31. März 2012

4:4 gewonnen!

Eines vorneweg: wenn man sich bei manch leidenschaftsloser Vorstellung fragt, weshalb man es sich antut, der Mannschaft überall hinterher zu reisen, um sich doch nur zu ärgern, so kann man nach dem gestrigen Abend festhalten, dass es genau diese Momente sind, wofür es sich lohnt, diesem wunderbaren Sport zu frönen. Ein Spiel, an Dramaturgie nicht zu überbieten. Und das in dem Fußballtempel in Deutschland schlechthin, dem Westfalenstadion in Dortmund. Am Ende gab es nur Gewinner. In vorderster Front natürlich der Fußball im Allgemeinen, die 80.720 Zuschauer, die diesem Spektakel beiwohnen durften und natürlich die Protagonisten in kurzen Hosen, die allerbeste Unterhaltung boten. Es war Gänsehaut pur, die einen den ganzen Abend begleitete. Selbst als wir in Rückstand lagen und die Dortmunder in Feierlaune waren. Die Schwarz-Gelben muss man einfach lieb haben, wenn man die Atmosphäre und die Schwarz-Gelbe Wand mit 30.000 Fans in der Südtribüne einmal erlebt hat. Dann die unfassbaren Glücksgefühle in unserem Block als der VfB innerhalb kürzester Zeit aus dem 0:2 ein 3:2 machte. Und, das an Emotionalität nicht zu überbietende Ende als Gentner in der Nachspielzeit zum 4:4 traf. Da nahmen wir auch die unfreiwilligen Bierduschen beim Torjubel gerne in Kauf.

Die Fahrt nach Dortmund begann für uns gegen 13 Uhr, als wir in Heimsheim den vom RWS Berkheim gecharterten Bus bestiegen und voller Vorfreude die Reise antraten. Schnell holte uns der ganz normale Wahnsinn am Freitagnachmittag auf Deutschlands Straßen ein. Es begann ja auch die erste Osterreisewelle, so dass wir schon bei Pforzheim den ersten von unzähligen Staus zu durchfahren hatten. Zwischenzeitlich hatte ich große Bedenken, überhaupt etwas vom Spiel zu sehen, so zäh zog sich die Fahrt hin. Etwa eine dreiviertel Stunde vor Spielbeginn erreichten wir Dortmund dann und reihten uns in den Stadionstau ein. Unser Busfahrer dachte dann besonders schlau zu sein, vertraute seinem Navi und ließ die Richtung Parkplatz abbiegenden rechts liegen, so dass wir uns plötzlich im Dortmunder Innenstadtverkehr wiederfanden. So sah ich unsere Felle immer mehr davon schwimmen und fühlte mich bestätigt, dass die Abfahrtszeit 12 Uhr in ES-Berkheim an einem Freitag recht knapp gewählt war. Nach einer kleinen Stadtrundfahrt hatten wir den rechten Weg wieder eingeschlagen und standen auf der Brücke über die Bundesstraße, Richtung Busparkplatz im Stau, ehe der Busfahrer, nach Rücksprache mit der vor uns fahrenden Polizei, ein Einsehen hatte und uns aussteigen ließ. Den Weg zum Gästeblock bewältigten wir im Laufschritt, die Ordner an den Eingängen hatten Verständnis für unsere Eile und beschränkten die Abtast- und Durchsuch-Prozeduren aufs Nötigste. Im Stadion angekommen lief bereits You’ll never walk alone, was darauf hindeutete, dass der Einlauf der Gladiatoren unmittelbar bevorstand. Erst mal kurz durchatmen, geschafft…

Da wir für dieses Spiel Stehplatztickets hatten, war es natürlich äußerst ungünstig, so spät einzutreffen. Die Gänge im Stehblock waren nicht mehr als solche zu erkennen, so dass wir kaum rein kamen. Die wenigen Ordner hatten offensichtlich bereits aufgegeben, wenigstens die Gänge freizuhalten und die Leute zum durchgehen zu bewegen. Die ersten Augenblicke nach dem Eintreffen wollte ich nutzen, noch ein Bild von der Schwarz-Gelben Schalparade zu schießen, was genügte, meine Leute aus den Augen zu verlieren. Nachdem ich mich mit anderen Berkheimern bei den Ordnern beschwert hatte, dass es ja unmögliche Zustände wären, führten sie uns unten in den Stehplatzbereich, wo ich mich dann während der ersten Halbzeit aufhielt. Nicht optimal und schlechte Sicht, da ständig Ordner und Polizei vor einem herumturnte und das Gedränge auch immer größer wurde. Aber, darüber regte ich mich nicht groß auf. Weiß man doch, wenn man ein Stehplatzticket wählt, dass es sich empfiehlt, frühzeitig seinen Platz einzunehmen.

