15. Februar 2011

Endlich Aufwachen VfB!

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , – Franky @ 17:38

Es ist mittlerweile 5 nach 12!

Nach dem Debakel gegen Nürnberg gilt es jetzt, alle Kräfte zu bündeln und Wiedergutmachung zu betreiben. Es kann einfach nicht sein, dass eine Mannschaft sich dermaßen leb- und emotionslos, ohne Biss und ohne Konzentration, ohne Kampf- und Laufbereitschaft, präsentiert wie am letzten Samstag. Dem Verein und den Fans sind es die Millionarios schuldig, alles aus sich herauszuholen und alles dem gemeinsamen Erfolg unterzuordnen. Wenn der von Bruno Labbadia eingeführte 8-Stundentag nicht ausreicht, um das Bewusstsein zu schärfen, muss eben ein 10- oder 12-Stundentag her. Dieser könnte in etwa so aussehen.

8 Uhr: gemeinsames Frühstück
9 Uhr: Taktik- und Mentalschulung
10-12 Uhr Training
12.30 Uhr gemeinsames Mittagessen
13.15 Uhr Besuch eines beliebigen Unternehmens, um einen Blick in die normale Welt zu erhaschen.
16 Uhr bis 18 Uhr Training
Danach Talkrunde mit den Trainingsgästen, um zu erfahren, wie sehr die derzeitige Situation den Menschen an die Nieren geht und was die Fans an Geld- und Zeitaufwand auf sich nehmen, um so einen Dreck wie gegen Nürnberg vorgesetzt zu bekommen.

Dazu könnte den einen Tag ein Mentaltrainer versuchen die Blockaden zu lösen, an einem anderen könnten Zeitzeugen zu Wort kommen, die den Abstieg 1975 hautnah erlebt hatten und über die Wirkung dieses Desasters auf eine ganze Region dozieren könnten.

Mir würde noch einiges mehr einfallen. Egal was sie gedenken zu tun, bitte nicht alles einfach so dahin plätschern lassen und meinen, es würde sich von selbst alles zum besseren wenden. Diese Mannschaft braucht Anführer, die die Richtung vorgeben und zwar von außen. Innerhalb der Mannschaft ist keiner der das Heft in die Hand nehmen kann, das wurde uns am Samstag deutlich vor Augen geführt.

Aufgrund einer völlig verfehlten Personalpolitik in den letzten Jahren mit verschiedensten Trainertypen, die verschiedenste Spieler wollten, haben wir mittlerweile ein Sammelsurium an Durchschnittskickern, man könnte auch sagen Egoisten, die weder menschlich noch sportlich zusammen passen oder miteinander harmonieren. Für den Trainer ist es die große Kunst, aus diesem Geflecht ein, den Umständen entsprechendes, einigermaßen funktionierendes Gebilde zu schaffen, nämlich eine Mannschaft, die miteinander und nicht gegeneinander spielt und für eine gemeinsame Sache, nämlich den Klassenerhalt mit dem VfB, eintritt. Da aus dem Kreis der Spieler kaum einer heraus sticht, der unentbehrlich wäre, mir fällt eigentlich zur Zeit nur Christian Träsch ein, lagen meine größten Hoffnungen auf Besserung in dieser Saison während der Transferperioden.

Im Sommer wurde, wie in den letzten Jahren, egal ob die Manager Heldt oder Bobic heißen, gezaudert bis zum Schluss, um schließlich irgendwelche Auslaufmodelle oder Invaliden an den Neckar zu lotsen. Nach den Auftritten im Juli und August gegen Fußballgiganten wie Molde, Babelsberg und Bratislava und jeweils mühsamem Weiterkommen, dachte ich, es wäre Warnung genug, dass im Kader noch einmal nachgebessert werden muss. Jedoch, anstatt sich mit dem HSV zu einigen und Petric für etwa 8 Millionen zu verpflichten, einen Spieler, der nachweislich den Unterschied in einer Mannschaft ausmachen kann, zaudert man erneut und legt dem HSV ein inakzeptables Angebot vor, so dass sich diese verarscht fühlen und nicht einmal in die Verhandlungen einzusteigen bereit sind. Hier wurde schon eine große Chance vertan, die Saison in bessere Bahnen zu lenken. Christian Gross, der ständig gemahnt hatte, wegen des Stadionumbaus würde zu wenig in die Mannschaft investiert, sah sich bestätigt. Ich denke, das dürfte der letzte Auslöser gewesen sein, weshalb Gross die Lust verlor. Er wollte eben nicht sehenden Auges in den Abgrund stürzen.

