19. Oktober 2018

In der Endlosschleife

Getreu dem Motto „neue Besen kehren gut“ wechselte der VfB letzte Woche mal wieder den Trainer. Rechnet man die 2-Tage-Interims-Lösung Andy Hinkel hinzu, wird Markus Weinzierl mein 45. (!) Trainer, seit ich im Herbst 1974 erstmals bei einem VfB-Spiel live dabei gewesen bin. Zwischen dem 09.11.1974 und dem 09.10.2018 liegen exakt 16.041 Tage, was eine durchschnittliche Verweildauer eines VfB-Trainers von 356 Tagen ergibt.

Gab es früher noch so etwas wie Kontinuität auf der Manager- und Präsidentenebene, die an „ihren“ Trainern etwas länger festhielten, haben wir in den letzten Jahren auch auf diesen Posten eine enorme Fluktuation.

Ob es daran liegt, dass sich jeder Sportdirektor und jeder Präsident am liebsten seinen Mann holt und alles was im Verein gut und teuer war über den Haufen wirft, oder ob es doch die Generation Gentner ist, die die Trainer schneller schafft als sie gucken können, lässt sich schwer sagen.

Fakt ist, dass Weinzierl Gentners zehnter (!) Trainer ist, den er in jenen fünf Jahren, in denen er die Kapitänsbinde trägt, erlebt. Ein weiterer Unterschied zu früher ist, dass keine echten Kerle mehr in der Mannschaft sind, die Probleme auch mal von innen lösen.

Früher gab es, wenn es die sportliche Situation erforderte, Mannschaftsabende ohne Trainer und Offizielle, bei denen sich der Frust von der Seele gesoffen wurde und Probleme offen angesprochen wurden. Bei der heutigen Warmduscher-Generation undenkbar, dass da einmal einer die Initiative ergreift, wo es doch so viel einfacher und bequemer ist, Dienst nach Vorschrift zu machen. Da verkriecht man sich dann lieber vor seine Playstation oder in den Schmollwinkel und ist sich bewusst, dass sich dieses Problem schon irgendwie von selbst löst. Was kann einem Profi auch schon passieren, sein Geld bekommt er sowieso, ob er Egomane ist oder sich einbringt, ob er sich täglich den Allerwertesten aufreißt oder lustlos über den Trainingsplatz schleicht, ob er wie ein Profi lebt oder ständig um die Häuser zieht.

Das Einzige, was passieren kann, ist, dass man eine Weile außen vor ist, womit sich die Vereine jedoch dann ins eigene Fleisch schneiden. Zum einen fehlt unter Umständen ein Leistungsträger, der auf dem Platz eine wichtige Rolle hätte einnehmen sollen, zum anderen verliert der Spieler an Marktwert und verlässt, zur Belohnung für sein schäbiges Verhalten, ablösefrei den Verein, um sich vom nächsten mit reichlich Handgeld überschütten lassen zu dürfen.

Daher kann und wird es sich kaum ein Verein leisten, Stinkstiefel, rigoros auszusortieren und wechselt im Zweifel lieber den Trainer. Vielleicht schafft es ja dann der Neue, die Laune wieder anzuheben und jene Prozent herauszukitzeln, die einige Spieler dem Vorgänger verweigerten.

Eine traurige Entwicklung, aber, so lang die Vereine keine Handhabe gegen Leistungsverweigerung und mangelnde Identifikation mit dem Verein haben, so lang man die Transferrechte verliert, wenn man einen Spieler vor die Tür setzt, so lang braucht man über die kurze Dauer von Trainerengagements nicht zu lamentieren.

Da brauchen jetzt auch keine Trainerkollegen Korkuts von oben herab dessen Entlassung und die mangelnde Geduld des VfB kritisieren, schon gar nicht einer wie Dieter Hecking, der seinerzeit den Club wegen höherer Verdienstmöglichkeiten bei Wolfsburg mitten in der Saison und Hals über Kopf verließ. Auch unter Trainern ist das Söldnertum verbreitet, nur eben nicht ganz so ausgeprägt wie bei den Herren Profis.
Wenn ein Physiotherapeut wie Gerhard Wörn in der Bild-Zeitung zitiert wird, dass er nach Trainerwechseln stets am meisten zu tun habe, weil alle engagiert zur Sache gehen würden, ist das ein Armutszeugnis für Fußball-Profis, die dem Verein und uns Fans verpflichtet sein sollten. Zwischen den Zeilen heißt das doch, dass sie es so lang schleifen lassen, bis sie erlöst werden, was nur als vereinsschädigend bezeichnet werden kann.

Mich kotzt diese Generation von Arbeitsverweigerern mehr und mehr an, einfach weil das Wohl und Leid der Vereine in ihre Hände gelegt wird und man als Fan machtlos ist und nur auf das Gute im Profi hoffen kann. Es gibt sie zwar immer noch, die Musterprofis, die dazu noch bereit sind, Verantwortung zu übernehmen, doch scheinen sie mehr und mehr zu einer aussterbenden Spezies zu gehören.

Das Lamentieren über den Ist-Zustand des Profifußballs hat jedoch nichts mit der Korkut-Entlassung zu tun. Ich bin nicht derart an Korkut gehangen, als dass ich ihm eine Träne nachweinen würde. Er hat meinen Respekt für die geile Rückrunde, mehr aber auch nicht. Wie unbelehrbar er sich zuletzt gegeben hat, wie langweilig seine Pressekonferenzen war, welch grottenschlechten Fußball unter ihm gespielt wurde wird wohl von seiner Amtszeit hängenbleiben.

Was in der Mannschaft zwischen dem furiosen Saisonfinale in München und der Pokalpleite in Rostock vorgefallen ist, weshalb das Team in der bisherigen Saison alles vermissen ließ, was ein paar Monate vorher noch grandios gemacht wurde, lässt sich von außen schwer beurteilen. Fakt ist, dass auch damals die Auftritte meist unansehnlich waren, aber mit höchster Konzentration als Team agiert wurde und man das Quäntchen Glück auf seiner Seite hatte.

Obwohl Korkut größtenteils auf die Spieler der erfolgreichen Vorrunde setzte, musste der eine oder andere wegen der Neuzugänge um seinen Platz bangen. Ist es das, dass sich die Etablierten wieder einmal dem Konkurrenzkampf zu verschließen versuchten und es den Neuen so schwer wie nur möglich machten? Ist es, wie es „Zimbo“ Zimmermann kürzlich meinte, dass man zwar Qualität hinzu geholt, jedoch Mentalität abgegeben hätte?

Jedenfalls stehen wir nun, nur achteinhalb Monate nach der Wolf-Entlassung, erneut vor einem Scherbenhaufen und einem neuerlichen Neuanfang.
Die Ausgliederungsbefürworter, die sich von der damals exzellenten Aufstiegsstimmung leiten ließen und großes Vertrauen in Schindelmeiser/ Wolf setzten, dürften sich inzwischen vor den Kopf gestoßen fühlen, hat sich doch seither, wie von den Kritikern befürchtet, rein gar nichts geändert.

Meine Hoffnung auf etwas mehr Kontinuität und Ruhe im Verein wurde mit der Schindelmeiser-Entlassung begraben. Nach Schindelmeisers Entlassung war es auch um Hannes Wolf geschehen. Ab diesem Zeitpunkt war es nur noch eine Frage der Zeit, wann er die Nase voll haben und den Bettel hinschmeißen würde.

Die beiden waren die Gesichter des Aufstiegs und hätten Gesichter einer neuen Epoche sein können. Dass Korkut und Reschke dann der totale Gegenentwurf zu diesen Menschenfängern sind, zeugt nicht von Überzeugung und schon gar nicht von einer Strategie. Es wird in den Tag hinein gelebt, man reagiert und agiert nicht. Es ist nicht förderlich, stets während der Saison den Trainer zu wechseln, wenn man nehmen muss, was man kriegt und die Auswahl reichlich begrenzt ist. Den sauberen Schnitt im Sommer hat man wieder einmal versäumt.

Auch wenn Wolfgang Dietrich kürzlich bei Sport im Dritten die Trennung von Jan Schindelmeiser erneut verteidigte und als alternativlos beschrieb, ist mir diese noch immer nicht plausibel. Dies von oben herab zu bedeuten und jegliche Kritik daran wegwischen zu wollen, zeugt für mich von wenig Stil. Gerade weil Schindelmeiser DAS Gesicht der Ausgliederungs-Werbeveranstaltungen war, man immer wieder betonte, wie gut man doch jetzt personell aufgestellt sei und welcher Plan dahinter steckte, wirft die Entlassung, die zum damaligen Zeitpunkt vermutlich schon festgestanden hat, auf Dietrich ein schlechtes Licht. Dass die Entscheidung in Aufsichtsrat und Vorstand einstimmig ausgefallen sein soll, ändert für mich nichts an dem faden Beigeschmack daran.

Als Vereinsmitglied habe ich großes Interesse daran, den wahren Grund für seine Demission zu erfahren, einfach um ihn besser zu verstehen und nicht weiter darauf herumreiten zu müssen.

Was ich immer nur heraushöre war, dass Schindelmeiser lieber im stillen Kämmerlein gearbeitet habe und seine Vorstandskollegen nicht über jeden Zwischenstand seiner Vorhaben informiert habe.
Das allein fände ich überhaupt nicht verwerflich, weiß man doch, wie viele „Maulwürfe“ sich immer mal wieder auf dem Vereinsgelände tummelten, die ein schlechtes Bild nach außen abgaben und zudem anstehende Deals gefährdeten.

Dass man mit seiner Kaderplanung für die Bundesliga nicht einverstanden gewesen sei, scheint eher zweitrangig gewesen zu sein, sollen die Risse doch schon lang vorher bestanden haben. Zudem war es ja noch mitten in der Transferperiode, so dass keiner weiß, wie Schindelmeisers Kader am 31.08. ausgesehen hätte.

Bei außergewöhnlichen Rechtsgeschäften wird auch ein Jan Schindelmeiser gezwungen gewesen sein, sich das OK seiner Kollegen im Vorstand einzuholen, so dass ich einfach nicht verstehe, was genau das Problem war.

Sollten gravierendere Gründe vorgelegen haben, die eine Trennung (zu diesem ungünstigen Zeitpunkt) unausweichlich gemacht haben, müssen diese meiner Meinung nach auf den Tisch, um ein Stück Glaubwürdigkeit zurück erlangen zu können.

Wie weit es die Herren im sowieso verlogenen Bundesligageschäft mit der Wahrheit halten, führte uns Schindelmeiser-Nachfolger Reschke in der letzten Woche schonungslos vor Augen.

Als Notlüge war es für Reschke legitim, nach dem Hannover-Spiel eine Korkut-Entlassung ins Reich der Fabel zu verweisen, um ihm am nächsten Morgen den Arschtritt zu verpassen.

Jener Reschke, der direkt nach seinem Amtsantritt die Fan- und Mitglieder-Schar, die nach der Abkehr vom Jugendstil, vorsichtig ausgedrückt, irritiert war, als „ahnungslose Vollidioten“ betitelte, dachte sich wohl dabei, diesen Vollidioten alles erzählen zu können und dass sie, da sie ja Vollidioten sind, auch nichts hinterfragen würden. Als Kind wurde mir eingetrichtert, „wer einmal lügt, dem glaubt man nicht“, wer weiß, vielleicht ging ja dieser Kelch an Reschke vorüber. Da passt es ins Bild, dass Zorc dieser Tage Reschke widersprach (oder auch der Lüge bezichtigte), als dieser behauptete 12 Millionen Euro für Bruun-Larsen geboten zu haben.

Es ist bei weitem nicht so, dass ich die Korkut-Entlassung an sich kritisiere, im Gegenteil, für mich kam sie viel zu spät. Dass man Korkut direkt nach der so erfolgreichen Rückrunde, trotz berechtigter Zweifel, ob er in der Lage sein würde, mehr zu sein als ein Feuerwehrmann, nicht direkt den Laufpass gab, dafür habe ich ja noch Verständnis.

Weshalb man aber ohne Not den ohnehin für die laufende Saison gültigen Vertrag frühzeitig verlängerte, versteht wohl kein Mensch. Bei allem Respekt für Tayfun Korkut, er ist beileibe kein Trainer, bei dem man Angst haben musste, dass er von einem anderen Verein abgeworben wird. Man hätte die Entwicklung abwarten und sich im Winter zusammensetzen müssen, ob eine weitere Zusammenarbeit Sinn macht.

Inwieweit Korkut bei der Kaderzusammenstellung mitwirken durfte, erschließt sich mir auch nicht. Offensichtlich konnte Korkut mit dem an Qualität verbesserten Kader wenig bis überhaupt nichts anfangen und schaffte es nicht, ein gutes Arbeitsklima zu schaffen. Schnell traten Grüppchen zutage, hier die Alten, dort die Jungen. Die Mischung, die Korkut aufs Feld schickte, stimmte nie. War das Setzen auf Stabilität mit möglichst wenig Rotation in der Rückrunde noch ein probates Mittel, war es nun Gift, um alle bei Laune zu halten.

Zudem übertrieb es Korkut mit den Defensivspielern bei seinen Aufstellungen wie zum Schluss auch Hannes Wolf, so dass es früh klar wurde, dass die Ära Korkut nicht von langer Haltbarkeit geprägt sein würde.

Spätestens nach dem Bayern-Spiel hätte Korkut entlassen gehört. Zuvor wurde immerhin schon beim Drittligisten Hansa Rostock und bei Mainz 05 verloren.

Dann kamen die Bayern, gegen die man oft mit der Ansetzung haderte, wenn wir sie zu einem Zeitpunkt bekamen, in denen sie voll im Saft standen. Erfahrungsgemäß haben die Bayern in Saisons nach einer Weltmeisterschaft Motivations- und Startprobleme, erstrecht, wenn die Spieler nach einer derart verkorksten WM zurückkehren und einigen erst so richtig bewusst wird, dass es wohl die allerletzte Chance war, noch einmal Weltmeister zu werden.

Selbstredend wäre es auch unter diesen Umständen eine Überraschung gewesen, gegen sie zu punkten, obwohl sich die Bayern im Pokal beim Underdog aus Drochtersen nur mit dem knappsten aller Resultate durchsetzten und beim Auftaktsieg gegen Hoffenheim auf Schiedsrichter-Hilfe angewiesen waren, also auch bei ihnen bei weitem noch nicht alles rund lief.

Unverwundbar wären sie also nicht gewesen, umso unverständlicher, dass Korkut eine Hasenfuß-Taktik ausgab und es schon gar nicht versuchte, den Bayern weh zu tun.

Dabei hätte das 1:4 zum Saisonfinale doch Mut machen müssen. Wie leicht die hoch verteidigende und in die Jahre gekommene Bayern-Verteidigung zu überspielen ist, führten wir ja nicht exklusiv vor. Nach dem selben Strickmuster schnappte sich die Frankfurter Eintracht den Pokalsieg und rannte die deutsche Nationalelf bei der WM in Russland ins Verderben.

Wenn man aber gerade einmal zwei Offensivkräfte aufbietet und den normalerweise verschmähten Anastasios Donis ohne Unterstützung systematisch verheizt, disqualifiziert man sich selbst. Null Eckbälle, null Torschüsse vom VfB, wohl selten in der Bundesligahistorie fuhren die Bayern einen ungefährdeteren Sieg ein als jenen vom ersten September.

Eine Entlassung schon zu diesem Zeitpunkt (optimal, da ebenfalls vor einer Länderspielpause) hätte den Start des neuen Trainers erleichtert, standen damals die Spiele in Freiburg, gegen Düsseldorf und in Hannover noch bevor, aus denen mehr als mickrige zwei Pünktchen hätten herausspringen müssen.

So startet Weinzierl mit dem Rucksack, gleich gegen Tabellenführer Borussia Dortmund und beim Championsleague-Teilnehmer Hoffenheim beginnen zu müssen, was die Gefahr eines Fehlstarts und des Verpuffens der Aufbruchsstimmung in sich birgt.

Mit Markus Weinzierl als neuem Trainer kann ich gut leben (o. k., mir bleibt auch nichts anderes übrig). Meine Lieblings-Lösung hätte zwar Ralph Hasenhüttl geheißen, doch war dieser von Anfang an ziemlich unrealistisch. Er wird nach seiner Zeit bei Redbull auf den nächsten finanzstarken Verein warten und sich nicht darauf einlassen, beim VfB kleinere Brötchen backen zu müssen und den Schritt zurück zu gehen.

Gerechnet hatte ich mit Roger Schmidt, da sich Reschke ja gerne Personalien von Leverkusen aufschwatzen lässt. Dieser war wohl nicht von heute auf morgen aus China loszueisen (oder wollte nicht auf Gehalt verzichten), so dass es eben Markus Weinzierl geworden ist.

Weinzierl war vor seinem Engagement auf Schalke einer der am heißesten gehandelten Namen auf dem Trainermarkt, weil er sowohl in Regensburg als auch in Augsburg Beachtliches geleistet und den FCA gar in die Europa League geführt hatte.

Bei beiden Vereinen waren allerdings die Erwartungen nicht sonderlich groß und ein ruhiges Arbeiten in einem unaufgeregten Umfeld möglich. Selbst als der FC Augsburg vor sechs Jahren zur Winterpause mit neun Punkten da stand, hielt man am Trainer fest, was sich letzten Endes als richtig erwies, jedoch völlig untypisch ist im so hektisch gewordenen Bundesliga-Geschäft.

Schalke war da schon eine andere Hausnummer. Weinzierl scheiterte dort und musste bereits nach einem Jahr Platz für Ex-VfB-Jugendtrainer Domenico Tedesco machen.

Auf Schalke soll er nicht gerade der Lieblings-Trainer von Dennis Aogo und Holger Badstuber gewesen sein, schauen wir mal, ob sie sich beim VfB zusammenraufen. Eric Thommy kennt Weinzierl noch aus Augsburg und Christian Gentner über deren gemeinsamen Berater. Zweifel, dass diese Konstellation Interessenskonflikte hervorrufen könnte, versuchte Weinzierl schon bei seinem Amtsantritt zu zerstreuen.
Ich bin da skeptisch und nach wie vor der Auffassung, dass ein Sven Ulreich nur deshalb so lang (bzw. überhaupt) im VfB-Tor gestanden hat und Christian Gentner diese (Führungs-)Rolle beim VfB nur deshalb einnehmen konnte, weil seinerzeit Fredi Bobic das Sagen hatte und dessen bester Freund und Geschäftspartner Jürgen Schwab war.

Ich hoffe, dass unter Weinzierl endlich das Leistungsprinzip einkehren wird und er die Spieler nach ihrem derzeitigen Leistungsstand und nicht wegen vermeintlicher früherer Verdienste um den Verein aufstellen wird.

Der Verdacht liegt nahe, dass es einmal mehr die Alten waren, die Korkut die Gefolgschaft verweigerten.

Die Clique um Beck, Aogo und Gentner soll es gewesen sein, die Hannes Wolf stürzte, dieselben waren sich ihres Platzes unter Korkut nun wohl auch nicht mehr so sicher oder rebellierten, siehe Gentner in Rostock, wenn sie einmal auf der Bank Platz nehmen mussten. Korkut ging dann den Weg des vermeintlich geringsten Widerstands, indem er eine überalterte Truppe auf den Platz schickte, anstatt sich mit ihnen wegen eventueller Nichtberücksichtigung auseinandersetzen zu müssen. Erst ab dem Spiel in Leipzig, als die Dinge bereits ihren Lauf nahmen, verjüngte er die Startelf und brachte in Maffeo, Borna Sosa und Thommy drei unverbrauchte Kräfte, was allerdings auch der englischen Woche geschuldet gewesen sein könnte.

Die Aufstellung für das Spiel in Hannover schließlich war dann, analog zu Wolfs letzter, nicht anders zu verstehen, als die Bitte um seinen Rausschmiss.

