11. März 2013

Eine Pleite jagt die nächste

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , – Franky @ 18:47

Die Situation wird immer prekärer! Auf gerade einmal drei Heimsiege bringt es der VfB nach 25 Spieltagen. Gerade einmal vier Punkte sprangen aus acht Rückrundenbegegnungen heraus, gerade einmal fünf Törchen brachte der VfB in diesen acht Spielen zustande. Platz 14 in der Tabelle, (noch) nicht in allerhöchster Abstiegsgefahr, weil es drei Teams gibt, die tatsächlich noch um einiges schlechter da stehen als der VfB.

Alarmstufe rot? Mitnichten!!! Lauscht man zumindest den Ausführungen von Bobic und Labbadia, kurz Bobbadia, ist alles bestens. Einzig und allein die Ergebnisse stimmen nicht, sonst ist alles super. Das Team kämpft aufopferungsvoll und belohnt sich nur nicht. Wir sind neben den Bayern als einziges deutsches Team noch in drei Wettbewerben vertreten und können, sollten wir mit unserem Rumpelfußball ins Pokalfinale einziehen, über die Hintertür DFB-Pokal wieder in die Europa League einziehen. Aus heutiger Sicht muss ich sagen: bloß nicht, sonst stehen die Alibis für die nächste Übergangssaison auch schon wieder parat.

Bobbadia versteht jetzt natürlich die Welt nicht mehr. Zum einen rennen wir ihnen nicht (mehr) die Bude ein, die Lücken auf den Tribünen werden immer größer, und dann, ist ja wirklich die Höhe, applaudieren wir nicht mehr permanent, wenn sich unsere Spieler Scorerpunkte für Gegentore verdienen und der Kick & Rush-Fußball neu erfunden wird. Die unattraktive Spielweise ist das eine, darüber haben wir lange weggesehen, als die Ergebnisse stimmten. Jetzt aber ist die Spielweise unattraktiv, und man hat den Eindruck, dem einen oder anderen ist das Schicksal des Vereins egal, sie lassen es über sich ergehen, kein Kampfgeist, Konzentrationsschwächen, kein Helfen auf dem Platz, keiner, der voran geht, nichts, es plätschert alles so dahin. Wir schießen keine Tore, weil die Bälle planlos in den Strafraum geschlagen werden, in Situationen, die vielversprechend werden könnten, wird nicht richtig antizipiert und somit eine mögliche Chance schon im Ansatz vertan. Wir bekommen nichts geboten, was den Fußball so liebenswert macht und dann hat Bobbadia nichts Besseres zu tun, als in den Fans einen Mitschuldigen zu suchen und nach ihrem Gusto auch zu finden? Selbstkritik ist Bobbadia fremd! Wurde gegen Lazio wirklich Hajnal ausgepfiffen oder ist die Reaktion nicht auch der Tatsache geschuldet, dass Bobbadia den Vertrag mit einem Spieler verlängerte, dessen Zenit überschritten ist und der eigentlich keine Rolle mehr spielt. Galten die Pfiffe gestern tatsächlich Molinaro, als dieser eingewechselt werden sollte, oder hatte dies nicht vielleicht möglicherweise damit zu tun, dass beim Stande von 0:1 ein Abwehrspieler kommen sollte? Dass Labbadia seine Entscheidung, von der er ja wohl überzeugt gewesen sein musste, wieder zurück nahm, sagt einiges über dessen derzeitige mentale Verfassung aus und wirft bei mir die Frage auf, ob er wirklich einen Plan hat, wie er uns aus dieser Misere herausführen kann.

Dass die Situation und der vom Vorstand verordnete Sparkurs nicht einfach zu handeln ist, dass, angesichts der Dreifachbelastung und der Verletzten das Team auf dem Zahnfleisch daher kommt, leuchtet mir ein. Dennoch jammern wir sicherlich noch auf einem sehr hohen Niveau von den finanziellen Möglichkeiten her. Es gibt in der Bundesliga durchaus auch Mannschaften mit kleineren Etats, die uns den Rang abgelaufen haben, bei denen aber so etwas wie eine Spielidee oder ein Matchplan zu erkennen ist. Hat ein Team die Handschrift seines Trainers, haben die Spieler sein System verstanden, ist es auch einfacher, von der Bank jemanden zu bringen, der genau weiß, welche Rolle er im Korsett einzunehmen hat. Beim VfB 2013 hingegen wird es dagegen immer vogelwilder, je mehr Neue herein kommen, das ganze „System“ ist nur auf Kommissar Zufall aufgebaut.

Labbadia ist jetzt ziemlich genau 2 ¼ Jahre da und hatte einige Transferperioden Zeit ein schlagkräftiges Team zu formen oder Spieler unserer zweiten Mannschaft soweit aufzubauen, dass sie in die Presche springen können, wenn ein Spieler den Verein verlässt bzw. Not am Mann ist. Wie erwähnt, hier ist die Finanzmisere nicht das alles entscheidende Kriterium, dazu gehört auch ein gutes Auge und ein Plan, um den Kader im Rahmen unserer Möglichkeiten zu verstärken.

Ich war lange „Pro Bruno“ eingestellt, nicht weil ich ihn besonders mag, sondern, weil ich ihn als VfB-Trainer akzeptiere und vor allem, weil ich mich endlich nach Kontinuität beim VfB sehne und denke, dass „unser“ sauer verdientes Geld lieber in die Kaderverstärkung denn in eine Trainerabfindung investiert werden sollte.

Mittlerweile aber traue ich es Labbadia nicht mehr zu, das Ruder noch herum zu reißen. Vielleicht ist er auch zu lieb für das Geschäft, wenn er sich stets schützend vor sein Team stellt und gebetsmühlenhaft Ausreden auftischt, weshalb es nicht läuft und ständig am Jammern ist. Bei dieser negativen Grundstimmung, die er verbreitet, frage ich mich, wie die Spieler positiv gestimmt auf den Platz gehen sollen. Auch bzw. Oder von Bobic würde ich mir wünschen, dass er sich mal hinstellt, und zugibt dass es eine verdammte Scheiße ist, die sie zusammen spielen und wie sie gedenken, diesen Negativtrend wieder zu stoppen. Fredi Bobic muss aufpassen und sich ein Stück weit von Labbadia abgrenzen, wenn er auch nach einem möglichen Trainerwechsel noch Manager bleiben möchte. Seine Position bietet durchaus Spielraum ein eigenes Profil zu schärfen und trotzdem loyal zum Trainer zu stehen.