Dann nahm die Saison den Lauf, den man erwarten musste. Gross musste gehen, es wurde keinen Deut besser. Keller kam und ging. Labbadia kam und unterlag zum Auftakt haushoch gegen die Bayern. Das Ergebnis fiel wohl nur nicht zweistellig aus, weil die Bayern irgendwann die Lust aufs Toreschiessen verloren. Es folgten Fanproteste vor der Haupttribüne wie fast vor Jahresfrist. Erwin Staudt, ja, den gibt’s auch noch, verkündetete, in der Winterpause werde alles getan, um den VfB wieder in ruhigere Fahrwasser zu bringen und auch personell nachgebessert.

Also, begründeten sich meine Hoffnungen erneut auf die Wechselperiode. Ich konnte den 1.1.11 kaum erwarten, so gespannt war ich, wer denn da in der Warteschlange alles stehen würde. Zeit genug hatten die Oberen ja, war es doch schon lang klar, dass der Kader in der Zusammenstellung nicht passt und zu schwach ist.

Unsere Abwehr, ein Hühnerhaufen sonders gleichen. Ich persönlich hätte mich sogar auch mit einem erfahrenen Torwart anfreunden können, da ich es Sven Ulreich mittlerweile nicht mehr zutraue in dieser schwierigen Situation ein sicherer Rückhalt zu sein. Dazu ist unsere komplette Innenverteidigung austauschbar derzeit. Delpierre und Tasci stellten sich am Samstag auch an, als hätten sie noch nie miteinander gespielt. Es fehlt an der Klasse, am blinden Verständnis, am Antizipieren von Situationen, an Konzentration, an Technik etc. Aber auch Niedermeier und Boulahrouz bekleckerten sich bei ihren Einsätzen nicht mit Ruhm. Also hätte ich mir einen gestandenen Innenverteidiger vorstellen können, von mir aus aus der 2. Liga. Als Manndecker sind die Aufgaben im Spiel begrenzt und mit ein bisschen Hirn, sprich Spielintelligenz und Konzentration, kann man schnell in die Aufgabe hineinwachsen, auch wenn man aus der unteren Etage kommt.

Im defensiven Mittelfeld hat sich Bah leider im Trainingslager verletzt, der offensichtlich für einen Stammplatz vorgesehen gewesen wäre. So hätte ich mir dafür auch einen kompromisslosen Abräumer Marke Van Bommel, Jones oder Bajramovic (in seinen besseren Zeiten) gewünscht neben Träsch. Kuzmanovic fällt mehr durch sinnloses Armheben als durch durchdachte Aktionen auf dem Platz auf, ist zu langsam und lässt sich allzu leicht überspielen.

Gentner scheint zwar eine Stammplatzgarantie zu besitzen, überzeugte bislang aber auch noch nicht. Er ist offensichtlich der Typ Spieler, der in einer funktionierenden Mannschaft glänzen kann, in der derzeitigen Situation leider aber auch nur ein Mitläufer.

Auf den Außenbahnen hätten wir meiner Meinung nach auch noch jemand schnelles, trickreiches gebrauchen können. Dass es Camoranesi nicht war, hat die sportliche Leitung erkannt und ihn wieder ziehen lassen.

Stattdessen wurden Okazaki und Hajnal geholt. Ob sie uns noch entscheidend weiterhelfen wird sich noch zeigen. Im Fall des Japaners zeichnet sich ja eine Hängepartie wegen der Spielberechtigung ab, auf deren Ausgang ich sehr gespannt bin. Glaubt man den Ausführungen des abgebenden Vereins, hat der VfB Anfängerfehler gemacht und damit gegen die FIFA-Statuten verstoßen.

