24. April 2019

Leistungsverweigerung!

Nach Jahren des Dahinsiechens und einer kurzen Episode der Hoffnung, dass sich beim VfB tatsächlich mal etwas ändern könnte, sind wir nach dem 0:6-Debakel in Augsburg an einem neuerlichen Tiefpunkt angelangt.

Rede ich von Tiefpunkt, erscheint Rudi Völler vor meinem geistigen Auge, als er sich beim legendären Interview auf Island bei Weißbier-Waldemar darüber ausgekotzt hat, er könne es nicht mehr hören, wenn ihm nach jedem Tiefpunkt weitere und noch tiefere Tiefpunkte angedichtet werden würden.

Bei der deutschen Nationalmannschaft gab es nach Völlers Rücktritt wieder einige Höhepunkte zu bejubeln, während diese beim VfB weiter entfernt zu sein scheinen, als die Geysire vom Neckar.

Der VfB hat es mit der Bankrotterklärung in der Fugger-Stadt geschafft, dass mein Geduldsfaden mit dem Verein fürs erste gerissen ist. In einem von (Ex-)Trainer Weinzierl seit Wochen zum Endspiel („wir haben noch alles in der eigenen Hand“) hochstilisierten Aufeinandertreffen mit einem vermeintlich direkten Konkurrenten, sich von der ersten Minute an derart kampf- und widerstandslos zu ergeben, ist eine bodenlose Frechheit.

Was sind das für Charaktere, die Reschke da an Land gezogen und mit üppigen Verträgen ausgestattet hat? Altstars, die sich ihre Rente aufbessern wollen, Leihspieler, bei denen keine Identifikation mit dem VfB aufkommen kann, Möchtegern-Stars, die denken, allein, weil sie teuer waren, wären sie wer, und Mitläufer, die vielleicht wollen, es aber nicht (mehr) können.

Wer greift bei dieser Ansammlung von Egoisten endlich mal durch? Es ist doch ein reines Kasperletheater, wenn Geldstrafen nicht gezahlt werden, man sich weigert, bestimmte Positionen zu spielen, in Interviews über den eigenen Arbeitgeber herzieht, Teambuildings-Versuche mit Desinteresse konterkariert werden und man sich null und nichtig mit Arbeitgeber, Stadt, Fans identifiziert. Wer schreitet ein und sorgt bei diesem Sauhaufen, wo offensichtlich jeder macht, was er will, für Disziplin und Ordnung? Wenn gut zureden nicht fruchtet und über Disziplinarstrafen nur gelacht wird, kaserniert die Assis in der Sportschule Ruit ein und lasst sie 7 mal 24 an Fußball und den VfB denken!

Dietrich und Reschke leb(t)en zwar von oben Beleidigungen und Lügen vor, bis in die „Mannschaft“ hätte dieser Ton tunlichst nicht hineingetragen werden dürfen. So stehen wir jetzt, vier Spieltage vor Schluss vor einem Scherbenhaufen oder auch einem (möglicherweise) irreparablen Totalschaden.

Wo sind die pflichtbewussten Profis, die bereit sind, sich für ihre horrenden Gehälter zu schinden und Stadt, Verein und Fans etwas zurückgeben zu wollen? Wo sind jene Profis, die immer gewinnen wollen und denen es nicht egal ist, wenn sie abgeschlachtet werden?

Heutzutage scheint es diese Rotzlöffel überhaupt nicht mehr zu tangieren, ob in ihrer Vita ein Abstieg und die mit Abstand schlechteste VfB-Saison der Historie steht, Hauptsache die Zahlen auf dem Gehaltszettel stimmen.

Bei Abstieg dürften sich zwei Drittel dieser Leistungsverweigerer finanziell sogar noch verbessern, weil andere Vereine wie die Geier nach zum Sonderpreis erhältlichen charakterlosen Arschlöchern lechzen. Der Rest, der woanders keinen besser dotierten Vertrag erhält, schwer vermittelbar ist und nicht unterkommt, bleibt hier und liegt dem VfB weiter genüsslich auf der Tasche. Reschkes Rentenverträge für Auslaufmodelle werden uns wohl noch einige Jahre lang verfolgen. Dietrich jubelt zwar, dass der VfB bei Abstieg zu keinen Notverkäufen gezwungen sei, doch, Realitätssinn ist eben überhaupt nicht Dietrichs Sache.

Unter Reschke wurde das Gehaltsniveau derart angehoben, dass uns jeder Verkauf eines Top-Verdieners erleichtern dürfte. Klar, wegprügeln kann man sie nicht, ein Mario Gomez bspw., der dem Vernehmen nach zwischen fünf und sechs Millionen Euro per anno „verdienen“ soll, erklärt bei jeder Gelegenheit generös, er stünde auch in der 2. Liga zur Verfügung.

Er könnte genauso gut sagen, da ihm vermutlich kein zweiter Verein ein solches Salär bietet, bleibt er eben hier. Auch Holger Badstuber, mit ähnlich üppigem Vertrag ausgestattet, wird nur das Weite suchen, wenn er sich finanziell nicht verschlechtert, so dass dem VfB im Falle des Abstiegs gar nichts anderes übrig bleiben dürfte, jene zu verscherbeln, die eine ordentliche Ablöse versprechen und gleichzeitig von der Gehaltsliste verschwinden.

Beim ein oder anderen dürfte es gar auf das Modell Ibišević hinauslaufen, bei dem der Spieler zwar weg transferiert wird, der VfB jedoch dennoch bis zum Sankt Nimmerleinstag einen Teil der Bezüge weiterzahlt. Mit derart haltlosen Aussagen lasse ich mich von Dietrich nicht verarschen.

Hitzlsperger und Mislintat sind jetzt dazu aufgerufen, genau hinzuschauen, wen der VfB überhaupt behalten möchte, wer den nötigen Charakter mitbringt, sich für den Verein zu zerreißen, auch wenn ihm die vorgesehene Position, der Übungsleiter, der Feinstaub oder der Dauerstau in der Stadt nicht gefällt. Am Monatsende gibt es schließlich genügend Schmerzensgeld, das die Motivation in jeder noch so beschissenen Lage hochhalten sollte. Derzeit gibt es ganz wenige, die für die nächste Saison noch ihre Daseinsberechtigung haben, Kabak zum Beispiel, der jedoch im Falle des Abstiegs sicher weg wäre.

Mit der Leistungsverweigerung vom Samstag wurde eine Grenze überschritten und der letzte Kredit verspielt. Von der ersten Minute vorführen haben sie sich lassen und nicht mal den Ansatz eines Zweikampfes gesucht. Null gelbe Karten sprechen Bände. Vermutlich wollten sie doch „nur“ Weinzierl loswerden, was sie in eindrucksvoller Manier geschafft haben. Es war auf der Tribüne äußerst peinlich mit anzusehen, dass Eckbälle in jeder E-Jugend-Mannschaft besser verteidigt werden und dass nur eine Mannschaft wirklich am Spiel teilnehmen wollte.

Sollten diese Drecksäcke am Samstag wieder rennen können und Mönchengladbach besiegen, werde ich erst recht sauer. Dieser erbärmliche Haufen hat nur eines verdient, den Abstieg mit sofortigem Großreinemachen auf allen Ebenen.

Augsburg hat neben dem so gut wie sicheren Nichtabstieg ganz nebenbei auch noch den höchsten Sieg seiner Bundesligahistorie eingefahren, Glückwunsch, Zieler, Baumgartl, Pavard, Kempf, Esswein, Insúa, Castro, Kabak, Zuber, Gomez, González, Donis, Didavi, ihr ward dabei und steht für DEN Schandfleck der jüngeren VfB-Geschichte. Man wird sich noch lange an euer stümperhaftes Auftreten erinnern, und das nicht nur, wenn mal wieder vom höchsten Augsburger Sieg aller Zeiten berichtet wird.

Das 0:6 war zudem für den VfB die höchste Niederlage seit dem 17. Spieltag 1985/1986. Damals hieß der Gegner Werder Bremen und, damals wie heute, hatte ich mir den Kick im Stadion angetan. Freitagabend, Flutlicht, bitter kalt und ein entfesselnd aufspielender Meisterschaftskandidat von der Weser.

Auf den Trainerbänken saßen die beiden Ottos, Rehhagel und Baric. Damals wie heute war ich stinksauer ob des Dargebotenen, der große Unterschied aber war der, dass dies ein Ausrutscher war und sich die Protagonisten wenigstens schämten, während beim VfB die ganze Saison schon unterirdisch ist, wir noch kein einziges gutes Spiel gesehen haben und mit Augsburg „nur“ noch eins oben draufgesetzt wurde.

Damals hatten wir einen Präsidenten Gerhard Mayer-Vorfelder, der die Jungs nach einem derartigen Debakel im Neuen Schloss antanzen ließ, wo sich jeder Einzelne erklären musste, während sich unser jetziger Präsident auf Abruf auf Tauchstation befindet und damit beschäftigt ist, seine geschäftlichen Beziehungen zu verschleiern, anstatt sich um die Probleme des VfB zu kümmern.

In jener Saison in den 80ern hatten wir noch Typen wie Karlheinz Förster, Guido Buchwald, Günther Schäfer, Karl Allgöwer und Asgeir Sigurvinsson in der Mannschaft, die eine offene Rechnung mit ins Rückspiel nahmen.

Werder reiste als Tabellenführer an und stand nur deshalb nicht schon als Meister fest, weil Kutzop am 33. Spieltag in letzter Sekunde den Elfmeter gegen die Bayern an den Pfosten drosch.

Für den VfB hingegen ging es um nichts mehr. Als Pokalfinalist stand fest, dass wir in der darauffolgenden Saison international vertreten sein würden, so dass man die Saison hätte locker ausklingen lassen können.

Das erhofften sich auch die Werderaner, deren erster Meistertitel unter Rehhagel und nach 1965 so greifbar war. An dieses Spiel und vor allem die knisternde Atmosphäre kann ich mich noch recht gut erinnern und weiß sogar noch, dass ich damals einen Kurvensitzplatz (ach, die schönen alten Holzbänke) unterhalb von A- oder B-Block hatte.

Im Stadion herrschte eine Stimmung, als ginge es für uns um die Meisterschaft und nicht für Werder. Auf den Rängen war die große Lust zu spüren, den Nordlichtern in die Suppe zu spucken. Wettbewerbsverzerrung war noch verpönt, man hatte keine Lust darauf, sich nachsagen lassen zu müssen, den Bremern die Meisterschaft kampflos überlassen zu haben. Außerdem herrschte seit dem Abstieg 1975, als Werder 15. und der VfB 16. wurde, eine gewisse gegenseitige Abneigung, so dass man lieber den Südrivalen als die “Fischköpfe” als Meister gesehen hat.

Daher trieb das Publikum, 62.000 waren gekommen, das Team von der ersten Minute unermüdlich an, was sich auf dem Rasen widerspiegelte. Man hatte den Eindruck, die Jungs rannten um ihr Leben, was bei Rehhagel völliges Unverständnis hervorrief, gab es doch auch ordentlich auf die Socken.

Durch zwei Allgöwer-Tore gewannen wir mit 2:1, während die Bayern zu Hause Gladbach mit 6:0 abfertigten und noch an Werder vorbeizogen.

Nach dem Schlusspfiff wurde Werder reichlich mit Häme überschüttet und wir feierten den Sieg, als gäbe es kein Morgen. Das damalige Team bewies Charakter, von dem wir bei dem jämmerlichen Haufen der Gegenwart nur träumen können.

