26. August 2012

Verpatzter Auftakt

Der VfB hat den Saisonauftakt 2012/2013 vermasselt. Eigentlich begann der Tag ja wieder super! Aufgrund des Europa League Playoff Rückspiels bei Dynamo Moskau bereits am kommenden Dienstag, konnte die Auftaktbegegnung gegen Wolfsburg nach zähem Ringen doch noch von Sonntag auf Samstag vorverlegt werden. Das allerdings zur ungewohnten Anstoßzeit um 20.45 Uhr, so spät hatte in 49 Jahren Bundesliga noch nie zuvor eine Begegnung begonnen. Schon traditionell fand vor dem ersten Heimspiel auch in diesem Jahr die Karawane Cannstatt statt, die wie immer ein farbenfrohes und lautstarkes Spektakel bot und der sich immer mehr Brustringträger anschließen.

Der VfB schien für den Auftakt gut gerüstet. Dem lockeren Aufgalopp in Babelsberg gegen den SV Falkensee-Finkenkrug im DFB-Pokal folgte die Geduldsprobe im Hinspiel gegen Moskau, die der VfB letztendlich mit Bravour bestand.

Dass es gegen den VfL Wolfsburg ein schweres Spiel werden würde, war mir von vornherein klar. Der VfL kalkuliert diese Saison mit einem 90 Millionenetat und startet erneut einen Großangriff auf die Champions League Plätze. Dagegen kommt der VfB mit seinem 40 Millionenetat ziemlich bescheiden daher. Anders als in den Jahren zuvor wirken die Wolfsburger Einkäufe auch nicht planlos sondern sehr wohl bedacht. So fällt es auch nicht ins Gewicht, dass ein Helmes mit Kreuzbandriss ein halbes Jahr lang ausfällt, wenn man dafür einen Olic und einen Dost aufbieten kann. Auch die im letzten Jahr löchrige Innenverteidigung wurde mit Pogatetz, Naldo und dem zuletzt verliehenen Kjaer gut verstärkt. Hinter den Spitzen wirbelt der geläuterte Diego wie in besten Zeiten. In den letzten Jahren war es immer von Vorteil schon früh auf die Wölfe zu treffen, da diese naturgemäß einige Zeit brauchten, um sich einzuspielen, präsentierte Felix Magath doch während des geöffneten Transferfensters fast täglich neue Spieler. Nicht so in diesem Jahr, die Mannschaft wirkt homogen und eingespielt und ist wohl, so schwer es fällt dies auszusprechen, eine andere Hausnummer als der VfB.

Trotzdem war die Niederlage unnötig und sehr ärgerlich. Die Wolfsburger waren zwar fast die gesamte Spieldauer über reifer und zielstrebiger in ihren Aktionen als der VfB. Wenn man aber zwei Minuten vor Spielende beim Stand von 0:0 einen zumindest diskussionswürdigen Elfmeter zugesprochen bekommt, muss man dieses Geschenk einfach annehmen. Entgegen des ungeschriebenen Fußballgesetzes, dass der gefoulte Spieler den Elfer nicht selbst schießen sollte, trat Ibisevic an und vergab kläglich. Dass er dann noch den Nachschuss fast in Slapstickmanier in den Nachthimmel setzte, ist eigentlich unfassbar. Leider stand unser etatmäßiger Strafstoßschütze Kuzmanovic nicht auf dem Platz. Dennoch liegt es mir fern, den Stab über Ibisevic zu brechen, er ist und bleibt einer unserer wichtigsten Spieler und ein Stück weit auch Lebensversicherung. Bitter war eben, dass sich der VfB unmittelbar nach dem vergebenen Elfer auskontern ließ, Boka zu spät raus rückte, um die Flanke zu verhindern und Tasci und Maza Dost aus den Augen verloren und ungehindert einköpfen ließen.

Die Gründe für die Niederlage liegen woanders. Der VfB hat einfach keinen Diego in der Mittelfeldzentrale, der das Spiel schnell machen und Situationen antizipieren kann. Hajnal hat schon bessere Zeiten erlebt und Kvist ist eben ein Spieler, der den sicheren Rückpass bevorzugt und das Spiel gestern zu sehr verlangsamt hat. Gerade gegen einen gut gestaffelten Gegner wünscht man sich schnörkelloses, schnelles Spiel nach vorne, anstatt ihm jedes Mal zu gestatten, sich neu zu formieren. Auch die Standardsituationen, meist von Diego getreten, waren klar besser als die kläglichen Hereingaben, oft von Traore, die Benaglio fast ausnahmslos problemlos herunter pflücken konnte. So gehörte die erste Halbzeit den Gästen und der VfB war mit dem torlosen Remis zur Pause gut bedient. Mit der Hereinnahme von Torun und später auch Cacau wurde der VfB nach der Pause gefährlicher und zielstrebiger, doch richtig zwingend wurde es auch im zweiten Durchgang selten.

So gesehen war der Sieg der Wölfe nicht unverdient und aufgrund der finanziellen Möglichkeiten auch logisch.

Der VfB hat jetzt zunächst einmal den schweren Gang nach Moskau vor sich, wo es gilt, die Europa League perfekt zu machen. Ich bin mir sicher, dass dies auch gelingen wird, hilfreich wäre natürlich ein frühes Auswärtstor, um einen einigermaßen ruhigen Abend zu erleben.

Danach geht es am kommenden Sonntag zum Triple-Vize-Meister nach München. Da droht dann der komplette Fehlstart, da auch die Bayern entscheidend aufgerüstet haben und es auf jeden Fall vermeiden möchten, erneut der Musik hinterher zu laufen.

Selbst im Falle einer Niederlage dort, ist es auch dann noch nicht an der Zeit schwarz zu malen und alles in Frage zu stellen. Insgesamt ist der VfB nach wie vor, im Rahmen seiner Möglichkeiten, auf einem guten Weg. Man muss hier einfach den Realitäten ins Auge sehen, dass in der Liga die Schere zwischen arm und reich immer weiter auseinander klafft und es einfach, wie 2007, alles passen müsste, um in die Phalanx der finanzkräftigeren Vereine einzubrechen. Von den finanziellen Möglichkeiten her war der sechste Platz in der Vorsaison schon fast das Optimum, was zu erreichen war. Die Krösusse Bayern und Dortmund sind uns meilenweit enteilt, die Werksklubs Gazprom Schalke, SAP Hoffenheim, VW Wolfsburg und Bayer Leverkusen haben weitaus bessere finanzielle Möglichkeiten. Bor. M’Gladbach hat sich nach dem Reus-Verkauf gut verstärkt. Hier bleibt es abzuwarten, welchen Knacks das mögliche Champions League Aus mit sich bringt und ob der Neidfaktor im Kader irgendwann eine Rolle spielen wird oder ob es Favre und Eberl schaffen, das Team bei Laune zu halten. Es ist ja auch nicht gerade unproblematisch, wenn teure Leute kommen und plötzlich das Doppelte verdienen wie arrivierte Kräfte, namentlich z. B. Hanke, Herrmann oder Stranzl. Sollten diese nicht sofort einschlagen und dem Team auf Anhieb weiter helfen, entsteht ein nicht zu unterschätzendes Konfliktpotential. Wir beim VfB sind diesbezüglich ja „gebrannte Kinder“.