Nicht nur deshalb halte ich Fredi Bobic auf dem Posten des Managers mittlerweile für eine Fehlbesetzung. Anfangs fand ich es gut, als er kam, weil ich ihn mochte, schon als Spieler. Weil er einer ist, dem der VfB am Herzen liegt wie ich dachte. Weil er seine Meinung auch gegen Widerstände verteidigt, wie ich dachte. Weil er somit auch unserer selbstherrlichen Vereinsführung die Stirn bieten könnte, wie ich dachte. Leider hat sich nichts von alledem erfüllt. Bobic ist wieder einmal nur einer, der vor den Karren der Vereinsführung gespannt wurde und Öffentlichkeitsarbeit betreiben darf. Die Geschicke des Vereins werden weiterhin maßgeblich von Hundt und Ruf gelenkt, so dass für die Selbstverwirklichung eines Managers nach wie vor kein Raum bleibt.

Ich wiederhole mich hier sicherlich: bei der Managerauswahl hätte Christian Gross mit eingebunden werden müssen und die Auswahl auf jemanden fallen müssen, mit dem Gross konnte. Bobic erweckte von Beginn an den Eindruck, nicht sonderlich große Stücke auf Christian Gross zu halten und schmiss ihn bei der nächst besten Gelegenheit raus. Über Gross kann von seiten des Vereins noch so viel schmutzige Wäsche gewaschen werden. Ich bin noch immer überzeugt davon, dass er, wenn er die notwendigen Rahmenbedingungen bekommen hätte, beim VfB ähnlich erfolgreich gewesen wäre wie mit dem FC Basel. Für mich der beste VfB-Trainer seit Jahren. Es kann nicht angehen, dass sich einzelne Spieler beim Manager oder Präsidenten über den Trainer ausweinen können und dort sogar noch Gehör finden. Dass ein Trainer streng ist, dass ein Trainer nicht ständig mit jedem redet und jeden verhätschelt, liegt im Naturell eines Individuums. Der Trainer, der unseren Herren Profis genehm ist, muss sicher erst noch gebacken werden.

Summa summarum hat Bobic für mich als Manager versagt, in Sachen Trainerentlassung und –auswahl und in Sachen Transferpolitik sowieso. Er scheint ähnlich plan- und konzeptlos zu sein wie unsere Vereinsführung schon seit Jahren.

Es müssen Veränderungen im Verein her auf allen Ebenen. Nachdem er jahrelang ein Feindbild für mich war, würde ich mittlerweile freuen, wenn z. B. ein Ralf Rangnick für den Verein gewonnen werden könnte, als Sportdirektor oder Trainer sei dahin gestellt, der dem Verein wieder ein Konzept gibt, vom Jugendbereich, über unsere Zweite bis zur (noch) Bundesligamannschaft. Noch wäre er zu haben und wäre u. U. auch dazu bereit, schon alleine wegen der Nähe zu seiner Heimat Backnang. Natürlich müssten unsere Oberen hier Kompetenzen abtreten und ihm den Personenstab zur Seite stellen, den er meint, für einen vernünftigen Aufbau zu benötigen. Voraussetzung ist natürlich, dass Rangnick dem VfB inzwischen verziehen hat, wie er seinerzeit vom Hof gejagt wurde und, dass der VfB ausnahmsweise einmal nicht zu spät dran ist.

Nach dem Spiel gegen den Club fällt es mir schwer, noch an den Verbleib in der Liga zu glauben. Dennoch werden wir weiterhin alles für den VfB geben und ihn unterstützen, auswärts und daheim. Es muss in die Köpfe der Spieler, welche Katastrophe sie anrichten, wenn sie die Dinge weiter so geschehen lassen wie bisher. Ich denke, sechs Siege sollten mindestens her, um sicher nicht abzusteigen. Möge die Mannschaft gegen Leverkusen damit beginnen.

Für das Spiel in Lissabon erhoffe ich mir ein Team, das sich nicht blamiert. Dass das Hauptaugenmerk auf dem Nichtabstieg liegt, ist logisch. Trotzdem fahren etwa 1.200 Fans mit, mich eingeschlossen, die es verdient haben, für die Unterstützung eine Gegenleistung zu bekommen. Sollte irgendjemand in der Vereinsführung oder im Trainerstab vorhaben, den Kick abzuschenken, dann soll er lieber gleich die Fans auszahlen und sie bitten, lieber daheim zu bleiben. Das wäre immer noch ehrlicher als die Aussagen von Armin Veh damals in Sevilla: „wärd Ihr halt daheim geblieben“.

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