3. Juni 2017

Neues von der VfB Stuttgart 2017 AG

Die Würfel sind gefallen! Mit überwältigenden 84,2% der Stimmen auf der am Donnerstag Abend stattfindenden außerordentlichen Mitgliederversammlung stimmten „die“ VfB-Mitglieder für die Ausgliederung der Fußball-Abteilung in eine Aktionengesellschaft.

Damit wurde die erforderliche Dreiviertelmehrheit deutlich übertroffen und es wurden die Weichen in eine glorreiche Zukunft gestellt. Ein guter Tag also für den VfB Stuttgart, so der allgemeine Tenor der sich ein zweites Loch in den Allerwertesten freuenden Mitgliedergemeinde.

Ja zum Erfolg! Ja, wir sind wieder wer! Weiß, rot, geil!

Als aufrechte Demokraten haben wir natürlich das Votum des Wahlvolks zu akzeptieren, 84,2% können schließlich nicht irren.

Folgt man dieser Logik, verböte sich Kritik an Donald Trump und allen Despoten dieser Welt, bzw. an ihren Wählern, schließlich wurden die meisten ja demokratisch gewählt und den Willen ihres Volkes gelte es zu respektieren. Auch das Hinterfragen des Tuns unserer Volksvertreter verbietet sich (oder etwa nicht?), man bekommt ja auch dort, genau das, was man gewählt hat.

Diese Abschweifung in die Politik sollte auch nur kurz angerissen werden, um gleich in der Einleitung festzuhalten, dass auch ich ein Wahlergebnis, auch wenn es noch so deutlich ausgefallen ist, zwar akzeptieren, es deshalb aber trotzdem nicht für gutheißen muss.

Wenn sich Befürworter der Ausgliederung jetzt getreu dem Wahlkampf-Slogan „Ja zum Erfolg“ gegenseitig auf die Schultern klopfen und jeder zweite Jubelbeitrag mit „die Mitgliederschaft war so schlau…“ oder „die Vernunft hat gesiegt…“ beginnt, darf sich die „Gegenseite“ durchaus als „nicht schlau“ bezeichnet angesprochen und zu einer Reaktion veranlasst sehen. Dies auch nur für diejenigen, denen ein „jetzt lass mal gut sein“ auf der Zunge steckt.

Die Mitgliederschaft ist gespalten, was sich nicht nur an meinen ersten Worten erkennen lässt. Dass dies so ist, hat sich einzig und allein die Vereinsführung zuzuschreiben, die schon im Oktober auf fragwürdige Weise „ihren“ Präsidenten durchgeboxt hat, der wohl in erster Linie deshalb für den Posten prädestiniert erschien, weil er die ihm aufgetragenen Vorhaben ohne Rücksicht auf Verluste durchzieht und, wie man jetzt auch beim VfB weiß, im Zusammenhang mit Stuttgart 21 nicht zu Unrecht den Beinamen „Spalter“ erhielt.

Die Wahlpropaganda mag aus deren Sicht, weil sie von ihrem „Plan“ überzeugt waren, nachvollziehbar gewesen sein. Es wurde jedoch deutlich, dass diese Vereinsführung nicht die Vereinsführung ALLER Mitglieder ist, sondern nur eine für diejenigen, die ihnen blind folgen und vertrauen.

Dass der VfB im Endeffekt alles richtig gemacht hat und die billige Propaganda bei den meisten gewirkt hat, spricht für mich nicht unbedingt für die Wählerschaft.

Um das Wahlvolk zu überzeugen genügte der bloße Wiederaufstieg, die Aussicht auf 41,5 Millionen Daimler-Millionen, das Versprechen wieder mehr auf die eigene Jugend zu setzen und in absehbarer Zeit wieder eine Größe im deutschen Fußball sein zu wollen.

Wie risikobehaftet diese Ausgliederung ist, was man dafür als Mitglied im e. V. hergibt und wie wenig realistisch die heraus posaunten Ziele sind, interessierte die meisten überhaupt nicht. Auch dass von allen Gegnern DIESER Ausgliederung Gesprächsbereitschaft über andere Modelle signalisiert wurde, wurde von kaum jemanden wahrgenommen, sonst würde man als Gegner nicht ständig als „ewiggestriger Traditionalist“ oder als „Ultra“ beschimpft werden, weil „die“ ja ohnehin immer gegen alles seien.

Die vom VfB bzw. der Daimler AG auserwählte Rechtsform der AG, bietet die mit Abstand wenigsten Einflussmöglichkeiten der Vereinsmitglieder im Vergleich zu anderen möglichen Rechtsformen. Das Projekt Vereinsentwicklung und die daraus resultierenden Handlungsempfehlungen für die eine Vielzahl an Mitgliedern viele Stunden ihrer Freizeit geopfert hatten, wurden in die Tonne gekickt. Die Webseite, auf der die Ergebnisse dieser Konferenzen und Workshops abgelegt war, wurde mit der Veröffentlichung des Daimler-Deals „auf Nimmerwiedersehen“ vom Netz genommen. Auch wenn Stefan Heim am Donnerstag behauptete, das jetzige Modell resultiere aus den Ergebnissen der VfB Zukunftswerkstatt, erkennt man darin nichts wieder. Hätte man sich also getrost schenken können!

Bei den Ausgliederungsgegnern bzw. genauer gesagt, denen, die sich mehr Mitsprache bei der Art der Ausgliederung gewünscht hätten, stieß außer, dass man nicht mit ins Boot genommen wurde, sauer auf, dass einem die „Pistole auf die Brust“ gesetzt wurde und Horrorszenarien an die Wand gemalt wurden, für den Fall der Ablehnung.

Wenn Dietrich zudem im Wahlkampf immer wieder betonte, während seiner vierjährigen Amtszeit würde dieses Thema zum ersten und letzten Mal auf dem Tisch sein, anstatt sich gesprächsbereit über Modifizierungen der Pläne zu zeigen, zeugt dies von wenig Kooperationsbereitschaft. Es hatte eher etwas von „den Gegnern den schwarzen Peter zuschieben“, denn, wer nein sagen würde, würde nein zum Erfolg sagen und hätte im schlimmsten Fall den VfB auf dem Gewissen, wenn es denn ohne Ausgliederung weiter den Bach runter gehen würde.

Die bedingungslosen Befürworter, die diesen Drohgebärden Glauben schenkten, hatten indes ein weiteres „Argument“, nämlich jenes, dass es unbedingt zu vermeiden gilt, dass der VfB auf immer und ewig Fahrstuhlmannschaft sein würde.

Dass in der Vergangenheit sehr viel mehr Geld als die besagten 41,5 Millionen Euro von den Manager-Azubis Heldt, Bobic und Dutt verbrannt wurden und sie der Hauptgrund für die Talfahrt seit der Meisterschaft 2007 sind, wollte leider keiner hören.

Jetzt haben wir mit Jan Schindelmeiser einen absoluten Glücksgriff als Sportdirektor und mit Hannes Wolf einen weiteren Glücksgriff und Sympathieträger an der Seitenlinie. Dass diese beiden Vereinsangestellten dann auch noch Tage vor der aoMV unisono erklärten, ohne Ausgliederung würde es für den VfB sehr schwer in der Bundesliga werden, brachte sicherlich auch noch einige Stimmen ein.

Der VfB, das muss man ihm lassen, betrieb schon einen ausgeklügelten Wahlkampf und scheute dabei keine Kosten und Mühen. Dieser Schuss musste sitzen, daher wurde alles auf diese eine Karte gesetzt, anstatt den Mitgliedern seriös aufzuzeigen, wie es um den VfB im Falle einer Ablehnung dieser Ausgliederungspläne bestellt sein würde. Nein, der Plan B hieß „Ängste schüren“, hat ja letztlich auch vorzüglich geklappt.

So konnte man durch gezieltes Marketing und dadurch, dass man nichts dem Zufall überlassen hatte, bereits sehr viele Wähler „fangen“. Da die Social-Media Zielgruppenanalyse, die man betrieb und die Stimmungen, die man einfing, offensichtlich noch Zweifel an der Dreiviertelmehrheit offen ließen, kam man auf die glorreiche Idee, noch mehr Mitglieder durch materielle Anreize ins Neckarstadion zu locken.

Außer dem obligatorischen VVS-Gutschein, lockte dieses Mal ein Gratis-Trikot, sowie je ein Essens- und Getränkegutschein. Dies führte dazu, dass einige Spezialisten nur kamen, um das Trikot abzustauben und das Stadion dann wieder verließen. Für solche Mitglieder schämt sich sogar ein Schwabe!

Die Trikot-Aktion schien ihr Übriges zu tun, um genügend „Ja-Stimmen“ zu erhalten. Eines war auch mir bereits im Vorfeld klar, je mehr Mitglieder an der aoMV teilnehmen würden, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass der VfB die Ausgliederung durchbekommt.

Diese Mitglieder, die meisten davon sicherlich das erste Mal auf einer Mitgliederversammlung und lediglich wegen des kostenlosen Trikots gekommen sind, nenne ich jetzt einfach mal Event-Mitglieder.

Auffällig war es, wie viele Leute sich scheinbar im Stadion nicht auskannten und über die Thematik, über die abzustimmen war, wenig bis überhaupt nichts wussten. Da waren Leute am Start, die ernsthaft im Glauben schwebten, wir würden bei einer erfolgreichen Ausgliederung von jetzt auf gleich wieder Champions League spielen. Diese Leute sagen einfach „Ja zum Erfolg“, zumindest zuhause auf der Playstation.

Dieses Klientel, das sich so wenig mit dem VfB und der seit Monaten geführten Debatten auskennt, nenne ich deshalb Event-Mitglieder, weil das vermutlich solche sind, die Mitglied geworden sind, um ihre Chance auf Karten gegen die Bayern oder Dortmund zu erhöhen, sonst jedoch eher selten im Stadion zugegen sind.

Diese haben natürlich vor allem Interesse an „großen Spielen“, sind jedoch die ersten, bei denen das Interesse am Verein erlischt, wenn er nicht auf der Sonnenseite der Tabelle steht.

Wenn ihnen dann von Vereinsseite aus rauschende Champions-League-Abende in Aussicht gestellt werden und man ihnen bildlich im „Sendung mit der Maus“-Stil unsere künftigen Platzierungen zeigt, geht denen natürlich gleich einer ab.

Dieses Klientel, das mit dem Herzen nicht ganz so dabei ist, wie unsereins, ist mutmaßlich auch jenes, deren Karten zuhauf auf Ebay zu ersteigern sind, aber, ist ja nicht so schlimm, Hauptsache sie haben das richtige Knöpfchen gedrückt.

Mir war das am Donnerstag schon ein wenig suspekt, was sich alles VfB-Mitglied schimpfte. Ist ja auch klar, dass man von 50.000 Mitgliedern im Verhältnis immer weniger kennt und doch frage ich mich, ob ich in Zukunft noch Teil dieser Gemeinschaft sein will. Das hat überhaupt nichts damit zu tun, dass die Wahl nicht wie von mir erwünscht ausgegangen ist.

Dieses arrogante „von oben herab“ unserer Vorstände und Aufsichtsräte und die notorische Kritikresistenz sind mir schon länger ein Dorn im Auge. Dass aber Mitglieder gegen Mitglieder giften und Redner bei der Aussprache ausgepfiffen und ausgebuht werden, hat mit Respektlosigkeit zu tun. Eines der elementarsten Rechte, von zugegeben nicht vielen, ist die Aussprache.

Dass nun bereits zum zweiten Mal in Folge die Aussprache nach Antrag eines Mitglieds und per Abstimmung abrupt beendet wurde, empfinde ich als ein Armutszeugnis und erkenne eine nicht vorhandene Diskussionsbereitschaft. Auch das zeugt von mangelndem Respekt den Rednern gegenüber, die noch an der Reihe gewesen wären und sich möglicherweise akribisch auf ihren Auftritt vorbereitet hatten.

Gerade bei einer zeitlich begrenzten Redezeit von fünf Minuten, hätten diese 45 Minuten den Kohl auch nicht mehr fett gemacht. Da die Vereinsführung, wie auch schon im Oktober, von Beginn an auf Zeit spielte, hielt sie es wohl auch nicht für angebracht, gleich am Anfang darüber zu informieren, wie viele Redner sich denn angemeldet hatten.

Ich hinterfrage meine Mitgliedschaft, weil man künftig im e. V. den Fußball betreffend noch weniger zu melden hat als ohnehin schon. Ich bin nicht das „Lebenslang“-Mitglied, das sich überlegen müsste, ein besonders „großes“ Jubiläum aufs Spiel zu setzen, denn, als Gerhard Mayer-Vorfelder Winfried Schäfer als Trainer verpflichtete, habe ich die Mitgliedschaft schon einmal gekündigt und mich erst vor einigen Jahren neu angemeldet.

Meine Liebe zum VfB bringe ich als Dauerkarteninhaber, Fanclubmitglied und Allesfahrer auch ohne Mitgliedschaft zur Genüge zum Ausdruck.

Dass der Termin unter der Woche um 18.30 Uhr äußerst ungünstig, wohl aber von den Herren der Vereinsführung kühl kalkuliert, war, hatte ich mehrfach kritisiert. Dass die Veranstaltung dann noch mit einer guten Stunde Verspätung begann, war für mich eine bodenlose Frechheit. Die Werbefilmchen der Ikonen der Vergangenheit hat wohl jeder schon gesehen, die „Meistermannschaft“ durfte am letzten Spieltag auch jeder herzen, wenn ihm danach war.

Weshalb vergeudete man also wertvolle Zeit schon am Anfang, anstatt auf die Tube zu drücken, im Wissen darum, dass die meisten Mitglieder am nächsten Tag wieder früh raus müssen? Wohl auch hier, um auf Zeit zu spielen, die Leute zu ermüden und darauf zu hoffen, dass sie dann schon alles von selbst beschleunigen werden. Dieser Plan ging ja auch ganz gut auf.

So erinnerte mich die Veranstaltung zu Beginn wegen der Jubel-Show eher an eine US-amerikanische Wahlkampfveranstaltung, ein Opening oder die Meisterfeier, jedoch nicht an eine außerordentliche Mitgliederversammlung des VfB Stuttgart 1893 e. V., einer DER wichtigsten in der Vereinsgeschichte.

Hätten sie diesen Programmpunkt in der Tagesordnung stehen gehabt, wäre ich von vornherein erst später gekommen, nach Abfeierei des Vereins war es mir ob der anstehenden Entscheidung gleich überhaupt nicht. Aufgrund der ganzen Begleitumstände war ich eh schon ziemlich geladen, so dass mich diese Verzögerungstaktik fast zum überschäumen brachte. Das ungenießbare Schnitzelbrötchen, welches man für den Gutschein bekommen konnte, hellte meine Laune dann logischerweise auch nicht auf.

Mit der aufgesetzten Euphorie kann ich ohnehin überhaupt nichts anfangen. Wir sind aufgestiegen, nicht mehr, nicht weniger. Es ist das, das man vom Verein, von der Truppe erwarten können musste, Pflicht erfüllt, mehr nicht!

Dass es zu allem Überfluss mal wieder nur alkoholfreies Bier gab, machte den Abend noch unerträglicher. Diese Gängelei kotzt mich an, zeigt aber auch, was dieser Verein von seinen Mitgliedern hält. So wie sie offensichtlich nur einfach gestrickte Filmchen verstehen, können sie auch mit Alkohol nicht umgehen. Und da soll man sich ernst genommen fühlen?

Insgesamt also ein sehr frustrierender Abend in einer enorm aufgeheizten Atmosphäre und das nicht nur der Temperaturen wegen. Es waren bei der Aussprache gute Redner zugegen, deren Argumente und Bedenken gegen die Ausgliederung von der Masse jedoch nicht gehört werden wollten. Von denen, die nicht zu Wort kamen, hätte man ebenfalls noch gute Einwände erwarten dürfen, leider wollte dies ein Großteil nicht mehr über sich ergehen lassen.

Eigentlich jedoch auch wieder nicht verwunderlich, dass diejenigen, die der Wegfall von Mitgliederrechten in der AG nicht kümmert, wichtige Elemente einer e.V.-Mitgliederversammlung schlicht egal sind. Hauptsache zeitig Feierabend!

Magnus Missel, Betreiber vom VfB Blog, stellte einige kritische Fragen, welche leider vom immer dünnhäutiger reagierenden Wolfgang Dietrich unbeantwortet blieben. Stattdessen warf dieser Missel vor, einige Gesprächsangebote seitens des VfB nicht angenommen zu haben. Schade, dass bei diesen Reaktionen des Vorstands auf Redebeiträge der Redner nicht mehr am Podium steht und ad hoc Stellung beziehen kann. So stehen diese Behauptungen Dietrichs jetzt im Raum, ohne dass Missel noch hätte darauf eingehen können.

Auch Benno vom Commando Cannstatt 97 traute sich wieder und bat unter anderem darum, vor der Abstimmung zur Ausgliederung eine Probeabstimmung durchzuführen. Dieser Bitte wurde leider nicht stattgegeben, es werde schon alles mit rechten Dingen zugehen. Das kann man glauben oder auch nicht.