Undank ist der Welt Lohn, eine Woche später bedankten sich die Bayern im DFB-Pokalfinale für die Schützenhilfe nicht, sondern schossen uns, Willi Entenmann saß inzwischen auf der Trainerbank, mit 5:2 aus dem Berliner Olympiastadion.

In frustrierenden Zeiten wie diesen tut es ganz gut, in Erinnerungen zu schwelgen und sich an die Helden früherer Tage zu erinnern. Doch, so bitter, es ist, ich muss mich auch schon wieder den Totalversagern vom Samstag zuwenden.

Während die Genannten der Saison 1985/1986 allesamt respektable Karrieren nach der Karriere hingelegt haben, sind, wenn man Jan Åge Fjørtoft bei Wontorra glauben darf, mindestens 60% der Profis drei Jahre nach Karriereende pleite und landen mehr oder weniger in der Gosse. Ob das auch jetzt noch, bei den in den letzten Jahren sprunghaft gestiegenen Gehältern, so ist, sei dahingestellt. In der Sache hat er sicher nicht ganz unrecht.

Wer keinen Charakter und so wenig Anstand besitzt, für horrende Gehälter alles andere hintenan zu stellen, wer zu doof ist, Trainervorgaben zu befolgen, wer Problemen aus dem Weg geht, wer zur Unselbständigkeit erzogen wird, beleidigte Leberwurst mimt, wenn es unbequem wird, wer nicht bereit ist, sich an Gruppenregeln zu halten und sich ein Fußballerleben lang stets selbst der Nächste ist, wird es da draußen schwer haben, einen Job zu bekommen, kommt er nicht gerade als Fernseh-“Experte“ unter.

Womöglich kommen dann Schlaumeier wie Beckenbauer in Bezug auf Brehmes Privatinsolvenz daher, und fordern einen Fonds für in Not geratene Ex-Profis. Das würde mir jedoch nur ein müdes Lächeln abringen, postieren sich die Sozialversager am Spieltag zwischen Karlseck und Neckarstadion, springt gerade noch mein Hofbräu-Fläschle für sie heraus.

Da ich mich gerade so in Rage schreibe. Sollte irgendwer der Auffassung sein, ich würde diese Armleuchter zu unflätig beleidigen und zu hart angehen, der stelle sich selbst die Frage, ob er die „Leistung“ vom Samstag etwa nicht auch als persönliche Beleidigung aufgefasst hat.

Dass Weinzierl zu spät entlassen wurde, steht außer Frage. Dennoch gehört es sich nicht, einen solchen Auftritt hinzulegen, um den unbeliebten Übungsleiter los zu werden. Unsere minderbemittelten Kicker können noch froh sein, dass die Ultras das Stadion bereits zur Halbzeit verlassen haben. Sonst hätte wohl jeder Protagonist dieser öffentlichen Hinrichtung sein Trikot, das über 90 Minuten durch Nicht-Leistung beschmutzt wurde, abliefern müssen.

Man muss es sich auf der Zunge zergehen lassen – bis zu 8.000 VfB-Fans machen sich erwartungsfroh auf nach Bayerisch Schwaben und das „Team“ interessiert das überhaupt nicht.

Soviel auch zum Thema, die Proteste gegen Dietrich würden die Leistungen auf dem Platz beeinflussen. Die Unterstützung, untermalt von einer beeindruckenden Auswärtschoreographie, war phänomenal und schlug erst nach dem 3:0 merklich um.

Das Traurige daran ist, es geht offensichtlich nicht nur mir so, dass die Emotionen völlig raus sind. Man hätte auf die Zäune klettern und sie beleidigen können, aber nein, die Ultras fuhren heim und der Rest flüchtete sich in Lethargie oder bestenfalls noch in Sarkasmus.

Charakterlose Arschlöcher interessieren sich eben nur für sich selbst, denen sind die Proteste gegen Dietrich genauso egal wie die 8.000 Idioten, die diesen Stümpern am Osterwochenende hinterherfahren.

Wie schon letzte Woche geschrieben, hätte nach dem etwas erträglicher ausgefallenen Düsseldorf-Debakel nicht nur Reschke, sondern auch Weinzierl entlassen werden müssen.

Geradezu paradox ist es doch, dass man Reschke vordergründig deshalb den Laufpass gab, weil man ihn nicht auch noch den dritten Trainerfehlgriff verantworten lassen wollte und Hitzlsperger so lang mit der Entlassung gezaudert hat, um letztlich „Entscheidungshilfe“ vom „Team“ erhalten zu müssen. Schon seit einigen Wochen war es mir klar, dass wir in dieser Konstellation Punktelieferant bleiben werden, nichts, aber auch gar nichts, gaben die Auftritte her, aus denen man Hoffnung auf Besserung schöpfen konnte.

Dass Weinzierl die Spieler nicht erreicht hat, sie öffentlich diskreditiert hat, sich bis zum Schluss nicht richtig mit dem VfB identifiziert hat und letztlich auf der Spieltags-PK mit seiner Medienschelte um den Rauswurf gebettelt hat, vieles wollte Hitzlsperger wegen der bloßen Hoffnung auf Kontinuität nicht wahrhaben.

Hitzlsperger, wie vor ihm schon Schneider/ Briem, Heldt, Bobic, Dutt und Reschke absoluter Novize in diesem Metier, kann einem derzeit leidtun. Er wirkte nach dem Auftritt in Augsburg schwer angeschlagen, und wird in den kommenden Monaten beweisen müssen, ob er der Richtige für diesen Job ist.

Noch bin ich skeptisch, beurteile ihn jedoch erst nach der Sommertransferperiode. Das lange Festhalten an Weinzierl könnte ihm noch gehörig um die Ohren fliegen.

Seit seinem Amtsantritt wird stets betont, wie nah Hitzlsperger am Team sei und wie viele Gespräche er führen würde. Da kann es mir doch keiner erzählen, dass er nicht erkannt hat, dass Weinzierl die Truppe längst verloren hatte.

Dass sie mit Mannschaftsführung und Matchplänen genauso wenig anfangen konnte, wie damit, dass manche, wie Esswein, ständig aufliefen, während andere komplett außen vor waren.

Da dieser Fußball keinen Spaß machte, weder Fans noch Fußballern, und zudem die Ergebnisse nicht stimmten, gab es wohl genau null Argumente, das mit Weinzierl durchzuziehen. Ein Twitter-User will nach dem Augsburg-Spiel von Aogo erfahren haben, dass „99%“ der „Mannschaft“ gegen Weinzierl gewesen seien, da frage ich mich wirklich, wie Hitzlsperger der Auffassung sein konnte, dass wir mit Weinzierl noch die Kurve kriegen könnten.

Hitzlsperger befindet sich noch in der 100-Tage-Frist, so dass allzu große Kritik an ihm noch unangebracht ist, danach, und spätestens nach Abschluss der Sommertransferperiode jedoch sollte auch er nach Leistung beurteilt werden.

Es war zwar ein kluger Schachzug von Dietrich, nach dem unbeliebten Reschke Everybody’s Darling und Vereinslegende Hitzlsperger an die vorderste Front zu stellen, um Reschkes Scherbenhaufen aufzukehren und dessen Missstände zu verwalten. Damit erhoffte Dietrich, selbst aus dem Fokus der Kritik zu rücken, was gründlich danebengegangen ist, die neuesten Quattrex-Enthüllungen lassen grüßen.

Ob Nico Willig diesem Sauhaufen in den verbleibenden vier bis sechs Spielen neues Leben und so etwas wie Teamgeist einhaucht, wird man sehen.

Es spricht für Hitzlsperger, wie er dem einstigen U19-Trainer das Vertrauen ausspricht und wie er sich von dessen Arbeitsmethoden überzeugt zeigt.

Von Willigs Spielphilosophie und Menschenführung hört man nur Gutes, ob er auch mit den jämmerlichen Versagern vom Samstag zurechtkommt, in ein paar Wochen sind wir schlauer.

Er scheint die Flucht nach vorn suchen zu wollen, was ein Schlüssel sein könnte. Zum einen verspräche dies die Beendigung der Torflaute, zum anderen besänne man sich wieder auf das eigentliche Ziel des Spiels, womit auch mehr Spielfreude zu erwarten sein dürfte.

Bin gespannt, ob wir am Samstag gegen das ebenfalls schwächelnde Mönchengladbach einen komplett anderen VfB und womöglich gar einen Sieg sehen werden. Über diesen könnte ich mich vermutlich nicht einmal freuen, denn, ich halte nichts davon, wenn hochbezahlte Profifußballer die Leistungsbereitschaft so lang einstellen, bis der ungeliebte Chef weg ist und sie dann wieder wie die Häschen rennen.

Was mich bei der Beförderung von Nico Willig befremdet und ich als schlechtes Zeichen für unseren Nachwuchs ansehe, ist, dass man der U19, die die Chance hat, Deutscher Meister und Pokalsieger zu werden, in der entscheidenden Phase das Herzstück rausreißt. Die Gefahr ist groß, dass es am Saisonende nur Verlierer gibt beim VfB.

Das zarte Fünkchen Hoffnung auf den Klassenerhalt begründet sich nach wie vor einzig und allein aufgrund der Schwäche der Konkurrenz. Auch Willig kann in der Kürze der Zeit lediglich die Missstände verwalten und dem einen oder anderen, der komplett außen vor war, eine neue Chance geben.

Die großen Versäumnisse des Winters, keinen spielstarken Sechser und keinen Torjäger geholt zu haben, werden auch ihn einholen. Ob ein Mario Gomez, der im Winter noch getönt hat, uns zum Klassenerhalt zu schießen, derzeit angesichts seiner Slapstick-Einlagen aber in jeder Comedy-Show besser aufgehoben wäre als auf dem Platz, den Turnaround schafft, wenn insgesamt mehr nach vorne geht, ich bin gespannt. Wie so vieles derzeit, ist auch das schwer vorstellbar.

Egal, wie die Saison ausgeht, der VfB steht mal wieder vor einem radikalen Neuanfang. Da auch beim VfB der Fisch vom Kopf her stinkt, muss Präsident und Aufsichtsratsvorsitzender Dietrich den Weg frei machen.

Er steht wie kein anderer für das Verlassen des Weges der Vernunft und der Installation des Perlentauchers. Er ließ Reschke gewähren und goutierte jene Alleingänge Reschkes, die er als Grund für Schindelmeisers Entlassung vorschob.

Er erschlich sich bei seiner „Wahl“ und der Ausgliederungspropaganda das Vertrauen der Mitglieder mit falschen Versprechungen und hat wohl auch gelogen, als es um mögliche Interessenskonflikte bzgl. seines Quattrex-Imperiums ging.

Der offene Brief des Fanausschusses blieb bislang unbeantwortet, Dietrich ist und bleibt ein Meister des Aussitzens. Womöglich lacht er nur über die Vorwürfe, die ihm wohl erst dann gefährlich werden könnten, sollte die DFL ermitteln.

Die Mitglieder haben Dietrich, trotz aller Warnungen, durch die Ausgliederung mit einer Machtfülle ausgestattet, die ihresgleichen sucht. Somit werden ihm die Mitglieder kaum gefährlich werden können und deshalb egal sein.

Wie er ganz aktuell erklärte, werde er die Vorwürfe zeitnah entkräften, was nicht darauf hoffen lässt, dass er bereit sei, Konsequenzen zu ziehen und zurückzutreten. Sollten seine wohl noch immer bestehenden Beteiligungen und das damit verbundene Partizipieren an Erfolgen möglicher Relegationsgegner, von der DFL als „noch im Rahmen“ angesehen werden, änderte dies nichts an der moralischen Verwerflichkeit. Die DFL sah seinerzeit auch bei Redbull keine Untergrabung der 50+1-Regelung und gab sich mit dem neuen alten Logo zufrieden, um diese Retorte in die Bundesliga zu hieven. Auch dies mag bestehendes Recht sein, mit Anstand und Moral jedoch hat wenig zu tun, was bei der DFL passiert.

