1. Juni 2019

Delle? Nein, Totalschaden!

Seit Montagabend, 22.20 Uhr, steht es fest, der VfB muss nach 1975 und 2016 zum dritten Mal den bitteren Gang in die 2. Bundesliga antreten.

Soviel auch falsch lief in dieser Saison, nicht einmal „das Geschenk“ der Relegation vermochte diese charakterlose Ansammlung von Ich-AGs dankend anzunehmen. Wer es in zwei Spielen nicht schafft, einen Zweitligisten zu besiegen, wer in der regulären Runde gerade einmal 28 Punkte zustande bringt, hat den Klassenerhalt nicht verdient.

Daher hatte ich mich schon früh in dieser Saison damit abgefunden, dass es uns erwischen könnte, so dass sich der Schmerz darüber in Grenzen hält. Ich ging zwar davon aus, dass mich der Schlusspfiff und damit die Gewissheit völlig kalt lässt, dem war dann aber doch nicht so. Unmittelbar danach konnte ich mich jedenfalls mit niemandem austauschen, ohne, Gefahr zu laufen, dass doch ein paar Tränen gekullert wären.

Dem Modus der Relegation (wann schafft man diesen Scheiß endlich wieder ab?) nach gab es in Berlin-Köpenick strikte Fantrennung, (nur) im Gästeblock alkoholfreies Bier und jede Menge schön anzuschauende Pyro-Aktionen. Mit dem besiegelten Abstieg wurde standesgemäß noch eine Rauchbombe gezündet, ansonsten war die Atmosphäre im Gästeblock recht gefasst.

Unschön war es dann, dass die Unioner direkt nach Schlusspfiff die Tore öffneten, ohne dass vorher wenigstens ein Polizisten-Wall vor unserem Block aufgestellt worden wäre. So rannten etliche hässliche Fratzen zu uns herüber, provozierten und warfen Fackeln in unseren Block, mir fällt dazu nur ein Wort ein, asozial!

Abgesehen davon, dass solche Aktionen nicht sein müssen und diese Leute doch besser den größten Erfolg ihrer Vereinsgeschichte hätten feiern sollen, flüchteten unsere Spieler sofort in die Katakomben. Ob sie sonst die Eier gehabt hätten und sich von den Fans verabschiedet hätten, weiß man natürlich nicht, ich hätte dem einen oder anderen trotzdem gerne noch ein paar passende Worte hinterhergeworfen.
In Berlin konnte man den Unseren nicht einmal sehr viel vorwerfen. Es war eben ein Spiegelbild der Saison, als uns sehr oft individuelle Patzer auf die Verliererstraße brachten.

So war es dieses Mal Nicolás González, der bei Aogos Freistoß im Abseits stand und das Tor deshalb nach Eingriff des Videoreferees zurecht aberkannt wurde. Anscheinend postiert Union bei vergleichbaren Freistoß-Situationen stets einen Mann auf der Linie, so dass es wohl einstudiert war, wo der junge Argentinier zu stehen hatte. Dumm nur, dass der Union-Keeper Gikiewicz dieses Mal auf diesen Mann verzichtete (er dachte wohl, Aogo trifft das Tor sowieso nicht!) und in unserer Truppe niemand González darauf hingewiesen hat. Es wäre der Start nach Maß gewesen, entsprechend der Jubel im Block, ehe man realisierte, dass die Aktion überprüft wurde.

Danach hatte der VfB Pech, dass er einen Handelfmeter nicht zugesprochen bekam. Auch da bin ich eher beim Schiedsrichter, weil ich wenig von Glückselfmetern halte, wenn einem zufällig der Ball an die Hand springt.

Der Unioner hatte den Ball nicht im Blick, daher wäre der Elfmeter für Union in einem solch wichtigen Spiel äußerst unglücklich gewesen. Auf der anderen Seite aber wird dieser Elfer an anderer Stelle, man denke nur daran, Bayern München wäre beteiligt gewesen, gepfiffen, so dass im Fußball auch nach Einführung des Video-Assistenten von Gerechtigkeit keine Spur ist.

Dennoch machte der VfB in Berlin noch eines seiner besseren Spiele. Wäre man die gesamte Saison über so aufgetreten, wie, seit Nico Willig das Zepter übernommen hat, hätte man den Klassenerhalt wohl direkt geschafft, deshalb sind wir gefühlt auch nicht erst in Berlin abgestiegen, sondern schon viel früher.

Ein Abstieg kommt für mich nicht allein einer Katastrophe gleich, sondern ist auch die Chance, alles auf den Prüfstand zu stellen und gestärkt zurückzukommen. Dieser Möglichkeit ist der VfB gerade dabei, sich zu berauben.

Der allmächtige Präsident und Aufsichtsratsvorsitzende Wolfgang Dietrich ist der Hauptverantwortliche für das Dilemma, in welchem wir stecken. Er trieb das Thema Ausgliederung mit einer auf Lügen und Illusionen aufgebauten Propagandakampagne voran. Er war es, der mit seinen Zugpferden Jan Schindelmeiser und Hannes Wolf in der Aufstiegseuphorie die Ausgliederung durchbekam, um wenig später, nachdem der Mohr seine Schuldigkeit getan hatte, beide fallen zu lassen.

Michael Reschke ließ er sich von den Hoeneß-Brüdern aufschwatzen, womit Uli das Husarenstück gelang, diesen Blender kostengünstig loszuwerden. Reschke wurden blind die Ausgliederungs-Millionen anvertraut, schließlich eilte ihm der Ruf eines Perlentauchers voraus. Wo war das Korrektiv in der AG, was genau hat der Aufsichtsrat beaufsichtigt? Und, wer ist überhaupt DER Aufsichtsrat?
Wie der Rücktritt von Guido Buchwald und dessen Vorwurf, nicht alle im Gremium würden vor schwerwiegenden Entscheidungen in sämtliche Vorgänge eingebunden, zeigt, bestimmen die Politik im Aufsichtsrat andere als die (vermeintlich) Sportkompetenten.

Allen voran Wilfried Porth, der die Kraftverhältnisse in dieser Causa auf der Ehrentribüne veranschaulichte, als er unseren Meisterspieler von 1984 und 1992, Guido Buchwald, in aller Öffentlichkeit zusammenfaltete, worauf dieser verstört das Handtuch schmiss.

