Partner war, dem nicht selten aus einer Laune heraus eine Exklusivnachricht entlockt werden konnte. MV war interessant und hatte immer etwas zu sagen. Dadurch war auch der VfB in aller Munde und eine Marke. Und, der VfB stand jahrzehntelang für attraktiven Offensivfußball!

Ein Mäuser jedoch, Präsident von Hundts Gnaden, duckt sich stets weg und hält sei Gosch, manchmal sicher auch besser so, tritt er doch gerne vom einen Fettnäpfchen ins Nächste.  Durch sein jähzorniges Naturell vergrault er langjährige Mitarbeiter und sieht tatenlos zu, wie einer nach dem anderen das sinkende Schiff verlässt und zur Konkurrenz wechselt. Er predigt gebetsmühlenartig den Stuttgarter Weg, von dem er wohl exklusiv überzeugt ist. Die Realität sieht anders aus. Unseren jungen Spielern werden stets „erfahrene“ Durchschnittskicker von Reservebänken anderer Vereine vor die Nase gesetzt, ein präsidiales Eingreifen und Einflussnahme in die sportliche Leitung scheint tabu zu sein. Die sportliche Leitung wird den Medien zum Fraß vorgeworfen, Mäuser selbst hält sich vornehm im Hintergrund und tut Nichts.

Man geilt sich vielmehr daran auf, dass der VfB neben den Bayern als einziger Verein noch in allen drei Wettbewerben vertreten ist, dass dieser Umstand einzig und allein einem unglaublichen Losglück zuzuschreiben ist, vergisst man gerne. Man nimmt die Misere einfach hin, ohne einmal Eier zu zeigen und auf den Tisch zu hauen. Dass die Bilanz auf dem Papier besser aussieht als sie wirklich ist, wird genauso totgeschwiegen, wie dass man eine Trainerdiskussion auch nur im Ansatz zulässt. Ich sehne mich ja ebenso nach Kontinuität, jedoch nicht auf Teufel komm raus. Weshalb man noch unbedingt im Januar den Vertrag mit Bruno Labbadia um zwei Jahre verlängern musste, wobei der Verein ja ursprünglich sogar an drei Jahre dachte, ist mir ein Rätsel. Ist das unser Anspruch mit blutleeren Auftritten im Mittelmaß herum zu dümpeln, immer auch mit einem Bein in der zweiten Liga? Kann es im Interesse des Vereins liegen, alles nur noch schönzureden und die Kritiker einfach zu ignorieren? Sind es nicht Alarmzeichen genug, dass zu einem Samstag-Nachmittag-Spiel gegen Werder Bremen, das eigentlich immer für Spektakel steht, nur noch 40.000 Zuschauer kommen? Die Zuschauerresonanz im Europa- und DFB-Pokal möchte ich gar nicht überbewerten. Bei diesen Anstoßzeiten ist es für viele zeitlich einfach nicht machbar, die exorbitant gestiegenen Eintrittspreise tun ihr übriges. An der Preisschraube ist der VfB ja offensichtlich nicht bereit zu drehen, in vfb-direkt wird ständig darauf hingewiesen, wie hochwertig der Wettbewerb sei und dass die Preise angemessen wären. Die Quittung dafür sind eben halbe Geisterspiele im weiten Rund des Neckarstadions. Apropos vfb-direkt, auch eine Idee von Herrn Mäuser. Dieses Medium könnte sich der VfB sparen, liest man doch höchstens in 1% der Fragen und Antworten überhaupt etwas neues, erfolgen die Antworten selbstherrlich und mit Textbausteinen, die man schon hundertmal gelesen hat. Was ich aus diesem Medium lediglich herauslesen kann: „immer sind die Anderen schuld“. Wenn Lady Ländle peinlich ist, sind es verkaufte Werbezeiten, auf die der VfB keinen Einfluss hat, ist die Qualität der Trikots schlecht oder sind sie zu teuer, wird Puma der schwarze Peter zugeschoben, schmeckt die Stadionwurst nicht oder ist sie zu kalt, wird man an den Caterer verwiesen, funktioniert der Tageskartenverkauf nicht oder muss man bis lang nach Spielbeginn in der Schlange stehen, ist man selber schuld, weil man die Karte nicht im Vorverkauf erworben hat. Auch die Kritik an der ohne Abstimmung mit den Fans vorgenommenen und auf Teufel komm raus durchgeführten Wahl zur Stadionhymne wird einfach ignoriert bzw. zurückgewiesen. Dies könnte ich noch ewig so weiter führen, als Fan fühle ich mich von dieser Plattform eher verarscht, als dass sie einen Mehrwert brächte. Aber, man liest halt doch mit und regt sich jedes Mal aufs Neue auf.