Da keiner im Verein Klartext spricht, keiner den unzufriedenen Fans ein Stück weit Recht gibt und Verständnis für die Unzufriedenheit aufbringt, muss ich davon ausgehen, dass der Ernst der Lage noch immer nicht in deren Köpfen angekommen ist. Unsere nächsten Aufgaben heißen in der Liga Frankfurt (a), Dortmund (h), Hannover (a) und Mönchengladbach (h). Allesamt Gegner, bei denen man sich fragt, wie gegen sie etwas zu holen sein soll, wenn sich nicht grundlegend etwas ändert. Mit Leistungen wie in Leverkusen, gegen Lazio und jetzt gegen den HSV wird man jedenfalls nicht mehr viele Punkte einfahren können und hoffen müssen, dass Augsburg und Hopp ähnlich schlecht punkten werden.

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28. Januar 2013

Angst fressen Seele auf

Bilder von der einkalkulierten Niederlage jetzt online. Auch wenn ich nicht ernsthaft an einen Sieg geglaubt habe, ein wenig mehr hätte es meiner Meinung nach schon sein dürfen. Der VfB agierte einmal mehr gegen die Münchner wie das Kaninchen vor der Schlange. Klar, man kann sich daran aufgeilen, dass der VfB in den ersten 45 Minuten wenig bis nichts zugelassen hat und wir sogar die besseren Chancen hatten. Und, dass wir erst durch einen individuellen Patzer auf die Verliererstraße gerieten. Trotzdem fehlte mir der bedingungslose Wille, hier und gestern etwas reißen zu wollen. Ich hatte jederzeit den Eindruck, wie schon in den letzten Jahren, wenn es gegen Bayern ging, dass alleine der FC Bayern bestimmen würde, wie das Spiel abläuft. Haben sie Bock, uns abzuschießen, geht es eben 6:1 aus, wollen sie „nur“ und ohne großen Aufwand gegen uns gewinnen, spielen sie ihren Riemen wie im Februar im Pokal oder wie auch gestern herunter. Dazu bedarf es nicht einmal eigenem Zutun, irgendeiner der Brustringträger wird schon seinen Teil dazu beitragen und sich einen Scorerpunkt „verdienen“, wie gestern Molinaro, leider auf der falschen Seite.

Dem VfB fehlte der Glaube an sich selbst, daher war er sehr stark aufs reagieren bedacht denn einmal zu agieren und für Überraschungsmomente zu sorgen. Null Eckbälle und ganze zwei Chancen in 90 Minuten sprechen eine deutliche Sprache. Natürlich klafft die Schere in der Liga immer weiter auseinander, ich finde es trotzdem erschreckend, wie mittellos wir ein ums andere Mal gegen den Rekordmeister dahin siechen.

Seit gut 35 Jahren verfolge ich die Südschlager, meist live und im Stadion, und kann mich an viele legendäre Schlachten erinnern. Die Statistik ist vernichtend negativ, trotzdem gab es viele verlorene Spiele, in denen wir den Bayern auf Augenhöhe begegneten und letztendlich, obwohl wir besser waren, unglücklich verloren. Es gab viele Spiele, in denen wir mit wehenden Fahnen den kürzeren zogen, teils aus Übermut, teils aus Naivität. Man spürte den Siegeswillen und eine Verbissenheit, Derby-Charakter eben, der der heutigen Generation total abgeht. Heute erweckt es bei mir den Eindruck, dass man schon zufrieden ist, wenn sich die Niederlage in Grenzen hält. Dann reizt man den übermächtigen Gegner lieber nicht und tut ihm nicht sonderlich weh, bevor dieser Schaum vor dem Mund entwickelt und Ernst macht.

Eine gewisse Angsthasenmentalität verdeutlicht auch die Tatsache, dass wir lediglich mit einer Sturmspitze spielen und dann aber kein (Ersatz-) Stürmer mehr in den Kader berufen wurde. Abgesehen davon, dass Ibisevic so nichts passieren darf, konnte man so gar nicht von der Bank nachlegen und für etwas mehr Schwung sorgen. Ich begreife es nicht, dass Macheda noch nicht einmal im Kader war. Wenn ich einen Spieler für vier Monate ausleihe, zudem ohne Kaufoption, dann muss ich doch überzeugt davon sein, dass er uns sofort weiter helfen kann und ihn nicht ewig heranführen und integrieren. Ein Stürmer, der weiß, wo das Tor steht, wird sich auch so zurecht finden. Außerdem hätte nach der Absage des Ama-Spiels auch noch Benyamina zur Verfügung gestanden. So ruhten die Hoffnungen tief in der 2. Hälfte auf Brunos Liebling Torun, der noch nie zu überzeugen wusste, seit er hier ist.

Negativer Höhepunkt war dann schließlich noch der Platzverweis von Martin Harnik, der sich zu einem Frustfoul hinreißen ließ. Irgendwie schön zu sehen, dass es dem einen oder anderen auch an die Nieren geht, wenn man so machtlos ist. Trotzdem sehr ärgerlich, da er jetzt ausgerechnet in Düsseldorf fehlen wird, wo er in der Saison 2009/10 eine gute Zweitliga-Saison absolvierte und bestimmt top motiviert den Rasen betreten hätte.

So angefressen ich von der Hilflosigkeit unserer Akteure war, so bestürzt war ich dann noch von der Atmosphäre im Stadion. Es kann doch nicht angehen, dass, aufgrund der bislang gezeigten Leistungen nicht einmal unverständlich, dem VfB die Zuschauer davon laufen und stattdessen die Bazis fast ein Heimspiel haben. Um mich herum auf der Hauptribüne war gut ein Viertel mit nordösterreichischen Farben, was es mir gestern noch ein wenig unerträglicher machte. Es kann nicht angehen, dass bei „Steht auf, wenn ihr Bayern seid“ die halbe Untertürkheimer Kurve und Haupttribüne aufsteht und die VfBler es klaglos über sich ergehen lassen. Hier hätte ich mir auch etwas mehr Engagement auf den Tribünen gewünscht, aber, der VfB-Fan an sich ist ja inzwischen ziemlich gleichgültig geworden.