Wer meine Kritik an der Ausgliederungspropaganda und am Engagement „vom Daimler“ VOR der Abstimmung noch einmal nachlesen möchte, hier entsprechende Links dazu. http://www.frankys-stadionpics.de/blog/?p=4188, http://www.frankys-stadionpics.de/blog/?p=4194. Viele Befürchtungen davon sind eingetreten, vor allem #jazumerfolg klingt angesichts des neuerlichen Tiefpunktes wie Hohn in den Ohren.

Die Kritik zielte damals, abgesehen von der Art und Weise der Propaganda, darauf ab, ob der Daimler wirklich so gut für uns ist, wie man stets weismachen möchte, oder ob er nicht gar ein Bremsklotz ist, dem es „nur“ um darum geht, auch weiterhin das Sagen beim VfB zu haben. Dies ermöglicht ihm nämlich nicht „nur“, einen ihm genehmen Präsidenten aussuchen zu dürfen, sondern auch bei der Sponsorensuche mitentscheiden zu dürfen und somit unliebsame Konkurrenten aus Eigennutz zu verhindern.

Jetzt, nach der Ausgliederung haben wir den Salat! Erst verlängert die Mercedes Benz Bank generös den Trikotsponsoring-Vertrag, dann gibt der Daimler eine Pressemitteilung heraus, dass er dem VfB auch nach dem Abstieg partnerschaftlich zur Seite stehen werde, um kurz darauf vom (von Daimler dominierten) Aufsichtsrat mitgeteilt zu bekommen, dass in der Führungsriege der VfB AG alles beim alten bliebe.

Ernsthaft? Habt Ihr sie noch alle? Wolfgang Dietrich, als Spalter bekannt, hat beim VfB nur eines geschafft, nämlich mittlerweile so gut wie alle gegen sich aufgebracht zu haben. Im Stile eines Patriarchen führt der Sonnenkönig von oben herab. Erst kommt er, dann lange nichts. Wer sich ihm in den Weg stellt oder unbequem wird, fliegt. Da ist es scheißegal, ob man ein harmonierendes Konstrukt auseinander reißt, es geht ja schließlich nicht um den VfB sondern rein um sein eigenes Ego und Machterhalt.

Dietrich trägt vollumfänglich die Verantwortung für den Karnevalsprinzen aus Köln-Frechen, auch wenn die Gremien diese Personalie abgenickt haben und Dietrich stets betont, wie einvernehmlich die Entscheidungen getroffen wurden.

Im Zuge der Ausgliederung hat er den Mitgliedern versprochen, verantwortungsvoll mit den Ausgliederungs-Millionen umzugehen, um sie dann einem Reschke in die Hand zu drücken und von jetzt auf gleich verprassen zu lassen.

Der VfB e. V. hat sich an den Daimler für ein Butterbrot verkauft und steht schlechter da als vor der Ausgliederung. Die immer wieder kolportierten hervorragenden Rahmenbedingungen können sich die Wirtschafts-Fachleute sonst wohin stecken, im Fußball zählt das sportliche Abschneiden und da stehen wir am Abgrund.

Die schlimmsten Befürchtungen sind wahr geworden. Solang der Daimler als Anteilseigner fungiert, wird er „den Präsidenten, den wir wollten“ stützen und das dumme Mitglied hat keine Handhabe mehr, Dietrich, zumindest als Aufsichtsratsvorsitzenden, loszuwerden.

Wenn Dietrich die Proteste gegen ihn lapidar abtut, „Diese Leute brauchen einen Prellbock und das war und ist in Stuttgart nun mal der Präsident“, hat er überhaupt nichts verstanden. „Diese Leute“ sorgen sich um den VfB und müssen mit ansehen, wie ihr Herzensclub zugrunde gerichtet wird, von Leuten, die rein wirtschaftliche Interessen verfolgen, und von Sportsgeist und Emotionalität, die im Fußball elementar wichtig sind, keine Ahnung haben.

Dietrich sieht die (fehlende) sportliche Entwicklung als Delle an, nein, Herr Dietrich, ein Abstieg mit einem solch teuren Kader ist der worst case, ein Totalschaden sozusagen!

Dietrich ist weit davon entfernt, ein harmonierendes Umfeld zu schaffen, in dem Mitarbeiter (und Spieler) gerne beim VfB „arbeiten“. Wenn von oben herab mit der Dampfhammermethode regiert wird, Lügen und Wahrheitsbeugung an der Tagesordnung sind, wie will man da erwarten, dass in der Mannschaft eine andere Stimmung herrscht und sich jeder an Regeln und Abmachungen hält. Wie der Herr, so das Gescherr!

Der Abstieg, der in erster Linie deshalb erfolgte, weil wir zu keiner Zeit eine Mannschaft auf dem Platz hatten, die zusammen hielt, ist eine direkte Folge der Führung des Wolfgang Dietrich und, bis vor ein paar Monaten, vom Möchtegern-Trainer Michael Reschke.

Dieser hat die Autorität der Trainer untergraben, indem er ihnen permanent in die Aufstellungen geredet hat. Wie will da ein Spieler wissen, auf wen er zu hören hat, wie will er da noch den Trainer ernst nehmen, wenn dieser doch nur eine Marionette des Sportvorstandes ist. Das hatte bereits Hannes Wolf den Job gekostet.

Bei Hannes Wolf war sicher nicht alles Gold, was glänzte. Mittlerweile bezweifle ich auch, dass er der gute Trainer ist, als den ihn viele ansehen. Trotzdem hat er dem VfB seinerzeit ein Gesicht gegeben, so dass ich mir mit ihm Kontinuität erwünscht hatte.

Mit dem Tag der Schindelmeiser-Entlassung und der Inthronisierung Reschkes aber wurden von jetzt auf gleich Wolfs Pläne konterkariert. Nicht nur der von Schindelmeiser/ Wolf angezählte Kapitän Christian Gentner wurde von Reschke umgehend heilig gesprochen, nein, anstatt jungen entwicklungsfähigen Spielern, die besser zu machen Hannes Wolf in seinem Element war, wurden alternde und teure Ex-Nationalspieler verpflichtet, mit denen Wolf weniger anzufangen wusste, die aber spielen mussten, weil Reschke sie ja schließlich mit üppigen Verträgen ausgestattet hat. Wenn dann die Chemie zwischen Trainer und Sportdirektor vom ersten Tag an nicht stimmt und Letzterer bestimmt, wer zu spielen hat, ist das Ende einer solchen Konstellation absehbar.