Jeden dieser genannten Vereine in der Tabelle hinter sich zu lassen wäre ein Erfolg. Bei diesem Bemühen hat der VfB meines Erachtens in Hannover 96 und Werder Bremen zwei Konkurrenten auf Augenhöhe, für alle anderen Teams wird es weitestgehend darum gehen, die Klasse zu erhalten.

Daher sind meine Erwartungen in die neue Saison nicht überbordend hoch. Ich bin da eher Realist und kann mich mit den Tatsachen abfinden und in gewisser Weise auch anfreunden. Der VfB hat seit dem Fastabstieg 2011 einen Schritt nach vorn gemacht. Die Kaderkosten wurden auf ein vernünftiges Maß herunter geschraubt, die (verschwenderische) Ära Heldt gehört endgültig der Vergangenheit an. Der VfB kehrt zurück zu den Wurzeln, setzt ein größeres Augenmerk auf den eigenen Nachwuchs, anstatt die zweite Reihe mit mittelmäßigen Großverdienern von außen aufzublähen. Auch wenn es viele nicht mehr hören können, stehen wir wohl wieder vor einer Übergangssaison, allerdings mit besseren Voraussetzungen als zuletzt, da das Team weitestgehend eingespielt ist und wenige Neuzugänge integriert werden müssen. Sakai wird hoffentlich bald zurückkehren und den als Ergänzungsspieler ausgeliehenen Hoogland ersetzen, ansonsten wird das Team der letzten Rückrunde das Gerüst bilden. Der in der Offensive flexibel einsetzbare Torun macht den Platzhaltern Druck und auch Cacau wirkt motiviert und drängt wieder ins Team.

Bange machen gilt also ebenso wenig wie zu hohe Erwartungen, die man mit diesen Möglichkeiten nicht oder nur bei optimalem Verlauf erfüllen kann.

Für den VfB geht es nun darum den totalen Fehlstart zu vermeiden und, wenn es in München nicht klappen sollte, das Spiel gegen Fortuna Düsseldorf zum eigentlichen Saisonbeginn auszurufen. Dazu muss man jetzt am Dienstag in Moskau die gute Ausgangsposition nutzen und die Europa League Teilnahme klar machen, was uns hoffentlich wieder schöne, unvergessliche Reisen mit dem VfB bescheren würde. Und, dann ist da ja auch noch der DFB-Pokal, bekanntlich der kürzeste Weg nach Europa, für den wir mit dem Heimspiel gegen den FC St. Pauli eine machbare Aufgabe zugelost bekamen. Vielleicht schaffen wir es in diesem Wettbewerb ja mal wieder, den Bayern, wenigstens bis zum Finale, aus dem Weg zu gehen.

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9. April 2012

Schritt für Schritt in die Euro League

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , – Franky @ 07:14

Bilder vom Spiel gegen Mainz 05 sind jetzt online. Nach der grandiosen 2. Halbzeit von Dortmund war es ganz wichtig, diesen Punkt mit einem Dreier im Heimspiel gegen Mainz zu versilbern. Dies gelang eindrucksvoll, trotz des Schocks des frühen Gegentores. Der VfB wirkt sehr gefestigt und knüpft an seine traditionell starken Rückrunden der letzten Jahre an. Die Mannschaft bot gestern phasenweise begeisternden Offensivfußball und hat auch in der Höhe verdient gewonnen. Insgesamt war es eine sehr gute Mannschaftsleistung. Herauszuheben ist meiner Meinung nach aber unsere Nummer 2, Gotoku Sakai, der nicht nur Irrwisch auf der rechten Seite sondern auch heimlicher Spielmacher war. Für sein Alter schon unheimlich spielintelligent. Ein richtig guter Fang unseres Managers Fredi Bobic. Auch Vedad Ibisevic bewies einmal mehr, dass uns ein Stürmer wie er gefehlt hat. Immer aufmerksam und anspielbar und extrem torgefährlich. Im Frühjahr 2012 macht es also wieder richtig Spaß, den VfB spielen zu sehen und so freue ich mich auch schon auf Dienstag, wenn es erstmals in Augsburg um Bundesligapunkte geht. Mit einer Leistung wie zuletzt ist auch dort ein Sieg drin. Im Rennen um Platz 5 haben wir jetzt die allerbesten Aussichten. Dieser fünfte Platz wäre wichtig, da er zur Teilnahme an der Gruppenphase der Euorpa League berechtigt, ohne lästige Qualifikationsspiele zu einem Zeitpunkt, an dem die Bundesliga noch nicht einmal begonnen hat. Aufschluss wird sicherlich diese englische Woche geben. Dienstag gegen Augsburg, Freitag gegen Bremen. Bilder und Bericht folgen wie immer zeitnah.

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13. Dezember 2011

Auf dem Stuttgarter Weg!

Nach dem ernüchternden 1:2 gegen die Bayern ist die Zeit reif für ein erstes Fazit der Vorrunde 2011/2012. Der VfB sammelte immerhin bis dato 10 Punkte mehr als vor Jahresfrist und macht insgesamt einen stabileren Eindruck. Dennoch sind wir weit davon entfernt, höhere Ansprüche als nacktes Mittelmaß anmelden zu können. Der VfB, und damit vor allem Bruno Labbadia und Fredi Bobic, hat nach wie vor an der jahrelangen Misswirtschaft von Horst Heldt zu knabbern, da er noch immer hochbezahlte Durchschnittskicker in seinen Reihen hat, die ihr Geld nicht wert sind. Damals wie heute wurden die Transfers vom mächtigen Aufsichtsrat abgenickt, der sich heute gerne diesbezüglich aus der Verantwortung stiehlt. Mitglied damals im übrigen unter anderem unser jetziger Präsident Gerd E. Mäuser.