Es scheint einige Geräte gegeben haben, die nicht funktionierten, zudem müssen die Volunteers an den Eingängen auch falsche Informationen weitergegeben haben, welche Geräte wo funktionieren.

Ob es im 21. Jahrhundert nicht fortschrittlichere und damit verlässlichere Abstimmungstechniken gibt? Wir jedenfalls waren uns des öfteren unsicher, ob denn die Abstimmung richtig funktioniert hat. Dass bei einigen Abstimmungen Tausende nicht mit abgestimmt haben, halte ich schlicht für sehr unwahrscheinlich.

Eine Mitgliederversammlung mit über 14.000 Mitgliedern ist schon einmalig im deutschen Fußball, die Lockangebote haben offensichtlich gewirkt. Die nächsten Mitgliederversammlungen wird der verbliebene e. V. mit seinen Faustballern, Leichtathleten, Hockey-Damen und Schiedsrichtern vermutlich wieder im Carl-Benz-Center abhalten können.

Kamen beim HSV zur Abstimmung über die Ausgliederung knapp 10.000 stimmberechtigte Mitglieder waren es bei jener am 08.01.2017 gerade noch 344 Mitglieder! Die Musik spielt künftig in der AG, viel mehr als den trocken verlesenen Geschäftsbericht wird es auf den e. V.-Versammlungen nicht mehr zu besprechen geben.

Die Einflussmöglichkeiten bisher waren zwar auch nicht gerade immens, doch hatte man immerhin bei der alljährlichen Aussprache das Recht, unbequeme Fragen zu stellen und Vorstand und Aufsichtsrat nicht entlasten, was bekanntlich schon zum einen oder anderen Rücktritt geführt hat.

Des weiteren sind theoretisch Schadenersatzansprüche wegen grober Pflichtverletzung gegen Aufsichtsräte möglich, während wir jetzt drei Kreuze machen und hoffen müssen, dass die handelnden Personen ihren Job gut machen.

Wenn die 41,5 Millionen Euro und das Geld potentiell weiterer Investoren ausgegeben, verpufft oder verbrasst sind, kann höchstens der zustimmungspflichtige Verkauf weiterer Anteile noch einmal die Gemüter erhitzen.

Dass der Präsident des e. V. den Verein mit 75% in der Hauptversammlung der AG vertritt, ist ein Proforma-Recht, weil sich in dieser nicht viel abspielt, außer dass ihm der Geschäftsbericht der AG vorgelegt wird. Ein weiteres Recht, wie Magnus Missel schreibt, wäre, die Gesellschaft aufzulösen und Satzungsänderungen in der AG herbeizuführen. Dass Dietrich den Verein zu 75% in der Hauptversammlung vertritt ist für mich ohnehin nicht der Burner, da mir das Vertrauen in ihn fehlt. Nach diesem Wahlkampf mehr denn je!

Spätestens seit Donnerstag ist also auch der VfB angekommen in der Welt des fußballerischen Kapitalismus. Für ein paar Kröten verkaufen wir unser Mitspracherecht über die Fußballabteilung an Wirtschaftsbosse. Dies belohnen wir mit Sitzen im Aufsichtsrat welcher wiederum den Vorstand bestellt. In den Aufsichtsrat wird der e. V. zwei Mitglieder entsenden, so dass der Verein dort bei neun Mitgliedern klar unterrepräsentiert sein wird. Ob außer Sponsoren- bzw. Investorenvertretern noch Leute aus dem Sport in den Aufsichtsrat nachrücken, steht noch in den Sternen.

Klar ist nur, dass Dietrich Präsident im e. V. bleiben wird und die anderen Vorstände Heim, Röttgermann, Schindelmeiser als Vorstand der AG fungieren werden. Da alle dieser Herren relativ jung sind, werden sie wohl, sollten sie keinen Scheiß bauen, diese Posten einige Jahre lang ausüben.

Interessant dürfte es dann werden, wenn Posten neu zu besetzen sind, weil Vorstände vom vom VfB e. V. unterrepräsentierten Aufsichtsrat entsandt werden und theoretisch eines Tages in der AG immer weniger VfB enthalten sein könnte.

Was die Zukunft bringt, ob uns dieser Schritt entscheidend voran bringt oder nicht, können weder Gegner noch Befürworter zur jetzigen Zeit seriös beantworten.

Jan Schindelmeiser hat zeit seines Wirkens auf dem Cannstatter Wasen Geschick bei seinen Transfers, der Ausgestaltung der Verträge und nicht zuletzt Mut bei der Verpflichtung von Hannes Wolf bewiesen. Hätte man uns Dutt erspart und gleich Schindelmeiser präsentiert, stünden wir vermutlich um einiges besser da als derzeit, auch ohne Ausgliederung.

Daher traue ich Jan Schindelmeiser in der anstehenden Transferperiode ein glückliches Händchen zu, dies im übrigen unabhängig davon, dass wir jetzt ausgegliedert haben. Ich hätte auch ohne Ausgliederung ein gutes Gefühl gehabt, dass er für die Bundesliga eine schlagkräftige Truppe an den Start hätte bringen können.

Insgesamt hoffe ich, dass der angekündigte Großangriff nur ein Wahlversprechen war, um Stimmen zu erhaschen, und nicht von heute auf morgen in die Tat umgesetzt wird.

Mir sind Vereine, die kleinere Brötchen backen und aus geringeren Mitteln das Optimale herausholen, weitaus sympathischer, als Vereine, bei denen Geld keine Rolle spielt und die mit horrenden Gehältern um sich werfen.

Wollen wir, wie es Dietrichs Vision zu sein scheint, in Sachen Gehaltsniveau mit Vereinen wie Leipzig, Wolfsburg und Hoffenheim mithalten, setzt man sich gewaltig unter Zugzwang und spielt mit dem Feuer. Für mich ist es absolut unrealistisch in absehbarer Zeit wieder Stammgast in den Top 5 zu sein.

Die Konkurrenz schläft ja auch nicht und steckt Summen, für deren einmaligen Erhalt wir uns verkaufen und wegen der die meisten „hurra“ schreien, Jahr für Jahr in die Fußballabteilung.

Da geben mir einmalige Ausschläge nach oben und sporadische Europapokal-Teilnahmen, wie sie der SC Freiburg und der 1. FC Köln in der nächsten Saison erleben, mehr, als wenn man mit einem 100 Millionen-Euro-Etat nur Fünfter werden und nicht wissen würde, wie die darauffolgende Saison finanziert werden soll.

Deshalb hoffe ich, dass der VfB, auch als AG, schwäbisch vernünftig wirtschaftet und nicht größenwahnsinnig wird.

Von vielen hörte ich im Vorfeld „der Schindelmeiser hat’s ja schon bewiesen, dass er mit Geld umzugehen weiß“. Ein bisschen kurz gedacht, schon morgen könnte Schindelmeiser Geschichte sein und einer wie Bobic oder Dutt sein Unwesen treiben. Und dann?

Aber, keine Sorge, ist ja alles rosarot, auch Dietrich sagte, ist das Geld verprasst, ohne die erhoffte Wirkung erzielt zu haben, dann sei nichts weiter passiert, als dass wir schlimmstenfalls dastehen könnten wie heute auch. Wer’s glaubt, wird selig.

Im Einzelnen möchte ich mich über etwaige Risiken und die Auswirkungen des nun erfolgten Schrittes auch gar nicht mehr auslassen, diese sind in den einschlägig bekannten und von mir auch verlinkten Blogs ausführlich erläutert (eine Zusammenfassung hier http://vertikalpass.de/vfb-ausgliederung-links/).

Die Aufgabe zu informieren lastete im Vorfeld aufgrund der einseitigen Propaganda vom Verein auf den Bloggern, Podcastern und Ultrasgruppierungen auf. Man tat es, so gut man konnte und so gut es die Zeit zuließ. Da es DIE Opposition als Einheit und koordiniert nicht gab, wurde mit ungleichen Waffen gekämpft. Von den Stuttgarter Zeitungen hätte man sich wenigstens den einen oder anderen kritischen Artikel gewünscht, doch, Fehlanzeige.

Dass ich dem VfB, solang er weiter unser Wappen trägt, auch weiterhin die Stange halten werde, versteht sich von selbst. Man wird eben noch kritischer hinschauen, hat man doch einige Vereine vor Augen, bei denen eine Ausgliederung auch schon gewaltig schief gegangen ist. Gerade das aktuelle Beispiel TSV 1860 München mit seinem jordanischen Investor Ismaik sollte Warnung genug sein, was passieren könnte, bekäme der Investor zu viel Einfluss. Von diesem Modell sind wir selbstredend weit entfernt, doch, der Anfang in diese Richtung wurde Donnerstag gemacht.

Dem VfB würde es gut zu Gesicht stehen, sich die in der 2. Liga wiederentdeckte Demut zu bewahren und langsam wieder in die Bundesliga hineinzuwachsen.

Das jahrelang zerrüttete Verhältnis zwischen Spielern und Fans scheint gekittet und könnte kaum besser sein als im Moment. Die Spieler lernten die Unterstützung, die sie in der Bundesliga als selbstverständlich ansahen, neu schätzen, während man als Fan seit langem wieder den Eindruck hatte, es stünde ein Team auf dem Platz und ein Trainer an der Seitenlinie, bei dem sich jeder seinen Einsatz Woche für Woche neu erarbeiten muss.

Wird jetzt noch an Ur-Alt-Baustellen und Stammplatzgarantien herangegangen, ist mir vor der Bundesliga überhaupt nicht bange. Es wäre schön, wenn dieses Klima in die Bundesliga hinüberzuretten wäre.

Der AG-Vorstand und dabei vor allem Jan Schindelmeiser kann dazu beitragen, indem vernünftige, leistungsgerechte und vor allem durch sichere Einnahmen abgedeckte Gehälter bezahlt werden und man wegen der größeren Möglichkeiten nicht sofort wieder unvernünftig wird und Fehler der Vergangenheit wiederholt.

Mit dem modernen Fußball und seinen Begleitumständen vor und in den Stadien kann ich ohnehin immer weniger anfangen, so dass mir wenigstens mein eigener Verein, oder doch besser meine Fußball-Abteilung der VfB AG (?), noch Spaß machen sollte.

Nimmt die Kommerzialisierung weiterhin überhand, wird eine Helene Fischer auch in unseren Halbzeitshows Bestandteil, bin ich bald geneigt, nur noch mit den Amateuren mitzufahren, wenn es sie denn auf lange Sicht überhaupt noch gibt.

Als Mitglieder des e. V. haben wir nämlich auch die U23-Mannschaft nicht mehr in unserem Einflussbereich, so dass unsere Amateure schneller weg vom Fenster sein könnten, wie wir gucken können. In einer Kapitalgesellschaft geht es schließlich um Profit Center, bringen die Amas auch in naher Zukunft kein Futter für die Profiabteilung hervor, ist sie verlustträchtig und dürfte auf den Prüfstand kommen. Aufgelöst und abgemeldet ist die Abteilung schnell, schließlich muss man ja dafür die lästigen Mitglieder nicht mehr befragen.

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26. Mai 2017

“Nein zur AG” heißt nicht #neinzumerfolg

Nach dem „So gut wie Aufstieg“ in Hannover durch das Bielefelder 6:0 gegen Eintracht Braunschweig, machte der VfB am Sonntag gegen die Würzburger Kickers erwartungsgemäß sein Meisterstück. Dem Schlusspfiff folgten Platzsturm und eine rauschende Feier auf dem Wasen, der ich, wie wohl viele andere auch, wegen der befürchteten Überfüllung gleich von selbst fern geblieben bin.

Jedoch muss ich auch zugeben, dass ich wegen des Aufstiegs nicht in eine allzu große Euphorie verfallen bin und auch nicht das Bedürfnis hatte, ein Stück Rasen oder einen Torpfosten mitzunehmen oder gar die „Aufstiegshelden“ zu herzen. Einige davon sind immerhin auch die Versager des Vorjahres, die lediglich mitgeholfen haben, zu reparieren, was über all die Jahre kaputt gegangen ist.

Die Aufstiege von Hannover 96 und vom VfB waren reine Pflichterfüllung, alles andere als der Aufstieg wäre in beiden Städten schlicht nicht zu vermitteln gewesen. Der finanzielle Vorsprung vor dem Rest der Liga war einfach zu gewaltig, um erneut ein Übergangsjahr zu gestatten. Zudem war in dieser 2. Liga kein Team, wie noch im Vorjahr Red Bull Leipzig, mit von der Partie, welches mit unlauteren Mitteln gekämpft hätte. Daher war es eher überraschend, dass bis zum letzten Spieltag noch kein Aufsteiger definitiv fest stand und letzte Restzweifel noch ausgeräumt werden mussten.

Dabei möchte ich die 2. Liga nicht kleiner reden, als sie ist. Auch dort wird ordentlicher Fußball gespielt, die meisten Vereine und Fanszenen habe ich im Laufe des Jahres ohnehin in mein Herz geschlossen, und dennoch, ein Blick auf das Budgetranking allein genügt, um zu erkennen, dass Hannover 96 und der VfB finanziell in einer anderen Liga spielten.

Der VfB schloss die Saison also als Meister ab und bekam als Lohn die „Radkappe“ überreicht. Schmückt dieser Titel alsbald noch unseren Briefkopf wäre dies der Gipfel der aufgesetzt wirkenden Euphorie. Als Fan begleitet mich derzeit eher Wehmut, diese tolle Liga nach nur einem Jahr schon wieder verlassen zu müssen.

Für den Verein war der Aufstieg jedoch überlebensnotwendig, um nicht Gefahr zu laufen, den Anschluss nach oben völlig zu verpassen und ein „normaler“ Zweitligaverein zu werden wie bspw. Fortuna Düsseldorf, VfL Bochum, 1. FC Kaiserslautern und mittlerweile auch der 1. FC Nürnberg. Zukünftig spielen wir also wieder mit im Konzert der Großen und die Intention der Vereinsführung ist es, den zweiten vor dem ersten Schritt tun zu wollen.

Anstatt sich zunächst einmal wieder zu etablieren, möchte man mit den Daimler-Millionen den Großangriff nach oben starten. Dafür wurde für kommenden Donnerstag (01.06.) eine außerordentliche Mitgliederversammlung angesetzt, um im Zuge (der erhofften) Euphorie die Ausgliederung durchpeitschen zu können.

Euphorisch mögen die Selfie-Knipser auf dem Rasen gewesen sein, ich war es nicht und, wäre ich es gewesen, wäre meine Euphorie seither schon wieder längst verflogen.

Bereits am Tag nach dem Aufstieg, kaum trocken von den Bierduschen, wurde publik, dass Controller Heim und Trikotverkäufer Röttgermann, zwischen Dutts Entlassung und Schindelmeisers Amtsantritt so etwas wie die letzten Mohikaner in der Vereinsführung, Simon Terodde eine Ausstiegsklausel in den Vertrag drucken ließen, die es ihm erlaubt, für die festgeschriebene Ablösesumme von sechs Millionen Euro den Verein bis zum 31.5. verlassen zu können.

Unser Aufstiegsgarant also vor dem Absprung? Knallhart holte uns somit die Bundesligarealität schon wenige Tage nach dem Aufstieg ein, nämlich, dass wir im Vergleich zu etablierten Bundesligisten doch nur ein kleines Licht sind und in Sachen Gehaltsangeboten auch mit Vereinen aus der Tabellenmitte nicht mithalten können. Einige fühlten sich in diesen Diskussionen bestätigt, der VfB brauche die Ausgliederung schon deshalb, um einen wie Terodde halten zu können. Ich sage, beim zunächst kolportierten Vertragsangebot von Borussia Mönchengladbach, 4-Jahresvertrag für einen 29-jährigen und 6 Millionen Euro Jahresgehalt, mitzubieten, wäre wahnwitzig gewesen, egal wie viel man auf dem Konto hat. Natürlich verleitet es, je mehr Geld man zur Verfügung hat, auch unvernünftige Sachen zu machen, doch, wollen wir das wirklich?

Wenn ich schon nicht sonderlich euphorisch war, ob des zu erwartenden Aufstiegs, gefallen haben mir die „ERSTKLASSIG“-T-Shirts schon, mit denen die Jungs zusammen mit den Fantastischen Vier auf der Bühne des Cannstatter Wasens herumgehüpft sind. Der Slogan „ERSTKLASSIG“ ist zwar nicht sonderlich der Rede wert, waren wir doch die meiste Zeit der Vereinsgeschichte erstklassig, aber, sei’s drum. Einen Aufstieg erlebt man trotzdem nicht alle Tage, so war ich gewillt, mir dieses Shirt für stolze 20 Euro zu gönnen.

Dann allerdings das böse Erwachen: einen Tag nach dem Aufstieg (und bis heute) war dieses Shirt im Online-Shop auf der VfB-Seite nur in extrem kleinen Größen bestellbar. Es ist ja auch nicht so, dass man in seinem Online-Shop unbegrenzt Bestellungen annehmen und nach Auftragseingang produzieren lassen könnte, nein, beim VfB ist in einem solchen Fall die Bestellung überhaupt nicht möglich! Für mich wäre das Shirt JETZT interessant gewesen, nach der Terodde-Ernüchterung und wohl erstrecht nach der Mitgliederversammlung ist es das wohl nicht mehr.