In Sachen Viagogo wird auf konkrete Fragen schon überhaupt nicht eingegangen, sondern lediglich auf die Stellungnahme von Mäuser verwiesen, die er zu Beginn der Partnerschaft tätigte. Es wird auch immer stets betont, dass man die ursprünglich geplante Fassung noch geändert hatte, als der Fanausschuss intervenierte. Dann heißt es so schön „in Absprache mit dem Fanausschuss“, obwohl dieser strikt gegen diese Form von Legalisierung des Schwarzmarkts war.

Der Dialog mit dem Fanausschuss stand kürzlich kurz vor dem Aus, weil sich der Verein nicht an Absprachen hielt und seine Vorhaben sowieso umsetzt, man hat dann eben darüber gesprochen. Einflussmöglichkeiten sehen anders aus. Noch unter Erwin Staudt fanden die Fans weitaus mehr Gehör als jetzt unter Mäuser, mit dem eine konstruktive Zusammenarbeit offensichtlich nicht möglich ist.

Zum Wohle des Vereins kann es eigentlich nur eines geben, Mäuser Raus! Eine Abwahl eines VfB-Präsidenten während der Amtszeit wäre, soviel ich weiß, ein Novum in der fast 120-jährigen Geschichte vom VfB. Möglicherweise ist die Chance dazu bei der nächsten Mitgliederversammlung so groß wie nie, wird es doch auch in der Wappenfrage zu einer Abstimmung kommen. Dieser Tagesordnungspunkt wird viele Leute aus der Kurve mobilisieren die Mitgliederversammlung zu besuchen, wo sonst überwiegend alte Schergen und der Freundeskreis anwesend sind, die den Vorstand brav entlasten und alles ab nicken, was im letzten Geschäftsjahr so schief gelaufen ist. Es muss eine Palastrevolution her, um den Verein wieder nach vorne zu bringen. Auch ein Dieter Hundt, mittlerweile weit jenseits der 70, sollte abdanken und jüngeren den Vortritt lassen.

Der Fisch stinkt gewaltig vom Kopf, trotzdem kann man auch die sportliche Leitung nicht unbehelligt lassen. Es ist klar, dafür hat auch jeder Verständnis, dass nach wie vor ein Sparkurs eingehalten werden muss und somit die Hände ein Stück weit gebunden sind. Trotzdem wird mir zu sehr schwarzgemalt. Wir sind immer noch der VfB, haben noch immer die stärkste zweite Mannschaft in Deutschland, haben ein tolles Stadion, ein begeisterungsfähiges Umfeld, ein riesiges Einzugsgebiet und sind in einer der stärksten Wirtschaftsregionen Europas beheimatet. Das sind Pfunde, mit denen wir nach wie vor wuchern können, darin stecken Potentiale, die geweckt werden wollen.

Wenn man aber einen Trainager Bobaddia hat, ich fasse die Herren hier der Einfachheit halber zusammen, da sie sowieso dieselbe Sprache sprechen, der stets nur am jammern ist und alles schon im Vorfeld madig macht, dann wecke ich natürlich auch kein Interesse und muss mich über leere Ränge im Stadion nicht wundern Mit Aussagen wie „die Europa League wird von den Fans in Stuttgart nicht angenommen“, im Vorfeld eines Spiels, gebe ich doch denen, die nicht kommen wollen, schon im Vorfeld ein Alibi. Ich kann mich an Plakataktionen von früher erinnern, Verein für Begeisterung, wo einfach Lust geweckt wurde und ein Stück weit auch an die Ehre eines Fans appelliert wurde, den Verein zu unterstützen. Es wird jeder noch so kleine Gegner groß geredet, Demut, Lernprozess, „wir sind noch nicht so weit“, „brutal harter Wettbewerb“, „steiniger Weg“, „hohe Erwartungshaltung“, etc. pp. Kurz, es wird permanent gejammert, unser VfB wird kleingeredet, es werden schon im Vorfeld Alibis gesucht und auch gefunden. Wenn Bobaddia so auch mit den Spielern redet, wundern mich die ängstlichen, blutleeren Auftritte überhaupt nicht. Es wundert mich dann auch nicht, dass keiner auf dem Platz steht, der die Anderen mitreißt, wenn man mal 0:1 hinten liegt und es mit einem „brutal schweren Gegner“ zu tun hat, der womöglich noch „in einer anderen Liga spielt“. Bobaddia wird nicht müde zu wiederholen, dass ein einziges unvorhergesehenes Ereignis genügt, um das fragile Gebilde einstürzen zu lassen, sprich dass sich die Mannschaft danach abschlachten lässt. Ich denke „mit unvorhergesehenem Ereignis“ meint Bobaddia auch die individuellen Fehler, die die Jungs in unschöner Regelmäßigkeit auf den Platz bringen. Wenn man hinten anfällig ist und vorne das Tor nicht trifft, hat man ein richtiges Problem, so vor allem in den letzten Spielen, wo auch unser Torjäger Vedad Ibisevic Ladehemmung hatte. Umso weniger ist für mich nachzuvollziehen, dass der Fußball von Bobaddia darauf ausgelegt zu sein scheint, sich nach eigener Führung ins Schneckenhaus zurückzuziehen und den Gegner, der in diesem Moment ja am Boden liegt, kommen zu lassen und stark zu machen, anstatt selbstbewusst nach vorne zu spielen und nachzulegen. Das, was Bobaddia derzeit spielen lässt, ist Angsthasenfußball unterster Schublade, der mittlerweile nicht nur nicht zum anschauen ist, sondern dazu noch keine Punkte einbringt. Der VfB ist die schlechteste Rückrundenmannschaft und steht mittlerweile auch in der Europa League vor dem Aus. Es sieht jeder ein, dass wir keinen Kader besitzen wie die Bayern oder der BVB. Dass aber, gerade angesichts der hohen Belastungen und Formschwäche einiger Spieler, nur immer die gleichen 12,13 Feldspieler zum Einsatz kommen und Auswechslungen erst erfolgen, wenn das eintrat, was lange Zeit absehbar war, dafür fehlt mir jegliches Verständnis.