Sollte die DFL nicht aktiv werden, muss man auf den Aufsichtsrat hoffen. Wie Oliver Trust bei Sport im Dritten andeutete, scheint der Daimler mit der Verwendung seiner Gelder nicht einverstanden zu sein, so dass der Druck möglicherweise auch von der Investorenseite her zunehmen wird.

So oder so, die Luft für Dietrich wird zunehmend dünn. Fast hätte ich an seinen Charakter appelliert, doch, siehe oben, siehe Augsburg, darauf braucht man wohl nicht zu hoffen. Wie sich der VfB auf allen Ebenen präsentiert, wird von oben vorgelebt, so dass es bis zu Dietrichs Demission nur weiter heißen kann, #StuttgartkämpfenDietrichraus.

Nach einem Trainerwechsel Prognosen fürs nächste Spiel abzugeben, sind schwierig und ich bin da echt zwiegespalten. Mir wäre es fast lieber, es ginge mit der Truppe sang- und klanglos runter (nichts anderes verdient man nach einer solchen Saison) und ich müsste keinen mehr sehen, als dass sie ab Samstag „Ätschegäbele“ sagen, und sich berappeln, wie man es nach Trainerwechseln ja schon oft genug erlebt hat.

Darauf habe ich ehrlich gesagt überhaupt keinen Bock und es würde meinen Hass auf diese erbärmlichen Gestalten wohl ins Unermessliche steigern.

Wie erwähnt, mein Geduldsfaden ist gerissen, was natürlich nicht bedeutet, dass ich mir die weiteren Spiele nicht mehr antun werde. Berlin ist gebucht, nach Schalke fliegen wir aus Malle ein (ja, auch WIR SIND STUTTGART) und die Relegationstermine sind geblockt. Die Touren sind nach wie vor geil, auch Augsburg war es, stören tun da nur die Spiele. Die Weggefährten und Leidensgenossen, die man trifft, mit denen man unterwegs ist, wiegen vieles auf, sogar ein unterirdisches 0:6!

VN:F [1.9.7_1111]
Rating: 9.9/10 (22 votes cast)
VN:F [1.9.7_1111]
Rating: +6 (from 8 votes)
13. Februar 2018

Brustring-Burnout

Diese Begrifflichkeit stammt nicht von mir, sondern von einem sehr geschätzten Freund und Allesfahrer-Kollegen, der keinen Bock mehr hat und es ernsthaft erwägt, sich künftig anderen Dingen zu widmen, als ständig dem Brustring hinterher zu fahren.

Vergleiche zu schlimmen Krankheiten sollte man im Sport zwar nicht unbedingt ziehen und doch passen sie manchmal ganz gut. Schon die Jahre vor dem Abstieg verglich ich mit dem Dahinsiechen eines todkranken Patienten an lebenserhaltenden Maschinen und empfand es als pure Erlösung, als durch den Abstieg endlich der Stecker gezogen wurde. Der Burn-out per Wort-Definition bedeutet, „die innere Flamme erloschen, ausgebrannt“, was sich schon irgendwie auch auf meine Gefühlswelt in Bezug auf den VfB übertragen lässt.

Selten saß ich derart emotionslos im Stadion wie am Sonntag, selten kam nach einem dreckigen Arbeitssieg so wenig Freude auf, wie nach dem für die Tabelle so wichtigen Dreier gegen die Elf vom Niederrhein.

Dass es vielen meiner Freunde und Bekannten ähnlich geht und das Davor und Danach wichtiger ist als das Spiel, unterstreicht, dass ich mit meinen Empfindungen nicht alleine da stehe. Kaum einer hat mehr richtig Lust, nach dem Vorglühen den Fußmarsch von Bad Cannstatt zum Neckarstadion anzutreten, manch einer bleibt an den auf dem Weg liegenden Gastronomiebetrieben hängen und schaut sich den Kick lieber im Warmen und vorm Fernseher an.

Ganz so weit ist es bei mir noch nicht gekommen, wenngleich ich zugeben muss, dass es mehr die Lust am Knipsen ist, die mich stets pünktlich erscheinen lässt, als die Anwesenheit der Millionäre in kurzen Hosen.

Die Kurve, der (für mein Empfinden noch zu stille) Protest, die Choreographien, die Fahnen, die Gesänge, all das macht für mich das Stadionfeeling aus. Vorbei sind die Zeiten, als noch ein Team auf dem Rasen stand, das sich in jedem Spiel für den Brustring zerrissen hat, das den Funken vom Rasen auf die Ränge überspringen ließ und selbst die Haupt- und Gegentribünen-„Bruddler“ zu Gesängen und rhythmischem Klatschen animierte. Die Spiele sind selten vergnügenssteuerpflichtig, ein, zwei ernstzunehmende Torabschlüsse im gesamten Spiel sind keine Seltenheit. War es schon immer Usus beim Fußball, den Protagonisten auf dem Rasen durch Pfiffe seinen Unmut zu zeigen, durch Raunen technische Unzulänglichkeiten zu kommentieren und gute Leistungen mit Beifall zu belohnen, ist die Spezies Fußballprofi der Gegenwart zunehmend verweichlicht und kritikresistent.

Ein Daniel Ginczek kritisierte nach dem glanzlosen Sieg gegen schwache Gladbacher die Zuschauer, weil sie Andi Becks tölpelhafte Einlagen nicht noch mit Beifall bedachten, Kapitän Gentner hält seine Schäfchen nach desaströsen Auftritten wie in Mainz davon ab, sich der Kurve zu stellen. Eigentlich reden wir doch von Männersport und nicht von Memmensport!

Die Spieler, die in ihrer eigenen Schein- und Glitzerwelt leben, sehen sich hier noch als Opfer, ungeachtet dessen, welche Opfer die Leute in der Kurve Woche für Woche bringen. Ein wenig mehr Fan-Nähe oder Besuche beim normalen Arbeitnehmer täte dem einen oder anderen ganzen ganz gut.

Dass sich der Fußball mehr und mehr von seiner Basis entfernt, ist nicht nur den Begleiterscheinungen wie ausgeprägter Medienpräsenz und engem Terminplan geschuldet. Die Spieler werden in Watte gepackt und über ein vertretbares Maß hinaus abgeschottet. Öffentliche Trainings gab es unter Hannes Wolf fast keine mehr und wenn, höchstens unter der Woche vormittags, dass ja keiner auf die Idee kommt, vorbei zu kommen. Im Trainingslager in La Manga ging es so weit, dass selbst die 30-40 Leutchen neben dem Trainingsplatz als lästig und störend empfunden wurden. Wenn man das so alles mitbekommt, ist es für mich überhaupt nicht mehr verwunderlich, dass es auch keiner mehr hinbekommt, vor 60.000 Zuschauern den Ball aus elf Metern im Netz zu versenken.

Das bedingt nämlich in erster Linie Nervenstärke, das Fokussieren auf seine eigenen Stärken und das Ausblenden störender Nebengeräusche. Wer da schon im kleinen Rahmen ein Alibi geliefert bekommt, dann gute Nacht beim Ernstfall!

Früher, durchaus auch schon zu Zeiten, in denen der eine oder andere Fan meinte, die Spieler über ein normales Maß hinaus vereinnahmen zu müssen, gehörte das für die Profis dazu.

Nach erfolgreichen Spielen konnte man auf Heimfahrten von Auswärtsspielen auf den Rasthöfen der Republik schon mal den Mannschaftsbus treffen und mit den Spielern ein Bierchen trinken. Es gab noch den Wasen-Tag, an dem sich die Spieler auf dem Volksfest unters Volk mischten, die OFC-Weihnachtsfeier war ein Highlight und nicht zuletzt der Herbstball in der Liederhalle, bei dem man in feiner Garderobe mit Spielern und Spielerfrauen das Tanzbein schwingen oder sich an der Bar austauschen konnte. Mit ein bisschen Willen zur Volksnähe wären solche Events auch heute noch machbar und würden zum gegenseitigen Verständnis beitragen.

Dann würden die Spieler vielleicht sogar kapieren, dass Emotionen, positive wie negative, zum Fußball dazu gehören und dass sie froh sein können, dass die Leute überhaupt noch Emotionen zeigen. Wenn die Leute pfeifen, sind sie bei der Sache und es ist ihnen nicht egal, was auf dem Rasen passiert. Ich habe nicht gepfiffen, was aber durchaus daran liegen könnte, dass die Luft bei mir einfach raus ist.
Ihren guten Anteil an der Abschottung des Trosses vor dem Fußvolk dürften die Laptop-Trainer haben, die jedwede Ausreißer aus ihrem auf dem Reißbrett entworfenen Plan, als kontraproduktiv ansehen. Schließlich beginnt für sie die Vorbereitung aufs nächste Spiel mit dem Abpfiff des vorigen.

Die Mannschaft braucht sich über mangelnde Unterstützung überhaupt nicht zu beklagen. Für meinen Geschmack kommt sie noch viel zu gut weg, nachdem sie erneut einen Trainer im Regen stehen gelassen hat und nach dem Trainerwechsel wieder fein raus. Ginge es nach mir, gäbe es einen Stimmungsboykott bis Saisonende, weil ich persönlich nicht bereit bin, so schnell wieder zur Tagesordnung überzugehen.
Der Verein (bzw. die AG) machte seit der Ausgliederung so ziemlich alles falsch, was man falsch machen konnte. Die Gesichter der „Make VfB great again“-Veranstaltungen, Jan Schindelmeiser und Hannes Wolf, die für DEN neuen VfB standen, hat man entsorgt und gegen den in die Jahre gekommenen und erstmals im Rampenlicht stehenden Reschke und die personifizierte Erfolgslosigkeit auf dem Trainer-Karussell, Tayfun Korkut, ausgetauscht hat.

Statt jungen, dynamischen, hoffnungsvollen und entwicklungsfähigen Talenten, denen man Fehler verziehen hat, setzt Reschke auf Alt-Stars, die dem Spiel und erst recht dem Gehaltsgefüge nicht guttun und zudem keinerlei Wiederverkaufswert haben. Es ist kein Plan erkennbar. Wir drehen uns im Kreis und dürften im Sommer erneut vor einem Umbruch stehen. Geduld ist eine Tugend, die beim VfB nicht gefragt ist. Anstatt ein Pflänzchen wachsen zu lassen und auch Täler zusammen zu durchschreiten, wurden Hoffnungsträger entlassen und durch schnell realisierbare Notlösungen ersetzt. Planvolles Handeln sieht anders aus!

Mit dem Beerdigen des Traums eines neuen VfB kam meine Gleichgültigkeit und innere Leere, was den VfB betrifft. Derzeit ist es mir sogar völlig egal, ob der VfB die Klasse hält oder absteigt.
Mein Ärger richtet sich auch nicht gegen Tayfun Korkut, der für die Entwicklungen nichts kann. Jeder andere Trainer hätte es bei mir nach Hannes Wolf genauso schwer gehabt, weil der VfB durch das Abrücken des im Zuge der Ausgliederungs-Werbetour propagierten Stuttgarter Weges nicht nur einmal falsch abgebogen ist, sondern sich auf einem nicht hinnehmbaren Irrweg befindet.