Ich habe mir zwar sagen lassen, im Shop sei das Shirt in rauen Mengen und sämtlichen Größen verfügbar, doch, manchmal kommt man einfach nicht „runter“ und zahlt dann lieber die Versandkosten, um ein Produkt bequem nach Hause geliefert zu bekommen. Ein wirkliches Argument ist die Verfügbarkeit vor Ort ohnehin nicht, in Anbetracht der vielen auswärtigen Fans, die schon gar nicht die Möglichkeit haben, den Shop außerhalb von Spieltagen zu besuchen.

Solang der VfB nicht in der Lage ist, die bei vielen Fans existente Euphorie in bare Münze umzuwandeln, frage ich mich, weshalb man dem Verein mehr Geld in die Hand geben sollte. Um solche Versäumnisse zu kaschieren? Der VfB hat durchaus, auch ohne die Daimler-Millionen, noch längst nicht alle Potentiale ausgeschöpft, um mehr Geld als bisher einzunehmen.

Nicht nur aus diesem Grund steht es mittlerweile fest, dass ich am kommenden Donnerstag für „Nein“ stimmen werde. Es ist die Art des „Wahlkampfs“, die mir so sauer aufstößt. Je mehr Skeptiker, als solche hingestellt werden, die „nein zum Erfolg“ sagen würden, je mehr Vorbehalte gegen die Ausgliederung, wie sie vollzogen werden soll, ganz im Trump-Stil als „Fake-News“ abgetan werden, desto mehr wächst mein Misstrauen, desto mehr bin ich mir sicher, dass wir unser blaues Wunder erleben würden, wenn denn mit „Ja“ gestimmt wird.

Es ist natürlich gutes Recht vom VfB, seine Position als die einzig wahre darzustellen, wenn er derart vom eigenen Konzept überzeugt ist. Solang er aber lediglich seine Position propagiert und keinerlei Informationen zu Alternativen mit deren Fürs und Widers zur Entscheidungsfindung an die Hand gibt, darf er sich nicht wundern, wenn man sich anderer Quellen bedient und der Vereinsführung und deren Propaganda kein Wort mehr glaubt.

Die Propaganda nimmt dabei immer groteskere Züge an. Dass ein Vereinsangestellter wie Thomas Hitzlsperger für das Vorhaben des Vereins wirbt und dass der Aufsichtsrat Hermann Ohlicher sich fürs neu zu wählende Gremium in Stellung bringen lässt, verständlich.

Wenn jedoch zudem ein Sami Khedira vor den Propaganda-Karren gespannt wird, ist das für mich an Lächerlichkeit kaum zu überbieten. Wir stehen vor einer ernsten Entscheidung, die genau abgewogen gehört und zu der die Mitglieder gut beraten wären, sich eingehend zu informieren.

Da gehört es sich einfach nicht, Vereinsikonen als Stimmungsmacher zu missbrauchen und dadurch Stimmenfang betreiben zu wollen. Ich würde gerne einmal von Sami Khedira wissen, inwieweit er sich nach dem Gewinn der Coppa Italia und des Scudetto und mitten in den Vorbereitungen für das große und alles überstrahlende Champions League Final gegen Real Madrid mit den Auswirkungen der Ausgliederung befasst und sich in die Materie eingelesen hat.

Den Gegnern der Ausgliederung wird von den Befürwortern, weil ihnen echte Argumente fehlen, meist vorgeworfen, Ewiggestrige oder Ultras zu sein. Ich bin weder Fortschritt nicht aufgeschlossen, noch ein Ultra und dennoch dagegen, am Donnerstag dem Vorhaben des Vereins zuzustimmen.

Dass der e. V. in der derzeitigen Form für Profivereine bald ausgedient hat und irgendwann auch nicht mehr zulässig sein dürfte, dem verschließe ich mich nicht. Schon aufgrund dieser Tatsache bin ich kein „e. V.-Verfechter“, sondern sehe die gewählte Rechtsform der AG als diskussionswürdig an.

Es gäbe andere Formen, durch die sowohl den Steuergesetzen als auch neuer Möglichkeiten von Kapitalbeschaffung Rechnung getragen würde. Das Commando Cannstatt 97 hat die Alternativen was die Rechtsform angeht fundiert beleuchtet unter http://www.cc97.de/stellungnahme-zur-aomv und kommt zu dem Schluss, dass der VfB (und die Daimler AG) die Rechtsform der AG wohl in erster Linie deshalb gewählt haben dürfte, um dem Investor größtmöglichen Einfluss zu gewähren.

Auch auf die schwindende Möglichkeit der Mitbestimmung wird dabei eingegangen und zu dem Schluss gelangt, dass der Investor (bzw. die Investoren) im Aufsichtsrat in der Überzahl sein wird und das Mitglied eben nur noch bei belangloseren Entscheidungen weiterhin Mitspracherecht genießt.

Geht diese Ausgliederung durch, hinterfrage ich meine Mitgliedschaft auf jeden Fall und werde höchstwahrscheinlich aus dem Verein austreten. Meine Verbundenheit zum Verein bringe ich auch anders zum Ausdruck, der einzige „Vorteil“, den meine Mitgliedschaft dann noch mit sich brächte, wäre die vierteljährlich erscheinende Ausgabe von Dunkelrot. Als Dauerkarteninhaber, Allesfahrer und Fanclubmitglied ist für mich bspw. das Vorkaufsrecht auf Eintrittskarten völlig uninteressant und somit kein Grund, an der Mitgliedschaft festzuhalten.

Da der Verein durch sein Vorgehen eine unnötige Schärfe in die Debatte bringt, in „Gute und Schlechte Mitglieder“ unterteilt, sich selbst einen unnötigen Zeitdruck auferlegt und sich offensichtlich auch noch erhofft, Mitglieder durch materielle Anreize ködern zu können, bin ich mal gespannt, wie sich das Klima entwickelt, sollte der Ausgliederung die Zustimmung verweigert werden.

Das, was man bei Präsident Dietrich schon aufgrund seines ehemaligen Postens als Stuttgart21-Sprecher befürchtet hatte, nämlich, dass er die Mitglieder eher spaltet als eint, steht nun auf dem Prüfstand. Es wurden Horrorszenarien für den Fall einer Ablehnung gesponnen, auch Jan Schindelmeiser meinte in diesen Tagen, ohne Ausgliederung würde es „sehr schwer für uns“ werden.

Dabei fußt meine Hoffnung auf eine bessere Zukunft sehr auf der Kompetenz eines Jan Schindelmeiser, auch mit geringeren Mitteln erfolgreich wirtschaften zu können. Unser Problem in den letzten Jahren war ja auch nicht, dass zu wenig Geld vorhanden war, sondern, dass der VfB das sich selbst auf die Fahne geschriebene “Ausbildungsverein” auch bei der Ernennung der Sportdirektoren wörtlich nahm. Seit Rolf Rüssmann war kein Mann vom Fach mehr in dieser Position tätig. Von Übergangslösungen wie Briem/ Schneider über Heldt, den man vom Spielfeld direkt auf den Posten des Sportdirektors hob, über Fredi Bobic, seines Zeichens bis dahin als Dummschwätzer in der Krombacher Saufrunde tätig und als ehemaliger Einzelhandelskaufmann-Azubi bei Hertie prädestiniert für den Job, bis hin zu Robin Dutt, der zwar Trainer durch und durch war, als Sportdirektor beim DFB jedoch schon heillos überfordert war. Diese Personalentscheidungen auf der für ein Fußballunternehmen neben dem Trainer wichtigsten Position, haben uns schleichend dem Abgrund näher gebracht. In Folge dessen wurde auf falsche Trainer gesetzt, das Gehaltsniveau unverantwortlich angehoben, falsche Spieler geholt und dafür gesorgt, dass uns Koryphäen im Nachwuchsbereich fluchtartig verließen und inzwischen Leipzig noch größer machen, als die ohnehin schon geworden sind. Mit Jan Schindelmeiser haben wir erstmals seit langem einen Mann vom Fach, dessen Geschick bei Transfers er ja bereits in den 10 Monaten, in denen er beim VfB ist, unter Beweis gestellt hat.

Spannend dürfte es in jedem Fall werden, wie die „Verlierer“ der Abstimmung mit dem Ergebnis umgehen werden und ob es gelingt, die Fangemeinde dann wiederzuvereinen.

Mir erschließt es sich noch immer nicht, wie man am Tiefpunkt der Vereinshistorie Anteile verscherbeln kann und warum man das nicht tut, wenn man wieder in der Bundesliga Fuß gefasst hat und im besten Fall mal wieder international spielt. Dass die Qualifikation fürs internationale Geschäft noch immer durch gute, kontinuierliche Arbeit geschafft werden kann, bewies in der abgelaufenen Saison der 1. FC Köln.
Von Vereinsseite wird immer kommuniziert, der Daimler engagiere sich allein aus Verbundenheit zum Verein und verlange keinerlei Gegenleistung. In diesem Licht stelle ich mir die Frage, wie es kommt, dass der VfB jetzt als Aufsteiger über 300 Millionen Euro wert sein soll, wenn vor anderthalb Jahren, als der Verein 40 Jahre ununterbrochen Bundesliga gespielt hat, schon 180 Millionen Euro als zu hoch gegriffen erschienen.

Ist die Marke von 41,5 Millionen Euro, die der Daimler dem VfB sofort zur Verfügung stellen würde, ein „Zuckerle“ für die Mitglieder, um ja nicht auf die Idee zu kommen, „falsch“ abzustimmen?

Bei #vfbimdialog trat zutage, dass es sich bei den 300 Millionen Euro gar nicht um den derzeitigen Wert des Vereins handelt, sondern man diesen mit Hoffnungen in die Zukunft errechnet habe.

„Ja zum Erfolg“, besserer Tabellenplatz, dadurch mehr Fernseheinnahmen, dadurch exorbitantes Ansteigen der Merchandising- und Sponsoring-Erlöse, und, und, und. Siehe oben, gerade im Merchandising-Bereich genügt es meiner Ansicht nach, einfach besser zu werden, um brach liegende Potentiale zu nutzen. Das oben aufgeführte war nur eines von unzähligen Beispielen der jüngeren Vergangenheit, bei dem man nur den Kopf schütteln kann. Größen fallen höchst unterschiedlich aus, die Qualität ist nicht die beste und fehlende Verfügbarkeit führen dazu, dass mit Rabattgutscheinen um sich geschmissen wird, um die wütende Kundenschar zu besänftigen.

Die Errechnung eines Unternehmenswertes mit Hoffnungen in die Zukunft erscheint mir höchst fragwürdig. Was passiert denn, wenn diese Hoffnungen nicht eintreten? Was, wenn Jan Schindelmeiser mit seinen nächsten Transfers daneben liegt, Hannes Wolf im Herbst entlassen wird und wir dem neuerlichen Abstieg entgegen taumeln sollten? Sind dann die bislang lediglich feststehenden 41,5 Millionen Euro nicht nur die Anschub-, sondern auch die Endfinanzierung?

Ist das dann die Summe, für die wir uns letztlich in die Hände eines Investors begeben haben? Wer davon träumt, dass wir mit diesem Geld auf Anhieb in der Bundesliga oben mitspielen werden, ist ein Phantast. Es fließt zunächst nur ein Bruchteil in den Kader. Ein Großteil wird für die Sanierung der Trainingsplätze und des Clubheims benötigt, zudem soll der Jugend- und Scouting-Bereich weiter professionalisiert werden. Die restlichen 58,5 Millionen Euro, um die 100 mit weiteren Investoren voll zu machen, sind derzeit noch genauso unsicher wie der weitere sportliche Werdegang unseres VfB. Abstimmen tun wir also zunächst einmal über eine 41,5 Millionen Euro Finanzspritze.

Magnus Missel hat in seinem Blog unter https://dervfbblog.wordpress.com/2017/05/26/rueckblick_ausblick_blicksch-du-s-net/ einige von mir am Rande erwähnten zu hinterfragenden Punkte analytisch herausgearbeitet und wundert sich ebenso wie ich, weshalb plötzlich im Nachwuchsbereich ein so großer Renovierungsbedarf herrschen soll.

Der VfB rechnet diese 41,5 Millionen Euro zwar dem Eigenkapital zu, weil er diese unverzinst erhält. Das Geld soll in Beine und Steine investiert werden und ist demzufolge in Kürze weg. Was aber, wenn der Daimler von seinem theoretischen Recht Gebrauch macht und seine Anteile weiter veräußern möchte? Der VfB hat zwar die Möglichkeit, beim Weiterverkauf an einen Dritten sein Veto einzulegen und die Anteile selbst zurückzukaufen, doch, wie soll das funktionieren, wenn kein Geld mehr da ist? Es wurde zwar wohl ein Modell ausgearbeitet, die es dem VfB erlaubt, die Anteile „im Rahmen seiner Möglichkeiten“ vom Daimler zurückzukaufen bzw. abzustottern und doch würde uns dieses Szenario über Jahre belasten.

Was mir ferner Angst macht, ist, dass Jan Schindelmeiser bei #vfbimdialog gesagt hat, um mit den Emporkömmlingen der letzten Jahre, wie Hoffenheim und Leipzig, (finanziell) konkurrieren zu können, müsse sich unser Gehaltsvolumen von derzeit 25 Millionen Euro in den nächsten Jahren bis auf 100 Millionen Euro erhöhen.

Bei einem Kader von 20 Spielern hieße das, dass JEDER im Schnitt fünf Millionen Euro mit nach Hause nehmen würde. Ich dachte, wir hätten aus der Vergangenheit unsere Lehren gezogen und würden nicht noch einmal in die Championsleague-Falle tappen.

Persönlich habe ich ein Problem mit der Gehälterentwicklung im Profifußball und bin froh, dass der Verein sein Gehaltsniveau von ca. 60 Millionen in der Heldt-Ära auf jene 25 Millionen Euro heruntergefahren hat. Dieses darf sich auch gerne jetzt wieder auf ein Normalmaß für Bundesligaverhältnisse erhöhen. Normalmaß heißt für mich, dass die Ausgaben- die Einnahmenseite nicht übersteigt und wir keine Gehälter zu stemmen haben, die uns bei Misserfolg um die Ohren fliegen. Hier bin ich ganz Fußballromantiker und sage, man muss nicht jeden Irrsinn auf Teufel komm raus mitmachen.

Das Investment des Daimler und mutmaßlich weiterer Investoren fließt ja auch nicht jährlich sondern einmalig, so dass jeder Euro, der zusätzlich in die Taschen der Spieler fließt, an anderer Stelle wieder eingenommen werden muss. Sollten wir je mal wieder Champions League spielen, dürfen die Spieler gerne an den Einnahmen partizipiert werden, jedoch wäre ich vorsichtig, wie in der Vergangenheit, mit horrenden Grundgehältern in Vorleistung zu gehen, die einem die Luft zum Atmen nehmen, sollte der sportliche Erfolg ausbleiben.

Daher ist für mich noch immer Vernunft das oberste Gebot. Ich sehe als den Lauf der Zeit an, dass wir niemals alle Spieler werden halten können und es immer Vereine geben wird, die einem Spieler mehr bereit sind zu bezahlen als es der VfB tun sollte. Gibt man diesen Befindlichkeiten nach und macht die Preistreiberei gegen Vereine wie Hoffenheim und Leipzig mit, ufert das aus und weckt neue Begehrlichkeiten bei denen, die schon da sind. Auch hier gilt es langsam zu wachsen und nicht plötzlich das Geld mit vollen Händen hinaus- bzw. in den Rachen der Spieler zu werfen.

Das Stellen des Nachwuchsbereiches auf eigene finanzielle Beine ist für mich ein großer Schritt in die richtige Richtung. Hier benötigt es Geduld, bis die erfolgten Umstrukturierungen den ersten Ertrag bringen. Durch Ungeduld und finanzielle Unvernunft würde der Druck gewaltig und unnötig erhöht werden, schnellen sportlichen Erfolg einzufahren.

Da freunde ich mich doch lieber mit dem „Freiburger Modell“ an und kalkuliere notfalls auch einen Abstieg mit ein, wenn die getroffenen Personalentscheidungen nicht ins Schwarze trafen oder ein Jahrgang aus dem Jugendinternat nicht die erhoffte Verstärkung für den Profifußball brachte. Freiburg ging aus seinem letzten Abstieg gestärkt hervor, indem man Leistungsträger gewinnträchtig verkaufen und die Mannschaft für die 2. Liga weitestgehend aus dem eigenen Nachwuchs und günstigen Neuzugängen rekrutierte. Die Transfererlöse wurden also überwiegend für schlechtere Zeiten auf die hohe Kante gelegt, so dass der SC derzeit liquider als der (große) VfB sein dürfte.