Wie man derart destruktiv eingestellt in ein Spiel beim Tabellenletzten, versehen mit der schwächsten Offensive der Liga, gehen kann, ist mir auch heute noch ein Rätsel.

Durch den Trainerwechsel fallen die Alibis der Spieler weg, wir kennen das ja. Schon im Frühjahr warteten Spieler wie Aogo und Gentner plötzlich mit Leistungen auf, die, wenn sie sie schon vorher gebracht hätten, Hannes Wolf wohl nicht zur Aufgabe bewogen hätten.

Daher ist auch jetzt wieder zu befürchten, dass sie sich am Riemen reißen und fein raus sind, wenn sie die so leicht zu verstehenden und väterlich vorgetragenen Ansprachen Weinzierls in den Himmel loben.
Es ist zu wünschen, dass sich Weinzierl nicht verbiegen lässt und den längst fälligen Umbruch endlich einleitet und vor allem einleiten darf. Zorniger und Wolf, die die alten Hierarchien in Frage stellten und das Team runderneuern wollten, wurden von der Mannschaft kläglich im Stich gelassen und erfuhren schließlich auch keine Unterstützung „von oben“.

Ein Gentner wirkt schon die komplette Saison lang körperlich nicht fit und sollte nicht länger auf dem Flügel „geparkt“ werden, nur weil die Zentrale durch aggressivere und handlungsschnellere Spieler besetzt ist. Auf dem Flügel, ich kann es mir nicht anders erklären, wird er nur deshalb eingesetzt, weil ein Gentner eben immer spielen muss, für mich spielen wir so de facto mit einem Mann weniger.

Holger Badstuber tut mir Leid, weil er nach zwei haarsträubenden Fehlern lange außen vor war und seitdem nur noch verunsichert wirkt. Er geht offensiv an die Probleme heran und stellt sich auf seiner Facebook-Seite der Kritik.

Schade, dass diese vor allem von VfB-Fans meist beleidigend ausfällt und ihm noch immer vorgeworfen wird, dass er gerne zu einem Verein gewechselt wäre, der Championsleague spielt. Mir ist ein ehrgeiziger Spieler allemal lieber als ein Kapitän Gentner, der nach Mainz fährt und ausspricht, dort müsse man nicht unbedingt gewinnen. Das ist genau die Mentalität des Mit-zu-wenig-Zufriedenseins, die die Ära Gentner prägte.

Zudem sei noch einmal gesagt, dass Badstuber und der VfB letzte Saison nur einen Einjahresvertrag abgeschlossen hatten und es somit beiderseits legitim war, sich nach Alternativen umzuschauen. Jetzt, nachdem sich Badstuber ganz klar für den VfB entschieden und einen Dreijahresvertrag unterzeichnet hat, gab er ein klares Bekenntnis zum VfB ab und dürfte einen Teufel tun, sich gleich wieder vom Acker zu machen, selbst dann, sollte ein besseres Angebot ins Haus flattern.

Wenn er jedoch weiterhin permanent beleidigt und niedergemacht wird, braucht sich keiner zu wundern, sollte er doch um die Freigabe bitten. Bezeichnend auf den sozialen Netzwerken ist, dass es hauptsächlich Bayern-Fans sind, die ihn aufmuntern und ihm nachtrauern. Schon allein die Tatsache, dass man sich bei den erfolgsverwöhnten Bayern nach einem wie ihm sehnt, sollte verdeutlichen, zu was Badstuber fähig ist, wenn er in Topform ist.

Aogo (weshalb eigentlich wurde Mangala abgegeben?) und Beck rechtfertigten ihre Einsätze in dieser Saison noch überhaupt nicht, Castro scheint noch seine Rolle zu suchen und noch nicht richtig angekommen zu sein.

Castro wird den Anspruch an sich selbst haben, Führungsspieler sein und beim VfB eine tragende Rolle übernehmen zu wollen. Ohne wirklich Ahnung vom Innenleben der Truppe zu haben, kann ich es mir auch hier wieder vorstellen, dass es Kräfte im Team gibt, die das zu verhindern versuchen, weil sie um ihren eigenen Status fürchten. Solche Grabenkämpfe müssen Sportdirektor und Trainer vehement bekämpfen und mit aller Härte dazwischen grätschen, da sie äußerst vereinsschädigend und für mich zudem die Wurzel allen Übels der letzten Jahre sind. Von Castro verspreche ich mir mehr, als das was er bislang zeigen konnte.

Daniel Didavi hat ebenfalls einen schweren Stand seit seiner Rückkehr. Nach dem kollektiv schwachen Auftritt in Rostock war er das erste Bauernopfer Korkuts, indem er im darauffolgenden Spiel aus der Mannschaft flog. Seither hat er Schwierigkeiten richtig Fuß zu fassen und ist zudem (mal wieder) verletzungsgeplagt.

Auch von ihm verspreche ich mir sehr viel mehr. Vielleicht gelingt es Weinzierl als eine seiner ersten Amtshandlungen, sofern er fürs Dortmund-Spiel fit wird, Dida stark zu machen und vor allem die Position spielen zu lassen, die ihm am besten liegt, nämlich hinter den Spitzen.

Es wäre nicht Didavis erstes Comeback gegen Dortmund, 2014 kehrte er nach über einjähriger Verletzungspause gegen den BVB überraschend zurück und machte ein starkes Spiel, auch wenn dieses nach 2:0-Führung noch mit 2:3 verloren ging.

Ron-Robert Zielers Rolle im Team kann ich von außen ebenfalls schwer einschätzen. Gehört auch er zu der Clique, die Trainerwechsel durch ihre „Leistung“ auf dem Platz zu beschleunigen versuchen? War es Zufall, dass Zieler durch seine Patzer in Mainz zu Beginn der vergangenen Rückrunde Wolfs Demission maßgeblich mit beeinflusste? Waren es zuletzt in Freiburg, Leipzig und gegen Bremen zufällige Aussetzer oder welche mit Ansage? Ich halte ihn eigentlich für einen großartigen Rückhalt, weshalb mir die auffällig vielen Fehler in letzter Zeit etwas rätselhaft sind.

Insúa musste zuletzt für Borna Sosa weichen. In Freiburg spielte er eine sehr gute zweite Halbzeit, gegen Düsseldorf, wie viele andere auch, sehr durchwachsen, danach saß er draußen. Mit besonderem psychologischem Geschick war Tayfun Korkut nicht gesegnet, siehe Didavi, siehe auch Insúa.

Grundsätzlich begrüße ich es ja, wenn Talenten wie Borna Sosa keine Alten vorgesetzt werden und dadurch die Wahrscheinlichkeit erhöht ist, dass sie nicht die Lust verlieren und zugleich ihren Marktwert steigern, aber, Insúa halte ich für wichtig fürs Team.

Zum einen steckt seine ständig gute Laune an, zum anderen ist er ein wichtiger Integrator für Ascacibar und Gonzalez. Anhand dieser Faktoren und dem Umstand, dass seine Leistung selten unterirdisch ist und er sich nie hängen lässt, würde ich einen wie ihn nicht so schnell aus dem Team verbannen und Borna Sosa lieber auf der linken Außenbahn sehen, um zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen zu haben.

Bliebe noch Mario Gomez, DER Lebensversicherung der letzten Rückrunde. Gegen Bremen machte er ein bärenstarkes Spiel und setzte mehrere Male uneigennützig Gonzalez in Szene, der dann so unglücklich scheiterte. Er ist einer, der sich (nach Anlaufproblemen) aufopferungsvoll in den Dienst der Mannschaft stellt und sich auch nicht zu schade dafür ist, nach hinten zu arbeiten. Jedoch täte ihm die eine oder andere Anspielstation mehr vorne gut, so dass er nicht ständig gegen eine zahlenmäßige Übermacht von Abwehrspielern ankämpfen muss.

Ich bin gespannt darauf, wie Weinzierls Ausrichtung am Samstag gegen den Spitzenreiter aussehen wird. Nach Trainerwechseln ist die Truppe stets eine gewaltige Wundertüte. Da sich das Team bislang weit unter Wert geschlagen hat, ist von einem „weiter so“ bis zu einer wahren Leistungsexplosion alles im Bereich des Möglichen.

Dieser abgezockten Spezies Fußballprofi nehme ich nicht einmal mehr die so viel beschworene allgemeine Verunsicherung nach den ganzen Negativresultaten ab. Jetzt, wo die Alibis weggefallen sind und sich wieder einzig und allein alles auf sie fokussiert, wird es sich keiner mehr leisten können, nur mit halber Kraft aufzutreten und den Nebenmann links liegen zu lassen. Wir werden eine Einheit auf dem Platz sehen, da bin ich mir relativ sicher. Ob es dann reicht gegen den, vor allem in der Offensive, so vorzüglich besetzten BVB, werden wir sehen.

Mein Optimismus was bessere Spiele und bessere Ergebnisse betrifft kehrt langsam zurück, wenngleich ich dann einen umso größeren Groll auf die Spieler schiebe. Nach Trainerwechseln, die auch für mich längst Routine sind, kann ich mich über die ersten Erfolgserlebnisse nie so richtig freuen, zu sehr steckt noch der Ärger über die Spieler in mir, dass sie es überhaupt so weit haben kommen lassen und lediglich durch Handauflegen des neuen Trainers neue Energien freigesetzt wurden. An diesen Scheiß glaube ich nicht, es liegt einzig und allein am Willen und der Einstellung dieser kickenden Millionäre und da bin ich noch immer so naiv, dies von ihnen an JEDEM ihrer Tage beim VfB zu erwarten.

Korkut ist sicher einer der Trainer, denen ich am wenigsten hinterhertrauere und doch waren es einmal mehr die Spieler, die durch mangelndes Engagement und haarsträubende Leichtsinnsfehler den Trainerwechsel erst nötig gemacht haben.

Nachdem diese Saison fast schon wieder abgehakt werden muss, ehe sie richtig begonnen hat, es nur noch wenig zu erreichen und umso mehr zu verhindern gibt, wächst natürlich auch der Druck auf Reschke. Seine Außendarstellung (und damit die des VfB!) ist nach wie vor eine Katastrophe. Sollte eines Tages auch Weinzierl beim Team nicht mehr wohlgelitten sein und in naher Zukunft „mein“ Trainer Nummer 46 vor der Tür stehen, dürfte die Luft für Reschke langsam dünn werden.

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6. August 2016

Der VfB vor der Mission Wiederaufstieg!

Endlich geht es wieder los! Am Montag startet der VfB das Abenteuer 2. Liga, dabei geht es gleich gegen den Magischen FC aus Hamburg-St. Pauli. Bekanntermaßen hege ich ja Sympathien für den Kiez-Club und habe viele Freunde dort. Diese Sympathien sind jedoch nur so lang vorhanden, so lang wir nicht gegeneinander antreten und auch nicht in der Liga in direkter Konkurrenz zueinander stehen. Am Montag ist St. Pauli ein Gegner wie jeder Andere, für mich zählt nur der VfB-Sieg.

Heute liegt der Abstieg in Wolfsburg genau 84 Tage zurück. Viel Zeit um die Tränen zu trocknen und den VfB neu und vor allem so aufzustellen, dass der Wiederaufstieg nicht nur machbar, sondern folgerichtig ist.

Denn, der VfB ist kein normaler Absteiger! Man ist kein normaler Absteiger, wenn man 39 Jahre am Stück Bundesliga gespielt hat und den Abstieg als einen Betriebsunfall ansieht. Wenn man der überwiegenden Mehrzahl der Konkurrenten infrastrukturell und vom Etat her um Längen überlegen ist, ist man auch kein normaler Absteiger.

Der VfB ist auch kein normaler Absteiger, weil die Mehrzahl der Fans offensichtlich keine bitteren Tränen verdrückt hat, als es traurige Gewissheit war, sondern eher Erleichterung verspürte. Ich hatte zuletzt jedenfalls mehr Angst vor einem weiteren Herumdümpeln in der Bundesliga, als vor dem Neustart in der 2. Liga.

So verknüpft sich bei vielen mit dem Abstieg die Hoffnung, dass der VfB den Reset-Knopf findet und mit jungen Kräften und frischem Wind die 2. Liga rockt und im nächsten Jahr gestärkt in die Bundesliga zurückkehren kann.

Viel wurde zurück auf null gestellt. Der überforderte Abstiegstrainer Kramny ist weg, der zunächst an seinem Stuhl klebende Sportdirektor Dutt ebenso, wie der sich an der einst geplanten Ausgliederung verzettelnde Präsident Wahler, die Gesichter des Abstiegs, deren Verträge ausgelaufen waren, auch.

Eine der wenigen Konstanten, die noch bleibt, ist Kapitän Christian Gentner, dessen Vertrag Robin Dutt kurz vor seiner Entlassung noch verlängern durfte. Meiner Meinung nach völlig unnötig, da Gentners Vertrag ohnehin noch ein Jahr gültig gewesen wäre und er sich erst einmal neu beweisen muss, ob er der richtige Mann und vor allem der richtige Kapitän ist, der den VfB zurück in die Spur bringt. Gerade er war es doch, auf den in den letzten so entscheidenden Saisonspielen kein Verlass war, der als erster untertauchte und nie Führungsstärke an den Tag legte.

Man kann ihm auf keinen Fall absprechen, dass ihm der Abstieg nicht weh tun würde. Er identifiziert sich mit dem Verein wie kaum ein anderer, aber, das allein reicht eben nicht. Identifizieren tun wir uns alle und stümpern ja auch nicht Woche für Woche auf dem Platz umher. Für mich wäre er mit seinen nunmehr 31 Jahren in der Fanbetreuung besser aufgehoben, auch wenn ich von dem aktuellen Team mit dieser Aussage keinen wegloben möchte.

So bleibt er uns also erhalten und Trainer Luhukay hat ihn in seinem Kapitänsamt bestätigt. Daher bleibt uns jetzt nichts anderes übrig, als darauf zu hoffen, dass sein Leistungsvermögen für die 2. Liga ausreicht und dass er präsenter ist, als in den letzten Jahren in der Bundesliga.

Von einem Absteiger mit den Möglichkeiten des VfB hätte ich erwartet, dass noch im Mai, also kurz nach dem Abstieg, sich Zu- und Abgänge die Klinke nur so in die Hand geben würden und spätestens zum Trainingsauftakt im Kader zumindest ein Korsett erkennbar wäre.

Das Gegenteil war der Fall. Wie Kaugummi zog sich die Sportdirektor-Suche hin, der Aufsichtsrat und die verbliebenen Sportvorstände Heim und Röttgermann vermittelten lange den Eindruck der totalen Planlosigkeit, lediglich unterbrochen von zwei Geistesblitzen, nämlich der Verpflichtung des auch für mich geeignetsten Trainerkandidaten Jos Luhukay und der des Top-Torjägers der vorigen Zweitligasaison, Simon Terodde.

Hatte man sich zwischendurch schon in Thomas Hitzlsperger und Marc Kienle etwas mehr Sportkompetenz ins Haus geholt, beschleunigte dies die Sportdirektoren-Suche offensichtlich auch nicht.

Scheinbar waren sich die Herren vom Aufsichtsrat nicht zu schade, an jeden noch so unrealistischen Kandidaten heranzutreten, ehe man einsah, dass man als Zweitligist schlechte Karten besitzt, wenn man den Manager eines Bundesligavereins oder den eines Vereins, der international vertreten ist, in einer Phase versucht loszueisen, in der ein Ehrenmann seinen aktuellen Verein nicht im Stich lässt.

Der Aufsichtsratsvorsitzende Martin Schäfer stellte stets DIE große Lösung in Aussicht, weshalb auch ich mich in Geduld übte und nach dem Ausscheiden der deutschen Elf in und gegen Frankreich ernsthaft von Oliver Bierhoff träumte. Dieser war wegen seiner Nähe zu Mercedes schon häufiger beim VfB im Gespräch und gehört zudem zum Schickhardt-Klientel, so dass diese große Lösung nicht so ganz abwegig zu sein schien. Vom Typen her und dem, was er bislang im Profifußball geleistet oder auch nicht geleistet hat und dazu noch keinerlei Bezug zum VfB hat, war ich nicht unbedingt begeistert, wenngleich seine Verpflichtung dem VfB auf Anhieb eine größere Strahlkraft verliehen hätte und er durch seine Kontakte Spieler zum VfB hätte lotsen können, von denen wir derzeit nicht zu träumen wagen. Einen gewissen Charme hätte diese große Lösung also durchaus besessen.

Wohl um in der wichtigsten Zeit der Saison, nämlich der in der die Saison geplant werden sollte, nicht noch mehr Zeit zu verlieren, holte man mehr als sechs Wochen nach Dutts Entlassung Jan Schindelmeiser aus der Versenkung zurück, einen Mann also, der schon sechs Jahre lang kein Amt im Profifußball mehr bekleidete. Zunächst einmal positiv ist es schon mal, dass nach den Novizen Heldt, Bobic und Dutt jetzt einer kommt, der bereits Erfahrungen als Manager im Profifußball vorzuweisen hat. Dennoch bleiben Fragezeichen zurück, wieso es denn so lang dauerte, einen Vereinslosen vom Kommen zu überzeugen.

Da weder die VfB-Verantwortlichen noch Schindelmeiser selbst eine Erklärung über den langen Zeitablauf abgegeben haben, bleibt das Gschmäckle zurück, dass Schindelmeiser wohl eher „Plan“ E oder F war und man ihn erst kontaktierte, als man begriffen hatte, dass man doch nicht mehr die ganz große Nummer im deutschen Fußball ist.

Dennoch gehe ich an die Personalie Schindelmeiser absolut unbelastet ran und bin guter Hoffnung, dass er mit seinen Kontakten in alle Teile der Welt das eine oder andere Talent zum VfB lotsen kann und den VfB langfristig zurück in die Spur bringt.

Da dem VfB in der 2. Liga bis zu 40 Millionen Euro fehlen werden, lautete die oberste Maxime zunächst, den Kader auszudünnen und alles zu verkaufen, was Geld einbringt. Die Kaufoption des AS Rom für Antonio Rüdiger spülte neun Millionen Euro in die Kassen, Timo Werner deren zehn, Kostic etwa 14 Millionen, Lukas Rupp geschätzte sechs Millionen sowie Serey Dié noch einmal 1,5 Millionen, so dass damit und vor Steuern gerade einmal jene 40 Millionen Euro auf der Einnahmenseite stehen, die es einzusparen galt und womit demzufolge auch keine großen Einkaufstouren möglich sein dürften.

Diese Abgänge tun mir allesamt Leid. Timo Werner dürfte die Luftveränderung gut tun und dazu beitragen, dass er sich von seinem Elternhaus ein Stück weit abkapselt und selbständiger wird. Die Kindermädchen-Aussage Zornigers war ja nicht aus der Luft gegriffen, Werners Vater begleitete Timo auf Schritt und Tritt und wenn eine nicht öffentliche Trainingseinheit angesetzt war, war er im Daimler-Parkhaus anzutreffen, von wo aus er die Einheiten dennoch verfolgte.

Da der Prophet im eigenen Land nichts zählt, hatte es Timo zudem schwer beim VfB. Einer, dem der VfB am Herzen liegt, Mitglied der Abstiegsmannschaft ist und durch vergebene Großchancen bspw. gegen Hannover 96 auch noch maßgeblichen Anteil am Absturz hat, leidet besonders.

Mangels Führungsspielern fehlte ihm die Unterstützung auf und neben dem Platz und wohl auch vom Verein. Dass ihn Dutt letzten Sommer wie Sauerbier in England anbot, ist ein offenes Geheimnis, dass ihn Zorniger hart ran nahm, bekannt, dass ihn danach keiner im Verein in den Arm nahm, bedauerlich – für ihn.