In Sachen Aufstellung und Ein-/ Auswechslungen komme ich auf Bruno Labbadia zurück. Er vertraut offensichtlich nach wie vor dem Gros der Tribünenhocker nicht, geschweige denn unseren Jungs von der Zweiten, die schon Profiluft schnuppern durften. Und wenn endlich ein Martin Harnik, der meilenweit von der Form der Vorsaison entfernt ist, wie gegen Rom, durch Alexandru Maxim ersetzt wird, kommt auch noch Pech hinzu, da er durch eine rüde Attacke mit Nasenbeinbruch und Gehirnerschütterung ausgewechselt werden musste. Ein William Kvist ist momentan noch schwerer vermittelbar. Was er in der Rückrunde oder wie auch am Donnerstag gegen Lazio schon Gegentore verschuldete geht auf keine Kuhhaut. Dazu ist er, ganz Labbadias Liebling, ein Sicherheits- oder besser Rückpasskönig par excellance. Nicht selten kommt es beim VfB vor, dass, zehn Sekunden nach eigenem Eckball, der Ball zu Sven Ulreich zurück gespielt wird. Kvist macht das Spiel langsam und ist zudem völlig von der Rolle und offensichtlich ohne jegliches Selbstvertrauen, so dass er schon fast zwanghaft den Sicherheitsrückpass einer offensiven Aktion vorzieht. Wenn ein Trainerteam an sich selbst den Anspruch stellt, die Spieler von Tag zu Tag besser machen zu wollen, haben sie bei Kvist etwas falsch gemacht, er ist nur noch ein Schatten seiner Darbietungen aus der Vorsaison. Hatte man jahrelang ein Überangebot an talentierten und spielstarken Sechsern ist Kvist nun fast alternativlos, was meine Hoffnungen auf Besserung in der Spielweise doch dämpft. Den einzigen im Kader, den ich mir noch vorstellen könnte, ist Rani Khedira. Doch der ist jung und gleichzeitig unerfahren und wird so den Sprung in unser ach so funktionierendes Team sicherlich nicht allzu früh schaffen.