Das letzte Ärgernis, das ich noch anführen möchte, dass wir, wo wir doch nicht schon genügend Sonntagspiele haben und hatten, auch dieses Mal wieder Sonntags antreten mussten, obwohl keine Europaleague-Woche ansteht. So ging es nach zwei, drei Frust-Weizen schnell nach Hause, um heute früh wieder pünktlich auf der Matte stehen zu können.

Natürlich ist auch nach der dritten Liga-Niederlage in Folge noch nicht aller Tage Abend. Die zwei Niederlagen zum Rückrundenauftakt habe ich jedenfalls einkalkuliert gehabt und betone schon seit Wochen, dass die Rückrunde eigentlich erst in Düsseldorf richtig beginnt. Einfach wird es auch dort sicherlich nicht, zumal der VfB nach den Negativergebnissen zuletzt wohl kaum mit extrem breiter Brust auflaufen dürfte. Schaun wir mal, was der Gegner vor hat. Zuhause werden die Fortunen wohl kaum so defensiv eingestellt antreten als beim Gastspiel im Neckarstadion. Obwohl es auch den Düsseldorfern nicht entgangen sein dürfte, dass dem VfB am ehesten der Zahn zu ziehen ist, wenn man ihn einfach mal machen lässt… Vielleicht aber tut uns der Aufsteiger aber auch den Gefallen und haut sich die Dinger selbst rein, wie bei den beiden Niederlagen zum Rückrundenauftakt. Es dürfte auf jeden Fall spannend werden und für beide ein richtungweisendes Spiel werden. Düsseldorf könnte im Abstiegskampf ein Ausrufezeichen setzen, der VfB nach einem Auswärtssieg den Blick in der Tabelle wieder nach oben richten.

So frustriert ich noch bin, freue ich mich dennoch schon sehr auf unseren Auftritt in der Esprit-Arena. Auch wenn es nach dem Spiel gleich wieder mit dem Bus zurück in die Heimat geht, ist Düsseldorf doch immer eine Reise wert. Im Rheinstadion gewannen wir in den 80ern in schöner Regelmäßigkeit, unter anderem einmal 7:0, als ein junger VfBler namens Klinsmann fünf Mal für uns einnetzte.

Und, als Leverkusen vor einigen Jahren die Rückrunde dort absolvierte, war ich bereits einmal im neuen Stadion. Vielleicht ein gutes Omen, der VfB gewann nach überzeugender Vorstellung 2:4.

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31. März 2012

4:4 gewonnen!

Eines vorneweg: wenn man sich bei manch leidenschaftsloser Vorstellung fragt, weshalb man es sich antut, der Mannschaft überall hinterher zu reisen, um sich doch nur zu ärgern, so kann man nach dem gestrigen Abend festhalten, dass es genau diese Momente sind, wofür es sich lohnt, diesem wunderbaren Sport zu frönen. Ein Spiel, an Dramaturgie nicht zu überbieten. Und das in dem Fußballtempel in Deutschland schlechthin, dem Westfalenstadion in Dortmund. Am Ende gab es nur Gewinner. In vorderster Front natürlich der Fußball im Allgemeinen, die 80.720 Zuschauer, die diesem Spektakel beiwohnen durften und natürlich die Protagonisten in kurzen Hosen, die allerbeste Unterhaltung boten. Es war Gänsehaut pur, die einen den ganzen Abend begleitete. Selbst als wir in Rückstand lagen und die Dortmunder in Feierlaune waren. Die Schwarz-Gelben muss man einfach lieb haben, wenn man die Atmosphäre und die Schwarz-Gelbe Wand mit 30.000 Fans in der Südtribüne einmal erlebt hat. Dann die unfassbaren Glücksgefühle in unserem Block als der VfB innerhalb kürzester Zeit aus dem 0:2 ein 3:2 machte. Und, das an Emotionalität nicht zu überbietende Ende als Gentner in der Nachspielzeit zum 4:4 traf. Da nahmen wir auch die unfreiwilligen Bierduschen beim Torjubel gerne in Kauf.

Die Fahrt nach Dortmund begann für uns gegen 13 Uhr, als wir in Heimsheim den vom RWS Berkheim gecharterten Bus bestiegen und voller Vorfreude die Reise antraten. Schnell holte uns der ganz normale Wahnsinn am Freitagnachmittag auf Deutschlands Straßen ein. Es begann ja auch die erste Osterreisewelle, so dass wir schon bei Pforzheim den ersten von unzähligen Staus zu durchfahren hatten. Zwischenzeitlich hatte ich große Bedenken, überhaupt etwas vom Spiel zu sehen, so zäh zog sich die Fahrt hin. Etwa eine dreiviertel Stunde vor Spielbeginn erreichten wir Dortmund dann und reihten uns in den Stadionstau ein. Unser Busfahrer dachte dann besonders schlau zu sein, vertraute seinem Navi und ließ die Richtung Parkplatz abbiegenden rechts liegen, so dass wir uns plötzlich im Dortmunder Innenstadtverkehr wiederfanden. So sah ich unsere Felle immer mehr davon schwimmen und fühlte mich bestätigt, dass die Abfahrtszeit 12 Uhr in ES-Berkheim an einem Freitag recht knapp gewählt war. Nach einer kleinen Stadtrundfahrt hatten wir den rechten Weg wieder eingeschlagen und standen auf der Brücke über die Bundesstraße, Richtung Busparkplatz im Stau, ehe der Busfahrer, nach Rücksprache mit der vor uns fahrenden Polizei, ein Einsehen hatte und uns aussteigen ließ. Den Weg zum Gästeblock bewältigten wir im Laufschritt, die Ordner an den Eingängen hatten Verständnis für unsere Eile und beschränkten die Abtast- und Durchsuch-Prozeduren aufs Nötigste. Im Stadion angekommen lief bereits You’ll never walk alone, was darauf hindeutete, dass der Einlauf der Gladiatoren unmittelbar bevorstand. Erst mal kurz durchatmen, geschafft…

