24. Dezember 2019

Zurück im Hamsterrad!

Es ließ sich verheißungsvoll an, mit Thomas Hitzlsperger als Sportvorstand (inzwischen zum CEO der VfB Stuttgart AG ernannt) und Sven Mislintat, dem Diamantenauge, der bislang, analog zu Reschke vornehmlich aus der zweiten Reihe schoss.

Ich erlebte ein Trainingslager in Kitzbühel, in dem die Protagonisten nahbar wie selten und sich für keinen fachmännischen Plausch mit den Fans zu schade waren. Ob Hitzlsperger, Mislintat oder Walter. Alle hatten ein offenes Ohr, ihr Tatendrang den VfB zu einem anderen, als dem der letzten Jahre zu machen, wirkte ansteckend.

Das neu zusammengestellte Team hatte sichtlich Spaß wie lange nicht, Tim Walter war Lehrer, Mentor, Kumpel in einem und wollte jeden Spieler in jedem Training besser machen.

Dass er Badener ist und als Vertrauensperson das Karlsruher Urgestein Rainer Ulrich mitbrachte, war mir, im Gegensatz zu vielen, erst mal scheißegal.

Für mich spielte auch keine Rolle, dass „Hitzlintat“ einen Trainer verpflichteten, der „nur“ von Holstein Kiel kam und davor im Nachwuchsbereich vom Karlsruher SC und von Bayern München arbeitete.

Selbst als er in einem Interview betonte, diese beiden seien „seine“ Vereine, zuckte ich nicht angewidert zusammen, sondern sah es im Profigeschäft als normal an, dass ein Trainer im Laufe seiner Karriere auch düstere Kapitel zu überstehen hat und es grundsätzlich von Charakter zeugt, sich auch gegenüber Ex-Arbeitgebern loyal zu zeigen.

Nach den Erfahrungen der letzten zehn Jahre, stetigem Niedergang, zwei Abstiegen, umrandet von unzähligen ganz unterschiedlichen Übungsleitern an der Linie, legte ich mein Vertrauen in die Hände von „Hitzlintat“ und war überzeugt davon, dass sie alles in ihrer Macht stehende tun würden, den VfB wieder zu einer sympathischeren und erfolgreicheren Marke zu machen, und den VfB sportlich komplett neu auszurichten.

Nach Jahren der internen Querelen um Wolfgang Dietrich und Michael Reschke, die sich als Prellbock der Krakeeler und die Fans als ahnungslose Vollidioten wahrnahmen, und den Verein brachial führten, hatte man plötzlich das Gefühl, ernst genommen zu werden und zur Politik der kleinen Schritte zurückkehren zu wollen.

Meine Ansprüche waren auf dem Tiefpunkt angekommen, so dass es mir wirklich bereits genügte, ein Team zu sehen, das an einem Strang zieht und ich einer kontinuierlichen Veränderung und später auch Verbesserung alle Zeit der Welt gegeben hätte.

Für mich stand nie im Vordergrund unbedingt mit der Brechstange aufsteigen zu müssen, um sich in der Bundesliga dann daran zu ergötzen, mit 30 Punkten die Klasse zu halten, weil zwei, drei Teams noch schlechter sind. Da ist mir doch mehr an einer nachhaltigen Entwicklung gelegen, die uns auf Sicht konkurrenzfähiger werden lässt.

Da Mislintat schon vor der Saison ankündigte, die Beseitigung der Altlasten im Kader nähme einige Transferperioden in Anspruch und dass der Aufstieg das große Ziel, jedoch kein Muss sei, war ich bis zuletzt tiefenentspannt und davon überzeugt, mit Kadernachjustierungen in der Wintertransferperiode den Dampfer wieder flott zu kriegen, MIT Tim Walter.

Seit gestern haben wir die Gewissheit, dass der Wunsch nach Kontinuität und antizyklischem Handeln ein frommer Wunsch geblieben ist und „Hitzlintat“ bei der ersten steifen Prise umgefallen sind.

Ich finde es sehr schade, habe jedoch immer betont, wie auch immer „Hitzlintat“ entscheiden werden, dass ich den Entschluss mittragen werde. Im Gegensatz zu vielen Krakeelern in den Foren habe ich mir auf die Fahnen geschrieben, die Verantwortlichen „machen zu lassen“ und nicht zusätzlich für Unruhe sorgen zu wollen, auch wenn mein Blog jetzt nicht die ganz große Reichweite besitzt.

Dennoch bin ich der Auffassung, dass es dem VfB nicht gut tut, wenn jeder Depp meint, es besser zu wissen. Da meinen unzählige sog. Fans mit Kommentaren ohne Punkt und Komma und gespickt mit einer Fülle von Rechtschreibfehlern, einem diplomierten Fußballlehrer die Fußball-Welt erklären zu müssen, für mich Satire in Reinkultur!

Ob sich „Hitzlintat“ von dieser vergifteten Atmosphäre beeindrucken und ein stückweit beeinflussen ließen, ist nicht bekannt.

Es ist ja auch nicht von der Hand zu weisen, dass gute Gründe dafür sprachen, an Tim Walter und seinem Fußballsachverstand zu zweifeln. Sein „Walterball“ funktionierte schon seit dem zweiten Saisonspiel nicht mehr, für defensive Stabilität vermochte er 18 Spiele lang nicht zu sorgen und der Umgang mit einigen Spielern, die er rein warf und wieder fallen ließ, zeugten von wenig psychologischem Geschick, zudem war der Torwartwechsel unnötig und machte in ohnehin schon unruhigen Zeiten ein Fass auf.

Zu all dem kam großes Verletzungspech gleich zu Beginn mit zwei Kreuzbandrissen, sowie der längerfristige Ausfall von Daniel Didavi, der zwar nicht ganz so überraschend kam, uns aber dennoch richtig weh tat, fehlendes Spielglück mit etlichen Aluminiumtreffern und schließlich Pech bei der Auslegung des VAR, der willkürlich nicht eingriff (Aue) oder bei Milimeterentscheidungen zur Stelle war.

Dazu kam Tim Walters Art, zu der er schon zu Beginn kund tat, „Wer mich holt, weiß, was er bekommt“. „Hitzlintat“ verteidigten ihn lange und betonten, dass sie einen Trainer wollten, der selbstbewusst ist und dieses Selbstbewusstsein auf das Team überträgt.

Dass zwischen Selbstbewusstsein und Arroganz ein schmaler Grat herrscht ist bekannt, so dass ihm seine markigen Sprüche schnell um die Ohren flogen. Bezeichnend, dass er vor dem Spiel gegen Schlusslicht Wehen-Wiesbaden meinte, „uns stellt keiner ein Bein“, worauf just die erste Saisonniederlage folgte. Spötter und Kritiker schlugen ihm dies förmlich um die Ohren und wurden vermehrt persönlich, wenn sie Walter als Grinsebacke und scheiß Badenser verhöhnten.

Mit den Nebengeräuschen müssen die Verantwortlichen im heutigen Socialmedia-Zeitalter zwar leben, auch wenn mich das zunehmend bedenklich stimmt.

Auffällig nach den letzten Spielen in Darmstadt und Hannover war, dass die Alten wie Castro, Badstuber und Gomez offene Kritik an Walter übten und ihm die Jüngeren wie Kempf, Sosa und Stenzel zur Seite sprangen.

Gerade den Alten aber würde ich an „Hitzlintats“ Stelle nicht allzu viel Bedeutung beimessen, wären doch wohl alle nicht mehr da, hätten ihre Verträge im Sommer keine Gültigkeit mehr besessen und dürfen doch gerade sie sich angesprochen fühlen, wenn von Altlasten die Rede ist.

Dass ihnen das laufintensive Spiel unter Walter nicht behagt hat und sie sich auf ihre alten Tage eine gemächlichere Gangart gewünscht hätten, läge in der Natur der Sache.

So stehen wir nun also vor dem nächsten Neuanfang. Hitzlspergers Schonzeit ist spätestens seit gestern vorbei. Ab jetzt reicht es nicht mehr, einfach nur sympathisch zu sein, nun muss auch er liefern. Mit dem gestrigen Tag liest sich auch seine Bilanz nach nicht einmal einem Jahr verheerend.

Auch wenn es Wolfgang Dietrich war, der Anfang Februar lieber Reschke als Weinzierl entließ und Hitzlsperger auf den Weg gab, an Weinzierl so lang wie nur möglich festzuhalten, lag es in Hitzlspergers Verantwortung einzuordnen, ob mit Weinzierl der Klassenerhalt geschafft werden kann.

Nach all dem, was man so hörte, wäre dessen Entlassung schon in der Winterpause überfällig gewesen, spätestens aber nach dem desolaten 0:3 in Düsseldorf. Dann aber wurde Hitzlsperger zum Sportvorstand ernannt und wollte es vermeiden, sich sofort den Ruf des Trainer-Killers zu erwerben, ein Zaudern, das uns schließlich die Klasse kostete.

Nach der Runderneuerung des Kaders im Sommer mit einem unverbrauchten, spannenden Trainer, muss der nächste Schuss jetzt sitzen.

Dass Hitzlsperger zunehmend angeschlagen ist, offenbaren nicht nur die Fotos, auf denen vom Sonnyboy früherer Tage nicht mehr viel übrig geblieben ist, sondern auch die Kleinkriege, mit denen er sich auf Twitter verzettelt.

Grundsätzlich finde ich es ja gut, wenn sich der CEO mit der Fanschar abgibt und dem einen oder anderen Gerücht schnell den Wind aus den Segeln nimmt. Wenn aber Meldungen dementiert werden, die sich ein, zwei Tage später als wahr herausstellen, trägt das nicht unbedingt zur weiteren Vertrauensbildung bei.

Wenn wir schon bei Pressemeldungen sind, ein kurzes Wort zum Kommentar der BLÖD-Zeitung, der mir über Whatsapp zugespielt wurde.

Sonst würde ich von dem Verlag wenig bis nichts mitbekommen, da ich in den sozialen Medien Sämtliches davon blockiert habe. Die BLÖD kritisiert zum einen den Zeitpunkt der Entlassung und zum anderen, dass die Wochen davor kein Treueschwur von Hitz & Co. in Richtung Tim Walter kam.

Den Zeitpunkt, so kurz vor Weihnachten, hat man wohl der DFL zuzuschreiben, die drei Tage vor Weihnachten noch kicken lässt. Hätte man mit der Entscheidung oder deren Verkündung bis kurz vor Trainingsbeginn gewartet, wäre dies als Fahrlässigkeit und Verlust wertvoller Zeit ausgelegt worden, außerdem fällt ein Profifußball-Trainer vergleichsweise weich!

Zum Thema Treueschwüre fällt einem doch genau das vor die Füße und wird einem als Lüge (oder im Reschke-Sprech Wahrheitsbeugung) ausgelegt, wenn man sich zum Trainer bekennt und ihm Tage oder Wochen danach den Arschtritt gibt.