Wenn sich in einer Mannschaft die Unkonzentriertheiten und Slapstickeinlagen häufen, wenn die Laufbereitschaft zu wünschen übrig lässt, keiner dem anderen hilft, die Ordnung auf dem Platz nicht stimmt und der Gegner Spiel für Spiel zum Tore schießen eingeladen wird, stellt sich automatisch die Trainerfrage. Man fragt sich, erreicht der Trainer das Team noch? Spielt die Mannschaft gegen den Trainer? Ist es der Fußball, den der Trainer verlangt, wenn er offensichtlich nicht oder erst sehr spät korrigierend eingreift? Warum wechselt Labbadia nicht auch einmal schon nach 20 Minuten aus, wenn er von außen feststellt, dass ein Spieler bei der Mannschaftsbesprechung nicht zugehört hat und sein eigenes Ding macht? Da er diesbezüglich überhaupt keine Anstalten macht, unterstelle ich mal, dass das, was derzeit auf den Rasen gebracht wird, Fußball a` la Labbadia ist und dieser uns auch in der Zukunft drohen wird, wenn Labbadia am Ruder bleibt. Und dann braucht sich nun mal niemand zu beschweren, dass sich viele das nicht antun zu wollen und diese Zeit lieber der Familie widmen oder sich den weiten, beschwerlichen Anreiseweg ersparen. Und, nein, ich rede hier nicht von Erfolgsfans! Die meisten Fans akzeptieren ja die Tatsache, dass die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinander driftet, sie akzeptieren, dass man nicht mehr zu den Top-Vier gehört und wohl auch so schnell nicht Stammgast in der Champions League sein wird. Doch, die Leute, die ihr Geld in Stadion tragen, welches wiederum den Millionären auf dem Rasen zufließt, erwarten eine Gegenleistung in Form von Identifikation, Kampfgeist, Willenskraft. Diese Attribute vermisst man derzeit völlig, man hat eher den Eindruck, das Team ergebe sich in sein Schicksal und außer Phrasen a` la Bobaddia bekommt man nichts zu hören. All dies macht wenig Hoffnung auf Besserung. Auch die traditionell starke Rückrunde, die oftmals Probleme kaschiert hatte, scheint in dieser Saison auszubleiben. Somit taumeln wir weiter durch die Liga und können uns mittlerweile daran ergötzen, dass Augsburg gestern gegen Nürnberg keine Punkte geholt hat. Der VfB wird noch zwei bis drei Siege benötigen, um mit dem Abstieg nichts zu tun zu haben. Momentan kann ich mir jedoch nicht vorstellen, gegen wen diese gelingen sollen. Mit Leistungen wie zuletzt, gewinnt man in dieser „brutal ausgeglichenen Liga“ kein Spiel! Es muss jetzt ein Befreiungsschlag her wie er in der letzten Saison beim 5:0 gegen Hertha gelang, von mir aus auch wieder begünstigt durch eine frühe rote Karte.

Die größte Möglichkeit, außer dem Nichtabstieg, diese verkorkste Saison noch zu retten, wäre das Pokalfinale in Berlin. Das Losglück blieb uns hold und bescherte uns abermals ein Heimspiel. Allerdings, mittlerweile habe ich höchsten Respekt, wenn ich an die Breisgau-Brasilianer denke. Klasse, was Christian Streich dort innerhalb eines Jahres aus der Truppe gemacht hat und welche Begeisterung er vorlebt. Er ist wie Labbadia ein Typ Trainer, der vor Ehrfurcht erstarrt angesichts der großen Namen, mit denen er es in der Bundesliga zu tun hat. Im Gegensatz zu Labbadia aber wandelt er diese Ehrfurcht in positive Energie um und kitzelt aus seinen Jungs, die er zum Großteil von Kindestagen an kennt, die paar Prozent mehr heraus, die nötig sind und den Unterschied ausmachen. Während Labbadia griesgrämig nur die Last sieht, versprüht Streich Lust, es den großen zu zeigen. So wird das Halbfinale sicherlich kein Selbstläufer. Noch haben wir fünf Wochen Zeit um in eine bessere Phase zu kommen und Selbstvertrauen zu tanken. Was mich in diesem Zusammenhang aber schon wieder tierisch nervt, ist, dass von fast allen vom VfB angesichts der Chance auf den Finaleinzug hervorgehoben wird, dass wir dann ziemlich sicher auch in der nächsten Saison international dabei wären, und keiner auf die Idee kommt, den Pokal dann auch gewinnen zu wollen. Minimalistendenken eben!

Morgen geht es gegen den wiedererstarkten HSV der jüngst im Westfalenstadion zu Dortmund mit 4:1 gewonnen hat. Danach geht’s zum starken Aufsteiger nach Frankfurt, dann Dortmund zu Hause und Hannover auswärts. Angesichts dieser Aufgaben wird mir eigentlich angst und bange. Hier bin ich wieder beim Einstiegsthema und würde mir jemanden wünschen, der jetzt wachrüttelt und vom allgemeinen Kuschel- und Streichelkurs abrückt und die Protagonisten an den Ernst der Lage erinnert und nicht erst aufwacht und in Aktionismus verfällt, wenn es fast schon wieder zu spät ist.

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9. Dezember 2012

Ibisevic trifft dreifach

Meine Vorfreude auf die Partie gegen Schalke hielt sich zunächst noch in Grenzen. Zu tief sitzt noch immer der Stachel der Darbietungen der letzten Wochen, steht der VfB im Frühwinter 2012/2013 doch eher für fußballerische Magerkost denn für spielerisches Feuerwerk. Natürlich stimmen unter dem Strich die Ergebnisse, auch und besonders die in den letzten zehn Tagen errungenen. Zunächst siegte man 2:1 gegen den FC Augsburg in einem Spiel, in dem das Schlusslicht der Liga den VfB phasenweise an die Wand spielte, jedoch untermauerte, weshalb die bayerischen Schwaben ganz unten stehen – sie trafen eben das Tor nicht. Dann siegte man in Unterzahl in Fürth, beim Co-Schlusslicht, auch hier hatte der VfB den rechten Gegner zur rechten Zeit. Es genügte eine den Temperaturen angemessene unterkühlte Leistung und ein Tor zum Sieg, da alles Anrennen der Franken eher kopflos erfolgte und der VfB somit wenig Mühe hatte, den knappen Sieg über die Zeit zu retten.