Ob mit dem von Schindelmeiser zusammengestellten Kader (er war ja zum Zeitpunkt der Entlassung noch nicht fertig!) und Hannes Wolf alles besser geworden wäre oder wir nicht schon letztes Jahr abgestiegen wären, ist natürlich hypothetisch. Fakt ist, dass eine ausbaufähige Euphorie vorhanden war und „das schwierige Umfeld“ jungen Spielern eher Fehler zugestanden hätte, wie erfahrenen Recken.

Das für mich noch immer der Kardinalfehler. Mit der Verpflichtung von Reschke verließ der VfB den Weg der Vernunft und wollte den zweiten vor dem ersten Schritt gehen. Bei meinen Ausführungen vor der Ausgliederung spielte auch eine Rolle, dass ich wenig damit anfangen kann, wenn die Gehaltskosten explodieren, wir jedoch keinen besseren Fußball dafür sehen. Auch das ist eingetreten, der VfB hatte 2018 mit knapp 84 Millionen Euro den siebthöchsten Etat der Liga und steht mit 10,8 Millionen Euro ausgegebenen Beraterhonoraren ebenfalls an siebter Stelle des Oberhauses. Hier stimmen Aufwand und Ertrag in keinster Weise. Wenn ich höre, dass ein Mario Gomez 6 Millionen Euro im Jahr verdienen soll und Holger Badstuber nur ein bisschen weniger, rollen sich mir die Fußnägel auf. Da stets betont wird, dass die Verträge auch für die 2. Liga gelten, dürfte die Ära Reschke auch in der 2. Liga wie ein Damokles-Schwert über uns schweben.

Der Größenwahn eines Reschke, den Dietrich zu verantworten hat, hat uns nun dahin gebracht, wo wir stehen. Noch im Winter hat es Reschke versäumt, die größten Baustellen im Kader zu beheben, bspw. einen treffsicheren Stürmer zu holen. Geleitet vom Leitsatz des Nachbarn mit dem Stern „das beste oder nichts“ holte er lieber niemanden, weil kein Top-Club bereit war, einen Top-Mann, mitten in der Saison, zu Top-Konditionen abzugeben. Ein Zweit- oder Drittligatorjäger mit einem Lauf hätte sich hinter Gomez und González bestimmt nicht zu verstecken brauchen, und wäre vermutlich einfacher zu haben gewesen. Hätte, hätte, Fahrradkette, es ist, wie es ist, nur, personelle Konsequenzen auf verantwortlicher Ebene bleiben aus.

Wer bitteschön soll denn die Verantwortung für Reschke übernehmen, wenn nicht Dietrich? Er kann sich nicht damit herausreden Hitzlsperger und Mislintat geholt zu haben, die nun den Scherbenhaufen aufkehren müssen. Es ist ein Spiel mit dem Feuer und kommt einer Kriegserklärung gleich, wenn die Herren jetzt verkünden, wir seien ja bestens aufgestellt und es ändere sich demnach nichts.

In den letzten Tagen wurde publik, dass Reschke wohl nach dem Düsseldorf-Spiel entlassen wurde, weil er Weinzierl damals entlassen wollte, Dietrich aber nicht. Auch das eine fatale Fehleinschätzung Dietrichs und wohl der einzige lichte Moment Reschkes während seiner Amtszeit beim VfB! Aus dem Wintertrainingslager sickerte seinerzeit durch, wie inkonsequent Weinzierl beim Sanktionieren von Disziplinlosigkeiten war und dass er damals schon große Teile des Teams gegen sich aufgebracht hatte.

Deshalb hätte Weinzierl bereits im Januar, spätestens aber nach dem Düsseldorf-Spiel entlassen werden müssen. Da dies nicht geschah und Dietrich sein Veto einlegte, musste der arme Thomas Hitzlsperger die Angelegenheit bis zum Offenbarungseid von Augsburg durchziehen, ob er wollte oder nicht.

Dietrich hat hoch gepokert und verloren. Ein Mann mit Charakter und Anstand würde das erkennen und seinen Hut nehmen. Doch weit gefehlt, beide Attribute darf man bei Dietrich nicht erwarten, wenn man sich seine Vita vor Augen führt.

Die Erklärung des Aufsichtsrats lässt mich fassungslos zurück. Was der VfB jetzt bräuchte, wäre eine Aufbruchstimmung wie anno 2016. Die Fans sind das Kapital eines Vereins (gut, erkläre das mal einem Wirtschaftsboss…). Da Dietrich nicht ehrenvoll abtreten wird und der Aufsichtsrat einen Teufel zu tun scheint, auf die Stimmung des Umfeldes zu hören, fragt man sich, was man als einzelner Fan, oder besser, als Fanszene tun kann, um seinen Unmut zum Ausdruck zu bringen. Von der Mitgliederversammlung am 14.07. verspreche ich mir wenig, diese wird Dietrich aushalten, den Aufsichtsrat tangiert sie sowieso seit der Ausgliederung nicht mehr.

Was beim VfB fehlt, ist eine echte Opposition, die das Zeug dazu hat, für einen Antrag auf Abwahl des Präsidenten die nötigen 75% zusammenzubekommen, selbst, wenn die Vereinsführung jegliches Stimmvieh ködert, um genau das zu verhindern.

Dazu bedürfte es eines Gegenkonzeptes und einen geeigneten Kandidaten, der zur Wahl antreten würde. Mir fallen dazu spontan Ralf Rangnick und Jürgen Klinsmann ein, die regelmäßig mit dem VfB in Verbindung gebracht werden, für konzeptionelles Arbeiten stehen und die Mitglieder hinter sich bringen könnten.

Ich bin sehr gespannt, wie die Fanszene jetzt reagiert und ob sich der Ton und Umgang miteinander weiter verschärft. Ein zweites Hannover 96 will, glaube ich, momentan niemand. Auf der anderen Seite ist es aber für mich auch unerträglich, wenn die Herren mit diesem „Stil“ durchkommen sollten. Irgendeine Form von Boykott muss man wohl in Erwägung ziehen, Stimmungsboykott, Dauerkartenboykott, Merchandise-Boykott, was auch immer. Ich habe ihnen schon einmal Mitgliedsausweis und Dauerkarte vor die Füße geworfen, 1998, als Winfried Schäfer als Trainer vorgestellt wurde.