Dass er aber auch bei den Fans einen schlechten Stand hatte und als Sündenbock herhalten musste, fand ich schade. Für mich genoss er als Eigengewächs mit seinen gerade einmal 20 Jahren noch Welpenschutz und ich hätte seine Entwicklung gerne weiter beim VfB verfolgt.

So geht er nun zu Red Bull, das nach Albeck, Schrof, Rangnick, Jochen Schneider und einigen anderen mehr nun auch noch unsere Torwarttrainer-Legende Ebo Trautner nach Sachsen gelockt hat. In Leipzig wissen sie ganz genau, welche Kronjuwelen sich in unserem Reservoir tummeln, Timo Baumgartl dürfte der nächste sein, nach dem Red Bull die Fühler ausstreckt.

Von Lukas Rupp bin ich sehr enttäuscht. Mit Paderborn abgestiegen, mit Stuttgart abgestiegen, jeweils weitergezogen und sich dabei, zumindest finanziell, noch verbessert. Scheiß Spielergeneration, scheiß Söldner, ihm kann ich beim besten Willen kein Glück für die Zukunft wünschen und rate ihm daher nur, sich in Stuttgart nie mehr blicken zu lassen.

Filip Kostic dagegen wollte Champions League spielen und kickt nun – beim HSV. Was sich wie ein Treppenwitz anhört, ist nun Realität. Träumten wir zeitweise von 25 Millionen Euro, die er in die klamme Kasse hätte spülen können, wäre er bspw. nach Liverpool gewechselt, müssen wir nun mit gerade einmal gut der Hälfte vorliebnehmen.

Weshalb er diesen Wechsel, gerade nach Hamburg, so vehement forcierte und Wolfsburg, die wohl mehr an Ablöse zu zahlen bereit gewesen waren, eine Absage erteilte, wird nur er wissen. Wie immer wird es dabei um das Gesamtpaket und nicht nur um die schönere Stadt gegangen sein.
Es ist davon auszugehen, dass der Hamburger Mäzen Kühne die Geldschatulle für „seinen“ Wunschspieler derart weit aufgemacht hat, dass Kostic das internationale Geschäft geflissentlich am Allerwertesten vorbei geht und ihm dafür beim Anblick seines Gehaltszettels Monat für Monat einer abgeht.

Dem HSV kann man schon mal viel Spaß mit dem Balkanesen wünschen, der sich auch dort nach zwei, drei guten Spielen wieder zu Höherem berufen fühlen wird. Sportlich gesehen ein herber Verlust für uns, wenngleich es von Anfang an unrealistisch war, dass wir mit ihm in die 2. Liga gehen würden, menschlich aber ist der dem HSV durchaus zu gönnen.

Serey Dié hingegen hatte ich, auch nach seinen eigenen Aussagen, als wichtige Korsettstange für die 2. Liga angesehen. Er wechselte jedoch zurück zum FC Basel, angeblich aus familiären Gründen. Auch wenn ich mir ziemlich sicher bin, dass wir nicht abgestiegen wären, hätte Dié die letzten Spiele zur Verfügung gestanden, trauere ich ihm nicht besonders arg hinterher. Er hatte riesen Böcke in seinem Spiel, die zu Gegentoren führten, ist mit seinen 31 Jahren nicht mehr der Schnellste, verletzungsanfällig und stets für eine Rote Karte gut. Diese Lücke wurde durch Hosogai meiner Meinung nach gut geschlossen.

Wie Kostic zog es auch Arianit Ferati zum HSV, der ihn jedoch umgehend zu Fortuna Düsseldorf verlieh. Als ich Ferati vor zwei Jahren als 16-jährigen mit dem Profikader im Zillertal wirbeln sah, war ich begeistert und war guter Dinge, dass er das Zeug zu einer großen Karriere haben würde.

Der Aufschrei in den Foren war dementsprechend groß und der Vorwurf wurde mal wieder laut, der VfB verkaufe seine komplette Jugendabteilung, ohne den Jungs eine faire Chance oben gegeben zu haben. Das ist so jedoch nicht richtig. Talent allein reicht nicht aus, um es nach ganz oben zu schaffen. Früher verlangte man von jungen Spielern, dass sie den gestandenen die Koffer tragen und die Schuhe putzen, heute fasst man sie mit Samthandschuhen an und muss stets drauf achten, ja alle gleich zu behandeln, damit die Mimosen nicht in Depressionen verfallen.

Diese neue Denke regte mich schon bei Fußball-Professor Rangnick Ende der 90er-Jahre auf, als er seinen Dienst bei uns antrat und Balakov seine Sonderrechte so weit strich, bis dieser keine Lust mehr hatte. Sich Hochzudienen kennen die Wohlstandsjünglinge überhaupt nicht mehr, ich find’s schade, weil schon dadurch Hierarchien klar abgesteckt waren und die Jüngeren noch Respekt vor den Älteren hatten.

Jungprofis wie Ferati „verdienen“ bereits in Zeiten, in denen sie allenfalls bei den Amateuren zum Zug kommen, über 500.000 Euro im Jahr, fahren die fettesten Autos zu günstigsten Leasingkonditionen vom Nachbarn mit dem Stern und haben es dadurch natürlich auch schwer, die Bodenhaftung zu bewahren. Ein Ferati soll, wie man so hört, unheimlich arrogant und zudem stets mit großem Familienclan aufgetreten sein, so dass es für einen Verein dann eben auch mal heißen muss, lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende. Schon Labbadia beklagte, als er 2012 bei uns im Fanclub zu Gast war, die Familien- und Berater-Clans der jungen Spieler, die dem Verein die Pistole auf die Brust setzen und mit Weggang drohen, wenn ihr Sprössling nicht regelmäßig spielt, weil ein jeder davon überzeugt sei, einen Messi großgezogen zu haben.

Das ist ein generelles Problem mit der heranwachsenden Spielergeneration und so verwunderte es mich auch überhaupt nicht, dass die Amateure sang- und klanglos abgestiegen sind, wenn auserkorene Führungsspieler wie Vier, Grüttner und Rathgeb an dieses Jungs nicht herankommen, weil sie, auch finanziell, in ganz anderen Sphären schweben. Entweder, solche Spieler integrieren sich in eine Mannschaft und stellen ihr eigenes Ego hintenan oder sie werden als ewiges Talent in die Annalen eingehen, ein Manuel Fischer lässt grüßen.

Bei den Zugängen hingegen hat sich weit weniger getan, so dass der Kader, wie er jetzt zum Ligastart dasteht, beileibe nicht der Weisheit letzter Schluss sein kann. Jens Grahl kam von der Autobahnraststätte Kraichgau an den Neckar. Seine Verpflichtung kann ich nicht nachvollziehen. Unmittelbar mit dieser Verkündung brachte ich sie in Zusammenhang mit einem doch noch möglichen Weggang von Mitch Langerak.

Grahl äußerte zu Hoffenheimer Zeiten Abwanderungsgedanken, weil er nicht ewig auf der Bank sitzen wollte, daher, für mich unlogisch dieser Transfer, zumal ich als Reservetorhüter lieber Uphoff gesehen hätte. Welchen Sinn es macht, in der selbsternannten Torhüterschmiede schon seit längerer Zeit auf erfahrene Reservekeeper zu setzen, verstehe ich nicht. Hätte Schalke einst hinter Rost auch auf einen erfahrenen Mann gesetzt, wäre ein Manuel Neuer wohl dort nie zum Zuge gekommen.

Für mich macht man hier eine total unnötige Baustelle auf. Grahl dürfte auf der Stuttgarter Bank nicht viel glücklicher werden, als auf der beim badischen Nachbarn, während unsere Talente aus der zweiten Reihe schnell merken werden, dass sie über die Rolle des Amateurkeepers in der Regionalliga bei uns wohl nie hinauskommen werden, so dass sie ihr Glück irgendwann woanders versuchen.

Sonst kamen noch die ehemaligen Luhukay-Schützlinge Hajime Hosogai und Tobias Werner zum VfB. Da Luhukay weiß, wie Aufstieg geht und er auch weiß, welche Typen dem VfB noch fehlen, gestehe ich ihm diese beiden Mosaiksteine gerne zu. Jos weiß, was er an ihnen hat und die Spieler wissen, was sie an ihm haben, nicht die schlechteste Konstellation für eine fruchtbare Zusammenarbeit, zumal es sich um erfahrene Spieler handelt.
Anto Grgic kam vom Schweizer Absteiger FC Zürich zum VfB. Er ist ein entwicklungsfähiges Talent mit guter Technik, einem guten Auge und einem guten Schuss. Irgendwo habe ich gelesen, in der Schweiz vergleiche man ihn mit dem jungen Xhaka, lassen wir die Kirche erst mal im Dorf und legen die Messlatte nicht zu hoch, ich verspreche mir aber schon einiges für die Zukunft von dem Jungen.

Kaminski macht in der Innenverteidigung einen soliden Eindruck und sollte im Moment, zusammen mit Timo Baumgartl, die Nase vorn haben. DER Abwehrchef, den wir seit Jahren suchen und nicht finden, scheint er mir aber auch nicht zu sein.

Jean Zimmer ist zweitligaerfahren und kann ein richtiger Giftzwerg sein und verfügt zudem über einen guten Schuss. In der Vorbereitung fand ich ihn jetzt noch nicht so stark, wie ich ihn schon in Kaiserslautern gesehen habe, er hat noch reichlich Luft nach oben.

Der Königstransfer (bisher) ist zweifelsohne Simon Terodde. Ein toller Typ, der in nahezu jedem Testspiel traf und das gewisse Etwas hat, das man sich von einem Mittelstürmer wünscht. Es ist schon verwunderlich, dass er sich trotz einiger lukrativerer Angebote für den VfB entschieden hat. Zudem ist Terodde mit seinen 28 Jahren absolut geerdet und ein offener, sympathischer Typ.

In Anbetracht der zahlreichen Ab- und überschaubaren Zugänge liegt es auf der Hand, dass die Personalplanungen längst nicht abgeschlossen sein können. Um zu diesem Schluss zu kommen, genügt bereits ein Blick auf das Mannschaftsposter und auch auf den Kader, der die Testspiele und das Trainingslager bestritt. Da waren jeweils fast genauso viele Youngster wie Spieler mit Perspektive Startelf am Start, die meisten davon wohl in erster Linie, um den Kader aufzufüllen.

Von den noch verbliebenen Absteigern stehen noch immer die möglichen Abgänge von Emiliano Insúa und auch Florian Klein im Raum. Während ein Wechsel Insúas schon allein deshalb logisch erschiene, weil er in den letzten sechs Jahren sechs Vereine hatte, scheiterte der von Florian Klein vornehmlich daran, dass er wider (eigenem) Erwarten nicht der ganz große EM-Star wurde.

Klein, der in der Vergangenheit kaum eine Gelegenheit ausließ, gegen das „verwöhnte“ Stuttgarter Publikum zu hetzen und einer ordentlichen ersten, eine katastrophale zweite Saison folgen ließ, kartete kurz vor Beginn der Euro noch einmal nach, er fühlte sich missverstanden und ungerecht behandelt.

Dass er, zusammen mit seinem mittlerweile in Hannover beschäftigten Landsmann, maßgeblichen Anteil daran hatte, dass die Saison diese Richtung einschlug, verschwieg er, wie auch die Tatsache, dass er in der Rückrunde seinen Stammplatz aus Leistungsgründen an Kevin Großkreutz verlor, was Klein, der massiv an Selbstüberschätzung leidet, partout nicht einsehen wollte.

Während Harnik reihenweise Hundertprozentige liegen ließ, war es Klein, der uns durch seinen völlig unnötigen Platzverweis in Hamburg auf die Verliererstraße brachte und danach mehr Unsicherheitsfaktor als Stabilisator war.

Als Harnik und Klein dieses Interview gaben, war Harnik wegen seines auslaufenden Vertrages ohnehin bereits weg und auch Klein fühlte sich zu Höherem berufen und dachte wohl im Traum nicht daran, noch einmal zum VfB zurückkehren zu müssen.
Zu diesem Zeitpunkt war er ja auch inmitten der Elite des europäischen Fußballs angekommen, Mitglied des österreichischen Dream-Teams und selbsternannter Geheimfavorit der Europameisterschaft.

Dumm nur, dass Österreich von den noch größeren Fußballnationen Ungarn und Island mit als erste aus dem Turnier gekegelt wurde und es einem Florian Klein plötzlich mit Schweißperlen auf der Stirn bewusst wurde, dass er doch nicht DER EM-Star, sondern nur ein kleiner Zweitligafußballer ist. Da nach den grandiosen Leistungen der Alpenrepublik die Interessenten für Klein nicht gerade Schlange standen und der Vertrag beim VfB doch noch lukrativ genug zu sein scheint, um dann eben hier zu bleiben, kehrte Klein eben, Nomen est omen, kleinlaut zurück.

Für ihn kann man nur hoffen, dass sich doch noch ein Abnehmer findet und er die Biege macht oder dass der VfB ihm, falls nicht, einen gut bezahlten Tribünenplatz in Aussicht stellt. Hinten rechts sind wir, auch ohne Klein, mit Großkreutz, Zimmer und Zimmermann ausreichend besetzt.

Sollte Insúa noch einen Verein finden und uns verlassen, bräuchten wir noch einen Linksverteidiger, der in Konkurrenz zu Heise tritt. Im defensiven Mittelfeld sind wir mager besetzt, ebenso auf den offensiven Außenbahnen und auch im Sturm, vor allem dann, sollte Terodde während Ginczeks Absenz einmal ausfallen.

Viel Arbeit also noch für Schindelmeiser und Luhukay, bis zum 31.08. einen aufstiegsfähigen Kader auf die Beine zu stellen und auch, um bis dahin nicht zu viel Boden zu verlieren, stehen doch schon drei Ligaspiele und das Pokalspiel in Homburg im August auf dem Plan.

Manch einer legt es Schindelmeiser negativ aus, weil dieser schon zum Amtsantritt warnte, dass der derzeitige Kader nicht zu Aufstiegshoffnungen berechtigt. Ich werte das eher positiv, weil er damit den Verein wachrüttelt und zum Handeln zwingt, denn, alles andere als den sofortigen Wiederaufstieg kann und darf sich der VfB nicht leisten. Luhukay und Kapitän Gentner schlagen in dieselbe Kerbe, ich hoffe, Letzterer äußert diese Vorbehalte nicht nur, um schon wieder ein Alibi zur Hand zu haben.

Egal, wer am Montag antritt, man muss von der ersten Minute spüren, dass wir nicht in diese Liga gehören. Der Rasen muss brennen, St. Pauli muss niedergerungen werden. Der VfB genießt derzeit bei den Fans einen gewaltigen Vertrauensvorschuss. Steigende Mitgliederzahlen, über 25.000 verkaufte Dauerkarten und bereits 54.000 verkaufte Tickets für das Spiel gegen die Kiezkicker.

Diese Euphorie muss der VfB aufnehmen und am Leben erhalten. Das Publikum ist heiß und bei weitem nicht so verwöhnt, wie ihm manchmal vorgeworfen wird. Es möchte lediglich eine Mannschaft sehen, die sich zerreißt, die als Team auftritt, die sich konzentriert, die Spaß an ihrem Beruf hat, dann kommt alles andere von allein und dann akzeptiert der „verwöhnte“ Fan auch eine Niederlage, wenn man spürt, dass die Truppe alles versucht hat, der Gegner an diesem Tag aber besser war. Die Voreichen stehen gut für eine neue Zeitrechnung, es liegt am Verein und seinen Angestellten diese Chance zu nutzen.

Für das St. Pauli Spiel plagen den VfB, unabhängig davon, dass der Kader bei weitem noch nicht steht, große personelle Sorgen. Kevin Großkreutz fällt weiter aus. Inzwischen räumt er ein, dass es ein großer Fehler war, gegen Mainz im vorletzten Saisonspiel noch einmal aufgelaufen zu sein. Für mich war es ebenso ein Fehler ihn in Ingolstadt bis zum Abpfiff auf dem Platz zu belassen, wie dass man Serey Dié in Darmstadt angeschlagen nicht frühzeitig herunter nahm. Wer das so entschieden hat, ob Kramny, Dutt, Dr. Best oder die Spieler selbst, weiß ich nicht.

Es liegt jedoch die Vermutung nah, dass die Verletzungen und Ausfallzeiten der beiden nicht so lang ausgefallen wären, wenn man rechtzeitig reagiert hätte. Ärgerlich, da uns deshalb gerade diese beiden Kämpfernaturen im Saisonfinale (fast) gänzlich gefehlt haben und somit kein einziger mehr auf dem Rasen stand, der sich gegen den Abstieg gewehrt hätte. Sport 1 hatte in dieser Woche gemutmaßt, Großkreutz könne noch bis zum Oktober fehlen, was dieser umgehend dementierte. Die Meldungen von gestern, dass Großkreutz „bis auf weiteres“ individuell trainiere, schüren jedoch nicht gerade Hoffnung auf eine schnelle Rückkehr.

Timo Baumgartl fällt ebenso aus wie Tobias Werner. Dessen Ausfall ist natürlich der bitterste. Nicht, weil er gerade erst mit großen Hoffnungen verknüpft vom FC Augsburg gekommen ist, sondern, weil seine Frau am Tag nach der Verpflichtung eine Totgeburt ihres gemeinsamen Sohnes erlitt, und die Familie Werner somit momentan ganz andere Sorgen hat. Ihm muss man nun die Zeit einräumen, die er braucht, um gemeinsam mit seiner Frau diesen Schicksalsschlag zu verkraften. Dafür wünsche ich ihm von Herzen alles Gute.

Auch wenn wir ohnehin dünn besetzt sind und für das St. Pauli Spiel auch noch zahlreiche Ausfälle zu verkraften haben, Bange machen gilt nicht. Wir werden so oder so eine überdurchschnittliche Zweitligamannschaft auf dem Rasen haben, die imstande sein sollte, St. Pauli zu schlagen. Mit Namen wie z. B. Langerak, Zimmer, Sunjic, Kaminski, Insúa, Hosogai, Gentner, Grgic, Wanitzek (Besuschkow), Maxim, Terodde brauchen wir uns vor St. Pauli nicht zu verstecken. Bei nahezu ausverkauftem Haus wird die Hütte beben, es liegt an der Mannschaft, diesen Rückenwind aufzunehmen und St. Pauli keine Luft zum Atmen zu lassen.

Wichtig wird es sein, dass diejenigen, die spielen, die Ausfälle nicht als Alibi ansehen, sondern als ihre eigene Chance, sich in der Truppe festzuspielen. Der eine oder andere vielversprechende Youngster, der bereits in der Vorbereitung auf sich aufmerksam machte, dürfte auf der Bank Platz nehmen und vielleicht schon im ersten Spiel die große Chance erhalten, Eigenwerbung zu betreiben.

Sehr gespannt bin ich darauf, wie Alexandru Maxim diese neue Liga annehmen wird und wie er sich präsentiert. Ihm muss mehr als allen anderen eingebläut werden, dass es in der 2. Liga mit Schönspielerei allein keinen Blumentopf zu gewinnen gibt. Versucht er es dort auch mit Hacke, Spitze, eins, zwei, drei, werden ihm seine Gegenspieler auf die Socken hauen und die gegnerischen Fans begeistert johlen. Darauf muss er sich einstellen und endlich sein Heulsusen-Image ablegen.

Die 2. Liga stellt für alle Neuland dar, für die Spieler, aber auch für uns Fans. Die Anstoßzeiten sind gewöhnungsbedürftig, die Stadien zwar kleiner und trotzdem eher selten ausverkauft. So ist es für mich ein ganz neues Gefühl, fast überall problemlos außerhalb des Gästeblockes an Karten zu kommen und mich dabei zu wundern, dass es hie und da auch auf der Haupttribüne Stehplätze zu erwerben gibt. Ich freue mich darauf, auf die Liga und auch dass es endlich wieder losgeht.