Auch der VfB konnte nach dem Abstieg hohe Transfererlöse erzielen, um den finanziellen Aderlass durch den Abstieg aufzufangen. Vor allem seit Jan Schindelmeiser und Hannes Wolf hier sind, wird wieder vermehrt auf die Jugend gesetzt, was auch der Schlüssel für die meisten großen Erfolge der Vergangenheit war. Dieser Weg muss konsequent weiter gegangen werden. Hat man mal wieder ein absolutes Top-Talent wie Joshua Kimmich in den eigenen Reihen, muss dieses erkannt und gefördert werden und darf uns nicht noch einmal durch die Lappen gehen. Die vom Daimler versprochenen 41,5 Millionen Euro sind im heutigen Fußball-Business nicht mehr die Welt und könnten heute allein durch einen Verkauf eines Spielers wie Kimmich generiert werden, ganz ohne die Seele des Vereins zu verkaufen.

Der VfB ist ein Ausbildungsverein und wird meiner Ansicht nach auch einer bleiben (müssen). An die Mär, die uns die Vereinsführung in ihrem im „Sendung mit der Maus“-Style erstellten Erklärbär-Video weismachen möchte, dass wir durch die Ausgliederung wieder in der Lage sein würden, Spieler zu halten, glaube ich im modernen Fußball nicht. So gut wie jeder wird dorthin gehen, wo es mehr zu „verdienen“ gibt, fast immer gibt es für Spieler, die Begehrlichkeiten anderer Clubs geweckt haben, einen Verein, der über das vom VfB vertretbare Maß hinaus eine Schippe drauf legt, so dass es nur vernünftig ist, irgendwann aus den Verhandlungen auszusteigen.

Auch wenn ich ein Gegner der Ausgliederung in der zur Abstimmung stehenden Form bin, heißt das nicht, dass ich den VfB nicht auch gerne erfolgreich sehen möchte. Erfolg ist dabei jedoch relativ. Im letzten Jahrzehnt hat der VfB derart den Anschluss verpasst, so dass dieser auch mit einer 41,5 Millionen Euro Spritze nicht so schnell wieder hergestellt werden kann.

Der Aufstieg war ein erster Schritt. Wie die Fans den Verein auch in der 2. Liga unterstützt haben, war phänomenal. Das ist das Fundament, auf dem sich aufbauen lässt. Das Wissen um eine treue Fangemeinde, die dem Verein auch in schwierigeren Zeiten die Stange hält. Wunderdinge werden nach dem Wiederaufstieg die wenigsten vom VfB jetzt erwarten.

Der Verein muss sich weiter konsolidieren und nach zehn Jahren Misswirtschaft den Anschluss langsam wieder herstellen. Die einmalige Finanzspritze der Daimler AG würde zwar helfen, diesen Prozess zu beschleunigen, jedoch zu einem für mich zu hohen Preis, ohne Erfolgsgarantie und mit erheblichen Risiken!

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11. Oktober 2016

Kein guter Tag für den VfB Stuttgart

Die mit Spannung erwartete Mitgliederversammlung des VfB Stuttgart 1893 e. V. fand vergangenen Sonntag in der Hanns-Martin-Schleyerhalle statt.
Die erste Frage, die sich mir aufwarf, war die, ob man nicht im Vorfeld einer solchen Veranstaltung, bei der theoretisch 48.000 Mitglieder oder eben auch nur 3.000 Mitglieder anwesend sein können, eine Abfrage durchführen sollte, wer es denn überhaupt vor hat, zu diesem für den Verein wichtigsten Termin des Jahres in die Landeshauptstadt anzureisen.

Für gerade einmal 3.000 Mitglieder, die sich diesen Sitzungsmarathon antun wollten, hätten sich sicherlich auch kleinere und vor allem günstigere Locations finden lassen. In Anbetracht der aufgeheizten Atmosphäre und offen zur Schau getragenen Spaltung in zwei Lager, hätte eine engere Location den positiven Nebeneffekt gehabt, näher zusammenrücken und sich in die Augen blicken zu können oder auch zu müssen.

Für mich war es seit langem mal wieder die erste Mitgliederversammlung beim VfB, da ich erst wieder eingetreten bin, um bei der Abstimmung über eine kürzlich noch im Raum stehende Ausgliederung mitbestimmen zu können.

Ich war 1998 aus dem Verein ausgetreten, als der bei mir ansonsten sehr beliebte Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder Trainer Joachim Löw entließ, um seinen Busenfreund Winfried Schäfer an den Neckar zu holen. Von diesem Schock erholte ich mich zwar wieder und ging auch wieder ins Stadion, nachdem Schäfer entlassen war, aber, Mitglied wurde ich halt erst letztes Jahr wieder.

So fanden „meine“ letzten Mitgliederversammlungen noch im guten alten Kursaal statt, aus denen mir vor allem die Bewirtung dort und durchaus launige, wenn auch hitzige, Versammlungen in bester Erinnerung blieben.

Umso enttäuschter war ich dann, als ich schon im Vorfeld erfahren musste, dass nur alkoholfreies Bier ausgeschenkt werden würde und man nicht einmal selbst Getränke mit in die Halle bringen dürfte.

So blieb mir in der trockenen Luft nichts anderes übrig, als ein 0,5-Liter-Fläschchen Ensinger Sport für sage und schreibe 3,50 € zu erwerben. Ansonsten konnte ich es bis abends „aushalten“ und verschwendete kein weiteres Geld dort für das überteuerte und qualitativ überschaubare Schleyerhallen-Catering.

Derart lange Sitzungen „im Trockenen“ wären unter MV unvorstellbar gewesen. MV war trotz seiner Ministertätigkeit und anderer Funktionärsposten, im Gegensatz zu unserer derzeitigen Vereinsführung, immer ein Mann des Volkes und nahbar und hatte vor allem keine Angst davor, dass Mitglieder, wenn sie ein paar Bier getrunken haben, ihm an den Kragen gehen könnten.

MV stellte sich den Mitgliedern, wenngleich er Gegenargumente auf seine Art erschlagen konnte, weil er hochintelligent und immer bestens vorbereitet war. Dass er Kritiker mundtot machte, bevor sie überhaupt ihre Argumente vorbringen konnten, daran kann ich mich bei ihm nicht erinnern.

Die heutige Führungsriege erinnert da schon eher an eine deutsche Politikerin aus der Uckermark, Basta-Politik, „Wir schaffen das“, alternativlos, egal was für Auffassungen die „Untergebenen“ an der Basis haben.

So stellt für sie die einmal im Jahr stattfindende Mitgliederversammlung auch nicht eine willkommene Gelegenheit dar, ihre Arbeit zu erläutern und sich der Kritik der Basis zu stellen, sondern ist vielmehr ein unangenehmer Pflichttermin, bei dem es darum geht, möglichst ungeschoren davon zu kommen. Dabei wissen sie natürlich, dass jeder Tag endlich ist und die Mitglieder irgendwann mal nach Hause wollen, so dass sogar Zeitspiel ein probates Mittel zu sein scheint, wie bspw., wenn eine auf 15 Minuten angekündigte Pause plötzlich und ohne Begründung über 30 Minuten lang wird. Hat man diesen Tag dann herum gebracht, nicht erfolgte Entlastung in beiden Fällen inklusive, hat man dann wieder ein Jahr lang Ruhe vor dem Fußvolk.

Selbstkritik ist unserem Vorstand und Aufsichtsrat völlig fremd, „Gegner“, die sie auffordern, aus dem Abstiegsjahr Konsequenzen zu ziehen und ihren Hut zu nehmen, werden pauschal dem Ultras-Lager zugeordnet und es wird ihnen unterstellt, den Verein in Schutt und Asche legen zu wollen.
Dies allein ist schon eine Frechheit! Ich selbst bin kein Ultra, wie die meisten der knapp 40% der Anwesenden sicher auch nicht, die den Antrag auf die Abwahl des Aufsichtsrates gerne auf der Tagesordnung gehabt hätten.

Sowohl Stefan Heim in seiner Eigenschaft als Versammlungsleiter, als auch Aufsichtsratschef Martin Schäfer warnten die Mitglieder davor eindringlich und malten das Horrorszenario an die Wand, dass der VfB durch gewisse Abwahlen handlungsunfähig werden könnte. Durch solch undifferenzierte Klassifizierungen wurden die Mitglieder schon früh in der Versammlung in die Guten und die Bösen unterteilt.

Die Vereinsführung unternahm nicht im Ansatz den Versuch, den Verein, die Mitglieder zu einen, im Gegenteil, sie spaltete die Lager noch zusätzlich.

Man wehrt sich vehement gegen Vorwürfe, dass man den Abstieg entscheidend mit zu verantworten hätte, obwohl man zu einem Zeitpunkt, als noch etwas zu kitten gewesen wäre, Dutts One-Man-Show freien Lauf ließ.

Man verteidigt weiterhin die völlig hirnrissige Verpflichtung von Jos Luhukay und man hat bis heute keine schlüssige Erklärung geliefert, weshalb Jan Schindelmeiser so spät kam, obwohl er doch bei Dutts Entlassung schon auf dem Markt gewesen wäre.

Die Entscheidung für Jan Schindelmeiser war zweifelsohne die beste, die die Herren in den letzten Monaten trafen. Bereits nach der Entlassung von Fredi Bobic plädierte ich in einem Blog-Bericht für Jan Schindelmeiser, weil er nach Heldt und Bobic mal wieder ein „Gelernter“ auf dieser wichtigen Position gewesen wäre.

Aber nein, man holte sich mit Robin Dutt, trotz aller Warnungen ausgewiesener Fachleute, den nächsten Azubi mit weitreichenden Vollmachten ausgestattet ins Haus, im Aufsichtsrat damals, wie heute, Porth, Jenner, Schäfer. Das Resultat dieser Fehleinschätzung: der Abstieg!

Die einzige Sequenz auf der Mitgliederversammlung, bei der es einhelligen Applaus beider Lager gab, war jene, als Sport-Vorstand Jan Schindelmeiser und Trainer Hannes Wolf zur aktuellen sportlichen Situation interviewt wurden.

Seit Luhukays Rücktritt (oder Entlassung!?) hat der VfB drei Spiele gewonnen und in Bochum remis gespielt. Ein Aufwärtstrend im sportlichen Bereich ist ohne Zweifel erkennbar. Nach dem 4:0 gegen die SpVgg Greuther Fürth und vor allem der Art und Weise, wie dieser Sieg herausgespielt wurde, schweben der VfB und seine Fans auf einer Euphoriewelle.

Dieses „zarte Pflänzchen“ des Aufschwungs, wie es Stefan Heim nannte, müsse man am Leben erhalten und dürfe den sportlichen Erfolg durch Unruhe im Verein nicht gefährden. Schon bei den Dialogveranstaltungen im Vorfeld der Mitgliederversammlung erklärten Vereinsführung und Wolfgang Dietrich unisono, dass es nichts mehr bringe, Schuldige für den Abstieg zu suchen, sondern man nur noch nach vorne schauen solle, um Ruhe einkehren zu lassen. Interessant dabei, dass Dietrich dann doch kritisierte, dass Robin Dutt kurz vor seiner Entlassung noch drei Kader-Planer einstellen durfte, die teilweise schon wieder ihre Entlassungspapiere in Empfang genommen haben. Diese Narrenfreiheit von Robin Dutt hat sicherlich auch wieder keiner derjenigen zu verantworten, der am Sonntag auf dem Podium saß.

Unruhe in einem Verein ist nie förderlich im Fußball-Geschäft, darüber dürften sich alle Parteien einig sein. Ruhe kann aber auch nicht per Dekret von oben herab verordnet werden, schon gar nicht in einem Verein, der wir noch sind und in dem Emotionen eine nicht unbedeutende Rolle einnehmen. Zur Ruhe kann man per Konsens gelangen und nicht indem man Fan- bzw. Mitgliederlager in „die Guten“ und „die Bösen“ unterteilt und darauf hofft, dass „die Bösen“ einfach mal die Klappe halten und aufhören, zu nerven.

In der im Normalfall einmal im Jahr stattfindenden Mitgliederversammlung haben die Mitglieder, auch die Bösen, ein Anrecht Antworten auf durchaus berechtigte Fragen zu erhalten. Man will ja schließlich wissen, ob die Oberen überhaupt wissen, was denn im Abstiegsjahr schief gelaufen ist, ob sie die richtigen Schlüsse gezogen haben und vor allem, ob sie es das nächste Mal überhaupt anders und besser machen würden.

Hätten die Herren die Verantwortung für den Abstieg übernommen und der Mitgliederversammlung die Entscheidung darüber überlassen, ob sie überhaupt noch die richtigen Leute am Ruder sind, wäre eine Mitgliederversammlung im Sommer und eine nachgeschobene Mitgliederversammlung für die Präsidentenwahl im Oktober auch denkbar gewesen.

So aber baute man offensichtlich darauf, bis zum Tag der Mitgliederversammlung in ruhigeres Fahrwasser im sportlichen Bereich gekommen zu sein und darauf, deswegen um eine Generalabrechnung herumzukommen.

Dass Vorstand und Aufsichtsrat so einfach davon kommen, damit bin ich nicht einverstanden! Dass sich die Fehlentscheidungen der letzten Jahre nicht rückgängig machen lassen und dass man schon drei Jahre lang förmlich um den Abstieg gebettelt hat, ist mir klar. Dieser Abstieg kam nicht überraschend und nicht zufällig, für einen Fan wie mich war er am Ende sogar eher eine Erlösung.

Dies kann aber doch nicht für den Verein der Fall gewesen sein. Für den Verein war der Abstieg eine Katastrophe. Der Super-GAU, das im Grunde Unvorstellbare war eingetreten, die schlechteste Saison seit 41 Jahren und die Verantwortlichen wollen möglichst weiter machen wie bisher?
Bei all den möglichen Konsequenzen eines Abstiegs, der uns vermutlich selbst bei direktem Wiederaufstieg um Jahre zurückgeworfen haben dürfte, wer es schwer zu begreifen, dass von Vereinsseite nicht alles Menschenmögliche getan wurde, um den Abstieg zu versuchen zu verhindern.

Aber nein, man hatte in Robin Dutt ja den Fachmann und in Jürgen Kramny den Super-Doppel-Abstiegs-Trainer, die beiden würden das Kind schon schaukeln. Man beließ nicht nur beide im Amt, nein, sie durften sogar mitten im Abstiegskampf noch ein Trainingslager auf Mallorca ausbaldowern, von dem man, fast schon erwartungsgemäß, im Urlaubsmodus zurückkam.

Man ließ die beiden gewähren und vertraute blind darauf, die nötigen Punkte gegen den Abstieg würden schon noch eingefahren werden.

Es war offensichtlich keiner dieser Herren in der Lage zu erkennen, dass spätestens nach Augsburg klar war, dass man in der bestehenden Konstellation sang- und klanglos absteigen würde.

Aus der damals absenten Sportkompetenz in der Vereinsführung hat man inzwischen Schlüsse gezogen. Hermann Ohlicher wurde am Sonntag in den Aufsichtsrat gewählt, Thomas Hitzlsperger und Marc Kienle hat man von extern geholt. Beide übrigens, wie Luhukay, bevor der neue Sportvorstand gefunden war. Dieser grübelt seither darüber, mit welchen Aufgabengebieten er die beiden betrauen soll.

Diese Fehleinschätzungen gehören, auch nach einigen Monaten Abstand, hinterfragt. Die Mitglieder haben ein Anrecht auf Antworten, zumal sich die Fehleinschätzungen ja auch nach dem Abstieg nahtlos fortsetzten.

Dutt hatte man ohne Plan B in der Tasche zu haben den Stuhl vor die Tür gesetzt. Danach gingen die Wirtschaftsbosse vom Aufsichtsrat, Finanzvorstand Heim und Marketing-Chef Röttgermann auf Trainersuche und wurden schnell beim ausgewiesenen Aufstiegsfachmann Jos Luhukay fündig.

Dass Luhukay eigenbrötlerisch ist und dass er bereits mehrfach wegen Differenzen mit der sportlichen Leitung oder sonstigen Verantwortlichen das Handtuch geworfen hat, scheint diesem Vorstand und Aufsichtsrat, der nun flehentlich um Vertrauen wirbt, entgangen zu sein. Schon durch diese krasse Fehlentscheidung wurde das Ziel des sofortigen Wiederaufstiegs fahrlässig aufs Spiel gesetzt, hat doch der neue Trainer Hannes Wolf weder eine Saisonvorbereitung zur Verfügung noch konnte er Einfluss auf die Kaderzusammenstellung nehmen.

Bei #vfbimdialog entlarvten sich die Herren vom Aufsichtsrat ein paar Tage vor der Mitgliederversammlung dann auch noch selbst, indem sie davon abrieten, den Aufsichtsrat abzuwählen, weil ansonsten ihre Arbeitgeber ihr finanzielles Engagement beim VfB überdenken würden.

Für einen Traditionsverein wie den VfB, der sich glaubhaft von den Investoren-Clubs wie Hoffenheim und Leipzig abgrenzen möchte, wäre es ein fatales Zeichen, an Führungspersönlichkeiten nur deshalb festzuhalten, weil Geldquellen wegbrechen könnten und nicht aus dem Grund, weil sie einen guten Job für den VfB machen.

Liegt ihren Konzernen wirklich so viel am VfB, wie sie stets betonen, würden sie den Verein auch dann nicht ins Bodenlose fallen lassen, wenn ihr Vertreter aus dem Aufsichtsrat gewählt würde oder freiwillig ausscheidet, zumal Verträge einen Ad-Hoc-Ausstieg sicher auch noch verhindern würden.
So sind diese Aussagen zunächst einmal ziemlich haltlose Drohgebärde und zeigen den erhobenen Zeigefinger des Aufsichtsrats, ja nicht „falsch“ abzustimmen.