Da in der AG eine Krähe der anderen kein Auge aushackt, sind wir in der derzeitigen Konstellation verloren. #miteuchkeinwir Diese Herren würden sich wohl auch noch auf die Schultern klopfen, wenn wir in die 3. Liga abgestiegen wären, nur noch 25.000 Zuschauer im Schnitt kämen, die Rahmenbedingungen ihrer exklusiven Ansicht nach weiterhin stimmen und der Rasen auf dem Trainingsgelände schön grün ist.

Wenn man jüngst mitbekommt, dass als letzter Bundesligist Werder Bremen das Namensrecht an seinem Stadion an einen Sponsor verkauft hat und jährlich drei Millionen Euro dafür einstreicht, wir jedoch vom Daimler gerade einmal 666.000 Euro erhalten, unterstreicht das einmal mehr, wie der mächtige Partner den VfB über den Tisch zieht.

Ob es jemals jemanden beim VfB geben wird, der Tacheles mit dem Daimler spricht und nicht vor ihm kuscht, ich bezweifle es. Die Einlage, die nach der Ausgliederung floss, macht es jedenfalls ungleich schwieriger, frei und unabhängig entscheiden zu können, für wen und was man werben möchte, völlig egal, welch hoch dotiertes Angebot einem durch die Lappen gehen könnte. Somit dürften wir weiter der Musik hinterherhinken, und das wegen und nicht trotz der Ausgliederung.

Am besten, wir zahlen den Daimler aus und stellen alles auf Anfang 2016. Zugegebenermaßen utopisch zwar, wäre aber, dank beträchtlicher Transfereinnahmen wohl trotz des Abstiegs zu stemmen. Darauf könnte man als vernünftiger Verantwortlicher beim VfB, der dem Daimler nicht verpflichtet ist, zwar selbst kommen, doch dafür müsste das Wohl des VfB an erster Stelle kommen und nicht der Erhalt seines eigenen Pöstchens. Daher werden wir uns eher damit abfinden müssen, dass sich bis zur Neuwahl des Präsidenten 2020 nichts grundlegend verändern wird.

Der VfB gehört runderneuert. Vom Präsidenten, über die Vorstände (Hitzlsperger ausgenommen), den Aufsichtsrat bis hin zum Catering, es ist doch alles eine Katastrophe.

Ein Heim, dessen Milchmädchenrechnungen von den Ausgliederungsdebatten mir heute noch in den Ohren klingen oder Röttgermann, der mit einer peinlichen Marketing-Kampagne nach der nächsten ums Eck kommt und deren Mails, angesichts der Fülle, bei mir schon im Spam-Ordner landen.

Bestes Beispiel und reine Verarsche ist das Ur-Trikot. Als es herauskam, für knapp unter 100 Euro, wurde es mit „limitiert“ beworben. Ich fragte mehrmals beim VfB nach, auf wie viel Stück das Trikot denn limitiert wäre, worauf man eine Antwort schuldig blieb.

Also sagte ich schon damals, das kann auch auf 500.000 Stück limitiert sein und dass ich es mir höchstens dann holen würde, wenn es verramscht wird. Und, siehe da, kürzlich erwarb ich es, überraschenderweise waren noch Größen bis 5XL erhältlich, in 3XL für 30 Euro. Vielleicht wird es ja noch günstiger, aber, dann lamentiere ich nicht herum, 30 Euro ist mir der Fetzen wert.

Wer mir bei dem ganzen Theater Leid tut, sind Thomas Hitzlsperger, Sven Mislintat und unser neuer Trainer Tim Walter. Gerade die Neuen müssen sich doch zunächst wie in einem Irrenhaus vorkommen. Ihnen wäre ein harmonisches Umfeld und die Möglichkeit, ruhig zu arbeiten, um den VfB wieder in die Spur zu bringen, zu wünschen. Diese Ruhe ist derzeit nicht gegeben.

Nichtsdestotrotz gilt es nach vorne zu schauen und binnen kürzester Zeit einen aufstiegsfähigen auf die Beine zu stellen. Ich persönlich möchte die Allermeisten der Absteiger nicht mehr im Brustring-Trikot sehen, weil sie es nicht wert sind!

Solang Thomas Hitzlsperger sich nicht geäußert und Abgang oder Verbleib einzelner Spieler verkündet hat, ist es müßig, sich mit Treueschwüren und Ausstiegsklauseln auseinander zu setzen. Es soll schon vorgekommen sein, dass Spieler trotz Ausstiegsklausel geblieben sind, diese Hoffnung habe ich bei Kempf und Kabak, die die Presse schon bei anderen Vereinen sieht. Pikanterweise gerade diese beiden Genannten bei S04, wo sich Reschke sein Insiderwissen um die Vertragsmodalitäten zunutze machen könnte, was einmal mehr seinen Charakter offenbaren würde.

Außer diesen beiden genannten fielen mir noch Timo Baumgartl mit Potential eine neue Identifikationsfigur zu werden, Borna Sosa, Ascacíbar und Jens Grahl ein. Dazu Blutauffrischung von außen sowie der eine oder andere aufrückende der U19. Ob die bislang verliehenen Kaminski und Mangala bleiben werden, wird sich zeigen. Beide wären jedenfalls, was den Abstieg angeht, unbelastet.

Wie unsere (sportliche) Führungscrew mit Holger Badstuber und Mario Gomez umgeht, dürfte interessant werden. Beide wurden von Reschke mit horrend dotierten Rentenverträgen ausgestattet, so dass sie freiwillig einen Teufel tun dürften, auf sehr viel Geld zu verzichten und zu wechseln. Sollte Walter mit diesen in die Jahre gekommenen und langsam gewordenen Auslaufmodellen nichts anfangen können, wird es wohl auf ein Modell Ibišević hinauslaufen, das uns noch einige Jahre belasten dürfte. Sollten beide mangels Alternativen ihre Verträge beim VfB aussitzen, gehen sie wohl in die Annalen als bestbezahlte Zweitligaspieler aller Zeiten ein.