Weshalb ich Tim Walter unbedingt gerne weiter als VfB-Trainer gesehen hätte, liegt hauptsächlich im Wunsch nach Kontinuität begründet. Dies auch nicht ausschließlich der Kontinuität wegen, sondern, weil sich beim VfB nach einem Trainerwechsel mitten in der Saison selten etwas nachhaltig verbessert hat. Die Chance, aus der Vergangenheit zu lernen und besser mal den einen oder anderen Spieler als den Trainer auszutauschen, wurde leichtfertig vergeben. Als Folge davon dreht sich das Hamsterrad wieder und die Frage ist lediglich, wer wann als Nächstes aus diesem herausgeschleudert wird.

Ich hoffe, dass uns in den nächsten Tagen noch schlüssige Argumente, die für die Entlassung Walters sprachen, dargelegt werden. Die Statements gestern waren doch recht dünn und rechtfertigen für mich diesen Schritt noch nicht. War Walter wirklich so stur und beratungsresistent, sich nicht helfen lassen zu wollen, oder lagen Hitzlintat bei dessen Auswahl schon so daneben, dass das Verhältnis nicht mehr zu kitten war?

Nun bin ich gespannt, wen wir im Januar im Trainingslager in Marbella auf dem Trainingsplatz erleben werden. Ich hoffe nicht, dass man Nico Willig ein zweites Mal der U19 entzieht.

Er hat kürzlich erst bis 2024 als Jugendtrainer verlängert und ich hoffe, dass das auch als Zeichen verstanden werden soll, dass er Jugend- und nicht Profitrainer ist und das auch bleiben möchte. Ich halte viel von ihm, sehe ihn aber besser im Unterbau aufgehoben, weil dieses Aufgabenfeld nicht minder wichtig und auch hier Kontinuität gefragt ist.

Dass an den Konzepttrainern Markus Anfang und Sandro Schwarz etwas dran sein könnte, hat Hitzlsperger auf Twitter bereits ins Reich der Fabel verwiesen, so dass man gespannt sein darf, welchen Trainertyp „Hitzlintat“ präsentieren werden.

Wir hatten sie doch schon alle in den letzten zehn Jahren: den autoritären Gross, das Greenhorn Keller, den akribischen Bruno, Kumpel Thomas Schneider, Retter Huub, den smarten Armin, den von sich überzeugten Zorniger, den farblosen Kramny, den „Aufstiegsgaranten“ Luhukay, Laptop-Trainer Wolf, den in Sichtweite zum Stadion wohnenden Korkut, den schwierigen Weinzierl bis hin zu Tim Walter, der durchaus einige dieser Eigenschaften in sich vereinte.

Keiner machte es der Meute recht, immer gab es etwas auszusetzen, stets entwickelten die Spieler ein Gefühl, wann sie sich eines nicht genehmen Übungsleiters entledigen konnten.

Letzten Endes sind es die Spieler, die über Wohl und Wehe eines Trainers entscheiden. Tun sie einfach ihren Job, ordnen dem Beruf alles unter, bringen sich bestmöglich ins Gefüge ein, stellen ihr eigenes Ego hintenan und hinterfragen sich Woche für Woche aufs Neue, hätten wir wohl weitaus weniger Probleme.

Nachdem Hitzlintat einmal mehr der Unzufriedenheit von Teilen der Mannschaft nachgaben, anstatt dem Trainer den Rücken zu stärken und Quertreiber auszusortieren, ist das System, für das der Neue stehen soll, zunächst einmal irrelevant. Nun ist ein Trainer gefragt, der den Kader moderieren und die Spieler auf ihren stärksten Positionen einsetzen kann. Das kann durchaus einer der alten Schule sein, womit man den erst im Sommer eingeschlagenen Weg jedoch abrupt verlassen würde.

Der Traum einer Eintrainer-Saison ist ausgeträumt, jetzt ist es mir fast egal, wen sie präsentieren. Fakt ist lediglich, dass Walter offenbar entlassen wurde, weil man den direkten Wiederaufstieg in Gefahr sah, was im Umkehrschluss bedeutet, gelingt dieser auch mit dem neuen Trainer nicht, dass Hitzlsperger, oder zumindest Mislintat, krachend gescheitert wären, was ich bedauern würde, denn, auch ihm hätte ich gerne mehr Zeit eingeräumt, als zum schnellen Erfolg verdammt zu sein.

Beim Betrachten der Liste der arbeitslosen Fußball-Trainer wird es mir eher schlecht, als dass mir DER Mann ins Auge springen würde. Dardai, Herthaner durch und durch wurde wegen seiner Nähe zu Rainer Widmayer auf Twitter ins Gespräch gebracht. Ihn im roten Trainingskittel zu sehen, würde in mir wohl ähnliche Gefühle auslösen wie seinerzeit Winfried Schäfer.

Am ehesten könnte ich von der Liste wohl noch mit Bruno Labbadia leben, der relativ lang beim VfB gearbeitet hat, nur eben etwa ein Jahr zu spät entlassen wurde.

Labbadia war damals zur Weihnachtsfeier beim RWS Berkheim zu Gast und bestach durch seine ehrliche, authentische Art. Außerdem war er es, der es einführte, dass zu Fanfesten bei Trainingslagern die komplette Mannschaft inklusive Trainerstab zu erscheinen hat, vorher „musste“ nur eine Abordnung hin, meist Neuzugänge, angeführt von Spaßvogel Magnin.

Die Spieler dürften zwar beim Namen Labbadia zusammenzucken, hat er doch den Ruf des Casanova, der von Spielerfrauen nicht lassen kann, doch, Shit happens, das haben die Jungs dann eben davon.

Apropos Magnin, dessen Verpflichtung hätte für mich einen gewissen Charme, allerdings steht er aktuell noch beim FC Zürich unter Vertrag. Wie einst als Spieler wandelt er auch als Trainer zwischen Genie und Wahnsinn und würde im Gegensatz zum Mario, das Angebot des Besuchs des Kölner Kellers bestimmt dankend annehmen, um die Pfeifen dort anständig zu vermöbeln.

Stallgeruch ist beim VfB zunächst einmal ja negativ belegt. Wenn man aber sieht, wer hier schon alles an der Erwartungshaltung und dem Umfeld gescheitert ist, ist es bestimmt nicht das Schlechteste, wenn man jemanden bekäme, der weiß, auf was er sich einlässt und nicht jegliche Kritik an ihm überbewertet. Im Schwäbischen wird halt gebruddelt, der Schwabe weiß nun mal alles besser, was für Nichtschwaben oft nur schwer einsehbar ist.

Wie auch immer „Hitzlintat“ entscheiden, es geht um ihre eigene Glaubwürdigkeit. Ist das Anforderungsprofil an einen Trainer dasselbe geblieben wie vor Walter, helfen nur Ergebnisse. Die Erwartungshaltung von außen wird nicht geringer, die Ungeduld ist ein ständiger Begleiter. Diese Lehre habe auch ich gezogen. Zehn Jahre Abwärtstrend sollten am besten nach einer einzigen Sommervorbereitung aus den Ärmeln geschüttelt sein.

Neuer Sportvorstand, neuer Trainer, neues Team, egal, es gibt keine Zeit zur Eingewöhnung und erst recht nicht zur Feinjustierung, wenn man einer Fehleinschätzung unterlegen ist.

Es muss funktionieren, sofort! Dabei spielt es überhaupt keine Rolle, ob man sich auf Platz 3 und in Schlagdistanz zu den Aufstiegsplätzen befindet.

Der teuerste Kader der Liga muss gefälligst liefern, allen Widrigkeiten und Gegnern, die etwas dagegen haben, zum Trotz. Herrgottsack, der nächste Bitte!

VN:F [1.9.7_1111]
Rating: 9.6/10 (20 votes cast)
VN:F [1.9.7_1111]
Rating: +6 (from 6 votes)
15. November 2019

Ruhe, Vertrauen, Geduld!

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , , , – Franky @ 12:05

Der eine oder andere wird sich möglicherweise schon gefragt haben, weshalb es so still um mich und meinen Blog geworden ist.

Dafür gibt es mehrere Erklärungen. Zum einen kosten Allesfahren und gelegentliches Hoppen (am Rande von Osnabrück bspw. noch Viktoria Köln und SC Herford) viel Zeit, so dass ich oft noch unterwegs bin, wenn die ersten Blogs mit Spielanalysen bereits online sind. Sonntag- und Montagspiele tun ihr übriges!

Dennoch habe ich es auch sonst stets geschafft, mich auf dieser Plattform auszukotzen, wenn mir danach zumute war und wenn sich Dinge aufstauten, die raus mussten, um sich kein Magengeschwür einzufangen. Zu Zeiten von Reschke und Dietrich wäre ich auch nachts aufgestanden, so aufgebracht war ich über deren Wirken.

Momentan aber bin ich die Ruhe selbst und daran ändern auch die Negativergebnisse der letzten Wochen nichts. Ich nehme mich bewusst zurück, weil es mir zu billig ist, auf Dinge einzuschlagen, die ohnehin jeder sieht. Kein VfB-Fan kann mit der Entwicklung und den Ergebnissen zuletzt zufrieden sein, ich bin es ja auch nicht.

Jedoch habe ich nach wie vor großes Vertrauen in Thomas Hitzlsperger und Sven Mislintat, und sehe die vergiftete Stimmung, die sich bereits wieder breit macht, als sehr gefährlich für unsere weitere Entwicklung an.

Die „Neuen Medien“, Facebook, Twitter & Co entfalten durch emotionale Wutausbrüche und Besserwisserei eine Wucht, der sich keiner, auch nicht die Protagonisten, die es für uns richten sollen, entziehen kann. Ich bin mir zwar dessen bewusst, dass sich die Zeit nicht zurückdrehen lässt und ein Verein wie der VfB mit Social Media leben muss, dennoch könnte sich so mancher hinterfragen, ob man wirklich jede Diskussion anzetteln oder sich an ihr beteiligen muss.

Ich vergleiche die Socialmedia-Welt und die darin enthaltenen Schimpftiraden gerne mit früher, als es in jeder Kneipe den einen Gast gab, der Wirt oder andere Gäste volllabern musste, um Aufmerksamkeit zu erlangen. Man hörte weg, sagte “ja, ja” und irgendwann hatte man ihn auch schon wieder los. Das störte niemanden groß und war vor allem das Los, wenn man alleine die Kneipe betrat und eigentlich nur in Ruhe sein Feierabendbierchen trinken wollte. Heutzutage setzen diese Leute ihren geistigen Dünnschiss ins Netz und die Leute stürzen sich darauf. Auch dies eine Wendung nicht unbedingt zum Besseren im Vergleich zu früher!

Ich habe große Befürchtungen, dass ein sympathischer Mensch wie Sven Mislintat, ausgewiesener Scouting-Fachmann, eines Tages hinschmeißen könnte, wenn man seine Transfers und Ideen ins Lächerliche zieht und bereits anfängt, ihm aus einer Emotion heraus getätigte Aussagen im Mund herumzudrehen. Mislintat steht erstmals in der ersten Reihe und wird dazu lernen, was er wann sagen sollte, benötigt jedoch Vertrauen in seine Arbeit.

Thomas Hitzlsperger, binnen eines dreiviertes Jahres vom Chef des Nachwuchsleistungszentrums zum Vorstandsvorsitzenden aufgestiegen, ist ein Teamplayer und schart Fachleuchte um sich, um den VfB in richtige Bahnen zu lenken. Er ist bei den Fans beliebt, empathisch und sich nicht dafür zu schade, mit Fans über Twitter in Kontakt zu treten und so manchem Gerücht umgehend den Wind aus den Segeln zu nehmen.