Diese versuchte Manipulation der Wählerschaft setzte sich durch weitere #vfbimdialog-Veranstaltungen und durch wohlwollend geschriebene Zeitungsartikel fort. Wie man die Schreiberlinge dazu brachte, diese für den Verein so positive Berichterstattung herauszugeben, man weiß es nicht.

Ganz koscher kam mir das alles nicht vor, lassen die Medien doch sonst kaum eine Gelegenheit aus, Unruhe hinein zu bringen. Ob man die Zeitungen aufschlug, #vfbimdialog schaute, vom VfB eine Sonderausgabe „Dunkelrot“ erhielt oder unzählige Mails im Postfach hatte, die Propagandamaschinerie war schon überwältigend, so dass es einzelnen Gruppierungen wie Commando Cannstatt oder Schwabensturm schwer fiel, dagegen zu halten und vor allem genau so viele Leute zu erreichen. Immer und überall wurden die Mitglieder davor gewarnt, den Verein ins Chaos zu stürzen, sollte man nicht den Vorschlägen der Vereinsführung Folge leisten.

Martin Schäfer legte sich dann auf der Versammlung auch noch persönlich mit den Ultras an, deren Banner ihm sauer aufstießen. Auch hier ließ Schäfer sämtliche Souveränität vermissen, indem er pauschal die Aufsichtsratskritiker als solche betitelte, die nichts anderes können würden, als „Verpisst-Euch-Plakate“ zu entwerfen.

Damit ist Schäfer eindeutig übers Ziel hinausgeschossen und hat sich pauschal mit den 40% der anwesenden Mitglieder angelegt, die zumindest gerne über die Abwahl des Aufsichtsrats abgestimmt hätten.

Wären die Herren des Aufsichtsrats und des Vorstands ernsthaft gewillt gewesen, die Mitgliederschaft zu einen, hätte man den Mitgliedern zudem davon abgeraten, nach lediglich sechs von 26 angemeldeten Redebeiträgen für eine Beendigung der Aussprache zu stimmen.

Selbstredend kann man bei derart vielen Wortmeldungen nicht jedem Redner dreißig Minuten zugestehen, so wie sie der erste Redner von der Schwäbischen Alb für sich in Anspruch nahm. Mit einer Zeitbegrenzung auf fünf Minuten, in denen jeder Redner seine wesentlichen Punkte hätte loswerden können, dafür hätte eine souveräne Versammlungsleitung meiner Ansicht nach werben müssen.

So machte man eben mir nichts dir nichts potentielle Kritiker mundtot und entzog sich dieser Aussprache, die DAS zentrale Element einer jährlich stattfindenden Mitgliederversammlung darstellt, feige!

Die vielzitierte Ruhe wird durch das Totschweigen schwelender Konflikte sicherlich nicht einkehren, im Gegenteil. Dass für diesen Antrag überhaupt eine Mehrheit zustande kam, offenbart in extremer Peinlichkeit, weshalb die Mitglieder, vornehmlich jene in den vordersten Reihen, überhaupt gekommen sind, doch dazu später mehr.

Dass die Abstimmung über den Abbruch der Aussprache sich, trotz juristischen Beistands, als formal falsch herausstellte und wiederholt werden musste, spottete zudem jeder Beschreibung und war ein weiterer Hinweis darauf, wie dilettantisch der Verein derzeit geführt wird.

Auch wenn ich gerne alle Redebeiträge gehört hätte, gab es auch bei den wenigen, die man ans Mikro ließ, das eine oder andere Highlight.
Vor allem der beim VfB nicht sehr gelittene Blogger Christian Prechtl stellte Vorstand, Aufsichtsrat und Wolfgang Dietrich knallhart berechtigte, aber eben unangenehme Fragen, deren Beantwortung man gekonnt zu umschiffen wusste.

Auch hier wurde auf Zeit gespielt, viel geschwätzt und nichts gesagt, während Wolfgang Dietrich die Beantwortung der an ihn gerichteten Fragen bei seiner späteren Rede gänzlich „vergaß“.

Auch mich würden seine Verstrickungen und Beteiligungen, die er nach wie vor bei der Quattrex Sports AG hält, interessieren. Es kamen weiter die, natürlich unbeantworteten, Fragen auf, inwiefern er sich in das operative Geschäft bei den Stuttgarter Kickers eingemischt hat, in dessen Folge einige Köpfe, unter anderem der des damaligen Trainers des Jahres, Dirk Schuster, gerollt sind.

Eine Aussprache, bei der sich die Vereinsführung nicht einmal die Mühe macht, Vorwürfe zu entkräften oder Fragen einfach plausibel zu beantworten, ist auch irgendwie sinnlos.

Dies sagt einiges über unseren derzeitigen Führungskreis aus. Kritikunfähig, beleidigt, unangenehmen Fragen aus dem Weg gehend und extrem dünnhäutig geben sich diejenigen, die es „geschafft“ haben, den Verein in seine schwerste Krise seit 41 (!) Jahren zu manövrieren. Ganz großes Kino!

Der Porsche-Betriebsratschef Uwe Hück, der überraschend die Bühne betrat, sorgte dann für die Comedy-Einlage des Tages.
Er erklärte vorab, dass er direkt vom Porsche-6-Stunden-Lauf käme, durch den Geld für wohltätige Zwecke gesammelt werden würde. Hück machte dabei einen extrem verwirrten Eindruck, so dass man bei seiner „Rede“ lange nicht wusste, worauf er hinaus wollte und schon gar nicht, ob diese letztendlich einen Bezug zum VfB haben würde.

Er referierte, „in Deutschland haben wir Kinderarmut und das ist gut“, sprach die Mitglieder ständig mit „liebe Kolleginnen und Kollegen“ und erweckte auch sonst den Eindruck, dass der Frühschoppen nach seinem Lauf etwas zu heftig ausgefallen war. Am Schluss seiner von heftigen Buh-Rufen begleiteten Rede trat doch noch seine Intension zutage, wegen der er sich zu Wort meldete.

Der Präsidentschafts-Kandidat Dietrich stellte bei seiner Vorstellungs-Tour in Aussicht, für den Nachwuchsbereich eigene Hauptsponsoren zu suchen, um dort unabhängiger von den Ergebnissen der Profis und deren finanziellen Mitteln zu werden. Für den Nachwuchs stellte Hück ein finanzielles Engagement von Porsche in Aussicht. So hatte dieser Auftritt dann doch noch sein Gutes.

Dass von annähernd 49.000 Mitgliedern kaum einmal 3.000 den Weg in die Hanns-Martin-Schleyerhalle fanden, war mehr als enttäuschend. Immerhin standen wichtige Themen zur Diskussion in der ersten Mitgliederversammlung nach dem Abstieg, immerhin sollte zudem ein neuer Präsident gewählt und über wichtige Satzungsänderungen befunden werden.

Dass sich dabei so wenige die Mühe machten, dieser Versammlung beizuwohnen, war ernüchternd. Erschreckend für mich war, dass derart vielen der Verein egal zu sein scheint, wenn es mal nicht nur um Punkte auf dem grünen Rasen geht. Es hätte durchaus eine denkwürdige Versammlung werden können, wenn sich denn mehr Leute aufgerafft hätten.

So gelang es offensichtlich dem Verein mehr Mitglieder des Pro-Lagers zu mobilisieren, als der Kurve die Aufsichtsrat-Kritiker und derer, die Dietrich ablehnen würden. Gerade bei einer spärlich besuchten Versammlung hatte ich mir versprochen, dass es gut möglich gewesen wäre, Dietrich zu verhindern.

Die Stuttgart-21-Problematik war mir in dessen Zusammenhang egal. Dass einer für eine Sache, für die er bezahlt wird, auch einsteht, ist legitim. Dass er Ecken und Kanten hat und sich, vielleicht sogar auch innerhalb der Vereinsführung, durchzusetzen weiß, ist auch zunächst einmal nicht schlecht. MV war mir in dieser Hinsicht immer lieber als ein „weicher“ Präsident wie Bernd Wahler.

Zu den K.O.-Kriterien, die es mir unmöglich machten Dietrich zu wählen, gehörten jedoch seine möglichen Interessenskonflikte wegen der Darlehensvergaben der Quattrex Sports AG an etliche Ligakonkurrenten und dass er dort noch immer Aktienpakete halten soll. Dass die DFL grünes Licht gegeben hat und dessen Beziehungen zu den Vereinen für seine Tätigkeit als VfB-Präsident formaljuristisch als legal angesehen werden, heißt noch lange nicht, dass sich nicht doch Interessenskonflikte ergeben könnten und dies moralisch korrekt ist.

Ein Donald Trump prahlt zum Beispiel damit, dass er in den letzten Jahren kaum Steuern gezahlt habe, weil er schlau genug war sämtliche (legale) Steuerschlupflöcher auszunutzen. Ob er damit moralisch punktet, darüber gibt es wohl keine zwei Meinungen.

Weiter seien die zur Abstimmung gestandenen Satzungsänderungen Bedingung für Dietrichs Bewerbung um das Präsidentenamt gewesen. Da in diese eindeutig Passagen aus dem Aktiengesetz verankert gewesen wären, liegt es auf der Hand zu vermuten, dass der Hardliner Dietrich auserkoren wurde, um die Ausgliederung voranzutreiben und, wie von Stuttgart 21 gewohnt, sich von heftigem Gegenwind nicht beirren lassen soll.

Dies jetzt durch die Hintertür zu versuchen ist auch schon wieder so ein Punkt, an dem man sich fragt, wann man den Verantwortlichen überhaupt wieder Vertrauen wird schenken können. Ich bin nicht generell gegen die Ausgliederung, die wird irgendwann kommen müssen, schon allein weil Profivereine als Wirtschaftsunternehmen wohl nicht mehr ewig nach dem Vereinsrecht geführt werden dürfen. Dann geht es um die Art einer Ausgliederung, um die Gesellschaftsform, ob man Anteile veräußert, etc. Für die Ausgliederung, wie sie sich der Verein vorstellt, nämlich, um Geld von außen zu generieren, braucht es den richtigen Zeitpunkt, der sicherlich nicht in der schwärzesten Stunde des Vereins liegt und es braucht Vertrauen in die handelnden Personen. Beides ist derzeit nicht gegeben, so dass man dieses Thema ganz weit hinten anstellen sollte.

Jetzt kommt noch ein ganz wesentlicher Punkt, weshalb ich in Dietrich nicht den bestmöglichen VfB-Präsidenten sehe. Er scheint vom Aufsichtsrat nicht vorgeschlagen worden zu sein, obwohl er als „Spalter“ gilt, sondern weil.

Wie in der Ausgliederungsproblematik soll er dem Anschein nach auch das Fanlager eher entzweien. Äußerungen zum Fanausschuss, dass man die Fans brauche, jedoch nicht alle, lassen tief blicken und sämtliche Alarmglocken schrillen. Einen Martin Kind II brauchen wir hier im Verein nicht, einen der auf die eigenen Fans los geht und sie bis zum geht nicht mehr sanktioniert und drangsaliert. Wir brauchen einen Präsidenten, der auf die verschiedenen Gruppen zugeht und ein guter Moderator, aber auch teamfähig ist. Ob Dietrich dieser Präsident sein kann, daran habe ich große Zweifel.

Dass der Aufsichtsrat lediglich einen Kandidaten zur Wahl zugelassen hat, den man nach dem Motto „Friss oder stirb“ wählen oder auch nicht wählen kann, ist ebenfalls ein schlechtes Signal und zeugt einmal mehr nicht von einer Kultur des sich miteinander Auseinandersetzens.

Wie zu lesen war, konnte es sich der Aufsichtsrat nach Wahlers Rücktritt vorstellen, einen ehrenamtlichen Präsidenten einzusetzen. Jetzt, bei der Begründung weshalb Dietrich der einzige Kandidat war, wurde mitgeteilt, das sei so, weil er der einzige gewesen sei, der den Job kostenlos verrichtet.

Wir bekommen also einmal mehr DIE Billiglösung und nicht die möglicherweise beste Lösung zur Abstimmung. So schränkt man natürlich den Kandidatenkreis ein, die Zeiten eines MV, der den VfB noch weitestgehend „nebenher“ führte, sind mit der zunehmenden Professionalisierung längst vorbei.

Die Fronten auf der Veranstaltung waren also verhärtet, nicht umzustimmende Dietrich-Gegner und die Dauerklatscher in den vorderen Reihen. Da hat es die Vereinsführung offensichtlich geschafft, genügend ihrer Befürworter zu mobilisieren, um die Abstimmungen in ihrem Sinne ausfallen zu lassen.

Wo die alle her kamen, man weiß es nicht! Im Stadion, zumindest in den Bereichen, in denen ich verkehre, habe ich diese Herrschaften noch nie gesehen. Waren es VfB-Mitarbeiter, der VfB-Freundeskreis, die Garde sowieso, Vertreter der anderen Sportarten? Es war jedenfalls augenscheinlich, dass jeder Pups, der auf dem Podium gelassen wurde, von diesen frenetisch beklatscht wurde, während die „Gegner“ oft von diesen noch übertönt wurden.

Es war eine beklemmende Atmosphäre und so fällt es mir im Grunde auch schwer, innerhalb eines Vereins von Befürwortern und von Gegnern zu sprechen. So aber stellte sich die Lage während der gesamten Veranstaltung dar, in den Schmährufen und Verunglimpfungen standen sich beide Seiten in nichts nach.

Ohne jetzt irgendetwas unterstellen zu wollen, fühlte ich mich durch das Wahlverhalten der „Pro-Seite“ an DDR-Verhältnisse zurückerinnert.
Den vorwiegend älteren Damen und Herren aus den ersten Reihen hätte man nur noch Vorstands- und Aufsichtsrats-Fähnchen in die Hand geben müssen, um dieses Bild abzurunden. Wie auf Kommando gab es stets großen Beifall für das, was von der Gegenseite ausgebuht wurde, während man mit Schmähungen dieser Leute bedacht wurde, wenn man einen Redebeitrag oder bspw. die Fragen eines Herrn Prechtl goutierte.

Dieses groteske Szenario wurde dann noch skurriler, als just nach der Präsidentenwahl mehrere hundert dieser Damen und Herren aus den ersten Reihen offensichtlich ihre Schuldigkeit getan hatten und die Halle verließen. Vielleicht mussten sie zur Lindenstraße daheim sein, offensichtlich war, dass sie lediglich für die Präsidentenwahl herbei gerufen waren und sie die Abstimmungen zu den Satzungsänderungen nicht die Bohne mehr interessierten. Dafür hätten freilich 75% der Stimmen zusammenkommen müssen, so dass es bei der Verteilung der Lager klar war, dass auch mit ihren Stimmen nicht mehr als 60% zusammen gekommen wären.

Passend zu diesen, meinen subjektiven Eindrücken, war dann noch, dass sich der SWR darüber beklagte, dass nur wenige Szenen zur Veröffentlichung freigegeben wurden, vornehmlich einen strahlenden Herrn Dietrich nach seiner Wahl und der Rest der Fernsehbilder der Zensur zum Opfer fiel.

Diese ca. 500 Leute genügten, um das Zünglein an der Waage zu spielen, Vorstand und Aufsichtsrat einen angenehmen Tag zu bescheren und schließlich auch noch deren Präsidenten ins Amt zu hieven. Haben die Ultras zu wenige Leute mobilisiert? Mir kam es so vor, dass relativ wenige anwesend waren. Aber auch Otto-Normal-Bruddler, der das ganze Jahr eine große Klappe hat und mit seiner Anwesenheit etwas bewirken hätte können, hat gefehlt.

Als Demokrat akzeptiere ich natürlich den Wahlausgang und die Beschlüsse, auch wenn ich mich damit nicht so überhaupt nicht anfreunden kann. Wolfgang Dietrich wurde mit 57,2% der abgegebenen Stimmen zum neuen VfB-Präsidenten gewählt, was nur knapp 3,5% der Gesamtmitgliederschaft entspricht. Bei solchen Zahlen werden natürlich Rufe nach einem Briefwahlrecht laut, das schon einmal von der Versammlung abgelehnt wurde. Dieses war nun Bestandteil des Satzungsänderungspaketes, über das man nur in seiner Gesamtheit hat abstimmen können und das abgelehnt wurde.

Ich bin gegen ein Briefwahlrecht bei eingetragenen Vereinen, weil bei „normalen“ Versammlungen die Redebeiträge im Zuge der Aussprache oftmals den Ausschlag zugunsten oder gegen eine Entscheidung geben und man als Verein ja auch wenigstens einmal im Jahr zusammenkommen können sollte.

Eher noch könnte ich mir einen Live-Stream für Mitglieder und die Möglichkeit zur Online-Abstimmung vorstellen, wenn diese unter notarieller Aufsicht durchgeführt werden könnte (Stichwort Vertrauen).