Die Transfers, die der VfB seit Januar 2011 tätigte, erfolgten mit Augenmaß und erwiesen sich als Treffer. Ob es im letzten Winter Hajnal und Okazaki oder im Sommer Kvist und Maza waren, allesamt konnten den VfB verstärken, wenn auch nicht auf höchstem Niveau. Dieses kann aber nach der letzten Saison auch nicht erwartet werden. Vielmehr gilt es den Weg der wirtschaftlichen Konsolidierung konsequent fortzusetzen und sich von Spielern zu trennen, die jenseits der 3 Millionen Jahresgehalt liegen. Solche Gehälter sind der Wahnsinn, vor allem, wenn Zusatzeinnahmen wie aus der Champions League fehlen. Erst wenn diese Posten aus dem Haushalt verschwunden sind, lässt sich die Arbeit von Bobic, und hoffentlich dann auch noch Bruno Labbadia, richtig beurteilen. Momentan bleibt Bobic nichts anderes übrig, als die Scherben seines Vorgängers aufzukehren. Positiv sehe ich jetzt schon die Umstruktierungen im Jugend- und Amateurbereich sowie einige Spieler unserer zweiten Mannschaft mit Profiverträgen auszustatten. Noch gerner würde ich es allerdings sehen, wenn die Jungs, als Anerkennung ihrer teils überragenden Leistungen in der 3. Liga, mehr bei den Profis reinschnuppern dürften und wenn sie mehr Einsatzzeiten bekommen würden. Diesbezüglich hege ich große Hoffnungen auf die nächste Saison.

Im Sommer laufen einige hochdotierte Verträge von Spielern wie Boka, Delpierre, Boulahrouz und Pogrebnjak aus. All dies sind Spieler, die zwischen 2,5 und 3,5 Millionen Euro jährlich einstreichen und allenfalls Bundesligadurchschnitt darstellen. Ich verstehe die Spieler, wenn sie sagen, dass sie gerne beim VfB bleiben würden. Wo sonst bekommen sie die Taschen so voll gestopft und müssen so wenig Gegenleistung bringen wie beim VfB. Von den genannten Kandidaten würde ich allenfalls den Vertrag von Khalid Boulahrouz eventuell verlängert haben. Allerdings nur, wenn er dazu bereit ist, gravierende Gehaltseinbußen in Kauf zu nehmen und am Ende nicht mehr als 2 Millionen im Jahr verdient. Er ist ein Vollprofi und ein Typ, der meiner Meinung nach unserer Mannschaft gut tut. Die anderen genannten, wie auch Celozzi, dessen Vertrag ebenfalls ausläuft, sind nur Mitläufer, die für die erste Elf zu schwach und als Reservisten zu teuer sind. Auch Kuzmanovic, der immer wieder mit Angeboten aus der Serie A kokettiert, würde ich keine Steine in den Weg legen, wenn wir annähernd die 8 Millionen Euro wieder bekommen könnten, die man seinerzeit in ihn investiert hat.

Diese Saison gilt es anständig zu Ende zu spielen, ohne in Abstiegsgefahr zu geraten. Oberste Prämisse ist daher, so früh wie möglich die magische 40-Punkte-Grenze anzupeilen, um danach die Planungen für die Saison 2012/2013 forcieren und vielleicht auch schon das ein oder andere „Greenhorn“ einzubauen oder zumindest zu mehr Einsatzzeiten zu verhelfen. Je früher man die Jungs heranführt, desto motivierter werden sie an sich arbeiten und nicht, wie Bernd Leno, die Geduld verlieren. Ich bin überzeugt, der ein oder andere wird an den Aufgaben wachsen, andere fallen vielleicht auch durchs Raster oder erweisen sich als „noch nicht so weit“. Dann allerdings besteht immer noch die Möglichkeit von außen nachzubessern und/ oder den ein oder anderen zu verleihen, um ihm woanders Spielpraxis zu verschaffen.

Diese Saison ist einmal mehr eine Übergangssaison, in der man als eingefleischter Fan schon froh ist, wenn der Abstand nach unten gewahrt bleibt. Fußballerische Feuerwerke sind kaum zu erwarten und zu bestaunen, eher schon fußballerische Magerkost. Was mir nicht gefällt, ist, dass die Mannschaft wirkt, als spule sie stur ihr Programm ab. Es ist kaum Leidenschaft zu erkennen, keine Spielfreude und keine Inspiration. Der VfB steht defensiv stabiler als in der Vorsaison, Impulse nach vorne bleiben aber auch in dieser Saison Mangelware. Auf Hajnal, unseren einzigen Ideengeber in der Offensive, haben sich die Gegner offenbar gut eingestellt. Wenn er keinen guten Tag erwischt hat, krankt unser Offensivspiel und viel ist auf Zufall aufgebaut. Ob er einfach eine schlechte Phase hat oder seinen Zenit bereits überschritten hat, dazu möchte ich mich zu diesem Zeitpunkt noch nicht festlegen. Er wäre aber auch nicht der erste Leih-Spieler, der, wenn er einen festen Vertrag in der Tasche hat, nachlässt. Ich bin sehr gespannt, ob Kevin Stöger aus unserer zweiten Mannschaft, bald in seine Fußstapfen treten kann. Momentan ist er leider verletzt, von dem was ich aber im Trainingslager und in den Testspielen vor der Saison gesehen habe, war ich sehr angetan.