Nach Wolfgang Dietrich tut Hitzlsperger dem VfB so unheimlich gut! Als Nachfolger Dietrichs bewerben sich zwei Kandidaten, die wählbar erscheinen und sich auf die Fahnen geschrieben haben, Fans und Mitglieder einen zu wollen, was nach der Ära Dietrich dringend notwendig ist.

Ob Claus Vogt oder Christian Riethmüller, beide scheinen VfBler mit Leib und Seele zu sein und ein neues Wir-Gefühl schaffen zu wollen.

Seit Bernd Wahler halte ich meinen Überschwang zwar zunächst im Zaum, wenn ein Fan VfB-Präsident werden möchten, aber, der neue Präsident wird ja nur für rund neun Monate gewählt, so dass dies einer Probezeit gleicht und man später entscheiden kann, ob man diesen Präsidenten für vier weitere Jahre im Amt haben möchte. In den nächsten Wochen werde ich mir auf der einen oder anderen Veranstaltung selbst ein Bild machen, wem von den beiden Kandidaten ich am 15.12. meine Stimme geben werde.

Vertraut man Thomas Hitzlsperger, so sollte man meiner Meinung nach auch den Personen vertrauen, die Hitzlsperger um sich schart, um den VfB nach vorne zu bringen. Und das genau so lang, bis Hitzlsperger die Zeit gekommen sieht, an der einen oder anderen Stellschraube zu drehen und Personen auszutauschen.

So kann ich mit der aufkeimenden Kritik, die in sozialen Netzwerken schnell in Hass umschlägt, an unserem Trainer Tim Walter nichts anfangen.

Ihm wird vorgeworfen, dass er Badener ist, ihm wird vorgeworfen, dass „seine Vereine“ der KSC und die Münchner Bayern sind und ihm wird vorgeworfen, dass er noch nichts erreicht habe.

Diese Vorwürfe las man schon rund um seine Verpflichtung und es sind Tatsachen, die er nicht ändern kann. Zudem wird ihm Großmäuligkeit unterstellt, weil er ein selbstbewusstes Auftreten an den Tag legt.
Dabei betonen Hitzlsperger und Mislintat doch gerade, dass sie genau einen solch selbstbewussten Trainer haben wollten, der sein Selbstbewusstsein auf die Mannschaft überträgt. Mir ist ein solcher Trainertyp lieber als ein kleinlauter Trainer, der nur von sich gibt, was Medien und der nächste Gegner gerne hören möchten. Dass ihm solche Aussagen bei Misserfolg um die Ohren fliegen, muss er aushalten und hält er ja auch aus.

Zum gesunden Selbstbewusstsein eines Trainers gehört, dass er von sich und seiner Philosophie überzeugt ist und diese versucht seiner Mannschaft einzuimpfen. Guardiolas Ballbesitzfußball wurde zu besten Barca- und Bayern-Zeiten allenfalls von seinen Gegnern kritisiert, die ständig am Hinterherrennen waren. Per se also bestimmt nicht der schlechteste Ansatz und erfolgversprechend, wenn man die richtigen Spieler dafür hat.

Daran krankt es meiner Meinung derzeit noch, dass Walter für seinen Fußball die richtigen Spieler (noch) nicht hat.

Die Langzeitverletzten Kaminski und Kalajdzic, die feste Größen hätten sein sollen, fehlen ebenso wie Borna Sosa und Daniel Didavi, seit deren Ausfällen gegen Wehen-Wiesbaden zunehmend der Wurm drin ist. Philipp Klement, Top-Scorer der letzten Zweitligasaison ist noch nicht richtig angekommen und enttäuschte bislang auf ganzer Linie. Zu den überspielt wirkenden Kempf und Stenzel gibt der Kader keine Alternativen her und Altstar Mario Gomez ist nur noch eine einzige Enttäuschung.

So haben (zu) viele ihr eigenes Päckchen zu tragen, anstatt die vielen Youngster zu führen und ihnen Halt zu gewähren. An diesem Druck scheinen einige derzeit förmlich zu zerbrechen, so dass mir kein einziger einfällt, dessen Formkurve aktuell nach oben zeigt und der konstant gute Leistungen zeigt.

An dieser Stelle nochmals ein herzlicher Dank an Herrn Reschke, der die Amateure systematisch herunterwirtschaftete, womit dem einen oder anderen jungen Spieler die Möglichkeit genommen wird, sich über die Zweite Selbstvertrauen zu holen und für den Männerfußball zu stählen. Dafür ist die Oberliga, wenn überhaupt, nur bedingt geeignet.

Walter wird unter anderem vorgeworfen, er setze Spieler auf falschen Positionen ein. Dabei sehe ich dies als positive Eigenschaft eines Trainers an, der für jeden guten Spieler (momentan wohl eher auf die Trainingsleistungen bezogen) eine Position findet, auch wenn die angestammte anderweitig besetzt ist.

Es läuft gerade eben hinten und vorne nicht, so dass von seinen Kritikern scheinbar jeder Pups, den Walter lässt, kritisiert wird. Es erweckt den Anschein, dass viele aus den genannten Gründen von Anfang an nur auf ein Scheitern Walters hofften, anstatt einfach Hitzlsperger und Mislintat zu vertrauen, dass sie handeln werden, wenn SIE die Zeit als gekommen ansehen.

Man kann natürlich herumkrakeelen und alles am System Tim Walter fest machen, was meiner Ansicht nach jedoch den eigentlichen Problemen nicht gerecht wird. Bedenklich wäre es, wenn wir keine Torchancen hätten, dem ist aber doch nicht so. Es mangelt hauptsächlich an der Chancenverwertung. Um diese zu verbessern benötigen die Jungs Selbstvertrauen, aber auch Vertrauen von außen. Was nutzt es, wenn es im eigenen Stadion bereits nach zwanzig Minuten Pfiffe hagelt, weil einer das Tor nicht trifft oder weil man Torhüter Kobel ins Aufbauspiel mit einbindet.

Im Laufe dieser Woche habe ich mir die erste Halbzeit in Osnabrück noch einmal angesehen und wüsste nicht, wo ich Tim Walter konkret einen Vorwurf machen müsste. Das ärgerlichste an dem Spiel war die Passivität vor dem Gegentor und dass jegliche eigene Angriffe durch stümperhafte Ballverluste beendet waren, bevor es überhaupt gefährlich werden konnte.

Die Misere derzeit mache ich außer am Verletzungspech hauptsächlich an der Einstellung manchen Spielers fest, der noch immer nicht verinnerlicht hat, dass man auch als VfB Stuttgart nicht so einfach durch die 2. Liga marschiert und alles in Grund und Boden spielt. Fast jedes Spiel hat Pokal-Charakter, in dem der Underdog dem großen Favoriten ein Bein stellen möchte, also bitteschön, sollte auch von der ersten Minute an erkennbar sein, dass der Favorit den Widrigkeiten trotzen und über den Kampf ins Spiel finden möchte. Beim einen oder anderen darf hier gerne die Mentalitätsfrage gestellt werden.

Der Transfersommer gestaltete sich für den VfB schwierig, einige Abgänge (und damit freie Planstellen) standen erst kurz vor Ende der Transferfrist fest, so dass Mislintat schon vor der Saison verlauten ließ, ein solch immenser Umbruch ließe sich nicht binnen einer einzigen Transferperiode komplett abschließen. Im Vorgriff auf mögliche Probleme wurde mit Augenmaß agiert und eine konkurrenzfähige Zweitligamannschaft an den Start gebracht, die im Falle des Nichtaufstiegs nicht komplett auseinanderfallen würde. Der VfB dürfte also auch ein zweites Zweitligajahr finanziell überstehen, weshalb ich die Panik allerorten auf Platz drei stehend völlig überzogen finde.

Der HSV macht es doch, zumindest phasenweise, vor, wie man gestärkt und gefestigt in ein zweites Zweitligajahr gehen kann. Käme es auch beim VfB so, wäre bei mir jedoch keine Weltuntergangstimmung angesagt.

Was hätte man denn davon, den Aufstieg mit der Brechstange zu erreichen, um in der Bundesliga dieselbe Rolle zu spielen wie die Jahre davor? Natürlich könnte man jetzt den Trainer rausschmeißen und im Winter den einen oder anderen Altstar holen, der die Wahrscheinlichkeit auf den Aufstieg erhöht, nachhaltig wäre dies jedoch nicht. Dann sehe ich doch lieber eine Entwicklung mit jungen Spielern und gebe diesen Zeit und Geduld, bevor es immer so weiter geht wie die letzten Jahre und auch die „Mechanismen“ so schnell greifen wie zuletzt.

Der VfB legte seit 2009 einen rasanten, fast ungebremsten, Niedergang hin, wechselte zig Mal Sportdirektoren und Trainer, besorgte diesen wiederum „ihre“ Spieler und hatte Abfindungszahlungen am Laufen, mit denen mancher Zweitligist eine ganze Saison überstehen würde. Zehn Jahre Instabilität, zehn Jahre Unruhe!

Jetzt, nach dem Abstieg, wurden die Zeichen der Zeit erkannt und es wurde ein radikaler Umbruch eingeleitet, zu dem offensichtlich vielen die Geduld fehlt. Komischerweise ist es eher noch meine Generation, die auf der „Ruhe bewahren“ Schiene ist, während „die Jungen“, die mit dem VfB, abgesehen von der Meisterschaft 2007, nichts als Chaos erlebt haben, sich offensichtlich diese Zeiten zurücksehnen. Habe im Lauf der Woche gar schon Stimmen gelesen, die es als Fehler betrachten, Gentner, Aogo & Co. vom Hof gejagt zu haben, da fällt mir wirklich nichts mehr ein.

Der VfB hat den größten Umbruch seit dem Abstieg 1975 hinter sich. Auch damals wurde die halbe Mannschaft ausgetauscht, auch damals gestaltete sich die erste Zweitligasaison holprig, um nicht zu sagen katastrophal (wer erinnert sich nicht an das 2:3 gegen den SSV Reutlingen im Neckarstadion vor 2.500 Zuschauern?). Junge Spieler wie Hansi Müller, Karlheinz Förster, Dieter Hoeneß oder auch Ottmar Hitzfeld reiften und waren im Jahr drauf Garanten für den Aufstieg und des legendären 100-Tore-Sturms. Gut, zugegeben, nach der ersten Saison musste noch einmal der Trainer gewechselt werden und Jürgen Sundermann kam, aber, es war immerhin NACH der Saison.

Jetzt, auf dem dritten Platz stehend, herrscht gefühlt eine Stimmung, als stünde der bittere Gang in die 3. Liga unmittelbar bevor. Junge Spieler, wie Nicolás González, werden niedergemacht und ihnen die Eignung abgesprochen, anstatt dass man sie unterstützen würde. Ohne jetzt schon zu wissen, wohin die Reise mit Nicolás González geht und ob und wann bei ihm der Knoten platzt, erinnert der Umgang mit ihm schon sehr an den mit Timo Werner, dem inzwischen besten deutschen Stürmer. Da bin ich ganz bei Tim Walter, der sagt, dass es bereits eine Qualität ist, überhaupt zu dieser Vielzahl an Chancen zu kommen.