Allerdings verlören dann solche Versammlungen viel von ihrem ursprünglichen Charakter. Auch ich würde mich dann lieber mit Laptop und ein paar Freunden in das verrauchte Hinterzimmer der Kneipe meines Vertrauens verziehen, anstatt im Mief der Schleyerhalle noch einmal einer solch traurigen Veranstaltung wie am Sonntag persönlich beizuwohnen.

Aber, um solche wichtigen Beschlüsse zu fassen, muss man über Passagen in der Satzung getrennt abstimmen können und vor allem sollten sich jene Leute wenigstens einmal her bewegen, denen diese Änderungen wichtig sind.

Für mich war der Tag und die Wahl Dietrichs zum neuen VfB-Präsidenten kein guter Tag für den VfB Stuttgart. Beleidigungen, Pfiffe, Diffamierungen und das ständige Unterbrechen von Rednern der Gegenseite sprechen nicht für eine besonders kultivierte Diskussionsfähigkeit. Großen Anteil daran hat auch hier wieder die Vereinsführung, die es tatsächlich „geschafft“ hat, den Verein in zwei Lager zu spalten, wie ich es beim VfB so noch nie erlebt habe.

Mit dem Spalter Dietrich als Präsidenten, der als Vorbild einer Führungspersönlichkeit ausgerechnet das Gesicht des Abstiegs, Christian Gentner, nennt. Da Gentner in der 2. Liga eine ordentliche Saison bisher spielt und ihm zu Bundesligazeiten gerade jene Führungsfähigkeiten abgesprochen wurden, ist anzunehmen, dass Dietrich sich trotz 42-jähriger Mitgliedschaft erst in den letzten Wochen wieder etwas ausgiebiger mit dem VfB beschäftigt hat.

Ich wünsche ihm ein gutes Händchen bei seinen Entscheidungen und hoffe, dass all meine Befürchtungen nicht eintreten.

Ja, der Verein braucht Ruhe, aber nicht so! Wie diese Gräben, die die Vereinsführung ausgehoben hat, schnell wieder zuzuschütten sein sollen, kann ich mir mit den noch frischen Eindrücken der Mitgliederversammlung noch nicht vorstellen. Bevor das eintritt, gewöhnen sich die Herren von Aufsichtsrat und Vorstand wohl noch eher an Banner, auf denen sie namentlich erwähnt werden.

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7. Oktober 2016

Der VfB vor der Mitgliederversammlung

Wie aus einem Guss!

Oh wie ist das schön, wann hat man diesen Freudengesang zuletzt im Neckarstadion gehört? Gut, vermutlich gegen Hoffenheim, dem bis dato letzten Bundesligasieg und doch fühlt sich die Darbietung vom Montag anders an. Dieser deutliche Sieg verheißt einen Neuanfang, macht Lust auf mehr, könnte eine neue, erfolgreichere Epoche, einleiten. Alles neu, macht der Wolf!

Der VfB musste vor dem Aufeinandertreffen mit der SpVgg Greuther Fürth einige personelle Nackenschläge verkraften. Der wegen Ginczeks andauernder Absenz einzige Stoßstürmer, Simon Terodde, musste wegen eines „kleinen“ Muskelfaserrisses passen und Tobias Werner fehlte wegen muskulärer Probleme im Adduktorenbereich.

Mit Verletzungen muss man leben, mit Verletzungen muss man rechnen, dafür ist der Kader breit zusammengestellt! Dass einem aber mitten im Ligabetrieb Spieler zu ihren Nationalmannschaften abgezogen werden, hat mit einem fairen Wettbewerb nichts mehr zu tun. Takuma Asano wurde vom japanischen Verband angefordert, was die Personalnot im Offensivbereich weiter verschärfte. Auch die Österreicher hatten kein Erbarmen mit dem VfB und beorderten Florian Klein pünktlich zum Treffpunkt der Alpenrepublik.

Dessen Ausfall wiegt bei weitem nicht so schwer wie der von Asano, nicht nur weil bei Klein Welten zwischen eigener Wahrnehmung und Wirklichkeit liegen, sondern auch weil der VfB auf der rechten Seite mit Jean Zimmer, Kevin Großkreutz und Matthias Zimmermann personell ausreichend bestückt ist.

Nachdem unser neuer Trainer Hannes Wolf gegen Bochum wegen Zeitmangels weitestgehend auf die unter Olaf Janßen eingespielte Formation vertraute und die Jungs mit zu viel Neuem nicht überfordern wollte, lagen nun zwischen dem Remis im Ruhrstadion zu Bochum und dem Aufeinandertreffen am Tag der Deutschen Einheit gegen das Kleeblatt neun Tage. Zeit genug, das Team kennenzulernen, sich einen Eindruck zu verschaffen und mit diesen Erkenntnissen das optimale Team für Fürth auszutüfteln.

Auch wenn man geneigt war zu sagen, die Mannschaft stelle sich wegen der Ausfälle von selbst auf, bewies Hannes Wolf Mut. Sowohl Carlos Mané als auch Benjamin Pavard gaben (endlich) ihr Debüt im VfB-Dress. Unter anderem an diesen beiden Spielern hatte sich der Streit zwischen Ex-Coach Jos Luhukay und Sportdirektor Jan Schindelmeiser entladen. Schindelmeiser begründete deren Verpflichtung damit, dass er an die Zukunft des Vereins denken müsse, während Luhukay lieber alte Weggefährten geholt hätte.

So war Jos ein Dorn im Auge, dass sich durch die Neuzugänge die im Kader vertretenen Nationalitäten auf 16 erhöht hätten, worauf er eine Integrationsphase von zwei Monaten prophezeite. Dass die Fußballersprache aber international ist und sich gute Fußballer in jede Mannschaft der Welt einfügen und zurechtfinden, unterstrichen die beiden gegen Fürth eindrucksvoll.

Da wegen der Ausfälle nur noch ein echter Stürmer zur Verfügung gestanden war, entschied sich Hannes Wolf dafür, Borys Tashchy in der Hinterhand zu halten und stellte stattdessen Youngster Berkay Özcan in die vorderste Front.

In der Abwehr erhielt Benjamin Pavard den Vorzug vor Toni Šunjić. Hannes Wolf nimmt man es als bisherigem BVB-Jugendtrainer ab, dass er den vermutlich zukünftig in der Satzung verankerten Leitsatz „Der VfB ist die Heimat der Jungen Wilden und bleibt eine Talentschmiede – wir setzen Vertrauen in den eigenen Nachwuchs“ konsequent beherzigen wird.

Wolf bewies somit bereits in seinem ersten „echten“ Spiel auf der VfB-Bank Mut und schenkte der Jugend sein Vertrauen.

Dass wir seit Jahren ein eklatantes Abwehrproblem haben, ist hinlänglich bekannt. Dass man sich schon längst einen alten Hasen an die Seite von Timo Baumgartl gewünscht hätte, auch. Wenn aber der junge und mit wenig Spielpraxis angetretene Benjamin Pavard seine Leistung vom Montag regelmäßig auch nur annähernd abruft, wäre dieses Abwehrproblem endgültig gelöst.

Mit der Rückkehr Timo Baumgartls kehrte ohnehin etwas mehr Stabilität ins VfB-Spiel ein, auch ihm sind die zehn Punkte aus den letzten vier Spielen maßgeblich mit zu verdanken. Wie aber Pavard sein Debüt zelebrierte, dafür fehlen mir auch nach einigen Tagen Abstand fast noch die Worte.

Was der Junge machte, hatte Hand und Fuß! Sensationell sein Vertikalpass über 50 Meter in den Lauf von Carlos Mané, aus dem das 1:0 schon in der zweiten Spielminute resultierte. Darüber hinaus bestach Pavard durch eine kluge Spieleröffnung und eine gute Technik. In der Defensivarbeit gefiel mir seine Körpersprache, wie er sich den Gegnern in den Weg stellte und dabei einen grimmigen Blick aufsetzte, der dem Gegenspieler gleich einmal suggerierte, „mit mir ist heute nicht gut Kirschen essen“. Ganz großes Kino was dieser Junge bot, verknüpft mit der großen Hoffnung, dass die Tage eines Toni Šunjić in der Stammelf endgültig gezählt sein dürften. Das i-Tüpfelchen und die Krönung einer überragenden Leistung setzte er mit seinem 3:0, welches er mit einer Dynamik erzielte, die man beim VfB schon lange nicht mehr gesehen hatte.

Auch Carlos Mané legte bei seinem ersten Einsatz im Brustring-Trikot los wie die Feuerwehr. Dem schnellen 1:0 ließ er nur zwei Minuten später das 2:0 folgen. Nicht nur wegen seiner beiden Tore war Mané eine absolute Bereicherung im VfB-Spiel. Pfeilschnell und spielintelligent, kaltschnäuzig im Torabschluss und (wenn Terodde und/ oder Ginczek wieder fit sind) auch ein guter Vorbereiter. Aus höchster Bedrängnis vermag er sich zu befreien und noch brauchbare Flanken in die Mitte zu schlagen, dieser Auftritt machte Lust auf mehr. Zusammen mit Kevin Großkreutz gab er auf der rechten Seite ein starkes, technisch beschlagenes Duo ab.

Anto Grgić schließlich, auch einer der schwer integrierbaren Neuen, bereitete das 4:0 durch Gentner wegen seiner Beharrlichkeit vor, als er einem scheinbar schon verlorenen Ball noch einmal nachsetzte, und dem Kapitän die Gelegenheit eröffnete, etwas für seine eigene Statistik zu tun.
Gentner, wie auch Maxim, hatten phasenweise sichtlich Probleme, mit dem zweitweise dargebotenen Hochgeschwindigkeitsfußball Schritt zu halten. Diese Probleme wurden dann zwar durch Maxims Torbeteiligung am 3:0 und Gentners 4:0 kaschiert, könnten aber in der Zukunft noch ein Thema werden, vor allem in puncto Schnelligkeit und Kondition liegt die Messlatte bei Wolf nämlich sehr hoch.

Für den Anfang und Wolfs erstes Heimspiel aber war es ein Spiel, wie aus einem Guss. Es war nicht nur die individuelle Klasse der Neuen, die diesen Sieg bescherte. Die Ordnung auf dem Platz war eine andere, es waren ständig Anspielstationen vorhanden, das Team half sich auf dem Platz, so dass es den Jungs immer wieder gelang, sich aus einer Umklammerung zu befreien und das Spielfeld breit zu machen. Jammerschade, dass es nicht gleich weiter geht, sondern erst noch eine Länderspielpause ansteht.

Doch es wird in dieser spielfreien Woche nicht nur auf internationalem Parkett um die WM-Teilnahme 2018 gekämpft, nein, auch die mit Spannung erwartete Mitgliederversammlung steht an.

Mir steht es selbstredend überhaupt nicht zu, anderen Mitgliedern Ratschläge mit auf den Weg zu geben, das muss jeder mit sich selbst ausmachen, wie er abstimmt.

Und doch kann ich hier meine Meinung kundtun und das werde ich auch.

Gestern war ich bei #vfbimdialog in der Würth-Soccer-Lounge im Neckarstadion zugegen und konnte mir erstmals selbst ein Bild von Wolfgang Dietrich machen. Bisher war ich unentschieden und eher der Auffassung, Dietrich als Präsident wäre zumindest mal besser als überhaupt kein Präsident.

Diese Meinung habe ich nach seinem gestrigen Auftritt revidiert. Er ist DER Kandidat des in Ungnade gefallenen Aufsichtsrates und spricht unverblümt auch deren Sprache.

Viele Statements von Dietrich hören sich für mich an, als habe er sie auswendig gelernt und spreche den Leuten nach dem Mund, damit sie ihn auch ja wählen. Wenn Themenkomplexe, zu denen er sein „Sprüchchen“ schon aufgesagt hat, näher hinterfragt werden, neigt er zu einer gewissen Dünnhäutigkeit, so dass ich befürchte, dass sich der VfB was das Binnenklima betrifft einen Gerd E. Mäuser II ins Haus holen würde.

Vieles wirkte auf mich aufgesetzt, so dass ich befürchte, dass wir Herrn Dietrich erst nach seiner Wahl richtig kennen lernen. Mit diesen Eindrücken kann ich ihn beim besten Willen nicht wählen, wenngleich ich schon davon ausgehe, eben, weil er der einzige Kandidat ist, dass er die erforderliche einfache Mehrheit auch bekommt.

Gut vorbereitet war Dietrich in allen Punkten, zu denen Fragen wegen seines Werdegangs und möglicher Interessenskonflikte zu erwarten waren und die er während seiner Wahlkampftour wohl auch bereits dutzendfach beantwortet hat.

Weniger kompetent wirkte er bei der Kenntnis des Sponsorenpools. Dass die Mercedes-Benz Bank unser Hauptsponsor ist und nicht Mercedes Benz, weiß so ziemlich jeder, der den VfB im Herzen trägt. Dietrich nicht, er nannte mehrfach Mercedes-Benz als unseren Hauptsponsor und griff dadurch der angestrebten Ausgliederung (unabsichtlich) bereits vor.

Zu einer möglichen Ausgliederung befragt, gab Dietrich an, völlig unvoreingenommen zu sein, um im gleichem Atemzug eine schnellstmögliche Entscheidung zu fordern, mit dem Hinweis der Finanzvorstand Heim brauche Planungssicherheit. Mein kaufmännisches Grundwissen sagt mir, als Finanzvorstand plane ich die fixen Einnahmen ein und lasse die variablen und unsicheren Einnahmen bei einer Budgetplanung außen vor. Wo ist also das Problem? Herr Dietrich merkte dazu jedoch richtig an, dass eine Ausgliederung nicht das Allheilmittel ist, wenn weiterhin so schlecht gewirtschaftet wird, wie in den letzten Jahren.

Als Bundesligist hätte uns eine Ausgliederung wohl maximal 50 Millionen Euro in die Kassen gespült, als Zweitligist wären es kaum mehr als 25 Millionen Euro. Im heutigen Fußball-Geschäft sind das Peanuts-Beträge, die man schon mit einem einzigen misslungenen Transfer in den Sand setzen könnte. Der VfB würde mit einem solchen Geldregen kaum mehr anfangen, als irgendwelche Löcher zu stopfen, so dass dieses Geld versickern würde wie schon viele Millionen zuvor und das zu einem für die Mitglieder sehr hohen Preis.

Der VfB müsste unter einer neuer Führung zunächst einmal liefern und Vertrauen gewinnen, bevor überhaupt darüber nachgedacht wird, sich vollends seinen ach so tollen Sponsoren hinzugeben.

25 Millionen Euro hätten in den letzten Jahren von innen heraus erwirtschaftet werden können, wenn man Didavi und Harnik rechtzeitig verkauft hätte oder wenn man Filip Kostic nicht völlig ohne Not eine Ausstiegsklausel in den Vertrag gekritzelt hätte. Über Kimmich, Leno und viele andere zu schwadronieren, damit möchte ich erst gar nicht anfangen.

Für Carlos Mané zum Beispiel besitzt man Medienberichten zufolge eine Kaufoption über 15 Millionen Euro. Sollte er, mit seiner Technik, seiner Schnelligkeit, seiner Spielintelligenz und seinem Torabschluss weiter so bestechen wie am Montag gegen Greuther Fürth, könnte der Junge eine Granate werden und in Dimensionen eines Leroy Sané vorstoßen, der im Sommer für 50 Millionen Euro zu Manchester City gewechselt ist.

Natürlich darf man den Jungen nicht unter Druck setzen und muss seine weitere Entwicklung abwarten, daher soll dies nur als Beispiel dienen, wie es im Profifußball möglich ist, Gelder zu generieren, ohne für ein paar Peanuts seine Seele zu verkaufen.

Dietrich betonte auch, wie wichtig ihm ein guter Umgang untereinander, mit den Spielern und auch den Ex-Spielern wäre, um bei einer Frage, bei der es um den Umgang mit dem lieben Geld ging, unter anderem zu meinen, dass man es vermeiden müsse, Spieler mit einer Abfindung „davon zu jagen“. Ob dies sein gewöhnlicher Sprachjargon ist und er darunter einen guten Umgang mit Ex-Spielern versteht, würde man ja bald erfahren, wenn er denn gewählt werden sollte.

Bei jedem seiner Auftritte unterstreicht Dietrich, dass er Gegenwind aushalten könne und davon nicht umfalle. Wenn er dann in anderem Zusammenhang erklärt, er könne auch auf „Teile der Fans“ verzichten, lässt das nach meinem Verständnis tief blicken. Er kann es dabei nur auf die Ultras und damit eine Spaltung der gesamten Fanszene abgesehen haben…

Dieser Verdacht würde es schon wieder logisch erscheinen lassen, dass die Wahl des Aufsichtsrats auf Wolfgang Dietrich gefallen ist, und das nicht, obwohl er seit Stuttgart 21 den Ruf eines Spalters inne hat, sondern WEIL er ihn inne hat.

Für den Aufsichtsrat ist er DER Kandidat, der die Ausgliederung mit dem Kopf durch die Wand versucht durchzuboxen und sich nebenbei noch des „Problems“ mit den Ultras entledigt. Nicht mit mir!