Wie die BILD-Zeitung vermeldete, erhält Christian Gentner keinen neuen Vertrag mehr, was ich begrüßen würde. Schließlich ist er die einzig verbliebene Konstante der letzten zehn Jahre und für Stimmung und Leistungsbereitschaft des Kaders während dieser Zeit nicht unerheblich mitverantwortlich. Solang diese Personalie aber nicht vom VfB bestätigt wird, halte ich mich mit Gefühlsausbrüchen deswegen zurück.

Fakt ist, dass der Fußball, der uns in den letzten Jahren, Ausnahme die kurze Ära Zorniger, zugemutet wurde, weder schön anzusehen noch erfolgversprechend war. Zu statisch, zu behäbig, kein Mut, keine Schnelligkeit, kein Plan, da Tim Walter, was man so hört, für einen völlig anderen Fußball steht, sollten Hitz und Mislintat den Mut haben, rigoros auszumisten, auch wenn es Abfindungen kostet und der eine oder andere Spieler unter Wert verkauft werden muss.

Es geht jetzt darum, eine Mannschaft mit hungrigen Typen und Charakter aufzubauen. Zusammenhalt ist im Mannschaftssport so wichtig, dieser war in der Abstiegssaison nicht vorhanden und deshalb stehen wir zurecht da, wo wir stehen.

Man darf gespannt sein. Im Grunde müssten jetzt bis zum Trainingsauftakt nahezu täglich Personalentscheidungen verkündet werden. Ich wünsche Hitzlsperger und Mislintat und nicht zuletzt uns ein gutes Händchen.

Zunächst einmal geht es morgen für unsere U19 in der Andrea Berg Kampfbahn (Copyright by Philipp Maisel) zu Großaspach um das Double. Gegner ist die U19 von Borussia Dortmund, ein echtes Brett.
Unsere Jungs haben beim Pokalsieg in Babelsberg gegen Leipzig gezeigt, was mit Teamgeist und Zusammenerhalt möglich ist, so dass ich optimistisch bin, auch morgen jubeln zu dürfen.

Wir Allesfahrer, die nach Abwechslung lechzen, hoffen aus zweierlei Gründen auf den Titel. Nicht nur, dass es nach 2005 mal wieder an der Zeit wäre, nein, mit dem Titel wären die Jungs für die UEFA Youth League qualifiziert, womit in der nächsten Saison endlich mal wieder internationale Touren auf dem Programm stehen würden, was ein schönes Kontrastprogramm zum wohl eher tristen Zweitligaalltag wäre. Also Jungs, go, get the cup!

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12. April 2019

#Ja zum Teilerfolg

#jazumerfolg war gestern. Die Champions League-Träume der Herren Reschke (Geschichte) und Dietrich (bald Geschichte) sind längst ausgeträumt. Wie sich Erfolg für die Vereinsführung definiert und vor allem weshalb dieser ausschließlich durch größeren finanziellen Spielraum garantiert sein sollte, blieben die Herren der Vereinsführung, hier Reschke selbstredend noch ausgenommen, schon bei der Ausgliederungsdebatte schuldig.

Inzwischen ist das Geld weg und der Geldgeber wird nervös, wie jüngst einer der Daimler-Leute im Aufsichtsrat, Wolfgang Porth, offenbarte, als er in den Katakomben des Neckarstadions Guido Buchwald am liebsten den Kragen umgedreht hätte.

Wirtschaftsbosse, die den Aufsichtsrat dominieren, und ihr Vorsitzender Dietrich sind der festen Auffassung mit Geld gehöre ihnen die Welt und damit auch die Fußballwelt. Dass ein Wirtschaftsunternehmen und ein Fußballunternehmen verschieden ticken, haben diese Herren wohl bis heute nicht realisiert.

Während ein Unternehmenschef Erfolg dadurch erfährt, wenn die Kundschaft mit seinen Produkten zufrieden und die Belegschaft motiviert genug ist, bestmöglich für den Unternehmenserfolg zu arbeiten, am Ende auch noch die Zahlen stimmen, definiert sich Erfolg im Fußballgeschäft in erster Linie über die Ergebnisse, die auf dem grünen Rasen eingefahren werden. Keinen Menschen interessieren in dem Moment hervorragende (nicht sichtbare) Rahmenbedingungen, wenn sich die Jungs auf dem Rasen schlecht wie nie zuvor präsentieren.

Ein weiterer gravierender Unterschied zwischen dem Fußball und der Wirtschaft sind die damit verbundenen Emotionen. Mache ich einen besonders guten Kauf, ziehe ich genauso wenig jubelnd vor die Firmenzentrale, wie ich den Unternehmensboss auspfeifen und alles heißen würde, wenn ich mich über den Tisch gezogen fühle.

So kapiert Dietrich bis heute die Anfeindungen gegen seine Person nicht, „wo er doch alles für den VfB gibt“. Schon die Tatsache, dass der Aufsichtsrat den ehemaligen S21-Sprecher, der sich im Rahmen dieses Jahrhundert-Projektes einen Namen als Spalter gemacht hatte, zum alleinigen Kandidaten für die Präsidenten-Wahl machte, sorgte für Missstimmung. Als Mitglied hatte man keine Wahl, umso beschämender war es, dass er dennoch nur knapp „gewählt“ wurde und am Ende gerade einmal auf 57% der anwesenden und 6 (!) der Gesamtmitglieder kam. Dietrich sollte die Ausgliederung durchdrücken, egal mit welchen Mitteln. Homeoffice-Wahler setzte den Herren im Aufsichtsrat, den wahren Regenten des VfB, zu sehr auf Dialog, mit dem man bei der kritischen Mitgliederschaft jedoch offensichtlich nicht weiterkam. So boxte Dietrich dieses Thema im Eiltempo, zur Unzeit (Aufstiegsrennen 2. Liga) und in einer Zeit durch, in der der VfB als Zweitligist für die wenigsten Geldgeber ein lohnendes Investment gewesen wäre.

Aber, da war ja noch der Daimler, der den Mitgliedern ein 41,-5-Millionen-Zuckerle hinwarf, das (zu) vielen Mitgliedern offenbar den Kopf verdrehte. Dass der Daimler durch diese Einlage keinerlei Risiko eingehen musste, den VfB jedoch mehr als ohnehin schon in die Abhängigkeit vom Nachbarn mit dem Stern trieb, womit auf lange Sicht die Tür für andere interessierte Investoren wie den Automobilhersteller aus Zuffenhausen zugeschlagen wurde, interessierte angesichts der im Trump-Style geführten Propaganda und eines Gratis-Trikots die wenigsten.

