17. April 2016

Mit Vollgas Richtung 2. Liga

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , – Franky @ 21:04

Noch immer bin ich schwer verkatert an diesem tristen Sonntag und das nicht nur wegen reichlich konsumierter Hopfen-Kaltschalen, sondern vor allem wegen der Darbietung der Brustringträger in Augsburg.

Ein solch blutleerer, kampf- und ideenloser Auftritt lässt nicht darauf schließen, dass sich die „Mannschaft“ des Ernstes der Tabellensituation bewusst war, oder, noch schlimmer, dass ihr irgendetwas am Ligaverbleib vom VfB liegen würde. Schämen sollten sie sich, die Reaktionen nach dem Spiel ließen aber eher vermuten, dass sie überrascht gewesen wären, weil ihnen keine Beifallsarien aus dem Block entgegen hallten, sondern Pfiffe. Daher machten sie schneller wieder kehrt, als sie gekommen waren.

Bereits letzte Woche hatte ich geschrieben, dass ich sowohl mit unserer Niederlage in Augsburg rechnen würde und es mich nicht wundern würde, wenn gleichzeitig Darmstadt, Bremen und Hoffenheim ihre Spiele gewännen. Dass dies dann exakt so eintrat, bescherte mir zwar die zwischenzeitliche Spieltagsführung im Kicktipp-Spiel, was mich an diesem Tag jedoch auch nicht trösten konnte. Der Abstiegskampf hat uns endgültig wieder und das, obwohl man sich im Februar zwischenzeitlich gar auf Europaleague-Kurs wähnte.

Dabei begann der Tag klasse. Ausnahmsweise schlossen wir uns der Jahres-Ausfahrt der Murgtalschwaben an und besuchten vor dem Spiel noch das Brauhaus 1516 direkt am Augsburger Hauptbahnhof. Bester Laune kamen wir eine dreiviertel Stunde vor Spielbeginn am Stadion an. Nach kurzem meet and greet mit Freunden und Bekannten am Busparkplatz ging es auch schon hinein. Wir hatten unsere Plätze auf der Haupttribüne, wo es zum einen besser zum fotografieren gewesen ist und es, im Gegensatz zum Gästeblock, „richtiges“ Bier gab.

Zu Beginn gab es eine schöne vom Schwabensturm initiierte „Traditionsverein“-Choreographie, bevor es auch schon hinein ins Spiel ging. Von Beginn an war auf VfB-Seite keine Entschlossenheit zu spüren. Man erhoffte sich zwar, dass das Team im Vergleich zu Ingolstadt und Darmstadt erfolgshungriger antreten würde, wurde jedoch schon bald bitter enttäuscht.

Die meisten Spieler schienen gedanklich schon bei ihren neuen Vereinen zu sein, so dass ein völlig zusammenhanglos anmutender Auftritt daraus wurde. Kein Teamgeist, keine Konzentration, keine Zweikampfhärte, dilettantisches Zweikampfverhalten, unerklärliche Stockfehler, kaum Torgefahr, kein Zusammenspiel und an der Seitenlinie ein Trainer, der erst noch nachweisen muss, dass er einer solchen Situation gewachsen ist. Schwaab und Klein rechts, Insúa links, ließen sich ein ums andere Mal überspielen und düpieren, so dass Augsburg schnell zu seinen Spielanteilen kam und vor allem schnell merkte, dass dieser VfB zu packen ist.

Wie man bei der nach Hannover 96 zweitschwächsten Heim-Mannschaft einen solchen Auftritt hinlegen und von der ersten Minute an alles vermissen lassen kann, was nötig wäre, im Abstiegskampf zu punkten und zu bestehen, ist mir und wohl allen anderen Mitgereisten ein großes Rätsel.
Da das Team nach der Erfolgsserie zu Beginn der Rückrunde schon wieder der Auffassung war, es habe seine Schuldigkeit getan, sollte auch dem Letzten klar geworden sein, dass das Grundgerüst der Mannschaft schnellstmöglich komplett ausgetauscht werden muss. Gentner als Kapitän ist für mich Woche für Woche mehr der Witz des Jahrhunderts. Keine Ausstrahlung, keine Eier, zaudernd anstatt entschlossen, er steht wie kein zweiter für die Bequemlichkeit und Verweichlichung dieser Truppe.

Getreu dem Schlussverkaufsmotto „Alles muss raus“ ist Dutt im Sommer gefordert, dem Team ein neues Gesicht zu verleihen und eine neue Hierarchie, ohne Rücksicht auf irgendeine Hausmacht, zu installieren.

Nachdem mit Lukas Rupp kurzfristig auch noch der letzte Kämpfer ausgefallen war, hatten wir ausnahmslos Ballerinas in rosa Tutus auf dem Platz, die lieber höflichen Sicherheitsabstand zu ihren Gegenspielern hielten, anstatt dorthin zu gehen, wo es weh tut. Null gelbe Karten im Abstiegs“kampf“ sprechen Bände.

Unseren Künstlern Didavi, Kostic und Maxim gestehe ich es ja zu, die eine oder andere Situation mit Hacke, Spitze, eins, zwei, drei zu lösen, wenn dies aber auch all die ganzen Rumpelfußballer in der Startelf meinen, für sich beanspruchen zu können, fehlt mir das Verständnis. Diejenigen sollten erst einmal an den Basics arbeiten und mal anfangen zu üben, einfache Pässe über zehn Meter an den eigenen Mann zu bringen. Abstiegskampf gewinnt man nur selten mit Schönspielerei.

Bezeichnend der spielentscheidende Treffer, als Niedermeier ein Luftloch schoss und seine Eigentormarke auf mindesten 2 ½ hoch schraubte. Diese Slapstickeinlage nötigte sogar seinem Trainer eine von ihm ungewohnte Breitseite ab, „bis Niedermeier MAL WIEDER einen Stockfehler hatte“. Von Augsburgern umringt auf der Haupttribüne fiel mir nichts anderes ein, als sarkastisch drüber zu lachen. Das Schlimme war, dass dieses Spiel exakt so verlief, wie ich es befürchtet hatte, ich also nicht einmal negativ überrascht war.

Egal wie die Saison noch enden wird, eines ist klar: Robin Dutt darf keinen der auslaufenden Verträge verlängern, weder den von Daniel Schwaab, noch Georg Niedermeiers, noch den von Martin Harnik und auch nicht die von Florian Klein und Christian Gentner, die wir vertragsbedingt auch nächste Saison noch an der Backe haben werden. Diese alle stehen sinnbildlich für die Mentalität dieses eierlosen Trümmerhaufens und stecken Neuzugänge mit ihrer Bequemlichkeit schneller an, als dass sie die Stadt kennen.

Ich könnte mir gut vorstellen, dass es gerade die oben Genannten wären, die im Falle des Abstiegs Treueschwüre wie „Ich habs mit verbockt und möchte jetzt auch helfen, diesen Betriebsunfall zu korrigieren“ ablassen würden, hoffentlich lässt sich Dutt davon dann nicht blenden. Vielmehr sollte man doch dankbar sein, dass all jene Verträge in absehbarer Zeit auslaufen und der Blick endlich in eine bessere Zukunft gerichtet werden kann.

Dass es Woche für Woche die Gleichen sind, die Kramny aufstellt, begreife ich nicht. Es ist ja beileibe nicht so, dass sie sich für weitere Nominierungen empfehlen würden.

In dieser Beziehung ist Kramny meiner Meinung nach ein Feigling. Er bringt noch immer stets die Platzhirsche und setzt keine Reizpunkte, indem sich der eine oder andere auch mal unverhofft auf der Bank oder Tribüne wiederfindet. Für mich muss ein neuer Trainer Akzente setzen und sich von seinen Vorgängern abheben. Wenn einer aber den Weg des geringsten Widerstands wählt, nicht anecken möchte und offensichtlich keinen weiterführenden Plan hat, außer auf das Gute im Spieler zu hoffen, ist er für mich fehl am Platze und beliebig austauschbar.

Wofür leiht man einen Federico Barba aus und lässt ihn, jetzt, wo er wieder fit ist, sich nicht beweisen? Schlechter als Niedermeier, Schwaab und Sunjic wird er ja wohl kaum sein und, wenn doch, muss auch an der Zurechnungsfähigkeit von Robin Dutt gezweifelt werden. Noch in der Woche nährte Kramny Hoffnungen auf Barba, indem er erklärte, für das Spiel könne ein Linksfuß nützlich sein. Verließ ihn kurz vor dem Spiel dann doch der Mut, etwas Neues auszuprobieren?

Weshalb greift ein Trainer, den man von den Amateuren hochgezogen hat, nicht auf „seine“ Spieler der zweiten Garde zurück? Traut er ihnen das Haifischbecken Bundesliga nicht zu, haben wir also auch in der Reserve ein großes Qualitätsproblem? Oder möchte er nur den einen oder anderen „Führungsspieler“ nicht vor den Kopf stoßen, der dann womöglich weichen müsste? Mir ist das absolut rätselhaft, zumal ja jeder langjährige Trainer einer Mannschaft „seine“ Spieler hat, denen er vertraut und die bereit sind, für ihn ihre beste Leistung zu bringen. Hatte Kramny einen solchen Spieler bei den Amas nicht, zeugt das nicht von einem guten Arbeitsklima seinerzeit.

Die einzigen echten Typen, die sich ernsthaft und mit allem, was sie haben, gegen Niederlagen stemmen, Kevin Großkreutz und Serey Dié, fallen für den Rest der Saison aus wie auch Goalgetter Daniel Ginczek, so dass er auf deren Hilfe und zurückkehrende Qualität nicht zu hoffen braucht. Daher gilt es, aus dem zur Verfügung stehenden Personal das Beste herauszuholen und die am besten harmonierende Formation auf den Platz zu schicken. Die von Augsburg ist es mit Sicherheit nicht.

Dass diese jämmerliche Ansammlung an Berufsfußballern, die gestern einmal mehr ihre Unfähigkeit zur Schau stellte, die gleiche sein soll, die für uns in den restlichen Spielen die Kohlen aus dem Feuer holen soll, bereitet mir jetzt schon Schweißausbrüche und schlaflose Nächte.
Kramny muss jetzt zeigen, ob er die Fähigkeit besitzt, die Jungs bei der Ehre zu packen und darf vor Veränderungen nicht zurückschrecken. Es müssen Zeichen von außen her, sonst bleibt das Team in diesem Trott und kann den Schalter nicht mehr umlegen. Die Streichung des trainingsfreien Montags ist überfällig und hoffentlich nicht nur Aktionismus. Es müssen andere Saiten aufgezogen werden, lässt Kramny das Schiff weiterhin schlingern, kann ich mir es gut vorstellen, dass wir (spätestens) nach dem Spiel gegen den BVB mal wieder einen neuen Trainer bekommen. Der Kramny-Effekt ist nach zuletzt nur einem Sieg aus neun Spielen endgültig verpufft.

Dass die Situation nicht noch viel prekärer ist, haben wir den Managemententscheidungen von Hannover 96 und Eintracht Frankfurt zu verdanken. Während Hannover mit Ex-VfBler Michael Frontzeck wohl nur wegen seines „Retter-Bonus“ und nicht aus Überzeugung in die Saison ging und mit Thomas Schaaf schließlich völlig ins Klo griff, stand für mich die Eintracht bereits am Tag der Bekanntgabe, dass Veh neuer alter Trainer werden würde, als Abstiegskandidat Nummer 1 fest. Danke, Euch beiden!

So geht es für den VfB wohl lediglich darum, die Relegation zu vermeiden, was allerdings bereits Horrorvorstellung genug ist. Nach den erbärmlichen Auftritten in der jüngeren Vergangenheit, nicht nur gestern, fällt es einem schwer, daran zu glauben, dass diese Truppe mit dieser Einstellung auch nur gegen irgendjemanden eine Siegchance hätte. Jedes Zweit- und Drittligateam ist mittlerweile so gut ausgebildet, dass es konzentriert verteidigen und unsere harmlose Offensive in Schach halten kann, während wir uns hinten die Dinger in schöner Regelmäßigkeit selbst rein hauen.
In einer möglichen Relegation ginge es wohl gegen den 1. FC Nürnberg. Nicht nur die Vorstellung, dass Nürnberg zu Bundesligazeiten einer unserer (inzwischen unzähligen) Angstgegner war, auch dass wir diesen lachhaften Haufen noch zwei weitere Male ertragen müssten, macht nicht gerade Lust darauf.

Das Schlimme nach Jahren des Dahinsiechens auf der Intensivstation ist, dass ich derzeit nicht weiß, wovor ich mehr Angst habe. Vor einem möglichen Abstieg und der Realität 2. Bundesliga oder davor, dass wir in der Liga bleiben und die nächste Saison wieder einen Tick schlechter wird und die Scheiße niemals endet.