Da wir für dieses Spiel Stehplatztickets hatten, war es natürlich äußerst ungünstig, so spät einzutreffen. Die Gänge im Stehblock waren nicht mehr als solche zu erkennen, so dass wir kaum rein kamen. Die wenigen Ordner hatten offensichtlich bereits aufgegeben, wenigstens die Gänge freizuhalten und die Leute zum durchgehen zu bewegen. Die ersten Augenblicke nach dem Eintreffen wollte ich nutzen, noch ein Bild von der Schwarz-Gelben Schalparade zu schießen, was genügte, meine Leute aus den Augen zu verlieren. Nachdem ich mich mit anderen Berkheimern bei den Ordnern beschwert hatte, dass es ja unmögliche Zustände wären, führten sie uns unten in den Stehplatzbereich, wo ich mich dann während der ersten Halbzeit aufhielt. Nicht optimal und schlechte Sicht, da ständig Ordner und Polizei vor einem herumturnte und das Gedränge auch immer größer wurde. Aber, darüber regte ich mich nicht groß auf. Weiß man doch, wenn man ein Stehplatzticket wählt, dass es sich empfiehlt, frühzeitig seinen Platz einzunehmen.

Ich fuhr durchaus optimistisch in den Ruhrpott. Der VfB erreichte in den letzten beiden Begegnungen gegen den BVB jeweils ein 1:1, was ich auch für dieses Aufeinandertreffen tippte. Beide Male war Dortmund favorisiert, doch der VfB schaffte es jeweils mit Glück und Geschick einen Punkt zu erringen, was ich als Vorzeichen sah, dass wir uns möglicherweise zum Dortmund Angstgegner aufschwingen könnten. Das Spiel begann wie erwartet. Mit druckvollen Dortmundern, die die VfB-Abwehr von einer Verlegenheit in die nächste stürzten. Der BVB presste früh und zwang den VfB mit seinem druckvollen Hochgeschwindigkeitsfußball in die Defensive und kam zu ersten Chancen. Mit eigenen Nadelstichen in der Offensive (Schieber muss das 0:1 machen) zeigte der VfB dem Tabellenführer aber, dass er sich nicht zu sicher fühlen darf. Dennoch hatte der BVB natürlich ein deutliches Chancenplus. Ulreich, das Aluminium und mehr als einmal unser Turm in der Schlacht, Schorsch Niedermeier, verhinderten den frühen Rückstand. Nach etwa einer halben Stunde hätte der VfB allerdings einen Elfmeter bekommen können, wenn nicht müssen, als Weidenfeller Ibisevic in aussichtsreicher Position legte. Bitter, denn ein möglicher Elfer hätte auch die Rote Karte für Weidenfeller nach sich ziehen müssen. Trotzdem muss ich sagen, dass mir die Spielleitung von Schiri Weiner gefiel, ließ er doch viel laufen, was dem Spielfluss gut tat.

Kurz darauf war es dann aber um den VfB geschehen. Kehl legte für Kagawa auf, der den Ball unter die Latte drosch. Aufgrund des Chancenplus des Meisters eine verdiente und auch fällige Führung. Bis zur Pause passierte dann nicht mehr allzu viel. Dortmund hatte das Spiel zu diesem Zeitpunkt gut im Griff. Die Pause nutzte ich zum Plausch mit einigen Bekannten und einem zweiten Versuch von oben in den Stehplatzbereich zu gelangen, was dieses Mal auch funktionierte.

Auch die zweite Hälfte begann der BVB furios. Bei Pisczceks Pfostenknaller hatten wir noch das Glück des Tüchtigen, nur eine Minute später aber bezwang Kuba Sven Ulreich zum vermeintlich vorentscheidenden 2:0. Dortmund sah zu diesem Zeitpunkt wie der sichere Sieger aus. Ich hoffte nur, dass es jetzt kein Debakel gibt, Chancen dazu waren für den BVB vorhanden. In der 61. Minute kam dann der längst überfällige Wechsel auf unserer linken Abwehrseite. Molinaro wurde für Boka aufs Feld geschickt, der einmal mehr völlig überfordert war. Kuba und Pisczcek spielten zeitweise Katz und Maus mit ihm, der ständig in die Mitte zog anstatt seine Seite zuzumachen. Wie schon gegen den Club eine grottenschlechte Vorstellung unserer Nummer 15. Mit Molinaro kam mehr Stabilität auf dieser Seite rein. Mitte der zweiten Hälfte bekam man den Eindruck, dass Dortmund einen Gang zurückschalten und der VfB noch einmal seine Chance suchen wollte. Kvist setzte mit seinem satten Pfostenschuss ein erstes Ausrufezeichen, Ibisevic hatte kurz darauf eine gute Kopfballchance. Dann folgte die Zeit der spielentscheiden Wechsel. Beim VfB kam Christian Gentner für Hajnal, bei Dortmund Bender für Gündogan. Ich hatte den Eindruck, dass dem BVB mit der Auswechslung von Gündogan Struktur und Stabilität verloren ging, während sich der viel gescholtene Gentner zum (fast) spielentscheidenden Mann aufschwang. Kaum im Spiel bediente Gentner Niedermeier, dessen Volleyablage Vedad Ibisevic im Stile eines kaltschnäuzigen Torjägers gegen die Laufrichtung von Weidenfeller im Kasten versenkte. Gerade einmal sechs Minuten später kam der Ball nach von Ibisevic gegen Subotic gewonnenen Kopfballduell zu Julian Schieber, der mit unbändiger Willenskraft den Ball unter Kontrolle hielt, Weidenfeller umkurvte und zum 2:2 einschob. Ihm gönne ich es besonders, wurde er unter der Woche doch noch von seinem eigenen Präsidenten unwürdig abqualifiziert. Wiederum nur zwei Minuten später schickte Kuzmanovic Schieber auf die Reise, der mit einem satten Linksschuss durch die Beine von Weidenfeller das sensationelle 2:3 markierte. Daraufhin brachen bei uns im Block natürlich alle Dämme und auch ich hatte ernsthafte Standprobleme, am Ende aber alles gut überstanden. Unfassbar, bei einem eigentlich übermächtigen Gegner innerhalb so kurzer Zeit aus einem 0:2 ein 3:2 zu machen. Der BVB aber, im Stile einer Klassemannschaft, schüttelte sich kurz und schlug, auch einer gewissen Passivität vom VfB in dieser Phase geschuldet, eiskalt zurück. Als Hummels und Perisic Dortmund mit 4:3 in Führung schossen war im Stadion natürlich ein Geräuschpegel zu vernehmen, den ich sonst nur aus schottischen Stadien kenne. Wir waren restlos bedient und sahen es jetzt, nach dieser Aufholjagd, als tragisch an, mit leeren Händen heimfahren zu müssen. Doch, der VfB raffte sich auch nach diesem Tiefschlag noch einmal auf. Der eingewechselte Bah setzte einem eigentlich schon verlorenen Ball in der Nachspielzeit gut nach, so dass der Ball zu Molinaro gelangte. Dieser tat das, was man macht, wenn man in der Nachspielzeit unbedingt noch ein Tor braucht und drosch den Ball hoch in den Dortmunder Sechzehner. Schmelzer legte unfreiwillig für Gentner auf, dieser umkurvte Kehl und hämmerte den Ball unter die Latte des Dortmunder Tores. Damit wurde Gentner tatsächlich zum „Matchwinner“, auch wenn es keinen Sieger gab. Dieses Remis fühlte sich wie ein Sieg an. Unbändiger Jubel natürlich in unseren Reihen und bedröppelte Dortmunder, die zwei Punkte auf die Bayern verloren, den (Meister-) Sack im direkten Duell aber ja noch selbst zumachen können. Außerdem, nach München fahren wir ja auch noch. ;-)