Jetzt, wo den Herren der Slogan #jazumerfolg um die Ohren fliegt und der VfB trotz der Millionen-Spritze in Trümmern liegt, wird der Gegenwind für Dietrich und seine Schergen rauer. Wir, die den Ablauf der Mitgliederversammlungen zur Wahl Dietrichs (vom Verein rekrutierte Jubelperser) und zur Ausgliederung (nicht funktionierende Abstimmungsgeräte) noch nicht vergessen haben, sind ohnehin sauer, mittlerweile fühlen sich aber auch jene veräppelt, die an #jazumerfolg geglaubt hatten.

Dass Dietrich höchstselbst es war, der den VfB ohne Not und in Rekordtempo von einer kaum zu toppenden Euphoriewelle in eine tiefe Depression gestürzt hat, sieht er partout nicht ein, wo doch die geschaffenen Rahmenbedingungen so toll sind.

Dass es beim VfB, nicht erst seit Buchwalds „Rücktritt“ aus dem Aufsichtsrat, in den Führungspositionen an Sportkompetenz fehlt, ist bekannt. Ehemalige Sportler mögen nicht immer die hellsten Kerzen auf der Torte sein, doch, sie können es jedoch eher einschätzen, wie eine Mannschaft tickt und was ihr fehlen könnte, als ein Wirtschaftsboss oder auch ein Reschke, der die Mannschaft mehr genervt hat, als dass er zu ihr Vertrauen hätte aufbauen können.

Es war ganz nett und vor allem ungewohnt, nach der Ausgliederung ein paar Milliönchen mehr gehabt zu haben und Spieler an den Neckar gelockt zu haben, die auch zu weitaus größeren Vereinen hätten gehen können, aber, sie funktionieren nicht beim VfB, womit Unsummen auf Nimmerwiedersehen sinnlos verbrannt wurden.

Beim VfB ist seit der Schindelmeiser-Entlassung keinerlei Plan mehr erkennbar, für welchen Fußball er stehen soll. Platzhirsche jenseits der dreißig sollten für Stabilität sorgen, stehen jedoch in erster Linie für das Ausklingenlassen ihrer Karrieren und Altherrenfußball.

Jungnationalspieler hingegen, die man geholt hat, wie Maffeo und Borna Sosa, müssen sich seit Beginn der Saison hinter Platzhirschen wie Beck und Insúa anstellen, obwohl deren Leistungen kaum Anlass dazu gäben. Da eine Fußballerkarriere relativ kurz ist, haben aufstrebende Talente in der Regel keine Zeit zu verschwenden, so dass ich es nachvollziehen kann, dass sie ungeduldig werden, wenn sie überhaupt keine Rolle spielen.

Was man den Jungs versprochen hat, dass sie gen Neckar zogen, weiß ich nicht. Ich kann es mir jedenfalls nicht vorstellen, dass es nur die Karawane Cannstatt war, die sie derart beeindruckt hat, dass sie nirgends anders mehr hinwollten. Man hat ihnen sicherlich nicht verraten, dass wir da Vereinslegenden jenseits der dreißig haben, hinter denen sie sich schön anzustellen haben. Es sind wohl eher politische Gründe (vermeintliche Führungsspieler) zu vermuten, dass so mancher junge Spieler beim VfB kein Bein auf den Boden bekommt und früher oder später resigniert.

Ich möchte die Jungs an dieser Stelle keineswegs frei von jedweder Schuld sprechen. Es gehört sich als Profi nicht, schlechte Stimmung zu verbreiten (Maffeo), in Interviews über den VfB herzuziehen (Maffeo, Sosa) und es gehört sich als hochbezahlter Profi schon gar nicht, auf stur und beleidigte Leberwurst zu schalten und darauf zu vertrauen, im Sommer wieder weg zu sein. Sportlich täten uns beide gut, brächten sie doch wenigstens Geschwindigkeit in unser unerträglich träges Spiel.

Auch einstige Hoffnungsträger wie Akolo, Thommy und Donis spielen nur Nebenrollen, was unter anderem daran liegt, dass Weinzierl, ähnlich wie Korkut vor Jahresfrist, auf einen nahezu geschlossenen Kreis an Spielern setzt. Konnte man Korkut noch wenig vorwerfen, weil die Ergebnisse ja stimmten, fragt man sich bei Weinzierl schon, was einige verbrochen haben, dass sie an seit Wochen formschwachen und dennoch gesetzten Spielern nicht vorbeikommen.

Wie sich der eine oder andere in der Gruppe verhält und ob er überhaupt ein Interesse daran hat, dass der VfB in der Liga bleibt, lässt sich von außen schwer beurteilen. Wenn man jedoch hört, dass für Disziplinlosigkeiten erhobene Strafen in Höhe von mehreren zehntausend Euro einfach nicht gezahlt werden, weil die Rechtsgrundlage fehle und bei als Teambuilding gedachten Mannschaftsabenden das Desinteresse überwiegt, lässt dies auf eine scheiß Stimmung innerhalb der Truppe schließen und macht wenig Hoffnung, dass es diese Jungs sind, die für uns die Kohlen aus dem Feuer holen.

Ich kann nicht sagen, was beim VfB seit Jahren schiefläuft, weshalb es nicht gelingt, „Verstärkungen“ ins Gefüge zu integrieren und ob hier wer bewusst gegensteuert, um sein (und das seiner Spezies) Standing zu erhalten. Es wäre Aufgabe der Kaderplaner, Spieler nicht nur nach den fußballerischen, sondern auch den menschlichen Qualitäten auszusuchen und derer, die nah am Team sind, Integrationsarbeit, auf und neben dem Platz, zu leisten, damit sich ein Transfer für alle Seiten auszahlt.

Dieser Kaderplaner (bzw. Sportdirektor) wird nun, seit gestern ist es offiziell, Sven Mislintat. Ihm eilt ein hervorragender Ruf voraus, der sich auch an Namen und Wertsteigerungen von Spielern aus seiner Dortmunder Zeit untermauern lässt. Bei seinem Beinamen „Diamantenauge“ zucke ich schon mal reflexartig zusammen, liegt die Zeit des Perlentauchers, der beim VfB krachend gescheitert ist, doch noch keine zwei Monate zurück.