Ich fuhr durchaus optimistisch in den Ruhrpott. Der VfB erreichte in den letzten beiden Begegnungen gegen den BVB jeweils ein 1:1, was ich auch für dieses Aufeinandertreffen tippte. Beide Male war Dortmund favorisiert, doch der VfB schaffte es jeweils mit Glück und Geschick einen Punkt zu erringen, was ich als Vorzeichen sah, dass wir uns möglicherweise zum Dortmund Angstgegner aufschwingen könnten. Das Spiel begann wie erwartet. Mit druckvollen Dortmundern, die die VfB-Abwehr von einer Verlegenheit in die nächste stürzten. Der BVB presste früh und zwang den VfB mit seinem druckvollen Hochgeschwindigkeitsfußball in die Defensive und kam zu ersten Chancen. Mit eigenen Nadelstichen in der Offensive (Schieber muss das 0:1 machen) zeigte der VfB dem Tabellenführer aber, dass er sich nicht zu sicher fühlen darf. Dennoch hatte der BVB natürlich ein deutliches Chancenplus. Ulreich, das Aluminium und mehr als einmal unser Turm in der Schlacht, Schorsch Niedermeier, verhinderten den frühen Rückstand. Nach etwa einer halben Stunde hätte der VfB allerdings einen Elfmeter bekommen können, wenn nicht müssen, als Weidenfeller Ibisevic in aussichtsreicher Position legte. Bitter, denn ein möglicher Elfer hätte auch die Rote Karte für Weidenfeller nach sich ziehen müssen. Trotzdem muss ich sagen, dass mir die Spielleitung von Schiri Weiner gefiel, ließ er doch viel laufen, was dem Spielfluss gut tat.

Kurz darauf war es dann aber um den VfB geschehen. Kehl legte für Kagawa auf, der den Ball unter die Latte drosch. Aufgrund des Chancenplus des Meisters eine verdiente und auch fällige Führung. Bis zur Pause passierte dann nicht mehr allzu viel. Dortmund hatte das Spiel zu diesem Zeitpunkt gut im Griff. Die Pause nutzte ich zum Plausch mit einigen Bekannten und einem zweiten Versuch von oben in den Stehplatzbereich zu gelangen, was dieses Mal auch funktionierte.