Jahr für Jahr schreibe ich mittlerweile von der schlechtesten VfB-Elf aller Zeiten, wobei gestern in Augsburg ein weiterer Tiefpunkt war und man sich damit beruhigen können sollte, dass es schlimmer nimmer geht. Wären da nicht Leute wie der Holzfuß-Schorsch, Schwaab, Klein, Gentner, Sunjic, Kravets, gestern auch Insúa, von denen fast alle, wenn nicht alle, auch nächsten Samstag wieder ihren Dilettantismus zur Schau tragen dürften, so dass gegen den BVB, egal wie dieser auch rotieren möge, ein Debakel zu befürchten sein dürfte.

Gewänne tags zuvor Werder in Hamburg, stünden wir auf dem Relegationsplatz und die Alarmglocken dürften wohl endgültig auch bei Robin Dutt läuten. Dann wäre es überhaupt nicht mehr verwunderlich, wenn der nächste Feuerwehrmann noch retten müsste, was zu retten ist. Geht’s Huub Stevens eigentlich gesundheitlich wieder besser? ;-)

Nach Dortmund kommt dann das wohl vorentscheidende Spiel bei Werder Bremen, bei dem der VfB ohne seine aktive Fanszene auskommen muss. Bei vielen ist der Aufschrei groß, weil man sein Team in dieser prekären Lage nicht im Stich lassen dürfe. All jene Leute sollten sich dabei vor Augen führen, welchen Stuss „die Mannschaft“ gestern mit bestmöglicher Unterstützung abgeliefert hat und ob es für diese Mimosen nicht sogar förderlich wäre, wenn ihnen keine überbordenden Erwartungen aus der Kurve entgegen schlagen.

Ich für meinen Teil trage den Boykott mit und beteilige mich auch daran. Mir persönlich geht es gar nicht in erster Linie um Montagspiele generell. Diese werden, wenn auch schleichend, kommen und dürften nur schwerlich zu verhindern sein. Im besagten Fall aber geht es um die Terminierung aus heiterem Himmel, an einem Spieltag, für den der Rahmenterminkalender Spiele lediglich freitags und samstags ausgewiesen hatte. Dass aufgrund der 1. Mai-Krawalle keine Sonntagspiele stattfinden würden, stand also schon seit Ende 2014 fest, als der Rahmenterminkalender aufgesetzt wurde. Daher ist es jetzt auch scheinheilig von der DFL, so zu argumentieren, dass das Montagsspiel angesetzt wurde, weil am 1. Mai keine Spiele stattfinden sollen. Dass, wenn es denn schon ein Montagsspiel sein musste, noch ausgerechnet jenes mit der weitesten Entfernung ausgewählt wurde, schlägt dem Fass den Boden aus. Hier gilt es Zeichen zu setzen und zu versuchen, darauf hinzuwirken, dass die Belange der Fans mehr mitberücksichtigt werden. Dass es mit dem einmaligen Fernbleiben eines Spiels und dem Hochhalten von Bannern nicht getan ist, ist allen Beteiligten klar. Es müssen weitere Aktionen folgen bis hin zum Komplettboykott des Bezahlfernsehens. Sky kann es sich nach wie vor nicht leisten, Abonnenten zu verlieren, so dass dies die einzige Möglichkeit sein dürfte, Sky, DFL und die Vereine dort zu treffen, wo es ihnen weh tut. Kündigen ein paar hundert tausend aus der aktiven Fanszene ihre Abos, wäre meiner Meinung nach bereits viel gewonnen. Der deutsche Fernsehmarkt lässt sich mit dem englischen nicht vergleichen, da die Zahl derer, die überhaupt bereit sind, für Fußball im TV zu bezahlen, weitaus überschaubarer ist als in England, so dass es bei schwindenden Abonnentenzahlen schwierig sein dürfte, einen ähnlichen TV-Vertrag abzuschließen und dabei noch schwarze Zahlen zu schreiben, wie der, der in England die Finanzquellen sprudeln lässt.

Ich kann einem höher dotierten TV-Vertrag auf Kosten eines noch zerstückelteren Spielplans überhaupt nichts Positives abgewinnen. Ich persönlich brauche nicht noch mehr Stars in der Liga, die das Gehaltsniveau, das ohnehin schon ein Wahnsinn und für den Normalbürger nicht nachvollziehbar ist, weiter anheben und möchte es mir auch gar nicht ausmalen, dass Holzfüße wie Niedermeier, Klein, Schwaab, Gentner, etc. das Doppelte von dem „verdienen“, was man ihnen schon heute in den Rachen wirft.

Das Spiel in Bremen, bei dem im Übrigen auch die Bremer Ultras solidarisch einen Boykott angekündigt haben, also ohne Gästefans. Danach kommt dann der FSV Mainz 05 ins Neckarstadion, gegen die ein Dreier drin sein könnte, wenn man nach dem Gesetz der Serie geht. Mainz hatten wir schon des Öfteren am Saisonende zu Gast und dabei meist gewonnen.

Ich hoffe, das Team hat schon verinnerlicht, dass Wolfsburg nicht Paderborn ist und lässt es nicht wieder auf den 34. Spieltag ankommen. Der Trend im Abstiegskampf spricht eindeutig gegen den VfB, einfach weil jetzt Mannschaften Morgenluft wittern, die so nicht damit rechneten, während der VfB dem Saisonende entgegen taumelt und in einer schlimmen Krise steckt.

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11. April 2016

Gegen Bayern darf man mal verlieren

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , , , , – Franky @ 20:57

Es spricht für die Bayern und unterstreicht, wie sehr sich der Rekordmeister seit der Saison 2006/2007 von der Konkurrenz und insbesondere vom VfB entfernt hat, wenn fast jeder Gegner schon vor dem Spiel in die Knie geht und sein vorrangiges Ziel darin besteht, keine Klatsche zu kassieren und mit erhobenem Kopf aus der Partie zu kommen.

Das ist dem VfB gelungen. Wieder einmal hagelte es Lob von allen Seiten, weil die Mannschaft nicht auseinandergefallen war und „nur“ 1:3 verloren hat. Dass die Bayern die Aufgabe zwischen zwei Championsleague-Viertelfinals nicht mit der allerbesten Elf angingen und diese auch noch nahezu mühelos im Schongang erledigte, wird bei der Bewertung dieses Auftritts kurzerhand unter den Tisch fallen gelassen.

Im Vorfeld der Partie war ich schon fast dazu geneigt, die Stimmen zum Spiel bereits vorab zu schreiben, weil sie sich ohnehin wiederholen, wenn es gegen die Bayern geht.

Das letzte Mal, dass nach einer Niederlage gegen die Bayern ein VfBler so richtig angefressen vor die Mikrophone trat, muss zu Zeiten von Mario Gomez, Sami Khedira und Thomas Hitzlsperger gewesen sein. In den letzten Jahren aber wurde es zur Gewohnheit, dass man schon damit zufrieden war, wenn man einigermaßen nett mitspielte und nicht abgeschossen wurde. Wenn so die Maßgaben vor den Spielen lauten, wundert mich überhaupt nichts mehr. Ich dachte immer, man betreibe Leistungssport, um möglichst erfolgreich zu sein, was im Fußball bedeutet, zu punkten, und nicht, um sich für eine B-Note, die es im Fußball nicht gibt, anschließend selbst zu beweihräuchern.

Selbstredend bin ich kein Phantast und habe von dieser Truppe auch null Komma nix gegen die Bayern erwartet. Deren Dominanz ist mir bekannt und wie schwierig es ist, gegen sie zu punkten, ebenfalls.

Jedoch, wer Big-Points wie gegen Hannover, in Ingolstadt, gegen verunsicherte Leverkusener oder jüngst in Darmstadt fahrlässig liegenlässt, muss mit der Absicht ins Spiel gehen, sich diese verlorenen Punkte zurückzuholen, auch wenn der Gegner Bayern München heißt.

Seit der Siegesserie zu Beginn der Rückrunde wähnte sich der VfB bereits wieder in der Komfortzone der Liga, was unsere verwöhnten Diven schnell zum Anlass nahmen, einen Gang herunterzuschalten, anstatt gierig auf weitere Erfolgserlebnisse zu sein. Dadurch geriet man schleichend in die Abwärtsspirale, wobei es jetzt schwer ist, den Schalter nochmal umzulegen.

Auch wenn die Leistung am Samstag noch so diszipliniert und respektabel war, ich habe am Ende weder Beifall geklatscht, noch war ich zufrieden. Wie kann ich als VfB-Fan, der seit den 70er-Jahren unzählige Südklassiker mit einigen wenigen, dafür umso schöneren, VfB-Siegen erlebt hat, jetzt damit zufrieden sein, dass die zwölfte (!) Bundesliganiederlage gegen die Bayern am Stück nicht ganz so deftig ausgefallen ist? Früher war das Süd-Derby ein Spiel, dem man Wochen vorher schon entgegengefiebert hatte und das stets mit offenem Visier ausgetragen wurde. 5:3 lautete in München schon fast das Standardergebnis und doch waren es stets enge und begeisternde Spiele, in denen der VfB meist nicht schlechter, sondern eben unglücklicher war. Mittlerweile ist das Spiel gegen die Bayern, weil die Kräfteverhältnisse so ungleich verteilt sind, lästige Pflichtaufgabe, ich bin jedes Mal nur froh, wenn es vorüber ist.

Die Begegnungen VfB gegen Bayern in der Gegenwart haben den Charakter eines DFB-Pokal-Spiels, wenn die Bayern bei einem ambitionierten Drittligisten antreten müssen. Auch dieser versucht zunächst den Mannschaftsbus vor dem eigenen Tor parken und hofft darauf, dass vorne der liebe Gott hilft. In etwa 99% aller Fälle wird sich dabei die Klasse des Favoriten durchsetzen, hin und wieder schafft es aber auch der Underdog.
Nach einer Woche voller Hiobsbotschaften mit dem (endlich offiziell) verkündeten Abgang von Daniel Didavi und dem Saisonaus von Serey Dié meldeten sich am Spieltag auch noch Alexandru Maxim, Martin Harnik und Kapitän Christian Gentner, jeweils wegen eines grippalen Infekts, krank, so dass der ohnehin ersatzgeschwächte VfB gegen die Bayern weiter improvisieren musste.

Nach Kevin Großkreutz‘ Ausfall bis zum Saisonende trifft uns auch der von Serey Dié bis ins Mark. Ausgerechnet unsere beiden Mentalitätsmonster, die mit ihrer Körpersprache, ihrem Einsatz und ihrer Einstellung ihre Mitspieler mitzureißen vermögen und für mich die wahren Kapitäne dieser Mannschaft sind, werden bis zum Saisonende nicht mehr mithelfen können, die Abstieg zu verhindern. Bei beiden stellt sich die Frage, weshalb man sie in Ingolstadt (Großkreutz) und in Darmstadt (Serey Dié) verletzt weiterspielen ließ und nicht sofort heruntergenommen hat. Sollten sich die Blessuren dadurch verschlimmert haben, wäre es ein zu hoher Preis, den wir für ihren Ausfall jetzt zu bezahlen haben.

Im restlichen Saisonverlauf müssen die anderen für uns die Kohlen aus dem Feuer holen, was mir mangels wirklichen Führungsspielern schon jetzt den Angstschweiß auf die Stirn treibt.

Weil Jürgen Kramny (oder ein Maulwurf?) unter der Woche recht redselig war, war bereits im Vorfeld bekannt, dass Kramny auf einen Fünfer-Abwehrriegel vor dem eigenen Tor setzen würde, der bei eigenen Angriffen in ein 3-4-3 münden sollte.

Daniel Didavi spielte erstmals in seiner Karriere auf der Doppelsechs, zusammen mit Lukas Rupp, so dass Kostic, Werner und Kravets die einzig wirklich offensiv denkenden Akteure auf VfB-Seite waren.

Schon vor dem Spiel kamen nostalgische Gefühle auf, denn, unsere Meisterspieler Timo Hildebrand und Sami Khedira, die es noch wissen, wie man die Bayern schlägt, gaben sich die Ehre. Dann folgte eine schöne Ganzkurvenchoreo für die Beibehaltung des e. V., so dass der äußere Rahmen perfekter nicht sein konnte.

Das Spiel entwickelte sich wie erwartet. Die Bayern kamen auf fast 80% Ballbesitz und spielten Einbahnstraßenfußball in Richtung VfB-Tor, verfingen sich aber immer wieder im engmaschigen Abwehrnetz der Schwaben. Nach Ballgewinn versuchte der VfB über Kostic und Werner schnell umzuschalten, oft fehlte jedoch die Unterstützung aus dem (dünn besetzten) Mittelfeld, zudem wirkt Kravets, auch wegen seiner unorthodoxen Ballbehandlung, noch immer wie ein Fremdkörper im VfB-Spiel.