Da der VfB derzeit meist nur mit einer echten Spitze antritt, geht nach vorne fast nichts, erst recht nicht, wenn Hajnal aus dem Spiel genommen wurde. Ob Pogrebnjak (in Bremen), Cacau (gegen Köln) oder Schieber (gegen die Bayern), jeweils lief das Spiel an der alleinigen Spitze vorbei. Ich hoffe, dass Labbadia dieses Problem auch erkannt hat, und in Wolfsburg, beim letzten Bundesliga-Spiel des Jahres, anders aufstellt. Das Bremen-Spiel sollte eigentlich eine Lehre sein. Auch damals traf man auf einen angeschlagenen Gegner, den man schon mit der Aufstellung aufforderte, die Initiative zu übernehmen, was dieser dann auch dankend annahm. Ich wünschte mir eher, die Wolfsburger offensiv zu überraschen, um deren wackelige Abwehr zu beschäftigen. Die Wölfe stehen zwar zurecht da unten, wenn man sie aber spielen lässt, sind auch die gefährlich. Vor allem die Ex-VfBler werden top motiviert sein und für einen guten Jahresabschluss sorgen wollen. Auch ein Felix Magath steht zunehmend unter Druck, ich kann mir nicht vorstellen, dass die Konzernzentrale weiterhin Millionen verbrennen und einen Kader von knapp 40 Spielern klaglos finanzieren möchte. In der Winterpause wird beim VfL wieder das große Stühlerücken anstehen und Magath auf Shopping-Tour gehen. Dass er einige Neuzugänge präsentieren wird, davon ist auszugehen, ob er aber andererseits aber Abnehmer für seine Resterampe findet, darf bezweifelt werden. Welcher Spieler lässt sich schon gerne abschieben, wenn er einen hochdotierten Vertrag beim VW-Werksclub besitzt. Dies wird allenfalls über hohe Abfindungszahlungen gehen, viel Vergnügen, VW. Einer dieser Restrampe ist Patrick Helmes. Dieser wird ja immer wieder mit dem VfB in Verbindung gebracht und wäre vielleicht auch schon als Gomez-Nachfolger gekommen, hätte er sich in jener Sommerpause nicht bei einem Freizeitkick das Kreuzband gerissen. Dass der aber finanzierbar ist, bezweifle ich. In Wolfsburg soll sein Jahressalär bei 4 Millionen Euro liegen. Sollte er auf die Hälfte verzichten wollen oder Wolfsburg die Hälfte seines Gehaltes übernehmen, würde ich Helmes gerne beim VfB sehen. Er ist, denke ich, ein charakterlich einwandfreier Junge, der immer seine Tore gemacht hat, wenn er sich wohlgefühlt hat. Magath, der seinen Kader in Feldherrenmanier führt, zählt sicherlich nicht zu seinen Lieblingstrainern. Wenn man aber Helmes holt, muss man sich auch im klaren sein, dass er ein Stürmer ist, der vorne auf seine Chancen lauert und nicht unbedingt zu den Arbeitstieren oder Laufwundern zählt. Diese Verpflichtung müsste also mit einer Systemänderung einhergehen. Schieber und Helmes zusammen könnte ich mir sehr gut vorstellen. Ob Cacau wieder zu alter Stärke findet, muss man abwarten. Er ist in dieser Saison ein Schatten seiner selbst und steckt mit seiner daraus resultierenden schlechten Laune wohl einige seiner Mitspieler an. Im Fußball zählen einfach die Verdienste aus der Vergangenheit nicht viel und vor allem nicht ewig. Daher darf er für sich auch keine Sonderrechte oder eine Andersbehandlung einfordern und muss sich in das Team einordnen. Nur zusammen geht es. Momentan wirkt er unzufrieden und egoistisch auf dem Platz und nicht wie ein Teamplayer. Die Unzufriedenheit seiner Mitspieler darüber merkt man immer mehr, wo wir wieder bei der mangelnden Spielfreude wären. Wie soll die aufkommen, wenn sich einzelne Spieler nicht grün untereinander sind. Ich hoffe sehr, dass die Jungs sich jetzt vollends zusammenreißen und noch für einen guten Jahresabschluss sorgen, mit einem guten Spiel in Wolfsburg und einem Weiterkommen im Pokal gegen den HSV.

Der VfB hat durch das fertige Stadion jetzt eigentlich die besten Voraussetzungen wieder durchzustarten. Das Stuttgarter Publikum hat es gelernt kleinere Brötchen zu backen und nimmt den „Stuttgarter Weg“ auch an. Allerdings ist man auch anspruchsvoll genug, sich nicht alles bieten zu lassen. Wenn erkennbar ist, dass ein zerstrittener Haufen auf dem Platz steht, der sich nicht gegenseitig hilft, der nicht füreinander läuft, der sich auch nicht konzentriert und lustlos spazieren läuft, werden die Spieler ausgepfiffen und dem VfB laufen die Zuschauer weg. Andererseits wird auch nicht erwartet, dass der VfB gleich wieder um die Meisterschaft mitspielt. Der eingeschlagene Weg der Konsolidierung ist wichtig und richtig und braucht Zeit. Was wir Fans aber unbedingt sehen möchten, ist ein VfB, der mit Leidenschaft zu Werke geht und sich gegen drohende Niederlagen stemmt. Im derzeitigen Kader sind jedoch viele Spieler, denen man es nicht abnimmt, dass ihnen das Wohl und Wehe des Vereins am Herzen liegt. Hier trägt hoffentlich im nächsten Sommer Bobics neues Scouting-System Früchte, das ein größeres Augenmerk auch auf den Charakter eines potentiellen Neuzugangs legen soll. Den VfB-Fans muss wieder ein Team präsentiert werden, dem man abnimmt, den Brustring mit Stolz zu tragen. Vom derzeitigen Stamm wurden lediglich Ulreich, Tasci, Gentner und Schieber vom VfB ausgebildet, womit automatisch eine höhere Identifikation gegeben ist. Für meinen Geschmack sind das zu wenige. Seit den Abgängen von Gomez, Khedira und zuletzt Träsch hat man niemanden mehr, der zur Identifikationsfigur taugt. Tasci ist zu zurückhaltend, auch in der Kapitänsfrage und Schieber fängt erst jetzt an Fuß zu fassen. Ihm traue ich eine starke Entwicklung zu und freue mich auch, dass er endlich wieder angreifen kann. Da er aber fast ein halbes Jahr verletzt war, wird es möglicherweise weit in die Rückrunde reichen, bis er seine alte Form wieder erreicht hat.

Ich traue dem VfB in der Rückrunde mit dem derzeitigen Kader wenig zu. Ob noch Bewegung rein kommt, wird der Januar zeigen. Nach zuletzt nur einem Sieg aus den letzten sieben Spielen, dieser gegen Augsburg auch wenig überzeugend, treten wir auf der Stelle. Die nächsten Gegner, Wolfsburg zum Abschluss der Vorrunde, danach in Schalke, gegen Gladbach und in Leverkusen haben es in sich. Wenn man da nicht auf der Hut ist, kann man auch ganz schnell nach unten durchgereicht sein und wieder unter enormem Druck stehen. Auch schon deshalb sollte der VfB am Samstag in Wolfsburg alles daran setzen, einmal NICHT die erste Halbzeit zu verschlafen und die Unsicherheit des Gegners auszunutzen. Danach das Weiterkommen im Pokal und einem frohen Weihnachtsfest steht nichts mehr im Wege. Bilder und vielleicht auch einen Bericht vom Wolfsburg-Spiel folgen zeitnah. Bis dahin, viele Grüße, Franky.

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19. August 2011

Der Ball rollt wieder!

Zunächst einmal muss ich mich an dieser Stelle entschuldigen, da ich in den letzten Wochen und Monaten nicht dazu gekommen bin, den einen oder anderen Bericht zu verfassen.

Die Sommerpause in diesem Jahr war recht kurzweilig. Nach der nervenzehrenden letzten Saison und der endgültigen Rettung am vorletzten Spieltag, war erst einmal „Herunterkommen“ angesagt. Während die Spieler in den letztendlich wohlverdienten Urlaub aufbrachen, vertrieb sich der gemeine Fußballfan die Zeit mit Pokalendspiel, Relegationsspielen, Champions-League-Finale sowie den zum Saisonabschluss angesetzten Länderspielen. Den Jux-Kick in Sinsheim gegen Uruguay musste ich nicht live gesehen haben, das darauf folgende EM-Quali-Spiel in Wien gegen Österreich dagegen schon. Als Mitglied im Fanclub Nationalmannschaft war es ein leichtes an Karten zu kommen und so drückten wir der deutschen Mannschaft, wie schon vor drei Jahren bei der Euro 2008 im Wiener Ernst-Happel-Stadion die Daumen.