Auch die zweite Hälfte begann der BVB furios. Bei Pisczceks Pfostenknaller hatten wir noch das Glück des Tüchtigen, nur eine Minute später aber bezwang Kuba Sven Ulreich zum vermeintlich vorentscheidenden 2:0. Dortmund sah zu diesem Zeitpunkt wie der sichere Sieger aus. Ich hoffte nur, dass es jetzt kein Debakel gibt, Chancen dazu waren für den BVB vorhanden. In der 61. Minute kam dann der längst überfällige Wechsel auf unserer linken Abwehrseite. Molinaro wurde für Boka aufs Feld geschickt, der einmal mehr völlig überfordert war. Kuba und Pisczcek spielten zeitweise Katz und Maus mit ihm, der ständig in die Mitte zog anstatt seine Seite zuzumachen. Wie schon gegen den Club eine grottenschlechte Vorstellung unserer Nummer 15. Mit Molinaro kam mehr Stabilität auf dieser Seite rein. Mitte der zweiten Hälfte bekam man den Eindruck, dass Dortmund einen Gang zurückschalten und der VfB noch einmal seine Chance suchen wollte. Kvist setzte mit seinem satten Pfostenschuss ein erstes Ausrufezeichen, Ibisevic hatte kurz darauf eine gute Kopfballchance. Dann folgte die Zeit der spielentscheiden Wechsel. Beim VfB kam Christian Gentner für Hajnal, bei Dortmund Bender für Gündogan. Ich hatte den Eindruck, dass dem BVB mit der Auswechslung von Gündogan Struktur und Stabilität verloren ging, während sich der viel gescholtene Gentner zum (fast) spielentscheidenden Mann aufschwang. Kaum im Spiel bediente Gentner Niedermeier, dessen Volleyablage Vedad Ibisevic im Stile eines kaltschnäuzigen Torjägers gegen die Laufrichtung von Weidenfeller im Kasten versenkte. Gerade einmal sechs Minuten später kam der Ball nach von Ibisevic gegen Subotic gewonnenen Kopfballduell zu Julian Schieber, der mit unbändiger Willenskraft den Ball unter Kontrolle hielt, Weidenfeller umkurvte und zum 2:2 einschob. Ihm gönne ich es besonders, wurde er unter der Woche doch noch von seinem eigenen Präsidenten unwürdig abqualifiziert. Wiederum nur zwei Minuten später schickte Kuzmanovic Schieber auf die Reise, der mit einem satten Linksschuss durch die Beine von Weidenfeller das sensationelle 2:3 markierte. Daraufhin brachen bei uns im Block natürlich alle Dämme und auch ich hatte ernsthafte Standprobleme, am Ende aber alles gut überstanden. Unfassbar, bei einem eigentlich übermächtigen Gegner innerhalb so kurzer Zeit aus einem 0:2 ein 3:2 zu machen. Der BVB aber, im Stile einer Klassemannschaft, schüttelte sich kurz und schlug, auch einer gewissen Passivität vom VfB in dieser Phase geschuldet, eiskalt zurück. Als Hummels und Perisic Dortmund mit 4:3 in Führung schossen war im Stadion natürlich ein Geräuschpegel zu vernehmen, den ich sonst nur aus schottischen Stadien kenne. Wir waren restlos bedient und sahen es jetzt, nach dieser Aufholjagd, als tragisch an, mit leeren Händen heimfahren zu müssen. Doch, der VfB raffte sich auch nach diesem Tiefschlag noch einmal auf. Der eingewechselte Bah setzte einem eigentlich schon verlorenen Ball in der Nachspielzeit gut nach, so dass der Ball zu Molinaro gelangte. Dieser tat das, was man macht, wenn man in der Nachspielzeit unbedingt noch ein Tor braucht und drosch den Ball hoch in den Dortmunder Sechzehner. Schmelzer legte unfreiwillig für Gentner auf, dieser umkurvte Kehl und hämmerte den Ball unter die Latte des Dortmunder Tores. Damit wurde Gentner tatsächlich zum „Matchwinner“, auch wenn es keinen Sieger gab. Dieses Remis fühlte sich wie ein Sieg an. Unbändiger Jubel natürlich in unseren Reihen und bedröppelte Dortmunder, die zwei Punkte auf die Bayern verloren, den (Meister-) Sack im direkten Duell aber ja noch selbst zumachen können. Außerdem, nach München fahren wir ja auch noch. ;-)

Ich kann mich nicht erinnern, dass ich mich über ein Unentschieden schon einmal so gefreut hätte. Nach diesem Spielverlauf wäre es einfach bitter gewesen zu verlieren. Da habe ich sogar weniger an mich als Fan gedacht, als an die Mannschaft. Für dieses Aufbäumen musste es einfach die Belohnung in Form eines Punktgewinnes geben. Der VfB hat gestern, zumindest nach Kvist‘ Pfostenschuss, der als Startsignal zu sehen war, eine geile Leistung abgeliefert. Sie waren in dieser Phase unheimlich präsent in den Zweikämpfen und kämpften um jeden Ball. Das war Leidenschaft pur, wie ich sie vom VfB lange nicht mehr gesehen habe. Dass dieser Punktgewinn nicht unverdient war, zeigt die Statistik von Fussballdaten.de: Ballbesitz 49,5% zu 50,5%, gewonnene Zweikämpfe 47% zu 53%, Fouls 8 zu 10. Die Torschussstatistik von 27 zu 11 zu Gunsten des BVB war fast vorhersehbar. Dass man aber bestrebt war, selbst das Spiel zu machen und in den Zweikämpfen eine positive Bilanz ausweist, ist Beleg dafür, wie sich in der VfB in das Spiel hineingebissen hat. Auch die Foulstatistik von „nur“ 8 zu 10 finde ich bemerkenswert, ist es doch sauschwer diese wieselflinken Dortmunder mit fairen Mitteln zu verteidigen.