Der VfB begann dabei konzentriert und diszipliniert und hatte sogar die erste echte Chance des Spiels, was zugleich die einzige VfB-Chance in der ersten Halbzeit bleiben sollte. Nach Kostic-Freistoß scheiterte Didavi denkbar knapp am stark reagierenden Manuel Neuer. Die Münchner schienen von der destruktiven Spielweise des VfB genervt zu sein, was sich vor allem in drei (!) üblen Fouls Arturo Vidals in den ersten gut 20 Minuten entlud.
Beim dritten Foul, das meiner Meinung nach zwingend gelb-rot zur Folge hätte haben müssen, ließ Schiedsrichter Dankert Gnade vor Recht ergehen und nutzte seinen Ermessungsspielraum voll aus. Dankert? Ach ja, genau der gleiche Dankert, der im Hinspiel zwei irreguläre Bayern-Tore anerkannte und dem VfB ein reguläres verweigerte. Großes Kino, DFB!

Zwischen zwei Championsleague-Spielen kann man den Bayern ja schon mal einen zwölften Mann zur Seite stellen, schließlich spielen die Bayern ja für Deutschland und für die 5-Jahres-Wertung, so wohl die Denke des DFB.

Würde in der Liga einheitlich gepfiffen, würde mich dieses sogenannte Fingerspitzengefühl auch nicht aufregen und ich würde es sogar goutieren, aber so hat man eben den Eindruck dieses gelte nur für die Großen, ein VfBler wäre mit Sicherheit, nach gleichem Foul und bereits verwarnt, vom Platz geflogen. Natürlich mache ich die Niederlage nicht an dieser Entscheidung statt, aber, wer weiß, gerade vor dem Championsleague-Spiel bei Benfica Lissabon hätten sich die Bayern zu zehnt vielleicht auch mit einem Punkt begnügt.

Guardiola reagierte umgehend und brachte in der 27. Minute Thomas Müller für Vidal, wodurch nicht nur das Platzverweis-Risiko gebannt war sondern die Bayern offensiv auch variabler wurden. Die Passmaschinerie näherte sich dem VfB-Tor unermüdlich und doch musste ein VfBler her, der schließlich ein Einsehen hatte. Der gebürtige Münchner und als Kapitän auflaufende Georg Niedermeier bugsierte eine Ribéry-Hereingabe so unglücklich aufs Tor, dass Przemyslaw Tytoń das Nachsehen hatte. Einmal Bayer, immer Bayer ist man geneigt zu sagen, wenngleich hinter ihm auch noch Lewandowski gelauert hatte.

Es war das sechste Eigentor des VfB in dieser Saison und damit Allzeitrekord in der Bundesliga-Historie! Glückwunsch, diesen Titel nimmt uns wohl keiner mehr! Ist diese Fülle an Eigentoren einfach nur Pech oder auch Unvermögen? Beides würde ich sagen, wenn man sich die Grobmotoriker in unserer Abwehr so anschaut!

Es war insgesamt ein Spiel mit wenigen Torchancen, weil der VfB durch die dichte Defensivstaffelung Pässe in die Gefahrenzone meist zu verhindern wusste.

Defensiv in Ordnung, aber, der Sinn des Fußballspielens besteht nun mal darin, selbst Tore zu erzielen. Diese Balance zwischen defensiver Stabilität und schnellem Aufrücken, um vorne Nadelstiche zu setzen, bekam der VfB das gesamte Spiel über kaum hin.

Die Bayern verwalteten nach der Führung das Ergebnis und wurden kurz nach dem Seitenwechsel dann doch recht freundlich zum 0:2 eingeladen. Šunjić ließ sich dabei von Alaba düpieren, wobei Tytoń bei dem nicht allzu stramm getretenen Schuss ins kurze Eck, nicht besonders gut aussah, wenngleich ihm wohl etwas die Sicht versperrt war.

Der VfB gab sich nicht auf und kam durch ein kurioses Tor im Sitzen durch Daniel Didavi wie aus dem Nichts zum Anschlusstreffer. Es war die zweite und auch letzte VfB-Chance in einem Spiel, in dem die Bayern relativ relaxed zum Sieg kamen. Didavi machte, nachdem es raus ist, einen gefestigteren Eindruck als zuletzt und kann für den VfB in dieser Form im weiteren Saisonverlauf noch sehr wertvoll sein.

Während die Bayern von der Bank noch Müller, Thiago und Douglas Costa brachten, wechselte Kramny lediglich Borys Tashchy ein. Jener Douglas Costa war es dann auch, der in der Nachspielzeit den Deckel drauf machte, wobei Tytoń, der kurz vorher noch glänzend einen Schuss von Thiago Alcântara an die Latte lenkte, wieder nicht gut aussah.

Wie die meisten seiner Kollegen hat auch Przemyslaw Tytoń in den letzten Wochen stark nachgelassen und bald sein „Niveau“ vom Beginn der Runde wieder erreicht. Es ist zwar nicht die Zeit, durch eine Torwartdiskussion ein neues Fass aufzumachen, aber, er wird sich steigern müssen, möchte er über die Sommerpause hinaus unsere Nummer 1 bleiben. Dass er es kann, hat er ja bereits bewiesen, weiß aber auch mit Mitch Langerak einen Mann hinter sich, der schon mit den Hufen scharrt.

Grund-Tenor nach diesem 1:3 war dieser, dass man ordentlich agiert hätte und eben alles zusammen passen hätte müssen, um den Bayern noch mehr weh zu tun und dass man den Klassenerhalt ja noch immer aus eigener Kraft schaffen könne, was natürlich richtig ist.

Natürlich kann man gegen die Bayern verlieren, man könnte aber auch einmal die Gunst der Stunde nutzen und es wenigstens versuchen, den Bayern (zwischen zwei Champions League Spielen) richtig wehzutun.

In einem für die Tabelle doch wichtigen Spiel und in das man geht, weil man es gewinnen möchte, ist eine Foulstatistik von 8:15 gegen wieselflinke Bayern verheerend und zeugt nicht von jener Galligkeit, mit der man einem auf dem Papier übermächtigen Gegner begegnen muss.

Auch die Passquote aus der Kicker-Statistik liest sich desaströs. Bei 210 gespielten Pässen sollen 86 Fehlpässe dabei gewesen sein, während sich die Bayern bei 802 Pässen gerade einmal 83 Fehlpässe leisteten. Dass die Bayern in diesen Statistiken phänomenale Werte erreichen ist ja bekannt.
Es verlangt auch kein Mensch, dass der VfB annähernd daran herankommt, und dennoch sind nur 59% angekommene Pässe einer Bundesligamannschaft nicht würdig. Da fragt man sich dann schon hinterher, was die eigentlich trainieren, wobei Passsicherheit im Grundrepertoire eines jeden Profifußballers fest verankert sein sollte. Auch daran lässt sich ein Qualitätsproblem festmachen, das in Robin Dutt Überlegungen aufkommen lassen sollte, ob es tatsächlich ratsam wäre, auch nur einen der im Sommer auslaufenden Verträge zu verlängern.

Weitestgehend agierte der VfB wie das Kaninchen vor der Schlange oder eben wie ein Drittligist im DFB-Pokal, womit ich mich, und wenn die Schere noch so weit auseinander gedriftet ist, im Leben nicht abfinden möchte.

Ich bin eher ein Verfechter des Agierens im Fußball und nicht des Verhinderns. Noch gut kann ich mich an die 90er-Jahre erinnern, als mich Teams wie Fortuna Düsseldorf (unter Aleksandar Ristic) und der MSV Duisburg (unter Friedhelm Funkel) mit ihrem destruktiven Fußball zur Weißglut trieben und ich ihnen nichts anderes als den baldigen Abstieg an den Hals wünschte, weil ihre Spielweise mit dem Fußballspiel, wie wir es lieben, so rein gar nichts zu tun hatte.

Daher hätte ich mir etwas mehr Mut gewünscht und einen Mittelweg zwischen der Hinspiel-Taktik von Zorniger, als man blind ins offene Messer rannte, und der vom Rückspiel, wo man sich trotz äußerst prekärer Tabellenlage mit einer nicht zu hoch ausgefallenen Niederlage gegen die Bayern zufrieden gibt und auch noch gegenseitig auf die Schultern klopft.

Gut, die Bayern sind nun Geschichte, richten wir das Augenmerk auf die nächsten Gegner, die da heißen FC Augsburg, Borussia Dortmund, Werder Bremen, FSV Mainz 05 und VfL Wolfsburg.

Was liegt noch drin für den VfB? Ich befürchte, nicht mehr viel. Allein dem Gesetz der Serie nach zu urteilen, verlieren wir in Augsburg. Gegen die Fuggerstädter setzte es zuletzt sechs Niederlagen in Folge und hatte gar drei Mal unmittelbar danach einen Trainerwechsel zur Folge. Ich hatte es vor Wochen bereits geschrieben, sollten sich die zu erwartenden Misserfolge einstellen, dass es mich nicht wundern würde, wenn wir noch einmal einen neuen Trainer auf dem Wasen begrüßen „dürften“.

Nach zuletzt nur einem Sieg aus den letzten acht Spielen und der Tatsache, dass wir ein doch sehr unbequemes Restprogramm vor der Brust haben, ist es mir derzeit viel zu ruhig an der Mercedesstraße. Wird die Lage verkannt, nur weil wir noch immer auf dem 12. Tabellenplatz stehen, also derzeit noch sechs Teams hinter uns lassen? Die Tabellensituation ist trügerisch und könnte sich bereits nächstes Wochenende weitaus dramatischer darstellen als noch heute. Verlören wir in Augsburg, Werder gewänne gegen auswärtsschwache Wolfsburger, Darmstadt schlüge bereits gerettete Ingolstädter und Hoffenheim setzte seinen Aufwärtstrend gegen die Berliner Hertha fort, wäre es auf einen Schlag kuschelig eng im Tabellenkeller und der VfB stünde vor dem Spiel gegen den BVB auf einmal mächtig unter Zugzwang.

Kramny nimmt im Moment eher die Rolle des Mängelverwalters ein, anstatt dass er Dinge anschiebt und das Team weiterentwickelt. Zu durchschaubar seine Aufstellungen und die Ausrichtung der Mannschaft, zu ausrechenbar das Gebilde, kaum Konkurrenzkampf. Von den Jungen, die er einst bei den Amateuren hatte, kommt einzig und allein Borys Tashchy auf Einsatzzeiten, alle anderen sind außen vor, was auch darin begründet sein könnte, dass die Amateure ebenfalls jeden Punkt gegen den Abstieg benötigen.

Ein Federico Barba bekommt überhaupt keine Chance, sich zu beweisen, obwohl er bereits seit der Länderspielpause wieder einsatzbereit wäre und wohl kaum schlechter als Daniel Schwaab, Toni Sunjic oder Georg Niedermeier sein kann. Hier setzt Kramny für mich zu viel auf Altbewährtes oder besser Nichtbewährtes, anstatt auch mal etwas Neues zu probieren. Genauso plätschert momentan auch die Saison dahin.

Es sind nicht nur fehlende Ergebnisse, die uns derzeit um den Verstand bringen, das Auftreten der Mannschaft erinnert fatal an das in den letzten Jahren. Bequem bis zum Geht nicht mehr, kein Mumm, keine Spieler mit Führungsqualitäten, teilweise kollektives Versagen, um sich hinterher glückliche Punkte in Ingolstadt und Darmstadt schön zu trinken, ähm, zu reden.

Mir fällt momentan nicht viel ein, weshalb wir gerade in Augsburg einen anderen VfB erleben sollten. Ich hoffe, der VfB belehrt mich eines Besseren und tritt in Augsburg anders auf als zuletzt, damit es nicht zum Ende der Saison knüppeldick kommt und wir vor einem dritten Neuanfang im Laufe dieser Saison stehen.

Nach Augsburg kommt der BVB ins Neckarstadion, dem man das Weiterkommen in Liverpool nur wünschen kann. Stünden sie im Halbfinale der Europaleague wäre wohl eine Radikal-Rotation von Thomas Tuchel zu erwarten, so dass durchaus Chancen bestünden, wenigstens dann die Gunst der Stunde zu nutzen.

Danach geht es für den VfB nach Bremen, wo man zuletzt in der Meistersaison einen Sieg einfahren konnte. Eventuell haben die Bremer dann schon einen Feuerwehrmann an der Linie und hoffen auf den „Trainer-Effekt“, soll doch Viktor Skripniks Stuhl nach der Heimniederlage gegen den FCA bedenklich wackeln.

Nach den Hinspiel-Ergebnissen im Europapokal ist es nicht gerade wahrscheinlicher geworden, dass der VfB in Bremen doch noch Samstags ran darf. Real müsste gegen die Wölfe das 2:0 wettmachen, während der BVB an der Anfield Road gewinnen oder hoch unentschieden spielen müsste. Tritt einer der Fälle nicht ein, bleibt es beim Montagspiel, das für mich hauptsächlich deshalb eine bodenlose Frechheit darstellt, weil es aus heiterem Himmel kommt und der Rahmenterminkalender für diesen Spieltag Bundesligaspiele nur freitags und samstags aufgeführt hatte.