Und dann schließlich der fußballerische Offenbarungseid gegen Molde FK, ein Team, das in den letzten 10 Jahren außer den beiden Siegen gegen den VfB international überhaupt keine Erfolgserlebnisse feiern konnte und das direkt aus dem Urlaub kam, da in Norwegen die Saison bereits seit dem 18.11. beendet war. Klar, es ging gegen den frischgebackenen norwegischen Meister, trotzdem, mit Verlaub, darf man in einem solchen Spiel nicht doch ein bisschen mehr erwarten, auch wenn unter dem Strich das Weiterkommen stand? Wir dürfen uns bei Steaua Bukarest bedanken, die in Unterzahl in Kopenhagen ein 1:1 erkämpften und das, obwohl sie bei der VfB-Niederlage auf jeden Fall weiter gewesen wären. Hut ab!

Müssen wir als Fans zufrieden sein, wenn wir aufgrund der Ergebnisse auf anderen Plätzen ein Ziel durch die Hintertür noch erreicht haben, das bis zum Schluss am seidenen Faden hing? Ich denke nein! Alle klagen über das mangelnde Zuschauerinteresse in der Europa League. Gerade unter diesen Umständen muss das Team doch bestrebt sein, Werbung in eigener Sache zu betreiben. Stattdessen hatte man bei den VfB-Verantwortlichen lange Zeit nicht den Eindruck, dass sie selbst richtige Begeisterung für diesen Wettbewerb aufbringen können, sagte doch Bobic vor der Partie in  Molde, die Bundesliga wäre das täglich Brot, und die Europa League eher unwichtiger. Schon vor der Saison warf er in die Runde, die Europa League würde von den Fans nicht angenommen werden, was ja durchaus der Wahrheit entspricht, trotzdem ist es eine unkluge Marketingstrategie, wenn man Tickets an den Mann bringen möchte, den Fans aber gleich ein Alibi liefert, die die Europa League Spiele meiden. Auch ich hätte mir attraktivere Gegner in der Gruppe gewünscht, große Namen und Teams, die den Gästeblock füllen und somit ein wenig mehr internationales Flair durchs Neckarstadion wehen würde.

Leider war das nicht der Fall, alle drei Heimspiele waren mehr oder weniger trostlose Veranstaltungen ohne einen einzigen Heimsieg, die den Daheimgebliebenen also noch Recht gaben, sich diese Spiele nicht angetan zu haben.

Dass nach der peinlichen Schlappe gegen Molde, trotz des Weiterkommens, keine Jubelarien aufkommen würden, dürfte doch auch den Protagonisten auf dem Rasen klar gewesen sein. Wer gegen eigentlich harmlose Norweger wie eine Schülermannschaft in einen Konter läuft, wer gegen sie in zwei Spielen kein Tor zustande bringt, muss sich auch Kritik gefallen lassen. Meiner Wahrnehmung nach hielten sich die Pfiffe am Donnerstag schwer in Grenzen. Auslöser des Vogels, den Martin Harnik uns Fans zeigte, war aber wohl, dass der Gassenhauer „Stuttgart international, kann man nur besoffen sehn“ angestimmt wurde und dieser Sarkasmus nach Auffassung der Spieler nicht angebracht sei.  Ich kann zwar nicht mit Gewissheit sagen, seit wann dieser Song bei internationalen Spielen gesungen wird, gefühlt aber schon zu einer Zeit, als die meisten unserer Spieler noch in den Kindergarten gingen. Dass ein Martin Harnik, der seit Monaten auf der Suche nach seiner Form der Vorsaison ist, sich das Recht herausnimmt den wenigen anwesenden Fans als Dank fürs Kommen noch den Vogel zu zeigen, dass ein Georg Niedermeier, der gegen Molde unerklärliche Anfängerfehler fabrizierte, sagen darf „Zuschauer, die nur zum pfeifen kommen, sollen zu Hause bleiben“ und diese Aussagen von den Verantwortlichen sogar noch goutiert werden, zeigt, welche Kluft inzwischen zwischen den Fans und der Mannschaft liegt und wie weit sich die Hauptdarsteller auf dem Rasen inzwischen von der Basis entfernt haben. Klar fordern wir Emotionen und sehen es durchaus gerne, wenn manche Spieler nicht alles so über sich ergehen lassen. Hier aber schossen alle über das Ziel hinaus, zumal die Vereinsseite auch, nachdem eine Nacht über diese Geschehnisse geschlafen wurde, nicht von ihrer Meinung abrückten. Den Vogel zu zeigen stellt durchaus den Tatbestand der Beleidigung dar und ist fast dem Mittelfinger eines Stefan E. aus M. gleichzusetzen, der seinerzeit daraufhin von der WM 1994 in den USA ausgeschlossen wurde.