Gute zwei Wochen später bereits nahm der VfB-Tross, noch ohne seine Nationalspieler, den Trainingsbetrieb wieder auf. Die ersten Eindrücke konnten wir dann bereits am 24.6. beim Test in Brackenheim gewinnen, wo aufgrund der Abwesenheit zahlreicher Kaderspieler auch einige „Jungspunde“ zum Einsatz kamen. Am 9. Und 13.7. schauten wir uns noch die Tests in Kirchheim und bei den Kickers an, ehe es am 14.7. bereits zum Trainingslager nach Längenfeld ging. Dort weilten wir für die gesamte Dauer des VfB-Trainingslagers und waren auch natürlich auch bei den während des Aufenthalts angesetzten Testspielen mit von der Partie. Höhepunkt des Trainingslagers war natürlich das Fanfest, zu dem sich erstmals das komplette Team inklusive des Trainerstabs einfand und aus dem Nähkästchen plauderte. An unseren Tisch gesellten sich Sven Ulreich, Georg Niedermeier und der neue Torwarttrainer Andreas Menger.

Als Bruno Labbadia im Dezember als neuer VfB-Trainer vorgestellt wurde, war ich zunächst sehr skeptisch, ob er der richtige wäre. Für mich war er eher ein Sprücheklopfer, eher ein Lebemann, als einer, der den verfahrenen Karren wieder in die richtige Richtung steuern könnte. Doch, wie jedem Trainer, der beim VfB auf die Kommandobrücke tritt, gab ich ihm natürlich eine faire Chance und hoffte, dass er Erfolg haben würde. Schließlich war er nach 12 Punkten aus 16 Spielen und zwei verschlissenen Trainern so etwas wie die letzte Patrone, die Fredi Bobic hatte. Dass Bruno Labbadia mit seinem Trainerteam den VfB mit einer starken Rückrunde vor dem Abstieg rettete rechne ich ihm unheimlich hoch an. Labbadia predigte von Beginn an, das Team und die Fans müssten wieder zu einer Einheit werden und es ginge nur ZUSAMMEN. Dass diese Worte keine leeren Worthülsen sind, erfuhren wir im Trainingslager, um wieder zum vorigen Thema zurück zu kehren. Dass zum Fanfest der komplette Tross anrückte, war Bruno Labbadia zuzuschreiben, ebenso der unheimlich offene Umgang mit den Fans während der Zeit in Längenfeld sowie der unkomplizierte Umgang der Spieler mit den Anwesenden. Man merkte, dass er eine positive Grundstimmung verbreitet und mit gutem Beispiel voran geht. Es sind Kleinigkeiten, wie, dass die Trainer vorne weg marschieren, wenn es die etwa 300-400 Meter vom Mannschaftshotel zum Sportplatz und wieder zurück geht, und nicht mit dem Bus fahren, wie noch in Donaueschingen bspw. unter Gross. Ich habe noch keinen Trainer erlebt, der so akribisch auf dem Trainingsplatz arbeitet und auch so viele Übungen selbst mitmacht, um nach der Einheit noch ein Kleinfeld aufzubauen, auf dem er mit Eddy Sözer Fußballtennis spielt, während sich der Rest im Hotel bereits auf das Abendessen freut. Von seiner offenen Art war ich sehr angetan und so nahm er auch auf dem Fanfest kein Blatt vor den Mund. Diesem Trainer drücke ich wirklich die Daumen, dass er zunächst einmal den Herbst beim VfB übersteht und möglichst noch lange das Sagen beim VfB hat. Ich denke, zusammen mit Fredi Bobic, könnte er, mit ein bisschen Glück, eine kleine Ära prägen.

Am Ende des Trainingslagers nahmen wir auf der Rückfahrt dieselbe Route wie das Team, nämlich nach Aalen, um dem Test gegen den englischen Zweitligisten Nottingham Forrest beizuwohnen. Knapp eine Woche später fand dann bereits der Pflichtspielauftakt in die Saison 2011/12 mit dem Pokalspiel in Wiesbaden statt. Der VfB gewann mit 2:1 und stand in der 2. Runde. Ich, der auch vor Jahresfrist in Babelsberg Augenzeuge war, fand den Auftritt relativ souverän und sah uns während der 90 Minuten nie ernsthaft in Gefahr. Im Vergleich zu anderen oberklassigen Teams, allen voran Leverkusen, Wolfsburg und Bremen, gaben wir uns zum Auftakt keine Blöße und dürfen weiterhin vom Pokalsieg träumen. Der nächste Gegner FSV Frankfurt dürfte auch keine größere Hürde auf dem Weg dorthin sein.