Ich kann mich nicht erinnern, dass ich mich über ein Unentschieden schon einmal so gefreut hätte. Nach diesem Spielverlauf wäre es einfach bitter gewesen zu verlieren. Da habe ich sogar weniger an mich als Fan gedacht, als an die Mannschaft. Für dieses Aufbäumen musste es einfach die Belohnung in Form eines Punktgewinnes geben. Der VfB hat gestern, zumindest nach Kvist‘ Pfostenschuss, der als Startsignal zu sehen war, eine geile Leistung abgeliefert. Sie waren in dieser Phase unheimlich präsent in den Zweikämpfen und kämpften um jeden Ball. Das war Leidenschaft pur, wie ich sie vom VfB lange nicht mehr gesehen habe. Dass dieser Punktgewinn nicht unverdient war, zeigt die Statistik von Fussballdaten.de: Ballbesitz 49,5% zu 50,5%, gewonnene Zweikämpfe 47% zu 53%, Fouls 8 zu 10. Die Torschussstatistik von 27 zu 11 zu Gunsten des BVB war fast vorhersehbar. Dass man aber bestrebt war, selbst das Spiel zu machen und in den Zweikämpfen eine positive Bilanz ausweist, ist Beleg dafür, wie sich in der VfB in das Spiel hineingebissen hat. Auch die Foulstatistik von „nur“ 8 zu 10 finde ich bemerkenswert, ist es doch sauschwer diese wieselflinken Dortmunder mit fairen Mitteln zu verteidigen.

Ich behaupte mal, JEDER, der diesem denkwürdigen Abend live beiwohnen durfte, wird so ein Spiel niemals vergessen. Auch für mich reiht es sich ein in die ganz großen Sternstunden, die ich schon mit dem VfB erleben durfte. Den Dortmundern wünsche ich, dass auch sie das positive aus diesem Spiel ziehen können und in den nächsten Spielen ihre Chancen etwas konsequenter ausnutzen und den Bayern weiterhin die Stirn bieten.

Leider war nach dem Spiel nicht mehr viel Zeit bis zur Abfahrt unseres Busses. Die Zeit reichte noch zu einem Bierchen am Stadion Rote Erde und ein kurzer Smalltalk nebst Aufmunterung zweier frustrierter BVB-Fans. Gerne wäre ich auch schon vor dem Spiel dort hin, ist es doch jedes Mal ein freundschaftliches Miteinander von BVB- und VfB-Fans.

Dann machten wir uns auf in Richtung des Busparkplatzes, wo ich mir von den Murgtalschwaben, die ebenfalls eigens für dieses Spiel einen Bus charterten, noch zwei, drei Bier für die Rückfahrt organisierte. Die RWS-Vorräte waren bereits nach der langen Hinfahrt aufgebraucht. ;-)

Gegen 5.30 Uhr schließlich lag ich dann in meinem Bett. Geschafft aber glücklich. Danke VfB, danke Jungs vom Neckar. Wir sind alle mächtig stolz auf Euch!

Wenn dieses Spiel keinen Rückenwind für die Europa League gibt, was dann. Gegen Mainz geht es darum, diesen Punkt zu vergolden und von der Schwäche der Konkurrenz um (mittlerweile) Platz 5 zu profitieren. Ich freue mich jetzt schon darauf.

Bilder vom Spiel auf http://www.frankys-stadionpics.de/bilder/thumbnails.php?album=333.

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13. Februar 2011

Der Offenbarungseid!

Hatte man nach dem ersten Auswärtssieg in der letzten Woche wieder eine leise Hoffnung, dass es nun doch aufwärts gehen würde mit dem VfB, so wurde diese gestern gegen den Club auf fürchterliche Weise wieder zerstört. Dass der Club sich in den letzten Jahren zum Angstgegner vom VfB aufgeschwungen hat, dass es sicher auch nicht einfacher werden würde als gegen die Freiburger im letzten Heimspiel, das war mir schon vor dem Spiel klar. Trotzdem war ich gestern vor dem Spiel guter Hoffnung, dass es dem VfB erstmals in der Saison gelingen würde, zwei Mal nacheinander zu siegen. Der Auftritt in der 2. Halbzeit in Mönchengladbach, als es erstmals in dieser Spielzeit gelang, einen Rückstand noch in einen Sieg umzumünzen, machte Mut. Vor allem in Person von Tamas Hajnal, der Spielkultur einbrachte und seine neuen Kollegen ein ums andere Mal gekonnt in Szene setzte. So ein Spielertyp würde auch helfen können, die kompakten Nürnberger zu Fehlern zu zwingen und Räume für die Stürmer zu schaffen. So meine Hoffnung vor dem Spiel.