Bleibt es bei dem Montag-Abend-Spiel, wird es einen Boykott der Fanszene geben, an dem ich mich natürlich auch beteiligen werde. Dieser Boykott wurde zwischen Ultras und den OFC’s einstimmig beschlossen und es wurden „weitere Maßnahmen“ beschlossen, sollte es bei diesem Termin bleiben. Ich hoffe stark, dass sich diese Maßnahmen nicht auf das hochhalten von Bannern im Stadion beschränken, sondern dass es auch Aktionen geben wird, mit denen man den Haupt-Finanzier der Liga treffen kann. Erst wenn dieser durch den Verlust von Abonnenten zu spüren bekommt, dass der hiesige Fernsehmarkt mit dem englischen eben nicht vergleichbar ist, könnte ich mir eine leichte Abkehr der auf dem Tisch liegenden Pläne, den Spielplan weiter zu zerstückeln, vorstellen.

Der VfB würde also in einem möglicherweise vorentscheidenden Spiel um den Klassenerhalt ohne Unterstützung von den Rängen auskommen müssen, was, wie Dutt es formulierte, einem Wettbewerbsnachteil gleichkommen würde.

Auf der anderen Seite aber, so zerrüttet das Verhältnis zwischen Mannschaft und Fans derzeit ist (siehe die Reaktionen nach dem Darmstadt-Spiel), könnte die Mannschaft ganz befreit und ohne kritische Bruddler auf der Tribüne ihren Stiefel herunterspielen und sogar noch einen Vorteil aus dem Fanboykott ziehen.

Nach diesen drei Spielen sollte der VfB möglichst die entscheidenden Schritte zum Klassenerhalt getan haben. Zwar waren die Mainzer zu ähnlichen Zeitpunkten in früheren Jahren meist ein dankbarer Gegner für den VfB, in dieser Saison jedoch könnte es für sie noch um die Champions League Qualifikation gehen, so dass dem VfB vermutlich nichts geschenkt werden dürfte.

Und, zu guter Letzt, geht es noch zum VfL Wolfsburg, wo der VfB vor zehn Jahren letztmals einen Punkt errang, so dass ein erfolgreiches Finale, wie einst in Paderborn, in Wolfsburg sehr unwahrscheinlich sein dürfte.

Jedem Fan war es bei Erscheinen des Spielplans im Juli bereits klar, dass der VfB es unbedingt vermeiden sollte, es auf ein weiteres Herzschlagfinale ankommen zu lassen, nur der Mannschaft offensichtlich nicht, sie hat noch immer die Ruhe weg.

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7. März 2016

Trotzreaktion geglückt!

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , , , – Franky @ 22:05

Ich bekenne mich schuldig! Ja, auch ich sah den VfB nach dem desaströsen 0:4 in Mönchengladbach und vor allem der Art und Weise wie es zustande kam, in einer rasanten Abwärtsspirale. Es war zwar nach Hannover „erst“ die zweite Niederlage in der Rückrunde, aber dafür eine, die es in sich hatte. Der VfB ließ alles vermissen, war von der Nummer eins bis zur elf grottenschlecht und ließ sich widerstandslos regelrecht abschlachten. Da wir in den letzten Jahren unzählige solcher Auftritte zu durchleiden hatten und diese stets für einen Trend und nicht eine Eintagsfliege standen, konnte man nach dem Mittwoch-Spiel sarkastisch anmerken, „wir haben unseren alten VfB wieder“. Nach einer solchen Vorstellung wird man dann vom VfB mit der quälenden Frage in den Schlaf entlassen, gegen wen man mit solchen Darbietungen denn überhaupt noch punkten wolle.

Die Stimmung unter den Fans, ich merkte es am Samstag vor dem Spiel extrem, gingen diesbezüglich weit auseinander. Die einen rieten, nach gerade mal einem schlechten Spiel, nicht total schwarz zu malen und trauten der Mannschaft eine Trotzreaktion zu. Die zweite Fraktion, zu der ich zu zählen war, erkannte nun mal den „alten“ VfB wieder und befürchtete, dass sich der Trend wieder in die andere Richtung verkehren würde.
Man kennt eben die „Mannschaft“ und hat oft genug schon erlebt, dass nach solch einem Debakel aufeinander eingedroschen wird und sich jeder selbst der Nächste ist, anstatt sich gemeinsam aus dem Schlamassel zu befreien.

Der Stachel der etwas unglücklich zustande gekommenen Heimniederlage gegen das abgeschlagene Schlusslicht Hannover 96 schien tiefer zu sitzen, als man angenommen hatte, so dass nach dem Strohfeuer zu Rückrundenbeginn, der „Alltag“ zurückgekehrt schien.

Weiteren Anlass für Nervosität bot ein Blick auf die Tabelle, nach absolvierten zwei Dritteln der englischen Woche. Die unter Nagelsmann wiedererstarkten Hoffenheimer kamen uns schon wieder bedrohlich nah, Werder Bremen, eine ähnliche Wundertüte wie der VfB, gewinnt 4:1 in Leverkusen und lässt damit den Abstand zum Relegationsplatz schrumpfen und auch andere Kellerkinder wie die Überraschungsaufsteiger sammeln ihre Punkte in Eichhörnchen-Manier. Schielte man vor einer Woche schon einmal auf die Europapokal-Plätze war plötzlich die akute Abstiegsgefahr wieder DAS beherrschende Thema.

So war meine Angst groß, dass Hoffenheim, ähnlich wie Mönchengladbach, unserer Abwehr mit ihren schnellen Leuten zusetzen und Katz und Maus mit ihnen spielen könnte, während bei den Unseren die Verunsicherung von Minute zu Minute wachsen könnte.

Hoffenheim hätte uns mit einem Sieg bis auf vier Punkte auf die Pelle rücken können. Nagelsmann, das Greenhorn auf der Dorfclubbank, machte sich am Neckar noch beliebter als er ohnehin schon ist, indem er großspurig ankündigte, den VfB in den Abstiegsstrudel mit hineinziehen zu wollen. Noch so’n Spruch, Kieferbruch, möchte man ihm erwidern, es hätte aber auch genügt, diese Aussage an die eigene Kabinentür zu nageln, um unseren Spielern die Extraportion Motivation zu verleihen. Da derjenige am besten lacht, der zuletzt lacht, kann man jetzt, nach dem Spiel, konstatieren, dass sich Nagelsmann ganz schön verzettelt hat.

Wie lässt es sich erklären, dass der VfB nach einer Demontage in Mönchengladbach gegen das Dorf von der Autobahnraststätte so ein Ding raus haut? Schwer! Vielleicht lässt sich die jetzige wirklich nicht mehr eins zu eins mit den Mannschaften der Vorjahre vergleichen.

In Serey Dié, Kevin Großkreutz und auch Lukas Rupp haben wir inzwischen Typen, denen bewusst ist, dass man Verein und Anhang Vorstellungen wie noch am Mittwoch am Niederrhein nicht in Serie zumuten darf und die vor allem Verantwortung auf dem Platz übernehmen und sich nicht hinter den anderen verstecken. Mit Tytoń anstelle von Ulreich haben wir inzwischen einen Rückhalt im Kasten, der nicht schon beim Einlauf den Eindruck erweckt, die Hosen gestrichen voll zu haben und sich mit Versagensängsten herumzuplagen. Auch nach einem schwächeren Auftritt strahlt er (Selbst-)Sicherheit aus und wirkt wie ein Ruhepol.

Natürlich spielte uns das frühe Tor von Georg Niedermeier, der nach Abpraller von Baumann am schnellsten reagiert hat, gehörig in die Karten. Ich möchte nicht wissen, wie es gelaufen wäre, hätte Hoffenheim das frühe Tor erzielt.

Auf der anderen Seite aber auch lief uns Hoffenheim, ähnlich wie beim 6:2 unter Thomas Schneider vor 2 ½ Jahren, ins offene Messer. Der Hoffenheimer Trainer ist ja noch jung und hat genügend Zeit, seine Erfahrungen zu sammeln, hoffentlich nach dieser Saison zunächst einmal im Unterhaus.

Nach eigenem Selbstverständnis ist die Spielweise der Hoffenheimer eine offensive, der Mauerfußball unter Stevens war sicherlich nicht das, was diese Elf spielen kann, aber, gegen einen spielstarken Gegner wie dem VfB kann dieser Schuss eben nach hinten los gehen.

Noch ein paar solcher Spiele und Nagelsmann könnte nicht nur der jüngste Bundesligatrainer aller Zeiten sein, sondern auch der jüngste, der wieder entlassen wurde. Hochmut kommt schließlich vor dem Fall. Die Naivität, mit der die Hoffenheimer im Neckarstadion antraten, hatte etwas vom Zorniger-Fußball, den wir mittlerweile und glücklicherweise hinter uns gelassen haben. Alle Mann nach vorn und hinten nicht ganz dicht.

Uns sollte es Recht sein. Es entwickelte sich ein Fußballnachmittag nach unserem Geschmack, der jedem VfBler das Herz aufgehen ließ.
Kramny brachte Rupp und Kravets anstelle von Harnik und Werner im Vergleich zum Gladbach-Spiel. Rupp steht ein wenig sinnbildlich für die bisherige Rückrunde aus VfB-Sicht. Bärenstark in die Runde gekommen, gegipfelt von seiner „Ruppinho“-Vorlage für Gentner in Köln oder auch seines Zauberpasses, wieder auf Gentner, in Frankfurt, um dann ab dem Schalke-Spiel zu schwächeln und überspielt zu wirken. Rupp, ablösefrei aus Paderborn gekommen und ein großer Transfer-Coup des Robin Dutt.

Ob er Martin Harnik im Nacken spürte und dadurch um seinen Stammplatz bangte? In Mönchengladbach jedenfalls saß er zunächst draußen und Harnik bekam erstmals 2016 die Chance von Beginn an, die er nicht nutzen konnte. Nervös braucht sich Rupp von Harnik sicher nicht machen zu lassen. Spielt er das was er kann, ist sein Stammplatz unumstritten.

Was Harnik betrifft, mache ich mir mehr und mehr Gedanken, ob seine Rückkehr nach langer Verletzungspause und der eingesetzte Negativtrend in einem Kausalzusammenhang stehen. Nach dem Offenbarungseid am Mittwoch las ich bereits Stimmen, die mutmaßten, die Mannschaft habe gegen Harnik gespielt, was natürlich harter Tobak wäre. Und doch ist dieses Gerücht nicht völlig aus der Luft gegriffen, weiß man doch wie bequem es sich Harnik gerne in der Wohlfühloase macht und dass er stets erst dann zu Hochform aufläuft, wenn uns das Wasser bis zum Hals steht oder er um einen neuen Vertrag spielt. Letzteres scheint nun auch nicht mehr der Fall zu sein, stehen die Zeichen doch ohnehin längst auf Abschied im Sommer. Und doch scheint in diesem neuen Team kein Platz mehr für einen solchen Ego-Shooter zu sein. Ohne Harnik jedenfalls war der Zusammenhalt auf dem Platz am Samstag ein ganz anderer.

So setzte Kramny, mit Ausnahme der Hereinnahme von Kravets für Werner, auf die exakt gleiche Formation, die schon zu Beginn der Rückrunde für Furore sorgte und uns der gröbsten Abstiegsängste entledigte. An einem Lukas Rupp in der Form von Samstag kommt ohnehin keiner vorbei, Martin Harnik schon gleich gar nicht. Rupp ist ein Kampfschwein mit gutem Raumverhalten und hat zudem noch einen feinen Fuß Wenn man ihn so wie am Samstag spielen sieht, ist es fast ein Wunder, dass nicht schon im Sommer größere Vereine bei ihm angeklopft haben. Rupp war es, der maßgeblichen Anteil am Sieg hatte, leitete er doch das 1:0 ein und besorgte das beruhigende und vorentscheidende 2:0 selbst.

Beim 1:0 zog er nach einer schlecht abgewehrten Ecke von der Strafraumgrenze ab, so dass Baumann nur nach vorne abklatschen konnte. Georg Niedermeier reagierte am schnellsten, machte sich lang und bugsierte das Leder aus kurzer Distanz über die Linie. Es war sein zweiter Saisontreffer in seinem zwölften Saisonspiel, dem er ja auch noch den dritten folgen ließ. Seit Kramnys Amtsantritt durfte er bei jedem Bundesligaspiel ran und zeigt mehr und mehr, dass es einer der großen Fehler Zornigers war, so mit ihm umzuspringen. Ob er die unumstrittene Stammkraft auf Dauer bleiben wird, wird die Zukunft zeigen. Gerade in Phasen, in denen es eine Niederlage nach der anderen hagelte und Sunjic und Baumgartl offensichtlich überfordert waren, hätte Zorniger rückblickend betrachtet, über seinen Schatten springen und JEDEM, also auch dem Schorsch, eine Chance geben müssen. Auch wenn er fußballerisch nicht den Vorstellungen Zornigers entsprach, die Mentalität und Identifikation mit dem Verein, die Niedermeier in die Waagschale zu werfen hat, helfen der Mannschaft derzeit schon weiter.