Ein patriarchischer Präsident wie Wolfgang Dietrich, der schwaches Personal um sich schart, um in Angelegenheiten rein reden zu können, von denen er nichts versteht, lässt kaum eine Gelegenheit aus, die Tradition des Vereins hervorzuheben und Zusammenhalt zu beschwören.

Dabei ist es doch er selbst, der über Leichen geht, die Fangemeinde gespalten hat und die Unzufriedenheit der Mitglieder nicht ernst nimmt.

Sein Sportdirektor Michael Reschke wäre nach unzähligen Verfehlungen, getätigter und nicht getätigter Transfers, im Grunde nicht mehr zu halten, aber dann müsste sich Herr Dietrich ja einen Fehler eingestehen.

Geradezu grotesk, sein Versuch mittels offenen Briefes die Mitglieder zum Zusammenhalt zu beschwören. Wie oft haben wir diese Leier in den letzten Jahren gehört, was hat sich seither zum Positiven verändert? Nichts, um genau zu sein. Das ist ein weiterer erbärmlicher Versuch, endlich Ruhe in den Laden zu kriegen, um genauso weitermachen zu können. Normalerweise dürfte keine Ruhe einkehren, bis sie vom Hof gejagt sind.

Stattdessen sonnt sich der Sonnenkönig gerne im Kreise von Helden früherer Tage, am Sonntag denen von 2007. Leider lief mir auf der Haupttribüne keiner über den Weg, ein Foto mit Pavel Pardo oder auch mit Marco Streller hätte ich gerne gemacht. Letzterer macht übrigens einen hervorragenden Job als Sportdirektor des FC Basel, der hätte gerne schon mal hier bleiben dürfen.

Ebenfalls dabei, natürlich, Timo Hildebrand. Für mich kommt es äußerst peinlich rüber, wie er sich beim VfB einzuschleimen versucht. Wirbt letztes Jahr für die Ausgliederung, wird aber erst kürzlich, natürlich medienwirksam, VfB-Mitglied.

Lächerlicher und unglaubwürdiger geht es kaum, aber, auch hier wird wieder deutlich, Dietrich ist es vollkommen egal, wen er vor den Karren spannt, Hauptsache derjenige nützt ihm kurzfristig.
Hildebrand biedert sich also beim VfB an, jetzt, nach Karriereende, wollen sie halt alle irgendwie unterkommen. Bei mir ist er allerdings noch immer unten durch. Natürlich ist seine Parade in Bochum auf dem Weg zum Titel unvergessen, natürlich stand er lange Zeit, wie andere auch, für die Jungen Wilden und natürlich hält er noch immer den Rekord an Minuten ohne Gegentor.

Dass er Jahr für Jahr ein Wechseltheater sondergleichen vollzog und man am Ende wirklich froh sein konnte, als sein Wechsel nach Valencia endlich feststand, scheinen die meisten, die ihm heute noch huldigen, vergessen zu haben.

Soll er doch in Hoffenheim anheuern. Beim Trainingslager 2009 in Leogang, als sowohl der VfB als auch Hoffenheim dort ihre Zelte aufschlugen, war es ihm vor seinen Mannschaftskollegen sichtlich peinlich, von uns VfBlern begrüßt zu werden, so dass er verschämt wegschaute, während andere, wie Tobi Weis und Andi Beck, von unserer Freundlichkeit angetan waren und für einen Smalltalk stehen blieben.
Doch, zurück zur Aktualität! Korkut legte einen Start nach Maß hin, wie aussagekräftig dieser nach Spielen gegen schwache Wolfsburger und Gladbacher ist, wird sich zeigen.

Außer, dass Korkut gegen Gladbach mit einer Doppelspitze und damit offensiver als Hannes Wolf agieren ließ und es Thommy in die erste Elf geschafft zu haben scheint, hat sich personell wenig verändert. Man ist geneigt zu sagen, der Mannschaft wurde durch den Trainerwechsel das Alibi genommen, weshalb die Einstellung und die Bereitschaft des Füreinander Kämpfens besser geworden sind. Spielerisch liegt nach wie vor fast alles im Argen, gerade einmal zwei Torchancen in 90 Minuten sprechen Bände.

In der fünften Minute ging der VfB durch den einzigen sehenswerten Angriff und nach einer Stafette über Gentner, Gomez bis hin zu Ginczek in Führung. In der Folgezeit hatte Gladbach zwar fast 70% Ballbesitz, brachte die Zehnerkette des VfB aber selten in Verlegenheit. Wenn man am Ende gewinnt, hat man zwar letztlich alles richtig gemacht, ob es das aber wert ist, die Zuschauer noch mehr zu vergraulen, steht auf einem anderen Blatt. Schon am Sonntag waren deutliche Lücken in der doch eigentlich ausverkauften Cannstatter Kurve zu sehen, was den Schluss zulässt, dass sich viele schon abwenden.

Wer diese Stammgäste dann auch noch mit Scheinargumenten kritisiert, wie, „es war doch klar, dass wir als Aufsteiger gegen den Abstieg kämpfen“, hat den Schuss nicht gehört.

Keiner erwartet, dass der VfB sofort wieder oben angreift, jedem ist bewusst, dass das Saisonziel einzig und allein der Klassenerhalt ist. Die Unzufriedenheit liegt darin, dass der VfB sämtliche Pläne des vergangenen Sommers ad acta gelegt hat und wieder ein (austauschbarer) Bundesligist wie jeder andere geworden ist.

Was ist unsere Identität, für was steht der VfB noch, abgesehen von den guten alten Zeiten? Wird alles dafür getan, jungen Hoffnungsträgern wie Santiago Ascacibar und Benjamin Pavard ein Umfeld und ein Team zu bieten, in dem sie sich wohl fühlen und mit dem sie daran glauben, ihre persönlichen Ziele zu erreichen?

Oder werden sie nicht eher durch das permanente Chaos im Club vergrault, so dass sie das Weite suchen und was uns am Ende erhalten bleibt, sind jene Spieler, die beim VfB ihr Gnadenbrot bekommen?
In Augsburg hängen die Trauben traditionell für den VfB hoch, positiv schon im Vorfeld, egal wie es ausgeht, der Trainer dürfte auch am Montag noch der Gleiche sein.

Was mich angeht, werde ich ähnlich emotionslos hinfahren, wie ich schon die Fahrt nach Wolfsburg angegangen bin. Ich freue mich auf die (leider viel zu kurze) Busfahrt und die Leidensgenossen vom Fanclub und hoffe auf eine gute Perspektive im Stadion, die auf der Haupttribüne in Reihe 1 gegeben sein sollte.

Da es bei den bayerischen Schwaben im Gästebereich traditionell „bleifrei“ gibt, ist es sicher von Vorteil im neutralen Bereich zu verweilen und sich den Auftritt der Brustringträger versuchen schön zu trinken. Das alles ist für mich schon mehr als die halbe Miete für einen gelungenen Fußballnachmittag, ganz egal welches Ergebnis am Ende auf der Anzeigetafel steht. Das ist mir nämlich mittlerweile ziemlich gleichgültig geworden.

Eine positive Nachricht ereilte uns dann unter der Woche doch noch. Die Amateure werden auch in der nächsten Saison fortbestehen. Zwar unter dem Mantel einer U21, aber, immerhin. In der Regionalliga, und hoffentlich eines Tages auch wieder in der 3. Liga, findet man ihn noch, den ehrlichen Fußball in heruntergekommenen Stadien und vor leidenschaftlichen Fankurven.

Geht die Entwicklung im Milliardengeschäft so weiter, lenkt die DFL nach den bundesweiten Protesten nicht ernsthaft ein und wird man vom Verein weiterhin nur für dumm verkauft, wäre es eine Option, nur noch zu den Amas zu gehen und den Profifußball, mit all seinen unangenehmen Begleiterscheinungen, irgendwann links liegen zu lassen.

VN:F [1.9.7_1111]
Rating: 8.4/10 (49 votes cast)
VN:F [1.9.7_1111]
Rating: +5 (from 15 votes)
3. März 2016

Rückfall in eine vergessen geglaubte Zeit

Wir befinden uns in einer der seltenen englischen Wochen im deutschen Fußball. Dem VfB bot sich dabei nur wenige Tage nach der Schmach gegen Hannover 96, die Gelegenheit, unter Beweis zu stellen, dass die Heimniederlage ein einmaliger Ausrutscher war und dass die Mannschaft gefestigter ist als noch vor Weihnachten.

Einen Fan jedoch stellt eine englische Woche vor Probleme. Bekommt man Urlaub? Bekommt man keinen Urlaub und fährt trotzdem mit, im Bewusstsein am nächsten Arbeitstag gerädert zu sein und die Augen kaum aufzubringen? Ich hätte zwar zwei halbe Tage frei nehmen können, habe es dann aber doch sein lassen, weil ich heute auf der Arbeit nicht nur anwesend sondern auch leistungsfähig sein musste, die Vernunft hatte also gesiegt. Dennoch war es den ganzen gestrigen Tag über sehr befremdlich, von unzähligen Freunden und Bekannten zu lesen, „auf dem Weg nach Mönchengladbach“, während ich allenfalls einem schönen Fernsehabend entgegen blickte und mich darauf freute. Für die wenigsten, die dabei waren, war es ein großer Spaß, an diesem Mittwoch durch die halbe Republik zu rasen, so dass es eher als „Pflichtaufgabe“ angesehen werden kann, weil man als Fan ja schließlich dort zu sein hat, wo der Herzensverein gerade spielt.

Die „Mannschaft“ indes erklärte sich im Spiel von der ersten Minute an solidarisch mit den Fans. Auch sie fand es blöd, mitten in der Woche, im (kalendarischen) Winter, bei nasskaltem Wetter auflaufen zu müssen.

Von der ersten Minute an wirkte es so, als stünde die „Mannschaft“ überhaupt nicht auf dem Platz. Weder geistig, noch körperlich. Keine Konzentration, keine Passsicherheit, dilettantisches Stellungsspiel, kein Kampf, kein Wille, fußballerische Unzulänglichkeiten, alles, was man von einem Profifußballer erwarten können muss, ließen sie gestern vermissen.

Es war ein fußballerischer Offenbarungseid und ein Rückfall in die schlimmsten Zorniger-Zeiten, nämlich in jene Zeit hinein, in der die Mannschaft längst beschlossen hatte, ihren ungeliebten Trainer nach einem 0:4 gegen Augsburg hochkant hinaus zu katapultieren. Der VfB lud Mönchengladbach, das einen Stotterstart in die Rückrunde hinlegte und bereits drei Niederlagen zu verzeichnen hatte, geradezu ein, sich aus dem Sumpf zu ziehen und am Ende eine Gala-Vorstellung zu zelebrieren. Absolut unverständlich, wie man sich in „seinem“ Stadion, in dem man seit 2005 nicht mehr verloren hatte, derart hängen lassen und sich schließlich abschlachten lassen konnte.

Eine solche Solidarität mit den Fans ging dann eindeutig zu weit. Als Fan, der diese Strapazen auf sich nahm, musste man sich verarscht vorkommen. Verarscht von „Männern“, die im Grunde nichts anderes zu tun haben, als Fußball zu leben und Fußball zu spielen. Die tagtäglich trainieren (glaube ich zumindest, ich muss mal wieder vorbei schauen, um mich selbst davon zu überzeugen; nach einer Vorstellung wie gestern glaubt man eher, sie kommen lediglich zum fröhlichen Beisammensein zum Clubzentrum) und die das Einmaleins des Fußballs verinnerlicht haben sollten. Die einen Pass über drei Meter an den (eigenen) Mann zu bringen imstande sein sollten, die konzentriert und umsichtig den Rasen betreten sollten, die Spielsituationen erkennen und sich gegenseitig helfen sollten.