Als wir das Neckarstadion betraten, merkte man vielen Fans die Vorfreude auf das Spiel bei den vorfrühlinghaften Temperaturen. Die VfB-Fans empfingen die Mannschaft mit einem farbenfrohen Fahnenmeer und signalisierten der Mannschaft, dass sie sich einmal mehr der Unterstützung der Kurve sicher sein konnten.

Schon vor dem Anpfiff überraschte mich die Mannschaftsaufstellung von unserem Trainer Bruno Labbadia. Dass unser Kapitän Delpierre zurückkehren würde, davon war auszugehen. Dass aber nicht Didavi sondern Elson in der Startformation stand, damit war nicht zu rechnen. Ein Elson der lange nicht gut genug war und lange nicht in System passte, der, nach der Verpflichtung von Hajnal faktisch noch mehr aufs Abstellgleis geschoben wurde, ausgerechnet dieser Elson durfte von Beginn an ran. Und das beim Startelfdebut von Hajnal. Erst war beim VfB überhaupt kein Platz für einen Spielmacher, und nun standen auf einmal zwei 10er auf dem Platz. Elson spielte im linken Mittelfeld, auf einer Linie mit Hajnal zentral und Träsch rechts. Kuzmanovic stand als einziger Sechser auf dem Platz, Pogrebnjak und Harnik bildeten das Sturmduo. Überraschend nicht im Kader stand unsere japanische Stürmerhoffnung Shinji Okazaki. Sein Ex-Verein Shimizu S-Pulse verweigere die Spielberechtigung, da er auch dort noch ein gültiges Arbeitspapier habe, und die FIFA habe über diesen Fall zu entscheiden. Ich bin sehr gespannt, wie dieser Fall ausgeht. Nicht dass wir für den ablösefreien Spieler am Ende noch eine Transferentschädigung bezahlen müssen. Da es sich noch um ein schwebendes Verfahren handelt, halte ich mich mit einer Bewertung und eventuellen Schuldzuweisungen zurück. Jaaaa, der VfB!

Der VfB begann eigentlich ganz gefällig, ohne aber richtig gefährlich vor Raphael Schäfers Gehäuse aufzutauchen. Gleich die erste vernünftige Kombination der Franken führte dann aber auf der anderen Seite zum 0:1. Dieses Tor war ein Spiegelbild des VfB in der Saison 2010/11. Es ging viel zu einfach für die Nürnberger, ausgehend von einem Einwurf, dann ein dilettantischer Abwehrversuch von Molinaro zu einem ungedeckten Clubberer, der den Ball ins von Ulreich aus gesehen linke Eck einnetzte. Ich bin mir nicht sicher, ob der Ball haltbar war, stark geschossen war er jedenfalls nicht. Möglicherweise war Ulreich die Sicht etwas versperrt. Aus meiner Perspektive sah es aber so aus, als sei er zu langsam in Richtung Ball abgetaucht. Wie so oft in letzter Zeit führte also gleich der erste Schuss aufs Tor zum 0:1. Dieser Treffer löste für kurze Zeit eine richtige Schockstarre im weiten Rund aus. Die Hoffnungen, die noch vor dem Spiel vorhanden waren, waren bereits nach gut 10 Minuten einer brutalen Ernüchterung gewichen.

Auch den VfBlern auf dem Platz merkte man die Verunsicherung von Minute zu Minute mehr an. Der VfB versuchte zwar das Heft des Handelns in die Hand zu nehmen, hatte mehr Ballbesitz als die Nürnberger, kam aber kaum einmal gefährlich vor das Nürnberger Tor. Hinten war der VfB anfällig, so dass man schon fast von Auflösungserscheinungen sprechen konnte. Bezeichnend dafür das 0:2 durch unsere Leihgabe Julian Schieber. Weder Elson noch Molinaro hinderten Chandler am Flanken, in der Mitte genügte ein Hüpfer von Julian Schieber, um die Lufthoheit gegen Serdar Tasci zu erlangen. Tasci stand völlig neben sich, auch beim 3. Tor erweckte er den Eindruck, dass er das Leihgeschäft Schiebers nach Nürnberg nicht mitbekommen hat und ihn noch als Mannschaftskameraden wähnte. Tasci, der eigentlich in den letzten Wochen aufsteigende Tendenz zeigte, war gestern unterirdisch schlecht. Es war wieder einmal eine Länderspielwoche, in der er wohl mehr darüber lamentierte, nicht in den Kreis der Auserwählten berufen worden zu sein, als seine volle Konzentration auf seine derzeitige Hauptaufgabe, den Abstiegskampf mit dem VfB, zu lenken. Tasci, der ja an einer ausgeprägten Selbstüberschätzung “leidet”, sollte sich, bevor er überhaupt über das Thema Nationalmannschaft nachdenkt, erst einmal wieder dem kleinen Einmaleins auf dem Fußballplatz widmen und sich verdammt nochmal konzentrieren. Gestern war es eine unterirdische Leistung von ihm, genauo wie von Molinaro und Kuzmanovic, die auf ihren Positionen hoffnungslos überfordert waren.

Kurz vor der Pause gelang dem VfB durch ein Glückstor von Patrick Funk der Anschluss, wodurch wieder ein wenig Hoffnung aufkeimte. Diese war aber bereits in der 51. Minute wieder verflogen, als Schieber Tasci problemlos davon lief und dieser punktgenau Chandler bediente. Julian Schieber verkniff sich ganz gentlemanlike einen überschwänglichen Torjubel, da sein Herz doch für den VfB schlägt. Tragisch ist aber trotzdem, dass er mit seiner hervorragenden Leistungen den VfB dem Abgrund wieder ein Stück näher gebracht hat.

Die VfB-Abwehr war spätestens zu diesem Zeitpunkt ein Selbstbedienungsladen geworden. Danach brach die Moral vom VfB komplett, die Nürnberger konnten noch das 1:4 erzielen und hätten auch noch deutlich höher gewinnen können. Doch auch ein 1:4 gegen Nürnberg ist ein Debakel sondersgleichen. Einmal mehr zeigte sich, dass der Kader zu schwach ist, um eine bessere Rolle in der Liga zu spielen als die derzeitige.