Ich kritisiere das Wahlprozedere nicht per se. Hätte der Aufsichtsrat den Mitgliedern die eierlegende Wollmilchsau vorgeschlagen, die alle erforderlichen Eigenschaften mitbringt und die Mitgliederschaft eint und nicht spaltet, hätte ich damit schon leben können. Was jetzt aber, so kurz vor der Wahl, alles heraus kommt und was man alles zwischen den Zeilen lesen kann, macht mich wütend.

Dieser Kandidat ist rein ein Kandidat des Aufsichtsrats und nicht für die Mitglieder. Der Kandidat eines Aufsichtsrats, dessen Entlastung unwahrscheinlich und dessen Abwahl möglich ist. Es hätte den Herren gut zu Gesicht gestanden, erst reinen Tisch zu machen und ggf. Konsequenzen zu ziehen und dann über einen neuen Präsidenten befinden zu lassen.

Ob ich dem Aufsichtsrat „nur“ die Entlastung verweigere oder für dessen Abwahl stimme, lasse ich für mich noch offen. Wie ich mich auch entscheiden werden, die 75% der Stimmen für eine Abwahl werden nie und nimmer zusammen kommen, so dass ich mir auch in keinem Fall einen Kopf machen müsste, dazu beigetragen zu haben, den Verein „in Schutt und Asche zu legen“.

Der Aufsichtsrat versucht derzeit alles, sich rein zu waschen und von seiner besten Seite zu zeigen. Nahezu täglich erscheinen von den Haus –und Hofberichterstattern der Stuttgarter Käseblätter sympathische Home-Stories, so dass man sie eigentlich nur liebhaben können muss und knuddeln möchte.

Martin Schäfer nehme ich seine Statements zudem fast ab und verübele es ihm auch nicht, dass er nach dem Abstieg vier Tage mit der Familie auf Mallorca verbrachte, wie er bei #vfbimdialog so rührend berichtete. Auch ein Top-Manager hat ein Anrecht auf ein Privatleben, zudem stand er ja in ständigem Kontakt mit seinen Kollegen. Mit Schäfer im Aufsichtsrat kann ich auch durchaus etwas anfangen, er ist ein sympathischer Typ und scheint ganz und gar nicht abgehoben zu sein.

Wilfried Porth hingegen hatte ich jüngst schon für seinen Auftritt bei Sport im Dritten kritisiert, weil er sämtliche Schuld an den Geschehnissen der jüngsten Vergangenheit, versuchte, auf die Vorgänger abzuwälzen.

Natürlich zeichnet der Aufsichtsrat in dieser personellen Besetzung nicht für die Einstellung von Robin Dutt verantwortlich, aber, als Kontrollorgan ist man auch nicht eingeschritten, als der VfB rasant dem Abstieg entgegen steuerte und als Dutt stoisch an Kramny festhielt. Dazu bemerkte Porth am Dienstag bei #vfbimdialog, dass gebruddelt werde, wenn ein Aufsichtsrat sich einmischt und Personal zu schnell entlässt, wie auch, wenn lange an Mitarbeitern festgehalten wird.

Falsch, Herr Porth! Von einem Aufsichtsrat darf man erwarten, dass dieser mit Weitblick agiert und nicht erst dann einschreitet, wenn das Kind schon im Brunnen liegt. Mir fallen einige Beispiele aus der jüngeren Vergangenheit ein, als zu spät die Reißleine gezogen wurde.

In der deutschen Fußballszene macht schon länger die Runde, „die Fans“ würden beim VfB das Personal vom Hof jagen. Und warum? Weil die Vereinsführung immer erst dann handelt, wenn das Fass übergelaufen ist die feinen Herren im Nadelstreifenanzug es mit der Angst vor dem Mob aus der Kurve zu tun bekommen, Bochum 2009 lässt grüßen. Immer erst, als man dachte, es knallt, wurde in der jüngeren Vergangenheit gehandelt. So war es bei der Labbadia-Entlassung, bei der Bobic-Entlassung, bei der Schneider-Entlassung und zuletzt auch bei Zorniger.

Obwohl sich Dietrich und auch der Aufsichtsrat auf die Fahnen geschrieben haben, nur noch nach vorne zu blicken, und damit, was den Aufsichtsrat betrifft, unangenehmen Fragen zur Vergangenheit aus dem Weg zu gehen, ließ sich Porth dann am Dienstag doch, bemerkenswerterweise, aus der Reserve locken und trat gegen Luhukay nach.

Martin Schäfer gelang es nicht, Herrn Porth in seinem Eifer zu bremsen. Porth gab nicht nur zu, dass er am Tag vor Luhukays Rücktritt dem ehemaligen Trainer mit auf den Weg gegeben hatte „entweder du ordnest dich ein oder deine Tage hier sind gezählt“. Nein, er feuerte nach und gab Luhukay die alleinige Schuld, dass es nicht funktioniert hat, weil sich der Trainer bei den Einstellungs-Gesprächen ganz anders dargestellt habe.
Auch wenn die Aussagen nicht wirklich schlimm sind, sind sie meiner Meinung nach äußerst dumm. Sollte es der Wahrheit entsprechen, dass Luhukay aus freien Stücken zurückgetreten ist und uns nicht doch eine Entlassung verschwiegen wurde (man könnte ja sonst Unfähigkeit des Aufsichtsrats/ Vorstands unterstellen…), hat man sicherlich vertraglich festgelegt (oder es gibt den Ehrenkodex), öffentlich keine schmutzige Wäsche zu waschen. So gibt es hier jetzt im Grunde zwei logische Möglichkeiten: entweder Luhukay verklagt den VfB auf die Zahlung einer Vertragsstrafe oder aber, er feuert zurück, um seine Ehre zu bewahren. Beides könnten wir im Moment gebrauchen wie’s Bauchweh!

Wie bereits im letzten Blog klargestellt, möchte ich gegen Luhukay nicht nachtreten. Er ist ein Aufstiegstrainer, nur, es hat eben hier, spätestens seit der Schindelmeiser-Verpflichtung, überhaupt nicht (mehr) zusammengepasst. Punkt!

Vernetzt, wie man in der heutigen Fußball-Welt als Verantwortungsträger eigentlich sein sollte, hätte man sich Informationen zu Luhukay einholen können. Dann wäre man darauf gestoßen, dass Luhukay schon öfters mal aus verletzter Eitelkeit hingeschmissen hat und als eigenbrötlerisch gilt.
In dieser kurzen Liaison haben sich beide Seiten nicht mit Ruhm bekleckert, so dass der gesamte VfB gut daran täte, die Akte Luhukay als Missverständnis abzuheften und es damit gut sein zu lassen.

Dass der Aufsichtsrat am Sonntag tatsächlich zum Teufel gejagt wird, kann ich mir, wie gesagt, nicht vorstellen. Die Drohungen über mögliche Folgen bei #vfbimdialog waren deutlich und dürften beim einen oder anderen Mitglied das Ziel der Einschüchterung erreicht haben.

Dass dem VfB von heute auf morgen der Boden unter den Füßen weggezogen werden würde, glaube ich nicht. Alle Sponsoren sind vertraglich gebunden und könnten allenfalls fristgerecht ihre Sponsoring-Verträge kündigen, es sei denn, der VfB hätte sich für diesen Fall auf ein Sonderkündigungsrecht eingelassen.

Außerdem soll am Sonntag auch über einschneidende Satzungsänderungen abgestimmt werden. Da über diese nur im Gesamtpaket befunden werden kann, werden diese auch von mir auch.

Schon das Thema Briefwahl stößt mir sauer auf. Damit bezweckt der Verein wohl vor allem, die Ultras zu schwächen, die es immer wieder schaffen, ihre Mitgliederschar zu motivieren zur Mitgliederversammlung zu kommen und dem Diktat des Vereins somit eine ernstzunehmende Opposition entgegen steht.

Es ist zwar nichts dagegen einzuwenden, dass auswärtige Mitglieder mehr in die Entscheidungsprozesse des Vereins mit eingebunden werden sollen, ABER, sie sollten wenigstens der Versammlung beiwohnen und sich ein eigenes Bild vom Versammlungsverlauf machen können. Wenn schon nicht persönlich, meinetwegen online, wenn die Technik in unabhängige Hände gegeben und das Ganze notariell begleitet wird, denn, Vertrauen in die Gremien des Vereins zu setzen ist derzeit mindestens so schwierig, wie an die Championsleague in ein paar Jahren zu glauben. Ein weiterer Nachteil der Möglichkeit zur Briefwahl wäre der, dass während einer MV keine Anträge mehr eingereicht werden könnten.

Da für mich bereits dieser eine Punkt der geplanten Satzungsänderung ein No-Go ist, muss ich auf die anderen, die Mitgliederrechte teils gravierend beschneidenden Punkte, auch nicht näher eingehen.

Zu diesem Thema tauchte heute auf der Facebook-Seite „Für eine neue Vereinsführung des VfB Stuttgart 1893“ ein interessanter und sich fundiert recherchiert lesender Artikel auf, der die geplanten Satzungsänderungen in seine Einzelteile zerpflückt. Dort heißt es unter anderem über das Mitglied, welches in Eigenregie eine Änderung der Satzungsänderung vorgeschlagen haben will, „Allerdings ist Dirk Freiland sehr gut befreundet mit Haver & Mailänder, die wiederum die Planung und Organisation der Mitgliederversammlung des VfB durchführen.“ Ein Schelm, der nicht Böses dabei denkt, das mit dem Vertrauen in den Verein ist nun mal so eine Sache.

Auffallend vehement versuchen Vorstand und Aufsichtsrat ihren Präsidenten, ihre Aufsichtsrats-Kandidaten, ihre Satzungsänderungen und schließlich auch die Stärkung der bisherigen Sponsoren durchzudrücken, so dass bei mir alle Alarmglocken schrillen.

Was den Stuttgarter Blätterwald dazu getrieben hat, für diesen Inner Circle eine peinliche Propaganda zu betreiben, ist mir rätselhaft. Da es im Fußball-Profi-Business stets ein Geben und Nehmen ist und ich den Protagonisten nicht über den Weg traue, kann ich nur mutmaßen, dass man ihnen versprochen hat, sie künftig wieder mehr mit Informationen zu füttern, nachdem der Informationsfluss nach Hansi Müllers Rücktritt vom Aufsichtsratsposten abrupt beendet war.

Derzeit sickert erfreulich wenig durch, was für uns aller Ehren wert, für die Medien aber höchst unerfreulich ist.

Unter Jan Schindelmeiser, dem man bisher eine ausgezeichnete Arbeit attestieren kann, blieben die jüngsten Verpflichtungen bis zur Vollzugsmeldung fast völlig unter Verschluss. Da diese sportlich einzuschlagen scheinen und dem VfB einen enormen Qualitätsschub verliehen haben, besteht nun die große Hoffnung, dass der VfB endlich seiner Favoritenrolle in der 2. Liga gerecht wird und in der Tabelle zum Überholvorgang ansetzt.

Unruhe im Verein ist sicherlich nicht förderlich für die Protagonisten im sportlichen Bereich, meiner Meinung nach jedoch unvermeidlich.

Man darf sich von Vorstand und Aufsichtsrat nicht einlullen lassen, nur weil wir durch die Korrektur eigener Fehlentscheidungen und einem 4:0-Sieg gegen die SpVgg Greuther Fürth vermeintlich in die Erfolgsspur zurückgekehrt sind.

Der VfB ist nach 39 Jahren ununterbrochener Bundesligazugehörigkeit abgestiegen und steht noch immer am Tiefpunkt. In der ersten Mitgliederversammlung, auch wenn sie bewusst in eine vermeintlich ruhigere Zeit nach hinten verschoben wurde, muss die Abrechnung mit den Verantwortlichen (die noch da sind) erfolgen.

Verständlich, dass sich sowohl Dietrich als auch der Aufsichtsrat dagegen wehren, zurückzublicken, weil es „niemandem weiterhilft“. Es hilft vielleicht niemandem weiter und doch haben die Mitglieder ein Anrecht darauf, zu erfahren, was getan wurde und vor allem, ob man es beim nächsten Mal möglicherweise besser machen würde.

Vorstand und Aufsichtsrat geht spürbar die Düse, dass sie inzwischen bei zu vielen Mitgliedern jeglichen Kredit verspielt haben. Nur so ist es zu erklären, dass man mit Werbe-Post und Mails bombardiert wird und hier schon, wie es mein Fanclub-Präsident formuliert hat, ein Spam-Charakter erkennbar ist. Die Mitglieder werden derzeit hofiert, werden von einer Veranstaltung zur nächsten eingeladen und die Medien hat man offensichtlich auch bearbeitet, damit sie der Werbeveranstaltung den vermeintlich neutralen Touch geben.

Paradoxerweise wird dieser Aufwand betrieben, um einen einzigen Präsidentschafts-Kandidaten ins Amt zu hieven, um als Aufsichtsrat weiter auf seinem Posten zu kleben und um durch die Satzungsänderung einschließlich einer weiteren Beschneidung von Mitgliederrechten, den Weg zur Ausgliederung durch die Hintertür zu ebnen.

Ich hoffe sehr, dass sich die Mehrheit der Mitglieder durch derartige Kampagnen nicht einlullen lässt und dass zahlreiche Redebeiträge, pro und contra, zur Meinungsfindung beitragen. Vor allem jenen Mitgliedern, die mit den sozialen Medien nicht so firm sind, könnten dadurch im letzten Moment noch die Augen geöffnet werden.

Auch ich lasse mich gerne noch im einen oder anderen Punkt umstimmen, wenn es unerwartete Wendungen geben sollte. Auf jeden Fall sollte jedes Mitglied bestmöglich vorbereitet auf die Versammlung gehen und für das abstimmen, was es meint, was für den VfB am besten ist.

Das vereint uns, die Fangemeinde, wir wollen alle nur das Beste für unseren VfB, wollen keinen Posten und wollen auch nicht die Position unseres Arbeitgebers durch eine bestimmte Wahl halten oder ausbauen. Wir sind unabhängig, VfB Stuttgart, das sind wir! Also, alle zur Mitgliederversammlung kommen und Euer Stimmrecht wahrnehmen!

So oder so, ich stelle mich auf eine äußerst hitzige Versammlung ein und entscheide kurzfristig, ob ich einen Schlafsack mitnehme.
Nach den getroffenen Entscheidungen, nach etwaigen Weichenstellungen, nach den fälligen Abstrafungen darf der Verein sehr gerne zur Ruhe kommen und sich wieder ausschließlich auf die sportlichen Ziele konzentrieren. Vorher nicht!

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28. September 2016

Punkteteilung im Pott

Nach über sechs Jahren ging es mal wieder um Punkte im Bochumer Ruhrstadion. Ich wünschte mir schon lang dieses Aufeinandertreffen zurück, jedoch liebäugelte ich in meiner Sehnsucht doch eher mit einem Bundesligaduell.

Bochum ist eines meiner absoluten Lieblings-Auswärtsspiele und das nicht nur wegen der unvergesslichen Szenen 2007, dem 2:3-Sieg, der das Tor zur Meisterschaft so weit aufstieß. Bochum ist auch unabhängig davon immer eine Reise wert.

Das Stadion ist megageil, man ist nah dran wie fast nirgends, es ist recht zentral in der Stadt und nicht auf der grünen Wiese gelegen, genügend Gastronomiebetriebe befinden sich fußläufig vom Stadion erreichbar und zu guter Letzt pflegen die Fans des VfL Bochum eine große Rivalität vor allem zu Schalke 04 und dem einstigen Lokalrivalen Wattenscheid 09, jedoch nicht zum VfB.

Dadurch lässt es sich im Stadionumfeld, auch in den einschlägigen Fankneipen, gut verweilen und zusammen über das Spiel schwadronieren. Fußball, wie er sein muss, wie ich ihn noch lieben gelernt habe, alles eben ein wenig Oldschool.

Beim letzten Aufeinandertreffen vor gut zwei Jahren schied der VfB in der ersten DFB-Pokal-Hauptrunde gegen einen bissigeren VfL aus. Es war der Fehlstart unter Armin Veh, der, wie man heute weiß, bereits ein Fingerzeig auf eine miserable Saison war.

Besonders im Gedächtnis hängen geblieben ist mir dabei ein Tor, welches Oriel Romeu (in seinem ersten Pflichtspiel für den VfB) und Sven Ulreich in Co-Produktion verschuldeten und dass Simon Terodde beide Tore für den VfL erzielte. Die Erstgenannten sind zum Glück nicht mehr da, der Letztgenannte, ist, auch zum Glück, inzwischen beim VfB gelandet.

Damals fuhren wir mit dem RWS-Bus hin und nach dem Spiel gleich wieder zurück. Da es jedoch nicht schadet, wie oben beschrieben, Zeit für das Vor- und Nachglühen einzuplanen, ergab sich eine Männertour mit Aufenthalt im Bermuda-Dreieck, DEM Kneipenviertel Bochums, und anschließend zwei Nächten in Köln. Einzelheiten unseres Wochenende erspare ich mir an dieser Stelle, nur eines, es war GEIL!