Nichts von alledem war zu sehen. Elf Einzel-Stümper auf dem Platz, die genug mit sich selbst zu tun hatten, als noch geistige Reserven zu besitzen, sich um den Nebenmann zu kümmern oder sogar noch die Gegenspieler im Blick zu behalten.

Schon das frühe 1:0 drückte die ganze Schlafmützigkeit aus. Mit einem einfachen Seitenwechsel, einem Ball der gefühlt fünf Minuten in der Luft war und auf dem schon Schnee zu liegen schien, auf Johnson, der mühelos am viel zu langsamen Emiliano Insúa vorbeizog, ein Hazard in der Mitte, den Georg Niedermeier komplett aus den Augen verloren hat und fertig war das 1:0.

Jeder Kreisligatrainer würde bei einem solch einfachen Tor fuchsteufelswild werden, einer Profimannschaft aber ist ein solches Verhalten, von Abwehrverhalten zu schreiben wäre übertrieben, nicht würdig.

Wer gehofft hatte, dieser Treffer wäre ein Weckruf für die davor lethargisch und desolat auftretende VfB-Mannschaft sah sich getäuscht. Nicht einmal das permanente Gewieher aus den Stadionlautsprechern, das über Spielstandsänderungen auf den anderen Plätzen informierte, schien unsere Jungs aus ihrem Tiefschlaf reißen zu können.

Gab es vor dem 1:0 noch zaghafte Versuche, eigene Angriffe zu initiieren, kam nach dem Rückstand – nichts mehr. Von Minute zu Minute wuchs die Verunsicherung. Jeder Versuch einer Ballstafette über mehrere Positionen blieb im Keim stecken, weil die technischen Unzulänglichkeiten derart gravierend waren. Einfachste Zuspiele landeten beim Gegner, im Zweifel, wenn einmal die Möglichkeit gegeben gewesen wäre, nach vorn zu spielen, drosch man die Kugel ins Aus, so dass gefühlt nur die Borussia vom Niederrhein in Ballbesitz und der VfB ständig am hinterher trotten war.
Die komplette „Mannschaft“ blieb alles schuldig, was man von ihr an diesem Abend erwartet hätte. Und doch gab es einige, die leistungstechnisch sogar noch abfielen, wobei die Einstufung lediglich zwischen schlecht und grottenschlecht zu erfolgen hat.

Niedermeier, völlig indisponiert, seit er die „3“ vor seiner Jahreszahl stehen hat. Er mag als Typ für das Teamgefüge ungemein wichtig sein, ist auch das eine oder andere Mal bei eigenen Standards torgefährlich, aber, wenn es drauf ankommt ist er zu langsam und zu unbeweglich und dadurch stets für plumpe Fouls „gut“.

Eine Zukunft in der Stammformation traue ich ihm nach derzeitigem Stand nicht zu, schon wenn Federico Barba wieder fit ist, könnte er seinen zurück eroberten Stammplatz wieder los sein. Bin sehr skeptisch und hin- und hergerissen, wenn es um das Thema Vertragsverlängerung geht, zumal er ja auch als vermeintlicher Führungsspieler zu den Besserverdienern gehört. Er ist zweifellos ein netter Kerl und identifiziert sich mit dem Verein, aber, ob das allein genügt, den Vertrag zu verlängern?

Insúa, schon angesprochen, leitete maßgeblich das 1:0 mit ein und war auch sonst nie Herr auf seiner Seite. Sobald er es mit schnellen, quirligen Leuten zu tun bekommt, zeigt sich deutlich, weshalb er sich noch nirgends dauerhaft durchsetzen konnte.

Serey Dié ging sang- und klanglos mit seinen Kameraden unter. Bei einem solchem Spielverlauf ist es wohl besser, ihn herunter zu nehmen, bevor er Amok läuft. Dies spricht wiederum auch für ihn, weil er noch einer der wenigen ist, die ein solch erbärmliches Auftreten extrem ärgert.

Christian Gentner, da war er wieder, der „Kapitän“ den man nicht sieht, gerade dann, wenn das Team einen Leader dringend bräuchte. Tauchte total ab, Slapstick vom feinsten das 2:0 in Co-Produktion mit Tytoń, als er seinem Keeper im Weg stand. Symptomatisch diese Szene, ein Kapitän, den man lang vergeblich suchte und bei dem man froh gewesen wäre, er wäre auch in dieser Situation irgendwo im Nirgendwo untergetaucht.

Martin Harnik, katastrophales Raumverhalten, was man ja am TV besser erkennt als im Stadion. Wie ein E-Jugendlicher rennt er in Richtung Ball und lässt seine eigentliche Position verwaist zurück anstatt sie zu halten und da zu sein, wenn er gebraucht wird.

Daniel Didavi, nach Schalke bereits das zweite Mal, dass er mich maßlos enttäuschte, nachdem er von einer Sperre, also nach einer Pause, zurückkam. Konnte dem Spiel ebenfalls keine Struktur verleihen und verlor in Anbetracht seiner Fähigkeiten viel zu viele Bälle.

Gut oder ordentlich war kein einziger. Tytoń bewahrte uns noch vor einem heftigeren Debakel, sah bei zwei Toren aber auch nicht glücklich aus. Viele fordern ja bereits jetzt schon wieder einen Torwartwechsel, vergesst dabei bitte nicht, wie viele Spiele Tytoń für uns schon gewonnen hat. Er steht und fällt mit den Leistungen seiner Vorderleute und die waren gestern einfach unterirdisch schlecht. Ernsthaft ankreiden muss man ihm ohnehin nur das vierte Tor und da war die Messe längst gelesen. Beim zweiten muss eher der Kapitän wegbleiben, damit sein Torwart den Ball in die Hand nehmen kann und nicht durch eine Ausholbewegung suggerieren, er schlüge den Ball weg, um dann seinem Keeper im Weg zu stehen.

Den weiteren Spielfilm nach dem 1:0 kann man sich im Grunde schenken. Nur durch den fahrigen Umgang der Gladbacher mit ihren Torchancen ging es mit diesem Ergebnis in die Kabinen, das eigentlich noch alle Möglichkeiten zugelassen hätte.

Via Facebook forderte ich in der Halbzeit die Einwechslung von Kravets und Rupp, was auch tatsächlich erhört wurde. Ich hätte zwar Martin Harnik und nicht Serey Dié herunter genommen, aber gut, bei den Auswechslungen hätte man gestern ohnehin nichts falsch machen können. Kramny hätte jeden Feldspieler herunter nehmen können.

Kurz nach der Einwechslung hatte Kravets dann auch gleich die einzige Chance des Spiels für unseren VfB, als sein Kopfball von Sommer pariert werden konnte. Doch, dieser Angriff gleich nach Wiederbeginn sollte ein Strohfeuer bleiben, danach kam einmal mehr – nichts!

Auch danach wieder, Einbahnstraßenfußball in Richtung VfB-Tor, an dem sich die Gladbacher von Minute zu Minute mehr berauschten und aufgrund dessen ich schon kaum mehr hinschauen konnte.

Nach einer Stunde schließlich dann die verhängnisvolle Szene mit den Hauptdarstellern Gentner und Tytoń. Raffael bedankte ich artig und schob ein zum vorentscheidenden 2:0. Der VfB schien einen großen Sack an Gastgeschenken dabei zu haben und dachte sich offensichtlich, bevor sich die Gladbacher weiterhin leidenschaftlich, aber erfolglos mühen, helfen wir eben nach. Diese Nächstenliebe, sieht man nicht oft im Profifußball!
Kurze Zeit später kam dann Patrick Herrmann zu seinem ersten Treffer nach gerade erst auskuriertem Kreuzbandriss. Er war gerade einmal 30 Sekunden auf dem Feld, ich unterstelle einmal, unsere schlafmützige Truppe hat seine Einwechslung überhaupt nicht mitbekommen, oder warum hatte keiner den deutschen Nationalspieler auf der Rechnung?

Als ob der schwäbische Komödienstadel nicht schon genügend Ahs und Ohs der negativen Art produziert gehabt hätte, hob man sich für den Schlussakkord noch eine besonders komische Szene auf. Tytoń segelte in Bahnschrankenmanier an einer Herangabe vorbei, Großkreutz war offensichtlich überrascht davon und lief fast mit dem Ball ins Tor. Noch ein Schenkelklopfer zum Abschluss, bevor die „Mannschaft“ in den dieses Mal nicht verdienten Feierabend entlassen wurde. Großkreutz‘ erstes Tor im VfB-Dress hatte ich mir auch anders vorgestellt.

Der Auftritt sah schwer nach kollektiver Leistungsverweigerung aus und erinnerte unweigerlich an das 0:4 gegen den FC Augsburg, durch das man sich schließlich Alexander Zornigers entledigte. Hätte man nicht die Bilder lachender und sich herzender Profis in Erinnerung, sei es aus Belek, sei es auch nach dem Start der Rückrunde, könnte man denken, auch Jürgen Kramnys wären die Kicker schon überdrüssig.

Ein Zufall, dass dieser Negativtrend gerade jetzt einsetzt, wo Martin Harnik wieder an die Tür zur Stammformation klopft? Ich könnte mir da schon einen Zusammenhang vorstellen, scheint er doch eines der großen Probleme der letzten Jahre und ein Egomane vor dem Herrn zu sein.

Auch ich hätte es nicht für möglich gehalten, dass ein solcher Leistungseinbruch in solch kurzer Zeit möglich wäre. Zu gut war die Stimmung seit dem Trainingslager, zu sehr haben die Neuzugänge eingeschlagen, zu gierig wirkte die Mannschaft. In den letzten Wochen stellte ich immer wieder in Frage, wie stabil oder etwa doch fragil dieses Gebilde denn wäre. Jetzt wissen wir es! Es hat sich nichts geändert, das Gebilde ist genauso fragil wie es in den vergangenen Jahren auch war. Da genügt eine einzige Heimniederlage gegen den Tabellenletzten, und die nicht einmal nach besonders schlechter Leistung, um das Kartenhaus zusammenfallen zu lassen.

Wir sind nun wieder genau dort, wo wir bereits im November waren und müssen einer Truppe von lauter Häufchen Elend das Vertrauen schenken, die Kohlen aus dem Feuer zu holen und die Klasse abermals zu halten. Die Selbstzweifel sind zurückgekehrt, Selbstbewusstsein Fehlanzeige.

Eine Darbietung wie in Mönchengladbach ist unentschuldbar und sollte vor allem nicht schon zum wiederholten Mal „passieren“. Nur, was macht Mut? Unter dem noch frischen Eindruck des Spiels sage ich unverblümt: gar nichts. Die „Mannschaft“ ist tot, die „Mannschaft liegt am Boden“, es gibt nichts, was mich positiv stimmt, dass wir am Samstag gegen Hopp punkten könnten. Der Dorfverein, bei dem Huub Stevens leider viel zu früh das Handtuch schmeißen musste, ist wiedererstarkt und schafft es mittlerweile wieder seine zweifellos vorhandene Qualität auf den Platz zu bringen. Dieser Fußball dürfte unseren Dauerläufern eine Nummer zu rasant sein, so dass mir Übles schwant.

Ich kann es mir einfach nicht vorstellen, dass in den zwei „freien“ Tagen bis zum Spiel diese Demütigung lückenlos aufgearbeitet und die „Mannschaft“ wieder aufgerichtet werden kann. Man kennt doch unsere Pappenheimer. Der Kapitän, ein Leisetreter, der nicht mit Leistung vorangeht, die anderen Führungsspieler gehörten allesamt zu den Schwächeren, was wollen die groß erzählen? Wer hört auf sie, wenn sie in der Kabine große Sprüche klopfen und auf dem Platz untertauchen?