Der kicker empfahl Mislintat „”Nachdem der aktuelle VfB-Kader den Eindruck eines irreparablen Totalschadens macht, gilt es, die wenigen den Erfordernissen genügenden Teile daraus zu retten und den großen Rest komplett auszutauschen“, was einer Herkulesaufgabe gleichen dürfte.

Vergleiche zu Reschke und zu den allgemeinen Vorschusslorbeeren, die schließlich auch Reschke vorauseilten, möchte ich erst einmal nicht ziehen. Mislintat wird vermutlich jene Rolle ausfüllen, die auch Reschke besser gestanden hätte, nämlich im Hintergrund die Strippen zu ziehen, während Hitzlsperger für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist.

Dass man bei der offiziellen Pressemitteilung den Satz „”Auch die gute Verbindung von Wolfgang Dietrich zu Sven Mislintat hat dazu beigetragen, Sven vom VfB zu überzeugen” einschieben muss, lässt tief blicken, wie angeschlagen Dietrich ist und macht Hoffnung, dass er nicht mehr allzu viele Stürme als VfB-Präsident überstehen wird.

Unter Schindelmeiser/ Wolf wähnte ich uns, zumindest was das Arbeitsklima anging, auf einem guten Weg. Seit Dietrich und später Reschke das Sagen hatten und von oben herab mit der Dampfhammermethode führen, Kritiker als ahnungslose Vollidioten abgetan wurden und Fake News zum Tagesgeschäft gehören, ist ein Verfall der guten Sitten zu verzeichnen, der bis in die Mannschaft getragen wird. Die „Mannschaft“ präsentiert sich so, wie von oben vorgelebt! Hier gilt es, im Sommer radikal auszumisten, gut dass Mislintat schon zum 01.05. seinen Dienst antritt, es gibt viel zu tun!

Wie es um den Teamgeist und die Leistungsfähigkeit der Mannschaft derzeit bestellt ist, kann es einem nur angst und bange werden. Da sind die Alten, die zwar die profihafte Einstellung haben, auf dem Platz jedoch nur noch ein Schatten ihrer selbst sind und die Jungen, die sich mutmaßlich bei einem Abstieg eher noch finanziell verbessern dürften, weil sie der VfB dann um jeden Preis losbekommen muss, um das seit Reschke sprunghaft gestiegene Gehaltsgefüge wieder auf Normalmaß zu stutzen. Wiederum andere, wie die Leihspieler Esswein und Zuber bringen zwar Mentalität ein, haben es aber, zumindest bei Esswein ist das so, nicht so mit dem Fußball spielen.

In dieser Mannschaft macht derzeit nur Ozan Kabak Spaß! Wissbegierung, ehrgeizig und fußballerisch extrem stark präsentiert sich der seit kurzem 19-Jährige, ihm darf man schon jetzt eine große Karriere prophezeien, wenn er so weiter macht und immun gegen den VfB-Bazillus bleibt, der jeden Profi schlechter werden lässt. Ob und wann seine Karriere in München die Fortsetzung findet und Dietrich/ Reschke damit der nächsten Lüge überführt werden, wird sich zeigen. Bei einem Abstieg jedenfalls dürften sich die Wege im Sommer bereits trennen.

Der Fußball sollte Emotionen schüren und von denen im Idealfall nicht ausschließlich negative.
Über den Ausgleich am Samstag konnte ich mich ebenso wenig freuen, wie darüber, den Abstand zu Nürnberg gehalten zu haben. So wie die Spieler nach dem Schlusspfiff zu großen Teilen auf dem Rasen zusammensackten und wie sie in die Kurve schlichen, hätte man daraus schließen können, sie seien ähnlich entsetzt über den Auftritt gewesen, wie das Gros der Fans.

Doch, weit gefehlt, am Tag danach wurde man dann eines Besseren belehrt. Oder wie ist es zu erklären, dass Andi Beck bei Sport im Dritten zum Besten gibt, es sei das Ziel gewesen, Nürnberg nicht näher heranrücken zu lassen. Super, Ziel erreicht, wurde bestimmt auch noch eine Prämie für dieses Meisterstück ausgelobt!

Des Weiteren schwafelte Beck von Teilerfolg, was das Erreichen des Relegationsplatzes angeht. Wie tief bitte sind unsere Ansprüche gesunken? Wir spielen die mit Abstand schlechteste Saison der Vereinsgeschichte, für die uns nichts anderes als der Abstieg gehört und dann erwarten diese Fußballmillionäre, dass man sie für das Erreichen der (dem Zweitligisten gegenüber ungerechten) Relegation noch feiert? Gewinnt man diese, was zu befürchten ist, wäre es vermutlich ein voller Erfolg und das Saisonziel Nichtabstieg wäre erreicht. Toll, ich hoffe nur, dass sie uns so nicht davonkommen!

Diese Sichtweise des Führungsspielers und Ersatz-Kapitäns Andreas Beck relativiert dann auch die doch zurückhaltenden Reaktionen auf dem Rasen nach dem Schlusspfiff. Nur weil Pfiffe zu hören waren und sich Unmut breit machte, konnten die Jungs ihrer Freude über den gewonnenen Punkt nicht freien Lauf lassen. Es hätte wahrlich auch nicht zur Stimmung im weiten Rund gepasst, hätten sie die Arme hochgerissen und wären vor Freude über den Rasen gehüpft. Das wäre unpassend gewesen, war der Großteil der Zuschauer doch ähnlich entsetzt wie ich.

DER Abstiegsgipfel, Karawane, volles Haus, tolle Choreo, Kaiserwetter und dann ein, vor allem in der ersten Halbzeit, derart lebloses Gekicke, ich war, und bin es immer noch, fassungslos.

Bereits vor dem Hannover-Spiel prophezeite ich, der VfB gewänne noch ganze zwei Spiele, nämlich die gegen die beiden hinter uns platzierten Teams. Vor dem Spiel gegen den Club lehnte ich mich weit aus dem Fenster und glaubte gar an einen 4:0-Sieg, einfach weil ich uns zwar schwach, jedoch nicht so schwach wie den Club sah. Auch wenn dieser mit dem Rückenwind des 3:0 gegen den FC Augsburg angereist kam, dem ersten Sieg seit September 2018, glaubte ich lediglich an ein Strohfeuer und war überzeugt davon, dass der VfB, so schwach er sich auch in dieser Saison präsentiert, die Franken überrennen wird.