Viele zählen Tim Walter bereits an und dabei geht es längst nicht mehr nur ums Sportliche. Er wird in sozialen Netzwerken persönlich angegriffen, was mieser Stil ist. Denjenigen rate ich, geht zum Training „runter“, versucht mit Tim Walter ins Gespräch zu kommen und sachlich mit ihm zu diskutieren. Ich habe beim VfB lange keinen so umgänglichen Trainertypen mehr erlebt, der bei persönlichen Begegnungen alles andere als arrogant daherkommt. Er vermittelt beim VfB jedem Mitarbeiter das Gefühl, nicht minder wichtig als er selbst zu sein, begegnet Fans mit Respekt und ist keineswegs abgehoben. Ähnlich habe ich im Übrigen auch Sven Mislintat erlebt.

Auch diese Menschen sind es, die kein „Ihr da oben“ vorleben, sondern für ein neues Wir-Gefühl stehen. Sie sind nicht „nur“ nach außen umgänglich, sondern auch zum Team. In den letzten Jahren herrschte lange kein so guter Teamgeist mehr, als zurzeit.

Ich sehe bei weitem mehr Positives, was auf den Weg gebracht wurde, als Schlechtes, das eine radikale Abkehr vom eingeschlagenen Weg rechtfertigen würde. Mislintat und Hitzlsperger haben die Scherben zusammenzukehren, die ihre Vorgänger hinterlassen haben und sind damit noch lange nicht fertig. Der VfB benötigt jetzt Kontinuität, Nachhaltigkeit und Beharrlichkeit und vor allem Vertrauen in die handelnden Personen.

Ich hoffe, sie behalten kühlen Kopf und lassen sich von der vergifteten Atmosphäre nicht beirren. Ich sehe eine große Chance auf eine wirkliche und nachhaltige Verbesserung. Dazu bedarf es aber in allererster Linie Geduld und Ruhe im Umfeld.

Ein erster Schritt wäre ein Sieg nächsten Sonntag im Derby. Auf der anderen Seite möchte ich mir nicht ausmalen, was los wäre, sollte auch dieses Spiel in den Sand gesetzt werden.

Die Truppe, der am Samstag in Osnabrück durch harsche Worte aus dem Gästeblock die Sinne für die Wichtigkeit der bevorstehenden Aufgabe noch einmal geschärft wurden, wird hoffentlich gestärkt aus der Länderspielpause kommen und hat es in den Füßen, für etwas mehr Ruhe zu sorgen. Hoffen wir, dass sie der Aufgabe und dem Druck gewachsen sein wird!

Ich werde mich hier im Blog auch weiterhin zurücknehmen und es unterlassen, Walter, Mislintat oder Hitzlsperger „Ratschläge“ zu erteilen. Wen meine kurzen Einschätzungen zu den Spielen, mit denen ich meine online gestellten Bilder kommentiere, interessieren, darf mir gerne auf https://www.facebook.com/frankysstadionpics/ folgen und ggf. mitdiskutieren.

VN:F [1.9.7_1111]
Rating: 9.7/10 (24 votes cast)
VN:F [1.9.7_1111]
Rating: +5 (from 5 votes)
28. August 2019

Alles auf Anfang – ein Plädoyer für unser Triumvirat

Die letzten Jahre haben mich müde gemacht. Seit der Aufsichtsrat Wolfgang Dietrich als alleinigen Präsidentschaftskandidaten, trotz aller Bedenken und gegen den Willen vieler Mitglieder durchgedrückt hat, seit dieser mittels einer Schmierenkampagne im Trump-Style die Ausgliederung durchdrückte, dieser dann unter noch immer nebulös erscheinenden Umständen Jan Schindelmeiser entließ und den von den Bayern weggelobten Michael Reschke präsentierte, dieser wiederum den von Schindelmeiser/ Wolf eingeschlagenen Weg der kleinen Schritte torpedierte, Alt-Star um Alt-Star holte und mit einer Allmacht ausgestattet die Ausgliederungsmillionen verprasste, war es nicht mehr mein VfB.

Die Emotionen gingen flöten, dem Abstieg gewann ich gar noch das Positive ab, „dass jetzt was passieren muss“. Der VfB war nicht nur sportlich in der 2. Liga angekommen, sondern präsentierte sich gespalten wie nie und gab wegen der sich selbst legitimierten Wahrheitsbeugungen nach außen ein Bild des Schreckens ab.

Es gab in Fußball-Deutschland wohl kaum jemanden, VfB-Sympathisanten ausgenommen, der unserem Verein den Abstieg nicht gegönnt hätte.

Wolfgang Dietrichs letzte Patrone, die Entlassung Reschkes und Ernennung des beliebten Thomas Hitzlsperger zum Sportvorstand und damit zum neuen starken Mann konnte den Abstieg nicht mehr verhindern. Der Rest ist Geschichte! Wolfgang Dietrich musste nach der denkwürdigen Mitgliederversammlung seinen Hut nehmen, womit der Weg für einen Neuanfang frei ist.

In diesem befinden wir uns seit gerade einmal zwei Monaten. Thomas Hitzlsperger holte sich Sven Mislintat, das Diamantenauge, an seine Seite, beide wiederum verpflichteten Tim Walter als neuen Chef-Coach.

Nach Jahren des lustlosen Ballgeschiebes wurde ein junger, motivierter Trainer engagiert, der für schnelles Umschaltspiel und Ballbesitzfußball steht. Um alte Zöpfe endgültig abzuschneiden, wurden auslaufende Verträge nicht verlängert und Spieler, die nicht hundertprozentig hinter der neuen Marschroute stehen, abgegeben. Die Mannschaft wurde also runderneuert.

Es blieb ein erfahrenes Gerüst um Mario Gomez, Holger Badstuber, Gonzalo Castro und Daniel Didavi. Um diese Stützen herum wurden einige zweitligaerprobte Spieler geholt, die sich beim VfB den nächsten Schritt erhoffen, sowie Rohdiamanten, die es zu schleifen gilt. In erster Linie wurde der Kader so zusammengestellt, in der 2. Liga eine gute Rolle spielen zu können und nicht, um als verkappter Erstligist eine Ehrenrunde zu drehen.

Der VfB wurde komplett auf links gedreht, man sieht bereits nach zwei Monaten Dinge, die wir über Jahre vermissten. Durch die lockere und zugängliche Atmosphäre, die das neue Triumvirat vorlebt, hat man den Eindruck, JEDER komme gerne zum Training und sei gern Teil dieser Gruppe. Man erlebt einen Teamgeist, von dem wir vor ein paar Monaten noch nicht einmal zu träumen wagten.

Dieser, gepaart mit der Mentalität, die diese Jungs mitbringen, bescherte uns bspw. schon den Lastminute-Sieg gegen den FC St. Pauli und dürfte noch öfter ein Trumpf im Aufstiegskampf werden.

Spielerisch ist schon sehr viel von dem zu sehen, was Tim Walter einfordert. Selbstredend, an der Effektivität und in der einen oder anderen Situation Mut zum Risikopass lässt sich noch feilen, doch, für das was Walter den Jungs abverlangt, sind sie nach zwei Monaten für meine Begriffe schon sehr weit.

Die Bilanz mit dem Weiterkommen im Pokal und zwei Siegen und zwei Unentschieden in der Liga liest sich ordentlich. Daheim gewinnen, auswärts remis, damit steigt man in der Regel auf, wenn man diese Ausbeute bis zum 34. Spieltag hält. Über das WIE lässt sich diskutieren. Gegen Hannover und Heidenheim, jedenfalls bis zum 0:2, hinterließ man einen hervorragenden Eindruck. In Rostock zählte allein das Weiterkommen und kein Schönheitspreis, gegen St. Pauli verdiente man sich den Lastminute-Sieg durch unermüdlichen Einsatz und im Erzgebirge werden noch mehr Teams Punkte liegen lassen.

Die von vielen Seiten aufkommende harsche Kritik am Auftritt in Aue empfinde ich als unfair. Man darf einfach nicht erwarten, dass das Team nach gerade einmal zwei Monaten schon alles in Grund in Boden spielt.

Ich habe es mir eigentlich abgewöhnt, nach Spielen über schwache Schiedsrichterleistungen zu lamentieren. Die Entscheidungen sind so gefallen, Punkt, aus, fertig!

In diesem Fall aber habe ich auch Tage danach noch einen extrem dicken Hals. Dass der einst in den Schiedsrichterskandal verwickelte Referee Zwayer das Foul übersieht, kann passieren.

Dass aber der VAR im Kölner Keller sich nicht einschaltet und Zwayer darauf hinweist, dass er zwingend auf Elfmeter für den VfB zu entscheiden hätte, kann ich in keinster Weise nachvollziehen.

So jedenfalls macht der Videobeweis den Fußball nicht gerechter, wenn wir es nach wie vor mit reiner Willkür zu tun haben und die hochbezahlten Herren nach Lust und Laune entscheiden. Gerade für Walters Spielstil wäre eine Führung im Rücken nämlich Balsam gewesen, hätte Aue doch aufmachen und kommen müssen.

So wird nach dem Spiel der VfB kritisiert, dafür, dass der tödliche Pass in die Schnittstelle nicht kam und man sich am eigenen Ballgeschiebe allzu sehr ergötzt hätte. Dabei kommt es auf die Betrachtungsweise an. Man könnte doch auch die neue Ballsicherheit lobend erwähnen. Dass Risikopässe derzeit Mangelware sind, liegt für mich in den ersten beiden Spielen begründet, als wir nach Ballverlusten recht blank standen und der Gegner zu hochkarätigen Konterchancen kam. Da spielt noch die Angst mit, das Vertrauen holt man sich am besten durch Siege, umso ärgerlicher, dass wir einmal mehr von der Schiedsrichterzunft betrogen wurden.

Einfallslosigkeit im Offensivspiel wirft man Walter also vor, das Festhalten an einzelnen Spielern ebenso und falsche Aufstellungen erst recht.

Ich schrieb schon an anderer Stelle, dass es sich bis Anfang September durchzumogeln und nicht zu viel an Boden zu verlieren gelte. Solang der Transfermarkt geöffnet hat und in alle Richtungen alles passieren kann, könnten sich die einen als Notnagel vorkommen und andere nicht richtig bei der Sache sein, weil sie noch mit einem Wechsel kokettieren. Erst danach herrscht Klarheit, erst danach wird sich eine Stammelf herauskristallisieren, mit der man das Unternehmen Wiederaufstieg angehen kann.

Zudem bricht uns bislang nach jedem Spiel jemand durch Verletzung oder Sperre weg, so dass sämtliche Automatismen kaum jetzt schon greifen können. Daher verstehe ich die unterschwellige Kritik zum jetzigen Zeitpunkt überhaupt nicht und halte es mit Altmeister Giovanni Trapattoni, „ein Trainer ist nicht ein Idiot“. Nach Korkut und Weinzierl sollten wir dankbar sein, dass wir einen Trainer haben, der für einen erfrischenden Spielstil steht und den Jungs Spielfreude auch vermitteln kann. Gut Ding braucht Weile, gebt Tim Walter (und seinem Trainerteam; durchaus auch Fachleute am Start!) einfach die Zeit, die er braucht und haltet die Füße still.