Und schon ging sie also richtig los, die neue Saison. Am 6.8.2011, jenem für den VfB so historischen Tag, rollte zunächst die inzwischen schon traditionelle Karawane Cannstatt gen Stadion. Es war erneut ein sehr farbenfroher, stimmungsvoller Auftakt in die Heimspielsaison. Die Fans zogen ein in die neue Cannstatter Kurve, die von nun an als weiße Wand von sich reden machen soll. Nach zwei Jahren Baustelle und dadurch recht trister Stimmung machte schon der erste Einsatz Lust auf mehr. Das Stadion ist ein richtiges Schmuckkästchen geworden und hat das Zeug dazu, eine Festung zu werden. Die Stimmung war schon vor dem Spiel prächtig, was aber während der 90 Minuten im Spiel gegen Schalke 04 abging, übertraf meine Erwartungen. Der Schalker Anhang war während des gesamten Spiels kaum zu hören, erst recht nicht, nachdem wir ihnen zum Auftakt drei Buden eingeschenkt hatten und nach dem ersten Spieltag von der Tabellenspitze grüßten. Das Team war im Vergleich zur Vorsaison nur um Nuancen verändert. Ein Christian Träsch, in den letzten beiden Jahren noch der Inbegriff des Arbeitstiers, wurde überhaupt nicht vermisst, was mich schon zu der rhetorischen Frage hinreißt, „Who the fuck is Träsch?“. Sowohl Boulahrouz, der die Position des Rechtsverteidigers inzwischen auch im Kopf angenommen hat, als auch William Kvist als Partner von Kuzmanovic auf der Doppel-Sechs, boten eine starke Leistung. Maza, der kurzfristig für die Innenverteidigung verpflichtete Mexikaner, harmonierte mit dem nach Verletzung zurückgekehrten Serdar Tasci so prächtig, dass es nicht auffiel, dass die beiden erstmals zusammen spielten. Auf den weiteren Positionen spielten ausschließlich Akteure, die bereits im Vorjahr zum Team gehörten. Trotzdem wirkt die Mannschaft viel stabiler als in der letzten Saison. Es scheint, als habe man den Zusammenhalt im Team und die Form der Rückrunde, in die neue Saison hinüber retten können. Auch der Zusammenhalt ist ein Schlüssel des Erfolgs von Labbadia. In der Vorrunde noch ein zerstrittener Haufen von Ich-AG’s, schaffte man es, auch mit einer Maßnahme wie der Suspendierung von Marica, dass wieder an einem Strang gezogen wird. Es erwartet ja kein Mensch, dass elf Freunde auf dem Platz stehen. Erwarten darf man aber, dass alle nach demselben Ziel streben und sich auf dem Platz helfen. Labbadia gibt sowohl das Ziel als auch den Weg dorthin vor, was die Spieler auf dem Fanfest auch bestätigten. Wenn die Mannschaft so auftritt wie über weite Strecken gegen Schalke, dürfen wir uns auf eine schöne und vor allem entspanntere Saison als die letzte freuen. Es erwartet ja kein Mensch, dass wir sofort wieder ganz oben angreifen, was der Fan aber erwarten kann, ist, dass die Spieler dem Profifußball alles unterordnen und als Team auftreten. Hier sehe ich die Mannschaft auf einem guten Weg. Ein großes Plus ist dazu natürlich das fertige Stadion. Ich hoffe, dass fast alle Spiele ausverkauft sein werden und die Stimmung das Team weiter pusht, um endlich wieder eine Heimmacht zu werden. Der gelungene Auftakt ist schon einmal Gold wert, um mit Selbstvertrauen an die nächsten Aufgaben heranzugehen.

Beim ersten Auswärtsspiel der Saison, Samstag Abend in Mönchengladbach, waren wir (natürlich) auch mit von der Partie. Die Erinnerungen an unseren letzten Auftritt im Borussia-Park im Februar waren noch mehr als präsent. Bei einem 0:2-Pausenrückstand und dem 18. Platz in der „Blitztabelle“ fand bei der Halbzeitanalyse mit vielen bekannten Leidensgenossen bereits der Abgesang auf Liga 1 statt. Nach einer phänomenalen Aufholjagd gewannen wir noch 3:2 und die Gladbacher lagen am Boden. Dass am Ende beide die Klasse halten würden, darauf hätte an diesem Abend sicher niemand gewettet. So standen wir beide uns am Samstag unter gänzlich anderen Vorzeichen gegenüber. Der VfB nach dem Sieg gegen Schalke, Gladbach nach dem Überraschungsdreier in München, jeweils mit breiter Brust. Dass es nicht leicht werden würde, war mir von vornherein klar. Seit Favre bei Gladbach das Zepter übernommen hat, kommt die Borussia gut organisiert daher. Aus der Schießbude Borussia ist ein schwer bezwingbares Bollwerk geworden. Vor dem Spiel kassierte Gladbach saisonübergreifend in acht Spielen gerade einmal drei Gegentore. Großen Anteil an dieser Serie hat der junge Torhüter Marc-Andre ter Stegen, den Favre Ende der letzten Saison ins kalte Wasser schmiss und der großen Anteil am Klassenerhalt der Borussia hatte. Erwartet schwer wurde der Auftritt auch. In einem offenen Spiel zweier Mannschaften mit Selbstvertrauen hatte der VfB ein optisches Übergewicht, was aber leider nicht in Tore umgemünzt werden konnte. Die Gladbacher gingen durch einen zweifelhaften Elfmeter in Führung, den Kvist an dem bekanntermaßen schnell fallenden Reus verursacht haben soll. Geht das schon wieder los, mag man sich als VfB-Fan angesichts der Fehlentscheidungen zu Ungunsten des VfB in der Vorsaison fragen. Doch anders als in der letzten Saison wirkt der VfB so stabil, einen Rückstand wegstecken zu können und so dauerte es keine fünf Minuten ehe der VfB durch Cacau nach intelligenter Vorarbeit von Gentner ausgleichen konnte. Danach hatte man den Eindruck, der VfB begnüge sich lieber mit dem Spatz in der Hand, als risikoreich nach der Taube auf dem Dach zu streben und war mit dem einen Punkt zufrieden. Auch nach der gelb-roten Karten zehn Minuten vor Schluss für Brouwers wollte oder konnte der VfB den Schalter nicht mehr umlegen, und den Sieg erzwingen. Gladbach stand weiterhin gut und ließ den VfB zu keinen weiteren Chancen kommen. Alles in Allem kann der VfB auch gut mit dem Punkt leben. Der VfB hat nach zwei Spieltagen vier Punkte gesammelt, so viele wie in der letzten Saison nach acht Spieltagen eingefahren waren. Auch hier halte ich es mit Labbadia und finde, nach den Erfahrungen des letzten Jahres tut uns ein wenig Demut gut. Noch weiß keiner wie sich die Saison entwickeln wird, allererstes Ziel sollte sein, mit dem Abstieg nichts zu tun zu haben. Dann spielt man in dieser engen Liga automatisch in der oberen Tabellenhälfte mit.

Bereits morgen steht der nächste Härtetest an. Gegen Bayer Leverkusen setzte es in der letzten Saison eine 1:4-Heimniederlage, wir sollten also gewarnt sein. Leverkusen ist sehr holprig in die Saison gestartet. Einem 0:2 in Mainz folgte ein glückliches 1:0 gegen Bremen. Dutt scheint noch nicht recht in Leverkusen angekommen, so dass ich mir die Frage stelle, ob ein Championsleague-Teilnehmer für ihn nicht eine Nummer zu groß ist. Gegenüber Stars wie Ballack („es muss eine Ehre sein, bei Bayer auf der Bank zu sitzen“) oder Rolfes (Dutt schmeckte die Kritik nach dem Mainz-Spiel nicht) spielt er gekünstelt den dicken Maxe, so dass er mich mit seinem Verhalten stark an Ralf Rangnicks Anfangszeiten und seine Dissonanzen mit Krassimir Balakov erinnert. Sehr nervös agierte er auch in der Torwartfrage. Leverkusen verpflichtete als Ersatz für den noch lange verletzten Rene Adler Yelldell aus Duisburg, den Dutt schon von seiner Zeit bei den Stuttgarter Kickers kennt. Als dieser im Pokalspiel patzte, stand in Mainz die bisherige Nummer 2 Giefer zwischen den Pfosten. Dieser leitete dann durch einen schlimmen Fehler die Niederlage ein, woraufhin man auf einmal beim VfB vorstellig wurde und Bernd Leno bis zum Jahresende ausgeliehen bekam. Ich wünsche Bernd Leno in der Bayer-Stadt viel Glück, dass er sich auf höchstem Niveau beweisen kann und dass er noch stärker wieder zurückkehrt. Nicht auszudenken aber, sollte Leverkusen am Samstag durch eine schlechte Torhüterleistung, den Kürzeren ziehen. Die Transferperiode läuft ja noch knapp zwei Wochen, vielleicht wird dann einfach Torwart Nummer fünf geholt, die Werksclubs sind in Sachen Kadergröße ja nicht so zimperlich. So hat Leverkusen also jede Menge (hausgemachte) Probleme und wird sicherlich nicht mit übergroßem Selbstvertrauen in unsere schmucke Arena reisen. Dies gilt es auszunutzen. Der VfB muss von vornherein zeigen, wer Herr im Haus ist und dass es für Bayer nichts zu holen gibt. Wenn der VfB von vornherein mit dem bislang gezeigten Willen, der Mentalität und Konzentration zu Werke geht, ist mir nicht bange. Spielen lassen dürfen sie sie aber nicht. Leverkusen hat auch nach dem Abgang von Vidal noch exzellente Einzelspieler, die es in Schach zu halten gilt.