Ich behaupte mal, JEDER, der diesem denkwürdigen Abend live beiwohnen durfte, wird so ein Spiel niemals vergessen. Auch für mich reiht es sich ein in die ganz großen Sternstunden, die ich schon mit dem VfB erleben durfte. Den Dortmundern wünsche ich, dass auch sie das positive aus diesem Spiel ziehen können und in den nächsten Spielen ihre Chancen etwas konsequenter ausnutzen und den Bayern weiterhin die Stirn bieten.

Leider war nach dem Spiel nicht mehr viel Zeit bis zur Abfahrt unseres Busses. Die Zeit reichte noch zu einem Bierchen am Stadion Rote Erde und ein kurzer Smalltalk nebst Aufmunterung zweier frustrierter BVB-Fans. Gerne wäre ich auch schon vor dem Spiel dort hin, ist es doch jedes Mal ein freundschaftliches Miteinander von BVB- und VfB-Fans.

Dann machten wir uns auf in Richtung des Busparkplatzes, wo ich mir von den Murgtalschwaben, die ebenfalls eigens für dieses Spiel einen Bus charterten, noch zwei, drei Bier für die Rückfahrt organisierte. Die RWS-Vorräte waren bereits nach der langen Hinfahrt aufgebraucht. ;-)

Gegen 5.30 Uhr schließlich lag ich dann in meinem Bett. Geschafft aber glücklich. Danke VfB, danke Jungs vom Neckar. Wir sind alle mächtig stolz auf Euch!

Wenn dieses Spiel keinen Rückenwind für die Europa League gibt, was dann. Gegen Mainz geht es darum, diesen Punkt zu vergolden und von der Schwäche der Konkurrenz um (mittlerweile) Platz 5 zu profitieren. Ich freue mich jetzt schon darauf.

Bilder vom Spiel auf http://www.frankys-stadionpics.de/bilder/thumbnails.php?album=333.

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4. Mai 2010

Cacau will Meister werden

Nach seiner Vertragsverlängerung bis 2013 hat sich Cacau für seine Zukunft beim VfB Stuttgart einen zweiten Meistertitel zum Ziel gesetzt. Zunächst soll am Samstag bei 1899 Hoffenheim die Qualifikation für die Europa League endgültig perfekt gemacht werden. “Und in der nächsten Saison ist es ein Ziel, wieder um die Deutsche Meisterschaft mitzuspielen und zudem international eine gute Rolle zu spielen”, sagte der Fußball-Nationalstürmer am Montag in einem Interview auf der Internetseite der Nationalmannschaft.

Als “Garant dafür” sieht Cacau Trainer Christian Gross. “Er hat viel Erfahrung – das hat er von Anfang an bewiesen. Und er will jetzt etwas langfristiges aufbauen”, sagte der 29-Jährige, der bereits 2006/2007 mit den Schwaben Meister geworden war und vor einigen Wochen eigentlich seinen Abschied nach dieser Saison angekündigt hatte.

Ein Weggang im Unmut kündigt sich indes beim am Saisonende zum FC Barcelona zurückkehrenden Alexander Hleb an. Den Weißrussen wurmte gewaltig, dass Gross ihn beim 2:2 gegen Mainz ausgerechnet an seinem 29. Geburtstag mehr als eine Stunde auf der Bank gelassen hatte. “Es war mein letztes Heimspiel in Stuttgart! Ich hatte Geburtstag! Das wäre alles eine riesige Motivation für mich gewesen”, schimpfte Hleb in der “Bild” (Montag). “Aber der Trainer hat alles kaputt gemacht. Ich verstehe ihn überhaupt nicht. Er hat keinen Respekt.”

Gross nahm die Kritik gelassen. “Seit sein Abgang feststeht, beschäftigt er sich gedanklich vor allem mit der Zukunft”, sagte der Schweizer der Stuttgarter Zeitung am Montag.

(STZ 3.5.10)

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