Seit Mr. Jähzorn Mäuser auf dem Wasen das Zepter schwingt, ist der Umgangston merklich rauer geworden. Nicht von ungefähr verlassen Leute auf wichtigen Positionen in einer Häufigkeit den Verein, die Ihresgleichen sucht.  So passt es ins Bild, dass die Angestellten die zahlende Kundschaft beleidigen dürfen und von ihren Chefs auch noch Beifall dafür erhalten.

Ich möchte dabei diesen Vorfall keineswegs überbewerten, habe aber kein Verständnis dafür, dass von Vereins- und Spielerseite kein Wort der Entschuldigung über die Lippen kam und dass, nach dem Spiel gegen Schalke, das gesamte Stadion abgestraft wurde, anstatt sich für die Unterstützung in der Vorrunde zu bedanken, schließlich war es das letzte Bundesligaheimspiel im Jahre 2012.

Nach der Darbietung und den Vorfällen nach dem Spiel gegen Molde, hatte ich ehrlich gesagt zunächst keinen großen Bock, bereits 41 Stunden später erneut in die bitterkalte Arena zu pilgern. Was mich sportlich zu erwarten hatte, in dieser Hinsicht war ich zwiegespalten. Zum einen grenzt es natürlich an Wettbewerbsverzerrung, wenn Schalke zwei Tage mehr Pause hat und wir der einzige Europaleague-Starter mit einer solch kurzen Regenerationsphase waren. Zum anderen war mir ein Spiel vor einigen Jahren in Erinnerung, in dem wir Werder Bremen nach genau so kurzer Erholungsphase mit 4:1 vom Platz gefegt hatten, was zeigte, dass es durchaus Kopfsache ist, wie man eine solche Situation annimmt. Schalke kam mit zuletzt drei Auswärtsniederlagen in Folge  im Gepäck auch nicht gerade mit sehr breiter Brust ins Neckarstadion. Auf der anderen Seite war mir natürlich auch klar, dass mit einer ähnlich emotionslosen und schwachen Vorstellung wie gegen Molde gegen die Knappen nichts zu holen sein würde.

Die Schalker reisten wie gewohnt mit einem zahlreichen und lautstarken Anhang an, die, wie die VfB-Fans erneut 12 Minuten, 12 Sekunden schwiegen, um letztmals gegen das DFL-Sicherheitskonzept zu protestieren, das am 12.12.12. verabschiedet werden soll.

Das Spiel hatte kaum begonnen, da zappelte der Ball bereits im Netz des von unserem Meisterkeeper Timo Hildebrand gehüteten Tores. Boka, der anstelle des zuletzt schwachen Molinaro spielte, dribbelte sich durchs Schalker Mittelfeld, schaffte so Raum für Traore, der seine Schnelligkeit ausspielte und in der Mitte mustergültig unseren Knipser Vedad Ibisevic bediente. Dieser hatte mit seinem achten Saisontreffer keine große Mühe mehr und überwand Timo Hildebrand erstmals. Für Hildebrand war es das erste Spiel gegen den VfB, in seiner Zeit beim SAP-Werksclub fehlte er gegen den VfB stets krank oder verletzt… Das Spiel konnte für den VfB also nicht besser beginnen und man traute seinen Augen kaum, dass der gleiche VfB, der am Donnerstag noch knapp ins Sechzehntelfinale stolperte, plötzlich herzerfrischend und mit Elan nach vorne spielte. Es zeigte sich mal wieder allzu deutlich, dass es dem VfB deutlich mehr liegt, wenn es gegen einen Gegner mit  eigenen Ambitionen geht. Die Schalker wollten ihrerseits natürlich heraus aus der Negativspirale und waren relativ offensiv ausgerichtet, was dem VfB in die Karten spielte und Räume eröffnete. Leider gelang es nicht den Vorsprung zu halten. Marica war nach Flanke von Jones und Stellungsfehler von Niedermeier zur Stelle und netzte mutterseelenallein zum 1:1 ein, Gott sei Dank der einzige Grund zum Jubel für königsblau. Die Schalker erhöhten zwar daraufhin etwas den Druck, kamen aber nur Halbchancen. Der letzte Pass kam nicht an, so dass von Huntelaar zum Glück so gut wie nichts zu sehen war.  Nach einem ungeschickten Rempler von Jones gegen Gentner entschied Schiri Zwayer zu Recht auf Strafstoß für den VfB. Trotz seiner Fehlschüsse vom Punkt gegen Wolfsburg und Fürth, wo er allerdings als Gefoulter selbst schoss, schnappte sich erneut Ibisevic die Kugel und hämmerte diese in die von ihm aus gesehen rechte Ecke. Hildebrand ahnte zwar die Ecke, hatte aber gegen die Wucht des Balles keine Chance. Kurze Zeit später hätte Harnik im eins gegen eins mit Hildebrand noch die Chance zum 3:1, vergab aber, wie schon gegen Molde kläglich, und schoss Hildebrand direkt in die Arme.