Wir Fans werden den VfB auch morgen, bei den zu erwartenden schwül-heißen Temperaturen, nach vorne pushen und unser Möglichstes tun, damit wir auch morgen um 17.20 Uhr noch eine makellose Heimbilanz vorweisen können. Unsere Spieler sollen, wie schon gegen Schalke, beim Einlauf aufgrund der Atmosphäre eine Gänsehaut bekommen und im Spiel, für sich, für den Verein und nicht zuletzt für uns Fans, alles geben und das Spiel für sich entscheiden. Ich bin guter Dinge, auf geht’s VfB!

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22. April 2011

Wiederauferstehung in Kölle

Was hatte ich Bedenken vor dem Spiel bei den heimstarken Kölnern. Einem Team, das unter dem Kölner Urgestein Frank Schäfer wieder zu einer echten Einheit geworden war. In dem ein Lukas Podolski zum Kapitän ernannt wurde und seitdem (endlich) auch im Verein sein Potential ausschöpft. Das sich vor Wochenfrist beim ärgsten Rivalen nach der 0:4-Hinspiel-Heimpleite auch auswärts mit 1:5 abschlachten ließ. Das unter der Woche sichtlich mit den Füßen scharrte, um diese Schmach baldmöglichst ausmerzen zu können. Diese Kölner sollten also gegen unsern gegen Kaiserslautern noch auseinander gefallenes Team, die Möglichkeit zur baldigen Wiedergutmachung und zur Versöhnung mit den Fans erhalten.  Es gab eigentlich vor dem Spiel wenig, was für den VfB sprach. Die Kölner hatten zuletzt sieben (!) Heimspiele in Folge für sich entscheiden können, der VfB wiederum konnte in dieser Saison nur selten überzeugen. In der Rückrunde unter Bruno Labbadia entwickelte sich der VfB zwar zum emsig Punkte sammelnden Eichhörnchen. Doch, wenn man ehrlich ist, hätte jedes Spiel, in dem Punkte eingefahren wurden, auch ganz anders laufen können. Den Begriff Glück möchte ich an dieser Stelle gar nicht so sehr überstrapazieren, nachdem wir in der Vorrunde durch viel Pech und/ oder Schiedsrichterfehlentscheidungen erst in diese missliche Lage gerieten. Daher sehe ich dieses Glück in der Rückrunde viel eher als ausgleichende Gerechtigkeit und auch, wie Labbadia immer betont, die Belohnung für den immensen Aufwand an, der betrieben wird. Dass wir die nötigen Punkte zum Klassenerhalt nicht mit Glanz und Gloria einfahren würden, dürfte jedem klar sein, dem der VfB am Herzen liegt. In dieser Saison dürfen wir keine gehobene Spielkultur einfordern. Dazu sind in den vergangenen Transferperioden zu viele Fehler gemacht worden. Es wurden Leistungsträger und Identifikationsfiguren abgegeben und selten Neue geholt, die in deren Fußstapfen treten konnten, geholt. Zudem wirken sich die vielen Trainerwechsel negativ aus. Jeder Trainer durfte, im Rahmen der kaum vorhandenen Möglichkeiten, seine Wunschspieler holen. Diese Trainer sind schon lang Geschichte, die Spieler, die sie holten, aber noch vertraglich gebunden. Die Zusammensetzung des Kaders in dieser Saison passt vorne und hinten nicht. Wir haben lauter Indianer und keine Häuptlinge, die Spieler passen weder charakterlich noch von der Spielweise her zusammen. Das sind die wahren Gründe für den Absturz. Hier muss in der Sommerpause der Hebel angesetzt werden und ein Umbruch her. Ich wünsche mir hierzu von der Vereinsführung und vom Management „Eier“, diesen radikal einzuleiten. Nach dem Klassenerhalt, darf es einfach nicht wieder heißen „Ende gut, alles gut“. Die Saison muss knallhart analysiert werden und man muss sich von dem ein oder anderen Spieler trennen, der den VfB nicht weiter bringt, auch wenn der ein oder andere unter Wert abgegeben werden muss. Der VfB muss wieder eine unverwechselbare Identität bekommen und seiner Philosophie ein Ausbildungsverein zu sein, folgen. Es muss wieder ein Kollektiv entstehen, wo der eine für den anderen bereit ist, durchs Feuer zu gehen.
Als wir am vergangenen Samstag die Fahrt nach Köln antraten, spielten wir fast jedes Horrorszenario durch, das an diesem Spieltag eintreten könnte. Siegesgewiss waren wir jedoch nicht. Auch wenn Köln in den letzten Jahren stets ein gutes Pflaster für den VfB war, die Gesamtsituation ist doch in dieser Saison eine ganz andere. Wir fuhren als Außenseiter nach Köln und rechneten mit dem schlimmsten. Wie bereits in der letzten Saison bestellte ich unsere Eintrittskarten beim 1. FC Köln direkt. Der VfB bekam für sein Auswärtskontingent lediglich Stehplatzkarten sowie Sitzplätze über dem Stehblock. Diese Sitzplätze sind zum einen recht teuer, für das, dass man den Fanblock kaum sieht und hinter dem Fangnetz sitzt. Zum anderen saß ich dort schon einmal hinter einer total zerkratzten Plexiglasscheibe, die der natürliche Feind eines jeden Fotografen ist. Die Plätze auf der Gegengerade waren nur unwesentlich teurer und boten beste Sicht, auf den Platz und zu unseren Fans. Weiterer Pluspunkt, wir „belasteten“ unser Auswärtskontingent nicht. In unserem Block dürften je zur Hälfte FC- und VfB-Fans gewesen sein, gute Stimmung war also garantiert. Ich muss auch betonen, dass es eine sehr freundschaftliche Atmosphäre war, kein Gestänkere, nicht einmal, als wir uns bei „Steht auf, wenn ihr Schwaben seid“ erhoben.