Doch, weit gefehlt, es fehlten die Mittel, den tief gestaffelten Gegner in Bedrängnis zu bringen. Mehr noch, am Ende durfte man sich bei Ron-Robert Zieler bedanken, dass man nicht ganz mit leeren Händen dastand. Erbärmlich!

Wer jetzt daher kommt und denkt, Leverkusen liege uns besser, weil sie mehr am Spiel teilnehmen, ist für mich ein unverbesserlicher Optimist.

Ich rechne damit, dass uns Leverkusen überrennen wird. Bayer hat zwar seine letzten drei Spiele allesamt verloren, aber, wenn der VfB eines wirklich kann, dann Aufbaugegner. Bayer hat auch nicht gegen irgendwen verloren, sondern gegen drei spiel- und formstarke Teams, Bremen, Hoffenheim und Leipzig, gegen die der Bosz‘sche Hurra-Fußball nach hinten los ging. Da der VfB offensiv so gut wie keine Gefahr entfacht, werden wir sicherlich kein Kapital aus den Abwehrschwächen der Werkself schlagen können. Bayer bietet nämlich durch sein brutales Pressing schon einiges an, nur, man müsste dazu auch hinter ihre Linien kommen, was ich dem VfB in der derzeitigen Verfassung und dem derzeitigen Personal kaum zutraue.

Nach Schalke, Nürnberg und dem VfB haben sich seit dieser Woche auch Hannover 96 und der FC Augsburg in dieser Saison sowohl vom Trainer als auch vom Sportchef getrennt. Alle Mitkonkurrenten wechselten den Trainer in diesem Kalenderjahr, einzig beim VfB wird sich vor der zweiten Trainerentlassung in dieser Saison (noch) gescheut. „Wir ziehen das gemeinsam durch“, so unisono zu hören von Thomas Hitzlsperger und Markus Weinzierl.

Für mich stellt es ein Armutszeugnis dar, dass Weinzierl nur deshalb weiter Dienst tun darf, weil Woche für Woche keine Bewegung im Tabellenkeller ist und dem VfB wohl nach wie vor schlimmstenfalls die Relegation droht.

Rationale Gründe an Weinzierl festzuhalten, fallen mir keine ein. Seine Bilanz ist niederschmetternd (4S, 4U, 13N) und genügten, dieses Missverständnis zu beenden. Weinzierl wirkt noch immer aufreizend distanziert zum VfB und verscherzt es sich mit immer mehr Spielern. Zum einen werden sie öffentlich denunziert, andere sind völlig außen vor, während wieder andere Woche für Woche aufs Neue auf dem Platz herumstümpern dürfen.

Da Weinzierl „sein“ Team gefunden zu haben scheint, dieses jedoch keinen Erfolg verspricht wie man jedes Wochenende aufs Neue vorgeführt bekommt, habe ich in dieser Konstellation keine Hoffnung, dass wir den Klassenerhalt aus eigener Kraft schaffen.

Ob ein Trainerwechsel zum jetzigen Zeitpunkt überhaupt noch irgendeinen Effekt hätte, kann keiner mit Gewissheit vorhersagen. Für mich wäre er ein kleiner Hoffnungsschimmer für die Schlussphase der Saison.

Wie diverse Medien im Zusammenhang mit der Mislintat-Verpflichtung berichteten, solle der Trainer für die nächste Saison bereits feststehen. Das würde das Zaudern in der Trainerfrage zwar begründen, nicht jedoch plausibel erklären. Ein Trainer, von dem die Mannschaft weiß, dass er nur noch ein paar Wochen hier ist, verliert automatisch an Autorität, erst recht bei einem solchen Sauhaufen.

Wohl dem Verein, der einen Huub Stevens im Verein hat und diesen als Interimslösung präsentieren kann. So einen haben wir leider nicht. Andi Hinkel hat jüngst die Amateure übernommen und sollte auch nicht verheizt werden und für Jürgen Sundermann‘s Herz wäre dieser Stressjob vermutlich auch nichts mehr. So dürfte Weinzierl allein mangels Alternativen und weniger wegen rationaler Gründe die Saison als VfB-Trainer überleben, es sei denn, es setzt noch eine Klatsche, die zum Handeln zwingt.

Was den Abstieg 2016 angeht, ist man heute so schlau, sich einzugestehen, dass es ein Fehler war, bis zum Schluss an Jürgen Kramny festzuhalten, es wäre aber nicht der VfB, würde man dieselben Fehler nicht immer wieder machen. Am Ende des Tages kann zwar nicht immer der Trainer schuld sein, die Spieler stehen in der Pflicht, doch, auch diese scheinen nach einem neuen Impuls zu lechzen.

Die Kaderzusammenstellung ist unter aller Sau. Noch Reschke hat es im Winter versäumt, eine Alternative zu Daniel Didavi sowie einen torgefährlichen Stürmer zu verpflichten. Beides fliegt uns derzeit um die Ohren, weil an Gomez das Alter zehrt, Gonzalez zwar Einsatzwillen zeigt, ihm die nötige Härte für die Bundesliga aber noch fehlt und weil Didavi nur noch ein Schatten früherer Tage ist. Wenn er denn überhaupt mal einsatzbereit ist, wirkt er, als wenn er mit Medikamenten vollgepumpt sei und offenbart, dass ihm die Fitness komplett abgeht. Mangels kreativer Alternativen muss er sich so der Öffentlichkeit präsentieren, da kann man nur hoffen, dass er nicht eines Tages noch umkippt.

So gibt es für mich derzeit wenig Hoffnung auf noch den einen oder anderen Punkt in den verbleibenden Spielen, so dass einem nichts anderes übrigbleibt, weiter auf die Schwäche der Konkurrenz und einen machbaren Relegationsgegner zu hoffen. Eine desaströse Momentaufnahme für die VfB Stuttgart AG, in die uns die Egoisten vom Aufsichtsrat und auf dem Präsidentensessel da hineinmanövriert haben. Spätestens nach dieser Saison, aus der wir womöglich mit einem blauen Auge kommen, ist Kehrwoche angesagt, denn, auch beim VfB stinkt der Fisch vom Kopf!

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