Besser machte es nach einer guten Stunde Raphael Holzhauser, dessen Schuss wuchtiger war, so dass Hildebrand vor die Füße von Ibisevic abklatschte und dieser bei seinem dritten Treffer erneut keine große Mühe hatte. Der Dreierpack von Vedad bedeutet für ihn die Führung in der Torjägerliste mit zehn Vorrundentreffern und die Vorentscheidung im Spiel. Bedenken kamen dann aber doch noch einmal auf, als Sakai mit einer in der Heftigkeit unnötigen Grätsche von hinten gegen Holtby vom Platz flog. Dieser Aktion ging jedoch ein nicht geahndetes Handspiel eines Schalkers voraus, so dass man dennoch von einer fragwürdigen Entscheidung sprechen konnte. Als dann jedoch wenige Minuten später Rüpel Jermaine Jones nach überhartem Einsatz gegen den wiederum sehr engagierten Ibrahima Traore ebenfalls den roten Karton vor die Nase gehalten bekam, war wieder alles im Lot und der VfB hatte kaum Mühe mehr, das 3:1 über die Zeit zu bringen. Im Gegenteil, kurz vor Schluss hätte Antonio Rüdiger fast noch sein Tordebüt gefeiert, scheiterte aber am Pfosten. Am Ende stand ein verdienter Sieg und Punktgleichheit mit den zu Beginn der Saison so hoch gewetteten Schalkern. Eigentlich unglaublich, wie der VfB da steht, wenn man sich vor Augen führt, wie viele Punkte regelrecht verschenkt wurden. Wie bereits angesprochen, hielt es die Mannschaft nicht für nötig, sich gebührend aus der Bundesligahinrunde zu verabschieden. Nach einem kurzen Gang in Richtung der Cannstatter Kurve drehten sie auch schon wieder ab. Die anderen Tribünen waren komplett außen vor und wurden keines Blickes gewürdigt. Bei den meisten anderen Vereinen, wo die Spieler rund ums Stadion, ob bei Sieg oder bei Niederlage, eine Runde drehen und alle vier Tribünen mit Applaus bedenken, sicherlich undenkbar, aber bei uns macht eben jeder sein Ding, das er für vertretbar hält.

Meine Euphorie hält sich somit auch in Grenzen, trotz der respektablen 25 Punkte, trotz der Tuchfühlung nach oben, trotz des Abstands von 13 Punkten auf den Relegationsplatz.

Kommenden Samstag in Mainz geht es dann weiter, dort fehlt dann schon (mindestens) die Hälfte unserer Viererabwehrkette. Ich denke, für Sakai bekommt Rüdiger eine Chance von Beginn an, zudem scheint sich Maza endlich zu stabilisieren, der gegen Molde und Schalke ordentliche Leistungen ablieferte. Die Mainzer spielen eine starke Saison, einfach wird es mit Sicherheit nicht. Seit langem hat der VfB mal wieder eine Woche Pause zwischen zwei Spielen, nach dem gestrigen Spiel bleibt zu hoffen, dass dieser Elan nicht verloren geht. Besonders die linke Seite mit Boka und Traore hat mir sehr gut gefallen, auch Holzhauser hat neben einigem Leerlauf, der für sein Alter aber normal ist, immer wieder tolle Momente im Spiel und ist eine absolute (kreative) Bereicherung.

Nach Mainz werde ich wieder mit dem RWS Berkheim im Bus mitfahren, bei Mainz wohl das Beste, was man machen kann. Sowohl das Stadion, mitten in der Pampa, als auch das Klatschpappen- und Karnevals-Publikum lässt dieses Spiel eher als Pflichtaufgabe denn als Saisonhighlight aussehen. Am Ende ist man einfach nur froh, wieder im Bus zu sitzen und diesen Ort möglichst schnell wieder zu verlassen, hoffentlich mit drei Punkten im Gepäck.

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27. September 2012

Indiskutabel

Acht Spiele lang ist es gutgegangen gegen den Dorfverein aus dem Kraichgau. Acht Spiele, in denen Ruhm und Ehre gewahrt blieben und der klamme Sparverein VfB Stuttgart den Hopp-Millionen getrotzt hatte. Acht Spiele ohne Niederlage gegen das mit Ex-VfBlern auf Feld und Bank gespickte Volk ohne Heimat. Acht Spiele, die ich alle live gesehen habe und wo es am Ende immer richtig gut tat, deren zugelaufenen „Fans“ die lange Nase zu zeigen.