Mit Niedermeier und seinem Pendant Daniel Schwaab hat sich offensichtlich eine Manndecker-Formation gefunden, auf die man im weiteren Saisonverlauf, ohne größere Bauchschmerzen haben zu müssen, setzen kann. Spannend dürfte es werden, wenn Federico Barba zurück ist. Von ihm möchte man sich ja schon auch noch ein Bild machen, bevor die Kaufoption gezogen wird, was wohl als ziemlich sicher gilt. Und, dann wäre da noch Timo Baumgartl, der sich nach einer Blinddarm-OP zurückkämpft und um den es mir Leid tut, dass er inzwischen komplett außen vor ist.
Es wäre wünschenswert, dass der VfB die für den Klassenerhalt noch nötigen zwei oder drei Siege bald einfährt, damit Dutt Planungssicherheit für die erste Liga hat. Dann hätte man die Chance, Spieler, mit denen man nicht verlängert bzw. nicht mehr verlängern kann, herauszunehmen und denjenigen, auf die man auch in Zukunft setzt, vermehrt Einsatzzeiten zu geben.

Dies hielte ich für sinnvoller als auf Teufel komm raus nach Europa zu schielen, und im Sommer dann eine völlig chaotische Saisonvorbereitung zu haben. Die Bundesliga startet wegen Euro und Olympia erst Ende August, der VfB hätte dann aber bereits im Juli Qualifikationsspiele zu bestreiten, zu einem Zeitpunkt, wo einige Euro-Fahrer noch nicht einmal aus ihrem Urlaub zurückgekehrt sind.

In der Haut von Robin Dutt möchte man indes nicht unbedingt stecken, wenn er einigen Akteuren eröffnen muss, dass sie sich einen neuen Verein suchen sollen.

Beim Niedermeier Schorsch bin ich, wie schon öfter ausgeführt, hin- und hergerissen. Er steht sicherlich nicht für die Zukunft, ist momentan jedoch ein wichtiger Baustein der derzeitigen defensiven Stabilität und hat ein gutes Standing in der Mannschaft, was sich auch am Samstag zeigte, indem sich alle für den Schorsch über seine zwei Tore mitfreuten. Robin Dutt ließ sich am Sonntag bei Sport im Dritten, angesprochen auf die Vertragssituation Niedermeiers, erstmals entlocken, dass die beiden Parteien wohl eine gemeinsame Zukunft hätten, so dass anzunehmen ist, dass die Würfel im Grunde schon gefallen sind. Es wäre nach den Entwicklungen der letzten Wochen eine logische Entscheidung und auch ein Entschuldigungsschreiben der besonderen Art für den Umgang mit ihm in der ersten Saisonhälfte. Solang man ihm keine Stammplatzgarantie in den Vertrag schreibt und er es sportlich und als Ansporn nimmt, sollten andere besser und gesetzt sein, kann ich damit gut leben.

Auch Schwaab gab am Samstag mal wieder Rätsel auf. Fußballerisch meist sehr limitiert, mit dem Hang die eigenen Fans zu kritisieren, um dann doch hin und wieder einen tadellosen Auftritt wie am Samstag hinzulegen und gar als Tor-Vorbereiter zu glänzen. Kramny hatte zweifellos ein glückliches Händchen, von Beginn seiner Amtszeit an auf Niedermeier/ Schwaab zu setzen, was für mich den positiven Nebeneffekt hat, dass Schwaab als rechter Verteidiger kein Thema ist. Auch Schwaabs Vertrag läuft aus, nach wie vor mit der Tendenz, dass er nicht verlängert wird und das wird sich hoffentlich auch nicht mehr ins Gegenteil verändern.

Weitere Garanten des enorm starken Auftritts gegen die Kraichgauer waren zum einen Serey Dié und zum anderen Daniel Didavi. Dida, zuletzt in Mönchengladbach noch total abgetaucht und mit einer fatalen Körpersprache, zeigte am Samstag dann eines jener Spiele, die einem beim Gedanken an seinen möglichen Abschied die Tränen in die Augen schießen lassen. Er war Dreh- und Angelpunkt im VfB-Spiel und der Taktgeber, wie man ihn sich wünscht. Beim 2:0 ließ er mit viel Übersicht auf Kravets und dieser dann eher unfreiwillig auf Rupp durch. Einzig die Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor ging Didavi ab, was jedoch zu verschmerzen ist, wenn die Kollegen fünf Mal treffen.

Bärenstark einmal mehr auch Filip Kostic, der seine Leistung mit tollem Solo und Tor zum 4:1 krönte. Der Schlusspunkt war dann Timo Werner vorbehalten, der sich einen Tag vor seinem 20. Geburtstag selbst beschenkte. Dieses Tor war sinnbildlich für die Floskel „wenn es läuft, dann läuft’s“. Eigentlich nahm er die Hereingabe von Schwaab unsauber direkt ab, und doch sprang die Kugel vom Innenpfosten ins Tor und nicht heraus und auch nicht in die Arme von Baumann. Werner war kurz davor für Kravets gekommen, der eine durchwachsene Partie hinlegte und vor dem Tor ähnliche Abschlussschwächen offenbarte wie normalerweise Timo Werner.

Da nach dieser geschlossenen Mannschaftsleistung keiner zu kurz kommen darf, sei noch erwähnt, dass sich Insúa gegenüber Gladbach stark verbessert präsentierte und ein super Spiel machte, Großkreutz gewohnt souverän seine Seite beackerte und Gentner, der zur Halbzeit angeschlagen ausgewechselt werden musste, leistungsmäßig auch nicht abfiel.

Von zu Tode betrübt nach himmelhochjauchzend binnen weniger Tage, eine solche Gefühlsexplosion bekommt man wohl nur im Fußball geboten. Seit dem Schlusspfiff am Samstag kann ich mich an der Tabelle kaum satt sehen. Der VfB hat sich in eine komfortable Situation gebracht und dürfte mit zwei weiteren Siegen endgültig gerettet sein. Zwei Siege aus neun Spielen, klingt machbar, ist machbar.

Allerdings sind diese auf dem Papier leichter auswärts als zu Hause zu erringen. Zu Hause geht es zunächst gegen Angstgegner Leverkusen, dann gegen die Bayern, dann gegen Dortmund ehe mit Mainz am vorletzten Spieltag eine lösbarere Aufgabe ansteht, während wir es auswärts ausschließlich mit Teams aus der zweiten Tabellenhälfte zu tun bekommen, die da heißen Ingolstadt, Darmstadt, Augsburg und Bremen bevor es zum Saisonabschluss nach Wolfsburg geht.

Der VfB tut gut daran, das Restprogramm nicht zu unterschätzen und vor allem nach dem Sieg gegen Hoffenheim nicht zu glauben, schon irgendetwas erreicht zu haben. Weiterhin von Spiel zu Spiel denken und jede Aufgabe seriös angehen, dann ist mir vor den nächsten Spielen nicht bange.

Bereits nächsten Samstag, bei unserem ersten Spiel in Ingolstadt überhaupt, muss erneut alles in den Ring geworfen werden, um nicht mit leeren Händen heimzufahren. Die Audi-Städter spielen eine bemerkenswerte Runde und scheinen mit dem Abstieg nichts zu tun zu haben.
Ihnen wird nachgesagt, den Zorniger-Style in Perfektion zu spielen, besser also, als ihn der VfB auf die Matte bekam. Stets gut eingestellt vom sympathischen Coach Ralph Hasenhüttl jagen die Ingolstädter ihre Gegenspieler mit enormer Laufleistung förmlich über den Platz und sind unangenehm zu bespielen, man erinnere sich nur an den Zittersieg aus der Vorrunde.

Der Hamburger Lewis Holtby warf ihnen kürzlich vor, eine unfaire und ekelhafte Mannschaft zu sein, was sich an den Statistiken aber nicht ablesen lässt. Das sagt man eben dann, wenn man kein Mittel gegen die Spielweise der Ingolstädter gefunden hatte.
Ich bin zuversichtlich, dass Kramny die Jungs gut darauf einstellen wird, was sie im Audi-Sportpark erwartet. Mit Schönspielerei dürfte dort kein Blumentopf zu gewinnen sein, es zählen andere Tugenden. Kampf, Einsatz, Leidenschaft, Wille und der Ehrgeiz, keinem Zweikampf aus dem Weg zu gehen und keinen Ball kampflos abzugeben. Es dürfte uns ein gnadenloser Abnutzungskampf erwarten und je länger das Spiel auf des Messers Schneide steht, dürfte es so richtig unangenehm werden.

Ingolstadt hat die letzten vier Heimspiele nicht verloren und drei davon gewonnen. Daher werden die Oberbayern mit breiter Brust antreten und versuchen ihr Spiel durchzudrücken. Der VfB muss von Anfang an dagegen halten und ein Gegner sein, der den Ingolstädtern kämpferisch in nichts nach steht und am Ende seine größere individuelle Klasse ausgespielt hat.

Da wir nun innerhalb weniger Tage die zwei möglichen Gesichter des VfB erlebt haben, stellt Ingolstadt nun eine echte Reifeprüfung dar. Wie weit sind wir bereits? Berauscht man sich noch am Spiel gegen Hoffenheim oder ist das Spiel abgehakt und der Fokus liegt voll und ganz auf dem nächsten Schritt in Richtung Klassenerhalt?

Eine Prognose darüber wage ich lieber nicht, lag ich doch zuletzt zum Glück weit daneben.

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3. März 2016

Rückfall in eine vergessen geglaubte Zeit

Wir befinden uns in einer der seltenen englischen Wochen im deutschen Fußball. Dem VfB bot sich dabei nur wenige Tage nach der Schmach gegen Hannover 96, die Gelegenheit, unter Beweis zu stellen, dass die Heimniederlage ein einmaliger Ausrutscher war und dass die Mannschaft gefestigter ist als noch vor Weihnachten.

Einen Fan jedoch stellt eine englische Woche vor Probleme. Bekommt man Urlaub? Bekommt man keinen Urlaub und fährt trotzdem mit, im Bewusstsein am nächsten Arbeitstag gerädert zu sein und die Augen kaum aufzubringen? Ich hätte zwar zwei halbe Tage frei nehmen können, habe es dann aber doch sein lassen, weil ich heute auf der Arbeit nicht nur anwesend sondern auch leistungsfähig sein musste, die Vernunft hatte also gesiegt. Dennoch war es den ganzen gestrigen Tag über sehr befremdlich, von unzähligen Freunden und Bekannten zu lesen, „auf dem Weg nach Mönchengladbach“, während ich allenfalls einem schönen Fernsehabend entgegen blickte und mich darauf freute. Für die wenigsten, die dabei waren, war es ein großer Spaß, an diesem Mittwoch durch die halbe Republik zu rasen, so dass es eher als „Pflichtaufgabe“ angesehen werden kann, weil man als Fan ja schließlich dort zu sein hat, wo der Herzensverein gerade spielt.

Die „Mannschaft“ indes erklärte sich im Spiel von der ersten Minute an solidarisch mit den Fans. Auch sie fand es blöd, mitten in der Woche, im (kalendarischen) Winter, bei nasskaltem Wetter auflaufen zu müssen.

Von der ersten Minute an wirkte es so, als stünde die „Mannschaft“ überhaupt nicht auf dem Platz. Weder geistig, noch körperlich. Keine Konzentration, keine Passsicherheit, dilettantisches Stellungsspiel, kein Kampf, kein Wille, fußballerische Unzulänglichkeiten, alles, was man von einem Profifußballer erwarten können muss, ließen sie gestern vermissen.

Es war ein fußballerischer Offenbarungseid und ein Rückfall in die schlimmsten Zorniger-Zeiten, nämlich in jene Zeit hinein, in der die Mannschaft längst beschlossen hatte, ihren ungeliebten Trainer nach einem 0:4 gegen Augsburg hochkant hinaus zu katapultieren. Der VfB lud Mönchengladbach, das einen Stotterstart in die Rückrunde hinlegte und bereits drei Niederlagen zu verzeichnen hatte, geradezu ein, sich aus dem Sumpf zu ziehen und am Ende eine Gala-Vorstellung zu zelebrieren. Absolut unverständlich, wie man sich in „seinem“ Stadion, in dem man seit 2005 nicht mehr verloren hatte, derart hängen lassen und sich schließlich abschlachten lassen konnte.

Eine solche Solidarität mit den Fans ging dann eindeutig zu weit. Als Fan, der diese Strapazen auf sich nahm, musste man sich verarscht vorkommen. Verarscht von „Männern“, die im Grunde nichts anderes zu tun haben, als Fußball zu leben und Fußball zu spielen. Die tagtäglich trainieren (glaube ich zumindest, ich muss mal wieder vorbei schauen, um mich selbst davon zu überzeugen; nach einer Vorstellung wie gestern glaubt man eher, sie kommen lediglich zum fröhlichen Beisammensein zum Clubzentrum) und die das Einmaleins des Fußballs verinnerlicht haben sollten. Die einen Pass über drei Meter an den (eigenen) Mann zu bringen imstande sein sollten, die konzentriert und umsichtig den Rasen betreten sollten, die Spielsituationen erkennen und sich gegenseitig helfen sollten.