Tabellarisch besteht selbstredend kein Anlass, um schon wieder den Kopf in den Sand zu stecken. Die Siege von Bremen und Hoffenheim waren zwar ärgerlich, aber, im Tabellenkeller darf man auch nicht davon ausgehen, dass niemand auch hin und wieder punktet.

Der VfB hat es noch selbst in der Hand, hat noch Spiele in Ingolstadt, Darmstadt, Augsburg und Bremen, bei denen man sich durchaus Siegchancen ausrechnen kann und wo die Möglichkeit besteht, die vermutlich noch fehlenden drei Siege einzufahren: Allerdings muss sich der VfB dann gehörig steigern. Mit Nicht-Leistungen wie gestern gewinnt man vermutlich nicht einmal bei einem Drittligisten.

Jürgen Kramny ist nun erstmals als Krisenmanager gefragt. Dabei wird es spannend zu beobachten sein, wie er dabei mit der „Mannschaft“ umgeht, die ihn so kläglich im Stich gelassen hat. Kann er auch harter Hund oder gibt es nur den netten Herrn Kramny? Finden ihn die Spieler dann auch noch toll, wenn er die Zügel anzieht und Strafmaßnahmen verordnet? Oder produziert so etwas gleich wieder beleidigte Leberwürste im Mannschaftsrat, so dass wir bereits wieder am Anfang vom Ende der Ära Kramny stehen?

Wollen wir es nicht hoffen. Es ist sehr wünschenswert, dass bei diesen Machtspielchen endlich mal der Trainer gewinnt und man sich im Sommer vom einen oder anderen sogenannten Führungsspieler trennt, damit wir uns nicht ständig weiter im Kreis drehen.

Jetzt gilt es aber zunächst einmal den Fokus auf den Samstag zu legen. Ich hoffe sehr, dass mich die Jungs widerlegen und Wiedergutmachung betreiben. Ein Sieg wäre ein riesengroßer Schritt in Richtung Klassenerhalt und für die Moral wichtig vor dem Auswärtsspiel in Ingolstadt. Dazu bedarf es aber Männern auf dem Platz, die ich nicht, wie zum gestrigen Spiel, in Anführungszeichen setzen muss. Das Team ist gefordert, am Samstag alles, wirklich alles besser zu machen als gestern im Borussia-Park, tut sie das nicht, lässt sie sich womöglich erneut kampflos demütigen, dürfte es endgültig wieder vorbei sein mit der Harmonie zwischen Fans und „Mannschaft“, dann ist gewaltig Feuer unterm Dach!

VN:F [1.9.7_1111]
Rating: 10.0/10 (3 votes cast)
VN:F [1.9.7_1111]
Rating: 0 (from 0 votes)
29. Februar 2016

Noch kein Beinbruch

Die schlimmsten Befürchtungen wurden am Samstag im Neckarstadion leider bestätigt. Der VfB wurde seinem Ruf als Aufbaugegner einmal mehr gerecht und unterlag nach zuletzt acht nicht verlorenen Spielen in Folge dem Schlusslicht Hannover 96, das seinerseits acht (!) Niederlagen am Stück hatte hinnehmen müssen.

Wie konnte es nur dazu kommen? Vielleicht spielte ins Unterbewusstsein doch mit hinein, dass man dem abgeschlagenen Schlusslicht hochüberlegen sein sollte und Hannover unter Schaaf ja ohnehin nichts auf die Kette bringen würde. Waren es diese 10% weniger, die man in die Waagschale warf und die diese schließlich zu Gunsten der 96er senkte? War es Unvermögen oder fehlendes Glück oder fehlte doch unser Spielmacher Daniel Didavi an allen Ecken und Enden?

Ich finde, von allem etwas. Alexandru Maxim war einmal mehr kein gleichwertiger Ersatz für Dida. Seine besten Spiele macht er, wohl sehr zu seinem Leidwesen, als Einwechselspieler, so dass der VfB schon jetzt seine Rückschlüsse ziehen sollte und im Falle eines Weggangs von Didavi, einen möglichst gleichwertigen Ersatz parat haben sollte. Bei 17:1 Ecken und 22:12 Torschüssen, 60% Ballbesitz und einer ordentlichen Passquote muss einfach mehr herausspringen, als dieses mickrige von Werner erzielte Törchen. Die Ecken, ob von Maxim oder später von Kostic waren meist sichere Beute des guten und großgewachsenen 96-Keepers Zieler, der die hereingeschlagenen Bälle mühelos herunterpflücken konnte, sofern die Pille es überhaupt bis zu ihm schaffte und nicht schon beim ersten Abwehrspieler Endstation war. Großchancen von Timo Werner und Filip Kostic wurden leichtfertig vergeben, so dass am Ende zwei Unachtsamkeiten in der Abwehr genügten, um zwei vermeidbare Tore zu kassieren und am Ende mit leeren Händen dazustehen. Kommt dann noch Pech dazu und kann Sorg zwei Mal auf der Linie klären, geht der Schuss eben auch mal nach hinten los, alte Fußballerweisheit.

Die schlechte Chancenverwertung war grotesk und erinnerte an die ersten Saisonspiele unter Zorniger. Hier muss der Hebel angesetzt werden, auch wenn es fraglich erscheint, ob aus Timo Werner noch ein echter Goalgetter wird. Er rackert, reibt sich auf, ist durch seine Schnelligkeit eine Waffe, aber, den Torabschluss hat er nicht erfunden. Er verstolperte DIE Chance zum 2:1 in Mittelstürmerposition kläglich, so dass Stimmen lauter werden, die einen echten Mittelstürmer wie Kravets oder auch Martin Harnik in der Sturmmitte fordern und Timo Werner eher auf Außen oder gar auf der Ersatzbank sehen möchten.

Meine Geduld mit ihm ist noch lang nicht am Ende. Er ist noch jung (wird nächsten Sonntag 20!) und hat als Eigengewächs bei mir einen Bonus, zudem lebt er den VfB und identifiziert sich mit ihm, wie kaum ein zweiter im derzeitigen Kader. Er hat in dieser Saison einen gewaltigen Sprung gemacht und ist noch lang nicht am Ende seiner Entwicklung, so dass man nicht schon jetzt den Stab über ihn brechen sollte.
Vielleicht täte ihm eine Denkpause in Mönchengladbach gut, fallen lassen darf man ihn aber nicht. Immerhin erzielte er ja auch den vielumjubelten Führungstreffer, halb mit dem Kopf, halb mit der Schulter, als die Hannoveraner ihn bei einem Maxim-Freistoß sträflich frei ließen. Damit schraubte er sein Torekonto auf fünf hoch, und hat bereits jetzt so viele Treffer erzielt wie noch nie zuvor in seiner Bundesligakarriere.

Auf der anderen Seite lud der VfB Christian Schultz freimütig zum Toreschießen ein. Schultz, dem in den letzten vier Saisons gerade einmal jeweils ein Treffer gelang und der in dieser Saison vorher noch überhaupt nicht getroffen hatte, wurde gegen den VfB zum Doppelpacker, weil sowohl Schwaab als auch Großkreutz bei beiden von Kiyotake hereingeschlagenen Standards nicht auf der Höhe waren. Diese beiden Unkonzentriertheiten beraubten uns schließlich der Punkte, die gegen das Schlusslicht ohne Wenn und Aber eingeplant waren. Unterm Strich war es eine sehr ärgerliche und vermeidbare Niederlage und sie ist dennoch kein Grund den Kopf in den Sand zu stecken.

Auch wenn der VfB ein klares Chancenplus zu verzeichnen hatte, ganz unverdient war der Hannoveraner Sieg auch wieder nicht. Schon vor dem 0:1 hatten die 96er die bessere Spielanlage zu bieten und wurden durch Distanzschüsse gefährlich, die dankbare Beute von Tytoń waren.

Mit der allerersten Chance ging der VfB dann (überraschend) in Führung, wodurch sich das Schlusslicht aber nicht hängen ließ. Für den VfB war das Spiel der Hannoveraner schwer zu durchschauen, da sie ohne echten Stürmer antraten und unsere Innenverteidigung um Schwaab und Niedermeier in der Luft hing und mit den vielen Freiheiten nicht wirklich etwas anzufangen wusste. Hier hatte Schaaf Kramny offensichtlich ausgetrickst, bis sich der VfB einigermaßen darauf einstellte, stand es auch schon 1:1.

Rühmte ich letzte Woche noch die Auswechslungen Kramnys, kamen mir die Wechsel dieses Mal zu spät. Vor allem die Herausnahme von Serey Dié konnte ich nicht nachvollziehen, war er doch bis zu diesem Zeitpunkt DER Antreiber, der es wenigstens noch versuchte, durch die Mitte Räume zu schaffen. In Anbetracht dessen, dass unsere Innenverteidiger ohnehin beschäftigungslos waren, hätte man, bei ein wenig mehr Flexibilität, auch auf eine Dreierkette umstellen und das Signal auf Attacke stellen können.

Ich hatte letzte Woche schon geschrieben, dass dies wohl das schwerste Spiel der letzten Wochen werden und einen echten Charaktertest darstellen würde, ernsthaft vorstellen konnte ich es mir aber auch nicht, dass ausgerechnet wir diejenigen sein würden, die Hannover zum Leben erwecken würden. Aber, so ist der Fußball und speziell der in der Bundesliga. Die Leistungsdichte ist enorm, ein Nachlassen oder gar ein Unterschätzen des Gegners wird gnadenlos bestraft. Und doch müsste man nicht darüber philosophieren, ob der VfB zu leichtfertig an die Aufgabe herangegangen ist, wenn aus dem Chancenplus Kapital geschlagen worden wäre.

Der VfB war drauf und dran die Herzen der Gelegenheitsstadionbesucher zurückzuerobern und verzeichnete mit 54.356 Zuschauern den besten Besuch seit langem. Hoffen wir, dass diese sich wegen der Niederlage nicht umgehend wieder abwenden und dem Verein und der Mannschaft wieder die kalte Schulter zeigen. Für Spektakel und guten Fußball ist in dieser Saison stets gesorgt, dass dies nicht immer mit einem befriedigenden Ergebnis einhergeht, bringt unser Lieblingssport so mit sich. Alles in allem war auch der Auftritt gestern wieder ein aufregender und zwar in jeder Hinsicht. Wenn der VfB im Rollen ist und ein Angriff nach dem anderen auf des Gegners Tor zurollt, ist das aufregend mitzuerleben, die Fehler in der Abwehr, die Hannover schließlich jubeln ließen, regten mich dann aber auch gewaltig auf.
Nach dieser großartigen Serie von acht Spielen ohne Niederlage, befinden wir uns nun in einer leichten Abwärtsspirale mit zuletzt zwei Spielen ohne Sieg. Den Punkt auf Schalke hätte man gegen Hannover versilbern können, während man jetzt doch eher den beiden verlorenen Punkten nachtrauert, vor allem, wenn man gesehen hat, wie Schachtjor Donezk die Knappen unter der Woche auseinandergenommen hat.

Die nächste Gelegenheit, diesen leichten Negativtrend zu stoppen, besteht bereits am Mittwoch im Borussia-Park zu Mönchengladbach. Es dürfte ein ganz schweres Spiel bei der drittbesten Heimmannschaft, die noch um die Championsleague-Qualifikation kämpft, werden.