Dass die ständigen Trainerwechsel in den letzten zehn Jahren den VfB immer weiter zurückwarfen, sollte auch der letzte begriffen haben. Schon deshalb ist die Kritik, die jetzt schon aufkommt, unverständlich, was verspricht man sich dabei? Dass Walter doch endlich auf die Masse hört und seine Aufstellungen per TED-Umfrage bestimmt oder möchte da schon jemand einen neuen Trainer, weil Walter „nur“ ein Jugend-, Amateur- oder Kiel-Trainer ist und Stuttgart für ihn dadurch automatisch eine Nummer zu groß zu sein hat?

Ich habe jahrelang darum gekämpft, Leute, die dem VfB schaden, loszuwerden und konnte mich nicht einmal mehr über Siege freuen, wenn sie denn bestimmten Leuten ihren Posten gesichert haben. Dieses Ziel wurde erreicht.

Mit Thomas Hitzlsperger als dem neuen Gesicht des VfB, ist der VfB dabei, sich ins krasse Gegenteil von dem zu wandeln, was er unter Dietrich/ Reschke war.

Hitzlsperger ist sich nicht zu schade dafür, auf Twitter mit Fans auszutauschen und Gerüchte aus der Welt zu räumen.

Er ist einfach Mensch und ein guter obendrein, was er gestern wieder unter Beweis stellte, als er VfB-Fan Dennis, der seit zwei Jahren unter chronischem Erschöpfungssyndrom leidet, Unterstützung vom VfB zusicherte und somit unterstreicht, dass der VfB mittlerweile auch wieder bereit ist, seiner sozialen Verantwortung gerecht zu werden (Dennis Leidensweg und der Link zur Spendenkampagne hier https://ze.tt/ich-wollte-lieber-krebs-haben-dennis-lebt-mit-dem-chronischen-erschoepfungssyndrom/).

Als VfB-Fan bin ich derzeit wirklich froh und stolz einen wie Hitzlsperger an der Spitze zu haben und hoffe, dass kein neuer Präsident oder Vorstandsvorsitzende ihn in seinem Handeln, Wirken und seiner Authentizität einschränkt.

Ihm zur Seite steht mit Sven Mislintat ein Fachmann, der einen hervorragenden Job macht, was sich darin zeigt, dass er Überraschungscoups schon gelandet hat, von denen man vorher nicht in der Presse las und, dass er durchaus auch Top-Clubs beim einen oder anderen Transfer ausgestochen hat.

Zudem habe ich Mislintat im Trainingslager als lockeren Typen kennengelernt, den ich mir auch in der Kneipe neben mir an der Bar vorstellen könnte. Freundlich, nett, sein Gegenüber ernstnehmend, so machte auch er auf mich den Eindruck ein guter, nicht abgehobener Typ zu sein.

Diesen beiden wünsche ich schon aus Sympathie nur das Beste für ihre Zeit beim VfB. Sie sind sich grün, funken auf einer Wellenlänge und haben sich für den Fußball, für den der VfB in Zukunft stehen soll, Tim Walter als Trainer ausgeguckt.

Wären die oben erwähnten Kritikpunkte an Walter bedrohlich, erreichte er die Mannschaft nicht, stellte sie falsch auf oder ein oder stimmte die Chemie nicht, würden die beiden bestimmt dazwischen grätschen und bestimmte Stellschrauben anders justieren.

Solang sie sich aber angetan von Walters Arbeit und Menschenführung zeigen, kein Blatt zwischen die drei passt, verbietet sich für mich auch Kritik an Walter. Wer Walter kritisiert, kritisiert unser derzeitiges Führungs-Duo gleich mit. Oder anders gesagt, wer Hitzlsperger und Mislintat vertraut, sollte ihnen auch dahingehend vertrauen, Tim Walters Arbeit am besten bewerten zu können.

Ich hoffe sehr auf Kontinuität und darauf, dass der VfB auch einmal stürmischere Zeiten mit ein und demselben Trainer meistert.

Die ständige Unruhe und notorische Unzufriedenheit gehen mir schon wieder dermaßen auf den Sack. Mich haben die letzten Jahre Demut gelehrt. Dazu gehört auch, dass ich uns zunächst mit den Ligakonkurrenten auf Augenhöhe sehe und nicht erwarte, dass wir jeden Gegner in Grund und Boden spielen. Eine Entwicklung und Spielanlage ist zu erkennen, das Klima ist um Welten besser als letzte Saison, Mentalität und Spielfreude sind da, wie lange nicht. Natürlich ist noch nicht alles Gold, was glänzt, aber die guten Ansätze lassen mich hoffen, dass sich auch das noch geben wird.

Wir als Fanszene dürfen uns nicht schon wieder auseinanderdividieren lassen. Wenn ich mitbekomme, dass Walters Aussagen auf der Pressekonferenz nach dem Aue-Spiel als frauenfeindlich betitelt werden, kriege ich den Hass. Er hat einzig und allein SEINE Frau angesprochen, so dass es auch lediglich ihr zustünde, sich über seine Aussagen zu echauffieren.

Schlimm genug, dass die DFL Ermittlungen aufgenommen und eine Stellungnahme von Walter eingefordert hat, wir Fans sollten hinter unserem Trainer stehen, zumal er ja Recht hatte. Aber nein, es wird Walters flapsige Art und der Vergleich, den er gezogen hat, madig gemacht, anstatt gegen die Fußball-Mafia zu rebellieren und Einigkeit im Umfeld zu demonstrieren.

Für mich nimmt das jetzt schon Züge an wie einst bei Alexander Zorniger. Auch er ist gerne mal angeeckt und wurde wegen seiner markigen Sprüche fast schon weg gemobbt. Zunächst von der Presse, weil er nicht deren Liebling war, wegen ausbleibender Ergebnisse schließlich auch von den „Fans“.

Walters Vorteil gegenüber Zorniger ist, dass wir eine Liga tiefer spielen und somit eine extreme Niederlagenserie eher unwahrscheinlich ist. Ansonsten erinnert der Umgang der Presse, allen voran der Kommentar von Thomas Wehrle bei SWR Sport, stark an die Zeit unter Zorniger. Auf der einen Seite werden Typen mit Ecken und Kanten gefordert, sind sie da und sagen mal etwas, wird ihnen jedes Wort im Mund umgedreht und langsam aber beharrlich auf sie eingedroschen.

Dass es ähnliche Züge wie vor vier Jahren annimmt, sollten wir Fans nicht zulassen. Gebt dem Projekt „neuer VfB“ eine Chance und stärkt unseren Machern Hitzlsperger und Mislintat den Rücken, auch, indem man Tim Walter die volle Unterstützung zukommen lässt. Alles andere bringt nur Unruhe und ändert doch nichts.

Mir macht der neue VfB Spaß. Ich möchte eine Entwicklung sehen und bin völlig unvoreingenommen in die Saison gegangen. Gaben „früher“ einbetonierte Erbhöfe auch zu Beginn einer Saison schon Anlass zu Kritik, steht jetzt wirklich alles auf Anfang.

Daher halte ich persönlich mich in nächster Zeit mit Kritik an der sportlichen Entwicklung zurück und lasse die Protagonisten erst einmal machen. Man erkennt Motivation und Freude den VfB besser machen zu wollen, das genügt mir, zumal das Vertrauen ins Korrektiv zu hundert Prozent gegeben ist.

Ich hoffe, der VfB nutzt dieses Mal die Chance, sich völlig neu auszurichten und reißt sich das geschaffene Fundament nicht durch irgendwelche Eitelkeiten gleich wieder ein. Bis zur Präsidentenwahl habe ich keine Bedenken, was danach kommt, werden wir sehen!

VN:F [1.9.7_1111]
Rating: 9.8/10 (24 votes cast)
VN:F [1.9.7_1111]
Rating: +3 (from 3 votes)
26. Juli 2019

Vorfreude!

Heute schreibe ich meinen ersten Blog, indem die Abwärtsspirale und Wahrheitsbeugungen der letzten Jahre unter Wolfgang Dietrich keine Rolle mehr spielen werden!

Genau zwei Monate ist es her, seit wir in der Alten Försterei zu Köpenick den ebenso verdienten wie bitteren Gang in die 2. Liga antreten mussten.

Persönlich traf mich der Abstieg nicht sonderlich, weil mein Herz für den VfB ligaunabhängig schlägt, weil man es mit 28 Punkten nicht verdient hat, in der Liga zu bleiben, und, weil auch in der 2. Liga ordentlich Fußball gespielt wird und die Wahrscheinlichkeit groß ist, das eine oder andere Spiel mehr zu gewinnen.

Der 2016 verwendetet Spruch „eine neue Liga ist wie ein neues Leben“ gilt freilich nun beim zweiten Abstecher kurz hintereinander nicht mehr. Man wird auf sehr viel Altbekanntes treffen. Neu sind lediglich Regensburg und Osnabrück, während wir mit Kiel und Wehen-Wiesbaden schon im Pokal die Klingen kreuzten. Das 0:5 in Dresden war 2016/2017 das einzige Spiel, welches ich (wegen einer Hochzeit) verpasste, so dass auch das relativ neu für mich sein wird, hat die „Arena“ mit dem alten Rudolf-Harbig-Stadion (bis 2007) doch nicht mehr viel gemein.

Dennoch freue ich mich auf so gut wie alle Grounds, die nicht so hochglanzpoliert sind wie in der Bundesliga und in denen oft noch einheimisches Bier und regionale Fleisch- und Wurstspezialitäten kredenzt werden können. Zudem haben wir wieder zwei echte Derbys vor uns, sparen Berlin aus und dürfen stattdessen gleich Mal in die schönste Stadt Deutschlands, nach Stuttgart natürlich, Hamburg.

Sportlich sehe ich uns nach meinen bisherigen Eindrücken hervorragend aufgestellt. Die Chemie zwischen Thomas Hitzlsperger, Sven Mislintat und unserem neuen Trainer Tim Walter scheint zu stimmen. Nach Dietrichs und Reschkes Größenwahn mit irrsinnigen Gehältern und Verträgen, ist Vernunft eingekehrt. Spieler werden nach Charakter und dem Willen, sich verbessern zu wollen ausgewählt und nicht, weil sie einst einen großen Namen hatten. Darauf wird geklotzt und nicht gekleckert. Der VfB hätte sicherlich die Möglichkeit, einen Großteil der Transfereinnahmen zu reinvestieren, will es unter der neuen Führung aber nicht, weil man zur Politik der kleinen Schritte zurückgekehrt ist und die Teamchemie nicht vergiften will.

Sollte sich bis zum 31.08. noch Handlungsbedarf ergeben, wird man immer auch handlungsfähig sein. Unter normalen Umständen aber, da bin ich ganz bei Sven Mislintat, sollte man mit diesem Kader oben mitspielen und wieder aufsteigen können.