Nichts von alledem war zu sehen. Elf Einzel-Stümper auf dem Platz, die genug mit sich selbst zu tun hatten, als noch geistige Reserven zu besitzen, sich um den Nebenmann zu kümmern oder sogar noch die Gegenspieler im Blick zu behalten.

Schon das frühe 1:0 drückte die ganze Schlafmützigkeit aus. Mit einem einfachen Seitenwechsel, einem Ball der gefühlt fünf Minuten in der Luft war und auf dem schon Schnee zu liegen schien, auf Johnson, der mühelos am viel zu langsamen Emiliano Insúa vorbeizog, ein Hazard in der Mitte, den Georg Niedermeier komplett aus den Augen verloren hat und fertig war das 1:0.

Jeder Kreisligatrainer würde bei einem solch einfachen Tor fuchsteufelswild werden, einer Profimannschaft aber ist ein solches Verhalten, von Abwehrverhalten zu schreiben wäre übertrieben, nicht würdig.

Wer gehofft hatte, dieser Treffer wäre ein Weckruf für die davor lethargisch und desolat auftretende VfB-Mannschaft sah sich getäuscht. Nicht einmal das permanente Gewieher aus den Stadionlautsprechern, das über Spielstandsänderungen auf den anderen Plätzen informierte, schien unsere Jungs aus ihrem Tiefschlaf reißen zu können.

Gab es vor dem 1:0 noch zaghafte Versuche, eigene Angriffe zu initiieren, kam nach dem Rückstand – nichts mehr. Von Minute zu Minute wuchs die Verunsicherung. Jeder Versuch einer Ballstafette über mehrere Positionen blieb im Keim stecken, weil die technischen Unzulänglichkeiten derart gravierend waren. Einfachste Zuspiele landeten beim Gegner, im Zweifel, wenn einmal die Möglichkeit gegeben gewesen wäre, nach vorn zu spielen, drosch man die Kugel ins Aus, so dass gefühlt nur die Borussia vom Niederrhein in Ballbesitz und der VfB ständig am hinterher trotten war.
Die komplette „Mannschaft“ blieb alles schuldig, was man von ihr an diesem Abend erwartet hätte. Und doch gab es einige, die leistungstechnisch sogar noch abfielen, wobei die Einstufung lediglich zwischen schlecht und grottenschlecht zu erfolgen hat.

Niedermeier, völlig indisponiert, seit er die „3“ vor seiner Jahreszahl stehen hat. Er mag als Typ für das Teamgefüge ungemein wichtig sein, ist auch das eine oder andere Mal bei eigenen Standards torgefährlich, aber, wenn es drauf ankommt ist er zu langsam und zu unbeweglich und dadurch stets für plumpe Fouls „gut“.

Eine Zukunft in der Stammformation traue ich ihm nach derzeitigem Stand nicht zu, schon wenn Federico Barba wieder fit ist, könnte er seinen zurück eroberten Stammplatz wieder los sein. Bin sehr skeptisch und hin- und hergerissen, wenn es um das Thema Vertragsverlängerung geht, zumal er ja auch als vermeintlicher Führungsspieler zu den Besserverdienern gehört. Er ist zweifellos ein netter Kerl und identifiziert sich mit dem Verein, aber, ob das allein genügt, den Vertrag zu verlängern?

Insúa, schon angesprochen, leitete maßgeblich das 1:0 mit ein und war auch sonst nie Herr auf seiner Seite. Sobald er es mit schnellen, quirligen Leuten zu tun bekommt, zeigt sich deutlich, weshalb er sich noch nirgends dauerhaft durchsetzen konnte.

Serey Dié ging sang- und klanglos mit seinen Kameraden unter. Bei einem solchem Spielverlauf ist es wohl besser, ihn herunter zu nehmen, bevor er Amok läuft. Dies spricht wiederum auch für ihn, weil er noch einer der wenigen ist, die ein solch erbärmliches Auftreten extrem ärgert.

Christian Gentner, da war er wieder, der „Kapitän“ den man nicht sieht, gerade dann, wenn das Team einen Leader dringend bräuchte. Tauchte total ab, Slapstick vom feinsten das 2:0 in Co-Produktion mit Tytoń, als er seinem Keeper im Weg stand. Symptomatisch diese Szene, ein Kapitän, den man lang vergeblich suchte und bei dem man froh gewesen wäre, er wäre auch in dieser Situation irgendwo im Nirgendwo untergetaucht.

Martin Harnik, katastrophales Raumverhalten, was man ja am TV besser erkennt als im Stadion. Wie ein E-Jugendlicher rennt er in Richtung Ball und lässt seine eigentliche Position verwaist zurück anstatt sie zu halten und da zu sein, wenn er gebraucht wird.

Daniel Didavi, nach Schalke bereits das zweite Mal, dass er mich maßlos enttäuschte, nachdem er von einer Sperre, also nach einer Pause, zurückkam. Konnte dem Spiel ebenfalls keine Struktur verleihen und verlor in Anbetracht seiner Fähigkeiten viel zu viele Bälle.

Gut oder ordentlich war kein einziger. Tytoń bewahrte uns noch vor einem heftigeren Debakel, sah bei zwei Toren aber auch nicht glücklich aus. Viele fordern ja bereits jetzt schon wieder einen Torwartwechsel, vergesst dabei bitte nicht, wie viele Spiele Tytoń für uns schon gewonnen hat. Er steht und fällt mit den Leistungen seiner Vorderleute und die waren gestern einfach unterirdisch schlecht. Ernsthaft ankreiden muss man ihm ohnehin nur das vierte Tor und da war die Messe längst gelesen. Beim zweiten muss eher der Kapitän wegbleiben, damit sein Torwart den Ball in die Hand nehmen kann und nicht durch eine Ausholbewegung suggerieren, er schlüge den Ball weg, um dann seinem Keeper im Weg zu stehen.

Den weiteren Spielfilm nach dem 1:0 kann man sich im Grunde schenken. Nur durch den fahrigen Umgang der Gladbacher mit ihren Torchancen ging es mit diesem Ergebnis in die Kabinen, das eigentlich noch alle Möglichkeiten zugelassen hätte.

Via Facebook forderte ich in der Halbzeit die Einwechslung von Kravets und Rupp, was auch tatsächlich erhört wurde. Ich hätte zwar Martin Harnik und nicht Serey Dié herunter genommen, aber gut, bei den Auswechslungen hätte man gestern ohnehin nichts falsch machen können. Kramny hätte jeden Feldspieler herunter nehmen können.

Kurz nach der Einwechslung hatte Kravets dann auch gleich die einzige Chance des Spiels für unseren VfB, als sein Kopfball von Sommer pariert werden konnte. Doch, dieser Angriff gleich nach Wiederbeginn sollte ein Strohfeuer bleiben, danach kam einmal mehr – nichts!

Auch danach wieder, Einbahnstraßenfußball in Richtung VfB-Tor, an dem sich die Gladbacher von Minute zu Minute mehr berauschten und aufgrund dessen ich schon kaum mehr hinschauen konnte.

Nach einer Stunde schließlich dann die verhängnisvolle Szene mit den Hauptdarstellern Gentner und Tytoń. Raffael bedankte ich artig und schob ein zum vorentscheidenden 2:0. Der VfB schien einen großen Sack an Gastgeschenken dabei zu haben und dachte sich offensichtlich, bevor sich die Gladbacher weiterhin leidenschaftlich, aber erfolglos mühen, helfen wir eben nach. Diese Nächstenliebe, sieht man nicht oft im Profifußball!
Kurze Zeit später kam dann Patrick Herrmann zu seinem ersten Treffer nach gerade erst auskuriertem Kreuzbandriss. Er war gerade einmal 30 Sekunden auf dem Feld, ich unterstelle einmal, unsere schlafmützige Truppe hat seine Einwechslung überhaupt nicht mitbekommen, oder warum hatte keiner den deutschen Nationalspieler auf der Rechnung?

Als ob der schwäbische Komödienstadel nicht schon genügend Ahs und Ohs der negativen Art produziert gehabt hätte, hob man sich für den Schlussakkord noch eine besonders komische Szene auf. Tytoń segelte in Bahnschrankenmanier an einer Herangabe vorbei, Großkreutz war offensichtlich überrascht davon und lief fast mit dem Ball ins Tor. Noch ein Schenkelklopfer zum Abschluss, bevor die „Mannschaft“ in den dieses Mal nicht verdienten Feierabend entlassen wurde. Großkreutz‘ erstes Tor im VfB-Dress hatte ich mir auch anders vorgestellt.

Der Auftritt sah schwer nach kollektiver Leistungsverweigerung aus und erinnerte unweigerlich an das 0:4 gegen den FC Augsburg, durch das man sich schließlich Alexander Zornigers entledigte. Hätte man nicht die Bilder lachender und sich herzender Profis in Erinnerung, sei es aus Belek, sei es auch nach dem Start der Rückrunde, könnte man denken, auch Jürgen Kramnys wären die Kicker schon überdrüssig.

Ein Zufall, dass dieser Negativtrend gerade jetzt einsetzt, wo Martin Harnik wieder an die Tür zur Stammformation klopft? Ich könnte mir da schon einen Zusammenhang vorstellen, scheint er doch eines der großen Probleme der letzten Jahre und ein Egomane vor dem Herrn zu sein.

Auch ich hätte es nicht für möglich gehalten, dass ein solcher Leistungseinbruch in solch kurzer Zeit möglich wäre. Zu gut war die Stimmung seit dem Trainingslager, zu sehr haben die Neuzugänge eingeschlagen, zu gierig wirkte die Mannschaft. In den letzten Wochen stellte ich immer wieder in Frage, wie stabil oder etwa doch fragil dieses Gebilde denn wäre. Jetzt wissen wir es! Es hat sich nichts geändert, das Gebilde ist genauso fragil wie es in den vergangenen Jahren auch war. Da genügt eine einzige Heimniederlage gegen den Tabellenletzten, und die nicht einmal nach besonders schlechter Leistung, um das Kartenhaus zusammenfallen zu lassen.

Wir sind nun wieder genau dort, wo wir bereits im November waren und müssen einer Truppe von lauter Häufchen Elend das Vertrauen schenken, die Kohlen aus dem Feuer zu holen und die Klasse abermals zu halten. Die Selbstzweifel sind zurückgekehrt, Selbstbewusstsein Fehlanzeige.

Eine Darbietung wie in Mönchengladbach ist unentschuldbar und sollte vor allem nicht schon zum wiederholten Mal „passieren“. Nur, was macht Mut? Unter dem noch frischen Eindruck des Spiels sage ich unverblümt: gar nichts. Die „Mannschaft“ ist tot, die „Mannschaft liegt am Boden“, es gibt nichts, was mich positiv stimmt, dass wir am Samstag gegen Hopp punkten könnten. Der Dorfverein, bei dem Huub Stevens leider viel zu früh das Handtuch schmeißen musste, ist wiedererstarkt und schafft es mittlerweile wieder seine zweifellos vorhandene Qualität auf den Platz zu bringen. Dieser Fußball dürfte unseren Dauerläufern eine Nummer zu rasant sein, so dass mir Übles schwant.

Ich kann es mir einfach nicht vorstellen, dass in den zwei „freien“ Tagen bis zum Spiel diese Demütigung lückenlos aufgearbeitet und die „Mannschaft“ wieder aufgerichtet werden kann. Man kennt doch unsere Pappenheimer. Der Kapitän, ein Leisetreter, der nicht mit Leistung vorangeht, die anderen Führungsspieler gehörten allesamt zu den Schwächeren, was wollen die groß erzählen? Wer hört auf sie, wenn sie in der Kabine große Sprüche klopfen und auf dem Platz untertauchen?

Tabellarisch besteht selbstredend kein Anlass, um schon wieder den Kopf in den Sand zu stecken. Die Siege von Bremen und Hoffenheim waren zwar ärgerlich, aber, im Tabellenkeller darf man auch nicht davon ausgehen, dass niemand auch hin und wieder punktet.

Der VfB hat es noch selbst in der Hand, hat noch Spiele in Ingolstadt, Darmstadt, Augsburg und Bremen, bei denen man sich durchaus Siegchancen ausrechnen kann und wo die Möglichkeit besteht, die vermutlich noch fehlenden drei Siege einzufahren: Allerdings muss sich der VfB dann gehörig steigern. Mit Nicht-Leistungen wie gestern gewinnt man vermutlich nicht einmal bei einem Drittligisten.

Jürgen Kramny ist nun erstmals als Krisenmanager gefragt. Dabei wird es spannend zu beobachten sein, wie er dabei mit der „Mannschaft“ umgeht, die ihn so kläglich im Stich gelassen hat. Kann er auch harter Hund oder gibt es nur den netten Herrn Kramny? Finden ihn die Spieler dann auch noch toll, wenn er die Zügel anzieht und Strafmaßnahmen verordnet? Oder produziert so etwas gleich wieder beleidigte Leberwürste im Mannschaftsrat, so dass wir bereits wieder am Anfang vom Ende der Ära Kramny stehen?