Dass jede Serie einmal zu Ende geht, war mir auch in diesem Fall durchaus bewusst. Dass sich jedoch einmal die Angestellten des VfB in kurzen Hosen in einem solchen Prestigeduell so präsentieren würden, das hätte ich in meinen schlimmsten Träumen nicht erwartet. Der VfB ließ die Kraichgauer nach Belieben gewähren und kombinieren und präsentierte sich herz-, kampf- und charakterlos und vor allem nicht als Team. Es kochte ein jeder sein eigenes Süppchen und ergab sich wehrlos in sein Schicksal. In dieser „Mannschaft“ scheint es vorne und hinten nicht zu stimmen. Bereits zum zweiten Mal in der noch jungen Saison ergab sich der VfB noch auf dem Platz und ließ die Dinge ihren Lauf nehmen. Auch in Bremen fehlte nicht allzu viel und der VfB hätte sich abschießen lassen. Dort folgte immerhin in der zweiten Halbzeit eine Trotzreaktion und das Team wehrte sich.

Nach fünf Spieltagen muss man ganz klar konstatieren, dass es in dieser Saison (wieder einmal) einzig und allein um den Klassenerhalt geht. Wenn man durchschnittlichen Bundesligamannschaften schon hoffnungslos unterlegen ist, gegen wen möchte man dann überhaupt noch gewinnen.

Die Frage ist auch, wie lange schaut sich das unsere Führung noch an? Oder ist die Darbietung auf dem grünen Rasen mittlerweile zweitrangig, Hauptsache die schwarze Null steht? Mir wird es Angst und Bange, wenn ich an die kommenden Aufgaben gegen Nürnberg und Leverkusen denke. Beide zählen schon seit Jahren nicht unbedingt zu unseren Lieblingsgegnern. Sollte Labbadia, wovon ich ausgehe, noch eine Gnadenfrist erhalten, ist es dann überhaupt realistisch, dass wir auch wieder einmal dreifach punkten? War es gestern nicht offensichtlich, dass die Mannschaft gegen den Trainer spielte? Kann es nicht sein, dass Georg Niedermeier die öffentlich formulierte Kritik mit Rückendeckung der übrigen Führungsspieler getätigt hat? Wurde Labbadia nicht schon dadurch zum Abschuss freigegeben? Es ist nicht so, dass ich es gutheiße, wenn eine Mannschaft einen Trainer abschießt, beim VfB scheint dies aber seit Jahren zum guten Ton und damit zur „Firmenkultur“ zu gehören, gebilligt von den Vereinsoberen. Oder hat von denen einer schon mal Tacheles geredet und den Jungs die Leviten gelesen, dass man sich im Brustringtrikot NIEMALS so präsentieren darf? Ich glaube es nicht. Mäuser zeigt sich lediglich auf offiziellen Anlässen und referiert vom Stuttgarter Weg, an den er wahrscheinlich selbst nicht mehr glaubt, sonst macht er sich rar und arbeitet daran, das Betriebsklima durch seine cholerische Art mehr und mehr zu vergiften, wie der Flurfunk so berichtet.  Nicht umsonst verlassen langjährige, loyale Mitarbeiter den VfB und wechseln den Verein, weil ihre Ideen und Visionen zu wenig Beachtung finden und die im sportlichen Bereich Verantwortlichen in die Gegenrichtung rudern. Quo Vadis also, VfB?

Auch jetzt noch, fast einen Tag danach, bin ich tief deprimiert, ratlos und vor allem stinksauer, wenn ich an gestern denke. Nach einer solch miserablen Vorstellung, möglicherweise der schlechtesten und blamabelsten, die ich je vom VfB gesehen habe, könnte man eigentlich den Laden direkt zu machen. Geht natürlich nicht, also fahre ich am Samstag nach Nürnberg und glaube an das Gute in unseren Spielern und dass sie gewillt sind, dort Wiedergutmachung zu betreiben. Allen Querelen oder Disharmonien zum Trotz, die Jungs müssen sich am Riemen reißen, sich konzentrieren und darauf besinnen, dass es gegen einen Gegner geht, der ebenfalls angeschlagen daher kommt. Wir wissen ja alle, dass sie es eigentlich besser können. Es geht um die Gegenwart und die Zukunft unseres VfB. Ich bin mir ziemlich sicher, wenn unsere Spieler sich noch einmal so blutleer, ohne Kampf und ohne Wille präsentieren und damit die Zukunft des Vereins aufs tiefste gefährden und das Image weiter beschädigen, werden wir wieder Verhältnisse vorfinden wie vor zwei Jahren nach dem Spiel gegen Bochum.

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