Das Rhein-Energie-Stadion  in Köln gehört zu meinen absoluten Lieblingsstadien. Die Stimmung dort, die enthusiastischen Fans, das Kölner Vereinslied mit der rotweißen Schalparade, allgemein ein wenig Karnevals-Flair, die Cheerleaders beim Einlaufen. All das sauge ich auf, bevor die Protagonisten den Platz betreten.
Als die Mannschaftsaufstellung verlesen wurde, keimte bei mir zum ersten Mal Hoffnung auf Besserung auf. Tamas Hajnal stand in der Anfangsformation, der Winterneuzugang, der in den vergangenen Spielen schmerzlich vermisst wurde. Erwartungsgemäß durfte auch Cacau als alleinige Spitze ran, der den gelbgesperrten Pavel Pogrebnjak gut vertrat. Da ich einen stürmischen 1. FC Köln erwartete war mir wichtig, dass der VfB ruhig und sachlich beginnt und die Kölner vom eigenen Tor weit weg hält. Dies gelang in der ersten Halbzeit überraschend gut. Diese plätscherte so dahin mit wenig zwingenden Aktionen auf beiden Seiten. Die Kölner machten einen überraschend leblosen Eindruck und boten über weite Strecken Sommerfußball. Der VfB hatte auch schon in der ersten Halbzeit mehr vom Spiel und mehr Möglichkeiten als der FC. Mehr und mehr gewannen wir den Eindruck, dass dort tatsächlich etwas zu holen sein könnte, ein Tor musste eben her.
Kurz nach dem Seitenwechsel parierte Rensing einen Kopfball von Okazaki glänzend. Der Japaner war erneut ein Aktivposten, muss auf sein erstes Tor aber weiter warten. Wenig später trabte Christian Träsch über den halben Platz, wurde nicht angegriffen und fasste sich schließlich ein Herz. Dessen Gewaltschuss schlug im Kölner Tor ein und versetzte die VfB-Ecke in einen kollektiven Freudentaumeln Schätzungsweise 6.000 VfB-Fans waren mit von der Partie und machten das Auswärts- zeitweise zu einem Heimspiel. Als zwei Minuten später Harnik die Kopfballverlängerung von Tasci ins Tor spitzelte gab es kein Halten mehr. Ein geschenkter Handelfmeter durch Kuzmanovic brachte schließlich das 0:3 und damit die Vorentscheidung. Der VfB ließ zwar die Gastgeber noch einmal hoffen, als sie Novakovic den Anschluss zum 1:3 ermöglichten, wirklich in Gefahr geriet der so lebenswichtige Dreier nicht mehr. Der VfB bot eine insgesamt gute und couragierte Leistung, auch dank den neu ins Team gekommenen Hajnal und Cacau.
Was ich schon vor Monaten predigte scheint sich ins Bewusstsein des Teams eingebrannt zu haben. Wenn einem zu Hause die Mittel fehlen, einen Gegner auszuspielen, muss man sich die Punkte auswärts holen. In der Vorrunde gelang kein einziger Auswärtssieg, in der Rückrunde nun schon derer vier. Jedoch sehe ich dies auch nicht als den einzigen Grund an, weshalb es zu Hause derzeit schlechter läuft. Die Baustelle ist nach wie vor ein riesen Manko. Die Gästefans hört man fast in jedem Spiel besser als die eigenen, zumindest ist das bei unseren Plätzen auf der Haupttribüne Seite so. So verschärft sich der altbekannte Umstand noch, dass das Stuttgarter Publikum besonders kritisch ist. Kann in einem geschlossenen Rund, in dem die Fangesänge durchs Stadion hallen, das Geraune und Gebruddle der Eventfans einigermaßen kompensiert werden, funktioniert das in der Baustelle überhaupt nicht.
Auswärts jedoch stehen die eigenen Fans wie ein Mann hinter dem Team und supporten im Normalfall über die gesamte Spieldauer hinweg. Zu Hause verteilen sich die „wahren Fans“ über sämtliche Bereiche im Stadion. Ich bin guter Hoffnung, dass die mit Beginn der neuen Saison wieder besser wird und unser Stadion wieder zu einer Festung wird. Noch zwei Heimspiele, dann haben wir das Gröbste überstanden.
Jetzt steht aber wieder mal ein Heimspiel an, am Ostersamstag gegen den Hamburger SV. Dieser hat noch eine Minimalchance auf einen Europa League Platz und möchte diese nutzen. Allerdings bestimmen derzeit eher die Vorstandsquerelen als die Kicker die Schlagzeilen. Wenigstens einigte man sich jetzt mit dem Veh-Nachfolger Michael Oenning auf eine weitere Zusammenarbeit über das Saisonende hinaus.  Der HSV wird ebenfalls von großen Verletzungsproblemen geplagt. Zudem ist es fraglich, ob sich die Spieler auf das Sportliche konzentrieren können, wenn die Medien für die nächste Saison immense Gehaltseinsparungen kolportieren. Der ein oder andere Großverdiener wird sich sicherlich hinterfragen, ob es für ihn noch Sinn macht, sich den Hintern aufzureißen, um als Dank im Sommer den Laufpass zu bekommen. So stehen die Vorzeichen für den VfB nicht einmal schlecht, wenn es gelingt noch einmal so aggressiv aufzutreten und konzentriert auf die Chance zu warten. Wenn es gelingt die Hamburger vehement zu bearbeiten, könnten diese bei den sommerlichen Temperaturen schnell die Lust verlieren. Für Bruno Labbadia ist es eine Reise in die Vergangenheit. Vor fast genau einem Jahr wurde er beim HSV entlassen und hinterließ einige verbrannte Erde. Der ein oder andere Spieler ist nicht sehr gut auf ihn zu sprechen. Einen Nachteil für uns sehe ich darin aber nicht, eher könnte es sein, dass der ein oder andere Hamburger etwas übermotiviert daher kommt. Dafür kennt Bruno die Hanseaten in und auswendig und weiß hoffentlich, wie man ihnen den Zahn zieht.
Nach meiner Rechnung fehlen uns noch höchstens vier Punkte zum Klassenerhalt, der VfB täte gut daran, die ersten drei davon bereits am Samstag einzufahren. Auf ein frohes Osterfest!

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