Mit Vorschusslorbeeren sollte man, schon überhaupt, wenn das erste Spiel noch nicht einmal angepfiffen ist, sehr vorsichtig sein. Aber, wie ich Tim Walter bislang erlebt habe, kann ich nur bestätigen, welch sensationeller Typ er ist. Zuckerbrot und Peitsche im Training, er kann streng aber auch sehr herzlich sein. Er ist direkt, die Spieler wissen, woran sie bei ihm sind.

Ich denke, bislang gibt es keinen einzigen, der ein schlechtes Wort über ihn verlieren würde. Da wünscht man ihm gerade, dass man hier in Stuttgart einfach mal den handelnden Personen vertraut und nicht gleich alles in Frage stellt, sollte der Start holprig verlaufen.

Dass die ständige Abkehr von einer Philosophie kontraproduktiv ist und uns erst dahin gebracht hat, wo wir jetzt stehen, weiß man. Walter ist ein authentischer Typ, von sich und seinem System überzeugt, der „nur“ die richtigen Spieler braucht, die für ihn durchs Feuer gehen. Was das angeht, habe ich derzeit ein richtig gutes Gefühl, wurden doch sehr gute und charakterlich einwandfreie Typen geholt.

Oft werden Vergleiche zu Zorniger angestellt. Auch den habe ich gemocht, ihm hätte ich gerne mehr Zeit eingeräumt damals. Aber, diese beiden Trainer sind doch grundverschieden. Einzige Parallele ist vielleicht, dass beide einen sehr offensiven Ansatz wähl(t)en und es hinten das eine oder andere Mal nach Harakiri aussieht. Ansonsten schuf sich Zorniger von Anfang viele Feinde, bei der Journaille angefangen. Da ist Tim Walter ein anderer Typ. Zu jedem freundlich, zugänglich und mit dem Schalk mit Nacken. Im Gegensatz zu Zorniger möchte Walter überzeugen und die Leute mitnehmen, während Zorniger dies schon voraussetzte, allein weil er Alexander Zorniger war.

Ein ähnlich gutes Gefühl wie jetzt hatte ich beim letzten Zweitligaaufenthalt unter Schindelmeiser/ Wolf. Auch damals wurde mit den vorhandenen Mitteln verantwortungsbewusst umgegangen, auch damals war, zumindest nach dem kurzen Intermezzo von Jos Luhukay, ein relativ unerfahrener Trainer da, der die Leute einfangen und mitnehmen konnte.

Die jüngste Pressekonferenz von Tim Walter war ein Genuss und macht richtig Bock auf den Saisonstart. An die Auftritte an gleicher Stelle von Weinzierl und Korkut mag ich gar nicht denken, Schlaftabletten wäre noch zu freundlich ausgedrückt, wenn man den Vulkan Tim Walter dagegen erlebt.

In den sozialen Netzwerken lese ich viele Stimmen, die ihr Unverständnis darüber äußern, dass der VfB die immensen Transfereinnahmen nicht im Ansatz reinvestiert hat. Leute, wir sind 2. Liga, zumindest in dieser Saison. Für die nächste garantiert uns kein Mensch, dass wir dann wieder Bundesligaluft schnuppern.

Also ist die Devise zunächst, ein aufstiegsfähiges Team an den Start zu bringen, das nicht auseinanderzubrechen droht, sollte der direkte Wiederaufstieg verpasst werden. Da bin ich ganz bei der neuen sportlichen Leitung, schwäbisch konservativ mit dem zu kalkulieren, was dir die 2. Liga einbringt und, sollte der Aufstieg gelingen, nächste Saison wieder mehr zu investieren.

Mit der jetzigen Kaderzusammenzustellung und den Neuzugängen habe ich ein sehr gutes Gefühl. Zweitligaerprobte Spieler, die wissen wie der Hase läuft und bereit für den nächsten Schritt sind, junge fußballerisch starke Talente und eben auch erfahrene Spieler, die uns erhalten blieben.

Badstuber und Gomez bekam man schon allein wegen ihrer irrwitzigen Verträge und ihres Alters nicht los, wobei auch hier Tim Walter ganz der Pragmatiker ist und die Situation annimmt, wie sie ist. Mit Badstuber ließ er sich auf eine Machtprobe ein, dieser weiß jetzt, wer der Chef ist und Mario Gomez wird von Walter über den Klee gelobt, wie wichtig er für die Jungen sei, wie toll er seine Rolle annehme und wie froh er einfach sei, einen Mario Gomez in der Mannschaft zu haben.

Für mich ein extrem kluger Schachzug. Bis vor Kurzem empfand ich Gomez ob seines Gehaltes und seines Alters eher als Last für das Team, mittlerweile traue ich es ihm sogar zu, der Mann für die ganz wichtigen Tore in dieser Saison werden zu können.

Gonzalo Castro und Daniel Didavi werden ebenfalls sehr eingebunden, vor allem Letzteren habe ich schon lange nicht mehr so fit und so motiviert gesehen wie in der Vorbereitung. Da ich schon immer ein Faible für Dida hatte, würde ich mich freuen, wenn er dies alles auch in der Liga zeigt und vor allem verletzungsfrei bleibt.

Bei wieder anderen wie Kempf und Ascacíbar mache ich drei Kreuze, wenn sie am 01.09. noch da sind. Nicolás González, der mit Argentinien bei den panamerikanischen Spielen weilt und der von vielen bereits abgeschrieben ist nach seiner unglücklichen Saison, soll anscheinend auch ein Verkaufskandidat sein, zumindest jemand, der Begehrlichkeiten weckt und Millionen einbringen könnte. Bei ihm würde es mich freuen, wenn er einen zweiten Anlauf wagen würde, hält doch Tim Walter große Stücke auf ihn. Auch da vertraue ich dem Trainer, dass er ihn hinbekommen könnte.

Die Mischung passt meiner Ansicht nach, doch, entscheidend ist aber heute auf dem Platz. Zum Eingewöhnen weht ein Hauch von Bundesliga durch Cannstatt. Flutlichtspiel gegen den Mitabsteiger, weit über 50.000 Zuschauer, Exklusiv-Spiel auf Sky.

Zuvor gibt es bei hochsommerlichen Temperaturen die Karawane Cannstatt mit dem Motto „alle in Weiß“. Ich sag’s Euch gleich, mir zu heiß zum Mitlaufen. Bin froh, wenn die Karawane von dannen gezogen ist und die Cannstatter Wirte wieder hinterherkommen. Erst dann wird’s gemütlich, dann wird sich richtig eingestimmt, auf das heißeste Spiel des Jahres. Mein Tipp: 3:2!

VN:F [1.9.7_1111]
Rating: 9.7/10 (6 votes cast)
VN:F [1.9.7_1111]
Rating: +1 (from 1 vote)
13. Juli 2019

Vertrauensfrage(n)

Am 14.07.2019 steht die ordentliche Mitgliederversammlung des VfB Stuttgart e. V. an. Große Brisanz erfährt diese nicht nur durch den sportlichen Super-GAU, dem erneuten Abstieg in die 2. Liga, sondern vor allem dadurch, dass es etliche Anträge zur Abwahl von Präsident Wolfgang Dietrich gehagelt hat, und einer davon stellvertretend auf die Tagesordnung aufgenommen wurde.

Fast alle meiner Blogger-Kollegen und die Ultras vom Schwabensturm haben in den letzten Tagen und Wochen sehr fundierte und gut recherchierte Beiträge online gestellt, so dass es mir die Mühe erspart, auf alles einzugehen, was diesen Präsidenten für mich untragbar macht.

Sommerpause ist eben nicht gleich Sommerpause. Ich war im Trainingslager in Kitzbühel und habe bis auf das Spiel gegen YB in Fügen sämtliche Vorbereitungsspiele „mitgemacht“. Heute beispielsweise steht binnen einer Woche die dritte Fahrt in die Schweiz an, so dass mir zum Schreiben derzeit die Zeit fehlt.

Dennoch brennt mir dieses Thema derart unter den Nägeln, dass ich versuche, kurz vor der MV, ein paar Zeilen zu Papier zu bringen.

Nach all den Beiträgen der vergangenen Wochen, in denen Argumente gesammelt wurden, die gegen einen Verbleib von Dietrich im Amt des VfB-Präsidenten sprechen, könnte ich mich von meinen „Vorrednern“ versuchen abzugrenzen, indem ich Punkte auflistete, die für den ehemaligen S21-Sprecher sprächen. Doch, Fehlanzeige, mir fallen keine ein.

Meine Abneigung gegen Dietrich begann bereits, bevor er überhaupt VfB-Präsident war und steigerte sich kontinuierlich, so dass ich diesen Egozentriker nie als „meinen“ Präsidenten akzeptieren werde, auch sollte er, wovon auszugehen ist, das Votum am Sonntag für sich entscheiden. Dies änderte schließlich nichts an seiner Amtsführung, seinem Verständnis von Wahrheit und Lüge und seinem Umgang mit Gegnern und Kritikern.

Ich habe ein riesengroßes Problem mit Menschen, die sich Ämter unter Vorspiegelung falscher Tatsachen erschleichen. Dann kann ich sie in diesem Amt, egal welche Großtaten sie vollbringen mögen, zu keiner Zeit akzeptieren, einfach weil es ungerecht gegenüber etwaigen Mitbewerbern abgelaufen ist oder, im Falle Dietrichs, der es ohne Gegenkandidat gerade einmal auf 57,2% schaffte, „nur“ den Mitgliedern entscheidende Tatsachen verschwieg. So geht es mir bei Politikern, so auch bei Amtsträgern in meinem Herzensclub.

Dietrich behauptet von sich, DER Präsident zu sein, der am meisten von all seinen Vorgängern zum Dialog mit den Fans bereit sei, wird jedoch im Zwist von Angesicht zu Angesicht pampig und ungehalten, wenn man hinterfragt, weil man sich mit seinen vorgefertigten Rechtfertigungen nicht zufrieden gibt.

Auf von VfB-Seite gesteuerten Veranstaltungen, wie neulich VfB im Dialog, werden kritische Fragen entweder ausgespart oder bei unvollständigen „Antworten“ nicht nachgebohrt, so dass er solchen Show-Veranstaltungen gelassen entgegen blicken kann.

Vor Dietrichs Wahl zum VfB-Präsidenten wurde uns Mitgliedern erzählt, es bestünden überhaupt keine Interessenskonflikte zwischen Dietrichs Vergangenheit bei Quattrex und seiner möglichen Tätigkeit als VfB-Präsident. Die damaligen Liga-Konkurrenten 1. FC Heidenheim, 1. FC Kaiserslautern und der 1. FC Union Berlin wurden von Quattrex unterstützt, so dass eine gewisse Brisanz nicht wegzudiskutieren war. Den Mitgliedern wurde vorgegaukelt, Dietrich habe sich von allen seinen Beteiligungen getrennt und beziehe keinerlei Einkünfte mehr von Quattrex, womit bewiesen sei, dass Dietrich keinen Profit oder Schaden aus Erfolg oder Misserfolg der unterstützten Vereine ziehen würde und die DFL für sein Engagement als VfB-Präsident grünes Licht gegeben hätte.