Sowohl ein Fredi Bobic, als auch ein Erwin Staudt hatten uns für die Wintertransferperiode Transfers in Aussicht gestellt, die uns weiter bringen würden. Nichts ist geschehen. Ein Japaner, dem die Spielberechtigung fehlt, der sich in einer völlig neuen Welt erst einmal akklimatisieren muss, dazu im Sturm, wo im derzeitigen Kader noch am wenigstens der Schuh drückt. Dazu noch Tamas Hajnal, der obligatorische Last-Second-Transfer, ein Spieler, der in Dortmund ins 3. oder 4. Glied gedrängt worden ist, dem ein gewisser Toni Da Silva den Rang abgelaufen hat für eine Position, die wir eigentlich nicht im Angebot haben. Diese Personalpolitik verstehe wer will. Dass die größte Problemzone die Abwehr bildet, wurde gestern einmal mehr offenkundig. Dass ein Kuzmanovic, der sich analog zu Tasci stets zu höherem berufen fühlt, auch gestern wieder total überfordert war, dass dieser Spieler, der immer wieder mal mit angeblichen Angeboten aus der Serie A kokettiert, dem die Fans nach eigener Aussage sch…egal sind, nicht mit der Schubkarre über den Brenner gefahren wurde, habe ich auch nicht verstanden. Trotz eines Überangebots im defensiven Mittelfeld fehlt es uns dort an Qualität. Ein Typ Marke Van Bommel oder Jermaine Jones, selbst ein Christian Tiffert hätte uns gut getan, getan wurde nichts. Schon nach den verpassten Chancen während der Sommertransferperiode war klar, dass man mit diesem Kader irgendwie in den Winter kommen muss. Jetzt haben wir den Salat und müssen durch bis zum Bitteren Ende, das, und die Gefahr ist seit gestern präsent wie nie, den Abstieg in die 2. Liga bedeuten kann.

Langsam schwindet bei mir die Hoffnung auf ein gutes Ende auf den Nullpunkt. Der VfB hat einfach Baustellen in allen Manschaftsteilen. Der Torwart gefällt zwar durch einige Paraden, strahlt aber insgesamt zu wenig Sicherheit aus, die man im Abstiegskampf braucht. Die gesamte Viererabwehrkette leistet sich zu viele Unkonzentriertheiten und wirkt nicht abgestimmt. Bei Funk wechseln Licht und Schatten. Ihm kann man Fehler noch am ehesten verzeihen, da er ein Greenhorn ist und erst seine erste Bundesligasaison spielt. Dennoch kräht nach Degen, Celozzi oder Boulahrouz als Alternative derzeit kein Hahn.

Was auf der anderen Seite aber Molinaro seit seiner festen Verpflichtung abliefert ist eine Frechheit. Klar profitierte er in der letzten Saison noch von Hleb, mit dem er gut harmonierte. Aber auch in der Rückwärtsbewegung war er in der letzten Saison um Klassen besser, als das was er jetzt abruft. Gestern einfach unterirdisch. Auch die Innenverteidigung taumelt in dieser Saison von einer Verlegenheit in die nächste, egal ob die Protagonisten Tasci, Delpierre, Niedermeier oder Boulahrouz hießen. Zum defensiven Mittelfeld habe ich mich weiter oben schon ausführlich geäußert. Auf den Außenbahnen haben wir jetzt nach den Ausfällen von Boka und Gebhart fast ein Vakuum und eigentlich keine antrittschnellen Spieler mehr, die notwendig wären. Auch hier hätte eine Verstärkung frischen Wind bringen können. Wie Hajnal eingebaut wird, muss sich erst noch zeigen.

Dass wir fußballerisch im Vergleich zur Vorsaison entscheidend an Qualität verloren haben, ist augenscheinlich. Dazu ist kein Häuptling vorhanden, der das Heft des Handelns in die Hand nimmt und die Kameraden mitreißt. Die Spiele plätschern oft leidenschaftslos vor sich hin. Eigentlich müssten Profis ja mit den Hufen scharren, wenn sie nach einer Woche Training herausgelassen werden. Beim VfB ist davon nichts zu spüren. Die ersten Halbzeiten werden regelmäßig verschlafen. Kein Spielwitz, kein Esprit, gestern wieder bis auf Ausnahmen wie Pogrebnjak und Träsch auch kein Kampf und zu wenig Laufbereitschaft. Jeder ist zu sehr mit sich selbst beschäftigt, als dass er der Mannschaft wirklich helfen könnte.  Was hier noch helfen kann? Ich weiß es nicht, vielleicht sollten die Verantwortlichen die Dienste eines Psychologen in Anspruch nehmen, der Blockaden lösen könnte, die auch nach zweimaligem Trainerwechsel noch vorhanden sind.

Apropos Trainerwechsel: noch immer bin ich überzeugt davon, dass die Misere nicht solche Ausmaße angenommen hätte, hätte man an Christian Gross festgehalten. Für mich ist er nach wie vor der beste VfB-Trainer seit langem gewesen. Ausnahmsweise muss ich hier dem ungeliebten W. S. aus KA Recht geben, der kürzlich im Dritten angeprangert hatte, dass ein erfahrener Trainer wie Gross dem Managernovizen Bobic erklären musste, wie er die Mannschaft aus der damaligen Krise zu bringen gedenkt.  Und, dass spätestens nach dem zweiten Trainerwechsel auch der Manager hinterfragt gehört. Für mich jedenfalls hat er die Probezeit nicht bestanden und ist, aufgrund verfrühter Trainerentlassung und verfehlter Personalpolitik einer der Hauptschuldigen der derzeitigen Talfahrt.