Wollen wir es nicht hoffen. Es ist sehr wünschenswert, dass bei diesen Machtspielchen endlich mal der Trainer gewinnt und man sich im Sommer vom einen oder anderen sogenannten Führungsspieler trennt, damit wir uns nicht ständig weiter im Kreis drehen.

Jetzt gilt es aber zunächst einmal den Fokus auf den Samstag zu legen. Ich hoffe sehr, dass mich die Jungs widerlegen und Wiedergutmachung betreiben. Ein Sieg wäre ein riesengroßer Schritt in Richtung Klassenerhalt und für die Moral wichtig vor dem Auswärtsspiel in Ingolstadt. Dazu bedarf es aber Männern auf dem Platz, die ich nicht, wie zum gestrigen Spiel, in Anführungszeichen setzen muss. Das Team ist gefordert, am Samstag alles, wirklich alles besser zu machen als gestern im Borussia-Park, tut sie das nicht, lässt sie sich womöglich erneut kampflos demütigen, dürfte es endgültig wieder vorbei sein mit der Harmonie zwischen Fans und „Mannschaft“, dann ist gewaltig Feuer unterm Dach!

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9. Februar 2016

VfB weiter auf der Überholspur

Seit ich meinen Blog mit Leben erfülle und meine Sicht der Dinge darstelle, ist eine regelmäßige Konstante, dass sich der Blog fast von selbst schreibt, weil sich die Abläufe beim VfB einfach ständig wiederholen. Waren es in den letzten Jahren fast ausschließlich negative Dinge, wie ständig wiederkehrende Abwehrschnitzer und die gebetsmühlenartigen Erklärungsversuche danach, so könnte ich nach dem Auswärtssieg bei der Eintracht auch wieder „nur“ den Blog der Vorwoche nach dem Spiel gegen den HSV herauskramen und die Zeit auf Spätsommer/ Herbst 2015 zurückdrehen.

Auch dieses Spiel wäre wohl eines jener gewesen, in denen der VfB zwar die bessere Mannschaft war, sich aber durch eigene Dumm- bzw. Ungeschicklichkeiten um den verdienten Lohn gebracht hätte.
Hätten die ersten Chancen der Eintracht zum Rückstand geführt, hätte Sippel nach Großkreutz‘ Schubser gegen Meier und/ oder bei Gentners Handspiel auf den Elfmeterpunkt gezeigt, hätte Alex Meier ins anstatt aufs Tor geköpft, wäre Großkreutz‘ Sense gegen Zambrano mit rot und nicht nur mit gelb geahndet worden und hätte die Eintracht die Überzahl nach Didavis Platzverweis konsequent ausgenutzt anstatt sich kurze Zeit später einen Elfmeter und die Hinausstellung von Zambrano einzuhandeln. Hätte, hätte, Fahrradkette! Das Spiel lief zu unseren Gunsten, weil einfach, auch wie bereits in der Vorwoche beschrieben, mit Kramny das Glück zurückgekehrt ist.

Es ist natürlich hypothetisch, darüber zu philosophieren, wie der VfB auf den einen oder anderen Rückschlag reagiert hätte. Ich hatte weder vor noch während des Spiels irgendwelche Bedenken, dass wir dort nicht als Sieger vom Platz gehen würden. Der VfB präsentiert sich seit Wochen schon selbstsicher und wirkt weitaus gefestigter als noch zu Zeiten Zornigers. Als Indiz dafür kann man heranziehen, wie die Mannschaft mit dem Rückstand in Köln umgegangen ist und dass sie sich auch vom Hamburger Ausgleich nicht vom eigenen Weg hat abbringen lassen. Daher hätte ich es ihr auch in Frankfurt, zumindest nach einem Rückstand, zugetraut, unbeeindruckt weiter zu spielen, und die drei Punkte mitzunehmen.

Frankfurt ist schon immer eines der geileren Auswärtsspiele gewesen. Waren es Anfang der 1990er-Jahre stets Spitzenspiele, in denen wir uns zu Zeiten der Yeboahs und Beins so manche derbe Klatsche abholten, sind es mittlerweile meistens Alles-Oder-Nichts-Spiele im Tabellenkeller zweier Mannschaften, die offensiv deutlich besser besetzt sind als defensiv, so dass auch mal ein 4:5 „passieren“ kann wie in der Vorsaison. Zumeist hat dabei der VfB das bessere Ende für sich, ausgenommen das 2:1 für die Eintracht mit Thomas Schneider als Trainer, wo man einen 1:0-Führung, damals traditionell, in den Schlussminuten noch verspielte.

So bewerte ich auch nach dem vierten Sieg in Folge die Serie noch nicht über. Einzig der Sieg gegen Wolfsburg war ein deutliches Ausrufezeichen und kam unerwartet, auch wenn sich dieser schon wieder relativiert, wenn man sieht, wie die Wolfsburger im Mittelfeld der Tabelle herumdümpeln und mit dem VfL der Vorsaison außer dem VW-Emblem auf der Brust nichts mehr gemein haben. Danach folgten drei Siege gegen Vereine, die uns traditionell liegen, zumindest in dieser Konstellation, nämlich Köln und Frankfurt auswärts sowie der HSV zu Hause.
Ans Eingemachte geht es daher eher am Samstag gegen Hertha BSC Berlin, ein Team gegen das wir historisch eine Negativbilanz vorweisen, die uns weniger liegen und die in dieser Saison besonders schwer zu bespielen sind und nicht von ungefähr den dritten Platz inne haben.

Da wird dann auch der inzwischen wieder zu einer festen Größe mutierte Georg Niedermeier beweisen müssen, dass er von Kramny zurecht aus der Versenkung gekramt wurde, wenn es gegen den alten Teamkollegen Vedad Ibisevic geht. Da ist ein Duell mit Haken und Ösen zu erwarten, auf das man sich schon jetzt freuen darf.

Zunächst aber gilt es Frankfurt aufzuarbeiten. Der Block der Frankfurter Ultras musste nach dem DFB-Urteil wegen der Vorkommnisse beim Darmstadt-Spiel leer bleiben. Ich persönlich finde diese Kollektivstrafen zum kotzen, weil es sich die Obrigkeit damit vor allem sehr einfach macht, in dem sie nicht wie in unserem Rechtssystem eigentlich üblich, die Täter ermittelt, sondern alle über einen Kamm schert und „unschuldige“ Dauerkarteninhaber mit abgeurteilt werden.

Dass dabei auch noch jenes verloren geht, was den Fußball so besonders ausmacht, nämlich die Stimmung auf den Rängen, ist ein weiterer Aspekt, der zu hinterfragen ist. Gerade in Frankfurt, einem der stimmungsvollsten Stadien in Deutschland, ging mir das am Samstag brutal ab. Da solche Kollektivbestrafungen inzwischen Schule machen und man den Sport mehr und mehr zum Klatschpappen-Familienevent verändern zu wollen scheint, müssen die Fanszenen zusammen stehen und mit aller Kraft verhindern, dass uns unser liebstes Kind in seiner ursprünglichen Form genommen wird. Es ist ja jetzt schon grenzwertig, was uns abverlangt wird, seien es die hohen Eintrittspreise, alkoholfreies Bier in den Stadien, rauchfreie Arenen und eine synthetisch hergestellte Stadionwurst eines Caterers vom anderen Ende der Republik.

Wenn jetzt noch versucht wird, englische Verhältnisse einzuführen, wo es keine Stehplätze mehr gibt und wo man auf den Sitzplätzen nicht einmal mehr während des Spiels aufstehen darf, wenn vorsorglich einfach mal alle Auswärtsfans ausgesperrt werden, damit die Ordnungskräfte einen ruhigen Nachmittag verleben können, werden sie eines Tages ihr blaues Wunder erleben. Denn, auch der Event-Fan geht wegen der Atmosphäre ins Stadion und nicht lediglich, um seine Familie zu bespaßen und 22 Millionären zuzusehen, wie sie einem Ball hinterher jagen.

Dass diese Strafmaßnahme auch noch total ins Leere ging und die Frankfurter Ultras dann eben schräg über dem Gästeblock ihre neue vorübergehende Heimat fanden, spottet jeder Beschreibung. Für viele VfBler im Block war das eine sehr befremdliche Situation, wusste man ja nicht, ob die Frankfurter auf Krawall gebürstet waren oder einfach „nur“ ihr Team supporten und das Spiel anschauen wollten. Die paar Ordnungskräfte im Pufferblock hätten eine Frankfurter Invasion mutmaßlich jedenfalls nicht aufhalten können. Die VfB-Fans zeigten sich indes mit den Hessen solidarisch und hoben Banner „gegen Kollektivstrafen“ hoch.

Knapp 4.000 Stuttgarter machten sich auf den Weg ins Waldstadion und supporteten das ganze Spiel über sensationell gut. Wir saßen Haupttribüne Seite und hörten die Unseren lauter als die paar hundert Frankfurter im Oberrang.

Der VfB hat scheinbar seine Formation gefunden und trat auch in Frankfurt mit der gleichen Aufstellung an wie schon in den vorigen beiden siegreichen Spielen, also mit dem Innenverteidiger-Duo Schwaab-Niedermeier und mit Martin Harnik auf der Bank, der erstmals nach seiner Verletzung wieder einsatzbereit gewesen wäre.

Der VfB verschlief die Anfangsphase und hätte bereits in der 1. (!) Minute zurückliegen können, als Huszti Tytoń zu einer ersten Parade zwang. Nach dieser ersten Schrecksekunde aber versuchte sich der VfB mit eigenen Ballstafetten Sicherheit zu erlangen. Vor allem der agile Kostic war es immer wieder, der auf der linken Seite seine Schnelligkeit ausspielte, was jedoch defensiv dazu führte, dass Insúa oft auf sich allein gestellt war und die Frankfurter dadurch über ihre rechte Seite gefährlich werden konnten. So auch in der 27. Minute, als eine Flanke den Kopf von Meier traf, und dieser kläglich vergab, wenngleich er von Großkreutz leicht geschubst wurde.

Das sollte sich rächen! Im direkten Gegenzug spielte der seit Wochen sensationell gut aufspielende Lukas Rupp seinen Kapitän Christian Gentner frei, welcher vor dem Tor nicht lange fackelte und zum 0:1 einschob. Bereits das zweite Tor nach Köln, das Rupp Gentner schulbuchmäßig auflegte.

Das war der Türöffner für einen furiosen Auswärtsauftritt, auch wenn es, wie eingangs erwähnt, in der 38. Minute Elfmeter für die Hausherren hätte geben müssen. Kurz vor dem Seitenwechsel aber erhöhte der VfB gar auf 0:2. Kostic schlug eine Ecke auf Georg Niedermeier, der überlegt mit dem Kopf in die Mitte ablegte und dabei Hradecky im Frankfurter Tor aus dem Spiel nahm und Didavi in der Mitte artistisch abstauben konnte. Auch das ist eine unter Kramny neue und lang nicht mehr gesehene Qualität, dass wir plötzlich aus Eckbällen Kapital schlagen.

Die Eintracht kam durch den 0:2-Halbzeitstand noch etwas offensiver aus den Katakomben und erzielte in der 52. Minute den Anschlusstreffer, als Meier einen Tytoń-Abpraller abstaubte.
In dieser Drangphase klärte der stark verbesserte Gentner einen Meier-Schuss auf der Linie, so dass die Führung zu diesem Zeitpunkt am seidenen Faden hing.

Doch, wie schon in den letzten Spielen hatte der VfB die passende Antwort parat und schlug zum richtigen Zeitpunkt zurück, indem Niedermeier mit einem wuchtigen Kopfball nach Gentner-Flanke zum 1:3 traf.

Vom Schorsch war es, vor allem offensiv, der bisher beste Auftritt nach seiner Reaktivierung mit einem Tor und einer Vorlage. Defensiv dagegen hat er noch viel Luft nach oben, da aber inzwischen im Kollektiv viel besser verteidigt wird wie noch vor dem Jahreswechsel, fallen die Schwächen der Einzelnen nicht mehr ganz so gravierend ins Gewicht.

Dennoch sollte sich der VfB alle Zeit der Welt lassen und den weiteren Verlauf der Runde abwarten, ehe man über Vertragsverlängerungen mit Spielern wie Niedermeier, Schwaab oder auch Harnik nachdenkt, die nach wie vor und trotz des Zwischenhochs namentlich mit für die schlechten letzten Jahre stehen.

Das Spiel war auch nach dem 1:3 nicht gegessen, weil sich Didavi kurz nach dem Tor die gelb-rote Karte einhandelte und Meier nur aufs anstatt ins Tor traf.

Eingetütet war der Sieg dann aber zehn Minuten später. Kravets, inzwischen für Timo Werner im Spiel, stürmte in den Strafraum und wurde von Zambrano umgestoßen, was Elfmeter und Gelb-Rot für Zambrano nach sich zog. Kostic verwandelte seinen ersten Bundesliga-Elfer eiskalt und stellte auf 1:4, was die endgültige Entscheidung war, knapp eine Viertelstunde vor dem Schlusspfiff.