Ich freue mich auch, dass die letzten Jahre passé sind und wir unbelastet und runderneuert in das Abenteuer 2. Liga starten. Dass ich die meisten Gesichter des Niedergangs nicht mehr sehen muss und dass es vermutlich einige Siege mehr zu feiern geben wird als zuletzt.

Dass der VfB hoffentlich wieder vornehmlich in der Spitzengruppe anzutreffen ist und dass wir im nächsten Sommer, genau zehn Jahre nach der Meisterschaft, möglicherweise wieder eine Meisterschaft oder zumindest den Wiederaufstieg feiern dürfen.

Dazu muss vieles zusammen passen, doch, sind wir mal ehrlich, von den Voraussetzungen her sind wir der FC Bayern der 2. Liga und haben mehr Potential und einen besseren Kader als jeder Ligakonkurrent. Diesen Vorteil müssen wir für uns nutzen, jetzt oder nie, neige ich fast zu sagen, denn, wer es im ersten Jahr nicht schafft, hat es im zweiten ungleich schwerer.

Daher ist der Wiederaufstieg Pflicht, mit etwas anderem beschäftige ich mich nicht, schon gar nicht vor dem ersten Spiel. Der Aufstieg ist alternativlos, das muss jedem Verantwortlichen und jedem Spieler eingebrannt sein, es gibt nur dieses eine Ziel, je vehementer sie dran glauben, desto wahrscheinlicher ist es, dass wir schon in einem Jahr wieder Bundesliga-Touren planen.

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6. Mai 2016

(Halb-)Finale furioso! Alle in Weiß zum Heimspiel gegen Mainz.

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , – Franky @ 12:01

Ich weiß, die Fanszene ist gespalten. Zwischen Resignation, Lethargie, Frust, Gleichgültigkeit, Hoffnung und Überzeugung schwanken die Gemüter.

Gestern hat unser Mentalitätsspieler Kevin Großkreutz einen rausgehauen und die Fanszene damit erfreut und ihr neue Hoffnung gegeben. Er wird wieder dabei sein, er tritt die Jungs in den Hintern, dass sie noch einmal alles raushauen und sich nicht ergeben wie zuletzt. Er bringt die Hoffnung zurück, die Hoffnung dass gegen Mainz eine Mannschaft auf dem Platz stehen wird, die sich zerreißen wird und dass kein Einzelner den Makel des erstmaligen Abstiegs unseres VfB seit 41 Jahren in seiner Vita stehen haben möchte.

Das Spiel morgen ist losgelöst von denen der letzten Wochen zu betrachten. Es ist DIE Chance, eine ganze Saison zu retten und die Weichen für eine bessere Zukunft zu stellen. Nach der Saison ist noch genügend Zeit, nachzukarten und getroffene und zu treffende Entscheidungen zu hinterfragen und zu kritisieren. Diese Saison muss und wird aufgearbeitet werden, sonst haben die Herren an der Mercedesstraße keine ruhige Minute mehr. Morgen zählt das alles aber nicht! Morgen geht es um den VfB und nicht um seine handelnden Personen.

Morgen muss die Hütte brennen! Morgen muss das gesamte Stadion wie eine Wand hinter dem VfB stehen, und zwar stehen, im wahrsten Sinne des Wortes und möglichst auf allen Tribünen. 90 Minuten Rambazamba, 90 Minuten alles geben für den VfB.

An uns Fans soll und darf es nicht liegen! WIR sind der 12. Mann, WIR sind der VfB! Kommt alle in weiß gegen Mainz und unterstützt die Mannschaft.

Morgen muss jeder Farbe bekennen und sich die Kehle aus dem Leib schreien. Alles, was war, ist und sich ohnehin an der Tabelle ablesen ist, zählt morgen nicht. Es steht eines von zwei Endspielen an, nach Dutt’scher Redensart Halbfinale und Finale.

Lasst uns ins Finale einziehen, alle gemeinsam, alle für den VfB, alle für den Ligaerhalt, alle für ein 40. Jahr Bundesliga am Stück.

Wir stimmen uns zur Feier des Spieltags wie immer vor dem letzten Heimspiel auf dem Stuttgarter Partyfloß chartered by OFC Leintal-Power 05 auf das Spiel ein. Ein gutes Omen! Die wichtigen Spiele, in denen es noch um etwas ging, haben wir danach stets für uns entschieden.

Also auf geht’s, schon heute Eure Stimmen und haut morgen noch mal alles raus!

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4. Januar 2016

Jahresrückblick 2015: Juli bis September

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , , , , – Franky @ 19:55

Trikotlaunch im Robert-Schlienz-Stadion

Die Saisonvorbereitung begann mit großem Tam-Tam am 29.06. im Robert-Schlienz-Stadion. Der offizielle Trikot-Launch lockte knapp 4.000 Neugierige auf den Wasen an einem brütend warmen Tag. Das Geheimnis um die neuen Trikots, die nach mehr als 40 Jahren endlich wieder den traditionellen durchgängigen Brustring aufweisen, wurde endlich gelüftet, und man muss durchaus sagen, dass alle drei Trikots wirklich gut gelungen sind. Das Training glich einem Showtraining mit der Vorstellung einiger Neuen, die Nationalspieler freilich, die bis weit in den Juni hinein Länderspiele zu absolvieren hatten, fehlten noch.

Schon vorher stand die mit Spannung erwartete Pressekonferenz mit Alexander Zorniger an, der sich erstmals über seine anstehende Trainertätigkeit beim VfB äußerte. Er machte einen äußerst motivierten Eindruck und ihm war anzumerken, dass er mit Elan und Vorfreude an diese schwierige Aufgabe herangeht, um den VfB mittel- und langfristig aus der Talsohle herauszuholen.

Fürs Tor rief er einen offenen Konkurrenzkampf aus, und klärte auf, während der Vorbereitung zwei Systeme einstudieren zu wollen, er lobte die vorhandene Offensivabteilung und versprach in der so anfälligen Defensive die Hebel ansetzen zu wollen. Er freue sich, nicht nur weil er in der Heimat sei, sondern auch, weil er bei uns den Fußball umsetzen dürfe, für den er stehe. Personell halte man weiterhin die Augen offen, wer den VfB noch verlassen soll und auch wer dazukommen und uns sofort weiterhelfen könnte.

Zu- und Abgänge

Robin Dutt kritisierte ja bereits nach Saisonende die Kaderzusammenstellung und kündigte große Veränderungen an, bereitete die Öffentlichkeit aber auch darauf vor, dass einige Spieler da wären, „für die es keinen Markt gäbe“, so dass der Kaderumbau durchaus einige Transferperioden in Anspruch nehmen könnte.

Neben Kimmich und Ulreich, die ich bereits thematisiert habe, verließen den VfB etliche weitere Spieler während der Sommertransferperiode, die ich ohne die Chronologie des Zu- bzw. Abgangsdatums an dieser Stelle kommentiere, soweit es etwas zu kommentieren gibt.

Mohammed Abdellaoue: wechselte zurück in seine norwegische Heimat zu Vålerenga Oslo.

Er wer der Königstransfer von Fredi Bobic zur Saison 2013/2014, immerhin 3,5 Millionen Euro legte man auf den Tisch des Hauses von Hannover 96. Dafür machte er in zwei Jahren 12 Bundesligaspiele und gerade mal fünf von Anfang an, bei denen ihm ein (!) Tor gelang. Für mich bedauerlich, wie es mit ihm, der zum Schluss zu allem Überfluss auch noch mit einigen schwereren Verletzungen zu kämpfen hatte, gelaufen ist. Mo steht ein wenig für eine völlig verkorkste Transferpolitik von Fredi Bobic, der Spieler holte, weil sie zu haben waren und nicht, weil der VfB gerade eine Planstelle freigehabt hätte. Zu jener Zeit war Ibisevic unumstrittener Stamm-Mittelstürmer und Abdellaoue sollte sein Backup sein. Abgesehen davon, dass Labbadia damals ohnehin nur mit einer Spitze agieren ließ, wären sich die Spielertypen auch zu ähnlich gewesen, um beide zusammen zu bringen. Wer sich schon zu 96-Zeiten mit Abdellaoue beschäftigt hat, weiß, dass er ein sensibler Spieler ist und Vertrauen spüren muss, welches beim VfB nie vorhanden war. Man überließ ihn sich selbst, woran er schließlich verkümmerte. Ich hatte mir damals mehr von ihm erhofft, hatte er doch glänzende Zeiten zusammen mit Didier Ya Konan zu Hannoverschen Europaleague-Zeiten.

Karim Haggui: wechselte in die 2. Liga zu Fortuna Düsseldorf

Kam zur gleichen Zeit wie Abdellaoue von Hannover 96 und kam, wie Abdellaoue auch, bei den Profis nur in seiner ersten von zwei Spielzeiten überhaupt zu Einsätzen. „Stolze“ neun Einsätze hat er vorzuweisen, gerade vier davon von Anfang an. Für einen Backup ohnehin zu teuer gewesen, seinerzeit hätte man auch Benedikt Röcker fördern können, dem man einen Profivertrag gab, weil man offensichtlich von seiner Entwicklungsfähigkeit überzeugt war, um ihn kurze Zeit später abzuschieben.

Vedad Ibisevic: War lange die Lebensversicherung des VfB und schoss in 86 Spielen 33 Tore im Brustringtrikot, sein letztes datierte allerdings vom Januar 2014. Spätestens seit seiner Tätlichkeit gegen Augsburg mitten im Abstiegskampf und durch seine lustlose und foule Gangart auf dem Platz war er bei großen Teil der Fans und wohl auch der Mannschaft unten durch. Trotzdem verlängerte Bobic kurz vor seiner Entlassung seinen ohnehin fürstlich dotierten Vertrag zu verbesserten Bezügen, was der Spieler indes nicht dankte. Kurz vor Schließung des Transferfensters wurde er zur Berliner Hertha verliehen, der VfB zahlt nach Medienberichten dennoch jährlich weiterhin 1,4 Millionen Euro seines Gehalts und das noch bis zum Vertragsende 2017. Ein Geschäft, das man zu diesen Konditionen nicht hätte eingehen dürfen, hat man doch in Ginczek nur einen (verletzungsanfälligen) Stoßstürmer im Kader, außerdem machte Ibisevic während der Sommervorbereitung einen guten Eindruck und wirkte nicht so, als wäre er der Stinkstiefel den man unbedingt loswerden müsste. Wie man weiß, grüßt die Hertha zur Winterpause von einem Champions-League-Platz, woran Ibisevic einen nicht unerheblichen Anteil hat.

Thorsten Kirschbaum: wechselte zum 1. FC Nürnberg und sollte dort Raphael Schäfer beerben. Ähnlich wie bei seinen Chancen beim VfB ein Unsicherheitsfaktor, so dass inzwischen Schäfer wieder die Nummer 1 beim Club ist.

Tim Leibold: ging auch zum Club. Ihm traute man den Schritt nicht zu, obwohl die linke Außenverteidigerposition beim VfB schon lang eine Problemzone ist. Spielt beim Club eine gute Rolle und hat großen Anteil daran, dass die Franken inzwischen auf dem Relegationsplatz zur Bundesliga stehen.

Moritz Leitner: war für zwei Jahre vom BVB an den Neckar verliehen und unterstrich, weshalb ihn u. a. Rainer Adrion aus dem Kader für die U21-EM strich. Charakterlich eine Null, er denkt, Wunder was, was er sei, dabei kann er gerade mal kicken und würde sonst wohl ein Dasein in der Gosse fristen. Unfreundlich, unverschämt, hochnäsig, arrogant, frech und auf dem Platz eine Diva und kein Kämpfer. Also geradezu prädestiniert für den Abstiegskampf. ;-)
Auch an dieser Stelle wieder ein Vorwurf an Bobic, der dieses Problemkind überhaupt zu uns lotste. Es spricht ja nichts dagegen, problembehaftete Mannen zu holen, dann aber muss man das Ziel haben, den Spieler auf den richtigen Weg zu bringen und sich um ihn mehr als um andere Spieler kümmern und den Spieler auch in der Freizeit genau im Auge behalten. Leitner hat beim VfB nie den Abstiegskampf angenommen, war nur groß im Party-Bilder posten und hat den Ernst des Profifußballer-Lebens noch immer nicht begriffen. Die Quittung: mittlerweile spielt er bei den BVB-Amateuren in der Regionalliga.

Konstantin Rausch: ging zum Aufsteiger Darmstadt 98, und überzeugte dort von Beginn an mit seinen Flügelläufen und seinen gefährlichen Standards. Kam mit Haggui und Abdellaoue 2013 zum VfB und kam in seiner ersten Saison auf 21 Spiele, zuletzt jedoch nur noch auf vier und die alle als Einwechselspieler.
Ähnlich wie Abdellaoue zählt auch Rausch zu den Spielern, die ein harmonisches Umfeld und Vertrauen brauchen, um ihre Leistung zu bringen. Das war beim VfB nie gegeben. Obwohl Sakai auf links Woche für Woche unter Beweis stellte, dass die Bundesliga eine Nummer zu groß für ihn ist, bekam Rausch kaum einmal eine Chance. Weder hinten, noch links offensiv, auch nicht zu Zeiten, an denen eher defensiv gedacht wurde und auch noch Kostic außen vor war. Ich fand es immer schade, weil ich ein Faible habe für Spieler, die Standards gut treten und auch mal aus dem Spiel heraus abziehen können. Rausch kündigte ob der Umstünde früh innerlich und vergrub sich in sein Schneckenhaus. Er beklagte sich einmal nach einem Training, dass immer nur dieselben spielen würden…

Oriol Romeu: nach Leihe zurück zu Chelsea, von wo er gleich zum FC Southampton weitergereicht wurde. Begann vielversprechend, auch wenn er gleich zu Beginn in Co-Produktion mit Ulreich das Pokal-Aus in Bochum zu verantworten hatte. Danach jedoch keiner, der den Abstiegskampf bedingungslos angenommen hatte. Das ist das Problem bei Leihspielern, die wissen, dass sie ohnehin nach der Saison wieder weg sind, die ganz große Identifikation mit dem Verein fehlt, außerdem hätte ein Abstieg für sie persönlich keinerlei Konsequenzen.

Antonio Rüdiger: wechselte, zunächst auf Leihbasis, zum AS Rom

Rüdiger verkündete bereits kurz nach Saisonende, dass er von einer Ausstiegsklausel Gebrauch machen wolle, da er sich zu Höherem berufen fühle, als ständig mit dem VfB gegen den Abstieg zu spielen. Lang stand als Ablösesumme 18 Millionen Euro im Raum, Vereine wie der VfL Wolfsburg, Manchester United und der FC Chelsea würden Schlange stehen. Während der Vereinssuche trennte sich Rüdiger von seinem Berater Uli Ferber und wechselte zu seinem Halbbruder Sahr Senesie. Dieses Gangsta-Rap-Duo sollte nun binnen kürzester Zeit mit unseriösen Handgeldforderungen die Branche vergraulen, so dass ein potentieller Interessent nach dem Anderen Abstand von deren Geschäftsgebaren nahm. Dem VfB indes blockierte diese Hängepartie die weiteren Planungen, zum einen wusste man nicht sicher, ob der Spieler tatsächlich geht und man Ersatz für ihn holen muss, zum anderen war unsicher, ob man mit Einnahmen aus einem Rüdiger-Deal planen kann oder nicht. Newcastle wäre angeblich zwischenzeitlich bereit gewesen, 18 Millionen Euro für Rüdiger zu bezahlen, denen sagte Senesie jedoch ab, weil sie nicht Champions League spielen.
Just, als der VfB nach Klarheit und damit Planungssicherheit verlangte und Rüdiger, der lange für die Vereinssuche freigestellt war, und Rüdiger Mitte Juli dann doch zum Training gebeten hatte, meldete sich dieser ab und entschloss sich zu einer Knie-OP.
Dadurch verschlechterte sich die Handlungsposition des VfB schlagartig, weil für einen verletzten Rüdiger nicht mehr so viel an Ablöse zu generieren war wie für einen fitten.
An dieser Stelle hätte der VfB eigentlich sagen müssen, „bis hierher und nicht weiter“, du bleibst. Aber, man kennt ja den Wortlaut der Ausstiegsklausel nicht, ob ein Mindestbetrag festgeschrieben war oder ob der Transfer bis zu einem gewissen Datum über die Bühne gegangen sein musste.
Für mich war dieses Gefeilsche sowieso merkwürdig, da i. d. R. eine Ausstiegsklausel einen festgeschriebenen Betrag beinhaltet.
Es schien so, dass es für beide Seiten kein Zurück mehr geben würde, so dass Rüdiger schließlich zunächst an den AS Rom verliehen wurde, weil dieser aufgrund von Financial-Fairplay-Verstößen während dieser Transferperiode keine Spieler einkaufen durfte. Dadurch hatte Dutt plötzlich statt der erhofften 18 Millionen ein Trinkgeld von 4 Millionen Euro zu Verfügung und konnte erst Mitte/ Ende August auf Nachfolgersuche gehen.

Gotoku Sakai: wechselte zum HSV und damit zurück zu Labbadia, unter dem er seine beste Zeit beim VfB hatte. Bei ihm schien es mir so zu sein wie mit den Papageien, Japaner am besten paarweise zu „halten“ oder überhaupt nicht. Seit Shinji Okazaki den VfB verließ, war mit Sakai nichts mehr anzufangen. Umso schlimmer, dass er dennoch fast jede Woche ran durfte und Gegentor um Gegentor mit verschuldete. Er hatte bärenstarke Zeiten beim VfB, mir noch am besten in Erinnerung das 5:1 in Bukarest. Anfangs dachte man ja gar über eine Einbürgerung nach, damit er für Jogis Jungs spielberechtigt wäre, weil Sakai beidfüßig ist und beide Außenbahnen, damals, gleich gut beackern konnte. Leider hat er stark nachgelassen, so dass es das Beste für beide Seiten war, einen Schussstrich darunter zu ziehen.

Sercan Sararer: wechselte zu Fortuna Düsseldorf. Auch so ein Problemkind, welches Bobic sich da geangelt hatte. Kam in zwei Spielzeiten auf insgesamt 13 Einsätze ohne Tor und „verstärkte“ ansonsten weitestgehend die Reserve. Machte nur einmal auf sich aufmerksam, als er mit Tempo 282 die Autobahn entlang schoss und Bilder dieser Fahrt auf Instagram postete.

Kevin Stöger: ging zum SC Paderborn. Nach seiner zweijährigen Leihe nach Kaiserslautern mit großen Hoffnungen zurückgekehrt, beim VfB den nächsten Schritt gehen zu können. Diese zerschlugen sich schnell, als sich abzeichnete, dass der VfB seine in der Schlussphase der vorigen Saison überragende Offensive komplett halten konnte und Stögers Einsatzchancen damit unvermindert schlecht gewesen wären.

Dutt hatte somit alle Hände damit zu tun, sich von Missverständnissen und Wechselwilligen zu trennen und doch gibt der Kader noch einige mehr her, die es loszuwerden gilt, allen voran Daniel Schwaab und Adam Hlousek, deren Niveau eben genau das hergibt, wo wir uns tabellarisch in den letzten Jahren bewegen. Nach Ulreich hätte man auch in der Gilde der sogenannten Führungsspieler ausmisten können, wenn nicht müssen. Herren wie Martin Harnik (im Sommer hätte man noch eine Ablöse generieren können), Georg Niedermeier und Christian Gentner stehen sinnbildlich für den Niedergang der letzten Jahre. Sie sind es, die die Politik in der „Mannschaft“ durch ihr Mitwirken im Mannschaftsrat maßgeblich mitbestimmen, sie sind es auch, die am Ende für einen Trainer den Daumen heben oder senken. Ob ein neuer Trainer, der sie in ihrer Wohlfühlatmosphäre zu stören droht oder neue Konkurrenten um die Stammplätze, sie koch(t)en stets ihr eigenes Süppchen anstatt integrativ zu wirken und sich um einen guten Mannschaftsgeist zu kümmern. Es mag jeder für sich ein netter Kerl sein, um den es auch ein Stück weit schade wäre, ihn in einem anderen Dress zu sehen und doch liegt hier die Wurzel unseres Übels begraben. Ein kompletter Neuanfang dürfte erst möglich sein, wenn auch diese Zöpfe abgeschnitten sind.