Allerdings ist Gladbach auch ein extrem gutes Pflaster für uns, die letzte Niederlage im Borussia-Park liegt bereits knapp elf Jahre zurück, zuletzt holten wir dort vier Siege und fünf Unentschieden.
Nach dieser Niederlage besteht für Kramny durchaus Anlass, seine bisher meist unumstößliche Aufstellung zu überdenken. Wer ist frisch genug? Gönnt man Werner, Rupp und/ oder Insúa, die allesamt am Samstag überspielt wirkten, mal eine Pause? Geht man das Unternehmen Auswärtssieg mit frischeren Kräften an und zwingt Gladbach, ein hohes Tempo mitzugehen? Immerhin haben die Borussen noch einen Tag weniger zur Regeneration zur Verfügung, so dass sich am Ende, wie bereits auf Schalke, auszahlen könnte, noch zulegen zu können.

Kravets und/ oder Harnik drängen langsam aber sicher ins Team, während Didavi seinen angestammten Platz wieder einnehmen dürfte. Vielleicht dürfen die beiden genannten ja mal zusammen von Beginn an ran. Während man Werner 1:1 ersetzen könnte, fiele dies bei Rupp schwerer. Auch in den zuletzt nicht so überragenden Spielen, leistete er als Balleroberer und mit seinem guten Spielverständnis wertvolle Dienste fürs Team.

Die Gefahr bei einer übertriebenen Rotation besteht allerdings, dass etwas an Stabilität verloren geht, wie man beim Pokalspiel gegen den BVB leidvoll miterleben musste, wobei der Einschnitt damals gravierender war, weil man durch die Hereinnahme von Langerak und Šunjić die zuletzt funktionierende Abwehrformation auseinander gerissen hatte.

Auf der anderen Seite belohnt man gute Trainingsleistungen derer, die momentan etwas außen vor sind, am ehesten damit, dass diese belohnt werden und sie auch dann die Chance haben, ins Team zu rücken, wenn sich nicht gerade einer verletzt hat oder gesperrt ist.

Dieser Rückschlag ist (noch) kein Beinbruch, mit 28 Punkten stehen wir momentan noch voll im Soll. Das Team als Ganzes ist jetzt gefragt, die gute Stimmung und den respektvollen Umgang untereinander auch dann aufrecht zu erhalten, wenn nicht alles eitel Sonnenschein ist und Gegenwind aufkommt. Hier wird sich zeigen, ob die Truppe an Charakterstärke gewonnen hat im Vergleich zum Vorjahr und ob die Trotzreaktion aus der Mannschaft heraus erfolgt.

Die Tabellensituation stellt sich noch komfortabel dar, was allerdings schon wieder anders aussehen könnte, sollten wir aus Mönchengladbach mit leeren Händen zurückkehren und auch gegen Hoffenheim, an dem sich gestern schon der BVB bis zur roten Karte extrem die Zähne ausgebissen hat, verlieren. Dieses Szenario ist nicht ganz unrealistisch, auf der anderen Seite aber hat der VfB in dieser Saison außer den großen Zwei schon jeden Gegner, zumindest phasenweise, an die Wand gespielt, so dass in fast jedem der ausstehenden Spiele eine reelle Siegchance besteht.

Vor einem neuerlichen totalen Absturz, den viele schon wieder prophezeien, habe ich keine Angst. Niederlagen gehören zum Spiel dazu, noch haben wir genügend Möglichkeiten es besser zu machen, noch ist der Vorsprung auf den Relegationsplatz beruhigend groß und vor allem, von Hoffenheim vielleicht einmal abgesehen, stehen durchweg deutlich limitiertere Truppen hinter uns, als dass man vor irgendeinem Team im Tabellenkeller Schiss haben müsste.

Daher wird der VfB weiter seinen Weg gehen und, da nicht am Samstag, eben in den nächsten Spielen die nötigen Punkte einfahren, um die letzten Zweifel am Klassenerhalt zu beseitigen und die notorischen Schwarzseher zu besänftigen.

Mittlerweile herrscht ein ganz neuer Geist in der Truppe, wir haben wieder den einen oder anderen Typen im Team. Qualität, vor allem offensiv, ist vorhanden und, was uns die letzten Jahre total abging, es herrscht Spielfreude. Die einen pushen, die anderen berauschen sich an ihrem atemberaubenden Spiel, und mit Kramny steht ein Mann an der Linie, der den richtigen Ton zu treffen scheint und ein feines Gespür dafür hat, wie er die Mannschaft anzupacken und auch jetzt wieder aufzurichten hat. Das alles sind Faktoren, die mich zuversichtlich stimmen, dass wir in dieser Saison lang nicht so lang zittern müssen wie in den beiden Vorjahren.

Eine Rückrundenserie gilt es zumindest in Mönchengladbach zu verteidigen. Wir punkteten bisher ausschließlich gegen jene Mannschaften, gegen die wir in der Vorrunde mit leeren Händen dastanden und verloren nun just gegen das Team, gegen das in den ersten sieben Saisonspielen der einzige Siege heraus sprang. Gegen Gladbach setzte es Ende September eine 1:3-Niederlage, also, durchaus als gutes Omen zu werten!

VN:F [1.9.7_1111]
Rating: 9.7/10 (3 votes cast)
VN:F [1.9.7_1111]
Rating: +1 (from 1 vote)
26. September 2015

Aus-, Aus-, Auswärtssieg!