Wie bei jedem unserer bisherigen Spiele in Pokal und Liga in dieser Saison bestellte ich mir mein Ticket direkt beim Heimverein. Dieses Mal verschlug es mich auf die Haupttribüne, Reihe 4, mit bester Sicht aufs Spielfeld und die beiden Fanblöcke. Da im Anschluss an das Spiel noch eine Kneipentour und die Rückfahrt nach Köln an stand, war ich nur mit meiner Kompaktkamera unterwegs, die leicht in der Jackentasche zu verstauen ist. Es ist zwar irgendwie ärgerlich, wenn man sich schon eine Haupttribünenkarte leistet, dass vor allem bei einsetzender Dunkelheit recht große Qualitätseinbußen im Vergleich zur „Großen“ hingenommen werden müssen, aber, da siegt dann doch die Vernunft und die Bequemlichkeit, abends und nachts nicht noch auf die Fototasche aufpassen zu müssen.

Nach der turbulenten englischen Woche inklusive Luhukay-Rücktritt und Wolf-Vorstellung wusste ich nicht so recht, was man von dem Spiel erwarten konnte.

Für mich war die Inthronisierung Wolfs zwei Tage vor dem Bochum-Spiel hirnrissig. Begründet wurde dies damit, dass die Personalie bekannt wurde, bevor die beiden Parteien sie eigentlich verkünden wollten. So steckte der VfB ohne Frage in der Zwickmühle. Macht man mit Janßen noch das eine Spiel weiter, in der Hoffnung, dass er seine Erfolgsserie fortsetzen kann oder würde die Mannschaft die letzten Prozentpunkte Konzentration vermissen lassen, wenn sie weiß, dass es ohnehin Janßens letztes Spiel ist? Ich hätte es riskiert. Die offizielle Sprachregelung lautet zwar, auch Wolf habe seinen Dienst sofort antreten wollen und nicht erst nach dem Spiel, aber, wäre Fürth sein erstes Spiel gewesen, hätte er dies vermutlich (offiziell) auch so „gewollt“.

Ihm tat man meiner Meinung nach keinen Gefallen, lief man doch bewusst Gefahr, dass er einen Fehlstart hinlegen könnte, für den er noch überhaupt nichts gekonnt hätte. Der Mittwoch nach dem Braunschweig-Spiel war Regenerationstag, der Donnerstag Reise- und der Freitag Spieltag. Zu wenig Zeit also, um die Mannschaft nach seinen Vorstellungen auszurichten und Korrekturen vornehmen zu können. Daher war es keine Überraschung, dass Wolf auf das Korsett vertraute, das zuletzt unter Janßen erfolgreich war. Lediglich Kevin Großkreutz, der nach seiner langen Verletzungspause sukzessive mehr Einsatzzeiten bekommt, ersetzte den einzigen Schwachpunkt gegen Braunschweig, Berkay Özcan.

Apropos Kevin Großkreutz: derzeit ist er mal wieder in den Schlagzeilen, weil er bei der fiktiven Facebook-Veranstaltung „Abstiegsfeier des FC Schalke 04“ seine Teilnahme „zugesagt“ hat. Das Medien-Echo ist enorm und so gut wie jeder einschlägigen Sportseite einen Bericht wert.

Jan Schindelmeiser meinte in einem Interview mit der Stuttgarter Zeitung vor knapp vier Wochen „Kevin muss wissen, dass er mit seinen Postings immer auch den Verein repräsentiert. Wenn er die Interessen des Vereins verletzt, dann werden wir reagieren.“, was einige Medien so interpretierten, dass Großkreutz beim VfB angezählt sei.

Dass dem nicht so ist, lässt sich schon aus dem Originalzitat herauslesen, dass aber die Medien permanent versuchen aus dieser Mücke einen Elefanten zu machen und noch mehr Unruhe in einen ohnehin schon unruhigen Verein hineinzutragen, ist der Zahn der Zeit.

Daher finde ich solche Posts zwar nach wie vor nicht schlimm, aber, auch überhaupt nicht mehr lustig. Als gerade abgestiegener VfB-Profi, der eben erst nach langer Verletzungspause zurückgekehrt ist, täte er gut daran, zunächst einmal auf dem Platz zu liefern und dann erst große Töne zu spucken, wenn wir unangefochtener Tabellenführer sind.

Bei Großkreutz verwundert mich immer wieder die Diskrepanz zwischen seinen großmäuligen Posts und seinem schmallippigen, fast schüchternen, Auftreten, wenn man seinen Umgang mit den Fans im Training und im Trainingslager erlebt.

Ich sehe es ja positiv, wenn sich ein Spieler an seine Fans wendet und als einer den Ultras naher Spieler Botschaften für den Fußball und gegen Retorten in die mediale Welt hinaus sendet, aber, eben alles zu seiner Zeit. Als VfB-Fan tangiert mich seine Abneigung gegen „die Blauen“ ohnehin nicht, Spitzen in Richtung Gelsenkirchen kann er sich völlig sparen, solang er VfB-Profi ist.

Im Grunde ist mir ein Spieler wie Großkreutz, der eine eigene Meinung hat und sich durch derartige Postings selbst unter Druck setzt, lieber als ein stromlinienförmiger Allerweltsprofi, der in jedem Interview dieselben Phrasen drischt, nur, um allen gerecht zu werden und ja nicht anzuecken, aber, wie gesagt, alles zu seiner Zeit.

Aber, zurück zum Spiel: Gegen den zu Hause noch ungeschlagenen VfL kam der VfB nur schwer in die Gänge. Bochum war optisch überlegen und spielte für Zweitligaverhältnisse einen technisch versierten Ball. Dennoch hätte der VfB in der 12. Minute mit etwas Glück einen Elfmeter zugesprochen bekommen können, wenn sich Terodde fallen lassen und nicht unbedingt das Tor erzielen wollen hätte. Nach den bisherigen Spielen hat man fast den Eindruck, dass man die fehlende Lobby bei den Schiedsrichtern von der Bundesliga in die 2. Liga hinüber „gerettet“ hätte. Ansonsten neutralisierten sich beide Teams in der ersten Halbzeit weitestgehend, so dass große Chancen auf beiden Seiten ausblieben.

Wer hoffte, dass Wolfs Halbzeitansprache gefruchtet hätte, wurde enttäuscht. Die Bochumer kamen bissiger aus der Kabine und drängten den VfB in dessen Hälfte. Das 0:1 durch Gentner fiel daher aus heiterem Himmel mit der ersten Torchance in der zweiten Halbzeit und war mehr als schmeichelhaft.

Die Bochumer benötigten einige Zeit, um sich vom Rückstand zu erholen, ehe sie zur Schlussoffensive bliesen. Nachdem der VfB mal wieder lang genug drum gebettelt hat, war es zehn Minuten vor Schluss (endlich) so weit, Joker Wurtz traf zum Ausgleich. Danach drängte der VfL mit aller Macht auf den Siegtreffer, scheiterte letztlich aber am starken Mitch Langerak, der den Punkt am Ende festhielt.

Was ist dieser Punkt am Ende wert? Noch trauere ich eher der vergebenen Führung hinterher und dass es der VfB nicht schaffte, den Vorsprung über die Zeit zu retten. Ausgenommen St. Pauli zum Saisonauftakt hatte der VfB in nahezu jedem Spiel gegen Ende konditionelle Defizite und geriet stets richtig unter Druck.

Das dürfte auch Hannes Wolf nicht entgangen sein, die ersten Trainingseinheiten in der laufenden Woche sehen schwer nach Kraft- und Konditionstraining aus. Da kommt man unweigerlich zu der Vermutung, Luhukay habe schon früh die Lust und den Glauben daran verloren, dass die Beziehung Luhukay-VfB zu einem glücklichen Ende kommt, was eine Mannschaft natürlich spürt und dadurch den letzten Ticken Biss vermissen lässt.

Aus der englischen Woche kommt der VfB also mit sieben Punkte heraus, was im Grunde und in Anbetracht der Turbulenzen aller Ehren wert ist. Da man aber schon in Düsseldorf und gegen Heidenheim unnötig wichtige Punkte legen gelassen hat, ist der Druck inzwischen da, auch mal ein Spiel wie das in Bochum über die Zeit zu bringen.

Braunschweig, der unangefochtene Tabellenführer, hat bereits fünf Punkte Vorsprung auf den VfB, und erweckt nicht den Eindruck, in naher Zukunft einzubrechen und auch andere Aufstiegsfavoriten wie Union Berlin und Hannover 96 kommen langsam ins Rollen. Die drei Erstplatzierten machen derzeit einen gefestigteren Eindruck als der VfB und sind eingespielt, was man vom VfB nicht gerade behaupten kann. Nach wie vor ist das ganze Konstrukt auf Zufall aufgebaut und hat mit einem ausgeklügelten System wenig zu tun.

Auf Hannes Wolf wartet eine Herkulesaufgabe beim VfB. Zum einen schweben Horrorszenarien im Raum, die den VfB bereits als ewigen Zweitligisten sehen, sollte der sofortige Wiederaufstieg verpasst werden. Zum anderen muss der komplette VfB inklusive Philosophie und Spielidee komplett auf links gedreht werden und das mitten in der Saison.

Die Mannschaft muss sich nicht nur neu finden und auf ein neues Spielsystem einstellen, am 9. Oktober steht zudem noch die Mitgliederversammlung an.
Aus dieser wird (wohl) zumindest mal der neue Präsident hervorgehen, ob es ferner ein „Stühle rücken“ in Aufsichtsrat und/ oder Vorstand geben wird, wird man sehen.

Es dürfte eine hitzige Veranstaltung werden, in der alle Verantwortungsträger des letzten Jahres ihr Fett abbekommen werden. Wie Aufsichtsrat Porth bei Sport im Dritten weismachen wollte, dass im Aufsichtsrat viele personelle Wechsel stattgefunden hätten, und dieser daher nicht voll zur Verantwortung gezogen werden könne, so ist es ja nicht.

Der Aufsichtsrat in dieser Zusammensetzung und der Vorstand (mit Ausnahme von Jan Schindelmeiser) in dieser Zusammensetzung sind maßgeblich dafür verantwortlich, dass wir abgestiegen sind.

Der Vorstand, ob Heim oder Röttgermann ist mir entfallen, räumte auf der Veranstaltung #vfbimdialog erstmals öffentlich ein, dass man in der letzten Saison nach dem Augsburg-Spiel noch einmal reagieren hätte müssen. Jedem war das damals klar und trotzdem ist man sehenden Auges in den Abstieg getaumelt.

Aufsichtsrat und Vorstand zeichnen auch für die vorschnelle Verpflichtung Luhukays verantwortlich, was uns im schlimmsten Fall den direkten Wiederaufstieg schon jetzt gekostet haben könnte, weil die Vorbereitung (möglicherweise auch der eine oder andere Transfer) unter Luhukay damit für die Katz war.

Wollte Luhukay das Unternehmen Wiederaufstieg in erster Linie mit alten Weggefährten schaffen und nicht allzu viel Zeit mit der Integration neuer (nicht deutscher) Akteure „verschwenden“, kommt Wolf aus dem Jugendfußball und propagiert einen modernen, forschen Stil.

Wollte Luhukay in den Spielen kontrolliert agieren, was bis dato eher langweilig und nicht zielführend aussah, sieht die Spielidee Wolfs vor, den Gegner über den Platz zu jagen, Bälle zu erobern und so schnell wie möglich vor das gegnerische Tor zu kommen.

Sein Mentor heißt schließlich Jürgen Klopp, von ihm hat er sich in den letzten Jahren einiges abgeschaut. Wolf steht für schnellen, emotionalen Fußball mit hoher Laufintensität. Da versteht es sich von selbst, dass den Spielern viel abverlangt wird und die Jungs bei höchster körperlicher Anstrengung geistig frisch bleiben und auf dem Platz die richtigen Entscheidungen treffen müssen. Ob das mit dieser Truppe möglich ist? Auch wenn uns inzwischen einige „alte“ verlassen haben, noch sind genügend Spieler da, denen auch Zornigers Fußball zu hoch war, weil es einigen im Kopf fehlt.

Wolf benötigt für die Umsetzung seiner Vorhaben die richtigen Spieler und eine komplette Vorbereitung, um Automatismen einzustudieren. Mein großer Wunsch ist es ja, Spielformen, die ich im Trainingslager sah, wenigstens einmal auf dem Platz umgesetzt zu sehen. Bisher war das Wunschdenken, eher das Gegenteil war der Fall. In den ersten Pflichtspielen sah es oft so aus, als hätten die Jungs noch nie im Leben zusammengespielt. Nächste Chance, Wintertrainingslager!

Bis zum Winter muss Wolf unweigerlich improvisieren und darf die Spieler mit seinen Vorstellungen nicht überfordern, ob ihm das gelingt, ist eine spannende Frage für mich. Während des Spielbetriebs hat er die Zeit nicht, etwas zu entwickeln, sollten die Ergebnisse nicht stimmen. Daher steht er bereits zu Beginn seiner Amtszeit gewaltig unter Druck, die Mannschaft in der Spur zu halten und gleichzeitig zu verbessern.

Mit der SpVgg Greuther Fürth stellt sich am Tag der Deutschen Einheit das nächste Team mit Ambitionen in Richtung Aufstieg vor. Wie sich eine Niederlage gegen die Kleeblätter anfühlt, musste man im einzigen Bundesligajahr der Mittelfranken erfahren.

Am 32. Spieltag der Saison 2012/2013 setzte es gegen den bereits feststehenden Absteiger eine blamable 0:2-Heimniederlage. Die Fürther sind selbst noch in der Findungsphase und dadurch ein schwer ausrechenbarer Gegner. Dem Auswärtssieg beim (großen) Frankenderby folgte ein ernüchterndes Remis zu Hause gegen den SV Sandhausen. Auf die leichte Schulter darf der VfB ohnehin KEINEN Gegner nehmen, auch nicht in der 2. Liga, das müsste inzwischen auch beim letzten selbsternannten Star der Truppe angekommen sein.

Ein Skandal im Zusammenhang dieses Montagspiels ist, dass die Abstellungsperiode für die Nationalspieler bereits morgens am Spieltag beginnt. Die Österreicher haben schon verlauten lassen, dass sie auf das pünktliche Eintreffen von Florian Klein pochen werden, was ich jedoch eher positiv sehe.

Seine Aussagen nach dem Abstieg und sein (unglaubwürdiges) Zurückrudern bei seinem Trainingsauftakt haben Spuren hinterlassen, so dass ich ihn am liebsten nicht mehr in unserem Trikot sehen würde.
Aussagen, dass Klein keiner sei, der einfach davon laufe, wie sein Berater Hagmayr damals erklärte und „Er wird seine ganze Kraft einsetzen, um mitzuhelfen, dass die Mannschaft den Wiederaufstieg in die Bundesliga schafft“ heißt für mich vom österreichischen ins deutsche übersetzt „mir bezahlt keiner so viel wie der VfB, also sitze ich lieber meinen Vertrag ab“.

So schlägt gegen Fürth die Zeit für Großkreutz/ Zimmer, die Kleins Absenz vergessen machen werden. Sollten andere Nationalverbände, wie bspw. der der Japaner ebenso stur sein, könnte der VfB aber ein personelles Problem bekommen.

Auch hier wird wieder deutlich, welchen Stellenwert ein fairer Wettbewerb gegenüber den Interessen der Fernsehanstalten hat. Dass die DFL in der bekannten Konstellation auf das Montagsspiel an diesem Spieltag nicht ganz verzichtet hat, dafür habe ich kein Verständnis.

Da noch nicht bekannt ist, wer von seinem Land schon vor dem Fürth-Spiel abgezogen wird, macht es auch keinen Sinn, jetzt bereits über eventuelle personelle Wechsel zu schwadronieren.

Benjamin Pavard beispielsweise scharrt bereits mit den Hufen und wäre eine echte Alternative für Toni Sunjic, der einem starken Auftritt gegen Braunschweig einen grottenschlechten in Bochum folgen ließ. Er offenbarte einmal mehr, dass er nicht einmal dem Tempo in der zweiten Liga gewachsen ist, so dass er es unter Wolf in Zukunft schwer haben dürfte.

Auch die Zeit von Carlos Mané dürfte langsam kommen und, DIE positive Nachricht in diesen Tagen, Daniel Ginczek ist nach fast einjähriger Leidenszeit wieder ins Mannschaftstraining eingestiegen und könnte bereits nach der Länderspielpause beginnen, um Einsatzzeiten zu buhlen.

Egal, wer auf dem Platz steht, der Rasen muss brennen. Das Stadion dürfte einmal mehr sehr gut gefüllt, die Fans bis in die Haarspitzen motiviert sein. Feiertag, laut Wetterprognose bestes Frühherbstwetter und schließlich noch das Volksfest nebenan.

Der VfB muss einfach gewinnen, um Ruhe während der Länderspielpause zu haben und Selbstvertrauen zu tanken. Der Oktober hat es nämlich in sich, geht es doch nach Dresden, zu Hause gegen die wiedererstarkten Münchner Löwen, zum Pokalspiel nach Mönchengladbach und zum Derby in den Wildpark.

In diesen Wochen hat der VfB viel zu gewinnen, aber noch mehr zu verlieren, daher gilt es gegen Fürth an das starke Heimspiel gegen Braunschweig anzuknüpfen und sich mit einem guten Ergebnis in die Pause zu verabschieden.

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