Bei den Neuzugängen gab es logischerweise ein großes Kommen:

Przemyslaw Tytoń: kam vom PSV Eindhoven, der ihn in der letzten Saison zum FC Elche nach Spanien verliehen hatte.

Mitch Langerak: wurde vom BVB geholt. Er war dort langjähriger Ersatzkeeper hinter Roman Weidenfeller und wusste stets zu überzeugen, wenn er gebraucht wurde. Nachdem der BVB Roman Bürki vom SC Freiburg holte, sah er dort keine Perspektiven mehr und erhofft sich beim VfB die Nummer 1, die er schon mal auf dem Trikot trägt.

Philipp Heise: kommt aus der 2. Liga vom 1. FC Heidenheim und wurde als erster Neuzugang vorgestellt. Typ Perspektivspieler und noch nicht für die erste Elf vorgesehen.

Emiliano Insúa: wurde von Rayo Vallecano verpflichtet und soll die Probleme auf der linken Außenverteidigerposition beheben. Er spielte schon bei namhaften Vereinen wie dem FC Liverpool, Galatasaray Istanbul und Athletico Madrid, setzte sich aber bisher nirgends konstant durch.

Jan Kliment: kam als Perspektivspieler und mit der Empfehlung des Torschützenkönigs der U21 EM in seinem Heimatland Tschechien, wofür ihm allerdings ein 3er-Pack in einem einzigen Spiel gegen Serbien genügte.

Robbie Kruse: kam kurz vor Transferschluss als Leihgabe von Bayer Leverkusen und wohl als Reaktion auf den Ibisevic-Abgang. In den letzten anderthalb Jahren kam Kruse bei Bayer aufgrund verschiedenster Verletzungen gerade einmal zu vier Kurzeinsätzen.

Lukas Rupp: kam vom Absteiger SC Paderborn, für den er in der Bundesligasaison 31 Spiele mit einem ordentlichen Notenschnitt bestritt. Bei ihm wunderte es mich, dass seine KSC-Vergangenheit kaum thematisiert wurde, hatten doch viele, die irgendwann einmal deren hässliches Trikot überstreift haben, hier große Akzeptanzprobleme. Ich finde es gut, dass man ihm das nicht nachträgt.

Toni Sunjic: kam kurzfristig und kurz vor Transferschluss aus Krasnodar (Russland) als Reaktion auf den Rüdiger-Abgang. Abgesehen davon, dass wir auch im Falle des Bleibens einen gestandenen Innenverteidiger gebraucht hätten und ein Sunjic daher zu wenig ist, war es von vornherein fraglich, ob er einen immerhin deutschen Nationalspieler adäquat ersetzen würde können. Der VfB ist Sunjic‘ sechster Verein innerhalb von fünf Jahren, dass dieser sorgfältig gescoutet wurde, wie Dutt ja für „seine“ Einkäufe versprach, man kann so seine Zweifel haben.

Benjamin Uphoff: war bereits mal von Club zum VfB ausgeliehen und kam jetzt zurück, zunächst einmal mit der Perspektive bei den Amateuren Spielpraxis sammeln zu können.

Dazu kommen mit Arianit Ferati, Mart Ristl, Borys Tashchy und Marvin Wanitzek Spieler aus der eigenen Jugend bzw. von den Amateuren, die herangeführt werden und ihre Einsätze bekommen sollen.

Einige Herren scheinen die Aussage Dutts und Zornigers fehlinterpretiert zu haben, dass jeder, der nicht gerne für den VfB spielen würde, vorstellig werden dürfe und man nach einer Lösung streben würde, mit der alle Seiten leben könnten. Dies bedingt zunächst einmal, dass der VfB eine adäquate Ablöse generieren kann und auch, dass der Abgang nicht zur Unzeit erfolgt, in der man kaum mehr reagieren kann. So geschehen, bei Didavi und Kostic, um die es in den letzten Tagen und Stunden des offenen Transferfensters noch einmal hektisch geworden war.

Über weite Strecken der Vorrunde hatte man bei beiden den Eindruck, dass ihnen mit riesen Summen der Kopf verdreht wurde und sie nur halbherzig bei der Sache wären. Vielleicht ist es auch nur die Unklarheit über ihre Zukunft, ich hoffe, der VfB nutzt jede noch so kleine Chance, diesen beiden ein Bleiben doch schmackhaft zu machen. Dutt versprach schließlich, dass es das Ziel sein müsse, Leistungsträger zu halten. Bei dieser Aussage müsste ihm schon auch klar gewesen sein, dass sie diese Wertschätzung auf dem Gehaltszettel spüren wollen und es mit einer Maultaschensuppe täglich im 1893 nicht getan sein wird.

Trainingslager im Zillertal

Kurz nach dem Trainingsauftakt machte sich der VfB auf ins Zillertal, wo der VfB zum zweiten Mal in Folge in Hippach-Mayrhofen gastierte. Der Zeitraum 01. bis 06.07.2015 war ungünstig gelegen, um eine vernünftige Vorbereitung hinzulegen. So kurz nach dem Trainingsstart fehlten noch viele Nationalspieler, es war von vornherein klar, dass dort in erster Linie im konditionellen Bereich gearbeitet werden würde. Der frühe Termin kam daher zustande, weil zillertal.at seine Werbepartnerschaft mit dem VfB nutzen und möglichst viele Fans ins Zillertal locken möchte und daher bereits im März nach Klarheit verlangte.

Deshalb kam nur ein Termin in Frage, der sowohl als Erst- als auch als Zweitligist möglich gewesen wäre. Auch für mich war der Termin ungünstig. Wie bereits im Vorjahr, als das Trainingslager im Zillertal Anfang August stattfand und ich in den ersten Tagen eines Monats stets schlecht freimachen kann, schafften wir es gerade mal auf ein verlängertes Wochenende in die schöne Bergwelt Österreichs. Trainingseinheiten bekam ich in dieser kurzen Zeit relativ wenig mit, stand doch ganz klar im Vordergrund, mich mit den vielen Freunden und Bekannten, die vor Ort waren, zu beschäftigen und Party zu machen. Die Hitze tat ihr Übriges, dass wir uns lieber im Schatten der Stadionwirtschaft als auf der sonnendurchfluteten Tribüne aufhielten. Zwischen zwei Einheiten fuhren wir, um endlich einmal durchatmen zu können, auf den Hintertux-Gletscher und gingen auf 3.250 Meter Höhe im Schnee spazieren.

In unsere Tage im Zillertal fiel die Hiobsbotschaft, dass sich Mitch Langerak, der zuvor im Training einen starken Eindruck gemacht und in den ich große Hoffnungen als Ulreich-Nachfolger gesetzt, hatte, wegen einer Muskelzerrung pausieren müsse. Aus dieser wurde erst ein Muskelbündelriss, als dessen Folge sich wohl eine Zyste im Knie bildete, die Ende August operativ entfernt werden musste. Sein Comeback ließ damit immer länger auf sich warten, besser, wir warten heute noch darauf.

6:3 Sieg gegen Viktoria Pilsen

Vor unserer Abreise sahen wir uns noch den Test gegen Viktoria Pilsen an, der am Sonntag um 18.30 Uhr angepfiffen wurde und den der VfB mit 6:3 für sich entschied. Der VfB vorne hui, hinten pfui, was uns ja auch durch den Rest des Jahres begleiten sollte, aber, es waren vielversprechende Ansätze da, es sah seit langem mal wieder nach Fußball aus. Vor allem das Tempo, das an den Tag gelegt wurde, war man beim VfB schon nicht mehr gewohnt. So verpasste ich erst einmal das 1:0 durch Kiesewetter bereits in der 3. Spielminute. Beim VfB der letzten Jahre konnte man als Fan gemächlich in die Partie finden, weil einfach Schlafwagenfußball dargeboten wurde, daher erst einmal gewöhnungsbedürftig der neue Vollgasfußball. Und das bei hochsommerlichen Temperaturen auch am Abend noch. Knapp 10 Minuten vor dem Ende machten wir uns beim Stande von 6:2 auf den 400km langen Heimweg, da wir Montags wieder ins Geschäft mussten, und verpassten damit nicht nur ein Tor sondern auch noch eine Pyroeinlage von VfBlern von außerhalb des Stadions. Die Heimfahrt war im wahrsten Sinne des Wortes heiß. Gegen 0.00 Uhr legten wir am Rasthof Augsburg, wo wir ebenfalls auf dem Heimweg befindliche Bekannte trafen und mit ihnen noch einen Kaffee tranken, eine Rast ein. Das Außenthermometer zeigte um Mitternacht noch 29° an, in unserer Wohnung sollten uns 37° erwarten. Abartig, dieser Sommer 2015.

4:1-Niederlage bei den Young Boys Bern

Eine besondere Ehre wurde dem VfB knapp eine Woche später zuteil, als er zur Saisoneröffnung der Young Boys Bern ins Stade de Suisse geladen wurde. Dort, wo man schon Gegner bei der Stadioneinweihung zehn Jahre vorher war und an gleicher Stätte, wo 2010 das so denkwürdige Europaleague Spiel stattgefunden hatte. Da mein obligatorischer Besuch beim Schlagermove in Hamburg kurzfristig abgesagt werden musste, entschloss ich mich kurzerhand mit Freunden zu diesem Test zu fahren. Mit reichlich Proviant fester und flüssiger Natur an Bord starteten wir zu viert und nahmen kurzfristig noch an der Strecke in der Schweiz einen alten Kumpel eines Mitfahrers mit an Bord. Zu fünft erreichten wir also die Schweizer Hauptstadt, stellten das Auto am nahe des Stadions gelegenen Ibis-Hotel ab und checkten dort ein. Schnell sind wir einigen Bekannten über den Weg gelaufen, so dass sich das zusammentelefonieren erübrigte und wir ins Getümmel stürzen konnten. Hatten wir bei der Europaleague das totale Schneechaos in Bern erlebt, setzte uns nun das andere Extrem zu, brütende Hitze. Wegen der „günstigen“ Preise in der Schweiz, versorgten wir uns zwischenzeitlich mit Dosenbier aus dem Supermarkt, das 0,4-Bier auf der Fanmeile vor dem Stadion kostete 5,50€, wovon wir uns schon auch ein paar gönnten. Es war einiges los vor dem Spiel, so dass ich eigentlich einen guten Besuch erwartete, zumal ja eine Woche vor dem Schweizer Ligastart der letzte Härtetest anstand. Die Ernüchterung folgt dann drinnen. Zunächst einmal fanden, wie schon beim letzten Aufeinandertreffen, für die paar Stuttgarter Hansels bemerkenswert strenge Einlasskontrollen statt, die sich hinzogen, bis man durch die engen Metalltore ins Innere gelangt war. Zeit bis zum Anpfiff war noch vorhanden, so dass wir uns erst einmal um Biernachschub kümmerten. Den Gedanken, eine Stadionwurst zu konsumieren, verwarf ich wieder, nachdem ich den Preis von 7,50€ gesehen hatte. Als wir ins Stadion hinausgingen machte sich erst einmal Enttäuschung breit. Drei Tribünen waren komplett gesperrt, lediglich die Haupttribüne und der Gästeblock waren geöffnet. 6.084 Zuschauer bei einer Saisoneröffnung, darunter etwa 100 VfB-Fans, das ist eben die Schweiz und sagt viel über den Stellenwert des (hiesigen) Fußballs aus.
Durch die Verletzungen von Timo Baumgartl und Toni Rüdiger hatte der VfB Probleme für beide Halbzeiten zwei Innenverteidiger-Duos aufzubieten. In der ersten Halbzeit bildeten dies Schwaab und Sama, in der zweiten dann Ristl und Niedermeier, beides also eher Notlösungen und damit kein echter Wettkampftest. Zudem standen, was man in der Liga wohl auch eher selten bis gar nicht zu sehen bekommen dürfte, Didavi und Maxim von Beginn an gemeinsam auf dem Platz. Jener Maxim war es dann auch, der den VfB bereits in der 5. Minute nach schöner Ablage von Ginczek in Führung brachte. Das war’s dann aber auch schon mit der VfB-Herrlichkeit. Bereits drei Minuten später der Ausgleich, nach 16 Minuten der Rückstand. Es war da schon zu erkennen, auch wenn noch nicht die allererste Elf auf dem Platz stand, dass das Tore schießen gegen den VfB zu einfach ist und oft ein einfacher Pass in die Gasse genügt, um den Abwehrverbund komplett auszuhebeln. Am Ende stand ein 4:1 und eine Partie zum Vergessen aus VfB-Fan-Sicht. Umso schöner noch der anschließende Abend mit einigen Freunden und Bekannten in launiger Runde im alten Tramdepot direkt am Bärengraben gelegen. Wegen der Unwichtigkeit des Spiels und den Leuten, die wir getroffen und kennengelernt haben, war es ein klasse Ausflug, der die lange Sommerpause auch schon wieder ein wenig kürzer werden ließ.

Trainingslager in St. Gallen

Eine gute Woche später trat der VfB die Reise zum zweiten Trainingslager nach St. Gallen an. Dieses wurde erst mit einem Vorlauf von knapp zwei Wochen bekanntgegeben. Der Termin kam mir schon mehr entgegen wie der des Zillertals, zumal man i. d. R. Anfang des Jahres, wenn man die Urlaubsplanung abgeben soll, ein Trainingslager zeitlich eher Mitte bis Ende Juli ansiedelt, zumindest wenn man optimistisch von einem weiteren Jahr Bundesliga ausgeht.

Dass es erneut in die Schweiz gehen sollte und dann auch noch nach St. Gallen, das noch teurer als Bern sein soll, schmeckte uns dagegen nicht so sehr. So waren wir uns recht schnell einig, dass, wenn wir es machen, Quartier in Österreich aufgeschlagen wird und wir täglich die knapp 45 Kilometer pendeln, um unsere Abende in Österreich verbringen zu können.

Wegen Ferien, Hochsommer, der ohnehin immer stark frequentierten Bodenseeregion und zu allem Überfluss noch der in diesem Zeitraum stattfindenden Bregenzer Festspiele taten wir uns schwer, überhaupt ein bezahlbares Quartier zu finden und hatten Glück, dass Freunde auf der Rückfahrt aus dem Zillertal ein wahres Schnäppchen auftaten, mitten in Hohenems, mit tollem Biergarten und hervorragender Küche. Wenigstens drei Nächte kamen wir dort unter, für den Rest war auch dieses Domizil ausgebucht.
So hatten wir dann, ursprünglich nur als Notlösung gedacht, noch die Möglichkeit bei Bekannten unterzukommen, die genau zwischen Hohenems und St. Gallen wohnen, was wir nach vergeblicher Zimmersuche vor Ort gerne angenommen haben, und das trotz Anitas Katzenallergie. ;-) .
Auch dadurch wurden es tolle Tage, an denen wir auch abseits der Trainingseinheiten viel gesehen und viel gemeinsam unternommen hatten. Nebenbei benötigten wir außer der Autobahnvignette so gut wie keine Schweizer Franken, es sei denn, wir hatten mal das Auto direkt am Trainingsplatz geparkt. Dort waren nämlich, obwohl massig Platz vorhanden, für zwei Stunden drei Franken (oder Euro) Parkgebühr fällig.
Nach den überlaufenen Trainingslagern in den letzten beiden Jahren im Zillertal, war es in St. Gallen endlich mal wieder klein und überschaubar. Es war fast nur der harte Kern da, der sich jedes Trainingslager gibt, von ein paar Urlaubern, die regelmäßig vorbeischauten, einmal abgesehen.
In St. Gallen fiel mir Zorniger das erste Mal an zu gefallen. Es hat einfach was, so nah dabei zu sein und die eine oder andere Anweisung mitzubekommen. Zorniger machte einen sehr akribischen Eindruck und überließ nichts dem Zufall. Anders als Feldherr Veh, der dem Treiben auf dem Trainingsplatz meist mit verschränkten Armen beiwohnte und seine Assistenten „machen ließ“, legte Zorniger bei allem selbst Hand an. Sei es beim Hütchen aufstellen oder sei es auch seine Spieler selbst zu stellen, wenn sie sich nicht nach seinen Vorstellungen bewegten. Es waren alles in allem tolle Tage, abgesehen auch vom auch dort wieder heißen Wetter und einer zwischenzeitlichen Mückenplage.

Den Höhepunkt schlechthin bildete der Fan-Abend im Mannschaftshotel Säntispark, in das uns der VfB eingeladen hatte. Nach einem kalt-warmen Buffet und einigen Kaltgetränken kam die ganze Mannschaft einschließlich des kompletten Staff und verteilte sich an die Tische. Da die Anzahl der Fans auch an diesem Abend überschaubar war, gesellten sich an unseren Tisch mit Lukas Rupp, Daniel Didavi und Daniel Ginczek gleich drei Spieler, die wir knapp zwei Stunden lang nach Belieben löchern durften. Interessante Sichtweisen traten zutage, vor allem, was das Verhältnis zu den Fans angeht. Da kam sehr deutlich heraus, dass sie unbedingt die gute Stimmung der letzten Spiele in die neue Saison hinüberretten wollten und Angst hatten, dass diese bei Misserfolg wieder kippen könnte. Didavi machte damals noch nicht den Eindruck, dass er unbedingt wegwolle, obwohl schon seinerzeit von einem möglichen Wechsel zu Bayer Leverkusen berichtet wurde. Ich hatte den Eindruck, dass er sich die Entwicklung ganz genau anschauen wolle und sich entsprechend auch ein Bleiben hätte vorstellen können. Wir schnitten unterschiedlichste Themen an, Privates, die Rückkehr von Fitmacher Chima Onyeike, Didas Leihe nach Nürnberg, Ginnis Zeit bei St. Pauli, Rupps Abstieg mit Paderborn und seine Ziele mit dem VfB, welche Gefühle Ginni bei seinem Tor in Paderborn übermannten, etc. pp. Die Spieler nahmen sich Zeit, waren freundlich und geduldig und sehr angenehme Gesprächspartner.

Einen Fauxpas leistete ich mir dann zum Schluss noch, als die Spieler uns schon wieder verlassen hatten. Einige „Betreuer“ in VfB-Outfit saßen noch an einem Tisch zusammen, als ich mich einem von hinten näherte und ihn fragte, ob ich kurz stören darf. Als er mir dies gestattete, fragte ich ihn, wie er sich bereits beim VfB eingelebt habe, im sicheren Gefühl, André Trulsen angesprochen zu haben, mit dem ich gerne kurz über seine Zeit bei St. Pauli geplaudert hätte, da ich dorthin ja auch eine gewisse Affinität habe.

Er drehte sich um und erwiderte in breitestem schwäbisch: „Ja klar, i ben jo au scho acht Johr do“. Hatte ich doch glatt den Busfahrer erwischt. Ein peinlicher Moment und doch lustig, aber, bei weitem nicht der Höhepunkt des Abends. Den lieferten unsere Freunde aus der Ostschwiiz, indem Raffael vor versammelter Mannschaft seiner Jule einen Heiratsantrag machte, der natürlich angenommen wurde. Standing Ovations von der Mannschaft und eine Flasche Sekt von Robin Dutt waren die Folge, bewegende Momente in stilvollem Ambiente, ganz großes Kino, ihr beiden.