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , – Franky @ 07:58

Der Saisonstart hat uns Allesfahrern einiges abverlangt. Wegen Kiel, Hamburg, Berlin sowie Hannover unter der Woche legten wir bereits knapp 5.200 Kilometer auf Schiene und Straße zurück, verbrachten etwa 60 Stunden in Zug und Bus und „opferten“ für Hannover auch noch zwei Urlaubstage. Unser Aufwand und der bisherige Ertrag an Punkten stehen hier in keinem Verhältnis, manchmal hätte man hier eine Tapferkeitsmedaille verdient.
Dem holprigen Auftakt in Kiel (wobei ich damit zufrieden war, da es „nur“ ums Weiterkommen ging) folgten zwei völlig unnötige Pleiten in Hamburg und in Berlin sowie der verdiente Erfolg am Mittwoch in Hannover, der allerdings auch lange noch am seidenen Faden hing.
Irgendwann, Anfang Juli, als die ersten Spiele terminiert waren, kamen wir auf die glorreiche Idee die Züge nach Hannover so zu buchen, dass wir bereits gegen 10 Uhr vormittags in der niedersächsischen Landeshauptstadt aufschlugen. Die Sparpreise der Bahn lassen grüßen, der frühe Vogel spart Geld. Nach einem Begrüßungsbierchen noch im Bahnhofsbereich waren wir sehr motiviert ein wenig Sightseeing zu betreiben und Hannover etwas besser kennenzulernen.
Dazu kam es dann „leider“ nicht, da es uns
a) in einer kleinen Kneipe sehr gut gefiel,
b) der eine oder andere Regentropfen zu spüren war und
c) ein Pastor in der Kneipe auch seine Bierchen genoss und wir im festen Glauben waren, ein wenig kirchlicher Beistand für das anstehende Spiel könne nicht schaden. Alles für den Verein eben. ;-) .
So verließen wir dieses nette Örtchen erst gegen 16 Uhr und begaben uns langsam aber sicher in Richtung Stadion. So früh war ich selten einmal vor Ort. Die Polizisten formierten sich zum „Zorniger-Gedächtnis-Kreis“ und stimmten sich auf das bevorstehende Aufeinandertreffen ein, am einzigen Bierstand vor dem Gästeeingang lief das Bier noch nicht (aber bald), so dass wir dort Position bezogen, wo nach und nach unsere Fanbetreuung, die ersten bekannten Gesichter und wenig später auch der Mannschaftsbus eintrafen.
Es war langsam alles angerichtet für das Mittwoch-Abend-Spiel. Ob die DFL in irgendeinem verqueren Datensatz hinterlegt hat, dass der VfB in englischen Wochen grundsätzlich auswärts anzutreten hat, weiß man nicht. Naheliegend wäre es schon, in Anbetracht der Tatsache, dass es in der letzten Saison drei englische Wochen, in denen wir in Dortmund, in Hamburg und in Köln antraten und es in dieser deren zwei gibt, in denen es uns nach Hannover und nach Mönchengladbach verschlägt. Es gibt Angenehmeres, als „für normale Bundesligaspiele“ ständig Urlaub nehmen und die Nächte nach den Spielen im Bus auf der Autobahn verbringen zu müssen. Zu dieser Thematik und im werben um fangerechte Ansetzungen und Anstoßzeiten gab es ein nettes Transparent der 96-Fans, die damit ihr Mitgefühl für die angereisten Stuttgarter zum Ausdruck brachten.
Ein weiteres Ärgernis ist das ewige Galama, ob man eine Bridge-Kamera mit ins Stadion hineinbekommt oder nicht. In der Stadionordnung des Niedersachsenstadions ist nur die Rede davon, dass „professionelle“ Kameras verboten sind, in unseren Faninfos dagegen, wurde aufgeführt, es wären lediglich Kompaktkameras zugelassen. Dadurch ist alles Auslegungssache und letzten Endes ist man auf den Goodwill des 1-Euro-Jobbers am Eingang angewiesen und man steht im schlechtesten Fall ohne Kamera da. Um auf Nummer sicher zu gehen und auch, weil ich auf unserer Tour keine Lust hatte, zwei Kameras „mitzuschleppen“ habe ich mich für „die Kleine“ entschieden, was ein bisschen schade war, ob des guten und vergleichsweise teuren Platzes, den ich mir gegönnt hatte. Gerade bei Flutlichtspielen stößt sie an ihre Grenzen und liefert weitgehend unbefriedigende Ergebnisse, vor allem bei Zoom-Aufnahmen.
Noch kurz die Arena-Card geholt und aufgeladen, Bier und Bratwurst geschnappt, ging es auch schon hinein ins weite Rund. Letzte Saison war es merklich ruhig geworden, in der Nordkurve des Niedersachsenstadions, nachdem sich einige Ultra-Gruppierungen mit Clubchef Martin Kind überworfen hatten. Diese supporteten im Fast-Abstiegsjahr lediglich die Amateure, so dass eine gespenstische Atmosphäre herrschte und dies sicherlich mitverantwortlich für den tabellarischen Absturz war. Die Ultras konnten Kind zur neuen Saison einige Zugeständnisse abringen, wie bspw. die Errichtung weiterer Stehplätze oder auch die Gründung eines Fanbeirates, so dass sie sich in dieser Saison wieder der vollen Unterstützung sicher sein können.
Früher, in den 1980er- und 1990er-Jahren war das Auswärtsspiel in Hannover allenfalls ein notwendiges Übel. Oft war der Gästeblock mit gerade einmal zwischen 50 und 100 VfBlern „gefüllt“, es zog der nordische Wind durch das Stadion und durch die Laufbahn war man genauso weit weg vom Geschehen wie im alten Neckarstadion. Die Stimmung glich der einer Beerdigung, die Anreise war schier endlos.
Heutzutage ist man mit dem ICE in vier Stunden da und das umgebaute Stadion ist für mich zu einem richtigen Schmuckkästchen geworden. Zudem ging das als unterkühlt geltende Publikum vor allem in den Europapokal-Jahren so richtig aus sich heraus, so dass ich schon öfter mal eine überragende Stimmung dort erlebt habe, die natürlich damit einherging, dass der VfB dort in den letzten Jahren einige Spiele verloren hatte. Unser letzter Sieg in Hannover gelang in der Meistersaison vor rund neun Jahren. Da mir der Gästeblock im Oberrang nicht besonders zusagt und der besseren Perspektive zum Fotografieren wegen besorge ich mir für Hannover mein Ticket meist bei `96 direkt. So saß ich dieses Mal knapp versetzt hinter unserer Trainerbank in Reihe 1, quasi in Rufweite und mit direktem Blickkontakt zu Meuschi und Günne.
Nach fünf Spielen ohne Punktgewinn stand der VfB mächtig unter Druck. So sehr die Spielweise des „neuen VfB“ gelobt wurde, so wenig es die bisherigen VfB-Gegner verstanden, wie sie die Spiele gegen uns überhaupt gewonnen hatten, so wenig gibt es eben auch einen Schönheitspreis zu gewinnen. Was zählt sind die Punkte und die ließen bisher auf sich warten So war es immens wichtig, in Hannover die ersten Punkte einzufahren, um wenigstens ein bisschen Ruhe zu haben und die aufkeimende Trainerdiskussion verstummen zu lassen.
Der VfB trat fast mit der gleichen Aufstellung an wie beim mitreißenden Auftritt gegen Schalke 04. Lediglich der zuletzt angeschlagene Daniel Didavi ersetzte Alexandru Maxim. Didavis Knie hält bislang, toi, toi, toi. In seiner gesamten Zeit bei den VfB-Profis war er wohl noch nie so lang am Stück einsatzbereit wie momentan. Somit hat der VfB ein echtes Luxusproblem, weil dem Vernehmen nach immer nur einer der beiden Künstler spielen kann, wenngleich ich auch gerne nochmal beide zusammen auf dem Platz sehen würde. Auf der anderen Seite scheint sich aber auch so langsam eine Formation zu finden, die guten Fußball spielt und defensiv weniger zulässt als noch zu Beginn der Saison. Hieß also auch, dass erneut Timo Werner den Vorzug vor Martin Harnik erhielt. Werner kommt das neue System mit zwei Spitzen entgegen, um es vorweg zu nehmen, war er „mein“ Man of the Match in Hannover.
Wie schon in Berlin ging der VfB zunächst abwartender als bei den Heimspielen zu Werke, was uns offensichtlich nicht so liegt. Wir haben ein Team, das lieber agiert als reagiert und sich in der Vorwärtsbewegung deutlich wohler fühlt, als wenn man hinterher laufen und zunächst einmal auf das Heimteam reagieren muss. So setzte Hannover 96 die ersten Akzente und hätte schon in der 13. Minute in Führung gehen können, wenn das Schiedsrichtergespann Andreasen nicht fälschlicherweise zurückgepfiffen hätte. Eine Zeigerumdrehung später war es aber doch so weit. Wie schon in Berlin über die linke Abwehrseite kam der Ball nach innen zu Karaman, der Tytoń im Kasten keine Chance ließ. Auf der Tribüne konnte man es nicht fassen, geht denn die Sch… schon wieder los, murmelte man vor sich hin und sah das neuerliche Unheil seinen Lauf nehmen. Bei Hannoveranern, die ebenfalls sehr verunsichert waren und erst ein mageres Pünktchen in den ersten fünf Spielen ergatterten und deren Trainer Michael Frontzeck ähnlich unter Beschuss war wie unser Übungsleiter Alexander Zorniger.
Noch ehe man das 1:0 für Hannover so richtig verarbeiten konnte, rappelte es auf der anderen Seite. Timo Werner schickte unseren Kapitän auf die Reise, der sehenswert an Zieler vorbei zum Ausgleich einschlenzte. Ein schönes Tor, eine Befreiung, den frühen Rückstand umgehend korrigiert. Doch damit nicht genug, durch aggressives Forechecking in der Hannoveraner Hälfte zwang der VfB den Gegner zu einem Ballverlust, der Ball landete bei Ginczek, der etwas unter Ladehemmung leidet und Zieler anschoss, der Ball sprang aber zu Timo Werner, der ins leere Tor abstauben konnte.
Sein erstes Tor seit dem Dezember 2014, eine große Befreiung für ihn, der eine schwere Zeit beim VfB durchlebt und sich in einem Wechselbad der Gefühle befinden muss, nach seiner Nichtnominierung fürs Berlin-Spiel und zwei Startelfeinsätzen danach. Erst Peitsche, dann Zuckerbrot, erst von Zorniger gerüffelt, er sei nicht sein Kindermädchen, um ihn nun stark zu reden und ihm auch schon 24 Stunden vor dem Gladbach-Spiel eine Startgarantie zu geben. Timo Werner hat verstanden und ist auf dem Weg zu alter Stärke.
Nach drei Toren binnen vier Minuten verflachte die Partie etwas, so dass es bis kurz vor dem Pausenpfiff dauerte, ehe Hannover durch einen Pfostenschuss ein Lebenszeichen sendete und im Gegenzug Kostic aus spitzem Winkel knapp scheiterte.
In der zweiten Halbzeit versuchte Hannover im Rahmen seiner Möglichkeiten das Spiel zu drehen, kam aber kaum mehr zu erwähnenswerten Torabschlüssen. Der VfB war zwar etwas gefährlicher und insgesamt auch spielbestimmend, die letzte Genauigkeit, die Angriffe sauber zu Ende zu spielen und der konzentrierte Torabschluss fehlten aber. Mich erinnerte die Partie, je länger es 1:2 stand, an das Spiel in Hamburg. Fahrigkeit im Abschluss, eine dumme rote Karte und schon macht man einen eigentlich am Boden liegenden Gegner stark und verschenkt ein Spiel. Diese Bedenken begleiteten mich bis in die Nachspielzeit hinein, ehe Maxim nach gutem Einsatz von Daniel Ginczek für die Entscheidung sorgte. Auch Daniel Ginczek erhielt von Trainer Zorniger ein Sonderlob, in dem er äußerte, könne er sich einen Stürmer backen, käme Ginni dabei heraus. Dieses Lob hat sich der Junge mehr als verdient. Was er rackert und ackert, unermüdlich 90 Minuten lang die Gegner, oftmals aussichtslos, den Ball zu erobern, anläuft, für Unruhe sorgt und dazu noch große Torgefahr ausstrahlt, auch für mich überragend. Dass bei diesem steten Kampf am Limit mal die Konzentration beim Torabschluss fehlt, dafür muss man Verständnis aufbringen und ihm weiter den Rücken stärken, und nicht schon wieder, wie nach dem Schalke-Spiel gehört, eine Chancentod-Diskussion eröffnen. Wenn denn dann, wie beim 1:2, ein Timo Werner dasteht und abstauben kann, ist doch alles gut letztendlich.
Timo Werner sprintete nach seinem Treffer auf Zeugwart Michael Meusch zu, der ihm ein guter Freund und manchmal wohl auch Seelendoktor ist, Schwaben unter sich sozusagen, was ihm jedoch einen kleinen Rüffel von Trainer Zorniger einbrachte. Dieser erwartete von ihm, dass er sich bei seinen Mitspielern zu bedanken hätte, die seinen Treffer durch aggressives Pressing erst ermöglicht hatten. Diese Aussage von Zorniger und auch der Kreis, den die Spieler mehrmals im Training sowie vor und nach den Spielen auf dem Platz bilden, sich umklammern und in dem Zorniger stets ein paar Worte an die Mannschaft richtet, gehören zu den teambildenden Maßnahmen, auf die Zorniger großen Wert legt. Manche mögen das belächeln, ich finde es stark. Für Zorniger steht die Mannschaft und der Teamgeist über allem, was eine positive Erwähnung wert sein sollte, nach Jahren, in denen wir es vorwiegend mit Egoisten und Ich-AG’s auf dem Platz zu tun hatten. Man spürt, dass eine Einheit zusammenwächst, dass die Bereitschaft sich gegenseitig auf dem Platz zu helfen wieder da ist, was wir lange Zeit vermisst haben.
Dennoch ist mit Hannover und gegen die derzeit vermutlich schwächste Bundesligamannschaft nur ein erster Schritt getan. Viele weitere müssen folgen, um endlich mal wieder in gesicherte Tabellenregionen vorzustoßen und dem Team ein ruhiges Arbeiten zu gewährleisten.
Heute steht das nächste schwere Spiel bevor, gegen den Champions League Teilnehmer Borussia Mönchengladbach, der genauso katastrophal in die Saison startete wie der VfB. Auch den Gladbachern gelang am Mittwoch der Befreiungsschlag, indem sie mit Interimstrainer Andre Schubert nach 21 Minuten bereits mit 4:0 gegen den FC Augsburg führten. Auch hier kann man konstatieren, wehe, wenn sie losgelassen. Der VfB muss auf der Hut sein und eine ähnliche Gala wie gegen Schalke auf den Platz zaubern, seine Chancen dabei jedoch nutzen. Dann kann es was werden mit dem zweiten Sieg in Folge und dem ersten Heimsieg. Die Gladbacher stehen mit Sicherheit auch nicht umsonst dort wo sie stehen, das Gebilde dürfte weiter fragil sein, so dass sie Gefahr laufen, beim einen oder anderen Gegentor, in ihre Einzelteile zu zerfallen. So muss sie sich der VfB zurechtlegen, dann bin ich guter Dinge!
Ein Wort noch zum Rücktritt von Lucien Favre. Langsam mutet mir das Gebaren der Trainer an wie die Rache an den Vereinen, die, Trainer um Trainer entließen und vor allem sie zu den alleinigen Sündenböcken erklärten.
Hatte ich nach dem Rücktritt von Armin Veh zunächst das Gefühl, man würde dem VfB den Boden unter den Füßen wegziehen, müssen sich nun die Gladbacher ähnlich fühlen. Es ist immer schwierig für einen Verein, der ambitionierte Ziele hat, so kurzfristig eine gute und langfristig vielversprechende Lösung zu präsentieren. Da bewundere ich die Ruhe und die Seriosität, mit der Max Eberl an das Problem herangeht und wohl keinen Schnellschuss macht.
Ich halte solch Rücktritte, beim 1. FC Kaiserslautern ja auch, für charakterlich höchst verwerflich und hoffe, dass sie nicht zur Mode werden. Ich finde das sehr egoistisch gedacht von Lucien Favre, seinen Verein im Stich zu lassen und womöglich auch kleineren Vereinen Schaden zuzufügen, bei denen sich der betroffene Verein nach einer Alternative umsehen muss.
So könnte es die Stuttgarter Kickers, immerhin in der 3. Liga im Aufstiegsrennen, treffen, deren Trainer Horst Steffen eine Gladbacher Vergangenheit hat und vom Niederrhein stammt, und der offensichtlich einer der Kandidaten für die Favre-Nachfolge ist. Sehr kurz gedacht von Favre also, mir nichts, dir nichts das Handtuch zu werfen und mehrere Vereine dadurch vor große Probleme zu stellen.
Es ist zwar nicht unser Thema, aber, mich beschäftigen eben auch sonstige Entwicklungen im Fußball, der mehr und mehr dabei ist, sich selbst abzuschaffen oder zumindest von der Basis immer weiter zu entfernen, wenn Verträge die Tinte nicht mehr wert sind, mit der sie unterzeichnet wurden.
Heute aber liegt unser Augenmerk auf dem Spiel. Was ein Tag, erstes Wasenwochenende, schönes Wetter, ein fast ausverkauftes Haus und eine Truppe auf dem Platz, der es Spaß macht zuzuschauen. Bin schon ganz aufgeregt und schließe an dieser Stelle, fertig machen, Aufbruch 1893, der Wasen ruft!

VN:F [1.9.7_1111]
Rating: 10.0/10 (2 votes cast)
VN:F [1.9.7_1111]
Rating: 0 (from 0 votes)