Unter diesen Annahmen wurde Dietrich (äußerst knapp) zum VfB-Präsidenten „gewählt“. Nun, im April 2019, gut zweieinhalb Jahre nach seiner „Wahl“, erschien ein hervorragend recherchierter Artikel von Benni Hofmann im Kicker, der belegt, dass Dietrich noch viel länger an Erfolgen, bspw. unseres Relegationsgegners Union Berlin, partizipierte als angegeben und bei Erscheinen des Artikels noch alleiniger Gesellschafter der VMM Consulting GmbH war, die exakt 50% der Quattrex Finance GmbH hielt.

So hat man mittlerweile zwar tausend Mal von ihm gehört, dass DFL und sämtliche Gremien bezüglich seiner Verstrickungen im Quattrex-Imperium vollumfänglich informiert gewesen seien, weshalb man den Mitgliedern jedoch vor seiner Wahl schlicht verschwiegen hat, dass er noch einige Zeit an Erfolgen damaliger Liga-Konkurrenten partizipiert hat und Anteile an Quattrex-Töchtern hielt (oder noch hält), darauf ging Dietrich nie ein.

Schaut man genauer hin, könnte man dies (aus Sicht von Aufsichtsrat und Dietrich) als Notlüge betrachten, denn, unter Berücksichtigung dieser Tatsachen verstieß die Berufung Dietrich zum VfB-Präsidenten gegen die eigene Vereinssatzung, in der es unter §12, Absatz 7 heißt

„7. Mitarbeiter oder Mitglieder von Organen von Unternehmen, die zu mehreren Vereinen oder Tochtergesellschaften der Lizenzligen bzw. deren Muttervereinen oder mit diesen Vereinen oder Gesellschaften verbundenen Unternehmen in wirtschaftlich erheblichem Umfang in vertraglichen Beziehungen im Bereich der Vermarktung, einschließlich des Sponsorings, oder des Spielbetriebs stehen, dürfen nicht Mitglied in Kontroll-, Geschäftsführungs- und Vertretungsorganen des Vereines sein, wobei Konzerne und die ihnen angehörigen Unternehmen als ein Unternehmen gelten. Mitglieder von Kontroll-, Geschäftsführungs- und Vertretungsorganen anderer Vereine oder Tochtergesellschaften der Lizenzligen oder eines Muttervereines solcher Tochtergesellschaften dürfen ebenfalls keine Funktionen in Organen des Vereines übernehmen.“

Aufsichtsrat und Dietrich sehen das sicherlich anders, in Zeiten, in denen Lügen als Wahrheitsbeugung benannt und somit verharmlost werden. Zudem wird man bestimmt argumentieren, wie man es so gerne tut, dass das einfache Mitglied die Zusammenhänge ohnehin nicht verstehe und mit solch fachspezifischen Tatsachen nicht überfrachtet werden solle.

So war bereits Dietrichs Wahl auf einem Lügenkonstrukt aufgebaut, am Sonntag besteht die Möglichkeit, mit dem Wissen von heute, diese Entscheidung zu revidieren.

Es folgte die Ausgliederungskampagne, die Baron Münchhausen nicht besser hätte inszenieren können. Jan Schindelmeiser und Hannes Wolf wurden als Zugpferde ge- und missbraucht, zu einem Zeitpunkt, schenkt man Gunter Barners Artikel vom Juli 2017 Glauben, als längst klar war, dass Schindelmeiser die längste Zeit VfB-Sportvorstand gewesen war. Zwischen dem Erscheinen dieses Artikels und der Entlassung von Jan Schindelmeiser, fragte ich Dietrich direkt, ob man sich um Schindelmeiser Sorgen machen müsse, was er verneinte und womit er mir ins Gesicht gelogen hat. Ich bin zwar nicht so naiv zu glauben, dass mir Offizielle stets die Wahrheit sagen, doch, klügere Köpfe umschiffen solche Fragen dann eben…

Im Donald Trump Style wurden Befürchtungen der Ausgliederungskritiker als Fake-News abgetan, im „Sendung mit der Maus“-Video, mit dem deutlich wurde, welchen Intellekt sie hinter den VfB-Mitgliedern vermuten, wurden Hoffnungen geschürt, die, sich längst als Utopie herausgestellt haben. Weder gelingt es nach der Ausgliederung, Spieler, die Begehrlichkeiten geweckt zu haben, zu halten, noch ist längst keine Rede mehr von regionalen Anteilseignern.

Das einzige, das durch die Ausgliederung „geschafft“ wurde, wie seinerzeit von den Kritikern gewarnt, ist dass es die AG einen feuchten Kehricht schert, was den Fan oder das Mitglied bewegt. Die Musik spielt in der AG, der Aufsichtsrat ist am Sonntag völlig außen vor.

Dennoch geht auch diesem offensichtlich der Arsch auf Grundeis, nicht anders ist es zu interpretieren, wenn Daimler-Personalvorstand Porth einen Appell über das Daimler-Intranet an die dort beschäftigten Dunkelroten richtet, doch tunlichst zur MV zu kommen und „richtig“ abzustimmen, damit der VfB mindestens ein weiteres Jahr nach Gutsherrenart weitergeführt werden kann. Damit versucht sich der Anteilseigner an der VfB Stuttgart AG und sein Aufsichtsrat in die Belange des VfB Stuttgart e. V. einzumischen. Gerade Porth, dem „VIP-Logen-Hooligan“, der durch seinen denkwürdigen Auftritt Guido Buchwald aus dem Aufsichtsrat ekelte, stünde es gut, sich zurück zu nehmen und aus Themen herauszuhalten, für die er nicht zuständig ist.

Der VfB selbst richtete einen ähnlichen Aufruf an die Mitarbeiter und Sportler und selbst die Ex-Präsidenten Haas und Staudt ließen sich instrumentalisieren, die Werbetrommel für Dietrich zu rühren. Beide verharmlosen die Situation, indem sie unisono herunter beten, beim VfB sei immer der Präsident schuld, wenn es nicht läuft, Haas sieht die Proteste gar als Retourkutsche für die letztlich erfolgreiche Ausgliederung.

Damit stößt er die Ewig-Gestrigen-Debatte wieder an, von der ich mich schon bei der Ausgliederung, trotz aller Kritik, distanziert habe. Man kritisierte ja nicht die Ausgliederung an sich, sondern die gewählte Gesellschaftsform mit der Möglichkeit der geringsten Einflussnahme als Mitglied und präsentierte als einzigen Investor den ohnehin fest beim VfB verwurzelten Daimler.
Für mich wirkte die 41,5-Millionen-Finanzspritze schon damals wie ein Zuckerle, mit dem die Mitglieder geködert werden sollten, was sich je mehr bewahrheitet, je länger sich die Suche nach einem weiteren Investor hinzieht.

In ein ähnliches Horn blies dieser Tage mal wieder Gunter Barner, der die ganze Kurve diffamiert und kriminalisiert, es würde nicht verwundern im Auftrag Dietrichs und seiner Schergen, offensichtlich das Ziel hegt, die Mitgliederschaft noch mehr zu spalten als sie es ohnehin schon ist.
Richtig Sinn ergibt dieses Vorpreschen von Barner jetzt, nachdem bekannt wurde, dass die Polizei gegen Fans ermittle. Wegen einiger Banner, Plakaten und angeblicher Morddrohungen. Da scheint man von Vereinsseite aus Barner mal wieder mit Vorabinformationen versorgt zu haben, um das schwierige Umfeld schon einmal vorzuwarnen. Ob die Ermittlungen sich konkretisieren oder im Sande verlaufen ist bei einem Anfangsverdacht noch völlig unklar, sicher ist, dass diese Meldung ihre Wirkung nicht verfehlt und sich der Normalo-Fan überlegen soll, ob er sich nicht doch besser von den Ultras und Hardcore-Dietrich-Kritikern distanziert. Damit hat sich der Verein einmal mehr der Macht der Medien für seine Zwecke bedient, ob dieser Methoden würde wohl selbst Donald Trump vor Neid erblassen.

Das aufgestempelte „Spalter“-Banner ist seit Jahren bei jedem VfB-Spiel zu sehen. Nie scheint es beim Einlass ins Stadion wegen eines angeblichen Fadenkreuzes Probleme gegeben zu haben. Erst seit Dietrich bei „VfB im Dialog“ meinte, dort ein Fadenkreuz zu erkennen, ist dieses Thema überhaupt erst diskutabel. Auch das „Tieferlegen“-Plakat, welches ganz klar eine Anspielung auf Stuttgart 21 darstellt, sehe ich jetzt nicht als geeignet an, eine Morddrohung heraus zu interpretieren.

Doch, hier schlüpft Dietrich eben in seine liebste, die Opferrolle, hinein. Schließlich ist ihm jedes Mittel recht, was Stimmen bringt, geht es doch schon lang nicht mehr um den VfB sondern rein um den Machterhalt. Meine Abscheu über solche Menschen kann ich kaum in Worte fassen.

Selbstverständlich ist klar, sollte es eindeutige Morddrohungen gegeben haben, dass diese aufs schärfste zu verurteilen wären.

Das bezweifle ich jedoch zu Zeiten des Anfangsverdachts stark, geht es momentan doch in erster Linie darum, das Stimmvieh auf Linie zu trimmen. Wenn die Ermittlungen in ein paar Monaten möglicherweise ins Leere gelaufen sind, ist das noch eine Randnotiz in den Medien wert und Dietrich grinst sich einen, weil er es geschafft hat, die Mitgliederschaft noch mehr zu spalten.
Verfolgt man Diskussionen auf Facebook & Co. scheint die Strategie auch aufzugehen, gibt es doch auch unter den VfB-Mitgliedern etliche, die nur Überschriften und nicht zwischen den Zeilen lesen, und alles für bare Münze nehmen, was, welch Zufall, zwei Tage vor der Mitgliederversammlung berichtet wird.

Hier die Guten, dort die Bösen. Wie einst, als es vor Dietrichs Wahl einen Antrag gab, den Aufsichtsrat abzusetzen und Martin Schäfer daraufhin unterstellte, manche Leute wollten den Verein in Schutt und Asche legen, sollen auch nun wieder von allen Seiten Ängste geschürt werden, dass ein VfB-Leben nach Dietrich nicht möglich sei.

Stellt sich die Frage, ob derartige Drohungen und Verunglimpfungen auch heute noch die vom Verein gewünschte Wirkung erreichen. Wie schon bei der Ausgliederung wird versucht die breite, mutmaßlich weniger kritische, Masse mit Verzehrgutscheinen, Rabattaktionen und Gewinnspielen zu ködern, damit dieses Stimmvieh den „Krakeelern“ die Stirn bietet.

Wieviele sich tatsächlich mit derartig fragwürdigen Aktionen noch einmal einlullen lassen, steht auf einem anderen Blatt, klingt doch für die meisten die damalige Parole #jazumerfolg (oder auch make VfB great again) mittlerweile wie blanker Hohn.

Lügen und eine miserable Außendarstellung ziehen sich wie ein roter Faden durch die Zeit, seit Wolfgang Dietrich die VfB-Bühne betrat. Im Einzelnen möchte ich sie und die Auftritte Reschkes nicht mehr thematisieren, da sie im Blog ausführlich nachzulesen sind.

Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht, wer Wahrheitsbeugung als Normalität abtut, dem schon gleich dreimal nicht.

Dietrich schreibt sich Verpflichtungen gerne selbst auf die Fahne, zumindest so lang Verpflichtungen bejubelt werden und sie funktionieren. Dann waren es seine Beziehungen (bei Reschke zu den Hoeneß-Brüdern) oder jüngst bei Mislintat, mit dem er seit 2017 in Kontakt gestanden haben möchte. Entpuppt sich eine solche Personalentscheidung dann als Fehlentscheidung, verweist er gerne auf die Gremien. Selbstkritik und Selbstreflektion kommen in Dietrichs Denke nicht vor.

Selbst als Dietrich endlich erkannte, dass die Reschke-Verpflichtung im Nachhinein ein Fehler war und dem Rheinländer nach dem 0:3 in Düsseldorf den Laufpass gab, traf er eine weitere folgenschwere Fehlentscheidung.

Reschke musste dem Vernehmen nach nämlich nicht gehen, weil Dietrich eingesehen hatte, dass er eine absolute Fehlbesetzung auf dem Posten des Sportvorstands ist, sondern, weil der nach außen nach Kontinuität strebende Dietrich nicht zulassen wollte, dass Reschke nach Wolf und Korkut auch noch Markus Weinzierl entlässt.

Dabei war es wohl Reschkes einziger lichter Moment während seiner VfB-Zeit, dass er früh in der Rückrunde erkannte, dass es mit Markus Weinzierl als Trainer ungebremst in die 2. Liga gehen würde. Nach alldem, was man von Bekannten und auch Journalisten, die in La Manga dabei waren, hörte, hätte man Weinzierl sogar schon unmittelbar nach dem Trainingslager entlassen müssen.
Somit war Dietrich die Außenwirkung wichtiger als das (unpopuläre) Beseitigen eines großen Problems, was der Kardinalfehler der letzten Saison und letztlich ausschlaggebend für den Abstieg gewesen ist. Einzige richtige Konsequenz daraus wäre der Rücktritt Dietrichs gewesen.

Ein Präsident, der soviel Geld wie keiner zuvor zur Verfügung hatte und dieses von einem mit einer unerhörten Narrenfreiheit ausgestatteten Reschke verprassen ließ, spottet jeder Beschreibung.

Natürlich sind mit der 41,5-Millionen-Finanzspritze vom Daimler Werte geschaffen worden und die Rahmenbedingungen für den sofortigen Wiederaufstieg besser als 2016, aber, von dem Geld dürfte nicht mehr viel übrig sein, schleppen wir doch Spieler wie Badstuber und Gomez mit, die zusammen mehr „verdienen“ als ganze Zweitligateams und wir Spieler unter Wert abgeben müssen, um wenigstens ihr üppiges Gehalt einzusparen.

Durch diesen Abstieg wurde die Möglichkeit verspielt, nachhaltig zur Konkurrenz aufzuholen, verantwortlich für sämtliche Vorgänge ist der Chef, so dass es nur heißen kann, #Dietrichraus.
Eindringlich wird, für den Fall einer Abwahl von Dietrich, davor gewarnt, ohne Präsident taumele der VfB führungslos dem Abgrund entgegen. Dabei liegt ein ähnliches Szenario erst drei Jahre zurück, nachdem am Ende der Aufstieg in die Bundesliga stand. Nach dem Rücktritt von Bernd Wahler im Mai 2016 dauerte es nämlich bis in den Oktober desselben Jahres, bis Dietrich (leider) „gewählt“ war.

Dass die Mitglieder von Aufsichtsrat und Vorstand der AG nicht ernst genommen werden und ihnen gar eine eher unterdurchschnittliche Intelligenz unterstellt wird, verdeutlicht der Aufruf, man solle doch erst jemanden bringen, der es besser als Dietrich machen würde.

Eine Alternative kann sich nämlich zum jetzigen Zeitpunkt überhaupt nicht in Stellung bringen. Wie stellen sich die Herren das vor? Ein möglicher Kandidat, der derzeit noch woanders, sei es ein Unternehmen, sei es ein Verein, in Amt und Würden steht, würde dort alles stehen und liegen lassen, um Werbung in eigener Sache machen zu können. Sein derzeitiger Arbeitgeber müsste sich nach einer Nachfolgelösung umsehen, um dann, wenn die 75%, wovon auszugehen ist, nicht erreicht werden, wieder dort auf der Matte zu stehen? Ein Szenario, auf das sich wohl kein potentieller Bewerber oder Arbeitgeber einlassen würde. Daher kann die Reihenfolge nur lauten, #Dietrichraus und dann in Ruhe einen Nachfolgekandidaten aufbauen.

Der Antrag auf Abwahl des Präsidenten stellt eine Art Vertrauensfrage dar. Die Frage, die sich dabei jedes Mitglied stellen sollte, ist jene, ob dieser Präsident unser Vertrauen verdient.
Die Ausgliederungs-Millionen sind verbrannt. Die hervorragenden Rahmenbedingungen, die uns vorgegaukelt werden, mögen zwar schön sein und dem einen oder anderen Herren einen Erguss bescheren, wenn er an sie denkt, doch, die harten Tatsachen lauten, Doppelabstieg 2019, trotz immenser Investitionen und trotz Platz 7 in der Bundesliga-Budget-Tabelle.

Meint man mit den hervorragenden Rahmenbedingungen die Flickschusterei auf dem Trainingsgelände, diese hätte man wohl auch unausgegliedert, ganz häuslesbauerlike, mit einem Kredit bei der Volksbank stemmen können.

Die Personalrochaden im Nachwuchsleistungszentrum würde ich als gewöhnliche Fluktuation bezeichnen, nach Jahren, in denen dort keine Erfolge zu verzeichnen waren und Jugendspieler von Profifußballern in die geheimnisvolle Welt der Stuttgarter Bordelle eingeführt wurden. Wenn sich einer Verdienste darüber erworben hat, dann Thomas Hitzlsperger, der ein gutes Gespür zu haben scheint, welcher Mann auf welchem Posten am besten aufgehoben ist.

So sollte Sunnyboy Hitzlsperger nach Reschkes Rauswurf herhalten, um Dietrich aus der Schusslinie zu bekommen, sollte aber den Trainer, mit dem das Unternehmen Klassenerhalt zum Scheitern verurteilt war, nicht entlassen. Erst nach dem 0:6 in Augsburg, als die Mannschaft ihr unmissverständliches Ausrufezeichen gegen Weinzierl setzte, wurde Weinzierl durch Nico Willig ersetzt.

Hier bewies Hitz ein ausgesprochen gutes Händchen, was man ihm auch schon jetzt bei Sven Mislintat, dem Sportdirektor an seiner Seite, attestieren kann. Letztlich dürfte es Hitzlsperger gewesen sein, der Mislintat vom VfB überzeugte, denn, Hitz und Mislintat müssen eng zusammenarbeiten und auf einer Wellenlänge funken und nicht ein Dietrich, der scheinbar jeden Strohhalm auf der Suche nach Sympathiepunkten aufzugreifen versucht.

In Kitzbühel habe ich übrigens eine ganz tolle Arbeitsatmosphäre zwischen Tim Walter, Sven Mislintat und Thomas Hitzlsperger erlebt. Selten habe ich während eines Trainingslagers den VfB so offen und zugänglich erlebt, wie in den Tagen von Tirol. Diese Herren stehen für den neuen, einen sympathischeren VfB. Ich hoffe, es nimmt eine gute Entwicklung und dass sich der Erfolg einstellt, bin sehr optimistisch, was die drei angeht.

Dabei ist es nicht nur Tim Walters Fußball, der mich hoffentlich begeistert, wenn ein Rädchen ins andere greift. Sein Stil birgt durchaus die Gefahr, dass es enden könnte wie mit Zorniger, vorne hui, hinten pfui und das Umfeld schnell schon die Geduld verliert.

Ich stand bis zum Schluss zu Zorniger und vertraue auch Walter, dass er auf Sicht einen begeisternden und auch erfolgreichen Fußball spielen lässt. Gut Ding braucht Weile, die 2. Liga ist für mich das optimale Experimentierfeld, weil sich Niederlagen oder gar Niederlagenserien leichter kompensieren lassen als in der Bundesliga und die Gefahr unwahrscheinlich ist, dadurch zu viel Boden zu verlieren.

Weshalb ich auch insbesondere von Walter angetan bin, ist sein unverkrampfter Umgang mit Fans, Medien und Spielern. Ein toller Typ, den man erlebt haben muss. Daher wünsche ich mir nichts mehr, als dass man diesem Dreigestirn Vertrauen entgegenbringt und nicht sofort mürrisch wird, sollte es zunächst nicht wie erhofft laufen.

Ich wünsche ihnen ein ruhiges Arbeiten und einen unbelasteten Neuanfang. Dieser ist meines Erachtens nur möglich, wenn Dietrich ein Einsehen hat und auf der Mitgliederversammlung zurücktritt. Wenn das Votum abgeschmettert wird und Dietrich im Amt bleibt, werden die Proteste weiter an Fahrt zunehmen und, wenn es ganz dumm läuft, auf Zustände wie bei Hannover 96 (dessen „integrer“ Präsident Dietrich im übrigen gestern auch zur Seite gesprungen ist) hinauslaufen.

Dietrichs Ego und seine Selbstverliebtheit werden zwar vermutlich größer sein, als die Aussicht den VfB wieder als Sympathieträger erleben zu dürfen, doch, ich hoffe es, so verbohrt kann doch kein Mensch sein, zumindest keiner, dem etwas am VfB liegt.

Mir graut es bereits jetzt vor der Mitgliederversammlung, in der, ähnlich wie bei der Ausgliederungs-MV, Interviews mit Sportdirektor und Trainer vorgesehen sind, um die noch unentschiedenen Wähler einzunorden, um im Dietrich-Sprachjargon zu bleiben. Ob Fähnchen verteilt werden, damit die Show noch mehr amerikanische Züge annimmt, ist mir nicht bekannt.
Für mich haben solche Spaß-Interviews auf einer Versammlung, in der es um wichtige Dinge geht, nichts verloren, zumal die Versammlung dadurch, sicher so gewollt, in die Länge gezogen wird und zermürben soll. Da kriege ich einen dicken Hals und muss mich zusammenreißen, die Protagonisten auf der Bühne, die ich sonst ja mag, nicht auszupfeifen und zu beschimpfen.

Dietrich und sein Beraterstab waren also mal wieder alle Mittel recht, um Meinung zu beeinflussen und auf dem Präsidentenstuhl zu kleben. Um den VfB geht es denen schon lange nicht mehr. Da ich, auch ohne diese unlautere Wahlpropaganda, nicht mit den 75% für die Abwahl rechne und einen Rücktritt Dietrichs eher als utopisch ansehe, wird uns bis zur Neuwahl 2020 eine stürmische Zeit bevorstehen, darauf können die Herren, Achtung, keine (Selbst-)Morddrohung sondern eine Redensart, Gift nehmen!

VN:F [1.9.7_1111]
Rating: 10.0/10 (27 votes cast)
VN:F [1.9.7_1111]
Rating: +9 (from 11 votes)