VfB-FC Winterthur 4:1 (in Konstanz)

Auf dem Rückweg vom Trainingslager legte der VfB noch einen Zwischenstopp in Konstanz ein, wo man auf den FC Winterthur traf. Wir taten es dem Tross gleich und fuhren schon frühzeitig los. Dort hatte nämlich ein anderer Freund Heimspiel und empfahl uns ein super Lokal mit zivilen Preisen, direkt am Rhein gelegen, das Constanzer Wirtshaus. Es war nicht nur wegen der Location die perfekte Logistik, sonder auch deshalb weil wir unweit davon unser Auto kostengünstig parken und von der Nähe des Lokals aus mit dem Bus zum Bodenseestadion fahren konnten. Wir verabredeten uns noch mit Freunden in dem Lokal, so dass wir zwei große Tische im Außenbereich belegten und das Trainingslager Revue passieren ließen und uns auf das anstehende Spiel einstimmen konnten. Der VfB legte einen ordentlichen Auftritt hin und gewann 4:1, vor allem Didavi bestach mit den ersten beiden Toren. Das Spiel gegen den Ball funktionierte schon recht ordentlich, auch wenn mir schon in der Testphase Zweifel aufkamen, ob sie das über 90 Minuten und über eine gesamte Halbserie hinweg schaffen durchzuziehen. In kleiner Gruppe und mit ein paar Winterthurern „Ultras“ im Schlepptau ging es zurück ins Brauhaus, wo wir das Trainingslager ausklingen ließen und gegen Mitternacht dann die Heimfahrt nach Stuttgart antraten.

Paukenschlag gegen Manchester City

Nach dem Aufeinandertreffen mit dem Schweizer Zweitligisten folgte am darauffolgenden Wochenende ein echter Härtetest gegen das Starensemble von Manchester City. Für die Engländer, deren Premier League Saison eine Woche später begann, war es somit wie für den VfB vor dem Pokalspiel in Kiel die Generalprobe, bei der man nicht annehmen sollte, dass sich das englische Spitzenteam unbedingt abschlachten lassen wollte. Sie traten nicht in ihrer allerbesten Aufstellung an, brachten aber dennoch ein mit Stars gespicktes Team auf den Rasen des Neckarstadions. Natürlich sind die Begleitumstände andere als bei einem normalen Punktspiel, zum Beispiel die strapaziöse An- und Abreise am Spieltag. Und doch war es nicht zu erwarten, dass der VfB sie so herspielen und mit einem 4:0-Vorsprung in die Halbzeit gehen würde.

Der VfB spielte wie aus einem Guss, das schnelle Anlaufen der Gegner schon weit in der eigenen Spielhälfte behagte Man City überhaupt nicht. Unsere Abwehr ließ erstaunlich wenig anbrennen, Adam Hlousek wurde gar zur Entdeckung in der Innenverteidigung neben Timo Baumgartl. Dass dies nur ein Strohfeuer war und in die Kategorie „auch ein blindes Huhn findet mal ein Korn“ eingeordnet werden sollte, weiß man heute.

Die späten Anschlusstreffer von Manchester City zum 4:2 änderten am guten Gesamteindruck nichts mehr. Der VfB schien gerüstet für die anstehenden Aufgaben.

Pokalhürde Kiel gemeistert

Den ersten Pflichtspielauftritt hatte der VfB bei den Störchen von Holstein Kiel zu bestreiten. Losglück geht anders, war es doch die weiteste denkbare Reise, die man uns zuloste. Schön indes war aber, dass wir aus dem Brutofen Stuttgart in das 10-15 Grad kühlere Kiel reisen durften. Da es ein Abendspiel wurde, gestaltete sich die Anfahrt mit der Deutschen Bahn recht stressfrei – erst gegen halb elf Uhr stiegen wir in den Zug, der nach einem Umstieg in Mannheim eigentlich direkt nach Kiel hätte fahren sollen. Eigentlich, denn, die Pläne der Bahn gerieten an diesem Tag sowieso schon aus den Fugen, so dass es wohl darauf dann auch nicht mehr ankam und man den Zug kurzerhand in Neumünster stoppte und wir auf einen Regionalexpress wechseln mussten. Ca. 2 ½ Stunden vor Spielbeginn erreichten wir dennoch Kiel, fuhren schnell mit dem Taxi unsere Hotels an, checkten ein und machten uns danach umgehend auf den Weg, wieder per Taxi, in Richtung Stadion, wo wir schon mit einigen anderen vom Fanclub verabredet waren und auch sonst viele bekannte Gesichter sahen.

Ich hatte kurzfristig noch eine Sitzplatzkarte ergattern können, deren Übergabe ich am Stadion organisieren musste und musste meinen Stehplatz dafür an jemand anderes übergeben, so dass ich die gesellige Runde beim Griechen frühzeitig verlassen musste.

Die Kartenproblematik für Kiel (wie später für Jena anscheinend auch) war grotesk. Lange Zeit über herrschte totale Kartenarmut auf dem Markt, nur Suchende, kaum jemand, der welche abzugeben hatte. Daher griff ich bei der Sitzplatzkarte auch sofort zu, im Wissen, meinen Stehplatz locker loszubekommen. Doch just in dem Moment, Dienstag oder Mittwoch vor dem Spiel, als ich meinen Stehplatz angeboten hatte, hagelte es Angebote, hier vier Karten, dort acht Karten. Unglaublich! Was war geschehen? Der VfB hatte offensichtlich den Kartenbestellern keinerlei Zu- oder Absage zukommen lassen, so dass viele Leute im Ungewissen waren. Diejenigen, die das Spiel auf jeden Fall machen wollten, deckten sich anderweitig ein und hatten plötzlich doppelt Karten. Andere hakten das Spiel bereits ab und hatten plötzlich Karten drei Tage vor dem Spiel die Karten im Briefkasten. In dieser Kürze der Zeit lässt sich natürlich ein Trip nach Kiel kaum mehr planen, zumindest dann nicht, wenn man diese lange Strecke nicht mit dem PKW zurücklegen möchte. Hier muss das Ticketing dringend seine Abläufe überdenken. Wie gesagt, für Jena unter der Woche war es nicht anders. Leute, die dieses Spiel bereits abgehakt hatten, mussten sehen, ob sie noch kurzfristig Urlaub nehmen können und wie sie dorthin kommen. Da reglementiert ist, welches Kontingent der jeweilige Gastverein bekommt und man ja weiß, wie viele Karten man mindestens bekommt, kann man doch ohne Weiteres diejenigen abziehen, die ihre festen Kontingente bekommen, wie CC, Auswärtsdauerkarten, Fanclubs und an die Differenz zum Kontingent, das man sicher bekommt, schon einmal Zusagen verschicken. Sollten dann mehr Karten zur Verfügung stehen, kann man die immer noch zum Verkauf einstellen, würde damit aber nur eine kleine Gruppe vor Probleme stellen und nicht Hunderte bis Tausende von VfBlern.

Ich hatte also einen schönen Platz auf der Gegentribüne mit einer super Sicht auf die anschließende Pyro-Show im VfB-Block. Vor dem Spiel traf ich am Bierstand noch Philipp, den Leadsänger von „Die Fraktion“, der mir einen Gastbeitrag für das Buch „Das sind die Fans – und ihre Geschichten“ geschrieben und mit dem ich während dieser Zeit einen netten Kontakt hatte. Ich stellte mich kurz vor und hielt mit ihm einen kurzen Smalltalk, wollte ihm und seinen Begleitern aber auch nicht auf den Sack gehen, zumal ich nach der langen Zugfahrt schon etwas angegast war, daher verabschiedete ich mich auch schon wieder.

Für die erste Pokalrunde hätte man sich leichtere Aufgaben wünschen können, als eine Profimannschaft aus der dritten Liga, die bereits zwei Ligaspiele hinter sich hat und in der Relegation zur 2. Liga nur knapp an den Münchner Löwen gescheitert war. In einem Pokalspiel, vor allem in einem in dieser Konstellation, zählt nur der Sieg, egal wie er zustande kommt. Daher war ich letzten Endes zufrieden, auch wenn man sich nicht mit Ruhm bekleckert hatte und zunächst einem Rückstand hinterherlaufen musste. Der VfB tat sich sehr schwer, kam aber durch Tore von Didavi und Ginczek, wie einst in Paderborn also, mit einem glanzlosen 2:1 weiter. Wenn etwas bedenklich war, dann das, dass selbst ein 3.-Ligist gegen den VfB zu einer Vielzahl von Torchancen kam. Dass der VfB sich mit dem 2:1 zufriedengab und nicht konsequent auf ein 3:1 ging, rächte sich beinahe noch in der Nachspielzeit, da hatten wir wirklich nochmal Glück.

Nach dem Spiel wurde auf strikte Fantrennung großen Wert gelegt, so dass ich nicht, wie ich gekommen war, hinausdurfte sondern wie eine Handvoll anderer VfBler durch den Innenraum am VfB-Block vorbei geleitet wurde, was einige Bekannte dazu animierte, Lieder auf mich anzustimmen. Eine lustige Begebenheit am Rande.

Wir sammelten uns indes wieder und fuhren mit dem Taxi zurück in Richtung unserer Hotels, wo es unweit davon, einige nette Kneipen gab und wo sich auch die anderen VfBler sammelten, die nicht gleich wieder zurück oder nach Hamburg weiter fuhren.
Auf dem Weg vom Stadion zu unserem Treffpunkt wurde ich noch recht übel von Kielern angepöbelt, was aber die in großer Präsenz anwesende Obrigkeit umgehend unterband.

Freunde von uns, die mit dem Sonderbus in die Stadt fahren wollten, kamen noch in die Situation, dass Kieler „Ultras“ deren Bus stürmen wollten und sich die Männer (Frauen und Kinder waren auch dabei) dagegen stemmen mussten. Da fragt man sich wirklich, was diese Idioten geritten hat. Sollen doch froh sein über ihr Spiel des Jahres und den Tag feiern anstatt hier eine kindische Show abzuziehen. In der Stadt hatten wir dann noch großen Spaß. Am nächsten Tag dann, nach einer sehr schönen Hafenrundfahrt, ging es zurück ins heiße Stuttgart.

Auftaktniederlage gegen Köln

Eine Woche später stand dann das mit Spannung erwartete erste Spiel um Bundesligapunkte an gegen den 1. FC Köln. Seit 1996 wartet man gegen den Geißbock auf einen Heimsieg, auch heuer sollte nichts daraus werden. Vor dem Spiel freilich, wie traditionell vor jedem ersten Heimspiel einer Saison, fand die Karawane Cannstatt statt, mit der Tausende von Fans vom Cannstatter Bahnhof zum Neckarstadion zogen und sich auf die Saison gemeinsam einstimmten. Ein Pflicht-Event für jeden Fan und jedes Jahr größer und imposanter werdend, fantastisch.

Das Spiel selbst, Sonntagabend und damit das letzte Spiel an diesem Spieltag, begann zwar mit einem Pfostenschuss für die Gäste, danach aber trafen Didavi und Gentner ebenfalls nur Aluminium, so dass es nach 11 Minuten schon 2:1 hätte stehen können. Im selben Tempo ging es weiter. Der VfB nun klar Chef im Ring zwang die Kölner durch konsequentes Anlaufen weit in deren Hälfte immer wieder zu Ballverlusten, einzig die Chancenverwertung war zu bemängeln. Wir bekamen ein mitreißendes Heimspiel zu sehen, wie schon lange nicht mehr und gerieten doch in der 75. Minute in Rückstand, als Tytoń Modeste völlig unnötig im Strafraum von den Beinen holte. Eine sehr ungestüme Aktion des Polen, die Zweifel aufkommen ließ, ob wir uns auf der Position verbessert haben oder nicht doch vom Regen in die Traufe gekommen sind. Als zwei Minuten später unser gesamter Defensivverbund durch einen einzigen Pass ausgehebelt wurde und das 0:2 folgte, war die Partie fast gelaufen. Didavi stellte zwar noch per Elfer den Anschluss her, doch der endgültige Knockout folgte in der Nachspielzeit.

Unsere Vorfreude auf die neue Spielzeit wurde also mal wieder im Keim erstickt. Wir sind zwar vorne sehr gut besetzt und kreieren Torchancen im Minutentakt, beim Abschluss fehlt es aber an der Konzentration, was einige schon an der kraftraubenden Spielweise festmachen. Aber, bei einem Torschussverhältnis von 28:9 und einem Chancenverhältnis von 11:5 muss auch so mehr herausspringen als nur ein Elfmetertor. Wieder einmal wurde also der Saisonstart in den Sand gesetzt, wieder einmal steht man bereits vor dem zweiten Saisonspiel gehörig unter Druck.

Gerhard Mayer-Vorfelder ist tot

Dann erreichte die VfB-Familie die Nachricht über den Tod von Ehrenpräsident Gerhard Mayer-Vorfelder. Mich hat diese Nachricht sehr bestürzt, da ich immer wieder Begegnungen mit MV hatte, seit ich ein Kind war. Durch die Beamtenlaufbahn meines Vaters im Finanzministerium und seinem Mitwirken in diversen Betriebsfußballmannschaften der verschiedener Ministerien, kam man immer wieder in privatem Rahmen zusammen und hatte immer wieder einmal auch die Gelegenheit mit MV über den VfB zu sprechen. Sein früherer Fahrer Fuchs versorgte mich in den 70er- und frühen 80er-Jahren stets mit Autogrammkarten, unterschriebenen Mannschaftspostern und sonstigen Devotionalien. Aus Dankbarkeit und weil ich wusste, welch Fußballverrückter MV war, beteiligte ich mich nie an den obligatorischen „Vorfelder-Raus-Rufen“, die während seiner Amtszeit regelmäßig durchs Neckarstadion hallten. MV hatte große Verdienste um den VfB. Zwei deutsche Meisterschaften, zwei Europapokalendspiele, ein Pokalsieg, eine weitere Pokalfinalteilnahme und nicht zuletzt der Bundesligaaufstieg fielen in seine Amtszeit. Meist verstand er es, rechtzeitig, von mir aus auch „auf Gutsherrenart“, Negativentwicklungen entgegen zu steuern. Er hatte ein feines Gespür, wann etwas auseinanderzubrechen drohte und ihn zum einschreiten zwang.

Er war stets nah dran an der Mannschaft und deren Führungsspielern und wusste dadurch, wie es um die Stimmung und deren Zusammenhalt bestellt war. Wer arbeitet, macht Fehler, so auch MV. Die Vertragsverlängerung Balakovs und vor allem der Passus, dass sich der Vertrag zu gleichen Konditionen endlos verlängert, waren einer, die Entlassung Jogi Löws und Installation seines Nachfolgers Winfried Schäfer ein anderer. Letzterer führte bei mir, wie bei vielen anderen, zur Rückgabe meiner Mitgliedschaft und dazu, dass ich zunächst keine Dauerkarte mehr genommen hatte. Dieses Hassobjekt aus Baden im roten Trainingsanzug war für mich unerträglich, damals zweifelte auch ich an MV’s weiterer Zurechnungsfähigkeit.

Unfair war trotzdem, wie man ihn 2000 mit Schimpf und Schande aus dem Amt drängte und welche Vorwürfe man ihm im Nachhinein machte. Auch damals gab es schließlich Kontrollorgane im Verein, die hätten einschreiten müssen, wenn sie mit seinem Tun nicht einverstanden waren.
Sein langjähriges Wirken als Ligaausschussvorsitzender war sicherlich nicht zum Nachteil des VfB. Schiedsrichterfehlentscheidungen und auch –ansetzungen wurden auf dem kleinen Dienstweg diskutiert und manchmal auch verhindert. Mit MV an der Spitze war der VfB wer, mittlerweile treibt doch jeder nur noch Hugoles mit uns.

MV verstand es auch Weltstars für den VfB zu gewinnen, wie seinerzeit Carlos Dunga. MV’s Aura und Redegewandtheit, dazu seine herzliche, kumpelhafte Art, wurde von vielen geschätzt.

Auch international hatte er hochrangige Posten inne. Er war Mitglied im FIFA-Exekutivkomitee, er war DFB-Präsident. Die Früchte, die die Nationalelf derzeit erntet, hatte u. a. MV gesät, als er nach der Katastrophen-EM 2000 ein Nachwuchsprogramm auf den Weg brachte, welches u. a. die Nachwuchsleistungszentren beinhaltete, die jeder Proficlub heute betreiben muss.

MV liebte den Fußball und er tat viel für den Fußball und das obwohl seine Politikertätigkeit ihm auch nicht gerade wenig (Zeit) abverlangte. Ich hatte zuletzt vor einigen Jahren in der Villa Reitzenstein auf einem Empfang die Gelegenheit mit ihm zu sprechen. Als ich ihm sagte, morgen in aller Hergottsfrüh fahre ich nach Berlin zum VfB, nahm er mich in den Arm und meinte nur „Du Verrückter“.

Für mich ging in der Woche der größte VfB-Präsident, den wir hatten. Vom jetzigen bin ich mehr und mehr enttäuscht, weil er eben Dinge, die zu tun sind vor sich herschiebt und Entscheidungen nicht oder zu spät trifft. MV war da ein anderes Kaliber!

Kleins Fauxpas

Die nächste Auswärtsfahrt indes sollte uns nach Kiel erneut in den hohen Norden führen, dieses Mal nach Hamburg. Der RWS Berkheim bot dafür eine Übernachtungsfahrt an, ein seltenes Vergnügen und zuletzt beim Pokalfinale 2013 praktiziert. Gegen Mitternacht, freitagnachts, traten wir die Fahrt an, um in den frühen Morgenstunden in Hamburg einzutreffen und den ganzen Tag zur Verfügung zu haben. Da die Zimmer so früh noch nicht bezugsfertig waren, machten wir erst einmal Frühschoppen am nahegelegenen Bahnhof HH-Ohlsdorf, der es in sich hatte.

Irgendwann war ich so verpeilt, dass ich mich auf dem Weg zum Anleger der Barkasse, die der VfB-Fanclub „Roter Brustring Hamburg“ wieder gechartert hatte, verfahren habe und die Barkasse dadurch verpasste.

Also, stärkte ich mich erst einmal mit Kaffee und fuhr dann zum Kiez, um Bekannte zu treffen, Facebook sei Dank wusste ich ja, wo sie sich aufhielten. Wenig später machten wir uns dann auch schon gemeinsam auf den Weg zum Stadion.

Es traf sich gut, dass ich sehr frühzeitig bei den Imbissbuden nahe dem Gästeeingang war, da ich einer Bekannten noch ein Ticket übergeben und mir mein eigenes auch noch organisieren musste. Ein Businsasse hatte die Möglichkeit, über einen Geschäftskontakt auf die Gegentribüne zu gehen, wollte selbst aber nicht dort hin. Ich bin da schon eher offen, wusste aber natürlich nicht, wo genau sich die Plätze befinden würden und ob sie mir in Sachen Knipserei einen Mehrwert brächten. Jedenfalls entschloss ich mich, mir das anzuschauen, notfalls hätte man sich immer noch in den VfB-Bereich hineinschleusen lassen können.

Besonders toll waren die Plätze leider nicht, sie befanden sich im Oberrang, so dass ich nicht besonders gut in den VfB-Block fotografieren konnte. Zudem war es sehr befremdlich, das Stadion mit einer HSV-Dauerkarte zu betreten und inmitten von Rauten-Fans zu sitzen, die teilweise nicht sehr freundlich zu den vereinzelt um mich herum befindlichen VfBlern gewesen sind. Komisch war außerdem noch, dass wir dem „Topspiel der Woche“ beiwohnten, in dem die beiden größten (sich rettenden) Loser-Teams der letzten beiden Jahre aufeinandertrafen. Der VfB schaffte dies immerhin noch in der regulären Zeit, während der HSV beide Male nachsitzen musste.

Am vorletzten Spieltag der Vorsaison konnte man den HSV ja nach Belieben dominieren und fügte Bruno Labbadia eine schmerzhafte Niederlage zu, dies sollte, vor allem nach der unnötigen Niederlage vor Wochenfrist gegen Köln am besten erneut gelingen.