Trotz oder vielleicht auch gerade wegen der schweren Zeit werden wir den VfB auch am Donnerstag in Lissabon und am Sonntag in Leverkusen lautstark unterstützen. Eines ist klar, nach den Ergebnissen vom Wochenende ist in Leverkusen ein Sieg Pflicht. Nach der gestrigen “Leistung” eigentlich unvorstellbar aber auch nicht unmöglich, hat Leverkusen doch auch so seine Probleme zu Hause. Allerdings sollten es unsere Jungs tunlichst vermeiden, die Pillendreher ähnlich zum Toreschießen einzuladen, wie die Nürnberger gestern. Es ist eine konzentrierte und couragierte Leistung notwendig, dann kann das Unmögliche möglich gemacht werden.

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4. Mai 2010

Nach dem Heimspiel: Abschiedszeremonie für vier Profis

So ein Abschied ist eine sehr emotionale Angelegenheit und kommt trotzdem nicht ohne feste Regeln aus. Also stellte irgendjemand nach dem Schlusspfiff hurtig ein kleines gelbes Plastikhütchen auf das Spielfeld. Irgendwo im Mittelfeld stand es, auf dass keiner der vier Hauptpersonen auf die Idee komme, auf direktem Wege von der Außenlinie in die Kurve zu marschieren.

Tatsächlich umkurvten Roberto Hilbert, Alexander Hleb, Ricardo Osorio und Jens Lehmann auf ihrem letzten Weg in der Stuttgarter Arena allesamt zunächst einmal vorschriftsgemäß dieses gelbe Hütchen. Erst dann schritten sie durch das Spalier der klatschenden Kollegen, fielen in die kräftigen Arme von Fritzle, dem Maskottchen im Krokodilskostüm, und erreichten schließlich vor den jubelnden Fans den Präsidenten Erwin Staudt, der neben warmen Worten eine Fotocollage als kleines Dankeschön für geleistete Dienste samt Blumen für die Gattinnen bereithielt.

Mit viel Liebe zum Detail war sie also geplant und vorbereitet worden, diese Abschiedszeremonie für die scheidenden VfB-Profis – und genau das war aus Sicht des Trainers das Problem. Zwar habe sich der Verein “einen sehr menschlichen Abschied” ausgedacht, den sich die Spieler auch verdient hätten, sagte Christian Gross, zudem habe es dafür “keinen anderen Zeitpunkt” gegeben. Allerdings: “So ein Abschied bringt auch Ablenkung mit sich und hat in der Vorbereitung auf das Spiel Konzentration gekostet.” Unter der Woche jedenfalls empfand der Trainer die Stimmung innerhalb der Mannschaft “fast ein bisschen zu gut”, wenn man bedenkt, wie wichtig das Spiel gewesen sei.

Das Spiel gegen Mainz spiegelte den Saisonverlauf wider

Und so kam es, dass sich der VfB am Samstagnachmittag gegen den FSV Mainz 05 nach zuvor sechs Siegen mit einem 2:2 (0:1) zufriedengeben musste. Angesichts des zwischenzeitlichen 0:2-Rückstands war das am Ende zwar ein respektables Resultat, doch verpasste der VfB eben auch die große Chance, mit einem weiteren Sieg die Teilnahme an der Europa League vorzeitig sicherzustellen. Sollte der Hamburger SV am letzten Spieltag in Bremen gewinnen, dann benötigen die Stuttgarter am Samstag zumindest einen Punkt in Hoffenheim, um den sechsten Tabellenplatz zu verteidigen und damit auch in der neuen Saison international vertreten zu sein.

In gewisser Weise bot dieses Spiel gegen das sehr überzeugend aufspielende Mainzer Team ein Spiegelbild des gesamten Saisonverlaufs. Der VfB kam sehr schwer in die Gänge und wachte erst auf, als es fast schon zu spät war. Dank der Mithilfe der Mainzer Hintermannschaft durfte Ciprian Marica den Ball zum Anschlusstreffer ins Tor stochern, wenig später ließ der Rumäne den Ausgleich folgen. “Wir haben wieder einmal mentale Stärke gezeigt”, sagte Gross, der allerdings auch registrierte, dass seinem Team nach der imposanten Aufholjagd der vergangenen Monate auf der Zielgeraden ein wenig die Kräfte zu schwinden scheinen.

Stuttgart will sich seine Position nicht mehr nehmen lassen

“Eine gewisse Schwerfälligkeit” erkannte der Trainer und vermisste “die Entschlossenheit und Aggressivität”, die seine Mannschaft zuletzt ausgezeichnet hatte. Und so habe die Partie gegen Mainz “deutlich gezeigt, dass wir uns extrem konzentriert auf das letzte Spiel in Hoffenheim vorbereiten müssen” – viel konzentrierter jedenfalls als auf den Auftritt gegen Mainz.

Einen letzten Kraftakt erwartet Gross von seinen Spielern auf dem Weg in das internationale Geschäft. “Wir haben hart gearbeitet, um in diese Position zu kommen, das wollen wir uns nicht mehr nehmen lassen”, sagt der Trainer und will unter der Woche genau hinschauen, wer nicht richtig bei der Sache ist. Bei Alexander Hleb, findet Gross, ist dies der Fall: “Seit sein Abgang feststeht, beschäftigt er sich gedanklich vor allem mit der Zukunft.”

Deshalb saß der Weißrusse gegen Mainz mehr als eine Stunde lang nur auf der Ersatzbank, obwohl er Geburtstag hatte und zum letzten Mal in Stuttgart auftrat. “Für mich war es eigentlich ein ganz wichtiger Tag – leider hat ihn mir der Trainer kaputtgemacht”, zischte Hleb. Immerhin: trotz allen Frusts umkurvte auch er hinterher brav das gelbe Plastikhütchen.

Stuttgart:

Lehmann – Osorio (46. Kuzmanovic), Tasci, Delpierre, Molinaro – Träsch, Khedira – Gebhart (66. Schieber), Hilbert (66. Hleb) – Marica, Cacau.

Mainz:

Wetklo – Zabavnik, Bungert, Noveski, Fathi – Karhan, Polanski (78. Amri) – Schürrle, Simak (78. Szalai/83. Heller), Soto – Bancé.

Schiedsrichter:

Zwayer (Berlin).

Zuschauer:

41 600.

Tore:

0:1 Fathi (52.), 0:2 Schürrle (63.), 1:2 Marica (73.), 2:2 Marica (75.).

(STZ 3.5.10)

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