Wieder also Kravets, der Siegtorschütze vom HSV-Spiel, der kurz nach dem Elfmeter mit artistischem Einsatz noch die Latte traf, wieder war es Kravets, der in relativ kurzer Zeit nachhaltig auf sich aufmerksam machen konnte und bei dem man sich jetzt schon fast wünscht, ihn auch mal in der Startformation zu sehen. Er macht bereits jetzt großen Druck auf Timo Werner, dessen Chancenverwertung auch in Frankfurt wieder eine Katastrophe war.

Das 2:4 durch Huszti in der Schlussminute hatte nur noch statistischen Wert. Der vierte Sieg in Folge war eingefahren, der Anschluss ans Mittelfeld hergestellt. Seit 2010 unter Christian Gross gewann der VfB nicht mehr seine ersten drei Rückrundenspiele, seit Dezember 2013 war der VfB, abgesehen vom ersten Spieltag der Saison 2014/2015, nicht mehr besser platziert als auf jenem zwölften Platz, den wir nun inne haben. Innerhalb weniger Wochen schaffte es der VfB zehn Punkte Vorsprung auf die direkten Abstiegsplätze und fünf Punkte auf den Relegationsplatz zu legen, alle Achtung!

Auch wenn noch kein Team mit 24 Punkten die Klasse gehalten hat, fällt es schwer in Anbetracht der nun aufkeimenden Euphorie weiterhin einzig und allein den Nichtabstieg im Blick zu haben.

Ich mühe mich diesbezüglich nach Kräften und freue mich gerade nur, dass wir alles in der eigenen Hand haben und unsere zum Klassenverbleib noch notwendigen Punkte in einigen Sechs-Punkte-Spielen gegen die direkten Konkurrenten holen können und auch holen werden. Vor allem die schon bald anstehenden Heimspiele gegen Hannover 96 und den Dorfverein von der Autobahnraststätte habe ich dabei Blick, die gewonnen werden müssen, um die Schlusslichter auf Distanz zu halten und selbst der 40-Punkte-Marke ganz nah zu kommen.

Was derzeit beim Dorfverein abgeht, ist kaum zu fassen. Die Qualität der Mannschaft ist auf dem Papier vorhanden und dennoch kacken sie Woche für Woche ab. Es wäre zu schön, wenn in dieser Saison das wahr werden würde, was der BVB vor einigen Jahren fahrlässig herschenkte, nämlich der Abstieg dieses Retortenclubs. Mich erinnert Stevens‘ Mission gerade die 90er-Jahre, als wir Guido Buchwald absandten, um den KSC in die 2. Liga zu führen, was er auch eindrucksvoll schaffte. Huub Stevens feilt an einem ähnlichen Denkmal, zumindest noch, fraglich ist, wie lang man ihn noch lässt.

Was den VfB angeht, schiele ich nicht auf die Europapokalplätze sondern einzig und allein auf die magische 40-Punkte-Marke. Sollte die erreicht sein, dann können wir noch immer schauen, wie viel Saison noch übrig ist und welcher Tabellenplatz noch in Reichweite liegt. Es ist momentan schon ein erhebendes Gefühl ruhig schlafen und sich entspannt jegliches Bundesligaspiel anschauen zu können, ohne ständig in Was-Wäre-Wenn-Szenarien denken zu müssen, damit bin ich voll und ganz zufrieden.

Wie fragil oder wie stabil das Gebilde noch oder mittlerweile ist, darüber Aufschluss geben werden womöglich schon die nächsten zehn Tage mit den Spielen gegen den BVB, gegen Hertha BSC und bei Schalke 04. Ringen wir auch diesen deutlich besser platzierten Teams wenigstens einen großen Kampf ab oder sind sie weiterhin eine Nummer zu groß?

Sehr positiv stimmt mich derzeit, dass es Kramny innerhalb kürzester Zeit geschafft zu haben scheint, aus einem zerstrittenen Haufen ein eingeschworenes Team zu formen.

Großartig, welche Bilder wir mittlerweile auf Instagram, Facebook & Co. zu sehen bekommen. Bilder von Mannschaftsabenden, Bilder mit Federico Barba in der Mitte und dem Titel „Integration“, Siegerbilder nach den Spielen aus der Kabine, und in Frankfurt, sogar der leider langzeitverletzte Federico Barba mittendrin.

Könnten solche Bilder noch gestellt sein, war ich am Samstag von einem selbst aufgenommenen Bild begeistert und fast zu Tränen gerührt. Nämlich, als Alexandru Maxim in der 85. Minute für Filip Kostic eingewechselt wurde und wie ein Honigkuchenpferd strahlte. Kein Groll darüber, „nur“ Ersatz gewesen zu sein, sondern offensichtlich die Freude darüber Mitglied eines tollen Teams zu sein. Diese Szene hat mich schwer beeindruckt und macht mir Hoffnung, dass hier etwas am wachsen ist und uns nicht nur gute Stimmung vorgegaukelt wird. Da Didavi am Samstag gegen die Berliner Hertha gesperrt ist, gönne ich Maxim diesen Einsatz von Herzen und hoffe, dass er ähnlich effektiv auftritt wie Daniel Didavi.

Vorher aber steht noch das Pokalspiel gegen den BVB auf dem Programm. Als uns die Los-Fee diesen Kracher vor die Nase setzte, rechnete ich mit nichts anderem als dem blamablen Ausscheiden aus dem Pokal und einem Millionenpublikum vor den Fernsehern, das sich von der Unfähigkeit der VfB-Akteure ein Bild machen könnte.

Nun aber, nach den jüngsten Erfolgen und vor allem dem Wie, wie sie errungen wurden, rechnet man sich urplötzlich etwas aus. Auf dem Papier ist natürlich der BVB, der laut Watzke in jeder anderen Liga Europas Tabellenführer wäre, haushoher Favorit. Aber, in einem Spiel ist vieles möglich. Der BVB dürfte angesichts der zuletzt gezeigten Auftritte gewarnt sein und vor allem vor unserer Offensive großen Respekt haben. Kramny kündigte einige Änderungen in der Startelf an, ich hoffe, dass sich diese nicht negativ auf die Ordnung und die Kompaktheit auswirken werden.

Der VfB rechnet mit 50.000 Zuschauern und kann froh und dankbar darüber sein, dass sich der Saisonverlauf in den letzten Spielen zum Positiven gewandelt hat.

Die ausgerufenen Eintrittspreise waren von Anfang ein großes Thema. Zum Zeitpunkt der Bekanntgabe musste man ohnehin mit dem Schlimmsten rechnen, hat sich der VfB in den letzten Jahren ja zu Hause kaum mit Ruhm bekleckert. Uninspirierte Auftritte und Heimniederlagen en masse, da ist es schon frech z. B. für meinen Dauerkartenplatz, der im Schnitt etwa 25,50 € kostet für dieses Spiel 61,50 € zu verlangen. Natürlich sind Rabattaktionen für Dauerkarteninhaber und Mitglieder verboten oder müssten, wenn sie denn gewährt werden würden, auch an den Dortmunder Anhang weitergegeben werden. Aber, für ein Spiel unter der Woche, am Faschingsdienstag, mit Live-Übertragung im Free-TV und als Abstiegskandidat in der Bundesliga Preise der Top-Spiel-Kategorie auszurufen ist für mich eine Frechheit. Der „normale“ VfB-Fan geht ja ohnehin nur wegen dem VfB ins Stadion und schert sich dabei einen Dreck, wer der Gegner ist.

Die Initiative „Kein Zwanni – Fußball muss bezahlbar sein“ hatte bereits angekündigt, dass die Dortmunder Anhängerschaft die ersten zwanzig Minuten geschlossen im Innenraum verfolgen würde, auch auf VfB-Fanseite stieß diese Preispolitik auf großes Unverständnis.

Neue Nahrung erhielt diese Diskussion gestern, als der BVB öffentlich erklärte, schriftlich beim VfB wegen der Preise Beschwerde eingereicht zu haben, obwohl Präsident Wahler stets weismachen wollte, die Preise wären gemeinsam mit dem BVB festgelegt worden. Eine glatte Lüge also, sollte dies den Tatsachen entsprechen!

Nach dem Vorpreschen der Dortmunder gab der VfB eine Erklärung heraus, die den Vorwurf der Lüge nicht entkräftet hat. Man begründete lediglich die Preispolitik, u. a. indem man erklärte, auf die Preiszuschläge, die der BVB noch aufschlägt, keinen Einfluss zu haben.

Im Kern aber ist es mehr ein Herausreden als eine stichhaltige Erklärung. Wenn der VfB erklärt „Die Preise für das Spiel wurden dem BVB vor dem Start des Vorverkaufs mitgeteilt, erst mehrere Tage nach dem Beginn des Vorverkaufs erfolgte eine Reaktion durch den BVB.“ stellt sich mir trotzdem die Frage nach dem ganz genauen Zeitablauf und welche Fristen in der Kommunikation bei Bundesligavereinen üblich sind. Erfährt man keine Reaktion, kann man ja auch durchaus einmal den Telefonhörer schwingen und nachfragen, ob die Information denn angekommen ist und wie sie aufgenommen wurde.
Dass der BVB erst gestern mit dieser längst fälligen Erklärung herauskam ist natürlich auch zu hinterfragen. Möglicherweise haben sie sich ja doch auch mit dem Geldsegen angefreundet. Durch den angekündigten 20-minütigen Stimmungsboykott bekam die Angelegenheit jedoch weitere Brisanz, so dass sich der BVB nun doch noch genötigt sah, diese Dinge klarzustellen.

Für mich bleibt auf jeden Fall ein Gschmäckle hängen und die immer wieder kehrende Frage vor der Abstimmung zur Ausgliederung, welches Vertrauen man dieser Vereinsführung noch entgegenbringen kann.
Jetzt, nachdem es wohl offenkundig ist, dass wir vom VfB an der Nase herum geführt wurden, fände ich es gut, wenn sich die VfB-Fans mit „Kein Zwanni – Fußball muss bezahlbar sein“ solidarisieren und im Innenraum gegen die Vereinsführung protestieren würden.

Die Initiative ist doch an und für sich eine gute und vertritt die Interessen eines jeden Fußball-Fans. Von der Spitze sind wir zwar weit entfernt, sollten wir aber eines Tages mal wieder im Konzert der Großen mitspielen, hätte wir mit denselben Problemen zu kämpfen, nämlich denen, dass für jedes Spiel, zu dem wir fahren, Top-Zuschläge aufgerufen werden.

Auch ich war drauf und dran, dieses Spiel zu boykottieren, bringe es aber dann doch nicht übers Herz, dass „mein“ VfB spielt und ich mir das Spiel im Fernseher anschaue. Gemütlicher wäre es sicherlich, vor allem in Anbetracht der Wetterprognosen und des zu erwartenden späten Heimkommens, aber, live ist eben doch live, so dass ich uns jetzt doch noch kurzfristig Stehplatzkarten organisiert habe.

Unter den erwarteten 50.000 Zuschauern werden etwa 10.000 BVB-Sympathisanten sein. Ich hoffe, es bleibt trotz der Vorkommnisse beim Bundesligaspiel im Westfalenstadion einigermaßen ruhig, die Atmosphäre, vor allem zwischen den Ultras-Lagern ist seitdem ja gehörig aufgeheizt.

Ich freue mich auf ein offenes Spiel auf durchaus hohem Niveau. Die Berliner Hertha hat am Samstag gezeigt, wie man der Borussia den Spaß am Spiel nehmen kann. Sie überließen dem BVB zwar den Ball, durch konsequentes bissiges Verteidigen raubten sie ihnen aber nach und nach die Lust am Spiel und hätten am Ende gar selbst noch siegen können.

Gut möglich, dass Mitch Langerak gegen seine Ex-Kollegen morgen sein Debüt im Profiteam vom VfB geben darf. Er dürfte dann, wie auch Kevin Großkreutz, ganz besonders motiviert sein, wenn es gegen den ehemaligen Herzensclub geht. Beiden wünsche ich eine große Leistung und dass sie, wie der Rest des Teams, nicht übermütig zu Werke gehen und sich schnell unnötige Karten einfangen.

Es ist ein guter Tag Geschichte zu schreiben und nach den einigermaßen „normalen“ Siegen ein wirkliches Ausrufezeichen zu setzen. Die Vorzeichen stehen gut, der VfB befindet sich in Hochform, ist mit dem nötigen Selbstvertrauen ausgestattet und gibt sich doch nach den Siegen wohltuend demütig, im Wissen darum, dass sich auch weitere Erfolge nur einstellen werden, wenn konsequent und konzentriert weiter gearbeitet und keinen Fingerbreit nachgelassen wird. Mit einer solchen Einstellung soll es schon Teams gegeben haben, die Berge versetzt haben, warum sollte es dem VfB mit uns Fans im Rücken nicht gelingen. Der Traum von Berlin lebt, lasst ihn auch nach dem heutigen Spiel noch weiterleben, packen wir es an, ihr für uns, wir für euch!

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