Das Spiel begann, wie in allen Stadien der ersten beiden Ligen, mit einer Gedenkminute für Gerhard Mayer-Vorfelder. Obwohl es für die Hamburger gegen den VfB, Mayer-Vorfelders Herzensverein, ging, nutzten die Hamburger erfreulicherweise diese Plattform nicht, uns eins auszuwischen, sondern schwiegen respektvoll, was ich als sehr pietätvoll empfand.

Der VfB, der nach Kiel und Köln noch immer auf Serey Dié verzichten musste, begann erneut stark und setzte den Dino früh unter Druck, was durch zwei Ginczek-Tore in einer völlig verdienten 2:1-Pausenführung mündete. Da waren wir inmitten der frustrierten HSV-Fans natürlich noch obenauf. „Pünktlich“ zum 2:1 in der 42. Minute trafen dann auch das CC und noch einige VfBler mehr ein, die durch eine Autobahn-Vollsperrung 80km vor Hamburg aufgehalten wurden.

Unsere Mienen sollten sich in der zweiten Halbzeit schon schnell verdunkeln, nachdem sich Florian Klein in der 52. und 53. Minute zwei dumme gelbe Karten einfing und mit Gelb-Rot vom Platz musste. Dem HSV fiel zwar danach lang nichts ein, was den VfB in Bedrängnis bringen konnte, aber, je mehr sich das Spiel dem Schlusspfiff näherte, schwanden dem VfB die Kräfte. So handelte man sich kurz hintereinander drei weitere gelbe Karten ein und traute sich danach nicht mehr, in einen Zweikampf zu gehen. Dadurch bekam der HSV Oberwasser und erzielte das glückliche 2:2, bei dem Tytoń wieder nicht gut aussah. Als VfBler weiß man, wie es endet, so dass wir uns den Jubel der Rauten nicht mehr geben wollten und uns nach dem Ausgleich zum VfB-Block aufmachten, und die letzten Minuten dort verfolgten. Der Siegtreffer durch Djourou schmerzte dadurch zwar nicht minder, man konnte aber wenigstens mit Gleichgesinnten lamentieren, und musste sich nicht die Häme der Hamburger gefallen müssen.

Zweites Spiel, zweite Niederlage, den tollen Abend auf dem Kiez ließen wir uns trotzdem nicht nehmen.

Debakel gegen Eintracht Frankfurt

Am dritten Spieltag ging es gegen die Frankfurter Eintracht mit Ex-Trainer Armin Veh. Zu gern hätte man Veh, der uns in der letzten Saison so schändlich im Stich gelassen hatte, ein Schnippchen geschlagen und ihn dem Rücktritt bei der Eintracht ein Stück näher gebracht.
Es kam leider anders. Wieder mit 15:6 Torschüssen klar die tonangebende Mannschaft gewesen, wieder den Gegner, der nur auf unsere Fehler wartete, zum Kontern eingeladen, wieder unglaubliche Gegentore bekommen und vorne unfassbare Chancen vergeben. So Harnik, wie einst Gomez in Wien, aus zwei Metern Torentfernung weit über den Kasten. Die Entscheidung für Frankfurt fiel durch einen Elfmeter, nachdem Tytoń wegen einer Notbremse vom Platz flog und durch Vlachodimos ersetzt wurde. Das einzige VfB-Tor beim 1:4 durch Didavi fiel zudem noch aus einer Abseitsposition heraus.

Nach diesem Spiel machte sich erstmals Sprachlosigkeit breit. Null Punkte, 4:10 Tore, so schlecht war noch kein neuer VfB-Trainer gestartet. Zorniger selbst machte auch schon einen ratlosen Eindruck und gab an, defensiv einige Dinge ändern zu wollen, ohne jedoch seine Grundidee überdenken zu wollen. Georg Niedermeier spielte weiterhin keine Rolle, stattdessen trieb Hlousek in der Innenverteidigung sein Unwesen, die Eintracht brachte er mit einem Eigentor in Führung. In Berlin, beim nächsten Spiel steht allerdings Neuzugang Sunjic erstmals zur Verfügung.
Dass Zorniger schon leichte Zweifel an Tytoń beschlichen und er von Vlachodimos erstrecht nichts zu halten schien, so könnte man Zornigers Aussage nach Tytońs Platzverweis verstehen, man müsse auf der Torwartposition noch etwas machen. Dutt hingegen widersprach und nahm Vlachodimos stattdessen in die Pflicht.

Der negative Höhepunkt des Tages fand indes vor dem Spiel statt. Auch der VfB ehrte seinen Ehrenpräsidenten in „seinem“ Stadion mit einer Schweigeminute, was der Frankfurter Block komplett ignorierte und stattdessen weiter supportete. Unterste Schublade, dabei haben die Hessen mal wieder ihre hässliche Fratze nach außen gekehrt. Pfui!

Nächster Rückschlag in Berlin

Am 4. Spieltag, nach der Länderspielpause, führte uns der Weg in die Hauptstadt zur Berliner Hertha, die sich kurz vor Transferschluss noch Vedad Ibisevic geangelt hatte und wo zu befürchten war, dass er gleich gegen seine alten Kameraden treffen würde. Dieses Mal ging es mit dem ICE und einer Übernachtung los, wo ich mir am nächsten Morgen die Zeit bis zur Rückfahrt mit einer Bootsfahrt auf der Spree vertrieben hatte.
Dem VfB merkte man inzwischen an, dass die drei Auftaktniederlagen Spuren hinterlassen hatten. Die Jungs agierten abwartender, überließen dem Gegner dadurch aber eben auch automatisch den Ball, wodurch bereits in der Anfangsviertelstunde der Rückstand resultierte. Durch einen Einwurf auf der linken Seite ließen sich Kostic und Hlousek wie Schuljungen düpieren, so dass der Ball mühelos in die Mitte gepasst werden konnte und von Haraguchi unter Vlachodimos hinweg eingenetzt werden konnte. Vlachodimos, mit nunmehr 21 Jahren über den Talentstatus hinweg, hätte die große Chance gehabt, auf sich aufmerksam zu machen, was ihm leider nicht gelang. Auch er agierte glücklos, so dass es klar war, dass im nächsten Spiel, nach abgelaufener Sperre, wieder Tytoń zwischen den Posten stehen würde.

Der Rückstand weckte den VfB auf. Nunmehr, als fast nichts mehr zu verlieren war, wurden die Aktionen zielstrebiger. Eine Freistoßflanke von Didavi verwertete Sunjic in seinem ersten Spiel mit dem Brustring zum Ausgleich. Ein vielversprechender Auftakt für ihn. Doch, Sunjic war es auch, der den Ball kurz vor dem Pausenpfiff zu kurz aus dem Strafraum heraus köpfte, vor die Füße von Lustenberger, und dieser den Ball volley in die Maschen drosch. Ein Sonntagsschuss, wie er Lustenberger in seinem Leben wohl noch nie gelang und auch nie wieder gelingen wird. Dieser Nackenschlag saß. In der zweiten Halbzeit vermissten wir beim VfB Mut und Zielstrebigkeit, man rieb sich in Zweikämpfen auf und kam kaum mehr zu größeren Chancen.

Vor allem Kostic schmeckte die Gesamtsituation wohl nicht besonders. Seit das Transferfenster geschlossen und klar war, dass er bleiben muss und nicht zu Schalke wechseln darf, wirkt er reichlich genervt und wurde schließlich Gelb-Rot-gefährdet ausgewechselt. Der VfB kam in der Schlussphase kaum mehr zu vielversprechenden Chancen, weil die Berliner geschickt verteidigten und auch die letzte Überzeugung fehlte. Insgesamt wäre auch bei diesem Spiel sicher mehr drin gewesen, wenn man die wenigen Chancen besser genutzt hätte und wenn man den Gegner nicht ständig so einfach zum Tore schießen einladen würde.

Der Erfolg gibt einem Recht, bei Misserfolg hauen sie dir die großen Töne um die Ohren. Diese Erfahrung musste Trainer Zorniger nun mehr und mehr machen. Ob Mehmets Scholl „Laptop-Trainer-Kritik“, die Sport1-Spieltagsanalyse, in der mehr und mehr die Naivität und die für das vorgegebene System fehlenden Spieler kritisiert werden, oder auch sonstige Nebenkriegsschauplätze.

Nach Transferschluss sickerte durch, Robin Dutt habe im Sommer eine Verpflichtung von Julian Weigl abgelehnt, der lieber zum VfB als zum BVB wechseln wollte. Wenn man den Jungen bei Dortmund jetzt so sieht, eigentlich unfassbar. Dabei glaube ich wirklich, dass sich Weigl bei uns nicht so durchgesetzt hätte wie er es jetzt beim BVB schaffte. Bei Dortmund scheint es mehr nach Leistung zu gehen, so dass Weigl nach guten Trainingsleistungen eben auch einen Sven Bender auf die Bank zu verdrängen vermag.

Bei uns dagegen gibt’s den Mann mit der Stammplatzgarantie, Christian Gentner und daneben den zweiten Unantastbaren Serey Dié, so dass Weigl bei uns wohl zwischen Bank und Tribüne gependelt wäre.

Weiteres Thema in der Woche war die Nichtnominierung Timo Werners fürs Berlin-Spiel. Zornigers „Kindermädchen“-Aussage wurde von vielen als anmaßend empfunden, so dass schnell Transfergerüchte um Timo Werner hochkochten und thematisiert wurde, dass man Werner bereits im Sommer wie Sauerbier in England angeboten habe. Ich empfand es als nicht allzu dramatisch, einem Spieler einen Denkzettel zu verpassen. Wie man danach sah, hat dieser Werner ja auch nicht geschadet. Ob Zorniger es selbst einsah, übers Ziel hinausgeschossen zu sein und mit der Nominierung Werners für die erste Elf gegen Schalke zurückruderte, oder ob tatsächlich der Plan dahintersteckte, den Jungen auf den Boden der Tatsachen zurückzuholen, sei dahingestellt. Im weiteren Verlauf der Vorrunde hat Werner jedenfalls den nächsten Schritt gemacht und ist aus der ersten Elf derzeit kaum mehr wegzudenken.

Unverdiente Niederlage gegen Schalke

Jenes Spiel gegen Schalke war erneut ein Spiegelbild der bisherigen Heimspiele. Eine unfassbar schlechte Chancenverwertung in einem an und für sich Riesenspiel. Bei 19:7 Torchancen (26:10 Torschüsse) 0:1 zu verlieren, das muss einem erst mal einer nachmachen. Schalke weiß bis heute nicht, wie sie dieses Spiel gewinnen konnten, dabei ist es ganz einfach! Vorne die Chancen nicht genützt und hinten ließ sich Florian Klein von Leroy Sané wie ein ABC-Schütze ausspielen, und fertig war die Niederlage.

Grotesk, nach Jahren der spielerischen Armut, wird im Neckarstadion Spektakel und Vollgas-Fußball geboten. Dass gegen Ende die Kräfte fehlen, noch einmal zuzulegen, könnte man verschmerzen, wenn davor die Chancen besser genutzt worden wären. Auch nach dieser dritten Heimniederlage in Folge verließen wir das Neckarstadion begeistert und ich war mir sicher, dass Zorniger der richtige Mann wäre und der Schalter schon noch rechtzeitig umgelegt werden könnte. Ich sah es seinerzeit so, dass wir uns Spiel für Spiel verbessern würden und sich der Erfolg langfristig in den Ergebnissen niederschlagen würde. Schließlich ist Zorniger Übungsleiter durch und durch, der sich nie ausruhen dürfte und ständig an Verbesserungen zu feilen gewillt ist.

Gegen Schalke scheiterte man in erster Linie an eigenem Unvermögen und einem überragenden Schalker Schlussmann Fährmann. An der kraftraubenden Spielweise wollte man die Niederlagenserie freilich noch nicht festmachen, Zorniger bezeichnete sie erstmals als alternativlos und meinte, er wüsste nicht, wo, außer bei der Chancenverwertung, er ansetzen sollte. Dutt indes beschwor gar den Fußball-Gott “Vielleicht haben da irgendwelche höheren Mächte ihre Finger im Spiel”. Ratlosigkeit allerorten und wohl das erste Schlusslicht in der Bundesliga-Historie, das nur Applaus und Anerkennung für seine Darbietungen erntet und für den die Fans nach Spielende noch Standing Ovations übrig haben.

Dragan Holcer ist tot

Und plötzlich ereilte uns die Nachricht über der Tod des früheren VfB-Liberos Dragan Holcer, der im Alter von 70 Jahren einer schweren Krankheit erlag. Holcer war für mich einer der Helden meiner Kindheit. Er kam nach dem Bundesligaabstieg 1975 schon als erfahrener Spieler zum VfB, hatte großes taktisches Spielverständnis und die Gabe junge Mitspieler zu führen. An dessen Seite reifte bspw. ein Karl-Heinz Förster zum Weltklasse-Vorstopper, so dass Holcer maßgeblichen Anteil daran hatte, dass der VfB nach zwei Jahren den Wiederaufstieg schaffte und sich fortan in der Spitzengruppe der Bundesliga festbiss. Ruhe in Frieden, Dragan Holcer.

Erster Saisonsieg in Hannover

Lang war nicht Zeit, sich über die wahnwitzige Niederlage gegen Schalke zu grämen. Schon mittwochs ging es in Hannover weiter. Für mich bedeutete es mal wieder, zwei Tage Urlaub für das zweifelhafte Vergnügen zu opfern, unter der Woche in die Messestadt an der Leine zu fahren. Wir machten uns zu dritt bereits am frühen Morgen mit dem ICE auf in Richtung Norden, und vertrieben uns die Zeit in der Stadt und fuhren nach dem Spiel mit dem RWS-Bus durch die Nacht zurück in die Heimat. Mein Ticket fürs Spiel hatte ich erneut bei Hannover 96 direkt bestellt und saß Haupttribüne, Reihe 1, direkt hinter dem Bänkchen, auf dem Zeugwart Meusch, Günne Schäfer und Torwarttrainer Menger u. a. Platz nahmen. Ein genialer Platz, den ich mir in der nächsten Saison, sollten beide erstklassig bleiben, unbedingt wieder sichern muss.

Der VfB begann, wie schon in Berlin, verhalten und hatte zunächst Glück, dass ein vermeintliches Abseitstor von Andreasen nicht gegeben wurde. Wenig später handelte man sich aber dann doch den Rückstand ein, den der VfB prompt durch Gentner ausgleichen konnte. Weitere zwei Minuten später war es Timo Werner, der nach 24 erfolglosen Spielen endlich mal wieder traf.

Schon Gentners Tor hatte er vorbereitet, das zweite selbst erzielt, dadurch schwang sich Werner zum Matchwinner auf. Danach gab er zu, sich zwischenzeitlich psychologische Hilfe von Philipp Laux geholt und dabei gelernt zu haben, das Positive aus den vergebenen Chancen zu sehen, nämlich, dass er sich die Chancen überhaupt erarbeitet. Wenn es so einfach ist, na denn. Jedenfalls ist Werner seit seiner Ausbootung in Berlin auf dem aufsteigenden Ast, was mich persönlich sehr freut. Wenn er seine Schnelligkeit weiter ausspielen kann und dabei ruhiger am Ball wird, haben wir mit ihm eine richtige Waffe in unseren Reihen.

Der VfB verzeichnete auch in Hannover ein klares Chancenplus, war aber einmal mehr zu inkonsequent im Nutzen der Möglichkeiten, so dass das Spiel bis zum Schluss auf Messers Schneide stand. Erst als der eingewechselte Maxim in der Nachspielzeit das 1:3 erzielte, war der Fisch geputzt und Steine purzelten tonnenweise von den VfB-Herzen. Erster Sieg im sechsten Spiel, ganz wichtig und dazu noch der schöne Begleitumstand, dass man einen direkten Konkurrenten im Abstiegskampf in die Schranken weisen und in der Tabelle überholen konnte.

Die Stimmung stieg spürbar nach dem ersten Saisondreier und dennoch gab es keine Zeit, sich darauf auszuruhen, wartete doch sodann gleich die nächste schwere Aufgabe, zu Hause gegen Mönchengladbach. Die Gladbacher hatten einen genauso mauen Start in die Saison hingelegt wie der VfB und nach der fünften Niederlage in Folge den Rücktritt von Trainer Lucien Favre zu verkraften. Interimstrainer Andre Schubert gewann dann unter der Woche sein erstes Spiel, so dass die Borussen weiterhin im Gleichschritt mit dem VfB in der Tabelle unterwegs sind.

Traditionell ging es schon sehr früh aufs Volksfest, um sich den Kick schon einmal schön zu trinken und darauf einzustimmen.

Erneut eine Torschussstatistik von 23:9, erneut 1:3 verloren. Die Gladbacher wollten zunächst eigentlich nichts von uns und lagen doch bereits nach 20 Minuten durch zwei Nachlässigkeiten im eigenen Strafraum mit 0:2 hinten. Ginczek verkürzte per Elfmeter auf 1:2, was Signal eines beispielslosen Sturmlaufs war. Maxim und Werner verpassten den Ausgleich aus kürzester Distanz, Didavi scheiterte an der Latte, hochkarätige Chancen gab es zuhauf, stattdessen setzten die Gladbacher in der Nachspielzeit nach Fehler von Insúa den Deckel drauf.

Man konnte es wieder einmal nicht fassen, dass man ein solches Spiel verlieren kann. In der Tabelle fiel man wieder auf den vorletzten Platz zurück, während die Gladbacher offensichtlich den Turnaround geschafft haben und ihre Aufholjagd fortsetzten.

Die Kritik an Zorniger indes wird lauter. Immer mehr offenbart sich, dass er keinen Plan B zu haben scheint, das Team defensiver auszurichten und sich über Sicherheit Selbstvertrauen zurückzuholen. Er scheint einzig und allein, darauf zu bauen, dass die Chancenverwertung schon irgendwann mal besser werden wird. Hoffentlich nicht erst dann, wenn es zu spät ist.

Zu diesem Zeitpunkt hatte ich auch noch eine ähnliche Denke, vor allem wenn man eben sieht, wie die Chancen vergeben wurden. Wenn man aus kürzester Distanz das Tor nicht trifft und wenn man es trifft nach Fährmann gegen Schalke auch Sommer für Gladbach ein überragendes Spiel gemacht, was soll der Trainer da noch ändern? Zorniger selbst sagte „”Es ist eine schwierige Situation, weil ich nicht weiß, wo ich ansetzen soll”.
Und doch stellte sich immer mehr die Frage, ob der VfB für dieses System des hohen Verteidigens und des ständigen Jagens des Gegners die richtigen Spieler hat. Wird der Ball erobert geht es wie die Feuerwehr nach vorn und die Jungs kommen so oft zum Abschluss wie schon lange nicht mehr.

Das große Problem ist aber das naive Abwehrverhalten bei Ballverlust, wo Christian Gentner und Serey Die stets schnell überspielt oder überlaufen werden und es nicht schaffen, für Sicherheit zu sorgen. Auch die Außenverteidiger kleben auf der Linie und schaffen es nicht, Gegenangriffe zu unterbinden.

Robin Dutt sagt zwar auch zu diesem Zeitpunkt noch, „der Trainer ist nicht das Problem sondern die Lösung“, einen sonstigen Lösungsansatz hat er jedoch auch nicht in petto. Je mehr Niederlagen das Team erleidet, desto unruhiger dürfte es wieder werden auf dem Cannstatter Wasen. Für Sinsheim, wo der VfB zum nächsten Bundesligaspiel gastiert, gilt jedenfalls: „Verlieren verboten“, ansonsten dürfte es immer schwieriger werden, an Zorniger festzuhalten. Der Ton in den Medien wird jedenfalls schon rauer, ist Zorniger ja auch keiner, der einen Kuschelkurs fahren würde, im Gegenteil, von Woche zu Woche wird er dünnhäutiger.

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19. Dezember 2015

Der VfB, ein hoffnungsloser Fall!

Nach dem Spiel beim 1. FSV Mainz 05 übernahm der VfB zum 13. Mal im Kalenderjahr 2015 die rote Laterne, so oft wie noch nie zuvor in seiner Vereinsgeschichte. Wir stellen die schlechteste Abwehr der Liga und weisen die schlechteste Tordifferenz aller Bundesligisten auf. Wurden wir zu Saisonbeginn noch für unsere Spielweise, die bedauerlicherweise zu wenig Punkte brachte, gelobt, kehrt der VfB unter Interimstrainer Jürgen Kramny zu einem Fußball zum Abgewöhnen zurück, der zwar mehr defensive Stabilität bringt, mit der man vorne dafür aber auf den lieben Gott angewiesen ist. Zwei dadurch aufeinanderfolgende nicht verloren gegangene Bundesligaspiele gegen biedere Mannschaften aus dem Tabellenkeller und dem Mittelfeld, werden uns als Trendwende verkauft, Jürgen Kramny zum Heilsbringer hochgelobt.

Meine Euphorie darüber hält sich in Grenzen. Gegen Werder Bremen wurde eine 1:0-Pausenführung leichtfertig aus der Hand gegeben, weil nach vorne die Ideen fehlten und man nur auf Sicherung der knappen Führung bedacht war, in Mainz stellte man die Offensivbemühungen in der zweiten Halbzeit gar komplett ein und war (zu) früh mit einem Remis zufrieden. In beiden Spielen offenbarte der VfB große konditionelle Mängel und war nach etwa einer Stunde nicht mehr imstande noch einmal zuzusetzen.

Willkommene Abwechslung zum tristen Bundesliga-Alltag bot am Mittwoch der DFB-Pokal. Eintracht Braunschweig wurde uns zugelost, ein Heimspiel, Flutlicht! Und die große Chance ins Viertelfinale des noch immer attraktiven und prestigeträchtigen Wettbewerbs einzuziehen. Dennoch fanden sich gerade einmal 21.950 Zuschauer im Neckarstadion ein, wovon noch gut 2.000 aus Niedersachsen angereist waren. Das mag ein Stuttgarter Phänomen sein, dass solche „Sonderlocken“ wie Europa League- und DFB-Pokal-Spiele unter der Woche und in der dunklen Jahreszeit nicht angenommen werden, wenn der Gegner nicht gerade Bayern München heißt. Die Gründe dafür sind vielschichtig. Ob frühe oder späte Anstoßzeit, wer arbeiten muss und auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen ist, hat so oder ein Problem. Aufs Auto umzusteigen ist für viele angesichts der zuletzt gezeigten Leistungen keine ernsthafte Alternative, weil im Stadion wenigstens der Promillespiegel stimmen sollte. Außerdem hat der VfB ein sehr großes Einzugsgebiet, ob Bodensee, Baden, Franken oder Hessen und sogar noch darüber hinaus, ohne mindestens einen Tag Urlaub zu nehmen ist ein Stadionbesuch an einem Werktag für viele Dauerkarteninhaber nicht möglich. Das Weihnachtsgeschäft und der Weihnachtsstress tun bei vielen noch ihr übriges.

Und dann gibt es eben auch sehr viele Stammbesucher, die es nicht einsehen, für diese Magerkost noch zusätzlich zu bezahlen und bleiben lieber zu Hause. Daher wurde bereits im Vorfeld vom VfB kommuniziert, dass aufgrund der erwarteten Zuschauerzahl die komplette Untertürkheimer Kurve sowie die Oberränge von Haupt- und Gegentribüne gesperrt bleiben und Karten für diese Bereiche vor Ort unbürokratisch umgetauscht werden würden.

Schon der Vorverkauf für dieses Spiel ließ lang auf sich warten. Seit 1.11. war der Gegner bekannt, vom 27.11. bis 2.12. (4 Werktage lang!) wurde den Dauerkarteninhabern das Vorkaufsrecht auf ihren Platz eingeräumt, danach startete dann der freie Verkauf. Da ich lang nicht wusste, welche Preise der VfB für die Treuesten der Treuen ausrufen würde und ich es nicht eingesehen hätte, für diesen Kick den Normalpreis für meinen Haupttribünenplatz zu bezahlen, bestellte ich über den Fanclub einen Kurvensitzplatz, weil ich da wenigstens weiß, dass nichts schief geht.
Weshalb dieser Vorverkauf so spät gestartet ist und dann in aller Hektik durchgepeitscht werden musste, erschließt sich mir nicht. Man war jedenfalls schon geneigt, beim VfB nachzufragen, ob sie auch mitbekommen haben, dass wir im Achtelfinale stehen. Durch den spät gestarteten Verkauf ergaben sich dann auch noch (hausgemachte) logistische Probleme, wie man auf der VfB-Facebook-Seite von Usern nachlesen kann, die ihre Karten nicht oder erst nach dem Spiel erhalten haben.

Der Umtausch der Karten vor Ort gestaltete sich dann auch nicht so einfach, wie im Vorfeld kolportiert, habe gehört, dass Leute rund ums Stadion geschickt wurden und dadurch den Anstoß verpassten. Wir verpassten ihn auch, weil sich 15 Minuten vor Spielbeginn riesige Schlangen am Einlass gebildet hatten und es nur sehr schleppend voranging. Am Vortag wurden die beiden frühen Spiele mit fünfzehnminütiger Verspätung angepfiffen wegen des großen Zuschauerandrangs. Seitens des VfB hielt man es wohl nicht für nötig, einen derartigen Antrag zu stellen. War es dem VfB selbst peinlich, es nicht zu schaffen, diese vergleichsweise geringe Zuschauerzahl abfertigen zu können oder geschah dies aus purer vorweihnachtlicher Nächstenliebe, damit sich die zu spät Kommenden das Elend nicht komplett anschauen mussten?

Man weiß es nicht, jedenfalls hatte ich dadurch nicht nur den Einlauf der Mannschaften, eine kleine Choreo des Braunschweiger Anhangs und eine Pyroshow der Gästefans, sondern auch das 0:1 verpasst. Vor dem Spiel erhoffte ich mir eine Initialzündung und dass man sich über das Pokal-Spiel wichtiges Selbstvertrauen für das letzte Vorrundenspiel gegen den VfL Wolfsburg holen würde. Diese Hoffnungen erfuhren früh einen Dämpfer. Dazu wäre eine eigene schnelle Führung wichtig gewesen, anhand derer man sich hätte in einen Rausch spielen können. Jetzt durfte man sich also auf ein ausgeglichenes Pokalspiel auf Augenhöhe einstellen, weil die Braunschweiger zunächst einmal Blut geleckt hatten und erkannten, wie verwundbar wir sind. Auch wenn dem 0:1 ein leichter Schubser an Georg Niedermeier vorausgegangen war, der ihn aus dem Tritt brachte, war das Tor für mich nicht irregulär. Niedermeier kam schon stabiler daher und muss sich mit seiner Statur nicht so einfach düpieren lassen.

Die Reaktion des VfB indes konnte sich sehen lassen. Man nahm das Zepter in die Hand und kam zu ersten guten Chancen. Eine Viertelstunde nach dem Rückstand konnte der VfB durch Georg Niedermeier, der damit seinen „Fehler“ wieder gutmachte, egalisieren.

Danach aber verfiel der VfB in den unter Kramny praktizierten alten Trott. Behäbiges Ballgeschiebe in den eigenen Reihen, um hinten nichts anbrennen zu lassen, war oberste Maxime.

Werner hatte dann noch eine gute Torchance und wurde zudem kurze Zeit später im Strafraum gelegt. Alexandru Maxim schoss den fälligen Foulelfmeter, scheiterte aber kläglich am guten Braunschweiger Schlussmann Gikiewicz. Der Pole hielt auch danach überragend gegen Rupp und Timo Werner, so dass es mit dem 1:1 in die Halbzeitpause ging. Nach dem Wechsel entwickelte sich ein Spiel mit offenem Visier und Chancen hüben wie drüben, ein Klassenunterschied war nicht zu erkennen.

Robin Dutt spielte das zwar nach der Partie herunter und erfand die Formel es habe der Bundesliga-18. gegen den -23. gespielt. Meiner Meinung nach muss man für die Bewertung aber nicht nur die desaströse Tabellensituation des VfB heranziehen sondern auch berücksichtigen, dass der VfB einen in etwa doppelt so hohen Saisonetat aufzuweisen hat wie die Braunschweiger.

Nach einer Stunde ging dem VfB dann mal wieder die Puste aus, so dass die Begegnung dem Ende der regulären Spielzeit entgegenplätscherte. Als leidgeprüfter Fan, der dieses Gekicke derzeit ohnehin nur schwerlich und mit reichlich Bierzufuhr ertragen kann, wünschte man sich selbstredend nichts sehnlicher als einen mindestens dreißigminütigen Nachschlag, der einem dann auch nicht erspart bleiben sollte.

In der Verlängerung besann sich der VfB zunächst wieder darauf, den Vorwärtsgang einzulegen, um sich nicht im Elfmeterschießen blamieren zu müssen, so dass Georg Niedermeier eine doppelte Kopfballchance hatte. Fünf Minuten später lag der Ball dann endlich im Braunschweiger Gehäuse, als der eingewechselte Youngster Tashchy mustergültig auf Timo Werner flankte und dieser nur noch einzunicken brauchte. Die erlösende Führung war endlich da und damit auch der Glaube daran, dass der Kelch des Elfmeterschießens an uns vorüberziehen würde. Doch da hatten wir die Rechnung ohne unsere Abwehr gemacht. In der 110. Minute konnte Ademi im VfB-Strafraum schalten und walten wie er wollte, sich den Ball in aller Seelenruhe zurecht legen und schließlich einnetzen. 2:2 und zehn Minuten waren noch zu spielen. Drei Minuten später hatte der VfB Riesenglück, dass Schiedsrichter Sippel das Foul von Niedermeier an Ademi nicht sah und den Braunschweigern den fälligen Elfmeter verweigerte. Das wäre mutmaßlich der Knockout gewesen und es wäre den Protagonisten hinterher schwer gefallen, irgendetwas an diesem Spiel zu beschönigen. So aber traf Sunjic in der 118. Minute und hielt den VfB damit im Wettbewerb. Ich weiß nicht, worüber ich im Stadion mehr jubelte, über den Siegtreffer oder darüber, endlich heim zu können, jedenfalls war es das dann und ein weiteres nervenaufreibendes um nicht zu sagen nerviges Spiel mit dieser „Mannschaft“ war Geschichte. Im Viertelfinale wartet Borussia Dortmund, angesichts der zuletzt gezeigten VfB-Leistungen wohl wie ein Freilos für den BVB.

Sollte sich in der Winterpause nicht grundlegend etwas ändern, ist es schwer vorstellbar, wie wir bis zum Februar dem BVB ein echter Gegner und nicht nur Sparringspartner sein sollten, auch wenn in einem Heimspiel immer alles möglich ist.

Der VfB müsste sich (mal wieder) runderneuern, was aufgrund der Finanzknappheit jedoch ein utopischer Wunsch bleiben dürfte. Erst in dieser Woche wurde ein ebenso interessanter wie alarmierender Artikel vom Finance-Magazin veröffentlicht, der offenlegt, wie Kennzahlen vom VfB geschönt werden und wie es finanziell tatsächlich um unseren Herzensclub bestellt ist. Dieser gibt auch Einblicke darüber, wie schlecht der VfB mit vergleichsweise viel Personal im Vergleich zu anderen Vereinen wirtschaftet und wie lang wir bereits in einem boomenden Markt rückläufige Umsätze verbuchen. Da auf dem Wasen noch immer alles rosarot gemalt und der Fan für dumm verkauft wird, misst man sich dann eben nicht mehr mit den Besten, sondern mit dem 23. der Bundesliga, den man in einem typischen Pokal-Fight wahrlich niedergerungen habe. ;-)

Als Fan stelle ich fest, dass wir mit Hängen und würgen die nächste Runde erreicht haben und Braunschweig mit uns auf Augenhöhe war.
Robin Dutt hat bereits verlauten lassen, dass im Winter möglicherweise ein Spieler gekauft oder zwei ausgeliehen werden könnten, was gemessen am derzeitigen Leistungsvermögen der Truppe, viel zu wenig wäre. Wir haben Handlungsbedarf in allen Mannschaftsteilen, es muss endlich Schluss sein mit dem Vorgaukeln angeblicher Qualität und rigoros ausgemistet werden.

Die einzigen wirklichen Qualitätsspieler Didavi und Kostić sind gedanklich schon fort oder wie Ginczek verletzt. Es gibt niemanden, der das Zepter an sich reißt, wenn es, was es ja oft tut, schlecht läuft. Wir benötigen Spieler mit Charisma, die der Truppe von Anfang neues Leben einhauchen, so wie es Serey Dié vor Jahresfrist getan hat.

Timo Werner hat in der Vorrunde einen Sprung gemacht und kann sich vor allem wegen seiner Schnelligkeit noch zu einer wahren Waffe entwickeln. Da Karl-Heinz Förster gestern auf der Geschäftsstelle des VfL Wolfsburg gesichtet wurde und dementierte, wegen Daniel Didavi dort gewesen zu sein, könnte Timo Werner, den der VfB offensichtlich bereits im Sommer wie Sauerbier angeboten hatte, dort Gesprächsthema gewesen sein.
Robin Dutt ist offensichtlich dabei, Tafelsilber zu verkaufen und alles und jeden, der noch Geld einbringen könnte, auf dem Markt anzubieten. Was uns bleibt, sind die Schwaabs und Hlouseks, gute Nacht, VfB!

Christian Gentner ist sowohl als Kapitän als auch als gesetzter Spieler auf der wichtigsten Position im modernen Fußball eine absolute Fehlbesetzung. Ihm fehlt Handlungsschnelligkeit, im fehlt Mut, im fehlt in gewisser Weise auch das Spielverständnis, wann er Tempo herausnehmen und wann er das Spiel schnell machen müsste. Zudem ist er ein Verfechter des körperlosen Spiels und keiner der richtig dazwischenhaut und dem Gegner mal weh tut. Es kann kein Zufall mehr sein, dass es, angefangen mit Zdravko Kuzmanovic, kein Spieler schaffte sein Level neben ihm zu halten geschweige denn ihn auf die Ersatzbank zu verdrängen. Aufgrund alter Erbhöfe und seiner guten Vernetzung bei den „richtigen Leuten“ im Verein, ist Gentner DIE Konstante, was mit verhindert, dass endlich ein leistungsorientiertes Klima auf dem Wasen einkehrt.

Dann bringt Kramny in Mainz Allzweckwaffe Hlousek für Kostic, um das Ergebnis zu sichern, Schwaab darf Woche für Woche seine Unfähigkeit unter Beweis stellen und der Niederstrecker ist auf einmal wieder unverzichtbarer Bestandteil der ersten Elf, obwohl er mangels Schnelligkeit ständig Gefahr läuft, durch dumme Fouls die eigene Mannschaft zu schwächen. Einzig Tytoń, Rupp und Timo Werner zeigen in den letzten Wochen und Monaten so etwas wie aufsteigende Tendenz. Alle anderen befinden sich in einem gefährlichen Sog, ziehen sich gegenseitig runter und stecken sich durch ihre eigene Unsicherheit gegenseitig an.

Trotz aller gegenteiligen Beteuerungen haben wir keine Mannschaft im ursprünglichen Wortsinn auf dem Platz sondern eher elf Einzelkämpfer, wobei man „Kämpfer“ lieber in Anführungszeichen setzt. Dass es in der Mannschaft nicht stimmen kann, macht öffentlich geäußerte Kritik an den Mannschaftskameraden, zuletzt von Didavi und Gentner, deutlich. Es ist ja eigentlich als positiv zu bewerten, wenn sich Spieler Gedanken machen und offensichtlich selbst nicht zufrieden sind, mit dem Käse, den sie spielen, würden sie selbst mit Leistung vorangehen, wäre es allerdings noch lobenswerter.

Wie die Stuttgarter Medien meinen zu wissen, steht es bereits so gut wie fest, dass Jürgen Kramny nach dem Wolfsburg-Spiel offiziell zum Cheftrainer ernannt wird. Einzig, ein Debakel gegen die Wölfe könnte die Vereinsführung noch zum Umdenken bewegen.

Da frage ich mich, haben die Herren im Vorstand den Schuss nicht gehört? Wir stehen am Abgrund, Hoffnungslosigkeit macht sich breit, und der Verein offenbart in schonungsloser Offenheit, dass er keinen Plan hat. Wer Präsident Bernd Wahler letzten Sonntag bei Sport im Dritten gesehen hat, sah einen erbärmlichen und farblosen Auftritt des VfB-Präsidenten. Viel geschwätzt, nichts gesagt und vor allem hat er keine Lösungen aufgezeigt und nicht den Eindruck erweckt, er wisse, was zu tun wäre. Er hat tatsächlich einzig und allein die Ausgliederung im Kopf und lässt Dutt machen und vertraut darauf, dass er das schon gut machen werde. Nur, wo Dutt ist, ist unten! Schwache Chefs umgeben sich mit noch schwächeren Mitarbeitern. Bezeichnend, dass Wahler bei SiD die Nichtentlastung des Vorstands weglächelte und meinte, dies sei ja auf 2014 bezogen gewesen. Wie lang ist Herr Wahler nochmal schon im Amt? Wenn ich dieses Auftreten sehe, frage ich mich hingegen, wie lang ist Herr Wahler NOCH im Amt. Auf allen Ebenen bietet der VfB ein einziges Trauerspiel, so dass das nächste personelle Beben nicht mehr in allzu ferner Zukunft liegen dürfte.
Dutt steht nach Zornigers Entlassung, bei der Faneingebungen letztlich wohl der letzte Funken waren, mehr denn je auf dem Prüfstand. Er muss zeigen, dass er alles menschenmögliche dafür tut, den VfB in der Liga zu halten. Dabei darf es dann weder um dieselben anwaltlichen Verstrickungen gehen, noch darum, sich möglichst einen „schwachen“ Trainer zu holen, der nur dankbar ist, da sein zu dürfen und keine Widerworte gibt. Es muss einer sein, der weiß, wie man den Karren aus dem Dreck bekommt und den oberen Herren auch die Meinung geigt. Ich fürchte nur, dass Dutt sich darauf nicht einlassen wird. Er „probiert“ Kramny und wenn er nicht zündet, kann man ja immer noch reagieren. Dass es dann bereits zu spät sein könnte und einem neuen Mann die Möglichkeit des Wintertrainingslagers und der Transferperiode dadurch versagt bliebe, möchte Robin Dutt nicht wahrhaben.

Der VfB wirkt momentan so, als wäre er entscheidungsunfähig. Die Rumpf-Mannschaft im Aufsichtsrat hält sich zurück, Wahler, ohne weitere Worte und Robin Dutt soll das Schiff auf Kurs halten, obwohl er als Sportdirektor-Novize und gescheiterter DFB-Sportdirektor und Bundesliga-Trainer den Nachweis seiner Tauglichkeit für diese Herkulesaufgabe erst noch erbringen muss.

Mir wird es angst und bange beim Gedanken daran, dass man nicht nur die letzten vier Bundesliga-Spiele unter Kramny an Zeit verloren hat, sondern, dass man wohl gewillt ist, gerade so weiter zu machen.

Sollte die Kasse wirklich so leer sein, dass wir uns weder einen ordentlichen Trainer noch Verstärkungen für den Kader leisten können, sollen die Herren doch einmal auf die andere Straßenseite der Mercedesstraße gehen und um ein Darlehen betteln.

Ein Abstieg, der in der derzeitigen Konstellation wahrscheinlicher denn je ist, käme ein Vielfaches teurer als jetzt quasi in Vorleistung zu gehen, um alles dafür getan zu haben, den Super-GAU noch abzuwenden.

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